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PHYSIOLOGIIS.

Nach einer Handschrift des XL Jahrhunderts

zum ersten Male

her aus gegeb en und erläutert

von

Dr> Gustav Heider,

k k. Ministerial-Conciplst , Archivar des Wiener allgemeinen Witwen- nnd Waisen-Pensions-Instituts, wirkliches Mitglied des Museum Francisco - Carolinum zu Linz und des Vereins von Alterthumsfreunden für die Rheinlande zu Bonn, correspondirendes Mitglied des sächsisch - thüringenschen Vereins für Erforschung des vaterländischen Alterthums zu Halle und des historischen Vereins für das Grossherzogthum Hessen, Ehrenmitglied des Vereins für vaterländische Alterthümer in Zürich.

Mit fünf Tafeln Abbildungen.

-<§§>-

Wien.

Aus der kaiserlich-königlichen Hof- und Staatsdruckerei:

1851.

JKEemn-

Besonderer Abdruck aus dem von der kais. Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Archive für Kunde österr. Geschichtsquellen.

1*

.

Digitized by the Internet Archive in 2015

https://archive.org/details/physiologusnacheOOheid

Eine wichtige Quelle zur Erklärung der christlichen Kunst- denkmale und zugleich ein interessanter Beitrag für die Denk- und Anschauungsweise unserer Voreltern sind die in frühester christlicher Zeit und im späteren Mittelalter so häufigen Phy- siologen und Thierbücher j in welchen gewisse theils wahre, theils erdichtete Eigenschaften der Thiere zum Anknüpfungs- und Ausgangspunkte einer oft sehr dichterischen Symbolik gemacht werden.

Ueher die Entstehung dieser Physiologen fehlen bestimmte Nachrichten, doch ist es nicht schwer, sich dieselbe zu erklären.

Schon Griechen und Römer bestrebten sich, die Nach- richten über die Natur und Eigenschaften der Thiere zu sam- meln und durch eigene Beobachtungen und Erfahrungen zu er- gänzen, und es konnte nicht fehlen, dass schon bei ihnen, denen die ganze Natur von Göttern belebt erschien, nicht jene prosaische Nüchternheit der Beobachtung durchdrang, welche in unserer Zeit die Naturwissenschaften so mächtig hob. So ist schon bei ihnen mehr eine Thier fab el als eine Naturgeschichte der Thiere zu finden, wozu noch kam, dass sie über viele dieser Thiere die Nachrichten von Völkern überkamen, bei welchen theils die Verehrung der Thiere mit der Religion im engen Zu- sammenhänge stand, wie z. B. bei den Egyptern, oder von solchen, bei welchen noch die erste Naturanschauung in poeti- scher Frische vorherrschend war, der es eigenthümlich ist, das Belebte in tiefster Fülle aufzufassen und wieder zu gestalten. Es darf uns daher nicht wundern , wenn wir in vielen unserer mittelalterlichen Thiersagen bis zu den Griechen und Römern zurückgeführt werden.

Dass von der Einführung des Christenthums, welches dem ganzen Leben eine neue Gestaltung bereitete , auch die Wissenschaftskreise nicht unberührt blieben , vielmehr diese in

4

den innigsten Zusammenhang mit der Religion gesetzt wurden, ist eine bekannte Thatsache , und wenn auch nicht in Abrede gestellt werden kann, dass diese Dienstbarkeit, in welcher das ganze Mittelalter hindurch die Wissenschaft zur Religion und zur Kirche stand, häufig einen Stillstand in derselben zur Fol- ge hatte , so war diess doch zur völligen Durchdringung der christlichen Anschauung in alle Kreise des Lebens höchst för- derlich und hat eine Einigung und Stärkung hervorgebracht, die ohne diese Elemente schwer erreichbar ist.

Eine solche Umgestaltung nun durch das Christenthum haben auch schon in früher Zeit die Thiergeschichten der alten Welt erfahren. Man begnügte sich nicht, den vorliegenden Stoff in seiner überkommenen Form aufzunebmen und wiederzu- geben, auch fehlte hiezu das Interesse, das in der Sache selbst kaum zu finden war, sondern man ging daran , das Ganze in christ- liches Fleisch und Blut umzugestalten, und den Stoff, der ferne zu liegen und unfruchtbar zu sein schien, in den nächsten Zu- sammenhang zum Glauben zu stellen und für die Willensrichtung fruchtbringend zu machen.

Den nächsten Anstoss hiezu gab die symbolische Rich- tung der ganzen Zeit überhaupt, welche in allen Anfängen einer neu auftauchenden Lebensrichtung vorherrschend ist und die Ge- heimnisse der neuen Lehre in einer dem Verständnisse schon zu- gänglichen Form vor Augen führt.

Dass bei den Bedrängnissen, welche das Christenthum in der ersten Zeit zu erdulden hatte , und welche die Eingeweihten dazu führten, sich in unverfänglichen Zeichen als Theilnehmer Eines Glaubens gegenseitig kennbar zu machen, diese Symbolik eine wichtige Stütze erhielt, kann nicht in Abrede gestellt wer- den 5 doch eben den Zug, sich in Symbolen zu einigen, theilt diese Zeit mit der späteren, und er ist der christlichen Kirche nicht zufällig zugekommen, sondern in ihrem innersten Wesen begründet. Sind doch alle Geheimlehren der Kirche nur in sym- bolischer Weise zum Verständnisse gebracht *).

*) So sagt der Arropagite St. Denys (Hierarchia celestis c. II.) : Magis est conveniens, quod divina in scripturis tradantur sub figuris vilium corpo- rum, quam corporum nobilium.

5

Dass aber vorzüglich die Thierfabel schon in früher Zeit als ein dankbarer Stoff aufgegriffen wurde, um in ihr die tiefsten Wahrheiten des christlichen Glaubens in lebendiger Weise zur Anschauung zu bringen und dem Verständnisse durch den Vergleich mit dem Sinnlich-nahen und theilweise Bekannten näher zu rücken, und dass dieser Zug das ganze Mittelalter hindurch vorherrschend blieb, war in der Fülle der T hi e rsy mb ol e begründet, welche in den Schriften des alten und neuen Testaments nieder- gelegt sind, und auf welche die Kirchenväter und die Erklärer desselben immer wieder zurückgeführt wurden.

Auch war hiebei die nächste Veranlassung gegeben, die theils schon vorliegenden Beziehungen zu erweitern und zu ergänzen, und die daraus sich auf christlichem Gebiete ergebenden Nutzan- wendungen zu entwickeln , theils noch nicht Gegebenes daran zu knüpfen, auf welche Weise nach und nach jene grossen Kreise der Symbolik ausgebildet wurden, welche wir fast auf jedem mittelalterlichen Kunstwerke , welches den Zwecken der Kirche zu dienen bestimmt war, von den grossen Domen herab bis zum Pastorale und dem kleinsten Kirchengeräthe mehr oder vreniger in Anwendung gebracht finden.

Aus der Vereinigung der Symbole der heiligen Schrift mit den Thiergeschichten des Alterthums und den mannigfachen hinzugetretenen Fabeln und Mythen des Mittelalters bildeten sich nun nach und nach jene christlich- symbolischen T hier- geschichten aus, welche von Alters her unter dem Namen P h y- siologus zusammengefasst wurden, welche uns in einigen Wer- ken des früheren und in vielen des späteren Alterthums aufbewahrt sind, woraus die Vorliebe ersichtlich wird, mit welcher man einer solchen vom christlichen Geiste durchdrungenen Naturauffassung entgegen kam.

Auch die bild ende Kunst bemächtigte sich dieses Stoffes in mannigfach wechselnder Weise, und man wusste so dem Bedürf- nisse der Kunstgestaltung und des Schmuckes mit einem Kreise von Darstellungen entgegenzukommen, der diesem Bedürfnisse ebenso sehr genügte, als der symbolischen Richtung der Zeit, die in Allem, und daher vorzüglich in den dem Kirchendienste geweih- ten Bauten und Gegenständen ein Abbild ihres Glaubens erblicken wollte.

6

Unter den Beziehungen aber, welche aus der Fabelwelt der Thiere auf das Feld des christlichen Glaubens verpflanzt wur- den, überwiegen bei weitem jene, welche uns den Gegensatz des Guten und Bösen, Christus und des Teufels vor Augen stellen , und in welcher wir den tiefsten Zwiespalt unserer Natur, welcher fast bei allen Völkern als Gegensatz zweier feind- licher Gewalten aufgefasst und in den geheiligten Glauben aufge- nommen wurde, zur Darstellung gebracht sehen.

Nur in wenigen Fällen, oder erst in späterer Zeit, wo die Strenge des kirchlichen Glaubens schon aufgelockert und dieWill- kühr in Wissenschaft und Kunst sich geltend machte, erging man sich in mehr moralischen Betrachtungen, und in kühleren Nutzan- wendungen, und bahnte so der modernen Thierfabel den Weg.

Was den Nutzen dieser Physiolog en für archäologische Kunstforschungen anbelangt, so wird denselben Niemand verken- nen, der einerseits den Reichthum des Stofles kennt, der noch der Bearbeitung entgegensieht, anderseits aber der Art und Weise nicht fremd geblieben ist, mit welcher nur zu häufig an die Erklä- rung mittelalterlicher Kunstdenkmale gegangen wird. So ist es geschehen, dass man, ohne sich mit der Anschauungsweise jener Zeit zu befreunden, welcher diese Denkmale ihre Entstehung ver- danken, dieselben zum Anknüpfungspunkte willkührlicher Symbo- lisirungen und moralischer Nutzanwendungen machte und sich be- gnügte, ohne viele Mühe und doch mühselig eine Deutung zu Stande gebracht zu haben, die aber, aller festen Grundlage entbeh- rend, ebenso leicht durch eine andere verdrängt werden konnte. Erst der neuesten Zeit und in dieser vorzüglich dem Ernste und der Gründlichkeit einiger Forscher in Frankreich gelang es, dieser Willkühr entgegen zu treten und sie theilweise zu bannen. Das Studium der Kirchenväter bot hiezu eine reichliche Ausbeute und die Aufmerksamkeit der Forscher wurde allenthalben auf jene Werke geleitet, aus denen sich ein richtiger Blick in die Denkweise verflossener Zeiten gewinnen liess, daher schon gegen- wärtig des Jacobi a Voragine legenda aurea , des Durand’s Ratio- nale divinorum officiorum, die Werke des Thomas ab Acquino und das Studium der mittelalterlichen Physiologen zu unentbehrlichen archäologischen Apparaten geworden sind, ohne welche, ver- bunden mit einem weiten Umblick auf die Kunstdenkmale

selbst, kaum irgend ein befriedigendes Resultat erzielt werden kann *).

Von diesen Phy sio 1 o ge n nun, auf welche sich schon die früheren Kirchenväter beziehen und auch theilweise Stellen dar- raus anführen, ist der älteste und vollständig erhaltene jener des Erzbischofs von Constantia, des h. Epi- phaniis aus dem 4. Jahrhundert , welcher unter dem Titel „7 i£pi tqv (pvGLo'Xoyov auf uns kam und zwanzig verschiedene Thiere behandelt. Unter diesen sind einige, welche wir in den folgenden Physiologen nicht mehr finden, wie der Ur, der Geyer, die Turteltaube, der Pfau, die Biene, die Frösche, der Specht und der Storch. Im Vergleiche zu den übrigen Physiologen aus späterer Zeit sind die Deutungen und symbolischen Bezüge der Thierfabel kurz gefasst und nicht mit jener reichen Fülle von Belegstellen aus den Schriften des alten und neuen Testamentes ausgestattet und mit so mannigfachen Beziehungen durchwoben, wie die späteren. Eine mit reichen Anmerkungen versehene und mit guten Holzschnitten geschmückte Ausgabe ist zu Rom 1587 (von Ponce de Leon) erschienen.

Der Zeit nach schliesst sich an das Fragment eines althoch- deutschen Physiologus aus dem 11. Jahr hundert nach einer Handschrift der Wiener Hofbibliothek in Dr. Hoff- mann’s Fundgruben für Geschichte deutscher Sprache und Litera- tur I. S. 17. veröffentlicht 3). Er behandelt nur 12 Thiere und

*) So sagt M. E. Cartier in seiner in dem Congres scientifique de France XV. Session gelesenen Abhandlung: du Symbolisme chretien dans l’art (Tours 847). pag. 50 : L’etude des bestiaires est tres importante en ar- cheologie. 11s se composent d’allegories basees sur de croyances popu- laires , tres-peu scientifiques , mais qu’il faut connaitre pour compren- dre les monuments, Je viens de decouvrir un sceau et un contre - sceau de XIII. siede , qui seraient inexplicables pour ceux , qui ne sauraient pas l’histoire du Cerf qui avale un serpent dans une fontaine. II en est de meme du Lion, qui donne la vie ä ses lionceaux, mort-nes, du Peli- can qui ressuscite ses enfants, de l’Aigle, qui se rejeunit etc. a) Enthalten in dem Cod. Phil. CCXIV. Fol. 31 34. Den Anfang dieses Physiologus theilt schon Lazius de gentium migrat. (1572) p. S1 mit; zuerst vollständig nach Schottky’s Abschrift bekannt gemacht durch Ha- gen in seinen Denkmalen. Bresl. 824, S. 50 56, jedoch mit vielen Feh- lern. (S. Hoffmann a. a. 0.)

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zwar der Reihe nach dieselben, wie die nächstfolgenden, mit Aus- nahme der Fulica und des Alfen, welche ihm fehlen.

Aus dem 12. Jahrhund e rt besitzen wir zwei althoch- deutsche Physiologen, die nur durch die Form sich unter- scheiden, und zwar einen prosaischen nach einer Handschrift der Wiener Hofbibliothek (Nr. 2721, früher Cod. theoh DCLIII) inHoffmann’s Fundgruben und in Massmanns : deutschen Gedichten des 12. Jahrhunderts. II. S. 311 abgedruckt und einen in ge- bundener Rede nach einer Handschrift des Vereins für die Geschichte und Landeskunde Kärntens mit treuer Wiedergabe der Abbildungen , zum ersten Male veröffentlicht von Professor Karajan in seinen deutschen Sprachdenkmalen des 12. Jahrhun- derts (Wien 1846, S. 70 100). Beide behandeln die gleiche Anzahl von 29 Thieren nnd stimmen dem Inhalte nach voll- kommen überein.

Ein dritter ebenfalls dem 12. Jahrhundert angehöriger Physiologius ist jener des Nordfranzoseu Philipp de Thaun in gebundener Rede und in altfranzösischer Sprache, welcher von W right in seinen Werken: Popular tr eatis es on Science wr i ttendur in g the middle ages London 1841 vollständig veröffentlicht wurde, und wovon Gr ässein seinen Beiträgen zur Literatur und Sage des Mittelalters, Dres- den 850, S. 69 und 74 einige Bruchstücke mittheilt. Welche Thiere er behandelt, und in welcher Beziehung derselbe zu den bereits angeführten Physiologen stehe, und zu dem, dessen Ver- öffentlichung hiermit gegeben wird, kann nicht angegeben wer- den, da Wright’s Werk in unsern öffentlichen Bibliotheken fehlt. Nach den von Grässe mitgetheilten Fragmenten weicht er in einigen Puncten der Thierfabel von dem althochdeutschen ab *).

*) Schnaase in dem 4. Bande seiner Kunstgeschichte (Düsseldorf 850, S. 369) theilt ein Bruchstück der Vorrede dieses liber bestiarius mit, wo- rin es heisst: liber iste bestiarius dicitur, quia imprimis de bestiis lo- quitur, secundario de avibus, ad ultimum autem da lapidibus. Sunt au- tem animalia, quae natura a Christo prona atque ventri obedientia ; in hoc denotatur pueritia. Sunt etiam volucres in altum volantes, quo desi- gnantur homines coelestia meditantes. v Et natura est lapidis , quod per se est immobilis ; ita nobis cum superis sit Deus ineffabilis.

Diesen angeführten Physiologen reiht sich auch der des Theobald,

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Diesem Physiologen nun schliesst sich der im Folgenden mitgetheilte an, welchen die Bibliothek des Klosters Göttw eih bewahrt. Er stammt nach der Schrift, von welcher auf Taf. I eine Probe mitgetheilt ist , aus dem XI. Jahrhundert und zwar wahrscheinlich aus dessen erster Hälfte.

ln Gross-Quart auf Pergament geschrieben enthält das erste Blatt eine Zusammenstellung mehrerer Alphabete und zwar fol- gen der Reihe nach alphabetum hebraicum, graecum , latinum, scythicum, marcomanum. Mit Blatt II beginnt unser P hy si olo- g u s , und nimmt 9 Quartblätter ein, die Schrift hat auslau- fende Zeilen mit trockenem Griffel gezogen, die Initialen sind ein- fach in rother, grüner und gelber Farbe, am oberen und unteren Rande stehen die auf die einzelnen Abtheilungen bezüglichen Verse in kleinerer Schrift , welche im Abdrucke der leichteren Uebersicht halber unmittelbar an die betreffende Abtheilung ange- reiht erscheinen. Manche dieser Abtheilungen sind durch die Ueberschrift des abgehandelten Thieres bezeichnet, bei manchen fehlt diese Bezeichnung. Den Sehluss des Manuscriptes macht eine, wie es scheint, von späterer Hand beigefügte Zeichnung eines Labyrinths *).

Die A nz ahl der angeführten Thiere ist 27, es sind genau dieselben, wie jene der beiden althochdeutschen Physiologen des 12. Jahrhunderts, welche nur um 2 Thiere,, nämlich den Affen und die Fulica, welche doppelt abgehandelt ist, reicher sind.

Bei den meisten dieser Thiere sind auf den Text bezügliche Abbildungen angebracht; oft finden sich deren bei Einem Thiere

Erzbischofs von Paris: de naturis duodecim animalium an, welcher in vie- len Klosterhandschriften aufbewahrt und öfters veröffentlicht ist. Er steht auch als ein nondum editum, was jedoch unrichtig ist, unter den Werken des Hildebertus Cenomanensis (f um 1134) in der Ausgabe von Beaugendre (Paris 1708, p. 1173), angeblich aus dem Grunde, weil er sich in einer Handschrift des 13. Jahrhunderts unter andern Schriften Hildebert’s vorfand. Bruchstücke [ eines altfranzösischen Physiologus finden sich auch in dem Werke : Martin und Cahier : Vitreaux de

Bourges.

4) Ueber diese Labyrinthe, durch welche Bittgänge vorgestellt werden sol- len, als welche sie in den Böden der Kirchen in Anwendung kämen, s. Kreuser: Christlicher Kirchenbau. Bonn 1850. I. S. 145.

2 *

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mehrere, wie z. B. bei den Löwen drei, bei den Syrenen, beim Adler und Pelikan je zwei Abbildungen; hingegen fehlt bei der Beschreibung des Panthers die Abbildung, für welche im Texte Platz gelassen ist, und bei dem Castor ist nur der Jäger, nicht aber das Thier, für welches ebenfalls der Platz offen gelassen ist, dargestellt.

Hingegen findet sich am Rande des Textes, welcher von dem Onager handelt, ein Affe abgebildet, obwohl seiner keine Erwäh- nung geschieht. Da aber in den beiden althochdeutschen Phisiolo- gen zwischen dem Onager und Elephas der Affe im Texte behan- delt ist, so scheint dieses auch in unserem Phisiologus der Fall gewesen zu sein und der bezügliche Text nur durch ein Versehen im Abschreiben oder aus irgend einem andern Grunde weggeblie- ben zu sein, während der Maler, darum nicht wissend, w ahrschein- lich nach einem vorgelegten Muster die Thiere hinzumalte.

Was den Charakter dieser Bilder anbelangt, so sind dieselben der Zeit, welcher sie ihre Entstehung verdanken, ange- messen bloss in farbigen Linienumrissen, wechselnd zwischen roth, grün, violett und gelb. Die Zeichnung bei einigen derselben ist sehr sicher und bestimmt, doch stehen sie im Ganzen hinter den von Prof. Karajan veröffentlichten Abbildungen zurück, in den Darstellungen hingegen herrscht zwischen beiden eine leicht er- kennbare Aehnlichkeit. Um einen Vergleich möglich zu machen, sind auf Tafel II. bis V. einige dieser Thierdarstellungen unseres Phisiologus abgebildet, und zwar:

Taf. II. 1. u. 2. Löwen, 3. Sirenen, 4. Onocentaurus, 5. Onager.

Taf. III. 6. Affe, 7. Elephant, 8. Autula.

Taf. IV. 9. Serra, 10. Hirsch, 11. Capra.

Taf. V. 12. Vulpes, 13. Nachteule, 14. Fulica, 15. Strauss, 16. Caradrius.

Was den Inhalt unseres Phisiologus anbelangt, stimmt der- selbe so genau mit den beiden althochdeutschen des 12. Jahr- hunderts überein, dass es wohl keinem Zweifel unterliegt, dass diese aus ihm, oder wenigstens mit ihm zugleich aus einer gemeinsamen uns unbekannten Grundlage hervorgegangen sind. Denn, inwiefern der lateinische Phisiologus dem 11. Jahrhundert vollständig angehöre, oder nur die Abschrift oder Bearbeitung eines schon älteren sei, wie ihn auch die Aufschrift obwohl irrig als ein Werk des H. Crisosto-

11

mus bezeichnet A), lässt sich bei dem gegenwärtigen Stande der For- schung nicht entscheiden, wiewohl nicht geläugnet werden kann, dass die Art und Weise, wie hier von der Thierfabel der Ueber- gang zur Symbolik gemacht ist, von jener des H. Epiphanins be- deutend verschieden sei und in der vorgeschrittenen Künstlichkeit und ausgedehnten Berufung und Anführung von Schriftstellen einer späteren Zeit, als jener des H. Crisostomus anzugehören scheine.

In der Reihe der früher angeführten vollständig er- haltenen Phisiologen nimmt er die zweite Stelle ein

1) In den Ausgaben des Crisostomus findet sich dieser Physiologus nicht. Die Wiener Hofbibliothek besitzt zwei Abschriften dieses Pseudo-Crisos- tomus.

Die ältere, dem 12. Jahrhundert angehörend, auf 9 Blättern folio geschrieben, ist mit Abbildungen versehen, welche jedoch bei weitem unbeholfener und roher sind, als jene unserer Handschrift, ohne eben desshalb den Charakter einer früheren Zeit an sich zu tragen. Einige Darstellungen, wie z. B. jene der Hyäne, des Elephanten, der Eidechse und des Hirschen stimmen mit denen der Göttweiher Hs. vollkommen überein, die übrigen sind jedoch mehr oder weniger abweichend. Auch die uns fehlenden Thiere , wie der Panther und Castor finden sich abge- bildet, hingegen fehlt bei dem Phönix die Abbildung.

Der T ext stimmt mit der Göttweiher Hs. völlig zusammen, nur fin- den sich zum Schlüsse noch die dieser fehlenden Worte : Sic erit ed scriba in regno colorum qui profert de thesauro suo nova et vetera, hingegen fehlen die in unserer Hs. den einzelnen Abschnitten zur Er- klärung beigesetzten Verse.

Auch die auf dem 1. Blatte unserer Hs. vorgezeichneten Alphabete finden sich in diesem Codex , jedoch getrennt von dem Physiologus, indem zwischen beiden eine andere Abhandlung eingeschoben erscheint.

Denis spricht bei Beschreibung dieser Handschrift (Nr. 1010) Co- dex. Ms. Theol. vol. I. p. 590 die Vermuthung aus, der in vielen Stellen angeführte Physiologus sei jener des h. Theobald: de naturis duode- cim animalium, welcher im späteren Mittelalter sehr bekannt und verbrei- tet war. Dass jedoch diese Meinung unrichtig sei, beweist der Umstand, dass schon der h. Epiphanius in seinem Physiologus , sowie Origines in Genesim Hom. XVII. sich auf einen früheren Physiologus als auf ein bekanntes und zur allgemeinen Geltung gekommenes Werk beziehen.

Die zweite dem 13. Jahrhundert angehörende Handschrift (Supl. 502) ist mit kleiner Schrift, welche in ihrem Charakter mehrfach wech- selt, auf 7 Blättern Octav geschrieben , ihr fehlen die Abbildungen und Verse. Zum Schlüsse stehen die schon angeführten Worte , nur liest man nach scriba noch das Wort doctus. Sonst ist sie unserer Hs. ganz gleichlautend.

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und reiht sich dem Alter nach jenem des heil. Epiphanius un- mittelbar an, den er aber in der Menge der gedeuteten Thiere, sowie in dem Reichthum der Bezüge bei weitem übertrifft. Schon aus diesem Grunde dürfte die Veröffentlichung desselben als einer reichen Quelle für archäologische Forschungen gerechtfertigt erscheinen. Um so mehr, da bei der Veröffentlichung der alt- hochdeutschen Phisiologen der Natur der Sache nach das sprach- liche Interesse über das archäologische überwiegen und letzteres in den Hintergrund treten musste. Die Mittheilung unseres Phi s i o 1 o g u s hingegen ist lediglich an das archäologische Interesse geknüpft, und aus diesem Grunde schien es auch ge- bothen zu sein, von dem vorliegenden Stoffe ummittelbar auf Kunstdarstellungen in soweit Anwendung zu machen, als es einerseits zum besseren Verständnisse des Textes und theilweise zu dessen Bekräftigung, anderseits aber eben zu der aus dem Texte selbst gewonnenen besseren Ansicht nothwendig schien. Die zu diesem Behufe beigegebenen Erläuterungen des Textes machen aber keineswegs den Anspruch erschöpfend und umfassend zu sein, vielmehr ist das Bedürfniss nach einer gründ- lichen Durcharbeitung dieses reichen archäologischen Stoffes um so lebendiger, als angenommen werden darf, dass hiedurch wenigstens für einen nicht unwichtigen Theil der mittelalter- lichen Symbolik festere Grundlagen gewonnen werden dürften, als wir sie bisher besitzen. Von den beiden gelehrten Heraus- gebern der Vitreaux de Bourges, Martin und Cahier, sehen wir einer solchen Arbeit entgegen, die wohl alle Wünsche in dieser Beziehung befriedigen wird. *)

Mögen vorläufig dem nächsten Bedürfnisse die folgenden Zeilen genügen.

Das nachfolgende Verzeichniss hat den Zweck, eine leichte Uebersieht der in deu Phisiologen , welcher w ir Er- wähnung gethan , aufgeführten Thiere zu geben.

Gustav Melder.

*) Erst während des Druckes kam uns die 3. und 4. Lieferung des II. Ban- des der von Martin und Cahier herausgegebenen Melanges d’Archeologie zu, in welchen eine gründliche Abhandlung dieses Gegenstandes enthalten ist, worauf bei Bearbeitung des Stoffes Rücksicht zu nehmen, leider nicht mehr gegönnt war.

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Vergleichende Vebersicht

der in den älteren und späteren Physiologen vorkommenden

Thiere.

Epiphanlus 4. Jahrhundert griechisch

Göttweiher Handschrift 11. Jahrhund, lateinisch

Althochdeutsch 11. Jahrh. Wie- ner Hofhibl.

Althochdeutsch 12. Jahih. Wie- ner Hofbibl.

Althochdeutsch 12. Jahrhund. Karajan.

1. Leo

1. Leo

1. Leo

1 . Leo

1. Leo

2. Urus

2. Panthera

2. Panthera

2. Panthera

2. Panthera

3. Elephas

3. Unicornis

3. Unicornis

3. Unicornis

3. Unicornis

4. Cervus

4. Ydra

4. Ydra

4. Ydra

4. Ydra

5. Aquila

5. Syrene

5. Syrene

5. Syrene

5. Syrene

6. Vultur

6. Hyena

6. Hyena

6. Hyena

6. Hyena

7. Pelicanus

7. Onager

7. Onager

7. Fulica

7. Fulica

8. Perdix

8. Elephas

8. Elephas

8. Onager

8. Onager

9. Turtur

9. Autula

9. Autula

9. Simia

9. Simia

10. Phoenix

10. Serra

10. Serra

10. Elephas

10. Elephas

1 1 . Pavo

1 1. Vipera

1 1. Vipera

1 1 . Autula

1 1 . Autula

12. Serpeus

12. Lacerta

12. Lacerta

12. Serra

12. Serra 1

13. Formica

13. Cervus

13. Vipera

13. Vipera

14. Vulpes

14. Capra

14. Lacerta

14 Lacerta

15. Nocticorax

15. Vulpes

15. Cervus

15. Cervus

16. Apis

16. Castor

16. Capra

16. Capra

17. Rana

17. Formica

17. Vulpes

17. Vulpes

18. Charadrius

18. Ericeus

18. Castor

18. Castor

19. Picus

19. Aquila

19. Formica

19. Formica

20. Ciconia

20. Pellicanus

20. Ericeus

20. Ericeus

21. Nocticorax

21. Aquila

21. Aquila

22. Fulica

22. Pellicanus

22. Pelikanus

23. Perdrix

23. Nocticorax

23. Nocticorax

24. Assida

24. Fulica

24. Fulica

25. Vpupa

25. Perdix

25. Perdrix

26. Caradrius

26. Assida

26. Assida

27. Phoenix

27. Upupa

27. Upupa

28. Caradrius

28. Caradrius

29. Phoenix

29. Phoenix

f

Incipiunt dicta Joh. Crisostomi. De naturis bestiarum.

I. S>e Iieone 1).

Fol. 2. a.

Emittit flatum quo vivificat leo natum Luce deus terna surgit virtute superna.

Igitur jacob benedicens filium suum juda dicebat. Catulus leonis juda. filius de germine meo quis suscitabit eum3). Phy- siologus dicit, tres naturas habet leo. prima cum am- bulat in montibus vel silvis, si evenerit ut queratur a venatoribus et veniet ei odor venatoris ad nares, statim cum cauda delet post se vestigia sua quocumque ierit ut non secutus venator vestigia capiat eum. Sic et dominus noster jesus christus spiritalis leo de tribu juda radis david missus a sempiterno patre, cooperuit intelli- gibilia deitatis sue vestigia, descendensque in uterum virginis sal- vavit errans genus humanum et verbum caro factum est et habita- bit in nobis, ipse dominus virtutum et rex glorie 3).

II. (Secunda) natura leonis.

Cum dormierit leo vigilant oculi ejus. In aperiendo sicut et in cantico canticorum testatur sponsus de se ipso. Ego dormio et cor meum vigilat 4). Est enim corporaliter 5 Caro enim domini quievit, divinitas autem semper ad dexteram patris vigilat, ut illud. Ecce non dormitabit necque dormiet qui custodit israel.

III. (Tertia) natura leonis.

Cum leena peperit catulum, mortuum eum generans, custo- dit tribus diebus ; donec veniens pater ejus die tertio sufflat in faciem ejus et vivificat eum 5). Sic et deus omnipotens pater filium suum dominum nostrum tertia die suscitavit a mortuis, ut jacob ante prophetabat. Accubans requiescit ut leo. et sicut catulus leonis, quis suscitabit eum ti) ?

4) Von der hier angeführten dreifachen Natur des Löwen finden wir von der zweiten und dritten in den Kunstdarstellungen des Mittelalters häu- Heider. 3

16

figen Gebrauch gemacht. Vorzüglich hat die Eigenschaft des Löwen, zu- folge welcher er mit offenen Augen schlafen soll , ihn zum Wächter des Heiligthums gemacht, und eine Reihe mittelalterlicher Kirchen zeigt ihn als solchen an den Eingangspforten. Uebrigens erwähnen schon Plutarch und Aelian dieser Besonderheit des Löwen , und letzterer fügt noch bei, dass er schlafend auch den Schweif bewege , um anzuzeigen , dass er nicht vollständig schlafe. Durch Isidorus und die Neueren wurde diese Mystik in den Kirchenglauben eingeführt. Darstellungen von der dritten Eigenschaft des Löwen finden sich nur wenige , aber sehr bezeichnende an Glasfenstern französischer Kirchen wie zu Bourges , Chartres etc. Verzeichnet finden sich beiderlei Vorstellungen in des Verfassers Schrift: Ueber Thiersymbolik und das Symbol des Löwen in der christlichen Kunst. Wien 1849. S. 16 u. S. 34.

a) Genes. 49. v. 9.

3) Der Phisiologus des Epiphanius giebt noch eine zweite Deutung, welche wir in der von dem Herausgeber C. Ponce de Leon (Editio 1587. Romae) gegebenen Uebersetzung folgen lassen: Nec aliter tu spiritualis homo,

cum feceris eleemosynam, sinistra tua dexterae opus ignoret, ne te diabolus ex bonis operibus investiget et ad peccandum alliciat. Diese der Stelle des Matth, cap. 6 entnommene Deutung findet ihre weitere Bestätigung bei dem h. Augustinus in der 60. Sermo de tempore , an welcher Stelle er die rechte Hand auf die Liebe Gottes , die linke hin- gegen auf die Eitelkeit und Genusssucht, vor welcher man sich hüten solle, deutet. Eine ähnliche Auslegung bei Orig. Hom. 18 in Matth, und Greg. M. 1. Reg. 14.

Prov. 5. v. 1.

ö) Diess erzählen in gleicher Weise schon Aristoteles und Plinius. Plut- arch giebt als Grund, wesshalb der Löwe von den Egyptern der Sonne geheiligt werde , an , dass unter allen vierfüssigen Thieren der Löwe allein sehende Jange werfe.

G) Num 24. v. 9. Eine Deutung dieser Eigenschaft auf die Empfängniss Maria findet sich in dem Defensorium beatae Mariae virginis (einem xylographischen Werke der Gothaer Bibliothek), wo es heisst :

Leo si rugitu proles suscitare valet Cur vitam a spiritu virgo non generaret.

Siehe: Jacobs und Ukert: Beiträge I. S. 113.

Bä* De panthera *)•

Formam panthere libet hic comitando videre Sic christi vita virtute placet polimita.

Est et animal quod dicitur p anth er a vario quidem colore sed speciosum nimis et mansuetum valde. Physiologus dicit quod inimicum sit solis draconibus. Cum commederit consaciave- rit se diversis venationibus recipitur in speluncam suam ponensque

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se dormit per triduum. Surgens autem a somno statim emittit ru- gitum peraltum, simulque odorem nimie suavitatis emittit cum ru- gitu. Ita ut odor istius modo precellat omnia aromata et pigmen- ta. Cum ergo audierint vocem ejus omnes bestie quae proppe

Fol. 2. b.

sunt vel longe congregantes se omnes nimiam suavitatem illius se- cuntur. Solus autem draco cum audierit vocem ejus abscondit se. in subterraneis speluncis, ibi autem nec ferens vim odoris ejus in semetipso contractus obstupescit immobilis inanisque velut mortuus. Cetera vero animalia secuntur eum quocunque vadit. Sic et domi- nus noster jesus christus verus panthera omne genus humanum quod a diabolo captum fuerat et morti erat obnoxium per incarna- tionem suam ad se trahens captivam duxit captivitatem *). dedit dona hominibus. Panthera enim omne capiens interpretatur. Sic et dominus ut diximus videns omne genus humanum a demonibus captum idolisque mancipatum, omnibusque simul preda diaboli ef- fectis. descendit de celo cum nimio incarnacionis sue odore, et eripuit nos sequimurque dominum et agnum quocunque ierit. Im- pleturque prophetia, factus sum inquit panthera huic effraim et sicut leo domui jude 3). ac per hec significabatur jam tunc quando effraim idolis serviebat quod vocatio gentium et plebi judeorum debuerat per adventum christi impleri, et quia panthera varium est animal, significat christum qui est in conprehensibilis sapientia, totus simplex, totus bonus, mitis et clemens, firmus et stabilis, et diversa sapientia fulgens, et preciosum animal est panthera, ita et christus veluti david dicit in spiritu. Speciosus forma pre filiis hominum. Ergo et mansuetum est animal, sicus isayas de christo. Gaude et letare filia syon. quoniam rex tuus veniet tibi mausne- tus et salvans. Et quia illud animal cum saciatum fuerit statim quiescit et dormit. Ita e dominus noster jesus christus postquam satiatus est a judaicis illusionibus, ad ultimum cruce suspensus, clavis affixus, feile et aceto potatus, lauceaque perforatus est. His namque muneribus judeorum satiatus christus dormivit ac requievit in sepulchro. in infernum religavit, illum draconem magnum generis humani maximum antiquum inimicum. Quod autem tercia die illud animal post sacietatem et somnum surgit et rugitum magnum emittit, et flagrat odor suavitatis ex ore ejus significat quod dominus noster jesus christus tertia die surgens a mortuis

3 *

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implevit prophetiam de eo per david scriptam, excitatus est *) in- quid (sic) dominus dormiens tamquam potens et quasi .crapulatus a vino, statim exclamat ita. ut in omnem terram audiretur vox et in fines orbis terre verba ejus dicendo. Gaudete jam et nolite timere, ego vici mundum. Et iterum. Pater, quos dedisti mihi cu- stodivi. et nemo ex hic periit, nisi.

Fol. 3. a.

filius perdicionis. Et iterum. Vado s) ad patrem meum et p. v. d. m. et d. v. Iterum autem veniam ad vos. et non dimittam vos orphanos. Item in fine Evangelii sic dicebat. Ecce ego vobis- cum omnibus diebus, usque ad consumationem seculi. Et quid suavius aut dulcius esse potest odori domini nostri jesu christi. Ita ut omnes qui proppe per fidem et per opera sunt et qui adhuc fragilitate gravati longe sunt. Audiant vocem ejus repleti et re- creati suavissimo odore mandatorum ejus? requirimusque eum semper sequendo clamantes cum propheta. Quam dulcia f. m. e. t. domine super mei et favum ori meo. Et in cantico canticorum. In odore ungentorum tuorum currimus, et paulo post. Introducit me rex in cubiculum suum, exaltabimus et letabimus cum eo ; Oportet nos ergo sicut adolescentulas. idem in christo animas innovatas, cum et per baptismum ad novitatem vite venientes post ungentum mandatorum ejus curramus, et a terrenis ad celestia migremus, ut nos introducat rex in palatium suum. Id est in celestem hierusalem. ibique exultantes dicamus, gloriosa dicta sunt de te. civitas dei. Sicut audivimus, ita et vidimus in civitate domini virtutum.

4) Der Phisiologüs des Epiphanius erwähnt dieses Thieres nicht , hingegen findet er sich sowohl in den beiden von Hoffmann als auch in dem von Prof. Karajan veröffentlichten Physiologen. Eine Kunst-Anwendung ist nicht bekannt , übrigens ist auch bei vielen der mittelalterlichen Kunst- gebilden theils die Darstellungsweise so unbehilflich, theils auch bei sol- chen Thieren, welche ausser dem Kreise der täglichen Umgebung waren, so sehr der bildenden Fantasie anheimgegeben , dass sich oft kaum mit einiger Sicherheit diese Thiere bestimmen lassen.

3) Ephesus 4. v. 8.

3) Osee 5. v. 14.

4) Psalm 77. v. 65.

5) Evang. Joannes 14. v. 12 18.

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III* Monoceros 1).

Virgineis digitis capienda fit hic fera mitis Qui mundum salvum facit intrat virginis alvum.

Est aliud animal quod graece dicitur monoceros latine vero unicornis. Phisiologus dicit hanc unicornem habere naturam et quod sit pusillum animal, et est hedo simile, acerrimumque habet in capite unum cornu atque nullus venatorum eum capere potest. Sed hoc argumento capiunt illum, ducunt puellam virginem in illum locum ubi moratur, et dimittunt eam ibidem solam ; ille autem mox ut viderit eam salit in sinum virginis et complectitur eam sicque comprehenditur et perducitur ad palatium regis.

Sic et dominus noster ihs christus spiritualis unicornis, de quo dd. dicit, et dilectus sicut filius unicornium3) et rursum. Ex- altabitur sicut unicornis cornu meum 3). Et Zacharias, suscitavit eum in nobis cornu salutis in domo dd. Et in deuteronomio moyses benedicens tribu joseph dicit, filius primitius meus, thvari spe- cies ej'us cornua rinocerotis cornua ej*us 4) Quod autem unum cornu habet, significat hoc quod christus dicit. Ego et pater unus sumus 6). Capud autem christi deus. Acerrimum autem quod dicit eum id est quem neque principatus, neque potesta- tes. non throni nec dominationes, intelligere potuerunt nec infer- nus tenere valuit.

Fol. 3. b.

Pusillum est animal, propter incarnationis ejus humili- tate dicente eo. Discite a me quia mitis sum et humilis corde 6). Qui in tantum est acerrimus ut subtilissimus dia- bolus intelligere et investigare incarnationis ejus misterium non valet. Sed sola voluntate patris descendit in uterum virgi- nis et verbum caro factum est et habitavit in nobis. Quod autem similis sit hedo unicornis, significat salvatorem qui ut apostolus ait. factus in similitudinem carnis 7) peccati, damnavit- que in carne peccatum.

*) Monoceros, in den Hoffmannischen Phisiologen : einhurno, bei Karajan Einhurn. Zur Symbolisirung Christi in der Gestalt des Einhorn gab vor- züglich die Stelle im Evangelium des Lucas 1. v. 96 Anlass : Et erexit cornu salutis nobis in domo David , pueri sui. Die Sage von der Art und Weise, das Einhorn zu fangen, liess die Menschwerdung und Ein- pfängniss Jesu in der Gestalt eines in den Schooss der Maria sich ber- genden Einhornes zur Darstellung kommen. So finden wir in einem xylo-

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graphischen Werke der Gothaer Bibliothek : Defensorium inviolatae virgi- nitatis b. Mariae virginis zu dieser Kunstdarstellung folgende erklärende Beischrift: Rinoceron si virgini se inclinare valet, cun verbum patris celici virgo non generaret. Als Vertreter dieser Ansicht werden Isidorus Orig. XII. 2. und Alanus de Infulis genannt , welcher diese Fabel wahr- scheinlich in dem prosaischen Theile des planctus naturae erzählt. Die bezeichnete Stelle des Isidorus lautet: Rinoceros tantae est fortitudinis,

ut nulla venantium virtute capiatur virgo puella proponitur, quae venienti sinum aperit , in quo ille omni ferocitate deposita caput ponit, sicque soporatus velut inermis capitur. Dasselbe fast mit gleichen Wor- ten bei S. Gregor. Moral. XXXII c. XV. Auch in dem Buch von den Thieren in der Diutiska III. S. 25 , findet sich die Fabel vom Einhurno mit einer mystischen Anwendung und ein weiteres darauf bezügliches Bild in dem Hortus sanitatis in Tractatus de Animalibus c. 155. Ueber Zeit, Umfang und die Darstellungsweise dieser Mythe auf dem Kunst- gebiete giebt folgende Stelle in Didron’s Annales (I. p. 76) näheren Aufschluss : On trouve vers le XVIe- siede des representations du

mystere de l’lncarnation sous l’allegorie d’une chasse (celle de la licorne) La bete est lancee par deux paires de limiers accouples , que suit un ange sonnant du cor et la licorne (figure de Jesus Christ) se jette dans le sein de la Vierge, qui l’attend assise. Les deux paires de chiens sont la Misericorde et la Paix (JPs. 84 v. 11) le piqueur aile est l’ar- change Charge de l’Annonciation.

Friedrich zur Bihel I. S. 16 21 glaubt, dass das biblische Thier Reem das Einhorn sei. Weitläufig abgehandelt und auf die ersten Quellen zurückgeführt ist die Sage vom Einhorn in Grässe’s Beiträgen zur Literatur und Sage des Mittelalters. Dresd. 1850. S. 60-71. Daraus entnehmen wir fol- gende Stelle , welche die Anwendung unserer Fabel auf Christus näher be- zeichnet: ,, Das Thier bezeichnet unsern Herrn Jesum Christum. Der war zornig vnd grimmig, ehe er Mensch ward, gegen die hoffärtigen Engel vnd ihren Vngehorsam. Den fing die hochgelobte Magd Maria mit ihrer Keusch- heit in der Wüste dieser kranken Welt , da er vom Himmel herabsprang in ihren reinen keuschen Schoos. Darnach ward er geiangen von den scharfen Jägern, den Juden vnd von ihnen getödtet lästerlich. Darauf erstund er vnd fuhr zu den Himmeln in den Palast seines ewigen Vaters.” (Aus dem Buche der Natur S. 67.)

Auf Christus angewendet findet sich diese Fabel in einem von Fischer edirten Gedichte. S. Beschreibung typ. Seltenheiten IV. p. 112 115. Darauf angespielt wird in der goldenen Schmiede. V. 254. Ueber die Gestalt des Einhornes berichtet Bernhard de Breydenbach : sanctae pe- regrinationes fol. 102 a : grandem bestiam, majorem camelo, et assere- bat calinus noster, eam esse unicornem. Er will es im heiligeu Lande, auf dem Wege nach dem Sinai gesehen haben (Jakob u. Ukert I. S. 98, S. 351 u. S. 456). Nach neueren Bibelforschern, wie Schultens (Hiob 39, 9) und de Wette (zu Psalm 22, 22) soll dieses an vielen Stellen des

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alten Testaments genannte Thier der Büffelochs sein. Seine Existenz ist erst neuerdings durch englische Reisende , welche es in den Tibetanischen Wüsten fanden , sichergestellt. Vergl. Alt’s Heiligenbilder S. 75.

2) Psalm 28 v. 6.

3) Psalm 91 v. 11.

4) Deuteron. 33. v. 17. im Texte steht thuari statt tauri.

6) Evang. Johann, c. 10. v. 30.

6) Matth. 11. v. 29.

7) Epist. Pauli ad Rom. 8. v. 3.

SV. De Ydro *).

Ydra cocodrillum penetrans eviscerat illum

Transiliens mortem xpe. tulit inde cohortem.

Est et aliud animal, quod est in nilo flumine et vocatur hydrus. Physiologus dicit de eo, quum satis hoc animal inimi- cum est corcodrillo. et hanc habet consuetudinariam naturam. Cum viderit corcodrillum in litore fluminis dormientem ore aper- to, vadit et volitat se in luto quo possit facilius inlabi in fau- ces. veniensque insiliet in os corcodrilli. qui subito vivum trans- gluciet. Hydrus autem dilanians omnia viscera ejus, exiet vivus de visceribus ejus, corcodrillo jam mortuo ac disruptis omnibus interraneis ejus, et siguificat mortem et infernum vel unum- quemque inimicum salvatoris. Qui tamen assumta mortali natura carne descendit in infernum et disrupit omnia viscera ejus, eduxitque pene omnes qui ab eo devorati tenebantur in morte. Exprobransque morti, ubi est inquiens victoria tua a) ? et juxta prophetam. 0 mors ero mors tua, morsus tuus ero inferne 3). Quia et corpora multorum sanctorum cum christo eo tem- pore surrexerunt.

1) Hydrus in den althochdeutschen Phisiologen mit ydris wiedergegeben. Be- zügliche Kunstdarstellungen sind nicht bekannt, ausgenommen jene Darstel- lung des jüngsten Gerichtes , zu Salamine in der grossen Kirche des Con- vents Panagia-Phaneromeni , wo unter den die Menschen zerfleischenden Thieren auch eine Hydra ersichtlich ist also hier als eine dämonische der Unterwelt angehörende Bestie und abweichend von der im Texte gegebenen Auffassung. Didron : Manuel d’Iconographie chretienne. Paris 1845. p. 271. Anmerkung.

2) 1. Corinth. 15. v. 55.

3) Osea 13, v. 14.

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V. De Sirenis et onocenthauris 1).

Alliciunt pene nautas cantando syrene Suasus hostiles dulces christi fuge miles.

De sirenis et onocenthauris. ita esaias dicit propheta. Sy- rene et demonia saltabunt in domibus eorum unius cujusque figu- ram 2). Physiologus igitur ita dis eruit. Sirene in quid (sic) ani- malia sunt mortifera que a capite usque ad umbilicum figuram femine habent. Extrema pars usque ad pedes volatilis ima-

fol. 4. a.

ginem tenent, atque musicum quoddam dulcissimum melodie carmen canant, per quod homines navigantes decipiuntur, ita ut persepe. auditum demulcentes sensumque delimentes in soporem vertuntur. Et tunc ille videntes eo esse sopitos, invadunt et laniant carnes eorum. Sic igitur decipiuntur illi qui diabolicis pompis et thea- tralibus voluptatibus delectari vel tragoediis musicis soluti et velut somno mentis gravati efficiuntur a d adverse virtutis avidis- sima preda. Eo modo onocenthaurus duabus naturis constat, ut phisiologus asserit. Nam superior pars homini similis est posteriorque asino similis, et natura ejus valde agrestis. Per hunc assimilantur vecordes et bilingues homines, moribus infor- mes. habentes speciem pietatis, virtutem eius abnegantes sicut scriptum est. Et homo cum in honore esset non intellexit comparatus est jumentis insipientibus et similis factus est illis 3).

1) Die Bedeutung der Syrenen in der christlichen Kunst im Einklänge mit der hier gegebenen Deutung ist von Piper : Mythologie und Symbolik der christlichen Kunst , mit grosser Gründlichkeit behandelt. Ein Bild der durch die Verlockung des Teufels befangenen Christen dürften wir auch in jener Darstellung auf einem Capital der Kirche St. Germain de Pres sehen, welches zwei Syrenen darstellt, deren jede einen Fisch hält. Le- noir : Monum. de la France. Paris 1828. Taf. 14. Eine ähnliche Dar- stellung zeigt das Capitäl des Eingangpfeilers der heil. Drei-Königskapelle zu Tuln. Auf dem archäologischen Congresse zu Poitiers (siehe die sehr interessanten Mittheilungen in den Memoires de l’Ouest 1844 und aus- führlicher im IX. Bande des Bulletin monumental) wurde auch zweier den angeführten ähnlicher Darstellungen erwähnt, wovon die eine zu Cunault eine Syrene zeigt, in jeder Hand einen Fisch ; zu ihrer Seite ist in einer Barke ein Fischer, welcher einen dieser Fische nimmt; die andere Dar- stellung zu Civaux ist mit dieser ganz gleich, nur sieht man zur andern Seite der Syrene noch eine zweite Person , welche sich in den Abgrund zu stürzen scheint. Die Deutung der ersten Vorstellung hat keine Schwie- rigkeiten. Die Syrene , das Bild der Verlockung , hat sich zweier Seelen

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bemächtiget (nach Tertullian : Nos pisciculi in aqua nascimur), der evan- gelische Fischer aber befreit sie aus ihrer Gewalt. Schwieriger ist die Deutung der zweiten Vorstellung und die beiden auf dem Congresse ge- gebenen sind , wenn auch poetisch , doch ganz verfehlt und willkürlich. So heisst es : Die Syrene ist die christliche Seele (warum ?) , der Fisch ist Christus, der Fischer, der ihn empfängt, ist die Menschenliebe, die Person, welche sich in den Abgrund stürzt, ist der böse Geist, der wohl einsieht, dass ihm, da das Werk der Erlösung durchgeführt ist, nichts weiteres zu thun übrig bleibe. Eine zweite Deutung sieht in der Syrene das Bild der göttlichen Gnade, welche aus dem Erdenmeere die christ- lichen Seelen herauszieht , um sie den evangelischen Fischern zu geben. Die Person, die sich in den Abgrund stürzt , ist der abtrünnige .Christ, der durch Irrthum und Sünde in das Meer der Welt zurückfällt. Man sieht, wie willkürlich hier Symbole und Allegorien gemacht werden. Der Dilettantismus in der Archäologie, in dieser Wissenschaft weiter verbrei- tet als sonst irgendwo, hat wahriich zur Weiterführung derselben nicht nur nicht genützt, sondern viel geschadet, und ist hauptsächlich die Veranlassung geworden, dass von mancher Seite her, neuestens erst von Schnaase (Kunstgeschichte IV. Band), die durchgehende Symbolik der mittelalterlichen Kunstdarstellungen in Frage gestellt wurde.

Bei den Centauren und Onocentauren kommt vorzüglich ihre Doppel- natur in Betracht , die zu mehrfachen , aber eben desshalb schwierigen Deutungen Anlass gibt. Kunstdarstellungen sind vielfache vorhanden. Ge- wöhnlich aber ist dieses Thier in einer Reihe mit andern dargestellt, welche zusammen die dem Menschengeschlechte feindlichen Mächte vor- stellen. So z. B. sehen wir auf einem Kapitale der Pfeiler des Schiffes der Peterskirche zu Genf Syrenen, Centauren, Chimären, Schlangen und andere Ungethüme. (Memoires de la Societe d’histoire et d’Archeologie de Geneve. IV. p. 113.) Uebrigens ist von Dante der Centaur auch im guten Sinne als ein Symbol der Doppel-Natur Christi genommen.

2) Die hier angeführte Stelle des Jesaias 13. v. 22. lautet: Saltabunt ibi et respondebunt ibi ululae in aedibus ejus et sirenes in delubris vo- luptatis.

3) Psalm 48. v. 13.

VI. De hiena* *)

Pars hominem fingit asinum pars altera pingit.

Moribus informes notat hoc pecus atque bicordes.

Est et aliud animal, quod grace dicunt hiena de qua lex dicit. Non manducabit hienam neque quod simile ejus est. Dictum est per esaiam 3) prophetam. Speluncae hiene lierditas mea. Phisiologus hinc narrat quod duas naturas habeat, aliquando quidem masculus aliquando quidem femina est. et ideo inmundum animal est. Cui similes estimati sunt filii israal. qui primum do-

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minum suum coluere, postea luxurie et voluptatibus dediti idola coluerunt. Vel qui nunc avaricie student, quod est simulacrorum servitus, comparantur bestie huic. Sicut et immunda fulica que nec vir nec femina esse dicitur, id est nec fidelis nec perfidus, sed sicut salemon dicit, vir duplex corde inconstans est in omnibus viis suis 3).

*) In dem althochdeutschen A. H. S. S. durch hinam wiedergegeben.

2) Dieser , hier dem Jesaias zugehörige Ausspruch ist bei ihm nicht zu finden.

3) Diess ist nicht Ausspruch des Salomon , sondern eine Stelle aus dem Briefe des Apostel Jacob, welche wörtlich also lautet: Vir dupplex animo inconstans etc. Jacobi Epistolae I. v. 8.

¥11. De Duagro ^

Est et animal aliud quod dicitur onager. Phisiologus dicit de eo ita; Quia XXV. die mensis faminoltt 3) qui est martus duo decies in nocte ruget similiter et die. Tunc quia cognoscitur quod equinoctium sit et dies noctesque ex numero horarum adequantur. Onager igitur figuram diaboli gerit, qui cum sciret noctes coequare. hoc est cum viderit quod gentium populus qui ambulabat in tenebris

fol. 4. b.

conversus est ad integram lucem, christum scilicet, rugit per singulas horas, die nocteque. querens escam suam quam per- diderat. Neque rugiet aliquando, nisi quando escam querit. Si- cut iob dicit. Numquid sine causa clamavit onager agrestis ni- si pabulum desiderans 3). et apostolus. Vigilate inquid (sic) quia adversarius vester diabolus circuit tamquam leo rugiens querens quem devoret? 4). Similiter figuram habet diaboli quia sicut simia caput habet et caudam non habet et licet sit turpissimum animal, tamen per posteriora ejus turpior et orribilior erit, ita et diabolus caput quidem habuit cum esset angelus archangelorum in celis sed quia ypocrita et dolosus erat intrinsecus perdidit caput, nec caudam habet. Qui sicut ab inicio a celo projectus perierat, ita et in fine totus peribit cum hominibus, qui secuntur eum. Sicut et preco christi paulus dicit de eo. quem interfici et dominus jehsus christus spiritu oris sui5).

*) In der althochdeutschen Handschrift der Wiener Hofbibliothek aus dem XI. Jahrhundert ist das Wort Onager durch tanesil, in jener des XII.

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Jahrhunderts durch wild esil wiedergegeben. Bei Karajan heisst es : Der wilde esel.

3) Ein koptisches Wort <|)Ailf:N(D0 «ach Peyron (Lex. copt. pag. 263) mensis septimus Aegyptiorum, cui praeerat Deus sub Sciakali symbolo atque appellatione Rokh-Kui, seu parvi aestus.

3) Diese Stelle, aus lob 6 v. 5 lautet : Numquid rugiet onager cum habuerit herbam.

4) I. Petrus 5. v. 8.

5) II. Thessal. 2. v. 8.

VIII. De elephante *)•

Amne parit pullos elephas , draco ne necet illos.

Ne draco predetur animas, baptisma tuetur.

Item est bestia elephans nomine. Phisiologus dicit de eo quum intellectum magnum habet in se. Concupiscentiam vero carnis minime in se habere dicitur. Tempore autem suo cum voluerit filios procreare, vadit in orientem cum femina sua usque in proximum paradisi. Est autem ibidem herba mandragora a) nomine. De cujus fructu femina prior degustet, et tunc masculum illuc dedu- cet. ut persuasus manducet. Postquam vero manducaverint, ambo conveniunt sibi, statimque concipit. Cum autem venerit tempus pariendi. pergit ad lacum magnum et ingreditur usque ad ubera ejus et ibidem parturit super aquam et hoc propter draconem fa- cit. qui iusidiatur pullis ejus et illi ipsi. Masculus autem non recedit a femina sua. sed custodit eam super stagnum atque parientem propter serpentem qui est inimicus elephantis. Isti ergo duo elephantes masculus et femina figuram habent adam et eve: qui erant in paradiso dei ante prevaricationem gloria cir- cumdati nescientes ullum malum, non concupiscencie desideria nec commixtionis cogitum. Cum ergo de interdicta arbore.

fol. 5. a.

gustavit mulier, dedit viro suo. qui manducans seductus est. Tunc precipitati sunt de paradiso in hunc mundum, quasi in stagnum aquarum multarum. Quod aliquando aque presens seculum significat per diversas perturbationes et voluptates, dd. insinuat cum dicit. Salvum me fac deus quoniam intraverunt aque usque ad animam meam 3). Et alibi. Expectans expectavi dominum et respexit me. et eduxit me. d. m. et d. f4). Cum ergo profecti sunt in hunc miserie lacum cognovit adam uxorem suam evam et genuit cain in luto fecis. Ideoque pius et misc- at *

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ricors dominus noster chs xps descendens de sinu patris assump- sit carnem nostram et eduxit nos de lacu miserie et de luto fecis, statuensque supra petram pedes nostros inmisit in os nostrum canticum novum dicens. Sic orabitis. Pater noster qui es in celis. et cetera. Hunc ymnum docuit nos ipse qui supra petram statuit pedes nostros, petra autem erat xps. Dominus autem pacis sanctificet vos ad perfectum ut integer spiritus

vester et anima et corpus sine querela in adventum domini

nostri jliu. xpi. servetur. Quid autem ossa et pellis elevantis

faciant dicam, in quocunque enim loco vel domo fuerint incensa,

odor eorum expellit inde statim omnem serpentem, vel quod- cunque animal venenosum. Sic denique mandata dei et pia opera faciunt si accenduntur in corde hominis, effugant omne opus veniferum diaboli in quacunque parte.

*) In den althochdeutschen Hdschften durch helphaut wiedergegeben. In die christlichen Kunstdarstellungen hat das Bild des Elephanten wenig Eingang gefunden, wo er aber dargestellt erscheint, ist er nach den Worten: concupiscentiam vero carnis minime in se habere als ein

Symbol der Keuscheit anfzufassen. Siehe Sarasin in den Beiträgen zur Geschichte Basels 1. Bd. p. 16.

Ob die Darstellung von Elephanten auf kirchlichen Gewändern nur den Zweck hatte, diesen den Charakter der Würde und des Reichthums zu geben, oder ob nicht hiebei auch eine Symholik mitverbunden war, lässt sich schwer entscheiden; sonderbar klingt es aber, wenn nach Rangstufen die Kleidungsweise verschieden war , wie von dem Kloster St. Florent zu Saumur berichtet wird, dass an Festagen der Abt elephantinis vestibus, der Prior hingegen leoninis bekleidet war (Martene et Duraud : Amplis- sima collectio Tom 5. col. 1102).

3) Ueber die Mandragora-Wurzel sind die verschiedensten Meinungen geltend gemacht worden. Während einige darunter die Lilie verstanden wissen wollen, halten sie Andere für eine im Orient , oder auch im Occidente wachsende Pflanze , deren Wurzel durch die Zuthat mystischer und in den Venusdienst einschlagender Sprüche und Gebräuche gegraben wird. Siehe hierüber den schon erwähnten Commentator des Physiologus des Epiphanius und von neuern Forschungen jene Friedreich’s, zur Bibel. Nürnberg 1848. Die eben erschienenen Beiträge Grässe’s zur Literatur und Sage des Mittelalters, Dresden 1850 bringen auf S. 45 60 eine spe- cielle Behandlung dieser Wurzel, aus welcher hervorgeht, dass die Sage von ihr im Zusammenhänge stehe mit dem Glauben an Galgenmännlein und Alraunen, und dass sie die Gestalt eines kleinen Männleins habe.

5) Psalm 68. v. 2.

4) Psalm 39. v. 1. Die hier beigesetzten Buchstaben d. m. et. d. f. sind

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die Anfangsbuchstaben des fortgesezten Psalmes de lacu miseriae et de luto faecis.

IX. De Autula 1).

Aspiciens retro perit autula cuspide retro

Illum predatur demon qui retro gradatur.

Est et animal autula nomine, accerrimum nimis, ita ut nec ullus venatorum ei potest appropinquare. Habet enim cornua longa in similitudine serre quibus secare potest maximas quer- cus. condensa et superflua queque arborum incidendo secat in nullo resistens. Quando vero sitierit venit ad flumen magnum eufraten et bibit. Sunt autem ibi virge viticee subtiles et mol- les; Incipit autem et animal illud ludere cum virgulis illis, et in ludendo obligat semetipsum cornu, obligatusque ambis corni- bus; vociferatque cum rugitu, quia evadere non potest gracili- bus virgulis circumseptus

fol. 5. b.

et tunc quilibet venatorum absconditus audiens vocem ejus currit et ligatum inveniens occidit. De qua re et tu homo qui pro- feceris abstinentiam, sicut fisus cornibus tuis, abscidisti fore detractiones, cupidates. libidines, silvam secularem et pompam diaboli, congaudent tibi angelice virtutes. Duo cornua duo sunt testamenta. Sed noli ludere cum vino in quo est luxuria, nec te obliges et incidas in muscipulam adversarii, qui te videns obsep- tum vitio, occidit, vir autem sapiens et prudeus. a vino et mu- liere se avertit. Sunt enim duo lapides ignari, masculus et femina. In ergo professor intellige multos periisse propter vinum et feminas, et cautus esto ut salvus fias.

1) Autula, nach Hoffmann eine Verdrehung des Wortes Antholope. Was hier von der Autula und der Art, wie sie sich selbst fängt, erzählt wird, wie auch die daran geknüpfte Nutzanwendung und Auslegung findet sich in dem Physiologus des Epiphanias von dem Urus, den Auerochsen ange- führt: Es heisst nämlich Cap. III. de Uro, (nach Ponce de Leon) : Urus animal omnium maximum, similis est bovi, duoque habet cornua in modum serrae, estque prae omnibus animalibus terribile aspectu : itaque pro-

ceras arbores quatiens , illas dissecat, ramosque praescindit, nec est ullum animal illo fortius. Pascitur non longe ab Oceano continuo vero, ut bibit, veluti ebrius ludit, cornibusque tamquam bos terram petit. Est autem illic arbor dicta Tanus, viti similis et alba ramis , quos cum urus capite concutit, cornu vincitur. Accedit itaque venator et cornu alligatum de- prehendit, illum que opprimit.

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Interpretatio

In igitur o spiritualis homo considera quanto te uro generosiorem fece- rit Deus : loco enim duorum cornuum, duo tibi dedit testamenta, novum videlicet et vetus, quae cornua sunt contra potestates adversas, ut ne te circumveniat diabolus : ait enim propheta : In te inimicos nostros ventilabimus cornu.

Altera interpretatio

Oceanus copiam divitiarum significat, Tanus vero vitae voluptatem, qua implicitus home fidem negligit, venator igitur hoc est diabolus illum ag- greditur. quem voluptatibus mancipatum, fidemqne negligentem inveniens in suam potestatem redigit.

X. De Serra *)•

Est et animal in mari quod dicitur serra spinas habens proppe se longiores, et cum viderit naves velificantes enatat ad eas. Erigensque pennas et caudam velificat sicut navis et contendit e contra. Cum diu fecerit talia, pennas ad se revocat quia et lassitudine et unda revocatur in pristinum locum. Mare significat hunc mundum. Naves sunt prophete et apostoli qui transierunt hunc mundum et vicerunt adversarias potestas (sic) aeris huius. Serra vero que non potuit perseverare cum navibus ; significat eos qui temporaliter profitentur abstinentiam sed non perseve- rant usque in finem cum sanctis, qui ad portam celestis patrie victo mari pervenerunt.

1) In dem althochdeutschen H. S., mit Ausnahme jener von Hoffmann edirten aus dem 12. Jahrhundert wo es mit sarra gegeben ist, heisst es eben- falls serra. Ueber dieses fabelhafte Thier fehlt die weitere Spur und auch kunstgeschichtlich ist es ohne Bedeutung geblieben.

XI. De Yfpera *)•

Aliud item exemplum dictum est ad phariseos hujusce modi rem protendens s) progenies viparum quis ostendit vobis fugere a ventura ira. Phisiologus dicit de vipera sua. Quando coitum facit masculus infert os eius in feminam, et illa deglu- ciens semen, abscidit virilia eiusdem masculi et moritur statim. Intellige ergo quid faciet concubitus mertricis. Cum autem cre- verint catuli in ventre viperam perforant mordentes latus eius, et exeunt mortua matre. Vipere comparati sunt pharisei obsce- nis operibus et desideriis servi

fol. 6. a.

entes. Occiderunt parentem xpm. et matrem ecclesiam, persecut sunt. Item in evangelio dicit. Estote prudentes sicut serpentes, et

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reliqua 3). Phisiologus dicit. Tria sunt genera viperarum nocencium. Primum quando senuerit inpedimentum habet oculorum ut non videat ; sed vide quod faciat. Jeiunat enim xl diebus et quadraginta nocti- bus; donec laxetur pellis eius, tunc que vadens querit excissum petre et per ipsum transitum facit. Sicque exspoliatur et juvenis fit 5). Angusta est porta et arta via que ducit ad vitam &). Se- cunda natura draconis est quando pergit ad bibendum, evomit omne prius venenum suum in speluna sua vel fovea. Imitemus et nos hujusce modi draconem, ut quando veniamus aquam bi- bere. id est sermones divinos in ecclesia dei audire, non affe- ramus nobiscum pulvereas et maculosas secularesque concupis- centias. sed mundatis concupiscentiis nostris per humilem et per veram confessionem, ingrediamur templum domini orantes et psaltentes in cordibus nostris domino. Tercia vero natura draconis talis est. ut cum viderit nudum hominem timeus fugiet cum. Si autem vestitum prospexerit insiliet super eum 6). Et nos prudenter intelligamus quando pater noster erat in pa- radiso nudus non prevalebat adversus cum diabolus serpens antiquus.

*) Aus dem Inhalte dieses Abschnittes ersieht man , dass nicht bloss die Eigenschaft der Viper, sondern überhaupt jene der Schlange und des Drachen abgehandelt wird, auch werden abwechselnd die Aus- drücke vipera , serpens und draco gebraucht. In dem deutschen Phy- siologen kommen die Worte vipperun , vipera, natcron, natra, nate- ren vor.

Das hier über die Fortpflanzung der Schlange Angeführte findet sich in gleicher Weise in den 3 althochdeutschen Handschriften , fehlt aber in dem Physiologus des Epiphanius, hingegen führt dieser, so wie die deutsche H. S. der Wiener Hofbibliothek aus dem 12. Jahrhundert und die von Karajan herausgegebene eine vierte Eigenschaft der Schlange an, welche in unserer H. S. und in jenen der W. H. B. aus dem 11. Jahr- hundert fehlt. Der Vollständigkeit wegen führen wir die bezügliche Stelle des Epiphanius an :

Si quando serpens ab homine petitur, caput ille tantum custodit, reli- quum corpori exhibet.

Interpretatio

Debemus igitur et nos in tempore periculi totum corpus morti concedere, solum caput custodire, hoc est Christum non deferre, quem ad mo- dum sancti martyres fecerunt. Omnis enim viri caput Christus est, ut ait scriptura. Die deutsche versificirte Uebersetzung in Karajan’s Phy- siologus lautet : So man dic nateren flahen wil, so nimit si den Zagil

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unde tuot in. ubir daz hovbit. unde laet sich andirswa plivgen. Also schuolen wir tuon. swenne unsir uiant uns gant zuo. unde uns erflahen wellen, so schulen wir mit unsirem lichnamen. daz hovbet beschirmen, ward unsir hovbet ist. der heilige Christ. Wir schulen unsir hovbet den heiligen Christ, beschermen zediv daz er an dem jungist. mit gesundem hovbet bescherme. unde daz wiszeder ewigen genze geladet werden.

Die Kunstanwendungen der Schlange, als eines feindlichen Principes sowol in der bildenden, wie in der Dicht-Kunst sind hinreichend bekannt. Der fortwährende Kampf gegen feindliche Mächte, dem unsere ersten Eltern erlagen, zog sich in engere Kreise und gestaltete sich vorzüglich im Mittelalter zu jenen mit einem romantischen Schmucke versehenen Kämpfen mit Drachen und Lindwürmern.

а) Math. 3. v. 7.

3) Math, 10. v. 16.

4) Schon Aristoteles erwähnt in seinen Thiergeschichten lib. F. c. 15 und lib. 5. cap. 17. ebenso Plinius in seiner historia naturalis lib. 8. c. 17 dieser Verjüngung der Schlangen, zufolge welcher sie zum Symbol der Genesung und der Arzeneikunde gemacht wurden. Die poetische Fabel von der der Schlange zu Theil gewordenen Verjüngung durch den Esel welcher dieses Göttergeschenk auf dem Rücken trug und es gegen einen Trunk Wasser dem Hüter desselben , der Schlange abtrat, findet sich schon bei Sophocles, und Nicander.

5) Math. 7. v. 14.

б) Gerade das Gegentheil von dem hier Angeführten, womit auch die alt- hochdeutschen H. S. übereinstimmen führt der Physiologus des Epipha- nius an, indem er sagt: Cum serpens vestitum hominem conspicit, pavet, ipsumque fugit : quod si nudum videt, illum petit. Allein der Commen- tator Ponce de Leon bemerkt, dass diese Angabe im Widerspruche stehe mit den Ansichten des h. Hieronymus, des Isidorus, des Albertus M. u. a. m.

XII. De lacerta itl est saura *).

Est aquatite animal quod lacerta dicitur darum ut sol. Physiologus dicit de eo quia quando senuerit, utrisque oculis impeditur, ita ut nec solis lumen videat. Sed sue nature hujusce modi prestet medicamentum. Inquirit parietem, adtendentem contra origentem solis et per foramen exit et apertis oculis renovatur. Sic et tu homo qui veteri tunica indutus es quando oculi tui cordis caligentur, quere locum intelligibilem orientem versus, et ad solem justicie. xpm dominum nostrum jehsum te converte, cujus nomen oriens dicitur quatenus oriatur in corde, tuo per spiritum sanctum, et lucem misericordie sue ostendat tibi, qui illuminat omnem hominem in hunc mundum venientem.

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*) ln den althochdeutschen H. S. egedehsa übersetzt. Bei Moses III. 11. v. 29 und 30 unter den unreinen Thieren aufgezählt.

XIII. De cervo 1).

Fons ubi potatur cervus colubo 2) vacuatur Crimine purgatur qui christo fonte rigatur. Legimus in pslamo (sic) cervus desiderat fontes aquarum et reliqua 3). Duo enim genera sunt cervorum. Unum est ut cum invenerit serpentem in caverna ubi latitat

fol. 6. b.

flatum inmittit ut exeat et egredientis collum percuciens hinc et inde, occidit serpentem et devorat. Postea autem propter timorem currens ad aquas purissimas venenum evomit. Sed propter hoc tamen pilos mutat et cornua abicit (sic). Iste cervus figuram penitentium tenet quia penitentes constringuntur, intrin- secus conscientia peccatorum, et cadunt ad fontes id est ad doc- trinam« forisque proicientur. quia segregant se per penitentiam a corpore et sanguine xpi usque dum recipiuntur per reconliatio- nem (sic) sacerdotis. Aliud genus cervorum est. qui si invenerit serpentem occidit eum. et post victoriam peciit montem ubi pa- bulum inveniat. Sic et unusquisque ; sanctus ut a se diabolum in se vel in alios venena male persuasionis infundentem cum virtute domini eum interficere id est a se proicere. studeat, veniat ad montem id est ad xpm pabulum anime querat.

*) Während im Texte und damit übereinstimmend in dem althochdeutschen Physiologen eine doppelte Eigenschaft des Hirschen angeführt erscheint, behandelt des Epiphanias Physiologus nur Eine und in abweichender Art. Er sagt nämlich : Serpentium cavernas odore indagat et sicubi serpens delitescit, e vestigio subodoratur, statimque nares ad limen cavernae ad- movet , halitumque trahit , prodiens igitur serpens in fauces cervi sese ingerit, ille obvium devorat: qua de causa appellationem sortitus est videlicet quod ex imo serpentes ad se attrahat. Postquam autem ser- pentem ex cavernis cepit, illico ad aquarum fontes decurrit; quod si trium horarum spatio aequa se explere non potest, moritur; sin autem aequae potus obtingat , ad annos denuo quinquaginta vitam protrahit ; unde propheta David ; sicut desiderat cervus ad fontes aquarum, sic de- siderat anima mea ad te Deus. Während aber die Thatsache , dass der Hirsch durch seinen Athem die Schlange aus ihrer Höhle treibt und und ihr Sieger wird, bei den Schriftstellern des Alterthums und des Mittelalters allgemein beglaubigt ist , weichen sie doch in Einzelnheiten von einander ab. Plinius schreibt diese Eigenschaft ausser dem Hirsche auch noch dem Elephanten zu. Auch Tertullian und Origines im 1. Buche

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contra Celsum, im 15. Hauptstücke Matthaei und homil. 3. Canticum Cantic. verbreiten sich über die Allegorie, die aus dieser Mythe in An- wendung auf den christlichen Glauben sich ergibt und letzterer lehrt, dass unter dem Hirschen sowohl der gerechte Mann , wie auch insbesondere Christus vorgestellt sei.

Aus unserem Physiologiis gewinnen wir nun die Grundlage für eine bestimmtere Deutung der bezüglichen Kunstvorstellungen, als sie bisher stattfand. Alt H. nämlich in seinem Werke: die Heiligenbilder Berl. 1845 findet in dem Hirschen das treffende Bild eines Schuldlosen, der Niemanden etwas zu Leide gethan und gleichwohl vor seinen Ver- folgern nirgends Ruhe und Rast findet, bis er endlich nahe daran ist, vor Erschöpfung zu erliegen und vor Durst zu verschmachten. Gerade im Gegensätze hiezu ist nach unserm Physiologiis der Hirsch das Bild des Büssenden, der zur Heilquelle eilt, oder auch des Siegers über den Bösen, der schutzsuchend zu Christus eilt. Besonders das erstere Bild ist die Grundlage der Kunstdarstellungen geworden, und die häufigen Vorstellungen eines an der Quelle stehenden Hirschen auf Taufbecken zeigen hinreichend wie hiemit die geistige Wiedergeburt, der Erlös aus dem sündigen Zustande vor Augen gestellt werden soll. Als ein solches Symbol des Erlösers findet sich der Hirsch mit einem Kreuze zwischen den Geweihen auch häufig in mittelalterlichen Waldlegenden, wie z. B. bei St. Hubert und St. Eustachius.

3) Colnbo statt colubro Hausschlange.

3) Psalm 41. v. 2.

XSV. ©e capra1).

Est et animal quod dicitur dorcon grece. latine autem capra. De hac phisiologus dicit quia amat altos montes, et pas- citur in convallibus montium, est autem satis preciosum animal previdens omnia a longe nimis bene, ita ut si in alia regione ho- mines ambulantes, mox recognoscit si sunt venatores, et viatores. Sic et dominus noster ihs xps. amat excelsos montes, hoc est pa- triarchas prophetas et apostolas omnesque sanctos, et ut in cantica canticorum dicit, fratruelis meus sicut caprea veniens. 3) hoc est dominus noster jehsus christus, qui pascitur in ecclesia per opera pietatis que faciunt fideles, ut in evangelio suo dicit. Esurivi et dedistis mihi manducare et rei. Que ibidem enumerantur lauda- bilia. Convallia vero montium ecclesiam per diversa loca figu- rant. ut in canticis canticorum. Convertere fratuelis meus. 3) simi- lis esto capree hinnuloque cervorum super montes convallium. Quum igitur acutissimam oculorum aciem habet capra prospici- ensque a longe venatorum insidias. Significat xpm. dominum no- trum ut scriptura dicit. Quum deus4) scientiarum dominus est. Et

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alibi. Excelsus dominus et humilia respicit, et alta a longe cog- noscit. 5) et sicut prudentissimus provisor creaturam, quam

fol. 7. a.

creavit ad honorem nominis sui. prospicit videt et ruget, et ante quam in laqueum incidamus diaboli nos intentius providendo con- tegit sed. ne telis cogitationum premamur annuit nobis alta montium petere, id est sensus divinorum eloquiorum discutere, ut inde, quasi in speculo consideremus quod placeat quidve displa- ceat in nobis ipsis conditori nostro. Nam sicut caprea venatorem, ita dominus noster ihs xps. longe ante prospiciens judam prodito- rem; Sic aiebat; unus ex vobis me traditurus est 6) ; et mani- festius. juda oscula tradis filium hominis.

*) In den althochdeutschen Physiologen durch steingeiz übersetzt. Schon der Inhalt dieses Abschnittes, dessen Deutungen schon mehr moralischer Na- tur sind und sich bildlicher Gestaltung entziehen, erklärt den Abgang von Kunstdarstellungen. Wenn auf der Annakirche zu Annaberg der Bock zum Symbol des 20jährigen Mannes gemacht wird (Wäger , Kunstwerke und Künstler in Deutschland I. S. 30) so ist hiebei nicht an unseren Steinbock zu denken, und auch die Erklärung anderswo zu suchen.

2) Cant. 2. v. 9.

2) Gant. 18. v. 4.

3) I. Reg. 2. v. 3.

5) Psalm 137. v. 6.

6) Math. 26. v. 21. Marc. 14. v. 18. Joann. 13. v. 21.

XV. Ke Vulpe *).

Vulpis est animal dolosum et fraudulentum nimis. Cum esu- rierit et non invenerit quod manducet requirit rubram terram et facet quasi mortua, ita ut intra se adtrahat flatum, ne foris respi- rare videatur; Aves autem inprovide videntes eam ita iacere. ceu mortuam, accedunt ad eam. et volitant super eam insidentes, quod sub silentio sentiens, protinus ore aperto avem apprehendit ac comedit. Sic sine dubio diabolus et omnes heretici quorum simili- tudinem vulpis tenet, faciunt omnibus; secundum carnem viventi- bus fingunt tamquam mortuos, cum os intra guttur proprie potes- tatis teneant. Nec guttur diaboli evadunt, qui ocio et desideriis serviunt. Nam qui diabolicis operibus sunt occupati ab eo detinen- tur obnoxii et pares eius sunt simulque cum illo punientur, dicen- te domino per prophetam. Ipsi in vanum quesierunt animam me-

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am3), introibunt inferiora tere tradentur imanus (sic) gladii pares vulpium erunt. Rex vero qui letabitur cum omnibus sanctis suis.

*) Bei Karajan mit uohe übersetzt. Die häufigeren Darstellungen des Fuchsen auf christlichen Kunstdenkmalen erklären sich wohl aus der grossen Ver- breitung und Beliebtheit der Thierfabel, und insbesondere des Reinecke Fuchs. Diess war schon im 13ten Jahrhundert so häufig, dass ein stren- gerer Dichter, der Prior Gaultier de Coinsi (vor 1236) den Geistlichen seiner Zeit vorwirft, dass sie an ihren Münstern Isengrin und seine Frau häufiger , als das Bildniss unserer lieben Frau darstellen» Didron Annales archeol. II. 260. Wohl der Mehrzahl dieser Darstellungen liegt der Gedanke der Verlockung und Täuschung zu Grunde die dem Ge- täuschten zum Verderben gereicht. Auch dürften wir in dem den Hühnern predigenden Fuchsen , wie ihn die Reliefs in Brandenburg u. a. m. oft sogar in der Mönchskutte und in geistlicher Tracht zeigen, nicht eine Satyre auf die Geistlichen und Mönche erkennen, sondern vielmehr nach der im Texte gegebenen Auslegung die Verführung der Menge durch einen arglistichen Irrlehrer. Dafür spricht auch , dass in der hl. Schrift der Fuchs nirgends zur Bezeichnung irgend einer guten Sache vielmehr immer entweder zur Bezeichnung des Teufels selbst oder der Irrlehrer gebraucht wird. So in den Stellen: Ezech. 13. Nehem. 4. Tren. 5. Psalm 61. Cant. 2. Math. 8. Luc. 9. u. 13, und bei den Kirchen- vätern Origenes und Gregorius. Auch von gewöhnlichen Thierfabeln sind für Darstellungen auf Kirchen meistentheils nur solche ausgewählt, aus welchen eine zum Kirchenglauben im nächsten Bezüge stehende Ausle- gung sich ergiebt. In diesem Sinne sehen wir am grossen Portal der Cathedrale zu Amiens den Fuchsen unter einem Baume stehend, auf des- sen Zweigen der Rabe sitzt, und den Storch, welcher aus dem Rachen des Wolfes den Knochen herausholt beides ohne Zweifel mit der mo- ralischen Deutung auf die Gefahr der Verführung und des Lasters. a) Psalm 62. v. 10—12.

XVI. De castore.

A se castratur castor, cane ne capiatur Igne nec artatur sathane. qui castificatur.

Item est animal quod dicitur castor nimis mansuetum. Nam in medicina testiculi ejus bene prodesse dicuntur contra diversas välitudines; Physiologus exposuit naturam eius dicens. Quia cum investigatus fuerit a venatore, respiciens post se. et videns vena- torem. morsu abscidit testiculos sibi proiciensque eos in faciem venatoris aufugit. Venator autem colligens testiculos desinit ultra persequi eum. Sin autem repente

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fol. 7 b.

venator cum super venerit, et videns effugere non posse, erigit se et demonstrat virilia sua venatori, et cum viderit testiculos non habere dimittit eum. Sic sine dubio omnes, qui volunt caste vivere in xpo. secent a se omnia vitia cordis et corporis et proiciant in faciem diaboli et vivant in xpo. Monet nos et apostolus dicens. Reditte omnibus debita, cui tribu- tum tributum, cui vectigal vectigal, cui honorem honorem *). In- primis diabolo reddamus que sunt sua. id est renuntiantes illi et omnibus operibus eius et tunc demum ex toto corde conversi ad dominum, reddamus illi tamquam patri nostro honorem et cum suo adiutorio excuciamus a nobis vectigal et tributum diaboli ac adipiscamur fructus spiritales, id est. caritatem in operibus bo- nis. in elemosinis. in visitationibus infirmorum, in consolatione pau- perum. in laudibus dei et orationibus assiduis.

*) Epist. ad Rom. 13. v. J.

XVII, ©e formica *).

De formica dicit pbysiologus, quod tres naturas habeat, prima est natura eius cum exerit de spelunca sua ambulat ordinate id est per ordinem suum. Querentes antem grana formice. que va- cue portantibus obviant, non tollant in via quiquam de anno- na earum. Sed pergent et ille congregant cibaria propria. Hoc non fecerunt ille virgines quinque fatue que non assumpto oleo vacuisque lampadibus pergentes dixerunt sapientibus. Date nobis de oleo vestro quia lampades nostre extiucte sunt 2). Super ve- niente sponso, sapientibus introductis fatue foris detruse sunt. Item natura eius secunda. Quando recederunt frumentum in spelunca sua findunt singula grana per medietatem sui. ne ex humore madefacta grana germinent et ne hiemis tempore fame pereant. Sic et tu homo domini scripturas veteris testamenti divide in duas partes, id est inter historiam et spiritatem intel- lectum ut intelligas veritatem. A figura autem separa spiritalia, et altera sola ne ingerminante die hiemis, hoc est in die judicii fame pereas, dicit enim apostolus. Lex spiritalis non carnalis 3). et alibi. Litera enim occidit, spiritus autem vivificat 4). Item in alia loco Hec autem in figura contingebant illis 5). Scripta

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fol. 8. a.

sunt propter nos in quos seculorum fines devenerint. Judei autem solam vitam adtendentes. et spiritalem intellectum non habentes, domini sui interfectores extitirunt. Vnde et fame pereunt quia ina- nibus paleis vacantes triticum perdiderunt. Tu autem homo dei rade virgas et tolle cortices earum, sicut fecit jacob et ita decorticatas mitte in aquas ut pariant oves tue spiritales fetus, non carnales ac viciosos. sed puros et uniformes. Hec autem spiritalibus intelligibilia sunt. Si autem non crediteritis. non intelligetis. Item natura for- mice tertia. Cum enim tempore messis in segetem ambulaverint ex olfactu proprio intelligunt utrum ordeum vel triticum sit in agro, ordeum si fuerit transit ad aliam spicam, odoraturque et si sense- rit spicam triticeam ascendit in culmum illius. Hordeum brutorum animalium est fuge autem ordeum o homo dei hoc est doctrinas hereticorum. Hordeacia enim sunt sed pro squaloribus proicienda que disrupunt mores et interficiunt animas hominum, fuge igitur sabellium seu marcionem. fuge, manicheum. cave novatianum et montanum, fuge valentinum. basilidem. macedonium, fortinum et omnem aruspicem. qui omnes fetores droconis spargunt ubique horumque hominum dogmata falsa atque inimica sunt veritati.

Der Physiologus des Epiphanius erwähnt nur der zwei ersten hier ange- führten Eigenschaften der Ameisen. Kunstanwendungen sind von diesem und dem nachfolgenden Thiere nicht bekannt.

3) Math. 25. v. 8.

3) Rom. 7. v. 14.

*) 2. Cor. 3. v. 6.

5) 1. Cor. 10. v. 11.

XVIII. He Ericeo 4).

Physiologus dicit de ericio ita. erinatius habet lactei circuli quandam similitudinem et est de foris spinosum Tempore autem vindemiarum ingreditur in vineam et ubi viderit uvam bonam, scandit super vitem et exacinat unam, ita ut cadat in terram. Tunc ille descendens, volutat se super acinos, ita ut spinas suas repleat acinis sicque escam portat filiis suis. Tu ergo homo custodi vine- am tuam et omnes fructus spiritales, nec te occupent istius secufi sollicitudines et corporalium vitiorum voluptates, ne forte spino- sus diabolus expergat omnes fructus tuos, ut cor affigat aculeis spinarum, id est. vitiorum et faciat te escam bestiis terre et rema-

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neat vinea tua nuda et vacua. Congrue igitur physiologus naturas animalium exposuit intelligentiam scripturarum spiritualium.

*) Du Cange giebt in seinem Glossarium zu diesem Worte folgende Erklä- rung : Papias , Icinus , murinum animal a terrestri Icino nomen traxit, quem vulgus Ericium vocat. Von Moses (III. 11. v. 29. u. 30.) als unreines Thier bezeichnet.

fol. 8. b.

XIX. ©e Aquila1).

Fons et sol aquile reddit corpus invenile. Dicit ergo david in pslamo. c. 1. Renovabitur ut aquile juven- tus tua2). Physiologus dicit. Aquilam talem naturam habere: ut quando senuerit graventur ale eius et oculi ipsius obducuntur cali- gine. Tunc vero querit fontem aque vive et cetera fontem evolat in altum, usque at ignem solis, ibique incendit alas suas, simul et caliginem oculorum suorum emendat. Surgens autem de radio solis demum descendit in fontem tribus vicibus, se mergit, statimque renovata est. Ergo et tu homo dei judeus sive gentilis qui vesti- mentum habes vetus et caligantur oculi tui cordis secundum sensum spiritalem domini qui dixit. Nisi quis renatus fuerit ex aqua et spiritu sancto non potest introire in regnum3) dei. Si ergo bapti- zatus fuerit ex aqua et spiritu sancto, tunc renovabitur ut aquile inventus tua. Item sanctus augustinus de aquila ita disseruit dicens. Cum autem senuerit aquila crescit illi rostrum superius, id est beccus ex quo tune impeditur manducare. Pergens autem ad petram frangit illum, sicque manducat, et vivit quamdiu deus vult. Sic et nos percutimur ad petram id est xpm. Per rostrum intelligitur vetus tunica quam de adam traximus. Renovamur autem in bap- tissmo et postea possumus comedere corpus domini. Item hiero- nimus refert: quod quando senuerit aquila petit altiora celi. hoc est usque ad ignem ethereum. sumensque de illo comburitatas suas. Sicque cadens in nidum suum arescit per pennas suas et pascunt eum pulli sui. usque dum renovatur. Sic nos per graciam spiritus sancti conburimur et arescunt vitia ac peccata nostra, inte- rim usque dum veniamus in futuro ad renovationem perpetuam.

*) In dem Alth. Phisiologen durch äre und ar gegeben. Die verschiedenen Kunstdarstellungen des Adlers , so sehr sie auch in äusserer Verschie- denheit einer Gemeinsamkeit der Bedeutung und des Grundgedankens zu ermangeln scheinen , lassen sich doch ohne Zwang auf eine gemeinsame

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Bedeutung zurückführen, nämlich auf dem von Oben herabschwebenden von Gott gesandten Geist, der Sehutz und höhere Begabung ertheilt und zum Kampfe wider die anstrebenden Mächte des Bösen stärkt, oder überhaupt den Aufschwung von Oben. In diesem Sinne ist schon der zweiköpfige Adler des Elisa aufzufassen, der ihm auf seine Bitte an den scheidenden Elias, dass sein Geist zwiefältig bei ihm bleiben möge (2. Reg. 2. v. 9.) zukam. Auch der Adler des Evangelisten Johannes widerspricht nicht dieser Deutung, sondern bestätiget sie vielmehr, wie Durandus in seinem für archäologische Forschungen so hochwichtigem Werke : Rationale divi- norum officiorum (Rubrica de pieturis) bestätiget, indem er sagt: Joan- nes autem figuratur aquilae, quoniam ad excelsa pervolitat. Hic quoque significat Christum, cujus juventus ut aquila renovatur, quae resurgens a mortuis floret et in celum ingreditur und Rubrica de evangelistis : Joannes per aquilam quare ceteris cum domino gradientibus ipse in coelum ad scribendam christi divinitatem volavit, dicens : in principio erat etc.

Die Seite, nach welcher der Adler als der von Oben zum Schutze ent- sandte Geist dem Frommen zur Seite ist, ist vorzüglich in einigen Legen- den, wie z. B. des hl. Bertulph, Servatius und Medardus hervorgehoben.

Auch jene vielfach sich widerholenden Darstellungen, eines nach Oben schwebenden Adlers , der in seinen Klauen entweder einen Drachen, einen Bären, oder irgend ein anderes Ungethüm trägt, wie wir sie z. B. an den Kirchenpforten zu St. Lorenz in Agro Verano, der Johannes und Paulskirche zu Rom (Ciampini Taf. 16. Fig. 1. und Taf. 16. Fig. 3.) und an der Klosterkirche zu Iberstadt in der Wetterau (Müllner Beiträge T. 20.) u. a. m. sehen, deuten auf die Erhebuug nach Oben und die Vernichtung der bösen Gewalten, welches vorzüglich von den Kirchenbe- suchern gefordert wird. Die hie und da geltend gemachte Meinung, zufolge welcher in diesen Vorstellungen nur das dem Guelfen vom Papst Clemens verliehene Wappen (ein Adler , einen Drachen unter seinen Klauen) abgebildet sei, hat schon Ciampini (S. 30) richtig durch die Bemerkung widerlegt, dass die Gebäude, an welchen diese Vorstellungen angebracht sind, älter seien, als der Streit der Guelfen und Ghibellinen. Auch schon die alten Sachsen hatten in ihr Kriegeszeichen den über einem Löwen und einem Drachen, den Sinnbildern der Stärke und Klug- heit, schwebenden Adler aufgenommen, wie Witichint hist. lib. I. bei Meibom. S. S. rer. German. I. pag. 633 berichtet. s) Psalm 102 v. 5.

3) Joann. 3. v. 5.

XX® De pellicano 1).

De pellicano dicit david in psalmo, c. 1. Similis factus sum pellicano in solitudine 3). Physiologns dicit de eo quod nimis amans sit filios suos. Cum autem genuerit natos suos et cepe- rint crescere, percutientes lacerant parentes suos in faciem, illi autem repercuciendo occidunt filios suos. Tertia autem die

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mater eorum pereuciens costam suam aperit latus suum et infun- dit sanguinem super corpora mortuorum, sicque cruore ipsius sanentur resuscitati.

fol. 9. a.

pulli. Ita et dominus noster jhs. xps. per esaiam prophetam dicit, filios genui et exaltavi, ipsi autem me spreverunt 3). Nos igitur auctor et conditor noster omnipotens deus creavit et cum non essemus fecit nos ut essemus. Nos vero e contrario percussimus eum cum in conspectu eius pocius. creature, servivimus quam creatori. Id circo in crucem ascendere dignatus est. percussoque latere eius exi vit sanguis et aqua in salutem nostram et vitam eternam amen.

*) In dem althochd. Physiologen durch sisegoum übersetzt. Die verschiede- nen Meinungen der alten Schriftsteller und der Kirchenväter hierüber findet man in der von Ponce de Leon besorgten Ausgabe des Physiologen des Epiphanius aufgezählt (Edit. 1587, pag. 31)- Die Sage vom Pelikan ist ein so passendes Symbol des die Menschen erlösenden Christus, dass Alt H. (S. 56) die Vermuthung ausspricht, sie sei schon ursprünglich als eine Allegorie des christlichen Erlösungswerkes aufgestellt worden, dass diess aber nicht der Fall sei , kann man wohl daraus entnehmen, dass lange vor dem Christenthum die Pelikansage bekannt und schon bei den Aegyptiern dieser Vogel ein Sinnbild der Elternliebe war. Sehr sinnig hat die christliche Kunst auf einigen Bildwerken über der Dornenkrone des am Kreuze hängenden Christus das Nest eines Pelikans mit seinen Jungen angebracht, und auch die Hochaltäre der Kirche, an welchen der Opfertod Christi feierlich begangen wird, mit diesem Sinnbilde geschmückt- Oft ist auch der Opfertod Christi mit seiner Auferstehung durch die ver- einte Darstellung des Pelikan mit dem Phönix zur Anschauung gebracht, wie am Portal der Magdeburger Kirche. Uebrigens wird der Pelikan ob- wohl selten zum Symbol der den Christus zur Welt bringenden Jungfrau gemacht. So in dem xylographischen Werke der Gothaer Bibliothek, De- fensorium beatae Mariae virginis, wo man zur Darstellung des Pelikans folgende Verse liest:

Pellicanus si sangwine animare fetus claret Cur Christum puro ex sangwine virgo non generaret wozu die Stelle Isidor’s (Etym. XII. 7. p. 1135) angeführt ist : Pellicanus avis-fertur occidere natos suos , eosque per triduum lugere , deinde se ipsum vulnerare et aspersione sui sanguinis vivificare filios (Jac. u. Ukert 1. Heft S. 104.) Wie sehr man sich übrigens im Mittelalter bemühte , den Opfertod Christi in symbolischer und typologischer Weise den Gläubigen vor Augen zu stellen, dafür gibt der Speculum humanae salvationis den Beweis, Christus sich opfernd mit dem König Codrus zusammenge- stellt ist , welcher : quamvis paganus esset , ac non cognosceret deum, tamen nutu dei recepit per Apollinem responsum verum (Jac. und Ükert I. 157). In seltenen Fällen wird der Pelikan überhaupt zum Symhol der Kirche gemacht, wie in den Bildwerken der Vorhalle des Klosters

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Laach, wo der Teufel dem Pelikan, als Symbol der Kirche , eine Schrift- rolle vorhält, auf welcher die Worte : Peccata Romae zu lesen sind.

Schnaase (Kunstgeschichte IV. 374) sieht in dieser wie in ähnlichen Dar- stellungen den Ausfluss einer geheimen Opposition der Laien gegen die Kirche.

2) Psalm 101 v. 7.

8) Jesaias 1. v. 2.

XXI. He Xocticorace *)•

Diligit obscena loca noctycorax ut hyena Gens judea colit tenebras diu credere nolit.

In eodem psalmo dicit david factus sum sicut nocticorax in domicilio 2). Nocticorax inmunda avis est et magis tenebras amat quam lucem. Ergo convenienter significat judeos qui adveni- ente domino jehsu xpo a se repulerunt presentiam eius dicentes. Non habemus regem nisi cesarem3). Hunc autem nescimus quis sit. Ideoque plus dilexerunt tenebras quam lucem, et propterea dominus dignatus ad gentes se gonvertere. et illuminavit seden- tes in tenebris in regione umbre mortis, lux orta est nobis de hoc populo4) salvator per prophetam dicit populus quem non cog- novi servivit mihi5) et alibi. Vocabo non plebem meam et non dilectam dilectam 6). Cetera de populo indeorum dictum est ; filii alieni mentiti sunt mihi et claudicaverunt a sensitis suis 7).

*) In den Althochd. Physiol. durch nahtram übersetzt. Unter den im 3. Buch Mosis (11. 13) als unrein verbotenen Vögeln kommt auch die Nachteule vor. Otte hat über die Deutung der Thiergestalten (in den neuen Mitthei- lungen des Thüring-Sächsischen Vereins VI. 4. Heft. S. 50) manches be- achtenswerthe gebracht, doch ist jener allgemeine Unterschied zwischen den reinen und unreinen Thieren nur mit Vorsicht zu gebrauchen , und führt ohne Beihilfe anderwärtiger Forschungen leicht zu Irrthümern und Fehlschlüssen. So finden wir z. B. unter den von Moses als unrein ver- botenen Vögeln auch den Adler, der doch in der christlichen Kunst vorzugsweise ein Symhol des Beinen, Erhabenen ist.

2) tsalm 101 v. 7.

*) Joann. 19 v. 15.

4) Jesaias. 9 v. 2.

*) Psalm 17 v. 44.

6) Epist. ad Rom. 9 v* 25.

7) Psalm 17 v. 46.

XXII. De fulica.

Est et volatile quod dicitur fulica, satis intelligibile et pru- dentissimum super omnia volitilia que volant super terram. Nam nec ullo cadavere vescitur, neque abunde volans vel oberrans.

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sed in uno loco commoratur, ibique permanens usque in finem suum, in eodem loco escam et quietem habens, sicut et david dicit, fulice domus dux est eorum *). Sic ergo omnis fidelis habet agere, id est ut non oberret, cibum hereticorum non querens nec secularibus desideriis inhereat. ut aves avide que carnibus vescuntur. Semper in uno loco id est in ecclesie catholice domo cum omni puritate usque in finem permaneat ibique pascitur non solum pane sed et omni verbo dei.

*) Psalm 103 v. 17 wo es heisst : Herodii domus dux est eorum.

XXII5. De Perdice 1).

Est item volatile, quod dicitur perdix, fraudulentum nimis. Sic et spiritus sanctus per prophetam hieremiam dicit. Clamabit perdix et congregabit ea que non peperit. faciet sibi divitias non cum judicio in medio autem dierum derelinquet eum et in novis- simis suis erit.

fol. 9. b.

stultus2). Phisiologus dicit saiis astutam esse perdicem, que aliena ova diripiat, hoc est perdicis alterius que corpore fovit proprio. Sed cum ad lumen perducuntur pulli, audiuntque vocem matris recedunt ab ea. qua foti sunt et veniunt ad proprios parentes, amore scilicet quodam instincti. Illa vero perdice aqua foti sunt, nichil ominus inani et stulta re manente. Sic et dia- bolus nimis frandulentus diu creatori omnium creaturarum ad imaginem suam formatam rapere conatus est. eosque aliquo modo rapiens qui sensu carebant spiritali, fovit eos in diversis divitiis. Sed mox ut vocem predicantis audierunt, redierunt ad pro- prios parentes ad xpm. scilicet et ecclesiam, ibique eterno amore complexi diabolo stulto et inani ab hac preda relicto foventur.

*) Bei Hoffmann (H. S. 12. Jh.)(»' durch rephün, bei Karajan durch rebhuon übersetzt.

s) Jerem 17 v. 11. Die Stelle lautet wörtlich: Perdix fovit, quae non pe- perit : fecit divitias et non in judicio, in dimidio dierum suarum derelin- quet eas et in novissimo suo erit insipiens.

XXIV. De Assida1).

Item est animal quod assida dicitur, quodque greci stru- cionem nominant. De strucione isto lieremias propheta dicit, et assida in celo cognovit tempus suum 2). Phisiologus dicit quod volatile sit sed non volans, pedes habet similes camelo ideoque

6 *

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greci strucionem vocant latini camelum. Hoc (ergo von späterer Hand) ergo animal ita facit* ut quando tempus venerit ut ova pariat elevans oculos suos in celum. et intendit diligenter stellas illas que dicuntur vigilie vidensque eas ascendentes, sic ponit ova sua. De his stellis dicit et iob. Qui fecit virgilias ad dexte- rum et septemtrionalem et proptuaria austri3). Eo tempore enim id est quando Jsegetes florent et estus est nimius aparent stele iste. Tunc assida videns virgilias ascendisse, fodit in terram et abscondit ova sua sub sabulo illius heremi. Cum vero secesserit a loco illo obliviscitur et non redit ad ova sua. Est enium hoc animal naturaliter obliviosum et ideo tempore estatis generat ova et obruit ea arenis, ut quod illa facere debuerat, id est sedere super ova sua et flatu proprio pullos coram producere. Hoc tempus tranquilli aeris prestare videatur, videlicet ut ab estu calefacta harena excoquat ova ed excludat pullos. Sit ergo assida cognoscit tempus suum, et elevat oculus suos, oblivisciturque posteritatis sue: Quando magis nos oportet agnoscere Sempus nostrum, elevansque oculis cordis nostri que retro sunt oblivis-

fol. 10. a.

centes. juxta apostolum ad destinatum tendamus br avium superne vocationis 4). Et dominus in evangelio. qui amat inqui patrem aut matrem, aut fratres aut sorores, uxorem aut filios, plus quam me non est me dignus 5) et alibi sine mortuos sepe- lire mortuos suos, tu autem annuncia regnum dei 6).

A) Bei Hoffmann (H. S. 12. Jh.) durch struz. bei Karajan mit strovz über- setzt. Der Strauss erscheint unter jenen Thieren, welche bei Moses (3 Mos. 11, v. 13 und folg.) als unrein zum Genüsse verboten werden. Du Gange sagt unter Assida Folgendes über dieses Thier : Est animal quod Graeci struticamelon vocant, Latini strution, habet quidem pennas, sed non volat, pedes autem cameli similes; unter Asida lrest man; Avis strutio vel stella.

3) Jerem. 8 v. 7 : Milnus in coelo cognovit tempus suum.

3) Job. 9 v. 9, wo es heisst; Qui facit Arcturum et Oriona et Hyadas et interiora austri.

4) Epist. ad. Philipp 3 v. 14.

5) Math. 10 v. 37.

6) Exodus 20 v. 12.

XXV. De Vjnipa. *)

Scriptum quippe est in lege, honora patrem tuum et matrem et reliqua2). Phisiologus dicit, est avis que dicitur vpupa. cuius

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filii cum viderint quod parentes eorum senuerint et pre cali- gine cernere non potuerint diligent oculos parentum, ac fovent eos sub alis suis, usque dum renovantur, in statum priorem, et qua mente sunt qui parentibus propriis honorem debitum non persolvant.

*) In den Althochd. Physiologen durch witehophun gegeben. Der Wiedehopf erscheint ebenfalls in der Reihe der von Moses als unrein aufgeführten Vögel, obwohl er nach dem Inhalte der Fabel keineswegs als solcher an- zusehen ist, und Alt’s Behauptung S. 78 , dass das christliche Mittel- alter kein Bedenken trug, diese Thiere in das Reich der Finsterniss zu verweisen,” ist nur mit Einschränkung als wahr anzusehen. Wenigstens gibt es manche Ausnahmen hievon. Die Erklärung, wie unreine Thiere sowohl zur Bezeichnung des Guten und des Bösen zugleich angewendet werden können, findet man in unserem Texte: de Caradrio.

2) Exod. 20 v. 12.

XXVI. De Caradrio1)«

Est et volatile, quod dicitur caradrius. hic scribitur in deuteronomio non manducandus3). Phisiologus dicit de eo. quia totus albus est. nullam partem nigri habens cuius interior fimus oculorum caliginem curat, quisquis autem egretudine tenebitur per hunc voluerem agnosci solet utrum vivere an mori debeat Si ergo infirmitas aderit ad mortem mox faciem suam caradrius avertit ab homine illo et non dubitent quin moriatur homo ille. Sin autem spassare debet, intendit diligenter caradrius. et acce- dens os suum ponit super os hominis ac flatu suo extrahit om- nem infirmitatem^ hominis intra se. Volans autem tunc in itinera solis et acubaus in infirmitate dispergit infirmitatem et fit in- colomis. Sic et xps de se ipso protestatus est. Venit enim princeps huius mundi, et in me non invenit quicquam qui pecca- tum non fecit nec inventus est dolus in ore eius3). Veniens autem ipse ad infirmum populum iudeorum divertit se ab eo et convertit faciem suam ad gentes, tollens nostras infirmitates, portansque peccata nostra exaltatus in cruce. Ascendens in altum captivam duxit captivitatem, dedit dona hominibus4). In sua venit et sui cum non receperunt 5). Quodquod autem receperunt eum. dedit eis potestatem, filios dei fieri. Nam sicut aliquis dubitans cur inmunda animalia ad xpi significationem referantur ut serpens draco leo et aquila et his similia. Sciat, quod quando fortitudi-

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fol. 10. b.

nem et regnum christum. quando vero rapatitatem diabolum significant.

1) Wie hier im Texte der Caradrius zum Symbol des die Juden bekehrenden Christus gemacht wird, so ist er in dem Defensorium beatae Virginis zum Symbol Mariens gemacht, indem es heisst; Calandrius si facie egrum sa- nare valet. Cur christum salvatorem virgo non generaret. Bezogen wird sich an dieser Stelle auf die Schrift de proprietabis rerum von Bartho- lomäus de Glanvilla, wo es cap. 22 heisst: quando aliquis gravi detinetur infirmitate, si aegritudo fuerit ad mortem. Kaladrius avertit faciem suam a sic aegrotante, et sino dubio tunc moritur homo, si autem infirmus de- bet convalescere, Kaladrius figit visum in ipsum. Name, Gestalt und Eigen- schaft dieses Vogels gehören übrigens der Fabel an. Gesner de avibus LIII. p. 245 schreibt; recentiores quidam obscuri pro charadrio inepte caladrius, caladrion, calandria scribunt. Aelian H. An XVII. 13 beschränkt die heilende Kraft dieses Vogels auf die Gelbsucht. Auf die Fabel von dem Charadrius bezieht sich auch in der Historia Alexandri de proeliis die Er- zählung von gewissen weissen Vögeln, die Alexander im Palaste des Xerxes gesehen habe ; aves albas, magnas ut columbas , quae prae- videbant de homine infirmo, si viviturus erat, i. si respiciebat in faciem egri , convalescebat eger ex quacunque infirmitate detinebatur. In der Uebersetzung des Otto von Dimmeringen heisst es sonderbarer Weise: da waren weiss vogel in der gross als ein swein (vielleicht statt swan ?). In der handschriftlichen histoire d’Alixandre (Fol. 204b) findet sich die- selbe Geschichte von Vögeln de la grandeur de coulons (pigeons) et les appelloient les gens du pays salandres mit dem Zusatze et come dient aucuns philosophes , ces oyseaux ont reseu ceste vertu de nostre seigneur. In Hans Vintlers Blume der Tugend heisst dieser Vogel Gali- ander (Cod. Chart. A. 594. c. 1). Andere Stellen über diesen Vogel bei Ponce de Leon pag. 95 und in der Einleitung zum Vridank von W. Grimm S. L XXXVI. (Jacob und Ukert. I. p. 106 und 456). Bei Pape wird der Charadrius als ein gelblicher Vogel bezeichnet, der dem Brachvogel ähnlich in Erdspalten und Klüften wohnt, vielleicht der Regenpfeifer. Er galt für sehr gefrässig und sein blosser Anblick für ein sicheres Mittel gegen die Gelbsucht. S. Frie dr e i ch: zur Bibel' Nürnberg 848. S. 6.

2) Deun 14 v. 18.

3) I. Petr. 2 v. 22.

4) Ephes. 4 v. 8.

5) Joann. 1 v. 11.

XXVII. De fenice 1).

Est et volatile, quod dicitur fenix cujus figuram gerit dominus noster, ihs xps qui dicit inevangelio suo. Potestatem habeo ponendi animam meam et potestatem habeo iterum sumendi eam. Nemo eam tollet a me2) Propter hec enim verba irati sunt iudei. Est itaque hec avis in indie partibus. De ea dicit phisiologus quia expletis quingentis annis vite sue intrat in lignum libani repletque ambas

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alas suas diversis aromatibus ejusdem ligni, faciensque variis de pigmentis clausum nidum, congregat sarmentorum acervum maxi- mum subter domum poneus. Accedensque ad aerem solis ignem trahit secum et iucendit sarmenta ac ingreditur in nidum suum, mense faminoth id est martio et comburit se ipsam, et cinis prima die vertitur in vermem, secunda die in volucrem. Tercia vero die revo- catur in pristinum statum. Hec avis significat xpm utrisque alis odore suavissimo repletis, id est veteris et novi testamenti3).

4) Die Sage von der Verjüngung des Phönix war schon im Alterthum eine weitverbreitete ; besonders war Aegypten das Land, wo sie zuerst auftauchte und durch Herodot (II. 73) zur Kenntniss des Abendlandes kam. Auch findet er sich häufig auf ägyptischen Denkmälern abgebildet (Denon, Description de l’Egypte, Tom I. pl. 60. 78. 80.) theils wie ihn Herodot be- schreibt, theils mit einigen Veränderungen, theils symbolisirt als menschen- ähnlicher geflügelter Genius, zuweilen mit einem Sterne, zuweilen mit einer Schale. Dieser Sage nun, welche in vollkommen passender Weise ein Symbol für die Auferstehung überhaupt und insbesondere für die Grab- erstehung Christi gab, bemächtigten sich nicht nur die Dichter, wie Clau- dian und Lactantius in ihren Gedichten vom Phönix, sondern vorzugsweise die Symboliker des Mittelalters (Ambros, de fide resurr. II. 59. Clem. Rom. epis. ad Corinth. I. 24. Tertullian de resurr carnis c. 13. Münster. Sinnbilder I. 96). Kunstdarstellungen sind daher häufig in Anwendung gekommen. Da aber das Wort Phönix auch zur Bezeichnung des Palmen- baumes gebraucht wurde , so scheint durch die Namensgleichheit auch eine Uebertragung der symbolischen Bedeutung des Vogels auf den Baum veranlasst worden zu sein, daher erklärt sich das Vorkommen der Palm- zweige auf altchristlichen Grabsteinen als eines symbolischen Zeichens des Sieges über dem Tod, wie auch in diesem Sinne denen, welche für die Wahrheit der christlichen Lehre ihr Leben hingegeben, häufig ein Palmzweig in die Hände gegeben ist. Alt H. Heiligenbilder S. 67 und Grässe am a. O. S. 71—79.

2) Joann. 10 v. 17.

s) Nach diesen Schlussworten unseres Textes bringen die beiden althoch- deutschen Physiologen der W. H. B. XII. Jahrhundert und Karajans noch einige Schlussworte ; und zwar heisst es bei letzterem : wol gelert ist er , indem himilriche ein meister niwe uude alten, e. er uobet. väter- lichen er unsir huotet. des si geseit lop und genade. unserem herren got AMEN. Am.

Inhalt.

Einleitung

Vergleichende Uebersicht

Physiologus I.

II.

III.

IV.

V.

VI.

VII.

VIII.

IX.

X.

XI.

XII.

XIII.

XIV.

XV.

XVI.

XVIL

XVIII.

XIX.

XX. XXL

XXII.

XXIII.

XXIV.

XXV.

XXVI.

XXVII.

De Leone . . . De panthera . Monoceros . . De Ydro . . De Syrenis . , De hiena . . De Onagro . , De elephante De Autula De Serra . . De Vipera De Lacerta . De cervo . . .

De capra . . De vulpe . . , De castore . . De formica . De Ericeo De aquila . . , De pellicano De Nocticorace De Fulica De Perdice . De Assida De Upupa De Caradrio De Fenice

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