MASTER NEGA TIVE
NO
92-80530-3
MICROFILMED 1992 COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES/NEW YORK
„ as part of the
Foundations of Western Civilization Preservation Project"
Funded by the NATIONAL ENDOWMENT FOR THE HUMANITIES
Reproductions may not be made without permission from
Columbia University Library
COPYRIGHT STATEMENT
The
makin
copyn,
Library
fulfÜlment
Copyright
AUTHOR:
DESCARTES, RENE
TITLE:
MEDITATIONEN ÜBER DIE GRUNDLAGEN DER
PLACE:
LEIPZIG
DA TE :
1915
Master Negative #
COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES PRESERVATION DEPARTMENT
32zim0zA^^^^
BIBLIOGRAPHIC MICRPFORM TARCFT
Original Material as Filmed - Existing Bibliographie Record
[0:MYCG92-Bi5485 CC:966S BLTiani
LP:gw
ÜCF
RTYPza CSC:? GPC:? REP:?
3T:s
hüü:
eiO:?
CPI:?
FRN:
3NP:
|
MMD: |
|
|
04 0 |
|
|
100 |
1 |
|
24 5 |
4-0 |
|
260 |
|
|
J^OO |
|
|
LÜG |
|
|
QD |
FiC:? FSl:? COL:
MS: EL:
AFC
CÜN
ILO
EML
AD:03-05-92 UD:03-05-92
O '"» '^
♦ • •
?7?7
II:? GEN:
B3E:
Lrger PD:19i5/
OR: POL: DM: RR: NNC^:cNNC
Descartes, Rene,rdl596-i650.
Meditationen über- die Grundlagen der Phi lüsophie|:liLinicrof orni] : rbmit de n saintlichen Einwanden uno trwiderungen/rczum erstenmal vollständig über setzt und hrsg, ^^jo^^ Artur- Buchenau. Leipzig, rbF. Meiner, ^ci91b. xiv, 493 p. }:c2() cm. OCLC 03-05-92
Restrictions on Use:
3 5-
FILM SIZE:_
IMAGE PLACEMENT: lA DATE FILMED: nLMEDBY: RESEARC
TECHNICAL MICROFORM DATA
REDUCTION RATIO:_____^/^X
IB IIB
J?^rr INITIALS ^_C^_
LICATIONS. INC WOODBRIDGE. CT
\
c
Association ffor Information and Image Management
1100 Wayne Avenue, Suite 1100 Silver Spring. Maryland 20910
301/587-8202
Centimeter
1 2 3
Uli
iiiiliiiiliiiiLiiliiiiliiiilii I
Inches
1 iiiiii II
TTT
inliiiiliiiili
10
iiimniiii iiiini
II I I ITl
T
T
11
uuli
|
1.0 |
1^ 2.8 1.4 |
2.5 22 |
|
l.l |
2.0 1.8 1.6 |
|
|
1.25 |
12 13 14 15 mm
liiiiliiiiliiiiliiiiliiiiliiiiliiiiliiiiliiiiliiiiliiiilii 1 1
TTT
I I I
MONUFRCTURED TO fillM STRNDfiRDS BY RPPLIED IMOGE, INC.
»?-lflpl*f«**^^*
•**f*mi,.
|l I I rir'
PHILOSOPH
IMVIRTUTIS
ETBENEl'IVENDl " DISCIPlilNAM
-4
■T:
A .'^'•'
■f?''»^
^^•*'
'l
■I
J
-^'Vx-^*^
i-X'
"^ ' '
... .♦/ v^ i ^?r
' • j .. ^/ /*• -*•• a/'"'/- ♦ ••■•» Z-^'
>5VV??
■in
Philosophische Bibliothek Band 27
RENE DESCÄRTES
Philosophische Werke
Zweite Abteilung
Meditalionen
""""SL^,__ - Vi'>'i'!ll""l
RENE DESCARTES
Meditalionen
über die Grundlagen der Philosophie
mit den sämtlichen
Einwänden und Erwiderungen
Zum erstenmal vollständig übersetzt und herausgegeben
von
Dr. Ärtur Buchenau
Der Philosophischen Bibliothek Band 27
Leipzig 1915
Verlag von Felix Meiner
J
(\
(^
■T K, *^""^"
'lPyii#'(^
\ '^
Alle Rechte, einschließlich der Übersetzungsrechte, vorbehalten.
Druck von C. Grumbach in Lcipiig.
t
Vorrede zur vierten Auflage.
Als vor zwölf Jahren der Verleger der „Philosophischen Bibliothek" an den Herausgeber mit der Bitte herantrat, die dritte Auflage der „Meditationen" von Descartes zu besorgen, war zunächst nur eine Umarbeitung der v. Kirch- mannschen Übersetzung vom Jahre 1882 beabsichtigt. Es erwies sich indessen als notwendig, von der Kirchmannschen Vorarbeit völlig abzusehen und einen ganz neuen Text zu schaffen, wobei versucht wurde, möglichste Treue mit Les- barkeit zu verbinden. Auf den Rat von Professor Paul Natorp und Lic. F. M. Schiele entschloß sich sodann der Herausgeber, dem Texte der Meditationen einen „Kom- mentar" beizugeben, der sich auf Descartes' eigene Schriften, vor allem aber auf die „Einwände" der Gegner und die „Erwiderungen" Descartes' stützte. Schon damals wurde reiflich erwogen, ob nicht versucht werden sollte, den ganzen deutschen Text der „Einwände und Erwiderungen" zu geben, doch scheiterte das wegen des zu großen Um- fangs. So sah sich der Herausgeber gezwungen, sich auf die wichtigsten Stellen zu beschränken, die teils vollständig, teils im Auszuge mitgeteilt wurden. Nun hat eine solche Auswahl stets ein Mißliches: sie ist stark abhängig von dem eigenen philosophischen Standpunkte und den wissen- schaftlichen Neigungen des Bearbeiters, was besonders dann nicht ohne Gefahr ist, wenn man, wie der Herausgeber, eine ganz bestimmte systematische Stellungnahme nicht ver- bergen kann und will. So hat denn auch die Kritik bei aller Anerkennung des Geleisteten die Ausgabe als „ein- seitig Marburgisch" bezeichnet und besonders darauf hin-
I I"
TB
VI
Descartes, Meditationen.
gewiesen, daß es für Seminarübungen an den Universitäten sehr erwünscht sei, den vollständigen Text zu besitzen.
Herausgeber wie Verleger haben diesen Einwand für sehr beachtenswert gehalten, und da der letztere sich in entgegenkommendster Weise bereit erklärt hat, den ganzen Text zu übernehmen, so hat der Herausgeber sich an die Übersetzung gewagt, wobei er sich zunächst (für die ersten und zweiten Einwände und Erwiderungen) der Hufe des Herrn cand. phil. Paul Delbanco und sodann, als dieser durch seine militärischen Pflichten an der Fortführung der Aufgabe gehindert wurde, derjenigen der Herren Kandida- ten des höheren Schulamts Golze und E. Kiepert erfreute. Der erstere hat die „sechsten", der letztere die „fünften" und die ,, siebenten" Einwände und Erwiderungen übersetzt.
Bei dieser Zusammenarbeit wurde nach dem festen Grundsatz verfahren, sich möglichst genau an den Wortlaut des lateinischen Originals zu halten und bei wichtigen Stellen die lateinischen Termini in Klammern beizufügen, aber da- neben auch die französische Übertragung von Clerselier zu berücksichtigen, da diese von Descartes selbst durchgesehen und verbessert worden ist, so daß es an einzelnen Stellen vorkommen kann, daß der französische Text der bessere ist. Für die lateinischen bzw. französischen Texte diente als Grundlage die große Descartes-Ausgabe des „Institut de France" von Adam und Tannery*). insbesondere Band VII (Meditationes de prima philosophia). Auch in dieser vierten Auflage ist durchweg am Rande in [— ] eingeschlossen jedes- mal die betreffende Seite der latein. Original-Ausgabe ge- geben worden, um das Zitieren zu erleichtern. Die siebenten ..Einwände und Erwiderungen", die in der ersten Ausgabe der „Meditationen" fehlen, haben eine besondere Paginie- rung (s. u. S. 388). In der dritten Auflage fehlte sodann das Widmungsschreiben Descartes' an die Sorbonne, da es ohne philosophische Bedeutung ist. Um der Vollständigkeit halber, und da c«; zudem für den Menschen und Schriftsteller Descartes recht charakteristisch ist, wurde es in der vor- liegenden Ausgabe hinzugefügt.
*) Paris, Leopold Cerf.
Vorrede zur vierten Auflage. yu
Dieser Band enthält demnach das Folgende:
Seite
1. Widmungsschreiben Descartes* an die Sorbonne . IX — XIV
2. Descartes' Vorwort an den Leser .:.... 3
3. Inhaltsübersicht der sechs Meditationen ... 7
4. Text der sechs Meditationen
1. Meditation 11
2. „ 17
3. „ 27
4. „ 44
5. „ 53
5. Erste Einwände (von Caterus) und Erwiderungen
Descartes' 81—109
6. Zweite Einwände (von Mersenne und seinen Be-
kannten) und Erwiderungen Descartes' . . . 110 — 154
7. Dritte Einwände (von Hobbes) und Erwiderungen
Descartes* 155—176
8. Vierte Einwände (von Antoine Arnauld) und Er-
widerungen Descartes' 177 — 231
9. Fünfte Einwände (von Gassendi) und Erwide-
rungen Descartes* 232—356
10. Sechste Einwände (von verschiedenen Theologen,
Philosophen und Geometern) und Erwiderungen Descartes* 357—387
11. Siebente Einwände (von Bourdin) und Bemer-
kungen Descartes' dazu 388—493
Wenn nun in der dritten Ausgabe von uns gesagt wurde, daß ,,das sachliche Interesse es gebietet**, sich in den Er- läuterungen zu den Meditationen nicht auf die , »Einwände und Erwiderungen" zu beschränken (S. 85), sondern, „soweit es möglich ist, alle gegen die Meditationen und die in ihnen vertretenen Gedanken gemachten Einwendungen und die entsprechenden Er\viderungen des Verfassers zu berück- sichtigen,'* so gilt das auch heute noch und so hat sich der Herausgeber entschlossen, außerhalb der eigentlichen Des- cartes-Ausgabe im Rahmen der Meinerschen Sammlung: „Wissen und Forschen" den Kommentar zu den „Medita- tionen" gesondert herauszugeben, der nunmehr naturgemäß weit kürzer als früher sein kann, da jetzt die sämtlichen Stellen aus den „Einwänden und Erwiderungen" wegfallen.
i.
h
II
ü
vin
Descartes, Mcditationeii.
Andrerseits wird eine erneute Durcharbeitung des gesamten Materials und die Berücksichtigung der Descartes-Literatur der letzten zehn Jahre es ermöglichen, daß hier und da Fort- schritte über die früheren Untersuchungen hinaus geboten werden. Ein ausführliches Sach-Register wird dem Kommen- tar beigegeben werden. —
Aus zahlreichen Zuschriften und aus den Kritiken hat der Herausgeber gesehen, wie groß das Interesse an der Philosophie Descartes* in Deutschland ist, haben doch auch insbesondere die „Meditationen** an Frische und Lebendig- keit heute, nach fast 300 Jahren, nichts eingebüßt. Möge so diese vielleicht gedankentiefste Schöpfung romanischen Geistes trotz aller trennenden politischen Schranken in un- serem Vaterlande erneut die Beachtung finden, die sie verdient.
Berlin, im Dezember 1914.
Dr. Artur Buchenau.
Rene Des-Cartes
an die hochgelehrten und weitberühmten Herren, den Dekan und die Dozenten der heiligen theologischen Fakultät zu
Paris*).
Gruß zuvor I
So berechtigt ist der Grund, der mich treibt, Euch diese Schrift vorzulegen, und ich vertraue, daß auch Ihr, nachdem Ihr den Plan meines Unternehmens durchschaut habt, den, der mich treibt, die Verteidigung dieser Schrift durchzu- führen, für so berechtigt erachten werdet, daß ich hier meine Schrift durch nichts besser empfehlen kann, als wenn [(2)] ich mit ein paar W^orten sage, was ich damit bezweckt habe.
Ich bin immer der Ansicht gewesen, daß die beiden Fragen nach Gott und der Seele die wichtigsten von denen smd, die eher mit Hufe der Phüosophie als der Theologie zu erörtern sind. Denn mag es auch für uns Gläubige ge- nügen, durch den Glauben die Gewißheit zu haben, daß die menschliche Seele nicht mit dem Körper zugrunde geht und daß Gott existiert, so kann man doch offenbar die Ungläubigen nicht von der Notwendigkeit einer Religion, noch auch überhaupt irgendeiner moralischen Tugend über- zeugen, es sei denn, daß man sie ihnen bei beiden durch natürliche Begründung bewiese. Und da in diesem Leben oft ein größerer Lohn den Lastern als den Tugenden winkt, würden nur wenige die Pflicht dem Vorteüe vorziehen, wenn sie weder Gott fürchteten noch auf ein anderes Leben ge- faßt wären. Und mag es überhaupt noch so wahr sein, daß man an die Existenz Gottes glauben muß, da sie ja
♦) Bei diesem Widmungsschreiben fehlen in der erstenVie in der zweiten Ausgabe die Seitenzahlen. Sie sind deshalb hier in 0 gesetzt
Dcscartes, Meditationen.
«jEhh»
in den heUigen Schriften gdehrt^ ^^d -d^« ^^^,
m ftrco« ^SiSSn^werS. l^d tV wk ia doch ^^'^^ ben d« - der cfaube ist ein Geschenk Gottes "der un die Gnade erteilt, an alles übr.ge glauben jj^«»"^^;^;; ,.1, a;^ prteilen kann, daß wir an seine eigene twstenz luben so darf maTdoch den Ungläubigen diesen Grund glauben, so uau lua Zirkelschluß erklaren
nicht vorhalten, weil sie hn für einen ^^"^f^^^^ ^aß
würden Und nun habe ich die Beobachtung gemacni, aaü Tcht nur Ihr alle und die anderen Theologen versichern, n cht nur ^^^^ aue natürliche Begründung
die Existenz ^"^^^^'^J^^^J^^^^^ der Heiligen Schrift beweisen, sondern daß man auch aus ^^^/^^ ^ ^^ dartut, daß es leichter ist, von ihm eine Erkenntn^ zu gewin;en. als von vielen Tatsachen ^^^^^^ ^'^^^^^ schaff enen Dingen wissen, und daß ^^^^^^^^^^^f;^!^ ^"g^ ist, daß die, die sie nicht besitzen, Tadel verd enen Das ergibt sich nämlich aus folgenden ^««^^^.^^^f^f , .^^^^ monis 13. 8 u. 9: „Doch sind sie damit n-ht entschuM^^^^^^^
Denn, haben sie so viel mögen ^j-^^^^^^^l/^^^^^^^^
die Kreatur hochachten, warum haben sie nicht viel eher
den Herrn derselbigen gefunden?*'
Und Römerbrief 1,20 heißt es, daß sie „keine Ent- schuldigung- haben. Hier stehen die | Worte: „Was nian vom Wesen Gottes erkennt, offenbart sich m seinen Ge- schöpfen" Durch diese Worte werden wir offenbar daraut hingewiesen, daß alles, was wir von Gott wissen können, sich durch keine anderen Gründe dartun läßt, als die, die wir aus unserem eigenen Geiste entnehmen. Und wie das nun möglich ist und inwiefern Gott leichter und sicherer zu erkennen ist. als die Dinge der Zeidichkeit, danach zu forschen, habe ich also für eine mir nicht unangemessene
Aufgabe gehalten. ,. ^ i u . -cu
Wenngleich nun viele Leute, was die Seele anbetnttt, der Memung sind, ihre Natur nicht leicht ermitteln zu können, und einige sogar zu erklären gewagt haben, die menschlich-natürlichen Gründe nötigten zu der Überzeugung, daß sie zugleich mit dem Körper zugrunde ginge, und nur durch den Glauben würde das Gegenteü behauptet: weü nun aber doch das Laterankonzil unter Leo X. in der
Widmungsschreiben Descartes' an die Sorbonne. XI
8. Sitzung diese Leute verdammt und den christlichen Philo- sophen ausdrücklich aufträgt, ihre Argumente zu entkräften und die Wahrheit nach Kräften zu beweisen, habe ich keine Bedenken gehabt, | mich auch daran zu machen. [(5)]
Da ich nun ferner weiß, daß die meisten gottlosen Leute aus keinem anderen Grunde sich gegen den Glauben, daß Gott existiert und die menschliche Seele vom Kör- per getrennt ist, sträuben, als weü, wie sie sagen, diese beiden Behauptimgen noch von keinem Menschen hätten bewiesen werden können, und wenngleich ich ihnen auch in keiner Weise beistimme, sondern vielmehr der Meinung bin, daß fast alle Gründe, die für diese Fragen von be- deutenden Männern beigebracht worden sind, wenn sie nur recht verstanden werden. Beweiskraft besitzen, und die Überzeugung habe, daß man kaum welche anführen könne, die nicht schon früher von irgendeinem anderen aufgefunden worden wären, so glaube ich doch, daß es in der Phüo- sophie keine verdienstvollere Aufgabe gibt, als einmal die besten von allen sorgfältig zusammenzusuchen und sie so scharf umrissen imd durchsichtig darzustellen, daß es für die Zukunft allgemein feststeht, daß das die Beweise sind. Und schließlich, weil einige Leute, denen es bekannt ist, daß ich eine gewisse Methode | zur Lösung jeder beliebigen [(6)] Schwierigkeit in den Wissenschaften aufgestellt habe, zwar keine ganz neue — nichts ist älter als die Wahrheit — aber doch eine, die ich oft, wie sie gesehen haben, bei anderen Gelegenheiten nicht ohne Glück anwandte; weil also diese Leute mich dringend darum gebeten haben, darum habe ich es für meine Pflicht gehalten, mich ein wenig hierin zu ver- suchen.
Was ich aber auch immer habe leisten können, ist ganz in dieser Abhandlung enthalten. Nicht als ob ich hierbei all die verschiedenen Gründe, die zu diesen Beweisen an- geführt werden könnten, zu sammeln versucht hätte; das dürfte sich wohl nur da verlohnen, wo man keinen hin- reichend sichern besitzt — nein, ich bin nur den ersten und wichtigsten nachgegangen, so daß ich wohl nunmehr als die gewissesten imd schlagendsten Beweise diese hinstellen darf. Ich will noch hinzufügen, daß sie auch derart sind.
HI
Descartes, Meditationen.
daß nach meiner Meinung kein Weg dem Menschengeiste offen steht, auf dem sich je bessere finden heßen; es zwmgt r(7)l mich näniHch die in der ganzen Frage | hegende strenge Notwendigkeit und der Ruhm Gottes, auf den das aUes zu beziehen ist, hier beträchtlich offenmütiger von memer Leistung zu sprechen, als es sonst meine Gewohnheit ist.
Und doch, wenn ich die Beweise für auch noch so gewiß und schlagend halte, gebe ich mich doch nicht dem Glauben hin, daß sie sich dem Fassungsvermögen aDer Leute an- passen. Sondern es verhält sich hier wie in der Geometrie mit vielen Beweisen, die von Archimedes, ApoUonius, Pap- pus und anderen zu Papier gebracht worden sind, die zwar von allen auch für schlagend und sicher gehalten werden, weil sie nämlich absolut nichts enthalten, was, für sich be- trachtet, nicht ganz leicht zu begreifen wäre, und nichts, worin nicht immer das Folgende mit dem Voraufgehenden genau zusammenhinge. Da sie aber doch etwas lang sind und einiii sein aufmerksamen Leser erfordern, werden sie nur von recht wenigen verstanden. Ebenso glaube ich zwar, daß die, die ich hier aufstelle, an Gewißheit und Evidenz den geometrischen gleichkommen, sie vielleicht sogar über- treffen, I fürchte aber doch, sie möchten von vielen nicht ganz w r -tiiidru werden kcinnen, einmal, weil sie auch ziem- lich lang sind und der eine immer wieder vom anderen ab- hängt, und dann vor allem, weil sie einen von Vorurteilen gänzlich freien Geist voraussetzen, der sich selbst leicht vom Zusammenhange mit den Sinnen loszulösen vermag. Und in der Tat finden sich weniger Leute auf der Welt, die für meliii>hysisclie Studien geeignet sind, als für geome- trische. Außerdem liegt darin ein Unterschied, daß alle überzeugt sind, in der Geometrie werde gewöhnlich nur das geschrieben, wofür man einen sicheren Beweis habe, und daß d.dier uuerfalvrene Leute öfters darin einen Fehler be- gehen, daß sie Falsches gelten lassen, während sie den Schein ' ^wecken wollen, als verständen sie es, als daß sie Richtii^ir widerlegen. Ganz anders in der Philosophie. Da man hier der Meinung ist, es gäbe keinen Satz, über den sich nicht streiten ließe, dafür und dawider, trachten nur wenige nach der Wahrheit, und weit mehr Leute haschen,
Widmungsschreiben Descartes* an die Sorbonne. XIII
indem sie gerade die besten Gedanken zu bekämpfen | sich [(9)] erdreisten, nach wohlfeilem Ruhm, helle Köpfe zu sein.
Welcherart also auch meine Gründe sein mögen, — weil sie nun einmal zur Philosophie gehören, hoffe ich nicht, mit ihnen großen Erfolg zu haben, wenn Ihr mir nicht mit Eurem Schutz zur Seite steht. Da aber eine so hohe Meinung von Eurer Fakultät in allen Köpfen festhaftet und der Name Sorbonne so große Autorität besitzt, daß nicht nur in Fragen des Glaubens keine Körperschaft, abgesehen von den hei- ligen Konzilien, je so großes Vertrauen genossen hat, wie die Eurige, sondern sich auch für die profane Philosophie die Ansicht geltend macht, nirgends verfahre man mit größerem Scharfblick und größerer Gewissenhaftigkeit, noch auch mit größerer Sachlichkeit und Weisheit beim Fällen der Urteüe, deshalb also zweifle ich nicht, daß, wenn Ihr geruht, Euch diese Schrift wenigstens soweit angelegen sein zu lassen, erstens daß sie von Euch berichtigt wird (nämlich im Bewußtsein nicht nur meiner menschlichen Fehl- barkeit, sondern vor allem auch meiner | Unwissenheit, 1(1Ö)1 wage ich nicht zu behaupten, daß keine Irrtümer darin steckten), zweitens daß das, was fehlt oder unvollkommen ist oder eine ausführlichere Darstellimg erheischt, hinzu- gefügt, vollendet, und erläutert wird, sei es von Euch selbst oder doch von mir, nachdem Ihr mich darauf hingewiesen habt; und schließlich daß Ihr, nachdem die darin ent- haltenen Gründe, durch die die Existenz Gottes und die Verschiedenheit von Geist und Körper bewiesen wird, bis zu der Klarheit gebracht sind, bis zu der, wie ich vertraue, sie sich bringen lassen, d. h. dahin, daß sie als durchatis zwingende Beweise angesehen werden müssen, daß Ihr just das zu erklären und öffentlich zu bezeugen die Freundlich- keit habt : dann, sage ich, zweifle ich nicht, daß, wenn dies geschieht, alle Irrtümer, die je über diese Fragen bestanden haben, bald aus den Köpfen der Menschen verschwinden werden. Die zwingende Gewalt der Wahrheit selbst wird es nämlich leicht dahin bringen, daß die übrigen geistreichen und gelehrten Köpfe Eurem Urteile beitreten, und Eure Auto|rität wird erreichen, daß die Atheisten, die gewöhn- [(11)] lieh mehr Halbwisser als geistreich oder gelehrt sind, den
xrv
Descartcs, Meditationen.
Mut zu widersprechen verlieren, ja, daß sie vielleicht sogar selbst für die Gründe eintreten, die, wie sie dann bemerken werden, von allen klugen Leuten für Beweise gehalten werden, um nicht den Anschein zu erwecken, als verstünden sie sie 'nicht. Und schließlich werden alle übrigen Men- schen leicht so zahlreichen Zeugnissen glauben, und es wird keinen mehr auf der Welt geben, der es wagte, die Existenz Gottes oder die reale Verschiedenheit des menschlichen Geistes vom Körper in Zweifel zu ziehen. Wie groß der Nutzen dieses Erfolges wäre, könnt Ihr selbst bei Eurer überragenden Weisheit von allen am besten ermessen; auch wäre es nicht schicklich für mich, Euch, die Ihr immer die kraftvollste Stütze der katholischen Kirche gewesen seid, den Schutz Gottes und der Religion mit ausführlicheren Worten zu empfehlen.
Meditationen
über die Grundlagen der Philosophie,
worin das Dasein Gottes
und die Unterschiedenheit der menschlichen Seele
von ihrem Körper bewiesen wird,
von
Rene Descartes.
Descartes, Meditationen.
1
*
Vorwort an den Leser.
Die Fragen in Betreff Gottes und der menschlichen Seele habe ich schon vor einiger Zeit in der im Jahre 1637 in französischer Sprache veröffentlichten „Abhandlung über die Methode, die Vernunft richtig zu leiten und die Wahrheit in den Wissenschaften zu erforschen" berührt, und zwar nicht, um sie eingehend zu behandeln, sondern nur, um sie einmal in Erwägung zu ziehen und durch die Beurteilung seitens der Leser zu erfahren, wie ich sie später- hin darzustellen hätte. Denn sie schienen mir von so großer Wichtigkeit, daß ich es für angebracht hielt, sie mehr als einmal zu behandeln. Der Weg aber, den ich bei der Er- örterung derselben verfolge, ist noch so wenig beschritten und liegt dem gemeinen Gebrauche so fern, daß ich es nicht für zweckmäßig gehalten habe, ihn in einer französisch ge- schriebenen und damit allen ohne Unterschied zugänglichen Schrift ausführlicher darzulegen, damit nicht auch schwache Köpfe sich für berufen halten könnten, ihn zu betreten.
Ich hatte dort*) alle, denen in meinen Schriften etwas Tadelnswertes aufstoßen möchte, gebeten, es mir freund- lichst mitteilen zu wollen. Indessen hat man mir in Betreff dessen, was ich über diese Fragen gesagt hatte, nur zweier- lei Erwähnenswertes entgegnet, worauf ich hier mit ' we- nigen Worten antworten will, bevor ich auf die genauere Erörterung der Fragen eingehe.
Der erste Einwand geht dahin: daß, wenn auch der auf sich selbst gerichtete menschliche Geist sich als nichts anderes erfaßt als ein denkendes Ding, daraus noch nicht
I
♦) „Abhandlung", VI. Teil § 16.
1*
1 Descartcs, Meditationen.
folge, daß seine Natur oder seine Wesenheit nur dann bestehe daß er ein denkendes Ding sei. in der Wei.e, daß dieses Wort „nur" alles übrige ausschließe, von dem man etwa auch behaupten könnte, es gehöre zur Natur der Seele. Darauf erwidere ich, daß auch ich dies nicht habe ausschließen wollen gemäß der Ordnung der Wahr- heit der Sache. - von der damals offenbar nicht die Rede war. ^ sondern lediglich gemäß der Ordnung meines Er- fassens. Der Sinn war demnach, daß ich durchaus nichts erkannte, von dem ich wüßte, daß es zu meiner Wesenheit gehört, als daß ich ein denkendes Ding sei, d. h. ein Ding, welches die Fähigkeit zu denken in sich hat. Im folgenden aber werde ich zeigen, in welcher Weise aus meiner tr kenntnis, daß nichts weiter zu meiner Wesenheit gehört, folgt, daß auch wirklich nichts weiter dazu gehört.
Der zweite Einwand besagt: daraus, daß ich die Idee eines vollkommeneren Dinges, als ich bin, habe, folge noch nicht daß diese Idee vollkommener sei als ich und noch viel weniger, daß das durch diese Idee Vorgestellte existiere. Darauf antworte ich, daß hier in dem Worte „Idee" eine Zweideutigkeit liegt; denn man kann diese entweder m ,,materialer Weise (niaterialiter) als eine Tätigkeit meines Verstandes auffassen, und in diesem Sinne kann man nicht sagen, sie sei vollkommener als ich, oder aber in „objektiver" Weise (obiective). als den durch diese Tätigkeit vorgestellten Gegenstand, und wenn man auch nicht voraussetzt, daß dieser außerhalb meines Verstandes existiert, so kann er dennoch auf Grund seines Wesens vollkommener sein als ich. Wie aber daraus allein, daß die Idee eines vollkommeneren Dinges, als ich bin, in mir ist, folgt, daß dieses Ding wirklich existiert, wird im folgenden ausführlich dargelegt werden. Außerdem habe ich zwar noch zwei recht lange Auf- sätze durchgesehen; indessen es wurden darin weniger meine Gründe hinsichtlich dieser Fragen als meine Folgerungen mit Beweisgründen angegriffen, die den Gemeinplätzen der Atheisten entlehnt sind. Da aber Beweise der Art auf die keinen Eindruck machen können, welche meine Gründe einsehen, und da die Urteilskraft bei vielen so verkehrt und schwach ist. daß sie sich mehr von dem überzeugen lassen,
* Vorwort an den Leser. o
was sie zuerst hören, sei es auch noch so falsch und un- vernünftig, als von der Widerlegung desselben, die spater kommt, sei sie auch noch so wahr und sicher, so mag ich darauf nicht antworten, damit ich nicht erst darüber Bericht zu erstatten brauche. Nur ganz allgemein will ich bemerken, daß aUes, was gemeinhin von den Atheisten gegen das Dasein Gottes vorgebracht wird, stets daraut hinausläuft, daß Gott menschliche Affekte zugeteilt werden, oder daß man für unseren Geist eine so große Kraft und Weisheit in Anspruch nimmt, daß wir uns anmaßen, alles das bestimmen und begreifen zu können, was Gott tun könnte und müßte, so daß, wofern wir nur dessen ein- gedenk sind, daß unser Geist bloß als endhch, Gott aber als unbegreiflich und unendlich aufzufassen ist, uns diese Einwürfe keine Schwierigkeit bereiten können.
So will ich denn, nachdem ich bereits einmal die ver- schiedensten Urteile der Menschen erfahren habe, nochmals auf diese Fragen über Gott und die menschliche Seele ein- o-ehen und zugleich die Grundlagen der gesamten ersten Philosophie behandeln. Ich erwarte hierbei weder den Beifall der Menge, noch eine große Zahl von Lesern; denn ich schreibe nur für solche, die ernstlich mit mir nach- denken und ihren Geist von den Sinnen und zugleich von allen Vorurteilen ablenken können und wollen, und deren gibt e«= wie ich wohl weiß, nur einige wenige. Was aber die betrifft, die sich um die Anordnung und die Verknüpfung meiner Gründe nicht kümmern und nur, wie es bei vielen gebräuchlich ist, ihren Fleiß daran setzen werden, einzelne Sätze zu bemäkeln, so werden sie aus dieser Schrift keinen oroßen Nutzen ziehen, und wenngleich sie vielleicht hautig \nlaß zum Spotten finden, so werden sie doch schwerlich etwas zu entgegnen vermögen, das mich in die Enge triebe, oder das der Erwiderung wert wäre.
Allein da ich auch nicht versprechen kann, alle anderen ßleich von vornherein zu befriedigen, und da ich nicht so anmaßend bin, zu glauben, ich könne alles das vorher- sehen, was dem einen oder dem anderen Schwierigkeiten bereiten wird, so will ich in den Meditationen zunächst einmal eben die Gedanken darlegen, durch deren HUte icn
o
Descartes, Meditationen.
zur sicheren und klaren Erkenntnis der Wahrheit gelangt zu sein glaube, um so zu erfahren, ob ich vielleicht durch dieselben Gründe, die mich überzeugt haben, auch andere überzeugen kann. Alsdann werde ich auf die Entgegnungen antworten, die mir von einigen durch Scharfsinn und Gelehr- samkeit ausgezeichneten Männern zugegangen sind, denen ich diese Meditationen vor dem Drucke zur Prüfung mit- geteilt hatte. Man hat mir nämhch recht vieles und ver- schiedenartiges entgegnet, so daß ich es wagen möchte, die Hoffnung auszusprechen, daß nicht leicht anderen etwas, wenigstens von einer gewissen Bedeutung, in den Sinn kommen könnte, was sie darin nicht bereits berührt hätten. Ich bitte daher die Leser inständigst, nicht eher über die Meditationen ein Urteil zu fällen, als bis sie sich die Mühe gegeben haben, alle jene Einwände und deren Wider- legungen durchzulesen.
Inhaltsübersicht der folgenden sechs Meditationen.
[1]
In der ersten Meditation werden die Gründe ausein- andergesetzt, wegen deren man an allen Dingen, besonders an den materiellen, zweifeln kann, solange wenigstens, als man in den Wissenschaften keine anderen Grundlagen hat als die bisher vorhandenen.
Wenngleich nun der Nutzen eines so umfassenden Zweifels nicht auf den ersten Blick erhellt, so ist er doch insofern außerordentlich groß, als er uns von allen Vor- urteilen befreit und den geeignetsten Weg ebnet, unseren Geist von den Sinnen abzulenken. Schließlich aber bewirkt er, daß man an dem, was man alsdann als wahr erkannt hat, niemals wieder zweifeln kann.
In der zweiten Meditation setzt der Geist, der von [2] seiner eignen Freiheit Gebrauch macht, voraus, daß alle die Dinge nicht existieren, an deren Dasein sich auch nur im geringsten zweifeln läßt, bemerkt aber dabei, wie es ganz unmöglich ist, daß er selbst indessen nicht existiert. Dies ist auch deshalb von dem höchsten Nutzen, da er doch auf diese Weise leicht zu unterscheiden vermag, was eigentlich ihm, d. h. der erkennenden Natur (natura intellectualis), und was dem Körper zugehört. Weil aber vielleicht einige an dieser Stelle von mir Gründe für die Unsterblichkeit der Seele erwarten werden, so halte ich es für angebracht, ihnen hier zu bedenken zu geben, daß ich mir vorgenommen habe, nichts als das, was ich streng beweisen kann, zu schreiben, und daß ich demnach keine andere als die bei den Geo- metern übliche Methode habe befolgen können, die darin besteht, alles das vorauszuschicken, wovon der fragliche Satz abhängt, bevor man aus ihm selbst einen Schluß zieht.
Das erste und wesentliche Erfordernis zur Erkenntnis der Unsterblichkeit der Seele ist aber, von dieser sich einen
8
Descartes, Meditationen.
Begriff zu machen, der so klar als möglich und von jedem Begriffe eines Körpers durchaus verschieden ist. Dies ist dort geschehen. Außerdem aber ist dazu auch erforderlich zu wissen, daß alles das, was wir klar und deutlich denken, [3] m eben der Weise, wie wir es | denken, wahr ist, was vor der vierten Meditation nicht bewiesen werden konnte. Ferner gilt es, einen deutlichen Begriff von der körperlichen Natur zu gewinnen; dies geschieht teils in eben dieser zweiten, teils in der fünften und sechsten Meditation. Und hieraus muß man den Schluß ziehen, daß alle die Dinge die man klar und deutlich als verschiedenartige Substanzen begreift, wie das für den Geist und den Körper zutrifft, in der Tat Substanzen sind, die in reeller Weise voneinander deutlich unterschieden sind. Dieser Schluß wird in der sechsten Meditation gezogen, und zwar wird dies ebendort dadurch bestätigt, daß wir keinen Körper anders, denn als teUbar, ganz im Gegenteil aber keinen Geist anders, denn als un- teilbar denken können. Wir sind ja auch nicht imstande, uns die Hälfte irgendeines Geistes zu denken, wie wir das von jedem beliebigen noch so winzigen Körper können, so daß wir die Natur von beiden nicht nur als verschiedenartig sondern sogar als in gewisser Weise gegensätzlich erkennen. Lben diesen Gegenstand aber habe ich in dieser Schrift nicht weiter behandelt, teUs, weil das Gesagte genügt, um zu zeigen, daß aus der Zerstörung des Körpers der Unter gang des Geistes nicht folgt, und so den Sterblichen Hoff- en ■?'!!• *lf"^' ^^^^"^ '" ™^'=J>^»' teils auch des- iTchkri; dS r" f '■"'"'^\?- ^"« denen eben diese Unsterb- [41 ll^n^^ '", t^'^W^^^en werden kann, von der Dar-
14J legung der ganzen | Physik abhängen
Subs?n!!n' fu^'f T'^ "^ ^''^"' d^ß überhaupt alle SchöSnl '/■ ,; ^ °'"^"' "^^'^'^ '^ D^«" allein der st^h?" ^^/"'^ ?T verdanken, ihrer Natur nach unzer- störbar sind und daß sie niemals aufhören können zu S
SSühr't wT 'T^^''^" ^«" ^^'•"-•^ in das NicSt^z": ruckgefuhrt werden, daß er ihnen seinen Beistand ver«!;
Zweitens aber muß man bemerken, daß fwlr Jer K^^;
überhaupt eine Substanz is, und daAim auch ieSls unT.r
gehen kann, daß ahi-r A^^ ^« tv t IZ "^^"^^^ unter-
' aaD aoer der menschliche Körper, sofern er
Inhaltsübersicht der folgenden sechs Meditationen.
9
sich von den übrigen Körpern unterscheidet, nur durch eine bestimmte Gestaltung von Gliedern und anderen Accidentien derselben Art gebildet ist, daß dagegen der menschliche Geist nicht so aus irgendwelchen Accidentien besteht, son- dern eine reine Substanz ist; denn wenn auch alle seine Accidentien wechseln, so daß er andere Dinge erkennt, andere will, andere fühlt usw., so wird darum doch nicht der Geist selbst ein anderer, der menschliche Körper dagegen wird allein schon dadurch ein anderer, daß sich die Gestalt einiger seiner Teile ändert. Hieraus folgt, daß der Körper zwar äußerst leicht untergeht, der Geist aber seiner Natur gemäß unsterblich ist.
In der dritten Meditation habe ich meinen Haupt- beweis für das Dasein Gottes | in genügender Weitläufig- [5] keit, wie ich glaube, entwickelt. Da ich indessen, um den Geist der Leser möglichst von den Sinnen abzuwenden, mich keiner den körperlichen Dingen entlehnten Vergleiche dabei habe bedienen wollen, so ist vielleicht eine Reihe von Dunkelheiten zurückgeblieben, die aber, wie ich hoffe, späterhin in den Antworten auf die Einwürfe ihre völlige Aufklärung finden, wie unter anderen die, wie die Idee eines höchst vollkommenen Wesens, die in uns ist, soviel objektive Realität enthalten kann, daß sie durchaus von einer höchst vollkommenen Ursache herrühren muß. Das wird dort erläutert durch den Vergleich mit einer sehr vollkommenen Maschine, deren Idee im Geiste eines Künstlers ist; denn so wie das objektive Kunstwerk dieser Idee irgendeine Ursache haben muß, nämlich das Wissen dieses Künstlers oder das eines anderen, von dem er es erhalten hat, so ist es nicht anders möglich, als daß die Idee Gottes, die in uns ist, Gott selbst zum Urheber hat. In der vierten Meditation wird bewiesen, daß alles, was wir klar und deutlich erfassen, wahr ist und zugleich auseinandergesetzt, worin der Grund der Falschheit be- steht, was man notwendig sowohl zur Bestätigung des Vor- hergehenden wie zum Verständnis des Folgenden wissen muß. Ich muß indessen bemerken, | daß es sich dort [6] keineswegs um die Sünde oder um den Irrtum handelt, der bei der Verfolgung des Guten und Bösen begangen
.11
10
Descartes, Meditationen.
■
wird, sondern nur um den, der bei der Beurteilung dessen, was wahr und falsch ist, vorkommt. Auch will ich nicht das betrachten, was zum Glauben oder zur Führung des Lebens gehört, sondern nur die spekulativen und allein mit Hilfe der natürlichen Einsicht erkannten Wahrheiten.
In der fünften Meditation wird, abgesehen davon, daß die körperliche Natur überhaupt erklärt wird, auch das Dasein Gottes auf eine neue Art bewiesen, bei der sich aber vielleicht einige Schwierigkeiten herausstellen werden, die sodann in der Antwort auf die Einwände ihre Auflösung finden. Schließlich aber wird gezeigt, inwiefern es wahr ist, daß die Gewißheit selbst der geometrischen Beweise von der Erkenntnis Gottes abhängt.
In der sechsten Meditation endlich wird die Tätigkeit des Verstandes von der der Einbildung geschieden, und die Merkmale für den Unterschied werden angegeben. Es wird ferner bewiesen, daß der Geist in reeller Weise vom Körper unterschieden ist und gezeigt, daß er nichtsdestoweniger so eng mit ihm verbunden ist, daß er mit ihm eine Art von Einheit bildet. Es werden alle Irrtümer aufgezählt, die aus den Sinnen zu entspringen pflegen, und zugleich die Mittel dargelegt, durch die man sie vermeiden kann, und schließ- [7] lieh alle Gründe | vorgebracht, aus denen man auf das Da- sein der materiellen Dinge schließen kann ; nicht als ob ich sie für sehr nützlich hielte, um eben das zu beweisen, was sie beweisen, nämlich, daß es in der Tat eine Welt gibt, daß die Menschen Körper haben und dergleichen, woran niemals jemand mit gesundem Menschenverstand gezweifelt hat, son- dern weil man bei der Erwägung dieser Gründe erkennt, daß jene Dmge nicht so fest und so klar sind, als die, durch welche man zur Erkenntnis unseres Geistes und Gottes ge- langt. Dies sind demnach die allergewissesten und einleuch- tendsten, die der menschliche Geist wissen kann.
Emzig und allein das zu beweisen, habe ich mir in diesen Meditationen zum Ziele gesetzt. Ich führe deshalb an dieser Stelle auch die verschiedenartigen Fragen nicht an. die ich darm ebenfalls gelegentlich behandelt habe.
Erste Meditation,
Woran man zweifeln kann.
1. Schon vor einer Reihe von Jahren habe ich bemerkt, wieviel Falsches ich in meiner Jugend als Wahr habe gelten lassen und wie zweifelhaft | alles ist, was ich hernach dar- [8] auf aufgebaut, und daß ich daher einmal im Leben alles von Grund aus umstoßen und von den ersten Grundlagen an neu beginnen müsse, wenn ich endlich einmal etwas Festes und Bleibendes in den Wissenschaften ausmachen wolle.
2. Indessen schien mir dies ein gewaltiges Unternehmen zu sein, und ich wartete daher das Alter ab, welches so reif sein würde, daß ihm unmöglich ein anderes nachfolgen könnte, das zur Erwerbung der Wissenschaften noch ge- eigneter wäre. Infolgedessen habe ich solange gezögert, daß ich mich schließlich schuldig machen würde, wenn ich die zum Handeln noch übrige Zeit mit weiteren Bedenken vergeuden wollte.
3. Und da trifft es sich günstig, daß ich heute meinen Geist von allen Sorgen befreit habe, daß ich mir eine sichere Muße in einsamer Zurückgezogenheit verschafft habe: so will ich denn endlich ernsten und freien Sinnes zu diesem allgemeinen Umsturz meiner bisherigen Meinungen schreiten.
4. Dazu wird indessen nicht nötig sein, sie alle als falsch aufzuzeigen, denn | das würde ich vielleicht niemals [9] erreichen können; sondern da schon die gemeine Vernunft rät, in ebenso vorsichtiger Weise bei dem nicht ganz Ge- wissen und Unzweifelhaften wie bei dem offenbar Falschen die Zustimmung zurückzuhalten, so wird es hinreichen, sie alle zurückzuweisen, wenn ich in einer jeden irgendeinen Grund zum Zweifel antreffe. Auch wird es dazu nicht un-
i
12
Descartes, Meditationen.
umgänglich notwendig sein, sie alle einzeln durchzugehen, was eine endlose Arbeit wäre, sondern, da nach der Unter- grabung der Grundlagen alles darauf Gebaute von selbst zusammenstürzt, so werde ich den Angriff sogleich auf eben die Prinzipien richten, auf die sich alle meine sonstigen Meinungen stützten.
6. Alles nämlich, was ich bisher am ehesten für wahr angenommen, habe ich von den Sinnen oder durch Ver- mittelung der Sinne empfangen. Nun aber bin ich da- hinter gekommen, daß diese uns bisweilen täuschen, und es ist ein Gebot der Klugheit, niemals denen ganz zu trauen, die auch nur einmal uns getäuscht haben.
6. Indessen — mögen uns auch die Sinne mit Bezug auf zu kleine und entfernte Gegenstände bisweilen täuschen, so gibt es doch am Ende sehr vieles andere, woran man gar nicht zweifeln kann, wenn es gleich aus denselben Quellen geschöpft ist; so z. B. daß ich jetzt hier bin, daß ich, mit meinem Winterrocke angetan, am Kamin sitze, daß ich dieses Papier in der Hand halte und ähn- liches; vollends daß eben dies meine Hände, daß dieser gesamte Körper der meine ist, wie könnte man mir das abstreiten? Ich müßte mich denn mit ich weiß nicht welchen Wahnsinnigen vergleichen, deren Gehirn durch widrige Dünste infolge schwarzer Galle so geschwächt ist, daß sie hartnäckig behaupten, sie seien Könige, während sie bettelarm sind, oder in Purpur gekleidet, während sie nackt smd, oder sie hätten einen tönernen Kopf, oder sie seien etwa gar Kürbisse oder aus Glas; — aber das sind [10] eben Wahnsinnige, | und ich würde ebenso wie sie von Sinnen zu sem scheinen, wenn ich das, was von ihnen gilt, auf mich übertragen wollte.
7. Vortrefflich I - Als ob ich nicht ein Mensch wäre, der des Nachts zu schlafen pflegt, und dem dann genau die- selben, ja bisweilen noch weniger wahrscheinliche Dinge im 1 räume begegnen, wie jenen im Wachen I Wie oft doch kommt^es vor, daß ich alle jene gewöhnlichen Begegnisse, wie daß ich hier bin, daß ich, mit meinem Rocke bekleidet, am Kamin sitze, mir während der Nachtruhe einbilde, wahrend ich doch entkleidet im Bette Hegel — Aber
Erste Meditation: Woran man zweifeln kann.
13
jetzt schaue ich doch sicher mit wachen Augen auf dieses Papier, dies Haupt, das ich hin und her bewege, ist doch nicht im Schlaf, mit Vorbedacht und Bewußtsein strecke ich meine Hand aus und fühle das I Im Schlafe würde mir das doch nicht so deutlich entgegentreten! — Als wenn ich mich nicht entsänne, daß ich auch sonst durch ähn- liche Gedankengänge im Traume irregeführt worden bin! Denke ich einmal aufmerksamer hierüber nach, so sehe ich ganz klar, daß niemals Wachen und Traum nach sicheren Kennzeichen unterschieden werden können, — so daß ich ganz betroffen bin, und diese Betroffenheit selbst mich beinahe in der Meinung bestärkt, daß ich träume.
• ^^.^^^^^^ ^^^^' ^^ träumen! Mögen wirklich alle jene Einzelheiten nicht wahr sein, daß wir die Augen öffnen den Kopf bewegen, die Hände ausstrecken; ja, mögen wir vielleicht gar keine solchen Hände, noch überhaupt einen solchen Körper haben: so muß man fürwahr | doch ge- fU] stehen, das während des Schlafes Geschaute verhalte sich gleichsam wie gemalte Bilder, die nur nach dem Muster wahrer Dinge sich abmalen konnten, daß also wenigstens dies Allgemeine: Augen, Haupt, Hände und überhaupt der ganze Körper als nicht eingebildete, sondern wirkliche Dinge existieren. Sind doch auch die Maler, selbst wenn sie Sirenen und Satyre in den fremdartigsten Gestalten zu bilden sich Mühe geben, nicht imstande, ihnen in jeder Hinsicht neue Eigenschaften zuzuteilen, sondern sie mischen nur die Glieder von verschiedenen lebenden Wesen durcheinander; oder wenn sie vielleicht etwas so unerhört Neues sich ausdenken, wie man ähnliches überhaupt nie gesehen hat, und das demnach rein erdichtet und unwirklich ist, so müssen es doch zum mindesten wirkliche Farben sein, aus denen sie es zusammensetzen. In gleicher Weise muß man, wenngleich sogar dieses Allgemeine: Augen Haupt, Hände und dergleichen nur in der Einbildung vorhanden sein könnte, doch notwendig gestehen, daß we- nigstens gewisse andere, noch einfachere und allgemeinere Dinge wirklich vorhanden sind, mit denen, als den wirk- lichen Farben, alle jene, seien es wahre oder falsche Bilder von Dingen, die wir in unserem Bewußtsein haben, sich
Jm '"«■>'
Descartes, Meditationen.
in uns malen. Von dieser Art scheinen zu sein die Natur [12] des Körpers | überhaupt und seine Ausdehnung, ferner die Ge- stalt der ausgedehnten Dinge, ebenso die Qualität, d. i. ihre Größe und Zahl, ebenso der Ort, an welchem sie existieren, die Zeit, während welcher sie dauern und dergleichen.
9. Man darf daher hieraus wohl mit Recht schließen, daß zwar die Physik, die Astronomie, die Medizin und alle anderen Wissenschaften, die von der Betrachtung der zusammengesetzten Dinge abhängen, zweifelhaft sind, daß dagegen die Arithmetik, die Geometrie und andere Wissen- schaften dieser Art, die nur von den allereinfachsten und allgemeinsten Gegenständen handeln und sich wenig darum kümmern, ob diese in der Wirklichkeit vorhanden sind oder nicht, etwas von zweifelloser Gewißheit enthalten. Denn ich mag wachen oder schlafen, so ist doch stets 2 + 3 = 5, das Quadrat hat nie mehr als vier Seiten, und es scheint unmöglich, daß so augenscheinliche Wahrheiten in den Verdacht der Falschheit geraten können.
10. Es ist indessen meinem Geiste eine alte Meinung eingeprägt, daß ein Gott sei, der alles vermag, und von dem ich so. wie ich bin, geschaffen sei. Woher weiß ich aber, daß er nicht bewirkt hat, daß es überhaupt keine Erde, keinen Himmel, kein ausgedehntes Ding, keine Ge-
tl3Jstalt, keine Größe, keinen | Ort gibt und daß dennoch dies alles genau so wie jetzt mir da zu sein scheint; oder viel- mehr, daß — so wie ich urteile, daß bisweilen auch andere sich in dem irren, was sie aufs vollkommenste zu wissen meinen — so aucli ich mich täusche, so oft ich 2 und 3 addiere oder die Seiten des Quadrats zähle, oder was man sich noch leichteres denken mag.
11. Aber vielleicht hat Gott nicht gewollt, daß ich mich so täusche, heißt er doch der Allgütige? — AUein wenn es mit seiner Güte unvereinbar wäre, daß er mich so geschaffen, daß ich mich stets täusche, so schiene es doch ebensowenig dieser Eigenschaft entsprechend, daß ich mich bisweilen täusche, welch letzteres sicherlich doch der Fall ist.
12. Freilich möchte es wohl manche geben, die lieber leugnen wurden, daß ein so mächtiger Gott überhaupt exi-
Erste Meditation: Woran man zweifeln kann.
m
15
iTb'tkn^'.lf "'" ^""f" Ungewißheit aller anderen Dinge glaubten; allem mit denen wollen wir nicht streiten 3
bTotMS Tde? ^' '''' ^^" ^°" ^'-^- -^ eTne durrh qI T' , /' ""^^ ™^" ^"^'^ annehmen, ich sei durch Schicksal oder Zufall oder durch die Verkettune der U„,stande oder sonst auf irgendeine Weise zu dem ge
sdn ind Tkn a"" ""' ^"^'^^" Unvollkommenheit zu sein und also wird es, je geringere Macht man dem Ur
heber meines Seins zuschreibt, um so wahrscheinhcherseVn - - --"ko-men, daß ich mich stets täusche '
Antwort und r ^,'""^1 ^^^^ i<^h schlechterdings keine | Antwort, und so sehe ich mich endlich gezwungen ■,,„„ nn
zTeSl^mtlicT '']'"'' r^ '^'^ ^'"•'- fST^Kieirzu ^''^ zweitem möglich ist und das nicht aus Unbesonnenheit
S^ndt^tß ichTofr.^"^ ^'^'^ ""'^ wohSrogfn 'n a^s Sern oflenbLr F^ ^ I, ^T^ '*'"'"'" ^"""' "'^^t minder vorsichTi.il ^^''^'^^"' fo«an meine Zustimmung aufs
Sge?:?,,:'"^^^'^ '""^' ^-" -^^^ - etwas Gewissem
™ h!t;^"'^^'f " .^' ''' "'^^^ Senug, dies einmal bemerkt zu haben, vielmehr muß man Sorge tragen, es sich stets
nungerunL" halten kehren doch die%ewohn et ut Si J?n Sinn H*"'^- ^f 'l ""'^ ""^'"en meinen leichtgläu- ,,1h H V. ' " "^ gleichsam durch den langen Verkehr und durch vertrauliche Bande an sich gefesself haben f2 auch wider meinen Willen in Beschlag. Und ich werdl es mir niemals abgewöhnen, ihnen beizustimmen und zu vfr trauen, solange ich sie für das ansehe, was sTeTder Tat sind namhch zwar — wie bereits .«»TPiVf 7 • • '
zweifelhaft, aber i^merhrntchf S sc-;:eiSch^Tdr^^^^^^^ es wen vernunf^emäßer ist. sie zu glauben als zu leugnen 15 Es wird daher, denke ich. wohl angebracht sein
tung" äe" "Th"^!'? ''^ 't'^'^ entgegengeseme^Rkh! lung gebe, mich selbst tausche und für eine Weil«. Hi»
Fiktion mache, jene Meinungen seien durchweg falsch „nd
uSe'autb^i'd'^'r^^"' ^'^ '^»^ schließfirm'Sfvo^r' hT A o , "''^° ^"'en so ins Gleichgewicht gebracht habe, daß keine | verkehrte Gewohnheit fLer mefn Urte'l [15]
16
Descartes, Meditationen.
von der wahren Erkenntnis der Dinge abwendet. Denn ich weiß ja, daß hieraus keine Gefahr noch Irrtum in- zwischen entstehen kann, und daß ich meinem Mißtrauen gar nicht zu weit nachgeben kann, da es mir ja für jetzt nicht auf ein Handeln, sondern nur auf ein Erkennen
16. So will ich denn annehmen, daß nicht der all- gütige Gott, die Quelle der Wahrheit, sondern daß irgend- ein böser Geist, der zugleich höchst mächtig und ver- schlagen ist, allen seinen Fleiß daran gewandt habe, mich zu täuschen; ich will glauben, Himmel, Luft, Erde, Farben, Gestalten, Töne und alle Außendinge seien nichts als das täuschende Spiel von Träumen, durch die dieser meiner Leichtgläubigkeit Fallen stellt; mich selbst will ich so an- sehen, als hätte ich keine Hände, keine Augen, kein Fleisch, kein Blut, überhaupt keine Sinne, sondern glaubte nur fälschlich, dies alles zu besitzen. Und ich werde hart- näckig an dieser Art der Betrachtung festhalten und werde so zwar nicht imstande sein, irgendeine Wahrheit zu er- kennen, aber doch entschlossenen Sinnes mich in acht nehmen, soviel an mir liegt, nichts Falschem zuzustimmen, noch von jenem Betrüger mich hintergehen zu lassen, so mächtig und so verschlagen er auch sein mag. |16j 17. Indessen ist dies ein mühevolles | Unternehmen,
und eine gewisse Trägheit führt mich zur gewohnten Lebens- weise zurück. Und wie ein Gefangener etwa im Traume einer eingebildeten Freiheit genoß, und wenn er zu arg- wöhnen beginnt, daß er nur träume, sich fürchtet, auf- zuwachen und sich den schmeichlerischen Vorspiegelungen solange als möglich hingibt, so sinke ich von selbst in die alten Memungen zurück und fürchte mich vor dem Erwachen, um nicht das arbeitsvolle Wachen, das auf die behagliche Ruhe folgt, statt im Lichte, in der undurchdring- lichen Finsternis der schon angedeuteten Schwierigkeiten zu- zubringen.
Zweite Meditation.
über die Natur des menschlichen Geistes; daß er leichter erkennbar als der Körper!
stüJ' ?• ^ ^^''"^^ ^^^^.^^^^^^^ ^^t mich in Zweifel ge- stürzt, die so gewaltig sind, daß ich sie nicht mehr ver-
WelsTi^'u ir^ '"^ ^'"'"i^^ ^"^^ ^^^^^ ^^^^' '^^ -sicher Weise sie zu losen seien; sondern, wie wenn ich unversehens
;Srr?Xß th ^T'' ^-f gestürzt wäre, bin ich so ve"
Zeh I zur Oh 7^ l ^"^ ^^"^ ^''"^^^ ^^^^^" ^^ß ^^ssen, noch I zur Oberflache emporschwimmen kann. Dennoch [171
w^ll ich mich herausarbeiten und von neuem eben 2en ^ ^ i^h näXh h?'h^'"ii'^ ^''''''' beschritten hatte, indem denTerin.1 7^'-f^^^^^ rT "^'^ ^"^^^^^^^' ^^^ ^"ch nur sTrh J^F? V "^^'^u '""^^^'^ ^""^^ ^^' ^^ ^enn ich in
etwas r^ \ f^""^^ "^^^^^ vordringen, bis ich irgend
etwas Gewisses, oder, wenn nichts anderes, so doch zum mindesten das für gewiß erkenne rlaft ^c «,^1. ^ ■ e\ht Mi^Kfe Ol • ^^'^ erKenne, daß es nichts Gewisses gibt. Nichts als einen festen und unbeweglichen Punkt ver langte Archimedes, um die ganze Erde von ihrer sfele zu be
hdt k^, ^^''""^''^ ^^"^^' ^^s ^«n unerschütterlicher Gewiß- ist L^fl.lTfa '.'''^^f' ^^^ ^"^^^ ^^^ i^^ ^^he, falsch hl; wa/i?A • "»^'«als etwas von dem aUen existiert
hat, was das trugensche Gedächtnis mir darstellt • ich habe überhaupt keine Sinne; Körper, Gestalt, Größe Bewegung
übl?v' n^. T^'' ^^' ^^^"^^^^"- ^^^ ^^'o bleibt Wahre? ubng? Vielleicht nur dies Eine, daß es nichts Gewisses gibt
nllJ*K V '^''^^' ^^'^ ^^^ ^^"'^' ^^ß ^« nicht etwas von zlTeln'a'u^ Verschiedenes gibt, an dem "
2
18
Descanes, Meditationen.
ea etwa einen Gott, oder wie ich sonst den nennen mag, der mir diese Vorstellungen (cogitationes) einflößt ? — Wes- [18] halb I aber sollte ich das annehmen, da ich doch am Ende selbst ihr Urheber sein könnte! Also wäre doch zum mindesten ich irgend etwas? Indessen, — ich habe bereits geleugnet, daß ich irgendeinen Sinn, irgendeinen Körper habe. Doch hier stutze ich: was soll daraus folgen.? Bin ich etwa so an den Körper und die Sinne gefesselt, daß ich ohne sie nicht sein kann? Indessen, ich habe mich über- redet, daß es schlechterdings nichts in der Welt gibt : keinen Himmel, keine Erde, keine Geister, keine Körper, also doch auch wohl mich selbst nicht? Keineswegs; ich war sicherlich, wenn ich mich dazu überredet habe. — Aber es gibt einen, ich weiß nicht welchen, höchst mächtigen und verschlagenen Betrüger, der mich geflissentlich stets täuscht. — Nun, wenn er mich täuscht, so ist es also unzweifelhaft, daß ich bin. Er täusche mich, soviel er kann, niemals wird er es doch fertig bringen, daß ich nichts bin, solange ich denke, daß ich etwas sei. Und so komme ich, nachdem ich derart alles mehr als zur Genüge hin und her erwogen habe, schließhch zu dem Beschluß, daß dieser Satz: „Ich bin, ich existiere", so oft ich ihn ausspreche oder in Ge- danken fasse, notwendig wahr ist.
4. Noch erkenne ich aber nicht zur Genüge, wer ich denn bin, der ich jetzt notwendig bin, und ich muß mich demnächst hüten, daß ich nicht etwa unvorsichtigerweise etwas anderes für mich selbst ansehe und auf diese Weise 1 |19J sogar in der Erkenntnis abirre, von der ich behaupte, sie sei die gewisseste und einleuchtendste von allen. Ich wUl des- halb jetzt von neuem erwägen, was ich denn früher zu sein geglaubt habe, bevor ich noch auf diese Gedanken verfallen war. Und davon wiU ich denn alles abziehen, was durch die oben beigebrachten Gründe auch nur im geringsten hat erschüttert werden können, so daß schließlich genau nur
R w ""^^ ''°" unerschütterlicher Gewißheit ist.
ö. Was also habe ich vordem zu sein geglaubt ? Doch wohl em Mensch! Aber was ist das „ein Mensch'? Soll ica sagen: em vernünftiges lebendes Wesen? Keineswegs denn dann müßte man ja hernach fragen, was „ein lebendes
Zweite Meditation: über die Natur des menschlichen Geistes. 19
Weseiv;' und was „vernünftig" ist und so geriete ich aus einer Frage m mehrere und noch schwierigere Au<A habe ich nicht soviel Zeit, daß ich sie mit derartigen SpiSindi/ keiten vergeuden möchte. Lieber will ich hifr mX Au *„."
r'^R ? "'''*'"■ ""' ''''^'"' ^^"^ ^°" reibst und natur- gemäß sich meinem Bewußtsein (cogitatio) darbot, so oft ich erwog, was ich sei. '
sicht^'mnH^.°*A''''' ™'. "i"" '""^'^'* ^^'' «i^ß i<=h ein Ge- dh^tü \ '"^- ""'^ '^'^^^ «^"'« Gliedermaschine hatte Ae man auch an einem Leichnam wahrnimmt, und die ch als Korper bezeichnete. Ferner bot sich m r dar I daß r201
bezorä di"' T- ^?^' *^"P""^^ ""«^ ^-ke, und ztar ^ ^ bezog ich diese Tätigkeiten auf die Seele; was aber diese
doch To stX -T'^- "5 ^"^"^'^^ ^'^ "•'^^^' °S- --
ntS'An eSrwtdS%teroclef.;f^^ f'^^' -^' gröberen Teilen eingeSßf tr W^^ÜI^Ten ^K^pTrT geht, so zweifelte ich daran nicht im mindesten, sondern
I h :ZTZi:rJ,T- ''"*"^^" '^""^"- Und ^Z icn etwa versucht hatte, sie so zu beschreiben, wie ich si^
eTuärt'h h* '° if '^^ '''' '"''='> folgendermaßen darüber
ir^^ndlin p"^ "H"'" ^"■■P"'" ^^'''^^^ ^^^ ^1«, was durch irgendeine Figur begrenzt, was örtlich umschrieben werden kann und einen Raum so erfüllt, daß es aus ihm ieden anderen Korper ausschließt; was durch Gefifhl GesSjt Gehör, Geschmack oder Geruch wahrgenommen ^der aSh
S'sd'sf fb' ^ H ""T"' "^''^" ^'""' -arnifhrdi; h
es Deruürt wird. Denn ich nahm an, daß die Fähigkeit sich selbst zu bewegen, ebenso wie di^ zu empfinden oder" zu denken keineswegs zur Natur des Körpers gehören viel- mehr wunderte ich mich eher darüber daß sicisoSe Fähigkeiten in manchen Körpern vorfinden
7. Wie verhält es sich aber jetzt, wo ich annehme daß irgendein höchst mächtiger und. ;enn maL sHaSn darf, boshafter | Betrüger sich in jeder Beziehung sowek f211 er vermochte Mühe gegeben hat. mich zu täuschen ? Sn ^ ^ ich noch behaupten, auch nur das geringste von alle dTm zu besitzen, wovon ich oben gesagt habe, es gehöre zu^
2*
1
20
Dcscartes, Meditationen.
Natur des Körpers ? Mit gespannter Aufmerksamkeit denke ich immer wieder darüber nach, — nichts bietet sich mir dar, und ich werde es müde, fruchtlos immer dasselbe zu wieder- holen.
8. Wie verhält es sich aber mit den Eigenschaften, die ich der Seele zuschrieb, so mit dem Sich-Ernähren und dem Gehen? Nun, da ich jetzt überhaupt keinen Körper habe, so sind auch das nichts als Erdichtungen. Und wie steht es mit dem Empfinden? Aber auch dieses kommt ohne Körper nicht zustande, auch glaubte ich sehr vieles während des Traumes zu empfinden, von dem ich hernach bemerkte, daß ich es nicht empfunden hatte. Und das Denken? Hier finde ich nun: Das Denken ist's, es allein kann von mir nicht getrennt werden: Ich bin, ich existiere, das ist gewiß.
9. Wie lange aber bin ich ? Nun, so lange, als ich denke Denn es wäre vielleicht möglich, daß ich, wenn ich gänzlich aufhörte zu denken, alsbald auch aufhörte zu sein. Für jetzt lasse ich aber nichts zu, als was notwendig wahr istl Ich bin also genau nur ein denkendes Ding (res cogitans), d. h. Geist (mens), Seele (animus), Verstand (inteUectus),' Vernunft (ratio) — lauter Ausdrücke, deren Bedeutung mir früher unbekannt war. Ich bin aber ein wahres und wahr- haft existierendes Ding, aber was für ein Ding? Nun, ich sagte es bereits — ein denkendes.
10. Und was weiter? Nun, - ich will einmal meine Einbildungskraft anstrengen! Ich bin nicht jenes Gefüge |
l^ij von Gliedern, das man den menschlichen Körper nennt ich bin auch nicht die feine Luft, die diese Glieder durch- dringt, ich bin nicht ein Wind, Feuer, Dunst oder Hauch oder alles was ich mir sonst ausdenken mag, — habe ich doch vorausgesetzt, daß dies alles nichts ist. Diese Vor- aussetzung bleibt bestehen, und doch bin ich irgend etwas.
von hL;' If' ^^^' ^^^ ^' "*"^ ^^' ^^ß ^ben dieses, von dem ich voraussetze, es sei nichts, da es mir ja un-
von'Xm'r'' 1 "^'k- i'' ^^"^""^^^^ ^'' Sache nach nicht von dem Ich verschieden ist, welchen ich kenne? Doch
nicht, ich kann nur urteilen über das. was ich weiß. Ich
W*'
Zwcte Meditation: über die Natur des menschlichen Geistes. 21
weiß daß ich existiere, ich frage aber, wer jener Ich ist von dem ich weiß, er ist. Da ist es nun durchaus gewiS d^ß
nlc^fToTde^'h? ''•"". ^^"^^^ ""^ ^'^ verstandenen IcS nicht von dem abhangen kann, von dessen Existenz ich noch nichts weiß, nicht also von irgend etwas von dem iV T?"'i I^'-'^öge der Einbildungskraft ausmale. '
12. Und dieses Wort „ich male mir etwas aus" macht nuch schon auf mdnen Irrtum aufmerksam; denn es^väre m der Tat nur em Ausmalen, wenn ich mir einbildete etwas
alsTGeS od"'H""'«M"^^ ^'°''"'^^"" "''^'^^^ -deS f k1 \, ^" '^^^ ^'^'^ ^'"«^ körperlichen Dinges be
uele ch- d^^" ""r ,"^ '''" ''^^^«^ ^^-ß- daß ich Wn und zugleich, daß möglicherweise alle diese Bilder und ganz aU
STsiä^SsTr ^"' ""„^"^ ^^ ^^^"' '^^ KörpersTez et nichts s nd als Traume. Habe ich das aber einmal bemerkt mi
so schemt es eine ebenso törichte Redeweise zusagen ich
will meine Einbildungskraft anstrengen, um deuSer^^u
erkennen, wer ich bin", wie wenn ich sigT: . zwa bin ich
bereits aufgewacht und sehe schon etwas Wahres doch da
.ch es „och mcht einleuchtend genug sehe, so wi 1 ich mir
etnX wahr'"r"","''f^"' '^"^^ ™^ ^^'^ Träume eoen dies wahrer und einleuchtender darstellen"
ich lif; hL^'J'^T k-^"'' ^,^^ "'^"^'^ ^°" dem allen, was ich mit Hilfe der Einbildungskraft erfassen kann, Bezug hat
auf d,e Kenntnis, die ich von meinem Ich habe, daß Ich vS
mehr meinen Geist auf das sorgfältigste hiervon abwenden
^n\Z:r:tir ^^-^ ^^"^ -'-'' ^^-"<^^ -- ^ewS 14. Was aber bin ich demnach.? Ein denkendes Dino-i Lnd was heißt das.? Nun, - ein Ding, das zweS einSt bejaht, verneint, will, nicht will undVauch EinbSdutg und Empfmdung hat. Fürwahr, das ist nicht wenig, wenn dies alles zu mir gehören soll I Doch wie sollte es nkh"" Bin mcht ,ch selbst es. der jetzt fast an allem zwei eh der
der da? u'bril 7 """'li '" '^'^"P'^*' *" «ine sei w^r der das übrige leugnet, der mehr wissen möchte der sich
nicht tauschen lassen will, der vieles, selbst gegen seinen
n illen, m der Einbildung hat, viele^ auch J^f von dej
Sinnen kommend bemerkt ?| Mag ich immerhin stets scUa [24]
22
Descartes, Meditationen.
feo, mag: immerhin mein Schöpfer, so viel an ihm liegt, mich tauschen, — ist nicht dies alles trotzdem ebenso wahr, wie daß ich bin? Ist irgend etwas davon von meinem Bewußt- sein trennbar? oder läßt sich von irgend etwas davon be- haupten, daß es von meinem Ich getrennt sei? Denn daß ich es bin, der zweifelt, der einsieht, der will, das ist so offenbar, daß es durch nichts noch augenscheinlicher ge- macht werden kann. Ich bin aber doch auch derselbe Ich, der ich etwas in der Einbildung habe; denn wenngleich etwa, wie ich angenommen habe, nichts von dem, was sich der Einbildung darstellt, wahr ist, so besteht doch diese Kraft der Einbildung wirklich und macht einen Teil meines Bewußtseins aus. Schließlich ist es derselbe Ich welcher wahrnimmt, d. h. welcher die körperlichen Dinge als durch die Sinne gegeben bemerkt. Ich sehe doch offenbar jetzt das Licht, ich höre das Geräusch, fühle die Wärme; aber nein — das ist doch falsch, denn ich schlafe ja. Aber es scheint mir doch, als ob ich sähe, hörte, Wärme fühlte das kann nicht falsch sein, das ist es eigentlich, was an mir Empfinden genannt wird, und dies, genau so verstanden ist ein Bewußtsein.
15. Hieraus beginne ich in der Tat schon erheblich besser zu erkennen, wer ich bin. Aber doch scheint es
roRi ' r""^' ""^^^^ "^^ '^^ ^^'^^ ™c^ dieser Meinung
im gar mcht erwehren, als ob die körperlichen Dinge, 1 deren Bilder sich in meinem Bewußtsein gestalten, und die durch die binne selbst erforscht werden, viel deutlicher erkannt wurden, als jenes, ich weiß nicht was von mir, das nicht ein Gegenstand der Einbildung ist. Allerdings ist es in der Tat recht wunderbar, daß ich die Dinge, die sich mir als zweifelhaft, unbekannt, mir fremd ergeben, deutlicher erfassen sollte als das Wahre, das mir Bekannte, kurz als mich selbst.
meinem rl/ '"k^ ^''^^''' "^'^ ^' "*^^ ^^'"^ ^^^^ält : ToTriS k""^'.^' ^' ^'"^^"' abzuirren, er verträgt es noch mcht, sich in den Schranken der Wahrheit zu halten.
uS s e1:L trr'ectei'zeir' f^^ '" ^'^ ^^^'^^^^ „rr. .r I u . '^.'^°'^" 2eit Wieder amuziehen und ihn
um so leichter lenken zu können. Betrachten wir die jemgen Gegenstände, die nach der gewöhnlichen Meinung
Zweite Meditation: über die Natur des menschlichen Geistes. £3
von allen am deutlichsten erfaßt werden, d. h. die Körper die wir betasten und sehen und zwar nicht die Körper im
D St hin' 'l'"". •"''" allgemeinen Begriffe (perceptiones) pflegen bedeutend verworrener zu sein, nehmen wir viel- mehr irgendeinen Körper im besonderen, z. B. dieses Stück Wachs. Vor kurzem erst hat man es aus der Wachsscheibe gewonnen, noch verlor es nicht ganz den Geschmack des Honigs, noch blieb ein wenig zurück von dem Dufte der Blumen, aus denen es gesammelt worden; seine Farbe 1 Oesta t, Große liegen offen zutage, es ist hart, auch kalt [261 man kann es leicht anfassen, und schlägt man mit dem Knöchel darauf, so gibt es einen Ton von sich, kurz —
Kn^T"' f^T' r \' ^rf^'-deriich scheint, um irgendeinen Koiper aufs deutlichste erkennbar zu machen. Doch siehl Wahrend ich noch so rede, nähert man es dem Feuer — was an Geschmack da war, geht verloren, der Geruch ent- schwindet, die Farbe ändert sich, seine Gestalt wird ver- nichtet, die Größe wächst, es wird flüssig, wird warm, es laut sich kaum mehr anfassen, und wenn man darauf klopft so wird es keinen Ton mehr von sich geben. Bleibt es denn noch dasselbe Wachs.? Man muß zugestehen - es bleibt, keiner leugnet es, niemand ist darüber anderer
erkannte? Sicherlich mchts von dem, was im Bereiche der Sinne lag; denn alles, was unter den Geschmack, den Geruch, das Gesicht, das Gefühl oder das Gehör fiel ist ja jetzt geändert, und doch es bleibt — das Wachs Viel- leicht war es das was ich mir jetzt denke, nämlich daß das Wachs selbst mcht jene Süßigkeit des Honigs, nicht der Duft der Blumen, nicht die weiße Farbe, nicht die Gestalt oder der Ton war, sondern ein Körper, der sich kurz zuvor in diesen Weisen meinem Blicke darbot, jetzt in anderen?
TT- u-.i . '^' ^^^"^ ^^"^" *^^' was I ich hierbei so in der r277 Einbddung habe? Betrachten wir es aufmerksam, entfernen
JI!' w« ' -r- M ' u .*^T ^^"'^'^ ^»e^hört, und sehen wir
l^Ucr^Üt,,"?"^ if- ""' ^"" - ™"^*^ ^°'^«^««' als etwas Ausgedehntes, Biegsames und Veränderliches
18 Was ater ist dieses Biegsame, Veränderliche ? Etwa daß ich mir m der Einbildung darstelle, wie dieses Wachs
24
Descartes, Meditationen.
aus der runden Gestalt in die quadratische, oder aus dieser in die dreieckige übergehen kann? Keineswegs I denn ich begreife wohl, daß es fähig ist. unzählige derartige Ver- änderungen zu erleiden; und ich kann doch nicht diese un- zähligen Veränderungen in der Einbildung durchlaufen es kommt also dieser Begriff (comprehensio) nicht durch 'die i.inbüdungskraft zustande.
19 Und was ist das Ausgedehnte ? Ist etwa auch seine Ausdehnung mir unbekannt? Denn in dem schmelzenden >yachs wird sie größer, noch größer in dem siedenden, und sie wird noch größer, wenn die Hitze weiter zunimmt. Auch
.TntÜ; H^'^lr ^' '^^"^^ '''' "'"'^^ "^''"g beurteilen, wenn ich mcht der Meinung wäre, daß es auch der Ausdehnune
Ti Z J?f' Verschiedenheiten zuläßt, als ich jemals
Lt'' 1'^^""!. """^f ' ^''''- ^' ""•'' ^^ ^^o nichts - übrig als zuzugeben, daß ich, was das Wachs ist gar
erfassen kann ^fn ^""^ '^''"' ^°"'^^^" ''"' ™ ^^^^^^ w t ^ ^"'^ *^^ ^^^^ "=h von dem einzelnen Stücke
'^'' w ""•'""!. "^^^ ^^*^^^ überhaupt ist es noch klarer
r9fii r. , f '^' *^^"" ^^" ^'^^^^ Wachs, das sich nur im
[28J Denken erfassen läßt? Offenbar | dasselbe, welches ich
Ehe Turz H "^'^„''^»-tfv-Jches ich in d;r EinbUdung
S nich? ein" J? ^"""l' ~.'"'°" Erkenntnis (perceptio) ist nicht em Sehen, em Berühren, ein EinbUden und ist
sLTst ein" f'^'T "^""^'^•^'^ ^^ '-^- - -^S sönde n sie ist e ne Einsicht einzig und allein des Verstandes fsolin^
mentis inspectio) die entweder, wie früher Skomrien und verworren, oder, wie jetzt, klar und deutlich sein kZ Das hangt von der größeren oder geringeren Aufmerksam- keit ab, mit der ich auf seine BestandteUe achte
-äl. Indessen wundere ich mich, wie sehr doch mein Geist zum Irrtum neigt; denn wenngleich IS dafoS
dochTn t:T''^ r' "^"'^ - -«^^ «-Äe, tleibe i?h doch an den Worten hängen und lasse mich beinahe durch den Sprachgebrauch beirren Nimlirh ^' "^'"^^ ^"^ch
wir sehen das Wachs selbs" wenn « da Lt Td ? '' Wir urteilf^n na/^K a^ t- . *^'-"" es aa ist, und nicht:
sei. Und 3a"aus\nthte'iS """V^' ''"^^'' '^^ ^ ^ " oaraus mochte ich am liebsten gleich schließen,
Zweite Meditation: Über die Natur /i^^ t,- ,
uDcr die JNatur des menschlichen Geistes. 25
JchtXct'dJ^EllSt ts V^^'^;^" '^' ^"^- ^'
Doch da sehe ich zufäSS vo^ F „S a'u 11^" f'^""^- der Straße vorübergehen%r denen chebe^Ji^f^^^^^^^ wie vom Wachse, gewohnt bin, zu saeen ^h i.,^ und doch sehe ich nichts als di^ Hüte und KlL '"•
daß es Menschen sind. Und so erkenne ich das was I ich rSQI n^t memen Augen zu sehen vermeinte, einzig und a lein ^ ^ durch die meinem Geiste innewohnende Fähigkeft zu urte kn
sein 5ll Ith v""*' "°'^'' ^" '^^ ""e^^ ^^ die Menge H«^), a' ^ schämen, aus den Redewendungen welche doch die Menge erfunden hat, einen Anlaß zum' Zwdfel en nommen zu haben. Fahren wir also fort Tnd se en
aie f anigkeit der Einbildung zu erkennen oder vielmehr eher jetzt, nachdem ich sorgfältig erforscht habe waTes
iarüber ^■f"^ ''^."°"* ''"^- Sicher wäre es' tlrLht aaruber Zweifel zu heeen D^nn «r^e , j i^i^n-iu,
A rr , "tgcu. i^enn was war in H^r ^rcf^»
atitciTsTn r dth ^"T \ ™^^-- ^^^ ^
Geift t^rs^r '^eit1/a2n ^'"^^ ^^''^'^ ™^"^^^^^^-
von meinem tu '°" ''^ '*'" •""^'" ^««^^ ^-l^st oder von meinem Ich sagen, denn bis jetzt rechne ich nichtl
anderes zu mir selbst als meinen | Geist? Ich der th r^m
ni'cT mlr'^ ,r '^"'"^^ ^" ^''^-'^- meine sone S ^ '^ nicht mich selbst noch viel wahrer, viel gewisser nirhf
"n^^Denr '"^'t' '^"^''^'^^^ und 'einleucLX erTen nen ^ Denn wenn ich urteile, daß das Wachs existiert weH
ich es sehe, so folgt doch eben daraus, daß kh ersehe
weit augenscheinlicher, daß ich selbst exi,fit^ »k ,'
ich « c«>v.» T-> ■ »" 11.11 sciDsi existiere, eben weil
ich es sehe. Denn es kann sehr wohl sein, daß dies, was
26
Descartes, Meditationen.
ich sehe, nicht wirklich Wachs ist, es kann sogar sein, daß ich überhaupt keine Augen habe, etwas zu sehen, aber es ist offenbar unmöglich, daß, während ich sehe, oder — was ich für jetzt nicht unterscheide — während ich das Bewußtsein habe zu sehen, ich selbst, der ich dies Bewußt- sein habe, nicht irgend etwas bin. In ähnlicher Weise, wenn ich urteile, daß das Wachs existiere, weil ich es betaste, so folgt daraus wiederum dasselbe, nämlich, daß ich bin. Oder wenn daraus, weil ich es in der Einbildung habe, oder aus sonst irgendeinem Grunde, so folgt offenbar wieder dasselbe. Ich kann aber eben das, was ich hier vom Wachs bemerke, auch auf alles übrige, was außer mir ist. anwenden. Sollte aber weiterhin die Erkenntnis des Wachses nur darum deutlicher scheinen, weil es mir nicht nur durch das Gesicht, oder durch den Tastsinn, sondern durch eine Reihe von Ursachen bekannt geworden ist, um wieviel deutlicher muß, wie man zugeben wird, ich jetzt | [81] mich selber erkennen, da dieselben Gründe, die zur Er- kenntnis des Wachses oder irgendeines sonstigen Körpers beitragen, alle noch besser die Natur meines Geistes be- weisen. Aber es gibt überdies noch so vieles andere, was meinem Geiste selbst eigen ist und wonach man zu einer deutücheren Erkenntnis von ihm gelangen kann, daß jenes alles, was sich vom Körper her auf sie miterstreckt, dagegen kaum in Anrechnung zu bringen ist.
24. Und sieh dal so bin ich schließlich ganz von selbst dahin gekommen, wo ich hinaus wollte. Denn da ich jetzt weiß, daß ja selbst die Körper nicht eigentlich durch die Sinne oder durch die Fähigkeit der Embildung. sondern einzig und allem durch den Verstand erfaßt werden, auch nicht dadurch, daß man sie betastet oder sieht, sondern daß man sie denkt: so erkenne ich ganz offenbar, daß ich nichts leichter und augenscheinlicher erfassen kann — als memen Geist. Doch da man sich der Gewohnheit einer eingewurzelten Meinung nicht so schnell entschlagen kann so scheint es mir gut. hier einzuhalten, damit sich diese neu erworbene Erkenntnis durch längeres Nachdenken meinem Gedächtnis tiefer einprägt.
Dritte Meditation.
über das Dasein Gottes.
[32]
1. Ich will jetzt meine Augen schließen, meine Ohren verstopfen und alle meine Sinne ablenken. aucTdie BiMe der körperlichen Dmge sämtlich aus meinem Bewußtsein tilgen oder doch, da sich dies wohl kaum tun läßt sie als eitel und falsch gleich nichts achten; ich wiS mich nur mit mir selbst unterreden, tiefer in mich hineinblicken
und ?er™ "' '^''\'^''' ''^^'' '^'^^^ "'^^ ^^^h bekannter und vertrauter zu machen.
..«.itu^u -^l" *'° denkendes Ding. d. h. ein solches, das H« ' m 't'' •;!■■"""'• *""'« ^"^'«ht- "«1« nicht ;eiß, San • "'ä! K '"''L Einbildung und Empfindung hat!
wi^chln T '^ r '']'^'^ ^^"'^'^' - ^«'»"gleich das. was ich m der Empfmdung oder in der Einbildung habe außer mir vielleicht nichts ist. so bin ich doch dessen gewiß, daß jene Weisen des Bewußtseins, die ich Emp findungen und Einbildungen nenne, inso^n als sie nur gewisse Weisen des Bewußtseins sind, in mir vorhanden sind. ..^- Und mit diesen wenigen Worten habe ich aUes auf- gezahlt, was 'ch wahrhaft weiß, oder zum mindesten alles, von dein ich bisher | bemerkt habe, daß ich es weiß r331 Sin Ti '*=\n°<^\so'-gfältigere Umschau halten, ob Jchi ^
& nfcht h. T^ ,-'--^-deres in mir ist, wks ich bis Uetzt nicht berücksichtigt habe.
4. Ich bin gewiß, daß ich ein denkendes Ding bin - weiß ich also etwa schon, was dazu erforderlich ist, irgend- einer Sache gewiß zu sein? Nun, - in dieser er^tef Er-
ulTT!r'u'''^'^ f""*^"^' enthalten, als ein gewisses klares und deutliches Erfassen des von mir Ausgesagten. Dies
I
28
Descartes, Meditationen.
würde allerdings nicht genügend sein, mich der Wahrheit einer Sache gewiß zu machen, wenn es einmal vorkommen könnte, daß irgend etwas, das ich in dieser Weise klar und deutlich erfasse, falsch wäre. Und somit meine ich bereits als allgemeine Regel aufstellen zu dürfen, daß alles das wahr ist, was ich recht klar und deutlich erfasse.
ö. Indessen habe ich vieles früher als durchaus gewiß und augenscheinlich gelten lassen, was ich trotzdem später als zweifelhaft ertappt habe. Was für Dinge waren denn das? Nun, — die Erde, der Himmel, die Gestirne und alles übrige, was ich vermöge der Sinne bemerkte. Was aber erfaßte ich hiervon klar? — Offenbar, daß die Ideen selbst oder das Bewußtsein solcher Dinge sich meinem Geiste darboten; aber das bestreite ich ja auch jetzt gar nicht, daß diese Ideen in mir sind! Etwas anderes aber war es' [34J was ich ehemals behauptete, und was ich ) ebenfalls, weil ich gewohnt war. es zu glauben, klar zu erfassen meinte, in Wahrheu aber nicht erfaßte : nämlich, daß gewisse Dinge außer mir e.xistieren, von denen jene Ideen herrührten und denen sie vollkonmien ähnlich seien. Und hierin irrte ich mich entweder, oder aber, wenn mein Urteil zufällig richtig war, so lag das doch nicht an der Kraft meines Erfassens 6. Wie aber, wenn ich in arithmetischen oder geome- trischen Dmgen irgend etwas recht Einfaches und Leichtes betrachtete, - wie daß 2 + 3 = 5 ist und dergleichen - habe ich wenigstens das klar genug durchschaut, um es als wahr behaupten zu können? Nun, ich habe aus keinem anderen Grunde später geurteilt, daß sich auch daran zweifeln lasse, als weil es mir in den Sinn kam, es habe etwa irgendein Gott mir eine solche Natur verleihen können daß ich mich auch in dem täuschte, was mir am aller- o fenbarsten zu sein schien. So oft aber diese vorgefaßte Meinung von der Allmacht Gottes mir aufstößt, kann ich nah unihm. einzugestehen, daß es ihm, wenn er nur wiD ein Leichtes sei. zu bewirken, daß ich mich selbst in dem' irre^ was ich auf das klarste mit den Augen des Geistes
[351 TänZ ''f^'^^^'"^.^• ^^ ^^^ ''^ ^^^^ ^^^^ den Gegen- l3o] .tandeii selbst, die ich recht | klar zu erfassen vermeine
zuwende, lasse ich mich so vollkommen von ihnenTber:
Dritte Meditation: über das Dasein Gottes.
29
zeugen daß ich unwillkürlich in die Worte ausbreche- Tausche mich, wer es kamil Niemals wiTer doch b/
etwas zu sein, oder daß es irgend einmal wahr ist daß irh
e'ia'TnS "^r V^'-' -'''' -■ daß'lcrLit oiä S^rLn ^ u^^' ""^^^ ^^'^S^'- ^«ien als 5 und der- Jle^hen. wonn ich nämlich einen offenen Widerspruch eJ-
zu 11"^ t«^*" sicherlich gar keine Veranlassung habe zu glauben, daß es einen betrügerischen Gott gibt da ich noch mcht einmal zur Genüee wf>ift «k »o u I •
Cntt <»;k» j »jcnuge wem, ob es überhaupt einen
Gott gibt, so ist der nur von dieser Meinung abhängende Grund zum Zweifel in der Tat recht schwach „L ^.Phvsisch^ Um aber auchtn zu^reän^'^^'^Th^::'
ob^ es'etn 00^^?^'^^;"'"' ^" »'-«■ -terShen kln n , ^'^'' ""'^ ^^'^' ob er ein Betrüger sein
kann^ Denn solange ich das nicht weiß, scheint es niSt dlß
ich "J'-;^-d^etwa. anderes Jemals völlig gewi? s"m Lt'
Uf • iit ;t^ ^be^^e^t T g:^rsser. f
CTgtnScTdinÄh^'l ^^'1^- r «S-rBe^-SSakt V£igenUich die \Vahrheit oder Falschheit I liegt. [361
„„r A T '^'""' ''""^ gleichsam Büder der Dinge und nur diesen kommt eigentlich der Name „Idee" zu so wenn •ch nur einen Menschen, eine Chimäre, den Hi^eT eTnen
turchte, bejahe, verneme, so erfasse ich zwar stets ireend eme Sache als das Objekt meines BennißtseL aLr mein Bewußtsem schließt noch etwas mehr ein, als die ÄhiScL keit mit diesem Gegenstande. Von diesen BeLßLi^t^n heißt nun eine Klasse: WiUensäußerungen oder Sts bewegungen, eme andere: Urteüe ^^emuts
10 Was nun die Ideen anbetrifft, so kömien sie, wenn mm sie nur aii sich betrachtet und sie nicht auf rS etwas anderes bezieht, nicht eigentUch falsch sein deTob ™r meme Embüdung nun eine Ziege ode? Te' cLwe
me daß ich die andere in der Einbildung habe.
Descartes, Meditationen.
11. Auch in dem Willen selbst oder in den Gemüts- bewegungen hat man keine Falschheit zu fürchten; denn möchte ich etwas noch so Schlechtes, ja etwas, was es in aller Welt nicht gibt, wünschen, so bleibt es nichtsdesto- weniger wahr, daß ich es wünsche.
12. Es bleiben denmach nur die Urteile übrig, bei denen ich mich vor dem Irrtum zu hüten habe. Der vorzüglichste
[37] und häufigste Irrtum aber, | den man in ihnen vorfinden kann, besteht darin, daß ich urteile, die in mir vorhandenen Ideen seien gewissen außer mir befindlichen Dingen ähn- lich oder entsprechend; denn wenn ich bloß die Ideen selbst als gewisse Weisen meines Bewußtseins betrachtete und sie nicht auf irgend etwas anderes bezöge, so würden sie mir gewiß kaum irgendeinen Stoff zum Irrtum geben können.
13. Von diesen Ideen aber, scheint es, sind die einen mir eingeboren, andere von außen hinzugekommen, wieder andere von mir selbst gemacht. Denn daß ich einsehe, was ein „Ding*', was „Wahrheit", was „Bewußtsein" ist, das scheine ich nicht anderswoher, als aus meiner eigenen Natur zu haben; daß ich aber jetzt ein Geräusch höre, die Sonne sehe, die Wärme des Feuers wahrnehme, das rührt, wie ich bisher geurteilt habe, von gewissen außer mir befindlichen Dingen her. Sirenen schließlich, Hippogryphen und der- gleichen werden von mir selbst ausgedacht. Doch ich mag vielleicht auch vermeinen, alle Ideen kämen mir von außen zu, oder alle seien eingeboren oder alle von mir gemacht; denn noch habe ich ihren wahren Ursprung nicht klar durch- schaut.
14. Hier jedoch haben wir vornehmlich über die Ideen, welche ich gleichsam als von außer mir existierenden Dingen entnommen ansehe, eine Untersuchung anzustellen, und füQi \^^ darüber, welcher Grund eigentlich mich dazu bewegt, Idö] I zu glauben, sie seien diesen Dingen ähnlich. Es scheint das namhch die Natur mich zu lehren, außerdem aber mache ich an mir die Erfahrung, daß sie nicht von meinem WiUen also auch mcht von mir selbst abhängen; denn sie bieten sich häufig auch wider meinen Willen mir dar, zum Bei- spiel jetzt eben fühle ich Wärme, ob ich will oder nicht, und darum glaube ich, diese Empfindung oder Idee der Wärme
Dritte Meditation: Über das Dasein Gottes.
31
vorder T- ^'"^'. "^"^"l ™' verschiedenen Sache, nämlich von der Warme des Feuers, bei dem ich sitze her ,,n2 es hegt mir nichts näher, als zu urteüen d^rj^ne SaSe
mich dies, so verstehe ich darunter nur daß kh dtcJ einen gewissen in mir liegenden Trieb dazu gebraSt weTde dies zu glauben, aber nicht, daß die natürliche EiS aumen naturale) es mir als wahr bezeugt. D iefbeiies t Ü^T'^'^rrll --^^-^-. Alks nämfich wts de
zweSe fole^Tft' 1"^^' 7 "^^ ^^^ daraus, 'daß icJ zweitle, folgt, daß ich bin und dergleichen - das kann in
^ahigkeit, der ich m gleicher Weise vertraue wie die<;pr
f^* f u ^^^''.^^ '" ""^ liegenden Triebe betrifft so hTbe
schlechten Seite gefuhrt haben, wenn es sich darum handelte das Gute zu erwählen. Und ich sehe nicht ein Salb ich Ihnen ,n irgendeiner anderen Sache mehr vert LrsoUte Willi K^"'' wenngleich jene Ideen nicht von meinem WiUen abhangen, so steht darum noch nicht fest daß X
Drte%T^e^Ttr '1^^^^^'^^ ^^^l^^^l i^enn wie diese Triebe, von denen soeben die Rede war
wenn sie gleich in mir sind, dennoch von mebem wS
f aüigkeit. welche diese Ideen hervorbringt, wie es mir bis her ja stets so geschienen hat, daß sich jene. wSr^J kh
büdet' Serbtt"^'"'"'''\^ ''"'^^''""^ ä"ß-- dS ^ Duden. Selbst wenn sie aber von Dingen ausgingen die vZ
mir verschieden sind, so folgt daraus nicht, ^X^etes«
Dmgen ähnlich sein müssen ; vielmehr meine ch, of ^Tn S
Dingen emen großen Unterschied angetroffen zu hL^'''°
17. So finde ich z. B. zwei verschiedene Ideen der Sonn»
iL'unTn^" ""' '°' ^^ ^'^ ^'^ ^"^ ^^" Sinnen geschif wäre, und diese mag am ehesten zu denen zu zählen sein
tl
32
Descartes, Meditationen.
I
von denen ich meine, daß sie von außen kommen. Durch diese erscheint mir die Sonne sehr klein. Die andere Idee hingegen ist aus den Berechnungen der Astronomie ent- [40] nommen, | d. h. sie ist aus gewissen, mir eingeborenen Be- griffen gebildet oder in irgendeiner anderen Weise von mir zustande gebracht. Durch diese erweist sich mir die Sonne als vielmal größer, denn die Erde. Offenbar können nun nicht beide einer und derselben außer mir existierenden Sonne ähnlich sein, und die Vernunft überzeugt mich, daß ihr die am unähnlichsten ist, welche am unmittelbarsten von ihr selbst herzukommen scheint.
18. Dies alles beweist zur Genüge, daß ich bisher nicht auf Grund eines sicheren Urteils, sondern nur aus blindem Trieb geglaubt habe, es existierten gewisse von mir ver- schiedene Dinge, welche ihre Ideen oder ihre Abbilder durch Vermittlung der Sinnesorgane oder in irgendeiner anderen Weise in mich hineinsenden.
19. Doch es bietet sich mir noch ein anderer Weg, um zu prüfen, ob einige von den Dingen, deren Ideen in mir vor- handen sind, außer mir existieren. Insofern nämlich jene Ideen nur gewisse Weisen des Bewußtseins sind, vermag ich unter ihnen keinerlei Ungleichheit zu entdecken, und alle scheinen gleichermaßen von mir auszugehen, insofern aber die eine diese, die andere jene Sache vertritt (reprae« sentat), sind sie offenbar äußerst verschieden voneinander. Denn ohne Zweifel sind die, welche mir Substanzen dar-
[41] stellen, etwas mehr und enthalten sozusagen | mehr „ob- jektive Realität'* (realitas objectiva) in sich, als die, welche nur Modi oder Accidentien darsteUen, und wiederum ent- hält die Idee, durch welche ich einen höchsten Gott denke, der ewig, unendlich, allwissend, allmächtig und der Schöpfer aller außer ihm vorhandenen Dinge ist, wahriich mehr ob- jektive Realität in sich, als die Ideen, durch welche end- liche Substanzen sich darstellen. Nun ist es vermöge der natüriichen Einsicht offenbar, daß zum mindesten ebensoviel Realität m der gesamten wirkenden Ursache (causa efficiens) vorhanden sein muß, wie in der Wirkung eben dieser Ur- sache. Denn ich möchte wohl wissen, wovon sonst die Wir- kung ihre Realität hernehmen sollte, als von der Ursache.?
Dritte JVIedilation: Über das Dasein Gottes.
33
20. Hieraus folgt aber, daß weder etwas aus dem Nicht«
nur Kann z. B. em Stern, der vorher nicht war nicht ietrt ru lAol
wllLl^^Lu ^^' ^^' '" ..formaler" oder „eminenter"
Weise enthalten ist. was m dem Steine gesetzt ist oder L kami die Warme sich nicht auf einen Gegenstand übertragen der vorher nicht ^wärmt war. als von einem Shig dS Sn destens von gleicher VoUkommenheit ist, wie dfe Wärme'
^ch ^ntTn^'f^f ''r* ^'" "''"«^" -' ^«"dern es kTnn auch in mir die Idee des Steines und die der Wärme nur dadurch vorhanden sein, daß sie von irgendeinrr S^saZ m nur gesetzt sind, die mindestens ebensoviel RealUäent halt, wie ich mir in dem Steine oder in der Wärme denke" Demi wenngleich jene Ursache nichts von TrS aktuenen oder ormalen Realität in meine Idee überLgt so dÄ deshalb nicht annehmen, die Ursache brauche darum we niger reell zu sein. Vielmehr ist die Natur der Idee^elbst so beschaffen, daß sie von sich aus gar keine andere L^fe
entnimmt, von dem sie ein Modus ist ""«ein
tat v?ehn°S enth J"? "'' ^'''^ ^^^' ^^"^ *>'^J«'^'i-« Reali- tät vielmehr enthalt, als eine andere, das muß sie offenhar
von irgendeiner Ursache haben, in ;elcherzL Jn^s^en ebensoviel formale Realität enthalten ist. als sTe Selbst !n
Tn etrTidef '" T""'- ?''^'^' "^"^^ ^i^s^
«ew^en ist so?!?'' "'"'','' '^, "'*^^' ^"^^ '" '^'^^ Ursache [43] gewesen ist. so hatte sie dies also aus dem Nichts «;« ..n
roUkommen aber auch die Seinsweise istvermöä wekher" die Sache m objektiver Weise durch ihre Idee im Vemande .st so ist sie wahrlich doch nicht gar nichts LTkaSn dem nach auch mcht aus dem Nichts sein.
Dncarlet, Mediuiioaen.
3
■I
34
Descartes, Meditationen.
22. Auch darf ich nicht mutmaßen, daß, wenn die Reali- tät, die ich in meinen Ideen annehme, nur objektiv ist, die- selbe Realität nicht in formaler Weise in den Ursachen dieser Ideen zu sein brauchte, sondern daß es genügte, wenn sie in ihnen ebenfalls objektiv sei; denn wie diese objektive Seinsweise den Ideen ihrer eigenen Natur nach zukommt, ebenso kommt die formale Seinsweise den Ursachen der Ideen, zum mindesten den ersten und vorzüglichsten, ihrer Natur nach zu. Und wenngleich etwa eine Idee aus einer anderen entstehen könnte, so kann dies doch nicht ins Un- endhche fortgehen, sondern man muß schließlich zu irgend- einer ersten gelangen, deren Ursache gleichsam das Ur- bild darstellt, in welchem die gesamte Realität in formaler Weise enthalten ist, die in der Idee nur in objektiver Weise vorhanden ist. So leuchtet es mir vermöge der natürlichen Einsicht ein, daß die Ideen in mir gleichsam Bilder sind die zwar leichtlich hinter der Vollkommenheit der Dinge | zurückbleiben mögen, denen sie entnommen sind, die aber nicht irgend etwas Größeres oder Vollkommeneres enthalten können.
23. Und um so länger und aufmerksamer ich dies alles prüfe, um so klarer und deutlicher erkenne ich es als wahr. Doch was soll ich schließlich daraus folgern? Nun, wenn die objektive Realität irgendeiner meiner Ideen so groß ist, daß ich dessen gewiß bin, daß diese weder in formaler noch m eminenter Weise in mir enthalten ist, daß folglich ich selbst nicht die Ursache dieser Idee sein kann, so folgt daraus notwendig, daß ich nicht allein in der Welt bin, sondern daß auch irgendeine andere Sache, welche die Ur- sache dieser Idee ist. existiert. Findet sich aber keine solche Idee in mir, so habe ich offenbar gar keinen Beweisgrund cler mich der Existenz irgendeiner von mir verschiedenen Sache versicherte, habe ich doch alles in sorgfältigster Weise in Augenschein genommen und nichts anderes bisher finden können.
24. Unter diesen meinen Ideen gibt es aber außer der, welche mir mein eigenes Ich vergegenwärtigt - die ja hier keine^ Schwierigkeit bereiten kann - eine andere, welche mir Gott, andere, welche mir körperliche und unbeseelte
Dritte Meditation: über das Dasein Gottes.
35^
,
Dinge, andere, welche Engel wieder anH^r« ^i u ^^
liehen Dingen und voi Sott ha™"" w nn ' "" t" '''^^^- mir keine Menschen Tierl L ^' ? • ^' ^^"'"^ ^^ß««- Was aber die Idee d^^'uör^f.'ii"^^''" '^'^ Welt gäbe.
bietet sich in ihnernitLt"^ itrda^Ts nTchf'''' ^-^ selbst hätte hervorgehen können. Prüfe kh sie Ltmllh ""' " gehender und untersuche sie einzeln In derselbe^ W """ wie gestern die Idee des Wachses. J bemerke th S ''' nur sehr wenig ist wa« irh ;„ iu "" "^"»^"«e ich, daß es
fasse, nämlich die Größe d i die r hk"" ""*^ **^"*"^'^ ^^- Breite und Tiefe d^^ G^a h Li '•"'"T«^ "^"'^ ^"^«' dieser Ausdehnung entsprinedrr ^"'.'l" »^^^«"^""S
denen Gestalten zueTnanXn'inthmfn Tn^die^^r""'"- oder die Veränderung dieser I . ol 5 ' ■ Bewegung
weiß ich noch niVK^ ^k • t ^""'"«^'^ weise, und also
die Ideen,"2 "ct^vot rnerL^'^if^"' T'' '^ '^ **" von Nicht-Dineen sinrt «/i^ , u' ^ ''*'" ^'"«^en oder [461
oder f ormal^ FaJs kheit ^T^'"' > "l"^'^!* ^'^ -^^"'»-^e ^ in Urteilen findet, so rib es TocT '" ^"'''^' ~ "»' Falschheit in den deen wLn ^l^^ .^^*'''* materiale
ein Ding darste len So sTnd z b' die" it'"''^"^ t''"" ^' Wärme und Kälte habe n„r .« , f ^"' ^'^ '^^ ^«" «^^
ich aus ihnen nicht te^nLa"^^^^^^^ t"'"^'*- ^^
der Wärme oder Wärme nurXesS^StXKlirrH"' ob beide reale Qualitäten sind oder ke"ne Ion Jh' m *' kann es aber keine Ideen geben die n.h. n ^^ ^"°
wollen. Wenn es nun waCTst ' d!(KKu ^^l ^^"tellen is. als Abwesenheit der wlS so^'w^'^dVlt: '^eT mir wie etwas Reales und Positive^ darsTellt Wk, 't r ^"^ als falsch bezeichnet und dasse^gTril^r üb^^ält
3»
(
36
Dcscartcs, Meditationen.
7
iii"
25. Diesen Ideen brauche ich wahrlich nicht einen von mir verschiedenen Urheber zuzuweisen. Sind sie nämlich falsch, d. h. stellen sie keine Dinge dar, so weiß ich vermöge der natürlichen Einsicht, daß sie aus nichts hervorgehen, d. 1. aus keinem anderen Grunde in mir sind, als weil meiner [47] Natur irgend etwas mangelt und sie nicht durchaus | voU- kommen ist. Sind sie aber wahr, so sehe ich nicht ein, wes- halb sie nicht aus mir selbst stammen könnten, da sie mir ja nur eine so geringe Realität verleihen, daß ich ihren Sachgehalt nicht einmal von einem Nicht-Ding unterscheiden kann. Von dem aber, was die Ideen der körperlichen Dinge Klares und Deutliches enthalten, ließe sich, wie es scheint, euiigcs — nämlich die Substanz, die Dauer, die Zahl und was sonst dieser Art sein mag — leicht aus der Idee meiner selbst entlehnen. Denn denke ich den Stein als Substanz, d.h. als ein Ding, das fähig ist, durch sich selbst zu exi- stieren, und ebenso mich selbst als Substanz, so mag ich zwar recht gut begreifen, daß ich ein denkendes und nicht ausgedehntes Ding bin, der Stein dagegen ein ausgedehntes imd nicht denkendes Ding, daß also zwischen beiden Be- griffen ein sehr großer Unterschied ist, dennoch scheinen sie aber darin, daß sie Substanzen sind, miteinander übereinzu- kommen. Ebenso da ich jetzt erkenne, daß ich existiere mich auch entsinne, früher eine Zeitlang existiert zu haben' und da ich die mannigfachsten Gedanken habe, deren Zahl 7 ui i^*^^- "^ ^^ irewinne ich die Ideen der Dauer und der Zahl, die ich sodann auf beliebige andere Dinge übertragen
ri«l ru^' ^"^^ "^"^^ ^^^' "^^'^"^ 5^^*^ ^»^ I^«en der körper- [*öj liehen Dinge zusammensetzen, nämlich | Ausdehnung, Ge^ stalt. Lage und Bewegung, ist zwar in mir, da ich nichts anderes als ein denkendes Ding bin. nicht in formaler Weise enthalten, da es aber nur gewisse Modi der Substanz sind und ich eine Substanz bin. so können sie. wie es scheint, in eminenter Weise in mir enthalten sein.
26. Es bleibt daher einzig die Idee Gottes, bei der zu erwägen ist, ob sie etwas ist, das nicht aus mir selbst hervor- gcnen Konnte.
Ai. ^' Yr '!' dem Namen Gottes verstehe ich eine Substanz. *e unendlich, unabhängig, von höchster Einsicht und Macht
Dritte Meditation: ÜÜer das Dasein Gottes.
37
selbst hervorgegangen wäre. Man muß dkher aus dem ^. vorgesagten schließen, daß Gott notwendig existkrt Denn wenngleich die Idee der Substanz in mir Z l j *""
von irgendemer Substanz henührte. die in ^^"««„5!
endlifhe^nthllrrltlThllTJe ^^' Z'^''^ '" ^'^-
Unendlichen dem des Endlichen d i d^r ^ " "^"^f^ß^^^" ^es «if^ihcf ;« ^^ • T,r . """^"^"» Q- 1. uer Gottes dem meiner selbst in gewisser Weise vorhergeht Wie ^nUt^ iVi ™^^^^
auch verstehen, daß ich ^weiflVdaß'^Jchl Jaf wIX
bin wennTarTeln "rr^''"'^'^ '»^^ ^'^^^ ^-^ volZmme;'
-■> Te" dlrch'Tes rCgleLtrrcr"^" ^^J^"^ '" haftigkeit erkenne? ^«'«leichung ich meine Mangel-
29 Auch darf man nicht sagen, diese Id«.*. r«ft». •
hei. verdäcMg' iär" '"«"'"«"=«> °'^'ie ^ Falsch-
Wesen St ' r ^' '^^denken könnte, daß ein soTchTs Wesen nicht existiert, so kann man <irh /i^^k • ^ ^"*^'
denken, daß seine Id^e mir n^htfRea es vor teJirtLTch das oben von der Idee | der Kälte gesagt habe Sie irauch [50J
I I
38
Dcscartcs, Mcdiuiioncn.
im höchsten Grade klar und deutlich; denn alles, was ich als real, wahr und eine gewisse Vollkommenheit einschlie- ßend in klarer und deutlicher Weise erfasse, das ist ganz in ihr enthalten.
31. Dem steht auch nicht im Wege, daß ich das Un- endliche nicht begreife oder daß es unzähliges andere in Gott gibt, was ich nicht begreifen und woran ich vielleicht nicht einmal irgendwie mit meinen Gedanken rühren kann • denn es liegt im Wesen des Unendlichen, daß es von mir als EndHchem nicht begriffen wird, und es genügt, daß ich eben dies einsehe und urteile, alles das. was ich klar und deuthch erfasse und von dem ich weiß, daß es eine gewisse Vollkommenheit einschließt, und auch vielleicht noch un- zahliges andere, was ich nicht weiß, sei in Gott in formaler oder eminenter Weise enthalten, damit die Idee, welche ich von Ihm habe, die wahrste, klarste und deutlichste aller in mir vorhandenen ist.
32. Doch vielleicht bin ich etwas mehr, als ich selbst einsehe und sind alle die Vollkommenheiten, die ich Gott zuschreibe der Möglichkeit nach irgendwie in mir enthalten wenngleich sie sich noch nicht entfalten und noch nicht zur Aktualität gelangt sind; mache ich doch schon an mir die
rf;ii 5^'^^*'""'^«^V ^^ß "^^^^ Erkenntnis nach und nach wächst.
|öl| Und ich sehe nicht, was dem im Wege stände, daß sie 1 so mehr und mehr wüchse bis üis Unendliche und warum ich nicht vermöge der so gewachsenen Erkenntnis alle übrigen ..Kr AK T"" ''"*''' ^^^^^ '^"^^ erreichen können.? Und
Va^lt^nrl^^ TT' "^'"^ '?*'"'' '^""'^^ ^*« Fähigkeit zu diesen yoUkommenheiten in mir ist, sie nicht auch hinreichen sollte, um iure Idee hervorzurufen ?
denn^J^'^r'^" ''^"" "'*''''" ^*'" ^"'^ ^«^ <Jer FaU sein.
Lräern^^h nichfattuell rs'thrd'och " 'nf "v ''^" die IHa« r^„ afiueu ist, so geht doch nichts hiervon
kelt tch enfhr' '" •^^'- "ä"»«'^'» "i<:hts bloß der Möglich- warh,Tn?J^ ''"."'• '^^"" ^^^^ <!'«« gradweise An- ZtäJ .tZ -herste Beweis der UnvoUkoounenheit. CriT^r w^'h *"? "^'"^ Erkenntnis stets weiter und
«euer wüchse, so sehe ich nichtsdestoweniger ein. iß s"e
Dritte Meditation: Über das Dasein Gottes.
39
darum doch niemals aktuell unendlich sein wird da sie ia memals soweit gelängen wird, daß sie nicht immer noch dni^ weiteren Zuwachses fähig wäre. Gott aber. urteiJe kh s3 in der Weise aktuell unendlich, daß zu seiner vSköSken heitsichnichtshinzutunläßt. Und endlich begreifeich SXdTs objektive Sein emer Idee nicht von etwas bloß PotendeS. _ das ja eigentlich gesprochen nichts ist - hervorgerufen wer den kann sondern nur von etwas Aktuellem oder Formalem |
34. Und, wahrlich, unter diesem allen ist nichts was mir fr.oi nicht vermöge der natürlichen Einsicht offenbar wärrteTn ^ ^ icl. nur sorgfältig darauf achte. Nur wenn ich weniger Icht gebe und die Bilder der sinnlichen Dinge die SchS e meTnes
woThairdiridef "• ^" 'r"^ '^^ ™'^ -•^'^^ leicht dTrS w«halb die Idee eines vollkommeneren Wesens, als ich bin
a";Se?m:i ^"'^'" '"^ ^^^^^^" vollkommeneren Wese'^
35. Und darum möchte ich weiter fragen, ob ich selbst der ich diese Idee habe, existieren könnte, wenn kein s^Ses M, esen existierte. Nun. woher sollte ich mein Dasein haben > Offenbar von mir selbst, oder von meinen Eltern oder irgend etwas anderem minder Vollkommenen, als Gott Enn man sich doch nichts Vollkommeneres, ja sogar nkhts gSvoU
mermseif '"" '''^'^" ""^'^ ^"^^•"-- H?tte Ich Ibt mem Dasem von mir, so würde ich nicht zweifeln keine
Wunsche haben, es würde mir überhaupt nichts mneen
St A,lh H ( ™K ^°'"^"<^" '«. "nd so wäre ich selbst
mart r f • "''' ""=**' S'^"»*^"' d^ mir Mangelnde mochte etwa schwieriger zu erwerben sein, als das was ich jetzt besitze; vielmehr muß es offenbar ;ie scJ^erer ^e Wesen sem, daß ich. d. h. ein Ding oder eine Subita^ ie' denkt, aus nichts auftauchte, als zu der Erkenntnis von^elen mir unbekannten Dmgen zu gelangen, | die nur Accidemkn fSSl jener Substanz sind. Und sicherlich würde ich doch wenn
St'häben i'^^rr ""' ^"^'^ '^^"^' -'' das nicht'r au?L iriLnH T '"'"J"' '" "'■'""'''"" '''' ebensowenig aber ^ort' ^ ?K f ^*' t"*^^'^' ^°" ^^•°' '^^ ich als in der Idee Gottes enthalten erkenne, da es mir ja nicht schwieriLr zu erwerben scheint. Wäre das der Fall.'so würde es mir sicher
40
Descartes, Meditationen.
lieh auch schwieriger scheinen, - wenn ich doch alles übrige was ich besitze, von mir selbst hätte, da ich die Erfahrung machen würde, daß hierin meine Macht ihre Schranken findet 36 Dem Zwange dieser Gründe entgehe ich auch nicht durch die Annahme, ich sei stets gewesen, wie ich jetzt bin als ob daraus folgte, daß überhaupt nach keinem Urheber meines Daseins zu fragen sei. Denn man kann die gesamte Lebenszeit m unzählig viele Teile teilen, deren jeder von den übrigen in keiner Weise abhängt. Dann folgt also dar- aus, daß ich kurz zuvor existiert habe, keineswegs, daß ich
S f ""i'^'*" r"^' .^,? f " *^^""' ^^'^ irgendeine Ursache mich für diesen Augenblick gewissermaßen von neuem schafft w ; "^ ^^^^- ß^t^achtet man nämlich aufmerksam die Natur der Dauer, so leuchtet ein, daß es durchaus derselben K? u ""'^J^'ß'^«" bedarf, um irgendein | Ding von Augen- bhck zu Augenblick zu erhalten, wie um es von neuem zu erschaffen, wenn es noch nicht existierte. Es gehört somit zu dem. was durch die natürliche Einsicht offenbar ist daß Erhaltung nur dem Gesichtspunkte des Denkens nach von Schöpfung verschieden ist.
• ^J-.^^^'- ™"ß ich jetzt mich selbst fragen, ob ich
^h, der ich jetzt bin, auch eine Weile später da sein werde Da ich namhch nichts anderes bin. als ein denkendes Ding oder da wenigstens für jetzt genau nur von dem Teile von mir, der ein denkendes Ding ist, die Rede ist, so müßte ich
St und eh.n H ' '''^" ''""" Erfahrung einer solchen vnn L ^ *•*""' ^'■''^""^ '«^h »"f« klarste, daß ich
afvSeTcht T "" ::"-''-denen Wesen 'abhänge \^iruw u ^^" '^* ^'"^^^ '^«sen nicht Gott, viel-
w che'n'aiderrirT "^'^^ ^"^"^ ^" -» '^^^-^- ai: Gott? In^esL e"^^^^^^ vollkommen sind
dir iirci, • j ' ^ gesagt, emleuchtend, daß in
muß S:t dTr w'^r' "'^r."^"^'^' ^^'"ä* ''"^handen sein
zugeben müssen daß loc ^^ ^^^''' ^° ^<^ "^n
[55] Daseins anneW In;' ^^^•»^'»„^"ch als Ursache meines
j i^aseins annehme, | diese ebenfalls ein denkendes Ding sein
Dritte Meditation: Über das Dasein Gottes.
41
eine andere Ursache ? Wenn Hnr^w; k lu ^^^ ^"^^^
keinen Fortschritt ins Unendliche geben kann zum»l H sich nicht nur um die Ursache hoLlu j- ■,' "^ *^ ^
ins Dasein ger"fe7hat .nnH. ? ' *^'!'"'^'' ""'P'"""»"^'» ^'*i Kcruien nat, sondern besonders anrh nr« ^;^
welche mich gegenwärtig erhält. ^ '^'^'
39. Auch kann man sich nicht denken ..c kö.*
einander in einem f>\ny\cr^r> • • 7 ^^ ^^^^ ^^^^
deren Vollkommenheiten ersten ^tten" "''"u ^''^ ^"• bewirken können, daß ?ch jene alt^"Li?"!f "'" '^f "'"''''
?o.^wr:;hiirßLVi^^^^^^^^^ -- --
hin aUes wahr sein was ich i^rn!ic ^^u ' ^° ""^ ™™^-
irgendwie hervorgebracht sond^^rn J^i^u .^ ^'^
seuracnr, sondern sie haben nur gewisse An
hl
41
Descartcs, Meditationen-
lagen in die Materie gelegt, der, wie ich angenommen habe, mein Ich, d. h. mein Geist — denn dieser allein gilt mir jetit als ich selbst — innewohnt. Also kann wegen ihrer liier keine Schwierigkeit entstehen, sondern man muß auf alle Weise zu dem Schlüsse kommen, daß dadurch allein, daß ich existiere und daß eine Idee eines vollkommensten Wesens, d.i. Gottes, in mir ist, einleuchtend ist, daß Gott auch existiert. [Bl] 41. Es bleibt aber noch | zu untersuchen, in welcher
Weise ich jene Idee von Gott erhalten habe. Denn ich habe ßie weder aus den Sinnen geschöpft, noch auch ist sie mir jemals wider mein Erwarten gekommen, wie es die Ideen der sinnlichen Dinge zu tun pflegen, wenn sie sich den äußeren Sinnesorganen darbieten oder darzubieten scheinen. Eben- •owenig aber habe ich sie mir ausgedacht; denn ich kann durchaus nichts von ihr wegnehmen, auch nichts ihr hinzu- fügen. Es bleibt demnach nur übrig, daß sie mir eingeboren ist, ebenso wie mir auch die Idee meiner selbst eingeboren ist. 42. Und es ist auch nicht zu verwundern, daß Gott bei meiner Erschaffung mir diese Idee eingepflanzt hat, gleich- sam als das Zeichen, das der Künstler seinem Werke auf- geprägt hat. Übrigens braucht jenes Zeichen gar nicht etwas von dem Werke selbst Verschiedenes zu sein, sondern einzig und allein daher, daß Gott mich geschaffen hat, ist es recht glaubhaft, daß ich in gewisser Weise nach seinem Bilde und semer Ähnlichkeit geschaffen bin, und daß diese Ähn- lichkeit, — in welcher die Idee Gottes enthalten ist, — von mir durch dieselbe Fähigkeit erfaßt wird, durch die ich mich selbst erfasse. Das heißt : wenn ich den Blick meines Geistes auf mich selbst richte, so sehe ich nicht nur ein, daß ich ein unvollständiges, von einem anderen abhängiges Ding bin, r.Q, ^" ^'"^' ^*^ ^^^^ Größerem und Größerem oder nach Bes' l^^ lerem ohne Grenzen strebt, | sondern zugleich auch, daß der, von dem ich abhänge, dieses Größere nicht nur in einer stets ohne Ende fortschreitenden Weise und der Möglichkeit nach, sondern wirklich unendlich in sich enthält — und also Gott ist. Die ganze zwingende Kraft des Beweisgrundes liegt dann, daß ich anerkenne, daß ich selbst mit dieser meiner Natur, — insofern ich nämlich die Idee Gottes in mir habe
Dritte Meditation: über das Dasein Gottes. 43
rc,™™S,t» G»,f ;-■ -»""■.. Co.. auch w,*
kann, denn es ist mir doch durch die nanirli^K« #• • T offenbar, daß aller Tmo- ,ii^ t- l "^'""'che Einsicht Mangel bed' ngV ist^ ^' ^^"^^=»»""8^ d"ch irgendeinen
gleicf aulT/prSfun^ h''' T^^ä^'^-"" untersuche und zu-
Denn wie der Gl^l'e'TZ^/ tT^Zy^^' '^I^T'^ ^''^ £tSeTM'^''^"\^'"^'^ ""^ allelf in'lseml^ha^fd:;
r^:!ziTZ ^r ?u^ rergfgtLttir ^'''^ "^^1
Können, zu der wir in diesem Leben fähig sind. :
Vierte Meditation.
Ober Wahrheit und Irrtum.
1. Ich habe mich in diesen Tagen darangewöhnt, meinen Geist von den Sinnen abzulenken und so sorgsam beachtet, wie wir äußerst wenig von den körperiichen Dingen wahrhaft erfassen, weit mehr vom menschlichen Geiste und noch viel mehr von Gott erkennen, — daß es mir jetzt nicht mehr die geringsten Schwierigkeiten machen wird, meine Gedanken von den Gegenständen der Einbildung zu den von aller Ma- terie abgesonderten Gegenständen des reinen Denkens hin- zulenken.
2. Und ich habe doch eine weit deutlichere Idee vom menschlichen Geiste, insofern er ein denkendes Ding ist, — das weder nach Länge, Breite und Tiefe ausgedehnt ist, |
[60J noch sonst etwas vom Körper hat — als die Idee von irgend-' einer körperlichen Sache. Achte ich nun darauf, daß ich zweifle, d.h. daß ich ein unvollkommenes und abhängiges Ding bin, dann bietet sich mir eine so klare und deuthche Idee eines unabhängigen und vollkommenen Wesens — d, i. Gottes — dar, und daraus allein, daß eine solche Idee in mir ist, oder daß ich, der ich eine solche Idee habe, existiere komme ich zu dem einleuchtenden Schluß, daß Gott eben auch existiert, und daß meine ganze Existenz in jedem Augen- bhck von ihm abhängt, so daß ich zuversichtlich glaube, es könne nichts einleuchtender, nichts gewisser vom mensch- lichen Geiste erkannt Werden. Und schon meine ich, einen Weg zu sehen, auf dem man von dieser Betrachtung des wahren Gottes —. in dem nämlich alle Schätze des Wissens und der Weisheit verborgen sind, -~ zur Erkenntnis aller übrigen Dinge gelangt.
3. Denn erstens erkenne ich, daß er mich unmöglich je- mals tauschen kann, denn in aller Täuschung und aUem Be-
Vierte Meditation: über Wahrheit und Irrtum.
45
trug liegt etwas von UnvoUkommenheif ti^a •• u auch scheinen, als ob .täuschenTöSne^^ el ZeTT^'' ""
Schlehe „„<. «,. z:st'; artLet**" ' -<'" '«"
4v Sodann mache ich die Erfahn.nor ^Un- gewisse Fähigkeit zu urteilen ist Seirh!/.Kr 1° '^' *^°* alles übrige was in mir ;lv ^ ^ sicherlich, wie auch
gcht^^-rtiiäTti^rhS: s ^ ^-
Denn wenn ich all^c «,00 ; • • niemals irren könne.
:ir^r^^^^^^^^. sosehr « tt SttTnärd^'^r.Tn.rurhr?"^^ '^' ^^^"-^'
ich keinen Grund zu ImumTderÄSchS^^^^^^^ fThtnt^ß^S^r^L^^^^^^^
bin. und forsche irä:hderefurt<i:"""r ""^«^^^'« daß sich mir nicht nuT«Je reTe uZ V° ^.T'''^^ '*=*»'
d. i. des vollkommensten W«et darbS'' "^ ^""' wenn ich so saeen darf ^i.,» aarbietet, sondern auch,
oder dessen was von lnJ7T "'«"""" "^^ ^'' Nichts entfernt isrünT^rch rie khsl 7™'"^?" .^"^ -«testen Gott und das NWits H T 1 T f ^^ ^'"'^'■" ^«^«^hen
das Nicht-Sdnlt:;e3t bir^S^^siS ichtn%'^^"H"lf ^''^
TZs:^is^^^^ -. i^^gs-^ht-ir^t dTa- sd HH^~- " ^
nur ein Mangel ist unH hJr • k , ^''^^nsrendes. sondern
einer von Gott zu die^^m 7 u^ ^ .'."" ^" '"*=»' ^^^^
darf, sondern daß derimuJ!^ ''«'^«henen Fähigkeit be-
ern aaü der Irrtum mir nur deshalb begegnet, weil
46
Dcscartcs, Meditationen.
die von Gott mir gegebene Fähigkeit, das Wahre zu beur- teilen, in mir nicht unendlich ist.
6. Indessen befriedigt mich dies doch noch nicht ganz; denn Irrtum ist nicht eine reine Verneinung, sondern ein Fehlen oder Mangel einer gewissen Erkenntnis, die eigent- lich in mir sein müßte. Und betrachtet man aufmerksam die Natur Gottes, so scheint es unmöglich, daß er irgend- eine Fähigkeit in mich gelegt habe, die nicht in ihrer Art vollkommen sei, oder der irgendeine Vollkommenheit man- |63] gele, die ihr eigentlich zukäme. Denn wenn, je | tüchtiger der Künstler ist, um so vollkommenere Werke von ihm hervorgebracht werden, was kann dann von dem höch- sten Urheber aller Dinge geschaffen sein, das nicht in jeder Hinsicht vollendet wäre.? Und unzweifelhaft konnte Gott mich so schaffen, daß ich mich niemals täuschte; auch will er ohne Zweifel stets das beste. Ist es also etwa besser, daß ich mich täusche, als daß ich mich nicht täusche ?
7. Erwäge ich dies aufmerksamer, so fällt mir zuerst ein; daß ich mich nicht wundern darf, wenn Gott manches tut, dessen Gründe ich nicht einsehe, und daß ich nicht darum an seinem Dasein zweifeln darf, weil ich etwa erfahre, daß es noch manches andere gibt, wovon ich nicht begreife,' warum und wie er es gemacht hat. Da ich nämlich schon weiß, daß meine Natur recht schwach und beschränkt ist, Gottes Natur hingegen unermeßlich, unergründlich, unendlich, so weiß ich hierdurch auch zur Genüge, daß er Unzähliges vermag, dessen Gründe mir unbekannt sind. Und schon aus diesem emzigen Grunde halte ich dafür, daß die ganze Art der Be- gründung, die man aus der Zweckmäßigkeit herzuleiten pflegt, in der Natur-Erklärung unanwendbar ist. Denn nach meiner Meinung gehört eine gewisse Leichtfertigkeit dazu, | [oij die Zwecke Gottes ausfindig machen zu wollen.
8. Auch fällt mir ein, daß man, so oft man prüft, ob die Werke Gottes vollkommen sind, nicht ein einzelnes Ge- schöpf für sich, sondern das ganze Weltall in Betracht ziehen muß. Dasselbe nämlich, was, wenn es allein stände, viel- leicht nicht mit Unrecht als äußerst unvollkommen gelten mochte, das ist höchst vollkommen, insofern es in der Welt nur den Wert eines Teiles hat. Und obgleich ich seit meinem
Vierte Bffeditation: über Wahrheit und Irrtum.
47
hat, oder es weSens thiff ^ ^'" """^^'^ geschaffen
Meel\b^rJT^- t"i ^"^'^^"^ *»"» «rf^s^e ich nur die Denn wenn auch vielleicht unzählier^ ninti • .^ imum.
weisen Tnff kö*^ • ■'**. ^^'^^'^ Orund anfuhren, um zu be- .
nur nicht etwa«? nnrh x/^ni grou, oaü ich
denken ^ZT DenVÄ"""" Td "'^\<=r''~
vCl
Dcscartes, Meditationen.
t
unendlichen, und eben daraus, daß ich ihre Idee zu bilden vcrmagr. wird es mir klar, daß sie zu der Natur Gottes gehört. Ebenso, wenn ich die Fähigkeiten der Erinnerung, der Ein- bildung oder irgendwelche anderen untersuche, so finde ich überhaupt keine, von der ich nicht einsehe, daß sie in mir schwach und eingeschränkt, in Gott dagegen unermeßlich ist.. Es bleibt einzig der Wille oder die Wahlfreiheit, die ich an mir so groß erfahre, daß ich keine Idee einer größeren lu fassen vermag, so daß sie es vorzüglich ist, durch die ich erkenne, daß ich gleichsam ein Abbild und ein Gleichnis Gottes bin. Obwohl sie nämlich in Gott ohne Vergleich größer ist als in mir, sowohl in Hinsicht der Erkenntnis und der Macht, die mit ihr verbunden sind, und die sie selbst fester und wirksamer machen, als auch in Hinsicht des Ob- jektes, da sie sich ja bei ihm auf mehr erstreckt, so scheint Sie doch in formaler Weise und genau ihrem Begriff nach betrachtet nicht größer, da sie ja nur darin besteht, daß wir dasselbe entweder tun oder nicht tun können — d. h. es be- jahen oder verneinen, befolgen oder meiden— oder sie besteht [67] vielmehr nur darin, daß wir | zum Bejahen oder Verneinen, zum Befolgen oder Meiden dessen, was uns der Verstand zur Entscheidung vorlegt, uns so getrieben fühlen, daß wir üine- werden. wir werden von keiner äußeren Gewalt dazu bestimmt. 13. Es ist aber für mich, um frei zu sein, auch nicht nötig, daß ich nach der einen wie nach der anderen Seite getrieben werden kann. Ganz im Gegenteil, je mehr ich nach der emen Seite neige, sei es nun, daß ich auf dieser Seite den Grund des Wahren und Guten nüt Klarheit erkenne, sei es. weil Gott meine inneriichsten Gedanken darauf gestimmt hat, um so freier ist meine Wahl. Und in der TatI weder die göttliche Gnade noch die natüriiche Erkenntnis bedrohen jemals die Freiheit, sondern mehren und stärken sie eherl Jene Unentschiedenheit (indifferentia) aber, die ich erfahre, wenn mich kein Grund nach der einen Seite mehr als nach der anderen treibt, ist der niedrigste Grad der Freiheit, und sie beweist keine Vollkommenheit in ihr, sondern nur einen Mangel oder eine gewisse Negation in der Erkenntnis. Sähe kh nämlich stets klar, was das Wahre und Gute ist. so würde ich mich niemals darüber besinnen, wie zu urteilen oder zu
Vierte Meditation: über Wahrheit und Irrtum.
49
I
als der Vcnt.nd ?ch Jt '^T''.''" *'"« "■"'=' "•'»'
scMi.,,., »S'ii* r.„;'d ; r,ST °?t t
einsehe Und du ^r ci^i, u- erstrecke, was ich nicht
lenkt er leVcht tn dem ÄtrunTr T'"t^ ^^'^^'' ^« und sündige ich. fahren und Guten ab, und so irre
16. Als ich z. B. während der verp-ancr^n»n t suchte, ob irgend etwas in der Welt exIstS " n^ H V"r
n^ich nfchTSalierrnetruLt^lT^^^^^ ^^
so klar einsähe, wahr sei Nicht /u «k ' l ' "^^^ '''^
es, daß ich zweifl*^ «h .; V,"^^^"'^^^'; ""d so kommt oder die vielmehr ch seiht K^"^'"''" ^^'"^' *^ '° "^^ i«*-
verschieden Ä; T^' J^^S:^'^''^ ^^ voraus, daß sich hi^h^r r>. "^sseioe sind. Setze ich nun
"o, udjj bicn Distier meinem Verstände L-Ain r^,,^^ j geboten hat. mich von dem einen eher ^k vnn h t '^^''
Descartea, Meditationen.
4
50
Descartes, Meditationen.
17. Ja, diese Unentschiedenheit erstreckt sich nicht nur auf das, wovon der Verstand gar nichts erkennt, sondern ganz allgemein auf alles, was er — zu eben der Zeit, wo der Wille es erwägt — nicht genügend durchsichtig erkennt. So sehr mich nämlich auch wahrscheinliche Vermutungen nach der einen Seite hinziehen, so genügt doch einzig und allein die Erkenntnis, daß cb nur Vermutungen sind, nicht aber gewisse und unzweifelhafte Gründe, um meiner Zustim- mung die entgegengesetzte Richtung zu geben. Das habe ich [70J zur Genüge in | diesen Tagen erfahren, wo ich alles, was ich früher am meisten für wahr gehalten hatte, einzig und allein deswegen als gänzlich falsch angenommen habe, weil ich gewahr geworden war, daß sich irgendwie daran zweifeln läßt.
18. Da ich nun nicht klar und deutlich genug erfasse, was wahr ist, so ist klar, daß ich recht daran tue und keiner Tauschung unteriiege, wenn ich mich des Urteils enthalte. Wenn ich aber irgend etwas behaupte oder leugne, so mache ich von meiner Freiheit nicht den richtigen Gebrauch. Wende ich mich nach der falschen Seite, so irre ich selbstverständ- lich, ergreife ich aber die andere, so treffe ich zwar zufällig auf die Wahrheit, bin aber darum nicht von Schuld frei, da mich ja die natürliche Einsicht lehrt, daß das Verstandes- erfassen stets der Willensbestimmung vorhergehen muß. Und m diesem unrichtigen Gebrauche meiner Wahlfreiheit liegt der Mangel, welcher den Begriff (formam) des Irrtums aus- macht. Der Mangel, will ich sagen, liegt in der Tätigkeit selbst, sofern sie von mir ausgeht, nicht aber in der Fähig- keit, die ich von Gott erhalten habe und ebensowenig in der Tätigkeit, soweit sie von ihm abhängt.
f7n A a ^^' ^^^" ^^^ ^^^^ ^^^ keinen Grund, mich zu beklagen, [71] daß Gott mir keine umfassendere | Erkenntnis oder keine natürliche größere Einsicht gegeben hat, als er getan hat wed es die Art des endlichen Verstandes ist, vieles nicht ein- zusehen, und die Art des geschaffenen Verstandes, endlich zu sein. Vielmehr sollte ich ihm, der mir niemals auch nur das geringste etwas schuldig war, für das danken, was er mir ver liehen hat, aber nicht glauben, er habe mir das geraubt oder vorenthalten, was er mir nicht gegeben hat.
Vierte Meditation: Über Wahrheit und Irrtum.
51
l-l.c -^ ^^ '^^ ^^'^^^ ^'^'^^^ "^i^^ deshalb zu be-
klagen weil er mir einen Willen gegeben hat, der sich weiter erstreckt als mein Verstand; da nämlich d;r W^e nur in einem Einzigen, sozusagen Unteilbaren besteht, so scheint seine Natur es nicht zu erlauben, daß von ihm igend etwas weggenommen werden könnte. Und, in der Tat je wluer
schuldig"'"''' "" ^' ^^'^"^" ^^"^ ^- -^ --e- Sbe"
beklfL^'iS'^rol'. '^f ^"^ ^ -^ ™'^ ""^^ ^^'^' ^-^über Deklagen, daß Gott mit mir dann zusammenwirkt jene Wil-
ensakte oder Urteile, in denen ich mich täusche Wo^u- rufen. Diese Akte sind nämlich, sofern sie von Gott ab- hangen durchaus wahr und gut, und es ist in mir sozu agen
X7enn T.h'^'^'T'f^'^^^' '^^ ^^^ ^^ hervorrufen kann a s wenn ich es nicht könnte. Der Mangel aber in dem
s hT bei ?r ^' ^m""' ^ ^^^^""^^ I -^ ^- Schuld b" [72J steht, bedarf keiner Mitwirkung Gottes, da er nichts Reelles
ist und auch nicht, auf Gott als Ursache bezogen als da
Uenn es ist m der Tat keine Unvollkommenheit in Gott
Ser'nic"hr, ''"'"' ^^^^^^" ^^^' ^^^^^^ beizustimmen
Ssen er nSr^'™"''"^ ^T'"" ^^^^^^ ^"^ ^^"^^i^hes Er- lassen ei nicht in meinen Geist hineingelegt hat sondern
ohne Zweifel ist es eine Unvollkommenheit Tn mir daß S jene Freiheit nicht richtig gebrauche und über das was ich nicht richtig einsehe, ein Urteil fälle
r\rJ^' ?.^""^^^^^,h^ i^h, daß Gott es leicht hätte so ein- richten können, daß ich mich, wenn ich auch frei und Z
dazt^'^l'^K''"'^^^^ '^^^'^' ^^^^ -^--^^ -"- E brauchte deutllT r . "'' '^'"'^^^ ^^^^^^"^ Verstände das klare und
kunft jemals erwägen wurde oder es meinem Gedächtnis so- ort einzuprägen, niemals über irgend etwas zu urteife^ was ich mcht klar und deutlich einsähe, daß ich es niemab Ter gessen könnte. Und so sehe ich ohn/ q^K • ? daß ich ;,k ^ir. r ^"J^'^^/^^ ohne Schwierigkeit ein,
v^re ab ich TJ^nu""""" ^^''^J'^'^'^ vollkommener gewesen 23 Dorh J ^^."' ^^'^^ Go^t mich so geschaffen hätte. J6. Doch kann ich darum nicht | leugnen, daß Gewisser \T^\ maßen eme größere Vollkommenheit im^ gesamten^XT ^ ^ ^
52
Descartes, Meditationen.
k
sum vorhanden wäre, wenn einige seiner Teile von Irrtümern frei sind, andere nicht, als wenn alle einander vollkommen ähnlich wären ; auch habe ich kein Recht, mich zu beklagen, daß Gott es so gewollt hat, daß ich in der Welt nicht die vorzüglichste und vollkommenste aller Personen vorstelle.
24. Und übrigens, wenn ich mich auch nicht auf jene erste Weise vor Irrtum bewahren kann, die von dem klaren Erfassen alles dessen abhängt, was in Erwägung zu ziehen ist, so kann ich es doch auf jene andere Weise, die nur davon abhängt, sich gegenwärtig zu halten, daß man, so oft nicht klar ist, wie es mit einer Sache steht, sich des Urteils ent- halten soll. Denn zwar bin ich mir meiner Schwäche be- wußt, daß ich nicht imstande bin, stets bei einer und der- selben Erkenntnis fest zu beharren, ich kann aber doch durch aufmerksames und häufig wiederholtes Nachdenken bewir- ken, daß ich mich ihrer, so oft es nötig ist, erinnere und so eine gewisse Gewohnheit, nicht zu irren, mir erwerbe. Da nun hierin die größte und vorzüglichste Vollkommenheit des Menschen besteht, so glaube ich durch die heutige Medita- [74 1 tatioii nicht wenig gewonnen zu haben, | indem ich die Ur- sache des Irrtums und der Falschheit erforscht habe. Und in der Tat! diese kann keine andere, als die von mir an- gegebene sein; denn wenn ich nur den Willen beim Urteilen so in Schranken halte, daß er sich auf das allein erstreckt was ihm der Verstand klar und deutlich vorstellt, so kann' ich offenbar nicht irren. Denn ein jedes klare und deut- hche Erfassen ist doch zweifellos irgend Etwas und kann demnach nicht aus nichts stammen, sondern es hat notwendig Gott zum Urheber, jenen höchst vollkommenen Gott, sage ich, mit dem Betrug nicht vereinbar ist, und so ist es ohnr Zweifel wahr.
2ö. Im übrigen habe ich heute nicht nur gelernt, wovor ich mich hüten muß, damit ich niemals irre, sondern zugleich auch, was ich zu tun habe, um zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen. Denn ich werde sie in der Tat erreichen, wenn ich nur auf alles genügend aufmerke, was ich vollkommen einsehe und es von dem übrigen scheide, was ich in verwor- renerer und dunklerer Weise erfasse. Hierauf aber werde ich in Zukunft sorgfältig achten.
4
4
i
•j
I
Fünfte Meditation.
175J
Über das Wesen der materiellen Dinge und nochmals über das Dasein Gottes.
vieles' übS'di.^N''/ ""'' °°'^ ^^^' ^°"^^ Eigenschaften, vieles über die Natur meiner selbst oder meines Geiste«! 71.
MlrSd^r^'t i""'' ^%'' '^^ ''' vielleicht einTndr: Mal wieder aufnehmen. Für etzt scheint mir nichts drin- gender notig zu sein. - nachdem ich bemerkt habe wo^r ch mich zu hüten habe und was ich tun muß. um zur' Walr-
auf die ich in den vergangenen Tagen verfallen bin, heraus
trettTr'mr^ n"'^-°' "^'^ ''^^"^^'^ Gewißhdt in B - treff der materiellen Dinge gewinnen läßt
solche D^raußr^ '"^' ^''°'" '^^ P"""'^' «»^ irgendwelche tri^K. c ^" ""■ «'''^»eren, die Ideen derselben be-
trachten, sofern sie in meinem Bewußtsein sind, und usehen welche von ihnen deutlich, welche dagegen verworren S
di. r r" "^f "k"'^. ''""' ^'^^ -"'^ '" der Einbildung dar nennen /•hT?".'*''/^"°^°p''^" gewöhnlich die sfet^e nennen, d h. | die Ausdehnung dieser Größe oder vielmehr fTf.l
fn'ihr ""m '" r^'" ^'''''' "'''' Länge. Breite und xtfe ^ ^ In Ihr zahle ich verschiedenartige Teile, und diesen TeHen
z" utd f "^'^ p" ''''^'' ""''''''' L^^^ -«1 Ortsbewigung zu. und diesen Bewegungen irgendwelche Dauer
4 Diese Bestimmungen sind mir nun, nicht nur im all
gemeinen betrachtet, durchaus bekannt undduJchskhtig son-'
'Sgä im r • T" "'• ""^ ^"^'"^^''^' außerdem auch Un zahhges, im besonderen in Betreff der Gestalten der Zahl
der Bewegung und dergleichen, dessen Wahrheit so of^en!
Descartes, Meditalionen.
;i
[
kundig ist und so sehr meiner Natur entspricht, daß es mir. während ich es zuerst entdecke, so vorkommt, als ob ich nicht sowohl irgend etwas Neues lernte, als vielmehr, dessen. was ich vorher schon wußte, mich erinnerte: oder zum ersten- mal auf das achtete, was längst in mir war. aber ohne daß ich schon früher den Blick meines Geistes darauf gerichtet iiatte.
5. Hierbei verdient meiner Meinung nach die höchste Beachtung, daß ich bei mir unzählige Ideen finde von ge- wissen Dingen, von denen man, wenngleich sie vielleicht nirgendwo außer mir existieren, dennoch nicht sagen kann, sie seien Nichts. Und wenngleich ich sie in gewisser Weisr willkürlich denke, so erdichte ich sie dennoch nicht, vielmehr haben sie ihre wahrhaften und unveränderlichen Naturen. Wenn ich mir z. B. ein Dreieck vorstelle, so mag vielleicht l " J eine solche Figur nirgend in der Welt außer meinem Bewußt- sein existieren, noch je existiert haben, dennoch hat sie für wahr eine bestimmte Natur oder Wesenheit oder Form. dif> unveränderlich und ewig ist, die weder von mir ausgedacht ist. noch von meinem Geiste abhängt, wie daraus hervor geht, daß sich von diesem Dreieck mancherlei Eigenschaften beweisen lassen, wie daß seine drei Winkel gleich zwei rechten sind, daß bei ihm dem größten Winkel die größte Seite gegen über hegt und dergleichen, was ich jetzt klar erkenne ich mag wollen oder nicht, wenngleich ich vorher keineswegs an diese Eigenschaften gedacht habe, als ich mir das Dreieck vorstellte, und ich sie also auch nicht erdacht haben kann 6. Übngens ist es für die Sache ohne Belang, wenn ich behaupte, mir sei etwa von den äußeren Dingen durch \er mittlung der Sinnesorgane jene Idee des Dreiecks gekommen, da ich ja bisweilen Körper von dreieckiger Form gesehen habe. Kann ich doch unzählige andere Figuren mir aus- denken, betreffs deren kein Verdacht walten kann sie seien jemals durch Vermittlung der Sinne in mich hineingekommen und trotzdem kann ich von ihnen genau wie vom Dreieck mancherlei Eigenschaften beweisen, die alle sicherlich wahr . > sind, da sie ja von mir klar erkannt werden und die darum rgend etwas sind, nicht ein reines Nichts. Offenbar ist alles. tN-as wahr ist. auch etwas! Und ich habe bereits ausführlich
Fünfte Meditation : Über das Wesen der materiellen Dinge usw. 55
bewiesen, daß alles das wahr ist, was ich klar erkenne, und hatte ich dies auch nicht bewiesen, so ist es doch sicheriich die Natur meines Geistes, daß ich nicht umhin könnte ihm zuzustimmen, so lange wenigstens, als ich es klar erfasse Auch entsinne ich mich, daß ich stets, auch vor dieser Zeit' als ich noch im höchsten Grade an den sinnlichen Objekten hangen blieb, solche einleuchtend erkannten Wahrheiten von den Figuren und Zahlen oder andere zur Arithmetik oder Geometrie oder überhaupt zur reinen und abstrakten Mathe- matik gehörende, für die allergewissesten gehalten habe i. \\ enn jetzt aber eüizig und allein daraus, daß ich die Idee Tgendemer Sache meinem Bewußtsein entnehmen kann folgt, daß aUes, was ich klar und deutlich als zur Sache ge- hörend erfasse, tatsächlich ihr zugehört. - soUte sich daraus nicht auch em Beweisgrund für das Dasein Gottes entnehmen lassen .- Zweifellos finde ich seine Idee. d. h. die des höchst vollkommenen Wesens, ebenso bei mir vor. wie | die Idee 179] einer beliebigen Figur oder Zahl. Auch sehe ich genau so kbr lind deutlich ein. daß es zu seiner Natur gehört, immer aktuell zu existieren, wie ich einsehe, daß, was ich von irgend- emer Figur oder Zahl beweise, auch zu der Natur dieser Figur oder Zahl gehört. Selbst wenn demnach nicht alles worüber ich in diesen Tagen nachgedacht habe, wahr wäre' so mußte doch das Dasein Gottes bei mir zum mindesten in demselben Grade der Gewißheit stehen, in welchem bisher die mathematischen Wahrheilen gestanden haben
8. Gleichwohl leuchtet dies in der Tat auf den ersten Bück nicht ganzhch ein, sondern es erweckt einen gewissen sophistischen Anschein. Da ich nämlich gewohnt bin, in allen anderen Dingen das Dasein (existentia) von der Wesen- heit (essentia) zu unterscheiden, so rede ich mir leicht ein daß jenes auch von der Wesenheit Gottes getrennt werden kenne und so Gott sich als nicht aktuell existierend denken laßt. Achte ich indessen sorgfältiger darauf, so wird es offen- bar, daß sich das Dasein von der Wesenheit Gottes ebenso- wenig trennen läßt, wie von der Wesenheit des Dreiecks daß die Große seiner drei Winkel zwei rechte beträgt oder von der Idee des Berges die Idee des Tales. Es widersfreitet daher ebensosehr, sich einen Gott, d. h. ein | höchst vollkom- [80]
i
66
Descartes, Mediutionen.
menes Wesen zu denken, dem das Dasein mangele d h dem eine gewisse VoUkommenheit mangele, als einen Berg zu denken ohne Tal.
9. Aber gesetzt auch, daß ich Gott nicht anders als exi- stierend denken könnte, wie einen Berg nicht ohne Tal so folgt doch sicher daraus, daß ich den Berg mit dem Tale denke, nicht, daß es überhaupt einen Berg in der Welt eibt und so schemt auch daraus, daß ich Gott als daseiend denke] nicht zu folgen, daß Gott existiert, legt doch mein Denken den Dingen keine Notwendigkeit aufl Und ebenso wie ich Z'nZ ?t"i:^^J'^,^Pff d in der Einbildung vorstellen kann, So« d^L '" ''? P^^'' ^''' '° »^"""'^ '^•^ ^'-- «"-h
^^ .\^ ^h 5 u ^'^'l'^^St der Trugschluß; denn dar- aus, daß ich den Berg nicht ohne Tal denken kann, folgt allerdings nicht, daß der Berg und das Tal irgend^io exi- s leren, sondern nur, daß der Berg und das Tal. sie mögen
Ze^nf ""'h °*^l' ^"'^ "'''*' ^^•^"^^^"' voneinander nich
Sot?nur r . *'°"^". ^"^'«^" ^"^^^ daraus, daß ich
Go Zretnh ""'f ""^^ ^Z*^"" ''^""' '^'^ ^as Dasein von TR II ^P" "nt'^^nnba'- 'St. und demnach, daß er in Wahrheit exi-
Tes i7.e1!?* ^%«\™-" D^n^en | dies bewirkte, oder ^s ob es irgendemer Sache eine Notwendigkeit auferlegte son-
nSc™ dT n"'- ^^^ "^^ Notwendigkeit der Sachte sdbst, deSpn n °^'""\Gottes. mich dazu bestimmt, dies zj denken. Denn es steht mir nicht frei. Gott ohne Dasein -
heh ' "S"^'"''" ^""" "'^"^ die ganze VoUkommen-
otrrfitrvtz'uSrn."'^ ^^^'^"'^'- '"•- -^ ^^-^ -^ °<^-
daß ef Sr. V Sf' ^'" "T""' *'"" ''^'^ «'""^ ees«« habe, ?„. von i ^«"l'^'^^nheiten besitze. - da ja das Dasein eine von diesen ist. - aber die erste Setzung sei nicht not
v^Äe^zTrubr" T' '^"^^^'"^"^^•'-^ '^^ einen KrZ ^'^"''^"•.•° *"« vierseitigen Figuren könne man
ZT i K ^'"'^^'«'''«" ; gesetzt aber, ich sei dieser Me"
h^^in t'"^ ^^°'^! 'T*'^" '"""^' daß sich in einen Rhom- bus em Kreis einschreiben läßt, was doch offenkundig falsch •St. Wenngleich ich nämlich nicht notwendig jemals auf
i
Fünfte Meditation: Über das Wesen der materiellen Dinge usw. 57
irgendeinen Gedanken von Gott verfallen muß. so ist es den- noch, so oft es mir beliebt, an ein erstes und höchstes Wesen zu denken, und seine Idee gleichsam aus der Schatzkammer meines Geistes hervorzuholen, notwendig, ihm alle Voll- kommenheiten zuzuschreiben, wenn ich sie auch für jetzt nicht aUe | aufzähle oder auf die einzelnen achte. Und diese \80] Notwendigkeit reicht vollständig aus. um später, wenn ich bemerke, daß das Dasein eine Vollkommenheit ist, richtig zu schließen, daß ein erstes und höchstes Wesen existiert bo ist es ja auch nicht notwendig, mir jemals irgendein Drei- eck m der Einbildung vorzustellen, so oft ich aber willens bin eine geradlmige Figur mit nur drei Winkeln zu betrachten' muß ich dieser notwendig diejenigen Eigenschaften zuschrei- ben aus welchen man richtig folgert, daß seine drei Winkel nicht großer als zwei rechte sind, wenngleich ich eben dies tur jetzt nicht bemerke. Untersuche ich aber, welche Fi- guren sich in einen Kreis einschreiben lassen, so ist es keines- wegs notwendig, daß ich annehme, alle vierseitigen Figuren gehorten dazu. Ja, ich kann mir eben dies nicht einmal aus- denken, solange ich gewillt bin, nichts anderes als das klar und deutlich Eingesehene gelten zu lassen.
11. Es ist demnach ein großer Unterschied zwischen den falschen Setzungen dieser Art und den wahren mir ein- geborenen Ideen, deren erste und vorzüglichste die Idee Gottes ist. Denn ich sehe in der Tat auf vieleriei Art ein. daß diese mcht etwas Erdichtetes, von meinen Gedanken Abhängendes ist. sondern das Abbild einer wahrhaften und unveränderlichen Natur.
12 Erstens nämlich kann ich mir | keine andere Sache r831 ausdenken zu deren Wesenheit das Dasein gehörte, als Gott ^ ^ aUein. Sodann ist es mir nicht möglich, zwei oder mehrere Gotter dieser Art anzunehmen. Und setze ich einmal, daß jetzt einer existiert, so sehe ich die offenbare Notwendigkeit u ": ut u**" ^ ''•'" Ewigkeit her gewesen ist und in Ewig-
keit bleiben wird. Schließlich aber erfasse ich in Gott noch vides andere, von dem aUen ich nichts abziehen noch ver- andern kann.
.uJ^Ü A^^^ '^^^''^" ^" ^^^ Beweises ich mich schließlich auch bedienen mag, immer kommt es darauf hinaus, daß
58
Descartes, Meditationen.
}\
IH4)
mich allein das völlig zu überzeugen vAr,„,„ • u , .
und deutlich erfasse. Und wenrauch .i'r^' J^^ ^^^' ich so erfasse, für einentdr^Tdl^S Tgt^r'^
?eSu'n". "? ""' T '^"^" ^"''^^'^'''' '«^ esln „ärere Betrachtung ziehen und genau untersuchen Nachdem p<=
aber entdeckt ist, gilt dieses nicht für weniger geS als'nes Wenngleich es z. B. nicht so ohne weiteres einleuchtet daß .m rechtw,nkhgen Dreieck das Quadrat über derSiSe gk>ch der Summe der Quadrate der beiden Seiten "st i" daß diese Grundlinie dem größten Winkel des Dre ed^s gegenüberliegt, so glaubt man es doch ebenso, nachder^ man es einmal eingesehen hat.
.i.J*' ^"^ ^J'f. ^''" ' ''^""'"'- ^° würde ich sicherlich nichts eher und e chter erkennen uU iK„ »«i-neriicn
Geist durrh v^,.,« I erKennen, als ihn, wenn nicht mein köWrli/h X?^""^''^ verdunkelt würde und die Bilder der DeTn :" ^l""^' niein Bewußtsein gänzlich einnähmen Se^n : 7 f . ^„" ^'^^ Offenkundiger, als daß das höchste
Dasein ;„"■ ''"^»?°"' "'"^ ^"^'" « ^"^ommt, daß das Dasein zu seinem Wesen gehört, also existiert?! Und ob gleich ich einer aufmerksamen Betrachtung bedurft habe um eben dies zu erfassen, so bin ich doch jetzt dessen nkh^'nT ui gleicher Weise gewiß, wie alles anderen, was Jii" am T
dTßTe"G;:^ßh'.";' r'T ■^^'^ •'--ke -auß^dr "s :
durchaus?b^n.T H i"" "^"f " ^'"«^ ^"^'^^ ^^i^'-on so aurchaub abhangt, daß man ohne das niemals irgend etwas vollkommen wissen kann. 'rgena etwas
nicht^tm^h!n"l '^'' habe zwar eine derartige Natur, daß ich nicht umhin kann zu glauben, etwas sei wahr solin^e iri,
Srtl^etatf Jaß^'r'K^'^^ ^'^'^ '^'^ trot^'em Se'i Geist« stlr.?f^ "ik""^^' ""''^"'^^ '''"' ^''^ Blick meines
fa ^en uTd es keh'Srt ^h" v'^-^^"' "" " ^'^ ^ - «»eil, una es kehrt mir häufig die Erinnerung früherer Ilr
eie wieder. Achte ich nun nicht weiter auf die Sünie Tus
welchen ich eine Sache so beurteilt habe, so können andere
dfg machen k?nn ^ ' L'""''' "°" '""'"'^' ^'^'"""^ ^^wen- e/ne^Q K ^°'''''^''' ""^ «o würde ich niemals von irgend einer Sache eine wahre und sichere Wissenschaft haben son -lern nur unbestimmte und veränderlirhe Meinungen
r
Fünfte Meditation: über das Wesen der materiellen Dinge usw. 59 16. Wenn ich z. B. die Natur des Dreiecks betrachte so
Soteti" e'r Sit "'V tf '''' '"'^ '^^ PrinSpS d ? Geometrie vertraut bin, aufs klarste ein, daß seine drei Winkel
gleich zwei rechten sind. Und ich kann nicht umhin dies aU wahr anzunehmen, solange ich auf den Beweis dieses Satzes achte; sobald ich aber den Blick meines Geites ein- mal hiervon abgewandt habe, kann es leicht vorkommen -
schautt Tu '"'' T^"". ^"""^^^' - -^« klarsrd";ch- schaut zu haben, - daß ich an der Wahrheit des Satzes
zweifle, wenn ich nicht weiß, daß es einen Gott gibt Denn
ich kann mir einreden, ich sei von der Natur so geschaffen
daß ich mich bisweilen selbst in dem täusche, was th am
klarsten zu erfassen meine, zumal da ich mich en sinne häu?S
vieles als wahr und gewiß angesehen zu haben, von der^Tch
urtX, tslitir^ '^''- "'""^^ '-^'--^ -^^^ -
Gott^Iibf nnH ''*" ?*""[ '^'^^^'"•"^1 eingesehen, daß es einen
hän« LnH hV"^ u ^o''^' ^^^ ^"^^ "•'"^^ ^««^ ihm ab- hangt und daß er kein Betrüger ist, und habe ich daraus
geschlossen, daß alles, | was ich klar und deutlich erfasse not H6 1 wendig wahr ist, so läßt sich, - selbst wenn ich nkht wdter ' auf die Grunde achte, aus denen ich geurteilt habe. daßTenes ' «ahr s^, sondern mich nur entsinne, es klar und deuthch durchschaut zu haben - kein Gegengrund beibringen deJ mich zum Zweifel verleiten könnte, sondern ich besiTze hier
hiervon ^ ""^.^'«^J^^-^^ bissen. Und das nicht nur hiervon sondern auch von allem übrigen, das ich mich ent
^1 5'h 'T'l ^'^''''' ^" ^^^b^". ^° von der Geo- Z1^L7t '^^T^'^- ^""" ''^' ^" '"^^ niir jetzt en° tTusche ?h? "h ^^•r.S^^.-haffen, daß ich mich häufig tausche? Aber ich weiß bereits, daß ich mich in dem was
wird m'^' ""^"f t" ^^''^' "'^'»^ '^"-hen kann 'odS «ird man sagen, ich hätte sonst vieles als wahr und sicher angesehen, was ich später als falsch ertappt habe? Aber nichts hiervon hatte ich klar und deutlich erfaßt, vielmeh
w'egeVtd'eT g'" 'i;"'^""'"^ "'"^^ ^''^' der Wathei wegen anderer Grunde etwa angenommen, die ich sodann
als nicht so fest entdeckte. Was will man also sagen ? Sa - wie ich mir vor kurzem den Einwand machte - ich
Ilr
60
Descartes, Meditationen.
träumte vieUeicht, d. h. es sei alles das, was ich jetzt denke nicht wahrer als das, was sich dem Träumenden darbietet >' rt.>7i '°^^^^«°,— auch das ändert nichts; denn, wenn ich selbst lb7J träumte, | so ist dennoch sicher alles wahr, was meinem Ver- stände einleuchtend ist.
117 u^u ^'"'^ ^° ^^^^ ''^^ ^•^'■' ^^^ ''•« Gewißheit und die Wahrheit alles Wissens einzig von der Erkenntnis des wahren Gottes abhängt, so sehr, daß ich, bevor ich ihn nicht er- kannte mchts über irgendeine andere Sache vollkommen wissen konnte. Jetzt aber kann Unzähliges sowohl von Gott selbst und den anderen reinen Verstandesdingen, als auch von der gesamten körperlichen Natur, die den Gegenstand der remen Mathematik bildet, mir vollkommen bekannt und gewiß sein.
Sechste Meditation.
über das Dasein der materiellen Dinge und die reale Unterschiedenheit von Seele und Körper.
1. Es erübrigt noch, zu untersuchen, ob materielle Dinge existieren. Nun weiß ich zwar bereits zum mindesten, daß sie, sofern sie den Gegenstand der reinen Mathematik aus- machen, existieren können, da ich sie ja klar und deutlich erfasse. Gott ist nämlich zweifellos | imstande, alles das zu bewirken, was ich imstande bin, so zu erfassen. Und ich habe nur dann geurteilt, daß es für ihn unmöglich sei, irgend etwas zu schaffen, wenn es ein Widerspruch wäre, daß ich es deutlich erfasse. Außerdem scheint aus der Fähigkeit der Einbildung, die, wie ich an mir erfahre, ich stets an- wende, wenn ich mich mit jenen materiellen Dingen beschäf- tige, zu folgen, daß diese existieren. Betrachte ich nämlich aufmerksamer, was die Einbildungskraft eigentlich ist so leuchtet mir ein, daß sie nichts anderes ist, als eine gewisse Anwendung der Erkenntniskraft auf den Körper, der ihr unmittelbar gegenwärtig ist, und der demnach existiert.
2 Damit dies ganz klar werde, untersuche ich erstlich den Unterschied zwischen der Einbildungskraft und der reinen Verstandestätigkeit. Habe ich nämlich z. B. ein Drei- eck in der Embildung, so denke ich es nicht nur als eine durch drei Seiten eingeschlossene Figur, sondern ich schaue zugleich auch diese drei Linien mit dem Blicke meines Gei- stes als mir gegenwärtig an, und das nenne ich „etwas in der Embildung haben". Will ich aber über ein Tausendeck nachdenken, so erfaßt mein Verstand es zwar ebensogut als eme aus tausend Seiten bestehende Figur, wie er das Dreieck
88]
62
Descartes, Meditationen.
[Hit] als eine aus drei Seiten bestehende Figur erfaßt, | aber ich habe diese tausend Seiten nicht in derselben Weise in meiner Einbildung, d.h. ich schaue sie nicht als gegenwärtig an Und wenngleich ich, - infolge meiner Gewohnheit, mich stets der Embildungskraft zu bedienen, so oft ich die körperlichen Dinge erwäge, — mir etwa jetzt irgendeine Figur verworren vorstelle, so ist es offenbar, daß diese nicht das Tausendeck ist, da sie ja in nichts von der verschieden ist, die ich mir alsdann vorstellen würde, wenn ich an ein Zehntausendeck oder jede beliebige andere Figur von sehr vielen Seiten dächte, und da sie nicht das geringste dazu beiträgt, die Eigenschaften zu entdecken, durch welche sich das Tausend- eck von anderen Vielecken unterscheidet.
3. Handelt es sich aber um ein Fünfeck, so kann ich zwar seine Figur, wie die des Tausendecks, ohne die Hilfe der Embildungskraft denken, aber ich kann auch ebendie- selbe m der Embildung haben, indem ich nämlich den Blick memes Geistes auf seine fünf Seiten und zugleich auf die durch diese eingeschlossene Fläche richte. Und ich bemerke hierbei offenbar, daß es für mich einer ganz besonderen An- slrengung des Geistes bedarf, um etwas in der Einbildung zu haben, einer Anstrengung, die ich beim Denken nicht notig habe. Diese neue Anspannung des Geistes aber zeigt klar den Unterschied zwischen Einbildungskraft und reiner Verstandestätigkeit. |
4. Zudem bemerke ich, daß diese in mir vorhandene Kraft der Einbildung, insofern sie sich von der Kraft des reinen Denkens unterscheidet, zu der Wesenheit meiner selbst d. h. meines Geistes, nicht erforderlich ist. Denn wenn sie mir auch fehlte, so würde ich doch zweifellos ebenderselbe bleiben, der ich jetzt bin. Hieraus scheint zu folgen, daß sie von etwas abhängt, was von mir verschieden ist. Da sehe ich nun leicht ein : wenn irgendein Körper existiert, mit dem der Geist so verbunden ist, daß er nach Belieben sich darauf richten kann, um ihn gleichsam zu betrachten, so ist es möghch daß ich eben dadurch die körperhchen Dinge in der Einbildung habe. Und es unterscheidet sich diese Bewußtseinsart nur soweit von der reinen Verstandestätigkeit, als der Geist beim reinen Denken sich sozusagen auf sich selbst richtet und
Sechste Meditation: Über das Dasein der materiellen Dinge usw. ^3
irgendeine der Ideen, die in ihm sind, betrachtet. Wenn er aber etwas in der Einbildung hat, so richtet er sich auf den Körper und schaut in ihm irgend etwas an, das der entweder vori ihm selbst gedachten oder sinnlich erfaßten Idee ent- spricht. Leicht, sage ich, sehe ich ein, daß die Einbildung so zustande kommen kann, sofern nämlich ein Körper exi- stiert. Da sich überdem ja keine andere gleich angemessene Weise darbietet, sie zu erklären, so entnehme ich daraus mit Wahrscheinlichkeit, daß der Körper existiert, | aber eben [91] nur mit Wahrscheinlichkeit, und wenn ich gleich sorgfältig alles prüfe, so sehe ich trotzdem noch nicht, wie aus dieser deutlichen Idee der körperlichen Natur, die ich in meiner Einbildung vorfinde, sich irgendein Beweisgrund entnehmen ließe, aus dem das Dasein irgendeines Körpers mit Notwen- digkeit folgte.
5. Außer dieser körperlichen Natur, die den Gegenstand der reinen Mathematik ausmacht, pflege ich aber noch vieles andere in der Einbildung zu haben, z. B. Farben, Töne, Ge- schmäcke, Schmerz und dergleichen, wenngleich nichts in so deutlicher Weise. Da ich dies nun besser durch die Sinne erfasse, von denen es mit Hilfe des Gedächtnisses zur Ein- bildung gelangt zu sein scheint, so muß ich, um es bequemer behandeln zu können, in gleicher Weise auch von der Sinnes- empfindung handeln und zusehen, ob sich aus dem was durch die Bewußtseinsart, die ich „Empfindung- nenne, er- laßt wird, irgendein sicherer Beweis für das Dasein der kör- perlichen Dinge gewinnen läßt.
6. Und zwar will ich mir hier erstens ins Gedächtnis
rufen, was denn die Dinge sind, welche ich früher, als durch
die Sinne erfaßt, für wahr gehalten habe, und aus welchen
Gründen ich sie dafür gehalten habe; sodann will ich auch
die Grunde erwägen, aus denen ich dieselben Dinge später
hin in Zweifel gezogen habe, und endlich überlegen, | was [92] ich jetzt von ihnen zu halten habe.
IT l' ^^^^^^^ ^^^^ ich wahrgenommen, daß ich einen Kopf Hände, Fuße und die übrigen Glieder habe, aus denen jener Korper besteht, den ich als einen Teil meiner selbst oder vielleicht sogar als mein Ganzes ansah; außerdem nahm ich wahr, daß dieser Körper sich zwischen vielen anderen Kör-
64
Descartes, Meditationen.
I
pern befindet, durch die er auf mannigfache, sei es zuträg- liche oder unzuträgliche Weise beeinflußt werden kann, und zwar bemaß ich dies Zuträgliche nach dem Gefühle der Lust, das Unzuträgliche nach der Empfindung des Schmerzes. Ab- gesehen von dem Schmerze und der Lust aber empfand ich in mir auch Hunger, Durst und andere Begehrungen dieser Art und ebenso gewisse körperliche Neigungen zur Fröhlich- keit und Traurigkeit, zum Zorne und zu anderen Affekten, außer mir dagegen empfand ich, abgesehen von der Aus- dehnung, den Figuren und Bewegungen der Körper, in ihnen auch Härte, Wärme und die anderen Berührungsqualitäten, femer Licht, Farben, Gerüche, Geschmäcke und Töne, nach deren Verschiedenheit ich Himmel, Erde, Meere und die übrigen Körper voneinander unterschied.
8. Und, in der Tat, nicht ohne Grund glaubte ich wegen der Ideen aller jener Beschaffenheiten, die sich meinem Be-
[9:: I wußtsein darboten, und | die allein ich eigentlich und un- mittelbar empfand, gewisse von meinem Bewußtsein gänzlich verschiedene Dinge zu empfinden, nämlich Körper, von denen jene Ideen herrührten. Denn ich machte die Erfahrung, daß mir diese Ideen durchaus ohne meine Zustimmung kamen, so daß ich keinen Gegenstand empfinden konnte, wenn ich auch wollte, wenn er nicht meinem Sinnesorgane gegen- wärtig war. andrerseits ihn empfinden mußte, wenn er gegen- wärtig war.
9. Und da die sinnlich erfaßten Ideen viel lebendiger und ausdrucksvoller und auch in ihrer Art deutlicher waren, als irgendwelche von denen, die ich mir selbst mit Vorwissen und mit Bewußtsein in meinem Denken bildete, oder die ich als meinem Gedächtnis eingeprägt bemerkte, so schien es unmöglich zu sein, daß sie von mir selbst herrührten. Es blieb darum nur übrig, daß sie von gewissen anderen Dingen mir zukamen, und da ich von diesen Dingen keine Kenntnis anderswoher hatte, als aus eben diesen Ideen, so konnte mir iiichts anderes in den Sinn kommen, als daß diese jenen ähn- lich seien.
10. Da ich mich außerdem erinnerte, daß ich mich eher der Sinne als der Vernunft bedient habe, und da ich sah, daß die von mir selbst gebildeten Ideen nicht so ausdrucks-
Sechste Meditation : über das Dasein der materiellen Dinge usw. 65
voU sind, wie | die waren, welche ich sinnlich erfaßte, und 1941 daß sie sich meist aus deren Teilen zusammensetzten^« konnte ,ch mir leicht einreden, daß ich garTdne Id"; In meinem Verstände hätte, die ich nicht zuL in der Sinnes empfindung gehabt hätte. öinnes-
H.R l!' ^v*?*" ^^^^V''^ .^oJ»! einen Grund, wenn ich annahm
Rechf , h'''"'' ^"^ '"^ *"" ^•"«'" «e^i^sen besonderen Rechte als den meinen bezeichnete, mir mehr zugehörte S a^Ies andere. Ich konnte mich nämlich niemafs von ihm trennen, wie von den übrigen Körpern, ferner fühlte ich Tt Begehrungen und Affekte in ihm und für ihn schlTeßlich
19 w V" ^"^^'■^" ^"'^^■^ >h™ befindlichen wahr
12. Warum aber auf diese ich weiß selbst nicht wie be
kehlTs ^r ""'""^ ^ ^'^'''"^^^- -- gewisse T^urig: keitdei Seele, warum auf das Lustgefühl eine gewisse Freude folgt, oder warum jene nicht näher zu beschreibende Er regung des Magens, die ich Hunger nenne mth'Srtn er
S KehkTns T T '" "'^^•"'^"' ^''^"^<' "'^ Trockenhek der Kehle ans Trinken usw.. - dafür habe ich in der Tat
kernen anderen Grund, als daß die Natur es mich so gelel?
hat. Denn es ist durchaus keine Verwandtschaft (afffn tas)
soviel ich wenigstens einsehe, zwischen dieser Erregung und
dem Willen, Speise zu mir zu nehmen, | oder zwShen der 1961
SlSind"" ^'""""''l ^"'^^^"^- Sache und dem au ^ ^ dieser Empfindung entstehenden Bewußtsein der Traurig-
ob k?e u^tdlte 'h- ''T' J^^ '^^ •" ^^'-« <^- sTnTel oDjekte urteilte, schien die Natur mich gelehrt zu haben
fett'nolV" ^''1^'''' '^^°" ^^«^ '^"^^^^ schon übe" ^eugt noch bevor ich irgendwelche Gründe erwogen hatte durch die eben dies bewiesen würde '^''^ogen natte,
und iach rndn".^''"' ^v ''"' ^''^^ "°° Erfahrungen, nach
gebracht Denn h'" X'"'^"'".^"^ ^'" S'""^ •"« Wanken georacht. Denn bisweilen erschienen mir Türme die ich
von ferne für rund gehalten hatte, in der Nähe alT viereclig
s^LnVorf\^'f'''' ^"' '•'^^^ SP"- errichteten BUd: Sh L / ^'^^ ^"' ^"^'^e» als klein. Und in un-
r.tllL'rir^"^'^^' ""'^ "''='^* °" ^- «^- äußeren.
5
66
Descartes, Meditationen.
sondern auch das der inneren; denn was kann es Inner- licheres geben, als den Schmerz? Gleichwohl habe ich früher einmal von Menschen gehört, denen man ein Bein oder einen Arm abgeschnitten hatte, und die trotzdem bis- weilen in dem ihnen fehlenden Körperteile Schmerz zu emp- finden vermeinten, und daher schien es auch bei mir nicht durchaus sicher zu sein, daß irgendein Glied mir Schmerz [96] bereite, obgleich | ich in ihm den Schmerz empfand.
14. Zu diesen Zweifelsgründen nun habe ich vor kurzem zwei von höchster Allgemeinheit hinzugefügt. Der erste war, daß nichts von dem, was ich jemals während des Wachens zu empfinden geglaubt habe, derart ist, daß ich es nicht auch irgend einmal im Schlafe zu empfinden meinen könnte. Da ich nun nicht annehme, daß das, was ich im Schlafe zu emp- finden meine, von außer mir befindlichen Dingen kommt, so sah ich nicht recht ein, weshalb ich dies eher von dem an- nehmen sollte, was ich im Wachen zu empfinden meine. Der zweite Grund war folgender: Da ich den Urheber meines Daseins noch nicht kannte — oder doch zum mindesten vor- gab, ihn noch nicht zu kennen — so sah ich nicht, was dem im Wege stehe, daß meine Natur so eingerichtet sei, daß ich mich selbst in dem täuschte, was mir am allerwahrsten zu sein schien.
15. Was aber die Gründe anbetrifft, durch die ich mich vorher von der Wahrheit der Sinnendinge überzeugt hatte, so machte es keine Schwierigkeit, auf sie zu antworten. Da nämlich die Natur mich zu vielem zu treiben schien, was mir die Vernunft widerriet, so war ich der Meinung, man dürfe dem uns von der Natur Gelehrten überhaupt kein rechtes Vertrauen schenken. Und wenn auch die sinnlichen Wahr- nehmungen von meinem Willen nicht abhingen, so war ich doch nicht der Meinung, daß man darum schließen müßte,
[97] I sie rührten von Dingen her, die von mir verschieden sind, da ja vielleicht in mir selbst irgendeine Fähigkeit sein kann, — wenngleich sie mir noch nicht bekannt ist, — welche sie hervorruft.
16. Jetzt aber, wo ich beginne, mich selbst und den Ur- heber meines Daseins besser zu kennen, bin ich der Meinung, daß man zwar nicht alles, was ich von den Sinnen zu haben
)
Sechste Meditation: Über das Dasein der materiellen Dinge usw. 67
meine, ohne weiteres gelten lassen, aber auch nicht alles in Zweifel ziehen darf.
17. Und da ich ja erstlich weiß, daß alles, was ich klar und deutlich denke, in der Weise von Gott geschaffen werden kann, wie ich es denke, so genügt es für mich, ein Ding ohne ein anderes klar und deutlich denken zu können, um mir die Gewißheit zu geben, daß das eine vom andren verschieden ist, da wenigstens Gott es getrennt setzen kann. Auch kommt es nicht darauf an, durch welche Macht dies geschieht, damit man sie für verschieden hält. Daraus also, daß ich weiß, ich existiere und daß ich inzwischen bemerke, daß durchaus nichts anderes zu meiner Natur oder Wesenheit gehöre, als allein, daß ich ein denkendes Ding bin, schheße ich mit Recht, daß meine Wesenheit allein darin besteht, daß ich ein denkendes Ding bin. Und wenngleich ich vielleicht — oder vielmehr gewiß, wie ich später auseinandersetzen werde — einen Körper habe, der mit mir sehr eng verbunden ist, so ist doch, I — da ich ja einerseits eine klare und deuthche [98] Idee meiner selbst habe, sofern ich nur ein denkendes, nicht ein ausgedehntes Ding bin, und andrerseits eine deutliche Idee vom Körper, sofern er nur ein ausgedehntes, nicht den- kendes Ding ist — soviel gewiß, daß ich von meinem Körper wahrhaft verschieden bin und ohne ihn existieren kann.
18. Außerdem finde ich in mir gewisse besondere und von meinem Ich verschiedene Fähigkeiten, nämlich die Fähig- keiten der Einbildung und der Empfindung, ohne welche ich mein ganzes Ich klar und deutlich denken kann, aber nicht umgekehrt lassen sich jene ohne mich denken, d. h. ohne eine denkende Substanz, in der sie sind. Sie schließen nämlich in ihrem formalen Begriffe eine Art von Denktätig- keit (intellectio) in sich, wodurch ich erfasse, daß sie sich von mir wie die Modi vom Dinge unterscheiden.
19. Ich erkenne auch noch gewisse andere Fähigkeiten, wie die, den Ort zu verändern, verschiedene Gestalten an- zunehmen und ähnliche, die sich allerdings ebensowenig wie die vorhergehenden ohne irgendeine Substanz denken lassen, der sie einwohnen, und die demnach auch nicht ohne diese e.xistieren können. | Es ist aber klar, daß diese, sofern sie exi- [99] stieren, einer körperlichen, d. h. ausgedehnten Substanz inne-
5*
68
Descartes, Meditationen.
wohnen müssen, nicht aber einer denkenden, da ja in ihrem klaren und deutlichen Begriffe zwar eine gewisse Ausdeh nung, aber durchaus nichts von Denken enthalten ist.
20. Nun ist aber in mir eine gewisse passive Fähigkeit zu empfinden, d. h. die Ideen der Sinnendinge aufzunehmen und zu erkennen; doch könnte diese mir gar nichts nützen, wenn es nicht auch eine gewisse aktive Fähigkeit entweder in mir oder in einem anderen gäbe, welche diese Ideen her- vorruft und bewirkt. Und diese kann in der Tat in mir nicht sein, da sie ja gar keine Denktätigkeit zur Voraussetzung hat, und da jene Ideen nicht durch mein Zutun, sondern häufig auch gegen meinen Willen hervorgerufen werden. Es bleibt also nur übrig, daß sie in irgendeiner von mir ver- schiedenen Substanz ist. Da nun in dieser die gesamte Rea- lität entweder in formaler oder in eminenter Weise enthalten sein muß, die in objektiver Weise in den durch jene Fähig- keit hervorgerufenen Ideen ist, — wie bereits oben bemerkt — so ist diese Substanz entweder Körper, d. h. die körperliche Natur, welche nämlich alles das in formaler Weise enthält AAi ^^^ ^^^ ^^^^" *" objektiver Weise enthalten, oder aber es ist [100] Gott, oder irgendein edleres Geschöpf | als der Körper, das die Realität in eminenter Weise enthält.
21. Da nun Gott aber kein Betrüger ist, so ist es ganz offenbar, daß er diese Ideen nicht unmittelbar von sich oder auch durch Vermittlung irgendeines Geschöpfes in uns sen- det, m dem die objektive Realität derselben nicht in formaler sondern nur in eminenter Weise enthalten wäre. Denn da Gott mir durchaus keine Fähigkeit gegeben hat, dies zu erkennen, sondern im Gegenteil einen großen Hang, zu glau- ben, sie würden von körperlichen Dingen entsandt, so sehe ich nicht ein, in welcher Art man erkennen könnte, daß er nicht ein Betrüger sei, wenn sie anderswoher, als von den körperlichen Dingen kämen. ^ Folglich existieren die kör- perlichen Dinge.
22. Indessen vielleicht existieren sie nicht alle genau so, wie ich sie mit den Sinnen wahrnehme, da ja dieses sinnliche Wahrnehmen in vielen Fällen recht dunkel und verworren ist; aber es ist wenigstens alles das in ihnen wirkHch vor- handen, was ich klar und deutlich denke, d. h. alles das. ganz
Sechste Meditation : Über das Dasein der materiellen Dinge usw. 69
allgemein betrachtet, was in dem Gegenstande der reinen Mathematik einbegriffen ist.
23. Was aber das übrige anbetrifft, so ist dies entweder etwas Besonderes, wie daß die Sonne diese bestimmte Größe, diese Gestalt hat | usw., oder es gehört zu dem minder klar [101] Gedachten, wie Licht, Ton, Schmerz und dergleichen. Wenn- gleich dies nun recht zweifelhaft und ungewiß ist, so zeigt
sich mir doch, — weil Gott kein Betrüger ist und weil es darum nicht möglich ist, daß sich irgendeine Falschheit in meinen Meinungen findet, ohne daß er mir auch die Fähig- keit verliehen hätte, sie zu berichtigen — die sichere Hoff- nung, auch hierin zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen.
24. Und es unterliegt in der Tat keinem Zweifel, daß alles das, was mich meine Natur lehrt, eine gewisse Wahr- heit in sich birgt. Denn unter der Natur in ihrem um- fassendsten Sinne verstehe ich nichts anderes, als entweder Gott selbst oder die von Gott eingerichtete Gesamtordnung der geschaffenen Dinge; unter meiner Natur im besonderen aber nichts anderes, als die Verknüpfung von dem allen, was Gott mir zugeteilt hat.
25. Da ist aber nichts, was mich diese ausdrückhcher lehrte, als daß ich einen Körper habe, welcher sich schlecht befindet, wenn ich Schmerz empfinde, welcher der Speise oder des Trankes bedarf, wenn ich Hunger oder Durst leide und dergleichen. Ich darf demnach nicht daran zweifeln, daß hierin eine gewisse Wahrheit liegt.
26. Es lehrt mich ferner die Natur durch eine Empfin- dung I des Schmerzes, Hungers, Durstes usw., daß ich nicht [102] nur in der Weise meinem Körper gegenwärtig bin, wie der Schiffer seinem Fahrzeug, sondern daß ich aufs engste mit
ihm verbunden und gleichsam vermischt bin, so daß ich mit ihm eine gewisse Einheit bilde. Denn sonst würde ich, der ich nur ein denkendes Ding bin, nicht, wenn mein Körper ver- letzt wird, darum Schmerz empfinden, sondern ich würde diese Verietzung nur durch bloßes Denken erfassen, wie der Schiffer durch das Gesicht wahrnimmt, wenn irgend etwas am Schiffe zerbricht, und ich würde alsdann, wenn der Kör- per der Speise oder des Trankes bedarf, eben dies in be- stimmter Weise denken, ohne dabei die verworrenen Hunger-
70
Descartes, Meditationen.
oder Durstempfindungen zu haben. Denn es sind doch sicherlich diese Empfindungen des Hungers, Durstes, Schmerzes usw. nichts anderes als gewisse, aus der Vereini- gung und gleichsam Vermischung des Geistes mit dem Kör- per entstandene Weisen des Bewußtseins.
27. Außerdem aber lehrt mich die Natur, daß in der Umgebung meines Körpers eine Mannigfaltigkeit von ande- ren Körpern existiert, von denen ich einige aufsuchen, andere meiden muß. Und zweifellos schließe ich daraus, daß ich verschiedenartige Farben, Töne, Gerüche, Geschmäcke, Wärme, Härte und dergleichen empfinde, mit Recht, daß in den Körpern, von denen mir diese verschiedenartigen Wahr- [103] nehmungen der Sinne | zukommen, gewisse Verschiedenartig- keiten vorhanden sind, die jenen entsprechen, wenngleich sie ihnen freilich nicht ähnlich sind. Und daraus, daß einige dieser Wahrnehmungen mir angenehm, andere unangenehm sind, kann ich mit vollkommener Gewißheit folgern, daß mein Körper oder vielmehr mein gesamtes Ich, sofern ich aus Körper und Geist zusammengesetzt bin, von den umgebenden Körpern in mannigfacher Weise zuträglich und unzuträglich beeinflußt werden kann.
28. Es gibt indessen noch vieles andere, das mich, wie es scheint, die Natur gelehrt hat, und das ich dennoch nicht in Wahrheit von ihr, sondern von einer gewissen Gewohnheit, unüberlegt zu urteilen, erhalten habe, und bei dem es darum recht leicht vorkommen kann, daß es falsch ist: so, daß der gesamte Raum, in dem sich gar nichts meine Sinne Beein- flussendes darbietet, leer sei; daß z. B. in einem warmen Korper irgend etwas vorhanden sei, was der in mir vor- handenen Idee der Wärme durchaus ähnlich ist, in dem Weißen oder in dem Grünen eben das von mir empfundene ,,grun** und ..weiß-, in dem Bitteren und Süßen derselbe Geschmack und ebenso bei den übrigen Sinnen enthalten sei; daß ferner Gestirne, Türme und alle beliebigen anderen Korper nur von eben der Größe und Gestalt seien, in der sie sich meinen Sinnen darstellen und anderes der Art.
riA^i V ui^^' ^r"^^^ ^^^ ^^^^ hierbei alles mit genügender Deut-
I104J hchkeit erfasse, muß ich noch genauer | definieren, was ich
eigentlich darunter verstehe, wenn ich sage, „die Natur lehrt
f
# f
/
Sechste Meditation : Über das Dasein der materiellen Dinge usw. 71
mich etwas". In diesem Ausdrucke nehme ich nämlich die ..Natur" m emem engeren Sinne, als wenn ich darunter die Zusammenfassung (complexio) alles dessen verstehe was mir Gott zugeteilt hat. Denn in dieser Zusammenfassung ist vieles enthalten, was allein dem Geiste zugehört, wie wenn ich mir bewußt werde, daß, was geschehen ist, nicht un- geschehen gemacht werden kann und alles übrige was mir durch die natürliche Einsicht bekannt ist, wovon hier nicht weiter die Rede ist. Vieles ist darin auch einbegriffen was sich allem auf den Körper bezieht, wie daß er abwärts strebt und dergleichen. Indessen auch darum handelt es sich jetzt mcht sondern nur um das, was Gott mir, als dem aus Körper und Geist Zusammengesetzten verliehen hat. Diese Natur" lehrt mich darum zwar, das zu meiden, was das Gefühl des Schmerzes, und das aufzusuchen, was das Gefühl der Lust erregt und dergleichen mehr; aber es ist nicht klar, daß sie uns außerdem lehrt, aus jenen Wahrnehmungen der Sinne ohne vorhergehende Prüfung des Verstandes irgendeinen Schluß über außer uns befindliche Dinge zu ziehen, da es ja dem Geiste allem, nicht aber dem aus Körper und Geist Zusammengesetzten zuzukommen scheint, die Wahrheit da- von zu erkennen.
30. Z.B., wenngleich ein Stern keinen größeren Reiz auf mein Auge | ausübt, als das Feuer einer kleinen Fackel, llOr,! so hegt dann doch keine reale oder positive Neigung die mich zu der Annahme veranlaßt, er sei nicht größer, sondern ich habe ohne Grund seit meiner Jugend so geurteih. Und wenngleich ich bei der Annäherung an das Feuer Wärme empfinde und, komme ich ihm zu nahe, Schmerz, so ist doch m der Tat kein Grund vorhanden, der mich davon zu über- zeugen vermöchte, daß in dem Feuer etwas dieser Wärme wie ja auch nicht etwas jenem Schmerze Ähnliches sei. son-
u? m-'V '" '•"" '■■^^"'^ ^'^^^ enthalten ist, was es auch schließlich sei, das in uns die Empfindungen der Wärme und des Schmerzes hervorruft. Wenngleich auch in irgend- einem Räume nichts meine Sinne Beeinflussendes ist, so folgt darum nicht, daß in dem Räume gar kein Körper sei Viel- mehr sehe ich. daß ich hierin, wie auch in sehr vielem ande- ren, daran gewöhnt bin, die Ordnung der Natur gänzhch um-
72
Descartes, Meditationen.
zukehren. Während die Sinnesempfindungen mir von der Natur eigentlich nur gegeben sind, um dem Geiste anzu- zeigen, was für das Zusammengesetzte, von dem er nur ein
lul "':, T'^^^^^ ''^^' unzuträglich ist, und sie insofern War und deutlich genug sind, gebrauche ich sie als sichere Kegeln, um unmittelbar zu erkennen, worin das Wesen der
rinfil T 5"";,''^""''"«^'>^" Körper besteht, wovon sie mir doch I [106] nur sehr dunkle und verworrene Kunde geben I
31. Nun aber habe ich mir schon früher zur Genüge
SirZn^irTVVf l^^'P"'" ^°"" vorkommen kann, daß meine Urteile falsch sind. Aber hier erhebt sich eine
auf,lt^'"'f '" '" ^'''^" '^"^^^"' ^^' die Natur mich
inneren S./ "l^^'f^ '^'^^ ""^ ^"«^^ in Betreff der mneren Sinne, die ich auf Irrtümern ertappt zu haben meine
iTL^i'wr'"'"?^'"^^' ^'"^ angenehmen Geschmack Sm? AhS^H m"'^"''"' i^' *^^"" ^"borgene Gift zu sich dlT Wnhl.h ^\^^'^' ^"-«'b' ihn in diesem Falle doch nur, tl Z If u^''^^''^^ '" begehren, nicht aber das Gift schließen? "'""^ ^T'' ""^ '^^''' ^^^ »"^n hieraus
it DaT tT '"'■ t°' '^■^^ '"'='"*= N^'"^ "i<=ht allwissend ist. Das st nun nicht weiter zu verwundern; denn da der Mensch ein beschränWtp« Woc»„ ;„» i '.
nur ^in„ m' . ^ ^ Wesen ist, so kommt ihm auch
nur eine Natur von beschränkter Vollkommenheit zu.
w«,..^' M " '"'^" "^^ ^^^'^ ^"''h nicht selten selbst in dem
wL h T ""!,'''"''^' "'" *^"" *1'^ Kranken Trank odT; Spase begehren, die ihnen bald darauf Schaden bringen
riHTi f-., tf ''''""*^ "^" vielleicht sagen, sie irrten deshalb
^ ^ kd St "ia •: eTnl^'l'" ^v^"'^'^ ' ^^ ^^''^ dielcSSerig-' Keit nicht, da ja ein kranker Mensch ebensogut ein Geschönf
Gottes ist wie ein gesunder, und es scheint demnach ebenso e^hturhabe"'- ''' ^'^"^^ ^'"^ "«'"---''« Nat^r^^^'SS: 33. Und ebenso, wie eine aus Rädern und Gewichten 7,1 NaTuTEeoTaS: l"""' ""'^' '^^"'^^^ ^^^ alle Gesetzt der
dem Wunsche Hp« Inf» . ^"^ '" J^^^"" Hinsicht
der'mYnscSfcL Körpt Tnn iSTn' 7 '''""'l' ^'"^^ ^"«^»^
schine betrachte XT'' l^n" k l^ ^' ^'"^ ^" ^°" M^" oetracnte, die aus Knochen, Nerven, Muskeln. Adern,
Sechste Meditation : Über das Dasein der materiellen Dinge usw. 73
Blut und Haut so eingerichtet und zusammengesetzt ist, daß. auch wenn gar kein Geist in ihr existierte, sie doch genau
die Herrschaft des Willens und also nicht durch den Geist
eSfo"n t r''." '''^'■"'' ""^ '''''''• ^^ß ^^ für den Körpe ebei^so natürlich ist, wenn er z. ß. wassersüchtig ist, daß er
an derselben Trockenheit der Kehle leidet, welche im Geiste
dLf,"".?.'!! ^"^ m' ^"'■''" '" "'"'■"^^° P"^^f' ""d daß da- durch auch seine Nerven und die übrigen Teile so gestimmt
Krlnl"?' -^^ u' '^'^ '^"■""'^ ^" '''^ "•'"'"^ durch den dt Krankheit sich steigert, als wenn er. ohne diese Krankheit
zu haben durch | eine ähnliche Trockenheit der Kehle ve^ (1081 anlaßt wird, einen ihm nützlichen Trank zu sich zu nehmen 34. Zwar konnte ich. wenn ich auf die ursprünglich be- absichtigte Verwendung der Uhr zurückblickte, sagen sie wiche von ihrer „Natur" ab. wenn sie die Stunden nkht rici
SnsThlicC r"" ''\'" '^^T^^''' ^'''^ die Maschine des menschlichen Korpers betrachte als gleichsam für die Be- wegungen eingerichtet, die in ihr vor sich zu gehen pflegen so mochte ich meinen, daß auch er von seiner Na"urabkr"' wenn seine Kehle trocken ist. ohne daß doch das Trinken zu seiner Erhaltung beiträgt. Dennoch kann es mir gar rücS entgehen, daß diese letzte Bedeutung der „Natur" von der ersteren weit verschieden ist. Die „Natur" is in diesem FalL namlich nichts anderes, als eine bloße, von meinem Senken abhängende Bezeichnung, indem ich d;n krankTnTlensche;
MenscLn und d ^"^t"'^'"^ ^'^ ^^ ^'^ '^'^ ^es gesuSe" S» H n ' "'''"^ gemachten Uhr vergleiche; und sie haftet den Dingen, von welchen sie ausgesagt wird nur
'S;- et"- 'h ''" f''"^" "'""^ ^^- verstrebe i^hume üS das deZ; T "'"^ ^^^^^ächlich in den Dingen vorfindet, und das demnach eine gewisse Wahrheit in sich schließt dO. Allerdings, wenngleich es in Rücksicht auf den Was
saTtrrNaf^ äußerliche Bezeichnung ist. wt^n"^: sagt, seine | Natur sei deshalb verdorben, weil er eine flrtöl
doch in%^'f >k'*' °'"^ ^"^ ^'^"»^^^ ^" bedür7en so is « "^'^ doch, m Rucksicht auf das Zusammengesetzte, d h auf den
ete'SoTe^B '''"k'""'^" ""'^'^ verbundenen Geist nicht eine bloße Bezeichnung, sondern ein wahrhafter Irrtum der
I
74
Descartes, Meditationen.
der Körper sei„e?Sr n^aTh'^trSrdttr hS
klnd« n nt f ' ""'^ '^"'''' '"'°^^™ '«^h nur ein den-
S? ^'"e I»n. so vermag ,ch in mir Iceine Teile zu unter-
und ean ' ?n " 'n T' '""'^ ^'^ ^'" ^"^«^^aus einheitliches ^anzfn k' ^"^^ ^'"^^^""e'eich der ganze Geist mit dem doch daß ''"■ ""''"°5^" ^" ^«in scheint, so erkenne ich «nen tnderTr T"! ^1"^"^ ""^'^ ^'"^ ^^ «^er irgend- vorre^lr '^^^ ^"""P"' abschneidet, darum nichts
SgSten d"e7 wT^'r "'r ^"'^'^ ^'' '"^ "^^t die 1 anigiceiten des Wollens, Empfmdens, Erkennens als sein«>
rnm ^ *^'^^>f ^«^1^"«". ist es doch ein und derselbe St der wHI ^ ^SfktperSefrr- ' ^-,^«^-»"1 abe^ Snn" tc^rn^ St in r/n if ' '^^ h- ^"^g^dehntes Ding denken, das ich
ä s tliL^tSr T"''"''" '"7^^"^ '^"^" ""d ebendadurcb
Seh iu lehren h\'J"'V"^ ^^' ^"•^'" ^"^^^ hinreichen, micu zu lehren, daß der Geist vom Körper gänzlich ver schieden ist, wenn ich es norh ni^K, j Kanziicn ver nüge wüßte. ^' anderswoher zur Ge-
T„;i ^^/^^^l^" bemerke ich, daß der Geist nicht von -illen leden des Körpers unmittelbar beeinflußt wird , LT vom Gehirn, oder sogar nur von Tem gan winzifen'T"7 desselben, nämlich von dem, worin der'GemSnn sien S.iz haben soll. So oft dieser Teil nun in elScher W^l gestimmt ist stellt er dem Geiste dassdbj fr wenn sS
d ne aX 'vTrhlTte*;!^ S '''"'■ ''' ^«^^^ -^ -Tscht ^ ixiitn veriialten mögen, wie unzählige Erfahmncr^,.
sT A,t '.'' ''r "'^'•^ -f--hlen bra^uche. "^'"
Perslt daßkdnTrseirT i*^'- "'^^ " ^'' ^^'^ ^« ^ör- I "i, udu Keiner seiner Teile von einem efw-»«: ontf„,„»
bewegt werden kann, ohne daß er niX entfernteren
Weise von irgendeinem Ir 5 k ' v ^^"^^ derselben
werden k^nn^ , dazwischen liegenden bewegt
werden konnte, wenn auch jener entferntere nicht wirkt
I
Sechste Meditation: über das Dasein der materiellen Dinge usw. 75
Wenn man z. B. an einem Seil A B C D, dessen letzter T.ii i^ ist, zieht, so wird sich sein erster T^ii a l u f ^^'' ° ( wie er auch beweg^weiderkH ' ^^"' "''""''' ''^^^S^^"' den dazwischen SSen TernVund T " "^^^
letzte Teil D in RuL blie^e^^cL^rnHch^StTsVcr wenn ich am Fußp pin^n Q/^i,^ /. , vernait es sich,
die Physik geTehr, Tß cSt^EmpT^^^^^^^^^ " '^' "!f^ ^'
dem Fuße verbreiteten Nerven eSrf- T^^ ^^' '" eifirh »i^»^ c 1 , "-" i^erven erfolgt, die sich von dort
frn Ä,r' '' ■"' '"*" '^"^''■"^ erstrecken, und die wenn
^he^ bVr=' srich^re^n ^ 'z ^^^=
S^sfrlm^'L^vo^ir^äS'^^^^^^ l^'^- ^>-"
futeit;t!trnrL\rk:mr^^^^^^^
im Fuße befindliche Teil nkht b^rührf ' J f *''' '^^^ it^intr G^^-"--?^^ ^dietlb-e II
JS wird^ t7in7ä:l:rn ^S^Äe^ tittTor man fuch" "'"h'^T" ^'"''«"^-•- ^as-lbe ab 'mni nehme." '" ^''''' ''^"^''•^^" -^-^ Empfindung a„ 39. Ich bemerke schließlich, daß, da eine iede vnn ^
™r-';si5r 3 !■?!•" "1"™ -- cS-
beiträP^f T^ ^t r u "^ Erhaltung des gesunden Menschen oeitragt. Die Erfahrung aber bestäHo-f H^ft ^11 ^'""^"en
der Natur verliehenen K JrTr \, ^f: ^^ ^"^ ""^ ^o"
marjc bis zu den inneren Tpil#.n h»^ t^ u- „ ■ ^^"^"en
wegung dem Gei.tr^^fn 7 ; k Gehirns dringende Be-
gung aem Geiste ein Zeichen, etwas zu empfinden, nämlich
76
Descartcs, Meditationen.
TeZlTZ \ !■ ^°^'**"'^,«"^n Schmerz, wodurch der Geist veranaßt wird, die Ursache desselben, da sie dem Fuße schädlich ist, nach Möglichkeit zu entfernen
41. Allerdings hätte Gott die Natur des Menschen auch so emnchten können, daß dieselbe Bewegung im Gehirne dem Geiste irgend etwas anderes darsteUte.LiSiih entweder sich selbst, sofern sie im Gehirne, oder sofern sie fm Fuße [113] oder an emer der dazwischenliegenden Stellen ist! Udlr t gend etwas anderes; - aber nichts anderes hat e zur Er
trr dt'x'rlnk'^'^H ^T''"''- ^" <l-e'b:n We£ wenn wir des Trinkens bedürfen, so entsteht in der Kehle
eme gewisse Trockenheit, welche die Nerven erregt und ver mittels Ihrer das Innere des Gehirns. Und diese BeweJn^ ruft im Geiste die Empfindung des Durstes hervor 1 „„s ja bei dieser ganzen Angelegenheit nichts nützlich^; Z 2
b"edir ' '^^ t ^" ^^''^^'"»^ ^- GesLh U deVrik
unermeßhch^n r ! n "f'^ ^^^''' «^^^ unbeschadet der er auTceS nn hT ^°"" '^'^ ^^'"' ^'^^ Menschen, sofern kLn .1? K ?'^^' zusammengesetzt ist. nicht anders
ichVn c^lmSr '"h"'^"' "''"' *^- irgendeine Ur äerT:S^^äZh^ltc::'!^:Z'l ^'T,.''^"«''i^en anderen Fuße bis zum Gehirne e strecken "od ""T"" "°° '^'"' selbst genau dieselbe Bewegung err'e.tdi/"'^ "" ^"^™" Pflegt, wenn der Fuß beSSt S' st wlrd'd' "\T^''' wie im Fuße vorhanden empSerund dersL ^"^"' gemä ß getäuscht werden n^nn ^' - ^ "" ""'"'' "^^ "•■ wppiino- i,r, r- k- *"''^"- ^enn da ja eine und dieselbe Be wegung im Gehirne stets eine und dieselbe EmnfinT.^ • Geiste hervorrufen muß. und diese nlZl ^'"PV"^"ng '«'
aus einer den Fuß verletzenden UrÜ^^^ ''"' ^^""^<^•• als einer and^ron •f."^r^"**en Ursache zu entstehen pflegt
vern^JftL^r h!r ■■ ^^ 'T"''*° ^"'^^^ existiert, so ist es [n4]|Tden'frg;nd^^^^^^^
mal die Trockenhei def Kehlet/ht'^t ^H 'r'^K^"? ""'
herrührt, daß zur Gesundtudes Kö^^^^^^^^
ist, sondern aus einer perarf^ »„,„ ""^P^" °er Trank notig
steht, wie es berrm^VasserSSTef F n"^^'^ ^"'■ es weit besser, daß sie in dl™ ^ n ' ^^" '"' *° '''
udu sie m diesem Falle täuscht, als wenn
I
I
%■
f
Sechste Meditation : über da. Dasein der materiellen Dinge usw. 77
sie mich vielmehr immer dann täuschen würde u,.nn ^ Korper sich in gesundem Zustande befind^ ir^H *^\'
in den übrigen Fällen. oeiindet. Und so auch
dazuteifScLnratTrft'"^^""" außerordentlich viel
worfen i^t. ^ 'UTerfeV;re::i' atrsS^^^^^^^
oder verme den zu können n^„ ^* sie leicht verbessern
Empfindungen mir"in B™ff d'^esTn tailemtöro^' ^"^ lieh ist, weit häufiV*»r r^oc \\r u \ T ^ Korper nutz-
da ich mich ferner flststetf^.' ^' t"' ^^^''^' ^"^^'^en, um eine und dieselbe Lrh T' ^'""^ ''^d'^"^" kann,
dächtniss:s,'wd?h:fda''SeynT^^^^^^^ ^^ ^^■
den verknüpft, und des Vef.t^rr^.! u'^^'^^^'^^'ß^hen-
des Irrtums durchsehen// k": '^^^ ^^'^'^' ^'« Gründe
fürchten,Taß das von d-^ ''""'' "'"''' ^'™'''''" ^" falsch sei ^'° ^'""'" '"''■ täglich Dargebotene
Tage'tls'Lt^Hih'zuS^el^'TSr'^T '^'''' ^'-- dem allgemeinsten in bS des tI^^^' ^"'^ vorzüglich von [115J
vom Wachen zu untergehe den vermSr' leri "^ t'J merke ch daß 7w\<rh^r. u a /^^"^<^cnte. Jetzt namhch
ist. daß niemals ^et^Srne "h"'' ^^f*^ Umerschied lebnissen durch ZTcJ^r^^ "" ^"^" "''"«en Er-
mir im Wachen beieg^S'^LTnn" Jd'"?"' "'"^ '^^- ^^ Wachen plötzlich iemanH ^r.^v. ^^' ^^*' ^^"" m''' '^
verschwände S Ts^n rt ^"^ ""^ ^'^'^'^ ^^^auf wieder ich weder sähT woier erTv ^"'^''^'' ""'^ ^"" ^'>' ^aß gangen, so würde'ch ies nlSr"'?? '^"'^'^ "°'^*" «^ ^e- bloßc Vorspiegelung oder für .;"" ^"'''''* ^^'' ^"^ «»^
dichtetes TrVbild hal^t- al urSleTdlß ''^'•"^^^'■ 1-cher Mensch sei. Bietet sich m,v "u "' ''^^ ^^ ^"^ ^''k- in deutlicher Wei e bemerk. l,T ^' ^'"^^^ ^^'■' ^^°^°» '«^b und vermag k^ seine Wahrlt"''' '"'' ""'^ ^"^"" " ''«'n™'.
brechung mit demTe.L}!^''™f'"""°«^" «»^"e J^de Unter- ^ , . . *r *^^"^ g^esamten ubricren Leh^n ^n ,r^^i •• r
so bin ich ganz gewiß, daß es mir nkhH,^ T ^^'^''""Pfe°. «m Wachen begegnet Aurh T ""'^ .^ Traume, sondern dessen nicht im geringsten n, f^" '^^ ^" '^'' Wahrheit
das Gedächtni^ufd denTer^andt d"' Tl "' ^'^ ^•"°«' genommen habe und ^^vrk'eLVm^^^t^^nre^^^^
78
Descartes, Meditationen.
gemeldet wird das irgendeinem der anderen widerstritte
[116] daß ich mich m solchen Dingen nicht | täusche
45. Da mdessen die Notwendigkeit des Handelns uns zu emer so genauen Prüfung nicht immer Zeit läßt, so kann man nicht leugnen, daß das Leben des Menschen häufig in Einzel- heite^n dem Irrtum unterworfen ist, und man muß am Ende die Schwache unserer Natur anerkennen
Die Einwände gegen die Meditationen und die Erwiderungen Descartes'.
^•«carte,, Meditatio
Den.
6
J
Einwände
verschiedener Gelehrter gegen die vorstehenden Meditationen, m.t den Antworten des- Verfassers.
Erste Einwände und Erwiderungen.
Hochverehrte Männer
fühhe ich mich verpflichfef-SL 'Z ''^''^ P^f-, da denen Ursachen freundsSlS k .""'' ^"' ^^'^^^^ie- willfahren; einmal darnftThl? ^^^-bu^denen Männern zu ich Euch chätTe da^n auch ^!''"'^"'^"^^^ ^^het. wie hoch sehr es mir an KräS^ und ^n R™' f ""^"''"^ ^^^e. wie Ihr in Zukunft^r etv^s I ,^ ^"^^''""S: mangelt, auf daß
in VeWegenheit bin. unddi E^eheTS mf H T"" ''^^ t"«^ ich mcht genüge. Descartes Ist in der^' "": habt wemi beurteilen kann ein lUo,,„ r, ^*^' soweit ich es
und von höcTt^r LfcheMeXft "^^'''^'^f ^^ ^'^^^^^ Nörgler sein WohlgeTanen^haSn^müß^ '''''' ''' '^'^^^
sein ot dS'ii:f selsr " '1^ "'' ^^'^'^ '^''^ «^^ ^^wußt- ich durch das Srnke^^ieTd^e? d^Dinf " ^"'^ ^^"^ besonders die Idee de-, vr.nt. "^^^ '" """, und
Wesens. - Dasllbtlh"''^''^'' ""^ unendlichen Wesens bin ich nich^ der ich ~ ^'t .Ursache aber dieses erreiche, also sebe Ursac£ T^" °'''!.^''^' ^^^"^t nicht kommener ist als kh unTH u^^""^ ^*^^^' ^^^ vroll-
n^r, ist irgendtt^ä VTlL'~erera S TT'^' der mcht wie ein bdiebiges Wesen h«l « ' "^«^^demer.
der emfach und uneingefchra^Tri^lSt S^ch^SS
82
Descartes, Meditationen.
mäßig umfaßt und gleichsam die vorausweisende Ursache (causa anticipans) ist, wie Dionysius im 8. Kapitel seiner Schrift „Über den Namen des Göttlichen** ausführt.
Hier muß ich wirklich einen Augenblick innehalten, um mich nicht zu sehr zu ermüden: denn mein Geist ist schon in unruhiger Bewegung wie der wogende Euripus: ich sage ja und nein, ich bestätige und widerlege zum zweitenmal, abweichen von dem Manne will ich nicht, ihm beistimmen kann ich nicht. Denn welche Ursache, bitte, fordert eine Idee? Oder man sage mir, was eigentlich „Idee" bedeutet. Sic ist wohl die bewußt gedachte Sache, sofern sie objektiv im Verstände vorhanden ist. Aber was heißt [119] das: I objektiv im Verstände vorhanden sein? Ich habe früher gelernt : es besagt den Akt des Verstandes selbst gemäß der Art und Weise des Objekts begrenzen. Das ist nun in der Tat eine äußere Bezeichnung und nichts der Sache Angehöriges. Denn so wie , .gesehen werden'* in mir nichts anderes ist, als daß der Akt des Sehens sich auf mich erstreckt, ebenso besagt: „gedacht werden* oder ,,in objektiver Weise im Verstände vorhanden sein* nur, daß das Bewußtsein des Geistes in sich zum Stehen kommt und begrenzt wird. Das kann aber geschehen, ohne daß die Sache bewegt oder verändert wird, ja, ohne daß sie existiert. Warum soll ich also nach der Ursache dessen forschen, was tatsächlich nicht ist, was nur eine bloße Be- zeichnung und ein Nichts ist?
Trotzdem aber sagt dieser große Geist, „daß diese Idee diese oder jene objektive Realität viel mehr enthält, als eine inderc, das muß sie offenbar von einer Ursache haben." Nein! von keiner; denn die objektive Realität ist ja eine bloße Bezeichnung, aktuell ist sie gar nicht. Eine Ursache aber übt einen realen und aktuellen Einfluß aus; nun nimmt das, was aktuell nicht ist, sie nicht auf, und es kann daher den aktuellen Ausfluß der Sache nicht erleiden, geschweige daß es ihn fordert. Also habe ich zwar Ideen, habe aber keine Ursache derselben, und erst recht keine, die größer als ich und unendlich ist. Aber — wird man sagen — wenn Du den Ideen keine Ursache zuschreibst, so sage uns | doch wenigstens den Grund dafür, daß diese Idee die eine ob-
Erste Einwände.
83
jektive Realität eher enthält als die andere. Willkommene Gelegenheit ! Ich pflege nämlich mit meinen Freunden nicht eine knappe, sondern eine möglichst ausgedehnte Ausein- andersetzung vorzunehmen. Das sage ich ganz allgemein von allen Ideen, was Descartes an anderer Stelle vom Dreieck sagt (s. o. S. 54, Z. 15—19):
„Es mag vielleicht'*, sagt er, „eine solche Figur nirgend in der Welt außer meinem Bewußtsein existieren noch je existiert haben, dennoch hat sie fürwahr eine bestimmte Natur oder Wesenheit oder Form, die unveränderlich und ewig ist." Es ist nämlich diejenige Wahrheit ewig, die keine Ursache fordert, z. B. daß ein Nachen ein Nachen ist und nichts anderes, daß Davus Davus ist und nicht Oedipus.*) Und wenn man trotzdem mit aller Gewalt nach einem Grunde verlangt, so sage ich, ist dieser die Unvollkommen- heit unseres Verstandes, der eben nicht unendUch ist; da er nämlich das Universum, das ganz zugleich und auf ein- mal ist, mit einem begrifflichen Erfassen nicht umfassen kann, so trennt und zerlegt er sich das ganze Gut, und was er so als Ganzes nicht bewältigen kann, das erfaßt er nach und nach, oder, wie min auch sagt, in inadäquater Weise. Dann fährt der W^rfasser fort: „So unvollkommen aber auch die Seinsweise ist, vermöge welcher die Sache in objek- tiver Weise durch ihre Idee im Verstände ist, so ist sie wahrHch doch nicht gar nichts und kann dem|nach auch [121 nicht aus dem Nichts sein." Das ist mehrdeutig. Wenn nämlich ,.gar nichts'* soviel ist wie ein nicht-aktuelles Wesen, so ist es überhaupt nichts, weil es nicht aktuell ist, und also aus dem Nichts ist, d. h. nicht aus irgendeiner Ursache. Wenn er aber unter „gar nichts" etwas Erdachtes versteht, was man gemeinhin als bloies Gedanken-Wesen (ens ratio- nis) bezeichnet, dann ist es keineswegs „nichts**, sondern etwas Reales, das deutlich im Denken gesetzt wird. Und trotzdem, weil es nur im Denken gesetzt wird und nicht aktuell ist, kann es zwar im Denken gesetzt, aber nie und mmmer verursacht werden.
*) Anspielung auf Terenz, Andria 194: Davus sum, non Oed' pus (ich bin kein ödipus, der alle Rätsel lösen könnte).
ö'4
Descartcs, Meditationen.
Aber (s. o. S. 39, Z. 17—28) ich möchte weiter fragen „ob ich selbst, der ich diese Idee habe, existieren könnte, wenn kein solches Wesen existierte**, nämlich eines, „von dem die Idee eines vollkommeneren Wesens, als ich bin, aus- gehen muß**, wie er unmittelbar vorher sagt. „Nun,"' fährt er fort, „woher sollte ich mein Dasein haben? Offenbar von mir selbst, oder von meinen Eltern oder etwas anderem usw. . . . Hätte ich aber mein Dasein von mir, so würde ich nicht zweifeln, keine Wünsche haben, es würde mir über- haupt nichts mangeln ; denn ich hätte mir alle VoUkommen- heiten gegeben, von denen irgendeine Idee in mir vorhanden ist, und so wäre ich selbst Gott." Wenn ich aber mein Da- sein von etwas anderem habe, so werde ich schließlich zu etwas gelangen, das sein Dasein von sich hat, und von diesem gilt also derselbe Beweis, wie von mir. Das ist nun eben der Weg, den schon Thomas von Aquino eingeschlagen
nooi ^^^' ^"^ ^^^ ^^ ^^^ ^^^ ^^^ gemäß der Kausahtät der be- ll 22J wirkenden Ursache | bezeichnet hat; er hat ihn aus dem Phüosophen*) entlehnt; freilich haben beide sich um die Ursachen der Ideen nicht weiter gekümmert. Vielleicht wäre es nun nicht nötig gewesen, dies anzuführen; denn warum sollte ich nicht kurz und bündig und geradeswegs vorgehen ? Ich denke, also bin ich, ja ich bin Geist und Bewußtsein selbst. Dieser Geist oder dieses Bewußtsein ist aber ent- weder durch sich selbst, oder durch etwas anderes. Ist letzteres der Fall, wodurch ist dann schließlich dieses selbst? Ist es durch sich, so ist es also Gott ; denn was durch sich ist, das wird sich leicht alles gegeben haben.
Ich bitte den Verfasser inständig, er möge den wissens- durstigen, aber vielleicht mit weniger scharfem Verstände ausgerüsteten Leser nicht über seine Meinung im unklaren lassen. Das Wort „durch sich*' (a se) faßt man nämlich m doppelter Weise auf. Erstens positiv, d. h. durch sich selbst als durch eine Ursache; und das. was durch sich wäre und was sich selbst das Sein gegeben hätte, würde, wenn es sich durch eine vorbedachte Wahl gäbe, was es wollte ohne Zweifel sich alles geben und wäre somit Gott. Zweitens
*) d. i. Aristoteles.
Erste Einwände.
85
faßt man „durch sich" negativ auf als das, was durch sich selbst (seipso), d. h. nicht durch etwas anderes ist, und so wird es, erinnere ich mich recht, allgemein aufgefaßt.
Wenn nun etwas durch sich ist, d. h. nicht durch etwas anderes, wie soll man beweisen, daß dieses alles umfaßt und unendlich ist ? Jetzt nämlich schenke ich Dir kein Gehör, wenn Du sagst, wenn es durch sich ist, so wird es sich leicht alles gegeben haben. Denn es ist nicht durch sich | als [123] durch eine Ursache, hat auch nicht eine vorbedachte Wahl treffen können, um sich auszusuchen, was es späterhin sein würde. Ich erinnere mich, ähnliches ehemals von Suarez gehört zu haben: Jede Beschränkung ist durch eine Ursache; deshalb ist eine Sache beschränkt und endlich, entweder, weil die Ursache nichts Größeres und Vollkommeneres hat leisten können, oder weil sie es nicht hat wollen; wenn also etwas durch sich ist und nicht durch eine Ursache, so ist das in der Tat unbeschränkt und unendlich.
Ich aber beruhige mich dabei noch nicht gänzlich. Was soll man sagen, wenn die Beschränkung durch innere kon- stituierende Prinzipien ist, d. h. aus der Form und der Wesenheit selbst, von der doch noch nicht bewiesen ist, daß sie unendlich sei, mag sie auch in noch so hohem Maße durch sich sein, d. h. nicht durch etwas anderes. In der Tat, wenn man annimmt, daß das Warme warm ist, so ist es aus seinen inneren konstituierenden Prinzipien warm, und nicht kalt, mag man sich auch einbilden, daß es durch nichts gerade das ist, was es ist. Ich zweifle nicht, daß Descartes Gründe genug finden wird, mit denen er das er- gänzen kann, was andere vielleicht nicht klar genug gezeigt haben.
Endlich stimme ich mit dem großen Manne in dem über- ein, was er als allgemeine Regel aufgestellt hat: Alles, was ich klar und deutlich erkenne, das ist in der Tat ein wahrhaft „Seiendes**. Sogar alles, sage ich, was | ich denke, ist [124] wahr. Denn alle Hirngespinste und jegliches Wesen der Ein- bildung habe ich schon etwa seit der Kindheit aus mir ver- bannt. Denn keine Macht kann sich von ihrem eigenen Objekt entfernen: wenn der Wille bewegt wird, wendet er sich zum Guten. Ja, auch die Sinne selbst irren nicht: Das
86
Descartes, Meditationen.
Gesicht nämlich sieht das, was es sieht, das Ohr hört das was es hört, und wenn man Goldbronze sieht, sieht man recht; aber man irrt, wenn man mit seinem Urteil ent- scheidet, das Gesehene sei Gold. So hat denn Descartes vollkommen recht, wenn er jeglichen Irrtum dem Urteil und dem Willen zuschreibt.
Aber jetzt ziehe aus obiger Regel die Folgerungen die Du ziehen wolltest. Das unendliche Wesen erkenne ich klar und distmkt; also ist es ein wahrhaft Seiendes und ist irgend etwas. Da wird mancher fragen: Klar und distinkt e kennst Du das unendliche Wesen ? Was will alsdann jenes bekannte vielgebrauchte Wort besagen : „Das Unendliche als Unend- liches ist uns unbekannt?' Denke ich nämlich über ein rausendeck nach, so stelle ich mir verworren eine gewisse
r-'-^^Mr""' ^^^ ^^" "^^^^ deutlich ein Tausendeck in der Einbildung oder gar in der Erkenntnis, weil ich sämtliche tausend Seiten mcht deutlich anschaue; dann wird jener gewiß fragen: wie denkt er sich das Unendliche als Unend- |12..Jhches deuthch | und nicht nur verworren, wenn er nicht imstande ist, seine unendlich zahlreichen Vollkommenheiten zu'sehTn? " ^"""^ ^^''^^'' '''"■ ""^ gl^'^hsam körperlich
wollf^'^'^n ""' *'' l' vielleicht, was Thomas v. Aquino sagen wollte. Denn er behauptet, daß der Satz „Gott isf durch- aus nicht ohne weiteres bekannt sei, deshalb mabt er s cli aus Damascenus den Einwand: .Allen ist die K.-nntnis von der Existenz Gottes von Natur eingep:i„,zt, a's . es is ohne weiteres belcannt, dnß Gott ist." Und er antwortet ■ Fr
Ver^rentit^'" "' i.n allg-nLinen und in einer gewi's.en verworrenneit — so druckt er sich aus - ' f
lieh Gott die höchste Glückseh^keit d.Js Me^n^c :eTiT'd"s1s' uns von Natur eingepflanzt . . . Abe- d,s i t nicht dasselbe wie einfach zu erkennen dift Cntt i-t i , ■ "'^-ci.jc Ha«;^nlhn ,„ 7'^^""^"' ö'i'^ Gott lot; ist es ja auch nicht S r , \ *^''^"""^"' daß irgend jemand kommt, und
n.T AI ''';^'^""""' ^«"» ^"ch der Kommende Petrus isf Till r." ^-^P" '^°"'^' ^^^ -"an Gott unter einem
GrundoTn"? "^'f'. ""^^ ""^^^ "^'^ ß^^"ff des letzten erkenne nnr ^Z ay'u'"'"'' ""^ vollkommensten Wesens erkenne oder schließlich unter dem Begriff dessen, dis ver-
Erste Einwände.
87
worren und im Keime alles umfaßt, aber nicht unter dem genauen Begriff seines Seins; insofern nämlich ist er un- endhch und uns unbekannt.
Ich weiß, daß Descartes einem solchen Fragesteller ohne Muhe antworten würde. Ich glaube dennoch, daß er aus I dem was ich bloß der Übung wegen vorbringe, sich an das [ISGl Wort des Boethius wieder erinnern wird : „daß es gewisse .Allgemeinbegriffe (communes conceptiones) der Seele gibt die ohne weiteres nur den Weisen bekannt sind." Daher dürfe man sich nicht wundern, wenn die, die mehr zu wissen verlangen, viel fragen, und wenn sie bei den Dingen Ünger verweilen, n denen sie gewissermaßen die letzte Grundlage des ganzen Gebäudes erkannt haben, und wenn sie trotzdem nicht ohne anstrengende Forschung zur Erkenntnis durch- dringen.
GutI Geben wir einmal zu, jemand habe eine klare und distinkte Idee von dem höchsten und vollkommensten Wesen; was folgerst Du daraus weiter.? Doch, daß dieses unendliche Wesen existiert, und zwar so gewiß, daß „das Uascin Gottes bei mir zum mindesten in demselben Grade der Gewißheit stehen müßte, in welchem bisher die mathe- matischen Wahrheiten gestanden haben (s. o S 55 Z 24
rottÜ'". "5' "^l^Vfr'l '^^'' ebensosehr, sich einen Gott, d. h. etwas höchst Vollkommenes zu denken, dem das Uasein d. h. eine gewisse Vollkommenheit mangele als einen Berg zu denken ohne Tal" (s. o. S. Ö5, Z. 2 u. - S. 56 Z. 3). Dies ist der Angelpunkt der ganzen Angelegenheit; denn wer jetzt nachgibt, muß sich für besiegt erklären; ich der ich es mit einem stärkeren Gegner zu tun habe, darf eii^ klein wenig ausweichen, damit ich, wenn ich schon unter- liegen muß, wenigstens meinVerhängnis| etwas hinausschiebe. [1271
Und vor allem hört, was Thomas v. Aquino sagt, ob- gleich wir ja nicht etwa mit Autoritäten, sondern nur m^t Gründen der Vernunft streiten - aber es sollte doch nicht so aussehen, als widerstrebte ich nach meinen Launen diesem großen Geist. Jener macht den Einwand: „Sobald man verstanden hat was dieser Name „Gott" angibt, weiß man so- lo J^T G°«»^»- Durch diesen Namen wird nämlich das angegeben, über das hinaus nichts Größeres angegeben
Dcscartes, Meditationen.
werden kann. Nun ist das, was in Wirklichkeit und im Verstände ist, größer als das, was nur im Verstände ist; und da Gott, sobald man diesen Namen verstanden hat, sofort im Verstände ist, folgt auch, daß er in Wirklichkeit ist." Diesen Schluß gebe ich in exakter Fassung folgendermaßen wieder: Gott ist das, über das hinaus nichts Größeres an- gegeben werden kann. Das, über das hinaus nichts Größeres angegeben werden kann, schließt aber das Dasein ein. Folg- lich schließt Gott durch seinen bloßen Namen oder durch seinen bloßen Begriff das Dasein ein, und kann demnach ohne das Dasein weder im Denken gesetzt werden noch sein. Und nun bitte ich Euch: ist das nicht genau derselbe Schluß wie bei Descartes? Thomas definiert Gott als „das, über das hinaus nichts Größeres angegeben werden kann". Descartes nennt ihn das höchst vollkommene Wesen, über das hinaus ja sicherlich nichts Größeres an- gegeben werden kann. Thomas fährt fort: ,,Das, über das [128] hinaus nichts Größeres angegeben werden [ kann, schließt das Dasein in sich"; sonst könnte über dies hinaus irgend etwas Größeres angegeben werden, nämlich das, von dem man angibt, daß es auch das Dasein einschließe. Aber scheint nun Descartes nicht genau ebenso fortzufahren? Gott, sagt er, ist das höchst vollkommene Wesen; nun schheßt aber das höchst vollkommene Wesen das Dasein ein, sonst wäre es nicht höchst vollkommen. — Thomas folgert: „Da Gott, sobald man diesen Namen verstanden hat, sogleich im Verstände selbst ist, folgt auch, daß er in Wirklichkeit ist"; d. h. eben dadurch, daß in den wesent- lichen Begriff des Wesens, über das hinaus nichts Größeres angegeben werden kann, das Dasein mit einbezogen wird, folgt, daß dieses Wesen selbst auch ist. Dasselbe schließt Descartes (s. o. S. 56, Z. 19—22): „Es folgt aber'*, so sagt er, „daraus, daß ich Gott nur als existierend denken kann, daß das Dasein von ihm untrennbar ist, und demnach, daß er in Wahrheit existiert." — Welche Antwort gibt jetzt Thomas sich und Descartes? „Angenommen," sagt er, „daß jeder versteht, daß dieser Name Gott das Obengenannte angibt, nämlich das, über das hinaus nichts Größeres ge- dacht werden kann, so folgt deswegen doch nicht, daß er
Erste Einwände.
89
versteht, eben dies, was durch diesen Namen angegeben werde, sei in der Natur, sondern nur, es sei in der Auf- fassung unseres Verstandes. Und | man kann nicht be- [129] weisen, daß es in Wirklichkeit ist, wenn man nicht an- nimmt, daß es irgend etwas in der Wirklichkeit gibt, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann; — und das nehmen die Gottesleugner eben nicht an." Diese Antwort fasse ich kurz so: Auch wenn man annimmt, daß das höchst vollkommene Wesen gerade durch seinen Namen das Dasein in sich schließt, so folgt doch nicht, daß eben dieses Dasein in der Natur etwas Aktuelles sei, sondern nur, daß mit dem Begriff des höchsten Wesens der Begriff des Daseins untrennbar verbunden sei. Daraus darf man nicht schließen, daß das Dasein Gottes etwas Aktuelles sei, wenn man nicht annimmt, daß jenes höchste Wesen aktuell exi- stiert; denn dann wird es außer allen anderen Vollkommen- heiten auch die des wirklichen Daseins aktuell einschließen. Verzeiht, ihr verehrten Männer ; ich bin abgespannt ; ich muß einen Augenblick tändeln. Der komplexe Begriff ,,ein existierender Löwe" schließt zweierlei als einen wesentlichen Bestandteil ein, den Begriff des Löwen und den des Daseins ; nimmt man einen von beiden fort, so ist es nicht mehr der- selbe Komplex. Nun, hat nicht von Ewigkeit her Gott diese Zusammensetzung klar und distinkt erkannt? Und umfaßt nicht die Idee dieser Zusammensetzung eben als ein Zu- sammengesetztes jeden der beiden | Teile wesentlich in sich? [130] D. h. gehört nicht das Dasein zur Wesenheit dieses zu- sammengesetzten Begriffes: „ein existierender Löwe"? Und doch verlangt die deutliche Erkenntnis Gottes, ich meine eine solche von Ewigkeit her, nicht notwendig, daß der eine oder der andere Teil dieser Zusammensetzung sind, wenn man nicht annimmt, daß die Zusammensetzung selbst ist; denn alsdann wird es seine sämtlichen wesentlichen Vollkommenheiten, und demnach auch das aktuelle Da- sein, in sich fassen. Ferner, wenn ich auch deutlich das höchste Wesen erkenne, und wenn auch das höchst voll- kommene Wesen in seinem Wesensbegriff das Dasein ein- schließen mag, so folgt trotzdem nicht, daß das Dasein eben aktuell etwas sei, wenn man nicht annimmt, daß jenes
90
Descartes, Meditationen.
höchste Wesen sei; denn dann wird es, wie alle Vollkommen- heiten seiner selbst, so auch dieses Dasein aktuell ein schließen. Und so wird man denn das Dasein jenes höchst vollkommenen Wesens von irgendeiner anderen Seite her
beweisen müssen.
Über das Wesen der Seele und ihre Unterscheidung vom Körper will ich mich kurz fassen. Denn ich gestehe, dieser große Geist hat meine Kräfte schon so erschöpft, daß mein Können fast am Ende ist. Wenn es eine Unterscheidung von Seele und Körper gibt, scheint er s'c daraus zu beweisen, daß man sie im Denken als verschieden und getrennt von llü] einander setzen könne. Hier möchte ich den gelehrten Mann mit Scotus zusammenbringen. Di?ser sagt: um ein Ding im Denken als verschieden und getrennt von einem andern zu setzen, genüge die, wie er sagt, formale und objektive Unterscheidung (distinctio formaüs et objectiva). die er in die Mitte stellt zwischen der reahm Unterscheidung (d. realis^ und der bloßen Vernunftunterscheidung (d. ra tionis). So unterscheidet er die göttUche Gerechtigkeit und seine Barmherzigkeit. „Denn sie haben", sagt er, „vor jeder Operation meines Verstandes verschiedene formale Prinzipien (rationest derart, daß schon dann das eine nicht gleich dem andern ist. Und trotzdem gilt der Schluß nicht : weil die Gerechtigkeit im Denken als getrennt von der Barm- herzigkeit gesetzt werden kann, existiere sie auch getrennt." Jedoch es scheint mir, daß ich über den Rahmen eines Briefes hinausg gangen bin. Dies ist es, was ich über den mir vorgeschlagenen Gegenstand zu sagen hatte. Ihr aber, hochverehrte Männer, untersucht, was Ihr für das Bessere haltet. Wenn Ihr Euch mir anschließt, werden wir lexht Descartes mit Freundlichkeiten überhäufen, dimt er es mir in Zukunft nicht nachträgt, daß ich ihm ein klein w nie widersprochen habe. Wenn Ihr aber ihm folgt dann streike ich die Waffen und erkläre mich für unterlegen, und d is um so lieber, um nicht noch ein zweites Mal zu unterliegen.
Lebt wohll
Antwort des Verfassers auf die ersten
Einwände.
Hochverehrte Männer,
[132]
Einen tüchtigen Gegner habt Ihr mir in der Tat erweckt, einen, dessen Geist und Gelehrsamkeit mir viel hätten zu schaffen machen können, hätte der gottesfürchtige und liebenswürdige Theologe es nicht vorgezogen, die Sache Gottes und damit ihren bescheidenen Fürsprecher zu unter- stützen, anstatt sie mit aller Gewalt zu bekämpfen. Aber, obwohl diese Art, dem Gegner in die Hände zu arbeiten, an ihm höchst ehrenvoll ist, wäre dennoch ein geheimes Einverständnis an mir nicht ebenso lobenswert; und des- halb will ich hier lieber den Kunstgriff, dessen er sich be- dient hat, um mir zu helfen, auseinandersetzen, als ihm antworten wie einem Gegner.
Zunächst hat er die Grundzüge meines Gottesbeweises mit wenigen Worten wiedergegeben, damit sie sich noch besser dem Gedächtnis meiner Leser einprägten; und nach- dem er dort kurz zugegeben hat, was er für klar genug be- wiesen hielt, und dies so durch seine Autorität gestützt hat, hat er jenen einen Punkt untersucht, mit dem die hauptsäch- liche Schwierigkeit | zusammenhängt, was nämUch hierunter [13!)] dem Namen „Idee" zu verstehen ist, und welche Ursache diese Idee fordert.
Nun habe ich gesagt, die Idee sei die gedachte Sache selbst*), insofern sie in objektiver Weise im Verstände vor- handen ist. Er gibt nun vor, diese Worte ganz anders zu verstehen, als ich sie gesagt habe, um Gelegenheit zu einer klareren Auseinandersetzung über diesen Gegenstand zu haben. „Objektiv im Verstände vorhanden sem," so sagt er (s. o. S.82, Z. 13ff.), „besagt, den Akt des Verstandes selbst gemäß der Art und Weise des Objekts begrenzen. Das ist in
*; oder das Bewußtsein (nur in der frz. Ausg.).
92
Descartes, Meditationen.
der Tat eine äußere Bezeichnung und nichts der Sache An- gehöriges usw." Dazu ist zu bemerken, daß er den Gegen- stand selbst ansieht als außerhalb des Verstandes gesetzt, mit Rücksicht worauf es dann allerdings nur eme äußere Bezeichnung ist, daß er in objektiver Weise im Verstände vorhanden ist, während ich von der Idee spreche, die me^ mals außerhalb des Verstandes ist und mit Bezug worauf „objektiv vorhanden sein" nichts anderes bedeutet, als im Verstand in eben der Weise vorhanden sein, wie Objekte darin zu sein pflegen. Wenn z. B. jemand fragt, was der Sonne dadurch zustößt, daß sie objektiv in meinem Ver- stände vorhanden ist, so antwortet man ganz mit Recht, daß ihr nichts „zustößt", als eine äußere Bezeichnung, weil sie nämlich die Operation meines Verstandes nach Art eines Objektes begrenzt. Richtet sich aber die Frage darauf, was [134] die Idee der Sonne | ist, und man antwortet, daß sie die bewußt gedachte Sache ist, sofern sie objektiv im Verstände ist, so wird niemand darunter verstehen, daß es die Sonne selbst ist, sofern in ihr jene äußere Bezeichnung vorhanden ist, und es wird alsdann: „objektiv im Verstand enthalten sein" nicht bedeuten, seine Operation nach Art des Objekts begrenzen, sondern in der Weise im Verstände enthalten sein, wie es seine Objekte zu sein pflegen, so daß die Idee der Sonne die im Verstände — zwar nicht formal, wie am Himmel, aber doch objektiv, d. h. in der Weise, wie die Objekte im Verstände zu sein pflegen, — existierende Sonne selbst ist. Diese Seinsweise ist allerdings weit unvollkom- mener als die, gemäß der die Dinge außerhalb des Ver- standes existieren, aber darum nicht ein vollkommenes Nichts, wie ich schon vorher gesagt habe.
Wenn dann der gelehrte Theologe sagt (s. o. S. 83, Z. 26). jene Worte („gar nichts") ließen mehrere Deutungen zu, so scheint er die Absicht gehabt zu haben, mich auf das, was ich weiter unten bemerkt habe, hinzuweisen, damit ich es nicht etwa übersähe. £r sagt nämlich erstens, eine Sache, die so durch ihre Idee im Verstände existiere, sei nicht ein aktuelles Wesen, d. h. sei nicht etwas außerhalb des Verstandes Gesetztes. Das ist richtig. Zweitens sagt er auch, diese Sache „sei nicht etwas Erdachtes oder ein
Antwort des Verfassers auf die ersten Einwände.
98
bloßes Gedanken- Wesen, sondern etwas Reales, das deutlich im Denken gesetzt wird"; mit [diesen Worten gibt er alles [135] das zu, was ich zum Beweis herangezogen habe. Aber trotz- dem fügt er hinzu : „Weil es nur im Denken gesetzt wird und nicht aktuell ist," — d. i. weil es nur eine Idee ist und nicht eine außerhalb des Verstandes gesetzte Sache — „könne es zwar im Denken gesetzt werden, aber nie und nimmer verursacht werden" (s. o. S. 83, Z. 3— lu.), d. h. es habe keine Ursache nötig, um außerhalb des Verstandes zu existieren. Schon richtig; aber, um im Denken gesetzt zu werden, hat es doch gewiß eine Ursache nötig, und um diese allein handelt es sich. Ebenso kann man, wenn jemand die Idee einer sehr komplizierten Maschine im Verstände hat, in der Tat mit Recht fragen, was denn die Ursache dieser Idee ist. Und es würde uns nicht befriedigen, wenn uns einer erklärte, daß diese Idee außerhalb des Verstandes nichts sei, imd daß sie infolgedessen nicht verursacht werden, sondern eben nur im Denken gesetzt werden könnte; denn hier handelt es sich um nichts anderes als um die Ursache, weshalb sie im Denken gesetzt wird. Und auch die Er- klärimg würde uns nicht befriedigen, der Verstand selbst sei ihre Ursache, da sie einle seiner Operationen sei; denn darüber herrscht gar kein Zweifel, sondern nur über die Ur- sache der objektiven Kunstfertigkeit, die in ihr liegt. Denn daß diese Idee einer Maschine diese eine objektive Kunst- fertigkeit viel mehr enthält als eine andere, das muß sie in der Tat aus irgendeiner Ursache haben; imd es ist hinsichtlich dieser Idee die objektive | Kunstfertigkeit das- [136] selbe, was hinsichtlich der Idee Gottes die objektive Rea- htät ist. Und 'zwar kann die Ursache dieser Kunst- fertigkeit verschieden angegeben werden. Sie ist nämlich entweder irgendeine wirkliche, früher gesehene Maschine, nach deren Vorbild diese Idee gebildet worden ist, oder eine bedeutende, in dem Verstand dessen, der die Idee hat, vorhandene Kenntnis der Mechanik, oder etwa eine be- sonders feine Begabung, mit deren Hilfe er auch ohne vor- hergehende Kenntnis jene hat erfinden können. Und man muß bemerken, daß jede Kunstfertigkeit, die nur in objek- tiver Weise in jener Idee vorhanden ist, notwendig in for-
514
Descartes, Meditationen.
maier oder eminenter Weise in ihrer Ursache vorhanden sein muß, mag diese Ursache nun sein, welche es will.
Dasselbe gilt nun von der objektiven Realität, die in der Idee Gottes vorhanden ist. In wem aber wird sie in solcher Weise vorhanden sein außer in dem real existierenden Gott ? Aber der scharfsinnige Mann hat dies alles aufs beste er- kannt und gesteht deshalb (s. o. S. 82, Z. lu. bis S. 83, Z. 1), man könne fragen, ,,warum diese Idee die eine objektive Realität eher enthält als die andere". Auf diese Frage ant- wortet er zunächst, ,,von allen Ideen gelte dasselbe, was ich von der Idee des Dreiecks gesagt habe, nämlich, möge auch ein Dreieck nirgend in der Welt existieren, dennoch habe es eine bestimmte Natur oder Wesenheit oder Form, die un- [137] veränderlich und ewig sei." | Und „dieser Satz", sagt er, „fordere keine Ursache". Daß dies uns noch nicht be- friedigt, sieht er wohl; denn mag auch die Natur des Drei ecks unveränderlich und ewig sein, so darf man doch nichts- destoweniger fragen, wie es kommt, daß seine Idee in uns ist. Deshalb fügt er die Worte hinzu: „Wenn ich trotz dem mit aller Gewalt nach einem Grunde verlangte, so wäre dieser die Unvollkommenheit unseres Verstandes usw.* Mit dieser Antwort hat er scheinbar nur andeuten wollen, daß die, die von mir haben abweichen wollen, in dieser Sache nur ganz unwahrscheinliche Antworten vorbringen. Denn die Behauptung, die Unvollkommenheit unse es Verstandes sei die Ursache für das Vorhandensein der Idee Gottes in uns, hat wahrlich keine größere Wahrscheinlichkeit für sich als die Behauptung, die Unkenntnis der Mechanik sei die Ursache dafür, daß wir irgendeine sehr kunstvolle Maschine eher als eine andere in unserer Einbildung haben. Vielmehr verhält sich's gerade umgekehrt! Wenn jemand die Idee einer Maschine hat, in der alle erdenkliche Kunstfertigkeit enthalten sein möge, so schließt man daraus mit gutem Recht, daß diese Idee aus irgendeiner Ursache geflossen sei, in der alle erdenkliche Kunstfertigkeit in voller Wirk- lichkeit*) existierte, selbst wenn sie in dieser Idee nur in objektiver Weise**) vorhanden ist.
*) und tatsächlich (frz. Ausg.). "*) und gar nicht tatsächlich (frz. Ausg.).
I
Antwort des Verfassers auf die ersten Einwände.
96
Ebenso kann man nun daraus, daß wir in ims die Idee Gottes haben, in der alle erdenkliche | Vollkommenheit ent- [138] halten ist, ganz offenbar schließen, daß diese Idee von irgendeiner Ursache abhängt, in der jene ganze Vollkommen- heit ebenfalls vorhanden ist, d. i. in dem wirklich existieren- den Gott. Die Schwierigkeit würde auch nicht in dem einen Punkt größer erscheinen als in dem anderen, werm ebenso, wie nicht alle Leute erfahrene Mechaniker sind und des- halb die Ideen von sehr kunstvollen Maschinen nicht haben können, auch nicht alle die gleiche Fähigkeit hätten, die Idee Gottes aufzufassen; aber weil sie allen in gleichem Maße eingegeben ist und wir niemals bemerken, daß sie an uns von einer anderen Seite als von uns selbst herankommt, nehmen wir an, daß sie zur Natur unseres Verstandes gehört. Und zwar nicht mit Unrecht; aber wir vergessen etwas anderes, was vor allen Dingen betrachtet v erden muß, und wovon die ganze Kraft und Klarheit dieses Beweises ab- hängt, nämUch den Umstand, daß diese Fähigkeit, die Idee Gottes in sich zu haben, nicht in unserm Verstände sein könnte, wenn dieser Verstand nur ein endHches Wesen wäre, wie er es \virklich ist, und keine Ursache seiner selbst hätte, die Gott wäre. Deshalb habe ich auch des weiteren imter- sucht, „ob ich existieren könnte, wenn Gott nicht existierte* (s. o. S. 39, Z. 17—19), und das weniger, um eine von der vorhergehenden verschiedene | Begründung anzuführen, als [139] vielmehr, um den einen Beweisgang noch vollkommener zu veranschaulichen.
Hier aber bringt mich die übergroße Aufmerksamkeit des Mannes in eine leicht Neid erregende Lage*); denn er vergleicht meinen Beweis mit einem, den er aus Thomas V. Aquino und Aristoteles herausgeholt hat, um gewisser- maßen von mir Rechenschaft zu fordern, warum ich trotz gleichen Ausgangspunktes ihnen nicht in allen Stücken gefolgt bin. Aber es sei mir gestattet, von anderen zu schweigen und nur über das, was ich selbst gesagt habe, Rechenschaft abzulegen.
*) in eine ziemlich schwierige Lage, die geeignet ist, den Neid und die Eifersucht vieler auf mich zu ziehen (frz. Ausg.).
Pe«carte», ^Tedhationcn. 7
96
Descartes, Meditationen.
Erstens habe ich nicht meinen Beweis aus der sicht- baren Ordnung in der Sinnenwelt oder aus einer Aufein- anderfolge von wirkenden Ursachen geführt, und zwar ein- mal, weil ich das Dasein Gottes für viel evidenter hielt als das von irgendwelchen sinnlichen Dingen, und dann auch, weil es mir schien, daß ich durch jene Aufeinanderfolge von Ursachen höchstens zu der Erkenntnis von der Un- vollkommenheit meines Verstandes gelangen könnte, denn ich könnte ja nicht begreifen, wie unendlich viele solcher Ursachen einander von Ewigkeit her in der Weise gefolgt sind, daß keine die erste gewesen ist. Denn daraus, daß [140] ich das nicht | begreifen kann, folgt ganz gewiß nicht, daß irgendeine die erste sein muß, ebensowenig wie daraus, daß ich die unendlichen Teilungen in der endlichen Quantität nicht begreifen kann, folgt, daß es irgendeine letzte Teilung gibt derart, daß man nicht weiter teilen könnte; sondern es folgt nur, daß mein Verstand, der endlich ist, das Unendliche nicht faßt. Daher wollte ich zum Ausgangspunkt meines Beweisgangs lieber das Dasein meiner selbst machen, das von keiner Kette von Ursachen abhängt und mir so bekannt ist, daß nichts bekannter sein könnte; und an mir habe ich weniger untersucht, aus welcher Ursache ich ehemals hervor- gegangen war, als vielmehr, aus welcher Ursache ich im gegenwärtigen Zeitpunkt erhalten werde, um mich so von jegHcher Aufeinanderfolge*) von Ursachen zu befreien.
Zweitens habe ich nicht untersucht, was die Ursache von mir sei, insofern ich aus Geist und Körper bestehe, sondern genau nur, insofern ich ein denkendes Ding (res cogitans) bin. Und ich glaube, das macht nicht wenig aus. Denn so konnte ich weit besser mich von vorgefaßten Mei- nungen befreien, auf das Licht der Natur achten, mich selbst befragen und als gewiß behaupten, daß nichts in mir sem könne, dessen ich mir in keiner Weise bewußt bin. Das ist etwas völlig anderes, als wenn ich, weil ich meinen rij n 5;''^P^""^ ^p^ meinem Vater sehe, auch die Herkunft meines L141J Vater von | meinem Großvater betrachtete, dann bei der Aufsuchung der Ahnen meiner Vorfahren nicht bis ins Un-
♦) Folge und Succession (luite et succession) im Franiösischen,
T
V
/
Antwort des Verfassers auf die ersten Einwände. 97
endliche weitergehen könnte und nun, um die Untersuchung zu beendigen, irgendeine erste Ursache annähme.
Drittens habe ich nicht nur untersucht, was die Ur- sache von mir sei, insofern ich ein denkendes Ding bin sondern auch am meisten und ganz besonders, insofern ich neben den übrigen Vorstellungen das Vorhandensein der Idee des höchst vollkommenen Wesens in mir bemerke Denn von diesem einen Punkt hängt die ganze Kraft meiner Darlegung ab : erstlich, weil in jener Idee das Wesen Gottes enthalten ist, natürlich nur, soweit er von mir verstanden werden kann — und nach den Gesetzen der wahren Logik darf man bei keiner Sache jemals fragen, „ob sie ist (an sit)", wenn man nicht zuvor einsieht, „was sie ist (quid sit)" — • ferner, weil eben diese Idee mir die Gelegenheit gibt zur Prüfung, ob ich mein Dasein von mir habe oder von etwas anderem, und zur Erkenntnis meiner Fehler; und endlich ist es jene Idee, die mich nicht nur lehrt, daß es irgendeine Ursache von mir gibt, sondern außerdem auch, daß in jener Ursache alle Vollkommenheiten enthalten sind, und dem- nach, daß sie Gott ist.
Schließlich habe ich nicht behauptet, es sei unmöglich, daß irgend etwas die wirkende Ursache (causa efficiens) seiner selbst sei; denn obwohl dies offenbar wahr ist wenn man I die Bezeichnung „wirkend^ auf diejenigen Ursachen 11421 beschrankt, die ihren Wirkungen zeitlich vorangehen oder die von ihnen verschieden sind, so scheint doch in dieser Untersuchung eine solche Beschränkung nicht am Platze zu sein; einmal, weil es eine wertlose Untersuchung wäre — denn wer wüßte nicht, daß ein und dasselbe Ding nicht sich selbst zeitlich vorangehen oder von sich selbst verschieden sein kann? — dann auch, weil das natürliche Licht nicht lehrt daß es zur Eigenschaft eines Wirkenden erforderhch sei, daß es seiner Wirkung zeitlich vorangehe; denn gerade im Gegenteil besitzt es die Eigenschaft als Ursache nur so lange zu eigen, als es die Wirkung ausübt, und geht ihr demnach mcht zeitlich voran. Das natürliche Licht lehrt uns
''^Zu''^ ' '^^^' "^ ^' ^^^^^ ^^^^^ ^bt, bei der es nicht statthaft wäre, zu fragen, warum sie existiert, oder a'xh nach Ihrer wirkenden Ursache zu forschen, oder, wenn sie keine
1*
98
Descarte?, Meditnt innen.
hat, zu fragen, warum sie keiner bedarf. Wenn ich daher glaubte, daß keine Sache gewissermaßen sich zu sich selbst so verhalten könnte wie die wirkende Ursache zur Wir- kung*), war ich doch so weit entfernt, daraus auf das Vor- handensein irgendeiner ersten Ursache zu schließen, daß ich [143] vielmehr ini Gegenteil | die Ur:,ache gerade von der so genannten ersten Ursache nicht mehr erforschte und so nie mals zu eiaer allerersten Ursache gelangte. Nun gestehe ich aber ganz offen, daß es etwas geben kann, dessen Macht so groß und unerschöpflich ist, daß es keiner Beihilfe zu seiner Existenz bedurft hat, und das iilso auch jetzt zu seiner Erhaltung dtssen nicht bedarf, so daß dies gewissermaßen Ursache seiner selbst (causa sui) ist, und ich denke mir, daß Gott derart ist. Denn wenn ich auch von Ewigkeit her ge wesen wäre und demnach nichts früher als ich existiert hätte. sehe ich doch, daß die Teile der Zeit voneinander getrennt werden können und also daraus, daß ich jetzt bin, nicht folgt, daß ich auch in Zukunft sein werde, wenn nicht irgendeine Ursache mich gleichsam von neuem schafft in den einzelnen Augenblicken, und ich dürfte deshalb nicht Bedenken tragen jene Ursache, die mich erhält, die wirkende zu nennen. Ebenso scheint es, daß Gott -- obwohl er ja zu allen Zeiten gewesen ist ~, weil er doch ebenderselbe ist, der sich wirk lieh erhält, in nicht ungeeigneter Weise als Ursache seiner selbst bezeichnet werden kann. Dabei ist jedoch zu be achten, daß hier nicht die Erhaltung gemeint ist, die durch einen positiven Einfluß einer wirkenden Ursache zustande kommt, sondern nur, daß Gottes Wesenheit von solcher Be schaffenheit ist, daß er eben immer existieren muß. [144] ( Nunmehr werde ich leicht auf die Unterscheidung in betreff des Wortes „durch sich* erwidern können, deren Darlegung mir der gelehrte Theologe ans Herz gelegt hat (s.o.S.84, Z.6u.ff.). Manche nämlich beachten nur die eigent- liche und engere Bedeutung des Wortes „wirkend" und ^^^^^" ^1^ unmöglich, daß irgend etwas d:e wirkende Ur
•) Nach „Wirkung« werden die Worte (Man muß bemerken,
q!1"" uf" rr^^ """.^"^ "''' gemeint ist, daß die Wesenheit einer bache so beschaffen sem könnte, daß sie keiner wirkenden Ursache Dedurfte, um lu existieren) in der ersten Ausgabe hinzugefügt
Antwort des Verfassers auf die ersten Einwände.
99
Sache seiner selbst sei, und bemerken, daß hier keine andere Art von Ursache, die der wirkenden Ursache analog wäre, Platz habe ; und diese freilich pflegen, wenn sie sagen, etwas sei „durch sich", darunter nur das zu verstehen, was keine Ursache hat. Wollten jedoch diese Leute mehr auf den Si m als auf den Buchstaben achten, so würden sie leicht be- merken, daß die negative Auffassung des Wortes „durch sich" allein von der Unvollkommenheit des menschlichen Verstandes herkommt und in den Dingen keinen Grund fmdet, daß dagegen etwas ganz anderes die positive Auf- fassung ist, die sich an die Wirklichkeit der Dinge anlehnt, und von der allein mein Beweis ausgegangen ist.
Denn wenn z. B. jemand annähme, irgendein Körper sei durch sich, so meint er damit vielleicht nichts anderes, als daß er kerne Ursache habe; und das behauptet er nicht aus irgendemem positiven Grunde, sondern nur in negativer Weise, weil er keine Ursache dieses Körpers kennt. Aber das zeigt doch eine Unvollkommenheit | in dem Beurteiler [145] wie er nachher leicht sich klarmachen wird, wenn er erwägt' daß die Teile der Zeit nicht einer vom andern abhängen, und daß demnach seine Annahme, daß jener Körper bis zu diesem Augenblick durch sich, d. h. ohne Ursache gewesen ist, nicht ausreicht, um zu erklären, daß er auch in Zukunft sein wird, wenn nicht irgendeine*) Macht in ihm ist, die ihn sozusagen fortwährend von neuem hervorbringt. Sobald er nun sieht, daß es eine solche Macht in der Idee des Körpers nicht gibt, wird er sofort daraus schließen, daß er nicht durch sich ist, und wird dies Wort „durch sich" positiv lassen. In ahnlicher Weise, wenn wir sagen, Gott sei durch sich, können mr dies zwar auch negativ meinen, so nämlich daß das nur heißen soll, daß es keine Ursache von ihm gibt- aber wenn wir vorher nach der Ursache, warum er ist oder warum er im Sein verharrt, geforscht haben, wenn wir auf die unermeßliche und unfaßhche Macht achten, die in seiner Idee enthalten ist, und sie dabei als so überragend erkennen, daß offenbar sie die Ursache ist, warum er im Sein verharrt und daß es keine andere neben ihr geben kann, dann sagen
♦) reale und positive (frz. Ausg.).
100
Descaites, Meditationen.
Antwort des Verfassers auf die ersten Einwände.
101
wir, daß Gott durch sich ist, und nun nicht mehr negativ, sondern im Gegenteil so positiv wie nur möglich. Denn wenngleich es nicht nötig ist, zu sagen, daß er die wirkende [146] Ursache seiner selbst ist, um nicht | über Worte zu streiten, so ist es doch, weil wir wahrnehmen, daß das, was durch sich ist, d. h. was keine von sich verschiedene Ursache hat, nicht durch ein Nichts, sondern durch die reale Unermeß- lichkeit seiner Macht ist, für uns durchaus statthaft zu denken, daß er in gewisser Weise mit Bezug auf sich selbst dieselbe Rolle spielt, wie die wirkende Ursache mit Bezug auf ihre Wirkung, und daß er demnach positiv durch sich selbst ist. Und es ist auch einem jeden gestattet, sich selbst zu fragen, ob er in demselben Sinne durch sich ist; und wenn er dann keine Macht in sich gefunden hat, die genügen könnte, ihn selbst auch nur einen Augenblick zu erhalten, so schließt er mit Recht, er sei durch einen andern, und zwar durch einen, der durch sich ist, weil es sich um die Gegen- wart und nicht um Vergangenheit oder Zukunft handelt un 1 man deshalb nicht ins Unendliche fortgehen kann; ja, ich will hier auch hinzufügen, was ich jedoch vorher noch nicht gesagt habe, daß man nicht einmal zu der nächsthöheren Ursache gelangt, sondern daß überhaupt die, die soviel Macht besitzt, daß sie eine außer sich befindliche Sache er- hält, um so mehr sich selbst durch ihre eigene Macht erhält und somit durch sich ist.
*Und um hier einem Einwand zu begegnen, den man vielleicht machen könnte, daß nämlich der, der sich in dieser Weise selbst fragt, möglicherweise die Macht, sich zu er- halten, besitzt, ohne sich dessen bewußt zu sein, sage ich, daß das unmöglich ist, und daß, wäre diese Macht in ihm, er notwendig Kenntnis von ihr hätte. Denn da er sich in diesem AugenbHck nur als ein denkendes Ding betrachtet, kann nichts in ihm sein, wovon er nicht Kenntnis hätte oder haben könnte, weil alle Handlungen eines Geistes, wie die
* Dieser Al)schnitt (bis: hervorbringt) steht nur in der fran- zösischen Ausgal)e. Es kann hier nur ein Zusatz von Descartes vorliegen, der ja, wie im Vorwort erwähnt, die französische Über- tragung Clerseliers korrigiert hat; darum ist das Obige in den Text eingesetzt worden.
i
wäre, sich selbst zu erhalten, wenn sie aus sich hervorginge, Gedanken sind und demnach dem Geiste gegenwärtig und bekannt sind, und so auch jene ihm gegenwärtig und be- kannt sein würde; durch sie aber würde er notwendig dahin kommen, die Fähigkeit zu erkennen, die ihn hervorbrächte. Jede Handlung führt uns nämlich notwendig zur Kenntnis der Fähigkeit, die sie hervorbringt.
Wenn man aber sagt, „jede Beschränkung sei durch eine Ursache** (s. o. S. 85, Z. 12), so meint man wohl | etwas [147] Richtiges, drückt es aber mit wenig geeigneten Worten aus und beseitigt die Schwierigkeit nicht. Denn, um es in ge- eigneter Weise auszudrücken, so ist Beschränkung nur die Verneinung einer noch weiteren Vollkommenheit, welche Verneinung nicht durch eine Ursache, sondern die be- schränkte Sache selbst ist. Obwohl es aber wahr ist, daß jede Sache durch eine Ursache beschränkt ist, ist das doch nicht ohne weiteres klar, sondern muß von irgendeiner andern Seite her bewiesen werden. Wie nämlich der fein- sinnige Theologe sehr richtig erwidert, muß man annehmen, daß eine jede Sache auf diese oder auf jene Weise be- schränkt ist, entweder weil derjenige, welcher sie hervor- gebracht hat, ihr nicht mehr Vollkommenheiten gegeben hat, oder weil ihre Natur von solcher Beschaffenheit ist, daß sie nur eine bestimmte Anzahl von ihnen aufnehmen kann*): weil das zu ihrer Natur gehört **), wie es die Natur des Drei- ecks ist, nicht mehr als drei Seiten zu haben. Aber das scheint mir ohne weiteres klar zu sein, daß alles das, was ist, entweder durch eine Ursache oder durch sich als durch eine Ursache ist. Denn da wir nicht nur das Dasein, sondern auch die Verneinung des Daseins verstehen, können wir uns nichts ausdenken, das so durch sich wäre, daß man keinen Grund angeben könnte, warum es lieber existiert als nicht exi- stiert. Das bedeutet, daß wir jenes „durch sich'* nicht mit den Worten ,,als durch eine Ursache* erklären dürfen, wegen der Überfülle der Macht, deren Vorhandensein allein in Gott sich leicht nachweisen läßt.
*) entweder — kann: nur in der frz. Ausg. **) weil — gehört: nur in der lat. Ausg.j .
102
Descartes, Meditationen.
Was er darauf mir zugibt (s. o. S. 85, Z. 9 u.ff.), wird, ob- 1148] wohl es wirklich ganz unzweifelhaft ist, doch so wenig | im
allgemeinen beachtet und ist dabei von solcher Wichtigkeit, um die ganze Philosophie aus dem Dunkel*) wieder ans Licht zu erheben, daß er, indem er dies durch sein Zeugnis bekräftigt, mir in meinem Vorhaben eine große Unter- stützung ist.
Hier stellt er die kluge Frage, „ob ich k^ar und dtstinkt das Unendliche erkenne" fs. o. S. 8B, Z. 10); denn obgleich ich diesem Einwände zuvorzukommen versucht habe, liegt er doch für einen jeden so nahe, daß es sich lohnt, etwas ausführhcher auf