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Entomologische NMonatschrift.
Verantwortliche Redacteure:
Julius Lederer und Ludwig Miller.
III. Band.
Mit 9 Tafeln.
Wien, 1859.
In Commission bei Carl Gerold’s Sohn.
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Entomologische Monatschrift,
Verantwortliche Redacteure:
Julius Lederer und Ludwig Miller.
II. Band.
Mit 9 Tafeln.
Wien, 1859.
In Commission bei Carl Gerold’s Sohn.
WIENER - Eintomolovische Monaischrili.
Redaetion und Expedition : In Commission bei Landstrasse, Blumengasse Nr. 116. Carl Gerold’s Sohn, Stadt N. 625.
Nr. 1. III. Band. Jänner 1839.
Ueber gewisse Arten von Üritik entomologischer Werke.
Von E. MeEnetries,
Director des kais. entomologischen Museums in Petersburg.
E: ist nicht in Abrede zu stellen, dass eine gewissenhafte,, von lite- rarischen Autoritäten geübte Critik auf die Wissenschaft nur günstig einwirken kann; sei es nun, weil sie Irrthümer aufdeckt, die sich mit der Zeit eingeschlichen hatten, sei es, um Dinge aufzuhellen, die oft in unklarer Weise hingestellt wurden, sei es endlich, um andere Forscher , die durch günstige Situation in der Lage sind, gewisse Be- hauptungen durch ihre Beobachtungen feststellen oder widerlegen zu können, aufzumuntern und anzuregen. Ein solcher Titel eines Uritikers hängt aber nicht von unserer Wahl ab; er wird weit öfter angemasst, als zurückgewiesen, und diess hat dann zur Folge, dass unter seiner Maske oft Missbrauch getrieben wird.
Es können bei dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft nur Solche ein der Wissenschaft nützliches Urtheil abgeben, welche sich speciell mit dem einschlägigen Gegenstande befassen. Die grosse Anzahl tagtäglich erscheinender Werke macht das Gritisiren an und für sich schon mühsam ; viele Werke kommen aber auch gar nicht in den Buch- handel und gelangen entweder sehr spät in die Hände des Entomologen, oder bleiben so gut wie unbekannt. Sie irgendwo zusammen zu stellen, heisst daher ohne Widerrede der Wissenschaft einen sehr grossen Dienst erweisen und es verdient alle Anerkennung , dass viele Revuen, Jour- nale, Rechenschaftsberichte oder Abhandlungen gelehrter Gesellschaften es unternommen haben, Alles anzukündigen, was zu ihrer Kenntniss gelangte. Das Completeste dieser Art bringt Wiegmann’s Archiv
‚Wiener entomol. Monatschr. II. Ba. 1 1
3. Hat die Critik in sämmtlichen Puneten Recht, so ist eine Antieritik überflüssig, es müsste denn der Autor neue Daten zur Unter- stützung seiner Sache beibringen.
4. Wenn der Critiker die Ansichten eines Autors bekämpft, soll er dabei mit Vorsicht zu Werke gehen und bedenken „ dass der Autor gar Vieles prüfen musste, dessen Anführung oder Wiederholung er nicht erst für nöthig hielt. Der Critiker möge sich daher nur auf eigene Beobachtung stützen und in letzter Instanz das Publicum richten lassen.
5. Stimmt der Critiker den Ansichten des Autors nicht bei, so soll er seine Ansicht unter Beibringung von Thatsachen begründen.
6. Ist der Autor nicht der Ansicht des Critikers, so soll er seine Arbeit einer neuen Recension unterziehen; er wird dann, wenn er mit seinem Gegenstande noch vertrauter ist, bei Wiederholung seiner Untersuchungen Manches auffinden, das zur Bekämpfung seines Gegners dienen kann; die Wissenschaft wird dann entweder dabei gewinnen, oder er wird wenn er nichts Stichhaltiges vorzubringen weiss, von der Sache abstehen müssen.
Was bei den meisten Critiken und Polemiken bedauerlich ist, das ist die mehr oder weniger gehässige Form und der absprechende, ja selbst herabwürdigende, oft an Impertinenz streifende Ton derselben ; alles diess oft nur wegen eines vielleicht barroquen Speciesnamens oder eines vom Standpuncte des Philologen unrichtig gebildeten Gattungs- namens oder eines Sprachfehlers. Lohnt es wohl der Mühe, den Leser mit all dem zu behellisen und zwar noch in so beissender Weise? Ich dächte, der Critiker hätte eine ganz andere Mission zu erfüllen, näm- lich die, zu beurtheilen, ob der Autor überhaupt etwas für den Fort- schritt der Wissenschaft geleistet hat, ohne erst an der Form zu nergeln,, in welcher es geboten wurde. Man sollte daher in solchen Berichten dem Referenten nicht erlauben, sich zum Dictator aufzu- werfen, seinen Tadel mit Ironie zu paaren, oder hämische Bemer- kungen über Werke anzubringen, die er entweder nicht versteht oder aus einem Uebermasse von Weisheit keiner nähern Durchsicht würdigt, da eine solche Handlungsweise eines Mannes unwürdig ist, der Achtung vor sich selbst besitzt und die Ehre hat, für ein Werk wie Wieg- mann’s Archiv die Critiken zu arbeiten.
Ohne mich für irgend Jemand zum Vorkämpfer aufwerfen zu wollen, hatte ich doch schon seit längerer Zeit den lebhaften Wunsch mich gegen einen solchen Missbrauch der Stellung, wie er eben in Wieg- mann’s Archiv stattfindet, auszusprechen, unterliess es aber immer
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in der Hoffnung, dass in den jungen Entomologen, welcher der Be- richterstatter der genannten Zeitschrift ist, ein versöhnlicherer Geist einziehen und er den Ratlı seiner wissenschaftlichen Collegen und Landsleute mehr beachten werde. Ich irrte mich aber, denn Coterie- wesen oder irgend ein anderer Grund haben seine Feder nur noch mehr zugespitzt. Ein solches Crescendo muss wirklich vor der Zukunft bange machen, denn es lässt voraussehen, dass endlich die wissenschaftliche Critik nur einen Vorwand abgeben werde, an Diesem und Jenem sein Müthchen zu kühlen oder den zu züchtigen, der zu widersprechen wagt und mithin eine persönliche Rache auszuüben; so aber haben die Vorfahren des Referenten, wie Illiger, Klug, Erichsehn ete. die Wissenschaft nicht aufgefasst !
Die Ironie war stets eine starke Waffe; in Frankreich tödtet sie sogar. Daraus folgt aber noch nicht, dass man unter ihrer Maske auch Recht habe ; im Gegentheile dient sie gar oft dazu, die Aufmerksam- keit des Lesers abzulenken, der dem Geschmähten dann gewöhnlich Unrecht gibt. Die Ironie führt aber nicht nur den, der sich ihrer bedient zu einem Dünkel, der ihn über Alles, ob nun mit Recht oder Unrecht in brusquer Weise absprechen lässt, sie verletzt auch den Betroffenen und nöthigt ihn, zu gleichen Waffen zu greifen, weil auf Schmähungen eine bescheidene, wenn auch noch so logische Entgesnung, immer nur langweilig erscheinen und unbemerkt beiben würde ; es wird immer Demjenigen die Palme bleiben, der sich ihrer geschickter zu bedienen weiss und er wird als der Gelehrtere gelten, da er ja Sieger im Kampfe blieb. Das traurigste Resultat aber ist, dass eine Critik, die so ausartet und zum Epigrammenkrieg wird, sich endlich m einen förmlichen Faustkampf verwandelt, in dem mit der Feder d’rein ge- ‚ schlagen wird und dass sich zuletzt Coterien bilden werden, die aus der Discussion nur Zank und Hader machen.
‚Ist es denn gar so schwer, seine Ansichten oder Beobachtungen in bescheidener Weise, in jenem Tone, wie er jedem Menschen von Erziehung eigen sein soll, bekannt zu machen ? Hört Einen das Publicum darum weniger oder kann man seine Argumente so minder geltend machen? Einem herben und absprechenden oder malitiösen Artikel gegenüber gewiss viel schwerer, weil gerade die uns zugeschleuderten salligen Worte ansteckend wirken und uns eine in gleichem Tone ab- gefasste Antwort dietiren.
Oder soll sich der getadelte Autor zu antworten enthalten ? Das kann , wie Hr. Dr. Schiner (Wiener entom. Monatschft. 1857 Nr. 2)
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bemerkt, aus Schüchternheit,, aus Furcht, noch giftigere Artikel herauf zu beschwören, oder um Persönlichkeiten, in welchen sich die Polemiken gewöhnlich ergehen, zu vermeiden (siehe Chaudoir Stettiner entom. Zeitung 1858 p. 72) wohl vorkommen ; gewinnt aber die Wissenschaft bei dieser Zurückhaltung ? Nein, denn nicht nur, dass der streitige Fall unentschieden bleibt, werden auch Manche aus diesem Stillsehweigen folgern: Heır Chaudoir oder Dieser und Jener haben Unrecht, sonst würden sie antworten.
Wenn man schon in gewissen wissenschaftlichen Zeitungen jene herben und galligen Artikel nur ungerne erträgt, neben welchen gleich- zeitig in Knittelversen abgefasste Harlequinaden figuriren, die man je nach Geschmack sehr amusant und geistreich finden mag, die aber zur Wissenschaft in keiner Beziehung stehen , wie sollte es dann erst mit einem so eınsten, in so gutem alten Rufe stehenden Werke, wie Wiegmann’s Archiv, einem Werke, an dem so viele Gelehrte mit- arbeiten , gehalten werden? Da dürfte doch die Ironie, Satyre und das Hämische bei Seite zu lassen sein und zwar um so mehr, als, wie ich nochmals wiederhole, man mit derlei Mitteln nichts beweist‘, son- dern höchstens hofft, die Lacher auf seine Seite zu bringen. Traurige Trophäe , wo es sich um die Wissenschaft handelt !
In der Hofinung , dass dieser Zustand endlich eine Reform erfahre, dass derlei Unarten von der Critik ausgeschlossen werden und das Coterie- wesen eine totale Veränderung erleiden möge, habe ich meine Meinung so offen ausgesprochen und beschränke ich mich nun darauf, em paar Fälle anzuführen, die zwar mich persönlich betreffen, aber die Art und Weise, wie gegenwärtig Critik getrieben wird, darthun werde.
Die Redaction der Stettiner entom. Zeitung hat aus Gründen, die ich für diessmal nicht mit dem rechten Namen bezeichnen mag, eine Antieritik von mir drucken lassen, die ich ausdrücklich zurück gezogen hatte, indem ich dafür einen Artikel in deutscher Sprache, (man ver- weigerte mir damals selbst eine Uebersetzung) eine rein wissenschaftliche Widerlegung, ohne Reflexion und Persönlichkeiten bringen wollte. Sie lässt aber nicht nur meinen Protest unbeachtet und wählt nach ihrem Belieben denjenigen der beiden Artikel zum Diucke aus, welchen ich zurückgezogen hatte, sondern brüstet sich noch hinterher mit ihrer Unparteilichkeit ! —
Dagegen hat sie Herrn Dr. Gerstaekers Critik des 2. Theiles meines Cataloges der Schmetterlinge des Petersburger kais. Museums (1858 Nr. 7,9 Juli—Septb.) ohne Beschränkung zugelassen, obwohl sie
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dessen nicht sehr würdig war, sowohl dem Geiste nach, der sie durch- weht, als auch dem Inhalte nach, der sehr schwach ist. Es war dieser Artikel schon desshalb unnütz, weil— wie ich in meiner der Stettiner- Zeitung zugeschickten Reclamation der Priorität dargethan hatte —- die gerügten Fehler von mir selbst schon 3—4 Monate früher (in dem am 19. Mai ausgegebenen Bulletin de la Soc. d. Natur. de Moscou 1858 Nr. 1.) berichtigt waren, also am ganzen Artikel nur zwei Bemerkungen Eigenthum des Autors blieben. Die Erste ist dessen Meinung, dass mein Smerinthus argus nur Varität von Sm. ocellatus sei. Diess ist nun wenigstens eine Meinung, die die Frage in so lange offen lässt, bis genauere Beobachtungen sie entschieden haben werden. Bei der Zweiten, dem Pap. cyniras aber war es, ein unglücklicher Einfall, gerade diese Art zum Ausdruck seiner Geringschätzung auszuwählen, denn diess gibt kein Zeugniss von tiefen Kenntnissen in der Lepidop- terologie. Sie soll seiner Ansicht nach eine unerhebliche Varietät von P. ihoas sein, während sie doch, wie man mir schreibt, competente Personen als eine gute Art anerkennen. Sie biethet nebst allerlei anderen Abweichungen in dem verschiedenen Gange der gelben Mittel- binde einen meines Erachtens ganz guten Charakter, denn diese, statt schief zu stehen, wie beim P. thoas, ist bei meiner Art parallel mit dem Aussenrande des Flügels, so zwar, dass die Reihe gelber Randflecke, die man beim P. thoas bemerkt, sich bei meiner Art nicht findet und auch kein Platz für sie vorhanden wäre. Wer nur einige Erfahrungen über das Variiren der Arten hat, wird zugeben, dass reihenweise Punkte oder Flecken wohl an Zahl variiren, mehr oder weniger genähert in eine Binde zusammengeflossen oder ganz oder theilweise verschwunden sein können, dass aber eine gut ausgedrückte Binde nie ganz entgegen- gesetzt verlaufen könne, denn das kommt bei blossen Varietäten nicht vor. Wie ich es schon anderwärts aussprach, hat die Natur, die stets auf die Erhaltung der Art bedacht ist und im Verlaufe von Jahrhunderten sich gleich bleibt, sich selbst in den Varietäten, Aberrationen etc, Schranken gesetzt und es ist am Naturforscher, den Werth der sich ihm darbiet enden Abweichungen nach Verdienst zu würdigen.
Mässigung ist das erste Erforderniss der Critik. Stellt man auch das Princip auf, dass Jedermann frei seine Meinung äussern könne, so kann es am Ende nicht befremden, wenn man sich um den persönlichen Werth des Critikers bekümmert, um darnach den Grad von Autorität zu bemessen, den man seinen persönliche Meinungen beizulegen hat.
Werden wir nun in Zukunft wieder ähnliche, in so feindseligem Geiste abgefasste Recensionen erhalten? Es steht zu befürchten. Was wird aber aus der Critik werden, die doch zur Wissenschaft unumgänglich nöthig ist? Ich richte mich an meine Collegen in der Wissenschaft ; mögen sie den Muth haben, ihre Meinung auszusprechen, und unpar- theiisch beurtheilen, ob meine Klagen und Reclamationen gegründet sind! —
Beiträge zur Kenntniss der europäischen Haltieinen.
Von F. Kutschera.
Bei der Durcharbeitung eines reichhaltigen Materials dieser Käfer- gruppe, welches mir durch die Bereitwilligkeit und freundliche Unter- stützung meiner entomologischen Freunde nebst der nothwendigen Literatur zugänglich gemacht worden war, hatte ich Gelegenheit, den orössten Theil der europäischen Halticinen aus eigener Anschauung kennen zu lernen und dabei viele Erfahrungen und Beobachtungen zu machen, welche ich für die Freunde dieser niedlichen Thierchen für interessant genug halte, um deren Mittheilung zu versuchen.
Ich übergebe diesen Versuch dem entomologischen Publicum als „Beiträge zur Kenntniss der europäischen Halti.ci- nen‘, da er keineswegs die Ansprüche auf Vollständigkeit des behan- delten Gegenstandes zu erfüllen vermag; es war vielmehr nur mein aufrichtiges Bestreben, die aus der sorgfältigen Prüfung und Ver- gleichung der entomologischen Werke und den eigenen aus der Natur geschöpften Beobachtungen gewonnenen Resultate für die Kenntniss dieser Käfergruppe fruchtbringend zu machen und eine für die künftige Bearbeitung derselben nicht ganz unbrauchbare Vorarbeit zu liefern. In dem Bewusstsein dieses redlichen Strebens hoffe ich auf eine gütige Nachsicht der Critik, falls durch gründliche Forschungen die darin niedergelesten Anschauungen in einer oder der andern Richtung eine Berichtigung finden sollten.
Mein Bemühen war hauptsächlich darauf gerichtet, durch eine vergleichende Darstellung sowohl der ganzen äusseren Bildung als der einzelnen Theile ein übersichtliches Bild dieser Käfergruppe (soweit sie Europa betrifft) zu geben, weiters aber durch die Hervorhebung
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der gemeinsamen Merkmale und Eigenschaften eine sichere Grundlage für die Beschreibung der einzelnen Arten zu gewinnen.
Von Synonymen habe ich nur solche angeführt, aus deren Ver- gleiche ich die Ueberzeugung geschöpft habe, dass sie zu der Art, bei welcher sie angeführt sind, wirklich gehören, indem Zweifel hinsichtlich der Synonymie bei den oft nur allzu kurzen Beschreibungen älterer Autoren, ohne Vergleichung der Originaltypen ihrer noch vorhandenen Sammlungen wohl kaum endgiltig gelöst werden dürften ; übrigens dürfte ohnehin dem Prioritätsrechte kaum zu nahe getreten werden, wenn wegen ungenügender Beschreibungen ältere Autorschaften nicht berücksichtiget, und dafür der mehr Deutlichkeit und Gewissheit ge- währende spätere Autor angenommen würde,
Die biologischen und geographischen Verhältnisse wurden nach Möglichkeit im Auge behalten, jedoch von den ersten Ständen nur im Allgemeinen Erwähnung gethan, da hierüber wenig specielle Beobach- tungen vorliegen und eigene Erfahrungen in dieser Beziehung nicht zu Gebote standen.
Für die Systematik wurde mit wenigen Abweichungen die in der siebenten Auflage des vom entomologischen Vereine in Stettin heraus- gegebenen Catalogus Coleopterorum Europae gegebene Anordnung fest- gehalten, da selbstverständlich ohne Bezugnahme auf alle exotischen Formen und ohne der umfassendsten Kenntnisse aller einzelnen Organisa- tionsweisen jeder derartige Versuch scheitern müsste.
Noch bemerke ich schliesslich, dass, da es nicht gelang, die Typen aller zur europäischen Fauna gehörigen Arten zur Vergleichung zu erhalten , ich die entstandenen Lücken aus den bezüglichen Autoren .zu ergänzen versuchte, sobald ich die Ueberzeugung für die Selbst- ständigkeit der aufzunehmenden Art erlangt hatte,
Die Frage über die systematische Stellung der Haltieinen ist eine noch keineswegs hinlänglich gelöste.
Von Linne€ und seinen Nachfolgern in die Gattung: Chry- somela mit der Unterscheidung „‚saltatoriae‘ einbegriffen, wurden die Haltieinen zuerst von Geoffroy in seiner Hist. abreg&e des Insectes 1764 nach dem aus ihrer Natur geschöpften Merkmale des Springvermögens als besondere Gattung „Altica‘“ (vom griechischen aAzınog, zum Springen geschickt) herausgehoben, welche Gattungs-
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trennung von Fabricius in seinen ersten Werken „Systema Ento- mologiae 1775 und Genera Insectorum 1777 angenommen, in seinen späteren aber wieder aufgegeben wurde, indem er sie in seinen „Spe- cies Insectorum 1781 und ' Mantissa Insectorum 1787* wieder zur Gattung Chrysomela zog, in seiner Entomologia systematica 1792 mit der gleichfalls von Geoffroy aufgestellten Gattung Galleruca ver- einigte, in seinem letzten Werke: „Systema Eleutheratorum 1801“ aber gar unter vier verschiedenen Gattungen: Chrysomela, Crioceris , Gal- leruca,. Gelaspis mit der Abtheilung: „saltatoriae‘ vertheilte, und so ihrer Natur nach zusammengehörige Formen gewaltsam trennte, Von Olivier in der Eneyelopedie IV. Tom. 1801 und dessen Ento- mologie V. Tom. 1807 wurden die in Rede stehenden Insecten wieder zur selbstständigen Gattung: Haltica verbunden, und in diesem Sinne auch von Illiger in dessen Magazin für Inseetenkunde I. Band 1802 und VI. Band 1807 für die springenden Gallerueiden festgehalten.
Bisher waren die einzelnen Käfergattungen im Systeme nur nach einzelnen Merkmalen gruppirt und als gleichwerthig neben- und anein- ander gereiht worden, ohne dass ihre verwandschaftlichen Beziehungen zu einander berücksichtigt worden wären; erst mit den Versuchen Latreille’s zur Gründung eines natürlichen Systems und Gruppirung der einzelnen Insectenordnungen in natürliche Sectionen, Familien, Gruppen, wurde auch für die systematische Stellung der Haltieinen eine festere Grundlage gewonnen, indem er zuerst die gemeinsamen Uharaetere des umfangsreichen Käferstammes der Chrysomeliden auf- gefasst und schon 1796 in den „Precis des caracteres generiques des Insectes“ für dieselben seine 24. Familie aufgestellt hat. Das Resultat der ferneren in zahlreichen Werken niedergelesten Arbeiten Latreille’s ist in Kürze. dass er in der Section der Tetrameren die natürliche Fa- milie der Chrysomelines aufstellte (Hist. natur. des Crust. et des Ins. 1802—5: — Genera Urustaceorum et Insectorum 1807); diese später in zwei selbstständige Familien ohne weitere Untertheilung trennte (Considerations gener. sur les Crust., les Arachn. et les Ins. 1810), deren Benennung Criocerides und Chrysomelines er wieder in Eupodes und Cycliques umwandelte (Regne animal 1. ed. 1817, Familles na- turelles 1825). Aus der in allen diesen Werken befolgten Anordnung der einzelnen Gattungen geht hervor, dass er die Gattungen Galleruca und Haltica immer als die Stämme zweier nahe verwandter Thier- gruppen betrachtete, indem er sie stets nebeneinander, aber bald in
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die Nähe von Hispa und Cassida, bald in jene von Chrysomela setzte. Engdlich in der zweiten Auflage des Regne animal 1830 unternahm er die weitere Unterabtheilung der Familie Oycliques in drei Zünfte: I. Cassidaires, II. Chrysomelines, III. Gallerucites, welche letztere die Gattungsstämme Galleruca und Haltica umfasst. Die von ihm bewirkte Auflösung der Stammgattung Haltica in mehrere enger begrenzte Gat- tungen wird später berührt werden.
Die von Chevrolat bearbeitete 2. Auflage des Dejean’schen Käfercatalogs 1837 verdient insoferne Erwähnung, als er wegen seines umfassenden Inhalts bis in die neueste Zeit der systematischen Anordnung der meisten Sammlungen zu Grunde gelegt worden ist, Er hält die Familie der Chrysomelines in dem weiten Umfange fest, wie er von Latreille in der Histoire naturelle des Crust. etc. aufgestellt worden war und dehnte sie sogar auf dessen Clavipalpes aus, nimmt aber keine weiteren Unterabtheilungen an, sondern reiht die aus der Zertheilung der Stammgattungen Galleruca und Haltica gebildeten zahlreichen Gattungen zwischen den Öassiden und Chrysomelen, über- einstimmend mit der von Latreille in dessen Gonsiderations Gen. etc- aufgestellten Reihenfolge.
Zu erwähnen kommt noch Spinola’s Classification, (Dei Prioniti e dei Coleotteri ad essi piu affıni. Memor. della R. Acad. delle Se. di Torino. Ser. II. vol. V.; Monograph. des Clerites, 1844), welcher von ganz anderen Principien ausgehend, zuletzt zu ähnlichen Resultaten mit Latreille gelangte; er fasste die Latreille’schen Familien der Rhyneophores, Longicornes, Eupodes und Cyeliques nach dem Merkmal der bürstenartigen Bekleidung der drei ersten Tarsenglieder auf der Unterseite als Sektion: „Scopitarsia‘ zusammen und theilt sie in neun Familen, worunter wir nach dem von ihm zum Familien-Charakter erhobenen Merkmale der Springbeine die „Alticites‘ als besondere Familie, aber von jener der Gallerueites durch Einschaltung der Familie: Hispites , entfernt gestellt finden.
Mit Uebergehung der in den Faunen einzelner Länder gegebenen systematischen Reihung der Halticinen kommen wir auf jenes Werk zu sprechen, von welchem eine gründliche Lösung der systematischen Frage zu erwarten gewesen wäre, die leider unvollendet gebliebene Monographie de la Famille des Phytophages von Lacord aire (1845). Nachdem das Werk ins Stocken gerieth, sind wir auf die wenigen in der Einleitung hinsichtlich der Stellung der Halticinen gegebenen An- deutungen beschränkt. Lacordaire gibt der von Dumeril (Zoologie
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analytique 1806) aufgestellten Familienbezeichnung „Phytophages“ den Vorzug vor den Latreille’schen Benennungen und theilt die ganze Familie nach dem Merkmale der an der Wurzel entfernt oder genähert stehenden Fühler in zwei Hauptgruppen oder Legionen : „Apostasicerides und Metopocerides*, deren letztere wieder drei Zünfte oder Gruppen Gallerueides, Hispides und Cassidides umfasst. Er stellt für die Haltieinen keine besondere Gruppe auf, vielmehr gesteht er, bisher vergeblich nach einem Merkmal zur Sonderung dieser Insekten gesucht zu haben, und seine Ansicht halte die Mitte zwischen der des Fabricius nnd jener Latreille’s, welcher Letztere die Halticinen zu einer einfachen Unterabtheilung der Galleruciden gemacht hatte. Er hält mit ihm den grössten Theil dieser Thiere als in diese Gruppe gehörig, jedoch will er eine gewisse Anzahl dahin gezogener Arten in die Gruppe der Eumolpiden versetzt wissen.
Nach seinen Erfahrungen zeigt sich nemlich zwischen den ver- dickten Hinterschenkeln und dem Springvermögen kein beständiges, nothwendiges Verhältniss, so zwar, dass die Fähigkeit zum Springen nicht immer mit der Stärke der Anschwellung Hand in Hand gehe und umgekehrt diese nicht jene bedinge. Ihm ist daher das Springvermögen eine Eigenschaft von nur untergeordneter Bedeutung für die Systematik, eine Nebenverrichtung, welche in jeder möglichen Organisationsweise vorkommen könne, wenn sie sich in der Mitwirkung der Hinterbeine äussert. Er tritt nicht allein der Ansicht Spinola’s entgegen, welcher ihr die Bedeutung eines Familien-Charakters beilegte, sondern er will ihr nicht einmal einen unbedingt generischen Charakter einräumen, und würde in diesem Sinne keinen Anstand nehmen, in ein untl dasselbe Genus Arten zu vereinigen, ohne Rücksicht des Vorhanden- oder nicht Nichtvorhandenseins dieser Eigenschaft. Während diese nun bisher von den Systematikern als ein Hauptmerkmal der Unterscheidung aufgefasst worden war, verliert sie durch diese Annahme L ac or daire’s bedeutend an Gewicht.
Ohne nun die Gründe zu untersuchen, welche die Unterabtheilung der Chrysomeliden in naturgemässe, fest abgegränzte Gruppen erschweren, noch sich in eine Beurtheilung des inneren Zusammenhanges der Spring- kraft mit der Anschwellung der Hinterschenkel und des Werthes dieser Eigenschaft für die Systematik einzulassen, dürfte doch gestattet sein, für den gegenwärtigen Zweck dieses Aufsatzes die Halticinen als eine besondere Unterabtheilung der Galleruciden-Gruppe aufzufassen und die Bemerkung beizufügen, dass, so wenig verdickte Hinterschenkel für
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sich allein einen Familien- oder selbst Gattungs-Charakter abzugeben im Stande sind, doch das Auftreten obiger Eigenschaft bei einer zahl- reichen Reihe unter sich übereinstimmend gebildeter Insekten nicht ohne Bedeutung sein dürfte, und das Vorhandensein wirklicher Spring- beine bei den Halticinen unter dem Zutreffen der wesentlichen Charak- tere der Galleruciden-Gruppen die Bildung einer Unterabtheilung in dieser Gruppe nicht naturwidrig erscheinen lasse, wenn noch ein weiteres Merkmal hinzutritt, wie es in den enropäischen Typen durchaus der Fall ist und ich wenigstens bei allen mir zur Vergleichung vorgelegenen exotischen Arten beobachtet habe.
Während die eigentlichen Gallerucinen mit wenigen Ausnahmen ®) aneinanderstossende meist stark hervorragende, kegelförmige Vorder- hüften zeigen, sind diese bei den Halticinen nach innen nur schwach kegelförmig hervorragend und durch einen schmalen Fortsatz der Vor- derbrust getrennt, welcher sich gewöhnlich nach rückwärts erweitert, bis zu der Mittelbrust verlängert und auf diese stützt. -
Eine Bemerkung dringt sich hinsichtlich des von Lacordaire bei der Galleruciden-Gruppe angeführten Merkmals, nemlich des ent- weder fehlenden oder rückwärts freien Fortsätzes der Vorderbrust auf; insoferne letztere Modalität auf die Halticinen zu be- ziehen ist, dürfte diese Annahme nicht thatsächlich begründet erscheinen, wenn ich anders Lacordaire’s Ansicht von der Verbindung zwischen Vorder- und Mittelbrust richtig aufgefasst habe. Denn da der Fortsatz der Vorderbrust jenseits der Vorderhüften bis zum Vorderrande der Mittelbrust reicht und sich deutlich an denselben in mehr oder minderer Ausdehnung anschliesst, erscheint die erstere nicht mehr „rückwärts frei‘ in dem Sinne, wie wir es bei den Donaciden , Crioceriden, Clythriden und den eigentlichen Gallerucinen wahrnehmen, vielmehr wird dadurch eine festere Verbindung mit dem übrigen Körperstamme hergestellt, ähnlich jener bei den Uruptocephaliden, Eumolpiden, Chryso- meliden, Cassididen, wenn auch nicht in gleichem Grade, wie bei diesen, wo sie namentlich bei den zwei letztgenannten durch eine eigenthüinliche Aushöhlung am Vorderrande vermittelt wird. Es lässt sich die Aehn- lichkeit beider Anlagen nicht verkennen und wohl überhaupt eine
*) Unter den europäischen Gallerucinen hat nur Malacosoma lusitanieum die Vorderhüften durch einen sehr schmalen „ kielförmigen, aber nicht bis zur -Mittelbrust reichenden Forsatz der Vorderbrust getrennt.
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scharfe Gränze zwischen beiden Verbindungsweisen aus dem Dasein einer grösseren oder geringeren Beweglichkeit des Halsschildes nicht bestimmen: es dürfte demnach das Merkmal der rückwärts freien Vorderbrust in dem Gruppencharakter der Galleruciden keine vollberechtigte Auf- nahme finden, wohl aber als Unterscheidungs-Merkmal zwischen den beiden Unterabtheilungen der Gruppe Platz greifen.
Eine weitere Bemerkung ergibt sich aus der Bildung des dritten Tarsengliedes. Lacordaire hebt das Verwachsensein der beiden Lappen desselben unterhalb des Klauengliedes bei der Crysomeliden-Gruppe hervor und macht es zu einem wesentlichen Unterscheidungs-Merkmal derselben von der Eumolpiden-Gruppe, so zwar, dass dessen Abgang die Trennung von jener Gruppe begründe. *)
Eine ähnliche Bildung, wenn auch nicht so Allgemein, findet sich in der Gallerueiden-Gruppe, sowohl bei den Haltieinen z. B. in den Gattungen Oedionychis, Omophoita, Cacoscelis, Argopus, Sphaero- derma ete., ls bei den Gallerucinen, z. B. Adimonia, wo wir bisweilen an allen sechs Füssen, meist aber nur an den Hinterfüssen deutlich verwachsene Lappen des dritten Tarsengliedes antreffen, während auch die Vorderfüsse nur schwer unterscheidbar , getrennte, unterhalb des Klauengliedes eng aneinandergeschlossene Lappen zeigen; im Allgemeinen ist das dritte Tarsenglied kurz und breit dreieckig, oder verkehrt breit herzförmig, und lässt den grössten Theil des Klauengliedes frei hervor- ragen, wodurch die Galleruciden von den beiden andern Gruppen mit genäherter Fühlerwurzel den Hispiden und Cassiden wesentlich abweichen.
Durch die getrennten Vorderhüften , die festere Verbindung des Prothorax mit dem übrigen Körperstamm , das Vorkommen des Ver- wachsenseins oder der nicht vollkommen getrennten Lappen des dritten Tarsengliedes geben sich die Halticinen als das nächste Bindeglied zwischen den Chrysomeliden und Gallerueiden zu erkennen, obgleich es nicht an Analogien mit den anderen Gruppen fehlt.
*) Es finden sich jedoch in der Chrysomelidengruppe selbst Abweichungen von diesem aufgestellten Gruppenkennzeichen, so zeigen z. B. Chrys. populi 20-punectata , vulgatissima etc. an allen sechs Beinen deutlich getrennte Lap- pen, ohne dass darum an eine Trennung von den Chrysomeliden gedacht würde. Wenn auch derlei Erscheinungen nur als Ausnahmen von der Regel angesehen werden, geht doch der Werth des Merkmals für den Gruppen- character verloren.
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Wenn in irgend einer Familie, so gibt sich in jener der Chry- someliden der Schöpfungsplan nach einem netzförmigen Systeme kund und finden sich wegen der häufigen Durchkreuzung der bestimmenden Merkmale für die systematische Anordnung der Familie nicht geringe Schwierigkeiten.
Die von Lacordaire gegebene Charakteristik der Galleruciden- gruppe dürfte mit Rücksicht auf die oben angeführten Bemerkungen lauten , wie folet:
Der Kopf nicht völlig in das Halsschild aufgenommen ;
die fadenförmigen, schlanken Fühler auf der Stirne zwischen den Augen eingefügt und am Ursprunge genähert ;
die Kinnladentaster kegelförmig zugespitzt ;
das erste Bauchsegment grösser als die folgenden;
das letzte Fussglied tritt aus den Lappen des vorletzten grösstentheils hervor;
die Klauen an der Wurzel lappig abgesetzt und frei.
Die Gallerueidengruppe theilt sich in zwei Untergruppen: Prosternum zwischen den Vorderhüften fehlend oder rück- wartsinrels‘ Hinterbeme einfach... .........kern. Gallerueini.
Prosternum zwischen den Vorderhüften einen schmalen, ein- wärts auf die Mittelbrust gestützten Fortsatz bildend ; Eimverbemes Sprinsbeme 4... .0...u02as rare Haltieini.
(Fortsetzung folgt.)
Systematisches Verzeichniss der dem Verfasser bekannten Phryganiden und deren Synonymik.
Von Prof. Dr. Kolenatı.
Erklärung der Abkürzungen.
Ag. = Agassız. Br. — Brauer. Don. = Donovan. Alp. = Alpen. Bm. — Burmeister. Ep. — Europa.
Am. b. — Nordamerica. |Cq. — Üoquebert. Ep. b. —= Nordeuropa. Am. m. — Südamerica. |Ct. — Curtis. Ep. m. — Südeuropa. Bi2— Breme Dm = Dalmann. F. = Fabricius.
Blbg. = Billberg. DG. = De Geer. Fll. = Fallen.
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Fsch. = Fischer. Fc. = Foureroy. Gn. = Gene. Gf. = Geoffroy. Gm. —= Gmelin Gr. = Germar. Hg. = Hagen.
Hdy. — Halidy. Heyd. = Heyden.
'Lr. = Latreille. Phr. = Phryganea. |Lch. = Leach. Bet. — Pictet. |Mdg. — Madagascar. Rr. = Rambur. Mg. = Megerle. ‚Schd. — Schneider. Müll. = Müller. ‚Schh. — Schönherr. M.B. = Museum Beroli- Schk. = Schrank. nense. ‚Schm. = Schmidt. M.V. — Museum Vindo- Scp. — Scopoli. bonense. ‚Str. = Sulzer.
H.-Sch. = Herrich-Schäf- (Nr... .) = Nummer Sp. = Spence.
fer. Hfg. = Hoffmansegg. Kby. = Kirby. Koll. = Kollar. Klti. = Kolenati.
der jetzt an Cabinete Stph. = Stephens.
versandten typischen Um. = Uddmann. Exemplare. |jV. = Villers. Ol. = Olivier. IR = Westwood. (p-) = zum Theil. 2. = Zetterstedt.
L. = Linne. Pch. = Percheron. I. Fam. Sp. 3. Strigosus Gm. Ep. Inaequipalpidae Klti. lineola Schk. 4. Trib. Limnophilidae Klti. strieta L ch. 1. Gen. Glyphotaelius Stph. gracilis Bm.
Glyphidotaulius Klti.
Limnephilus Gt.
Phryganea O1. DG. Sp. 1. Punctato-lineatus DG. Ep.b.
binervosus V.
pallens M.B.
nitidus Müll.
V. „ 4. Atomarius F. Ep. irrorata 2. var. lineola Schk.
„ 5. Interrogationis Z. Ep. b.
Umbraculum Klti. laevis Walker. 3. Gen. Chaetotaulius Klti. „ 2. Pellueidus O1. Ep. Limnephilus Gt. Stph. pellueidulus Stph. Limnophilus Bm. Br. Hg Jg pictus Stph. Phryganea L. F. Fll. Z. Sz. 2 basalis Stph. Sp. 6. Vitratus DG. Ep. 9 emarginata Öt. affinis Stph. var. ornatus Stph. Erlesıs Cr var. diaphanus Stph. var. apicalis Öt. 2. Gen. Grammotaulius K Iti. lunaris Bm. Limnephilus L ch. luniger M.B.
Limnophilus Bm. Phryganea Gm. F.
„ 7. Subcentralis Hg. Ep. Schk. Z.| „ 8. Borealis Z. Ep.
”
4
Sp
”
»
5
Sp.
9. Nobilis Klti. Ep. m.
10. Angustatus Klti. Ep. m. 11. Deeipiens Klti. Ep. m. nobilis Br.
Flavicornis F. Ep.
Rhombicus L. Ep. grandis Sr.
Elegans Öt. Ep.b. discoidea Fl. albovittatus Stph.
signifer 2.
.Striola Klti. Ep.
?affinis Öt.
. Gen. Colpotaulius Klti. Limnephila Rr. . 17. Obscurus Rr. Ep.
18. Striolatus Rr. Ep.
ezcisus Klti.
19. Vulsella Klti. Ep. .Gen. GoniotanliusKlti. Hg. Limnephilus Ct. Stph. Kby. Limnephila Rr.
Limnophilus Br. Halesus Stph. @.) Phryganea L.F.2Z.Schh.Pet. 20. Nebulosus Kby. Am.b. 241. Vittatus F. Ep. 22. Klavus L. Ep. variabilis Stph. terminalis Öt. 23. Fuscinervis 2. Ep. 24. Femoratus Z. Ep. b. 24%%. Subpunctulatus Z.Ep.b. 25. Femoralis Kby. Am. b. 251%. Ignavus Hg. Ep. b. 26. Nigrovitlatus Stph. Ep. lineola Stph. anastomosis Klti.
elegans P ct. Wiener entomol. Monatschr. III Bd.
12. 13.
w
15.
1
| Sp. 27. 28. Geminus Stph. Ep. fenestratus 2.
guttatus Rr. Trimaculatus Z. Ep.b. movinella Schh. Sitchensis Klti. Am.b. Griseus L. Ep. variegata Rr. Fenestralis Gt. Stigmaticus Klti. Ep.
. Gen. Desmotaulius Klti.
Limnephilus Stph.
Limnephila Rr.
Halesus Stph (p.)
Phr. Z. Pet. Gr.
Sp. 33. Planifrons Klti. Am. „ 34. Punctatissimus Stph.
fuscata Rr.
unimaculatus M@.
Megerlei Klti.
Hirsutus Pct. Ep.
nigriceps 2.
Cingulatus Stph. Ep.
pilosus Pt.
rubricollis P et.
fumigata Gr.
fumosus M. B.
guttata Rr.
7. Gen. Phacopteryx Klti. Sp. 37. Granulata Klti. Ep.
8. Gen. Stathmophorus K It. Anabolia Stph. Phr. Z. Pet. Sp. 38. Destitutus Klti. Ep. pieicornis P et. „ 39. Fuscus L. Ep. 40. Lapponicus Z. Ep.b. 2
”
20:
30. 31.
32.
_
=
„36.
”
17
Tubereulatus Br. Ep. m.
b. Ep.
18
9. Gen. Stenophylax Klti. Hg.
Anabolia Stph. Halesus Stph. Limnephilus Gt. Stph. Limnophilus Br. Limnephila. Rr.
Phr.
Betrsa.
Sp. 41. Puderulus Z. Ep.
»
42. Arcticus Klti. Ep.b. „ 57. Maculipennis Klti. Am. b. 43. Rotundipennis Br. Ep. „ 58. Nigricornis Pet. Ep. m. pilosus Klti. „ 59. Auricollis Pct. Ep. m. 44. Hieroglyphieus Ut. Ep. „ 60. Poecilus Klti. Alp. striatus var. ß.y. Klti. uncatus Br flavus Stph. „ 61. Brauerü Klti. Altvater. pilosus Br. „ 62. Flavipennis P ct. Ep.m. 45. Pilosus P ct. Ep. autumnalis M.V. striatus a. Klti. chrysota Rr. N en a 11. Gen. Thaumastes Hagen. 46. Vibex Gt. Stph. Ep. Sn eich, 7 angustatus Stph. a aaa eitrea Rr. 12. Gen. Chaetopteryx W. 47. Concentricus Klti. Ep.b. Phr. Z. F. Pet. 48. Lehmannäü Klti. Camp. |Sp. 64. Irregularis Klti. Ep. Kirghis. „ 65. Villosa F. Ep. m. 49. Meridionalis Klti. Ep. m.| „ 66. Tuberculosa Pct. Ep. 50. Alpestris Klti. Alp. villosa 2. 51. Nigridorsus P ct. Ep. fusca Br. 52. Areatus Klti. Ep. m. „ 67. Rugulosa Klti. Ep. m. b gan Bil, 13. Gen. Ecclisopteryx Klti. 53. Pantherinus P ct. Ep. Par. Pet. (p.) radiata Rıv. ER # N ’ 3 Rhyacophila P ct. (Pp.) pantherinus Klti. az Marsuppus le: ee el Eippn) Sp. 68. Dalecarlia Klti. Ep. b. Alp. pantherina vax. y. Klti. 14. Gen. Pettostomis Klti. gigantea Br. Sp. 69. Sudetica Klti. Altvater. 55. Furcatus Hg, Ep. 15. Gen. Enoiceyla Agassiz.
picicornis P et. (Phr.)
10. Gen. Halesus Stephens. Hallesus Klti.
Halenus Leh.
Limnephila Rv.
Phr.
Zu! P. et. 2S@lik:
Sp.56 Digitatus Schk. Ep.
radiatus Len. interpunctata 2. tesselata Rr.
fuscus Br. Dromophia Heyd.
Ptyopteryz Klti. Limnophilus Bm. Rhyacophila Pet. (p.) Phr.B.ct. Sp 70. Pusilla Bm. Ep. m. © montana Heyd. fimbriata P ct. angularis P ct. sylvatica Rr. Reichenbachü Klti. „ 70%. Kolenatü Sehm. Alp. „ 71. Frauenfeldü Br. Alp. „ 72. Limnophiloides Br. Alp.
15. Gen. Apatania K olenati. Phr. Z.
Sp. 73. Vestita Z. Ep.b. Alp. „ 74. Hageniüi Kti. Altvater.
2. Trib. Phryganeidae W.
16. Gen. Neuronia Leach. Phr. Bm. Z. Fsch. Dm. Subgen. Agrypnia Gt. Phr. Bm. 2. ‚Oligotricha. Rr. Limnophilus M.V.
Sp. 75. Pagetana Ct. Ep. aegrota Bu. testacea 2. strigosa Rr. arundinaceus Koll. M.V. „ 76. Pieta Klti. Ep.
Subgen. Odigostomis Klti. Oligotricha Rr. . Phr. E.Bm.L, Hfg. Scp. Anabolia Klti. „ 77. Rufierus Scp. Ep. striata Bin.
19
rufescens Schk. analis F. fusca W. var. chloroneura Rr. Sp. 78. Reticulata L. Ep. „ 79. Clathrata Hfg. Ep.
Subgen. Holostomis P ch. Oligotricha Rr. Anabolia Klti. Semblis FE. Simblis Blbg. Phr. Um. F'sch. Z. Dm. Bın. Sp. 80. Phalaenoides Um. Ep. b. Daurica Fsch. pantherina D m. „ 81. Atrata Lepechin. Ep.b. Altaica Fsch. var. phalaenoides 2. var. pantherina D m.
17. Gen. Trichostegia Klti. Athripsodes Blbe. (p.) Phr. L. DG. Stph. Bm. F. Y. OyRr. MD Sp. 82. @randis L. Ep.
„ 83. Striata L. Ep. grandis DG. Beckwithü Stph. fulvipes Bu.
„ 84. Variegata V. Ep.
varia F. annularis Ol. 85. Obsoleta Hg. Sibiria. 86. Minor Gt. Ep. b. flewuosa Stph, micta Bm. fasciata M.B tortriceana Rr.
De
”
204.73 3. Trib. Sericostomidae St ph. 18. Gen. Barypenthus Bm. Sp 87. Rufipes Bm. Am. m.
„ 88. Concolor Bm. Am. m.
19. Gen Prosoponia Leach. Sericostoma Lr. Pet. Hdy. Ct. Rr. Stph. Sericostomum Bm. Phr. Z. Schk. Sp.
Sp. 89. Festiva Rr. Ep. m.
Schneiderü Klti.
„ 90. Multiguttata Pet. Ep. m.
„ 91. Collaris Schk. Ep. Leachüä Stph. Spencü K by. g personata Stph. Latreillä Hdy. Ct. chrysocephala 2. galeatum Rv.
20. Gen. Notidobia Steph. Sericostoma Lr. Pct. Bm. Phr. L. E.
Sp. 92. Ciliaris L. Ep. altrata FE.
21. Gen. Dasystoma Ramb. Hyaronautia Klti. (p.) Sericostoma Pet.
Phr. Gft.
Sp. 93. Maculatum Gff. Ep. pulchellum Rr. maculatum P ct. Br.
„» 94. Concolor Klti. Ep.
nigrum Br.
22. Gen. Hydronautia Klti. Brachycentrus Öt. Meroe Stph.
Poyonostoma Rr. Phr. 2.
Sp. 95. Nubila Stph. Ep. subnubilus Gt. vernum Rr. maculata Klti.
„ 96. Albicans Z. Ep. b.
23. Gen. Silo Ct. Notidobia Stph. (p.) Sericostoma Pet. (p.) Athripsodes Blbg. (p.) Trichostomum Bm. (p.) Hoffmanseggia Lch. M.B. Phr. L. F. Z.
Sp. 97. Minutus L. Ep. pallipes Öt.
24. Gen. Goöra Hfe. Sericostoma P ct. (p.) Mormonia Stph.
Phr. F. Sp: 98. Irrorata Üt. Ep. b. basalis Klti.
„ 99. Dalmatina Klti. Ep. m.
„ 100. Hirta F. Ep.
nigromaculata Stph. Br. hirta Stph. gracilicornis Ot.
25. Gen. Aspatherium Klti. Mormonia Stph. (p.) Brachycentrus Ct. (p.) Meroe Stph. (p.) Trichostoma P ct. Rr.
Sp. 101. Fuseicorne P ct. Ep. rufescens Rr. piceum Br. picicorne Klti.
21
.
Sp. 102. Pieicorne Pet. Ep. flavicornis Pet. pieicorne Rr. Br. hirsutula Koll. M.V. fuseicorne Klti. Sp. 110. Sparsa. Ct. Ep.
26. Gen. Lasiostoma Rr. pulchricornis P ct. Spathidopterye Klti. calocera D m. Trichostomum Bm. „ 111. Brunneicornis P ct. Ep. Trichostoma Pet Br. marginata Stph.
Meroe Steph. (p.) Brachycentrus Ct. (p.) Goera Stph. (p.) Br.
„ 112. Costalis Ct. Ep. scotica Stph. fuseicornis Schd.
Phr. Ol. obscura Klti, Sp. 103. Vulgatum Ol. Ep. vulgata Stph. Br. U. Familia. capillatum Pct. A4equipalpidae Klti.
g capillatum Bm. © auratım Bm. capillata Klti. 31. Gen. Crunophila Klti. Rhyacophila *) Pet. Br. Philopotamus Gt. (p.) Tinodes Lech. (p.)
1. Trib. Rhyacophilidae Stph.
27. Gen. Pleetrotarsus Klti. Sp. 104. Gravenhorstü Klti. Au-
stralia. Phr. L. 28. Gen. Narycia Stph. Sp. 113. Umbrosa L. Ep. (Nr. 1.) ?Nais Br.
luridus Ct. picicornis Stph. „ 114. Longipennis Üt. Ep.(Nr.?2.)
Sp. 105. Eleyans Stph. Ep. b. „ 106. Aterrima Br. Ep. m.
4. Trib. Hydroptilidae Stph. stiyma Stph. 29. Gen. Hydrorchestria Rlti. lorrentium P et. Agraylea Öt. (p.) Br. Stph.| » 115. Dorsalis Ct. Ep. (Nr. 3.) Sp. 107. Sermaculata Gt. Ep. obsoletus St ph. „ 108, Multipunctata Gt. Ep. b. vulgaris Pet. 5 aryyricola D m. „ 116. Irrorella Rr. Ep. m.(Nr.4) $ longula Dm. aurata Br. N 30. Gen. Hydroptila Dm. „ 117. Stigmatica Klti Alp. Sp. 109. Tineoides Dm. Ep. 32. Gen. Ptilostomis Klti. tineodes Bm. Sp 118. Kowalewskü Klti. Am.b.
*) Ist schon 1829 von Kaup für Vögel, von Blume für Cororarien, von Hochstedter für Lythrarien vergeben.
22
33. Gen. Glossosoma CO urt. Rhyacophila P et. (p.) Nais Rr.
Sp. 119. Fimbriatum Stph. Ep.
Alp. (Nr. 5.) simplexz Stph. plicata Rr.
„ 120, Boltonüö Ct. Ep. Alp. vernalis Pet.
34.Gen. Aphelocheira Stph. Tinodes Stph. (p:) Hydropsyche P ct. (p.) Sp. 121. Ladogensis Klti. {Nr. 6.)
a ae Flavomaculata P ct. Ep. Subaurata Stph. Ep. b.
35. Gen. Ptilocolepus Klti. Agapetus Gt. Stph. Rhyacophila P ct. (p ) Phr. OÖ].
Sp. 124. Funereus Ol. Ep. ciliata P et. turbidus Klti.
»„ 125. Fuseipes Stph. Alp.
SI fuscipes Öt. O ochripes Gt. fuliginosa Stph. lanata P ct.
„ 126. Lanöger Pet. Alp.
opaca Stph.
„ 127.Comatus P ct, Alp.
flavipes Stph.
„ 128. Setiferus P ct. Alp.
36. Gen. Philopotamus Lech. Hydrıopsyche P ct. (p.) Phr. Scp. 2.
Sp. 129. Ramburü Klti. Ep. m.
longipennis Br.
Ep-nb!
Sp. 130. Variegatus Sep. Ep: (N.8)
„ 131. Montanus Don.Ep.(N. 9) Charpentieri 2. variegatus Rr.
„ 132. Scopuwlorum Lech. Alp. alpinus Koll. .M.V. liyrinus Br.
37. Gen. Chimarrha Leach. Phr. L.
Sp. 133. Marginata L Ep. (Nr. 7.)
„ 134. Morio Bm. Am. m. 38. Gen. Tinodes Leach. Psychomyia Pet. (p.) Rhyacophila Pet. (p) Phi, 2.
Subgen. Hormocerus Klti.
Sp. 135. Crenaticornis Klti. Ep.
N 103) Subgen. Oncocerus Klti. „ 136. Tenuws Pet. Ep. b. (Nr.17.) albigutta Klti. „ 137. Waenerü L. Ep. b. pallipes Stph. acuta Pet. iridinus Klti. „ 138. Pallescens Stph. Europ. (Nr. 181%.) nebulosa Pet. „ 139. Flaviceps Stph. Ep. b. „ 140. Xanthoceras Stph.Ep.b.
Subgen. Homoeocerus Klti. „ 14i. Albipunclatus Stph. Ep.b.
„ 142. Obscurus Stph. Enrop. (Nr. 19.)
us Sic Alpen. (Nr. 20.)
„ 144. Pusillus F. Ep. b.
23 2. Trib. Psychomyidae Ct. Sp. 146. Aldipes Stph. Ep. b.
39. Gen. Beraea Stephens. pullata Öt. Thya Gt. „ 147. Marshamella Stph. Ep. Rhyacophila P ct. (p.) \ maurus Gt. Phr. FE. nigrocincta P ct. Sp: 145. Pygmaea F. Ep. (Schluss folst) melas Gt.
Revue der periodischen Schriften.
Von Dr. J. R. Schiner.
aber Aufforderung der löblichen Redaction werden wir in der vor- stehenden Rubrike, fortlaufend kurze Anzeigen der in den uns zugäng- lichen periodischen Schriften des In- und Auslandes enthaltenen ento- mologischen Aufsätze und Notizen bringen, ohne uns in eine Critik oder weitläufige Beurtheilung der einzelnen Publicationen einzulassen, da unsere Absicht nicht weiter geht, als das Publieirte und Neue zur Kenntniss unserer Leser zu bringen, um sie in den Stand zu setzen, zur weiteren Information nach den Quellen selbst zu greifen. Wir beginnen mit dem Jahre 1858 nnd werden nur in besonderen Fällen ausnahmsweise auch einzelne Publicationen des Vorjahres mit berück- sichtigen. Da wir unsere Anzeigen so schnell als möglich bringen wollen, so versteht es sich von selbst, dass wir das uns zunächst Zugekommene auch sogleich benützen werden, ohne uns an eine besondere Ordnung oder Reihenfolge der Schriften zu binden.
I. Anunales de la societe entomologique belge. Tome I. (1857). Tom. I. (1858.)
Die entomologische Gresellschaft für Belgien datirt erst seit dem 26. August 1855, an welchem Tage die Statuten angenommen und der Baron v. Selys-Longehamps zum Präsidenten ernannt wurde.
Der Zweck der Gesellschaft ist, den Geschmack für entomologische Beobachtungen im Lande zu fördern, und durch ihre Arbeiten zur Entwicklung der Wissenschaft beizutragen. Sie besteht aus wirklichen und Ehrenmitgliedern und hat ihren Sitz in Brüssel. Die Administration und ökonomische Verwaltung sind enem Verwaltungsrathe, die
24
Ueberwachung der wissenschaftlichen Arbeiten, Studien und Publicationen aber ist einem eigenen Gomite (comite scientifigue) anvertraut, was uns eine sehr glückliche Organisation zu sein scheint.
Es sind übrigens für die einzelnen Insekten-Ordnung noch besondere Sectionen beabsichtiget und für die Lepidopteren (unter der Leitung Charlier’s) und Coleopteren (unter der Leitung Mathieus) solche bereits gebildet; — die übrigen Ordnungen sind vorläufig alle in einer einzigen Section (unter der Leitung J. Dr. Udekem’s) vereint und es besteht noch eine Section für die Entomologie generale (unter der Leitung Breyer’s).
Jährlich findet eine General- Versammlung statt, die Mitglieder halten aber auch allmonatliche Berathungen.
Es liegen uns zwei Bände vor, welche die Gesellschaft seit ihrem Bestehen herausgab.
Der erste Band enthät einen „Katalog der belgischen Lepi- dopteren“ eine gemeinschaftliche Arbeit der Mitglieder der lepidopterolo- gischen Section; insbesondere haben Selys-Longchamps die Tag- schmetterlinge; J. Sauveur, Fologne und J. Colbeau die Familie der Bombyciden und Fologne und J. Delafontaine die Noctuiden bearbeitet. Die Anordnung des Materiales ist die, welche Selys-Long- champs in seiner „Enumeration des insectes lepidopteres de la belgique“ ('1845)-angewendet hatte und die in der Hauptsache den Grundsätzen Bois- duvals (Index methodicus) entspricht.
Die erste Parthie des Kataloges, welche in diesem Bande (pag. 1—410) enthalten ist, umfasst die sämmtlichen Tagschmetterlinge oder Zehopalocera Boisd. mit den Familien Papilionid&ees, Nymphalidees und Hesperidees und von den Nachtschmetterlingen (Het’rocers Boisd.) die Familien der Sphin- gidees, Bombycidees und Noctuidees. Bei jeder Art ist der Autor ohne weiteres Ctat, und nur die allernothwendigste Synonymie angeführt und überall das Habitat genau und umständlich beigefügt; auch das Vorkommen der Larven. mit Angabe der bekannten Futterpflanzen, ist umständlich ange- geben. In den Noten finden sich die in Holland von De Graaf und in den Nachbarländern überhaupt beobachteten Arten aufgeführt. Die Anzahl der in Belgien bisher beobachteten Rhopalocera beläuft sich auf 94, die der Sphin- giden auf 38, der Bombyciden auf 113, der Noctuiden auf 232. Neue Arten sind in dieser ersten Parthie nicht aufgestellt.
Noch findet sich im vorliegenden ersten Bande (pag. 116 -173) der Anfang des „Kataloges der belgischen Coleopteren.“ Als Verfasser dieses Theiles, der die Familien der Cicindelid&ees, Carabidees, Dytiscidees und Gyrinidees enthält, ist Mathieu genannt und sind mehrere Mitglieder er- wälınt, welche diesem hiebei durch ihre Erfahrungen und Beobachtungen an die Hand gegangen sind. Namentlich hat auch Putzey’s ein Verzeichniss
25
belgischer Käfer und Dr. Layen eine Liste der im Luxenburgischen be- obachteten Käfer dem Verfasser mitgetheilt. In der Methode gleicht der vor- liegende Katalog ganz dem oben erwähnten Lepidopteren-Katalog , es sind jedoch die Angaben über das Habitat bei weitem nicht so reich, wie in jenem, die Synonymie hingegen reicher ausgefallen. Von Cicindeliden sind bisher nur 5, von Carabiden 326, von Dytisciden 104 und von Gyriniden 10 in Belgien beobachtet worden.
Ein Nachtrag zum ersten Theile bringt 11 Lepidopteren und 3 Coleop- teren, welche während des Druckes neu für Belgien aufgefunden worden sind.
Der zweite Band (1858) beginnt (pag. 1—28) mit einer Abhandlung J. B. Bouillon’s „Un numero de la faune entomologique belge“ enthaltend die Coceinellen der Autoren. Die 53 in Belgien beobachteten Coccinellen werden darin in zwei Abtheilungen (mit glatten und mit pubescenten Flügeldecken) gebracht und in einer dem Verfasser eigenthümlichen analytischen Dar- stellung aufgeführt, welche, wenn sie dem Leser einmal geläufig geworden ist, das Auffinden der Art sehr erleichtern mag. Nach jeder Tabelle sind reichliche erklärende und kritische Noten beigegeben.
Seite 29—44 ist der „Katalog belgischer Coleopteren“ mit den Familien der Hydrophilidees (74 Arten), der Sphaeridees (1 Art), der Parnidees (7 Arten), der Elmidees (15 Arten); Heteroceridees (8 Arten) von Mathieu fortgesetzt.
Seite 45—162 enthält eine „Aufzählung der belgischen Microlepidop- tera* von H. Defre, nach der von Heydenreich (Lepidopterorum euro- paeorum catalogus methodicus) angewendeten Reihenfolge. Es sind dem Ver- fasser 66 Pyraliden, 210 Tortriciden, 55 Crambineen, 320 Tineaceen und 22 Pterophoriden, im Ganzen also 673 Arten bekannt geworden, was die Anzahl der von Selys-Longcehamps im Jahre 1844 angeführten 321 sicheren Arten um 352% übersteigt.
Es ist auch für diese Abhandlung, welche als Fortsetzung des Lepidop- teren-Kataloges zu betrachten ist, dieselbe Methode wie bei diesen beobachtet worden und es sind auch hier wieder die für Holland von De Graaf angeführten, so wie die von Hymmen aus Trier beobachteten Arten berücksichtiget.
Seite 163—246 folgt wieder ein Theil des Coleopteren - Kataloges, nehmlich eine Aufzählung der bisher in Belgien beobachteten (527) Arten aus der Familie der Curculionidees von C. Mathieu, bei welcher die schon bekannte Methode beibehalten , vor jeder Gattung aber noch interessante Notizen über das Betragen und die Eigenthümlichkeiten der Arten als Be- reicherung beigegeben sind.
E. Fologne theilt (p. 247) mit, dass er die Larven von Arephos notha zwischen Birkenblättern gefunden und nach Hause getragen habe, wo sie sich in einer mit alten Eichenzweigen gefüllten Schachtel nach wenigen Tagen ganz verloren. Eine nähere Nachforschung und die wie Sägespäne in der Schachtel herumliegenden Holztheilchen führten den Beobachter auf ihre
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Spur. Sie hatten sich nemlich in das Eichenholz sowohl , als auch in die Wand der Schachtel eingenagt und daselbst verpuppt. Sie scheinen keine Vor- liebe für eine besondere Holzart zu haben, denn der Verfasser traf sie im Eichen- und Kiefernholze und selbst in einem Brommbeerenstengel. Es ist diese Beobach- tung um so interessanter, da viele Autoren die Larven der Gattung Drephos zwischen Blättern sich verpuppen lassen.
Bouillon theilt (pag. 249—252.) seine Beobachtungen über Copulirung verschiedener Arten mit; sie betreffen die Verbindung von Coceinella varia- bilis Z mit C. dispar 2 und von Vemonus unicolor. g mit Odunerus parietum o ; im letztern Falle fand eine eigentliche Copulirung nicht statt, ‚obwohl sich das Männchen alle Mühe gab. dem Weibchen beizukommen.
Aus der Jahresrede des Präsidenten (pag. V—X) ist zu entnehmen, dass die Gesellschaft für die kurze Zeit ihres Bestandes schon wackere Fortschritte gemacht, Sammlungen angelegt, Verbindungen angeknüpft und überhaupt ihre Zwecke zu erfüllen eifrig bestrebt war. Die belgische Regierung hat der- selben eine Subvention von 300 fl. bewilliget und überdiess auf 30 Exemplare der Annales subscribirt.
In den beiden darliegenden Bänden ist uns insbesondere in er- freulicher Weise aufgefallen, dass die Mitglieder harmonisch zusammen- wirken, um ihre gemeinsamen Zwecke zu erreichen, dass sie ferne von jeder Ostentation es vermeiden, ihre Schriften mit einer Masse von unreifen neuen Arten und Halbarten, zur grossen Verlegenheit des entomologischen Publikums in die Welt hinauszuschleudern, und theil- weise darauf bedacht sind, vorerst die Fauna ilıres Vaterlandes genau und gründlich zu erforschen , die gewonnenen Resultate aber einfach aufzuzeichnen und bekannt zu machen. Möge sie in diesem löblichen Streben auch in Zukunft beharren ; ihre Publikationen sind ohne Zweifel jetzt schon ein grosser Gewinn für die entomologische Literatur, weil sie für die geographische Verbreitung der Insektenarten ein so reiches und sicheres Materiale biethen.
II. Annales de la societe entomologique de france. 3. serie; tom. 6. 1. et 2. trimestre 1858.
Der Band beginnt (p. 5—60) mit dem Schlusse der Aufzählung neueroder weniger bekannter Coleopterenarten, welche M. F. de Saulcy auf seiner orientalischen Reise gesammelt und die von L. Reiche und Felicien de Saulcy beschrieben worden. Dieser Aufsatz bat im III. Bande der Annales (56i) begonnen und wurde im IV. (pag. 352) und V. (pag. 169 und 649) fortgesetzt. Der vorliegende Schluss bringt die Fortsetzung der Cureulionii (5 Arten;, die Cerambicii (3 Arten) und Chrysomelii (26 Arten.) Neu sind: Elytrodon Chevrolatii, Tichius striyosus, Smicronya fulvipes, Phytoecia Jezabel, Ph. orbicollis, Ph.
277 Beihseba, Agapanthia Osmanlis, A.tais, A, suturata , Olythra (Coptocephala) azurea, Chrysomela thalassina, Chr. cupreopunctata, Chr. angelica, Chr. aeneipennis, Ohr. ( Entomoseelis) Börytensis, Chr. (Helodes) suturella, Adimonia gibbosa, Agelastica dilativentris Mon o- leptalepiüda, Haltica (Phyllotreta) corrugata, H. (Phyllotreta) corynthia, H. (Longitarsus) signata, H. (Psylliodes) inflata, H. (Podagrica) saracena, Hispa cariosa und Cassida palaestina. Die durchschossen gedruckten Arten sind in der bekannten prachtvollen Weise auf Tafel I. F. 4-10 abgebildet. Die meisten der angeführten Arten sind bereits in dem von den Verfassern herausgegebenen „Catalogue“ 'enthalten. Die Gesammtzahl der von M. de Sauley während seiner Reise in den Orient (Türkey, Griechenland und bis Syrien) beobachteten Arten beläuft sich auf 261.
Marco A. Rojas hat (pag. 61-71) seine „Etudes entomologiques“ mit Bemerkungen über Arescus caudatus Sall& fortgesetzt. Dieser von Salle in Venezuela entdeckte Käfer, zu welchem Arescus quadrimaeulatus Salle als @ gehört, zeichnet sich durch die Menge von Farbenvarietäten aus, in welchen er vorkömmt. Der Verf. theilt diese Varietäten in drei Gruppen (rothe „ gelbe und schwarze) und zählt in der ersten 8 Variet. des J' und 5 des ©, in der zweiten 3. Variet. des. g' und nur eine des ©, in der dritten Gruppe 4 'Variet. des g und eine des © auf. — Die anatomischen Merkmahle zeigen, dass alle 241 Varietäten bestimmt nur einer Art angehören, die aus- schliessend in den zusammengerollten Herzblättern eine Musacee (Gruppe der Heliconien) lebt, welche an den Ufern der Giessbäche wächst und Guanasna genannt wird. Beobachtungen an lebenden Individuen zeigten, dass die Männ- chen zur Begattung nur die Varietäten derselben Giuppe aufsuchen.
Laboulbene berichtet (pag. 73 — 110) “über die Lebensart und Anatomie von Micralymma brevipenne, Der Verfasser hat diesen amphibien 'Staphylinen durch 2 Jahre in, Hayre im Freien beobachtet. Er lebt in den Spalten der, während der Fluth unter Wasser gesetzten Felsen- blöcke, wird er ergriffen, so verbreitet er einen unangenehmen, durchdringenden Geruch. Die an demselben Standort gefundenen Larven sind lebhafter als der Käfer. Im Fläschchen versammeln sich die gefangenen Käfer nahe am Stoppel und benützen die geringste Spalte, um sich zwischen dieser und dem Glase einzuzwingen. Sie erhielten sich in der Gefangenschaft durch $— 14 Tage am Leben. Der Verf. konnte eine Begattung oder ein Eyerlegren nicht beobachten.
Folgt nun die genau mit Tafeln erläuterte Beschreibung der Larve, Nymphe und des vollkommenen Insects, und ebenso die vollständige Anatomie der Larve und des Insects. Was die Synonymie betrifft, so hat der Verfasser Micralymma Jonstonis W est w! zu dieser Art gezogen. Eine zweite in Grön- land von Holboell entdeckte Art M. brevilingue Schiödte lebt in freier Luft.
Seite 112—122 hat Alexander Yersin ein neues europ. Orthopteron: Pterolepis alpina aus den Alpen genau und umständlich beschrieben und mit Abbildungen erläutert. Guwerin-Meneville hat ein g auf dem Berge Faillefen (Basses - Alpes‘ der Verf. selbst aber die Art in den Alpen bei
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Morcles (Canton de Vaud) im August und September angetroffen, wo sie in einer Meereshöhe von 2000 Metres in Gesellschaft mit ‚Pezotettix frigida Boh P. alpina Koll, Gomphocerus sibirieus L. und Deeticus brachypterus lebte. In der Gefangenschaft frass sie gerne Brod, todte Fliegen und Orthopteren, auch trank sie mit Begierde. Sie legt sich auf die Seite um sich zu sonnen und putzt sich beständig die Fühler und Beine; ihr Schritt ist gemächlich, ihr Sprung geht nicht weit; der Verf. hat. auch die Begattung beobachtet und das Verhalten hiebei umständlich geschildert , das Eyerlegen konnte er nicht beobachten.
Seite 123—157 theilt Bellier dela Chavignerie seine Beobach- tungen über die Lepidopteren der Ostpyrenäen mit. Er hat während der Monate Juni und Juli 1857 in den Umgebungen von Vernet-les-Bains gesammelt und gefunden, dass die Fauna dieser Gegend einen sehr südlichen Character zeigt, obwohl die um Paris und in Central-Frankreich vorkommenden Arten, mit Ausnahme der grosse Wälder liebenden, auch dort getroffen werden. Die Anzahl der Arten, welche dem Verf. Anlass zu Bemerkungen geben, beläuft sich auf 149.
Pap. Feisthamelii Du p. hält er bestimmt für eine Var. von P. Podalirius ; bei der Larve von Anthocharis Eupheno L. bemerkte er, dass sie mit Begierde die Larven der eigenen Art auffrassen ; Melitaea Merope Depr. ist nach seinen Beobachtungen bestimmt nur Variet. von Artemis; die Zucht der Melitaca Didyma F. lieferte Abweichungen, namentlich einige Stücke, welche Melt fascelis Es p. glichen; die bisher unbekannte Larve von Zygaena charon Boi sd. wird beschrieben, gezogene Stücke von Zmydia eribrum L. ‚zeigten Uebergänge zu Em. candida Ochs. und Em. Zippertü Boisd; die Larve von Chelonia hemigena Grasl. wurde aufgefunden ; gespisste ©@& der Orgyia aurolimbata de Vill. lockten die Jg herbei; — Psyche bicolorella Boisd. war häufig und ein Dasypogon: (D. ruficornis) half dem Verf. diese seltene Art einzufangen oder fing sie vielmehr für denselben ; die Larve von Hadena Solieri Boisd. beschrieben. Zum Schlusse theilt der Verf. ein kurzes Ver- zeichniss der daselbst gefangenen Colepteren mit, worunter eine von Reiche benanute, und Seite 155 beschriebene neue Art (Lampyris Bellieri); endlich ein ebensolches Verzeichniss der ebenda beobachteten Orthopteren.
Stainton hat (Seite 159—169) seine Abhandlung über die Lebens- weise der Tineidenlarven fortgesetzt. Es sind darin die Larven von Gelechia, Parasia, Anarsia, Ypsolophus, Harpella, Hypercallia, Dasycera, Vecophora, Butalis, Acrolepia, Glyphipteryx, Perittia, Tinagma und Antispila näher erörtert.
Ch. Coquerell berichtet (pag. 171—176) über eine Larve, die in dem sinus frontalis eines Menschen getroffen wurde und aus der sich eine neue Fliege Lueilia hominivorax entwickelte. Der Fall ereignete sich in Cayenne und endete für den Angegriffenen mit dem Tode; Aehnliche Fälle sind in den dortigen Gegenden nicht vereinzelt; die Fliege kriecht in die Nase, die Larven (oft 300 an der Zahl) sind nur selten ganz zu vertreiben und gewöhnlich
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endet der Kranke unter den fürchterlichsten Schmerzen. Die Fliege ist be- schrieben und abgebildet.
Seite 177 und 178 wird die im „Catalogue du Doubs“ von Bruand d’Uzelle aufgestellte Tineiden-Gattung Patula näher charakterisirt, die einzige Art P. asperipunctella wurde 1842 von H. Bruand in Frankreich (franche Comte) entdekt.
H. Lucas gibt (pag. 179—186) eine Note monographique über die Gattung Ixa (Orustacees brachyures) und beschreibt eine neue Art Ixa Ed- werdsü, welche auch abgebildet ist.
Seite 187- 192 folgt ein Necrolog: des in Florenz verstorbenen Mitgliedes Carlo Passerini, von Gabr. Tappes.
H. de Saussure theilt (pag. 193—249) die Beschreibung neuer oder wenig bekannter Arten der Gattung Scolia mit, die sich in seiner Sammlung befinden oder ihm von anderen mitgetheilt worden sind — die Theilung der Seolien in 4 gleichartige Gruppen nennt der Verf. wenig philosophisch» ebenso wiederstreitetes nach seiner Ansicht, dem Grundsatze der Unterordnung der Charaktere, die Scolien auf Grundlage der Anzahl der Cubitalzellen in zwei Abtheilungen zu bringen und endlich ist er überzeugt davon, dass die Trennung der Scolien in zwei Gattungen Scoßa F. (mit einer rücklaufenden Nerv) und Elis F. Sauss. (mit zwei rücklaufenden Nerven) ganz natur- gemäss sei.
Die neuen Arten sind: Se. insignis und brevicornis aus Asien; Scolia polita, ebemina, und bicornis unbekannten oder zweifelhaften Vaterlandes, Seolia alaris, abyssinica, Edwardsi, tropica, hottentotta, terminalis, madecassa aus Afrika, Scolia carbonaria, erratica, Westermanni, bilunata, splendida, nobilis, nitidula, aliformis und occulta aus Asien, Scolia pygmaea aus Neuholland, Scolia mexicana, anceps, juceunda, Drewseni und otomita aus Amerika, dann Elis texensis aus Texas, Elis zanthura, Godofredi, capensis, auraria, Romandi aus Afrika, Blis asiatica, Drewseni, phalerata, bicolor und hirsuta eus Asien, Blis sabulosa aus Neuholland, und Elis-columba, regina, nigra» _ terrestris, fossor, talpa, Lucasia, vespiformis, brasiliana, Gersteckeri, pilipes _ und chilensis aus Amerika, die durchschossen gedruckten Arten und Elis va- rieyata F. sind durch prachtvolle Abbildungen erläutert.
Signoret stellt (pag. 251—253) eine neue Gattung aus der Abtheilung der Longicoxes Amyot und Serv. Gruppe Emesides auf, die er Stenolemus nennt und umständlich charakterisirt. Die Art St. spiniventris ist abgebildet, ' das Vaterland ist nicht angegeben
L. Dufour führt (pag. 256 und ff.) den Beweiss, dass sein Drassus segestriformis (publieirt 1816 in den Anales gen. des Sc. phys. de Bruxelles) nicht identisch mit Drassus atropos Walcken. sei und liefert von der in den hochalpinen Regionen der Pyrenäen lebenden Spinne eine vollständige durch ' eine Tafel erläuterte Beschreibung.
Goureau und La»boulbene theilen {pag. 263 und ff.) die Schwierig- keiten mit, welche mit der Beobachtung und Constatirung einer Larve ver-
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bunden waren, die siein den Fruchtboden der Carlina vulgaris L. gefunden und lange Zeit für eine Curculionen-Larve gehalten hatten. Es ist, diess die Larve von @Gelechia carlinella Do ugl. (westivella H -S ch.) Aus der sie die Art zogen und in allen drei Stadien, mit Abbildungen erläutert hier beschreiben.
Als Parasite lebte in den Larven ein kleiner Braeonide Agathäs malvacearum Latr. — Neben den Gelechialarven fanden. sich auch. die eines Dipterons, welche leider nicht zur vollständigen Entwicklung gelangten.
Eine weitere Metamorphose theilt Laboulbene in der folgenden Abhandlung (pag. 279 und ff.) mit. Sie betrifft die des Zarinus carlinae Oliv. — Die Larve lebt in den Blüthenköpfen von Serratula arvensis L. — Die Larve, Nymphe, vollkommenes Insect ‚sind beschrieben und erstere mit Abbil- dungen erläutert.
Auch die Metamorphose des Orchestes rufus Oliv. erläutert derselbe Verf. — Die Larveminirt in den Ulmenblättern und wurde bereits von Reaumur und Degeer beobachtet, wenigstens sicher vom Letzteren, wel Reaumur vielleicht die Larve von ÖOschestes melanocephalus vor sich gehabt haben könnte. Laboulbene beschreibt die verschiedenen Stände und erläutert sie durch Abbildungen.
Von Bellier de la Chavignerie findet sich (pag. 300 und ff.) eine Abhandlung über zufällige Varietäten bei den Lepidopteren. Der Verf. unterscheidet zwischen constanten Varietäten (varietas) und zufälligen Varie- täten (aberratis) und glaubt, durch Beobachtungen geleitet, behaupten zu können, dass die Letzteren hauptsächlich in athmosphärischen Ursachen, unter welchen die auf alle organischen Wesen so mächtig einwirkende Electricität die Hauptrolle spielt, ihren Grund haben dürften. Die zufälligen Varietäten können in vier Hauptgruppen gebracht werden: 1. Hermaphroditen, 2. Farben- Varietäten, 3. Zeichuungs-Varietäten und 4. Gemischte Varietäten, bei denen Farbe und Zeichnungen zugleich verändert erscheinen. Zum Schlusse führt der Verfasser die von ihm beobachteten zufälligen Varietäten auf; ihre Anzahl beläuft sich auf 49.
L. Reiche: macht (pag. 311 und ff.) in beherzenswerther Weise auf die Nachlässigkeiten aufmerksam, welche beim Citiren der Synonyme unter- laufen und mahnt zur grösseren Aufmerksamkeit.
Aug Chevrolat beschreibt (S. 316 und ff.) eine Reihe neuer Coleop- teren Cicindela cherubim uud Mesus rugatifrons aus Montevideo. Malonia albosignata (ohne Vaterlandsangabe) Padrystola texata Angola? Ptycholaemusn. gen. mit Pt. Troberti aus Guinea, Des- mocerus aureipennüs. Rocky-Mount. Tragischoschema graeili- cornis von Port Natal und Tragocephala formosa Oliv. var. praetoria aus Südafrika. Einige derselben sind von dem Verfasser schon früher in der Revue zool, erwähnt worden. Alle Arten sind prachtvoll abgebildet.
Eine Notiz über ein Manuskript Robineau Desvoidys von N.Mon- ceaux (pag 331.) und der Bericht der Commission (pag. 349.) welche dasselbe _
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zu prüfen hatten, stellen uns die Herausgabe desselben in Aussicht. Es betrifft die Dipteres des environs de Paris.
Amyot giebt (pag. 343 und ff.) die Notice neerologique über Audinet- Serville (geb. 1775, gest. 1858); -- das schönste Lob, welches dem grossen Entomologen ertheilt wird, ist wohl das eines „ehrlichen Mannes.“ „La probite entomologique“ sagt Amy ot, „cette crainte religieuse de ne pas dire la verite, rien que la verite, dans des choses que si peu de personnes peuvent v£rifier apres nous. est la condition essentielle de toute 'renomme serieuse et durable . . .* und in diesem Sinne war Serville vollständig ein honnete homme! Ein gelungenes Portrait Servilles schmückt dieses Heft der Annales.
Am Schlusse desselben (pag. 353 und ff.) findet sich eine Aufzählung der Coleopteren aus der Umgebung: von Tarsus (Karamanien) vonE Peyron. Sie ist das Ergebniss einer vierjährigen Forschung in diesen Gegenden. Die Anzahl der in diesem Hefte (es fehlt der Schluss) aus den Familien der Ciein- delides und Carabides aufgezählten Arten beläuft sich auf 76, darunter sind neu: (arabus cychropalpus, Procrwstes mopsuerenae, Badister serie- punctatus, Chlaenius differens, Lucasii Dowei und aglis, Bembidium latum, effluviorum, mosehatum und tarsieum, Drimostoma 4pustu latum, Feronia Reicheand, turtieollis und planata.
Die durchschossen gedruckten sind abgebildet, und es enthält die Tafel noch weitere 7 Abbildungen, zu welchen der Text erst im nächsten Quartal- hefte nachfolgen wird.
Aus dem Bulletin des 1. und 2. Quartals, das eine Menge interes- santer Notizen enthält, notiren wir nur folgende:
Lucas zeigt die Samen einer Euphorbiacee aus Mexico, welche bei erhöhter Temperatur Sprünge machen, veranlasst durch eine in denselben
lebende Lepidopterenlarvye (Carpocapsa Dehaisiana Lucas). — Goureau hat in den weiblichen Früchten der Saalweide (Saule Marceau) die Larven von Erirhinus taeniatus Schönh. gefunden; — Lucas berichtet, dass die von
ihm in Algier beobachtete Deilephila nicht D. tithymali sei, wie Bellier de la Chayignerie behauptete, sondern wirklich D. euphorbiae var.; — Moufflet theilt in einem Briefe aus Guadeloupe mit, dass die Larven von Sphenopterus nur gefällte Bananenbäume angreifen, durchaus aber keine lebenden; — aus fremden Ländern eingeführte Bäume werden dort ebenfalls von Insecten atta- quirt; — Scarabaeus hercules soll seine Hörner um Zweige legen und durch Fliegen im Kreise die Zweige absägen, was ein Märchen schiene, von dem Lherminier nichts wisse, obwohl sich Lacordaire für diese Behaup tung auf
denselben beruft; — nach Lucas lebt Merochlorus testaceus parasitisch auf Cimbex amerinae; —- Wenker gibt die Beschreibung von drei neuen Apionen nemlich A. erg galaetidis und Linderi, alle drei aus Frankreich; — Lucas
beschreibt das noch unbekannte Männchen von Spermophagus a Schönh. dessen Larven Bohnen, die aus La Plata kamen, verw üsteten; — Goureau hat in Brombeerenstengeln sieben Inquilinen und acht Parasiten,
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sämmtlich Hymenopteren getroffen; - Gu&rin-Meneville constatirte, dass jenes Insect, welcher in China Wachs erzeugt, nicht zu Aphis gehöre, sondern ein Coccus aus dem Subgenus Bricerus G.M. sei, und E. ceriferus F. ‚heisse; — Gautier des Cottes beschreibt cin neues französisches Coleopteron : Pterostichus bispinosus aus den Pyrenäen. — Guerin-Meneville gibt die Characteristik eines neuen Sepidium, $. Pradierii aus Moka, welches an allen Beinen fünf Tarsen hat und im Revue Mag. de Zool. (1858 p. 127) beschrieben und abgebildet ist.— Eversmann machte, nach einer Mittheilung Lucas die Beobachtung, dass die Larve von Sesamia nonagrioides Lefebr. nicht nur in den Stengeln von Zea mais, sondern auch in den von Sorghum saccharatum Perron leben und in Algier oft 2% der Erndte verwüsten. — Aube bringt eine Notiz über das Ueberwintern der Chlorops lineata F. in grossen Massen; — Diplorhoptrum (Formica) fugax Ltr. verwüstet, wie Lu cas mittheilt, die Chocoladevorräthe in den Magazinen von Paris. — Fairmaire legt im Namen Coquerels die Beschreibung einer neuen Histeridengattung Dimerocerus. mit einer Art aus Mers-el-Kebir vor; — Gryllus domesticus fiel während eines heftigen Regens in ungeheurer Masse nieder, wie Lucas berichtet; Bellier dela Chavignerie zog Orgyia aurolimbata aus Eyern und fütterte die Larven mit Spartium scoparium, da er sich Genista purgans und sagittalis nicht verschaffen konnte, mit dem besten Erfolg; — zwichen Bruand d’Uzelle und Bellier de la Chavignerie entspinnt sich rücksichtlich einiger Punkte, welche der letztere in seiner Abhandlung (siehe oben) be- hauptete und insbesondere wegen Psyche bicolorella eine Controverse, bei welcher man den Ansichten eines Wiener Entomologen ein besonderes Ge- wicht einräumte *) — L. Dufour beschreibt eineneue Hippobosca : H. Camelina aus Algier; — Wencker gibt die Beschreibung neuer Apionen: 4. Capiomonti und A. arrogans beide aus Frankreich; — Gu&erin-Meneville fand in den Nestern der Mauerbienen die Larven von Tirrichodes alvearius und Leucopsis dorsigera; — Laboulbene constatirt. dass Anthrax sinuata in den Nestern von Odynerus spinipes als Parasite lebt, welche auch von Chrysis ignita infestirt werden; — Lucas zog Saturnia polyphemus und fütterte die Larven mit Blättern von @ercus pedunculata ; — derselbe stellt die Ver- muthung auf, dass Chelonia alero Eversm. aus Kiachta nur eine klimatische
*) Ueber Psyche bieolorela Boisd. häbe ich in der Berliner Ent. Zeit- schrift 1858 pag. 353 meine Meinung ausgesprochen. Die dort erwähnte Ps. hirtella Boisd.Bruand, habe ich seither von Herrn v. Graslin erhalten, und sie ganz gleich mit der Belli er’schen bicolorella gefunden. Bruand’s Abbildung und Beschreibung stimmt allerdings nicht gut. Sollte nicht viel- leicht beim Absenden oder Abbilden eine Verwechslung vorgefallen sein, so dass Nr. 38 böcolorella und Nr. 37 hirtella vorstellen soll? Die falsche Vater- landsangabe (Lappland) bei hörtella macht diess sehr wahrscheinlich. Lederer.
Verantwortliche Redaecteure: Julius Lederer und Ludwig Miller. Gedruckt bei Karl Ueberreuter, Alservorstadt Nr. 146.
WIENER Entomolooische Monatschrift.
Redaction und Expedition : In Commission bei Landstrasse, Blumengasse Nr. 116. Carl Gerold’s Sohn, Stadt Nr. 625. Nr. 2. II. Band. Februar 1S59.
Beiträge zur Kenntniss der europäischen Haltieinen.
Von F. Kutschera. (Fortsetzung.)
Die Halticinen sind, so weit sie der europäischen Fauna angehören, kleine Käfer zwischen einer halben bis drei Linien Länge und einer Viertel- bis ein und einer halben Linie Breite, zeigen eine mehr oder minder eiförmige Gestalt, welche bald flacher bald gewölbter ist und bisweilen ins walzen- oder halbkugelförmige übergeht. Sehr schmale und lang-eiförmige und dabei flachere Körper sehen wir in der Gattung Haltica bei H. antennata, procera; fast, walzenförmige bei der Gattung Dibolia und in der Gattung Plectroscelis bei der Gruppe von Pl. aridula; kugeligeiförmige bei Aryopus, Sphaeroderma, Mniophila. Die Unterseite ist in der Regel flacher, mit stärker gewölbtem Hinterleib.
Der Kopf ist mässig gross, mit den Augen so breit als lang oder breiter, nach vorne verschmälert, bis an die Augen in das Halsschild eingesenkt und geneigt; bei der Gattung Dibolia ausnahmsweise in das Halsschild zurückgezogen und abwärts gerichtet; der Scheitel mehr oder weniger gewölbt und eben, bald ganz glatt oder nur unter sehr starker Vergrösserung äusserst fein lederartig gewirkt, bald mit einzelnen zerstreuten Puncten,, bald dicht feiner oder gröber punctirt, bisweilen grob runzlig punctirt (Lithonoma), oder fein quergerunzelt (Longitarsus). Etwas abweichend ist der Kopf gestaltet bei den mehr. walzenförmigen Arten der Gattung Pleetroscelis; er ist hier gross und breit, mit stark gewölbtem Scheitel, und mehr abwärts geneigt als bei den übrigen Halticinen. |
Die Augen seitlich am Kopfe, jedoch etwas nach oben liegend,
sind ziemlich gross, fasst halbkugelig gewölbt, die einzelnen stark Wiener entomol. Monatschr. III. Ba. 3
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convexen Facetten schon bei mässiger Vergrösserung wahrnehmbar; nur bei Dibolia sind die Augen grösser, aber flacher und länglich, am Innenrande etwas ausgerandet, die Facetten äusserst klein und selbst bei starker Vergrösserung schwer zu unterscheiden.
Die Fühler, in der Grundform übereinstimmend, sind 11gliederig;; eine Ausnahme hievon macht die Gattung Psylliodes, wo sie nur 10gliederig sind und, nach der Gestalt der einzelnen Glieder zu schliessen, das zweite als das fehlende anzunehmen wäre. Sie sind in der Regel schlank , und fadenförmig, gegen die Spitze allmälig und unmerklich verdickt, auf der Vorderhälfte der Stirne zwischen den Augen oder etwas vor denselben (z. B. Lithonoma) eingefügt und einander am Ursprunge genähert; sie sind mittelst kleiner Gelenksknöpfchen in fein gerandeten Grübchen befestiget. In Bezug auf ihre Einlenkungstelle ergeben sich bei einzelnen Gattungen kleine Abweichungen. In der Regel von einander sowohl als von den Augen in gleichem Abstande entfernt, zeigen sich die Fühlerwurzeln sehr genähert aber von dem etwas ausgerandeten und daher den mittleren Raum der Stirne erweiternden Innenrande der Augen entfernt bei Dibola; bei Psylliodes aber stehen sie entfernter von einander, aber nahe am inneren Augenrande. Die Fühler sind meist von halber Körperlänge oder länger , selten kürzer, die einzelnen Glieder länglich und vom dritten ab schwach verkehrt- kegelförmig, seitlich etwas zusammengedrückt und etwas schief abge- stutzt. Das Wurzelglied ist etwas gekrümmt, an der Vorderseite convex aufgetrieben. innen concav ; das zweite walzenförmig und etwas ange- schwollen, an der Basis eingeschnürt und gewöhnlich das kürzeste: das dritte ebenfalls meist kürzer und schlanker als die folgenden, von diesen das fünfte (bei den Psyllioden das vierte) gemeiniglich länger, das vierte und sechste aber kürzer als die übrigen, welche beinahe gleich lang und einander gleich gestaltet sind mit Ausnahme des letzten; dieses ist länglicher, aussen an der Spitze schief ausgerandet und fort- satzähnlich zugespitzt. Die drei bis vier unteren Glieder sind sparsam beharrt und glänzend , die übrigen von dichter und anliegender feiner Behaarung matter, und ausserdem jedes einzelne Glied oben mit wirtel- förmig gestellten abstehenden längeren Härchen besetzt.
So übereinstimmend im Allgemeinen die Bildung der Fühler ist, so ergiebt sich doch hinsichtlich der Länge und Dicke der einzelnen Glieder sowohl, als der ganzen Fühler nach Arten und Gattungen eine grosse Mannigfaltigkeit; so sind alle Glieder und im Verhältnisse die ganzen Fühler länger bei den meisten Longitarsen, kürzer und gedrungener
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bei den Apteropoden, Haltica mercurialis ete.; oder sie verdicken und verkürzen sich in der Aufeinanderfolge nach Aussen, wie bei den Psyllioden, oder sie bleiben der ganzen Länge nach dünn wie bei Plectroscelis aridula und ihren Verwandten etc., das erste Glied ist bisweilen stark aufgetrieben (Halt. mercurialis, rufipes) andererseits ist es wieder mehr schlank wie bei den Dibolien, wo es fast doppelt so lang als jedes der folgenden ist; das zweite Glied ist bisweilen sehr kurz z. B. bei Halt. lineata, oder mit dem dritten gleich kurz z. B. Halt. anlennala, Argopus hemisphaericus; zuweilen aber übertrifft es das dritte an Länge, wie bei vielen Longitarsen, bei Haltica pubescens, Apteropoda caricis etc.; bei den Longitarsen ist das fünfte Glied kaum länger als die folgenden; bei Didolia das Endglied kaum von den vorhergehenden an Länge verschieden; bei der Gruppe der Haltica rustica sind die fünf letzten Fühlerglieder merklich dicker als die vorhergehenden u. s. w.
Eine abweichende Bildung zeigen die Fühler der Mniophila mus- corum; hier sind die Glieder vom dritten an sehr kurz, fast knopf- förmig, das siebente grösser, das achte wieder klein, die drei letzten aber zu einer deutlichen Kolbe verdickt, woran namentlich das letzte sehr dick ist.
Eine andere besondere Eigenschaft ist die Verdickung oder Er- weiterung des vierten und fünften Fühlergliedes im männlichen Geschlechte einiger Halticnen. Bei Haltica nemorum und fleruosa erblicken wir das vierte und fünfte, bei Halt. brassicae, excisa nur das fünfte Glied erweitert. Am auffallendsten ist diese Erscheinung bei den Füh- lern des Männchens von Halt. antennata, hier sind das zweite und dritte Glied sehr kurz, das vierte aber unverhältnissmässig gross, ein verschobenes Dreieck mit ausgebuchtetem Innen- und Ober- und gebogenem Aussenrande bildend und flach gedrückt, jedoch auf der oberen Fläche gewölbt,, auf der unteren ausgehöhlt ; die übrigen Glieder haben wieder die regelmässige Gestalt; das Männchen der nahever- wandten Halt. procera unterscheidet bloss ein etwas längeres viertes Fühlerglied von dem Weibchen.
Stirne und Kopfschild zeigen im Allgemeinen die allen Gallerueiden eigenthümliche Bildung, wie dies am deutlichsten bei der Gattung Lithonoma, wo überhaupt der Galleruea-Typus vorwiegt, der Fall ist. Das Kopfschild ist mit der Stirne stets verbunden und es lässt sich bei der innigen Verschmelzung dieses Kopftheiles mit der Stirne kaum eine sichere Gränze für ihn angeben, daher. wir uuter
3%
36 dem Begriff „Stirne‘‘ die ganze Bildung des Vorderkopfes vom Scheitel bis zum Munde zusammenfassen wollen.
Die Stirne ist in der Regel über dem Munde und zu beiden Seiten unter den Augen eingedrückt, wodurch der mittlere Raum wulstig,, meistens als kielförmige Erhabenheit hervortritt, welche über der Einlenkuug der Fühler beginnend bis gegen den Mund herabsteigt, ober diesem sich mit einem vom Kopfschilde gebildeten queren erhabenen Rand oder Wulst abgränzt, oder sich allmählig in der Mundfläche verliert. Oberhalb der Fühler ist die Stirne entweder glatt und eben, nnd geht allmählig und unmittelbar in jene Erhabenheit über, oder sie ist durch eingegrabene Furchenlinien und kleine kornförmige Erhaben- heiten von dieser geschieden. Es zeigen sich nemlich zwischen den Augen, am obern Ende jener Erhabenheit und mit ihr eine kleeblatt- artige Stellung einnehmend, gewöhnlich zwei mehr oder weniger rundliche Körnchen oder Beulen, welche von mehreren vertieften Linien umschrieben, bald bestimmter hervortreten, bald undeutlich und von wechselnder Gestalt sind, je nachdem jene Linien deutlich sind oder ihre relative Lage verändern. Aber selbst in jenen Fällen, wo solche Körnchen fehlen, zeigon sich an diesem Stirntheile zwei solche eingegrabene Linien, welche beiderseits am hintern oderinnern Augenrande entspringend sich einwärts bis zu dem oberen Ende der kielförmigen Erhabenheit herabziehen, sich hier meist vereinigen , oder durchkreuzen und nach der entgegengesetzten Richtung verlängern. Sie haben einen bald geraden, bald mehr oder minder gekrümmten Verlauf und an ihrem Vereinigungs- oder Durchkreuzungspuncte bisweilen ein eingestochenes Pünctchen. Da sie in den meisten Fällen auf der Stirnmitte zusammentreffen , so stellen sie sich als eine einzige von einem Augenrande zum andern gezogene bogenförmige oder winkelich gebrochene Linie dar, welche mit dem Ausdrucke „Stirnlinie‘‘ bezeichnet werden kann.
Diese Stirnbildung unterliegt nun manigfaltigen Modificationen, so dass sie durch die stärkere Entwicklung irgend eines Theiles und das Zurückbleiben eines andern ein anscheinend ganz verschiedenes Ansehen gewinnen kann; sie lässt jedoch selbst an ihren äussersten Endpuneten den gemeinsamen ihr zu Grunde liegenden Plan erkennen; oft sind ihre Einzelnheiten nur in verschiedenen Wendungen und bei schiefer Ansicht gegen das Licht zu unterscheiden.
Am bestimmtesten und deutlichsten ausgeprägt erscheinen die kiel- förmige Erhöhung und die über ihr in kleeblattartiger Stellung liegenden von Furchenlinien umgränzten länglichen Körnchen bei der Gattung
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Haltica in der Gruppe der Halt. oleracea, dann bei Halt, rufipes, helzines, nitidula. Scharfe und längere kielförmige Erhabenheiten treffen wir bei den Longitarsen, kürzere bei den Haltica-Arten aus der Gruppe der Halt. nemorum, während meist deutliche Körnchen und Stirnlinien fehlen. Deutliche aber stumpfe Erhabenheiten und deutliche rundliche Körnchen zeigt die Stirne in der Gruppe von Halt. Cyparissiae, Pseudacori, Euphorbiae. Durch eine eingedrückte W-förmige Linie nur auf dem Unterrande deutlich abbgegränzte Schwielen und eine stumpfe, keilförmig zugespitzte Erhabenheit zwischen den Fühlern gewahren wir bei den meisten Haltica-Arten mit quergefurchtem Halsschilde und punctstreifigen Flügeldecken, auch bei Mniophila muscorum; sehr kleine eng zu- sammenstehende Körnchen und deutliche Kiellinie darunter bei Aptero- poda; auch Dibolia zeigt eine deutliche, aber weniger vorspringende kielförmige Erhöhung und keine deutlichen Körnchen, dagegen einen kurzen Quereindruck auf der überhaupt flachen Stirne. Ziemlich platt und breit gestaltet sich dagegen die Erhabenheit zwischen den Fühlern bei Psyliodes und einigen Plectroscelis aus der Gruppe der Pl. dentipes ; flach und undeutlich oder fast verschwindend bei Argopus, Sphaero- derma, bei den Arten aus den Gruppen von Halt. fuscicornis und rustica, endlich bei den mehr walzenförmigen Arten der Gattung Plectroscelis, z. B. Pl. aridula, Mannerheimii etc. In der Mehrzahl der letztgenannten Fälle, fehlen deutliche Körnchen oder sind nur schwach angedeutet, hingegen zeigen sich scharfeingeschnittene Stirn- linien, welche wir dann halbkreisförmig wie bei Psylliiodes Dulcamarae, Hyosciami etc. winkelförmig oder aus zwei schrägen und einer sie verbindenden Querlinie zusammengesetzt finden wie bei vielen Plectro- scelis- und Psylliodes- Arten, bei der Gruppe der H. rustica etc.; deutlich sich durchkreuzende Stirnlinien begegnen uns bei Argopus haemi- sphaericus, Psylliodes attenuata, Haltica lineata ete. Bisweilen ver- lischt auch die Stirnlinie und es bleibt nur ein kurzer Quereindruck oder Grübchen sichtbar, z. B. bei Psyll. cucullata und bei den Dibolien.
Eben so verschiedenartig als beachtenswerth zeigt sich die untere dem Kopfschilde entsprechende Ausladung der kielförmigen Erhabenheit über dem Munde. Wie bereits erwähnt, geht sie zuweilen allmählig in die Mundfläche über, wie es z. B. bei den keilförmig zulaufenden Er- höhungen der Stirne bei H.impressa und ihren Verwandten der Fall ist, in den überwiegend meisten Fällen aber laufen von dem unteren Ende
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zwei Arme oder Aeste aus, welche mehr oder minder scharf erhaben meist quer über dem Munde verlaufen, oder stumpfwinkelig (bei den Longi- tarsen) oder bogeuförmig (bei der Gruppe von H. Cyparissiae) den tiefer liegenden Mund umschliessen. Bei der Gattung Lithonoma, dann Haltica oleracea und ihren Verwandten bildet sie in fasst rechtem Winkel abzweigend eine scharfe, horizontale Kante über dem Munde. Bei der Gruppe der Haltiva nemorum spaltet sich die kurze schnei- dige Kiellinie ziemlich weit ober dem Munde gabelförmig u. s. w. Wir werden bei der Darstellung der Gattungen und Arten Gelegenheit haben, auf diese Einzelnheiten umständlicher einzugehen, und zugleich ihren Werth als Merkmale der Unterscheidung kennen lernen.
Den äussersten Rand der Stirne oder des Kopfschildes an ihrer vorderen Senkung gegen den Mund bildet eine mehr oder minder breite horizontale Membrane , in welche die hornartige Substanz des Kopfes übergeht, und unter welcher die Oberlippe befestigt ist. Diese Membrane ist glatt und glänzend, und iu der Regel deutlich sichtbar, nur bei der Gruppe von Plectroscelis aridula ist sie sehr schmal und undeutlich.
Einer abweichenden eigenthümlichen Bildung des Unterrandes des Kopfschildes begegnen wir bei der Gattung Argopus; derselbe ist nämlich tief ausgeschnitten, und ist nicht fest mit der ebenbeschriebenen Membrane verwachsen, wie bei den übrigen Halticinen, sondern liest etwas hohl und ab, und bildet zwei hornartige abwärts gerichtete Lappen, unter welchen jene Membrane sichtbar ist.
Nach der Beschaffenheit ihrer Oberfläche ist die Stirne gewöhnlich glatt und glänzend, namentlich an den Erhabenheiten ; bei einigen Arten aber vor den Fühlern und am Augenrande grob und runzlich punctirt, z.B. bei der Gattung Löthonoma, bei Haltica oleracea, Erucae, Longi= tarsus Echü, Linnei, vielen Plectroscelis-Arten etc.; bei den meisten über dem Munde und neben der kielförmigen Erhabenheit mit greisen abwärts gerichteten Härchen besetzt. Auch die Seiten des Kopfes unter den Augen zeigen bei vielen Arten eine grobe und runzelige Punctirung. Die Kehle ist stets glatt.
Die Oberlippe ist hornig, querviereckig mit abgerundeten Ecken und mehr oder minder tiefer Ausrandung in der Mitte, ihr Aussenrand oft durchscheinend häutig ; ihre Oberfläche glatt und leicht gewölbt, längs des Vorderrandes meist mit einer Reihe grübchenartiger Puncte und mit einzelnen Härchen bewimpert. Bei der Gattung Argopus und Sphaero- derma zeigt der Aussenrand der Lippe eine dichte Bewimperung von kurzen gelblichen Härchen ; bei der Gruppe von Plectroscelis aridula
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erweitert sich der Vorderrand der Oberlippe in eine dünne am Rande fein aufgebogene Hornplatte, welche schildartig die Kinnbacken deckt.
Diehornigen Kinnbacken sind kurz und wenig vorragend, innen ausgehöhlt, die breitere Mahlfläche nach oben, ihre Spitze in der Regel in fünf mehr oder minder scharfe Zähnchen gespalten, wovon von unten nach oben gezählt der erste und zweite nach abwärts, der dritte, welcher zugleich der längste und stärkste ist, an der Spitze und Biegung der vierte und fünfte aber an der oberen Mahlfläche liegen; der zweite kommt dem dritten an Grösse zunächst und bisweilen fast gleich ; auch der vierte zeigt sich stets deutlich, der erste und fünfte aber meist als undeutliche Kerbzähne. In der Ruhe greifen die Zähnchen ineinander und sind bis zum dritten aussen sichtbar, während die übrigen zwei von der Oberlippe bedeckt sind. Diese Art der Einzahnung ist die in der Regel auftredende; eine Ausnahme machen die Kinnbacken mit nur vierzahnig getheilter Spitze bei Haltica oleracea und ihren Verwandten, wo der zweite und dritte gross und breit und einander fast gleich , — bei der Gattung Lithonoma, dann Hallica mercurialis und der Gruppe von Pleetroscelis dentipes, wo der zweite an der Biegung liegt und der grösste ist. Eine bedeutendere Abweichung zeigt sich bei der Gruppe von Plectroscelis aridula,, hier sind die Kinnbacken nur zweizahnig, (mit dem grössern Zahn an der Spite) — flacher und kaum ausgehöhlt, daher sie von aussen sich schmal zeigen.
Die Kinnladen sind zweilappig, die Lappen fast gleich lang, der innere unbewehrt und bewimpert, der äussere zweigliederig und tasterartig.
Die Kinnladentaster sind viergliederig, die einzelnen Glieder bis zum dritten an Breite zunehmend ; das erste Glied kurz, das zweite und dritte kurz und keulig mit schief abgestuzter Spitze, und meist an Länge gleich, das Endglied endlich kegelförmig zugespitzt.
Die gerundete Unterlippe mit querem, vorne gerade abgesetztem Kinne und freier, lederartiger, an den Vorderecken abgerundeter, in der Mitte etwas ausgerandeter Zunge.
Das Endglied der dreigliederigen Lippentaster länglich, mehr oder minder stumpf zugespitzt, die zwei anderen kurz und quer.
Der Prothorax zeigt auf der Oberseite ein nach Umriss, Wölbung und Sceulptur sehr wechselndes Halsschild, dessen mannig- faltige Uebergänge sich schwer unter einen gemeinsamen Gesichtspunct zusammenfassen lassen. Mit dem Hinterrande der Flügeldeckenwurzel genau angepasst, und mit dem breit aber seicht oder gar nicht aus-
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geschnittenen Vorderrande den Kopf bis an die Augen aufnehmend, zeigt es sich im Allgemeinen mehr oder minder gewölbt, mit gerundeten bisweilen nach vorne convergirenden Seiten. Die Wölbung ist in der ‘ Regel an der Spitze stärker als an der Basis, da die Seitenränder entweder gleich von den Hinterecken oder von der Mitte an abwärts gekrümmt und die Vorderecken herabgezogen sind, daher das Halsschild von oben gesehen, gewöhnlich an der Spitze verschmälert sich daxstellt. Die Seitenränder sind deutlich abgesetzt und fein aufgebogen , nach den Vorderecken hin etwas verdickt und daselbst zahnartig oder winklich vorspringend , hinter diesem Vorsprunge bei der Gattung Longitarsus seicht ausgerandet; der Hinterrand ist meist, wenigstens innerhalb der Hinterwinkel fein gerandet , und entweder gerade oder schwach zwei- buchtig mit mehr oder minder rechtwinklichen Hinterecken, oder einfach gerundet mit fast abgerundeten Hinterecken oder breit gegen die Flügeldecken gerundet und inner den stumpfen Hinterwinkeln seicht ausgebuchtet ; er zeigt ferner bei einigen Arten auf der Basis senkrecht stehende , tief eingegrabene, aussen oft von einem erhabenen Fältchen begränzte Strichelchen , bei anderen Arten feine eingestochene Puncte oder deutliche Grübchen beiderseits. Vor dem Hinterrande haben einige Arten einen mehr oder minder deutlichen Quereindruck, welcher entweder durch die vorhin erwähnten senkrechten Strichelchen abgekürzt wird oder sich allmälig vor dem Seitenrande verliert. Sonstige Eindrücke 2. B. inner dem Seitenrande oder der Spitze sind von geringer Bedeutung und zeigen keine bestimmte Form. Die Oberfläche ist bald glatt und glänzend nur mit äusserst feinen Pünctchen bestreut, bald deutlich und grob, entweder zerstreut oder dicht , gewöhnlich nach den Seiten hin stärker punetirt, bisweilen mit äusserst fein lederartig gewirktem Grux.de; auch die Eindrücke zeigen gewöhnlich stärkere Punctirung. Unmittelbar neben dem Seitenrande zeigt das Halsschild bisweilen eine glatte, glan- zende Längsschwiele, z. B. bei der Gattung Longitarsus.
In Bezug auf Umriss und Wölbung, dann Krümmung der Seiten- ränder nach abwärts lassen sich mehrere charaeterische Grundformen des Halsschildes herausheben, welche zum Theile generische Bedeutung haben und an welche die übrigen als Uebergangs- oder Nebenformen sich gliedern. Eine dieser Grundformen, welche der Mehrzahl Arten der Gattung Haltica entspricht, characterisirt sich durch die stark, bisweilen kissenartig gewölbte Scheibe und flachere Basis, durch die in oder vor der Mitte gerundert erweiterten, nach vorne wenig mehr als
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nach rückwärts verschmälerten Seiten und deutliche meist rechtwinkliche Hinterecken; die Seitenränder sind an den Hinterecken nicht oder kaum herabge- bogen, beinahe flach ausgebreitet, und erst von der Mitte oder vor derselben nach abwärtsgekrümmt, daher die Vorderecken stärker herabgezogen; der . Hinterrand fast von der Breite der Deckschilde und entweder gerade oder beiderseits schwach zwei- buchtig; der Vorderrand breit nnd seicht ausgeschnitten. Am deutlichsten tritt diese Form uns entgegen bei der Gruppe von Halticaimpressa, femoralis etc. Bei den übrigen Gruppen dieser Gattung zeigt sie sich mehr oder minder modifieirt, lässt jedoch noch immer die gleiche Grundlage erkennen. Eine zweite Grundform ist jene, welche das Halsschild der Gattung Longitarsus und zwar in sehr beständiger Weise darstellt; kurz, der Quere nach gewölbt und nach vorn abfallend, zeigt esvonoben gesehen fast gleichbreite nur wenig gerundete Seiten; die Hinterecken sind fast abgerundet, da die tief herabgebogenen kurzen Seitenränder sich gleich von jenen an stark nach abwärts und ineinem Bogen zu den stumpferen Vorderecken krümmen; der Hinter- rand ist schmäler als die Flügeldecken und leicht gerundet, der Vorderrand gerade abgeschnitten. Als eine deutliche Uebergangsform von der vorhergehenden zu dieser stellt sich das Halsschild der Arten aus der Gruppe von Haltica Cypa- rissiae, Euphorbiae etc. dar; hinsichtlich des allgemeinen Umrisses, der Wölbung, des etwas gerundeten Hinterrandes und gerade abgeschnittenen Vorderrandes stimmt es mit dieser, bezüglich der minder herabgebogen nur allmälig nach abwärts gekrümmten Seiten- ränder der deutlicheren Hinterecken und mehr herabgezogenen Vorder- ecken mit der ersteren überein. Eine dritte Grundform zeigt sich in dem Halsschilde der Gattung Ps y/liodes, und unterscheidet sich durch die breite, auf dem Vordertheile zugleich nach vorne abfallende Wölbung, die nur schwach gerun- deten, nach vorne convergirenden Seiten, indem es seine grösste Breite am Hinterrande findet. Die ziemlich gleichmässig herabgebogenen Seitenränder ziehen sich von den Hintereckenan fast gerade oder nurinflachen Bogen zu den Vorderecken, wodurch
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jene stumpfwinkelich und auch diese wenig hervor- sezogen erscheinen. Der Hinterrand, wenig schmäler als die Deckschilde, ist stark und breit gegen die- selben gerundet, aber inner den Hinterecken leicht ausgebuchtet; der um die Hälfte schmälere Vorderrand seicht und breit ausgeschnitten. Mit dieser Form in naher Verwandtschaft stehen die Halsschilder der Gattung Didolia und Apteropoda, wovon
erstere jedoch mehr walzig gewölbt mit tief herabgezogenen Seiten und nach vorne weniger verschmälert sind, unter dem weit ausgeschnittenen Vorderrande den ganzen abwärts gerichteten Kopf aufnehmend ; letztere bedeutend breiter und gewölbter , nach vorne stark abfallend, und an den Seitenrändern stärker gerundet sind. In dem Halsschildbau der Gattung Plectroscelis äussert sich eine weitere Grundform. Bei den flacheren Arten dieser Gattung, wohin Plectroscelis den- tipes, semicoerulea etc. gehören, finden sich einige Anklänge an jene der Gattung Psylliodes, während bei den mehr walzenförmigen Arten, von Plectroscelis aridula, arideila etc. gebildet, ein selbstständigeres Gepräge sich ausspricht. Hier ist es kissen- artig gewölbt, die stark herabgebogenen Seiten- ränder ziehen sich von den Hintereckenin schräger wenig gekrümmter Richtung nach den ttiefherab- gezogenen Vorderecken, wobei alle Ecken scharf an- gedeutet erscheinen; von oben gesehen liegt die grösste Breite in oder etwas hinter der Mitte des- gerundeten Seitenrandes; der Hinterrandist gerundet undinner der Hinterwinkel schwach ausgebuchtet undetwas schmäler als die Deckschilde; der Vorderrand breit und fast gerade abgeschnitten, zur Aufnahme des ziemlich grossen mehr nach abwärts geneigten Kopfes. Eine fernere eigenthümliche Grundform biethet das Halsschild der kugeligeiförmigen Gattungen Argopus und Sphaeroderma. Sie zeigt ein sehr kurzes und breit gewölbtes, nach vorne abfallendes Hals- schild, dessen mässig herabgebogene Seitenränder von den stumpfen Hinterecken sich allmälig nach abwärts zu den tiefer herab- und deutlich vorgezo- genen Vorderecken krümmen. Von oben gesehen sind die Seiten gerundet und nach vorne verschmä- lert. Der Hinterrand, schmäler als die Deckschilde, ist gerundet, jedoch beiderseits zweimal neben dem
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Sehildehen und nach den Seiten hin leicht ausge- buchtet. Der Vorderrand aber breit und deutlich ausgeschnitten. Das Halsschild der Mniophila muscorum schliesst sich dieser Form an, jedoch ist der gerundete und zur Flügeldeckenbreite weit , schmälere Hinterrand neben dem Schildehen nicht ausgerandet.
Als Repräsentant einer Halsschildform , welche in einer langen Reihe exotischer Arten ausgeprägt ist, stellt sich die Bildung des Hals- schildes der Gattung Lithonoma dar, jedoch ist in demselben der eigenthümliche Character der Grundform bereits modifieirt. Als charac- teristische Merkmale dieser exotischen Form ergeben sich: die flache Wölbung, die breit abgesetzten, am Randestark auf- sebogenen, mehr oder minder gerundeten, nach vorne verschmälerten Seiten, der wenig nach abwärts gekrümmte Seitenrand, der gerade abgeschnittene Vorder- und Hinterrand, deren ersterer seitlich durch die stark und spitz vortretenden Vorder ecken winklich abgegränzt, letzterer inner den spitzen Hinterecken kurz ausgebuchtetist.
Die Unterseite des Prothorax setzt sich aus den umgeschla- genen Seiten des Halsschildes und dem Prosternum zusammen, ohne dass sich Episternum oder Epimeren unterscheiden liessen.
Das Prosternum zeigt sich als ein querliegender Halbring von grösserer oder geringerer Breite. Am schmalsten erscheint er bei den kugeligeiförmigen Gattungen Argopus, Sphaeroderma und Mniophila, während er bei der gleichfalls kugelig gewölbten Gattung Apteropoda von grösserer Breite ist und dadurch in Verbindung mit anderen Merkmalen ihre nähere Verwandtschaft zur Gattung Dibolia und Psylliodes zu erkennen gibt. Sein Vorderrand ist in der Regel ausgerundet und schliesst sich eng an die Kehle an, den Mund frei lassend; in einigen Fällen ist er aber weiter, fast gerade abgeschnitten, wie in der Gattung Didbolia oder kragenförmig vor- gezogen wie in der Gattung Apteropoda, in beiden Fällen die Mund- theile von unten grossentheils verdeckend. Sein Hinterrand ist beiderseits für die Vorderhüftpfannen ausgeschnitten, und läuft in der Mitte in einen nach der Entfernung der Vorderhüften breiteren oder schmäleren, dieselben trennenden Fortsatz aus. Dieser ist selten gleichbreit, gewöhnlich zwischen den Hüften verengt und hinter denselben wieder allmälig in ein kurzes Dreieck erweitert, dessen Basis den Hinterrand des Prosternums bildet und an den Vorderrand der Mittelbrust an-
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schliesst. Die Hinterecken dieses Dreieckes sind meist etwas ausgezogen oder verlängern sich horizontal, die Rückseite der Vorderhüften theil- weise einschliessend. Der Hinterraud des Fortsatzes, welcher gewöhnlich wie der übrige Rand des Prosteruums um die Hüften herum fein gerandet ist, ist theils gerade abgeschnitten, theils gerundet, theils ausgerandet. Der Fortsatz selbst ist der Länge nach mehr oder minder gewölbt, zugleich oft auch der Quere nach leicht gerundet, meist eben, selten kielförmig erhaben (Gruppe der Haltica nemorum) oder rinnenförmig ausgehöhlt. (Argopus, Sphaeroderma, Mniophila.) Die Bildung des Fort- satzes gibt ein gutes Unterscheidungsmerkmal für die einzelnen Gattun- gen und deren Gruppen ab. Die Oberfläche des Prosternums ist meist mehr oder minder stark und grob punctirt oder gerunzelt, seltener ganz glatt und glänzend (in den Gattungen Longitarsus, Haltica.)
Die umgeschlagenen Seiten des Halsschildrückens von dem Prosternum durch mehr oder minder deutliche Nähte getrennt, bilden die Aussenseite der Gelenkpfannen für die Vorderhüften , er- strecken sich in Form schmaler Zungen auch hinter dieselben und bilden zugleich mit dem Fortsatze des Prosternums den Hinterrand der Unter- seite des Prothorax. Sie zeigen meist die Beschaffenheit der Oberseite und sind unter den Hinterecken gewöhnlich querrunzlich und zur Auf- nahme der Vorderschenkel mehr oder weniger ausgetieft. Die Gelenk- pfannen zeigen eine etwas schräge Richtung zur Mittelaxe, und eine eiförmige Gestalt, nach innen und unten abgerundet, nach aussen und oben spitzig zulaufend.
Die Mittelbrust ist schwach entwickelt; das Schildchen klein und dreieckig, die Seiten etwas gerundet; es ist spiegelglatt und liegt in gleicher Ebene mit den Flügeldecken. Das Mesosternum ist klein, bisweilen nur wie ein dünner Querfaden sichtbar. Bei Mniophila muscorum verschwindet sie fast gänzlich dem Auge, indem sie von dem Fortsatze des Prosternums bedeckt wird. Mit dem beiderseits ausgeschnittenen Hinterrande die Vorderhälfte der Gelenkpfannen der Mittelhüften bildend, verlängert sie sich zwischen den Hüften zu einem längeren oder kürzeren Fortsatze, welcher rückwärts ausgeschnitten, eine dem Ausschnitte entsprechende, vorgeschobene Spitze des Metasternums aufnimmt. Z. B. Longitarsus, Haltica. Bei den Arten mit entfernter stehenden Hüften erscheint dieser Fortsatz verhältnissmässig kürzere z. B. Dibolia, Plectroscelis) verschwindet fast gänzlich bei den kugeligeiförmigen Arten und bleibt nur ein schmaler Querstreifen sichtbar z. B. Argopus, Sphaeroderma, Apteropoda), während zugleich der Vorderrand des
45 Metasternums breit zwischen die Mittelhüften hineinragt. Die Episternen und Epimeren sind durch deutliche Nähte getrennt, als zwei unregel- mässige neben und über einander gelegene kleine Dreiecke sichtbar ; sie begrenzen zum Theil die Gelenkspfannen der Mittelhüften von aussen. Die Beschaffenheit der Oberfläche des Metosternum entspricht jener des Prosternums. Die quer liegenden Gelenkpfannen der Mittelhüften gleichen jenen der Vorderhüften.
(Fortsetzung folgt.)
Ueber einige Tagfalter der Schweiz und Piemonts. Vom Gerichtsrathe A. Keferstein in Erfurt.
Herr Apotheker Trapp hat sich in der Schweiz vom 1. October 1854 bis zum 28. August 1857 aufgehalten und seine freie Zeit während des Sommers zu lepidopterologischen Excursionen in den berner, walliser, urner, waadtländer , tessinischen und piemontesischen Alpen benutzt, ja er ist bis Mailand, Genua und Turin vorgegangen. Seine dessfalsigen über die Papilioniden gemachten Beobachtungen hat er mir mitgetheilt und sie enthalten namentlich hinsichts der Flugzeit manche Angaben, die als Erläuterung zu Speyer’s schönem Werke: „die geographische Verbreitung der Schmetterlinge Deutschlands und der Schweiz‘“ dienen _ können. Ich glaube, dass es nicht uninteressant sein wird, wenn ich selbige unter Zugrundelegung des gedachten Werkes auszugsweise hier wiedergebe.
Melitaea Cynthia scheint nicht alle Jahre an seinen Flugstellen vorzukommen. Im Sommer 1855 fand Herr Trapp kein Stück; im Sommer 1857 auf dem Grimselpasse nur einzelne, dagegen am 6. Juli 1857 beide Geschlechter häufig auf der Staffelalpe bei 5000 Fuss Höhe.
Melit. Artemis. Var. Merope. Häufig an der Maienwand am 10. August 1855 frisch in beiden Geschlechtern, dagegen im Jahre 1857 nicht ein Stück daselbst. Einzelne in den Jahren 1856 und 1857 am Gerner Grad und Simplon in einer Höhe von 68000 F.; schon im Juli bei einer Höhe unter 5000.
Melit. Athalia und Parthenie. Herr Trapp fand Athalia über 3300 F. nicht mehr, dagegen die walliser Parthenie nicht unter 5000.
Melit. Phoebe. Zu Tausenden bei Baldschieden, Marill, Brieg etc. in Ober-Wallis. Schon am 24. Mai 1857 bei Sion und am 2. Juni öfters
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im Wisperthale; von der Mitte Juni bis Ende Juli in zahlloser Menge fast immer frisch. Scheint sich auf etwa 4000 F. hoch zu erleben. Eine schwarze Dornraupe mit moosgrüner Hohlmakel von ausnehmender Grösse (am 3. Juni) lieferte das seltenere @ (am 27. Juli 1857).
Melit. Didyma. Erscheint in Wallis ohne Zweifel in 2 Generationen. Zu Sion Anfangs May ganz frisch zu Tausenden ; in Oberwallis überall im Juli und August.
Aryynnis Thore. Scheint nur alle zwei Jahre häufig vorzukommen ; den 26. und 27. Juni 1857 am Rosenlaui Gletscher. In Wallis fand ihn Herr Trapp nirgends. Wenn man den Falter todt drückt, gibt ereinen - ganz eigenthümlichen Geruch von sich, welcher der Schachtel, worin der Falter steckte, noch einige Tage verblieb.
Arg. Amathusia. Von den ersten Tagen des Juni bis Ende Juli. Manche Jahre selten, in andern desto häufiger. Beim Leuker Bad den 13. Juli 1856 in zahlloser Menge; im Wisper Thal von 2200 F. bis hinauf an den Monte Rosa Gletscher den 15— 20. Juli in Masse, Im Jahre 1857 sehr selten.
Arg. Pales. Herr Trapp fand die Var. Isis nie über 4000 F.; so im Gasteinthal bei 3500 F. ganz frisch am 12. Juli 1857, ebenso bei Kandersteg und bei Zermatt 4000 F. hoch, dagegen am Gerner- grad 9000 F. keine einzige Isis aber viel kleinere Pales zu Tausenden.
Arg. Ino. Erhebt sich bis auf 4500 F. Beim Leuker Bade den 13. Juli 1856 in Menge frisch.
Arg. Niobe. In Wallis bei 2000 F. untermischt mit Adippe, macht sich aber durch ihren wilden rastlosen Flug kenntlich. Im Canton Bern traf sie Herr Trapp nie unter 3400 F.
Arg. Adippe. Erhebt sich bis auf 5000 F, so am 9. Juli 1857 über dem Leukerbad ein schönes @; Var. Cleodora kommt jenseits des Simplon und Gotthard allgemein statt der silberfleckigen Adippe vor; vom 25— 29. Juli bei Domo d’Össolo in Tessin.
Arg. Pandora. Hr. Trapp fing ihn, als er am 2. August 1857 durch den Wirschwald im Ober-Wallis kam , traf ihn aber nicht im Piemontesischen bei Cremola, Domo, Gravellona am Lago Maggiore, obwohl ihn Biedermann da gefunden haben will.
Erebia Medusa scheint sowohl in Wallis alsin Tessin zu fehlen.
Ereb. Oeme. Die 2 vom Gurnigelbade haben aber auf den Vorder- flügeln breite rothgelbe Binden, dagegen traf Herr Trapp im Ober- haslithale so wie bei Kandersteg kein $, das mehr als eine Spur von
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rothgelb um die Augen gehabt. Eben so hat Ereb. Pharte am Gurnigel breite rothgelbe Fleckenbinden, am Kandersteg aber mehr Puncte,
Ereb. Ceto. Fliegt schon an den Abhängen im Hauptthal von Ober-Wallis vom 1. Juni bis in die ersten Tage des Juli.
Ereb. Pyrrha. Scheint im oberen Wallis zu fehlen.
Ereb. Melampus. Var. Eriphyle nur in manchen Jahren häufig und Herr Trapp fing im Juli 1857 bei Kandersteg nur 1 Stück.
Ereb. Pharte. Am 20. Juni 1856 am Gurnigelbade bei 3500 F. verflogen. Herr Trapp fand ihn weder in Ober-Wallis noch an der Südseite des Simplon, eben so wenig in den Alpen des Tremolathales am Gotthardt.
Ereb. Mnestra. Von 3800 F. bis 7000 F. Am 15. Juli 1857 beide Geschlechter oberhalb Zermatt in Menge. Beide Geschlechter haben an der nemlichen Flugstelle bald Augen, bald fehlen sie ganz.
Ereb. Alecto. An der Gemmi ob dem Leukerbade schon bei 5000 F., am Monte Rosa nicht unter 8000 F. In der Hochalpe des Oberhaslithales kommt Aveeto mit Augen vor.
Ereb. Manto. Nicht alle Jahre gemein ; häufig 1856, selten 1857. An Steilhorn bei Bern 6000 F. hoch, am 15. Juni 1856 zum Theil verflogen.
Ereb. Tyndarus. Bei Brieg am Simplon schon bei 2000 F.
Ereb. Goante. In der südlichen Schweiz sehr verbreitet bis auf fast 5000 F, und wo sie vorkommt in Menge. Im Wisperthale im Juli, in den berner Alptheilen noch am 11. August. Der Falter ist frischgefangen sehr empfindlich gegen die Sonnenhitze. Am 20. Juli 1857 fing. Herr Trapp im Zermatter Thale. gegen 30 völlig frische Stücke, die er in eine Schachtel steckte, welche er in einer Seitentasche trug. Als er nach einer Viertelstunde darnach sah, waren sämmtliche Exemplare dergestalt zusammengeschrumpft, dass die Flügel nur noch Stumpfen darstellten und sie mussten alle weggeworfen werden. Die später gefangenen Exemplare wurden in eine Schachtel gesteckt und diese mit Löschpapier umhüllt, und doch verdarb auch hierin noch manches. Die Sonnenglut ist aber auch in den manchmal kaum 50 Schritt breiten Südthälern fürchterlich.
Ereb. Evias. In Wallis sehr verbreitet aber nur stellenweise in Menge. Zu Tausenden vom 12.—29. Mai 1857 im Brieger Thal bei Sion bei etwa 1600 F. Höhe. Kleiner und sparsamer in Ober-Wallis, bei Wispach den 2., 3. und 4. Juni, am Sinplon 3000 F., am 20. Juni in Obergestelen 4000 F. am 1. Juli 1857, ob Zermatt den 15. Juli.
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Er scheint sich auf etwa 4500 F. zu erheben. Vielleicht an manchen Orten wie bei Sitten eine doppelte Generation, denn hier existirte schon am 30. Mai kein Stück mehr.
Ereb. Pronoe. Am 6. Juli 1857 im Leukerbad und am 24. August am Steilhorn. Die Stammform mit breiten rothgelben Binden kam Herrn Trapp nie vor, selbst nicht in den Alpen der italienischen Schweitz.
Ereb. Euryale. In den Alpen des Oberhaslithales am 1. August 1857 eine Adyte mit breiten Fleckenbinden ohne Spur von Augen.
Chion. Aello. Es ist nicht richtig, dass er nur alle zwei Jahre vorkäme, doch erscheint er manches Jahr seltener Am 10. Juli 1857 bei Kandersteg, am 11. an der Gemmi und am 13. Juli 1856 bei dem Leuker Bade.
Sat. Cordula. In Wallis gibt es wohl keinen gemeineren Falter.
Pararga Meone. Anfangs Mai frisch bei Sitten beide Geschlechter; im August bei Leuk frisch beide Geschlechter, daher wohl 2 Generationen.
Par. Hiera. Anfangs Juni zwischen Sinders und Leuk in Tannen- schlägen. In der Eremitage bei Sitten und am Simplon im Juni gemein, Im Wisperthale, Baldschiedenthal an der Staffelalp bei 5000 F. hoch.
Par. Egeria. Bei Sitten alle Uebergänge von Egeria zu Meone. Bei Genua schon im April Meone. Bei Sitten im Mai. In der Gegend von Wispach in August stark rothgelbe Stücke.
Coenonympha Pamphilus. Während in Piemont bei Gravellona, bei Mayondien bis hinauf nach Giornico in Tessin im April 1857 blos Pamphitus flog, zeigte sich am 25. Juli Lylus mit allen Uebergängen zum Pamphilus.
Nemeobius Lucina fand Herr Trapp jenseits der Berner Alpen auf Schweitzer Gebiet nirgends, dagegen am 19. April 1857 am Orez See gemein mit Polyxzena, Battus etc. |
Lycaena Pheretes von Herrn Trapp nur zweimal am 15. Juli | 1856 bei Zermatt und am 10. August 1856 am Faulhorn gefangen.
Lyc. Battus. Schon im April bei Bellinzona und am 29. Juli häufig bei Giornico im Livinerthale. |
Lye. Optilete. Nux sparsam, am 16. Juli, en des Monte Rosa | bei 6000 F. |
Lye. Aeyon. Bei Gravellona in Piemont am 25. Juli kaum so | gross wie Alsus. \
Lye. Argus. Am Simplon bei 2000 F. Höhe, so gross wie | Escheri. | Lyc. Eumedon. Am Simplon des 23. Juni.
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Lyc. Eros. In einer Höhe von 2000 — 6000 F. Bei Mörill 2900 F. am 27. Juni ; bei Zermatt 6000 F. am 16. Juli.
Lye. Alexis. Am 21. Juli 1857 bei Baldschieden. Männchen, die sich dadurch auszeichnen, dass die blaue Farbe feuriger ist und die Hinterflügel oben deutliche Randpusteln haben, auch ist die Unter- seite der Hinterflügel mehr bräunlich gelb. Auf einer Bergwiese bei Sitten fing Hr. Trapp Alexis 5 und Cyllarus 8 in Paarung.
Lye. Escheri. Blos in Wallis von den ersten Tagen des Juni bis Ende Juli, manchmal so gross wie Daphnis, manchmal kaum grösser als Argus. Der 5 hat auf den Hinterflügeln oft schwarze Rand- puncte. Bis auf 4000 FE.
Lyc. Corydon. Im Juli und August.
Lyc. Cyllarus. Im untern Wallis bei Sitten den ganzen Mai hindurch.
Lyc. Sebrus. Zu Tausenden bei Sitten den ganzen Mai hindurch ; bei Vispach einzeln im Juli.
Polyommatus Phloeas. In Wallis im Juli und August mit stark verdüsterter Oberseite.
Polyom. Gordius. Erhebt sich bis 4000 F. Am 12. Juni bei Baldschieden bis Mitte Juli, das 2 erscheint erst gegen Ende der Flugzeit. Auf der Nord- und Südseite des Simplon Ende Juni. Einzeln im Visperthal bei Zermatt den 15. Juli.
Polyom, Chryseis. Fand Hr. Trapp in ganz Wallis nicht, da- gegen am 16. Juli 1857 auf sumpfigen Alpenwiesen die Var. Eurybia bei Zermatt in beiden Geschlechtern zahlreich in einer Höhe von 4000 7000 F.
Colias Phicomone. Bei Visperter inner 4250 F. Am 6. Juni und den ganzen Monat hindurch. Am Leukerbad am 13. Juli 1856 ver- flogen, dagegen auf der Nordseite der Alpe, Grimsel etc. noch frisch den 8.—10. August.
Col. Edusa, Frisch mit Hyale bei Bellinzona am 13. April 1827, bei Sitten in beiden Geschlechtern den ganzen Mai hindurch ; wahr- scheinlich zwei Generationen.
Picris Brassicae. Am 28. Juni bei dem Grimselpasse , fast 7000 FE.
Picr. Rapae. Am 11. August 1857 noch in Höhen von 10000 F. über die Gletscher hinfliegend. Var. Bryoniae kam Hın. Trapp unteı 4000 F. hoch nicht vor, an der Gemein bei 6000 F.
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Pier. Callidice. In warmen Jahren an der Südseite der Alpen schon Ende Mai. Auf der Passhöhe des Simplon an 21. Juni. 6000 F. verflogen. In den Alpen des Monte Rosa am 15.:Juli 1856 bis auf 9000 F.
Picr. Daplidice. In Wallis zwei Generationen. Bei Leuk am 2, Mai frisch und wieder den 8. August frisch. Bei Genua schon am 26. April 1857 verflogen. \
Pier. Belia. Fıisch bei Genua den 16 April. Bei ‘Sitten den 6. Mai 1857 verflogen. Die montane Var. Simplonia liebt üppige Alpen- triften, häufig ob Visperterbinnen bei 4250—5000 F. am 11. Juui; bei Obernwald eine Stunde vom Rhonegletscher 4800 F. am 30. Juni 1857.
Leucophasia Sinapis. In Wallis bei Vispach oft kaum so gross wie Alexis.
Thais Polyxzena. Fand Hr. Trapp nicht in der Schweiz, da- gegen am 18. April 1857 häufig in den Weinbergen beim Arta See in Piemont nicht sehr weit vom Lago maggiore.
Doritis Apollo. Schon am 18. Mai 1857 bei Sitten ; in den Thälern und den Alpen den Juni hindurch ; im Juli waren die g' verflogen aber die © frisch bis zum 8. August. In der Alpe des Monte Rosa bis 6000 F. hoch.
Doritis Delius. Fängt um den 1. Juli bei 3200 F. zu fliegen, am 8. Juli schon etwas verflogen. In den Alpen des Monte Rosa 6000 F. am 16. Juli und an der Maienwand den 14. August 1857.
Doritis Mnemosyne. Am 3. Juni nicht selten ob dem Dorfe Baldschieden bei 2000 F., Mitte Juni schon abgeflogen. -Zu Tausenden ob Brieg am Simplon 20.—24. Juni bei 3000 F. Mitte Juli auch in den Gebirgen von Leuk.
Hesperia Steropes. Am 27. Juli öfter in den Sümpfen an den Gestaden des Lago Maggiore, meist verflogen.
Hesp. Sao (Sertorius). Bei Sitten den ganzen Mai hindurch.
Baron von Osten-Sacken über die St. Petersburger Insecetenfauna. | Vorwort der Redaction.
Soviel in den letzten Jahrzehnten auch für die Erforschung der euro- päischen Insectenfauna geschehen ist, so bleiben doch noch immer sehr grosse Lücken in unserer Kenntnis derselben auszufüllen. Es sind diess Lücken doppelter Art; diejenigen der ersten Art entstehen dadurch»
51 dass das Studium einiger Inseetenordnungen unverhältnissmässig viel weniger Liebhaber gefunden hat, als das anderer Ordnungen, nament- lich als dasjenige der Käfer und Schmetterlinge, so dass die Kenntniss der weniger eultivirten Inseetenordzungen hinter dem der allgemeiner begünstigten ganz unverhältnissmässig zurückgeblieben ist; die Lücken der zweiten Art sind localer Natur; sie rühren zum Theil daher, dass in einzelnen Ländern Europas die Lust zu entomologischen Studien erst später erwacht ist; zum anderen Theile sind sie durch sprachliche Verhältnisse, durch die Schwierigkeiten, welche der Herbeischaffung der nöthigen literarischen Hülfsmittel hier und da noch im Wege gestanden haben, durch die Zerstreutheit und Vereinzelung der Mittel- punkte wissenschaftlicher Bildung u. s. w. verursacht worden. — Skandi- navien, England, Deutschland und Frankreich sind unstreitig diejenigen Länder Europas, deren Insectenfaunen verhältnissmässig am besten bekannt sind; die Faunen der drei südeuropäischen Halbinseln sind viel weniger durchforscht, unter ihnen diejenige Italiens noch am meisten, diejenige der griechischen Halbinsel dagegen am wenigsten. — So wenig es dem europäischen Russland an tüchtigen Entomologen fehlt, oder bereits seit längerer Zeit je gefehlt hat, so dürfte doch die Kenntniss der russischen Insectenfauna im Allgemeinen kaum bis auf den Stand- punkt gelangt sein, welchen gegenwärtig die Kenntniss der italienischen Fauna einnimmt. Der eolossale Umfang, welchen Russland im Ver- hältnisse zur Anzalıl seiner wissenschaftlich thätigen Entomologen hat, macht es leicht begreiflich, das trotz mancher ausgezeichneten und umfangreichen Leistung der neueren Zeit bisher nicht mehr hat erreicht werden können, Für alle, welche sich für eine umfassendere Kenntniss der europäischen Insectenfauna interessiren, werden desshalb zuverlässige und umfangreiche Mittheilungen über die russische Insectenfauna von besonderem Werthe sein. Da sich die in Russland einheimische Ento- mologie vorzugsweise auf Petersburg concentrirt, so war es wohl zu erwarten, dass wir zunächst eine ausführlichere, dem jetzigen Stand- punkte der Wissenschaft entsprechende Mittheilung über die Petersburger Fauna erhalten würden. Sie liegt uns in einer ausführlicheren Arbeit des Herrn Baron von Osten-Sacken, welche die Zeitschrift des Ministeriums für Volksaufklärung in Petersburg im Jahrgang von 1857 mittheilt, in willkommener Weise vor. — Eine auf diese verdienstliche Arbeit bezügliche, die leichtere Benutzung der in ihr mitgetheilten Verzeichnisse bezweekende Mittheilung des Herrn Verfassers lassen wir hier folgen.
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Im Winter 1855—1856, vor meiner Abreise aus St. Petersburg, beschloss ich, meine Studien über die dortige Inseetenfauna durch die Anfertigung eines, bis dahin noch nicht vorhandenen Celeopteren- Verzeichnisses jener Fauna. Später setzte ich diesem Verzeichnisse einiges über andere Insectenordnungen hinzu, auch, als Einleitung, ein paar Capiteln von allgemein-entomologischem und historischem Inhalte. Auf diese Weise entstand ein Anfsatz, der in russischer Sprache im Jahrgang 1857 der Monatsschrift des kaiserl. Ministeriums der Volks- aufklärung in St. Petersburg unter dem Titel: „Bericht über den gegen- wärtigen Zustand der Kenntniss der entomologischen Fauna der Um- gebungen von St. Petersburg‘ erschien.
Ich hielt es für zweckmässig, den Aufsatz in russischer Sprache erscheinen zu lassen, um ihm dadurch eine weitere Verbreitung unter den beginnenden Entomologen in St. Petersburg zu verschaffen. Zugleich sorgte ich aber dafür, dass die darin enthaltenen Verzeichnisse auch von des Russischen nicht Kundigen benutzt werden könnten, indem in dieser Sprache nur rein locale Notizen oder bekannte wissenschaft- liche Allgemeinheiten abgehandelt sind.
Leider fing der Druck erst nach meiner Abreise aus St. Peters- burg an; die Correctur wurde durch einen Freund besorgt, dem ich für die unsägliche Mühe, die er dabei gehabt haben muss, nicht genug danken kann. Der Druck eines entomologischen Cataloges in einer russischen Druckerei ist nämlich etwas so ziemlich Aussergewöhnliches; weder die Redaction noch die Setzer besassen darin die nöthige Praxis; daher geschah es, dass Erstere, aller Proteste meines Freundes un- geachtet, auf Aenderungen in der äusseren Anordnung bestand, die sich später als höchst unzweckmässig erwiesen; die’ Setzer aber ihre Unerfahrenheit in zahllosen Druckfehlern kundgaben, von denen, ‚trotz aller Correctur, doch eine bedeutende Menge zurückgeblieben sind. (So z. B. die beständig vorkommende komische Ersetzung des lateinischen Buchstabens dureh den gleichlautenden, aber anders aussehenden russischen; statt Isarthron steht z. B. Isaptroh, weil das russische R das griechische Ro ist, und folglich dem lateinischen P gleicht; und ebenso das russische N dem lateinischen H.)
Dieser etwas misslungenen Herausgabe ungeachtet wird der Hauptzweck, die Anregung zum Studium der Fauna von St. Peters- burg, hoffentlich erreicht werden. Aber kaum würde ich es wagen, vor einem grösseren entomologischen Publicum mit einem so unvoll-
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kommenen Produkte zu erscheinen, in welchem zu den inneren Män- geln (Unvollständigkeit der Verzeichnisse, besonders der Microcoleop- teren ete,), noch die äusseren einer schlechten Ausstattung hinzutreten- Da jedoch das Werk erschienen ist, also Allen zur Benutzung frei- steht, da es zweitens manchen Beitrag zur Kenntniss der geographischen Verbreitung der Insecten (und besonders der Käfer) enthält, und drittens, da ich eine Anzahl Separatabdrücke (welche statt der Jahrzahl 1857 die von 1858 tragen) an meine Freunde vertheilt habe, so halte ich mich für verpflichtet, die Benutzung desselben durch einige Erläute- rungen zu erleichtern.
Der Inhalt des Aufsatzes ist folgender :
Erste, Abtbeilung (pag. 1—30). Allgemeiner Theil. Ueber den wissenschaftlichen Werth des Studiums der Localfaunen. Allgemeine Begriffe über die geographische Verbreitung der Insecten ($. 1.) Cha- rakteristik der entomologischen Fauna von St. Petersburg in ihrem Verhältniss zum Klima, zur Beschaffenheit des Bodens und zur Flora. Stellung dieser Localität rücksichtlich der mitteleuropäischen und arctischen Fauna ($. 2.) Schliessliche Bemerkungen über den jetzigen Stand und die mangelhaften Seiten der Kenntniss des St. Petersburger Fauna ($. 3.)
Zweite Abtheilung (pag. 3L—47.) Historischer Ueberblick. Erste Epoche, Laxmann, Boeber, Gederhielm etc. Zweite Epoche, Hummel, Mannerheim, altern etc. Dritte Epoche, Gegenwart.
Dritte Abtheilung (pag. 48—152.) Verzeichnisse der in der Umgebung St. Petersburg bisher gesammelten Insecten.
I. Coleoptera (pag. 55—140.) Dies ist eigentlich der Haupttheil der ganzen Arbeit, und wohl der einzige, der irgend einen Werth im Auslande haben kann. Folgende Erklärungen sind zur Benutzung des Catalogs unerlässlich :
Um diesem Verzeichnisse den gehörigen wissenschaftlichen Werth und die nöthige Verlässlichkeit zu geben, hatte ich die darin an- geführten Arten in vier Kategorien vertheilt: 1. Arten, deren Original- exemplar (d. h. dasjenige, auf welches die Bestimmung im Verzeichnisse gegründet ist) sich in einer von Freunden der Entomologie gebildeten, und jetzt in der Kaiserl. Acad. der Wissenschaften befindlichen Samm- lung der Fauna petropolitana, befindet. 2 Arten, deren Original- exemplar sich in St. Petersburg in Privatsammlungen befindet. 3 Arten, deren Vorkommen mir nur aus anderen Werken bekannt war:
E
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hieher gehören Hummels Essais Entomologiques und Motchoulsky’s Verzeichnisse der Käfer Russlands (Carabi im Bulletin de Moscou; Hydrocanthari in Helsingsfors, 1853; und die handschriftliche Fort- setzung dieser Cataloge, die übrigen Familien begreifend, die ich der freundlichen Mittheilung des Verfassers verdankte). 4. Einige wenige Arten, (wie z. B. Odacantha melanura, Valgus hemipterus, Oryctes nasicornis etc.) deren Vorkommen mir einzig aus glaubwürdiger münd- licher Mittheilung bekannt ist, deren Original-Exemplare ich aber nicht gesehen habe. — Man sieht hieraus, dass die Artenbestimmungen der Categorien 1 und 2 im Nothfalle mit den Original-Exemplaren immer verglichen werden können; die der zwei folgenden beruhen blos auf Autorität und ihr wissenschaftlicher Werth hängt von der Zuver- lässigkeit dieser Autorität ab.
Meine Absicht war, diese Oategorien auf folgende Weise, durch eine entsprechende Zahl Sterne auszudrücken; z. B. in der Gattung Dromius Bon. '
Dromius Bon.
Sigma Rossi
marginellus F ab. erste Categorie fenestratus Fab. etc. etc. 5 ; . zweite linearis Oliv. | 2
”
mar glabratus Duft | dritte
“MM ıMM = 5%
quadrimaculatus Lin. } vierte longiceps Lin.
»
Diese senkrechte Anordnung ist aber beim Druck, sehr unzweck- mässig durch die horizontale ersetzt worden, wodurch die Ueber- sichtlichkeit der vier Categorien sehr gelitten hat. Dieselbe Gattung nimmt sich jetzt folgendermassen aus:
Dromius Bon. *
Sigma Rossi. — marginellus Fab. — fenestratus Fab. etc. etc. * # — linearis Oliv. * * * — glabratus Duft. * * * * — quadri- maculatus Lin. — longiceps Lin.
Mit dieser Erklärung wird man sich im Cataloge leicht zurechtfinden.
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Ausser dieser grossen Sterne sind auch kleinere gebraucht worden, die linksan manchen Artennamen stehen. Die damit bezeich- neten Arten sind solche, die nHummels Essais nicht erwähnt sind, also eine Bereicherung der St. Petersburger Fauna seit Hummel bilden. Alle Arten hingegen ohne diese Sterne, sind in den Essais als Petropolitaner bereits erwähnt worden, und ich habe es für eine Pflicht der Pietät gegen diesen, um unsere Fauna so verdienten Mann, gehalten, seine Entdeckungen überall hervorzuheben.
Die Zahlen (1—6), die nach den Artennamen stehen, bedeuten: 1 — sehr selten, 2 — selten, 3 — ziemlich selten, 4 — nicht selten, 5 — häufig, 6 — sehr häufig. Bei jeder Art finden sich Angaben über Zeit und Ort des Vorkommens, die Namen des ersten Finders, oder mehrerer Finder bei seltenen Käfern ete. Alle diese Bemerkungen haben eine rein locale Bedeutung und sind daher in russischer Sprache.
Die Abkürzungen Motch. Cat. beziehen sich auf den gedruckten, und Motch. Cat. man, auf die handschriftlichen Cataloge des Herrn Motchoulsky.
In der Familie der Staphylini habe ich, wegen Mangel an Material und an specieller Kenntniss die oben angegebene Anordnung in vier Categorien verlassen müssen, und ein Verzeichniss nach der in den Essais von Hummel, in Mannerheims Precis d’un nouv. aran- gement de la famille du Brachelytres und in Herrn Motchoulsky’s handschriftlichem Cataloge enthaltenen Angaben zusammengestellt. Die ganze Familie gehört also zur dritten Categorie. Die drei Hauptquellen sind durch die Buchstaben H. (Hummel), Mnh. (Mannerheim) und M. (Motchoulsky) bezeichnet.
In den übrigen Insectenordnungen (pag. 140-—152) habe ich mich begnüst, in kurzen Worten zu erwähnen, wer sich mit denselben in St. Petersburg beschäftigt hat, und wie weit er es gebracht hat. Auch kleine Verzeichnisse sind beigegeben.
Lepidoptera. Bezugnahme auf Herrn Siever’s Verzeichniss der Schmetterlinge der Umgegend von St. Petersburg.
Diptera. Verzeichniss einiger von mir gesammelten Dipteren. Die Zahlen 1—6 bezeichnen, wie bei den Käfern, die Häufigkeit. Ein Ausrufungszeichen bei den Tipularia fungicola bedeutet, dass ich die Bestimmung oder deren Berichtigung Herrn Winnertz in Crefeld, verdanke.
Hemiptera. Kurzes Verzeichniss der Geocorizae, nach einer von Capitan Kouschakewitch bestimmten Sammlung,
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Neuroptera. Libellulinae. Verzeichniss nach Herrn Sie- machko’s Angaben. Phryganidae nach Kolenati und meiner Samm- lung, die zum Theil von Dr. Hagen revidirt wurde. Planipennia, . nach meiner Sammlung. Die Chrysopen sind von Dr. Hagen bestimmt worden.
Hymenoptera. Kleines Verzeichniss nach meiner Sammlung.
Orthoptera. Kurzes Verzeichniss nach Hummel.
Ein Anhang (pag. 152--166) enthält eine Liste der beim Studium der St. Petersburger Fauna zu gebrauchenden Werke.
Zum Schluss muss ich noch bemerken, dass der grösste Theil der in den Verzeichnissen angegebenen Insecten innerhalb einer Entfernung von 2—3 deutschen Meilen von St. Petersburg gesammelt worden ist. Kaum ein einziges Insect ist angeführt worden, welches aus einer Ent- fernung von mehr als 5 Meilen stammte.
Systematisches Verzeichniss der dem Verfasser bekannten Phryganiden und deren Synonymik.
Von Prof. Dr. Kolenati.
(Schluss.) 40. Gen. Potamaria Leach. |Sp. 152. Gracilipes Ct. Ep. b. Diplectrona W. lutescens Stph. Aphelocheira Stph. (p.) „ 153. Subochracea Stph. Ep.b. Hydropsyche P ct. (p.) latipes Gt.
Sp. 148. Pictetä Klti. Ep. nigricorne? Pict. „ 149. Schmidtüä Klti. Alp:
42. Gen. Polycentropus Öt. Amathus Stph. Cyrnus Stp.h. (P.)
41. Gen. Psychomyia Latr, Tinodes Stph. (p.) Psychomia Br. Hydropsyche Pet. (p.) Antieyra Gt. Stph. Phr. L. Tirodes Stph. (p.) ‚Sp. 154. Bimaculatus Linn. Eurp, Sp. 150. Annulicornis Pict. Ep (Nr. 14.) (Nr. 15.) pulchellus Stph. ciliaris Stph. concolor Bm. „ 151. Phoeopa Stph. Ep. „ 155. Urbanus Pet. Ep.
tomentosa P &t. i cognalus Stph.
Sp. 156. Unipunetatus St ph.Ep. b. | Sp „ 157. Unicolor Pet. Ep. 43. Gen. Plectrocnemia Stph.
Philopotamus Ct. Stph.Rr.(p.)
Hydropsyche Pet. @.) Cyrnus Stph. Polycentropus Gt. (p.) Amathus Stph. (p.) Phr. Schk.
Sp: 158. Aurata Klti. Ep. b.(Nr.13) „ 159. Liturata Klti. Ep. (Nr. 12) „ 160.
Irrorata Gt. Ep. tenellus Rr. maculatus Stph. fuliginosa M.\V. zanthocoma M.\V.
Sp. 161. Atomaria Schk. Europ.
(Nr. 10.) senex P ct. flavomaculatus Rr. conspersus Gt. nigripunctatus Stph.
3. Trib. Hydropsychidae Stph,
44. Gen. Hydropsyche Pet. Philopotamus Ct. Stph. (p.) Phr. Don.
Sp. 162. Angustipennis Gt. Europ.
16%
(Nr. 25.) affinis Stph. angustata P et. Pellueidula Curt. Europ. (Nr. 22.) dorsalis Stph. laela P et. adspersa RY. nebulosa Br. helvola Koll. M.V. vesperlina M.\V.
”
”
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. 164. Newae Klti. Ep. b. (Nr. 23)
165.
166.
167.
168.
169.
hibernica? Gt.
ochroleucus? Stph.
Tincta Pet. Ep. (Nr. 24.)
varia Rr.
versicolor Br.
austriacus Koll.M.V.
Tenuicornis P et. Europ. (Nr. 26.)
antennatus Stph.
ophthalmica Rr.
mazima Br.
Atomaria Gm. Ep. (Nr.27)
maculata Don.
instabilis Gt.
GuttataPct. Ep. (Nr. 28.)
bimaculatus Stph.
Danubü Br.
Fulvipes Öt. Ep. (Nr. 29.)
obscurus Stph.
variabilis P ct.
leptocera Koll. M.V.
var. adspersula Gys.M.B.
45. Gen. Macronema Pet. Macronemum Bm. Hydropsyche M.V. (p.)
Sp. 170. Speciosum Bm, Am. m.
‚AA.
Scriptum Rr. Mdg.
„ 172. Agraphum Klti. Am. m.
Schottü M.\V.
„ 173. Lineatum P ct. Am. m.
46. Gen. Macrostemum Klti. Macronemum Bm. (p.) Macronema Rr. (p.) Hydropsyche P ct. (p.)
Sp. 174. Hyalinum P ct. Am. m.
„ 175. Auripenne Rr. Am. m.
Xanthodorsum M.\V.
58 4. Trib. Mystaeididae Bm. 47, Gen. Ceraclea L ch. Mystacida Br. (p.) Mystacides Rr. (p.) Phr. 2. Cq. Lr. DG. Sp. 176. Nervosa Cq Ep. (Nr. 32.) barbata 2. venosa Rr. decumana M.B.
48. Gen. Blepharopus Klti. Sp. 177. Diaphanus Klti. Am. m.
49. Gen. Molanna Gt. Odontocerus Lech. Ct. Stph. Br. Mystacides P et. (p.) Amblyopterye Stph. Acrogaster Bi. Phr. Sep. Sp. 178. Angustata Gt. Europ. b. (Nr. 36.) cylindrica P ct. vestita 2. Varietates: a. rufipalpis Stph. b. nigripalpis Stph. (Nr. 37) e. albicans 2. (Nr. 38.) d. sericea Bi. (Nr. 39.) „ 179. Albieornis Scp. Ep. Alp. (Nr. 33.) griseus Leh. Varietates:
a. maculipennis Ct.(Nr.34.)|
b. incana Klti. (Nr. 35.) 50. Gen. Triplectides K Iti. Mystacides Bm. (p-) Sp. 180. Gracilis Bm. Am.m. „ 181. Princeps Bm. Am. m.
51. Gen. Mystacides Lr.
" Mystacida Rır. Leptocerus L ch. Ct. Hg. Phr. Z. Sep. F. Fe. Gm. L.
Sp. 182. Uwarowä Klti. Am.b. „ 183. Ochraceus Ct. Europ. bor. (Nr. 40.) senilis Bm. fulva? Rr.
„ 184. Hecticus Z. Ep. (Nr. 41.) testaceus Öt. pilosus Müll. Br. obsoleta Rr. pallens Koll. M.V.
„ 1841. Seminiger Stph. Ep.b. vetula Rr.
„ 185. Fennicus F. Ep. b. (Nr.42) uniguttalus P ct. dissimilis Stph. albimacula Rr.
„ 185%. Notatus Hg. Ep. b.
„ 186. Bifasciatus F cc. Europa.
(Nr. 43.) annulata Gm. subannulatus Stph. var. Sölesiaca Klti. Perfusus Stph. Ep. (Nr.44) Filosus L. Ep. (N!. 45, 46) tineoides Sc p. rufina Rr. Sericeus Klti, Europ. m. (Nr. 47.) AureusPct. Ep. (Nr, 48.) tarsalis Stph. Niger L. Ep. (Nr. 49.) fuliginosa Scp. atra Pet. Stph. phaea Stph. „ 192. Affinis Lech. Ep. (Nr. 50.)
182 „ 188. „189. „ 190.
„191.
9
Sp. 193. Albifrons L. Ep. (Nr. 51.) niger Stph. Pet. bilineata F. ater Br. .„ 194. @endäiRr. Ep. m. Sp. 199. Quadrifasciata F. Europ. „ 195. Rufogriseus Stph. Eurp. (Nr. 55.) (Nr. 52.) ?longicornis L. Stph. eonspersa \UT. „ 200. Fusca Br. Ep. m. a rn en „ 201. Lacustris Pet. Ep.(Nr. 56)
' ? attenuatus Stph. 52. Gen. Setode Rr. dissimilis S t p h.
a UI 502 miernupie BER. 5 Mystacides Lr. Br. (p.) Pet. (p.) 203. Punctata F. Ep. (Nr. 57.)
Phr. L. FE. » Si Sp. 197. Sexpunctata Klti. India. Ba Sei
„ 198. Azurea L. Ep. (Nr. 54.) „ 204. Hiera Klti. Ep. b. (Nr. 58)
Analytische Darstellung der Histeriden. Nach Abbe de Marseul. Von A. Czagl.
(Fortsetzung.)
VIH. Gruppe.
AaV/orderschienen"dreizahnig”. .......... 20a mme 2 = PRavlerzalon un ER N, 5
2. 1—5. Rückenstreifen der Flügeldecken ganz ...... ......... 3 1—4. u — — — .. aequistrius. Madag.
L. 3Y2, B. 2% m. 13. — — == — ..6ondotii Madagasc. L. 5%, B. 4 m.
3. Vorderwinkel des Halsschildes mit einem Grübchen. — Stirne eingedrückt, Streifen auf derselben einen einspringen- deainnkelmpitdend . +. mnee ne eo ce one. HMM: 4
En — —— ohne Grübchen. — Stirne eben, Streifen kaum ausgebuchtet ....12striatus Schrk. Europ. L. 5, B. 3 m.
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4. Flügeldecken roth, mit einer dreieckigen schwarzen Makel um.das@sSchildchen .... ea: seutellaris Er. Sicil. Bi7, ABI Sm. — schwarz, beiderseits mit einer ovalen rothen Makelöingdew Mitte. . 2er a. 0a. bipustulatus F. Indien. L. 5, B. 31% m. N _ ohne Makel...... lentus Bohem. Seneg.
L. 7, B. Aam. 5. 1—5. Rückenstreifen ganz ; jede Flügeldecke gewöhnlich mit rothem Fleck am ganzen äusseren Spitzenwinkel bimaeulatus F. Europ. BAND 3m.
1—4. — — "ohne Makeluhaaa ur 2 2 Ze 6 1—2. — —- .3—4. weit unterbrochen , vom 5. nur ein Rudiment an der Spitze, Nahtstreifen bis zur Mitberlaufend rm NINE. Salei. Caracas.
L. 6, B. 4% m.
6. Seitenstreifen des Halsschildes ganz, der Randstreifen längs des Vorderrandes nicht fortgesetzt. .corvinus Ger m. Europ. IPB ers! == er = unterbrochen und am Vorder- rande durch den Randstreifen ersetzt ...... torquatus. Ind. L. 4%ı, B. 3Yı m. Ferner: H. puncticollis Redtb. Faun. Aust. I. ed. (1849) wurde von dem Verfasser selbst in seiner zweiten Ausgabe zu Platysoma frontale gezogen.
H. puncticollis Heer Fn. Helv. 1, 459, 19, (1841). Länglich eiförmig, Halsschild mit dicht punctirten Seiten; 1—3. Rückenstreifen ganz, 4—5. und Nahtstreifen abgekürzt; Vorderschienen dreizähnig. L. 5 m. Schweiz , sehr selten.
H. nigrita Stph. ll. Brit. Ent. 3, 149, 12 (1830). Fast läng- lich , schwarz; 1—4. Rückenstreifen ganz, 5. und Nahtstreifen kurz ; Vorderschienen fünfzähnig,, der unterste Zahn gespalten. L. 4% m. — London , in einem einzigen Exemplar vorhanden. Dem H. carbonarius ähnlich, aber durch den fehlenden Randstreifen der Flügeldecken unterschieden.
61 XXI. Epierus Er.
Körper klein, oval.— Kopf convex, Stimmstreifen fehlend, Ober- kiefer gleichlang eingezogen; Fühler unter dem Stirnrande eingefügt, Fühlergrube an den Vorderwinkeln des Halsschildes vom Rande der Vorderbrust bedeckt. — Halsschild trapezoidal, mit einem -Rand- streifen. — Flügeldecken gestreift, an der Spitze gerade abgestutzt, umgeschlagener Rand derselben kaum vertieft, gestreift. — Propygi- dium quer, Pygidium dreieckig, beide abschüssig. — Vorderbrust erhaben, an der Basis abgestutzt, in die Mittelbrust kaum eindringend, zweistreifig, mit einem mässigen Vorderlappen ; Mittelbrust vorne kaum ausgebuchtet, gerandet. — Vorderschienen mit kleinen kurzen Borsten sägeförmig besetzt, Tarsalgrube sehr seicht.
Diese Gattung nähert sich im Habitus einigen Arten von Carci- nops, Hister und Phelister, aber die schmalen, mit kurzen, gleichen Borsten dicht besetzten Vorderschienen dienen zur alsogleichen Unter- scheidung. -- Ueberdiess geben die zweistreifige an der Basis abge- stutzte Vorderbrust und die etwas vom Brustrande bedeckte Fühler- grube gute Merkmale um sie von Hister, die Basis der Vorderbrust, in welche die Spitze der Mittelbrust nicht eindringt, so wie der Mangel der Tarsalgrube und des Stirnstreifens um sie von Phelister, endlich die in den Vorderwinkeln selbst gelegene Fühlergrube um sie von Carcinops zu scheiden.
Die Arten haben mit Ausnahme des E. Waterhousä eine dunkle, schwarze oder braune Farbe. Sie leben in dem Moder unter der Rinde abgestorbener Bäume. Ihre Verbreitung in Amerika ist sowohl über die Inseln des mexicanischen Golfes als über den Continent von den Vereinigten Staaten bis Brasilien; nur zwei finden sich in Europa.
1. Halsschild an der Basis vor dem Schildchen mit einem ge-
bogenenremoedrückten Striche . 2.2... cur ueneee. 2
A NEE Wohne' Strich SA BAHT SEN ER DINBE ZN A
2A uckenstreiten ganz 9. abpekürztett. vun. INERT....n. 3
— ‚und 5. Rückenstreifen verwischt. Strich vor dem Schild-
chen in Form eines Circumflexes ...... coproides. N. Am. RM DB m.
3. Strich vor dem Schildehen halbkreisförmig . .areiger. Venezuol. Ds Brl,s m.
N — lanzettförmig ....hastatus N. Grenad.
LE. 2%, Baly2 m.
A. Nahtstreifen deutlich ausgeprägt .........2.0ceceeeneren een 7 — fehlendk# OT. 10202 10.8. 122.SONSDE MER. 2: ee 5 5. Mittelbrust quer über mit einem halbkreisförmigen Striche. Randstreifen des Halsschildes ganz. — 3. Rücken- streifen ganz, oder nur etwas abgekürzt. .............. 6 u ohne Streifen. — Randstreifen des Halsschildes unterbrochen. — 3. Rückenstreifen an der Basis ab- geluaten na. HEINE RR: bisbistriatus. Bras. 1. 847B2.2m. 6. 4. Rückenstreifen vorhanden. — Randstreifen der Mittel- Brustiganzeunrsan.ıd.)" neymasn Haieln. tersus Er. Brasil.
L. 4\%, B. 3 m. + Be fehlt. — Randstreifen der Mittelbrust unter-
bröchen) aeiuis-snrdaek abe Bell lack: Incas. Venezuel. I. 31%.,B23/2... . 4. und 5. Rückenstreifen ganz oder kaum abgekürzt, deutlich aussedrückt, 4... len Saar oe ee 9 4. Rückenstreifen ganz, 5. sehr kurz oder fehlend. — Streifen der Vorderbrust in der Mitte stark gegen einander
SEhogen a Re Me Se rubelius Er. Brasil.
St
A. und 5. Rückenstreifen verwischt .........2u@22eeannen ce. B . Mittelbrust quer über mit einer halbkreisförmigen Linie , Randstreifen unterbrochen. — Umgeschlagener Seiten- rand der Flügeldecken mit zwei Streifen mundus Er. Venezuel. Bras. E, Aa, B. 3m.
_ — — ohne bogenförmige Linie, Rand- streifen ganz. — Umgeschlagener Seitenrand der Flügel- decken mit einem einzigen Streifen. .laevistrius N. Grenad.
L:225,1B. 17% ın. 9. Mittelbrust quer über mit einer halbkreisförmigen eingedrückten Linie, welche dem Randstreifen mehr oder weniger jeenähetpisti 4 4. ee me 10 _— ohne diese Linie; Randstreifen ganz, an den Seiten winkelig
[6 2)
10. Halsschild an den Seiten wulstförmig gerandet; stark punetirt. Innerer Randstreifen der Flügeldecken ganz. 5. Rücken- mit dem Nahtstreifen vereinigt
retusus Ill. Toscana, Steiermark. %.8, B. 27m:
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« Halsschild un den Seiten eben; fein punctirt. -— Innerer Randstreifen der Flügeldecken fehlend. 5. Rücken- und Nahtstreifen.nicht verbunden. 14... He 02: 11
(Fortsetzung folgt.)
Mittheilungen.
Von Herrn Achille Costa in Neapel ging uns bereits im vorigen Jahre aus dem dortigen Journale „l’ Iride* Nr. 26 ein Separatabdruck zu, in welchem Herr Costa die von Herrn Prof. Löw in unserer Zeitschrift 1857 pag. 33 aufgestellte Gattung Pithogaster für identisch mit seiner in den Rondiconti della Societa Reale Borbonica 1856 pu- blieirten Gattung Opsebius erklärt. Herr Prof. Löw, dem wir diesen Separatabdruck s. Zeit zusandten, hat davon in der Berliner Entom Monatschrift 1858 pag. 338 erwähnt, musste aber die Frage. offen lassen, weil ihm die Publikationen des Herrn Costa nicht zugänglich waren. Hr. Costa hat nun im „Iride* vom 9. Dee. v. J. (Nr. 25) abermals ein Schreiben veröffentlicht und uns freundlichst zugesandt,
dessen Uebersetzung wir hiemit folgen lassen:
Hr.J. Lederer, Redacteur der Wiener Entom. Monatschrift. Mein Herr!
Es ist nun gerade ein Jahr, dass ich Ihnen eine von mir ver- öffentlichte Note (Nota sul genere Opsebius fra, Dittere Enopidei, im Tide Nr. 22, zweiter Jahrgang enthalten) zusandte, in welcher ich darthat, dass das von Herrn Löw auf eine spanische Henopide ge- gründete und in der von Ihnen und Herrn Miller herausgegebene „Wiener Entom. Monatschrift“ August 1857 beschriebene Genus Pithogaster nicht verschieden von dem von mir in einem der hiesigen königl. Academie der Wissenschaften 1855 übergebenen nnd in den Rendiconti derselben Academie (Bimestre de Gennajo e Febbrajo 1856) abgedruckten Auf- satze aufgestellten Genus Opsebius sei. Sie dankten mir in Ihrem werten Schreiben vom 22. December 1857 für meine Mittheilung und empfahlen mir Ihnen auch in der Folge ähnliche wissenschaftliche Berichte zu senden, indem Sie gleichzeitig bemerkten, dass die ita- lienischen Publikationen bei Ihnen wenig bekannt würden und eine Doppelanwendung also leicht vorkommen könne. Diess kann wohl allent- halben leicht stattfinden, da es unmöglich ist, von allem in ganz Europa Publicirten schnelle Kenntniss zu erlangen und nicht in der Absicht
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zu critisiren, sondern im Vortheile der Wissenschaft entspreche ich Ihrem Wunsche, indem ich Ihnen hiemit einen Fall, welcher dem oben erwähnten analog ist, mittheile.
In Nr. 1 des laufenden Jahrganges derselben gelehrten Zeitschrift und einem Artikel desselben ausgezeichneten Dipterologen Hr. Löw („Zehn neue Dipteren“) findet sich eine sicilianische Ardoptera unter dem Namen oculata beschrieben, welche im Königreich Neapel nicht selten ist und auch in ihrem Habitat etwas Eigenthümliches hat, da sie eine der wenigen Arten ist, die auf den Converven leben, welche die Felsen am Ursprunge der warmen Mineralquellen von Casamiccio auf der Insel Ischia bedecken, Quellen, deren Temperatur nie unter 50° Reaum. ist. Es war diese Art im Jänner 1858 nicht mehr neu, da ich sie zu Ende 1854 unter dem Namen Ardoptera ocellata in einem in den Annali Seientifici di Napoli 1. Jahrgang, 3. Heft enthaltenen Aufsatze „Di aleune nuove Specie di Ditteri“ beschrieben hatte und es ergiebt sich also für dieses Dipteron folgende Synonymie:
Ardoptera oceltata A. Costa. Nuove Specie di Ditteri. Annal. Seient. Nap. I, pag. 76 1854.
Ardoptera ocellata Löw. Zehn neue Dipteren. Wiener Entom. Monatschrift II. pag. 2. 1858.
Nachdem es zur Aufklärung der Gattungs- und Species-Syno- nymie von höchster Wichtigkeit ist, glaub ich, dass im Interesse der Wissenschaft es sehr nützlich sein würde, meine Mittheilung in Ihre Zeitschrift einzurücken.
r Neapel, 16. Nov. 1858. A. Costa.
Der von Prof. Schaum in Verbindung mit Dr. Kraatz und Hrn. v. Kiesenwetter bearbeitete Catalogus Coleopter. Europae ist so eben er- schienen. Derselbe kostet im Buchhandel 15 Sgr., direct vom Verfasser bezogen 10 Sgr. Eine Anzahl von Exemplaren sind von Ende Jänner ab zu dem letzteren Preise bei der Redaction dieser Zeitschrift vorräthig.
Soeben erscheint bei Mittler & Sohn in Berlin:
H. Löw. Neue Beiträge zur Kenntniss der Diptern. 6. Heft.
Es enthält ausser den Auseinandersetzungen über Diptern mehrerer anderen Familen die Fortsetzung der europäischen Dolichopoden, von welchen eine grössere Anzahl neuer Arten beschrieben worden.
Verantwortliche Redacteure: Julius Lederer und Ludwig Miller. Gedruckt bei Karl, Veberreuter, Alservorstadt Nr. 146.
WIENER Entomoloeische Monaischrift.
Redaction und Expedition: In Commission bei Landstrasse, Blumengasse Nr. 116. Carl Gerold’s Sohn, Stadt Nr. 625.
Nr. 3. II. Band. März 1852.
Ein Votum
über die von der Dresdner Entomologen-Versammlung angenommenen „Gesetze der entomologischen Nomenclatur.“ Von Dr. J. R. Schiner.
D:. erste Entomologen-Versammlung in Dresden hat in ihrer Schluss- sitzung am 21. Mai 1858 „Gesetze der entomologischen Nomenclatur“ berathen, welche in der Berliner Entomologischen Zeitschrift (1858 p- XI. et ff.) mit dem Beifügen mitgetheilt werden, dass die $$. 1--14 *) von den anwesenden Entomologen mit Stimmeneinhelligkeit in unveränderter Fassung angenommen und nur einige Zusätze gemacht wurden, dass ferner einstimmig beschlossen wurde, die festgestellten „Grundsätze“ durch geeignete Anträge bei entomologischen Autoritäten, insbesondere entomologischen Gresellschaften und naturhistorischen Vereinen zur möglichst allgemeinen Geltung zu bringen.
Obwohl ich mich weder zu den entomologischen Autoritäten zähle, noch auch überhaupt berufen bin, irgend einen nafurwissenschaft- lichen Verein zu vertreten, so will ich mir doch erlauben, mein vereinzeltes Votum in einer Angelegenheit auszusprechen, über die ich viel nachgedacht habe, und deren Erörterung ein Gemeingut aller Entomologen bleiben muss, wenn sie überhaupt in irgend einer befriedi- genden Weise erlediget werden will.
Vor Allen glaube ich bemerken zu müssen, dass von den vielen Bedürfnissen des entomologischen Studiums, denen durch eine allgemeine
*) Es ist nicht bestimmt gesagt, was mit den $$. 15—19 geschah, und in welchem Verhältnisse zur Sache die angehängten „Regeln“ stehen. Wiener entomol. Monatschr. III. Bd. 5
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Transaction unter den Entomologen abgeholfen werden könnte, meines Erachtens die wegen Anerkennung des Prioritäts-Princips und wegen Spiavnrichtigkeit der Namen, kaum zu den dringend- sten zu zählen sein dürften — ja ich möchte selbst behaupten, dass sie erst in letzter Reihe zu beachten sein dürften und sich zu dem grossen Bau, den wir vollbringen sollen, etwa so verhalten, wie der Zierrath und die Politur zu irgend einem anderen Gebäude,
Auch ich verkenne es nicht, dass schlecht construirte, barbarische oder kakophonistisch a Namen ein grosser Uebelstand — zumal für feinorganisirte Naturen — sein mögen , dass ein fortwährendes unstetes Umherirren in den Patribus, um den ältestberechtisten Namen auf- zufinden, viel Zeit in Anspruch nehmen und daher Zersplitterung an Zeit und Kräften veranlassen müsse.
Allein als einen reelen, wahrhaftigen Nachtheil für die Wissenschaft kann ich es nicht betrachten, wenn uns zugemuthet wird, einen Amphionycha mit Knownmothing und einen Carabus mit Hien-foung zu benennen oder Gattungen, wie Spazigaster und Saucropus unserem Gedächtnisse einzuprägen, vorausgesetzt dass es sich um wohlcharacterisirte und sichere Arten und Gattungen handelt. Wenn ein Entomologe seine Beob- achtungen und Erfahrungen über irgend eine Art klar und umständlich mittheilt, wenn er sie kunstgerecht beschreibt und characterisirt, über ihre biologischen Verhältnisse Bescheid zu geben weiss und gleichzeitig die Stellung anzugeben im Stande ist, die sie im Systeme einzunehmen haben wird, dann verzeihe ich ihm gerne die philologische Sünde, diese Art mit einem schlechtconstruirten Namen bezeichnet zu haben und er scheint mit seiner kakaphonistischen nova Species, — vom entomologischen Standpunete aus, wo es sich doch nur um wohl- eonstruirte Arten und nicht so sehr um wohlconstruirte Namen handeln kann — ohne Frage, anerkennenswerther zu sein, als der un- berufene Publicator höchst dubioser, schlechter — etwa nach einem Specimen unicum oder detritum ungenügend beschriebener Arten und diess auch in dem Fall, wenn er diesen Arten auch die vortrefflichst eonstruirten lateinischen oder griechischen Namen imponirt hätte.
Es handelt sich ja auch in der Entomologie wie überall, um die Sache und nicht um Namen. — Humboldt und Göthe würden um kein Haarbreit grösser sem, wenn sie Agathokles und Pom- ponius hiessen, und es ändert nichts, weder an der richtigen Kennt- niss, noch an der Nützlichkeit der „Kartoffel“, dass dieses allgemein
67 kekannte Nutzgewächs von den Gelehrten Solanum tuberosum zubenannt wurde. Ein Name muss jedem Naturobjecte beigelegt werden, um es von allen anderen unterscheidend bezeichnen zu können und richtig ist auch Linne’s Aphorismus: Nomina si nescis perit cognitio rerum (Phil. bot. 158). Schlecht und verwerflich ist aber desswegen nur der- jenige Name, welcher bereits zur Bezeichnung anderer Naturobjecte gebraucht worden ist oder der überhaupt zu Missverständnissen Anlass geben könnte. Die Sprachrichtigkeit der Namen, die Schön- heit derselben sind Nebendinge, welche den Entomologen doch nur in untergeordneter Weise beschäftigen sollten.
Der Herr Antragsteller, so wie die beistimmenden Herren Ento- mologen der Dresdener Versammlung mögen es mir nicht übel nehmen, wenn ich es ganz rund heraussage, dass mir das Streben nach Correet- heit der Namen, nicht die rechte Aufgabe eines ersten Entomologen- Congresses zu sein scheint, dass ich damit einem Nebendinge zu viel Bedeutung beigelest zu finden meine, und es mir fast wie ein Zeichen des beginnenden Verfalls unseres Studiums vorkommen will, wenn der Blick von der lebensfrischen Natur, in die staubigen todten Folianten des Büchersaales abschweifet und da, wo es sich doch nur um die Sachrichtigkeit handeln kann, die Zeit mit Berathungen über die Sprachrichtigkeit der Namen verwendet werden will.
Rücksichtlich der Namengebung scheint mir nichts wesentlich, als dass wie gesagt, derselbe Name nicht mehreren Arten beigelest werde, dass ferner die, seit Linne allgemein angewendete binominale Fezeichnung der Naturobjecte überall heibehalten bleibe. Gegen das letztere Erforderniss hat meines Wissens ausser Amyot kein neuerer Entomologe Opposition erhoben. Wünschenswerth bleibt es immer- hin, beider Wahl der Namen, der griechischen und lateinischen Sprache den Vorzug einzuräumen, was vornehmlich damit begründet werden kann, weil diese zwei sogenannten klassischen Sprachen ein Gemein- gut der Gebildeten aller Nationen sind und desshalb im Allgemeinen das Verständniss der Sache auch mehr vermitteln. Wer das nicht fühlet und sich nicht aus diesem natürlichen Grunde dem all- gemeinen Brauche anschliesset, für den werden alle Gesetze und Regeln eines Entomologen-Congresses und wäre er auch von den entomologischen Autoritäten der ganzen Welt beschickt, keine bindende Kraft haben. Der Versuch einer Codification in dieser Richtung wird daher immer ein fruchtloser bleiben und höchstens dahin führen, dass alle Jene, welchen die absolute Nothwendigkeit solcher Gesetze nicht ein-
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68 leuchtet, die abstractesten Namen par debit in die Wissenschaft ein- schleppen werden.
Wohin das Streben nach Purification und Classieität der Namen möglicherweise führen kann, das hat Reiche in den Annales de la soc,. ent. de France (Bulletin 1858 p. LXI. u. ff.) erst vor Kurzem treffend dargethan. Wer wollte gegen die Umwandlung des Pterostichus in Stichopterus oder das Rhinobates in Batorhinus u. s. w. etwas Ge- gründetes einzuwenden haben, oder wer würde über die Latinisirung des Elater Kiesenwetteriim E. Ciesenuuetteri ernstlich Protest erheben, wenn eine striete und consequente philologische Observanz unsere Devise werden sollte ?
Lasst uns meine verehrten Herren Collegen auf diesem klassi- schen Weg nur recht gemüthlich fortwandeln und wir werden bald viel bessere Philologen, als Entomologen sein! Vater Linne aber, der mit seiner Philolophia botanica für alle Zeiten bereits das genügend angedeutet hat, was rücksichtlich der von ihm geschaffenen Nomenclatur zu beachten ist, wird es beklagen, durch sein Werk über Nomenclatur den Anlass zu derartigen Discussionen gebothen zu haben.
Was die Prioritätsfrage, wie sie in den „Grundsätzen“ aufgefasst ist, anbelangt, so erscheint sie mir ohne Zweifel wichtiger als die der Sprachrichtigkeit der Namen. Allein damit gebe ich nicht zu, dass ihre Lösung als ein dringendes Bedürfniss zu betrachten sei. Es ist wichtig, ja unerlässlich, die vielen Namen, welche seit Linne zur Bezeichnung von Kerfarten verwendet worden sind, einer genauen Revision zu unterziehen. Diess leuchtet von selbst ein, denn so lange wir nur Namen und nicht die damit bezeichneten Arten kennen, werden unsere Verzeichnisse immer mit einem bedeutungslosen Ballast von Namen gefüllt bleiben und wir werden bei Anlässen, wo es sich um die geographische Verbreitung der Inseeten handelt, zu Trugschlüssen den Anlass geben, weil drei, vier und mehr Namen oft nur dasselbe Object bezeichnen. — Die Auffindung des ältesten Namens ist daher aus diesem Grunde ein ganz nothwendiges Erforderniss. Ist in einem bestimmten Falle aber mit ausreichenden Gründen dargethan, dass z. B. Linne für eine Art, einen Namen gab, für welche später Fabricius, Latreille, Meigen, Treitschke us. w. abermals einen neuen Namen anwendeten, so ist es natürlich und zur Herstellung einer gleichmässigen Methode höchst wünschens- werth, den ältesten Linne’schen Namen immer und überall, statt
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der späteren anzuwenden; denn „Auctoritas vocum“ sagt Linn& „petenda est a patribus“ (Linn. Phil. bot. 188).
Es wird aber nicht als ein reeler Nachtheil für die Wissen- schaft betrachtet werden können, wenn irgend ein Entomologe dennoch den Latreille’schen oder Meigen’schen Namen anwenden sollte, zumal wenn er gleichzeitig auch den Linne’schen Namen unter den Synonymen aufzuführen nicht unterlassen würde. Es wird kein reeler Nachtheil sein, sage ich, denn Jedermann wird trotz des Latreille’schen oder Meigen’schen Namens, die Art doch richtig zu erkennen im Stande sein.
Ich selbst huldige bei allen meinen Arbeiten dem Grundsatze, dass der älteste Name überall anzuwenden sei, und diess zwar insbesondere aus dem Grunde, weil nur damit eine allgemeine und gleichmässige Methode, des Studiums der Entomologie angebahnt und daher unsere Wissenschaft damit gefördert werden kann ; diesen Grundsatz aber als den allein geltenden proclamiren zu wollen, halte ich dem ungeachtet nicht für absolut nothwendig.
Die Ursache, warum nicht jeder Entomologe diesen natürlich- sten aller Grundsätze von selbst anwendet, liest meines Erachtens vielmehr darin, dass über die vollständige Sicherheit der Interpretation eines älteren Namens, in vielen Fällen immer noch Zweifel bestehen und es deneinzelnen Entomologen besser erscheint, einen vollständig sicheren, wenn auch späteren Namen, des allgemeinen Verständnisses wegen anzuwenden, als sich einer nicht erledigten Hypothese an- zuschliessen.
Um daher jeden Entomologen zu diesem natürlichsten Auswege zu drängen, muss, wie ich meine, der Ursache zu Leibe gegangen werden, welche dessen Betretung im Wege steht, das heisst , es müssen die Zweifel über die Richtigkeit der Interpretation älterer Namen behoben werden, und dazu glaube ich, wäre eben einEntomologen-Congress in erster Reihe berufen. Wie einesolche Aufgabe zu lösen sein würde ? Die Sache ist einfacher als man denkt. Zum Behufe einer systematischen Aufzählung der europäischen Dipteren habe ich die Patres dipterologiae von Linne angefangen genau und gewissenhaft durchgearbeitet und bin zu Resultaten gelangt, welche mir in der Art genügen, dass ich in meiner Aufzählung den ganz natürlichen Ausweg betreten und überall den ältesten Namen anwenden werde. Wer wird aber den Einzelnen volles Vertrauen schenken und die Interpretationen Ein- zelner überhaupt für massgebend erachten ? Würde im Gegentheile ein
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Entomologen-Congress darüber berathen, ob die von mir oder vonirgendeinemAnderenaus Linne, Scopoli, Schrank Fabricius recipirten Namen, richtig interpretirt sind, wärde ein „ju- dicium parium‘‘ einen Ausspruch hierüber fällen und seine gewichtige Au- torität zu der des Einzelnen in die Wagschale legen, dann verhielte sich die Sache gewiss anders, dann würden auch die späteren Entomologen gewiss nicht wieder und immer wieder zu den Quellen zurückgenöthiget werden, um neue Interpretationen in endloser Folge zu versuchen, die bei der Zerfahrenheit der Fachgenossen doch alle wieder nur Einzelnen genügen würden. Die Singularitäten können eben nur durch eine all- gemeine Transaction unter den Entomologen, durch ein wahres „jeu de peaume“ behoben werden, bei welchen sich die Einzelnen zu Nutz und Frommen des Allgemeinen, dem Ausspruche der Gesammtheit unterordnen müssten; der Schauplatz hiezu könnte aber meines Erachtens ganz naturgemäss nur ein Entomologen-Congress sein.
Würden die Aussprüche des Congresses noch dazu in Catalogen der Inseeten aller Ordnungen fixirt werden, würden in diesen die be- rechtigten Namen der einzelnen Arten unter der Autorität des Congresses zur Geltung kommen, dann könnte gewiss mit Bestimmtheit eine möglichst grosse Uebereinstimmung in der Benennung der Arten erzielt und angehofft werden.
Wer mir einwendet, dass ein derartiges Project allzu phantastisch und utopisch klinge, dem antworte ich, dass es vorerst versucht werden möchte und dass es in einer Entomologen-Versammlung gewiss eben so wohlberechtiget Gegenstand der Berathung werden könnte, alsesdie Fragen der Priorität und Namensrichtigkeit waren.
Da ich parlando einige Bedürfnisse angeregt habe, welche mir dringender erscheinen, als die inder Dresdner Versammlung behandelten, so will ich sogleich und ehe ich zu einer speciellen Beurtheilung der vorliegenden „Gesetze“ übergehe, noch einige solcher Bedürfnisse hier andeuten.
Eine wahre Calamität für die Wissenschaft sind die unreifen, un- begründeten Publicationen neuer Arten, wie sie heut zu Tage üblich sind. Irgend ein mutilirtes Exemplar eines verwaisten Weibchens oder ein kopfloses Männchen „unbekannten Vaterlandes“ sind oft die ganzen . Spuren einer Art, welche ein von Publicationsfieber ergriffener College in die Welt hinauszuschleudern sich berufen fühlte; ein auderer Sub- tilissimus bindet sein Artchen an ein Borstenhaar oder ein Arrogan- tissimus, der kaum hundert Arten kunstgerecht zu unterscheiden weiss,
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bereichert unsere Cataloge mit Dutzenden sogenannter neuer Arten, deren Existenz nachzuweisen Keinem gelingen wird, weil sie in der That nirgends existiren und existirten, alsin der Phantasie Arrogantissimi.
Wohin werden wir aber bei solchen Vorgehen gerathen, wer wird nach einigen Decennien schon, im Stande sein, diese Nebelflecke des entomologischen Himmels zu zerlegen ?
Mir gilt es gleich, ob eine Nova Species in den Actis naturae euriosorum oder in einem Winkelblättehen publieirt worden ist, ob sie in griechischer oder slavischer Sprache beschrieben sei; allein das ver- lange ich, dass sie vollständig begründet und gerechtfertiget sei und desshalb halte ich es für sehr wünschenswerth, wenn die Au- torität eines Entomologen-Congresses sich hiebei betheiligen wollte.
Warum sollte ein solcher Entomologen-Congress sich nicht damit beschäftigen, die im Laufe eines Jahres publieirten Nova näher zu prüfen, sie mit den allenfalls eingesendeten Belegstücken zu vergleichen, die Relationen und Einwendungen einzelner Fachmänner über sie an- zuhören, und endlich einen Ausspruch zu fällen, der gewiss nur Nutzen verbreiten und allgemeine Anerkennung finden würde.
‘Wäre damit nicht gleichzeitig der Usus angeregt, die zu publi- eirenden neuen Arten, vorläufig erprobten Fachmännern zur Einsicht mitzutheilen — da nur auf diesem Wege ein nachträgliches Veto des Congresses vermieden werden könnte? Allerdings eine Censur, die jedoch nur von solehen freiwillig benützt werden würde, die ihrer Sache nicht völlig sicher sind.
Was von den Arten gilt, gilt auch von den Gattungen. Es ist wahrhaftig erschreckend, wie die neuen Gattungen heut zu Tage, gleich den Pilzen allenthalben erstehen. Jeder der sich in Verlegenheit befindet, seine neue Art in eine der bekannten Gattungen sogleich unter- zubringen, greift ohne Bedenken zu Schneiders Dictionarium graecum und benennt seine Gattung höchstgriechisch neu, ohne auch nur zu bedenken, dass oft eine kleine Modification älterer Gattungsphrasen hinreichen würde, um seiner Verlegenheit abzuhelfen.
Sollte gegen derartigen Unfug keine Abhilfe möglich sein und würde es nicht als eine würdige Aufgabe einer Entomologen-Ver- sammlung gelten, solche Uebelstände und die Mittel zur Abhilfe der- selben einer eindringlichen Berathung zu unterziehen ?
Aufgaben wie die hier angeregten, wollen aber reiflich erwogen und gründlich durchdacht sein, sie können nicht durch fragmen- tarische Sätze, wie die vorliegenden vollständig begründet und nach
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Gutdünken des Einzelnen durchgeführt werden, darum richte ich eben an jene Entomologen, welche berufen sind, eine nächste Ento- mologen-Versammlung zu Stande zu bringen, folgende Worte zur Be- herzigung:
Wollt Ihr mit Entomologen-Congressen mehr bezwecken, als den Gewinn einiger vergnügter Stunden, in welchen Bekanntschaften an- geknüpft, Projecte angeregt, und der Verkehr unter den einzelnen Collegen näher begründet wird; wollt Ihr, dass derselbe allgemeinen Bedürfnissen durch gemeinsame Beschlüsse und Ueber- einkommen abhelfe, dass er, wenn auch nicht Gesetzgeber, so doch der wohlwollende Vermittler eines rationellen Usus unter den Entomologen werde: so geht bei Zeiten an das Programm seiner Berathungen; fordert vorläufig die Fach- genossen auf, ihre Anträge Euch einzusenden,, wählt aus diesen die- jenigen Gegenstände aus, für welche sich die meisten der Antragsteller ausgesprochen haben und verkündet es laut und rechtzeitig, dass die Entomologen-Versammlung diesen oder jenen ernsteren Gegenstand einer Berathung unterziehen werde!
Und so gehe ich denn nach diesem etwas umständlichen Prae- ambulum zu der speciellen Beurtheilung der „Gesetze“ über. Wasihre Form anbelangt, so hätte ich bei der Stylisirung alles gerne gemieden gesehen, was auf einen Zwang hinweiset. Es kann eine Versammlung von Entomologen einen W unsch aussprechen, es können sich die einzelnen Entomologen bei einer solchen Versammlung vereinbaren, diess oder jenes zu thun oder zu unterlassen; — Gesetze und Normen können sie nicht geben, weil solche Gesetze für Niemanden bindend sein würden, und selbst nicht für den, der ausdrücklich beigestimmt hat.Schädlich wirkt aber beisolchen Anlässen schon dieF orm, mit der man eine Macht auszuüben scheint, welche in der That nicht vorhanden ist und die ich im vorliegenden Falle auch gewiss Niemand anmassen wollte.
Auch die Berufung auf die Regeln der entomologischen Nomen- elatur Linnes scheint mir im Allgemeinen nicht ganz richtig zu sein.
Linne hat meines Wissens in seiner „‚Critica botanica‘“ und später in der ,„„Philosophia botanica“, allerdings Regeln für die Wahl der nomina generica aufgestellt und ebenso für seine nomina specifica. Das Nomen specificum im Linne’schen Sinne ist aber nicht dasselbe, was wir heut zu Tage den Artnamen nennen, sondern nichts mehr und nichts weniger als unsere Artdiagnose, (Nomen specificum est itaque differentia essentialis (L. ph. Aph. 257.)
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Das Nomen speeifieum im Linne’schen Sinne ist daher selten ein einziges Wort (vocabulum) und es können daher Linne’s Regeln für seine nomina specifica auf unsere Artnamen nicht angewendet werden.
Unsere Artnamen sind die von Linn sogenannten nomina trivialia. Von diesen sagt er in der Vorrede zu seiner Species plan- tarum: Trivialia nomina in margine apposui, ut missis ambagibus, uno quamlibet herbam nomine complecti queamus.... und weiter in der Philosophia batanica (Aph. 257), dass die nomina trivialia aus einem einzigen Worte bestehen sollen und zwar aus einem vocabulo libere unde quaque desumpto.
Linne hat daher meiner Ansicht nach die lateinische Sprache für Artnamen in unserem Sinne nicht als unerlässlich betrachtet.
Die Definitionen und Erklärungen in den $$. 1, 2, 3 und 9 halte ich für entbehrlich, weil sie für Jene, welchen diese Begriffe nicht ohnehin klar sind, doch zu unvollstäudig und fragmentarisch angegeben sein dürften.
Zu $. 6 bemerke ich Folgendes: Wenn bei dem „Grundsatze“, dass die Namen lateinisch oder latinisirt sein müssen, die Gattungs- namen allein gemeint sind, dann bin ich damit vollständig ein- verstanden und glaube auch nicht, dass gegen diesen Grundsatz in neuerer Zeit von irgend einer Seite gesündiget worden sei. Diesen Grundsatz aber auch auf Artnamen auszudehnen, halte ich mit Linne (l. e.) nicht für nothwendig und sehe in der That nicht ein, warum ein Naıne wie Callodera Mech Trucqui nicht ebenso wissenschaft- lich sein sollte, als Cerdera Ahoaj oder Manghas unseres Altvaters Linne.
Zu verlangen, dass diese Namen, wenigstens dem Klange nach dem Character der lateinischen Sprache allenfalls entsprechen sollen, würde Namen wie die vonLoew (Berlin. Zeitschr. 1858 p. 235) ver- fehmten*) Walker’schen: Dioclea , Elara, Tifata, Reumria , Emoda u. s. w. welche doch sicher lateinisch klingen, nicht unmöglich machen, abgesehen davon, dass mit dem Worte „allenfalls“ der Willkür doch wieder Thor und Riegel geöffnet wären.
Der eben genannte Satz der sich nach den inder Note gegebenen Beispielen von Callodera Mech und Amphionycha Knownothing
*) Sinn- und bedeutungslose Worte sind wohl nur darum zu vermeiden, weil sie sich schwer dem Gedächtnisse einprägen und in ihrer abstracten Form keine mnemotechnischen Anhaltspuncte gewähren.
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auch auf Artnamen bezieht, kann nach dem Zusatze zu$. 8 (richtiger zu $. 6 zu stellen) dass von jetzt ab, jeder neugegebene, nichtlateinische Speciesname zu beseitigen ist, auch nicht als einhellig angenommen betrachtet werden.
Zum zweiten Satze ($. 6) bemerke ich, dass sprachwidrig gebildete Namen allerdings zu berichtigen sind, wenn unter „sprachwidrig‘ offenbare Verstösse gegen die Grammatik und Orthographie verstanden werden wollen, wie in den eitirten Beispielen von C. pulcherrissimus angedeutet scheint. Es wird auch Niemanden beifallen, die Abänderung von Pticoptera in Ptychoptera von Exatoma in Hexaloma u. Ss. w. zu beanständen oder Einsprache dagegen zu erheben, wenn T. Zellori in Zelleri und Halydeia in Halidyia umgeändert wird. Wollte aber damit gemeint sein, dass Namen, welche den strengsten Anforderungen des Philologen nicht entsprechen, zu verwerfen sind, wollte man damit den Geist der griechischen Sprache in unsere harmlose Doctrin einschmuggeln, dann müssteich meinerseits dagegen Protest erheben, dann halte ich diesen Geist für ein Gespenst, das von jedem Ento- mologen mit der wirksamsten Beschwörungsformel zu bannen sein müsste ! Warum sollten auch Namen wie Myathropa, Achantipodus, Neurigona nicht recipirt werden? Wer könnte es dann sonderbar finden, wenn unser Latreille, Zetterstedt u. s. w. erst zu den nächstbesten Canditaten philologiae geschickt würden, um ihre Befähigung zum Entomologen, vorerst durch ein examen rigorosum linguae graecae zu bekräftigen.
Dass der Herr Antragsteller Aehnliches fühlte, geht wohl daraus hervor, weil er diesem „‚gefährlichen‘“ Satze sogleich die entkräftende Klausel beifügt: es sei dabei ohne zu weit gehende Rigorosität zu verfahren, und ein Name zu erhalten, wenn er sich in irgend einer Weise rechtfertigen lässt.
Der $. 8 gibt mir noch aus dem Grunde Anlass zu einer Be- merkung, weil bei demselben die nicht ganz sorgfältige Redaction, welche ich auch sonst vermisst habe, auffallend erscheint.
Es heisst nämlich daselbst , dass „Artnamen, die aus mehr als zwei Worten bestehen, umzuändern sind‘ und unmittelbar darauf „bei der Neubildung von Artnamen sei die Verwendung von zwei Worten ebenfalls zu vermeiden‘“.
Hier schliesst der erste Satz den zweiten ohnedem schon in sich, denn wer würde bei der Neubildung eines Artnamens zwei Worte wählen, wenn er weiss, dass solche zweiwortige Namen selbst wenn sie
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schon lange bestehen, umgeändert werden? Gerade bei Anlässen, wie der vorliegende, halte ich aber eine praecise und sorgfältige Redaction für ganz unerlässlich.
Was die Umänderung von Artnamen betrifft, so eitire ich nur eine Stelle Linn&s: Mutatio horum (der Trivialnamen) licet in melius, plus nocet, quam proderit. (Spec. plantar. praef.)
Es ist gewiss ein grosser Nachtheil, dass mit dem $. 11 der unselige Zank der Nationalitäten in unsere zahme Doctrin herauf- beschworen wurde. Was kann es auch fruchten, nur die Sprachen romanischen oder germanischen Namens zu patentiren, und wallachische oder flämische Descriptionen zuzulassen, während magyarische, russische und slavische überhaupt aus unserer Wissen- schaft verbannt werden sollten!
Meines Erachtens muss jede Publication, sie mag wo immer und in was immer für einer Sprache erfolgen, berücksichtiget werden, kein Entomologe darf sie, wenn sie in irgend einer Weise zu seiner Kenntniss gelangt, ignoriren, weil jede Wahrheit, jede Be- obachtung und jede Erfahrung und wäre sie auch in der Sprache der Eskimo’s niedergelegt, Anspruch auf Beachtung hat. Es mag bedauerlich sein, wenn dergleichen Publicationen in weniger zugänglichen Schriften oder Sprachen erfolgen, und sich so unserer Beachtung entziehen. Von dem Augenblicke an, wo sie aber durch fleissige Sammler oder Ueber- setzer uns zugänglich gemacht wurden, haben sie den vollen An- spruch auf vollständige Geltung. Dürfte ich mir mit Rücksicht auf die Zusätze eine Formulirung des $. 11 erlauben, so würde er un- gefähr so lauten müssen:
„Esistim Interesse der Wissenschaft und im eigenen der Publicatoren wünschenswerth, neue Arten und Beobachtungen nur in solchen Schriften und Sprachen zu veranlassen, welche dem grössten Theil des entomologischen Publicums leicht zugänglich, und von demselben auch voraussichtlich verstanden werden kön- nen; in besonderen Fällen dürfte wenigstens die lateinische Artphrase beizugeben sein“.
Die Bestimmung des $. 12 halte ich im Allgemeinen für richtig, aber nicht erschöpfend und bestimmt genug ausgedrückt, weil nicht gleichzeitig festgestellt ist, wann eine Art als kenntlich gemacht zu betrachten ist, daher es immer von dem Arbitrium der Einzelnen abhängen wird, das Vorhandensein dieses Erfordernisses anzunehmen oder wegzuläugnen.
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Ich habe z.B. die wenig characteristische Beschreibung der La- treille’schen Gattung Mosillus auf G@ymnopa anwenden zu müssen geglaubt, weil Latreille beifügte, dass die Fliege sich Abends in feinem Sande vergräbt — eine Eigenschaft, die mir nur von @ymnopa bekannt geworden ist. Weiss man diess einmal, so ist Latreilles Beschreibung vollkommen verständlich und ihre Anwendung auf @ym- nopa nicht mehr zweifelhaft — und doch würden weder die Diagnose noch die Beschreibung allein zu diesem Resultate geführt haben.
Könnte nach $. 12 der Latreille’sche Name verworfen werden?
Was ich rücksichtlich des $. 14 für eine Ansicht habe, ist schon in der Einleitung gesagt worden.
Wenn ich weiss, dass Hybosorus Illigeri Reiche mit Hy». arator 1llig. gleichbedeutend ist und wenn Reiche den letzten Namen zu seiner Art als Synonym anführt, so sehe ich nicht ein, welcher Nachtheil für die Wissenschaft hieraus entspringen könnte.
Die ganze Prioritätsfrage scheint mir, wie gesagt — eine ziemlich untergeordnete, ich betone es aber noch einmal, dass meiner Ansicht nach der älteste Name demungeachtet mit allem Fleisse zu eruiren sein wird, dass er als der natürlichste, der Art allgemein beizulegen wäre und dass ich nicht glaube, es werde irgend Jemand gegen diese Regel sich versündigen, wenn die Interpretation des ältesten Namens eine vollständige sichere ist.
Der $. 15 scheint mir nicht ganz consequent zu sein. Wer den ältesten Namen als den alleinberechtigten betrachten will, der darf auch die Mühe nicht scheuen , selbst mit Beihülfe biblio- graphischer Critik zu constatiren, welche von mehreren Publicationen. die älteste ist. Absolut gleichzeitig erfolgten dieselben kaum in irgend einem Falle. In demselben Werke müsste aber wie Wesmael ganz richtig meint, jene als die frühere betrachtet werden, welche in einem früheren Hefte erschien, oder im selben Hefte auf der früheren Pagina angeführt ist. Es erfordert diess die Consequenz, ohne welcher der aufgestellte Grundsatz practisch nicht durchführbar ist. Der hie und da zur Geltung gebrachten Ansicht, bei gleichzeitiger Publieirung des 5 und Q als verschiedener Arten, beide Namen zu verwerfen und einen ganz neuen dritten anzuwenden, dürfte hier entschieden entgegen- zutreten sein.
Auch könnte hier schicklich eine Bestimmung beigefügt werden, ob derjenige, welcher für zwei verschiedene Arten denselben Namen vorfindet , berechtiget sei, für den späteren sogleich und ohne
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17 weitere Characterisirung der Art, einen neuen Namen zu imponiren, d. h. eventuell einen Catalogsnamen zum berechtigten zu erheben.
Alles diess, wie es im $. geschieht, von Zweckmässigkeits- Rücksichten abhängen lassen, heisst aber das neue Gesetz der früheren Willkür Preis geben.
Zu den durchaus richtigen Bestimmungen des $. 17 und 19 finde ich nichts zu bemerken, ebensowenig zu $. 18.
Ich kann es nicht beurtheilen, in welchem Zusammenhange die angefüsten Regeln, „deren Befolgung bei Ertheilung neuer Namen wünschenswerth ist“ zu den vorstehenden „Gesetzen“ oder zur Dresdner-Entomologen-Versammlung stehen um so weniger, da der $. 1 Bestimmungen enthält , welche jenen der $$. 6, 11. und 12 der „Gesetze‘ theilweise geradezu widersprechen,
Ich übergehe sie desshalb, da sie ohnedem meistens ganz billige und zweckmässige Wünsche aussprechen, und da ich über den Punct, welcher von der „besseren Latinität und Gräcität“ handelt, meine Ansichten ohnedem oben bereits ausgesprochen habe.
Nur zu dem $. 6 willich folgendes bemerken : Glaubt man wirklich und wahrhaftig, dass die von Entomologen, Reisenden oder Auffindern hergenommenen Kerfnamen, „zu Ehren“ dieser Personen gewählt werden wollten, und dass diese Wahl in der That ein Monumentum aevi perennius sein sollte, dann begreife ich nicht, was unter Ehre zu verstehen sei. Ich halte es für eine sehr zweideutige Ehre, eine Lausfliege mit Latreille, Olfers, Westwood u. s. w. in Ver- bindung zu bringen und bin meinestheils nicht im mindesten erbaut, dass Rondani eine Gattung Schineria benannte. Ich glaube vielmehr, dass dergleichen Namen mehr aus Zweckmässigkeits-Rücksichten ge- wählt werden und dass sie eben nicht mehr bedeuten, als dass diese oder jene Art von Fallen oder Meigen zuerst richtig unterschieden, von Lefebvre, Gaede oder Megerle aufgefunden oder von diesen oder jenen erkannt worden sei. Wenn ein durch Gödl aus Syrien gesendeter neuer Asilus A. @ödhii genannt wurde, wenn ich eine Oxycera, welche Ranzoni zuerst entdeckte, O.srycera Ranzonii nenne, so sehe ich wahrlich nicht ein, wie damit diesen Herren ein Unsterblichkeitslichtchen aufgestellt worden sein sollte.
Glaubt Dieser und Jener, dass ihm wirklich eine „besondere Ehre“ erwiesen werde, so gönne man ihm seine harmlose Freude; — mit einer Bestimmung aber, wie sie der $.6 enthält, scheint geradezu anerkannt werden zu wollen, dass die Sache
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ernster sei, als sie bei reiflicher Erwägung ın der That ist, und nach den Umständen sein kann. Darum halte ich derartige Bestimmungen, weil sie Suppositionen machen , die nicht überall vorhanden sind, für nicht- ganz begründet und in ihren Wirkungen selbst gefährlich , dess- halb stimme ich für deren Weglassung.
Zum Schlusse wünsche ich, dass meine Andeutungen als wohl- gemeinte betrachtet werden mögen, dass man von keiner Seite einen Angriff gegen Diesen oder Jenen meiner verehrten Herren Collegen darin erblicken möge und dass mein offenes Wort nicht als ein verkappter Ausfall gegen irgend Jemand interpretirt werden wolle! Ich wünsche diess um so lebhafter, weil mehrere meiner frühern Auf- sätze in ihrer Tendenz ganz verkannt worden sind — und mir persönliche Zwecke und Rücksichten unterlegt wurden, während ich in der That doch nur die Sache der Entomologie im Auge hatte.
Verzeichniss der im Jahre IS5S im Sicilien gesammelten Schmetterlinge.
Von Jos. Mann.
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Als mein Freund Professor Zeller im Jahre 1843 Sicilien be- reiste, war es mein sehnlichster Wunsch ihn dahin begleiten zu können; gestatteten diess auch meine damaligen Verhältnisse nicht, so lebte doch die Hoffnung, dieses Land noch zu sehen, immer in mir fort.
Im Jahre 1856 schon dem Ziele nahe, erkrankte ich auf der Reise, und musste leider zurückkehren. Im Jahre 1858 nahm ich mein Project wieder auf und es waren demselben alle Umstände günstig; denn ich erhielt durch die gütige Verwendung des k. k. Hofrathes Hermm von Raimond und k.k. Regierungsrathes Herrn von Kollar vom hohen k. k. Oberstkämmereramte nicht nur einen mehrmonatlichen Urlaub, sondern selbst einen mässigen Reisebeitrag bewilliget und konnte den 3. April frohen Muthes meine Reise antreten.
Den 10. April wohlbehalten in Palermo angelangt, verweilte ich daselbst sieben Tage, um mir die Gegend zu besichtigen und Plätze zur Einsammlung auszuwählen.
Palermo liegt in einer ziemlich breiten Ebene, welche sich vom Meere bis nahe an die Stadt Morreale (auch Monreale genannt) hin-
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zieht und ist von zwei Hauptstrassen durchkreuzt, sonach in vier Theile getheilt, deren jeder einen Distriet (Toledo genannt) bildet. Die Stadt ist fast ganz von Gärten umschlossen, welche einen prachtvollen Anblick gewähren, da sie Tausende von Pomeranzen- und Citronenbäumen ent- halten, worunter sich eine Menge von Schalen-, Stein- und Kernobst- bäumen befinden, welche so zu sagen in einander verschlungen; dem Ganzen das Ansehen eines Urwaldes geben. Die Gärten sind von hohen Mauern eingefasst, an welchen hie und da schlanke Cypressen emporragen.
Wo die Pomeranzen- und Citronenpflanzungen aufhören, schliessen sich Gersten- und Weizenfelder mit Oelbäumen an, welche sich bis an die Berglehnen erstrecken; dann folgt die Farbpflanze Sumacco murino (Rhus coriaria) und wo diese nicht mehr gedeihen will, Cactus Opuntia mit Agave americana untermischt. Alle diese Schönheiten der Natur haben aber für den Entomologen keinen Nutzen. Ihm ist die Südseite des Monte pellegrino weit anziehender, weil sich da eine wohl steile, aber mit üppigem Pflanzenwuchse versehene Lehne bis zu steilen Felsenwänden hinaufzieht, die nicht abgeweidet werden darf. Diese Lehne liefert in allen Ordnungen von Inseeten gute Ausbeute; leider konnte ich sie nicht oft besuchen, weil ich unweit davon einen für unser Zeit- alter fast unglaublichen Auftritt erlebte, den ich später erzählen will.
Nachdem mir der Herr Generalconsul widerrathen hatte, weit in das Innere der Insel zu gehen, da es theils unsicher, theils mit Schwie- rigkeiten — besonders für einen der Sprache nicht Kundigen — verbunden sei, ein geeignetes Unterkommen zu finden, durchstreifte ich die Gegend um Palermo bis Sferro cavallo, Mordella, Bagaria, Parco, Piana de Greci, Morreale ete, und wählte endlich letztere Stadt zu meinem Stand- orte. Diese, mit 14000 Einwohnern und 19 Kirchen, hat doch nur eine einzige Locanda, wo ich den 17. April ein mehr emem Stalle gleichendes Zimmer bezoe, in welchem nur drei Wände trocken waren, die vierte aber wie eine Quelle rieselte, in welches nie ein Sonnenstrahl drang, das aber dafür von Ungeziefer aller Art (unter denen besonders die Ameisen lästig waren) wimmelte und durch die Nähe der Esel und Maul- thiere und des Ausgussortes der Nachttöpfe etc. noch annehmlicher gemacht wurde.
Meine Hoffnung, gute Fangplätze aufzufinden, wurde sehr herab- gestimmt, da ich sämmtliche Berge und Lehnen um Morreale, Partinico, Parco etc. bis gegen San Guiseppe zu mit einer harten schneidigen Grasart bewachsen traf und kein Baum, Strauch oder Hecke zu ent-
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decken war, wo Raupen hätten leben können; nur gegen S. Martino zu sprossten hie und da einzelne Spartiumstauden auf einem Sumaceofelde,
Die Berge sind alle steil, mit unzähligen Steinen übersäet, die Thäler enge Schluchten, das breiteste noch das Palla gutta Thal, das von einem kleinen, Anfangs Juli aber auch schon vertrockneten Bäch- lein durchrieselt ist. Die wenige kümmerliche Vegetation, die an nicht eultivirten Orten herrscht, wird noch vollends von Ziegen und Schafen emsig abgefressen ; ich konnte daher nur eine miserable Ausbeute an Schmetterlingen erwarten.
Morreale ist eine deutsche Meile von Palermo entfernt und liegt ziemlich hoch auf dem Monte castellaccio. Von Palermo lauft die Poststrasse in gerader Linie zwischen Häusern und Gärten bis an den Fuss dieses Berges, dann windet sie sich nach Morreale hinauf und führt an den Gebirgen weiter nach Alcano, Calatafımi und Trapani; bei Misericannone theilt sich die Strasse, deren linker Arm nach S. Giuseppe führt, dann sind bloss Reit- und Gehsteige zu treffen. Hat man Morreale passirt, so übersieht man links das tiefe, fruchtbare Thal und die Gegend bis Parco; rechts liegt der Monte castellacio, welcher sich durch ein Bergjoch mit dem Monte medio verbindet, über die von Morreale aus im Reitsteig, nach der malerisch in einem Thal- | kessel gelegenen Benedictinerabtei S. Martino führt; unweit von diesem befindet sich der ganz isolirt stehende Monte Gurcio, der einzelne ganz entästete Eichenstämmchen enthält. Hat man die Lehne des Monte medio an der Strasse passirt, so gelangt man in das Palla gutta Thal, an dem sich links der Monte Buare hinzieht. In dieses Thal schieben sich rechts und links Bergausläufer ein und bilden muldenförmige Ver- tiefungen und Schluchten, welche weit hinauf mit Weizen und Gerste bebaut sind. Das von den höchsten Bergen herabkommende Bächlein ist an beiden Ufern reich mit Disteln, Doldengewächsen und Gräsern bewachsen und an ihm führt ein Fusspfad nach Carini und Capaci, wo aus einer Eschenart (Fraxinus Ciresi) wittelst tiefem Einschnitte im August das Manna gewonnen wird.
Im Palla gutta Thale befinden sich mehrere Kalköfen, die in Er- manglung von Holz mit getrocknetem Grase und Pflanzen geheitzt werden; es sind daher immer eine Menge Arbeiter mit dem Einsammeln dieses Brennmateriales beschäftiget, wodurch sich die Kahlheit der Berge und Armuth an Insecten leicht erklären lässt.
Der Monte Buare ist ein langer Gebirgszug, der sich bis Partinico erstreckt, wo sich dann wieder hohe Berge anschliessen. Bei Miserican-
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none ziehen sich die Berge bis zur Höhe von S. Giuseppe hinauf, wo sie sich mit denen von Parco vereinigen und ein breites Bergthal mit Getreidefeldern und mageren Huthweiden bilden.
Sämmtliche Berge, die ich fast alle bestieg, sind in der Vegetation gleich; nur ausnahmsweise trifft man hie und da, besonders auf dem Monte medio Erica arboracea und Asphodelus, sonst aber, ausser in Gärten oder auf Aeckern, auch nirgends einen Baum oder Strauch. Der Mangel an Schatten wird bei einer Hitze von zuweilen 40° Reaum. sehr empfindlich und die auf den meisten Bergen befindlichen frischen Quellen kommen um so mehr zu statten, als in diesen Gegenden selbst für Geld nirgends etwas zu bekommen ist und man auf den Excursionen stets seinen Proviant mit sich tragen muss.
Während ich in anderen Gegenden an den Abenden stets gute Aus- beute machte, war hier von 4 Uhr Nachmittags an schon kein Insect mehr zu sehen. Die Abende waren auch nur im Juni windstill; im April und Mai bliess fast immer ein kalter, schneidender Nordwestwind und am14.Mai war die Kälte so empfindlich, dass ich und meine Frau trotz der warmen Kleider vor Kälte klapperten und ich mir die Ohrläppchen erfror. Dennoch erkaltete mein Eifer nicht. Ich sammelte fleissig alle Ordnungen von Insecten und hoffte durch die im Süden stets günstigere spätere Jahreszeit für meine rastlose Mühe, die vielen Qualen, drückende Hitze und sonstigen Entbehrungen entschädigt zu werden, als ich in der besten Arbeit plötzlich nach Wien zurückberufen wurde; natürlich musste ich dem hohen Befehle sogleich gehorchen.
Die Ursache davon war folgendes Abenteuer:
Den 18. Mai machte ich mit meiner Frau von Morreale aus eine Excursion nach dem Monte pellegrno, um uns von da nach Palermo zu dem österr, k. k. Generalconsul, Herrn von Wallenburg, zu begeben und ihn um die Besorgung eines Briefes in die Heimath zu bitten. Von der guten Ausbeute angelockt, machten wir uns den 20. in aller Frühe wieder nach dem Monte pellegrino, nahmen aber unseren Weg, um einen zweistündigen Umweg zu ersparen, mitten durch die Stadt. Kaum bei der Porta nuova in Palermo angekommen, sahen wir uns von der in Kutten gehenden hoffnungsvollen Schuljugend des dortigen Gymnasiums und einer Anzahl faullenzender Bursche verhöhnt, kehrten uns aber nicht weiter daran, sondern gingen so schnell als möglich den Toledo entlang weiter, erreichten um 7 Uhr Früh die Lehne des Monte pelleerino und sammelten daselbst trotz der grossen Hitze emsig acht
volle Stunden fort, bis uns endlich der Hunger zur Rückkehr antrieb. Wir Wiener entomel. Monatschr. IN. Rd. (6)
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'assen in einer Osteria vor der Stadt und ich begab mich zum Herın Generalconsul meinen Brief zu übergeben. Am Hafen von Palermo in die Gasse kommend, höhnen uns Fischer und Höckerweiber, während wir, uns keiner Ursache bewusst, trotz allem Lärmen, Schreien und Pfeifen, unseren Weg ruhig und ohne uns nur umzusehen, fortsetzten. In der Gasse angelangt, welche nach der Hauptstrasse führt, begegnet uns ein blinder Bettelknabe mit einer Geige, den ein anderer Junge führte. Aus Mitleid will ich demselben eine kleine Gabe reichen , da springen aus den nächsten Häusern Leute heraus, treiben den Knaben fort, und bedeuten uns mit nicht sehr freundlicher Geberde, dass wir uns weiter trollen sollten. So gelangten wir unter fortwährendem Lärmen und Schreien bis zum Hause des Zuckerbäckers Guli, wo zwei Deutsche conditioniren, die wir schon früher im Morreale kennen gelernt, und von welchen wir eine Einladung zum Besuche erhalten hatten. Nachdem ich meine Frau hinaufgeführt hatte, ging ich weiter, meinen Brief zu bestellen, wurde aber im Toledo von einer grossartigen Katzenmusik empfangen, die immer ärger wurde; man verfolgte mich, packte mich am Rocke und dergleichen, bis ich endlich meinen Stock schwang, wo Alles auseinander floh. Nach einiger Zeit wurde das Spektakel wieder ärger, ich nahm endlich Zuflucht im einem Laden und fragte die Herren, was man von mir wolle, da ich doch Niemanden beleidigt habe; sie antworteten mit Geberden und fuhren mit der flachen Hand unter dem Kinne durch den Bart, was so viel heissen sollte, als wir wissen es nicht. Nun sagte ich ihnen, so gut ich konnte auf italienisch, dass ich hieher gekommen sei, Insecten zu sammeln, dass meine Ein- sammlungen für das k. k. Hofnaturaliencabinet zu Wien bestimmt seien ete., wo aber der Lärm nur noch grösser wurde, man mich wie den grössten Verbrecher durch die Strassen trieb, Steine aufhob, sie mir mit nicht gar freundlichen Geberden zeigte und mich ohne Unter- lass beschimpfte. Ein Glück für mich, dass ich trotz alldem bei guter Laune blieb und nicht von meinem Stocke Gebrauch machte, sondern nur das Consulatsgebäude zu erreichen trachtete, was mir denn endlich auch gelang.
Daselbst angelangt, übergab ich ganz erschöpft dem Herrn Generalconsul meinen Brief und erzählte in Kürze mein Abenteuer, war aber mit meiner Erzählung noch nicht zu Ende, als schon die Nachricht anlangte, das Volk wäre in Masse im Hofe des Gebäudes versammelt und begehre die Auslieferung von mir und meiner Frau, damit wir zu Tode gesteiniget würden, weil wir nur nach Palermo
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gekommen seien um — oh Jahr des Heiles! — die Kinder zu fangen, zu verzaubern und zu fressen !'— Ich konnte mich des Lächelns nicht enthalten, der Herr Generalconsul wurde aber sehr ernst und bedeutete mir, die Sache nicht so leicht zu nehmen, da der grenzeulose Aberglaube dieser Leute die furchtbarsten Folgen für mich haben könne. Mittler- weile wurde auch dem Herrn Generalconsul die Anzeige, dass ich und meine Frau einen Knaben durch Geld gewinnen wollten, um ihn zu ver- zaubern und zu fressen. Ich setzte die Sache auseinander, begann aber nun besorgt um meine Frau zu werden, die ich ohne Schutz ‚zurück gelassen hatte und bat den Herrn Generalconsul, das Nöthige zu ver- anlassen; glücklicherweise war aber dort keine Ruhestörung vorgefallen, weil das Volk glaubte, die Frau wäre ebenfalls im Consulatsgebäude.
Das Volk im Hofe tobte und lärmte und liess sich nicht hinaus- weisen, bis endlich der Herr Generalconsul an die Polizeipräfeetur und das Landesgubernium die Anzeige machte und Assistenz verlangte. Nach langer Zeit kamen auch mehrere Commissäre von beiden Behörden, liessen sich die ganze Geschichte vom Herrn Generalconsul nochmals aus einander setzen, ich musste ihnen meine Schachteln mit der Aus- beute, Klappen, Nadeln etc. zeigen, ihnen erklären, wozu das Alles gehöre, doch schien es nicht, als ob sie es begriffen. Nach langem Hin- und Herreden, worüber beinahe drei Stunden vergingen, wurde endlich ein gedeckter Wagen geholt, Polizeisoidaten hatten mittlerweile die Gassen besetzt und das Volk wurde von ihnen durch gute Worte nach und nach aus dem Hofe gebracht.
Die Polizeicommissäre begleiteten mich die Treppe hinab, einer setzte sich zu mir in den Wagen, ein Pelizeikorporal zum Kutscher auf den Bock und wir fuhren durch die Gassen nach dem Toledo zurück, von Steinwürfen verfolgt. Der Lärm wurde immer weniger, je weiter wir fuhren, da die Leute nicht so schnell folgen konnten und als wir das Haus des Zuckerbäckers G uli erreichten, war Alles ruhig. Ich ging die Treppe hinauf und erzählte meiner Frau und den beiden Deutschen das Vorgefallene, die aber glaubten, ich wolle ihnen einen Bären aufbinden, bis sie die Gegenwart des Commissärs, der mir und meiner Frau Eile empfahl, von der Wahrheit meiner Angabe überzeugte.
Wir fuhren nun unter Assistenz zur Porta nuova, schickten den Wagen zurück und mussten bei der Thorwache warten, bis ein anderer Wagen kam, der uns nach Morreale brachte. Während dieser Zeit fragte ich den Commissär nochmals um die Ursache dieses Excesses
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54 und erging mich in allerlei Vermuthungen; er zuckte aber blos mit den Achseln und sagte, er wisse es nicht!
Ich langte Abends glücklich in Morreale an und berichtete einige Tage nachher mein Abenteuer dem Herrn Regierungsrath Kollar, während vom Herrn Generalconsul die Anzeige an das Hohe k. k. Ministerium des Aeussern gelangte.
Den 5. Juni erhielt ich ein Schreiben vom Herrn Generalconsul, das ich als Beleg der Wahrheit meiner Angaben hier einrücke und zugleich als Beweis der Schnelligkeit der Posten dienen kann, da es von Palermo bis Morreale — eine deutsche Meile — blos sieben Tage brauchte! Es lautet:
Palermo, den 29. Mai 1858.
Werthester Herr Mann!
Ihr Schreiben vom 24. d. M. ist mir am 26. zugekommen. Der Einschluss an den Herrn Director Kollar wurde gestern befördert. Es freut mich Sie sammt Ihrer guten Frau wohl zu wissen, und es scheint, dass Sie in Morreale ungestört und ungetrübt leben.
Der Vorfall in Palermo ist nicht so leicht hingenommen worden. Die Polizei hat zahlreiche Arrestationen bewerkstellist und ich zweifle demnach, dass sich derlei Unfug erneuern wird.
Ich kann Ihnen indessen nicht genug Vorsicht rathen, und ersuche Sie daher mich jedesmal einige Tage früher von Ihrer Absicht nach Palermo kommen zu wollen, zu benachrichtigen, damit die Polizei zur Abwehrung möglicher Wiederholung des Skandals in Kenntniss gesetzt werde.
Geben Sie mir daher jedesmal den Tag und die Stunde Ihrer Abfahrt von Morreale an, so wieauch das Stadtthor bei dem Sie herein zu kommen gedenken.
Nebst freundlichem Grusse an Sie beide
Ihr aufrichtig ergebener Wallenburg.
Dass mir unter solchen Umständen die Lust nach Palermo und dem Monte pellegrino verging, wird man begreiflich finden. Hatten wir auch im Anfange von der Bevölkerung von Morreale allerlei zu erdulden, so schafften doch die Behörden bald Ruhe und die Leute gewannen uns endlich so lieb, dass sie uns oft mit Früchten beschenkten und selbst von der gebildeten Classe Einladungen erfolgten. Auch auf unsern Excursionen wurden wir von den Landleuten nie im Mindesten be-
85 leidist und der Abstand zwischen ihnen und den Städtern kann ihnen nur zur Ehre gereichen.
Anfangs Juli begab ich mich nach vorheriger Anzeige nach Palermo; mir sieil. Piaster einzuwechseln und Briefe von zu Hause in Empfang zu nehmen. Unter letztern befand sich auch einer vom Herrn Regierungs- rath Director Kollar, aus dem ich ersah, dass ich zurückberufen und das Zurückberufungsschreiben vom Hohen k. k. Oberkämmerer-Amte bereits an mich abgegangen sei; es kam aber weder mir, noch dem
Herrn Generalconsul je zu. — Bei diesem. Besuche kam ich ganz un- angefochten durch. Acht Tage später reisten wir — ebenfalls nach vorheriger An-
zeige — von Morreale nach Palermo, um uns von da nach Neapel ein- zuschiffen. Aber das Postschiff kam 2 Tage später, als gewöhnlich und blieb wegen den vielen Reisenden, die es zum Rosalienfeste mitbrachte, 8 Tage vor Anker; ein englisches Schiff, das mittlerweile nach Neapel fuhr, durften wir nicht benutzen, da das Reisen zwischen Neapel und Sicilien nur auf einheimischen Schiffen gestattet ist; wir schifften uns also auf dem Lloyd-Dampfer Jonia am 12. Juli nach Livorno ein, von wo wir nach Wien zurückkehrten.
Trotzdem wir viel Unangenehmes zu erdulden hatten und die Insel früher verlassen mussten, als wir beabsichtigten, hatte ich doch mit Hilfe meiner thätigen Frau eine bedeutende Anzahl aller Ordnungen von Insecten mitgebracht, so dass ich dem k. k. zool. Hofkabinete an ihm fehlenden oder ganz neuen Arten 600 Species in circa 2000 Exem- plaren und an anderen sehr seltenen oder zur Completirung nöthigen Arten ebenfalls 600 in circa 2000 Exemplaren übergeben konnte, als:
Coleopteren 143 Arten in 304 Exemplaren Hemipteren DIN, sn A h Orthopteren 364.05, %,,01.128 hi Neuropteren See a | ss Hymenopteren 373 Mr 20 55 Lepidopteren IB, 7 180 eh Dipteren AUOFFER 1020 ss Arachniden a0 2100 a
Thiere in Weingeist 10 „ „50 " 1200 Arten in 4075 Exemplaren. Meine gesammte Ausbeute betrug 1607 Arten in 12816 Exem- plaren; hätte ich noch längere Zeit sammeln können, würde sich gewiss Stück- und Artenzahl noch bedeutend erhöht haben.
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Ich lasse nun die gesammelten Schmetterlinge in systematischer Ordnung, Tagfalter bis Spanner nach Lederer, Tineen nach Zeller und einige von diesem nicht bearbeitete Familien der letzteren so wie die Pyraliden, Crambinen und Tortrieinen nach einer provisorischen Ordnung folgen: *)
Papilio Podalirius L. Mitte April und Anfang Juli nicht selten um Morreale und dessen Umgebung. Gleicht ganz den wiener Exemplaren.
P. Machaon L. Ende April und Anfang Mai, dann wieder im Juli bei Palermo, Sferrocavallo, Morreale etc. auf steilen Berglehnen sehr schnell geflogen. Er weichtvon den Wienern dadurch ab, dass das Schwarz bei den meisten Exemplaren auf allen Flügeln sehr verbreitet ist. Die im Juli vorkommenden Falter sind etwas heller gefärbt.
* Pieris Crataegi L. Im Juni einzeln im Thale Palla-gutta an- getroffen.
P. Brassicae L. Mitte April und im Juni nicht selten in der ganzen Umgebung von Morreale; auch auf der Höhe von S. Giuseppe.
P. Rapae L. Mitte April am Monte pellegrino , im Juni bei Morreale nicht selten.
*P. NapiL. Mitte April am Monte pellegrino und bei Parco einzeln.
P. Daplidice L. April und Anfang Juli bei Palermo Morreale etec. nicht selten.
V. Bellidice Hb. April am Monte pellegrino und in den Thal- schluchten um Morreale im Mai und Juli.
* Anthocharis Belia F. April bis Juni und ange Juli im Thale Palla-gutta auf Berglehnen geflogen.
A. Cardamine L. Mai , bei Morreale, Piana di Grecci , Giuseppe nicht selten.
Leucophasia Sinapis L. Juni im Thale Palla-gutta einzeln.
Colias Edusa F. April bis Juli auf Bergen und in Thalschluchten nicht selten, in sehr grossen und ganz kleinen Exemplaren vorkommend.
V. Helice Hb. Im April ein einziges Stück bei Parco gefangen.
* Rhodocera Rhamni L. Mitte April bei Palermo, und Anfang Juni bei Morreale, S. Martino etc. In Gärten und auf Bergen in Cactus- Pflanzungen geflogen.
*) Mit * sind jene Arten bezeichnet, welche Freund Zeller in Sieilien nicht fand ; diejenigen „, welche er auffand und mir nicht vorkamen „ sind am Schlusse aufgeführt.
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R. Cleopatra L. Ende Juni und Anfang Juli einzeln bei Morreale und Parco, bei S. Martino, in einem dem Kloster gehörigen Parke nicht selten, jedoch auf den steilen Ablhängen schwer zu fangen. Weiber fand ich auch auf dem Monte medio in Sumacco-Pflanzungen ; sie sind seltener als die Männer.
Thecla Rubi L. Im Mai bei Morreale einzeln an den Lehnen des Monte castellacio geflogen.
* Polyommatus Dorilis Hu fg. (Circe S. V.) Im Juni einige Stücke im Thale Palla-gutta gefangen,
P. Phlaeas L. April, dann im Juni bei Morreale und dessen Um- gebung nicht selten in Thalschluchten und auf Berglehnen vorkommend. Die Exemplare alle fast schwarz verdüstert. r
Lycaena Boetica L. Anfang Juli bei S. Martino einige gefangen, auch erhielt ich einige durch die Zucht ohne deren Raupen beobachtet zu haben.
*L. Tiresias Hufg. (Amyntas S. V.) Mai auf dem Monte medio und Buare geflogen.
L. Aecis S. V. Mitte April auf dem Monte medio nicht selten. Im Juni häufig auf allen Bergen um Morreale angetroffen. )
*L. Alsus S. V. Mai im Thale Palla-gutta häufig.
L. Cyllarus F. Mai, im Thale Palla-gutta, bei Parco und S Martino
L. Hylas S. V. Mitte April, Anfang Mai und Ende Juni bei Morreale auf Berglehnen fliegend.
*L. Argus L. Mai im Thale Palla-gutta.
L Alezis Hufg. (Agestis S. V.) Juni nicht selten auf Berglehnen und Thalschluchten.
L. Icarus Hufg. (Alexis S. V.) April und Jnni nicht selten in der ganzen Gegend um Morreale. Die Weiber gross, ganz mit blauer Farbe überzogen und mit starkgeflekter rother Randbinde auf allen Flügeln.
L. Argiolus L. Im Mai einzeln im Thale Palla-gutta und auf dem Monte medio angetroffen.
Libythea Celtis F. Im Mai, die Raupen häufig bei Morreale unweit von Bocca di falco auf Celtis-Bäumen in Gärten.
Limenitis Camilla S. V. Im Juni bei S. Martino einige auf Sca- biosen gefangen.
Melitaea Althalia Esp. Juni im Thale Palla-gutta nicht selten.
*M. Cinzia L. Mai und Juni nicht selten um Morreale,
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M. Phoebe S. V. Juni im Thale Palla-gutta einzeln; kleiner als die hiesigen.
M. Didyma F. Ende Mai und den ganzen Juni hindurch nicht selten, besonders im Thale Palla-gutta; die Männer feurig roth mit “wenig schwarzen Flecken, die Weiber von den hiesigen verschieden, meist grünlichgrau. Die Raupen auf Scabiosen, Disteln, Wegerich etc. Anfang Mai nicht selten.
* Argynnis Selene S. V. Anfang Mai einzeln auf Berglehnen bei Parco angetroffen.
* A. Dia L. Ende April bei Palermo, Bocca di Falco und S. Martino nicht selten.
A. Latonia. Anfang Juli einzeln im Thale Palla-gutta und auf der Höhe von S. Giuseppe angetroffen.
A. Aglaja L. Juli bei S. Martino auf blühenden Scabiosen einzeln.
*A. Pandora S. V. Mitte Juni und Anfang Juli bei S. Martino einige bekommen, Fing erst zu fliegen an und dürfte später häufiger geworden sein.
Vanessa Cardui L. April und Anfang Juli häufig in der ganzen Umgebung von Morreale. x
V. Atalanta L. Juni und Juli bei Parco und S. Martino einzeln vorkommend. {
*y, Jo L. Mitte April bei Palermo den Falter, im Juni die er- wachsenen Raupen bei Morreale auf Nesseln sehr häufig getroffen.
* V. Antiopa L. Mitte April bei Pawo, Piana di grecci einige gesehen wohl überwinterte. Im Juli fand ich auch erwachsene Raupen bei S. Martino im Parke auf Trauerweiden.
V. Urticae L. April und Juni nicht selten in der Umgebung von Morreale.
* V. Polychloros L. Die Raupen im Juni häufig auf Celtis-Bäumen in Gärten.
V. Triangulum F. Die Raupen Ende Mai erwachsen einzeln im Thale Palla-gutta auf Parietaria officinalis.
V. €. album L. April ein Stück bei Sferrocavallo gefangen.
Hipparchia Galathea L. Anfang Juni im Thale Palla-gutta bei S. Martino und bei Partinico nicht selten ; die Exemplare sind viel grösser als die hiesigen, auch ist bei den Weibern oft die Unterseite ocher- gelb gefärbt.
* Var. @alene O. Juni im Thale Palla-gutta unter Leucomelas gefangen,
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*V. Leucomelas Hb. Bloss Weiber. Bei der Menge, die ich fing, sieht man recht deutlich den Uebergang von Galathea zu Galene und Leu- comelas theils in blass schwefel- theils in ochergelber Färbung; Leucomel. kamen erst gegen Ende Juni zum Vorschein. Die Var. Procida fand sich nicht vor.
*= H. Clotho V. Atropos Hüb.n. Ende Juni-auf der Höhe von S. Giu- seppe auf Hutweiden die Männer geflogen, die Weiber kamen erst den 6. Juli zum Vorschein, und erbeutete ich nur in wenigen Exemplaren. Obwohl diese Höhe fünf Stunden von Morreale entfernt war, so hätte ich sie doch noch öfter besucht, wenn ich nicht abgerufen worden wäre.
* H. Pherusa Dahl. Dup. Anfang Mai bis Anfang Juni im Thale Palla-gutta bei Misericannone und S. Martino, auf den steilen Berg- lehnen in den Morgenstunden geflogen. Diese, ganz gut zu unterscheidende Art wurde bisher als Var. bald zu Sy!iius Hbst, bald zu Arge Sulz. und die Exemplare ohne Augenpuncte auf den Hinterflügeln zu der Var, Irora B. gezogen. Die Var. Irora B. gehört zu Sylius Hbst. und mag viel seltener als die Stammart sein; sie kann gar nicht mit Pherusa Var. ohne Augenpuncten verwechselt werden, da beide Arten in der Mittelzelle der Vorderflügel eine ganz verschiedene schwarze Zeichnung besitzen.
* Satyrus Briseis L. Anfang Juli auf der Höhe von S. iasäppe einige Stücke von meiner Frau gefangen, während ich die Weiber von Hip. Atropos suchte.
S. Semele Var. Aristaeus Bon. Mitte Juni bis Anfang Juli bei Morreale und im Thale Palla-gutta auf steilen Berglehnen geflogen. Die Exemplare grösser als die corsicanischen und nicht so feurig in der Färbung.
Pararga Maera L. Eine eigenthümliche Varietät flog Mitte Juni selten im Thale Palla-gutta am Bächlein. Die Exemplare sind sehr gross und haben auf der Unterseite der Hinterflügel das schöne Silbergrau der V. Adrasta; das Rothgelb der Oberseite ist aber weder so feurig, noch auf den Vorderflügeln saumwärts so verbreitet, wie bei Adrasta, sondern gleicht dem unseren hiesigen Maera; dagegen tritt die bei dieser . kaum angedeutete Saumlinie auf allen Flügeln in einem eigenthümlichen Graugelb scharf hervor und zeigen sich auch die Fransen viel heller ; auf den Hinterflügeln ist auch das Rothgelb bleicher und reichlicher, als bei den deutschen Stücken.
* Pararga Maera L. Mitte Juni im Thale Palla-gutta an den Ufern des Bächleins geflogen. Selten.
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P. Megaera L. Mitte April und Mitte Jwni in der ganzen Um- gebung von Morreale auf Berglehnen und in Thälern nicht selten. Die Exemplare zeigen ausser der Grösse keinen Unterschied von den hiesigen.
P. Meone Hb. Mitte April und im Juni bei Morreale, S. Martino, Partenico, im Thale Palla-gutta geflogen.
Epinephila Janira V. Hispula Esp. Juni und Juli in der ganzen Umgebung von Morreale, besonders im Thale Palla-gutta. Die Weiber sind viel grösser und in der Färbung feuriger als die corsicanischen.
E. Ida Esp.Im Juni und Juli im Thale Pallagutta, bei S. Martino, Parco etc. nicht selten auf Berglehnen geflogen.
* Coenonympha Arcania L. Im Juni einzeln im Thale Palla-gutta vorkommend.
C. Pamphilus L. Mitte April und Juni um Morreale überall vor- kommend.
Var. Lyltus Esp. Mitte April und im Juni um Morreale auf Bergen und in Thälern; die im Juni vorkommenden sind viel grösser und auf der Unterseite lebhafter gefärbt.
Hesperia Malvarum O. Im April bis Anfang Juli in der ganzen Umgebung von Morreale sowohl auf Bergen als in Thälern vorkommend.
H. Altheae Hb. Floccifera Z1]. Im Juni im Thale Palla-gutta einzeln an dem Bächchen auf blühenden Disteln.
H. Carthami H. Juni im Thale Palla-gutta auf Berglehnen geflogen.
H. Alveus Hb. 462. Im Mai und Juni auf Berglehnen überall um Morreale geflogen.
H. Alveolus Hb. Im April auf der Hutweide am Monte pellesrino, im Mai und Anfang Juli bei Morreale, S. Martino und S. Giuseppe angetroffen.
H. Thaumas Huf (Linea S. V.) Im Juni überall sehr häufig,
*H. Lineola OÖ. Mai und Juni, ebenfalls nicht selten.
H. Actaeon Esp. Mai Juni und Anfang Juli in der ganzen Um- gebung von Morreale und bei Palermo nicht selten.
H. Sylvanus Fab. Juni, im Thale Palla-gutta an den Ufern des Bächchens; die Exemplare grösser als die hiesigen.
H. Comma UL. Juli auf der Höhe von Giuseppe und Partinico einzeln angetroffen.
H. Nostradamus F ab. (Pumiltio Hb.) Mitte Juni nur ein Männchen im Thale Palla-gutta gefangen.
Paranthrena Tineiforme Esp. Den 18. und 20. Mai auf der ver-
91 hängnissvollen Lehne des Monte pellegrino in den Vormittags- und Mittagsstunden gefangen.
Sesia Osmiaeformis H. Sch. Ebenfalls am 18. und 20. Mai auf der Lehne des Monte pellegrino in der Mittagsstunde geflogen. Anfang Juni fing ich auch einige bei Morreale an einer steilen Berglehne.
S. Aerifrons Z11. Isis. Im Juni im Thale Palla-gutta einzeln- in der Mittagsstunde an Bächchen um Disteln fliegend.
*S, Chrysidiformis Esp. Juni bloss 2 Stück, welche meine Frau im Thale Palla-gutta fing.
*S. Doryliformis OÖ. Ein Weibchen im Juni im Palla-gutta Thale.
* Sesia cruentata. Ein ganz reines Männchen im Juni im Thale Palla-gutta. Der S. myopaeformis zunächst; mit dem schlanken, mitten zusammengedrückten Hinterleib dieser Art, doch etwas grösser, wie eine mittlere S. culieiformis. Kopf, Rücken und Hinterleib metallisch blauschwarz, eben so die Palpen und Fühler; erstere an der Unterseite des ersten und zweiten Gliedes pomeranzengelb beschuppt, letztere auf der Oberseite mit einem weissen Fleck vor der Spitze. Hinterleib mit blutrothen Schuppen, die keine deutlichen Bänder bilden, sondern nur in den Seiten des zweiten und dritten Segmentes fast den ganzen Leib- ring einnehmen, auf der Oberseite desselben kaum die Hinterränder bedecken, auf dem 4. 5. und 6. aber nur mehr äusserst spärlich vor- handen sind und der Unterseite gänzlich fehlen. Der silberne Längs- streif der S. myopaeformis fehlt hier gänzlich; der Afterbusch ist lang und schlank, zusammengestrichen oben blauschwarz, unten in der Mitte blassgelb. Die Beine sind blauschwarz, nur an der Unterseite der Tarsen gelblich, die Hinterschienen auffallend dieht behaart. Vorderflügel mit blauschwarzem Vorder- und Innenrand, mässig dicker, nicht ganz auf den Innenrand aufsitzender Querbinde und äusserst schmalem, nur in der Flügelspitze etwas verbreiteterem, etwa franzenbreitem Saumbande ; Hinterflügel glashell; die Querrippe am Anfang verdickt, dann sehr fein. Unterseite wie die obere, die schwarze Zeichnung aber nebst den Rippen pomeranzenfarb schimmernd, nur das Querband der Vordertlügel schwärzlich.
* Macroglossa Fuciformis L. Juni im Thale Pallagutta und bei S. Martino einige um Disteln gefangen.
*M. Bombyliformis Var, Miseliformis Tr. Im Juni bei S. Martino im Parke auf blühender Lavandula ein Stück gefangen.
M. Stellatarum L. Von Mitte April bis Anfang Juli überall in der Umgebung. von Morreale vorkommend.
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* Deilephila Elpenor L. Im Juni 1 Stück an einer Mauer frisch ausgekrochen gefunden.
*=D. Livornica Esp. (Lineata Fab.) Anfang Mai einige ver- flogene Stücke im Thale Palla-gutta auf blühender Erica angetroffen.
* Sphin& Ligustri L. Im Juni bloss die Raupen gesehen.
» * Acherontia Atropos L. Ein Knabe brachte mir ein trockenes Exemplar, das er im Herbste an einer Mauer gefunden hatte.
* Laothoe Populi L. Mai bei Morreale ein Weib an einer Garten- mauer gefunden.
Syntomis Phegea L. Anfang Mai bis Mitte Juni, überall in der Gegend von Morreale und Palermo. Die Exemplare sind viel grösser als die hiesigen ; so viele ich davon auch fing, kam mir doch keine Varietät vor.
Zygaena Erythrus Hb. Die Raupe erwachsen im April; sie ist schön blaugrün mit breiten tiefschwarzen Flecken und lebt auf Eryn- gium. Die Falter erschemen Mitte Mai und waren im Freien noch Anfang Juli zu finden. Das Gespinnst ist weiss, silberglänzend. Die Begattungszeit erfolgt in den Vormittagsstunden.
Z. Contaminei B. Raupe ebenfalls erwachsen, Mitte April, ich fand sie auf Scabiosen und anderen niederen Pflanzen. Der Falter erschien Anfang Mai und im Freien fand ich ihn noch Mitte Juni. Er flog auch in den Vormittagsstunden auf Berglehnen.
Z. Ochsenheimeri Zell. (Filipendulae V.) Die Raupen nicht selten auf Onobrychis Ende April. Das Puppengespinnst lang und weiss, seiden- glänzend, Die Falter erscheinen Mitte Juni. Die Färbung der Vorder- flügel ist stahlblau dicht beschuppt, die hintern hochroth mit breitem schwarzblauem Rande und Franzen. Unsere Rilipendulae hat die Färbung auf den Vorderflügeln stahlgrün, die hinteren carminroth mit schmalem schwarzem Rande.
Z. Oxytropis B. Den 23. April im Thale Palla-gutta hoch im Ge- birge einige Raupen auf Eryngium gefunden; sie waren schlank, blau- grün, mit zarten schwarzen Punetreihen über den Rücken der Länge nach geziert. Auf dem Rückwege fand meine Frau ein ganz frisch aus- gekrochenes Weibchen. Von meinen Raupen entwickelten sich nur drei Männchen Mitte Mai, die übrigen Raupen wurden nebst denen ver- schiedener anderer Arten von Ameisen getödtet. Anfang bis Ende Mai fingen wir sie einzeln auf Berglehnen im Thale Pallagutta. Im Jahre 1846 traf ich sie Anfang Juni um Pratolino bei Florenz auf Gräsern in einem Jungen Eichengebüsch in ziemlicher Anzahl,
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*Ino Micans H. Sch. Mitte Mai bloss auf dem Gipfel des Monte medio vor Sonnenuntergang schwärmend. Die Männer besonders gross.
I. Tenuicornis Z. Anfang Juni im Palla-gutta-Thale, bei Giuseppe und Parco, auf Distelblüthen.
* Epialus Velleda H. Im Juni bei Partenico zwei Männer an einer Telegrafen-Stange gefunden.
* Cossus Ligniperda F. Im Mai bei Parco ein Paar an einem Nussbaume in copula angetroffen.
® Psyche Helicinella H. Sch. Gegen Ende Mai und Anfang Juli an der Strasse nach S. Martino in den Morgenstunden einige im Fluge gefangen, auch im Palla-gutta-Thale fand ich einige ebenfalls in den Morgenstunden fliegend.
*P. Villosella OÖ. Die Raupen-Säcke an Steinen, Felsen und Mauern im April und Mai; Anfang bis Ende Juni erschienen die Falter meist in den Abendstunden,
P. Apiformis Rossi. Den 20. April fing ich an der steilen Berg- lehıne des Monte medio in den Vormittagstunden den ersten Mann, dann kamen sie stets einzeln bis Mitte Juni vor; da sie beim Fluge nicht brunmt so glaube ich, dass es eine andere Art als die toskanische und corsikanische ist, indem alle Stücke, welche ich in Toskana und Corsika fing, im Fliegen hummelartig brummten und auch die von mir erzogenen im Behälter diesen Ton von sich gaben, wenn ich sie störte.
Die Säcke welche ich einsammelte, lieferten mir eine Psyche, welche statt goldgelbem Körper einen schwarzen hatte; ob es eigene Art, oder Varietät von Apiformis ist, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, da ich die Raupen nicht verglichen habe.
*P. Kahrii Led. Ende April und bis gegen Ende Mai fand ich diese Art in den Morgenstunden einzeln auf den Berglehnen des Monte Castellaceio, medio und Buare schwärmend. In diesen Gegenden fand ich auch zu derselben Zeit an Steinen und Felsenblöcken die Säcke welche ohngefähr 6 Linien lang, mit dünnen der Länge nach gelegten am Ende abstehenden Grasstengeln ringsum bekleidet sind und zwar im Mai dieselbe Psyche lieferte. Weiber bekam ich keine, da ich blos männliche Säcke gefunden hatte.
* Fumea Pulla S. V. Var.? Anfang Juli fing ich eine ganz kleine der Putla ähnliche, nur um die Hälfte kleinere Firmea auf den Monte medio ebenfalls in der Morgenstunde zwischen 6 und 7 Uhr.
* Cilie Spinula S. V. Im Mai einige Stücke auf Sumacco gefunden.
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Saturnia Pyri S. V. Im Mai in den Gärten um Morreale ; wohl nicht selten, da mir der Schmetterling fast täglich in Mützen , Säcken oder in Papier gewickelt überbracht wurde.
*S. Carpini S. V. Mitte April an einer Mauer auf dem Wege nach Sferro cavallo einen abgeflogenen Mann angetroffen.
*Bomby& Cocles Hb. Von meinen mitgebrachten Puppen ent- wickelten sich im September zwei Weibchen.
B. Quercus? Spartü? Hb. Anfang Juli fand ich bei S. Martino auf einem Spartium-Strauche zwei Raupen, der Quereus ähnlich ; eine ver- puppte sich noch vor meiner Abreise von Morreale, und lieferte mir im September einen weiblichen Falter, der wohl nur Quercus sein dürfte.
Ocneria Dispar L. Die Raupen im Juni bei Morreale und Partinico in Gärten auf Obstbäumen angetroffen.
Nola Strigula S. V. (Strigulalis Hb.) Anfang Mai bei Parco einige an Nussbaumstämmen gefunden.
Lithosia Caniola Hb. April bis Anfang Juni bei Morreale und im Thale Palla-gutta an Mauern und Felsenwänden stets gegen Abend frisch ausgekrochen gefunden.
Lithosia marcida m. Der L. pallifrons zunächst, aber sicher ver- schieden. Im Geäder, Habitus und der Bildung der Körpertheile damit übereinstimmend, ist diese Art durch die eigenthümlich graugelben, matt glänzenden Vorderflügel, deren Farbe etwas an Löth. griseola erinnert aber viel heller ist, die einfärbig matt grauen, gegen den Innenrand zu kanm merklich helleren Hinterflügel mit blässeren Fransen und das bis an den Saum (doch nicht ganz an den Vorderrand) rei- chende Fahlgrau der Unterseite sämmtlicher Flügel ausgezeichnet. Ende Juni im Thale Palla-gutta auf Disteln einige gefunden.
*@Gnophria Rubricollis L. Im Juni bei Partinico ein Stück an einem Oelbaumstamme gefunden.
* Emydia Cribrum Hb. Im Mai zwei abgeflogene Stücke auf dem Monte medio auf Erica gefunden.
E. Chrysocephala Hb. Ende April bis Mitte Juni einzeln auf den Berglehnen des Monte medio, Buare wie im Thale Palla-gutta stets an den Stengeln und Halmen des struppigen Schneidegrases gefunden ; sie haben die Eigenschaft, wie der Stengel berührt wird, sich herab- fallen zu lassen und wie todt liegen zu bleiben; da man in den Gras- stock nicht gut hinein kann, so bringt man die meisten verletzt heraus,
95 selbst wenn sie nur auf das scharfe Gras herabfallen, sind sie gleich beschädigt.
* Nemeophila Russula L. Juni im Thale Palla-gutta auf Berg- lehnen einige Männer gefangen.
Arclia Villica L. Mai und Anfang Juni bei Morreale, Parco und im Thale Palla-gutta einzeln angetroffen, sie waren wie unsere Villica ; die Var. Konewkai kam mir nicht vor.
* A. PurpureaL. Anfang Mai bei Bocca die Faleo einige gefangen.
*A. Lubricipeda S. V. Juni bei Partinico einen Mann an einem Steine gefunden.
* A. Mendica Hb. Anfang Mai ein Weib bei Morreale an einer
Mauer angetroffen.
Phragmatobia Fuliginosa L. April und Anfang Mai in der ganzen Umgebung von Morreale angetroffen.
* Harpyia Vinula L. Mitte April bei Parco an einem Pappel- stamme 9 Puppen gefunden, welche Anfang Mai ausgekrochen sind. Die Falter zeigten keine Verschiedenheit von den hiesigen.
Pygaera Bucephala L. Im Juni bei S. Martino einige an Oliven- baumstämmen gefunden.
* Clostera Anachoreta S.V. Anfang Mai bei Morreale an Garten- mauern einige gefangen. Den 12. April fand ich ein Stück im botanischen Garten zu Palermo. ;
* Diloba Coeruleocephala L. Im April die Raupen nicht selten auf Mandelbäumen bei Morreale in Gärten.
* Acronyela Aceris L. Mai bei Morreale an Gartenmauern an- getroffen.
* A. Megacephala S.V. Mai, ebenfalls an Mauern und Baum- stämmen bei Morreale und S. Martino gefunden.
* A. Euphrasiae Hb. Mai und Juni im Thale Palla-gutta einzeln an Felsen und Steinen gefunden.
A. Rumicis L. Mitte April, dann Ende Juni bei Palermo nicht selten an Gartenmauern vorkommend. Die Falter sind etwas grösser als die hiesigen.
* Bryophila Glandifera S. V. Mitte April die Raupen an Mauern bei Palermo, dann bei Morreale vom April bis Ende Juni noch lebende Raupen gefunden. Sie lebt ebenfalls von Flechten, und verräth sich durch die Erhöhung des Gespinnstes an den Mauern, wie B. Erep- tricula. Die Falter erschienen Anfang Juli. Die Puppen, welche ich
96 mit nach Hause brachte, entwickelten sich erst Ende August und September.
*B. Par Hb. Aufenthalt und Lebensweise wie Glandifera.
Agrotis Janthina S. V. Ende Juni im Thale Palla-gutta auf Farrenkraut einige gefangen.
A. Pronuba L. und Var. Innuba Tr. Juni bei Morreale auf Berglehnen einige gefunden.
A. Comes Hb. Anfang Juli bei S. Martino im Park zwei Stück von einem Strauche abgeklopft.
* 4. C. nigrum L. Im Mai bei Partenico, einige in den Morgen- stunden an Mauern gefunden.
#4. Puta Hb. Am 12. April an der Mauer des botanischen Gartens zu Palermo zwei Männer Nachmittags gefunden.
* A. Exclamationis L. April und Mai bei Palermo und Morreale einige an Olivenstämmen angetroffen.
A. Crassa Hb. Im Mai einen verflogenen Mann bei Parco an der Strassenmauer gefunden.
* Mamestra nebulosa Hufn. Juni bei S. Martino an Nuss- bäumen gefunden. }
*M. Brassicae L. Im Juni nicht selten an Mauern, wo Nesseln und Parietaria offieinalis wuchsen.
*M. Oleracea L Mai bei Morreale und im Thale Palla-gutta auf pflanzenreichen Lehnen und an Bachrändern gefangen.
M. Chenopodiü S. V. Mai an Mauern und Steinen bei Morreale nicht selten.
M. Dysodea S. V. Mai im Thale Palla-gutta und bei Piana di grecci an Felsenwänden angetroffen.
* M. Bicolorata Hufn. (Serena S. V.) Mai bei Partenico und Parco , auch an Mauern, Steinen und Felsen.
* Dianthoecia Magnolü B. Anfang Juli auf den Monte gurecio bei S. Martino zwei Männer an Felsen sitzend gefangen.
*D. Conspersa S,. V. Juni auf den steilen Lehnen des Monte castellacio einige an Steinen und Felsenwänden angetroffen.
* Aporophyla Nigra Haw. (Aethiops OÖ.) die Raupen einzeln auf Asphodelus ; sie verpuppten sich im Juni und lieferten Ende September
den Falter. (Fortsetzung folgt.)
Verantwortliche Redaeteure: Julius Lederer wnd Ludwig Milier. Gedruckt bei Karl Veberreuter, Alservorstadt Nr. 146.
WIENER Entomologische Monatschrift.
Redaction und Expedition: In Commission bei Landstrasse, Blumengasse Nr. 116. Carl Gerold’s Sohn, Stadt Nr. 625. Nr. 4. III. Band. April 1859.
Verzeichniss der im Jahre 1858 in Sicilien gesammelten Schmetterlinge.
Von Jos. Mann.
(Fortsetzung...)
Polia rufieineta Hb. Aus unbeachteten Raupen erzogen. Schmetter- Iing im October.
Hadena didyma Esp. Im Juni an Gartenmauern bei Morreale und an Felsen im Thale Palla-gutta.
"RP. Latruncula S. V. Juni im Thale Palla-gutta auf blühenden Disteln nicht selten.
* Rhizogramma Petrorhiza Bkh. Anfang Juli bei S. Martino ein Weib an einem Olivenbaum gefunden. |
* Eriopus Latreillei Dup. Juni im Thale Palla-gutta auf einer 3rombeerenhecke ein verflogenes Männchen gefangen.
* Trachea Atriplieis L. Juni bei Morreale zwei Männer auf Pa- rietaria officinalis gefangen.
Brotolomia Meticulosa L. Mitte April an der Gartenmauer des botanischen Gartens in Palermo und am Monte pellegrino gefunden.
* Leucania Sieula Tr. Im Juni im Thale Palla-gutta auf blühen- den Disteln zwei Männer in den Vormittagstunden gefangen.
L. Vitellina Hb. Im Mai auf den steilen Lehnen des Monte medio zwei Männer in den Frühstunden an Steinen getroffen.
L. L. Album L. Anfang Mai bei Parco zwei Männer an Steinen sitzend gefunden.
* Tapinostola Musculosa Hb. Mai bei Partinico zwei Stück an einer Mauer gefunden, |
Wiener entomol. Monatschr. IN. Bd. 7
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* Caradrina Cubicularis S. V. Im April und Anfang Juli bei Palermo und Morreale an Steinen und Mauern sitzend angetroffen. C. Erigua Hb. Juni, im Thale Palla-gutta ein Männchen gefangen. g
* C. Superstes O. Im Juni an den Berglehnen des Monte Buare auf Echium einige gefangen.
* Orthosia Litura S. V. Von den mitgebrachten Puppen ent- wickelte sich im September ein Weibchen.
* Xanthia Gilvago S. V. Ebenfalls von den mit nach Hause gebrachten Puppen ein Exemplar erhalten.
* Calophasia lunula Hufn. (linariae S. V.). Juni, im Thale Palla-gutta an dürren Pflanzenstengeln sitzend gefunden.
* Cleophana Antirrhini Hb. Im Juni bei S. Martino und S, Giuseppe ebenfalls an Pflanzenstengeln.
* C. Serrata Tr. Im Juni im Thale Palla-gutta auf einer blühen- den gelben Distel ein Stück gefangen.
* C. Dejeani B. Juni, im Thale Palla-gutta, bei S. Martino und Bocca di falco an dürren Pflanzenstengeln angetroffen.
* Cueullia Verbasci L. Bei Morreale die Raupen erwachsen auf Verbascum im Juni gefunden; im September erschienen die Falter.
* CO. Thapsiphaga Tr. Im Juni in dem Thale Palla-gutta auf Verbascum die Raupen erwachsen gefunden ; die Falter erschienen im September und October.
* C. Tanaceti S. V. Juni; die Raupen ebenfalls im Thale Palla- gutta auf Verbascum gefunden; die Falter im September.
* Furhipia Adulatrie B. Im Mai bei Morreale ein Stück auf Parietaria officinalis gefangen.
Plusia Triplasia L. Juni, auf Parietaria ein Weib gefangen.
P. Gamma L. Im April bis Juli in der ganzen Gegend um Mor- reale auf Berglehnen und Bergen in den Vor- und Nachmittagstunden gellogen.
P. Chaleitis Hb. Im Mai bei Morreale ein Männchen aus einem Olivenstrauch herausgescheucht.
P. Ni Hb. Anfang Juli bei S. Martino im Park auf Lavendula- Blüthen einige abgeflogene Stücke gefangen.
* Heliaca Tenebrata Scop. (Heliaca S. V.) Im Mai auf den Berglehnen des Monte medio, Buare und Gurcio nicht selten.
* Heliothis Dipsacea L, Mai; im Thale Palla-eutta in den Vor- mittagstunden auf Ononis spirosa-Blüthen nicht selten. Im Juni fand
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ich auch erwachsene Raupen, welche sich Anfang Juli verpuppten und Ende August die Falter lieferten , diese sind um ein Dritttheil kleiner als die im Mai gefangenen.
H. Peltigera S. V. Im Juni bei Morreale, S. Giuseppe etc. auf Berglehnen und dürftigen Hutweiden nicht selten ; doch die meisten ganz verflogen.
H. Armigera Hb. Im Juni bei S. Martino zwei Männer auf einer blühenden Distel gefangen; sie waren ziemlich abgeflogen,
= Chariclea Umbra Hufn. (Marginata F.) Anfang Juli auf der Höhe von S. Giuseppe ein schönes Männchen auf einer Distel gefangen.
Acontia Lucida Hufn. (Solaris S. V.) Von Mitte April bis Anfang Juli, bei Palermo, Bagaria und in der ganzen Gegend um Morreale sowohl in Thälern wie auf Bergen nicht selten.
A. Luctuosa S. V. Ebenfalls vom April bis Juli nicht selten.
Thalpochares Suava Hb. Mitte Juni auf den Lehnen des Monte medio, und auf der Höhe von S. Giuseppe einige Männer gefangen,
T. Veloz Hb. Juni und Anfang Juli im Thale Palla-gutta an Felsenwänden vorkommend. Die Exemplare sind viel grösser als die dalmatinischen. Selten.
T. Amoena Hb. Im Juni auf den Lehnen des Monte castellaccio zwei Männer gefangen ; auch ziemlich gross.
T. Ostrina Hb. Mitte Juni und Anfang Juli in der ganzen Um- gebung von Morreale auf Distelplätzen. Ich fing sie in allen Farben- abstufungen , violett, rosa, braun, gelb und schmutzig weiss; auch die Grösse ändert, da Exemplare in der Grösse von Purpurina und wie die kleinste Parva vorkaınen.
T. Parva Hb. Anfang Juli im Thale Palla-gutta auf den gelb- blühenden Disteln gefangen.
* Erastria Pyrarga Hufn. (Fuscula S. V.) Im Juni bei S. Martino im Parke aus Haselstauden gescheucht.
* Prothymia Laccata Scop. (Aenea S. V.) Im Mai auf Berg- lehnen nicht selten.
Ayriphila Sulphuralis L. (Sulphurea S. V.) Juni in Thale Palla-gutta in Getreidefeldern nicht selten; auch bei Morreale im Juli auf Weizenstoppeln.
Metoponia Vespertalis Hb. eye Tr.) Juni im Thale Palla-gutta einige auf Berglehnen gefangen ; sie sind blässer als die dalmatiner und türkischen.
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* Metoptria Monogramma Hb. Juni auf dem Monte medio, auf Erica arborea in den Vormittagstunden geflogen.
* Euclidia Mi L. Juni im Thale Palla- gutta auf Grasplätzen an dem Bächchen nicht selten in den Vormittagstunden. Viel grösser als die hiesigen, und die Färbung sowohl oben als unten weiss.
* E. Glyphica L. Mai und Juni im Thale Palla-gutta, und bei Partinico nicht selten.
Leucanitis Stolida F. (Cingularis H’b.) Mitte Mai auf der Lehne des Monte pellegrino. Bei Morreale sah ich keine.
* Grammodes Geometrica Fab. Den 20. Mai am Monte pelle- grino ein Weib gefangen.
@. Algira L. Im Juli auf der Höhe von S. Giuseppe ein ein- zelnes verflogenes Männchen gefangen.
* Spintherops Spectrum Fab. Bei S. Martino die Raupen Mitte Juni erwachsen, auf Spartium; die Falter erschienen von Anfang Juli bis Anfang August.
S. Dilucida Hb. Aus meinen eingesammelten Raupen erhielt ich Anfang Juli einige Falter; ein Männchen kroch mir noch zu Hause den 3. August aus.
* Herminia Crinalis Tr. Im Juni bei Parco einige aus Parieta- ria offieinalis gescheucht.
= H. Tentacularis L. (Tentaculaüis S. V.) Juni im Thale Palla- gutta auf steilen Berglehnen um Farrenkräuter nicht selten in den Morgenstunden. |
= H. Derivalis Hd. Anfang Juli bei Partinico einige um Sumaceo- Pflanzungen gefangen.
* Hypena Antiqualis Hb. Ende Juni im Parke bei S. Martino zwei Männchen gefangen.
* H. Proboscidalis L. Juni nicht selten auf Parietaria officinalis in der Umgebung von Morreale.
"H. Obesalis Tr. Juni im Thale Palla-gutta auf Parietaria of- ficinalis einige gefangen.
* Rivula Sericealis Scop. Mai, an der Quelle bei dem Kirch- chen S. Rosalia gefangen.
Pseudoterpna Coronillaria Hb. Mai bis Ende Juni bei Morreale auf den Lehnen des Monte castellaccio, Monte medio , Buare bis auf den Gipfel, und im Thale Palla-gutta an Felsen und Steinen in den Morgenstunden gefunden. Leider waren die meisten abgeflogen , oder
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hatten Risse in den Flügeln. Sie setzen sich , wenn sie aufgescheucht werden, niemals ins Gras, sondern stets an Steine oder Felsen.
= Phorodesma Smaragdaria F ab. Den 20. Juni bei S. Martino auf Thymus ein Weib gefangen.
Nemoria Cloraria Hb. Im Mai bei Partinico ein verflogenes Weib gefangen.
#=N. Fimbriata Hufn. (Aestivaria Hb.) Anfang Juli auf dem Monte medio,, und bei S. Martino um Artemisiae einige gefangen. Die Exemplare sind grösser als die hiesigen.
* Thalera Thymiaria L. (Büpleuraria S. V.) Ende Juni am Monte Gureio ein Weib auf Artemisia gefangen.
Acidalia Ochreata Scop. Juni im Thale Palla-gutta auf den kleinen Grasplätzen neben dem Bächchen in den Vormittagstunden ge- fangen; sie sind grösser als die hiesigen.
* A. Asbestaria Z. (Pinguedinata Var.?) Ende Mai bei Morreale . einige gefangen.
* A. Calcearia H.-Sch. Mai bei Morreale an Mauern auf Epheu gefangen.
* 4. Camparia H.-Sch. Juni bei Parco einige an Mauern und Steinen sitzend, gefangen.
* A. Efflorata Z. Anfang Juni einen Mann von einem Johannes- brotbaum abgeklopft.
A. Filicata Hb. Juni nicht selten im Thale Palla-gutta auf Farrenkräutern, in den Vormittagstunden.
* A. Litigiosata Rb. Zwei Weibchen an Felsen des Palla-gutta Thales.
* A. Pusillaria H. Mai, im Zimmer in Morreale gefangen.
* A, Circuitaria Hb. Am 18. Mai bei Palermo auf der Berglehne des Monte pellegrino; im Juni im Thale Palla-gutta auf sonnigen Berglehnen gefangen.
= A. Ostrinaria H. Juni auf dem Monte Gurcio um Gesträuch gefangen.
A. Ruficostata Z. Mai bei Palermo an Mauern wo Epheu wuchs drei Stück gefangen.
A. Degeneraria Hb. Juni an der Berglehne des Monte Buare auf Sumacco-Pflanzen gefangen, auf der Höhe von S. Giuseppe einige um Disteln gefunden.
* A. Rubricata S. V. Mai und Juni nicht selten auf der Lehne des Monte medio und im Thale Palla-gutta.
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A. Aridata Z. Juni im Thale Palla-gutta am Bache um Disteln am Monte medio und S. Martino auf Berglehnen gefangen.
A. Immutata L. Im Mai und Juni nicht selten an Mauern und Steinen in der Umgebung von Morreale.
A. Confinaria H.-Sch. Juni bis Anfang Juli in der Umgebung von Morreale au Felsen und Mauern.
*A. Submutata Tr. Im Thale Palla-gutta an Felsen und Mauern, heller gefärbt und schärfer gezeichnet als gewöhnlich.
* A. Mutata Tr. Mai und Juni in der Umgebung von Morreale und Palermo an Mauern, Steinen und Felsen vorkommend.
A. Emutaria H. Mitte Mai von meiner Frau ein Weib an einem überhängenden Felsen gefangen.
A. Imitaria Hb. Juni; bei S. Martino einige im Parke aus Sträuchern gescheucht.
A. Paludata L. (Ornata Scop.) Mai und Juni nicht selten in der ganzen Gegend von Morreale.
*= A, Decorata S. V. Im Juni und Juli auf den Berglehnen bei Morreale, Partinico, St. Giuseppe etc. nicht selten.
Zonosoma Pupillaria H. 69. Anfang Juli bei S. Martino im Park ein Stück gefangen.
Petlonia Sicanaria Z. Ende Mai bis Ende Juni auf den Lehnen des Monte medio, Buare und den Berglehnen im Thale Palla-gutta, in den Vor- und Nachmittagstunden gefangen ; die Weiber seltener als die Männer.
* Terpnomieta Cognaltaria Mann. (Permutataria Hb. 504). Mitte Mai ein Männchen bei Morreale von einer Wollweide abgeklopft.
* Rumia Crataegata L. Mai und Juni in Gärten von Obstbäumen gescheucht,, im Thale Palla-gutta auf Farrenkraut gefangen.
* Apochima Flabellaria Heeg. Ende April eine junge Raupe auf Ringelblumen gefunden, welche ich fütterte und sich Ende Juni ver- puppte, doch bis jetzt noch keinen Falter lieferte.
* Hemerophila Abruptaria Thbg. (Petrificata Hb.) Anfang Juni ein Männchen bei Morreale gefangen.
Boarmia Rhomboidaria S. V. Mai und Juni bei Morreale an Mauern und an Felsen nicht selten.
* B. Selenaria S. V. Juni bei Partinieo an einem Steine ein abgeflogenes Männchen gefunden.
Sthanelia Hippocastanaria H. Anfang Mai auf dem Monte medio auf Erica arborea einige gefangen; waren meist schon verflogen.
103 * Gnophos Sartata T'x. Mitte Juni bis Juli im Thaje Palla-gutta an Felsenwänden in den Morgenstunden gefangen, sie sind sehr weiss- grau mit Seidenglanz, während die Dalmatiner dunkelgrau und ohne Glanz sind.
*@. Variegata Dup. H.-Sch. 503—4. (Mucidaria H.-Sch. 266—68). Mai bis Ende Juni im Thale Palla-gutta an Felsenwänden, die Färbung gelber als die Fiumaner.
*@. Mucidata H.-S ch. 502. (Hb. 1489) Mitte April am Monte pellegrino und bei Morreale an Felsenwänden. Dass diese Art nicht mit Variegata zusammenfallen kann, lehren schon die hier kamm- zähnigen, bei Variegata blos gekerbten männlichen Fühler. Nach Herrn Bruand’s Mittheilung sind auch die Raupen weit verschieden.
* Athroolopha Chrysitaria Hb. Ende April fand ich auf dem Monte medio die Raupen auf Erica arborea, welche sich Mitte Mai verpuppten; sie gingen in die Erde und machten sich in derselben ein Gespinnst. Mitte bis Ende Juni krochen die Falter aus. Im Freien flogen an den steilen Gebirgslehnen im Thale Palla-gutta die Männer von 9—11 Uhr Vormittags in ziemlicher Anzahl, doch konnte ich des unsteten Fluges wegen nur wenige bekommen, und diesen fehlten mei- stens die Fransen. Weiber fand ich nur zwei Stück ganz nahe der Erde im Grase sitzend; die Zucht lieferte mir aber so viele Weiber als Männer.
Thamnonoma Semicanaria Freyer. Mitte April an den Berg- lehnen des Monte castellaccio, medio, Buare im den Morgen- und Nachmittagstunden ziemlich selten geflogen. Ebenfalls sehr schwierig zu fangen; fliegt sie auf, so fliegt sie in langen Strecken, verkriecht sich tief in das Schneidgras und sitzt dann mit zusammen geschlagenen aufrecht stehenden Flügeln wie die Tagfaiter; da ihre Beschuppung äusserst zart ist, so ist sie auch von dem schneidigen Grase bald beschädist. |
* Scodiona Conspersaria S. V. Im Mai auf Berglehnen an Steinen in den Morgenstunden gefunden. Die Exemplare sind sehr gross , silberweiss, mit starken schwarzen Punkten auf den Vorder- flügeln.
Aspilates Citraria Hb. Anfang Mai und Ende Juni auf Berg- lehnen und Hutweiden in der sämmtlichen Gegend um Morreale ge- funden.
* Scoria Dealbata L. Mitte Juni, im Thale Palla-gutta an den
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Rändern des Bächchens geflogen. Auf der Unterseite sind die Adern sehr verloschen.
* Aplasta Ononaria Fuessly. Anfang Juli auf der Höhe von S. Giuseppe auf einer Hutweide ein Weibchen gefangen.
Sterrha Sacraria L. Juni im Thale Palla-gutta und auf den Berglehnen des Monte Gurcio in den Vormittagstunden um Weizen- felder geflogen , sie ist in dieser Gegend selten.
* Mesotype Virgata Hufn. (Lineolata S. V.) Mitte April bei Bagaria auf einer Hutweide einige Männer gefangen.
* Minoa Fuscata Hufn. (Euphorbiata S. V.) Mai auf den Lehnen des Monte medio nicht selten; die Färbung ist wie bei den hiesigen Stücken.
Anaitis Plagiata L. Juni, nicht selten um Morreale an Steinen und Mauern.
* Triphosa Dubitata L. Anfang Juli in einer Felsenschlucht bei Partinico ein Männchen gefangen.
* Cidaria Ablutaria Bd. Mitte April im Thale Palla-gutta an Felsenwänden einige gefangen , fast alle abgeflogen.
C. Fluctuata L. Von Mai bis Juni nicht selten in der Gegend von Morreale an Mauern, Steinen und Felswänden.
* C. FerrugariaL. Juni im Thale Palla-gutta auf Farrenkräutern nicht selten.
*C. Gemmata Hb. Anfang Mai und Mitte Juni einige bei Mor- reale und S. Martino an Mauern gefangen.
C. Galiata S. V. Anfang Mai bis Anfang Juli nicht selten in der Umgebung von Morreale und Palermo an Steinen, Mauern und Felsen- wänden. Die Färbung ist sehr blass gegen die hiesigen Exemplare, welche sehr dunkel sind.
*C. Alchemillata L. Im Juni im Thale Palla-gutta auf Farren- kräutern nicht selten.
C. conspectariam. (Tf.1 Fig. 2, 3.) En Weibchen dieser Art, die das k. Museum in Mehrzahl aus Madeira besitzt, entwickelte sich aus meinen mitgebrachten Puppen am 16. November. Dass es nicht €. bistrigataT r. sein kann, ergibt sich aus Treitschke’s Beschreibung , wo Kopf, Rücken und Vorderflügel weisslich, die Hinterflügel trübgelb mit weissen Wellenlinien genannt werden; auch steht meine Art den männlichen Fühlern zufolge weit näher an ©. Zigustraria als an bilineata und besitzt das k. Museum ein Dah l’sches Bistrigata-Weibchen, welches offenbar der C. bilineata zunächst steht und auch mit Herrich-
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Schäffer’s Fig. 62—63 übereinstimmt. Grösse und Habitus von C. ligustraria, nur die Hinterflügel am Innenwinkel weniger gerundet. Stirne mit spitzem Haarschopf, Palpen darüber vorstehend, horizontal. Zunge spiral. Beine anliegend beschuppt. Fühler beim Manne mit langen, dünn gestellten, nicht bis zur Spitze reichenden Kammzähnen, die weit länger als bei ©. lögustraria und allen Verwandten sind, beim Weibe borstenförmig; Rücken und Hinterleib rindenbraun. Die Vorderflügel führen ein rauchiges, matt schimmerndes Kupferbraun und haben die Zeichnungsanlage der C. Zigustraria, nur ist die Mittelbinde nicht so gleichmässig dunkel, wie es gewöhnlich bei dieser Art der Fall ist, sondern wird in der Mitte heller, besonders um den dunklen Strich auf der Querrippe. Die lichte Wellenlinie ist weiss, besonders in der Mitte scharf aufgeblinkt, an der Innenseite dunkler beschattet; die Fransen sind schwach gescheckt, die Hinterflügel wellenrandig etwas heller und matter als die vorderen, am Innenrande mit schwachen Anfängen dunklerer Wellenlinien. Die Unterseite ist gelbbraun mit dunkleren Mittelflecken und Wellenlinien, von denen die äussere Mittellinie am deustlichsten ist und sich auch über die Hinterflügel fortsetzt.
C. Bilineata L. Juni; um Morreale nicht selten.
* C. Riguala Hb. Juni; im Thale Palla-gutta einige auf Berg- lehnen gefangen.
*(C. Derivata S. V. Den 11. April bei Palermo an einer Mauer einen abgeflogenen Mann gefangen.
*=(C, Corticata Tr. (Alutacearia Bd.) Juni; bei Bocca di Falco und S. Martino einige an Mauern angetroffen.
* C, Vittalbata S. V. Juni; im Thale Palla-gutta auf Berglehnen einige gefangen.
* Eupithecia Gemellata Z. i.1, Juni; im Thale Palla-gutta in den Morgenstunden an Felsenwänden gefangen.
* E. Irriguata Hb. Anfang Juni zwei Stück bei Parco an einem Nussbaum gefangen.
* E. Pumilata Hb. Den 13. April bei Sferro cavallo einige von Olivenbäumen abgeklopft.
* E. Absynthiata L. (Minutata S. V.) Juni bei Morreale an der Strassenmauer zwei Männer in den Morgenstunden gefangen.
E. Centaureata S. V. Mai, im Thale Palla-gutta auf Berglehnen um Disteln einige gefangen.
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E. Breviculata D z. Im Juni im Thale Palla-gutta auf einer steilen hohen Berglehne auf Farrenkraut gefangen; sie hat die Eigenschaft, dass sie sich stets auf die Unterseite der Blätter setzt, ist daher schwierig zu finden und zu fangen.
*E. Venosata Fab. Mai; bei Partinico und Parco einige an Felsenwänden und Mauern gefangen.
* FE. Rectangulata L. Juni; in einem Garten um Obstbäume mehrere gefangen.
* Aglossa Pinguinalis L. Im Juni in Morreale in Gebäuden an Wänden; auch fing ica am. Monte castellaceio ein sehr grosses Weib in einem Mauerloche,
A. Cuprealis Hb. Mai und Juni in Morreale im Zimmer mehrere Männer gefangen.
Asopia Farinalis L. Mai; Morreale in Gebäuden nicht selten.
= A. Rubidalis S. V. Ende Juni bei S. Martino im Parke einen Mann gefangen.
* A. Costalis F. (Fimbrialis S. V.) Mai; auf der Lehne des Monte pellegrino einige gefangen.
*A. Glaucinalis L. Juni, in Thale Palla-gutta auf Disteln einige gefangen.
Pyralis Netricalis Hb. Juni, im Thale Palla-gutta in den Vor- mittagstunden auf einer sehr hohen Berglehne, und bei S. Giuseppe auf einer Hutweide geflogen; die Männer waren häufig, jedoch die Weiber sehr selten.
P. Corsicalis Dup. Tafel 230 Fig. 7. Mein einzelnes Anfangs Juli bei S. Martino gefangenes Männchen stimmt ganz mit Dupon- chel’s Abbildung und Beschreibung und steht im Habitus und Fühler-