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Lateinische Litteraturdenkmäler
des XV. und XVI. Jahrhunderts. Herausgegeben von Max H e r r m a n Ti^ ^ind
^ =- 18. — - —
PETRVS MOSELLANVS
PAEDOLOGIA.
Herausgegeben
von
Hermann Michel.
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BERLIN. Weidmannsche Buchhandluns:.
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1906.
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Ernst Voigt
zum Gedächtnis.
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Einleitung.
Vor zweihundert Jahren, Anno 1706, erschien die letzte Ausgabe der Paedologia. Sie war wie die erste zu lebendiger "Wirkung und praktischem Nutzen bestimmt. Von allen in Deutschland verfaßten Schülergesprächen hat dieses Werk die meisten Auflagen erlebt. Wenn es jetzt wiederum dar- gebracht wird, so geschieht dies aus rein historischen Gründen. Es gilt, ein humanistisches Schulbuch, das einen bedeutsamen Tj^pus darstellt, zu erneuern und unbefangen zu würdis'en.
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I. Mosellans Leben.
Mit leiser Wehmut gedenkt Mosellan^) in reiferen Jahren seiner Kindheit. Sie muß trübe verlaufen sein. Er war der Sohn armer, rechtschaffener Leute, die sich und ihre zalilreiche Familie kümmerlich ernährten. In Bruttig, einem
') Die älteren Biographien sind überholt von Oswald Gottlob Schmidt: Petrus MoseUanus. Ein Beitrag zur Ge- schichte des Humanismus in Sachsen, Leipzig 1867. Ein paar Ergänzungen und Berichtigungen bringen die Kritiken von Zarncke: Kleine Schriften 2 (1898), S. 96 ff. und Geiger: GGA. 1868, S. 1535 ff. Vgl. auch Geigers Artikel ADB. 22. S. 358 f. Wichtiges Material in konfuser Anordnung bei Karl und Wilhelm Krafft: Briefe und Dokumente aus der Zeit der Reformation im 16. Jh. nebst Mitteilungen über Kölnische Gelehrte usw. Elberfeld o. J. [1876]. [Zeit- schriftentitel w^erden in den Anmerkungen der LLD. stets nach dem Siglens3'stem der „Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte" geboten.)
VI EINLEITUNG.
Weinirärtnordorf in der Nähe von Koblenz, ist er 1-493 oder 1494 geboren. Der üblichen Gelehrtensitte folgend hat er später seinen bürgerlichen Namen Peter Schade verändert: er nannte sich Mosellanus nach dem Flnsse, au dem sein Heimatsort lag und den einst Ausonius in seiner grade von Humanisten vielfach nachgebildeten \Mosella' mit an- mutiger Gelehrsamkeit besungen hatte. Auf der Schule, die er in verschiedenen Städten besuchte, machte er üble Erfahrungen. Sein erster Lehrer war ein Säufer und oben- drein ein unerträglicher Pedant, der nichts als den Baculus zu handhaben wußte. Dann, als er einen besseren Lehrer gefunden hatte, begann die Sorge um das täglich Brot. Er ging nach Trier und verdiente sich hier (wie Luther ein paar Jahre früher zu Eisenach) seinen Unterhalt durch Singen. Leider wissen wir über diese Trierer Periode nur sehr wenig: sie scheint für Mosellans Entwicklung von Bedeutung gewesen zu sein. Er selbst hat gelegentlich hervorgehoben, daß er in Trier auf alten Inschriften und Gemmen zum erstenmal griechische Buchstaben erblickt habe. Die Ver- mutung liegt nahe, daJ3 er hier das Kollegium zum hl, German besuchte, das gegen Ende des 15. Jahrhunderts von Brüdern des gemeinsamen Lebens gegründet worden warM. Als Mitglied dieses Kollegiums hat er sich dann wohl an der Universität Trier immatrikulieren lassen-). Denn er muß schon einmal immatrikuliert gewesen sein, bevor er die Universität Köln bezog. Hier ist er am 2. Januar 1512 als Petrus Schayde de proythgen in die Matrikel eingetragen — aber schon am 25. November des- selben Jahres besteht er, wie der Eintrag in das De- kanatsbuch beweist, das Baccalaureatsexamen'): dieses
^) Über dieses Kollegium vgl. [Hontheim] Historia Trevi- rensis dijjlomatica 2 (1750), S. 325 f . 568. Wyttenbach, Bei- trag zur Geschichte der Schulen im ehemal. Ohurfürstentum Trier. Programm. Trier 1841, S. lOff. J.Marx, Geschichte des Erzstifts Trier I 2 (1850), S. 453 469 ff.
') Die Trierer Matrikel ist bis auf einige Reste aus dem 18. Jh. verschollen.
') Diese Daten haben zuerst K. u. W. Krafft S. 195 mitgeteilt. H. Keussen in Köln hat sie auf meine Bitte
EINLEITUNG. VII
Examen setzt ein mindestens anderthalbjähriges Studivmi voraus^).
Drei Jahre blieb Mosellan in Köln, lernend und lehrend. Kein Zweifel, daß hier der Grund zu seiner philologischen Gelehrsamkeit gelegt wurde und daß hier seine didaktische Begabung zuerst sich entfalten konnte. Obwohl die Uni- versität noch wesentlich mittelalterlich organisiert war, hatte sich doch der Humanismus bereits Bahn gebrochen. Schritt für Schritt Land erobernd, gelegentlich zurück- gedrängt, doch nie gänzlich unterdrückt. Hier lehrten u. a. der junge talentvolle Glarean, der feurige Hermann von dem Busche und der bedächtige Johannes Caesarius-). Caesarius namenthch hat auf Mosellan (wie auf Murmellius) nachhaltigen Einfluß ausgeübt. Die Kenntnis der grie- chischen Sprache hat er ihm zu verdanken. Und er bewies sich dankbar: er widmete ihm eine seiner ersten Arbeiten,
nachgeprüft und richtig befunden; nur daß Mosellans Name bei der Determination im Dekanatsbuch nicht an 22.. sondern an 21. Stelle steht. Wunderlicherweise haben K. u. W. Krafit nicht auf die oben berührte Schwierigkeit aufmerksam ge- macht. Auch hätten sie nicht der alten Verwechslung unseres Peter Schade mit einem gleichnamigen, schon 1503 imma- trikulierten Studiosus aus Herford das Wort reden sollen. Auf diese Verwechslung ist es auch zurückzuführen, wenn man häufig (z. B. bei Knefel, Gesch. d. Friedrichs- G^^mn. in Herford 1817, S. 18; Hagen, Deutschlands litter. u. relig. Verhältnisse - [1868], 1,S.231; Veil, Zum Gedächtnis J.Sturms. Festschrift des protest. G^Tunasiums zu Straßburg 1 [1888], S. 3) den Horlenius als Lehrer Mosellans erwähnt findet, eine Angabe, die Eeichling zudem aus andern Gründen als hinfällig erwiesen hat (Festschrift des Paulinischen Gym- nasiums zu Münster 1898, S. 4 f.).
^) Kaufmann, Gesch. der deutschen Universitäten 2 (1896), S. 303.
2) Krafft S. 127 ff. 175 ff. Kämmel, NJbbKlAltGL. 12 (1875). S. 401 ff. Paulsen, Gesch. des gelehrten Unter- richts- 1 (1896), S. 118 ff. 0. F. Fritzsche, Glarean (1890), S. 8. Reichhng, Murmellius (1880), S. 79 ff. und in der oben zitierten Münsterer Festschrift S. 5 f. Auf Böckings Index biographicus' (Hutteni Opera, Suppl. II 2) sei hier ein für allemal verwiesen.
VIII EINLEITUNG.
Jene bedeutungsvolle Ausgabe des' Plutus"^), die das Aristo- phanesstudium in Deutschland recht eigentlich angebahnt hat.
Im Dezember 1514 verließ Mosellan Köln. Sein Ziel war Freiberg i. S.. wo er (nach kurzem Aufenthalt in Leipzig) im Januar 1515 anlangte. In Freiberg hatte der nimmer milde Rhagius Aesticampianus eine Lateinschule eröffnet, für die er ein i)aar junge Leute brauchte ^j. Mit Mosellan kam dessen Studiengenosse Caspar Borner ^). Aber die Hoffnungen, welche die beiden Jünglinge auf die neue Stellung gesetzt hatten, erfüllten sich nicht. So schlug denn Mosellan seinem Freunde vor, nach Leipzig zurück- zukehren. Das muß im Sommer 1515 geschehen sein.
Mosellan ließ sich alsbald an der Universität imma- trikulieren*). Der Lei])ziger Hochschule gehörte fortan das Leben Mosellans und gutenteils auch Borners; beide haben ihr als Dozenten nach Kräften gedient; der größere Gelehrte war Mosellan, das größere Organisationstalent war Borner; treffliche Pädagogen sind sie beide gewesen.
Leipzig war um jene Zeit die besuchteste L'niyersität Deutschlands^). Aber sie war nichts weniger als eine Hu- manistenuniversität®). Mosellan hatte noch nicht festen Fuß gefaßt, da erschienen die Epistolae obscurorum virorum").
^) Vorrede vom August 1517, abgedruckt bei Krafft S. 133 ff. Exemplare in Breslau U. und Göttingen.
-) Falsche Daten bei Süss. Gesch. des G^'mnasiums zu Freiberg. Freiberger Progr. 1876, S. 1 1 ff. und Thümer. Gymnasium (Albertinum) zu Freiberg: Veröffentlichungen zur Gesch. des Gelehrten-Schulwesens im Albertin. Sachsen 1 (1900), S. 114. Thümer hätte Bauchs aufkläi-ende Beiträge zur Freiberger Schulgeschichte des 16. Jhs. in den MGESch, 5 (1^95), S. 7 ff., 6 (1896), S 184 nicht übersehen sollen. Vgl. noch Krafft S. 137 ff. 197 f.
3) Kallmeier. Caspar Borner. Leipz. Diss. 1898, S. loff.
■•) Erler. Matrikel der Universität Leipzig 1 (1895). S. 542.
^1 Eulenburg. Frequenz der deutschen Universitäten (1904), S. 54 ff.
*) Paulsen 1. S. 92 ff. Friedberg, Die Universität Leipzig 1898, S. 27. 95 ff. Am meisten hat mir der aus- L'ezeichnete Aufsatz von Geß, Lei]jzig und Wittenberg im XA.SächsG. 16 (1895). S. 43 ff. gegeben.
') Im zweiten Teil wird auch Mosellan erwähnt: Hutteni Opera ed. Böcking, Supjil. 1, S. 200. 276.
EINLEITUNG. IX
Was für Bilder werden darin von den Zuständen in Leipzig entworfen! War die Universität wirklich so rückständig? Niemand wird heut mehr für bare Münze nehmen, was die sprudelnde Laune eines genialen Satirikers gestaltungsfroh hervorgebracht hat. Es gilt, die grellen Verzerrungen auf das richtige Maß zurückzuführen: die Konturen schrumpfen zusammen, die phantastischen Schnörkel verlieren sich, die Schatten werden heller — der Eindruck des Ganzen wird weniger lächerlich, doch kaum minder traurig und ab- stoßend. Ja, die Universität war wirklich so rückständig. Was wollen gelegentliche Berühnmgen mit dem Huma- nismus besagen, da er doch immer wieder das Feld räumen mußte und da namenthch die einflußreichsten Stellen mit Professoren besetzt waren, die jede Regung der neuen Zeit spöttisch oder gallig von sich wiesen. Diese Leute haben unserm Mosellan das Dasein verbittert, wo sie nur konnten. Und wenn die Klage über die bösen Momi im Iß. Jahrhundert oft nur eine treulich nachgebetete Clichephrase ist: Mosellan hatte wahrlich Grrund genug sie zu brauchen. Sein Leben ist von jetzt an ein Kampf. Er war von Haus aus keine Kämpfernatur, aber er hat diesen Kampf mutig aufgenommen und mit Energie, Klugheit und Zähigkeit schließlich erreicht, was er wollte. Es war ein Pyrrhussieg.
Mosellans Absicht ging dahin, in Leipzig vornehmlich Griechisch zu lehren. Es war ein harter Schlag für ihn, als er erfuhr, daß kurz vor ihm ein anderer, der sich eines klangvolleren Namens erfreute, mit derselben Absicht nach Leipzig gekommen war: der Engländer Richard Crocus^). Allein weit entfernt, sich in kleinlichen Konkurrenzneid zu ver.steifen, suchte Mosellan vielmehr von Crocus zu lernen und dessen Freundschaft zu gewinnen. Als dann Crocus, dem die Zustände in Leipzig begreiflicherweise nicht be- hagten-), wieder nach England ging, ward Mosellan sein
1) Dictionarv of National Biographv 13 (1888), S. 120ff. Bauch, MGESch. 6 (1896), S. 177 ff. ""
-) Trotz seinem Encomium academiae Lipsiensis. ab- gedruckt bei J. G, Boehmius, De litteratura Lipsiensi (1779), S. 191 ff.
X EINLEITUNG.
Xachfola:er an der I'niversität. Seine Antrittsrede handelte gut humanistisch von der "Wichtigkeit der Sprachkenntnis ^). Sie erregte ob ihrer antischolastischen Tendenz bei den Dunkelmännern viel Anstoß, trug ihm aber die Anerkennung des Erasmus ein-), als dessen unbedingter Ai)ologet er sich freilich in dieser Rede erwiesen hatte und auch fernerhin erwies.
Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts war in Leipzig öfter der Versuch gemacht worden, das Griechische als Lehrfach zu pflegen'*). Aber erst Crocus und ISfosellan haben es hier fester eingebürgert und eine breitere Wirkung darin entfaltet*). Es verdient Hervorhebimg, daß sie in ihren Bestrebungen insbesondere von dem Rate der Stadt tatkräftig unterstützt wurden*). Auch Herzog Georg und einige Adlige begünstigten den Aufschwung der Wissen- schaften. Aber es gebrach auch nicht an einer Gegen- strömung. 'Lipsae, quanquam pertinaciter adhuc reluctentur sophistae, erigmit se tarnen literae et augentur recta studia', schrieb Hütten im April 151^^); der Satz kennzeichnet die Sachlage gut. Die Sophisten', d. h. die ordentlichen Pro- fessoren der Theologie, spielten die Mißvergnügten und machten Opposition. Trotz seinen Lehrerfolgen fühlte sich Mosellan in Leipzig nicht wohl. Er sah sich im Frühling 1518 ernstlich nach einer neuen Stellung um"). Es fehlte nicht viel, und er hätte in Wittenberg jene Professur bekommen, der dann Melanchthon weithin strahlenden Glanz verlieh. Es ist nicht das Amt des Historikers sich auszumalen, welche Entwicklung Mosellan, welche Entwicklung die Reformation
') Oratio de variarum linguarum cognitione paranda. Lips. 15 IS.
■-) Vgl. Kalkoff, Vermittlung.spolitik des Erasmus: AReformationsG. 1 (1903), S. 32.
■) Bauch, Die Anfänge des Studiums der griechischen Sprache: MGESch. 6 (1896), S. 163 ff. 177 ff. 183 ff.
*) Vgl. Bauch a. a. 0. S. 183.
•') A\ustmann, Urkundl. Beiträge zur frühesten Gesch. der Xicolaischule. Lei])ziger Progr. 189."). S. IV.
«) Opera ed. Br.cking 1, S. 168.
") Hartfelder, Melanchthoniana paedagogica (1892), ••>. 74 ff. Bauch, MGESch. 6, S. 186 f.
EINLEITUNG. XI
genommen hätte, wäre er in der Tat vom Schicksal an die Seite Luthers gestellt worden.
Er blieb in Leipzig. Bei der Disputation auf der Pleißenburg (1519) hielt er die zum Frieden mahnende Er- öffnungsrede, in der er den Parteien gegenüber einen ver- mittelnden Standpunkt einnimmt. Seine Berichte über den Verlauf der Disputation sind für uns wertvolle historische Dokumente^). Bald darauf trat er eine Reise an. die ihn über Erfurt nach Trier und von dort nach Meißen führte, wohin die Universität, da in Leipzig die Pest herrschte, auf einige Zeit verlegt worden war. Anfang 1520 kehrte man wieder nach Leipzig zurück. Es war ein bedeutsames Jahr für Mosellan. Er war während seiner Abwesenheit von feigen Gegnern frech verleumdet worden-). Er mußte seine wankende Stellung äußerlich zu befestigen suchen. Er geizte nicht nach Titeln; aber der Magistergrad war nun einmal die Conditio sine qua non, sowohl um ins große Kolleg aufgenommen zu werden, was er im Interesse seiner üblen Finanzlage sehnlichst erstrebte, als auch um einen theologischen Grad zu erwerben, wodurch er das Recht er- hielt, theologische Vorlesungen zu halten. Und dazu trieb es ihn doch wohl auch innerlich: er wollte zu einer Zeit, wo alles auf religiöse Fragen hindrängte, nicht den müßigen Zuschauer spielen, sondern, angeweht von dem frischen Sturmwind der Reformation, in seinen Vorlesungen auch theologische Dinge behandeln. Zum Magister wurde er anscheinend ohne Schwierigkeiten am 3. Januar 1520 pro- moviert"^). Gegen seine Aufnahme ins große Kolleg aber sträubten sich die Kollegiaten, und der Herzog mußte erst
^) Vgl. Bärge, Andreas Bodenstein von Karlstadt 1 (1905), S. 14:8 ff. und die dort zitierte Litteratur.
2) Vgl. Giemen, BSächsKG. 12 (1898), S. 56 ff. 62 ff.; 16 (1903), S. 231 ff. ThStK. 78 (1905), S. 405 ff. Auch Clemens Aufsatz über Johannes Keusch im Beiheft zum XASächsG. 21 (1900), S. 111 ff. ist für die damaligen Verhältnisse in Leipzig lehrreich.
■^) Erler, Matrikel der Universität Leipzig 2 (1899), S. 543.
XII EINLEITUNG.
ein Machtwort sprechen^). Jetzt galts den Grad eines Baccalaureus ad cursum zu erlangen. Die Fakultät tat spröde und suchte den unbequemen Kollegen dadurch los zu werden, daß sie ihn — ein beliebtes Verfahren — hussi- ti.scher Neigungen bezichtigte. Abermals griff der Herzog ein-), und so wurde denn ^losellan zusammen mit seinem Freunde Poliander, von dem wir noch hören werden, am 20. August Baccalaureus der Theologie"'). Eine mehr de- korative Würde war ihm ein i)aar Monate vorher zuteil Jieworden: man hatte ihn für das Sommersemester 1520 zum Rektor der Universität gewählt*). Heinrich Stromer Auerbach, Professor der Medizin, ein wackerer, liebens- würdiger Mann'), hatte ihn beim Antritt des Amts in einem schwungvollen Paneg3Tikus herzlich begrüßt, und Mosellan hatte darauf in einer Rede über die Eintracht freimütig und mit tiefem Ernst geantwortet*"'). Aber seine Worte fanden nur geringen Widerhall. Der Zeiger der Zeit stand auf Krieg. In diesem Sommersemester sprach Mosellan über Augustinus'); zalilreiche Hörer fanden sich ein. Der An- drang zu seinen Vorlesungen vermehrte sich aber noch, als er im Wintersemester 152U/21 die Paulinischen Briefe inter- pretierte. Welch ein Umschwung I schreibt Mosellan an
1) Geß. Akten und Briefe zur Kirchen politik Herzog Georgs von Sachsen 1 (1905), S. 122 f.
-) Ibid. S. 130 f.
■') Brieger, Die theolog. Promotionen auf der Universität Leipzii? (1890), S. 31. Erler 2. S. 25.
') Erler 1, S. 571.
'") Vgl. über ihn Wustmann, Der Wirt von Auerbachs Keller. Dr. Heinrich Stromer von Auerbach. 1902. Giemen, Zur Lebensgeschichte Heinrich Stromers: NASächsG. 24 (1903), S. 100 ff.
'^) Henrici Stromeri Aurbachi Medici Sermo pane- gjricus . . . Cui adiecta est oratio Petri Mosellani de Con- cördia . . . Lips. o. J. [1520]. Abgedruckt bei J. G. Boehmius. De litteratura Lipsiensi (1779), 8. 2u6 ff.
'•) Vgl. seinen Brief an G. Agricola vom 31. Mai 1520 bei Wilisch. Arcana bibliothecae Annaebergensis 1730, S. 173 ff. und in Friedr. Aug. Schmidts Ausgabe von Agri- colas Bermannus (1800), S. 2 ff.
EINLEITUNG. XIII
Mutian, einst ekelten diese Studien wie die Fasten alle an, jetzt aber gefallen sie allein^). Mosellan war sich bewußt, daß dies ein Verdienst Luthers sei. Er hatte dem Refor- mator gegenüber zunächst eine abwartende Haltung ein- genommen, war ihm aber grade im Jahre 1520, als der Franziskaner Alfeld seine plumpe Streitschrift gegen Luther sandte"-), durch einen teilnahmsvollen Brief nähergetreten''). Gleichwohl ist Mosellan ein unbedingter Anhänger Luthers und seiner Lehre nie und auch damals nicht gewesen. Ihre Beziehungen wurden in der Folgezeit nicht enger, es trat vielmehr eine merkliche Abkühlung zwischen beiden ein*). Luther hatte ganz recht, wenn er im Mai 1522 Mosellan als einen Erasmianer durch und durch bezeichnete^). Niemand hat auf Mosellan so starken und bestimmenden Einfluß aus- geübt wie Erasmus. Ihm pflichtete Mosellan nicht nur in der Frage nach der Prädestination bei*'), sondern er teilte seine wissenschaftlichen und religiösen Anschauungen fast in jedem Betracht. Das religiöse Gefühl beider, wesentlich in der Ethik fußend wie bei den meisten Humanisten, war nicht mächtig genug, um den Fortschritt zu erkennen, der in der Reformation lag. Sie sahen nur die Gefahren für die gedeihliche Entwicklung der Wissenschaft, die ihnen über alles ging. Das Revolutionäre in Luthers Tat schreckte sie. 'Du willst die Macht, die ruhig, sicher thronende er- schüttern . . .'
1) Krafft S. 148 f. GiUert, Briefwechsel des Mutianus 2 (1890), S. 271 f.
-) Vgl. Lemmens, Pater Augustin von Alfeld (1899), S. 10 ff.
^) Nicht erhalten, vgl. Enders, Luthers Briefwechsel 2, S. 452.
*) Trotzdem galt Mosellan als lutherisch gesinnt, wie aus dem Briefe Thomas Blaurers vom 15. Februar 1521 bei Hartfelder, Melanchth. paedagog. S. 116 hervorgeht.
^) Vgl. die nächste Anmerkung.
*') Luther an ßorner am 28. Mai 1522: 'De praedesti- natione vero sentire Mosellanum cum Erasmo antea novi, totus enim Erasmianus est'. Enders S. 375 f.
XIV EINLEITUNG.
Das Haften an dem Legitimitätso^edanken war es letzten Endes auch, was den klu,s2:en und ener2:ischen Herzog Georg, der ein Herz für den Humanismus hatte, seit dem Wormser Reichstag zu einem erbitterten Feinde der Reformation machte. Er war so wenig wie Erasmus und Mosellan ein Freund der Pfaffen. Er hatte sich ehrlich bemüht, eine Re- organisation der Universität Leipzig herbeizuführen. Jetzt aber verbietet er alle Neuerungen. Keiner seiner Untertanen darf in "Wittenberg studieren. Keiner seiner Professoren darf zu Luther halten. Er läßt die lutherische Bibelübersetzung konfiszieren. Und er ersucht die Leipziger theologische Fakultät, deren Impotenz und Ignoranz ihm hinlänglich bekannt war, um ein Gutachten über diese Übersetzung^).
Daß Mosellan mit diesen Maßregeln einverstanden war, werden wir billig bezweifeln. AVir hören fortan nicht mehr viel von ihm. Er machte Reisepläne, denen keine Aus- führung folgte. Er versenkte sich mit anhaltendem Eifer in wissenschaftliche Arbeiten. Schulden drückten ihn'). Noch einmal, im Sommersemester 1523. verwaltete er das Rektorat''). Zu Beginn des Wintersemesters wurde er Sententiarius*): abermals war der Herzog gegen die Fa kultät für ihn eingetreten °). Es war die letzte Würde, die er auf Erden erlangt hat. Rasch kam der Tod. Entbehrungs- reiche Jugendjahre, arbeitsvolle Studentenjahre, stürmisch erregte Dozentenjahre hatten den widerstand.slosen Körper des unermüdlich Tätigen vor der Zeit zerrüttet. Er starb mit dreißig Jahren im April lo2-4: ein Gelehrter reicher Frucht und reicherer Hoffnung*^).
Seine Schüler, unter denen sich zahlreiche bedeutende
M Geß, Akten und Briefe S. 2»;9ff. 386f. 425f. 465 f. u. ö.
■-) Geß, Akten und Briefe S. 6nl.
■') Erler 1, S. 587.
*) Erler 2, S. 26.
■•) Geß, Akten und Briefe S. 483 ff.
•) 'Juvenis magnae iam eruditionis. sed spei longe maxi- mae' hatte ihn Erasmus 1520 in einem Briefe an Herzog Georg genannt (Opera ed. Clericus 3, S. 567 D).
EINLEITUNG. XV
Politiker^) und Pädagogen-) befinden, haben ihn aufrichtig beklagt und sein Andenken in hohen Ehren gehalten; bis tief ins 16. Jahrhundert hinein kann man seinen Namen rühmend erwähnen hören'*). Auch Herzog Georg wußte, was die Universität an Mosellan verlor. 'Fuit enim is vir summum Lipsiensis gymnasii decus', schrieb er an Erasmus*). Trotz alledem — einer von den Großen ist Mosellan nicht gewesen. Man hat ihn oft mit Melanchthon ver- glichen und in vieler Beziehung gewiß mit Recht. Ob er eine gleiche Wirksamkeit wie dieser entfaltet hätte, wäre ihm ein längeres Leben zuteil geworden, bleibt doch zweifelhaft. Sein Horizont war enger. Er war weniger zaghaft als Melanchthon und doch nicht frei von ängst- licher Vorsicht. Er war weniger bestimmbar als Melanchthon und hatte sich doch von Erasmus völlig bestimmen lassen. Vielleicht hätte er sich mit der Zeit auch die profunde Gelehrsamkeit des Erasmus angeeignet: dessen Geist hätte er nie erlangt. Er war ein Mann von klarem Verstände, schneller Auffassungsgabe, rastlosem Fleiße. Er besaß wenig Temperament, aber einen starken Willen. Er pro- duzierte rasch, doch nicht immer mühelos und nicht iixnner
^) Vor allem Julius von Pflug, der, wie er selbst in seiner Oratio funebris in mortem Mosellani (o. 0. u. J. Exera])lar in Münster; Neudruck von Müller, Cizae 1798) angibt, die Richtung seines Lebens von Mosellan empfangen hat. Sodann Christoph von Carlowitz, vgl. Langenns Bio- graphie (1854), S. 10 ff. Brandenburg, Moritz von Sachsen 1 (1898), S. 13 f. (s. u. S. XVIl).
-) Ich nenne hier nur Georg Agricola, Camerarius. Trotzendorf und Musler. Die Funebris oratio habita in laudem Petri Mosellani a Joanne Muslero Ottingensi (o. 0. u. J. [1525] Pflug gewidmet) ist die wichtigste Quelle für die Lebensgeschichte Mosellans. Über Musler vgl. Expe- ditus Schmidt, Bühnenverhältnisse des deutschen Schul- dramas (1903), S. 23. 101. 124. Giemen, NJbbKLlltGL. 12 (1903), S. 524 ff.
^) Vgl. Radtschlag des allerheiligsten Vaters Bapsts Pauli des Dritten, 1545 (Königl. Bibl. Yp 8841). Bl. Fb. Koldewev, Gesch. d. klass. Phüologie auf der Univ. Helm- stedt (1895), S. 16. 199.
^) Geß, Akten und Briefe S. 675.
XVI EINLEITUNG.
sorgfältig. Er konnte bei etwas unbeholfenem Benehmen gewinnend liebenswürdig sein, zuweilen aber auch schroff, fast hochfahrend. Selbstgerecht und eitel war er sonst nicht, aber er hielt auf seine Stellung. Er scheint ein klösterlich strenges Leben geführt zu haben: die Liebe ist ihm nie genaht M- Die Wissenschaft und die Lehrtätigkeit haben ihm alles ersetzt.
Er muß ein ausgezeichneter Lehrer gewesen sein; nicht nur seine Schüler, auch seine Schriften bezeugen es-). Sie sind nicht alle pädagogischer Natur, aber nur wenige er- mangeln einer didaktischen Tendenz. Er war in erster Reihe Philolog. Er lieferte Ausgaben griechischer und römischer Schriftsteller und versah sie nicht selten mit kurzen Er- läuterungen. Er beschränkte sich dabei natürlich nicht auf den Kanon, den wir als klassisch' anzusehen gewohnt sind, sondern griff mit Vorliebe auch in die altchristliche Litteratur hinein: wie denn überhaupt grade diese Litteratur im Zeit- alter des Humanismus eine noch nicht nach Gebühr ge- würdigte Rolle spielt. Ihm verdanken wir die erste Aus- gabe der Schrift des Claudianus Mamertus (t um 477) 'De statu animae\ in der vom August inischen Standpunkt aus die Einheit und Unkörperlichkeit der Seele verteidigt wird*). Mit Gregor von Nazianz, dessen rhetorischer Schwung und dessen schöngeistige Neigungen üin gefesselt haben werden, hat er sich viel beschäftigt und die Fünf Bücher über die Theologie ins Lateinische übersetzt. Derlei Versionen hat er auch sonst gern hergestellt und z. B. nach
1) Geiger, GGA. 1868, S. 1539 wollte ihm einen Sohn imputieren durch den Hinweis auf seinen Brief an Pirck- heimer, Opera ed. Goldast. S. 323. Allein der adolescens, vr.n dem Mosellan hier spricht, ist offenbar nur einer seiner ."^chüler, der vielleicht in seinem Hause lebte.
■-') Ein bibliographisch unzulängliches Verzeichnis bei 0. G. Schmidt S. 85 ff.
•■') Vgl. Ueberweg-Heinze. Grundriß d. Gesch. d. Philos."' 2 (1S9S). S. 141. 143 und die dort zitierte Litteratur. Zur Überlieferungsge.^chichte der Handschrift s. L. Schmidt, NASächsG. 18 (1897), S. 208. 227, dazu Giemen, BSächsKG. 15 (1901), S. 20 ff.
EINLEITUNG. XVII
dem Vorgang des Erasmus zwei Dialoge Lukians ins Latei- nische übertragen^). "Was er für sich und andere zu Lehr- zwecken geschrieben hat, ist nicht alles gedruckt worden. Doch genügen die vorliegenden Anleitungen zur Ehetorik und Stilistik, um sein pädagogisches Geschick ausreichend zu beleuchten. Eine ganz kurze Schrift über die beste Zeiteinteilung, die Christoph von Carlo witz, späterhin der einflußreiche Berater Moritzens von Sachsen, unter die Presse gesandt hat, enthält die Summe seiner praktischen Pädagogik. Es geht eine gesunde psychologische Einsicht durch dies anspruchslose Opusculum, das wir im Zweiten Anhang wieder abdrucken. Mosellan erweist sich darin als An- hänger des achtstündigen ^Arbeitstags. Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Erholung, acht Stunden Schlaf: das sei das rechte Carpe diem. Vormittags möge man die schwierigeren Studien, z. B. das Griechische, betreiben. Mehr als zwei bis drei Stunden hintereinander Kollegien zu hören, sei nicht ratsam. Auch für die Pflege des Körpers gibt er Vorschriften und geniert sich dabei durchaus nicht, selbst das Menschlichste zu erwähnen.
Das bedeutungsvollste ::?chulbuch, das Mosellan ver- faßt hat, ist die Paedologia.
IL Die Paedologia.
1. Gehalt und Gestalt.
Die Paedologia ist Johann Poliander gewidmet, der als einer der Evangelisten Preußens' bekannt zu sein pflegt-). Graumann, wie er eigentlich hieß, ein Franke von Geburt, hatte in Leipzig studiert und war im V^^inter 1515/16 Ma-
M Charon und Tyrannus, Vorrede vom März 151S (Exemplar in Kiel).
-) Rostius, Memoria Poliandri. Lips. ISOS (Exemplar in Königsberg IT.). Rost, Was hat die Leipziger Thomas- schule für die Reformation getan- Leipzig 1817, S. 25 ff . 61 f. Tschackert, Urkundenbuch zur Reformationsgeschichte des Herzogtums Preußen 1S90 (Register). Kolde, BBavrKG. 6 (1900), S. 49 ff.; vgl. Schornbaum,' ibid., S. 216 ff.
Lat. Litteraturdenkm. 18. b
XVIll EINLEITUNG.
j^ister geworden^). Vermutlich erteilte er schon damals Unterricht an der Thomasschule, deren Leitung er bald darauf übernahm. Dem Namen nach hat er sein Amt bis 1522 verwaltet, doch bereits 1519 war er nach Witten- berg geeilt-), um Luthers Wort zu hören, das ihn zuerst bei der Leijiziger Disputation tief ergriffen hatte. Er wurde ein treuer Anhänger des Reformators und hat später als Gei.stlicher in Königsberg Gutes gewirkt. Er dichtete in Luthers Art lang gesungene Kirchenlieder''). Er verteidigte Luthers zornerfüllte Schrift gegen die Bauern*). Er er- klärte sich auch für Luthers Auffassung in der Frage nach dem freien Willen^): ein Bruch der Freundschaft mit dem erasmisch gesinnten Mosellan scheint die Folge gewesen zu sein. Das war im Anfang des Jahres 1522; schon vorher mag die unbedingte Gefolgschaft, die Poliander dem Re- formator leistete, Mosellan verdrossen haben. Davon kann, als die Paedologia erschien, noch keine Rede sein: die Widmimg zeigt das beste Einvernehmen zwischen dem älteren, erfahrneren Schulmann und dem jungen Universitäts- professor'').
Auf Polianders Veranlassung und mit seiner Beihilfe ist, wie ims das Vorwort belehrt, die Paedologia entstanden.
') Erler 1. S. 458. 2, S. 428. 507.
-) Förstemann, Album academ. Viteberg. 1841, S. 87.
^) Ph. Wackernagel, Das deutsche Kirchenlied 3 (1870), S. 821 ff.
*) Tschackert, Urkundenbuch 2. S. 130 ff.
^) Giemen, NJbbKlAltGL. 6 (1900), S. 395 ff.
°) Dai3 Mosellan nicht selbst an der Thomasschule unter- richtet" habe, wie vermutet worden ist, weil er den Poliander in der Widmung ludimagister suus' nennt, hat schon Bömer (s. u. S. XIX Anm. 3) S. 105 f. hervorgehoben. Ich will noch daraufhinweisen, daß Mosellan doch unmöglich sagen könnte, er sei mit dem Schulbetrieb nicht vertraut, wenn er selbst damals Schulunterricht gegeben hätte. Die ältere Geschichte der Thomasschule liegt ganz im argen, vgl. außer der oben angeführten Schrift von Rost das Programm von Sachse, Beiträge zur Geschichte des Thomasklosters und der Thomas- schule (1880). Die Mitteilung von Stallbaum, Thomasschule (18.39), S. 17, daß Mosellan um 1515 an der Thomasschule gewirkt habe, ist völlig apokryph.
EINLEITUXG. XIX
Mosellan erzählt, er habe lange gezögert, ehe er an die Ab- fassung gegangen sei; vor allem, weil er mit den Schulen, in denen dieses Buch gebraucht werden sollte, nicht sehr vertraut sei und gezweifelt habe, ob es ihm gelingen würde, sich wieder auf einen kindlichen Ton zu stimmen, was doch bei Schriften dieser Art — wie später auch Luther hervor- hebt^) — notwendig sei. Aber Poliander habe nicht ab- gelassen, ihn mit Bitten zu bestürmen, und ihm auch seinen Beistand bei der Arbeit zugesagt. So sei er denn ans Werk gegangen, aus der Erwägung heraus, daß man sich durch ein solches Buch mit Leichtigkeit die proprietas des Terenz und die facultas Ciceros aneigen könne. Wolle man nicht späterhin ein barbarisches, durch die Muttersprache korrum- piertes Latein sprechen, so müsse man schon, Quintilian -') bezeuge es, in früher Jugend das klassische Latein als L'mgangssprache verwenden lernen. Dazu sei ein Gesprächs- buch wie die Paedologia eine unverächtliche Hilfe.
Der Zweck der Paedologia erhellt aus diesen Worten: sie will ein Lehrbuch des klassischen Lateins für Knaben sein, aber ein Lehrbuch eigener Art; keine trockene Gram- matik, sondern eine Anleitung zum lebendigen Gebrauch der römischen Sprache.
Schülergespräche sind dem Altertum ebensowenig fremd wie dem Mittelalter. Gleichwohl bedeuten die Schüler- gespräche der Humanisten^) etwas Neues. Ln Altertum
M Mertz, Schulwesen der deutschen Reformation (1902), S. 376.
-') s. u. s. xxvn.
^) Der erste, der sich mit den Schülergesprächen der Humanisten eingehender beschäftigt hat, war L. Massebieau. Sein pathetisch, doch nicht unschön geschriebenes Buch 'Les coUoques scolaires du seizieme siecle' (Paris 1878), worin auch Mosellan S. 65 ff, ausführlich behandelt wird, ist leider auf ganz unzureichendem bio- und bibliographischen Material aufgebaut und jetzt der Hauptsache nach veraltet; immerhin kann man auch heute noch einiges daraus lernen. In Deutschland hat sich nahezu als einziger A. Bömer um die Erforschung der Schülergespräche verdient gemacht. Sein
b*
XX EINLEITUNG.
und im Mittelalter hatte man entweder bloße Gespriichs- formeln aneinandergereiht oder fachwissenschaftliche Be- lehrung in erotematischer Form geboten \). Der Humanismus verschmilzt beide Gattungen und erhebt sie zu einer höheren Einheit. Die Schülergesiiräche der Humanisten bieten sach- liche, vor allem aber formale Bildung in ansprechender, einprägsamer, künstlerisch gerundeter Gestalt.
Kant-) unterscheidet zwei Arten der erotematischen Methode: die dialogische, die sich an die Vernunft, und die katechetische, die sich an das Gedächtnis wendet. Nun wäre es grundfalsch zu sagen: das mittelalterliche Schüler- gespräch ist katechetiscli, das humanistische, wie im wesent- lichen auch das antike, ist dialogisch — denn auch das humanistische Schülergespräch wendet sich in erster Reihe au das Gedächtnis und ist somit im Kantischen Sinne kate- chetisch. Aber während sonst bei katechetischen Stücken der Inhalt die Haui)tsache ist, ist er hier mehr Nebensache. Nicht was die Schüler sagen, sondern wie sie es sagen, dar- auf kommt es an. Und sie sagen es — in dialogischer Form : nicht so als ob sie es auswendig gelernt hätten, sondern als ob sie ihren Kenntnissen gemäß mit Überlegung fragten und antworteten. Das ist freilich nur Schein, aber der öde
Buch Die lateinischen Schülergespräche der Humanisten' (2 Teile. Berlin 1897/9) bietet Lebensdaten, Auszüge, Einzelerklärungen und namentlich überaus reichhaltige bibliographische Angaben. Es war die wertvollste Vor- arbeiti die ich für meinen Zweck nutzen konnte. Ich möchte das um. so nachdrücklicher hervorheben, als ich in manchen Punkten zu andern Ergebnissen gelangt bin als Bömer. — Ein Schülergespräch Samuel Karochs hat Bömer nachträglich bekannt gemacht: NJbbKlAltGL. 6 (1900), S. 465 ff. Zur Ergänzung sei noch auf G. Schepss, Magistri Petri Poponis CoUoquia de schohs Herbipolensibus (1882) hingewiesen.
^) Vgl. außer den Hinweisen Bömers Grasberger, Er- ziehung und Unterricht im klass. Altertum 2 (1875"), S. 148 f. 219. 292. Hirzel. Dialog 2 (1895). S. 364 f. 382 f. i:bert, Gesch. d. Lit. d. Mittelalt. 1- (1889), S. 240. 595. 629; 2 (1880), S. 16 ff. Krumbacher, Ge^ch. d. bvzant. Lit. 2 (1S97). S.543. 547.
-) Metaphysik der Sitten 2 (1797), i; 50. Logik (1800), § 119.
EINLEITUNG. XXI
Schematismus von Frage und Antwort bei der Katechese ') ist damit überwunden, und die gesamte Gattung rückt in die Nähe des Kunstdramas, das sich in der Zeit des Hu- manismus kräftiger zu entfalten beginnt. Man braucht nur ein spätmittelalterliches Schulbuch wie das schauerliche Es tu Scolaris"-) mit einigen frühen humanistischen Schüler- gesprächen, etwa den von Andreas Hundern-*) zusammen- gestellten, zu vergleichen, um sofort zu erkennen, wo der Unterschied steckt.
Denn Mosellan ist nicht der erste Humanist, der Schüler- gespräche verfaßt hat. Unter seinen Vorgängern sind neben Hundern vor allem Paulus Niavis und Laurentius Corvinus zu nennen*). Es läßt sich indessen nicht nach- weisen, daß er ihre Werke gekannt hat. Gewisse Gegen- stände kommen in den meisten Schülergesprächen zur Ver- handlung, und es wäre voreilig, aus der in den verschiedensten Dialogen anzutreffenden Erwähnung von Dingen, über die sich Schüler naturgemäß zu unterhalten pflegen, ein Ab-
^) Die Schülergespräche wirken dann ihrerseits wieder auf die Katechismen, vgl. Cohrs, Die evang. Katechismus- versuche 4 [MGP. 23] (1902), S. 23. 38 ff. 346 f. 400. Julius Richter, Die pädagog. Litteratur in Frankreich während des 16. Jhs. 1 (1904), S. 116 ff. Kolde, Süddeutsche Katechismen von 1530—1600: EBayrKG. 11 (1905). S. 193 ff.
-) Eine bisher nicht beachtete Ausgabe dieses Baches in der Berliner Kgl. Bibl. (Wa 174) hat mir Dr. Voullieme nachgewiesen, der sich auch sonst meiner freundlich an- nahm; vgl. jetzt A^ouUiemes Verzeichnis der Inkunabeln der Kgl. Bibliothek, Beiheft 30 zum CBlBibl. (1906), No. 1984. — Wenn Lattmann, Gesch. d. Methodik d. latein. Elementar- unterrichts (1896), S. 16, 'in keiner Schulordnung eine Stelle gefunden hat, an der es hätte stehen können, so ist das .seine Schuld: denn in der Ulmer Schulordnung (um 1500) wird es erwähnt, s. Joh. Müller, Quellenschriften und Ge- schichte des deutschsprachlichen Unterrichts (1882), S. 234; dort auch S. 232 ff. gute Angaben über das Buch, die nicht nur Lattmann, sondern z. B. auch Baebler, Beiträge zu einer Gesch. d. latein. Grammatik im Mittelalter (1885), S. 189 ff. übersehen hat.
■') Vgl. Bauch, ZVGSchlesien. 39 (1905). S. 162 f.
•*) Alles Nähere über diese bei Bömer, den ich nicht immer im einzelnen zitiere.
XX 11 EINLEITUNG.
hän^igkeitsverhältnis erschließen zu wollen. Eher könnten uns die Namen der Schüler etwas über den Zusammenhang zweier Gesprächsbücher verraten; aber nur Namen, die sonst selten vorkommen: der Name Albinus etwa, der bei Niavis begegnet, ist nicht so ungewöhnlich, daß ihn Mosellan von diesem übernommen haben müßte; obendrein erscheint er in so bekannten, in der Paedologia selbst zitierten "Werken wie Ciceros Cato maior (>; 7) und Horazens Ars poetica (Ep. II, 3, 327); auch die übrigen Namen, von denen noch die Rede sein soll (s. u. S. XXIX f.), geben uns keine Handhabe.
Wenn aber Mosellan auch selbst vielleicht keins der vorhandenen Schülergespräche direkt benutzt hat. so liegt doch die Möglichkeit vor, daß er mittelbar durch Poliand- r von ihnen Kenntnis erhielt. AVir haben schon vernommen, daß dieser ihm bei der Abfassung der Paedologia geholfen hat. AVie weit diese Hilfe ging, ist freilich nicht fest- zustellen. Polianders Schriften, meist allerdings aus späterer Zeit, tragen keine humanistische Note. Daß er aber für den Humanismus ein ungemein lebendiges Interesse gehabt haben muß, das zeigt seine Bibliothek^), in der sich nicht nur zahlreiche griechische und römische Klassiker, sondern auch die Hauj»twerke des italienischen und des deutscheu Humanismus befanden. Gleichwohl werden wir gut tun, Polianders Einfluß auf Mosellans Paedologia nicht zu über- schätzen.
Gewiß, Mosellan hatte nur kurze Zeit in einer Schule unterrichtet"-); aber wie es da herzugehen pflegte, wußte er ganz gut aus eigener Erfahrung. Und er hatte auch die Knabenjahre noch nicht so lange hinter sich, daß ihm die Regungen und Bedürfnisse der Kinderseele schon verblaßt
M Sie bildet jetzt einen Bestandteil der Königsberg^r Stadtbibliothek. Der 1560 angefertigte hs. Katalog befindet sich im Kgl. Staatsarchiv zu Königsberg, dessen Verwaltung ihn mir in zuvorkommendster Weise zur Einsicht nach Berlin sandte. Wenn der Katalog wirklich alle Bücher verzeichnet, die Poliander am Ende seines Lebens (1541) besessen hat, so war damals die erste Ausgabe der Paedologia nicht mehr darunter, sondern nur die Ausgabe von 1520.
') ^ o S VIIT
EINLEITUNG. XXIII
gewesen wären. Wie weh der Hunger tut, wie empfindlich die Kälte den schlecht gekleideten Schüler berührt, wie peinvoll der Geldmaugel die Studien hemmt: er hatte es selbst erfahren. Lag es da fern, seine fingierten Ge- stalten die gleiche Erfahrung machen zu lassen? Und auch heitere Bilder uiirden in ihm bei der Ausarbeitung wach: wenn er den Knaben mehrfach Gespräche über die Wein- lese in den Mund legt, so sind dabei sicherlich Erinnerungen an die paar frohen Wochen, die ihm das sonst so graue Jahr in seiner Jugend brachte, maßgebend gewesen. Im einzelnen kann es zweifelhaft sein, ob Mosellan manchen Gedanken, den er in der Paedologia ausspricht, schon als Schüler oder erst späterhin gehegt hat. Vor allem si)ringen die ske- ptischen Betrachtungen über Gebräuche und Mißbräuche im religiösen Kultus in die Augen. Reformatorisch, wie man wohl gemeint hat^), kann ich sie nicht finden oder doch nur insoweit reformatorisch, als der Humanismus über- haupt reformatorisch ist. Die meisten Humanisten, Wimpfe- ling, Mutian, besonders Erasmus, haben Ähnliches geäußert. Und hatte nicht selbst Hieronymus wenigstens inbezug auf einen Punkt freieren Anschauungen gehuldigt? Auch er verwirft, namentlich für die Jugend, die vielen Fasttage. Das machte sich Mosellan zunutze; waren ihm doch die Hauptschriften des Hieronymus gewiß seit der Trierer Schulzeit bekannt und hatte doch überdies sein vielgeliebter Erasmus ebenfalls den Hieronymus als Eideshelfer für die eigene Kritik der Gebrechen des Klerus und der Kirche auf- gerufen.
Einmal hat Mosellan auch die Erlebnisse eines Freundes für seine Zwecke verwertet. In Dial. V erzählt Johannes, er habe diese hochberühmte Universität bezogen, um an ihr Griechisch zu lernen; in der Schule habe der Lehrer^ wenn im Text eines lateinischen Schriftstellers ein grie- chisches Wort vorkam, nur darauf hingewiesen, daß das griechisch sei. Marcus führt den wü3begierigen Jüngling alsbald zum Ludimagister (Dial. VI), der ihn nach seiner
1) Massebiau S. 99; Bömer S. 107.
XXIV EINLEITUNG.
Heimat fragt. Er sei aus Aub, lautet die Antwürt. einer Stadt Ostfraukens, nicht weit von Wür/.burg. Wie kam Mosellan grade auf Aub? Nun, es ist Gregorius Coelius Aubanus, an den er hier gedacht hat; er hat es uns später selbst gesagt, daß er damit dem Frühverblichenen ein Ehren- zeichen errichten wollte M. Die laudatissima academia. an der durch die Munifizenz des Fürsten Vorlesungen über griechische Sprache und Litteratur gehalten werden, ist natürlich Leipzig. Doch wie? War die Paedologia nicht für Schüler bestimmt? Ohne Zweifel; aber das schloß nicht aus. daß gelegentlich auch von der Universität gesprochen wurde. Man muß sich stets bewußt bleiben, daß die Grenze zwischen Universität und Lateinschule damals nicht ent- fernt so scharf gezogen war wie heute.
Direkte pädagogische Belehrung bietet die erste Aus- gabe der Paedologia nur wenig; der V^erfasser ging offenbar von dem richtigen Standjtunkt aus, daß man den Knaben nicht durch aufdringliche Moralpredigten den Geschmack an dem Buch verderben dürfe. Er läßt die Theorie über- haupt zurücktreten und gibt vielmehr Ausschnitte aus der Praxis des Schülerlebens. Gesi)räche wie das fünfte, das sich um den griechischen Unterricht, oder wie das neunte, das sich um die Lektüre des näch.sten Semesters dreht, stehen ziemlich vereinzelt da. Bei Mosellans Anschauungen über die zur Schullektüre geeigneten Autoren wollen wir einen Augenblick verweilen. Daß Terenz, Virgil und Cicero^) empfohlen werden, versteht sich von selbst, nicht minder,
^) S. u. die Marginalien zur Ausgabe von 1520. Vgl. die Gedächtnisrede auf Greg. Coelius Aub. von Novenianus in dessen Declamatiuncula de literarum nostri tem])oris con- ditione' (o. 0. u. J. Vorrede von 152<J. Neudruck der 'De- clamatio in laudem Gregorii Coelii Aubani habita a. Ph.No- veniano' von J. F. Koehler, 1812). El. 4 des Originals wird auch Mosellan gepriesen, während sein Verhältnis zu No- venian. als diese Rede erschien, in der Tat sehr ges]>annt war. s. Geß, Akten und Briefe S. 174 f. Wustmann, Aus Leipzigs Vergangenheit N. F. (1898), S. 10 f.
-) Über die Wertschätzung der Officia vgl. Eckstein, Latei- nischer u. griechischer Unterricht (18S7), S. 2Glf. Zielinski, Cicero im Wandel der Jhh. (1897). S. 92.
EINLEITUNG. XXV
daß ein Erasmusverehrer wie Mosellan nachdrücklich auf das'Enchiridion militis Christian!' hinweist. Für Prudentius, den Favoritpoeten der Schule des Mittelalters, hatte Mo- sellan eine besondere Vorliebe; er mag, als er die Paedologia schrieb, schon an der Ausgabe des Cathemerinon gearbeitet haben, die er 1522 erschienen ließ. Unhumanistisch ist diese Vorliebe für einen altchristlichen Dichter durchaus nicht; aber es ist allerdings mehr die erste Humanistengeneratiou, die sie teilt. Mit dieser stimmt Mosellan auch überein, wenn er Catull, Tibull und Martial aus der Schule ver- bannt^). Just mit diesem Verdikt hat er Anstoß erregt: gleich nach Erscheinen der Paedologia brach Hegendorphinus, ohne Mosellan zu nennen, doch unverkennbar auf ihn hin- zielend, eine Lanze für die Elegiker-). Hegendorphinus war, wie noch zu erwähnen sein wird, nicht frei von Animosität gegen Mosellan. Aber es ist unzweifelhaft, daß er in dieser Frage moderner dachte. Sturm z. B. ließ wenigstens die 'carmina pudica' von Catull und Tibull in der Schule lesen ■^), auch Melanchthon*) war im Gegensatz zu Luther •'') nicht prinzipiell dagegen. In der Ablehnung des Apuleius wegen seines angeblich 'afrikanischen Lateins sind sich alle Hu- manisten einigt), während die geschmacklos aufgejmtzte Weisheit des Martianus Capeila, die so recht nach dem Herzen des medii aevi gewesen war, noch zu Anfang des
') Kaemmel, Gesch. d. deutsch. Schulwesens im Über- gang vom Mittelalter zur Neuzeit (1882), S.374. Eckstein S. 71.
-) Im Nachwort zu seiner Ausgabe von Huttens Sticho- logia (o. 0. u. J. [Oktob. 1518] Bl. C 2b, 3a); vgl. Günther, Plautuserneuerungen. Leipziger Diss. 1886, S. 73.
'') Kückelhahn, Sturm (1S72), S. 102.
^) Hartfelder. Melanchthon als Praeceptor Germaniae (1889), S. 228.
'") Tischreden ed. Förstemann-Bindseil 4, S. 600.
6) Hartfelder S. 228. 345. Norden, Antike Kunstprosa (1898) 2, S. 590 ff., 600 ff . Erasmus war aber doch kein so heftiger Gegner des Apuleius. wie es nach Norden scheinen könnte; er hebt ihn z. B. De dupl. copia 1, c. 9 als einen der boni auctores hervor, qui copia praecelluerunt.
XXVI EINLEITUNG.
IG. Jahrhunderts auch unter den humanistisch Gesinnten manchen Verteidiger fand^).
Meist unterhalten sich die Schüler von Dingen, die sie auiierhalb der Schule treiben. Was den Schüler erfreut und was ihn bedrückt, kommt zur Sprache. Alle Ereignisse, die den eintönigen Trott des Schullebens unterbrochen, werden verhandelt. Eine Hochzeit, ein Begräbnis, eine Fleischverteilung, ein Freibad — so wichtige Dinge kann man nicht mit Stillschweigen übergehen. Oder gar eine Vorstellung von Seiltänzern, ein Turnier im Zirkus, eine Aufführung: der Passion! Ganz besonders aber sind es die Kirchen- und Schulfeste, an die Mosellan seine Dialoge an- knöpft-). Da hören wir von Weihnachten und Ostern, von Lichtmeß, Fastnacht und Fronleichnam. Am Vorabend des Martinsfestes erhält man Geschenke und kann wacker schmausen: aber ists nicht Sünde, am Tag vor dem Fest der hl. Katharina in aller Seelenruhe sein Frühstück zu verzehren? Oder stehts hiermit etwa wie mit den Wachs- kerzen beim Fest der Mutter Gottes: daß man schließlich auch ohne diese nützlichen Ritualien das ewige Heil erlangen kann? Aber diese Feste, so erfreulich sie sind, haben doch auch ihre Schattenseiten; so muß man vor dem Gregorsfest, an dem neue Schüler aufijenommen werden, zur Beichte
M Bauch, Univ. Erfurt (1004), S. 193.
-) 'Wer alle Schulbräuche der Vorzeit, die Feste und Freuden der Kinder, aber auch die für sie bereit gehaltenen Strafen sammeln wollte, könnte ein anziehendes Buch davon schreiben': Jacob Grimm, Kleinere Schriften 1 (1864), S. 226. f>in kleiner Versuch dazu von F. Falk, Die Schul- und Kinderfeste im Mittelalter (1880). Vielerlei findet man in Wetzer- Weites Kirchenlexikon (s. v. Feste und unter den einzelnen Heiligen), auch in Herzog- Haucks Protestan- tischer Realenzyklopädie. Ergiebige zeitgenössische Quelle: J. Bohemus, Omnium gentium mores (lö-'O u. ö.), vgl. Erich Schmidt, Deutsche Volkskunde im Zeitalter des Humanismus (1004), S. 68 ff. S. 97 ff. Gute Nachweise bei Bömer S. 101 ff., die ich nicht alle wiederhole. Hier sei noch auf Pfannen- schmid. Germanische Emtefe.ste (1S78) verwiesen (S. 193 ff. ausführlich über das Martinsfest). Spezialliteratur in den Anmerkungen.
EINLEITUNG. XXVI 1
gehen, was immerhin peinlich ist; und in manchem Betracht hätten sich die Heiligen, deren Feste man feiert, noch ein bißchen mehr der Schüler annehmen können: das Nicolaus- fest, bei dem man einen Knaben zum Bischof wählt, ist ja ganz schön; aber daß dieser Auserwählte nur gut zu essen bekommt und ihm nicht einmal die Schularbeiten erlassen werden, das macht doch diese Scheinwürde eigentlich nicht sehr begehrenswert . . . Auch in diese Gespräche spielen sicher eigene Erlebnisse und Erfahrungen hinein; am Martins- fest, das damals wie heut gerade in rheinischen Gegenden mit besonderem Anteil gefeiert wnrde, wird Mosellan selbst als Junge durch die Straßen gestapft sein und sein Liedchen gesungen haben. Ferner ist ein gewisses Achten auf volks- tümliche Gebräuche bemerkenswert, wie wir es bei einem Teile der Humanisten nicht selten finden. Allerdings: der Hauptgrund, weshalb Mosellan diese Dinge behandelt, ist offenbar der, daß sie ihm für seinen Zweck guten Unter- haltungsstoff boten.
Er muß später, als die Paedologia schon mehrfach ge- druckt war, selbst gefühlt haben, daß darin von Festen und Spielen fast zu viel die Eede sei und das absichtlich zurück- gedrängte lehrhafte Element immerhin etwas stärker hervor- treten könne. Er fügte infolgedessen in der Ausgabe von 1520 außer einer Reihe von Marginalien zwei neue Gespräche hinzu. Das eine enthält "Warnungen vor dem papageien- mäßigen Auswendiglernen unverstandener Redensarten^); auch das bloße Erfassen des Inhalts der antiken Schrift- steller sei noch nicht genug, man müsse sie nachahmen in Wort und Tat. Es ist die vielberühmte Lehre von der wahren imitatio-) — die falsche hatte er in der Vorrede ausdrücklich bekämpft — , die Mosellan hier verkündet. Ihr Urheber ist Quintilian-*). dessen Einfluß auf den Hu- manismus überhaupt nicht leicht überschätzt werden kann*).
•) Ähnlich 'De linguarum cognitione paranda oratione'. Basler Ausg. 1519, S. 46.
2) Über diese vgl. Laas, Sturm S. 64 ff . 68 ff .
^) Inst, orator. 10, cap. 2.
^) Vgl. die ungemein instruktive Arbeit von Messer, Quintilian als Didaktiker und sein Einfluß auf die dida-
XXVIII EINLEITUNG.
Seit den Tagen Petrarcas^) begegnet uns die Lehre von der iniitatio wieder und wieder. Ähnlich wie MoscUan, doch weit ausführlicher und systematischer hat sie dann Sturm behandelt und ihr einen gewissen Abschluß gegeben-). Sehr bezeichnend, daß grade dieser Dialog Mosellans später- hin in ein jiädagogisches Sammelwerk aufgenommen wurde'). Das zweite Gespräch beschäftigt sich mit den Univer- sitäten. Ein Scholar fragt den Ludimagister. welche Hoch- schule er ihm empfehlen würde. Dieser nennt Leipzig und Wittenberg, auch Erfurt und Basel seien nicht zu verachten. Vor allem aber ])reist er das Collegium trilingue in Löwen, das keinen Geringeren als Erasmus zu seinen Lehrern zähle*). Endlich weist er noch auf das große Projekt des Kardinals Albrecht hin: wenn dies zur Ausführung gelangt sei, dann werde Mainz selbst das Ausland anlocken; offenbar eine Anspielung auf die längst geplante humanistische Bildungs- anstalt in Mainz, deren Begründung im Herbst 1519 eifriger denn je betrieben wurde'). — Also noch 1520 konnte die Universität Wittenberg von einem Leipziger Professor emp-
ktisch-pädagogische Theorie des Humanismus: NJbbPhP. 156 (1S97). S. 161 ff. 27.3 ff. 321 ff. 364 ff. 401» ff . 457 ff. Auch Mosellan, der Aunotationes zu Quintilian verfaßt hat, wei.st an mehreren Stellen der Paedologia eigens auf ihn hin. Es ist ferner für die ge.samte Gattung gewiß nicht be- deutungslos gewesen, daß Quintilian (1, c. 3. 11. 10, c. 5. 15) den Dialog als ])ädagogisches Hilfsmittel empfiehlt.
') Norden, Antike Kunstprosa 2, S. 768. 773 ff. Hart- felder. Melanchthon als Praeceptor Germaniae S. 227 f. 342 ff.
-) Laas a. a. 0.
^) Libellus de civilitate morum puerilium Des. Erasmi . . . Francof^ a. M. 1572. Bl. 6Sa— 70. (Dresden K.)
*) Vgl. Nfeve. La renaissance des lettres et lessor de Terudition ancienne en Belgifjue (1S90), S. 63, der sich diese Stelle nicht entgehen ließ; ferner Reich. AVZ. Ergänzungs- heft 9 (1^96), S. 236.
*) 'Ulrychus Huttenus principis sui sumtibus Mogimtiae trium linguarum scholam adornat , schreih)t Mosellan am 6. Dez. 1519 an J. v. Pflug; ein Teil dieses umfangreichen, wichtigen Briefs in Böckings Huttenausgabe 1. S. 316, der ganze bei Schilter, De libertate ecclesiarum Germaniae (1683), S. 84<iff. (Exemplar in Göttingen). Vgl. noch Strauß, Hütten* (1S95). S. 73. 262.
EINLEITUNG. XXIX
fohlen werden ; zwei Jahre darauf erließ der Herzog sein bekanntes Verbot (s. o. S. XIV). Gleichwohl ist diese Stelle in den späteren zu Leipzig gedruckten Ausgaben der Paedo- logia ebensowenig getilgt wie die über Erasmus, der 1521 Löwen verlassen hatte, und die über das Projekt Albrechts von Mainz, das abermals ins Wasser gefallen war.
Daß dieser neue Dialog den Schluß der Paedologia bildet, ist nur sinngemäß, da er ja den Übergang zur L'ni- versität vermitteln sollte. Den andern neuen Dialog hat Mosellan zweckentsprechend hinter den neunten gestellt: hatte dieser davon gehandelt, was für Schriftsteller in der Schule gelesen werden, so handelt jener davon, wie und wozu sie gelesen werden. Im übrigen ist die Anordnung der ersten Dialoge ziemlich willkürlich. Störend empfindet man, daß die für Studenten bestimmten Dialoge V und VI so unvermittelt zwischen die eigentlichen Schülerdialoge geklemmt sind. XI 'spielt' am Donnerstag, XVI am Freitag, XVII am Sonnabend. Von XVIII an hat Mosellan die Ge- spräche nach den Daten der Feste, über die sich die Schüler unterhalten, aufeinander folgen lassen : so werden wir vom 11. Xovember (Martinsfest, XVIII) bis zum 25. Mai (L^bans- fest, XXXIV) geführt; diese Reihefolge wird durch drei Dialoge unterbrochen, in denen von Festen nicht die Rede ist (XX. XXII. xxm).
Den Versuch, die Dialoge untereinander zu verbinden, hat Mosellan nur zweimal gemacht (III und IV, V und VI) ; im übrigen handelt es sich in verschiedenen Dialogen immer um verschiedene Schüler, auch wenn sie dieselben Namen tragen; das geschieht aber nur selten, denn im Gegensatz zu früheren Schülergesprächen finden wir in der Paedologia bis auf wenige Ausnahmen in jedem Dialog neue Personen- namen. Die meisten sind Heiligennamen; bisweilen hat Mosellan zwei im Kalender neben- oder hintereinander- stehende Namen für denselben Dialog verwendet. Einige Namen stammen aus dem klassischen Altertum, andere aus der neulateinischen Litteratur '). Eine innere Beziehung
') Petrucius z. ß. könnte aus Wimpfelings Stylpho oder aus Reuchlins Henno stammen..
XXX EINLEITUNG.
der Xamen zu den Gesprächs})ersonen ist in der Rep:el nicht gesucht; so haben /.. B. Lucan und Statins (XXI) mit ihren römischen Namensvettern nichts gemein; aber mitunter ist der Name doch so gewählt, daß an ihn in der Unterhaltung angeknüpft werden kann (S.U. 15 ff. S. 13, 17 ff.). AVenn in dem 1520 hin/ugefügteu Dialog X der eine Schüler, der dem andern in superiorem Tone gute Lehren gibt, Phaedrus heißt, so ist dabei vermutlich an niemand anders zu denken, als an Mosellan selbst, dessen plebejisches Petrus von Mutian') in das vornehmere Phaedrus verwandelt worden war.
Autfallend ist in diesem Dialog die direkte Charakteristik et aetate et eruditione maior', also nach Art einer Szenar- bemerkung; im übrigen charakterisieren sich die Schüler durch das, was sie sagen, gelegentlich aber auch durch das. was sie tun oder nicht tun (XIX. XIV). Indivi- dualisierende Tendenzen verfolgt Mosellan nicht; seine Schüler sind Typen: der eine faul, der andere fleißig, der eine gläubig, der andere skeptisch, der eine gedächtnisstark, der andere gedächtnisschwach. Damit hängt denn auch zu- sammen, daß weder plötzlich noch allmählich eine Peripetie in dem Charakter eintreten kann und daß bei den eigent- lichen Streitgesprächen der eine den andern niemals über- zeugt, nur selten überredet (XV). Aber die meisten Ge- spräche sind auch gar keine Streitgespräche; der gewöhnliche Verlauf eines Gespräches ist vielmehr so, daß sich A von B über irgend etwas aufklären läßt, das er nun seinerseits billigt oder nicht billigt.
Die Dialoge beginnen in der Mehrzahl der Fälle mit einer kurzen, direkten Frage des einen Schülers, auf die dann der andere meist ebenso kurz antwortet. Gelegentlich setzt der er.ste eine nähere Ausführung der eigenen Frage in einem Hauptsatz hinzu. Diese Art der Eröffnungsform dts Gesprächs wird bei einer Reihe von Dialogen abgelöst durch eine andere, bei welcher der er.ste Schüler in einem
') Briefwechsel des Mutianus Rufus ed. Krause (1885), 609. Zur Datierung vgl. Geß, NASächsG. 16, S. 57.
EINLEITUNG. XXXI
Ausrufungssatz etwas behauptet, was der zweite genauer zu wissen wünscht. Manchmal wird die Unterhaltung durch ein bloßes Salve' eingeleitet.— Die Dialoge schließen nicht selten ohne besondere Formel: der Gegenstand ist erledigt, das Gespräch bricht ab. Einige Male s})richt A zum Schluß eine Bitte aus, die B zu erfüllen verheißt; auch ein wunsch- artiger Ausruf oder ein Vale" wird ans Ende gestellt. Bei Schlußwendungen wie 'Eamus ergo' darf man den Einfluß des Dramas annehmen, wo es sich ja häufig darum handelt, durch das Abgehen der Personen am Ende der einen Szene die Bühne für die nächste frei zu machen. Besonders gut motiviert ist der Schluß des Dialogs X von 1520 : Johannes hat die Uhr schlagen hören, nun kann er sich nicht länger unterhalten, er muß in die Schule eilen.') Sonst aber stehen grade die beiden neuen Dialoge nicht auf der Höhe, da sie zu lange Einzelreden enthalten, während sich bei den übrigen Rede und Gegenrede ungefähr entsprechen; doch begegnen auch hier schon mitunter (z. B. in V) längere Auseinandersetzungen in nichtdialogischer Form.
Das Gespräch entwickelt sich in der Regel zwischen zwei Personen. Ausnahmsweise hat Mosellan eine dritte hinzugefügt in den Dialogen IV, VI und (1520) XXXVII. In allen diesen aber entspinnt sich die Konversation nicht zwischen den dreien, sondern der dritte tritt nur zu Anf ang- in Aktion und scheidet im weiteren Verlauf völlig aus. Ein Beispiel mag genügen. Im Dial. IV klopft Petrus an die Tür des Ludimagisters ; Pandulus kommt heraus und -fragt, ob er den Ludimagister zu sprechen wünsche. Als Petrus dies bejaht, bittet Pandulus ihn ein bißchen zu warten, er wolle hineingehen, um zu hören, ob der Ludimagister Zeit habe ihn zu empfangen; er wendet sich dann an den Ludi- magister, der durch ein barsches 'Weshalb ist er denn noch nicht da?' seine Bereitwilligkeit zu erkennen gibt. Das folgende 'lam, iam aderit ist so zu interpretieren, daß Pandulus während dieser Worte die Tür öffnet und den verschüchterten Petrus hereinwinkt.
') Ähnlich schon XIV.
XXXII EINLEITUNG.
Ebenso wie dieser Dial. IV spielt' auch Dial. XXX VII an zwei verschiedenen Orten: vor der Tür des Ludi- niagisters und in seinem Zimmer. Bühnenmäßig:: ist das nicht; oder doch nur, wenn die Bühne der Tiefe nach durch eine Wand geteilt wird, was selbst bei der Aufführung eines wirklichen Schuldramas in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sicherlich niemals vorgekommen ist. An eine szenische Darstellung hat aber Mosellan auch gar nicht gedacht. Die Staffage seiner Dialoge ist meist ganz un- bestimmt; eine Ausnahme machen neben den eben be- handelten C«esi»rächcn die Dialoge XI und XIV, als deren Schauplatz wir uns das Schlafzimmer der Schüler zu denken haben.
Da Piaton in der Paedologia mehrfach genannt wird, könnte man meinen, dessen Dialogtechnik habe sich Mosellan zunutze gemacht. Es ist nicht der Fall. Das dialektische Element, die Hauptsache bei Piaton, tritt ja bei Mosellan ganz in den Hintergrund. Vielmehr hat er sich neben Terenz am meisten an Lukian geschult. Piatons Dialog- technik, die man nicht immer so kritiklos adorieren sollte, scheint trotz gelegentlichen Anklängen bei Hütten über- haupt erst sj^äter zu wirken^). Lukian aber — sonst alles andere als ein Klassiker, doch der Klassiker des Dialogs — hat das Muster für die meisten humanistischen Dialoge geliefert-). Wir werden ihn um so eher als Mosellans Vor- bild ansehen können, als dieser, wie wir uns erinnern, zwei Dialoge Lukians ins Lateinische übersetzt hat: und das geschah fast zu derselben Zeit, als er die Paedologia unter der Feder hatte. Damit soll nicht gesagt sein, daß Mosellan auch nur den Versuch gemacht hat, lukianische Gespräche wirklich nachzubilden: lediglich ein paar Kunstgriffe hat er dem Meister abgeguckt.
M z. B. auf Galileis Discorsi, s. Wundt. Logik- 2. 1. S.382.
-) Vgl. jetzt Xiemann. Dialoglitteratur der Reformations- zeit (1005), S. 19 ff. Über X^iernanns fleißiges, doch nicht recht ausgegorenes Buch wäre viel zu sagen; ich kann hier nur darauf hinweisen, daß er die Bedeutung der Schüler- _• -jiräfhe (S. 11) ganz gewaltig unterschätzt hat, wodurch er ^lann (S. 15) mit sich selb.st in "Widerspruch geraten ist.
EINLEITUNG. XXXIII
Die Sprache der Paedologia zeigt ein buntes Durch- einander von Vorklassischem, Klassischem und Nach- klassischem. Den Wortschatz bestreitet in erster Reihe Cicero, aus dessen Werken sich Mosellan eine Phrasen- sammlung angelegt hatte ^), in zweiter Terenz ; aber auch Plautus, Quintiliau, Plinius, Aulus Gellius, IMacrobius, Pru- dentius haben beigesteuert, ferner Virgil und dessen Kommentator Servius; ein paar Ausdrücke mögen von Büeronymus stammen. 80 kann man hier wie bei den meisten neulateinischen Werken Goethes 'Jedem Worte klingt Der Ursprung nach wo es sich her bedingt' an- wenden, wenn auch in anderm als dem ursprünglichen Sinne. Der Zweck des Buchs tritt bei der Betrachtung der Diktion wieder besonders deutlich hervor: alles zielt darauf hin, den Vokabelschatz der Schüler zu bereichern. Die nicht immer einwandfreie Syntax ist vornehmlich an den Komikern und an Ciceros Briefen gebildet. Gern schiebt Mosellan die Verba sentiendi et declarandi parenthetisch ein oder setzt sie parataktisch nach. Daß bei direkten Fragen oft die Fragepartikeln fehlen, darf nicht auffallen: derlei ist bei Plautus und Terenz nichts Ungewöhnliches und begegnet selbst bei Cicero. Das Gleiche ist bei der Anknüpfung des dritten Satzgliedes durch et der Fall. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgehen, daß Mosellan mitunter ähnlich klingende Wörter von sehr verschiedener Bedeutung neben- einanderstellt oder sich in geringem Abstände folgen läßt (S. 17, 19. 28. 18, 19. 20. u. ö.). Unzweifelhaft sind diese Wortspiele, die ja auch Cicero liebte, beabsichtigt, aber ihr Grund ist weniger ein stilistischer als ein didaktischer: die Schüler soUten diese nur scheinbar gleichartigen Wörter unterscheiden lernen; sie dazu anzuleiten war die Aufgabe des Lehrers.
2. Benutzung und Wirkung.
Es ist nicht ganz leicht, sich von der Art, wie die Paedologia in der Schule benutzt wurde, eine zutreffende
1) Schmidt, Mosellanus S, 76 f. Lat. Litteraturdenkm. 18.
XXX IV EINLEITUNG.
Vorstellung zu machan '). Die Unterrichtsmethoden der älteren Zeit sind noch wenig erforscht. Vorausgeschickt sei die prinzipielle Bemerkung, daß im folgenden immer nur von der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und immer nur allgemein, ohne Rücksicht auf landschaftliche oder städtische Besonderheiten, gesprochen wird. Das IC». Jahr- hundert ist so wenig wie jedes andere eine P]inheit; die Schulgeschichte, aber auch die I^itteraturgeschichte hat schwer darunter zu leiden, wenn man, wie es häufig ge- schieht, das erste Gebot des Historikers — du sollst die Chronologie nicht mißachten I — skrupellos verletzt und Zustände einer späteren, materiell und ideell veränderten E[>oche auf eine frühere überträgt.
Die Paedologia wurde, nach den Schulordnungen (s. u.) zu urteilen, meist in der zweituntersten Klasse gelesen. Von ihr heißt es gewöhnlich: sie soll 'exponiert' werden. Dieser (auch sonst keineswegs seltene) Ausdruck-) begegnet in den Schulordnungen auf Schritt und Tritt; bereits in der Ordnung für St. Stejihan in Wien (1460) ist von Knaben die Rede, welche latein exponirn"'). Was bedeutet ex- ponieren'? Ich weiß nicht, wann das Wort zum ersten Mal als pädagogischer Kunstausdruck vorkommt. Bei Quintilian heißt exponere etwa dasselbe wie narrare. Eine Definition des Cornificius*) könnte uns weiter helfen, wenn sie nicht gröblich gegen die elementar.sten Regeln der Logik ver- stieße. Die Wörterbücher, alte wie neue, versagen, wenigstens für unsern Zweck, dem mit allgemeinen Wendungen wie auslegen, erklären' nicht gedient ist. Also nochmals, was bedeutet exponieren? Keinesfalls aus der Muttersprache
') Daß die Paedologia auch im üniversitätsunterricht Verwendung fand, ist mir sehr wahrscheinlich; aber be- stimmte Nachrichten darüber habe ich vergeblich gesucht.
'^) f> kommt auch in der Paedologia vor: S. 15, 22. 31; 46, 5.
•'') Vor- und frühreformatorische Schulordnungen ed. Johannes Müller = Sammlung selten gewordener pädagog. Schriften 12. 13. Zschopau 18S5y 6. 1, S. 75 (abgekürzt VFSch.).
*) Zitiert bei Volkmann, Rhetorik der Griechen und Römer 2 (18S5), S. 173.
EINLEITUNG. XXXV
in die fremde' übersetzen'). Aber auch nicht ohne weiteres aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzen-). Zwar darf man aus der in den Schulordnungen oft wiederholten Forderung, von Lehrern und Schülern solle nur lateinisch gesprochen werden^), nicht den Schluß ziehen, daß die Muttersprache aus der Humanistenschule völlig verbannt gewesen sei; beim Unterricht selbst durfte sie ohne Zweifel in gewissem Umfang herangezogen werden^); es fragt sich nur: in welchem Umfang'.' In größerem allem Anschein nach lediglich auf der Unterstufe. Abcschützen wird man jedoch im allgemeinen '^) die Paedologia nicht vorgelegt haben; es kommen vielmehr Schüler in Frage, die bereits geläufig lesen und schreiben konnten und so viel Lateinisch verstanden, daß ihnen ein einfacher Satz keine unüber- windlichen Schwierigkeiten machte. Und wenn auch — darauf kam es nicht an. Denn einmal nahm zunächst nicht der Schüler das Wort, sondern der Lehrer; der Schüler wiederholte nur, was der Lehrer vorsprach, woraus sich denn die im IG. Jahrhundert übliche Klage über das papageienmäßige Nachplappern sehr wohl erklärt. Sodann aber wurde eben nicht ins Deutsche übersetzt, sondern mit lateinischen Worten umschrieben'^). Das geht deutlich genug aus folgender Bemerkung der Braun- schweiger Schulordnung von 1528 hervor''): 'Id schadet ock nicht, dat me se up etlike tidt examinire unde höre,
') So U. Ernst, Gesch. d. Zürcherischen Schulwesens (1879), S. 99.
-) Lattmann (s. o. S. XXI. Anm. 2) S. 24. 26.
3) Vgl. z. B. VFSch. 1, S. 115. 130. 140. Mertz, Schul- wesen der deutschen Reformation S. 281. 465. 469. 479 etc.
•*) Vgl. VFSch. 1, S. 147f. 171. 181; 2, S. 216 ff. 221. 225. Knepper, Schul- und Unterrichtswesen im Elsaß (1905), S. 30Sff. 369 ff.
^) Doch vgl. unten S. XXXVIII die Bestimmung der Eislebener Schulordnung,
^) Vgl. auch J. Müller, Quellenschriften n. Gesch. d. deutschsprachl. Unterrichts (1882), S. 200 ff. 221 ff. Specht, Gesch. d. Unterrichtswesens (1885), S. 102.
'^) Koldewey, Braunschweigische Schulordnungen 1 (1886), S. 33.
c-
XXXVI EINLEITUNG.
WO se düdesch reden, dat so nicht dat eyme int andere werpen ünde unvorstendich sententien reden etc. Dat kan me wol dohn, wen se muten latinische sententien ex- poneren'. 'Id schadet ock nicht' und up etlike tidt' — mit andern Worten: fcelegentlich mag man die Jungen prüfen, ob sie denn auch verständen, was sie "exponierten'; ge- legentlich mag man sie deutsch wiedergeben lassen, was sie sonst nur lateinisch dem Lehrer nachsprachen. Daß gewöhnlich lateinisch exponiert wurde, bestätigen uns auch die handschriftlichen Bemerkungen, die viele Ausgaben der Paedologia enthalten: es sind größtenteils lateinische Synonyma für die betreffenden "Wörter und Phrasen des gedruckten Textes. So finden wir z. B. über non iniuria: immerito, über feriae: nundinae, über obsequendum: obe- diendum, übercomponendum: colligendum, über paene: quasi geschrieben. Der Lehrer diktierte das'), wie man schon daran sehen kann, daß manche Wörter von einem in den lOlementen noch unsichern Schüler nach dem Gehör falsch wieder- gegeben wurden; so war der Scholarch. der einst dem Be- sitzer des jetzt in der Berliner Kgl. Bibliothek befindlichen Exemplars Xf 7372 die Paedologia exponierte, gewiß ein Sachse: er sprach scribsisse' und blacet', und der wackre Discipulus schrieb das auch treulich so nieder. Hand- schriftliche Bemerkungen in deutscher .'Sprache sind selten; der Lehrer scheint nur dann zum Deutschen gegriffen zu haben, wenn ihm ein passendes lateinisches Wort just nicht gegenwärtig war oder wenn das im Text stehende latei- ni.sche Wort eine nicht ganz geläufige Bedeutung hatte.
Dem Exponieren ging im allgemeinen das Konstruieren voraus. Man hat bestritten, daß auf dieser Stufe überhaupt konstruiert wurde'), dem widerspricht aber eine Mitteilung Thomas Platters '') : 'Was man laß, miißt man erstlich di- ctierren, den distingwieren, den construieren, zu letst erst exponieren. Ob indessen auf das Konstruieren viel Wert gelegt wurde, erscheint fraglich; die Hauptsache blieb doch
M Vgl. auch unten S. 32, 25.
*) Lattmann S. 26.
•'•) Thomas und Felix Platter ed. Boos (1878), S. 23.
EINLEITUNG. XXXVII
immer das von Erasmus empfohlene und durch zahlreiche Übungsbücher unterstützte 'eandem sententiam variatis verbis ac figuris offene'. — Immerhin fehlte es auch an sachlicher Erklärung nicht ganz, wie uns abermals die hand- schriftlichen Bemerkungen erkennen lassen. Da wird etwa auf Eeuchlin und Erasmus als Förderer des Griechischen hingewiesen, nach Art explizierender Marginalien ein im Text erwähntes Zitat genauer bestimmt oder auch die fast verhängnisvoll einflußreiche Tragödiendefinition des Dio- medes^) angeführt.
Schon während der Schulstunde wird der Lehrer die Gespräche mit verteilten Rollen haben lesen lassen. Es liegt gar kein Grund vor, sich über das schon im Mittel- alter vielfach betriebene laute Lesen lateinischer Schriften-) lustig zu machen, selbst wenn damit das Verständnis des Textes nicht immer Hand in Hand ging. Das laute Lesen war für die Spracherlernung sehr heilsam. Es kommt zu- nächst nur darauf an, für den Schüler recht viele Gehör- empfindungen der Wörter zu veranlassen: vom Lehrer, von den Mitschülern her oder durch eigenes Sprechen.' Kein Hmnanist, ein psychologischer Pädagog des 19. Jahr- hunderts hat das gesagt'^).
Waren die Dialoge exponiert, so wurden sie auswendig gelernt und in der Schule von zwei oder mehr Knaben vor- getragen. Von diesen Übungen ist nur ein Schritt zur Auf- führung von Schuldramen. Ja, die Hamburger Schulordnung von 1529 stellt des Erasmus CoUoquia gradezu auf eine .Stufe mit den Komödien^).
Die Hamburger Schulordnung nennt auch Mosellans Paedologia^). Sie sollte in der zweiten Abteilung am Xach-
\) Vgl. z. B. Diomedis grammatici opus ab J. Cäesario emendatum. Hagenoae 1526, Bl. 142 b. — Creizenach, Gesch. d. neueren Dramas 2 (1901), S. 482.
^) Specht S. (iSf.
^) F. E. Beneke, Erziehungs- und Unterrichtslehre- 2 (1842), S. 430.
*) Bugenhagens Kirchenordnung für die Stadt Hamburg ed. Bertheau (1885), S. 32.
») Ibidem S. 30.
XXXVllI EINLEITUNG.
luiLtiii;- von drei bis vier Uhr diirch:^enomnien werden. Das Hamburger Gymnasium war aber keineswegs die erste An- stalt, an der die Paedologia gebraucht wurde. Das wird vielmelir die Thomasschule in Leipzig gewesen sein. Die erste Schulordnung, die sie erwähnt, ist, soviel ich sehe, die der Stadt P^isleben von 1525; hier sollte sie — eine Aus- nahme — schon in der untersten Klasse benutzt werden^). Nachdem man sie einmal in die epochemachende Kur- sächsische Schulordnung von 152S aufgenommen hatte-), war ihr Weg gesichert. Wir finden sie in den Lehrplänen fürWittenberg(1533)^), Brauuschweig(1535 u.ö.)'*), Schleswig- Holstein (1542)^), Basel (1542)'''), Köln (1543)'). Magdeburg (1553)8), Annaberg (1581)«), Göttingen (ISSG)!"). Vermutlich wurde sie aber noch in vielen andern Schulen gelesen» ganz gewiß in solchen, die nach der Kursächsischen Schul- ordnung organisiert worden waren, wie z. B. die Gymnasien in Meißen^') und Worms '^).
Eine leise Opposition gegen die Schülergespräche über- haupt regte sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts. 'Man pflegt sonst in andern gemeinen Schulen, sagt Ludwig
M Hartfelder, Melanchthoniana paedagogica S. 3.
*) Vormbaum, Evang. Schulordnungen 1 (1860), S. 6.
^) Vormbaum S. 29.
*) Koldewey 1. S. 57. 2, S. 14 (1543). 1, S. 107 (1562).
*) Vormbaum S. 35.
«) Fechter, Gesch. d. Schulwesens in Basel (L^37), S. 70.
") Vormbaum S. 405.
') Vormbaum S. 415.
^) Bartusch, Annaberger Lateinschule (1807), S. 157: 'Den Alumnen war vorgeschrieben, daß sie nach Beendigung des Abendessens eine oder zwei Szenen aus Toren/, oder auch Dialoge von Erasmus, Vives, Castalio, Corderius, Mo- sellanus in persona^ distributos diserte ac distincte mini- meque praecipitanter lesen sollen.
*") Panneuborg. Zur Gesch. d. Göttinger Gymnasiums. Progr. 1S86. S. 10.
") Hevden, Beiträge zur Gesch. d. städt. Latemschule in Meißen^ [19fX)l, S. 22 ff.
*-) Adalb. Berker. Beiträge zur Gesch. der Frei- und Reichsstadt Worms (18.^0), S." 81 ff.
EINLEITUNG. XXXIX
Rabus^), 'solche Knaben gemeiniglich den Catonem oder Dialogos Mosellani oder aus den Colloquiis Erasmi etwas fürzulesen, welches in dieser Classe [der zweiten] mit Ab- wechslung auch beschehen möchte. Dieweil aber bei allen Gelehrten in lateinischer Sprache . , . Cicero für allen andern den Preis behält, so wäre nichts Besseres, denn daß man die Jugend zu solchem Latein bald von Anfang an führte.' Ist das nur eine persönliche Meinung? Ich kann diese Frage vorläufig nicht beantworten. Wie auf- fallend, daß in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nur eine erwähnenswerte Sammlang von Schülergesprächen, die des Maturinus Corderius, erscheint. Wie auffallend aber auch, daß grade sie noch einen ungeheuren Erfolg erzielt und daß auch die älteren Sammlungen zum Teil bis in die Tage des Neuhumanismus hinein unter die Presse gesandt werden.
Unter diesen älteren Sammlungen-) ragen vor allem die CoUoquia familiaria des Erasmus hervor. Sie werden in ihrer ersten, von der endgültigen erheblich abweichenden Gestalt unmittelbar nach der Paedologia gedruckt, ohne Wissen und Willen des Autors, der alsbald eine rechtmäßige Ausgabe veranstaltet. Auf Erasmus beruft sich Christophorus Hegendorphinus in der Vorrede zu seinen Dialogi pueriles von 1520. Sein eigentliches Vorbild aber ist ganz offenbar Mosellan'^), mit dem er aus nicht mehr recht erkennbaren Gründen bitter verfeindet war. Es nützte ihm nicht viel, daß er den Zusammenhang seines Opusculums mit dem Mosellans künstlich zu verschleiern suchte; man hatte es
^) Nach dem sichtlich schlechten Abdruck seines 'Be- denkens von der Schulreformation' bei Kapff, Zur Gesch. d. Ulmer Gymnasiums. Progr. 1S58, S. 11.
-) Alles Nähere bei Bömer.
^) Das hat schon Günther, Plautuserneuerungen, Leipz. Diss. 18S6, S. 79 nachgewiesen, Über Hegendorphinus ist jetzt Kossowski, Studya do dziejow renesansu i reformacyi w Polsce 1 (1905) zu vergleichen, eine anscheinend gründ- liche Arbeit, der ich aber nur mühsam und mit fremder Hilfe folgen konnte ; Mosellan wird S. 25 ff., S. 34 f. u. ö. erwähnt.
XL EINLEITUNG.
bald heraus, daß sich die J>ialoi;i ])ueriles an die Paedologia anschlössen, und spekulative Verleger druckten demzufolge nach der Devise doppelt hiilt besser" beide Werke häufig zusammen ab.
Vornehmer als Hegendorphinus ging der Flamländer Hadrianus Barlandus zu Werke, der in seinen Dialogi ad profligandam e scholis barbariem utilissinii (1524) aus- drücklich Mosellan und Erasmus als seine Vorgänger be- zeichnet. Hatte ihn das Lob des Collegium trilingue zu Löwen '), an dem er selbst tätig gewesen war, für Mosellan eingenommen? Übrigens tritt dessen I^influß auf Bar- landus hinter den des Erasmus zurück, und selb.st dieser hat auf den talentvollen und eigenwilligen Mann mehr an- regend als bestimmend gewirkt.
Etwa das Gleiche ist bei Hermannus Schottenius der Fall, der aber in seinen Confabulationes tironum littera- riorum (1525) wiederum nur auf Erasmus hinweist. Ich glaube doch, daß er Mosellan gekannt hat. Man darf, wie schon einmal betont, bei inhaltlichen Übereinstimmungen in den Schülergesprächen nicht gleich auf Abhängigkeit schließen, allein hier sind sie derart, daß man getrost diesen Schluß wagen kann. An Lebendigkeit übertrifft Schottenius allerdings Mosellan-). Aber er steigt zu sehr zu den Schülern herab; sein Satzbau ist absichtlich salopp und manches Gesprächsthema in pädagogischer Hinsicht zu naturalistisch und zu burschikos.
Völlig unabhängig von Mosellan und im wesentlichen auch von dem Verfasser der Colloquia familiaria ist Ludo- vicus Vives, ein Mann für sich wie Erasmus und vielleicht noch mehr als dieser. AVie die ungewöhnlich reizvollen, aber nach Inhalt und Form auch ungewöhnlich schwierigen Dialoge (Linguae Latinae exercitatio, 1539) den Riesenerfolg haben konnten, der ihnen (nicht nur während des 10. Jahr- hunderts) zuteil wurde, i.st mir nicht völlig klar. Weit be- greiflicher, daß die gelehrte Praetextata loquendi ratio (1552)
^) s. o. s. xxvin.
-j Creizenach 2. S. 35.
EINLEITUNG. XLI
des guten Martinus Dimcanus anscheinend wenig Be- achtung fand. Wie konnte dieser bigotte, doch sonst ganz einsichtige, auch pädagogisch begabte Mann Lehrern und Schülern bloß zumuten, einen solchen Wälzer als Schulbuch zu benutzen? Freilich waren auch des Erasmus Colloquia mit der Zeit ungebührlich angeschwollen. Diese hat sich Dun- canus zum Muster genommen, aber er hat sich bestrebt, nur ja nicht contra bonos mores zu verstoßen, was doch Erasmus leider Gottes tue. Auch die Paedologia kennt Duncanus und erwähnt sie beiläufig in der zweiten Auflage seines Buchs; stärkere Anleihen hat er aber wohl vermieden.
Mosellan besitzt nicht das lustig sprudelnde Plauder- talent des Niavis, nicht den funkelnden Esprit des Erasmus, nicht den gegenständlichen Sinn des Vives. Aber er besitzt in hervorragendem Maße den Blick für das pädagogisch Fruchtbare. Kaum einer seiner Vorgänger und Nachfolger hat die Aufgabe, die einem Verfasser von Schülergesprächen gestellt war, so erschöpfend gelöst wie er. Gedankenvoller abwechslungsreicher, künstlerischer sind die Schüler- gespräche anderer Humanisten ganz gewiß. Doch was sie litterarisch wertvoller macht, das mindert meist ihren didak- tischen Wert. Die Paedologia als litterarisches Produkt ist kein Meisterwerk, wohl aber ist sie es als pädagogisches Hilfsmittel. Das war auch das Urteil des 16. Jahrhunderts: die Fülle der Ausgaben bestätigt es.
Bibliographie.
Das wertvolle Verzeichnis der Paedologiadrucke bei Bömer S. 96 ff. habe ich durch erneute Umfragen sowie durch Heranziehung des Repertoire des ouvrages peda- gogiques du XVIe siecle ^) (Paris 1886, S. 456 f .) vermehren und berichtigen können.
1) Z = ^aebologia | ^etri 93?ofetIam ^Tote= ] geufig, in pueror^ üjum confcripta. \ |)ieront)mu!o. ' Non sunt contenenda quasi parua, | sine quibus magna cöstare nö | possunt.
*) Memoires et documents scolaires publies par le musee pedagogique. 3,
XLTI EINLEITUNG.
T\ahmen (boschrieben von Pommer, Lutherdrucke 1888, ^"r. SS), o. 0. u. .1. LH) Bll. 4«. (Aui^sburg, Zwickau.)
2a) B = 'il.HioboUHVii i iH'tvi WuHlIaiii ':i>vote ] iicn)'t!§ tu pucror4 üjum [ cuu)i-ripia.' , :picrum)iHUv etc. ]\ahmen wie 1). 20 Bll. 4". (Berlin, Göttinj^en, Hehustedt. Münster.)
2 b) W = ^acbüUniia | '|>ctn IVuicIlaiii '4>VL^tf I Gcn|iv in ;iucvor4 Dinm ' ciuiicripta. \ .s>icvoiU)mii!§ etc. ii'ipiiac npub l\\'ld)iorr' | ^'otllicr4 , i.Unno. 'iW. T. riji; | 1- Rahmen wie 1). 20 Bll. 4«. (Wien H.)
3) S = rAEI)(lL(^GIA PETRl MO SELLANl PROTE- GEX SIS IN PVEPxORVM j VSVM CON | SCRIP | TA. 1 Hieronymus etc. Rahmen wie 1) o. O. u. J. 20 Bll. 4". (Leipzig: U.. Straßburjj:.)
4) Mainz. Schc.ffer 1518. (Straßburg.)
5) Antwerpen, Hillen 1519. 4". (Besan^on, Haag )
6) n = PETRl MOSELLANI PROTEGP^N- i sis, PAE- DOL(^GIA. iam (jnartfu vna | cum scholijs in ioco oppo- sitis* edita. j adiectis insui)er DIAL(3GIS | duobus, quorü alter relege \ dae praelectiöis ratione | cöplectitur, alter de I delectu Acade- | miarü habe | do, disse | rit. | Cum illustrifs. ]>rinci|ns nostri GEORtill Saxoniae ducis etc. pariter tV: prudetifs. SENATVS Lipsensis PRIVILEGIO Ne quis haue, aut quäuis aliä P. MOSELLANI lucubra tionem Lipsiae, immo in tota hac ditiöe, citra au- | thoris ipsius cösensum, aut imprimat, aut alibi | impressam & im- portatam hie vendi- tet: sub pena, vt in tabulis. Rahmen (beschrieben von Dommer, Lutherdrucke 1888, Nr. 90; jetzt auch für die Titelblätter der Weimarer Lutherausgabe be- nutzt). Am Schluß: Lipsiae, ex officina Melchioris Lottheri. Anno diüco MDXX. 25 Bll. 4^ (Breslau. Darmstadt, Haag, Leipzig St.. München U. u. H., Stuttgart, Upsala. )
7) Mainz, Schöffer 1520. (Darmstadt, Jena, Kopen- hagen.) s) Straßburg, Knoblauch. Dezember 1520. Hier und in Zukunft fast immer angefügt: Dialogi pueriles Christophori Hegendorpliini XII. (Berlin, Freiburg.) 9) Erfurt, Maler 1521. (.Jena, London: copious ms. notes' I, AVien H.) 10) Krakau. Victor 1521. 4«. (Krakau, W^ieu H.) 11) Mainz. Schöffer 1521. (Paris N.) 12) Straßburg, Knoblauch 1521. (Basel. Frei bürg, Kopenhagen, Krakau, München H.) 13) Straßburg, Schürer, Februar 1521. Ohne die neuen Dialoge von 6). (München W) 14) Straßburj;, Schürer, Oktober 1521. (Freiburg, München H., Wien H.) 15) Hagenau. Anshelm 1522 (nach Panzer). 16) Straßbur^^ Knoblauch 1522. (Berlin, München H.) 17) Augsburg, Grim 1523. (München H. u. U.) 18) o. O. [Xürnberg], Petrejus 1.52.3. (Berlin.) 19) Antwerpen, Hillen 1523. (Köln.) 20) Leip- zig, Faber 1524. (Leipzig S.) 21) Köln, |Soter?l 1521.
EINLEITUNG. XLIII
(Köni^sber^ U.) 22) Deventer, Zuseler 1525. (Frankfurt a. Main.) 23) Ant\ver])en 1525. (London.) 21) Basel, Petrus 1527. (Cambrai.) 25) Antwerpen, Hillen 1527. (Erlan^^en.)
26) Krakau, Scharffenbero^er 1527 (vormals in Krakau).
27) Krakau, Vietor 1528 (nach Panzer). 2S) Paris, Stephanus 152S (Auo;sburg, Paris X.) '2'J) Straßburg, Egenoli)h 1529. (München H.) 30) Wittenberg, Lufft 1529. (Besan^on, Königsberg 1^.) 31) Paris, Stephanus 1529 (nach Panzer). 32) Leipzig, Faber 1530. (Dresden.) 33)Ant\verpen, Caesar 1531 (Paris N.) 31) Paris, Ste])hanus 1581. (Marseiile.) 35) Paris, \Vechell531. (Besancon, ParisN.) 36) Augsburg, Weissenhorn 1532. Hier sind die neuen Dialoge von 6) am Schluß ab- gedruckt. (München H.) 37) London, Worde 1532, (London.) 38) o. 0. 1 Nürnberg], Petrejus 1533. (München H.) 30) Ant- weri)en, Caesar 1533. (Königsberg U.) 10) Paris 1534. (London.) 41) Köln, Cernicorn 1535. (Upsala.) 42) Paris, "Wechel 1535. (Paris N.) 43) Leipzig 1537. (Kopenhagen.) 44) Paris, Büffet 1539 (Aurillac). 45) Lyon, Paganus 1539. (Paris N.) 46) Zürich, Froschauer 1540. (Straßburg.) 47) Frankfurt a. M. 1542. (Toulouse) 48) L3'on 1542. (BesanQon.) 49) Lyon, Gryphius 1543. (Augsburg, Paris, B. de l'Arsenal.) " 50) Mainz, Schöffer 1544. (Nancy.) 51) Ingolstadt, Weissenhorn 1544. (München U.) 52) Paris, Stephanus 1547. (Haag, London.) 53) Paris, Stephanus 1548. (London, Paris N., Upsala.) 54) o. 0. [Nürnberg], Petrejus 1550. (München H.) 55) Paris, 'vidua Mauritii a Porta' 1550. (Paris N.) 56) Mainz, Schöffer 1551. (Brüssel, Rostock) 57) Lvon, Paganus 1551. (B. du Puy.) 58) Köln, Horst 15o2. (Köln.) 59) Leipzig 1553. 60) Augsburg, Otmar 1554. (Jena.) 61) Leipzig, L. Faber
1559. (Hamburg, defekt.) 62) Nürnberg 1559. (London.) 63) Leipzig, L. Faber 1560. (Jena.) 64) Nürnberg, Neuber
1560. (Kopenhagen.) 65) o. 0. 1560. (Zwickau.) 66) Straß- burg, Chr. Mylius 1561. (Giessen, Donaueschingen.) 67) Frankfurt a. M., Egenolphs Erben 1563. (Besancon, Dresden, Freiburg.) 6S) Nürnberg, Montanus u. Neuber 1563. München ü.) 69) Köln, Horst 1565. (Upsala.) 70) Schmalkalden 1566. ((jießen, Zwickau.) 71) Mainz 1570 (nach 0. Q. Schmidt. Mosellanus S. 86). 72) Straßburg, 'apud heredes Chr. Abilii' 1570. (Nancy.) 73) Frankfurt a. M., Egenolphs Erben 1579. (München H.) 74) Schmalkalden, Schmuck 1586. (Erfurt.) 75) 'Bardi Pomeraniae ex officina principis' 1591. (Lübeck.) 76) Helmstedt, Hesse 1706. (Dresden, Göttingen, Hamburg, Paris N.) 77) Leipzig, N. Faber o. J. (Erfurt, Helmstedt, Ptostock, Zwickau.)
78) Frankfurt a. 0. o. J. (Dresden, Halle, Hannover.)
79) Mainz, Schöffer o. J. (Erlangen, Freiburg.)
XLIV EINLEITUNG.
Die ^griechische t'bersetzun^ der raedoloo;ia von Jo- docus Velaraeus (Antwerpen 1522 und löo-S, l'anzer. Ann. Typ. 6, Nr. 5:>. 1(30) habe ich nicht auftiviben ktinnen. Ein Exemplar war früher in der K<;1. Bibliothek y.u Brüssel vorhanden, wird aber, wie mir die Verwaltuni;- freundlichst mitteilt, seit mehreren Jahren vermißt.
Wann erschien die erste Aus<;abe der Paedolo^ia? Zwei Jahre kommen nur in Betracht: 1517 und 151s. Bömer (S. 96) glaubt annehmen zu müssen, dass bereits 1517 ein Druck ans Licht getreten sei. Aus folgenden Gründen: einmal heißt es im Titel der späten Helmstedtcr Ausgabe (s. o. Nr. 7()j: 'Post primam Lipsiae MDXVII et secundam Smalcaldiae MDLXXXVI editio tertia', ferner ist die Vor- rede Mosellans in vielen Ausgaben 1517 unterzeichnet. Als erste Ausgabe, in der dies der Fall ist. nennt Br)mer die 1520 bei Lotther in Lei})zig gedruckte. Er hätte aber noch auf eine frühere verweisen können, wäre ihm diese nicht offenbar unbekannt geblieben. Es ist eine Quart- ausgabe ohne Ort und Jahr, sehr ähnlich denen, die E()mer mit 1 ) und 2) bezeichnet, doch in einigen Punkten von ihnen abweichend. Ich benutzte ein in der Zwickauer ilats- schulbibliothek befindliches Exemplar, das ich Z nenne. Am Schluß der Vorrede von Z steht: MD VII. Also wäre die editio princeps in der Tat 1517 erschienen?
Da macht uns indessen zunächst das Datum des am Ende von Z abgedruckten Privilegs stutzig.
Consules Senatusque Lipsiensis omnibus et singulis has tabulas inspecturis Salutem. Plato divinae sapientiae homo eam rem publicam optime institutam putat, ([uae primam curam jiueris ad optima quaeque, hoc e.st litteras et virtutes provehendis imi)endat. Non aliter, inquit, ac gnavi agricolae teneriores ])lantas primaria opera observant, deinceps vero et reliquas nf)n neglegunt. Neque id iniuria, siquidem ut tenellis jiJantis, nisi acciirate circumsaepiantur, facile nocuerit vel auster inimicus vel petulcum pecus vel etiam pecudibus nonnun(juam petulantior homo, ita prima illa aetas infirma et per hoc in quam vis jiartem se(|uax, nisi recta institutione ducatur, levi rnomento in omni igno- rantiae vitiorumque genus sensim cum aetate adulescit. Quare divus Hieronymus parentes ad diligentem liberorum educationem vocans graviter inquit: Non pars'i est apud Deum ineriti bene liberos educare. Ilaec omnia nos ])er- jtendentes nihil, quod ad hanc curam adeo salubrem scimus pertinere, neglegimus. Immo quidquid quoquo saltem modo iuvandae iuventuti datur, hoc singulari quodam favore rom- plectimur. Itaque cum Petrus Mosellanus, in hac lauda-
EINLEITUNG. XLV
tissima civitatis nostrae academia iiub-[D6a]licus utriusijue lingiiae professor, praeter alia multa studiosis noa inutiiia muitorum rogatu et dialogos (|uosdam loquendi formulas complexos in puerorum usum conscripserit, id. (juod ipse nobis coram exposuit, atque alia posthac non minus frugi- fera forsan sit compositurus, quo sentiat suum Studium nobis probari, pariter et ipse ingenii sui labores amplioribus condicionibus possit publicare. mandamus omnibus et sin- gulis tj'pographis simul ac bibliopolis, ne quisquam in hac nostra civitate intra quattuor annos a singulorura operum editione computandos primariam editionem sine auctoris ipsius consensu imitetur ueve eadem opuscula aliunde ad- vecta hie venditet. Quod si quis inordinata lucri cupiditate impulsus contra hoc nostrum decretum fuerit ausus, sciat se in gravem censurae nostrae mulctam incurrisse, quam quidem nobis pro nostro atque item auctoris ipsius arbitrio dictandam reservamus. Datae in curia nostra urbis Lip- siensis, pridie Kalendas Octobris anno MDXVIII.
In diesemPrivileg verbietet der Magistrat, wie wir sehen, den Buchdruckern, die Werke Mosellans, insbesondere aber die Paedologia binnen vier Jahren nachzudrucken oder auch nur aui5erhalb Leipzigs gedruckte Exemplare hierhin einzuführen.^) Als rechtmäßige Ausgaben sind danach nur diejenigen zu betrachten, die bei demselben Drucker wie Z hergestellt sind. Der Drucker ist nicht genannt. Wer ist es? Eine typographische Untersuchung ergibt alsbald ein absolut einwandfreies Resultat: kein anderer als Mel- chior Lotther. Das Privileg ist unterzeichnet: pridie Kalendas Octobris, anno MDVIIL Sollte das Privileg dem Verfasser und dem Drucker erst ein Jahr nach dem Erscheinen der Paedologia erteilt worden sein? Wäre somit eine uns ver- lorene Ausgabe ohne Privileg bereits 1517 erschienen? Oder hat Mosellan sein Werk ein ganzes Jahr liegen lassen? Beides höchst unwahrscheinlich, beides nicht ganz unmög- lich. Aliein drei weitere Ausgaben, von denen eine (W) das Jahr 1519, Druckort und Drucker (Leipzig, Lotther) auf dem Titelblatt trägt, während die beiden andern (B und S = Bömer 1 und 2) sine loco et anno erschienen sind, haben dieselbe Vorrede mit demselben Monatsdatum, aber das Jahresdatum lautet hier 1518. Im übrigen stimmen
^) Es ist dies eins der frühesten Bücherprivilegien, die wir in Deutsch- land nachweisen können; der Magistrat von Leipzig hatte schon 1516 dem Crocus für seine griechische Grammatik ein gleiches Privileg erteilt; die Be- schlüsse selbst sind — nach gütiger Auskunft Gustav Wustmanns — in deri ganz lückenhaften Ratsprotokollen jener Zeit nicht enthalten. Vgl. [J. H. Leich], De origine et incrementis typographiae Lipsiensis über sin- gularis (1740), S. 36 f. S. 42 f. O. Waechter, Verlagsrecht (1857), S. 7 ff.
XLVl EINLEITUNG.
diese drei Ause:aben mit gewissen Kinschränkungcn. die bald zur Sprache kommen sollen, inhaltlich und typo- liiaithisch nicht nur untereinander, sondern auch mit Z überein. Z, !'. W und S müssen ihrem Texte nach vor der Ausgabe von 1520 erschienen sein.
AVie? Vier Ausgaben vor 1520? Aber di ese Ausgabe (Dl nennt sich doch selbst auf dem Titelblatt die vierte! Eine neue Schwierigkeit, die sich indessen bald löst, wenn man B mit "\V vergleicht. Diese beiden Ausgaben erweisen sich al-j vollkonmien identisch, nur daß auf dem Titelblatt von AV noch Ort. Jahr und Drucker vermerkt ist; schon eine flüchtige Prüfung lehrt uns, dal3 7.u beiden Ausgaben der gleiche Satz benutzt worden ist. Mosellan hat sie offenbar und mit Recht nur als eine gezählt. Da nun aber W 1510 gedruckt wurde, so spricht alles dafür, daß auch B 1519 gedruckt wurde; denn die Annahme, daß der- selbe Satz längere Zeit gestanden habe, scheint mir wenig einleuchtend. Somit scheiden B und W für unsere Unter- suchung aus: keine von beiden kann die editio princeps sein.
Es bleiben Z und S. Die Titelblätter sind typographisch verschieden: die ersten vier Zeilen von Z sind mit Fraktur gesetzt, S dagegen völlig mit Antiqua. Doch das besagt ebensowenig etwas für die Priorität der einen Ausgabe wie gewisse Abweichungen in Orthographie und Interpunktion. Bei der Kollationierung der Texte fällt uns indessen bald auf, daß offensichtliche Druckfehler von Z in S nicht vor- handen sind. Und nicht nur offensichtliche, auch ver- stecktere. In S heißt es (Dial. XI, S. IS, 21 2): Nempe ut familiam hauriendis aquis iuvemus. In Z steht haurientibus. Kein Zweifel, S ist später als Z gedruckt worden; später auch als B und W, die diese Verbesserung noch nicht ent- halten, während sie D aufgenommen hat.
Nach alledem kommt als editio ])rinceps nur Z in Be- tracht. Dies Ergebnis wird bekräftigt durch eine Prüfung der Druckfehler von Z. Ein einziger schon dünkt mich aus- schlaggebend dafür, daß Z nach dem Manuskript gedruckt ist: in Z steht Dial. VII (S 13, 15) ein ganz sinnloses for- mare statt fortunae — denkt man sich fortunae mit dem kleinen t geschrieben, das im KJ. Jh. üblich war, so wird man diesen, in allen andern Ausgaben verbesserten Druck- fehler begreiflich finden.
Und nun erhebt sich abermals die Frage: 1517 oder 1518? Ich betonte schon, daß das Privileg von 15ls stammt. Wir sahen ferner, daß in B, W und S die Jahreszahl der Vor- rede in 1518 abgeändert ist. D (1520) hat freilich wdeder 1517, aber das erklärt sich einfach daraus, daß ihr, wie manche Übereinstimmungen in Orthographie, Interpunktion und
EINLEITUNG. XLVII
Druckfehlern beweisen, Z zugrunde liegt. Da nun die späte Jlelnistedter Ausgabe offenbar nach dem Schmal- kaldener Druck von 1586 hergestellt ist, der seinerseits in- direkt auf D zurückgeht, so begreift man auch, wieso der unbekannte Erneuerer zu der Annahme gekommen ist, die editio princeps sei I^IT erschienen: einzig und allein, weil die Vorrede eben diese Jahreszahl trägt. Dieses Zeugnis ist also vollkommen gleichgültig, und ich meine, alles spricht dafür, daß lÖlT in der Tat ein Druckfehler war und die erste Ausgabe der Paedologia (Z) vielmehr 1518 erschienen ist. Gleichwohl könnten sich noch leise Zweifel regen, ließen sie sich nicht durch ein beweiskräftiges Dokument völlig beschwichtigen. Am 25. September 1518 schreibt Mosellans gut unterrichteter Schüler Caspar Creutziger an Stephan Roth in Zwickau, die Pae- dologia sei im Druck. Der Briefe) trägt zwar keine Jahreszahl, allein er kann nur im September 1518 abgefaßt sein, wie sich unter anderm schon daraus mit Sicherheit
') Dieser Brief ist schon teilweise veröffentlicht von G. Buchwald AGDBuchhandel 16 (1893), S. 28, No. 8. Hier folgt er vollständig nach der Zwickauer Handschrift N3:
Humaniss. & eruditiss. viro Stephano Rodt Cycneae scholae dili- gentiss. moderato praeceptori suo candiss.
S. Accepi, Stephane mi, abs te iampridem expectatas literas, tametsi perbreues, quibus hortatus es, ut librus quos ordine assignasti, apud Biblio- polas compararem, et tibi transniittendos curarem, qua in re, ut par erat, nisi fallat ine opinio, satis laboraui, verum illud doleo, quod uoti te com- potem omni ex parte in praesentia facere nequeam. Nam ex libris iliis praeter Pici opusculum et Plutarchi comnieiitarium nihil transmitto, eorum nihil iam hie extat, Merces e francofordia nondum aduectae sunt. Ob id boni Interim consulendum est, intra quatriduum omnia quae nunc desyde- ramus, habebimus, tum ego laborabo, ut cum primum fieri possit, quicquid est reliquum, ad te perueniat. Equidem in culpa non sum, quid Biblio- polas hucusque illic detinuerit, addiuinare non possum. Caeterum rerum novarum, quod quidem re scire deceat, nihil habemus. De nostris rebus breuibus sie habe, valemus in praesentia omnes, deo gracia, foelicissime, nee est quicquam, de quo conqueramus. Det deus Optimus Alaximus hanc fortunam sentiamus diu. De tuo rerum statu nihil experimur, Eam ob rem cura ut de eo nos reddas cerciores. Quod postremo conquereris Mosellani praeceptoris mei lucubrationes tibi a me non esse missas, scito id per me non stetisse, carui, qui eas ad te perferret tabellario. iMitterem iam nisi ex literis intellegerem te eas habere, praeter eas iam nihil cdidit adhuc. In inende iam est ludus ab eo latine conscriptus, quem natSoXo-ctav hoc est puerilem confabuiationem inscripsit, publici nostri ludi administratoris hortatu persuasus, In quo confabulantes pueros introduxit de rebus literarijs et alijs compluribus non parum utilis futurus studiosis pueris, nam et latinissime et elegantissime compositus est. Praeter ea iam molitur non paruo conatu M Fabij Quintiliani institutiones emendaciores edere lucique pri- stinae restituere, Quando, ut scis, deprauatissimae sunt. Sed de his plura alias, Nunc bene vale. Saluta meo nomine Georgium nostrum Agricolam, cui narres velim male habere Mosellanum quod nihil literarum ad eum dederit, Maxime cum curae suae commiseret iuuenes aliquot conterraneos, quorum alterum morbo nescio quo laborantem audiuit, ob id hortare eum ut scribat. Iterum vale, septimo Kalend: Octobri.
Tuus Caspar Cruciger.
Tumultuarie scripsi, non [s]atis emendare [polui accu]ratius.
XLYIII EINLEITUNG.
orc:ibt, daß Creutzipier an Geori::: Ac^ricola Grüße zu be- stellen bittet. Agricola aber im September 1517 noch nicht nach Zwickau f2^egaug:en war. Erst im Januar 1518 gratuliert Creutziger dem Roth, daß er Agricola für seine Schule gewannen habe^).
Die erste Ausgabe der l*aedologia ist im Oktober 1518 ans Licht getreten.
Lesarten.
2,2«) Z snbire 2.32 Z chratarum 3,19 nosipsi 2,25 D Anno domini etc. 3,25 ZD MDVII BWS MDVIII 6.13 Z nostri. 7.12 Z gratia 7.15 ZS DIALOCVS 8,7 D obser- vaudissime s.l7 f<vci 8,21 2 Z parentens 10,2(i D commea- tibus 11, -4 D meiim fehlt 13,4 D evenerit 13,15 Z formare 13,16 D An non Protagoras ille Platonis dialogus |mit Ab- kürzungszeichen; Druckfehler für dialogo] celebratus 14.11 deuerbuissent 15,2 Z permitteuda 15.0 D me 16,23 JAVS ei 16,28 BWSD nostri 17,23 ZBWSD saturus 17,28 Z contiones 18,21 ZBWSD Clemens 18,21 2 ZBW haurienti- bus 18,4 ZBWSD Remigius 18,29 ZBWSD Clemens 19,3 ZBWSD Hemigius 21,t; quanto 21,24 D agunt 22,14 Z e in enim unter der Zeile 27,17 ZBWS Stati 27.22 BWS quid bis in 28,4 Z tu 30.14 ZBWSD Egidius 31,4 ZBWSD spricht Franciscus weiter 32.6 anicus 32,21 Z cani-nimus 33,4 ZBWSD öojQorfuooiff 33,10 1 D doctoribus 33,24 ZBWSD gestam 36.31 Z agrestum D agrestim 37,27 Z s in invideas über der Zeile 38,27 Z mceuia 41,1,2 ZBWD adoramenta 41,15 ZD tu te 45,24 D hijs 40,14 D Jheronvmus 47.7 D andivi 49,18 D coiecture.
Bibliographie des zweiten Anhangs.
1) Praeceptiuncula de tempore studiis impartiendo a Petro Mosellano adolescentulis disciplinae suae commissis tradita. — Lipsiae in aedibus Valeutini Schumann rnense Septembri anno domini MDXXI. 4 Bll. s^. (Breslau U.)
2) Leipzig 1524. 4°. (nach Schmidt, Mosellanus S. 86).
Lesarten.
52,6 costet.
•) Vgl. G. Müller. Stephan Roth. BSächsKG. 1 (1882), S. S5 und bes. R. Hofmann, Dr Georg Agricola (1905), S. 10 Der dort zitierte Brief Creut- zi^ers (Zwickauer Ratsschuibibl. Hs. N5) ist datiert 8. Idus Jan. 1518; die betreffende Stelle lautet: Quod Georgium Agricolam nactus sis ob hec im-
Pense letor, quod ille nobis praeceptor in grecis, tu mihi in latinis literis. reundliche Mitteilung von Prof. Dr. Hofmann in Zwickau.
EINLEITUNG. IL
Anmerkungen.
Ich habe hier auch die Marginalien der Ausgabe von 1520 aufgenommen und durch M gekennzeichnet; Ergänzungen von mir in eckigen Klammem.
1.13 M Cur pauci latine loquantur. 1,23 M In X [7,18] In.stitutionum oratoriarum 2,2 M Quintilianus in I cap. ult. et Gellius in X [vielmehr XI] cap. 7 (§ o\. 2.14 M Formulae ad quarnm exempla pueris sitassuescendum. 2.22 M In arte poe- tica [vielmehr Sermon. 2, 3, 248). 3,1 M Terentii proprietatem commendat maxime Servius et Ciceronis facilitatem Fabius in X. 3.8 M Vide de Aristarchi appellatione Chiliades Erasmi [Opera ed. Beatus Rhenanus 2 (1540), S. 178]. 4,8 M Ad calculum voco id est supputo. 5,10 M Allusio ad proverbium 'Ne obulus quidera est, quo restim emam.' [Erasmus 2, S. 115]. 5.10 M Antiquitas cuique homini duos genios attri- butos putabat, alterum bonum, alterum malum, quos theologi angelos vocant. Vide Erasmum in proverbiis 'genius malus' [2, S. 49]. 5.21 Andria 4, 5, 10. 7,20 M Tun pro tune. Comicum. 0.18 M Mos eorum, qui citra Graecae linguae cognitionem docendi provinciam assumunt. 10.3 M Nemo olim habebatur doctus ex Latinis, qui non par esset in utriusque orationis facultate. 11,18 M Tide Hieronymum in commentario super Matthaeum et Capnionem in defensione [Migne, Patr. Lat. 26, 1231". zu Matthaeus 3. 16, 17. Benignus, Defensio Joannis Reuchlin (1517), Bl. F 3a|. 11,27 ]\1 Vergilius, Aeneis V [v. 344]. 12,6 M Dedimus hoc memoriae optimi et doctissimi iuvenis Gregorii Aubani, amici nostri, qui Lipsiae magna laude docuit, quem immatura morte sub]atum dolemus [s.o.S.XXIV]. 13,12MVideGemuminIlcap.l8. 13.1ßMVide Gellium in V cap. 3 et Laertium in vita Democriti et Cle- anthis [1520 setzte Mosellan für Democrit mit größerem Rechte Protagoras ein, von dem diese Lastträgergeschichte schon in alter Zeit erzählt wurde, vgl. Lange, Gesch. d. Materialismus« 1, S. 27. 131]. 13,20 Vgl. die bei Teuffei, Gesch. d. röm. Lit.^ 1 (1890), S. 149 zitierten Stellen aus GeUius und Hieronymus. 14,10 M Pulchre hos captandarum avium modos dactylicis complectitur Prudentius in hymno, cuius initium O crucifer etc.' [in Mosellans Ausgabe des Cathemerinon Über, von dem mir nur ein Druck Lips. 1533 zur Verfügung steht, Bl. A 7]. 14,20 M Vide Plinium [Hist. nat.] in XVIII cap. 1 et 5 et Ciceronem in Catone maiore (i<i< 23 f.. 51 ff.]. 15.21 M Libro primo [1, 12 ff.]. 15,25 M In epistolis ad Atticum [VlI, 3, 10. Die übrigen Stellen, an denen Cicero von Terenz spricht, übersieht man bei E. Scholl- mej^er, (^uid Cicero de poetis Romanorum iudicaverit. Hall.
Lat. Litteraturdenkm. 18. d
L EINLEITUNG.
Piss. 18S4. S. P f.. 2-4 f.l. ir>.2« M In j^raofatione Historiae naturalis |>; 22]. 10.1 Augustinus. Do civitate r>oi 1, 3 (^linne, Patr. Lat. 41. Sp. 16). Vi:;!. Comparotti. Viri:;ili(> ncl niedio evo- 1 (ISU6), S. 109 f. !(»..') M Opus hoc hvmnorum inscri- hitus Kn!^t;utQit'iöv. 16.7 M llncliiridü ))raelortio Erpliordiae ordinaria orit posthar. 10,15 M Xi>n dannianius hos. sed eis moHoros praet'oriniu^^-. ad stihnn |)aninduni phis ohsunt (juani prosint. 10.20 M Lei;untur In a confinnati iudicii honiiuibus tum. cum mores sunt in tuto. 16.25 Polit. 10, cap. 7. S. 10.32 Übor Hiicliorproise im 1(5. ,)li. vp;[. ZDK(«. XF. 2 (1S7;5). S. 12(5 IT. Kapi). Gesch. d. Hucldiandels 1 (ISSil), S. 305 0'. liBKG. 11 (10(C.). S. 180 f., wo auch die l'aedologia selbst genannt wird. 17.20 Über das Sinojen der Schüler vi*"}. 7.. B. Urkundenbuch der Stailt ].eii>zi,i;- 2 (1870), S. 388. IH.IIO Über die Teilnahme der Schüler an Begräbnissen vgl. 11. .]. Kaemmel. Gesch. d. Schulw. S. 199, Neubaur. Aus der Ge.sch. d. Elbinger Gvmn. Progr. 1897, S. 56. 19.24 M Die seelbadt. 10.28 M Die si)yend. 20.2H M Vide Macrobium in Saturna lliorum IIb. 2, cap. (i. >; o) dr dicteriis. 21.5 M Die frunies. 21,11 M lu epistola 'l[.2, 301- 21.24 Über diese uralten Spiele, die in vielen Schülerges])rächen erwähnt werden, vgl. Zingerle, Das deutsche Kinders])iel im Mittelalter- (1873) und die Nachweise von Bömer (Register s. v. Spiele). In der Emmericher Schulordnung (1570) wird das Ballspiel ausdrücklich empfohlen; aber auch dabei soll lateinisch ge- sprochen werden, vgl. Liesen, Progr. 1899, S. IV. 22.7 M Der Kulchenn spylen. 23,10 M Vide proverbia Erasmi [Opera 2, S. 809. 944. Der Xame der oft erwähnten heim- lichen Aufpasser, die den Schülern sehr unheimlich waren, geht zurück auf das Sprichwort 'Mwoy^ffao^- i^xQoäCtro' ; Näheres bei Bömer S. 100 f.]. 23,23 M Lupus [Diese Bedeutung des Wortes "Lupus", die noch Zarncke, Die Deutschen Uni- versitäten 1, S. 230 nicht weiter zu belegen wußte, ist keineswegs ungebräuchlich; vgl. außer Massebieau S. 103 und Bömer S. 11 Kehrs Päd. Bll. 14 (1885) S. 468[. 25.15 Über das Martinsfe.st s. o. S. XXVI. Celtes, Fünf Büclier Epigr. ed. Hartfelder (1881). 8. 51 f. Herzogs Prot. Real- enzvk. ^ 12, S. 389 ff. 20,7 Vgl. Hartlelder. Katharinen- fest der Heidelberger Arti.stenfakultät, NHJbb. 1 (1891), S. 52 ff. 20.24 M Erasmus inter proverbia retulit [Opera 2, S. 19[. 27.5 M In arte [poet., Ep. 2, 3, 412 iT.[, 27,22 Über den Knabenbischof vgl. S])echt S. 222 ff. Knepper S. 433 ff. Hof fmann-K rayer, SchweizAVK. 7 ( 1903), S. 120 ff., 201 ff. Über das Nikolausfest viel Material kritiklos dar- gebracht bei Schnell, Sanct Nicolaus. Brunn 1883 »5. 2H,11 Dachte Mosellan hier an bestimmte Tragödien? Schwerlich. Agamemnon tritt ja vielfach auf, aber Priamos? Die ver- schollene Tragödie des Flaminius (Creizenach 2, S. 375) wird
EINLEITUNG. LJ
ihm kaum bekannt ficewesen sein. Höchstens, daß ihm die Notiz des Suidas (ed. Bernliardy 2, Sp. 1478), wonach Philokles einen 'Priamos' geschrieben hat, gegenwärtig war: mit Suidas hatte er sich viel beschäftigt (Fichardus, Virorum qui sujjcriori nostroque saeculo eruditione . . me- morabiles fuerunt vitae ISSH, Bl. 9f)). 29,1 M Stechen vnnd rennen. 29,4 M Tornier. 30,8 M In exempla ad Laetam et ad Nepotianum de clericorum officiis |Migne, Patr. Lat. 22, 686 f., 266 f.]. 31,1 M Vergil. Aeneis 1 (199. 219|. 31,10 Vgl. SBWienAk., Hist. phil. Kl. 40 (1862), S. 177 ff. RhGBll. 1 (1895), S. 12 f. 31.22 Vgl. Hoffmann - Krayer, Neu- jahrsfeier im alten Basel, SchweizAVK. 7 (1903), S. 102 ff. 187 ff. 32.26 M Magi, vidc Picum Mirandulanum in conclusione XllI, ni fallor memoria [vielmehr concl. XV. XXVI. XXXI = S. 69 ff. der Opera, Basileae 1601; was Mosellan hier vorträgt, deckt sich vollkommen mit den An- schauungen Picos, vgl. Liebert, Picos ausgewählte Schriften (19( >5), S. 227 f. 33.3 M In Georgicis. Id est. reges donivoraces [Erga 261 1. 33,5 M In sermone de natalicia Christi [Migne, Patr. Graeca 36, 845 ff.], quem nos Latinum fecimus [Köln, Caesar 1518. 40. (Dresden)]. 33,15 Vgl. VFSch. (s. o. S. XXXIV Amii. 3) 1, S. 113. Zarncke 1, S. 174. 34,25 M Fasnacht. 34.20 Auch Melanchthon warnte öfter vor der Zügellosigkeit beim Fastnachtsfest; die Ausschreitungen kämen ihm wie eine Nachahmung der Bacchanalien vor (Hartfelder, M. als Praecept. Germ. S. 94). Das Verbot in Masken herumzulaufen war in Leipzig nicht neu, s. Zarncke 1, S. 169. 175. Auch die Urbanalia vergleicht Mosellan mit den Bacchanalien s. u. S.41, 24. 35,10MConfessio. 35.22 MHaec ratio videtur propter quam confessio a sanctis patribus sit instituta. 35,30 Über das Gregoriusfest, das sich in manchen Orten bis zum 19. Jh. erhalten hat. ist sehr viel geschrieben worden, meist ohne daß der eine die Forschungen des andern kannte. Die Sache ist, abgesehen von dem kulturhistorischen Interesse, das sie bietet, deshalb nicht ganz unwichtig, weil man gemeint hat, in den Veranstaltungen beim Gregoriusfest lägen die Keime des Schuldramas: so Oerdel, Über die Pflege des Dramas auf deutschen Gelehrten-Schulen, Tü- binger Diss. 1870, S. 8 f. Ich kann hier nicht näher darauf eingehen und verweise nur auf die Arbeiten von Schauer, Niedners Zeitschr. f. d. historische Theologie 22 (1852), S. 147 ff. Knothe. NLausitzM. 39 (1862), S. 45 ff. Eck- stein. Zittauer Progr. 1888. Auch in den Geschichten der einzelnen Gymnasien ist vielfach von dem Feste die Rede, vgl. z. B. Süss, Gesch. d. Gymn. zu Freiberg, 2. Progr. 1877, S. 50ff. Bartusch, Annaberger Lateinschule (1897), S 183 ff. 38.6 M Vide Nazianzenum in sermone de pascha [Migne, Patr. Graeca 36, 845 ff.]. 38,25 Vgl. VFSch. 1,S. 19. 38,30 M Amb-
IJI EINLEITUNG.
iirbialia. Vide Plinium in Will. Verg'Hus in Georgiens [1, 343 ff. Bei Pliuius werden nacli Sillij^s Index zur Hist. nat. (1S57 S) weder die Amburbialia noch die Ambarvalianandiaft neniaeht. sondern nur IS, 2, 8 die Fornacalia und 18, 10, 28-4 die l\obi,i;alia, Floralia. Vinalia. Über die vonScrvius erwähn- ten Ausdrücke AmburlMalia und Anibarvalia s. Forcellini ed. De-Vit 1. S. 227. 234. Zur Sache: Pfannenschniid S. 86 ff. Wissowa. Keli-ion der Isomer (llH)2). S. 130. 1G2 f. 16.") f. 3r)01. 3«.l M Ambarvalia |s. /u 38. 301. 3».2 f. s. zu 38. 30. 'M)2'y 1 >al3 M. hier, wie IJümer 8. 104 vcrnuitet, eine lateinische Übersetzung des byzantinischen XgKTTog nna/Mv (Krunibacher S. 746 ff.) im Au.<;e hatte, halte ich für ausgesclilossen. Eher käme noch der Theoandrothanatos des Qnintianus Stoa (Creizenach 2. S. 372 f.) in Frage. Aber es braucht ja nicht unbedingt ein lateinisches Stück zu sein. Herzog Georg war ein Freund des Dramas: er hatte 1513 eine größere Summe gestiftet, damit jährlicli am Grünen Donnerstag und den folgenden Tagen bis auf den lilg. O.stertag die ganze Historie vom Leiden, Sterben und Auferstehen Christi zu Meißen agieret worden, welches sonderlich zu Leipzig solemniter gehalten.' Blümner, der in seiner Geschichte des Theaters in Leipzig (1818), S. 14 f. diese Stelle aus Lau- rentius Fausts P>klerung des Stammbaums aller Hertzogen zu Sachsen (1588), S. 208 f. anführt, bemerkt dazu, daß das Wort agieren' vielleicht nur von einer Prozession zu ver- stehen sei. Keineswegs. — Über Schulaufführungen in Leii)zig zu MoseUans Zeit vgl. Geß, NASächsG. IG, S. 54 f. 40.26 .M Id est, capite comatos ornatosque (Ilias2. 11. 323 usw.). 41,25 M Urbanalia [Fest der Winzer, vgl. z. B. Elsäss. LD. 1. S. 104. Knepper S. 442 f.]. 43. S Benef. 1. 2. 44.14 M Abusus memoriae non intellecta tradentium. 44.24 M Quid ex j)raelectione docta Sit exsi)ectandum. 47.19 ]\1 Academiarum diversitas. 47,32 M Quae habere debeat universitas piena. 48.17. 20 M Lijtsia. Vuittemberga. Lrphurdia. Basilea. Lovanium. 40,11 M Ratio delii^endi praeceptrtris. 49,19 M Indicia boni praece]>toris. 49.26 M Vide Gellium in primo llibro] cap. IX. 51 Vgl. Hartfelder, Melanchthon (1889), S. 469 u. oben S. XVII.
Ich habe zu dieser Arbeit die Bibliotheken reichlich behelligen müssen. Fast alle j^reußischen Universitäts- bibliotheken, namentlich die Göttinger und die Breslauer, auch die Universitätsbibliotheken zu Leii)zig und Straß- burg, die Stadtbibliothek in Königsberg, die Hofbibliothek in Wien haben mir Material gesandt, andere deutsche und ausländische Bibliotheken mich durch Auskünfte unter- stützt. Besonderer Dank gebührt der Großherzoglichen Bibliothek zu Darmstadt und der Ratsschulbibliotnek zu Zwickau, die mir mit rühmenswerter Liberalität ihre Aus-
EINLEITUNG. LIII
gaben der Paedologia viele Monate lang zur Verfügung stellten. Vor allem aber fühle ich mich der Kgl. Bibliothek in Berlin zu Dank verpflichtet: tagaus tagein hat sie mir ihre eigenen Schätze dargeboten und überdies die Zusendung der fremden freundlich vermittelt. Auch der tätigen Hilfe des Auskunftsbureaus der deutschen Bibliotheken sei hier gedacht.
Zum Schluß drängt es mich, Herrn Professor Dr. Max Herrmann herzlichen Dank zu sagen, der meine Arbeit mit gewohnter Teilnahme begleitet und durch seinen Rat vielfach gefördert hat.
Berlin, den 1. Mai 1906.
Hermann Miehel.
lÄV
Personen Verzeichnis.
Die Nainoii in den Aninerkunpcn sind nicht bcrücl<sich(igt.
Aesticanipiamis. J. Rhagius \'III. Asanicninon 2S. Aizricoia. G. XV. XI.VIF f. Aibrccht v. Mainz XXVIII. 4«. Alfeld. A. XIII. Apiiloiiis XXV. 16. Aristophancs VIII. Aristoteles 48. Aubanus, G. Coelins XXIV. Auerbach s. Stromer. Aupustinus XII. XVI. 16. Ausonius VI.
Bacchus 27. 41. Barlandus, H. XL. Blaurer, Th. XIII. Borner, C. VIII. XIII. Busche, H. v. d. VII.
Caesarius. J. VII. XXXVII.
Camerarius, J. XV.
Carlowitz, Chr. v. XV. XVII. 51.
Catharina. hl. 2.5 f.
Catull XXV. 16.
Cicero XIX. XXII. XXIV. XXXIII.
XXXIX. 3. 1.5 f. 45. Claudianus Mamertus XVI. Cleanthes 13. Cordcrius, .M. XXXIX. Cornificius XXXIV. Corvinus, L. XXI. Creutziger, C. XLVII f Crocus, R. IX f. XLV.
Democrit 13.
Diomedes (Grammaticus) XXXVII.
Duncanus, M. XLI.
Erasmus, D. X. XIII ff. XVII f. XXIII. XXV. XXVIII. XXXVII ff. 16.
Galba 20.
Gellius, Aulus XXXIII. 2.
Georg V. Sachsen X ff. XIV f.
Glareanus, H. VII.
Gregorius, hl. .3.5.
Gregorius v. Nazianz XVI. 33.
Hannibal 22.
Hegendorphinus. Chr. XXV. XXXIX f.
Hcsiod 33.
Hieronymus VI. XXIII. XXXIII. XLIV.
30. Homer 40.
Horaz XXII. 2. 21. 27. Horlenius, J. VII. Hundern, A. XXI. Hütten. U. v. X. XXV. XXVIII. XXXII.
Johannes, hl. 31.
Lukian X\'II. XXXII.
Lotther. M. XI. IX f.
Luther. M. VI. XI. XIII f. XVIIlf. XXV.
Macrobius XXXIII.
Martial XXV. Ki.
Martin US, hl. 25.
Martianus Capella XXV. 16.
Melanchthon, Ph. X. XV. XXV.
Moritz V. Sachsen ,XVII.
Murmellius, .1. VII.
Musler, J. XV.
Muliaiius Rufus, C. XIII. XXIII. XXX.
Niavis, P. XXI. XLL Nicolaus, hl. 27. Novenianus, Ph. XXIV.
Petrarca, F. XXVIII.
Pflug. J. V. XV.
Pirckheimer, W. XVI.
Piaton XXXII. XLIV. 16. 48.
Platter, Th. XXXVI.
Plautus XXXIII. 13.
Plinius XXXIII. 15.
Poliandcr, J. XII. XVII fL XXII. 1 fL
Priamus 28.
Protagoras XLVIII.
Prudentius XXV. XXXIII. 16.
Pythagoras 26. 49.
Quintilian XIX. XXVII f. XXXIII L XLVII. 1 f. 1.5.
Rabus, L. XXXIX. Reuchlin, J. XXIX. XXXVIL Roth, St. XLVII f.
Schottenius, H. XL.
Seneca 43.
Servius (Grammaticus) XXXIII.
Sturm, J. XXV. XXVIII.
Stromer, H. (Auerbach) XII.
Terenz XIX. XXIV. XXXII f. 3. 5.
15. 45. Theophrast 48. Tibull XXV. 16. Trotzendorf, V. XV.
Urbanus, hl. 41.
Velaraeus. .1. XLIV. Venus 22. 27.
Virgil XXIV. XXXIII. 1.5. 45. Vives, L. XLL
Wimpfeling, J. XXIIL XXIX.
Pettl JlofcUant prote-
pnfijj in purroi^ ufum
confcripttt*
§ttroni)mu^.
Non lunt contenenda quasi parua
fine quibus magna coftare nö
poffunt.
Petrus Mosellanus loanni Poliandro Lipsiae apiid divum Thomam ludimagistro suo S.
Es tu quidem, mi loannes, iam annos multos re ipsa expertus, quanta cum difficultate et quam
5 sero infirma puerorum aetas ad Latinitatis antiquae imitationem perveniat. Xam cum post prima rei grammaticae rudimenta tenera ingenia statim ad Latini sermonis usum adigantur nee tamen ulla eis via ad haue rem demonstretur, fit, ut, dum utcum-
10 que quod iubentur praestare conantur, novam quandam loquendi rationem plane barbaram et per vernaculi sermonis vestigia ingredientem inter se sibi ipsi confingant. Quod Vitium rudibus animis et per hoc tenacioribus primum impressum postea
15 nulla arte deleri potest. Atque haec causa mihi videtur, quod non Germani solum, sed et Jtali, qui nobis hac parte feliciores videri volunt, sermone cotidiano immundo adeo et parum proprio utuntur. Videas enim bonam partem eorum, qui hodie lin-
20 guam Latinam profitentur, in loquendo nihil minus spirare quam nativum illum et incorruptum Romani sermonis odorem, ut candidissimae eloquentiae scriptor Fabius de extemporali orationis facultate frustra scripsisse videatur. Quid quod hoc ma-
25 lum gravioris etiam aetatis prot'ectibus omnem au-
Lat. Litteraturdenkm. 18. ]^
2 MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
fert gratiam? Alioqui qua causa male audiunt apud Quintiliaiuim et item Gcllium ofV.aaDsTc, nisi quod quia a teneris, ut aiunt, unguiculis optimis non sunt adsueti? Obvia quaeque in auctoribus citra delectum 5 in suum usum converrunt, ut dictio eorum omnis non propria et domi suae nata, sed e variis scrip- toribus ostiatim quasi mendicando congesta delicati iudicii hominibus non possit non putere. Haec cum tu non minus acute quam graviter perpenderes
10 nihilque haberes potius quam puerorum, qui tuae fidei sunt concrediti, rüdem et ad omnia sequacem animum ad optima quaeque perducere, mecum egisti saepe, ut lociuendi formulas aliquot, quibus ea aetas uti posset. conscriberem. Diu, ut nosti, sum relu-
15 ctatus, i)artim quod ipse gravioribus occupatus hanc
(A2a] operam utilissimam quidem illam, | sed in spe- ciem tamen humilem et paene sordidam dedignarer, partim quod, quia in ludis eiusmodi ipse non ad- modum essem versatus, vix possem eam quasi per-
20 sonam cum decoro gerere. Videbam enim ad hanc fabulam agendam opus fore denuo repuerascere et, ut ait Flaccus, ludere par impar, equitare in har- undine longa. Sed cum tu rogandi finem faceres nuUum pariterque te, qui probe puerorum sensum
'25 calleres, si qua nobis hac parte deessent, supple- turum promitteres. volui quamvis calumniam subire potius quam vel tibi amico tum sinceriter amanti tum prudenter roganti quicquam negare vel meo pudore publicum pueritiae commodum diutius remo-
30 rari. lam si quis est, qui vehementer putet indi- gnum has, sicuti prima fronte videntur, nugas in chartarum perniciem scribi, is mihi virum paulisper exuat et in puerum redeat cogitetque iam primum sibi Latini sermonis usum discendum. Statim, opinor,
.35 videbit, quam facile et nullo paene negotio per
PRAEFATIO. 3
eiusmodi fabulas velut quosdam gradus ad Terentii Proprietäten! ac Ciceronianam facilitatem prima illa aetas traduci potuisset. Quis autem laturus esset, immo quis non statim exsibilaturus, si ex puerili per-
5 sona tetricam istam senum sapientiam sonarem? Tametsi sunt bis nugamentis nostris admixta quae- dam, quae seria ducere videri possint, usque adeo, ut et hoc nomine ab Aristarchis istis vix tutus sim futurus. Sed malui ego decori paulisper oblitus
10 paucula subinde aspergere, quae, si pueris suis litteratores praelegant attente, queant cum studiorum abusum tollere tum pueritiae mores ad Christianam regulam corrigere. Hos labores tibi, mi Poliander, dicare volui nominatim, ut, qui auctor nobis et ad-
15 iutor ad haec scribenda fuisti, idem quoque suscipias, quicquid id est libelli. tua facundia, auctoritate ac gratia tuendum. Quod si ex hac editione ad te im- pulsorem et me scriptorem äut nulla aut tenuis admodum gloria redibit, solemur nos ipsi per hoc,
20 quod nullo popularis aurae pruritu, sed pio et sim- plici animo uterque nostrum hoc negotium tractavi- mus, tu adhortando, ego scribendo, siquidem iuvare studuimus saltem aliquos, nocere nemini. Bene vale. Lipsiae, ipsis ieriis divi Matthaei apostoli,
25 anno MDXVIII.
MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
fert gratiam? Alioqui qua causa male audiunt apud Ouintilianum et item Gellium »^j'J/iao(»>£ic, nisi quod quia a teneris. ut aiunt, unguiculis optimis non sunt adsueti? Obvia quaeque in auctoribus citra dclectum 5 in suum usum converrunt, ut dictio eorum omnis non propria et domi suae nata, sed e variis scrip- toribus ostiatim quasi mendicando congesta delicati iudicii hominibus non possit non putere. Haec cum tu non minus acute quam graviter perpenderes
10 nihilque haberes potius quam puerorum. qui tuae fidei sunt concrediti, rudern et ad omnia sequacem animum ad optima quaeque perducere, mecum egisti saepe, ut lotjuendi formulas aliquot, quibus ea aetas uti posset, conscriberem. Diu, ut nosti, sum relu-
15 ctatus. partim quod ipse gravioribus occupatus hanc
(A2a] operam utilissimam quidem illam, | sed in spe- ciem tamen humilem et paene sordidam dedignarer, partim quod, quia in ludis eiusmodi ipse non ad- modum essem versatus, vix possem eam quasi per-
20 sonam cum decoro gerere. Videbam enim ad hanc fabulam agendam opus fore denuo repuerascere et, ut ait Flaccus, ludere par impar, equitare in har- undine longa. Sed cum tu rogandi finem faceres nuUum pariterque te, qui probe puerorum sensum
25 calleres, si qua nobis hac parte deessent, supple- turum promitteres. volui quamvis calumniam subire potius quam vel tibi amico tum sinceriter amanti tum prudenter roganti quicquam negare vel meo pudore publicum pueritiae commodum diutius remo-
30 rari. lam si quis est, qui vehementer putet indi- gnum has, sicuti prima fronte videntur, nugas in chartarum perniciem scribi, is mihi virum paulisper exuat et in puerum redeat cogitetque iam primum sibi Latini sermonis usum discondum. Statim, opinor,
35 videbit, quam facile et nullo paene negotio per
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PRAEFATIO.
I
eiusmodi fabulas velut quosdam gradus ad Terentii Proprietäten! ac Ciceronianam facilitatem prima illa aetas traduci potuisset. Quis autem laturus esset, immo quis non statim exsibilaturus, si ex puerili per-
5 sona tetricam istam senum sapientiam sonarem? Tametsi sunt his nugamentis nostris admixta quae- dam, quae seria ducere videri possint, usque adeo, ut et hoc nomine ab Aristarchis istis vix tutus sim futurus. Sed malui ego decori paulisper oblitus
10 paucula subinde aspergere, quae, si pueris suis litteratores praelegant attente, queant cum studiorum abusum tollere tum pueritiae mores ad Christianam resulam corrio'ere. Hos labores tibi, mi Poliander, dicare volui nominatim, ut, qui auctor nobis et ad-
15 iutor ad haec scribenda fuisti, idem quoque suscipias, quicquid id est libelli, tua facundia, auctoritate ac gratia tuendum. Quod si ex hac editione ad te im- pulsorem et me scriptorem aut nuUa aut tenuis admodum gloria redibit, solemur nos ipsi per hoc,
20 quod nullo popularis aurae pruritu, sed pio et sim- plici animo uterque nostrum hoc negotium tractavi- mus, tu adhortando, ego scribendo, siquidem iuvare studuimus saltem aliquos, nocere nemini. Bene vale. Lipsiae. ipsis l'eriis divi Matthaei apostoli,
25 anno MDXVIII.
DlAl.OGVS I.
Caspar et Modestus. De nundinis fabulantur.
Caspar. Age vero, Modeste: quot dies hinc 5 absunt nundinarum feriae, quibus frequentes adeo huc peregrini adveniunt mercatores?
Modestus. Dies, ni fallor, quattuordecim, nam accurate singulas paene horas ad calculum voco, siquidem nulluni tempus totius anni cupidius ex- 10 specto quam nundinarum.
Caspar. Non iniuria, quandoquidem hae feriae partim nuntios. partim litteras, partim omnibus litteris gratiores pecunias nobis apportant. Quod si non et mihi iam plane exhausto proximae nun- 15 dinae argenti subsidium attulerint, non potero hie diutius durare.
Modestus. Pecunias quidem. id quod satis scio, accipiam nullas, pannum tamen in vestem hibernam se discedenti mihi missurum promisit 20 pater.
Caspar. Vtinam uterque voti compos fiat, ut et tu commodius vestitus et ego nummatior urgentis hiemis iniurias minori negotio propulsare queamus.
DIALOGVS I-III. 5
DIALOGVS IL
Osvaldus et Michael.
De natali celebrando, de receptis pecuniis deque bono
cuiusque genio.
5 Osvaldus. Xon tu hodie tuum natalem cele- bras atque nos tuos sodales convivio excipis"? An ignoras hunc diem divo Michaeli, cuius tu nomen refers, esse sacrum?
Michael. Scio equidem; quid autem facerem, 10 quando ne obolum quidem habeo, quo panem emere queam, nedum convivia agitarem?
Osvaldus. Xon his nundinis a parentibus tibi nummi sunt missi?
Michael. Sunt utique, sed ante nundinarum
15 exitum e mercatore, qui litteras modo dedit, extor-
quere possum nihil; alt enim sibi in tanto hominum
IA3a] strepitu otium ad I numerandas pecunias non esse;
alioqui non modo natalem meum convivio exciperem,
sed et genio bono, quem angelum dicimus, pecuhari
20 aliqua hilaritate gratificarer.
Osvaldus. Itaque Terentiano illo satis excusati sumus: 'Vt quimus' aiunt, quando 'ut volumus' non licet.
DIALOGVS IIL
25 Petrus et Paulus.
De reditu in patriam, de htteris a parentibus acceptis
deque missione flagitanda.
Petrus. Salve, mi Paule. Paulus. Et tu, sodalium iucundissime, Petre. 30 Sed quid adeo es tristis? Xam ex quo communia studia idemque hie ludus mutua nos familiaritate
6 MOSELLANVS. PAEDOLOGIA.
iiinxonint. viiltii alacri et festivo mihi semper es Visus, ut ex his. quos hie habet Indus, fuerit nemo, qui non te familiariter uti concupiverit. Nunc nescio quomodo alius videris.
5 Petrus. Et mirum tibi videtur. si viiltu sum
tristi. cum eiusmodi quiddam mihi accidat. quod Studiorum meorum progressum non parum queat remorari?
Paulus. Quid illud. quaeso? Xam ,irrave ali-
10 quid sit oportet, quod te adulescentem constantem a studiis deducat.
Petrus. Dicam paucis. lam annus ferme est, ex quo ludi huius nostri celebritate excitus huc ad capiendum ingenii cultum concessi; quo tempore
15 studiorum meorum vix rationem inveni, cum mihi e patria offeruntur litterae, quae me domum quasi ex medio studiorum cursu revocant. Et quod me omnium maxime male habet, reditus mei causas non edunt. Nee seire possum. an hue tandem liceat
20 remigrare.
Paulus. Qui scis. an ad fortunam aliquam avoceris?
[A3b] Petrus. Nulla mihi fortuna potest incidere |
25 tanta. euius respectu litteras queam posthabere. Paulus. At parentibus est obsequendum. Petrus. Hoc illud est, quod me movet, quod me hine domum extrudit. Alioqui, tametsi non tantum est aeris, quo hanc hiemem transmittere
30 queam, tamen prae studiorum amore vietum men- dieando ostiatim quaeritassem.
Paulus. Non antequam hinc abeas nunquam forsan rediturus, convivium inter nos agitabimus? Petrus. Convivia agitarem, qui ad supelleetilis
35 meae sareinam componendam A'ix tempus habeo? Immo iam reeta ad ludimagistrum pergo missionem
DIALOGVS III, IV. 7
eff lagitaturus ; quam ubi fuero consecutus, conter- raneorum meorum litteris, quas ad parentes suos mihi dabunt, acceptis statim iter ingrediar. Quare rectissime vale, mi Paule, mutuae nostrae consue- 5 tudinis memor. Quod si quando dabitur otium, fac de studiorum tuorum ratione et ludi huius statu me litteris tuis certiorem reddas.
Paulus. Faciam sedulo, mi Petre, et lubens quidem; sed heus tu . . 10 Petrus. Quid est?
Paulus. Conterraneos tuos, quorum consuetudo, dum hie erant, utrique nostrum erat grata, meo nomine diligenter salutes -velim.
Petrus. Sat est: faciam.
15 DIALOGVS IV.
De conveniendo praeceptore, missione impetranda deque gratiis praeceptori agendis.
Pandulus et Petrus; Ludimagister.
Pandulus. Quis es, qui trepide adeo pulsas 20 ostium? En Petre, tun pulsasti? Petrus. Pulsavi.
Pandulus. Sed qua gratia huc intromitti po- stulas": Non ut magistrum convenias?
Petrus. Maxime, si est intus: habeo, quod 25 cum eo agam ipse.
Pandulus. Est intus; sed mane paulisper,
[A4a] dum huc tibi renuntio, an hoc temporis articu- | lo
ei te audire vacet. — Here, scholasticus quispiam
foris exspectat, qui, si non sit molestum, cupit te
30 de re quapiam convenire.
5 MOSELLANVS. PAEDOLOGIA.
Ludimairister. Quin huc adest?
Pandiilus. lam, iam aderit. —
Petrus. Salve, praeceptor optime. Avocor
hinc in patriam seriis parentum meorum litteris, et,
5 si non avocarer, ipsa tarnen aeris egestas et item
nuditas domum abigere me possent. Itaque gratias
ago tibi immortales, observantissime praeceptor,
quod me prinuim in tuam disciplinam humanissime
recipere dignatus es. deinde ex »luo tuao scholae
10 fui sectator et fideliter et accurate tarn litteris bonis
quam rectis moribus expolire studuisti. Porro quia,
ut dixi. non amplius hie morari licet, quam possum
amanter oro, ut qua humanitate me hactenus tra-
ctasti. eadem et migrandi potestatem concedas.
15 Etenim, si modo id pace fiet tua, cras prima luce
iter sumus ingressuri.
Ludimagister. Si quid leci, quod gratum sit, adulescens studiose, hoc totum non mihi, sed praeceptoris officio feres acceptum. Ceterum, quan- 20 do te hinc parentum litteris avocari dicis, abi me permittente bonis avibus, quocumque te vel paren- tes vocant vel rectius forsan consilium hortatur.
Petrus. Sed illac qua iter sum facturus, ami- cosne aliquos habes, quos litteris salutare cupias? 25 Quandoquidem ipse perferendi onus in me lubens recipio.
Ludimagister. Xon admodum; et ut maxime
haberem, tot tamen aliis negotiis in praesentia
districto scribere non vacaret. Quare tu, quod ad
30 litteras attinet, securus iter destinatum, quando lu-
bet, capesse.
Petrus. Bene vale.
DIALOGVS IV, V. 9
[A4b] DIALOGVS V.
De excii>iendis scholasticis aliiinde advenientibus deque Graecae litteraturae rudimentis in prima aetate addiscendis.
Marcus et Joannes.
5 Marcus. Vnde nobis advenis, mi loannes? Aut quo animo huc ad nos es profectus? Neque enim opinor ludi huius gratia venis, qui ante tot meis atque item aliorum litteris invitatus huc per- trahi non potuisti.
10 loannes. Immo hac ipsa causa adsum.
Marcus. Vtcumque sit, gaudeo te festivissimum sodalem nobis redditum. Et hie adventus tuus non mihi solum, sed omnibus, qui te norunt, optatus est. Sed enim aperias oro, quidnam sit illud. quod
15 te tandem huc allexerit. loannes. Vis scire? Marcus. Volo.
loannes. Aiidies. Cum primum puber f actus graviori paulo cura praeceptorem scriptores Latinos
20 praelegentem audire coepissem, subinde Graeculae aliquot voces nobis occurrebant; quo loco praeceptor suo munere egregie se putabat perfungi, quotiens obiter tantiim admoneret esse ea Graeca, perinde ac si peregrina ad nos nihil attinerent. Hie quid
25 aliis audientibus in mentem venerit, nescio, equidem sie cogitabam: si ad nos haec non pertinent, ut nee cognita doctum nee incognita imperitum reddant, cur non ex libris tamquam oiiendicula quaedam penitus eradimus? Deinde mirabar veterum scri-
30 ptorum paene omnium curiositatem, qui non solum magna cura peregrinas istas nugas didicissent, sed et libris suis velut maculas quasdam inspersissent. Postremo, quamquam a praeceptore libere dissentire erat religio, tamen, cum audirem esse vires graves
IQ MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
(Bia] multos. qiii | has. siculi tum putabalur, nugas amplecterontur profiterenturque, paiilatim circum- spicere coepi, utrum credere mallem: ma.iristrumne meum potius ignorantia labi an totam semel anti-
5 quitatem et ex recentioribus optimos quosque pueri- liter delirare. Itaque sie mihi inter hoc fluctuanti et in quam partem inclinarem haesitanti forte fortuna cecidit, ut Marei Tullii Ciceronis iibros de offieiis enarrandos praeceptor susciperet, in cuius
10 lectionis ingressu statim in ipsa praefatione gra- vissimus ille et philosophus et orator unico suo fiiio suadet, ut Graeca cum Latinis coniungat, quo par Sit in utriusque orationis facultate; hoc ubi praece- ptore dissimulante mihi arripuissem, graviter dolere
15 coepi negatam nobis occasionem eas litteras discendi, quarum Studium, si essent inutiles, nee laudaret consul Romanus nee filio unico iniungeret pruden- tissimus pater.
Marcus. lam video, quo tendas.
20 loannes. Mane: nondum omnia habes. Cum haec subiratus mecum agitarem, ecce rumor apud nos increbrescit in hanc laudatissimam academiam principis munificentia accersitos, qui publice Graecas litteras doceant et ex eorum velut fontibus nonnihil
25 quoque in ludum litterarium derivari. Haec fama partim litteris, partim commeantibus confirmata illinc me utriusque eruditionis cupidum excivit et huc appulit. Habes, cur advenerim : nimirum ut in hoc vestro ludo et Graecae linguae elementa saltem
30 liceat percipere.
Marcus. Dubio procul voti compos eris neque ahquo alio felicius te conlerre potuisses: adeo hie
[Bib] omnia nobis sunt com- ! moda. Denique, quod peculiariter ad rem pertinet, ludus, si quisquam
35 alibi, instructissimus.
DIALOGVS V, VI. 11
Joannes. Sed quando satis fabulati sumus,
hanc operam non negabis, opinor, ut me ad ludi
moderatorem deducas, siquidem iam statim nomen
meum in hanc litterariam militiam dare sum paratus.
5 Marcus. Faciam ac lubens: tu me sequere.
DIALOGVS VI.
De recipiendis in disciplinam scholasticis. Marcus, Ludimagister, loannes.
Marcus. En tibi, praeceptor optime, adduco 10 hie quendam, cum quo iam annos aliquot mihi fuit familiaritas, hominem bonum et studiosum. Is tui ludi fama excitus huc appulit. Quare magnae fe- licitatis loco ducet, si se in tuorum gregem recipere dignatus fueris. 15 Ludimagister. Adulescens bone, quod tibi est nomen?
loannes. Est mihi nomen loannes. Ludimagister. Faustum plane nomen es sor- titus, quippe hoc Hebraeis a gratia dicitur. Quam- 20 obrem summa ope tibi est enitendum, ut tam gra- tiosi nominis exspectationi pro tua virili respondeas. loannes. Equidem pro viribus sedulo dabo operam teque in hoc mihi adiutorem fore spero. Ludimagister. Sed et ipsa corporis tui facies 25 animum subesse ostendit, qui neque a litteris neque virtutibus abhorreat, adeo, ut, si fortiter egeris, et de te dici demum possit illud: gratior est pulchro veniens e corpore virtus. Quo libentius te in meam disciplinam recipio, si modo das fidem te boni di- so scipuli officio apud me functurum.
12 MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
loannes. Do luiem me in omnibus quod rectum erit quodque tu iusseris facturum. [B2a] Lud imagister. IIa spero | quidem. Sed quae tibi est patria? Vt in rationarium hoc quoque 5 adscribam.
loannes. Patria mihi est Auba, oppidum Fran- ciae Orientalis non procul ab Herbipoli, colebri sa- cerdotum sede. situm.
Lud imagister. Sat habeo. Quod superest, 10 curabiiur tibi pro tua sorte commoditateque domi- cilium. Ac tu quidem in eo sie te gere, ne aliqua macula hinc in nostram scholam redundet.
loannes. Quod ad haue rem attinet, securus esto, optime praeceptor; nam, ut inquilinum decot, 15 modestissime agam. Xunquid aliud mihi vis in- iungere":
Ludimagist er. Nihil, nam si quid superest tibi praestandum, cotidie inter praelegendum a nobis dicetur.
20 DIALOGVS VIL
De domicilio commodo atque incommodo deque paupertate atque opuientia scholasticorum.
losephus et Cleanthes.
losephus. Quid agitur, mi Cleanthes'? Contigit- 25 ne tibi commoda habitandi ratio V Aut adhuc incertis sedibus oberras?
Cleanthes. Contigit quidem habitaculum, sed
eius commoditas tanta non est, quantam fore speravi,
siquidem spes erat fore, ut civis alicuius beneficio
30 una cum domicilio et victum qualemcumque nan-
ciscerer; verum multo aUter evenit. Nam vix im-
DIALOG VS VI, VII. 13
petrare potui, ut pro locario statuto mihi angiilus in ludo locaretur; victum vero, quando pecuniae est parum, ostiatim emendicari oportebit, nisi forte melior mihi fortuna posthac obvenerit. Tu aiitem ielix es, 5 mi Josephe, cui parentes tantum sumptum suppedi- tare sufficiunt, quantum ad studiorum commoditatem est satis.
losephiis. Est, diis gratia, unde haec com-
[B2b] moda mihi parem, | sed quo plura mihi sunt ad
10 disciphnas parandas commoda, eo ipso graviori dignus essem odio, si non plus quam vestrum quispiam didicero. Attamen nee vos de mediocri studiorum vestrorum profectu desperare decet, quandoquidem constat multos humili natos loco ad haec nuUis
15 omnino fortunae dotibus adiutos ad eruditionis fasti- gium ascendisse. An non Democritus ille physicus ex baiulo f actus est philosophus? Non Cleanthes, cuius tu nomen refers, aquis noctu hauriendis diur- num victum sibi quaesivit? Et quem Stoicum hie
20 non aequavit? Sed et Plautus inter ipsos pistrinae molestos labores laudatissimas illas comoedias con- scripsit.
Cleanthes. His et eiusmodi aliis exemplis animatus in studiis persevero : alioqui me iam pridem
25 ad manuarium aliquod artificiumtranstulissem. Quam- •quam sunt mei ordinis plerique adulescentes in ludis magis putrescentes quam studentes adeo infelici ingenio, ut ad nullas litteras sint appositi; hi mihi nulli alii usui esse videntur in civitatibus, quam
30 quod alios mendicos, dum eis panem praeripiunt, ex urbibus pellunt: iis ego consulerem, ut se ad aUquod aliud Studium applicarent.
losephus. Probe dicis, mi Cleanthes; nam si omnes eiusmodi essent ingenio praediti quali tu. fo-
35 vendos modis omnibus putarem. Certe, quod ad te
12
MOSELLANVS, PACOOUMIA.
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14 MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
attinet, spero prope diem tibi meliorem fore condi- cionem. nempe ut apud civem qucnipiam, ciii nonnun- qiiam inservias. omnem stiidiorum commoditatem sis habiturus. 5 Cleanthos. Vtinam Dens ita faxiti
losephus. Faxit: ne dubita et in hoc mea commendatione iuvabere.
IB3ai DIALOGVS VIII.
Andreas ac Philippiis. 10 De vinJemia et aiicupio loquuntur.
Andreas. Vtinam, mi Philippe, iam domi apud parentes ageremusi
Philippus. Quid ita?
Andreas. Rogas7 Imminet iam vindemiae tem- 15 pus, quo nuUum toto anno nostratibus accidit laetius.
Philippus. Quid ego audio? Tune simul vini- torem ais agere et litterarum cultorem?
Andreas. Animi causa racemos decerperemus, degustaremus e lacu mustum; neque enim diutius 20 abesse optarem, quam mustum in dolia conditum deferbuisset despumassetque; ad haec decoqueremus sapam, defrutum ac vini veteris faecem. Quid quod nobis liceret et aucupio voluptatem quaerere, si- quidem volucres captaremus iam retibus explicatis, 25 iam pedicis fixis, nonnunquam vero et viminibus visco illitisl
Philippus. Sine: parentes harum rerum curara srerant; tu. si sapis, in litteris te oblecta!
Andreas. Atqui audivi magnos viros in eius- 30 modi rusticis rebus oblectationem quaesivisse.
DIALOGVS VII-IX. 15
f
Philippiis. Recte, quando magnis viris haec sunt permittenda; nobis vero, qui nondum ultra primas litteras progressi sumus, non itidem.
Andreas. Semper tu quidem meis adfectibus 5 obstrepis, non minus quam praeceptor.
Philippus. Quod ad te attinet, age, age, ut lubet; me certe non habebis huius tuae stultitiae comitem.
DIALOGVS IX.
10 De auctoribus proximo semestri in schola praelegendis. Thomas et Hieronymus.
Thomas. Quid est, quod illac venis, Hieronyme, aut ubi fuisti?
Hieronymus. Redeo a praeceptore eo, qui a
[B3bi ludimagistro primas te- | net.
Thomas. Age, quid is narrat de auctoribus hoc semestri praelegendis? lam enim, sicut opinor, eorum delectum habuerunt.
Hieronymus. Habuerunt idque. sicuti dici
20 audio, prudenter. Nam praeter utriusque linguae rudim.enta ex Fabii praescripto coniunctim tradenda primum Terentianas comoedias exponendas sus- ceperunt, quod hie scriptor ex Latinis paene solus Romani sermonis nativam et genuinam propriotatem
25 retineat, adeo ut nee Marcum Tullium, oratorem principem, puduerit ad huius exemplum orationes suas formare; deinde Marci Tullii Officia, quod is über non linguam solum eloquentia poliat, sed et pectus rectis moribus instruat, unde et Plinii iudicio
30 non legendus, sed ad verbum sit ediscendus. Postremo aliquot Vergiliani poematis libri exponentur, nempe
Iß MOSELLANVS. PAEDOLOGIA.
iit Aiigustini iudicio optimus poeta teneris animis infixus in omnoin usque vitam haereat. Ad haoc, qiiando parum est aequum Christianos in gentilium libris esse totos, eis diebus, quibus ferias agimiis,
5 elegantissimos simiil et gravissimos hymnos Aurelii Prudentii, gravis et sancti viri, audiemus aut, si hi displiceant, 'Enchiridion militis Cliristiani' ab Erasmo Roterodam«» accuratissime elaboratum. Quae si. ut spero, et pro suo officio explicarint accurate
10 praeceptores et nos pari diligentia exceperimus, non opinor male hoc semestre nobis fore coUocatum.
Thomas. Xon iniuria hunc laudant delectum. mi Hieronyme; neque enim unquam eorum mihi placiiit institutum, qui his et id genus aliis optimis
15 scriptoribus posthabitis in Apuleio, Cai)ella et eius farinae auctoribus ceteris bonas horas male collo-
(B4a] cant. (jui | scriptores Ciceroniana eloquentia non contenti sibi solis novam dicendi rationem invenerunt, quasi non summum sit orationis Vitium a communi
20 dicendi consuetudine abhorrere. Xam qui citra de- lectum Catullos, Tibullos, Martiales et huiusmodi enarrant et per hoc discipulos peregrina et prodi- giosa docent vitia, hi mihi non verbis, sed verberibus coercendi videntur. Hi enim sunt illi poetae, quos
25 solos e re publica sua pellendos statuit Plato. Atque haec non ex me dico, sed quod sie censentes audi- verim doctissimos pariter et integerrimos viros.
Hieronymus. Kecte ergo lacit ludi noster magister, qui eiusmodi nihil in scholam suam irrepere
30 sinit. Sed ego iam recta hinc in bibliopolium con- cedam libros, de quibus dixi, coempturus.
Thomas. Xostin quanti haec simul emi possint?
Hieronymus. Hauddum licitatus sum; opinor
aureo nummo. siquidem audio indicari argenteis
.35 viginti quattuor.
DIALOGVS IX, X. J[7
Thomas. Bene habet, quod non pluris ven- diintiir: alioqui, quae mea est egestas, coemere non suffecissem.
Hieron ym US. Eamus ergo. 5 Thomas. Quando vis; in me non est mora.
DIALOGVS X.
Complectens formulas loquendi de feriis. Stephanus, Laurentiiis.
Stephanus. Quem aiunt hodie apud populum 10 in templo nostro contionaturum, mi Laurent! ?
Laurentius. Audio quempiam e monachis in suggestum proditurum.
Stephanus. Miror non insignem aliquem
theologum ei negotio adhiberi. maxime cum ingens
15 hominum turba hodie in hanc aedem confluat.
propterea quod sacrificus quidam nuper in sacer-
dotum ordinem assumptus primum sacra faciet.
IB4b] Laurentius. Et mihi mirum videtur. j quam-
quam, quod ad me attinet, vollem contio quam
20 brevissima haberetur. Etenim iam nunc vehementer
esurio biduano iam paene ieiunio maceratus. Xam
his diebus, quibus a carnibus abstinetur, nunquam
abeo recte saturatus.
Stephanus. Duas adhuc horas edendi aviditas
25 tibi est reprimenda, siquidem praeter contionem,
quae horam poscit, scis quantum temporis in summo
sacrificio choraula sibi sumat, quam etiam paene
superant hae nostrae cantiones supra modumprolixae.
Laurentius. Male sit istis, qui harum rerum
30 nobis sunt auctores I Ipse certe statim, ubi peractum
fuerit sacrum, ad divitum ostia citato adeo cursu
Lat. Litteraturdenkm. 18. 2
13 ,MOSELLANVS. PAEDOLOGIA.
coniendam. ut si non in primis, sccundis saltem et tertiis stipem accipiam.
Stephaniis. Sed me vi\ antovertes.
Laurent! US. Res ipsa indicabit.
5 DIALOGVS XI.
Clemens et Reniigius. De die a feriis secundo, quem Martis vocant, confabulantiir.
Clemens. Vae nobis, mi Remigi: ultra prae- scriptum dormivimusi lam enim sol undique i)lena 10 luce resplendet, ut sei)timae horae Signum datum liceat con leere.
Remigi US. Xon, opinor, caeliim nlioqui praeter morem est serenum, etiamsi alias hoc die somnulentiae meae poenas non raro dedi. 15 Clemens. Vtcumque sit, male metuo mihi a ferula; quare occasionem aliquam, qua hodie e scholis emanere liceat, quaeram.
Remigius. Quam eam?
Clemens. Scis, quid a nobis heri contenderit 20 hera nostra?
Remigius. Scio, nempe ut familiam haurien- dis aquis iuvemus. Sed quid tum?
Clemens. Haec erit rima satis idonea, per
25 quam elabamur; quamobrem tuum erit, ubi octavae
(Böa) Signum auditum fuerit, quasi e mediis | laboribus
in ludum ingredi atque a praeceptoribus emanendi
copiam poscere hac ipsa. quam dixi, causa assignata.
Remigius. Vereor. ut procedat commentum,
30 quandoquidem hoc die. quo funus magnificum est
deducendum et defuncti manibiis parentandum. vix
DIA LO GVS X— XII. 19
facultatem hanc dabit et alioqui pauci iam adsunt, qui pompam instruant.
Clemens. Tentandum est, utcumque res exeat; ac nescio quomodo hat* die mihi semper in- visiim est scholas adire non minus quam si in pistrinum aliquod mihi sit redeundum. Credo, quocl pridiani otii sensus adhuc reliquus sie rehictantem faciat.
DIALOGVS XII.
10 Burchardus et Albinus.
De nuptiis, balaeis ac viscerationibus.
Burchardus. Nuptias hodie futuras aiunt, Albine, tu quippiam ea de re audisti? Albinus. Audi vi. 15 Burchardus. Danda est opera, ut et nos e nuptialibus cibis aliquid acquiramus.
Albinus. Quod ad cibum attinet, hodie nihil
moror: heri enim mihi prospexi, unde hunc diem
commode liceat transigere; sed quod a prandio sal-
20 tationem in theatro spectare non possum, hoc vero
est, quod me male habet.
Burchardus. At quid vetat, quo minus spectes?
Albinus. Ignoras l'orsan in hunc diem nobis
pii cLiiuspiam beneficio balneas gratuito condictas;
25 a quibus abesse saltationis spectandae studio an tu
putas fore consultum?
Burchardus. Vide: nisi submonuisses, egregie
luissem oblitus, neque venisset in mentem visce-
rationis, quae et ipsa in hodiernum diem est con-
30 stituta. Valeant nuptiae cum sponso ac sponsa;
[B5b] nos quae i propius ad nos pertinent curemus.
OQ MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
DlALOCiVS XIII.
S ixt US et Alexander. Do infjoiiii ]iraest:intia contondimt.
Sixtus. Felix tu (juideni es, mi Alexander, ciii
5 Ingenium tarn feeundum tamque persplcax rontisit.
Alexander. Est n(ibis. Christo Deo gratia, nou
omnino infelix. sed tarnen non tantuni, quam forsan
tibi videtur. Fit enim, nescio «|uo modo, ut nostri
nosmet paeniteat, aliena fere suspioiamus.
10 Sixtus. Et tu, quantum audio, aliqui«! insuper
desideras.
Alexander. Quidni? Quando memoriam mihi sentio omnino fluxam et parum tenacem: nam ut facile quae traduntur percii>io, ita non sine maximo 15 negotio pereepta retineo.
Sixtus. At ego «liffioulter intellego, verum semel intellecta diutissimo reservo: et, ut video, tibi cereum est ingenium. mihi vero saxeum. Cerae quidvis facile impresseris, at impressum vestigium 20 statim evanescit; saxo tametsi quid non sine labore insculpitur. semel tamen insculi)tum multis saeculis »lurat.
Alexander. Recte plane confers, sed hoc me
male habet, quo<l videas plerosque ingenio numeris
25 Omnibus felicissimo praeditos, at vicissim moribus
adeo turpibus. ut non inepte dixeris eorum ingenia
male habitare.
Sixtus. Credo dicterium hoc vetus esse et olim <le Galba, homine ad i)rodigium usque deformi, 30 dictum: sie enim audire commemini.
Alexander. Probe, sed nee ipse. opinor, inepte huc detorsi.
DIALOGVS XIII— XV. 21
[B6a] DIALOGVS XIV.
Servius et Sulpicius.
De signo tintinnabulorum dequa immodico somno.
Servius. Quin surgis, Sulpici? lam tintinnabula
5 ultimum dilucularis sacrificii Signum dederunt, et
non ignoras. quanta hominum frequentia hoc sacrum
peragatur, ut flagitium plane sit nos in tempore
non adesse.
Sulpicius. lamiam surgam, tametsi caput
10 adhuc sopore grave sentio : utinam liceret ad satie-
tatem usque dormire I Imitarer certe hodie Horatianos
illos iuvenes, quibus pulchrum videtur in medios
dormire dies.
Servius. At ego te diutius non opperior, ne
15 haec mora mihi piagas lucrifaciat. Ego hinc abeo;
tu, quando lubet, sequere aut tuo periculo dormi.
Sulpicius. lamiam te comitabor; ne festina
tantopere.
Servius. Nihil moror: nunc non est nugandi 20 locus: a prandio vero, ubi pro more nobis a studiis remissio data fuerit, nugabimur.
DIALOGVS XV.
Henricus et Fridericus.
De ludendi ratione aiunt.
25 Henricus. Tu nobiscum pila ludes, Friderice? An cum istis cursu mavis certare?
Fridericus. Mallem cum uno et altero iu- cundo sodah deambulatum ire.
Henricus. Quin tu ante paulisper pila colludis? 30 Postea et nos una tecum deambulabimus.
OO MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
Fridericus. At ego hiiiusce liidi non adniodum sum peritus, nam nee caute i)ilam mittere nee missam manu satis eerta excipere sufficio.
Henricus. Nihil est, quod hac gratia sis solli-
scitiis: ipsa rei exercitatio te satis quid facto opus Sit admonebit. Quod si hinc modis omnibus ab- horres, age ludum minoris negotii, nempe globularem incipiamus.
[B6b] Fridericus. Quando ita vultis, non recuso,
10 tametsi praeter risum spectantium nihil me lucra- turum scio. Siquidem ubi decies aberraro, vix semel tandem ferio idque casu magis quam arte.
Henricus. Xon magni refert in hoc certamine, vincas an vincaris; neque enim caput agitur aut
15 pro pecunia certatur.
DIALOGVS XVI.
lulianus et Damianus.
De quaestionibus commissorum. qnae die Veneris in
ludis exercentur.
20 lulianus. 0 noster Damiane, adest rursus dies, quem ego non minus nobis nefastum et ex- secrandum puto quam olim Romani illum, quo in Cannensi pugna tot Romanorum milia ab Hannibale sunt trucidata.
25 Damianus. Quid ita? Num mali aliquid huic scholae ex hoc die impendet?
lulianus. Et tu nescis, praesertim tot annos in ludis versatus?
Damianus. Qui scire possum scholae huius
30 consuetudinem nuper admodum huc profectus?
DIALOGVS XV, XVI. 23
lulianus. Qiiaestiones hodie fiunt in ludo non aliter quam quadam carnit'icina. Damianus. Quid narras? lulianus. Vera quidem, nam de singulis, 5 quae per totum septimanae cursum quoquo modo commisimus, hodie quisque pro se poenas dare cogimur.
Damianus. Atqui scire possunt praeceptores, quae singuli nos designemus? 10 lulianus. Arte quadam omnia expiscantur, ut nihil illis occultum esse possit.
Damianus. Quid ita? Xum divinationum sunt periti?
lulianus. Minime, sed alia via eodem perve-
15 niunt, nam ahquot clanculum in hoc selectis pro-
vinciam dant nos suos commilitones deferendi
prodendique, ut nusquam quicquam omnino tuto
agere queamus. Semper enim verendum, ne quis-
[Cia] piam ex eiusmodi | 'Corycaeis' nos auscultet et
20 lupus Sit in fabula, hoc est, ille ipse nobis ignoran-
tibiis adsit, qui quasi conducticius proditor omnia
ad praeceptorem deferat.
Damianus. Hoc illud forsan est, quod 'lupum' audio appellari, nam nomen solum in ea schola, ubi 25 ante egi, iactabatur.
lulianus. Is ipse est ille clancularius lupus, quem nos miselli non minus odiosum habemus, quam feram illam quadrupedem horrent oves.
Damianus. Vereor, ne et nos hodie deferat; 30 quamobrem cogitandum mihi est, ut, si forsan reus fuero, vel me expurgem vel quam minima poena defungar.
24 MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
DIALOGVS XVll. Petrus et Paulus.
Graviter ferunt desiderium ferianim deijue capite la-
vando aoniit.
5 Petrus. Ouam vellem hunc diem abiisse. ut a tot totius scptimanae laboribus atque etiam bidui fame ad ferias deinum et carnes liceat redire!
Paulus. Impatiens es morae, mi Petre, qui,
cum totam paene septimanani exspectaris, diem
10 dimidiatum durare non potes. Quid autem facies,
ubi totis quadraginta diebus a carnibus est absti-
nendum?
Petrus. Recte quidem obiurgas, sed nescio
quomodo quanto viciniores sunt feriae. tanto magis
15 earum me premit desiderium. Sed nunquid aliud
dicere vis? Nam ego hinc me in tonstrinam con-
feram caput lotione curaturus.
Paulus. Et ipse lavandum caput exhiberem, si lotionis mercedem tonsori persolvere possem; 20 nunc autem tantum habeo nummum.
Petrus. Sat est, nee ipse pluris lavo, tametsi raro hos facio sumptus: nam per anni curriculum vix sexies lavo.
Paulus. At saepe caput a sordibus repurgares; [Cib] aiunt enim | corporis emundatione et Ingenium ni- tidius quasique purgatius reddi.
Petrus. Sic quidem fertur idque propterea, quod scientiarum sedem in capite, utpote rationis domicilio, coUocant. Quare ocius eamus. 30 Paulus. Quando lubet.
DIALOGVS XVII-XIX. 25
DIALOGVS XVIII.
De canticis deque feriis divi Martini, Georgius et Conradus.
Georgius. Age, mi Conrade, quo cantico per
5 haue hiemem stipem colligemus? Etenim in hac
iirbe mos est, ut scholastici aliiiuot coniunctim com-
positis in hoc cantilenis divitum convivia exhilarent.
Conradus. Tuum hoc luerit disquirere, qui
rei musicae peritiam habes quique huius scholae
10 melius quam ego tenes.
Georgius. Quando in me hanc curam reicis, aliquid minime vulgare dispiciam. Sed die ab hinc octavo quid fieri soleat, nosti? Conradus. Die quid? 15 Georgius. Erunt tum feriae praecidaneae divi Martini.
Conradus. Quid tum?
Georgius. Est tunc messis nobis scholasticis uberrima, siquidem in eius diei vespera non escu- 20 lenta solum nobis largius solito dantur, sed et stipem egenis dari ostiatim est receptum.
Conradus. Bene mecum agetur, quandoquidem corrasurum me spero, quo hiemem commodius trans- igere valeam. 25 Georgius. Ita spero quidem ; quare ad tempus
ut praesto sis, vide.
DIALOGVS XIX.
De ieiunii vioiata religione deque divae Catharinae, studiorum praesidis, numine.
30 Martinus et Valerius.
Martinus. Quid agis, omnium impurissime? Valerius. Quid adeo in me stomacharis, qui
0(3 MOSELLANVS. PAEDOLOGIA.
lC2a] aliud facio nihil, quam quod ientaculum ca- | pio? An tu ientaculum perinde ducis ac piaculum?
Martin US. Quasi non sat grave sit piaculum in homine Christiane^ ioiunii religionem violarel 5 Valerius. Et hodie est indictum ieiunium- Die, quo nomine?
Martin US. Sceleste, nescis, quas lerias beatae Catharinae, artium praesidis, agendas?
Valerius. At non putaram praecidaneas has 10 ferias ex ecclesiae instituto sacras.
Martin US. Quid tum? Consuetudo recepta est pro lege, et ut nulla sit consuetudo, nobis tamen, qui litteras sectamur, qiiibiis haec virgo praesidet, hie dies ieiunin religiosissimo fuerat colendus. 15 Valerius. leiunabo ergo deincops vel hoc siimpto ientaculo; neque enim lautum spero pran- dium. et, ut vulgo dici audio, bis interdiu male pasci pro ieiunio est. Tnmetsi, ut tibi me nperiam, hac- tenus Christum verum sapientiae praesidem putavi, 20 ut qui sapientiae nomine subinde in ecclesiasticis contionibus celebretur.
Marti nus. Nova quaedam inducere conaris, at ego communi omnium via ingredi malo.
Valerius. Xon audisti illud Pythagorae: per 25 publicam viam ne ambules.
Marti nus. Molestus es: tu tu um, ego meum iter ingrediar.
DIALOGVS XX.
Hippolytus et Cletus. 30 De frigoris iniuria queruntur.
Hippolytus. 0 quam sunt felices, quibus per opes iam licet domi ad caminum aut calefactum hibernaculum adsiderel
DIALOGVS XIX-XXI. 27
Cletus. E diverso ejuam nos infelices, qui miseri niillis pellibus, immo nullis paene vestibus
[C2b] adversum frigoris iniuriam | armati per medios imbres, nives et glaciem ostiatim quaerere victum
5 cogimuri Sed solatur me illud Flacci:
Qui cupit optatam cursu contingere metam, Multa tiilit fecitque piier, sudavit et alsit, Abstiniiit Venere et Baccho, qui Pythia cantat . .
Alioqui, si similis esset exitus illorum et noster, non 10 esset, cur non iniurium Deum dicerem, qui tarn
inique res humanas administraret.
Hippolytus. Quin tacesi Xe quid ferocius in
Deum effutiasi
DIALOGVS XXL
15 Lucanus et Statius.
De feriis divi Nicolai deque creando episcopo.
Statius. Quid tu nobis adfers novi, mi Lucane? Lucanus. Nihil, sed in hoc te convenio, ut de communibus studiis t'abulemur. 20 Statius. Gratus ergo mihi tuus estadventus; adside huc nobis.
Lucanus. En adsideo. Scis, quid in divi Nicolai feriis apud nostrates fieri soleat'.'
Statius. Qui ipse possem scire, cum illic 25 fuerim nunquam?
Luc an US. Dicam ergo paucis: qui ludum illic
litterarium frequentant, ex ludimagistri praescripto
quempiam e suo grege episcopum creant eumque
magna pompa domum deducunt et stato tempore in
30 templum reducunt.
o§ MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
Statins. Quid commodi inde capit novus ille et facticius episcopus?
Lucanus. Xescio, nisi qiiod convivio tandem nescio ciiiiis sumptu instructo cxcipitur et tum lau- 3 tissime tractatur.
Statins. Xon et interim. dum est in magistratu, vacationem a discendi mnnere habet ant aeque ac ceteri mannm fernlae subdit?
Lncanns. Aeqne omnino adeo, nt non magis [C3ai sit episcopus, quam | sunt hi reges, qui in tragoe- diis Agamemnonis aut Priami personam gerunt.
Statins. Einsmodi lionorem mihi ne optarem qnidem.
DLALOGVS XXII. 15 lacobus et Thomas.
De variis spectacuUs colloquuntur.
lacobns. Quid cras sit futurum audistin?
Thomas. Nihil equidem, nisi quae alias fieri consueverunt. 20 lacobus. r>e spectaculis nihil?
Thomas. Nihil plane; num edentur aliqua?
lacobus. Edentur et quidem varia. Kam fu-
nambulos duos adesse audio, qui cras sui artificii
miraculum ostentabunt. Tum Sarmatas aliquot vidi
25 ipse, qui immanes ursos ad exiguam stipem iuxta
lituorum cantus saltitantes exhibebunt.
Thomas. Curabo quoquo modo, ut et ipse in- tersim, etiamsi me ipse intrudere debeam.
lacobus. Yix poteris, quandoquidem qui non 30 numerant foras quatiuntur.
Thomas. Fallam ipsos ianitores.
DIALOGYS XXI-XXIII. 99
lacobus. Ad haec princeps ipse in foro paria aliquot equitum exhibcbit, qui iuter sese infestis hastis concurrent. Post 4110s circum ingredientur item eqiiites a calce ad verticem usque armati, quos
5 cataphractos vocant. Hi catervatim sine uUo aut ordine aut arte aliiis in alium irriient et se miituis ictibus ab equis deicient. Nam in hoc circiis im- dique est circumsaeptus et, ne qni ceciderint graviiis laedantiir, fimo instratiis.
10 Thomas. Quam quaeso te vohiptatem ex tam
furioso et minime iucundo certamine capiunt isti?
lacobus. Quid? Nullas non lautitias prae
hac vohiptate contemnunt, praeterquam quod hoc
tirocinio ad seriös hostium congressus praeparantur
15 et quasi animantur.
[C3b] Thomas. Vtcumque sit, spectabo [ et ipse, quomodo res agatur.
DIALOGVS XXIII.
De ieiunioium ratione dissenmt.
20 Conradus et Aegidius.
Conradus. Maie sit istis, nescio quibus, qui totum paene annum ieiuniis onerarunt. Neque enim satis fuit eis quadraginta dies perpetuo Christi ieiunio esse sacros, nisi insuper quarta quaque anni
25 parte aliquot dies nos macerassent. Instat rursus septimana per abstinentiam transigenda. Quod si mihi tanto apparatu prandium apponeretur quanto Ulis, qui ieiunia haec induxerunt, non admodum gravatim eis parerem; nunc cum vix toto anno
30 semel rugientem stomachum exsatiem, adhuc ieiuniis vexor.
.'>0 MOSELLANVS. PAEDOLOGIA.
Aegidius. Quid ita stomacharis, ini C^nrade,
in sanctos ecclesiae patres? Qui haec omnia bono
animo statuenint non nobis, (lui haec nee praestare
per aetatem adigimiir nee per in(ipiani possumus,
T sed siii siniilibus, hoc est divitibus istis et delicatis.
C(»nradiis. Qui scis haec?
Aegidius. Superiori anno e quodam contio- natore audivi. ijui divo Hieronynio. quamquam acer- rimo ieiuniorum exactori, displicere aiebat maxime 10 in teneris aetalibus longa et immoderata ieiunia. Ne, quemadmodum ipse scriberet, ante pedes defi- ciant. quam currere incipiant, quare tantum ieiuni- orum modum imponendum. quantum ferre poterimus.
Conrad US. Habeo gratiam divo Hieronymo, 15 qui pauperculis nobis et impatienter esurientibus patrocinatur.
DULOGVS XXIV.
Penius et Franciscus. De feriis nataliciis Christi confabulantur.
(C4a] Penius. Et gaudeo et doleo, mi Francisce, festa haec natahcia appetere. Gaudeo quidem, quod hae feriae omnia laeta et festiva secum apportant; doleo autem, quod scholasticis nobis in add.iscendis horum festorum cantionibus grandis est exhauriendus
25 labor. Praeterea totis diebus in templis algendum. Postremo et illud vereor. ne. si matutina sacra alto nimis sopore detentus neglexero, et piagas mihi lucrifaciam.
Franciscus. Vera sunt haec, quae dicis;
30 attamen quando hanc condicionem accepimus, ad- vigilandum nobis erit et omnia fortiter perlerenda;
DIALOGVS XXIII-XXV. 3]^
nam et peiora his passi siimus. Dabit Deus bis quoqiie finem, iit taceam hos nostros labores in pietatis cultiim cedere.
Pen i US. Gerte plus satis delicati essemus, si
5 non tantum molestiae vel pro solo Christo devora- remus, cuius respectu tot infantium innocens aetas crudeles barbarorum militum gladios est perpessa; cuius rei memoria et his feriis coniuncta est.
Franciscus. Sed illud quaeso, quid sibi vult,
10 quod sacrificuli in divi loannis feriis popularibus vinum e sacrato calice propinant?
Penius. Nescio equidem, nisi quod audivl hoc poculum utpote sacrum antidoti vice esse contra veneni pericula.
15 Franciscus. At ego nolim hac fiducia cicutam bibere, quantumvis sit hoc poculum, ut dicis, sa- crum.
DIALOGVS XXV.
Brutus et Petrucius.
20 De novi anni ingressu loquuntur deque missitandis
strenulis.
Brutus. Faustum annum hunc novum et fe- licem tibi precor, mi Petruci.
Petrucius. Et ego, ut cum faenore tibi re- [C4b] ponam, | non hunc solum, qui iam ingreditur, sed omnia totius vitae tempora beata tibi opto.
Brutus Tametsi mallem strenulam mihi potius dares quam magnificam illam et sollemnem impre- cationem. 30 Petrucius. At quas strenas dare possit Petrucius, qui praeter pauculos libellos habet plane nihil?
32 MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
Brutus. LiboUuni quenipiaui dares, quando belle quadrat, ut honio litteris deditus litterarium quocjue det luunusculuni.
Potrucius. Verum hac liberaütato studioruni
5 me<>rum iacturam facerem, (jur^d nee ipse, si modo amicus es, nobis suadebis.
Brutus. locabar tecum et te quid animi haberes volebam pertentare. cum has consuetudines nee ipse magnifnciam, ut qui iam saepe audiverim eas
10 nobis e gentilitate relietas. Cuius generis esse audio, quod in quibusdam Christian! orbis regionibus pridie feriarum, quae tribus magis sunt saerae, singulae domus singulos reges creant; nam haec omnia ex ethnieorum saturnalibiis in haee usque tempora de-
15 fluxisse apparet.
Petrueius. Quia trium magorum mentionem feeisti, velim, sicubi aut audieris aut legeris ipse. mihi expedias, primum, quid sibi velit: quod eos divos alii reges, alii magos appellant, quod posterius
20 ego de solis malefieis et praestigiatoribus diei puta- bam, nam utrumque, ut nosti, in saeris canimus; deinde, cur hae feriae graeco vocabulo imciavi^ nuncupentur.
Brutus. Dieam, quae super hac re partim ex
25 praeeeptore dietante, partim contionatore superiori anno exeepi. Prineipio magorum appellatione Chal- daei non. ut vulgus putat, praestigiatores, sed viros
[Dia] sapientes nuneupant et secretorum naturae eon- 1 scif)s; quorum professio a quibusdam etiam Latinis
30 magia naturalis dicitur, sed quia haec res finibus suis non contenta temporis progressu in curiosam quandam daemonum imposturam est delapsa, coepit honestissimae artis vocabulum probro esse. Quod autem iidem hi reges in psalmi prophetia dieuntur,
35 non sie est accipiendum, ut hodie sunt reges, hoe
DIALOGVS XXV— XXVI. 33
est, tot ditionum potientes; sed qui qiioquo modo magistratum gerunt suntque numero vulgi exempti. Quo modo et Hesiodus corruptos iudices et advocatos '^oiaOdcf.; owpocpocYO'jc appellat. Porro apud veteres
5 theologos Graecos. ut Gregorium Xazianzenum, audio ipsa natalicia festa s-r^avia dici consuevisse, quod in his Deus homo apparuerit. Verum quod et ma- gorum ferias hoc vocabulo celebrant, hinc opinor esse, quod Ulis dux Stella apparuerit. Habes, quae
10 ego de hac quaestione audivi. Plura si vis, ex do- ctioribus require.
DIALOGVS XXVI.
Valerius et Nicolaus. De cereis in feriis beatae virg-inis o'estandis ag^int.
*<7>'
15 Valerius. Quid tu cereum non habes, mi
Xicolae?
Nico laus. Vnde haberem-, qui nee pecuniam,
qua victum emere possim, habeo7 Sed si domi
apud meos agerem, nugas eiusmodi mihi pararet 20 mater.
Valerius. Et tu nugas vocare audes res
sacras?
Nico laus. Quidni? Neque enim statim iiiero
haereticus, etiamsi nulluni gestem cereum, maxime 25 cum non sit, unde emam; tum et Christo putarem
longe fore gratius, si sumptus, quos cereis emendis
facimus, in pauperum usus converterentur. [Dib] Valerius. Atqui est haec [ laudabilis consue-
tudo. 30 Nicolaus. Est omnino, sed non adeo, ut prae
ea meliora et magis Christiana officia neglegi de-
beant.
Lat. Litteraturdenkm. 18. 3
34 MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
o
Valerius. Recte putas. nam et ipse saepe
stultam miiliorcularum pietatem risi. quae suffi-
gendis etiam cotidie cereis triginta sex ndeo sibi
placent, ut per hoc caelum se demereri credant. »luan-
5 tuinvis fortiter in plateis pauperes esuriant.
DIALUÜVIS XXVU.
Fabian US et Franciscus.
De Bdcchanalibus Christianorum fabulantur.
Fabian US. Quid causa e est, Francisce, quod 10 heri ludum non es ingressus?
Franciscus. Graviter ex capite laborabam, ut lucem ferre non possem.
Fabianus. Belle morbum excusas, quando vulgare iam est scholasticos, si quando vel discendi 15 sudorem horreant vel lerulam metuant. ignaviae suae valetudinem praetexere. ut scholasticus m(»rbus pn» assimulato et conlicto iampridem in proverbium abierit.
Franciscus. Quid alii laciant, nescio; certe
20 quod ad me attinet, mallem decies ferulam pati quam
semel in eum dolorem recidere. etiamsi vixdum
plane revalui. Sed quid tute iam hie versaris? An
non hora iam est praeceptoribus auscultandi?
Fabianus. Est, sed ob haec Christianorum 25 quasi Bacchanalia tridui missionem nobis dedit praeceptor; vetuit tamen gravi, si quis diclo audiens non fuerit, proposita poena, ne quis opificum istorum manuariorum exemplo larva personatus vicatim cursitet. quod haec insania cum bonis omnibus 30 tum maxime Christianis sit indigna.
Franciscus. At ego iamdudum larvam in hunc usum domi inclusam adservo.
DIALOGVS XXVI-XXVIII. 35
Fabian US. Vide, quid agas, nam de larvis cautum est. Porro compotationes et contiones civiles indulsit.
ID2a] Franciscus. | Parendum erit: alioqui post im-
5 permissa gaudia fortiter plorabimus.
DIALOGVS XXVTIL
Vitus et Severus. De ieiunio deque coafessione, quam vocant.
Vitus. Quid istud portendit. Severe, quod ita 10 cogitabundus inainbulas? Nam mihi arduum quid- dam meditari videris.
Severus. Rogas, quasi non ipsum hoc tempus te, quid agerem, docere possit.
Vitus. leiuniis ergo crebris te maceras, ut 15 eiusmodi faciem exhibeas"?
Severus. Minime. sed quae parum religiöse in Deum conditorem atque eundum liberatorem male gratus admisi, ea nunc in memorJam revocare studeo. lam enim tempus simul atque ecclesiae 20 edictum postulat, ut peccata nostra diligenter ex- cussa tutis sacerdotum auribus censenda deponamus, quo ab eis de peccatorum ratione edocti, videlicet quaeque levia quaeque gravia sint, deinceps cautius vivamus. 25 Vitus. At incurius ego ne semel quidem ad- huc de re tanta cogitavi.
Severus. Hac ratione nihilo es melior. Quin
mature nobis hoc munere defungendum est, nimirum
ut hoc confitendi onere, quo nulluni est gravius,
30 liberati divi Gregorii, studiorum praesidis, ferias
agamus expeditiores.
3*
3(^ MOSELLANVS. PAEDOLOGIA.
Vit US. At istis feriis. quaeso te. (iiiid tandem agiiur":
Severus. Qiiia is divus studiis. iit dixi, praesidero putatiir, piicri. (Hii siiam netatem in 5 litteris agere volunt, eo die in lianc nostram militiam nomina dant faustis, ut ominantur, auspiciis. Vit US. Et quando hae erunt feriae? Severus. Die, sicut opinor, abhinc decimo. Vit US. Quando ita suades, et ipse mihi ori- 10 cularium sacrum (sie enini vocant nonnulli eruditi) quaerani. in cuius sinum mea delicta effundam. Severus. Si lubet, eum accedendi dabitur (D2b) facultas, I quem ipse iam semel atque iterum dili-
gentem sum expertus. 15 Vit US. At ego mallem oscitantem aliquem, quem non magno negotio in aliquot criminibus tallere possem.
Severus. At hoc non est Christianum agere, sed vulpinam fraudulentiam referre: verum tu videris.
20 DIALOGVS XXIX.
Marcellus et Antonius.
Marcellus. Salve. Antoni.
Antonius. Et tu, mi Marcelle.
Marcellus. Quid est, quod ita discurris? Quem 25 quaeris?
Antonius. Quaero, qui mecum rus eat mihi- que in emendicandis ex more ovis sit socius.
Marcellus. At haec consuetudo prava est et
indigna eo, qui se liberalibus studiis addixerit.
.30 Quid enim servilius quam decem ovorum gratia
agrestium caulas ostiatim obambulare atque Interim
domi lectionum iacturam facere?
DIALOGVS XXVIII— XXX. 37
Antonius. Sed unde famem pellam, si non cibos undeciimque conciuirere licet?
Marcellus. Hie in iirbe ciuantuni natiirae satis est nancisci potes; nam quorum benei'icio 5 totius anni victum conquiris, eorundem benignitate et paucos dies transigere posses.
Antonius. Frustrate appello; severior es, quam ut tecum rem habere velim. Ipsa es sapientia.
Marcellus. Age, age. ut lubet.
10 DIALOGVS XXX.
Paulus et Lucas. De saactorum commiinione colloquuQtur.
Paulus. Obsecro te, mi Luca, modis omnibus
nos excutiamus atque ab omni peccatorum sorde 15 paenitentiae scopis repurgemus, ne ad tanti principis,
qui semel nutu nos perdere potest, mensam illotis qua- [D3a] si manibus accedamus et panem illum cae- | lestem
atque admirandum polluto ore, immo et animo suma-
mus; de quo heri tam pia tamque frugifera disseruit 20 ludimagister.
Lucas. Equidem pro mea virili ad hoc enitar.
Sed rogo: quidnam de hoc mysterio disputavit
praeceptor? Nam ipse non interfui.
Paulus. 0 miserum, qui talia neglegisl 25 Lucas. Adesse non quivi alibi occupatus;
quamobrem vehementer oro et obtestor, ne mihi
rem adeo salubrem invideas.
Paulus. Aiebat tantam esse virtutem huius
admirandi cibi, ut qui eo rite vescerentur lierent 30 unum corpus atque unus spiritus cum Christo
sicque in Deum Deique fiUum abirent; sed si quis
impurus contingat, eum non salutem, sed extremam
38 MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
animae pernicieni sibi invenire. Hortabatur ergo nos omnes. ut bis diebus peccatores cum Christo in cruce moreremur, quo felicius et sinceriori cum gaudio una cum eo in vitam transeamus. Hoc enim
5 dicebat significari per haec appetentia nunc festa, »|Uod pascha Hebraeis transitum a morte peccatorum ad vitam virtutum sonet.
Lucas. At Interim quid fit de placentis et id genus aliis beliariis, quae ad imminentes has ferias
10 parare consueverunt? Xon et de Ulis quid audivisti? Paulus. Apagel Tuus animus iam est in pla- centis, cum hoc temporis articulo Christus olim de vita sit periclitatus. IMacentae atque eius generis illecebrae aliae suo loco sermonem dabunt; nunc
15 de alio cibo solliciti esse deberaus.
lD3bi DIALOGVS XXXI.
Vrbanus et Kilianus.
De lustratione urbis et arvonim fabulantnr.
Vrbanus. Quid est, Kiliane, quod tanto moli- 20 mine plateas et vicos omnes verrunt? Num princeps quispiam huc est venturus?
Kilianus. Minime, sed quiddam est cras fu- turum, cuius gratia merito hie fit apparatus. Vrbanus. Quid hoc, quaeso? 25 Kilianus. Sollemne iam est crastino die urbem corpore Christi lustrare, siquidem primarius hie sacerdos sacratissimum hoc corpus circum moenia gestabit universa sacerdotum manu atque item populo omni a tergo sequentibus. 30 Vrbanus. Sacra forsan erunt, quae nunnulli amburbialia non inepte vocari volunt. Kilianus. Erunt.
DIALOGVS XXX— XXXII. 39
Vrbanus. At quando agentur ambarvalia? Sic enim vocantur, quae apiid ethnicos erant Robi- galia Paliliaqiie.
Kilianus. Perendie. 5 Vrbanus. Niim et nos eis sacris adesse oportet"?
Kilianus. Maxime, pariter et clericorum or- dinem oinnem.
Vrbanus. At apud nostrates soli agrestes sacrificio praeeunte agros obe(|uitant. 10 Kilianus. Suus cuique regioni est mos, qui pro lege est habendus.
DIALOGVS XXXII. Leopoldus et Severus.
De spectaciilis comoediarum tragoediarum({ue exhibendis 15 fabulantur.
Leoj)oldus. Scis, Severe, quae spectacula die crastino, qui est a feriis sacratissimi corporis Christi octavus, edi consueverint?
Severus. Qui ipse scire possem, cum superi- 20 ori anno non adfuerim?
Leopoldus. At audisse ex aliis poteras.
Severus. Quae ad me parum attinent, ea non magnopere soleo exquirere. Sed die, oro: quid tandem est, quod iactas? [D4a] Leopoldus. Tragoediam eo- | rum cruciatuum, quos pro nobis tulit servator Christus, histriones agent; sunt enim ad hoc delecti aliquot.
Severus. Quaeso te: omnibus etiam adhibitis personis? 30 Leopoldas. Omnibus omnino.
Severus. Ipse in hac iabula mallem durissimi militis aut carnificis personam gerere quam ipsius
40 MOSELLANUS. PAEDOLOGIA.
Chrisii; nam tamelsi, ut conicere possum. res licte rei)raesentabitiir, sie tarnen abire non potest, (juin is. qui Christum refort. iniiltas intorini molostias in so ivcipero cosratiir. 5 Lepdldus. Et ipso in hac tal)ula sjiectator
esse malo »juani actor. utcuni<iue res Interim agatiir seria.
niALOGVS XXXIII. Basilius et Gregorius.
10 De coronis gestandis deque earnm vario genere collo-
quuntur.
Basilius. Vnde tu te proripis, Gregori? Ant ubi hanc coronam rosaceam es nactus?
Gregorius. E for*» veni, mi ßasili. ubi sertum 15 hoc nummo mihi coemi.
Basilius. At in quem usum?
Gregorius. Animus est eam coronam capiti impositam gestare. Nonne vile tibi videtar tot rosas unico nummulo parari? 20 Basilius. Et te tantum asinum non pudet puerorum ritu cor<>natum incedere?
Gregorius. Puderet? Grandes natu et cani etiam hie gerunt.
Basilius. Xihilo ergo sunt graviores; forsan 25 hune morem a Graecorum moliitie sumpserunt, quos apud Homerum subinde y.ar//jxo|xoüiv:G(; audio diei.
Gregorius. Vnde sumpserint, equidem nescio; hoc scio, quod gestaut. 30 Basilius. Xum solas rosaceas gerunt an et violaceas pariter et liliaceas aut etiam rosmarino vel amnraco intertextas?
DIALOG VS XXXII— XXXIV. 41
[D4bi Gregorius. Omnis ] generis flores atqiie adora-
menta concinnant.
Basilius. Faciant, ut lubet; ego nihili pendo
istas nugas: tantum abest, ut pretio emere velim. 5 Quodsi pecunia superesset, vernum butyrum emere
malim: hoc enim in alimentum cederet. cum sertorum.
si odorem excipias, nullus plane sit usus.
DIALOGVS XXXIV.
Raphael et Servatius. 10 De feriis divi Vibani confabulautur.
Raphael. Vtinam alas mihi sumere Uceret, ut liinc domum avolare posseml Etenim nimis quam cupio crastinum diem in patria transigere: quam facultatem magno emere non recusarem. 15 Servatius. Quid hie sibi vulf? Tu te homine exuto in volucrem mutam vis degenerare? Aut quid novi accidit, quod tam repentinum tuum iter postulet?
Raphael. Rogas? Nescis cras ferias agi divi 20 Vrbani?
Servatius. Novi; sed quid tum?
Raphael. Hunc divum eodem paene ritu et iisdem caeremoniis colunt nostrates, quibus ethnici olim Bacchum, ut quae illis erant Bacchanalia, nobis 25 paene sint Vrbanalia.
Servatius. At in quem usam faciunt haec Christian! ■?
Raphael. Putant hoc divo sie placato felicius provenire uvas. 30 Servatius. 0 stolidos homines, qui sanctorum numina crapulis ac compotationibus demereri se credunt, cum Uli abstinentia et sobrietate principi Deo placuerint.
4-2 .N\OSI£l.LAN\S, PAKDOLOGIA.
lD5a] DlALOd'VS XXXV KT VITIMVS.
Cornelius et Gulielmus. üe commodis ac molestiis varioniin teni]>onini disserunt.
Cornelius. Vi nihil est usque ex omni parte 5felix!
Gulielmus. Quid stomacharis tecum. mi Ct»rneli?
Cornelius. Non iure stomachor, (jui me tot
maus in hoc immundo mundo obnoxium experior?
10 Gulielmus. Quid est, de quo praeter ceteros
adeo queri possis, nisi forte paupertatem in ius
vocas ?
Cornelius. Quasi hoc solum sit malum, etiamsi gravissimum; vides et, opinor, sentis, ut nihil non 15 sit adversum. Hibernis temporibus frigore concu- timur; nunc aestus et caniculae rabies nos excruciat. Interdiu quidem obannonae caritatem et nostram pau- pertatem fame ac siti laboramus; ut taceam Interim nusquam non culices et muscas nobis obvolantes et 20 corpusculum exsugentes; nocte vero cum cimicibus ac pulicibus bellum gerimus. Ad haec miseros exterrent iam fulgura, iam l'ulmina, iam tonitrua. Mox et autumnus sexcenta morborum genera ef fan- det, nonnunquam morborum omnium pestilentissi- 25 mum pestem. Adde. quod huius temporis occasione plerique nostri ordinis, dum stulti frigida lavare volunt, in rapidis et profundis fluminibus capitis iacturam faciunt.
Gulielmus. At tu naturae parum gratus in- 30 commoda quidem, quae secum adferunt aestivi menses, accurate recenses, commoda vero, quae simul praestat, praeterig.
Cornelius. Quae ea sunt, quaeso? Gulielmus. Rogas' Primum nee igne nee
DIALOGVS XXXV. 43
vestibus admodum est opus, deinde tempus hoc tot Irugum genera donat: siliginem, triticum, hordeum,
[D5b] tot legumina. t'abas, pisa, vicias, tot poma, pira | prima, mespila, nuces, iuglandes, avellanas, casta-
5 neas molles, racemos, super omnia vero dulcissimum mustum. An haec parva tibi videntur aestatis et autumni munera? Videris mihi ex eorum esse grege, de quibus Seneca eleganter dixit: Nemo beneficia in calendarium scribit. Postremo cogitandum sem- 10 per est sie placuisse naturae conditori Deo, ut in hoc mundo nihil sit hominibus omni ex parte be- atum, quo videlicet ex his mundi perturbationibus ad aliam patriam aspiremus.
ERSTER ANHANG.
Zusätze der Ausf^abe von 1520.
De relegenda praelectione, de ediscendo deque enotandis ex auctoribus loquendi iormulis:
5 DIALÜGVS X.
Phaedrus et aetate et eruditione maior cum fratre suo
loanne loquitur.
Phaedrus. Quid tu otiosus hie desides et non potius praelectionem modo auditam relegis? 10 loannes. Relegi atque adeo bis terve.
Phaedrus. At fortasse non satis accurate. Joannes. Accuratissime. ut totam etiam me- moria complectar.
Phaedrus. An tuo te officio satis perfunctum 15 credis, si memoria tantum teneas et psittaci more verba non intellecta praeceptori reddas? loannes. Quin intellego omnia. Phaedrus. Hui, omnia? Vide quid dicas. [B5b) loannes. Omnia, inqunm, | ut maxime tibi 20 videatur incredibile; atque id ut credas facilius, liberum tibi est singuia, quae ad modo auditam praelectionem attinent, ex me perquirere.
Phaedrus. Singuia persequi in praesentia non est otium; hoc tantum quaen»: primum. an 2.5 totam auctoris sententiam ex praeceptoris interpre- tatione sis assecutus et qua quidque ratione quove consilio sit dictum, intellegas; deinde, singulasne clausulas expenderis, videlicet si quam habeanC
DIALOGVS X (1520). 45
sententiam insignem, si quod proverbium, si quod a/7;}jLC(, si quem tropiim, si quem colorem rhetoricum. si quem locum dialecticum, si quas venuste loquendi formulas: quae omnia enotare operae pretium est, 5 partim ut sit in promptu semper, quo mores nostros pariter et alienos corrigamus, partim ut ex idoneis scriptoribus suppetant recte loquendi scribendique exempla, ad quae crassissima illa hodie barbarissan- tium loquendi consuetudine posthabita orationem
10 nostram componere queamus; postremo, si quod dictum antique. si quod nove, quod loquendo, si quod parum Ciiristiane, quod vivendo exprimere non conveniat. Haec magister tuus, vir non solum doctus, sed et prudens, inter praelegendum diligenter
15 admonere solet, et ipse eiusmodi, cum id aetatis eram, in scholis non oscitanter excepta domum re- gressus partim memoriae, partim chartis, fidis memoriae custodibus, commendabam. Sensi nam-
[B6a] que hac diligentia me vehemen- | ter proficere.
20 Quodsi fratris vestigiis insisteres idemque faceres, iam certe non hie, sed libris adsideres.
Joannes. Nimis multa in puero requiris. Equidem, ut quod verum est tibi respondeam, in his, quae tu mones expendenda, plerique omnes
25 sumus neglegentiores, nimirum contenti singularum dictionum, quae in contextu reperiantur, respectum habuisse, videlicet quam ex octo orationis partibus habeant pro genere, quae sint accidentia, cuius ge- neris, simplicia sint an composita, in quam cadant
30 declinationem, item quae partium sit inter sese constructio.
Phaedrus. Recte; sed et illa non oportet neg- legere. Alioqui non video, quid referat Terentium, Ciceronem. Vergilium et similes tanta cura sine
35 fine tractarj, si non inde aliquid, quod vel ad recte
^^^ MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
vivendi rationoiii vol dicendi facultatem faciat, con- seqiiamur. Ipso certe eam lectionem, ex qua au- dittirum imitationi nihil accedit, nuUam puto. Tan- tum abest. ut istos probem, qui scriptorum sensu
5 exposuisse utrumque C(>ntenti nullam inütandi viam discipulis commonstrant. Tu vero quando i)raecep- torem nactus es doctum ei fiduni, lac eins tum doctrinae, tum fidei diligentia tua respondeas.
Joannes. Dabo operam sedulo, ne, quod ad
10 haue rem attinet, iure me posthac obiurgare queas. Sed iam Xll. horae Signum auditur, quare hinc ocius in ludum contendam.
DIALOGVS XXXVII ET VLTLMVS.
Pandulphus. Ludimagistri minister, Hieronymus 15 scholasticus. Ludimagister.
Consultant, in quam potissimum academiam studioso sit
commigrandum.
Pandulphus. Quid tu hoc ante ostium, Hie- ronyme, aut quid hie tibi negotii est? 20 Hieronymus. Ludimagistrum convenire vole- bam. Sed pulsare cunctabar veritus, ne intempestive fortasse venirem; quare te pro veteri nostra con- suetudine rogo, ut hie me adstare significes. [E3b) Pandulphus. Faciam; tu hie tantis- | per mo- 25 rare, dum quid rerum sit, huc renuntio. — Here, quod iniunxeras. diligenter est curatum.
Ludimagister. Bene factum. At qui is est, quicum pro foribus fabulantem te audivi?
DIALOGVS X. XXXVII (1520). 47
Pandulphus. Scholasticus quidam. nomine Hieronymus, tibi familiariter notiis, qui te, si modo tempestivum est. coram alloqui cupit.
Ludimagister. Intromittatur; iam nunc, quid
5 velit. conicio.
Hieronymus. Salve, humanissime praeceptor. Ludimagister. Et tu salvus sis, optime adu- lescens. Sed quid est, quod me velis?
Hieronymus. Paucis dicam. Quia iam biennium
10 te in hoc ludo docentem audivi, utriusque litteraturae prima rudimenta tua ope utcumque percepi; hortatur nunc me tum parens tum etiam haec mea aetas maturior, ut hinc in academiam aliquam ad uberio- rem ingenii cultum capiendum me conferam. Hoc
15 ut felicius faciam, tuo consilio opus est; nam inter tot, ut vocant, universitates, quot iam olim sunt institutae et hodie passim novae exoriuntur. mihi eiusmodi rerum ignaro difficile plane est eius, quae omnium sit instructissima et meis studiis accom-
20 modatissima, delectum habere.
Ludimagister. Prudenter hie deliberas, Hie- ronyme. Sunt academiae idque in Germania, quas vehementer probem. sunt item, quas cupiam vel omnino non esse vel in totum immutari. Vt enim
25 in re militari duci dux et militi miles, ut in re
[E4a] publica Senator senatori et civi civis, artifex \ arti-
l'ici. ut denique homo homini, sie schola scholae.
doctor doctori, magister magistro praestat. Quod
discrimen qui non advertit, operam et oleum, ut
30 aiunt, plerumque perdit. Atque ut certum aliquid, quod hie sequaris, habeas, in hac deliberatione spectandum erit, non quae magnificis aedificiis. tametsi et haec decoris aliquid addunt, sed optimis omnis generis praeceptoribus sit instructissima.
35 Primum, quae trium linguarum professores habeat
4S MOSELLANVS. PAEDOLOGIA.
et doctos et bonos, hoc ut velint, illiul ut possint recte docere. siqiiidem Latimiiii. Graecam et He- braicam linguas in Christ ianorum scholis doceri pontificiae leges iubent et veterum theologorum
5 exempla suadent ac denique Christianae rei publicae usus exigit. Habeat denique theologos, si non plures, unum saltem aut alterum cum scripturarum intel- legentia tum vitae sanctimonia egregie probatos. Tum iureperit(is non minus prudentia (juam et
10 facundia laudatos. Ad haec medicos, quos natura- lium rerum profunda cognitio et curandi fides perspecta commendet. Postremo philosophos, non qui sophisticam rixandi pertinaciam ex inei)tis bar- barorum cimimentariis inculcent. sed qui philoso-
15 phando Piatonis maiestatem, acunien Aristotelis, Theophrasti eloquentiam proxime relerant. Quam- quam autem gymnasium eiusmodi minoris negotii
(E4bi est describere quam us(iuam invenire, ad | prae- scriptam tamen imaginem utcumque accedunt hie
20 in vicino sitae, Lipsia et Wittenberga. Nee Er- phurdia cuiquam est aspenianda ut nee Basilea. Super omnes vero trium linguarum professione floret Lovanium, schola vel hoc nomine omnium felicissima, quod magnum illum et sapientiae et
25 eloquentiae principem habet Erasmum. Et summum illud ecclesiasticae dignitatis ornamentum, Albertus cardinalis, magnum quiddam Moguntiae suae molitur; quod si processerit, erit, quo se Germania exteris hominibus venditet. Porro illud imprimis tibi
•jo cavendum, ne ad sublimes illas professiones quas vocant illotis, ut aiunt, pedibus irrumpas, quin modis Omnibus curandum, ut utriusi^ue litteraturae mediocri cognitione praeparatus accedas. Sic enim futurum, ut in disciplinis bis gravioribus citius et
•5 facilius, quo tendis, pervenias et rectum in rebus
DIALOGVS XXXVII (1520). 49
Omnibus iudicium conseqiiaris. Hoc qui caret, frustra se aliqiüd feliciter discere sperabit.
Hieron ymiis. At in eiusmodi scholis receptiim audio, ut scholasticorum quisque praeceptorem quem-
5 piam sibi deligat, quo familiariter utatur non tantum ad litterarum studia, sed et formandos nKn'es. Hie quid mihi faciundum suades?
Ludimagist er. Quid aliud quam ut, antequam te alicui in disciplinam dedas, divitum istorum
[E5a) delicias imiteris, qui cum multa | vini dolia in cellis habeant reposita, non statim e quovis bibunt, sed pytissando omnibus ex ordine degustatis quod firmissimum fuerit et suavissimum hoc demum in palati sui usum relinunt. Quin ergo et tu cum
15 ex aliis sciscitaris tum multos eximios eiusdem professionis doctores audiendo exploras ipse, cui potissimum ingenii tui solum rectissime excolendum loces. Tametsi sunt et aliae coniecturae, quibus in hoc uti possis, ut si cui suae lucubrationes insignem
20 peperere famam, si quem eruditorum calculi aliquot probent, si cui ab aliis eiusdem Musae aemulis in- signite invideatur, si quem vel iudicium principis vel rei publicae consensus a contemptu vindicet, si cui magna sit lectissimorum iuvenum frequentia,
25 si qui discipulos aliquot egregie doctos reddiderit, denique si qui Pythagorae exemplo non quemque statim in disciplinam suam recipiat et aliis plura ac meliora pluris quoque doceat. Cave enim com- mittas ad quemquam te alliciat sumptus vilitas aut
30 a quoquam deterreat impensae magnitudo. Quando fere fit, ut qui docent parvo parva, qui magno magna quoque doceant. His indiciis si prudenter uteris, vix unquam tibi imponet quisquam. Cetera rerum usus, optimus magister, aetatis progressu te facile
35 edocebit.
Lat. Litteraturdenkm. 18. ^
50
MOSELLANVS, PAEDOLOGIA.
Hieronymus. Sat est. Qiiod restat: pro (Eöbj salu- I bri adeo consilio gratiastibiimmortales tuus
agit Hieronymus. si qiiando dabitur facultas, egregie
quoque relaiurus. 5 Ludimagister. Nihil addubito. Tu. quod tibi
felix ac faustum sit. ad bonarum artiuui morcaturaui
proficiscerel
ZWEITER ANHANG.
Praecei)tiuncula de tempore studiis impartiendo
a Petro Mosellano adulescentulis disciplinae
suae commissis tradita.
5 Christophorus a Carlebicz, Petri Mosellani disci- pnlus, lecturi salutem.
Ximio paene studio olim, lector candide, et animi ardore Petro Mosellano, praeceptori nostro, iustis de causis mortalium omnium carissimo, ex-
10 torsimus condiscipuli mei et ego brevem hanc quidem in specie, sed tarnen, sicuti ipse legens facile experiere, permulta in se complectentem de tempore ratione certa optimarum rerum studiis distribuendo praeceptionem. Eam cum apud me complures, quos
15 academia haec illustris alit, studiosi conspexissent, in dies fere eius rei describendae negotium mihi exhibebant. Ego vero ut semel hac soUicitantium molestia defungar, quod privatim mihi et studiorum meorum aequalibus meis praescriptum l'uerat, om-
(A2a] nibus in univer- I sum studiosis impartiri constitui. Tametsi satis scio parvam me gratiam inire apud praeceptorem, qui has sicuti apparet pueriles nugas non in hoc scripsit, ut ederentur, sed ut nobis pro suo officio domi consuleret. Tuum ergo erit, iu-
25 venis, quicquid hoc est, dummodo frugi et alicuius pretii est, boni aequique consulere et nostram ad- versum te voluntatem et Studium amice amplecti. Bene vale. Datum Lipsiae Idibus Septembribus anno restitutae salutis MDXXI.
4*
52 • MOSELLANVS.
P. Mosellanus discipulis suis salutem. Principio otiam atque etiam ciirandum est. no quid tenipus nobis seu nun advertcniibus elabatur, videlicet tjuod nee studiis nee vitae honostati nee 5 valetudini curandae impendatur. Ouamobiem ut certa tibi omnium ratio constet. diem in viginti quattuor horas distractam eogita. Quarum prima pars studiis, altera civilitati ae valetudini, tertia
[A2bi somno danda erit. Hoc com- | mode fiet. si a nuna
10 vespertina ad quartam usque matutinam somno recreatus lente exsurgas. ante nimirum toto ci^rpore palmis, capite vero et unguibus leniter perfricto. Xam hac ratione noxiis vaporibus exitus per oecultos membrorum meatus paratur. Hine manus, oculi,
15 lingua etiam a sordibus abluantur. Pectatur capillus idque accuratius pectine aliquotiens a fronte in occipitium dueto. Post si eius consuetudo quoquo modo induci potest, deicienda ventris et item per Sputum et nares capitis excrementa. Nam et per-
20 petuum Studiorum tenorem conservandum nihil tam conducit quam corpus ab inutilibus oneribus, quan- tum licet, semper levatum habere. M(»x precatione pia te tuaque studia omnia Christo commenda atque ut ille conatus tuos dirigat ora. His omnibus
25 spatium inter quartam et quintam iniectum faciet satis. Habes de tertia diei parte somno impendenda. Nunc de secunda. Xam a quinta ad nonam quat- tuor sunt horae. Quod tempus totum studiis de-
[A3a] betur. Sed quid quaque hora tibi vel | domi di-
30 scendum vel foris a praeceptore audiendum sit, "singiliatim praeseribi non potest. propterea quod eiusmodi occasionum magna est vicissitudo, ut qua hora modo audire convenit, alias magis appareat consultum domi discere. Proinde hanc dispensan-
3.5 darum horarum rationem sibi quisque pro sui com-
DE TEMPORE STVDIIS IMPARTIENDO. 53
moditate ineat iit et earum, quae a prandio studiis dabuntur, a duodecima videlicet eius spatii quod suppetit ad qiiartam usque. Equidem cum id aetatis essem, et hoc servabam: antemeridianum tempus
5 vel gravioribiis vel Graecis litteris, postmeridinnum levioribus et Latinis dabam. Atcjiie hie tenor pro temporis rntione erit immutandus nonnihil, nimh^um si quando indicto ieiunio prandium in undecimam prorogatur. Porro quod ad praeceptorem attinet,
10 satis est, si doctum et fidum binas aut ut pluri- mum ternas audias horas. Neque enim unquam ad solidam eruditonis frugem perveniunt, qui suis ipsorum ingeniis et propria industria diffisi totos dies ex praeceptorum doctrina pendent. Ste-
lA3b] rilescitsaneingenii humani solum, j nisi suaipsius exercitatione cotidie excolatur. Attamen nolim haec sie accipias, quasi displiceat, si quis per oc- casionem etiam plus temporis praeceptori vacet. Occasio enim magnae commoditatis, cum se offert,
20 semper est retinenda, amittenda nunquam. Quando legere nobis licet semper, audire non semper. Illud imprimis curandum, quo cotidie ut minimum horae spatium exercendo stilo tribuatur. Eius rationem cuique suae vires suusque profectus facile dictabunt.
25 i^Ieditetur alius epistulam, alius ex Graecis Latina faciat, alius ad praescriptum rhetoricum declamet, licebit et varii generis carmine ludas aut ratio- cinationem aliquam ad dialecticorum regulas exigas aut quod versu ligatum est soluta oratione reddas.
30 Nam latissime patet stili usus.
Restat tertia pars itidem octo horas complexa. Eas impende de studiis amicorum, sodalium et ae- qualium, ut partim absentibus scribas, si quid eos scire velis, partim inambules, partim eruditis et
35 honestis fabuUs te oblectes, partim cum aequalibus
54 iMOSELLANVS.
(A4ai conflictans profec- tus tui pcriculuiii Incias. Quamiiuam simul et inambulare et fabulari et disputare licet, ita ut nuUum sit tempus tarn occupatum. ex quo non aliqiiem fructum decerpere
5 queat vere Studiosus. Miriiice auteni profuerit, quantum licet, praeceptori docto somper haerere, eum semper, quoquo ierit. comitari, semper domi vel secum vel apud amicos de variis rebus loquen- tejn audire, in summa: praece})tore non minus
10 familiariter quam reverenter uti: familiaritas prae- stabit. ne quid te celet, reverentia, ne se neglegi a te seu ingrato suspicans aliquid de suo erga te affectu imminuat.
Lipsiae in aedibus Valentini Schumann mense Septembri anno domini MDXXI.
Druck von G. Bernstein in Berlin.
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Mosellanus, Petrus |
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