«I ^5*5^-e<-<^ t^-^<^ecc- ^^^^'au^/e.^^ le una autenmache vom cAiittelalter bis x^ur Geaanwarir ^Auch den heften Quellen hearheitel: von Willi bald £e0^hv£ütqendürff > Anton Ackermann, 30. Hornung 1838 in Ordnung ge- richtet«. Acton, A. W. — Woolwich. 1846. 1870 Englischer Geigenmacher, dessen Zettel sich in einigen guten Violinen findet. Acton, William J. — Woolwich, London (Gipsey Lane). Geb. 12. Dez. 1848 in Woolwich Sohn und Schüler von A. W. A. Er begann seine Lauf- bahn mit einer Kopie nach Stainer und hat seither über 140 Violinen, 12 Violen, 30 Violoncelli und 10 Kontra- bässe gebaut. Er verarbeitet vorzügliches Tonholz und bereitet sich seinen Bernsteinöllack selbst. Im Jahre 1898 verlegte er seine Werkstatt nach London. Sein Modell ist dem des Stradivari ähnlich, der Ton seiner Geigen ist edel und voll. Er gilt auch als geschickter Bogenmacher und ist äußerst sorgfältig als Wiederher- steller. Er beschäftigt keine Gehilfen und macht daher alles selbst, auch ist er ein tüchtiger Geiger. Meredith Morris veröffentlichte in »TheStrad« Jan. 1900 seine Biographie mit Bildnis usw. Geigenzettel: William J. Acton, / Maker / St Mary Street, Woolwich 188 . . (gedruckt). — William John .Acton / Maker / Forest Gate London 1 898 (geschrieben). Adam, G. Christian. — Halle, Berlin. Geb. um 1835, t 1886 oder 1888 Ein gewissenhafter Geigenmacher, der es zwar nicht zu besonderer Meisterschaft gebracht hat, aber als Repa- rateur nicht ohne Bedeutung war. Er war zuerst in Halle a. S. ansässig und siedelte um 1860 nach Berlin über. Seine Geigen sind sauber gearbeitet, meist aber zu schwer im Holz, sein Lack ist undurchsichtig und hart. Er war ein guter Lehrer; sein bester Schüler ist Oswald Möckel. In seinen letzten Jahren mußte er mit Schwierigkeiten kämpfen, weshalb er nur mehr schlech- tes Holz verarbeitete, das ihm seine Berliner Fach- genossen für billiges Geld überließen. . Geigenzettel : Zu Ton verhelfen / G. Chr. Adam G|Ch Berlin 1 883 (gedruckt). — Reparirt von C. Adam / A Halle a.S. 1858 (gedruckt). Adam, ... — Caen, f vor 1783 Ein wahrscheinlich aus Mirecourt stammender Luthier» dessen Geigen ohne Eigenart sind. Adam, Jean. — Mirecourt. 1790. 1820 Er soll ursprünglich Geigenbauer und als solcher vor- übergehend in Valence gewesen sein, ist aber nur als Bogenmacher bekannt geworden, ohne es auch dann zu besonderer Geschicklichkeit gebracht zu haben. Seine Bögen sind in der Regel nur gewöhnliche Handels- ware. Adam, Jean-Dominique. — Mirecourt. Geb. 30. Dez. 1795 in Mirecourt, f das. 1864 Schüler und Nachfolger seines Vaters Jean A. und wie dieser nur Bogenfabrikant. Nur die besseren Bögen ver- sah er mit dem Brandstempel : Adam. Er war nicht un- geschickt und konnte auf Bestellung recht gut arbeiten. Namentlich seine Bögen mit achteckiger Stange sind gut gelungen. Adam (eigentlich Grandadam). — Mirecourt. Geb. in Mirecourt 26. Febr. 1823, f das. 19. Jan. 1869 Schüler seines Vaters Jean-Dominique, den er aber, vornehmlich als Bogenmacher, weit überflügelte. Brandmarke: Adam. Adam, Johann. — (Mark-)Neukirchen. 1677 Er wird unter den Geigenmachern genannt, die 1677 von Graslitz nach Neukirchen übersiedelten und hier die Geigenmacherzunft begründeten. Arbeiten von ihm nachzuweisen, ist bis jetzt nicht gelungen. Ich bin sogar geneigt, anzunehmen, daß es sich hier nur um die Vor- namen eines Schönfelder( ?) handelt, und daß in der Zunftliste der Familienname nur versehentlich weg- gelassen ist. Adams, Cathune. — Garmouth (Schottland). 1775. 1805 Er hat viele Kits, Violinen und VitDloncelli gebaut und diese oft reich mit Perlmutter und Elfenbein eingelegt. Sein Modell erinnert in mancher Hinsicht an N. Amati, Adams — Airth er verwandte einen dünnen, gelben Spirituslack. Es soll in Garmouth noch ein zweiter gleichnamiger Geigen- macher gelebt haben. Geigenzettel: Adams, Ma. / Garmouth , 1782 (geschr.). Adams, Oliver. — Boston. 1897 In einer guten Geige frei nach Stradivari fand sich sein Zettel. Geigenzettel: Abb. 23. Adamsen, P. P. — Kopenhagen Begründete 1866 in Fyrkilde bei Hobro (Jütland) seine Fabrik von Streichinstrumenten. Seine Arbeiten werden gelobt ; in Musikerkreisen sind seine Bässe am meisten geschätzt. Adanl, Pancrazio. — Modena. 1775. 1827 Hauptsächlich als Gitarren- und Mandolinenbauer be- kannt. Er scheint einen Sohn gehabt zu haben, der noch um 1868 arbeitete. Addison. William. — London. 1665. 1670 Ein englischer Violenbauer, der von Sandys und Forster, die seinen m emer Viola gefundenen Zettel mitteilen, erwähnt wird. Eine Liraviole von ihm be- findet sich in der Sammlung Galpin (Hatfield). Geigenzettel: William Addison in Long .Alley , over against Moorfields 1670 (gedruckt). Adler, Carl August. — Markneukirchen. Geb. 7. Nov. 1828, t 4. Juni 1869 Sohn und Schüler von Joh. Gg. A., arbeitete wie sem Vater meist für Händler. Adler, Eduard. — Grünberg in Schlesien Geb. 1865 in Bodzanowitz, war ursprünglich Cellist und als solcher Mitglied verschiedener Theater- und Konzertorchester. Er besuchte die Werkstätten von Edler in Frankfurt, von Riechers und Möckel in Berlin und Hammig in Leipzig, bildete sich allmählich auto- didaktisch zum Geigenmacher aus und gründete im Jahre 1888 sein Geschäft, in dem er seit Jahren tüchtige Gehilfen beschäftigt. Seine Spezialität ist die Repa- ratur; beim Neubau arbeitet er nach Stradivari und ver- wendet Ottoschen Ollack sowie Spirituslack. Er ist Verf. eines bei Merseburger in Leipzig 1895 erschienenen Büchleins über die Behandlung und Erhaltung der Streichinstrumente. Geigenzettel : Gefertigt von ; Eduard .Adler / Grünberg in Schles. 18 . . (geschrieben). .^dler, Johann Georg. — Markneukirchen. Geb. 1800 in Wernitzgrün. f 15. Dez. 1866 in Markneukirchen (66 Jahre 10 Monate 1 8 Tage alt) Da er hauptsächlich billige Geigen für Händler gebaut hat, dürften nur wenige Werke seiner Hand mit seinem Zettel vorkommen. Er verwendete jedoch in seinen besseren Arbeiten einen Brandstempel mit seinem Na- men J.G.Adler. Eine so gezeichnete Viola von ihnj besaß Arnold Voigt. Aelbrechts, Jakob. — Antwerpen 1558, f vor 1584 Lauten mit seinem Namen kommen noch heute vor; eine solche besaß vor einigen Jahren ein belgischer Musiker. Aelbrechts, Lukas. — Antwerpen. 1588 Sohn von Jakob Ae. Im Jahre 1 588 wurde er als Meister aufgenommen. Wenn er auch hauptsächlich Clavecin- macher war, so dürfte er doch, wie sein Vater und die meisten seiner Zunftgenossen, auch Lauten gebaut haben. Aerninck, Heindrick. — Leyden. 1681. 1736 Die Arbeiten mit diesem Namen sind so verschieden, daß man an zwei gleichnamige Meister denken muß. Die älteren gleichen denen von Willems in Gent, die jüngeren denen von Cuypers. Aglio s. Dall'Aglio Agostini, Sante. — Palermo?. 1822 Sein Name wurde auf einem Reparaturzettel (In einer Geige von .Achner) gefunden. S. D'Agostino. Aicher, Hans. — Füßen. 1690 Er war Lautenmacher und wohnte in der Vorstadt. Arbeiten von ihm sind mir bisher nicht zu Gesicht ge- kommen. Aicher, Mathias. — Füßen. 1666 Vielleicht ein Enkel des im Jahre 1535 aus München in Füßen eingewanderten Peter Aicher. In den Akten des Hochstifts Augsburg (im Kreisarchiv in Neuburg) heißt es von ihm: »Derzeit Schulmeister, sonsten ein Lauten macher.« — Er wohnte im zweiten Stadt- viertel. L'Air s. Claudot Airaghi, Cesare. — Mailand. 1883 Als selbständiger Geigenmacher ist er wenig hervor- getreten; einige bessere Instrumente, die er gebaut hat, ließen jedoch erkennen, daß er sorgfältig zu arbeiten verstand. Aireton, Edmund. — London. Geb. um 1727, t 1807 Angeblich der Sohn eines gleichnamigen, schon 1735 vorkommenden Geigenmachers und ein Verwandter des Kirchenkomponisten Edmund Ayreton (1734 bis 1808), der unter Händel Hilfsorganist der Westminster- abtei war. Edm. A. gilt als ein Schüler Peter Wamsleys und ahmte Stainer und Amati nach. Die Arbeit ist gut, sein gelbbrauner Lack dagegen stumpf und der Ton unbedeutend. Da er viel für Norris & Barnes arbeitete, kommen verhältnismäßig selten Geigen mit seinem Zettel vor; eine solche aus dem Jahre 1755 war 1872 in South Kensington ausgestellt. Airth,William.- Edinburgh. Geb.um 1 840. 1 889 Schüler und Schwiegersohn von James I. Hardie. Er arbeitete von 1860 bis 1881 in Edinburgh und wanderte dann nach .Australien aus. 10 Aisele — Alban Aisele (Aisile) s. Eisele Alba. — Lyon. 1822 Geschäftsteilhaber von Micollier (s. d.); ais Geigen- macher ist er jedoch ohne Ruf. Alban, Franz. — Graz. 1 724 Ob er in irgendeiner Beziehung zu der Bozener Famihe Alban oder zu den italienischen Albanis steht, ist nicht festzustellen gewesen. Arbeiten von ihm sind sehr selten. Ich habe eine einzige Violine mit seinem Namen und der Jahreszahl 1 724 kennengelernt, die sich in der Fürstl. Lobkowitzschen Sammlung auf Schloß Raudnitz befindet. Geigenzettel: Franciscus Albanus fecit / Grecia in Styna anno 1724 (gedruckt). Alban, Johann Michael. — Graz. Geb. um 1677 In Bozen, f 27. März 1730 in Graz Sohn erster Ehe und jedenfalls auch Schüler von Mathias A. Er scheint bei Wolfgang Sagmayr gearbeitet zu haben, dessen Tochter Eva Rosina er am 14. Februar 1702 heiratete, wodurch er das Geschäft seines damals bereits verstorbenen Schwiegervaters erwarb. Was sich an tatsächlichen Angaben über sein Leben ermitteln ließ, hat Dr. Fr. Waldner in der Innsbrucker Ferdi- nandeums-Zeitschrift (III. Folge, 55. Heft) veröffent- licht. Joh. Mich. A. war nach Sagmayrs Tod zweifellos der beste in Steiermark tätige Geigenmacher. Es haben sich noch viele Arbeiten von ihm erhalten. Häufiger als Violinen kommen jedoch Violoncelli von ihm vor, die übrigens nur in den F-Löchern an Arbeiten seines Vaters erinnern. Die Einlagen sind bei ihm weiter vom Rande entfernt, wodurch dieser breiter erscheint, die Ecken sind stumpfer, und auch die Schnecke ist mas- siger, sehr hübsch sind dagegen immer die statt der Schnecke oft vorkommenden Engels- oder Frauen- köpfchen. Die Wölbung ist ziemlich hoch. Der Lack ist rotbraun, von guter, fetter Beschaffenheit und fein- rissig, wodurch seine Arbeiten fast ein italienisches Aussehen erhalten. Auch das Holz ist gewöhnlich gut, nur sind die Böden auffällig dünn, so daß sie jetzt fast regelmäßig gefüttert werden müssen. Bei seinen Geigen soll er einen gelblichen Lack vorgezogen haben. Auf seinen in Kupferstich ausgeführten Zetteln, die in der Mitte das Grazer Wappentier zeigen, ist die Zahl 17 vorgedruckt, die mit Tinte hinzugefügte Jahreszahl fast regelmäßig so verblichen, daß sich genaue Jahreszahlen nur selten feststellen lassen. — Von seinen Söhnen scheint keiner Geigenmacher geworden zu sein. Drei Violinen von ihm besitzt Abt Sales Bauer in Rein (Steiermark), eine prächtig erhaltene große Viola Prof. Ant. Mayer in Admont. Geigenzettel : Abb. 2. Alban, Joseph. — Bozen. Geb. 28. März 1680 in Bozen, f das. 10. Jan. 1722 Jüngster Sohn von Matthias A. und dessen erster Frau Elise Luggin und wahrscheinlich Schüler seines Vaters. Nach Dr. Fr. Waldners Feststellungen war er um 1 709 in der Fremde, heiratete im Jahre 1712 Anna Maria Magdalena Rorer und starb kinderlos. Man kennt nur wenig von ihm, auch werden seine meisten Arbeiten jetzt wohl unter dem Namen seines Vaters gehen. In seinen jüngeren Jahren wird er als Gehilfe seines Vaters nur selten seinen Zettel in Geigen geklebt haben, sicher aber in seme Gesellen- urd Meisterstücke, daher ist es nicht auffällig, wenn Geigen mit der Jahreszahl 1703 schon seinen Namen tragen. Geigenzettel : Abb. 9. Alban, Joseph Anton. — Bozen. Geb. in Kaltem vor 1730(?), f 6. Juli 1771 in Bozen Er war ein Sohn des jüngsten Stiefbruders von Math.A. Wessen Schüler er war, läßt sich nicht feststellen. Es scheint aber, daß er den von der Familie wahrscheinlich aufbewahrten Nachlaß von Joseph A. übernommen und sich dann als dessen Geschäftsnachfolger betrachtet hat. Dadurch erklärt es sich bis zu einem gewissen Grad, daß er die Zettel mit dem auf ihn eigentlich nicht zu- treffenden Wortlaute »Josephus filius Math. Albani usw.« beibehalten hat. Mit seiner Arbeit hat er seinem Namen Ehre gemacht. Nach Dr. Fr. Waldners Fest- stellungen heiratete er am 13. Februar 1759 Maria Bar- bara Ortner. Geigen von ihm befinden sich auf dem Musikchor der Bozener Pfarrkirche. Alban, Matthias. — Bozen. Geb. zu St. Niko- laus m Kaltem am 28. März 1 621 , f m Bozen 7. Febr. 1712 Obwohl er neben J. Stamer der berühmteste Tiroler Geigen- und Lautenmacher war, sind seine äußeren Lebensumstände so schnell vergessen worden, daß selbst sein Name unrichtig in der italienisch klingenden Form Albani auf die Nachwelt gekommen ist. Selbst Beda Weber berichtete von ihm nur, daß er eine Geige von ihm aus dem Jahre 1645 kennen gelernt habe. Meine fortgesetzten Versuche, aus Kirchenbüchern und Magi- stratsakten einige Angaben über ihn zu erhalten, blieben jahrelang erfolglos. Wohl nahm ich auf Grund der mir bekannten Arbeiten an, daß er im Jahre 1621 geboren sei, wohl trat ich dafür ein, daß er, da es noch, wie mir glaubwürdig versichert wird, Geigen von ihm mit der Jahreszahl 1712 gibt, bis über das neunzigste Lebensjahr arbeitsfähig geblieben sei ; ein urkundlicher Beweis für diese Annahmen fehlte aber. Da gelang es endlich Dr. Franz Waldner in Innsbruck, dem sorg- fältigen Erforscher der Geschichte der Tiroler Geigen- und Lautenmacher, Licht in das Dunkel zu bringen. Nach seinen Feststellungen, die er im 55. Heft (II I.Folge) der Ferdinandeums-Zeitschrift veröffentlicht, ist Mat- thias Alban als ältester Sohn des Bauern Johann A. und dessen erster Ehefrau Agnes Selva in Kaltem (Uber- etsch) geboren und hat am 24. Mai 1671, also erst im Alter von 50 Jahren, zum erstenmal geheiratet. Seine Frau war Elisabeth, eine Tochter des Schlossermeisters J. Luggin (Lugg oder Luchini), f 1680. Am 4. Nov. 1682 ging er eine zweite Ehe ein mit Rosina Perlat, Maurermeisterstochter aus Brixen. Als er hochbetagt starb, hinterließ er ein ansehnliches Vermögen, und Dr. F. Waldner macht mit Recht darauf aufmerksam, wie glatt sein Leben verlief im Vergleich zu dem Jakob Stainers. — Wo M. Alban geleVnt hat, läßt sich noch nicht feststellen. Ich bin geneigt, ihn für einen Mit- schüler seines Altersgenossen Jak. Stainer zu halten; Albanesi — Albert 11 Deide haben viel Gemeinschaftliches m ihrer Arbeit, wenn auch Stainer der wesentlich genialere Meister war. In seinen jüngeren Jahren war M. Alban sicher von seinem Landsmann beeinflußt. Seine Geigen sehen in seiner ersten Zeit gut tirolisch aus, und es ist auf- fällig, daß sich etwa von 1680 an eine deutliche Stil- wandlung bemerkbar macht: eine Anlehnung an ita- lienische Vorbilder. Hat er damals Gelegenheit gehabt, Italien zu besuchen? Daß er schon in seiner Jugend bis nach Rom gekommen, ist unwahrscheinlich, obwohl behauptet wird, daß von dort datierte Arbeiten von ihm vorhanden sein sollen. Mir ist trotz eifrigen Nach- forschens eine solche von zweifelloser Echtheit bisher aber nicht vorgekommen, nur solche ohne Ortsbezeich- nung oder mit der ausdrücklichen Angabe Bozens als Ursprungsort. Echte Geigen mit echten Zetteln, die über 1 706 hinausgehen, kenne ich zwar nicht, doch soll es noch solche von 1712 geben. M. Alban wird in der letzten Zeit wahrscheinlich an seinem Sohne Joseph einen für ihn arbeitenden Gehilfen gehabt haben. Seine Geigen galten im 18. Jahrhundert, neben denen von Amati und Stainer, als die besten, die man kannte; da- her wurde sein Name auch vielfach mißbraucht und in Geigen angebracht, die nicht einmal von ferne an seine Arbeit erinnern. Sein bestes Modell nähert sich der Amati-Schule, ist aber meist sehr hoch gewölbt, mit hohen Zargen. Die Arbeit ist sehr sorgfältig. Das Deckenholz besonders schön, der Boden meist schlich- tes Ahornholz, der rötlich-braune, wenig elastische Lack von italienischem Charakter. Die F-Löcher sind zu weit offen; statt der Schnecken liebt er Köpfchen, Drachen und Fratzen anzubringen. Bei den Violen bleibt er den hergebrachten Formen treu, schneidet Schallöcher in Schlangenlinien und bringt unter dem Griffbrett noch ein durchbrochenes rundes Schalloch an. Wie auch Stradivari, erreichte er erst in seiner zweiten Lebenshälfte die Höhe seiner Kunst. Er ist minder originell als Stainer, kommt ihm im Tone aber sehr nahe. Hoffentlich wird sich die archivalische For- schung noch weiterhin mit ihm beschäftigen und we- nigstens die Frage lösen, wo er gelernt hat und wann er m Italien war. Er gebrauchte verschiedene, fast immer gedruckte Zettel, auf denen er sich stets Albanus oder Alban, nie aber Albani oder Albanius nannte. Er hat auch gute Bogen gemacht, ja es wird sogar behauptet, daß sie besser waren als die zu seiner Zeit in Cremona her- gestellten. Ausführlicheres über seine Familienverhält- nisse findet sich in Dr. Waldners mehrfach genannter Arbeit. Eine Liste seiner noch erhaltenen Geigen usw. müßte erst zusammengestellt werden. Eine prächtige Violine von ihm aus dem Jahre 1673 besitzt Dipl.-Ing. Rieh. Renner in Tutzing (flache Wölbung, 160 und 204 mm breit, Korpus 353 mm lang, Zargen überall 28 mm hoch). Eine Taschengeige von ihm aus dem Jahre 1680 war 1872 in South Kensington ausgestellt. Eine Chitarrone von 1696 besitzt Fritz Wildhagen in Haiensee, der ein gleiches Instrument von Magnus Stegher mit einem Reparaturzettel Albans von 1698 in seiner Sammlung hat. Geigenzettel: Abb. 3, 10. 25, 26. Albanesi, Sebastiane. — Cremona. 1 720. 1 744 Nach De Piccolellis und Vidal war er ein Schüler von Carlo Bergonzi. Er ist nicht originell und bevorzugt ein an dieMailänderSchule erinnerndes Modell von flacher Wölbung. Lack und Ton sind unbedeutend. Albani, Filippo. — 1773 Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie A., dessen Zettel De Wit veröffentlicht. Der Stammsitz der Fa- milie war vielleicht Bologna, wo der Name lange hei- misch gewesen ist. Geigenzettel : Filippo Albani fecit ' Anno 1 773 (gedr.). Albani, Leopoldo. — Ancona. 1883 Wenig bekannter Reparateur. Albani, Michele. — Palermo. 18. Jahrhundert Ein wenig bekannter Meister, vielleicht ein Sohn von Paolo A. Der Vorname hat dazu veranlaßt, ihn mit dem in Graz nachweisbaren Michael Alban zu identifizieren. Es handelt sich jedoch um zwei verschiedene Meister aus zwei in keiner Beziehung zueinander stehenden Familien. Mantua, Mailand. 1763 Albani, Nicola. 1770 Er könnte mit Paolo A. verwandt gewesen sein. Geigen von ihm zeigen gewöhnlich ein großes flaches Patron und haben einen sehr schönen rötlichen Lack, aber nicht immer gut gewähltes Holz. Ihres starken, oft edlen Tons wegen dürfen sie als vorzügliche Orchester- instrumente gelten. Ingenieur 0. Rüders in Wien besaß eine gute Violine von ihm. Eine dunkel lackierte, aus Mailand datierte Violine von ihm befindet sich in Regensburg m Privatbesitz. Geigenzettel: Nicolaus Albani / fecit Mantua 1763 (ge- druckt). — Nicolaus Albani fatte / Milano 1770 (ge- schrieben). Albani, Paolo. — Palermo, Rom, Cremona. Gen. »Signor Albani« Seine Zeit wird in die Jahre 1630 — 1666 gesetzt, Vidal meint noch 1670 und erwähnt, daß dieser Geigen- macher auch einen Sohn, der um 1720 gewirkt habe, dessen Vorname aber noch nicht feststeht, gehabt haben soll. (Vielleicht Paolo Alvani?; s. d.) Ich sah eine ihm zugeschriebene Geige mit der Jahreszahl 1673, Grillet setzt ihn von 1650 — 1680, lobt seine Arbeit und sagt, daß man ihn für einen Schüler Nicolo Amatis halte. Daß ein Gio Paolo Albani 1723 in Bozen gelebt habe, wie mehrfach behauptet wurde, ist mehr als unglaub- würdig. Alber. — Pfronten- Weißbach. 1920 Em Geigenmacher, der in der Füßener Gegend und m Tirol einen guten Kundenkreis hat. Albert, Charles Francis. — Philadelphia. Geb. in Freiburg i. B. 25. Dez. 1842, f 1. Juli 1901 in Philadelphia Altester Sohn von John A., mit dem er als Kind nach Amerika und m seinem zwölften Jahre nach Phila- delphia kam. Er war nacheinander bei einem Sattler, in einer Sägefabrik, bei einem Messerschmied und einem Juwelier in der Lehre, bis er sich entschloß, dem Bei- 12 Albert — Albrecht spiele seines Vaters folgend, Geigenmacher zu werden. Natürliches Talent und Handgeschicklichkeit kamen ihm dabei sehr zustatten, und nachdem er sich 1865 selbständig gemacht hatte, kam er bald zu Ansehen und galt schließlich als einer der besten amerikanischen Geigenmacher seiner Zeit ; er wurde als solcher auch von den besten europäischen Geigern, die nach Ame- rika kamen, anerkannt und hat auch zahlreiche Aus- stellungsmedaillen erhalten. Er arbeitete hauptsächlich nach einem großen Modell und verwendete altes, ameri- kanisches Holz. Er kopierte auch Stradivari, Guarneri und andere ältere Meister, machte allerlei Erfin- dungen (Kinnhalter, Maschinen zum Saitenüber- spinnen, Saitenmesser usw.) und hatte viele Medaillen. Außer seinem Zettel^) gebrauchte er auch eine Brand- marke. (C. F. Albert Philada [in einem Oval].) Geigenzettel : Abb. 4. Albert, Charles F. jun. — Philadelphia. Geb. 1869 Sohn, Schüler und Nachfolger von Charles F. Albert, dem er in der Arbeit gleichkommt. Er gebraucht den Zettel, den sein Vater seit 1881 verwendete. .Mbert, John. — New York, Philadelphia. 1848. 1887 Ursprünglich Advokat in Baden. 1848 flüchtete er sich nach Amerika, wo er Geigenmacher wurde. Seine Ar- beit ist gut. Albert, Eugen J. — Philadelphia. 1885-1902 Jüngerer Sohn von John A. Auf der Ausstellung in New Orleans 1885 erhielt er den ersten Preis; in Chi- cago war er mit einer guten Baßgeige vertreten. Albert, Leon. — ? Geschätzter französischer Geigenbauer des 19. Jahr- hunderts, der ein amatisiertes Stradivari-Modell nach- ahmt. Alberti, Ferdinande. — Mailand. 1737. 1760 Er wohnte erst in der Contrada Larga und dann in der Contrada del Pesce und hatte die Krone (»Segno della Corona«) zum Ladenschild, die vorher Giovanni II. Grancino geführt hat, dessen Geschäftsnachfolger er also vermutlich war. Seine Arbeit erinnert an die der Grancini, er ist aber nur ein Meister dritten Ranges. Geigen von ihm kommen selten vor, sind mittelmäßig in der Arbeit, manchmal gut im Holz und haben gelben Lack. Er verwendete verschiedene, nur wenig vonein- ander abweichende Zettel. Eine Violine von ihm (von 1741) besaß J. Müller in Schönbach. Geigenzettel : Ferdinando Alberti fece in Milano / nella Contrada del Pesce al Segno ' della Corona. A^^- 1745 (gedruckt). Alberti, Guglielmo. — Arezzo 1877 Italienischer Geigenmacher ohne Eigenart. Albertini, Carlo. — Mailand. 19. Jahrhundert (Vater und Sohn.) Eine Gitarren- und Mandolinen- fabrik, in der ausschließlich sog. lombardische Man- dolinen gemacht werden. Sie nimmt den Ruhm für sich in Anspruch, die älteste in Italien zu sein, die lom- bardische Mandolinen herstellt. R om. ^) Bis 1871 nur geschriebene Zettel: Made by C. F. Albert. Albertis, Peter de (»Pietro Alberto«). 1578, lebte 1598 noch Ein geborener Flamländer, der sich zu Rom »in Pa- rione" als Lautenmacher niederließ und dort sehr ge- schätzt wurde. G. Masetti, der Agent des Hauses Este in Rom, rühmt ihn in einem Briefe ganz besonders. Von seinem Leben ist wenig bekannt, nur so viel, daß er 1 582 von dem deutschen Lautenmacher Peter Pfanshel zum Testamentsvollstrecker ernannt wurde und von ihm dafür eine Ebenholz-Laute vermacht erhielt. Er war auch der Schwiegervater von Matteo Buckenberg. Eine seiner Archilauten italienischen Stiles aus dem Jahre 1598 besitzt W. Heyers Musikhistorisches Mu- seum in Köln, eine Mandore Antoine Gautier in Nizza. Der Zettel in letzterem Instrument ist nicht vollständig, die Ortsangabe zeigt nur noch den ersten Buchstaben; Vidal las statt R . . . ein B und machte kurz ent- schlossen »Bologna« daraus. Geigenzettel: Petrus Albertus 1598 (gedruckt). — Petrus Albertus / faciebat R(omae) (gedruckt). Alberto, Andrea di. — Rom. 1608 Ein vlämischer Lautenmacher, der in der Via dei Liu- tari wohnte ; er war vermutlich ein Sohn des 1 598 noch erwähnten Peter de Albertis. Vielleicht war Giorgio Alberto, der Verfertiger einer Taschengeige, die sich in Heyers Musikhistorischem Museum in Köln be- findet, sein Sohn. Eine Ortsangabe fehlt zwar ebenso wie eine Jahreszahl, die Arbeit gehört jedoch wohl noch dem 17. Jahrhundert an. Albinus. — ?. 14. Jahrhundert Einer der ältesten Lautenmacher, dessen Heimat man iedoch nicht kennt, wenn auch anzunehmen ist, daß er in Italien ansässig war. Die ihm zugeschriebenen Violen haben zumeist einen gitarrenförmigen Körper. (Vgl. Valdrighi.) Albrecht, Johannes. — Krems. Geb. 1766 in Oberneustift, f 7. Dez. 1828 in Krems Er war der Nachfolger von Magnus Anton Fichtl, des- sen Witwe Marianne er am 16. Juni 1793 heiratete. Nach deren Tode ging er 1806 eine zweite und 1813 eine dritte Ehe ein. Seine Arbeit ist im ganzen etwas handwerksmäßig, aber doch noch gut zu nennen. Geigenzettel: Johannes Albrecht me fecit Cremsii 1826 (gedruckt). — Johannes Albrecht , fecit Krems 1808 (gedruckt). Albrecht, Melgior. —Hamburg. 1797 Da sich bisher keine Arbeiten von ihm nachweisen ließen, steht nicht fest, ob er Klaviere oder Lauten und Geigen gebaut hat. Man weiß von ihm nur, daß er am 5. Mai 1797 als »Instrumentenmacher« Bürger von Hamburg wurde. Aldred — AUetsee 13 Aldred. — London. 1600 Allessandroni, Paolo. — Rom. 1850. 1860 Einer der guten englischen Geigenbauer des 1 7. Jahr- Ein unbedeutender Musikinstrumentenmacher, dessen hunderts, der schon um 1560 gearbeitet haben soll. wenige Violinen, die er selbständig gemacht hat, weder Mace erwähnt ihn in »Musicks Monument ■■ (erschienen Eigenart noch Künstlerschaft verraten. 1676) bei Besprechung der Violen: "Of such there are ... .,, __ l' ;„ .u. ,.,„.u ;K,n tkn.. nf Aldred « usw. Aletzie s. Alletsee ..j better in the world than those of Aldred . . . . .« usw. Um so mehr ist es zu beklagen, daß bisher keine Ar- beiten von ihm zum Vorschein kamen. Vgl. Hosborn. Aldric, Fran^ols Antoine. — Mirecourt. Geb. 20. März 1727, f nach 1775 Sohn des Jean A. Arbeiten von ihm sind mir noch nicht vorgekommen. Aldric, Jean. — Mirecourt. 1726. 1730 Ein geschickter Geigenmacher, von dem man an- nehmen kann, daß er auf seiner Wanderschaft nach Italien gekommen war. Aldric, Jean Fran^ois. — Paris. Geb. 28. April 1765 in Mirecourt, f 1843 Sohn des Jean Fran?ois A. und der Charlotte Mougenot. Er ließ sich um 1788 in Paris nieder. Ein geschickter Vertreter der französischen Schule, der nach dem Strad. -Modell arbeitete und manchmal selbst N. Lupot nahekam. Er verwendete meist roten, nur manchmal zu dicken Lack und war besonders dafür bekannt, daß er alte Violen in moderne Geigen trefflich umzubauen verstand, die er dann wohl auch als Originale alter Meister verkauft haben wird. Als Händler hatte er be- sondere Bedeutung, und er war auch der erste Pariser Alletsee (Alletsche, Aletzie, Alleci), Paul Geigenbauer, der mit dem Sammelgenie Tarisio in Ver- der Rue des Arcis Allard. Claude. —Paris? 1671 In der Sammlung des Barons Lery befindet sich eine sehr schöne Laute mit diesem Namen, doch ohne An- gabe des Wohnorts. Allard, Fran?ois. — Paris. 1776. 1789 Unbedeutender Geigenmacher, von dem nur wenig vorkommt. Er wohnte zuerst Place Maubert und von 1788—89 in der Rue du Petit-Pont No. 9. Er ist wahr- scheinlich der Sohn der Witwe Allard, die von 1775 bis 1783 im Adreßbuche aufgeführt wird. AUegretti, Massimiliano, genannt Monfer- rino. — Soliera (Modena). 1873. 1883 Besserer Geigenmacher, der bei dem modenesischen Ebenisten Alessandro Lusvardi gearbeitet hat und dieser Tätigkeit eine große Handgeschicklichkeit ver- dankt, die ihm namentlich bei Wiederherstellungen sehr zustatten kam. Allen, Noah Wenig bekannter amerikanischer Geigenbauer aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. bindung trat. Er wohnte zuerst in der Kue des Nr. 16, dann Rue de Bussy Nr. 30 und seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts Rue de Seine Faubourg St. Ger- main No. 71 ('^pres Celle de Bussy). Sein Geschäfts- nachfolger war um 1840 sein Neffe Aubry. Er ver- wendete sowohl geschriebene als gedruckte Zettel. Für seine Geigen erhielt er in der Regel 150 — 200 Francs. Eine Violine von ihm befindet sich im Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 27). Gelgenzettel. .'\bb. 5, 6, 7. Aldovrandi, Emilio. — Bologna. 1850. 1882 Ein Geigenmacher dritten Ranges, der sich hauptsäch- lich mit der Wiederherstellung alter Streichinstru- mente beschäftigte. Alessandro, genannt il Veneziano. Um 1 540 Eine Laute von ihm war 1880 in Turin ausgestellt. Vidal u. a. erwähnen ihn mehrfach, doch war Genaueres nicht festzustellen, da aus seinem Beinamen wohl seine Heimat hervorgeht, nicht aber, wo er gelebt hat, wäh- rend sein wirklicher Familienname überhaupt nicht be- kannt ist. Alfrede?). -Örebro. 1831 In einer Geige wurde der beistehende geschriebene Zettel gefunden. Der Name ist so verschnörkelt ge- schrieben, daß man statt Alfred auch A. Gred lesen könnte. Geigenzettel : Forfärdigad af / Alfred in Orebro 1 83 1 (geschrieben). München. 1698, f 1738 (?) Zweifellos einer der besten Lauten- und Geigenmacher Bayerns. Er dürfte aus der Gegend von Füßen oder Vils stammen. In Pfronten im bayrischen Allgäu ist noch heute eine Familie Alletsee ansässig. Auf einer nach hinten zu abfallenden Terrasse des Gebirgskammes, der sich vom Lech bei Füßen bis gegen Pfronten der Grenze entlang hinzieht. Hegt 865 m hoch und genau 1 km Luftlinie nördlich von Vils (auf der bayrischen Seite) der Alatsee (oder Aletsee, wie er auf den älteren Karten eingetragen ist). Von diesem See dürfte der Name Alletse wahrscheinlicher abzuleiten sein als von den Aletschgletschern. Paul A. wurde öfter der ita- lienischen Schule zugezählt, doch hat er nur sehr wenig Italieriisches an sich; in seiner Arbelt überwiegt der deutsche Stil. Seine ältesten, mir bekannt gewordenen Geigen tragen die Jahreszahl 1698, die jüngsten gehen nicht über 1735 hinaus. Als Ursprungsort gibt er stets München an, nur in einer Viola d'amore, die L. van Waefelghen in Paris besaß, liest man »Venetia 1720«. Die Jahreszahl dürfte mindestens falsch gelesen sein, denn in der Sammlung Snoeck befand sich eine Tenor- Viola d'amore aus dem gleichen Jahre, die wieder München angibt. Es könnte aber immerhin ein vorüber- gehender Aufenthalt in Venedig angenommen werden. Sein Todesjahr ist nicht zu ermitteln, doch kommt in den Münchener Hofzahlamtsakten usw. von 1747 an und noch 1761 seine Witwe Maria Anna Alletseein, die als »Hoflautenmacherin« bezeichnet wird, vor. Er dürfte 1738 gestorben sein, da in diesem Jahre sein Schwieger- sohn Johann Andreas Kämbl sein Nachfolger wird. 14 Allin — Aman I Alletsee besaß eine große Handgeschicklichkeit, guten Geschmack und Formensinn, und so zeichnen sich seine Arbeiten durch Sorgfalt und Zierlichkeit in den Einzel- heiten aus. Am häufigsten kommen größere Geigen (Violen, Liebesgeigen, Violoncelli usw. und besonders Baßinstrumente, die sich zu seiner Zeit einer weit über München hinaus gehenden Beliebtheit erfreuten) von ihm vor, doch kennt man auch eine Reihe schöner Violinen von seiner Hand. In der Wahl des Holzes erweist er sich als Kenner, und sein hellgelber oder dunkelroter Lack hat vorzügliche Eigenschaften. Semen Namen schrieb er selbst verschiedenartig, auf seinen Zetteln bediente er sich der deutschen, lateinischen und italienischen Sprache, wobei er München in »Monaco« übersetzte, was einige Schriftsteller zu dem Irrtum ver- leitete,' ihn nach dem Fürstentum »Monaco« zu ver- setzen. Violen von ihm befinden sich im Germanischen Museum in Nürnberg (von 1713), im Museum Franc. - Carolinum in Linz (von 1724), im Nationalmuseum in München (von 1730), in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln, im Hohenzollernschen Museum in Sigmaringen usw. usw. Die meisten Geigen haben Löwenköpfchen u. dgl. am Wirbelkasten. Solche brachte er auch bei seinen Violoncelli an, wie ein Bei- spiel im Cisterzienserinnenkloster Oberschönenfeld bei Augsburg zeigt. Eine Nonnengeige vom Jahre 1732 be- findet sich in der Sammlung des Historischen Kreis- vereins in Landshut in Bayern und eine ebensolche von 1737 besaß C. C. Snoeck. Ein Baryton mit 6 Darm- und 1 1 Metallsaiten von ihm (Korpus 65 cm, ganze Länge 132cm) besitzt C.Claudius in Kopenhagen. Eine Viola mit hübsch geschnitztem Köpfchen besaß A. J. Kochendörfer in Stuttgart. Geigenzettel : Paulus Alletsee f. / Lauten und Geigen- / macher i. München / 1724 (gedruckt). — Paolo Aletzie Monaco / 1730 (gedruckt) und Abb. 18, 27, 28. Allin, Jos. — Lebt als Gelgenmacher in London Altenöder s. Neuner & Hornsteiner Althenn, Georg Philipp. — Frankfurt a. M. Geb. 1719 in Frankfurt a. M. 1750 Sohn von Peter Althenn und wie dieser Instrumenten- macher und Musiker. Er war Mitglied der städtischen Kapelle, erwarb 1793 das Bürgerrecht und wurde da- mit selbständiger Meister. Eine sechschörige Zither von ihm besitzt die Sammlung Crosby Brown in New York (Nr. 1297). Althenn, Peter. — Frankfurt a. M. 1 706. 1719 Ein Musiker und Instrumentenmacher, der 1706 aus Kelsterbach a. M. nach Frankfurt eingewandert und Mitglied der städtischen Kapelle geworden war. Für seine Stellung spricht es vielleicht, daß sein Sohn 1719 vom Kapelldirektor Telemann aus der Taufe gehoben wurde. Altimira. — Barcelona. 1850. 1880 Musikinstrumentenfabrikant. Seiner Geigenbauwerk- statt stand Etienne Maire-Breton vor, als dessen Arbeit daher die Violinen Altimiras betrachtet werden müssen. Altrichter, J. — Frankfurt a. 0. Eine Fabriksfirma, die hauptsächlich Blechinstrumente herstellt, aber auch Geigenmacher beschäftigt und Re- paraturen ausführt. Alvani, Paolo. — Cremona. 1750. 1755 Wahrscheinlich Sohn oder Enkel von Paolo Albani. Einige wenige aber gute Violinen, deren Modell an Guarneri erinnert, tragen diesen Namen. Holz und Lack sind von lobenswerter Beschaffenheit. Amaglioni. 1839 Wenig bekannter italienischer Geigenmacher, der rech' sauber nach Stradivari arbeitete. Aman, Georg. — Augsburg. Geb. 28. März 1671 in Vils, fnach 1717 Er stammte aus Vils und heiratete nach dem Hochzeits- amtsprotokoll vom 13. Februar 1695 die Witwe des Lautenmachers M. Wöhrlein (Wörle), wo es heißt: »Georg Aman von Fülsz Lautenmacher ledigstandts u. Ursula Schnitzlerin, weyl. Matthias Wohrlin's ge- westen Lautenmachers seel. Wittib« usw. usw. Im .Augsburger Steuerbuche von 1717 wird er noch ge- nannt. Da man jedoch Geigen von ihm kennt, die die Jahreszahlen 1688—1729 tragen, läßt sich die Zeit seines Wirkens noch um einige Jahre verlängern. Seine Arbeit ist gut, er wechselt jedoch die Modelle mehrfach und bringt am Wirbelkasten gern geschnitzte Köpfchen an. Das Holz ist oft mit Sorgfalt ausgewählt, der Boden meist aus einem Stück und Hals und Schnecke aus Birnbaumholz. Sein Lack, der sich nicht gerade aus- zeichnet, ist von hellroter bis dunkelbrauner Farbe. Seine Violinen haben keinen großen Ton, am besten sind seine großen Geigen (Violen, Violoncelli und Bässe). Eine aus dem Jahre 1699 stammende Taschen- geige besitzt das Germanische Museum in Nürnberg. eine hübsche, kleine Laute von 1707 das Hohenzol- lemsche Museum in Sigmaringen, eine Violine von 1716 die Staatssammlung vaterländischer Altertümer in Stuttgart und ein Altquinton von 1729 die staatliche Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 875), eine Laute und eine hübsche dunkelbraune Violine Konzertmeister Fr. Eib! in Innsbruck usw. In der Wiener Musik- und Theaterausstellung war er mit einer Pochette vertreten. Er schreibt seinen Namen stets Aman (nicht Amann, aber auch nicht Amma). Geigenzettel: Abb. 19. Aman, Mathias. — Augsburg. 1720. 1765 Vielleicht ein Sohn von Georg Aman oder jener Matth. Aman aus Memmingen, der sich als Kammacher und Bürger in Augsburg niederließ und am 9. Juni 1 720 den Konsens zur Verehelichung erhielt. In letzterem Falle könnte er immerhin ein Verwandter und Schüler Georg A.s gewesen sein. Seine Geigen sind denen von Georg A. ähnlich. Auch er zog große Modelle vor und baute hauptsächlich Violen und Bässe, seltener Geigen. Geigenzettel : Mathias Aman / Lauten- / und Geigen- macher in / Augspurg 1 764 (gedruckt). Amati, Andrea — Amati, Hieronymus I 15 Amati, Andrea. — Cremona. Geb. um 1535, fnach 1611 Der Stammvater der berühmten Geigenmacherfamilie, deren Ahnen sich bis ins frühe Mittelalter (1097) zu- rückverfolgen lassen, und die, wie Lancetti, de Picco- lellis u. a. annehmen, deutschen Ursprungs war. Andreas Geburtstag zu ermitteln, gelang noch nicht, da die Kirchenbücher aus so früher Zeit nicht mehr vor- handen sind. Auch sein Todestag ließ sich nicht fest- stellen; er scheint also nicht in Cremona selbst ge- storben zu sein. Nach dem Wortlaut des Totenscheines seiner zweiten Frau muß er im Jahre 1611 noch gelebt haben. Von seinem Leben ist nicht allzuviel bekannt. Schon 1554 ging er seine erste Ehe ein, doch ist der Name der Frau nicht angegeben. Er hatte von ihr drei Kinder, darunter Antonio und Girolamo. Gegen 1609 verheiratete er sich zum zweiten Male mit der erst 18jährigen Angiola de Migli, die schon zwei Jahre später starb. Alles, was über seine Lehrer gesagt wird, ist nur Vermutung. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß er m Cremona selbst gelernt hat, es ist auch möglich, daß er in seiner Lehrzeit zu den Brescianem Bezie- hungen hatte ; aber es geht zu weit, wenn man geradezu Giammarcello del Busetto als seinen Lehrer angibt. Daß er ein Schüler Gaspar da Salos gewesen sei, läßt sein Alter schon cJs unglaublich erscheinen. An die Brescianer erinnern höchstens seine weiten F-Löcher und die abfallenden Ecken ; in der Hauptsache hielt er sich an die überlieferten Modelle. Es sind übrigens nur wenige Instrumente erhalten, die ihm mit einiger Sicherheit zugeschrieben werden können, aber auch diese sind meist vielfach ausgebessert. Anfangs baute er, wie erwähnt, noch nach den alten Gambenmodellen, und erst allmählich nahm er die jetzt gebräuchliche Geigenform an. Er bevorzugte ein kleines Patron, wählte gutes Holz, das er in entsprechender Stärke ver- wendete. Der Boden ist fast immer nach der Schwarte geschnitten. .-Xuch sein Lack ist in der ältesten Zeit noch der bei Lauten- und Violinenbauem des 16. Jahr- hunderts häufig verwendete schwarz-rötliche; später kommt er davon ab und gebraucht einen dunkelgelben oder hellbraunen Lack, den er nur etwas zu dick auf- trägt. Die Wölbung ist ziemlich hoch, weshalb auch der Ton nicht allzu voll klingen kann, doch ist er silberhell und weich. Bei den F-Löchern sind die oberen Punkte fast ebensogroß wie die unteren. Den heutigen Anfor- derungen entsprechen seineViolinen freilich nicht mehr, sie werden aber immer einen hohen Sammelwert be- halten. Er war schon bei Lebzeiten sehr berühmt und soll auch von König Karl IX. von Frankreich viel be- schäftigt worden sein. Belege hierfür ließen sich freilich nicht finden, doch dürfte der alten Überlieferung im- merhin etwas Wahres zugrunde liegen. Ein schönes, echtes Violoncello von ihm besitzt Simoutre in Paris, ein anderes Mr. J. H. Bridges. Eine Liste seiner erhal- tenen Werke müßte noch aufgestellt werden. Andrea war der Begründer des Ruhms seiner Familie, deren Name vielleicht am meisten mißbraucht wurde. Jede ältere Geige, die nur einigermaßen italienisch aussieht, vioirde mit dem Namen eines der Amati getauft. Geigenzettel : Andrea Amati in ,' Cremona M.D.LXXI I (gedruckt). Amati, Antonio. — Cremona. Geb. zwischen 1555 und 1560. fnach 1640 Altester Sohn von Andrea A. Er arbeitete viele Jahre gemeinsam mit seinem Bruder Hieronymus. Ihre stets trefflichen Instrumente erinnern anfangs noch an die Arbeiten des Vaters. Ihre späteren und besseren Geigen haben eine weniger hohe Wölbung. Die verschiedenen, mit einem gemeinsamen Zettel (s. Abb. 20) bezeich- neten Instrumente stimmen nur selten miteinander überein, so daß man die Arbeit der Brüder unter- scheiden zu können vermeint ; die besseren werden dem talentvolleren Hieronymus zugeschrieben. Der Lack ist anfangs dicker und dunkel (kirschbraun), später wird er dünner und hat schöne Orangefarbe. Nach dem Tode seines Bruders zeichnete er seine Arbeiten nur mit seinem Namen. Die Brüder haben nicht allzuviel Werke hinterlassen; ihre Geigen sind aber meist vor- züglich erhalten, was man vielleicht der immerhin noch hohen Wölbung zuschreiben kann. Eine Decke mit hoher Wölbung besitzt größere Elastizität und vor allem größeren Widerstand gegen den Saitendruck, obwohl sie dünner ausgearbeitet werden kann. (In der Brust ließen die Brüder Amati das Holz in der Regel 2 bis 2,8 mm dick.) Freilich hat eine Violine mit flacher Decke einen größeren und wohl auch edleren Ton. Die Brüder waren, wie ihr Vater, weit über ihr Vaterland hinaus berühmt und wurden namentlich in Frankreich hochgeschätzt. Auch sie bauten prächtig ausgestattete Geigen für den französischen Königshof^). Zwei vor- zügliche Violen von ihnen besitzt die Hofkirche in Dresden. Es sind vielleicht die größten bisher bekannten Violen ihrer Zeit und befinden sich noch im Original- zustande mit den alten Hälsen. Boden, Zargen und Schnecke sind nach der Schwarte geschnitten. Der braungoldgelbe Lack ist von außerordentlicher Durch- sichtigkeit und Weichheit; die beiden Violen sind nur wegen ihrer Größe schwer spielbar. Eine sehr schöne Violine der Brüder befindet sich auch in der Sammlung des Apoth. E. Meisner in München-Nymphenburg. Geigenzettel : Abb. 20. Amati, Hieronymus (Girolamo) I. — Cremona. Geb. um 1556, t 2. November 1630 an der Pest, der wenige Tage vor ihm auch seine Frau und zwei Töchter erlegen waren Jüngerer Sohn von Andrea A. In der ersten Ehe (um 1576) vermählt mit Ippolita Zucchielli, von welcher er fünf Töchter hatte. Am 24. Mai 1 584 ging er mit Laura Lazzarini eine zweite Ehe ein, von der er neun Kinder bekam; das fünfte davon war Nicola. Hieronymus war ungleich talentvoller und origineller als sein Bruder und wie dieser bedeutender als der Vater. Er arbeitete mit seinem Bruder gemeinsam. Daß sich in den letzten Lebensjahren die Brüder getrennt haben sollen, ist nicht wahrscheinlich, da es noch Violinen mit gemein- samem Zettel und der Jahreszahl 1630, also dem Todes- jahr Girolamos, gibt. Der von Grillet veröffentlichte Zettel mit dem Namen »Hieronimus (sie) Amati« trägt die Jahreszahl 1640 und erweist sich dadurch als Fäl- ^) Vgl. Heron-.Allens .Aufsatz über die bemalten Amati- Geigen. 16 Amali, Hieronymus II — Amati, D. Nicolaus schung^). Wenn man auch mehrfach versucht hat, die Arbeiten der beiden Brüder auseinanderzuhalten, so können sie doch nur gemeinsam beurteilt werden. Alles an ihren Geigen verdient Lob, und ihre Arbeit weist in allen Einzelheiten einen sichtbaren Fortschritt gegen ihre Vorgänger auf. Sie führten auch die Aushöhlung der Decke zu beiden Seiten des Steges ein, wodurch der Ton süßer und lieblicher wurde. Violinen von ihnen kommen nicht zu selten vor, Violen besitzen der König von England, W. E. Hill & Sons usw. usw. Geigenzettel: Antonius & Hieronymus Fr. Amati / Cremonen. Andreae fil. F. 1630 (gedruckt) und Abb. 21. Amati, Hieronymus (Girolamo) II. — Cre- mona. Geb. 26. Febr. 1649, f 21. Febr. 1740 Dritter Sohn von Nicola A., bei dem er bis zum Jahre 1684 arbeitete. Er war seit 1678 mit Angiola Carettoni (t 1685) verheiratet und hatte drei Kinder, die früh starben. Man hat sich daran gewöhnt, ihn als den un- bedeutendsten Meister der Familie zu betrachten ; man tut ihm aber damit sicher unrecht, und erfreulich ist es, daß auch Hill in seinem Buche über Stradivari eine Lanze für ihn bricht. Es gibt Geigen von ihm. die den Namen Amati in allen Ehren tragen. Er scheint unter dem Einflüsse seines Mitschülers Stradivari gestanden zu haben und bevorzugte bei seinen ersten Arbeiten ein großes Patron, auch die Ecken machte er öfter Stradi- vari nach. Die Schnecke bildet er wuchtiger aus als sein Vater, jedoch im Lack steht er ihm nach und erinnert in dieser Beziehung eher an Bergonzi durch die Bevor- zugung einer rotbraunen Farbe. So weicht er in man- chen Einzelheiten von den Traditionen seiner Familie ab; er scheint dies aber in der Erkenntnis getan zu haben, daß Stradivari seinen Vater überflügelt habe, weshalb er versuchte, es seinem genialeren Mitschüler gleichzutun. Die F-Löcher verraten noch den alten Schwung der Amatischule, wenn sie auch manchmal sorgloser geschnittener scheinen. Gerade seine F-Löcher aber sind schuld, daß man jede Geige der Amatischule mit abweichenden F-Löchern auf seinen Namen taufte und dabei sehr oft ganz geringwertigen Arbeiten zu einem bedeutenden Namen verhalf. Zettel, auf denen der Taufname Hieron imus statt Hieronymus ge- schrieben erscheint, sind von vornherein als falsch zu betrachten ; ich glaube auch, daß alle Zettel, auf denen der Name seines Vaters nicht angegeben ist, verdächtig sind. Er war lange genug Gehilfe in der väterlichen Werkstatt und hat an Nicolas letzten Arbeiten gewiß einen nicht unbedeutenden Anteil ; er wird sich daher sowohl zur Unterscheidung von Girolamo I als auch zu seiner eigenen Empfehlung stets auf seinen be- rühmten Vater berufen haben. Geigenzettel: Hieronymus Amati, figlio / di Niccolo Amati Cremona 17 . . (gedruckt). — Revisto e corretto da me / Girolamo Amati figlio di Niccolo / Amati Cre- mona 1710 (gedruckt). Amati, Nicola. — Cremona. Geb. 3. Dez. 1 596, t 12. April 1684 Sohn und Schüler des talentvollen Girolamo 1 und Enkel Andreas. Er war seit 1645 mit Lukrezia Pagliari ) Im besten Falle hat man es mit einem falsch da- tierten Zettel von Hier. II. (Nicolas Sohn) zu tun. (geb. 1619, f 1703) vermählt. Einer seiner Trauzeuger war sein Schüler Guarneri. Von seinen neun Kindern wurde nur Girolamo II ein Geigenbauer. Nicola Amati war der größte Kunst 1er aus seiner Familie. Bis etwa 1625 arbeitete er ziemlich genau nach dem Modelle seines Vaters; häufiger als Violinen scheint er damals Gamben und Violen gemacht zu haben. Auf der Höhe seiner Kunst stehend, findet er allmählich sein eigenes Modell, das er schließlich zu dem sog. »Großen Amati- modell« ausgestaltete. Es war dies die schönste Frucht seines rastlosen Strebens und sichert seinem Namen in der Geschichte des Geigenbaues einen unvergänglichen Ruhm, auch wenn die Werke seiner großen Schüler jetzt vorgezogen werden, weil sie den heutigen Anfor- derungen besser entsprechen. Er war im Vollbesitz dessen, was man jetzt so gerne das »Geheimnis der Cremoneser« bezeichnet. Seine Arbeit verrät den denkenden Künstler, und es ist sicher, daß er seine wissenschaftlichen Kenntnisse, die er zweifellos be- sessen hat, nicht nur auf empirischem Wege erwarb. Wölbung und Holzstärke sind besser erdacht und feiner berechnet als bei allen seinen Vorgängern. Der Rand ist schräg abgerundet, die F-Löcher kühn im Schwung, die Schnecke meist klein, aber elegant, das Holz pracht- voll gewählt und der Lack elastisch und feurig, von gelbbrauner bis rotgoldiger Farbe. Er war von be- stimmendem Einfluß auf die ganze Cremoneser Schule, und fast alle Meister ersten Ranges vom Beginn des 18. Jahrhunderts waren direkt oder indirekt seine Schüler. Er nahm das Gute der Brescianer sowie aller seiner Vorgänger auf. Die Formen werden bei ihm edler, das Format zierlicher, die überreiche äußerliche Verzierung fällt weg, und dafür wird der Wahl des Holzes und des Lackes besondere Aufmerksamkeit zu- gewendet. So sind seine Geigen vollendete Kunstwerke; der Ton ist zwar mehr lieblich als groß, entsprach aber vollkommen der Forderung seiner Zeit, und deshalb behaupteten seine Geigen den allerersten Platz bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts unbestritten. Er baute Violinen, Violen und Violoncelli; es gibt aber auch einige Bässe von ihm, darunter solche, die seinen Namen und Jahreszahlen von 1580 bis 1586 tragen. Man hat daher angenommen, daß er einen gleichnamigen Oheim gehabt haben müsse. Wahrscheinlich sind es Arbeiten von ihm mit gefälschter Jahreszahl. Von den vielen mir bekannt gewordenen Geigen von ihm nenne ich die in der Sammlung Th. Hämmerle in Wien sowie die des Direktors Wilh. Kux in Wien von 1673, des Col. T. B. Shaw-Hellier (1646) und des Rev. E. H. Fellowes(I679)! Ein Violoncello von 1656 besitzt C. Claudius in Kopen- hagen, eines von 1676 die Sammlung Savoye. Ein vor- treffliches Violoncello von mittlerer Größe aus dem Jahre 1 762 besitzt der Sachs. Kammermusiker Richard Wohlrab in Dresden. — Daß Nie. A. seine eigenen Arbeiten von denen seiner Schüler strenge auseinander- hielt, beweisen die Abb. 12 und 22. Geigenzettel : Nicolaus Amatus Cremone e / Hieronymi filii fecit. An. 1651 (gedruckt). — Nicolaus Amatus Cremonen. Hieronymi / Fi!, ac Antonij Nepos fecit 1677 (gedruckt) und Abb. 12 und 22. Amati, D. Nicolaus. ^ Bologna. 1723. 1737 Das D. vor seinem Namen auf seinem (bei de Wit ver- öffentlichten) Zettel läßt eigentlich nur die Deutung Amali — Anda 17 Don (von lat. Dominus) zu. Diesen früher nur der höheren GeistHchkeit zustehenden Titel führten im 18. Jahrhundert die Mönche, und man geht daher wohl nicht fehl, wenn man diesen Träger des Namens Amati für einen Geistlichen bei S. Cosmas und Damian hält, der den Geigenbau nur aus Liebhaberei betrieb. Auf einigen Zetteln steht allerdings em C. statt des D. Seine Leistungen werden als mittelmäßig bezeichnet, und seine Zugehörigkeit zur Cremoneser Familie ist nicht klar. Geigenzettel : D. Nicolaus Amati Fecit Bononiae Apud SS: Cosma, et Damiani, 1723 (gedruckt). — D. Nico- laus Amati fecit Bononiae 1 737 (gedruckt) und Abb. 1 3. Amati (fingierte Mitglieder der Familie) Im Stift Kremsmünster befindet sich eine Violine mit der Jahreszahl 1640 und dem Namen Francesco Amati in Cremona. — Eine lange und schmal^Violine von häßlicher Form, ungleich auf beiden Seiten, mit allen Zeichen des Dilettantismus, trägt die Inschrift: Jo Giovanni Amati fece questo violino del 1610 da... (unleserlich, vielleicht Vicenza); eine andere Violine nennt einen Giuseppe Amati in Bologna. Professor Kahle in Bochum besitzt eine unbestreitbar alte, hoch- gewölbte Violine von 'LuigiAmati 1662«, die zweifel- los von deutscher Herkunft ist; in Dresden befindet sich eine solche mit dem Zettel: »Pietro Amati, Napoli*. Noch schlimmer erscheint ein Taronimus (sie) Amati in Absom (sie) 1627. — Unwissenheit oder Berechnung ließ diese fingierten Mitglieder der be- rühmten Familie entstehen ; in jedem Falle aber war es dabei auf Täuschung abgesehen. Amatls, Glambattista. — Venedig. 1677 Von Valdrighi erwähnter Geigenmacher, der sonst nicht bekannt ist. Amberger, Max I. — München. Geb. 1838, t 11. Nov. 1889 Sohn, Erbe und Nachfolger von Heinrich A. Wenn er auch Geigen reparierte, so war er doch vorzugsweise Zithermacher. Er erfand allerlei Verbesserungen für die Zither und baute auch nach Fr. Xaver Steiners An- gaben die erste Konzertzither (Primzither mit größerer Mensur). Er übergab 1887 sein im Jahre 1863 be- gründetes Geschäft seinem gleichnamigen Sohne. C. Claudius in Kopenhagen besitzt eine Philomele von ihm. Geigenzettel : Reparirt ,' Max Amberger / Reichen- bachstraße Nr. 39 in München (gedruckt). Amberger, Max II. — München. Geb. 28.0kt. 1863 Schüler seines Vaters Max A. I, dessen Geschäft er 1887 übernahm. Er war Bayrischer Hofinstrumenten- fabrikant und baut Konzertzithern, für die er bereits viele Medaillen erhalten hat. Amberger, Heinrich. — München. 1 860, f 1 91 0 Wie die übrigen Mitglieder seiner Familie hauptsäch- lich Zithermacher, oder, wie er sich nannte: Saiten- instrumentenfabrikant. Ambrogl s. Ambrosi V. Lütgendorff, Geig-en- und Lautenmacher. Bd. II Ambrolse. — Paris. 18. Jahrhundert Ein Pariser »Luthier« dritten Ranges, dessen Werke wenig geschätzt sind. Am besten gelangen ihm noch seine Gitarren. Geigenzettel: Abb. 17. Ambrosch, Karl. — Schönbach b. Eger. 1826 Ein Geigenmacher, dessen Nachkommen noch heute im Geigenbau tätig sind. Ein Johann Ambrosch hat seit 1892 in Schönbach eine Streichinstrumentenfabnk. Brescia, Rom. Ambrosi (Ambrogi), Pietro. 1712. 1748 Die durch den Dialekt veranlaßte schwankende Schreib- weise des Namens hat dazu verführt, zwei Meister aus ihm zu machen. Er dürfte erst um 1 745 nach Rom über- gesiedelt sein. Nach seinem von De Piccolellis mitge- teilten Zettel stammte er aus Cremona, was man seiner Arbeit aber wenig ansieht. Er baute oberflächlich nach Stradivari und verwandte wenig Sorgfalt auf die Wahl des Holzes und des Lackes. Geigenzettel: Petrus Ambrogi Crem. ,' fecit Romae an. 17.. (gedruckt) und Abb. 1 1 . Ambrosio s. D'Ambrosio Amelot. — Lorient (Frankreich). 1821. 1842 Gewöhnliche, französische Arbeit, kleiner Ton, manch- mal gelber, meist aber rötlicher Lack. Am besten sollen seine Kontrabässe sein. Er verwendete einen mit dem Stadtwappen verzierten Zettel. Geigenzettel : .Xmelot, luthier A Lorient, 1829 (gedr.). Amlcl, Luigi. — Rom. Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts Wahrscheinlich nur Gitarren- und Mandolinenmacher. Er wohnte in der Via del Pellegnno Nr. 44 und ist un- bedeutend. Sein Zettel aus einer Doppelmandoline findet sich in De Wits »Geigenzettel alter Meister« ab- gebildet. Eine hübsch gearbeitete Doppelmandoline von ihm befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln (Nr. 660). Amman, Erhard. — Haag. 1751. 1770 Er gilt als guter Geigenmacher; doch gelang es mir nicht, Arbeiten von ihm kennen zu lernen. Amourdedieu. — Amiens (Dep. Somme). 1900 Geigenbauer und Musikinstrumentenhändler der Gegenwart. Anciaume, Bernard. — Mlrecourt (Lüttich?). 1783. 1789 Wenig bekannter Geigen- und Lautenmacher des 18. Jahrhunderts. Er verwendete eine Brandmarke mit seinem Namen. Eine Arbeit von ihm befindet sich — aus der Sammlung Snoeck (Nr. 531) — in Berlin. Anda. — Hyeres. 1801 Nur als Reparateur bekannt. Geigenzettel: Repare par Anda / ä Hyeres l'an 1801 (geschrieben). 2 18 Anderlini — Andrescu Anderlini, Giuseppe. — Spilamberto (Modena) 1860 Er baute zwar in seiner Jugend einige Violinen, ist aber kein Geigenmacher, sondern Fabrikant landwirtschaft- licher Geräte und Maschinen. Dilettantisch in der Ar- beit, sorglos in der Wahl des Holzes und des Modells. Andersen, Charles, 1880. 1900 Denver (Colorado). Ein trefflicher Musiker, Organist, der sich gründliche Kenntnisse im Geigenbau angeeignet hat und über eine große Handgeschicklichkeit verfügt. Anderson, John I. — Aberdeen. Geb. 1829 in Alford, t 1 883 in Aberdeen Schüler von Matthew Hardie. Er begann schon als acht- jähriger Knabe Geigen zu machen. Er baute nach einem kleinen Stradivari-Modell und verwendete einen selbst- bereiteten Ollack in verschiedenen Farben. Er machte durchschnittlich zwei Geigen im Monat fertig und war ein vorzüglicher Geiger. Geigenzettel: Made by / John Anderson / Aberdeen (gedruckt). Anderson, John II. — Glasgow. Geb. 25. Dez. 1 856 In Aberdeen Sohn und Schüler von John I, A. Er hat sehr viele Geigen nach Stradivari gebaut, ist ein vorzüglicher Geiger und Violinlehrer und auch sonst sehr musi- kalisch. Geigenzettel : Made by / John Anderson / Bon-Accord Violin Maker / Glasgow 18 . . (gedruckt). Anderson, Henry. — Edinburgh. Geb. In Auchtermuchty 1839 Er war ursprünglich Tischler, hat es aber als Geigen- macher zu großer Geschicklichkeit gebracht und über hundert Geigen nach Guarneri gebaut. Sein Lack ist meist gelb oder mahagonifarben. Er gebraucht keine Zettel, sondern schreibt seinen Namen mit Feder oder Bleistift in seine Geigen und bringt außen einen Brand- stempel an. Andorff, M. C. R. — Nordhausen a. H. 1884. 1885 Nur durch einen Reparaturzettel bekannt. Er wohnte 1884 in Nordhausen, verließ diese Stadt aber am 30. Oktober 1885, um nach Adorf in Sachsen überzu- siedeln. Andrade. — Lissabon Portugiesischer Gitarren- und Mandolinenmacher. Andre & Co., eine 1885 gegründete Gelgen- macherfirma In London Andrea, Giovanni. — Rom. 1606 Ein Flamänder, von dem nur die italienisierten Namen bekannt sind und der 1606 bei Visco da Piperno ge- arbeitet hat. Andrea, Pletro. — Venedig. 1650. 1700 Vermutlich der Meister, von dem der Modeneser Castaldi Bellerofonte singt : »Con Andrea, liutar poi siate pratico perche non voglio piü la sua amicizia ne, la mattina, ber seco il liatico.« (Manuskript im Besitze Valdrighis) Andreas, Heinrich. — Schönbach b. Eger. Ge- gründet 1881 Ein Streichinstrumentenmacher, der hauptsächlich Handelsware herstellt. Andreae, Johannes. — Verona, Venedig(?). 151 1 In einer wundervollen Lira da Braccio der Kunst- sammlung des Hauses Este in Wien findet sich der geschtiebene Zettel: Joannes Andree. Veronen./adi 12 Agosto 1511. Giovanni d'Andrea gibt hier nur seinen und seines Vaters Taufnamen an. Trotz eifriger Nach- forschung gelang es mir noch nicht. Näheres über diesen hervorragenden Meister festzustellen. Die Lira trägt außerdem noch die griechische Inschrift: AVniZ lATl'OI. Enix AxePünoii:. t2\ii. Andrejeff, V.V. — St. Petersburg. 1889. 1911 Ein ausgezeichneter Musiker, der durch große Konzert- reisen mit seinem großrussischen Orchester berühmt geworden ist. Er hat das Verdienst, ein altrussisches Volksinstrument, das bereits anfing, in Vergessenheit zu geraten, die Balalaika, so verbessert zu haben, daß es den gesteigerten Anforderungen unserer Zeit ent- spricht, so daß es jetzt wieder außerordentlich in Auf- nahme gekommen ist. Hierbei standen ihm Meister Nalinow und Passierbski zur Seite. Auch die altrus- sischen Volksinstrumente Domra und Gußli sind von A. verbessert und in sein Orchester aufgenommen worden. Andreolo. — Venedig. 1359 Einer der ältesten venezianischen Lautenmacher, den Valdrighi (3986) anführt. Andres, Domenico. — Bologna. 1740 Ein Liebhaber, von dem ein Violoncello von gewöhn- licher Arbeit bekannt wurde, und der ehrlich genug war, sich selbst als Dilettant zu bezeichnen. Geigenzettel: Dominicus Andres / Bolognensis Dile- tante / Fecit a. Domini 1 740 (geschrieben). Andrescu, Johann. Ungarn) Broos (Szäszvaros, Geboren 1868 in Broos. Er erlernte den Geigenbau durch Privatunterricht, vervollkommnete sich in Wien und begründete dann 1888 in seinem Elternhause sein eigenes Geschäft. Er benützt im allgemeinen das Stradi- vari-Modell, nur wählt er eine stärkere Wölbung, die Decke läßt er in der Mitte stärker im Holz als den Boden, die Zargen sind 27 bis 30 mm hoch. Der Hals unterhalb der Schnecke ist 2 cm, am Geigenkörper 3/4 — 4^4 cm breit. Er verwendet Spirituslack nach einem Wiener Rezept und klebt seinen Geigen seinen Angard — Antonlazz! 19 Firmastempel mit Datum und der eigenhändigen Unter- schrift ein. Er baut nur Geigen in * ^-Größe und hat auf allen von ihm seit 1890 beschickten Ausstellungen, so in Budapest, Hermann Stadt usw. Preise erhalten. Geigenzettel : J ohann Andrescu /' Geigenmacher / Broos, Szäszväros (Ungarn) (gedruckt). Angard, Maxime. — Paris. Geb. 1 . Dez. 1849 in Arronville (Seine-et-Oise) Ursprünglich nur Liebhaber, verlegte er sich erst später ganz auf den Geigenbau. Seine Arbeit ist im ganzen gut; eigenartig sind aber nur seine Wirbel, an denen er Verbesserungen angebracht hat. Er dürfte um 1900 gestorben sein oder hat um diese Zeit Paris ver- lassen. Außer seinem Zettel tragen seine Geigen auch noch seinen Namen handschriftlich. Geigenzettel: Abb. 14 und 15. Angelis, Vitus de. — Bologna. 1 609 Dem Namen nach bekannter, wahrscheinlich aus den Niederlanden eingewanderter Meister vom Anfang des 17. Jahrhunderts. Angelucci, Dominicus. — ? 1816 Er nennt sich nach seiner Heimat einen ->Septem- pedanus«und ist mir nur durch einen Reparaturzettel bekannt geworden. Angerbauer (Angerhauer), Georg. — Füssen. 1606 Er wird 1606 als Mitglied der damals neubegründeten Füssener Lautenmacherzunft genannt. Angerer, Franz. - Wien. 1885. 1910 Ein Wiener Streichinstrumentenmacher, der 1885 in Wien XV, Mariahilf erstraße 170, eine Werkstatt er- öffnete. Er ist ebenso tüchtig im Neubau wie als Repa- rateur und zugleich ein sehr guter Geiger. Er verwendet einen schönen, goldgelben Öllack. Schon 1893 erhielt er in Chicago eine Medaille. Er arbeitet mit zwei Ge- hilfen; das Wichtigste macht er aber stets selbst. Sehr geschätzt sind seine Gitarren. Anselmo (Anselmi), Pietro. — Florenz, Ve- nedig. 1700. 1750 Er soll zuerst in Cremona gearbeitet haben, was nach dem Stil seiner Arbeit nicht allzu glaubwürdig erscheint. Er verwendet ein kleines, an Ruggeri erinnerndes Mo- dell von mäßiger Wölbung, einen schönen, goldigen Lack, wenn auch nicht immer schönes Holz. Arbeiten, die ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden können, sind selten und gewöhnlich aus Venedig datiert. Der Text auf seinen Zetteln ist italienisch oder lateinisch. Ansoldo, Rocco. — Genua. 1760 Selten vorkommender Meister, der nicht ungeschickt nach J. B. Guadagnini arbeitete. Antegnati, Giov. Francesco. — Brescia. 1535 De Piccolelüs nennt ihn Antognati und führt ihn als Lautenmacher an. Die Quelle, aus der er geschöpft hat, kann zwar nur das Buch von Giovan Maria Lanfranco sein, in diesem wird er aber ausdrücklich als »fabri- catore di monochordi e clavicembali« bezeichnet. Die Familie Antegnati war eigentlich eine Orgelbauer- familie; Giov. Francescos Vater Bartolomeo, ebenso seine Brüder Giovan Giacobo und Giovan Battista und Graziadio, der Sohn des Letztgenannten, waren Orgel- bauer; am bedeutendsten war aber Costanzo Antegnati, der außerdem noch Organist und Musikschriftsteller war und 1608 seine »l'Arte Organica« herausgab. Aus- führlicheres über die Familie gibt Damiano Muoni im »Archivio storico Lombardo« (1883) S. 178 — 221. Antenelli, A. — London 1 900 Englischer Geigenmacher der Gegenwart ; wahrschein- lich italienischer Herkunft. Antoine, Jean Claude. — Mirecourt. 1733, t 1786 Er ist mir nur dem Namen nach bekannt geworden und gehörte zu den handwerksmäßig arbeitenden Geigen- machern seines Ortes. Sein Sohn Jean I A. und seine Verwandten Jean II und sein Enkel S. E. Antoine waren wie er nur mittelmäßige Geigenmacher. Antolini, Francesco. — Mailand Ein Musikinstrumentenmacher des 19. Jahrhunderts, der nichts Hervorragendes geleistet hat. Anton, Rudolf. — Aussig i. B. Geb. 1854 in Graslitz Enkel des Orgelbauers Anton in Schönbach, Schüler von Wurm in Aussig, zu dem er kam, nachdem er das Tischlerhandwerk erlernt hatte Er ist seit 1869 m Aussig ansässig und beschäftigt sich sowohl als Geigen- wie als Gitarrenmacher. Geigenzettel: Rudolf Anton / Holz- Instrumenten- macher / Aussig, Herrengasse 38 (gedruckt). Antoniazzi, Gaetano. — Cremona. Geb. 7. Aug. 1823, t l.Aug. 1897 in Mailand Vielleicht der Sohn eines gleichnamigen Vaters, von dem es Geigen mit der Jahreszahl 1810 geben soll. Da er in einem wahrscheinlich ehrlich gemeinten Streben oft von den guten Vorbildern im Modell abwich, ohne jedoch etwas Besseres finden zu können, haben seine Versuchsgeigen trotz sorgfältigster .Arbeit keinen höheren Wert. Er verrückte auch die Lage der F-Löcher wiederholt sehr zu ihrem Nachteil. Seine Kopien da- gegen sind, bis auf den Lack, recht gut, und er erhielt dafür auch mehrere Medaillen. Antoniazzi, Gregorio. — Colle 1738 Vidal teilt nur seinen Zettel mit, de Piccolellis nur seinen Namen, Werke seiner Hand konnte ich nicht erfragen. Geigenzettel: Gregorio / Antoniazzi / In Colle 1738 (gedruckt). Antoniazzi, Riccardo. — Mailand 1886. 1910 Bruder von Romeo. Er war ursprünglich Musiker und hat sich schließlich auch dem Bau von Geigen und Mandolinen zugewendet. Er arbeitete längere Zeit bei Leandro Bisiach und jetzt ist er Werkführer in der 2* 20 AntoniazzI — Arlow Musikalien- und Instrumentenhandlung von Monzino in Mailand. Durch angeborenes Talent geleitet und eifriges Studium erwarb er sich wertvolle Kenntnisse, die ihn zu einem recht geschickten Meister machten. Antoniazzi, Romeo. — Cremona, Mailand. Geb. 4. Mai 1862 in Cremona Sohn von Gaetano A., Schüler semes Vaters. Nach einer Studienzeit von 15 Jahren eröffnete er im Jahre 1887 in Mailand seine eigene Werkstatt und verlegte sie bald nach Cremona, wo er das Geschäft seines Vaters übernahm. Er baut Streichinstrumente aller Art nach Stradivari, Amati, Guarneri, Guadagnini und Pressenda und hat auch ein eigenes Modell, bei welchem eine von ihm aufgestellte Theorie der Dicke des Bodens und der Decke Verwendung findet. Seine Geigen sind von schöner Arbeit und gut im Ton. Er besitzt goldene und silberne Medaillen von Turin 1898, Paris 1900 usw. Geigenzettel : Antoniazzi Romeo di Cremona / fece in Cremona l'anno .... (gedruckt) und Abb. 24. Antonio, Cyprlano. — Lissabon. 18. Jahrb. Ein Lautenmacher, von dem Mandolinen wiederholt vorkommen, deren Ausführung im ganzen recht ge- fällig ist. Geigenzettel: Cypriano Antonio a fez en / Lisboa rua Largo da Esperanza (gedruckt). Antonio s. Siciliano Antonius Bononiensis s. Brensio Antonio dai Liuti. — Ferrara 1475 Erwird in Urkunden als »Maestro An ton iodai Liuti« bezeichnet. Wenn man bisher auch nicht mehr als seinen Namen kennt, wird man doch nicht fehlgehen, ihn als Lautenmacher anzusehen. Antony, H. -1750. 1780 Vidal bespricht ein aus Cremona 1751 datiertes Instru- ment zweiten Ranges aus der Sammlung des Marquis de St. Hilaire in Paris und gibt die Namen Hieronymus Antony an. Es wird wohl nur H. geschrieben gewesen sein. Mir wurde ein Cello mit dem Zettel »Johann Antony, violinmacher, Mittenwald 1780« bekannt. Das Holz der Decke ist schön und klarjähng, beim Boden und den Zargen unschön, die Ecken sehr spitz; die schmale, elliptisch geschnitzte Schnecke ist tief aus- gestochen, der Lack nußbraun. Die Arbeit hat eher einen vogtländischen als einen Mittenwalder Charakter; auch war es mir nicht möglich, eine Familie Antony in Mittenwald nachzuweisen. Wahrscheinlich ist H(ans) und Johann Antony ein und derselbe Geigenmacher. Bekannt ist es, daß die Vogtländer sehr häufig »Cre- mona« oder »Mittenwald« als Ursprungsort angaben, auch wenn sie den eigenen Namen gebrauchten. Antonio, Mastr'. — Venedig. 16. Jahrhundert Ein venezianischer Lyrenmacher des 16. Jahrhunderts, den Valdrighi (3933) anführt. Anyon, Thomas. — Manchester. Geb. 1854 An seinen Geigen wird der Lack besonders gelobt. Appel, Ignaz. — Budapest. Geb. 1854. 1910 Schüler von Mönnig, arbeitete bei Zach und bei Voigt in Wien, dann bei J. W. Schunda in Budapest und baute einige ziemlich gute Geigen, hat sich jedoch in letzter Zeit mehr dem Bau des Cimbals zugewendet. Geigenzettel : Appel Ignäcz , 18 Musikinstrumenten- Fabrik 88 / Budapest, Graf Kärolygasse Nr. 5 (gedr.). Appold, Carl Friedr. Vermutlich ein schwäbischer Geigenmacher, der im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts tätig war. Arcangioli, Lorenzo. — Florenz. 1825. 1849 Ein Geigenmacher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, von dem sich ein gutes »Violoncello da Spalla« in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln (Nr. 938) befindet. Auch seine Violinen sind nicht schlecht, wenn auch nicht hervorragend. Ardenois, Jean. — Gent. 1731 Wenig bekannt. Man weiß von ihm nur, daß er die Instrumente der Kathedrale in Gent ausgebessert hat. Geigenzettel : Johannes Ardenois tot Ghent ; 1731 (ge- druckt). Ardern, Job. — London 1893 In einer mittelmäßigen Violine stand sein Name. Arezzo, Nicolo, lebt als Geigenmacher in Neapel Anas, Vicente. 1889 Guter Gitarrenmacher. Arienti, Carlo Giuseppe. Mailand. 1810 (?). 1863 (?) Das Mailänder Konservatorium besitzt von ihm einen kleinen, graugelb lackierten Kontrabaß mit dem Zettel : Carlo Giuseppe Arienti / Fece in Milano, nella / Con- trada Ponte Vetro/ num. 1863. Anno 1810 (gedruckt). Arkhusen, Gebrüder. — St. Petersburg. 1880 Im Jahre 1818 begründete Fabrik von Saiteninstru- menten, die gute, aber verhältnismäßig teure Instru- mente (Violinen, Gitarren usw.) herstellt und auch in Moskau eine Werkstatt unterhält. Arling, Olaus (Olof). — Stockholm, f 25. Jan. 1735 Von ihm ist nur bekannt, daß er sieben Jahre lang Ge- hilfe von Jonas Elg gewesen ist, nach dessen Tod die Witwe heiratete und damit die Werkstatt seines ver- storbenen Meisters bekam, aber schon nach zweiein- halbjähriger Tätigkeit als selbständiger Geigen- und Lautenmacher starb. Arlow, Heinrich. 1850—1865. Brunn, Wien. Um War um 1849 Schüler von N. Savicki, den er in seinen Modellen anfangs genau nachzuahmen suchte, wenn seiner Arbeit auch etwas Schülerhaftes anhaften blieb Arnitz — Arthmann 21 (flache Wölbung, heller Lack). Er hat nur wenige Gel- gen gemacht, doch war er als Geigenmacher nicht un- geschickt, was schon daraus hervorgeht, daß er einen so tüchtigen Schüler wie Jac. Kliment heranbildete. In seiner Arbeit erinnert er öfters an die Preßburger Meister ; er verwendete gelben Lack. Nach 1 860 scheint er kurze Zeit in Wien ansässig gewesen zu sein. Geigenzettel : Heinrich Arlow/ Wien 863 (geschrieben). Arnitz, Meinrad. — Obernußbaumen (Schweiz). 19. Jahrhundert Ein Dilettant, der seinerzeit in der Schweiz herumreiste und sich da und dort aufhielt, um Geigen, so gut er es verstand, auszubessern. Arnoldi, Carlo. — Anagni, Rom. 1790 Ein Meister dritten Ranges, der statt seines eigenen häufiger fremde Zettel in seine Geigen geklebt haben soll. Arnoldt, Joh. — Prichsenstadt. 1891 Ein Schreinermeister, der mit Geschick und leidlichem Verständnis zahlreiche Geigen repariert hat. .'Xuch sein Sohn und Nachfolger soll sich als Reparateur bewährt haben. Arnot, David. — Glasgow. Geb. 1831 in Turred Bant Cottage, f in Glasgow 1897 Ein geschickter Geigenmacher, der ursprünglich einen anderen Beruf hatte, als er 1859 nach Glasgow kam. Seine ersten Geigen waren nach Amati, die späteren nach Stradivari und Guarnerl gebaut. Erst 1888 eröff- nete er seine Geigenmacherwerkstatt. Er war auch ein vorzüglicher Geiger. Geigenzettel : David Arnot / Glasgow 1 889 (geschr:). Arnould, Eduard. — Moskau. Geb. in Mire- court, t 1895 Ein Mirecourter Meister, der die letzten Jahre seines Lebens in Moskau tätig war und, nachdem er längere Zeit bei Salzard gearbeitet hatte, seine eigene Werk- statt eröffnete. Er wurde als Reparateur gelobt; seine wenigen neuen Instrumente hat er jedoch zu schwach gebaut. Sein Nachfolger war der ehemalige Tischler Petroff, der das Geschäft nur kurze Zeit weiterführte. Arphenmacher, Konrad. — Freiburg i. Schw. 1454, t vor 1464 Im Freiburger Bürgeraufnahmsbuche findet sich der Eintrag: »Cunradus dictus Arphenmacher f actus est burgensis supra domum suam sitam Freiburgi in angulo vici dicti Fischolan usw. Datum vicesima die januaru anno 1454.« — Ist es auch nicht durchaus sicher, daß dieser Konrad ein Harfenmacher war, so zwingt der Vergleich mit den übrigen Eintragungen doch dazu, an- zunehmen, daß »Harfenmacher« den Beruf und nicht etwa nur den Familiennamen bedeutete. Arphenmacher, Peter. — Freiburg i. Schw. 1464 Sohn von Konrad. Von ihm heißt es im Bürgerbuche S. 81b: »Petrus Arphenmacher filius Conradi recepit burgensiam ejusdem patris sui et factus est burgensis supra domum suam qu. fuit dicti patris sui sitam Fri- burgi in inferiori angulo vici dicti Fischolant juxta car- reriam. Datum 12^ die mensis marcii anno Domini 1464.« Artaldus, Joannes Aloysius. — 1584 Eine Cithara mit sieben Saiten in der Sammlung Alfr. Keil in Lissabon trägt diesen Namen nebst dem Datum 25. Oktober 1 584. Die .Arbeit sieht italienisch aus. Artalli, Giuseppe Antonio. Mailand 1 765 Selten vorkommender Meister. Seine Violinen sind dem Wurmfraß stark ausgesetzt, erinnern an Testores Ar- beiten und sind nicht schlecht im Ton. Arthmann^), Georg Valentin. — Wechmar bei Gotha. Geb. 19. Dez. 1750 in Wechmar, fdas. 11. Jan. 1799 Er war Sohn eines Schreiners und selbst Schreiner und, wie es im Sterberegister zu Wechmar heißt: »besonders Instrument macher*. Wahrscheinlich war auch schon sein Vater Johann Philipp A. nebenbei Instrumenten- macher. Von beiden ist nichts Näheres bekannt. Georg Valentin A. war zw^eimal verheiratet, in erster Ehe(l 773) mit Maria Elisabeth geb. Fischer, von welcher er sechs Kinder hatte; aber nur sein ältester Sohn widmete sich der Geigenmacherkunst und brachte es darin zu ziem- licher Kunstfertigkeit. In seinem Trau- und Toten- schein wird er auch als Mitnachbar und Vormund- schaftsverwandter aufgeführt und als Todesursache epir demisches Faulfieber angegeben. Arthmann, Johann Nikolaus. — Wechmar bei Gotha. Geb. 11. März 1774 in Wechmar, fdas. 20. Dez. 1846 Ältester Sohn des Schreiners und Instrumenten- machers Georg Valentin A. Er erlernte zunächst bei seinem Vater das Schreinerhandwerk und nebenbei den Instrumentenbau. Als Gehilfe kam er zu Ernst nach Gotha, dessen Schüler er nun als Geigenbauer wurde. Natürliches Talent und eine beim Vater schon er- worbene, nicht gewöhnliche Handfertigkeit brachten es bald dahin, daß er Tüchtiges im Geigenbau leistete. Nach dem Tode seines Vaters kehrte er nach Wechmar zurück und verheiratete sich 1812 mit Barbara Judithe SchüUer und verlegte sich ausschließlich auf den Gei- genbau. Nach Ottos .Aussage waren seine Geigen denen von Ernst in der Form sehr ähnlich und hatten einen starken, runden und dicken Ton, sprachen leicht an und wurden als gute Nachahmungen italienischer Meister betrachtet. Arthm.ann verkaufte seine Violinen zu zwei Louisdor'-), doch wurden sie, wenn sie gut ein- gespielt waren, schon zu seinen Lebzeiten wesentlich teuerer bezahlt. Trotzdem er sehr geschätzt war und von seinem Herzog öffentlich belobt wurde, lebte er doch in den bescheidensten Verhältnissen. Noch heute ^) Wenn in der Literatur ein Geigenm.acher ».Altmann in Gotha« vorkommt, so ist das eine Verwechslung mit Arthmann. -) Vgl. Journal für Fabrik. 1797, Jan., S. 66. 22 Artn Aubry wird erzählt, daß es geradezu Staunen erregte, Arth- mann die feinsten Arbeiten ausführen zu sehen mit seinen ungeschlachten Händen, deren Finger von einer geradezu abnormen Breite waren. Nachdem er 1842 am 18. Dezember seine Eh.efrau, die an der .Auszehrung starb, verloren hatte, siechte auch er dahin, bis er vier Jahre später an Altersschwäche starb. Kammermusikus E. G. Lind in Koburg besitzt ein Quintett (zwei Vio- linen, eine Viola, ein Violoncello und einen Baß) und einige einzelne vorzügliche Instrumente von ihm. Geigenzettel: J.N. Artmann in Wechmar / prope Gothan. 1835 (gedruckt). Artmann, H. — Capri. 19. Jahrhundert Ein Mandolinenmacher, der wahrscheinlich ursprüng- lich Hartmann hieß. Er war nicht ungeschickt, Gustav Hering in München besaß eine hübsche Mandoline von ihm. Geigenzettel : Capri / H. Artmann (geschrieben). Arvesen, C. Ferd. — Kopenhagen Dänischer Geigenmacher der Gegenwart, der auf der Nordischen Kunst- und Industrieausstellung 1888 mit einer Violine vertreten war. Ascensio, Dom Vicenzo. — Madrid. 1 775. 1 790 Ein Priester, der sich mit dem Anfertigen und be- sonders mit dem Ausbessern von Geigen befaßte. Sein Geschäftstagebuch soll noch vorhanden sein, aus dem hervorgeht, daß er vom spanischen Hofe beschäftigt wurde und sich sowohl an Werken von Stradivari wie von Stainer vergriffen hat. Vgl. die »Greffuhle Stra- divarius« (Stuttgart, Hamma & Co.). Askew, John. — Stanhope, Darlington. 1879. 1885 Ein Schuhmachermeister, der auf der Londoner „Inven- tionsexhibition" für zwei gut gebaute Violinen eine bronzene Medaille bekam. Askey, Samuel. — London. 1785, f um 1840 Ursprünglich zum Klempner bestimmt, wurde er an- geblich Schüler von John Morrison und arbeitete um 1825 für G. Corsby. Wenig ansprechende Arbeit. Manche glauben, den Namen Astley lesen zu müssen. Geigenzettel: Askey ,' No. 9 Fleet Lane / 1785 (gedr.). Aspinall, James. — Bolsterstone. Geb. 1855 Er baut nach Riechers Stradivari-Patron und ver- wendet Whitelaws Lack. Asplund, C. E. — Skultuna. Wahrscheinlich 18. Jahrhundert Verfertiger einer %-Geige im Museum zu Gothenburg, deren eckenloser, gitarrenähnlicher Körper aus Messing besteht. Hals, Schnecke und Saitenhalter usw. sind aus Holz. Assalone, Gasparo (Gaspero) d'. — Pesaro und Rom (?) Ein zweifellos erfundener Geigenmacher, von dem be- hauptet wird, daß er um 1690 und noch um 1740 gelebt haben soll. Man sagt, daß er im Umriß das Amatimodell nachahmte, jedoch die Wölbung zu hoch nahm und unsauber arbeitete. Wahrscheinlich ist dieser Gasparo d' Assalone aus dem Namen Gasparo da Salos ent- standen. Die Zettel mit seinem Namen sehe ich als Fäl- schungen an. Atelbotinger (Adelbodinger), Johann Georg. — Hermannstadt (Nagy-Szeben). 1783 Advokat Zins in Agöta besitzt eine Geige von ihm mit dem Zettel : Johann Georg Atelbotinger / Geigen unt Lauten macher/ zu Herrmann Stadt Anno 1783 (gedr.). Leider kommt sein Name in den Hermannstädter Ar- chivalien nicht vor. Atkmson, William Thomas Reed. — London, Tottenhamm. Geb. in Stepney 23. Oktober 1851 Ursprünglich Seemann, kam er dann zu einem Tischler in die Lehre und begann 1869 seine erste Geige zu bauen, die ihm so viel Freude machte, daß er eifrig arbeitete, um sich zu vervollkommnen. Schließlich ver- legte er sich ganz auf den Geigenbau und eröffnete 1881 in Tottenhamm seine Werkstatt. Er baut nach eigenen Modellen Geigen, die er mit Bernsteinlack überzieht. Seine Arbeit ist sorgfältig, der Ton gut. Er erhielt in Paris 1889 und in Edinburgh 1890 Medaillen. Meredith- Morris brachte seine Biographie in »The Strad« 1900 Nr. 127. Geigenzettel: William Attkinson ,' in Tottenham 1892 (gedruckt). Attore, Michele. — Padua, Venedig. 1583. • 1620 Ein Lautenmacher, von dem sich hauptsächlich Archi- lauten erhalten haben. Eine Chitarrone von 1620 aus Venedig besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln (Nr. 513). Atze. — Breslau Guter Geigenreparateur. Vgl. Schles. Tonkünstler- lexikon. Breslau 1846. Aubert. — Troyes. 1767. 1789 Als Geigenmacher nicht bemerkenswert; dagegen kommen gute Gitarren und Lauten von ihm vor; eine solche mit zwei Hälsen befindet sich aus der Sammlung Snoeck (Nr. 355) in Berlin. Eine zehnsaitige Gitarre aus abwechselnden Streifen von Rosenholz und Ahorn mit dazwischenliegenden Ebenholzadern und ähnlich behandeltem Halse und Wirbelbrett besitzt Fritz Wild- hagen in Haiensee. Sie trägt den Brandstempel : Aubert a Troyes. Aubry. — Mirecourt. 1 8. Jahrhundert Eine Geigenmacherfamilie, von der eigentlich kein Mit- glied zu größerer Bedeutung gelangt ist. Auf Pierre, der schon 1738 vorkommt, folgen Franq:ois (1758. 1765), Charles (1753. 1765), Nicolas (1762) und Dominique (1772). Sie scheinen auch weder Zettel noch Brand- marken gebraucht zu haben. Aubry — Avorie 23 Aubry, Fran^ols. — Mirecourt. 1757. 1767 ! Er galt als guter Bogenmacher. Aubry, Jacques (?). — Paris. 1840 Aldrlcs Neffe und Geschäftsnachfolger, der vermutlich vorher in Remiremont tätig war. In Paris war er nur Händler, der andere für sich arbeiten ließ. Audinot, Charles I. — Mirecourt. 1763 Einer der besseren Mirecourter Geigenmacher seiner Zeit. Audinot, Charles II. — Mirecourt. Geb. 1 788, t gegen 1850 Em guter Handwerker, dessen .■arbeiten ohne künst- lerischen Wert sind. Audinot, Leopold. — Mirecourt. Geb. 1811, t 1891 Sohn von Charles A. und wahrschemlich auch sein Schüler. Seme Arbeit ist von gewöhnlicher Mirecourter Art. Er war der Schwiegersohn und Nachfolger von Laurent Bourlier. Audinot, Nestor Dominique. — Paris. Geb. in Mirecourt 12. Dez. 1842 Nachdem er bei seinem Vater Leopold A. ausgelernt hatte, kam er 1863 nach Paris zu Seb. Vuillaume und machte sich 1868 in der Rue Faubourg St. Denis 17 selbständig. Nach 1875 wurde er S. Vuillaumes Nach- folger und wohnt jetzt Boulevard Bonne Nouvelle 1 7. Er ist ein ebenso geschickter Geigenmacher wie ge- suchter Reparateur und wendet dem Studium des Lackes seine besondere Sorgfalt zu. Er hat etwa 600 In- strumente gebaut und gilt auch als em tüchtiger Bogen- macher. Geigenzette! : Abb. 8 und 1 6. Audinot, Nicolas I. — Mirecourt. 1742 Vielleicht der Stammvater und der erste Geigenmacher seiner Familie. Audinot, Nicolas II. — Mirecourt. 1845. 1891 Nachdem er den Militärdienst verlassen, verlegte er sich auf den Geigenbau und machte billige Geigen. Einige derselben tragen seinen Namen eingestempelt und sind aus Paris datiert. Er soll bei einem Mirecourter Vuillaume gelernt haben und ist mit den übrigen Gei- genmachern seines Namens nicht verwandt. Audinot, Victor. — Mirecourt. 1912 Er ist nicht mehr der jüngste Geigenmacher aus seiner Familie, da er auch seinen Sohn, der sein Schüler ist, Geigenmacher werden ließ. Ausaire. — Paris. Um 1830 Als Geigenmacher nur ein Handwerker. Ausold(Unseld), Christoph. — Ulm. 1586. 1591 Ein Lautenmacher, von dem die Stuttgarter Hofkapelle wiederholt Saiten bezog. Ausold (Unseld), Georg. — Ulm. 1609 Vielleicht ein Sohn Christophs. Auch er verkaufte der Stuttgarter Hofkapelle Saiten. Augiere. — Paris, 1830 Er war lange Zeit Gehilfe von Clement. Um 1830 machte er sich selbständig und verband sich mit Calot. Sie hatten ihr Geschäft in der Rue St. Eustache Nr. 12 und bauten viele Instrumente, die weder besonders zu loben noch zu tadeln sind. Französischer Stil, roter und rotbrauner Lack. Austine, Arthur. — London. 1900 Ob die Violinen mit seinem Zettel von ihm gemacht sind, konnte ich nicht feststellen. Auteur, Baptiste. — Paris. Um 1850 In tadellos gearbeiteten Gitarren von schönem Ton findet man den Zettel: (Vignette) ' Guitarre la Pre- votte / Dediee aux Dames. / Luthier B'^ Auteur / Rue Richelieu N° 10 / Paris (gedruckt). Autieio, Gaetan. — Avignon (Vaucluse). Geb. 14. Okt. 1853inTeano (Italien) Schüler seines Vaters Paride A. Im Jahre 1 876 wurde er Abeilles Nachfolger in Avignon. Seine Werkstatt be- fand sich erst Rue Saunerie No. 3 und wurde später nach der Rue des Marchands 28 verlegt. Seit er sich in Frankreich ansässig machte, beschränkte er sich auf den Handel und unterhält eine Reparaturwerkstatt für alle Arten von Musikinstrumenten. Autiero, Joseph. — Avignon. Geb. 31. Dez. 1858 in Teano (Italien) Er ließ sich in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts als Geigenmacher und Reparateur in Avignon nieder, wo er Rue des Marchands No. 30 wohnt. Er handelt mit allenMusikinstrumenten und besitzt mehrere Medaillen. Geigenzettel : Repare par J^" Autiero / luthier / Avignon anno 1886 (gedruckt). Autiero, Paride. — Teano. 1860. 1870 Ein fleißiger Geigenmacher, der mit seinen Söhnen alle Arten von Geigen und Mandolinen usw. gebaut hat, ohne dabei gerade bemerkenswerte Künstlerschaft an den Tag zu legen. Geigenzettel : Paride Autiero / fecit Teano 1865 (gedr.). Auversen, Sveinung. — Lunde (Telemarken). 1897. 1902 Norwegischer Geigenmacher der Gegenwart, der sog. Hardangerfiedeln herstellt. Avenia s. D'Avenia Avorie, Henry. — Edinburgh. 1765 Wenig bekannter Geigenmacher, der englischen Schule nahestehend. 24 Baad aader Bachi achmann Baader, J. A., & Co. — Mittenwald Neben Neuner & Hornsteiner die bedeutendste Firma in Mittenwald, die ihre Gründung m das Jahr 1790 setzen kann. Em großer Teil der Geigenmacher des Ortes steht in Diensten dieser Firma oder arbeitet für dieselbe. Der langjährige Inhaber Johann Paul Baader starb am 24. Juni 1899 im 89. Lebensjahre. Der in- zwischen gleichfalls verstorbene Max B., geboren 18. Januar 1843, war sein Nachfolger. Er lernte im väterlichen Geschäfte, unternahm zu seiner weiteren Ausbildung Reisen durch Deutschland, England und Amerika. Er war, wie sein Vater, Hoflieferant und ar- beitete mit trefflich geschulten Leuten. Der jetzige Firmeninhaber ist sein Sohn Adolf Baader, geb. 1876. Er ist Bürgermeister von Mittenwald. Die Firma besitzt ein eigenes Sägewerk und beschäftigt etwa 160 Heim- arbeiter mit Teilarbeit und eine Anzahl im Betrieb dauernd angestellte Leute. Die Geigen sind trotz ihrer ungewöhnlichen Billigkeit recht gut, das Holz ist schön, ebenso der Ol- oder Spirituslack. Auch die Zithern, die bei ihm hergestellt werden, entsprechen strengen An- forderungen. Er verwendet Zettel mit seiner Firma. Baader s. auch Bader Baarsen, Johannes. — (Norwegen.) 1812 In Alfr. Keils Sammlung in Lissabon befindet sich eine Hardangerfledel mit diesem Namen. Baas, Peter Nielsen. — Kopenhagen. 1708 Seine Arbeiten erinnern an die deutsche Schule. Eine sechssaitige Tenorviola di Gamba befindet sich bei Claudius in Kopenhagen. Geigenzettel : Peter Nielsen Baas / in Copenhagen 1 708 (gedruckt). Babos, Bela (Adalbert). — Hermannstadt (Nagy Szeben). 1915 Siebenbürgischer Geigenmacher der Gegenwart. Babos, Sändor (Alexander). — Szegedin. 1915 Bruder von Bela und wie dieser Geigenmacher. Babutzky, Leo. — Mährisch - Neustadt. 1914 Ursprünglich Bildnismaler, Schüler der Münchener und Wiener Kunstakademie, wurde er durch den Tod seines Vaters veranlaßt, in die Heimat zurückzukehren. Ein Zufall führte ihn mit einem ehemaligen Gesellen des alten Paflik in Troppau zusammen, der ihm die wichtigsten Handwerksgriffe beibrachte. Durch eifriges Studium vervollkommnete er seine Kenntnisse und baut jetzt recht gute Geigen. Seine Erfahrungen als Maler kommen ihm bei der Herstellung seines Lackes sehr zustatten. Bacchetta (Barchetta), Giuseppe. — Cremona und Mantua. 1784 Ein selten vorkommender Geigenmacher, von dem ich eine Viola gesehen habe, bei der außer dem Lack wenig zu loben war. Bacco (Backo), Heinrich. — Mannheim. Geb. 8. Aug. 1818 in Mannheim, f um 1885 Er war der Sohn eines Mannheimer Schiffsknechts; wo und bei wem er gelernt hat, ist nicht bekannt, aber be- reits im Jahre 1837 führte er Reparaturen für das Hof- theater-Orchester aus. In den Mannheimer Adreß- büchern kommt er von 1852 bis 1885 als Instrumenten- macher vor, und als solcher hat er am 20. Juni 1865 das angeborene Bürgerrecht angetreten. Er scheint sich aus- schließlich mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt zu haben, vorzugsweise wird sein Reparaturzettel in Bäs- sen und Violoncellis gefunden. Geigenzettel : H. Bacco / in / Mannheim / Repare 1840 (geschrieben). Bach, H. E. — Melbourne. 1888. 1906 Geigenmacher, der als Reparateur gelobt wird. Bach, Johann Sebastian. Geb. 21. März 1685 in Eisenach, f 28. Juli 1 750 in Leipzig Einer der größten Tonschöpfer aller Zeiten, der hier als der Erfinder der »Viola pomposa" aufgeführt werden darf. Das Instrument war eine übergroße Viola mit fünf Saiten und nahm im Orchester etwa die Stelle ein, die jetzt dem Violoncello zugewiesen ist, das die Viola pomposa auch vollständig verdrängt hat. Bachelier, Jean Gaspard. — Paris. 1 777. 1 789 Unbedeutender Geigenmacher, der nur handwerks- mäßig arbeitete und seine Geigen selten bezeichnete. Er wohnte zuerst in der Rue de la Tissanderie und von 1783 an Place Baudoyer. Bachman, A. — Amsterdam In der Mitte des 19. Jahrhunderts soll ein Geigen- macher dieses Namens in Amsterdam gelebt haben, etwas Näheres über ihn war jedoch nicht zu erfahren. Er dürfte mit dem Geigenmacher Johannes Bachmann identisch sein. Bachmann, Anton. — Berlin. Geb. 1716 in Berlin, f 8. März 1800 daselbst Er war schon mit 30 Jahren Königlich Preußischer Hof- instrumentenmacher und stand in einem Ansehen, das seine Arbeiten nicht rechtfertigen. Seine Violen und Violoncelli werden allerdings ihres starken Tons wegen noch heute von Orchestermusikern sehr geschätzt, klingen aber roh. Er hat nie gute Modelle gehabt und nie gutes Holz — das er sich zu seiner Zeit in Berlin frei- lich nur schwer hätte verschaffen können — verarbeitet. Einige seiner Geigen gab er für Kopien nach Stradivari aus, er hat, nach diesen zu urteilen, aber nie em echtes Instrument gesehen. Seine Wölbung ist steif, nach den Backen zu plötzlich abfallend und in der Brust zu dick, der Lack stumpf, von häßlicher brauner Farbe. Eine Viola da Gamba von 1 746 von besserer Ausführung be- wahrt die ehem. Königliche Sammlung alter Musik- instrumente in Berlin (Nr. 831), ein Violoncello von 1757 die Schweriner Hofkapelle, eine mandolinenartige Laute von 1784 mit hübschem Dachstern Fritz Wild- hagen in Haiensee bei Berlin. Mehrere Erfindungen, die Bachmann — Bader 25 gewöhnlich seinem Sohne zugeschrieben werden, dürf- ten von ihm herrühren, z. B. Gitarren mit Hammer- klaviatur, aber nur seine 1 778 bekannt gewordene Er- findung des Schraubenmechanismus am Kopf der Bässe hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Sem zweiter Sohn, Friedrich Wilhelm B., soll zwar auch das Geigenmachen erlernt haben, er war aber Berufs- musiker (Geiger) und Kapellmeister und soll sich von 1797 an nebenbei auch auf den Handel mit Musik- instrumenten verlegt haben. Vgl. Allg. D. Biographie, Ledeburs Tonkünstlerlexikon Berlin usw. Geigenzettel : Abb. 36. ßachmann, Johannes. — Amsterdam. 1840 Er stammte aus Deutschland und hatte in der Agnietenstraat seine Werkstatt. Seine Geigen waren sauber gearbeitet, besonders wurde er als Baßmacher geschätzt. Bachmann, Johannes Ernst. — Sneeck. Gro- ningen. Geb. 13. Juni 1851 in Amsterdam. f in Groningen Sohn und Schüler von Johannes B. Nachdem er eine Zeitlang Geigenmacher der städtischen Musikschule in Sneeck (Friesland) gewesen war, ließ er sich in Groningen nieder. Er arbeitete zumeist nach Stradi- vari, aber auch nach Brescianer Vorbildern. Bachmann, Karl Ludwig. — Berlin. Geb. 1748, t 26. Mai 1809 Sohn von Anton B. und ursprünglich zum Musiker ausgebildet. Er war ein Virtuose auf der Viola, trat 1765 in die Königliche Kapelle in Berlin als Kammer- musikus ein und errichtete 1770 mit Benda zusammen ein sehr geschätztes Liebhaberkonzert, wobei er bis zu Bendas Tod freilich nur als Geschäftsführer hervor- trat'). Mehr und mehr wandte er sich mit der Zeit dem Geigenbau zu. Im Jahre 1785 verheiratete er sich mit der als Klavierspielerin und Sängerin geschätzten Char- lotte Caroline Stöwe (f 19. August 1817). Er war sorg- fältiger in der Wahl des Holzes als sein Vater, auch sind seine Geigen regelmäßiger gebaut, nur etwas zu dick im Holz. .4m besten sind jedenfalls seine Bratschen. Eine solche besitzt Rechnungsrat Friedrich in Posen. Geigenzettel : Carl Bachmann in Berlin 1 796 (geschr.). Bachmann, Otto. — Halberstadt. 1830. 1835 Tüchtiger Meister, der sich sowohl im Neubau als auch im Wiederherstellen alter Geigen bewährte. Er gab e;p.e P Schrift unter dem Titel : Theoretisch-praktisches Hand- buch des Geigenbaues usw., Leipzig 1835 bei G. Basse, heraus. Er scheint vor 1848 bereits gestorben zu sein, ! da er in den Meldelisten von Halberstadt im Jahre 1848 nicht mehr vorkommt. Bachmann, Wilhelm. — Brunn. 1810. f 1856 In einer Gitarre fand ich seinen Namen. Er wurde 1810 Bürger und am 5. Mai desselben Jahres als »Instru- mentenmacher« Mitglied der Tischlerzunft. ^) .Ms Kapellmeister wurde er später sehr abfällig be- urteilt. Backman, Carl. — Nyköping. 1828 Ein schwedischer Geigenmacher ohne hervorragende Eigenschaften. Backmann, David. — St. Petersburg. 1834. 1840 Nach einer gut gearbeiteten Violine zu urteilen, die seinen geschriebenen Zettel trug, war er einer der ge- schicktesten Geigenmacher, die zu seiner Zeit in Ruß- land tätig waren. Gelgenzettel: David Backmann / in Petersburg 1840. Bacso, Istvan (Stephan). — Szegedin. 1905 Ist mir nur als Reparateur bekannt geworden. Baczynski, Ladislaus. — Krakau. 1902 Polnischer Geigenmacher der Gegenwart. Geigenzettel: Ladislaus Baczyiiski — fecit Cracoviae 19 . . (gedru:kt). Bader, Daniel. — Antwerpen. 1600. 1607 Eine Theorbe mit diesem Namen wurde 1869 in Lon- don versteigert. Sie rührte jedenfalls von jenem Daniel Bader her, der, ein Deutscher, im Jahre 1600 als Orgel- und Clavecinmacher in die Antwerpener Gilde aufge- nommen wurde und 1607 noch gelebt hat. Bader, Johann. — Mittenwald. 1760. 1763 Gute Arbeit nach den Traditionen der Klotzschen Schule. Baders Erben. — München Eine Geigenmacherfirma, die um 1844 in München eine Niederlage von Mittenwalder Instrumenten hatte. Bader, Franz. — Mittenwald. 1889. f nach 1912 Ein tüchtiger Meister, der seit 1889 als Geigenbau- lehrer an der Mittenwalder Fachschule wirkte und sich als solcher große Verdienste um die blühende Industrie seiner Heimat erworben hat. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in wohlverdientem Ruhestand. Bader, Johann. — Mittenwald. Geb. 5. April 1876 in Mittenwald Er besuchte durch drei Jahre die Mittenwalder Geigen- bauschule und arbeitete dann fünf Jahre lang als Ge- hilfe bei Joh. Padewet in Karlsruhe, K. A. Hörlein in Würzburg, 0. Migge in Koblenz und Gius. Fiorini in München. Im Jahre 1901 machte er sich in Mittenwald selbständig, und es gelang ihm bald, sich durch tadel- lose .Arbeit einen bedeutenden Ruf zu erwerben. Eine Zeitlang war er auch als zweiter Lehrer an der Mitten- walder Geigenbauschule tätig. Hauptsächlich beschäf- tigt er sich mit dem Neubau von Soloviolinen, die er nach Stradivari, Guarneri, N. Amati und Maggini aus- führt. Seinen Lack (Öl- und Spirituslack) bereitet er sich selbst. Er baut auch Lauten und Gitarren und ist ein geschickter Reparateur. Geigenzettel : Johann Bader. Mittenwald. 1909. (gedr.)- 26 Bader — Bailly Bader, Josef. — Mlttenwald. 1748 Klotz-Schule; seine Geigen sind nach der Form gebaut und dem kleinen Amati-Modell nachgeahmt. Das Holz ist gut gewählt, der Lack braun. Bader, Martin. — Mittenwald. 1730. 1736 Er darf als ein echter Schüler von M. Klotz angesehen werden. Seine Geigen smd gut und kommen denen seines Lehrers nahe; nur soll er auch den Zettel Stainers häufig mißbraucht haben. Bär (Bahr, Beer), Andreas. — Wien. 1679. t 16. März 1722 Wahrscheinlich aus Füssen emgewandert, oder zu der Familie Perr (aus der Ramsau stammend) gehörig und vielleicht ein Sohn von Hans Perr, der semen Namen auch gelegentlich Beer schrieb. Er nennt sich auf seinen Zetteln ausdrücklich »bürgerlicher Lautten- und Gei- genmacher«, doch war es mir nicht möglich, seine Bürgeraufnahme zu ermitteln. Seine Violen waren in ihrer Ausführung nicht hervorargend ; Violinen dürfte er nur wenige gemacht haben, wodurch sich ihr seltenes Vorkommen erklärt. Sie sind unansehnlich, braun lackiert, besser dagegen sind seine Lauten, und Baron sagt von ihm in seiner Untersuchung des Instrumentes der Lauten, nachdem er erwähnt, daß er als Lauten- macher berühmt sei : »Was [Andreas Bahr] anlanget, so arbeitete er breitspänicht, und sind seine Instrumente von dem hochberühmten Graffen Logi^) ungemein aestimirt worden« (S. 96). Baer. — Meiningen. 1917 Ein Kammermusiker, der auch als geschickter Geigen- macher gilt. Baffo, Antonio (Joannes Antonius). — Venedig. 1523. 1581 Er wird mehrfach als Lautenmacher erwähnt, doch es gelang mir nur, ihn als den Erbauer von schönen Harfen und Klavizimbeln nachzuweisen. Geigenzettel: Antonius Baffo Venetus fecit (gedruckt). Bagany. — Pottendorf. 1822 Auch einer von den unglücklichen Reformatoren des Geigenbaues. Er erfand Geigen, deren Decke aus Eisen- blech hergestellt wurde, die aber trotz ihrer Billigkeit — das Stück kostete 4 fl. 48 kr. C. M. — die Welt nicht eroberten. Bagatella, Antonio. — Padua. Geb. 21. Febr. 1755, 125. Mai 1829 Sohn des Gaetano B. und der Catarina Coppo-Scan- ferla. Er wollte ursprünglich Geiger werden und war vermutlich ein Schüler seines Verwandten Pietro B. Ein literarisch und musikalisch gebildeter Mann. Seine Bedeutung liegt allerdings weniger in seiner Kunst als Geigenmacher, als vielmehr darin, daß er eine .Ab- handlung über die Theorie des Geigenbaues schrieb, für welche er 1 782 einen von der Akademie der Wissen- ^) Berühmter Lautenspieler, t 1721 in Prag im Alter von etwa 80 Jahren. Schäften in Padua ausgesetzten Preis erhielt. Diese Ab- handlung wurde ] 786 auf Kosten der Akademie ge- druckt und ist seitdem wiederholt erschienen und so- wohl mehrfach ins Deutsche als auch ins Französische, Englische usw. übersetzt worden. Seine Arbeit ist sehr überschätzt worden, denn etwas Sicheres wußte er doch nicht. Vieles von dem, was er vorschlägt, hat sich niclit bewährt. Wenn man auch annehmen will, daß er das Geigenmachen erlernt hat, so scheint er doch die Lücken seines Wissens durch selbsterfundene Theorien ausgefüllt zu haben. Trotzdem verdankt man ihm bis zu einem gewissen Grade die wenigen auf uns gekommenen Grundsätze, nach denen die alten italienischen Meister gearbeitet haben. Über sein Leben ist nicht viel mehr bekannt, als was er in seiner Schrift selbst erzählt, und daß er mit Antonia Pelizzari verheiratet war, ver- schiedene Kinder hatte und gänzlich verarmt und er- blindet starb. Eine Zeitlang arbeitete er mit Danieli zusammen. Eine Geige mit seinem Namen, von guter Arbeit und rotem Lack, vmrde kürzlich in England um ca. 1000 Mk. gekauft. Eine andere zum Verkauf aus- gebotene Geige von ».'\ntonio Bagoletto in Padua, 1 782« dürfte, wenn sie echt war, gleichfalls von Bagatella ge- wesen sein. — Er ahmte Jos. Guarneri nach und steht Joseph Rocca nahe. Geigenzette! : .Antonius Bagatella delectens / fecit Patavij Anno 1 794 (gedruckt). Bagatella, Pietro, gen. Piclno. — Padua. 1712, soll 1 760 noch gelebt haben Vermutlich der Großvater oder Oheim Antonios. Er verwendete ein sehr hochgewölbtes Modell und dunkeln Lack. Um 1726 soll auch ein Carlo Picino als Geigen- macher gelebt haben. Bagnini, Orazio. — Florenz. 1661. 1667 Sohn von Antonio B. Ein von Vidal und Valdrighi er- wähnter, sonst aber nicht bekannter Lautenmacher des 1 7. Jahrhunderts. Bailly, Antoine. — Mirecourt. 1 770 Ein Geigenmacher, der um 1 772 seinen Heimatsort ver- lassen hat. Ein anderer Antoine Bailly kommt 1 763 bis 1 785 als Bogenmacher vor. Bailly, Joseph. — Mirecourt. 1770. 1790 Seinen Namen fand ich in einer sauber gearbeiteten Violine, die ein Wiener Musiker besaß. Bailly, Paul. — Mirecourt, London, Paris. Geb. in Mattaincourt 13. April 1844 Er erhielt seine erste Ausbildung in Mirecourt bei Jule« Gaillard, Prosper Gabasse und P. G. Grandjon. Hierauf arbeitete er bei Fran^ois Vuillaume, der ihn zu seinem Bruder J. B. V. nach Paris schickte, hier blieb er meh- rere Jahre und wurde 1869 zum Geigenmacher der Musikakademie in Douai ernannt. 1892 ging er nach Mirecourt zurück und arbeitete hauptsächlich für die ersten Pariser und Londoner Firmen. Während dieser Zeit bildete er auch viele Lehrlinge aus, 1884 zog er nach Paris und blieb wieder mehrere Jahre da ; dann verlegte er seine Werkstatt nach London und 1898 end- gültig nach Paris zurück, wo er jetzt Rue de Grenelle Baines — Baldantoni 27 Nr. 197 wohnt. Er baut nach allen Modellen, auch nach englischen, seine Violinen hauptsächlich nach der »Messias« von Stradivari. Für seine Violoncelli zieht er ein großes Patron vor und verwendet einen schönen, kastanienbraunen Ollack. Der Ton seiner Geigen ist edel und gleichmäßig in allen Lagen und seine Arbeit vorzüglich, er besaß 1990 bereits mehr als 10 Medaillen usw. Bekannt sind seine von Prof. Wagner in Lissabon veranlaßten Versuche, Geigen ganz aus dem brasilia- nischen Murtaholz zu bauen. Jetzt arbeiten auch seine Söhne bei ihm. Geigenzettel : Paul Bailly luthier ä Mirecourt, Vosges / Eleve de J. B. Vuillaume de Paris / Luthier de l'aca- ! demie de musique de Douai (gedruckt) und Abb. 52. Baines. — London. 1780 Man weiß von ihm nur wenig mehr, als daß er ein Schüler von Matthew Furber war. Balrhoff, Giorgio. — Neapel. 1757. 1786 Da der seltene Name Bairhoff in Füssen vorkommt, darf man annehmen, daß auch er aus Füssen stammte und einer der vielen Deutschen war, die als Gehilfen bei den Gaglianos und anderen gearbeitet haben und schließlich in Italien seßhaft geworden sind. Seine Ar- beit erinnert an G. u. N. Gagliano, er benutzte ein schönes, breites, flaches, manchmal mittelgroßes Mo- dell. Seine Geigen sind dick im Holz, haben eine wenig elegante Schnecke, aber meist großen Ton und sind zumindest sehr gute Orchesterinstrumente. (Barthoff statt Bairhoff zu lesen ist falsch.) Geigenzettel: Giorgio Bairhoff Fecit ' Naooli 1757 (Initiale.! im Kras) (gedruckt) und Brandmarke Nr. 24. Baisch, Samuel. — Stuttgart. 1572. f 1593 Ein Geistlicher, der früher Pfarrer in Gundringen und Altburg war und wahrscheinlich in Füssen in die Ge- heimnisse der Lautenmacherei eingeweiht wurde. Er kam 1 572 nach Stuttgart und wurde bald darauf in der Hofkapelle als Musiker und Instrumentenmacher ange- stellt, wo er nach Thanners Tod auch eine Zeitlang die Musikinstrumentenwerkstatt leitete. Noch im Jahre 1585 kaufte er von dem Füssener Lautenmacher Ma- thias Stehelin, der damals in Hausen a. d. Fils lebte, allerlei Werkzeuge, obwohl er schon 1 582 zu seinem geistlichen Berufe zurückgekehrt und Pfarrer in Both- nang geworden war. Im Jahre 1 592 wurde er als mark- gräfÜch badischer Pfarrer nach Bohlingen berufen, wo er schon ein Jahr darauf starb. Mailand. 1838. f nach Bajoni, Luigi. 1878 Obwohl er sich bestrebte, an die Traditionen seiner heimischen Schule anzuknüpfen, fehlte ihm doch die rechte Begabung, um sich aus seinem Handwerk zur Kunst zu erheben. Baker, E. L. — New London (Conn.) 1849 Amerikanischer Geigenmacher und Händler. Baker, Francis. — London. 1696 Vielleicht ein Bruder des Oxforder Meisters und diesem in seiner Arbeit ebenbürtig. Eine vorzügliche Baßviola, die aus dem Besitze des Cellisten Tolbecque stammt, bewahrt das Konserv'atonum in Brüssel. Geigenzettel: Francis Baker in Pauls church / Yard , 1696 London (gedruckt). Baker, John. — Oxford. 1688. 1720 Die Violenbauer des 17. Jahrhunderts in England standen im höchsten Ansehen bei allen Musikern und w-urden damals von vielen den Italienern vorgezogen. Zu den englischen Meistern, die diese hohe Wert- schätzung durch ihre Arbeit rechtfertigen, gehört auch John Baker, von dem nur vortreffliche Violen und Gamben bekannt sind. Sein Lack ist von hellgelber Farbe. Eine schöne Viola da Gamba von ihm war 1872 im South Kens. Mus. ausgestellt. Geigenzettel : John Baker / Oxon / 1 688 (gedruckt). Baker(Bakker), William. — Oxford. 1673. 1683 Das Selhofsche Auktionsverzeichnis (Hag 1759) nennt eine Gamba von ihm. Es liegt nahe, diesen William für den Vater von John und vielleicht auch von Francis zu halten. Eine Violine und eine Viola besitzt T. W. Tap- house. Baker. — Brighton. 1820. 1830 Von ihm weiß ich nur, daß er u. a. einige sehr gute Bässe gebaut hat. Balcaini Eine Geige mit diesem sonst unbekannten Namen, kleines Amati-Modell, boten G. Withers & Sons vor dem Kriege um 15 £ an. Baldantoni, Giuseppe. • — Ancona. Geb. 19. März 1784, t 5. Jan. 1873 Einer Familie von Mechanikern entstammend, erlernte er in seiner Jugend bei dem als Lehrer geschätzten Geiger Nappi das Viollnspie!. Nappi führte kleinere Reparaturen an Geigen selbst aus und leitete auch seine Schüler dann an, was Baldantoni veranlaßte, selbst zu versuchen, eine Geige zu bauen. Wenn diese im Äußern auch wohlgelungen aussah, so war sie doch in allen Maßen usw. verfehlt, und erst, als ihm Bagatellas Schrift in die Hand fiel, kam erdazu, den Gelgenbau ernsthafter zu studieren. Er tat dies von nun an mit Eifer und war nach jahrelangen Bemühungen wirklich imstande, Gei- gen von schöner Form und gutem, weichem Klang her- zustellen, wobei er ein großes Stradivanmodell bevor- zugte, nur die F- Löcher lassen oft den rechten Schwung vermissen. Er hat an 200 neue Violinen, Violen, Violon- celli und Bässe gebaut, obwohl er auch als Mechaniker vielbeschäftigt war. 1869 erhielt er eine goldene Me- daille für seine Erfindung einer sehr zweckmäßigen Mechanik für Trommeln, auch die von ihm verfertigten Stimmgabeln waren geschätzt. Seine Geigen sind sauber durchgearbeitet, haben flache Wölbung und braungelben Lack. Merkwürdigerweise werden seine Geigen oder solche, die man ihm nur zuschreibt, von Händlern u. dgl. gern bis in die Mitte des 18. Jahr- hunderts zurückdatiert. Sein Sohn Benjamin ist ein be- kannter Geigenvirtuose. Geigenzettel: Joseph Baldantonj Anconae ; fecit .Anno 1734 (gedruckt). — Josephus Baldantonus / Anconiae fecit Anno 1839 (gedruckt). 28 Balestrierl — Banks Balestrleri, Pietro. — Cremona. 1 735 Er nennt sich einen Schüler Stradivaris und war ein Bruder von Tommaso B., dem er jedoch in keiner Be- ziehung gleichsteht, trotzdem kommt gerade sein Name in freilich oft sehr verstümmelter Schreibweise in un- echten Instrumenten vor. Geigenzettel : Petrus Balestnen alumnus Antonii / Stra- divarii fecit Cremona; anno 17 . . (gedruckt). — Pietro Balestrieri / fece in Cremona 17 . . (gedruckt). Balestnen, Tommaso. — Mantua. 1 720. 1 788 Seiner Angabe nach stammt er aus Cremona und ist ein Meister, über den die Meinungen merkwürdig ausein- andergehen. Während ihn die einen nur als geschickten Dilettanten ansehen, machen andere auf Grund einiger seiner Geigen ihn zu dem einzigen Schüler des Pietro Guameri, und wieder andere, wie De Piccolellis und Vidal, weisen ihn der Schule Stradivaris zu. Das letztere hat insofern Berechtigung, als Balestnen tatsächlich an die letzten Arbeiten des großen Cremonesers anzu- knüpfen scheint. Sein Modell ist groß und schön, die Wölbung schwungvoll, die Arbeit nicht sehr gleich- mäßig, sein Lfck ist von gelblichroter oder orangegelber Farbe; man kann übrigens zwei bestimmte Lackarten bei ihm unterscheiden, von denen die eine an Gua- dagnini erinnert. Seine Geigen haben zweifellos durch das Alter sehr an Tonschönheit zugenommen, so daß es sich erklärt, daß sie jetzt wesentlich höher geschätzt werden als früher. Besonders sind seine Violoncelli ge- sucht. Es wurde bisher behauptet, daß er erst von 1757 an in Mantua nachweisbar sein und vorher in Cremona gelebt haben soll, mir sind jedoch nur Zettel aus Man- tua bekannt geworden und darunter verschiedene mit früheren Jahreszahlen. So besitzt auch Dr. Bornemann in Eisenach eine schöne, gelblichrote Violine (35,5 cm Korpuslänge) mit dem geschriebenen Zettel : Tomaso Balestnen / fece in Mantova 1735. Eine trefflich klin- gende Violine von ihm befindet sich auch in der Samm- lung Th. Hämmerle in Wien. Er verwendete verschie- dene Zettel, darunter auch einen mit verziertem Rand, auf welchem der Text dreizeilig erscheint. Geigenzettel : Abb. 53. Ball s. Firth & Ball Ballantine, Robert. — Edmburgh, dann Glas- gow. 1850. 1856 Man weiß nur, daß er 1856 nach Glasgow übersiedelte, wo er in den sechziger Jahren gestorben sein soll. Er scheint hauptsächlich Händler gewesen zu sein (bei Honeyman wird er nicht erwähnt). Ballarlni, Santo. — Rimini, Terni, Rom. 1 740. 1781 Da seine Arbeiten denen Gisalbertis sehr ähnlich sehen, macht Horace Pethenk es sehr wahrscheinlich, daß dieser selbst die Violinen mit diesem Namen ange- fertigt habe. Dagegen spricht nur der Umstand, daß auch aus Rom datierte Arbeiten mit dem gleichen Namen vorkommen, die Jahreszahlen bis 178! auf- weisen, und daß der Familienname Ballarini (auch Bal- larino) heute noch in Italien vorkommt. Im Jahre 1740 hielt er sich auf einer Reise in Terni auf, wie der bei De Wit veröffentlichte Zettel erzählt. Geigenzettel : Fatto da me Santo Ballarini / per passagio in Terni / Nel .'Xnno 1 740 (geschrieben). — Sanct Balla- rini / fece in Roma 1780 (geschrieben). Ballerinl, Pietro. — Florenz. 1900 Nachfolger von Castellani & Figlio, Streichinstru- menten- und Saitenfabrik der Gegenwart. Ballini, Paolo. — Brescia. 1857 Seine Geigen sind handwerksmäßig ausgeführt und ahmen in oberflächlicher Weise Stradivari und Guar- neri nach. Baltensperger, Emil. — Chur. Geb. 1859 in Zürich (Schwamendingen) Sohn eines Malermeisters, bei dem er nach dem Besuch der Stadtschule in Chur in die Lehre trat. Zu seiner weiteren Ausbildung ging er 1880 nach München und übernahm 1881 das väterliche Geschäft. Um 1900 be- gann er autodidaktisch den Geigenbau zu erlernen und brachte es dann zu bemerkenswerter Fertigkeit. Von 1901-1908 hatte er 86 Violinen, 6 Violoncelli und 3 Violen gemacht, hat aber seit Kriegsbeginn den Gei- genbau wieder aufgegeben. Er arbeitete nach eigenen Grundsätzen und bestimmte die Dicke von Decke und Boden je nach dem Holz und dem Modell, so daß er ab- wechselnd die Brust oder die Ränder dicker machte, wobei er manchmal bis zur Stärke von 8 mm ging. Bei der Lackierung kam ihm seine Erfahrung als Maler sehr zustatten; sein Lack ist schön, von hellrötlicher Gold- farbe. Kreisler in London, Steffy Geier in Budapest u. a. besitzen Geigen von ihm. Baluff, Erhard, arbeitete im 19. Jahrhundert in Chicago Banks, Benjamm (I). — Salisbury. Geb. H.JuK 1727, t 18. Febr. 1795 Sohn von George und Barbary B., Schüler von Wamsley. Einer der besten englischen Meister und wohl der erste, der das bis dahin in England bevorzugte Stainermodell aufgab und Amati und die Cremoneser zum Vorbild nahm. In der Arbeit ist er tadellos; sein Lack, von schöner Durchsichtigkeit, zeigt bei seinen besten Wer- ken braungelbe, ins Rötliche spielende Farbe, bei ge- wöhnlichen Arbeiten ist er schwärzlich-dunkelrot. Er baute sowohl Violinen als Violen und Violoncelli, na- mentlich die letzteren sind wertvoll, wobei die mit breitem Modell vorzuziehen sind. Bässe hat er nur sehr selten gebaut, diese sind wie alle seine Arbeiten sehr gut. Zu verschiedenen Zeiten baute er auch nachweislich Geigen für die Verlegerfirma Longman & Brodenp. Außer seinem Zettel verwendete er auch einen Brand- stempel mit B. B. Eine englische Zister (1750) besitzt Mrs. Dean, eine andere A. F. Hill. Andere Arbeiten be- finden sich in englischem Privat*besitz. Geigenzettel : Benjamin Banks / fecit / Salisbury (ge- druckt) und Abb. 75, Brandmarke Nr. 9. Banks — Barbe 29 Banks, Benjamin (II). — Salisbury, später Lon- don, dann Liverpool. Geb. 13. Sept. 1754, t 22. Jan. 1820 in Liverpool Zweiter Sohn und Schüler von Benj. B. (1), hei dem er bis etwa 1 780 gearbeitet hat. Er ging dann nach London und wohnte Sherrard Street, Golden Square N. 30, später zog er nach Liverpool, wo er in der Bank Street seine Werkstatt aufschlug. Es sind nur wenige Arbeiten seiner Hand bekannt, er hat wohl meist für Händler gearbeitet. Geigenzettel : Made by Benjn. Banks , N° 30 Sherrard Street, Golden Square, from Salisbury (gedruckt). Banks, Henry. — Salisbury, Liverpool. Geb* in Salisbury 1770, f 16. Okt. 1830 in Liver- pool Sechster Sohn von Benj. B. (I), bei dem er auch gelernt hat. Er verlegte sich in der Folge mehr auf das Repa- rieren von Pianofortes und war ein gesuchter Klavier- stimmer. Er blieb aber dabei Teilhaber seines Bruders und hat wohl auch an verschiedenen Instrumenten, die aus der gemeinsamen Werkstatt hervorgingen, mitge- arbeitet. Banks, James. — Salisbury, später Liverpool. Geb. in Salisbury 1756, f in Liverpool 15. Juni 1831 Vierter Sohn von Benj. B. (I), Schüler seines Vaters, den er gleichwertig nachahmte. Er gebrauchte die gleichen Modelle und verwendete den gleichen Lack, nur von etwas schwärzlicherer Färbung. Er arbeitete mit seinem Bruder Henry zusammen, mit dem er das väterliche Geschäft in der Catherine Street fortsetzte. Im Jahre 1811 verkauften sie dasselbe und siedelten nach Liverpool über, wo sie erst in der Church Street und dann in der Bold Street wohnten. Ein Cello, von den beiden Brüdern 1797 gebaut, war 1871 im South Kens. Mus. ausgestellt. Geigenzettel : James and Henry Banks / Musical Instru- ment Makers ; and Musik Seilers / Salisbury 1802 (ge- druckt). Bantis (?), Jean. — Mirecourt. Um 1740 Er soll nur handwerksmäßig gearbeitet haben, doch ge- lang es mir nicht, Arbeiten von ihm kennen zu lernen. Auch Jacquot erwähnt ihn nicht. Barabäs. — Cremona. 1793 Eine Viola d'amore von ihm besaß der Maler Kraus in München. Auch Valdrighi führt diesen Namen (Nr. 3664) auf. Näheres war jedoch nicht zu er- fahren. Baracchi, Venerio. — S. Martino d'Este. (Mo- dena.) 1829 Mittelmäßiger modenesischer Geigenmacher, der im Sommer Landwirtschaft betrieb. Seine Geigen klingen manchmal recht gut. Baraldi, Alfonso. — Modena, Bomporto. 1 879. 1891 In seiner Arbeit nicht ungeschickt, doch lassen Holz und Ton zu wünschen übrig. Baraldi, Giovanni. — San Felice (Modena). 1766 In ValdrighisNomocheliurgografiawird er unter Nr. 204 mit der Jahreszahl 1766 angeführt. In der Berliner staatlichen Sammlung alter Musikinstrumente befin- det sich ein zur Lira in gamba hergenchtetes, altes Streichinstrument (Nr. 820) mit der Jahreszahl 1 566, die offenbar unrichtig ist. Nach dem Zettel ist anzu- nehmen, daß Baraldi ein Dominikanermönch war. Seine Arbeit ist roh, ob die häßlichen F-Löcher ihm zuzu- schreiben oder schon vorher gewesen sind, will ich nicht entscheiden. Geigenzettel : Fece questo violunetto lo ' Giovanni Baraldi di S. D. , L'anno del Signore 1(5)66 (gedruckt). Bäräny, Desiderius (Dezsö). — Budapest. Geb. 1871 Schüler von Pilät und von Hamberger in Wien. Im Jahre 1897 machte er sich selbständig. Der Ton seiner kräftig gebauten Geigen wird gelobt. Er verwendet einen rotbraunen Lack. Geigenzettel: Keszitette , Bärany Deszö , Bpest 1897 Op. . . . (geschrieben). Barat, arbeitete im 1 9. Jahrhundert in Paris Baravalli, Francesco Unbekannter italienischer Geigenmacher des 18. Jahr- hunderts. Barbanti, Silva Francesco. — Correggio. 1847. 1850 Da er nur selten einen Zettel in seine Geigen einklebte, läßt sich nicht feststellen, ob er überhaupt viele Geigen neu gebaut hat. Er galt jedoch seinerzeit als tüchtiger Meister und namentlich seine Violoncelli sind sehr be- liebt. Barbara. Charles. — Orleans. 1810. 1850 Er soll sich nur mit Wiederherstellungsarbeiten be- schäftigt haben. Barbaro s. Branzo Barbe, Amable Telesphore. — Paris, Nancy. Geb. in Dijon 1822 Sohn von J. Barbe und Schüler von Derazey. .Als er nach Paris kam, wurde er Gehilfe bei J. B. Vuillaume, den er als seinen eigentlichen Lehrmeister betrachtet. Er gilt als geschickter Künstler, hat aber seit 1 865 fast ausschließlich für große Firmen (Vuillaume, Miremont und Gand in Paris, Jacquot in Nancy usw.) gearbeitet. Geigenzettel : Telesphore Barbe Expremier ouvrier de J. B. Vuillaume medaille ä l'Exposition de 1867 / Paris (gedruckt). 30 Barbe — Baronclni Barbe, Fran^ois. — Dijon Eine französische »Guitare droite« von ihm besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln, eine andere Baron de Lery. Geigenzettel: Faits par fran?ois barbe , luthier brevete de la societe / melophile d'avallon / ä Dijcn (geschr.). Barbe, J. — Avallon. Paris usw. Geb. in Mire- courtvor 1800, f 1868 Auch Barbe pere genannt. Geigenmacher und Kan- tinenwirt eines Regiments, mit dem er jeden Garnison- wechsel mitmachte. Seine Geigen sind handwerksmäßig ausgeführt, doch hat er mehrere gute Violincelli gebaut. Geigenzettel : Barbe d'Avallon (gedruckt). Barbella s. Naldi Barbey (Barbay). — Paris. 1746 Besserer Geigenmacher, dessen Arbeiten nach Jacquots Meinung an die Klotz-Schule erinnern. Barbey, Guillaume. — Paris. 1717. 1719 Geschickter Violenbauer, von dem sich eine sehr schöne Gamba von sechs Saiten im Museum des Konserva- toriums in Brüssel (No. 226) mit geschnitztem Frauen- köpfchen am Wirbelkasten befindet. Geigenzettel : Abb. 84. Barbezant (Barbazanton), Joseph. — Mire- court. 1747 Ein bisher nur von Jacquot erwähnter Geigenmacher. Barbier. — Bordeaux. 1774 Er war der Hoflautenmacher des Prinzen Ferdinand. In der Sammlung des Barons de Lery befindet sich eine sehr schöne Gitarre von ihm. Barbieri, Francesco. — Mantua. 1695. 1750 Seine Geigen erinnern an das Modell Andr. Guameris, sind jedoch nicht sehr gut. Nach Vidal und Grillet soll er 1695 in Verona gearbeitet haben. In Instrumenten aus den Jahren 1698, 1740, 1730, die ich zu sehen Ge- legenheit hatte, war stets Mantua als Wohnort ange- geben. Valdrighi läßt ihn noch 1780 leben (Nr. 3665). Eine große fünfsaitige Baßgamba von ihm aus dem Jahre 1697 besitzt Alfr. Keil in Lissabon. Ein Pietro B. soll um 1750 gelebt haben. Barbieri, Giuseppe. — Poggio (Mantua). 1880 Er stammt aus MedoUa und war ein guter Geigen- macher und Reparateur. Barbieri (de Barberis), R. Mandolinenmacher. G enua Barchaneck (Barchänek), Joseph Friedrich. — Ödenburg. Geb. 11. Febr. 1817 in Mezoun bei Tachlovic, f nach 1850 Sohn des Schmiedemeisters Wenzel B. und der Fran- ziska geb. Dobeä. Schüler von Joh. Kulik in Prag. Er war nicht ungeschickt, besonders gut waren seine Vio- loncelli, die jetzt gerne gut bezahlt werden. Geigenzettel : Joseph Friedr. Barchaneck / bürgerlicher/ Guitarre- u. Geigenmacher / in Ödenburg / A 1845 (gedruckt). Bardella s. Naldi Bargue, Isaac de. — Paris. 1579 Wird als Luthier und Musikinstrumentenmacher er- wähnt. Bargues. — Bordeaux. 1900 Ein Instrumentenhändler mit Geigenmacherwerkstatt. Barnes, Robert. — London. 1765. 1794 Schüler von Thomas Smith und Mitschüler von John Norris, mit dem er sich um 1765 verband. Es ist bisher nur ein einziges Cello bekannt, das die Namen beider trägt, aber dieses wird mit vieler Wahrscheinlichkeit als eine Arbeit von Aireton angesehen. Er wohnte zuerst in der Windmill Street und zog später mit seinem Ge- nossen nach der Coventry Street. Einige nicht hervor- ragende Geigen tragen seinen Namen, doch scheint es wahr zu sein, daß er sich frühzeitig vom Geschäfte zurückgezogen hat. Er soll sich eine Farm in Hayes ge- kauft haben; gestorben ist er dort jedenfalls nicht, da Sandys und Forster die dortigen Kirchenbücher ver- gebens nach ihm durchforscht haben. Geigenzettel : Robert Barnes, violin maker / Windmill Street, Haymarket (gedruckt). Barnia, Fedele. — Venedig. 1760. 1780 Er stammt aus Mailand und erinnert in seiner Arbeit auch ein wenig an die Mailänder Schule. Er war ein ge- schickter Meister, der nur zu oft handwerksmäßig ge- arbeitet hat. Seine Geigen sind daher von ungleichem Wert ; am besten ist er dann, wenn er sich an gute Vor- bilder hält; wo er originell ist, ist er auch unschön, um so mehr, als er kein Künstler im Schnitzen der Schnek- ken war und auf die Wahl des Holzes und die Einlagen keine Sorgfalt verwendete; nur bei seinen Mandolinen gab er sich bei der Einlegearbeit mehr Mühe, wie eine hübsche Theorbe in der Sammlung Gautier in Nizza beweist. Wenn Vidal die Jahreszahl 1715 liest, so scheint dies ein Fehler zu sein, es muß wohl 1775 heißen. De Piccolellis muß eine nach P. Guarneri ge- baute Geige von ihm gekannt haben, da er es für mög- lich hält, daß er ein Schüler dieses Meisters gewesen sei, was ich nicht zugeben kann. Auch sein Lack, trotz- dem er durchsichtig gelb ist. spricht dagegen. Geigenzettel : Fedele Barnia Milanese / fece in Venezia l'anno 1761 (gedruckt). Baroncini (Barontini ?), Giuseppe. — Pistoja. Anfang 19. Jahrhundert Dr. J. Geyer in Budapest besitzt eine Violine von ihm mit länglichem Korpus und unschönen F-Löchern, mit dickem, breitem Rand, breiter Einlage und gelbem, etwas sprödem Lack. Sehr eigenartig ist die tiefge- stcchene Schnecke. Der Ton ist nur mittelmäßig. Geigenzettel: Baroncini Giuseppe / Pistoja 1 . . . (ge- schrieben). Baroncini — Bartl 31 Baroncini, Micehle, lebte in Lodi Baroux. — Paris. 1830 Enkel des Mirecourter Bogenmachers Charles B. Er wohnte in der Rue du Petit-Carreau Nr. 57 und ist wie sein Großvater nur als tüchtiger Bogenmacher bekannt. Baroux, Charles. — Mirecourt. 1770. f 1773 Ein Geigenmacher, der wahrscheinlich schon sehr jung gestorben ist. Barrata-Ementoli (?). — Padua. 17. Jahrh. (?) Er soll gute Archilauten gemacht haben und wird auch von Valdrighi (3934) aufgezählt. Barrett, John. — London (Piccadilly). 1714. 1740 Wahrscheinlich ein Schüler des gleichen Meisters wie N. Gross. Er verwendete ein längliches, hochgewölbtes Modell, das mehr an Stainer wie an Amati erinnert. Statt der Einlage zeichnete er am Rande Linien ein. Der Lack, den er verwendete, dürfte gelb gewesen sein, ist aber stark ins Bräunliche nachgedunkelt. Der Ton ist edel, wenn auch nicht groß, die Arbeit gut, aber ge- wöhnlich. Von ihm sind zweierlei Zettel bekannt ; der ältere einfach gedruckt, der spätere zeigt noch eine ge- krönte Lyra. Eine Violine von 1740 besitzt J. T. Chap- man. Um 1731 kommt auch ein Thomas Barrett vor. Geigenzettel: John Barrett, at the Harp and Crown , in Pickadilly, 1722 (gedruckt). — Made by John Barrett, at y<= Harp / & Crown in Pickadilly, London 1731 (ge- druckt). Barriere. — Cherbourg. 1 886 Ein Musikinstrumentenmacher, der sowohl Klaviere als Geigen verfertigte. Barry. — London (?) Die Inschrift einer englischen Gitarre der Sammlung Snoeck (Nr. 326) lautet: Light Invent. Barry maker. Danach scheint Edv. Light die von ihm erfundenen Instrumente nicht selbst gemacht zu haben ; der Ver- fertiger Barry kann jedoch nicht mit Sicherheit fest- gestellt werden. Bartak, Franz. — Znaim. 1895. 1898 Ein Instrumentenmacher, der sich vorübergehend in Znaim aufhielt. Geigenzettel: Franz Bartak / Instrumentenmacher ,' Oberer Platz N° 1 0 in Znaim (gedruckt). Da er sehr arm war, mußte er sein Leben hauptsächlich mit Flickarbeiten fristen, weshalb es nur wenige Geigen von ihm gibt, die wenigen aber sind durchweg Meister- werke. Im Jahre 1883 verfiel er in Geistesnacht und starb bald darauf. Sein früher Tod war ein Verlust für die Geiger in Ungarn. Geigenzettel: Eduard Bartek fecit ' Pestini Anno 1878 (geschrieben). Bartelmo s. Schuster Barth, Ludwig. — München. Geb. 26. März 1875 Schüler von Gius. Fiorini, bei dem er von 1889 — 1892 lernte. Nachdem er dann noch zwei Jahre lang in Köln und Frankfurt a. M. gearbeitet hat, machte er sich i. J. 1894 in München selbständig. Er ist ein gesuchter und geschickter Reparateur und hat sich auch im Neubau schon trefflich bewährt. In Verbindung mit seinem Sohne begründete er unter der Firma »I. Münchener Geigenindustrie« eine große Werkstatt mit elektrischem Betrieb. Barthell. Eifiil. — Basel. 1888 Arbeitete bei Gebr. Hug. Bartek, Eduard. — Budapest. t 1883 Geb. 1852, Wi len, Erst Schüler von AI. Engleder, arbeitete er später bei G. Nemessanyi, Thomas Zach und Gabriel Lemböck und erlangte bei großer Begabung hier eine allseitige künstlerische Ausbildung. Kaum zwanzig Jahre alt, er- öffnete er in Budapest seine eigene Werkstatt und erhielt 1878 auf der Pariser .\usstellung für nach Stra- divari und Guarneri gebaute Geigen einen ersten Preis. Barthoff s. Bairhoff Bartl (Parti, Parti), Andre Nikolaus. Geb. um 1682, t5.Aug. 1762 Er soll der Sohn eines Christoph P. gewesen sein und ■ wohnte im »Wübmer Viertel«. Am 4. Juni 1703 legte er den Bürgereid ab und kommt in den Steuerbüchern bis 1763 vor. Seine Werkstatt übernahm sein Schwieger- sohn Maximilian Roiß. Andre N. B. war ein geschickter Lautenmacher, von dem auf der Wiener Musikaus- stellung recht gute Arbeiten zu sehen waren. Seine Geigen haben schöne Form, wenn sie auch oft zu hoch gewölbt sind. Die F-Löcher sind ohne Schwung, da- gegen ist die Schnecke (Ahornholz) recht hübsch. Er verwendete einen fetten gelben oder roten Lack, den er, im Gegensatz zu den übrigen Mitgliedern seiner Familie, unmittelbar auf das reine Holz auftrug, so daß er auch heute noch ein schönes Feuer hat. Er schrieb seinen Namen abwechselnd mit B oder P, in allen Urkunden herrscht jedoch die richtigere Schreibweise Bartl vor. Für seine Geigen werden jetzt gute Preise bezahlt. Geigenzettel : Andreas Nicolaus Parti ,' me fecit Viennae 1757 (gedruckt) und Abb. 45. Bartl (Parti), Christian Franz. — Wien. Geb. um 1739, t 9. Jan. 1807 Er wohnte im Schottenviertel, Seizerhof gässel, und legte am 23. Januar 1768 den Bürgereid ab. In den Steuerbüchern von 1769—1787 erscheint er als »Neu- besteuerter«, d. h. als Begründer seines Geschäftes. Er gehört zu den unbedeutendsten Geigenmachern der Wiener Schule, arbeitete so sorglos und hatte einen so undurchsichtigen, umbratraunen Lack, daß er bei den älteren Wiener Geigenmachern den Spitznamen »Sau- partl« bekam. Seine Violinen und Violen sind oft ohne Einlagen, im Innern fehlt meistens die Bereifung, und 32 Bartl — Barzoni die Violoncelli haben gewöhnlich flache Böden. Er schreibt seinen Namen meistens mit P. Nur seine besten Arbeiten erreichen höhere Preise. Geigenzettel : Christianus Franciscus Parti / fecit Vienna? 1 780 (gedruckt) und Abb. 42. Bartl (Parti), Michael Andreas (Andre). — Wien. Geb. 1704, f 1 1 . Aug. 1788 Sohn und Schüler von Andre Nikolaus P. Er wohnte, wie sein Vater, im Wübmer Viertel und legte am 29. Mai 1 728 den Bürgereid ab. Er war sehr fleißig und gehörte zu den besseren Wiener Lautenmachern, hat es aber zu keinem Wohlstand gebracht. In den Steuerbüchern kommt er von 1749 — 1775 vor; von 1776 — 1779 aber heißt es von ihm: »Bettlarm und wird von seinem Weib unterhalten.« Im Jahre 1779 übernahm sein Sohn Josef die Werkstatt. Werke von Mich. Andre P. sind in größerer Zahl erhalten, so eine undatierte Viola im Schottenstift in Wien, eine Viola mit geschnitztem Frauenköpfchen am Wirbelkasten von 1746 in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln, eine ähn- liche von 1764 im Museum des Konservatoriums in Brüssel (Nr. 224) und eine schöne Viola d'amore von 1732 in der staatlichen Sammlung alter Musikinstru- mente in Berlin (Nr. 866) ; der Wirbelkasten zeigt durch- brochene Schnitzerei und das Köpfchen des Liebes- gottes mit verbundenen Augen. Im Musikhistorischen Museum in Stockholm ist eine Laute von 1745. Wenn seine späteren Arbeiten auch oft recht gewöhnlich sind, so erkennt man doch immer seine geschickte Hand dann. Das Deckenholz ist meist sehr schön und auch der Ton recht gut ; der Lack scheint stark nachgedunkelt zu haben und ist jetzt häufig schwarzbraun. Auf man- chen Zetteln fehlt das Wort »fecit«. Geigenzettel : Michael Andreas Parti / Feclt Viennae 1763 (gedruckt). Wi len. 1682. Bartl (Parti, Parti), Christoph. 1691 Er gilt als Stammvater der Familie und hat am 28. Mai 1683 den Bürgereid geleistet. Er scheint sich Bärtl ge- nannt zu haben. Seine Nachkommen schreiben den Namen bald mit B und bald mit P. Bartl (Parti), Ignaz Christian. — Wien. Geb. 1732, t 27. Dez. 1819 Er legte am 31. März 1764 den Bürgereid als Lauten- und Geigenmacher ab und erscheint in den Steuer- büchern von 1765 — 1787. Violinen von ihm kommen noch ziemlich häufig vor und sind reclit gut. Er hält sich in den Umrissen an die Italiener, nur die Wölbung nimmt er manchmal höher. Geigenzettel : Abb. 32. w len. Geb. Bartl (Parti), Joseph Jakob. 1743, t I.Juni 1801 Sohn von Michael Andre P., dessen Werkstatt er 1 779 übernahm. In den Steuerbüchern kommt er bis 1787 vor; daß er jedoch noch länger gelebt hat, beweisen so- wohl Arbeiten von ihm mit Jahreszahlen bis 1801, als sein Totenschein. Seine Arbeit ist gut, hübsch Im Mo- del! und in der mittelhohen Wölbung, nur der Lack ist etwas zu dunkel. Geigenzettel : Abb. 38. Bartolini, M., Teilhaber einer am Ende des 19. Jahrhunderts in Rom bestehenden Gei- genmacherfirma Bartolotti, Giovanni. — 1894 Neuerer italienischer Geigenmacher ohne Eigenart. Barton, Georg. — London. 1772. f um 1810 Das Gewerbemuseum in Markneukirchen besitzt von ihm eine Geige ohne Mittelecken — es Ist dies der älteste bisher bekannte Versuch, In dieser Art den Bau der Geige zu verändern. Unschön in der Form und un- richtig in der Mensur, besitzt das Instrument doch einen schönen, wenn auch kleinen Ton. Auch ein John Barton war 1786 noch tätig. Geigenzettel : George Barton / Elllot Court / Old Bailey 1780 (gedruckt). Bartsch, Alfred. — Münsterberg i. Schi., Dessau, Essen (Ruhr). Geb. am 6. Okt. 1868 in Münsterberg Er erlernte In Markneukirchen bei Christian Tr. Schaller den Geigenbau von 1883 — 1887 und besuchte gleichzeitig die dortige Fachschule, wo er für sein Ge- sellenstück ausgezeichnet wurde. Nachdem er kurze Zeit in seiner Vaterstadt gearbeitet hatte, verlegte er am 1. Mai 1890 seinen Wohnsitz nach Dessau, arbeitete bis 1903 in verschiedenen ersten Werkstätten und machte sich dann selbständig. Seine Arbeit ist sorgfältig, und er erlangte sowohl Im Neubau wie in der Wiederherstellung von Streichinstrumenten einen guten Ruf. Barttner, Michael. — Salzburg. 1524 Eine Arbeit von ihm befindet sich im städtischen Mu- seum Carolino Augusteum im Salzburg. Barzellini, Aegidius. — Cremona(?). 1670. 1700 Er nennt sich einen Schüler Amatis und ahmt auch die Art der Amati nach. Schönes Holz, edler Ton, der Boden ist flacher gewölbt als die Decke. Geigenzettel : /Egidius Barzellini fecit / Ecolle .Amatius Cremonen. 1680 (gedruckt). Barzoni (Fran^ois). — (Chateau Thierry.) Letztes Drittel des 1 9. Jahrhunderts Geigen mit diesem Namen kamen mir nur in englischen Verzeichnissen vor. Sie sollen nach Guarneri gebaut sein, gelben Lack haben und durch niedrige Zargen auffallen. Die Firma Beares Son in London verkauft »Barzonl-Geigen« zu billlgen-Preisen. Geigenzettel : Francjois Barzoni fecit anno 1 890 / Manu- facture special de la Maison / Beare & fils ä Londres (gedruckt). Basi — Battaglia 33 Basi s. Bosi Bassi, A. — Scandiano (Modena) Unbedeutender Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. Bassiano. — Rom. 1666 Ein Lautenmacher, von dem sich in der Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien eine Theorbe befindet (Nr. 26). Geigenzettel: Bassiano liuttaro in Roma Bassot, Joseph. — Mlrecourt, Paris Mirecourt vor 1740, f nach 1805 666 (gedr.). Geb. in Bastogi, Gaetano. — Llvorno. 1 8. Jahrhundert Bei Vidal findet sich nur der Name. Lauten und Gi- tarren von ihm sollen noch öfters vorkommen. Batho, W.J. — 1886 Englischer Geigenmacher, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte und u. a. einige gute Bässe gebaut hat. Bati, Antonio. — Arezzo. 1691 In einer Theorbe fand sich dieser Name eingeschrieben. Die Arbeit war nur von mäßigem Verdienst. Dagegen ist mir ein Spinett und ein Klavizimbel von ihm bekannt geworden, die beide nicht schlecht ausgesehen haben. Er arbeitete bis 1774 in Mirecourt und ging dann nach Paris. Vidal rechnet ihn zwar zu den guten Pariser ßatlazza, Antonio Maria Geigenmachern aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrb., doch sehen seine Geigen so verschieden aus, sowohl was die Arbeit, die Wahl des Holzes und des Lackes als das Modell anbelangt, daß man zu der Annahme, er habe Mirecourter Schachteln mit seinen Zetteln ver- sehen, gezwungen wird. In seiner ersten Zeit, solange er noch Quinze Vingts wohnte, zeigen seine Geigen schlechtes Holz und einen schlechten gelben Lack, nur die Einlagen, die oft aus Fischbein bestehen, sind sauber. Später machte er zusehends Fortschritte oder beschäftigte bessere Arbeiter, er wird sorgfältiger in der Wahl des Holzes, arbeitet genauer und verwendet einen besseren, meist roten Lack. Seme Werkstatt hatte er 1788 nach der Rue Chabanais Nr. 1 verlegt. Seine besten Geigen nähern sich der Art Lupots und können als recht brauchbare Orchesterinstrumente gelten. Nach Brunis Inventar besaß Berthier de Sanvigny ein Bäton II., Charles. — Paris. 1730 — 1750 -Malland. 1707 Selten vorkommender Geigenmacher der Mailänder Schule. Geigenzettel: Antonio Maria Batiazza /' fece in Milano in Contrada / Larga 1 707 (gedruckt). Bäton I . — Versailles (nicht Vincennes). 1716. 1732 In den Urkunden wird er stets »Luthier« genannt, eigentlich war er aber ein Drehleiermacher, der auch andere Instrumente, vielleicht sogar Geigen anfertigte. Er wurde hauptsächlich dadurch bekannt, daß er seit 1716 alte Gitarren und seit 1719 auch Theorben in Drehleiern (Viellen) umbaute, die er um zwei Töne bereichert hatte. Violoncello von ihm mit der frühen Jahreszahl 1761. Geigenzettel : Abb. 55 und 64. Basta, Johann. — Schönbach. 1885 Hauptsächlich Händler. Bastia s. Mucchi Bastiano (»Bastlano da Verona«). — Verona. 15. bis 16. Jahrhundert Von ihm wird berichtet, daß er außer Lauten, Violen und Lyren auch Flöten, Hörner, Monochorde, Psal- terions, Harfen und Klavizimbeln usw. gebaut habe und alles in vortrefflicher Weise. Erhalten ist jedoch keine Arbeit seiner Hand. Bastien, E. — Nancy. 1897. f 17. Dez. 1910 Ein Geigenmacher, der als Wiederhersteller alter Ar- beiten geschätzt ward. Bastien, Fran^ois. — Mirecourt. 1785. 1786 Von Jacquot erwähnter Geigenmacher. Bastien, Nicolas. — Mirecourt. 1775. 1790 Er war Mitglied der Mirecourter Zunft. Bastien, fils. — Brüssel. 1816 Die Jahreszahl ist nicht sicher lesbar. Snoeck besaß eine Gitarre von ihm. V. Lütg'endorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II Sohn von Bäton I. Er siedelte von Versailles nach Paris über und wohnte Quai des Orf evres. Auch er verbesserte die Bauernleier (Vielle) und bereicherte sie um drei Töne. Batow, Ivan Andrewitsch. — Um 1780 Einer der ältesten russischen Geigenbauer. Er war Leibeigener des Grafen Scheremetjew und soll an mehreren Orten in Rußland gearbeitet haben. Bei wem er gelernt hat, ist nicht bekannt. Seine Geigen gehen auf ein Guarnerimodell zurück, weichen aber doch so sehr von dem Original ab, daß sich die in russischen Büchern vorkommenden Erzählungen, seine Geigen sähen denen Guarneris zum Verwechseln ähnlich und würden auch wirklich oft mit ihnen verwechselt, von vornherein als hinfällig erweisen. Seine Arbeit war sehr sauber, nur die Ränder lassen zu wünschen übrig. Sein Spirituslack war nicht schlecht. Er baute Violinen, Violoncelli, Gitarren und Balalaiken. Sein Zettel findet sich häufig in Instrumenten, die unzweifelhaft vogt- ländischen Ursprungs sind. Spätere Händler scheinen da Mißbrauch mit seinem Namen getrieben zu haben. Battaglia, Antonio. — Malland. 1757. 1766 Ein Lautenmacher, der hauptsächlich cimbalartige In- strumente gebaut hat. Von seiner Hand befindet sich ein Hackbrett in Berlin in der staadichen Sammlung und ein Tympanon in der Sammlung Snoeck, ferner ein Psalterium im Mailänder Konservatorium mit dem Zettel: Antonio Battaglia / Fabbricatore de Salterj / nella Stretta del Mangano / vicino a S. Maria Segreta / 3 34 Battani Bäuml aumler in Milano 1757/ * F * S *. In einem zweiten Psalterium mit unausgefüllter Jahreszahl erscheint der Name »Batalia« geschrieben. Geigenzettel : Antonio Battaglia / Fece nell'anno 1 766. , Nella stretta de) Mangano / Dirimpetto a Santa Maria. Secreta , Vicino al Cordusio / in Milano / f (gedruckt). Battani, Antonio. — Frassinoro. 19. Jahrh. Ein Geigenmacher und Reparateur, der sich später mehr dem Orgelbau zuwandte. (Valdrighi 240.) Foligno. 1884. Später Battioni, Alberto. Ferrara Sohn und Schüler von Marc Antonio B. Seme Geigen und Gitarren erinnern an französische Vorbilder. Battista s. Bressano Baud (Baude). — Versailles. 1796. 1810 (Valdnghi 246.) Wenig bekannt. Der Name ist vielleicht verstümmelt überliefert. Baudis, Wenceslaus. 1 780 In W. Heyers Musikhistonschem Museum in Köln be- findet sich unter Nr. 842 eine Viola d'amore mit der Inschrift »Sidvab Svalsecnew Fecit .Anno 1780«. Nach rückwärts gelesen gibt diese Inschrift den Namen Wen- ceslaus Baudis. Am besten an dieser Liebesgeige sind die Schnitzereien am Wirbclkasten. Bauer, Albin Paul. — Dresden. Geb. 1866 in Oschatz (Sachsen) Sohn von Carl Ant. B., Schüler von Gust. Roth in Markneukirchen. Durch den Tod des Vaters war er frühzeitig gezwungen, dessen Geschäft zu übernehmen, das er wesentlich zu vergrößern suchte. In seiner Werk- statt werden gute Bässe hergestellt, deren Modelle ziem- lich verschieden sind, da Bauer nach Verbesserungen sucht. Am Wirbelkasten bringt er gerne die Porträt- köpfe von berühmten Tonkünstlern an. Geigenzettel: Gef. von P.A. Bauer / Inh. der Firma C. A. Bauer / Dresden 1892 (gedruckt). Bauer, Anton. — Linz a. D. — Eröffnete 1884 seine Werkstatt Ein Saiteninstrumentenmacher, der auf der Linzer Kunst- und Gewerbeausstellung 1887 eine kleine sil- berne Medaille für Zithern und Geigen erhielt. Bauer, Carl Anton. — Dresden. Geb. 1835 zu Untermarxgrün bei Ölsnitz, f 1884 Er soll bei einem Meister in Karlsfeld von 1849 — 1852 gelernt haben und begründete später in Dresden sein Geschäft. Seine Bässe zeigen eine auffällige abschüssige Form, die ein leichteres Greifen in den oberen Lagen ermöglichen soll. Seine Violoncelli sind schwer, haben einen zu kurzen Hals und meist einen näselnden Ton. Gelgenzettel : Carl Anton Bauer / Dresden-N. 1 89 (ge- druckt). Bauer, Christian Friedrich. — Klingenthal . 1 782 Wahrscheinlich ein Eingewanderter, der 1782 im Kassa- buch der Geigenmachennnung als Meister genannt wird. Außer Violinen kommen auch Liebesgeigen von ihm vor. Geigenzettel: Christian Friedrich Bauer / Cremonalis baviebat (gedruckt). — Christian Friedrich Bauer / Er- funden von Jacob Stainer in Absam (geschrieben). Bauer & Dürrschmidt. — Markneukirchen Geigenfirma der Gegenwart. Bauer, Joseph. — Ergoldsbach b. Landshut (Bayern) Guter Geigenbauer der Gegenwart. Baulain. — Laval. 1900 Streichinstrumentenmacher und -händler der Gegen- wart. Baumann, Heinrich. — Stein-Zehrowitz bei Kladno (Böhmen). Geb. 12. März 1853 in Rokycan Sohn eines aus Graslitz stammenden Med. -Doktors, studierte am Polytechnischen Institut in Prag Ma- schinen- und Straßenbau und wurde 1875 zum Lehrer an der Fachschule in Stein-Zehrowitz ernannt; er be- schäftigte sich mit Geigenforschungen und gab in böhmischer Sprache bei J. Scholz in Kladno ein Buch »Cremona« (mit Atlas)'^) heraus. Er hat als Liebhaber Geigen nach Stradivari und Guarneri del Gesü kopiert, zuletzt auch Bässe gebaut. Geigenzettel: Genau nach Ant. Stradivarius gemacht / von Heinrich Baumann, / anno 1 89 . . . (gedruckt). Baumeester s. Boumeester Baumeister. — Liebenwalde. 1816 Wahrscheinlich ein Dilettant, der Geigen geflickt hat. Ein Orgelbauer F. Baumeister, dessen Wohnsitz ich noch nicht ermitteln konnte, hat sich schon um 1780 als Geigenreparateur betätigt. Geigenzettel: Baumeister / Liebenwalde d. 12. July / 1816 (geschrieben). Baumgartner, Fritz. — Basel. 1920. Geb. 1891 in Liestal (Baselland) Ein junger, talentvoller Geigenmacher, der gutklingende Instrumente baut. Er hat auch eine sinnreich erdachte, dabei sehr einfache Zargenbiegmaschine erfunden, die sich gut bewährt. Geigenzettel: F. Baumgartner, Basel / fecit anno 19 . . (gedruckt). Bäumler, Christoph. — Crawmkel. Geb. 19. Okt. 1820, t 1879 Er baute Geigen und war ein nicht ungeschickter In- strumentenmacher. ^) Hier sind die Kurven der Härtegrade von Decke und Boden, die nach seiner Theorie nicht gleich sein dürfen, genau angegeben (22 Tafeln). Baur — Bazin 35 Baur, Adolf. — Stuttgart. Geb. um 1840, t 1873 Sohn und Schüler von Martin B., dessen Geschäft er 1870 übernahm, aber nur drei Jahre weiterführen konnte, da er frühzeitig starb. Er hat eine Zeitlang bei J. B. Vuillaume gearbeitet und dort besonders das Imitieren alter Instrumente erlernt. Er war ein sehr ge- schickter Geigenmacher, seine Arbeiten unterscheiden sich oft nur im Lack von denen Vuillaumes. Leider aber hat er das Holz gebacken (künstlich gedörrt), weshalb seine Geigen in kurzer Zeit im Ton außerordentlich zurückgingen. Auch senkte sich häufig der Hals wegen der Kraftlosigkeit des Holzes. Eine ganz vorzüglich nach Jos. Guarneri imitierte Violine von ihm (eine Kopie der Prof. Singerschen Vuillaume-Gelge) besitzt die Stuttgarter Hofkapelle. Leider hat auch diese ge- backenes Holz. Seine Witwe verkaufte das Geschäft an A. Sprenger. Geigenzettel: Abb. 93. Baur, Charles AI. — Tour, Dep. Savole. 1789 1810 Auch er gehörte zu den unglücklichen Erfindern, die im Abweichen von den Formen der klassischen Meister zu Mißerfolgen kommen müssen. Baur, Martin. — Stuttgart. Geb. 10. Okt. 1793 zu Windratzhofen (O.-A.Leutkirch in Würt- temberg), t um 1875 In seinem 18. Jahre kam er nach Stuttgart zum Militär und wurde dort der Musik als Trompeter zugeteilt. Er zeigte schon damals so viel Interesse und Talent für die Wiederinstandsetzung gebrauchter Instrumente, daß König Wilhelm I. auf ihn aufmerksam wurde und ihn 1823 auf ein Jahr zu Thumhardt nach München in die Lehre schickte. Im Jahre 1824 zurückgekehrt, gründete er das erste Instrumentengeschäft in Stuttgart, wo seit langen Jahren kein Gelgenmacher mehr ansässig war. Er fand sofort als Reparateur, namentlich für das Hof- theater, ausreichende Beschäftigung und verlegte sich später auch auf den Neubau von Geigen, die er mit Sorgfalt ausführte und die u. a. Molique für die besten neuen Geigen seiner Zeit erklärte. Auch gute Bogen gingen aus seiner Hand hervor. Im Jahre 1870 über- nahm sein talentvoller Sohn Adolf das Geschäft, von dem es 1873 auf A. Sprenger überging. Martin Baur arbeitete von 1870 an erst noch für seinen Sohn und dann bis zu seinem Tode mit Sprenger zusammen. Geigenzettel: Martin Baur, kgl. Hofinstrumen- / ten- macher in Stuttgart, (gedruckt) und .\bb. 91. Bausch, Ludwig Christ. Aug. — Dresden, Dessau, Leipzig und Wiesbaden. Geb. 15. Jan. 1805 zu Naumburg a. S., f 26. Mai 1871 zu Leipzig Schüler von J. B. Fritzsche in Dresden, bei dem er von 1818—1822 lernte. Hauptsächlich als Bogenmacher be- rühmt, ließ er sich zuerst in Dresden, später in Dessau nieder, ging 1839 nach Leipzig und am 1. November '861 nach Wiesbaden, wo er Herzoglich Nassauischer Hof Instrumentenmacher wurde, und kehrte 1863 nach Leipzig zurück. Seine Bogen sowohl als seine Stege werden noch heute als mustergültig nachgeahmt; er wurde gerne der deutsche »Tourte« genannt. Seine Bogen tragen auf der Stange unter dem Frosch den Blindstempel »Bausch Leipzig«'. Von großem Vorteil war es für ihn, daß L. Spohr ihm mit gutem Rat an die Hand ging. Da er in Leipzig nicht genügenden Absatz fand, ging er In seinen jüngeren Jahren oft auf Reisen, die ihn bis nach St. Petersburg führten. Er hatte zwei Söhne. Geigen von ihm kommen noch häufig vor, auch hat er sehr gute Gitarren gemacht. Eine mit großer Sorgfalt ausgeführte sog. Terzgitarre vom Jahre 1825 mit zierlichen schwarzen Auflagen auf der Decke, Rand und Schalloch mit Perlmutter und Ebenholz ver- ziert, besitzt Fritz Wildhagen in Haiensee. Der Hals ist mit Ebenholz und Elfenbein schachbrettartig ausgelegt. Geigenzettel : Ludewig Bausch / in Neustadt Dresden / Ao 1820 / No. 6 (geschrieben). Bausch, Ludwig d.J. — Leipzig. Geb. 10. Nov. 1829 zu Dessau, f 7. April 1871 zu Pabstdorf (bei Königstein) Sohn und Schüler von Ludwig Chr. A. B. Hauptsäch- lich Gelgenmacher. Nach beendigter Lehrzelt ging er nach New York; nach seiner Rückkehr machte er sich in Leipzig selbständig, trat aber 1860 in das väterliche Geschäft, das nun die Firma »Ludw. Bausch & Sohn« führte, ein. Nach seinem Tode trat sein Bruder Otto an seine Stelle. Geigenzettel: Ludovicus Bausch filius / feclt Lipsiae anno 1860 [Monogramm im Doppelkreis] (gedruckt), Bausch, Otto B. — Leipzig. Geb. 6. Aug. 1841 zu Leipzig, t 30. Dez. 1875 Jüngerer Sohn und Nachfolger von Ludw. Bausch & Sohn, Schüler von Vauchel. Er übernahm 1871 nach dem. Tode von Vater und Bruder das Geschäft, das nach seinem Tode auf Adolf Paulus, der seit 1860 Mit- arbeiter der Familie Bausch war, überging. Seine Arbeit steht hinter der seines Vaters und Bruders zurück. Der gleichnamige Sohn von Adolf Paulus setzte das Ge- schäft unter der alten Firma »Ludw. Bausch & Sohn « bis 1 908 fort und löste es auf, als er nach Berlin über- siedelte. Geigenzettel: Otto Bausch, filius Ludovlci sen; , et f rater Ludovicl jun: / feclt Lipsiae Ao. 1873 [Kreuz mit Initialen im Doppelkreis] (gedruckt). Bazelaire, Joseph. — Mlrecourt. Geb. um 1728, lebte noch 1789 Wenig bekannter Geigenmacher. Ein anderer Bazelaire lebte um 1785 in Versailles. BazIn, Gustave. — Mlrecourt. Geb. 24. Mai 1871 Sein Vater Charles B. hatte eine seit 1836 bestehende Bogenfabrik; Gustave, der Schüler von Darte- Vuil- laume, Laurent und CoUin-Mezin war, fügte ihr eine Geigenwerkstatt hinzu. Sein 1881 geborener Bruder Louis ist, wie der Vater, ausschließlich Bogenmacher. 3* 36 Beare ieer Beare, Goodwln & Co. — London. 1 898. 1 900 Mit einer Geigenbauwerkstatt verbundene bekannte Handlung mit alten Instrumenten. Beaulieu, Nicolas. — Mirecourt. 1780 Nur von Jacquot erwähnt. Bechardini s. Rechardini Bechonnet, Joseph. — Effiat. Geb. 3. Febr. 1820, t 10. März 1900 Er soll auch einige Geigen gebaut haben, berühmt wurde er aber als trefflicher Bauernleiermacher. Bechstein, Friedrich. — (Kassel?) 1834 Ein Instrumentenmacher, der auch Streichinstrumente repariert hat. Bechstein, Heinrich. — (Kassel?) 1865 Er arbeitete mit Hermann Vogt zusammen und repa- rierte auch Streichmstrumente. Beck (Otto); genannt Adolf. — Düsseldorf. Geb. 15. Febr. 1891 zu Burg in Dith- marschen Schüler und Schwiegersohn von J. H. Schult in Lübeck. Er besuchte das Johanneum in Lübeck, das er im Jahre 1906 mit der Berechtigung zum Einj.-Freiwilligen- dienst verließ, wollte sich zunächst dem Justizdienste widmen und legte dann auch sein Gerichtssekretär- Examen ab. Seine Neigung gehörte jedoch längst dem Geigenbau, und so trat er bei J.H. Schult in die Lehre, wo er sich bald durch Begabung und Geschicklichkeit auszeichnete. Im Jahre 1916 legte er in Hamburg seine Meisterprüfung ab und machte sich darauf in Düssel- dorf selbständig. Er ist ein sehr tüchtiger, sorgfältig arbeitender Geigenbauer, der sich durch vorzügliche Arbeiten schnell einen ausgezeichneten Ruf verdiente. Beck, Max. — Bern. 1896, f 1898 Ein hoffnungsvoller Schweizer Geigenmacher, der 1 896 Methfessels Nachfolger wurde, aber schon zwei Jahre später starb. Beck, Vincenz. — Glatz. Geb. um 1804 in Wölfeisdorf, t nach 1860 Er soll bei einem Hoff mann gelernt haben, wurde im Jahre 1853 Bürger zu Glatz und besaß dort das Haus Nr. 422,9. Er betrieb die Geigenmacherei beinahe fabrikmäßig, wobei seine neun Töchter und drei Söhne seine Gehilfen waren. Becker. — London. Um 1800 Ein aus Hessen eingewanderter Instrumentenmacher, dessen Gitarren (Lyragitarren) seinerzeit geschätzt waren, der sich aber namentlich als Verbesserer der Harfe einen Namen machte. gleichzeitig als Cellist ausgebildet. Er >>erfand« eine so- genannte »elegante Violine«, d. h. eine in allen Teilen reich verzierte und eingelegte Geige, die recht gut aus- sehen soll. Beckett, John. — Faversham Seine Violinen sind gut gearbeitet, ohne durch Eigen- art aufzufallen. Beckman, Svend. — Stockholm, f um 1761 Er erhielt am 20. Oktober 1741 das Privilegium als Musikinstrumentenmacher und wurde im Jahre 1756 sogar Hofinstrumentenmacher, obwohl er kein Künstler in seinem Fache war. Seine Geigen sind von roher Arbeit; besser sind seine l-auten, die häufiger vor- kommen. Eine solche mit einem Rokokoornament be- fand sich in der Sammlung Hammer in Stockholm. Em Violoncello von ihm. besitzt das Musikhistorische Mu- seum in Stockholm. Auf seinen Zetteln erscheint sein Vorname in verschiedener Schreibweise, den er üb- rigens auf seiner Brandmarke fehlen ließ. Geigenzettel : Sveno Beckman / i Stockholm, Anno 1 757 (gedruckt). Bsdler s. Gedler Beer, Andreas, s. Bär Beer, Anton. — Bärnau (Oberpfalz). Geb. 1764, t 1836 in Bärnau Sohn und Schüler von Ignatius B. und diesem in der Arbeit ähnlich, aber weniger sorgfältig. Sein im Jahre 1895 gestorbener Sohn Adam Jakob B. soll auch ge- lernter Geigenmacher gewesen sein. Beer, Gabriel. — Iglau. 1875 Musikinstrumentenmacher, um 1885 hieß die Firma Gabr. Beer Söhne. Beer, Jan de. — Amsterdam. 17./18. Jahrh. Im Brüsseler Museum befindet sich eine Taschengeige mit diesem Namen, der mir sonst noch nicht begegnet ist. Beer (Ber), Ignatius. — Bärnau (Oberpfalz). Geb. 1719, t am 20. Juli 1807 in Bärnau Sohn und wohl auch Schüler des Joh. Mich. Beer. Er scheint mit seinem Vater in Bärnau eingewandert zu sein. Sein Geburtsort geht auch nicht aus seiner Trau- ungsurkunde vom 19. November 1754 (mit Maria Johanna Schwendner) hervor. Im Kirchenbuch wird er stets als civis et chelium artifex (oder confector) be- zeichnet. In seiner Arbeit ist er den Halleiner Meistern nahe verwandt. Gutes Deckenholz, Birnbaumschnecke, weite F-Löcher und unscheinbarer Lack, aber ziemlich guter Ton kennzeichnen seine Geigen. Die Einlagen fehlen gewöhnlich. Geigenzettel : Ignatij Ber / Instrumen-/ talischer Violin- Macher / in Bernau 1 782 (gedruckt). Becker, Wilhelm. — Adorf i.V. 1900. 1902 Beer, Ignaz. — Brunn. 1897 Ein Neffe Professor Reinhold Beckers in Dresden. Die Ein Saitenspinner, der 1897 Jakob Klem.ents Geschäft Geigenmacherei erlernte er in seiner Heimat und wurde übernahm. Beer — Bellosio 37 Beer, Johann Georg. — Bärnau (Oberpfalz), Breslau. Geb. 1758, f 1829 in Bärnau Altester Sohn und Schüler von Ign. B., dem er sehr nahe kommt. Er scheint nur kurze Zeit in Breslau an- sässig gewesen zu sem und kommt m den Akten des Breslauer Stadtarchivs nicht vor. Geigenzettel : Abb. 88. Beer (Ber), Johann Michael. — Bärnau (Ober- pfalz). 1754 Der Stammvater der Bämauer Gelgenmacherfam'lie. Er war Bürger und Geigenmacher (»chely'fex«) in Bärnau, wo er jedoch nicht geboren zu sein scheint. Wahrscheinlich kehrte er in seinen alten Tagen m seinen Heimatsort zurück, da auch sem Tod in den Bämauer Kirchenbüchern nicht verzeichnet ist. Beerselmann, Friedrich. — ?. 1 624 oder 1 674( ?) Diesen Namen fand ich bisher nur in emer Poche im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg. Geigenzettel: Friedericus Beerselmann / 1624 (od. 1674) (gedruckt). Behrmann, Fried. Aug. — Gotha. 1810 In einer Violine von guter .-Xrbeit, gutem Holz, flachem Modell und breitem Ton fand sich dieser Name. Behr- mann scheint nur vorübergehend in Gotha ansässig ge- wesen zu sein. Beichtner (richtiger: Veichtner), Johann. — Regensburg. 1603 Eine Laute von ihm war 1883 im Leipziger Krystall- palast ausgestellt; eine Bratsche von ihm besitzt Ge- heimrat Immanuel Hoffmann in Berlin. Beick (Back?), Heinrich? — Niederlangenau (welches?). 1840 Eine braungelb lackierte Geige, in der Arbeit ähnlich wie die Neumärkers in Schöneck, trägt den schlecht leserlichen Zettel : HinnchBäck Instrumenten-, macher Niederlangenau 1840 (geschrieben). Bela s. Szepessy Belacqua (Bivelacqua). — Florenz. 13. Jahrh. Ein Freund Dantes, der ihm im Purgatorio IV, Vers 106 bis 1 36 einige Terzinen widmet. Er war nach Benvenuto d'Imola ein Meister in der Verfertigung von Zithern und Lauten und verstand es vortrefflich, deren Hälse und Wirbelkästen mit kunstreichem Schnitzwerk zu versehen; auch war er selbst ein tüchtiger Musiker. Beiami, Paolo. — Paris. Um 1612 Wahrscheinlich Italiener, ein seinerzeit sehr geschätzter Lautenmacher. »Belami wohnte« — wie Baron schreibt (1727) — »in Paris und hat sich daselbst mit seiner Arbeit einen unsterblichen Ruhm erworben und flo- rierte um das Jahr 1612.« Belawski, B. G. — Warschau. 1886 Wurde mir nur durch einen Reparaturzettel bekannt. Geigenzettel : B. G. Belawski Warschau / reperowac Anno 1 886 (geschrieben). Belcioni, Antonio di Stefano. — ? 1673 Von Valdnghi (264) erwähnter italienischer Geigen- macher, von dem ich weder Wohnort noch Arbeiten erfragen konnte. Beledin, Albert-Jules-Louis. — Nantes. Geb. um 1829, tum 1895 Er war als Geigenmacher nicht ungeschickt und hatte auch eine Musikinstrumentenhandlung. Sein Geschäft besteht noch heute unter der Firma Beledin fils in der Passage Pommeraye. Bellanger. — Caen. 1837 Schüler von Guill. Le Breton, dem er in seiner Arbeit nahesteht. BelleviUe. — Paris. 1823 Ein Dilettant, Erfinder einer Geige von neuer, aber wenig ansprechender Form im Museum des Pariser Konservatoriums. (Nr. 35.) Geigenzettel : fait par Belleville / amateur a paris / en 1823 (geschrieben, in der Mitte ein Lamm gez.). Beloe, W. L. - Coldstream. Geb. 1819, f 1897 in Coldstream Ein in vielen Kunstfertigkeiten gewandter Mann. Er hat mehrere hundert Geigen gemacht, als sein Meister- stück betrachtete er eine Kopie der »Messias« vonStra- divari, die er nur nach dem Augenmaß machen mußte, da der Eigentümer sie ihm nicht anvertrauen wollte. Arbeit und Lack sind sehr lobenswert. Geigenzettel : Made by / W. L. Beloe / Coldstream / 1 886 (geschrieben). Bellon, J.F. — Paris. 1828. 1832 Ein Geigenmacher, von dem man nur weiß daß er einen Dämpfer für das Violoncello erfunden hat, der mit dem Fuße zur Anwendung gebracht werden konnte. Bellone, Pietro Antonio, genannt il Pesco- rino. — Mailand. 1691. 1694 Er hatte den heiligen Antonius von Padua zum Laden- schild, ist übrigens wenig bekannt, was aber nicht hindert, daß sein Zettel nachgeahmt und in Geigen geklebt wird, die gewiß nicht in Italien entstanden sind. Geigenzettel: Abb. 81. BeirOrsi, Michel Angelo. — Turin. 1681 Ist mir nur durch seinen Zettel bekannt geworden, und diesen halte ich nicht für einwandfrei. Der Name heißt vielleicht richtiger Dell'Orsi? Geigenzettel : Michel .Angelo Be'l'Orsi Fece in Torino/ l'anno 1681 (gedruckt). Bellosio, Anselmo. — Venedig. Geb. nach 1715. 1789 Wahrscheinlich ein Sohn von Giovanni Bell, und Schüler von Serafino Santo. Wenn er seinem Meister auch nicht gleichkam, so war er doch einer der besseren Geigenbauer seiner Zeit und stand in hohem Ansehen so daß seine Schüler (Marc. .Ant. Cerin, Pietro Val 38 Bellcsio — Ber Novelle u. a.) in ihren Zetteln sich stets zu ihrer Emp- fehlung auf ihn beriefen. Seine Geigen klingen gut, wenn ihnen auch oft besseres Holz und schönerer Lack zu wünschen wäre. Geigenzettel : Anselmus Bellosius Fecit / Venetiis 1 783 (gedruckt) und Abb. 54. Bellosio, Giovanni. — Venedig. 1735 Angeblich ein Schüler von Montagnana. Es gelang mir jedoch nicht, irgendeine glaubwürdige Arbeit von ihm zu erfragen; auch der Zettel mit seinem Namen, den ich zu sehen bekam, war eine durch Steindruck her- gestellte Fälschung. .\uffällig ist ferner, daß die im Handel vorkommenden ihm zugeschriebenen Geigen fast immer die Jahreszahl 1735 tragen. Beltrami, Giuseppe. — Vescovato bei Cre- mona. 1870. 1881 Als Geigenmacher eigentlich nur Laie. Er trieb aber gründliche Studien und besaß gute theoretische Kennt- nisse, so daß seine Arbeiten immerhin einigen Wert be- sitzen. Belluominl, Maurizio, war im 19. Jahrhundert in Pisa tätig Belviglieri (Bilveglieri), Gregorio. — Bologna. 1742. 1772 Nicht ungeschickt, am besten sind seme Bratschen. Geigenzettel: Gregorius Bilvegheri fecit / Bolognmae, villa Bononiae, ' m: jan: an: 1772 (geschrieben). Ben den Chaus s. Benedikt Tentzel Bendini, Giambattlsta. — ? 1668 Ein von Valdrighi (277) ohne Quellenangabe erwähnter Meister, der sonst nicht bekannt ist. Benecke, S. — Stockholm. 1802 Mittelmäßiger Geigenmacher des 1 9. Jahrhunderts. Am besten gelangen ihm noch Violoncelli und Bässe. Benedetti, Giuseppe. — Piacenza. Nach 1700 Man kann ihn nach den Geigen und Violen, die seinen Namen tragen, nicht für einen besonderen Künstler halten. Benedict, Jose. — Cadix. 1667. 1744 Besserer spanischer Lautenmacher. Geigenzettel : Compuesto en Cadix p. / Jose Benedict / ano de! 1738 (gedruckt). Benedicti, Donato de. — Cremona. 1679 Er wird zwar mehrfach erwähnt, doch sind mir Arbeiten von ihm nicht bekannt geworden. Es steht auch noch nicht fest, zu welcher Familie er eigentlich gehört. Benettlni. — Mailand. 1868 Wenig hervorragender Geigenmacher, doch hat er einige gute Bässe gebaut. Benito, A. J. Antoni. — Mailand (?). 1664 Name und Ort sind zweifelhaft. Eine Kniegeige aus der Sammlung Scheurleer (mit Schildpatt eingelegt und einem Löwenköpfchen am Wirbelkasten) soll den nebenstehenden Zettel tragen, der offenbar schlecht gelesen — oder gefälscht ist. Geigenzettel: A. J. Antoni Benito / Milaan 1664 (ge- druckt). Benoit. — Düsseldorf. 1802 Ein französischer Geigenmacher, der wohl nur vorüber- gehend in Düsseldorf gearbeitet hat. In einer mitte! mäßig gearbeiteten Violine bezeichnet er sich »Luthi' de Paris«. Benolt, Eugene. — Brüssel. 1754. 1758 Ziemlich gute Arbeit, französische Schule. Die Holz- wahl ist jedoch nicht sorgfältig, auch der rotbraune Lack läßt zu wünschen übrig. Geigenzettel : Eugene Benoit / Bruxelles 1 754 (gedr.). Benozzatl, Girolamo. — (Venedig.) 1899 Schüler von Eugenio Degani, bei dem er zwei Jahre lang lernte. Bensande, Alfred Dr. — Lissabon. 1905 Er ist Professor am Lissaboner Handels- und Industrie- institut und beschäftigt sich aus Liebhaberei mit dem Geigenmachen. Bentl (nicht Beute), Matteo. — Brescia. Geb. 1580, t nach 1637 Er war nach einer im. Brescianer Archiv aufbewahrten Urkunde vom 23. März 1637 Sohn des Giovanni Benti, wohnte in der Contrada di S. Antonio »con esercizio di far eitere ed altri istrumenti« und war damals 57 Jahre alt. Seine um 1 1 Jahre jüngere Frau hieß Chiara Dea. Man hat sich erst in neuerer Zeit wieder mit ihm be- schäftigt, und noch in Fcnarohs Dizionario degli artisti Bresciani fehlt sein Name gänzlich. In den Urkunden heißt es von ihm »che fa Cithere et altri instrumenti«, und auch Fetis weiß von einer schönen Laute von ihm zu erzählen. Nach verschiedenen, nicht immer ver- läßlichen Nachrichten kennt man eine Geige von ihm aus dem Jahre 1601 , auch Spinette und Cimbalone soll er gebaut haben. Sein Geigenmodell soll, wie behauptet wird, groß, die Wölbung ziemlich hoch und der Lack dunkelbraun gewesen sein. Willy Burmeister besaß eine Violine mit Bentis Namen. Miß Gardener besaß gleich- falls eine ihm zugeschriebene Violine, die Dr. Th. L. Phipson beschrieb, wobei er allerdings angibt, sie sei um 1 580 — also im Geburtsjahr Bentis — gebaut. Eine ähnliche Geige mit der ausgeschriebenen gleichen un- möglichen Jahreszahl rühmte sich Ole Bull zu besitzen. Geigenzettel : Matteo Benti / fecit Bresiae 1601 (gedr.). Benvenutl, Paolo. — B. S. Lorenzo in Nugello. 18. Jahrhundert Von Valdrighi (3672) erwähnt, sonst nicht bekannt. Ein Benvenuti ist jetzt Teilhaber einer Geigenmacherfirma in Pisa. Benze, Ignaz, s. Penze Ber, s. Bertolt Ber, Ignatius, s. Beer Berati — Bergmann 39 Berati. — Imola (Prov. Bologna). 18. Jahrh. Vidal erwähnt ihn zwar, doch war m Imola selbst über einen Meister dieses Namens nicht das geringste zu erfahren; Arbeiten von ihm lassen sich ebensowenig nachweisen. Berera, Giov. Antonio. — Trient. 1771 Einige mittelmäßige Geigen, die nicht viel Italienisches an sich haben, tragen diesen Namen. Beretta, Felice. — Como. 1760. 1789 Er nennt sich einen Schüler von Giuseppe Guadagnini, dem er aber nicht viel Ehre macht. Ohne Sorgfalt in der Wahl des Holzes. Gelber Lack. Geigenzettel : Abb. 56. Berg, G. E. — Kopenhagen, f um 1900 Dänischer Streichinstrumentenmacher, dessen Werk- statt auf den Geigenmacher Rosenvald überging. Er wohnte erst Reventlowsgade, dann Klosterstraede 10. Berg, Olof. — Königsberg. 1835. 1836 Ein schwedisch-norwegischer Konsul, der allerlei neue Erfindungen die er machte, an Geigen anbringen ließ. Er selbst machte nichts und ließ seine Ideen meist in Schönbach ausführen. Daß er mit seinen Erfindungen keinen Erfolg erzielte, sei nur nebenbei erwähnt. Bergbom, C. — ? 18. Jahrhundert Besserer schwedischer Geigenbauer, der nach Stainer arbeitete. Berge. — Toulouse. 1760. 1771 Ein Lautenmacher, der bisher nur durch die Inschrift seiner interessanten »vielles orgamsees* im Museum des Konservatoriums zu Paris bekannt geworden ist. Geigenzettel : Berge, ä Toulouse 1 77 1 (gedruckt). Berger. — Gent. 1823 Ein wenig bekannter Geigenmacher, von dem Snoeck eine Violine besaß. Berger, C. D. — Schwerin. Mittelmäßiger Reparateur. 1835 Berger, Horst. — Hamburg. Geb. 14. Nov. 1893 in Kiel Sohn eines Kapitäns zur See. besuchte er das Gym- nasium seiner Vaterstadt, kam dann nach Hamburg in die Kaufmannslehre, war eine Zeitlang in Südamerika tätig und wurde durch ein Konzert Vecseys veranlaßt, sich mit größtem Eifer auf das Violinspiel zu verlegen, worin er es durch angestrengten Fleiß zu anerkennens- werter Fertigkeit brachte. Durch seine Beziehungen zu Geigenmachern, namentlich zu dem trefflichen Aug. Diehl wurde er auch angeregt, sich mit dem Geigenbau zu beschäftigen und hatte auch hierin so viel Erfolg, daß er seinen Kaufmannsberuf mit seiner Vorliebe für die Geige verband und eine Geigenhandlung eröffnete. In der wenigen freien Zeit, die ihm übrig bleibt, baut und repariert er Geigen und verwendet einen guten OUack eigener Zusammenstellung. Berger, Johannes. — Landshut. Geb. um 1655 Seit der Auflösung der herzoglichen Hofhaltung auf der Trausnitz (1579) war es mit der Musik in Landshut schwach bestellt. Es kommen nur mehr die »Stadt- Singer« mit ihren religiösen Schau- und Singspielen und die »Stadt- Instrumentisten« vor, die letzteren be- standen aus drei Pfeifern und einem »Pusauner«. In- folge der Drangsale des 30]ährigen Krieges und seiner Nachwehen hatten die Stadtväter weder Geld noch Herz für die Musik, selbst die Pfeifer verstummten und wurden aus den Stadtkammerrechnungen gestrichen^). Erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts scheinen sich die Musikverhältnisse wieder gebessert zu haben, denn nun ließen sich wieder Geigen- und Lautenmacher hier nieder, und unter diesen wird noch 1726 Berger, wohl der Lehrmeister Fischers, genannt. Im Lands- huter Museum befindet sich ein Miniaturbildnis auf Pergament, den »Geigenmacher Joannes berger« dar- stellend; in der Sammlung des dortigen historischen Kreisvereins ist auch eine Nonnengeige mit dem Zettel J. B. Landsh. / a. 0° 168 . . (gedruckt) zu finden, die wahrscheinlich von ihm herrührt. Berger, Lorenz. — Landshut. 1759. 1807 Sohn (?) und Schüler des Jobs. Berger, wurde 1 759 als »Stadthauboist« aufgenommen und machte seitdem, wie der Landshuter Gewerbekataster von 1807 sagt: sämtliche Instrumente wie sein Vater. Sem Geschäft ging 1808 auf Franz Kriner über, der Bergers Witwe Gertraud heiratete. Berger, Max. — Markneukirchen. Geb. 1869 in Markneukirchen Schüler von H. Th. Heberlein jun. Nach einer neun- jährigen Lehr- und Wanderzeit begründete er 1892 in seiner Vaterstadt sein eigenes Geschäft, in welchem Geigen nach den Modellen der alten Meister gebaut werden. Als Zettel wird der Name des Meisters, nach dessen Modell die Geigen gemacht sind, eingeklebt. Berger-Kapralik, Julius. — Lemberg. Geb. in Lemberg 1864 Erlernte nach seiner Angabe in Rußland von 1879 bis 1883 die Geigenmacherei, machte sich 1886 in Lemberg selbständig und baute nach Amati, Stradivarius und Vuillaume. Im Lack ahmte er französische Vorbilder nach. 1894 stellte er mehrere Geigen hors concours aus; seitdem hat er den Neubau von Streichinstrumenten aufgegeben und sich ausschließlich auf den Instru- mentenhandel verlegt. Bergette, Hannss s. Pergette Bergmann, Andreas. — Budapest. Geb. 1862 in Nagy Maros Schüler von Eduard Bartek, später langjähriger Gehilfe von Paul Pilät. Im Jahre 1898 begründete er seine eigene Werkstatt, die das Ladenschild »Zum Cremo- neser« führt, und hat seitdem über 80 neue Geigen ge- baut, darunter 30 nach Guarneri, 15 nach Stradivari ^) Vgl. A. Kalcher, Chronik der Landshuter Lieder- tafel (1891). 40 Bergonzi, Benedetto — Beigonzi, Michel Angiolo und 5 nach Magglnl. Da er bei wiederholt angestellten Versuchen, wenn er aus dem gleichen Holz eine Geige nach Stradivari und eine solche nach Guarneri baute, stets den Ton der Guarneri-Kopie besser fand, zieht er dessen Modell allen anderen vor und baut danach in entsprechender Vergrößerung auch Violen und Violon- celli. Er ist auch als Reparateur sorgfältig in seiner Arbeit und verwendet Ollack in verschiedenen Farben. Geigen, die er allein gebaut hat, tragen den Zettel : Bergmann Andräs ,' hegedü keszitö / sajat kezü keszit- menye / Budapest 1898 (gedruckt), die von seinen Ge- hilfen gebauten : Keszitette Bergmann Andräs / hegedü keszitö / Budapest 1901 (gedruckt). Arbeiten seiner Schüler: Bergmann Andräs / hegedü keszitö tanitvänya/ Budapest 1901 (gedruckt). Reparaturen: Javitotta Berg- mann .Andräs / hegedü keszitö Budapest 1899 (ge- druckt). Bergonzi, Benedetto. — Cremona. f 1840 In Cremona Der letzte Geigenmacher der Familie, der nur als Re- parateur von Bedeutung war. Er wohnte noch im Stammhause seiner Vorfahren an der Piazza San Do- menico. Von ihm sollen die Angaben über Stradivari und seine Zeitgenossen stammen, die Tarisio dem J. B. Vuillaume machte und die dann Fetis in seiner Schrift über Stradivari verwertet hat. Cremona. Geb. 1686, Bergonzi, Carlo I. t 1747 Sohn des Michele B. Einer der besten, wenn nicht der allerbeste Schüler Stradivaris, der nach dem Tode von Stradivaris Söhnen Haus und Werkstatt seines Meisters erwarb. Es wird allerdings behauptet, daß er zuerst bei Amati in der Lehre gewesen und erst als Gehilfe zu Stradivari gekommen sei. In seiner Arbeit schließt er sich jedoch mehr an Stradivari an, nur verlängerte er die obere Hälfte des Geigenkörpers und machte die untere etwas breiter, die F-Löcher setzte er etwas höher und näher dem Rande und gab ihnen einen Schnitt, der dem von Guarneri de! Gesü nicht ganz unähnlich ist. Die Wölbung nahm er gewöhnlich flach, doch wech- selte er mehr als andere mit der Wölbung ; die Schnecke ist flacher als bei den meisten seiner Zeitgenossen, aber sehr sauber geschnitzt. Sein Lack ist meist rotbraun oder bernsteingelb, nur manchmal etwas zu dick auf- getragen und deshalb öfter zerronnen, hat aber durch das Alter sehr gewonnen und sieht gerade dadurcli originell aus, daß er oft auf Klümpchen zusammen- geschrumpft ist, deren feine Zwischenräume zum Teil bis auf den Holzgrund, zum Teil bis zur ersten Lackie- rung reichen. Der Ton ist groß und edel, und da Ber- gonzi stets das beste und gesündeste Holz nahm und seine Geigen sehr stark baute, darf man ihnen eine lange Lebensdauer in Aussicht stellen. Sie gehören zu denen, die in den letzten fünfzig Jahren die größten Preissteigerungen erfahren haben. Man charakterisiert Carlo I B. am besten, wenn man sagt, daß er zwischen Stradivari und Guarneri del Gesü in der Mitte steht. Seine Violoncelli und Bässe sind nicht minder gut als seine Violinen und ebenfalls sehr ge- sucht. Eine schöne Gamba von ihm besaß de Wit in Leipzig, in dessen Zeitschrift (1895, Nr. 12) sie be- schrieben und abgebildet ist. Von seinen drei Söhnen erreichte ihn keiner. Seine ältesten Arbeiten tragen Jahreszahlen vor 1700. So hat ein Geiger in München eine Violine von ihm mit geschriebenem Pergament- zettel aus dem Jahre 1696. Eine Violine von tadelloser Erhaltung, mit rotem Lack, von ihm aus dem Jahre 1737 besitzt Valentin Walter in Grulich i. B. ; seine schönste Arbelt, eine Violine, die Tarisio besaß und von der er sich nie trennen konnte, verkaufte Vuillaume später an Konzertmeister Woerle, und jetzt befindet sie sich im Besitz des deutschen Konsuls Baron Liebig in Wien. Geigenzettel : Anno 17.. Reuisto, e corretto da me / Carlo Bergonzi in Cremona (gedruckt). — Abb. 95. Bergonzi, Carlo II. — Cremona. 1780, f um 1820 Dritter Sohn von Michel Angiolo B. Er soll ein ge- schickter Reparateur gewesen sein und war hauptsäch- lich Mandolinen- und Gitarrenmacher. Die wenigen Geigen, die er gebaut hat, sind minderwertig, unfein in der Form und haben häßliche F-Löcher. Bergonzi, Francesco. — Cremona. 1687 Man will ihn für den Ahnherrn der Familie halten, und es soll auch noch Geigen von ihm geben, in denen er seinen Namen allerdings »Baganzi« schrieb. Bergonzi, Giuseppe. — Cremona. 1740 Es soll auch einen Giuseppe B. gegeben haben. Es ist mir aber nicht gelungen, Instrumente mit seinem Namen ausfindig zu machen. — Ebensowenig solche von einem angeblichen Pietro Bergonzi. Bergonzi, Ludovico. — Cremona. 1741 Ein bisher nicht bekanntes Mitglied der Familie, von dem einzelne Violinen vorkommen, die einer Cremo- neser Herkunft nicht widersprechen. Bergonzi, Michel Angiolo. — Cremona. Geb. um 1715, tum 1765 Sohn von Carlo B., dessen Nachfolger er 1747 wurde. Er war mit Barbara Berselli, Tochter des Alfonso B., verheiratet. Wenn er auch nach verschiedenen Mo- dellen arbeitete, so bevorzugte er doch das breite Stra- divari-Patron. In der Arbeit ist er recht gut, auch sein Holz ist schön; seinen Vater erreichte er aber doch niemals. Sein Lack ist stumpf und der Ton häufig näselnd, vorzüglich sind seine Bässe. Da er sich früh- zeitig besonders auf den Bau von Mandolinen usw. ver- legte, kommen Streichinstrumente von ihm verhältnis- mäßig selten vor. Doch besitzt G. Siefert in Leipzig eine sehr schöne Violine von ihm aus dem Jahre 1736, die denselben Lack zeigt, den Carlo I B. verwendet hat, der so leicht »zerronnen« ist. Auch die Grundierung ist die gleiche wie bei seinem Vater. Eine Violine von ihm besitzt .Miß Baird in Elgin (Schottland), eine Pandurina von 1755 C. van Raalte, eine von 1756 die Sammlung Galpin (Hatfield). — Er hatte drei Söhne. Geigenzettel : Michel Angelo Bergonzi / Figlio di Carlo fece in , Cremona l'Anno 1749 (gedruckt). — Michel- angelus Bergonzi / Fecit Cremonae 17 . . (gedruckt) Bergonzi — Bernardel 41 Bergonzi, Nicola. — Cremona. 1740. 1782 Altester Sohn von Michel Angiolo B., der das väterliche Geschäft übernahm und fortsetzte. Er baute viele In- strumente, die im Patron denen seines Vaters ähnlich sind, ihnen aber im Ton und in der Arbeit sehr nach- stehen. Der Lack ist dünn und hat wenig Feuer, das Holz nicht immer gut gewählt und die Schnecke un- schön. Geigenzettel : Abb. 78. Bergonzi, Zosimo. — Cremona. 1750. 1777 Dritter Sohn Michel Angiolos und etwas geschickter als sein Bruder Nicola. Seine Violinen sind von ungleichem Wert, besser dagegen seine Violoncelli und Bässe. Geigenzettel: Fatto da me Zosimo Bergonzi ; L'anno 1777, Cremonae (gedruckt). Bergström, J. A. — Nyköpmg. 1828 In der Wahl des Holzes nicht sehr glücklich, sonst ein ganz tüchtig arbeitender schwedischer Geigenmacher. Berkemayer, Bernhard. — Iglau In einer zwölfsaitigen Zither im Besitze Eman. Ed. Homolkas findet sich der Zettel : Bernhard Berkemayer / Bürger in Iglau verfertigt Forte-Pianos und alle , andere Saiteninstrumente. / Wohnt im eigenen Hause N° 356 / in der hinteren Judengasse (gedruckt). Berkemeyer, J. F. — Amsterdam. 1806 Wenig bekannter, wahrscheinlich aus Süddeutschland oder Mähren eingewanderter geschickter Geigen- macher, von dem Felix Herrmann eine recht gute Violine besitzt. Boden, Zargen und Schnecke sind sehr schön, die Decke von weitjährigem Holz fällt dagegen etwas ab, doch ist der rotbraune Lack zu loben. Geigenzettel: J. F. Berkemeyer , Amsterdam Ao 1806 (geschrieben). Berly. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamilie, von der dem Namen nach bekannt wurden : Berly, Charles. 1760. 1765 — Dominique I. 1744. 1750 — Dominique II. 1761. 1765 — Dominique III. 1750. 1789 — Dominique IV. Geb. 1765 — Guillaume. 1732 — Jean-Claude. 1756. 1757 — Leopold. 1777. 1778 — Pierre. 1756. 1764. Berliner, E. — Boston. 1885 Ließ sich eine »verbesserte« Violine patentieren, an der durch einen Spannrahmen eine Saitenspannvorrichtung angebracht war; er erzielte jedoch begreiflicherweise keinen sonderlichen Erfolg damit. Bernard, Andre Florent Nicolas. — Lüttich. Geb. 6. Okt. 1870, Schüler von Gand und Bernardel. Seit 1890 ist er in seiner Vaterstadt tätig. Er arbeitet sauber im Stile seiner Lehrmeister und erhielt 1897 in Brüssel, 1900 in Paris für seine neuen Geigen silberne Medaillen, und 1905 in Lüttich, 1907 in Bordeaux und 1910 in Brüssel goldene Medaillen. Auch in der Wiederherstellung alter Geigen ist er sehr geschickt. Seine Werkstatt führt das Schild : »A la Guitarre royale«. Bernard, Jacques. — Mirecourt. 1773. 1780 Galt als guter Bogenmacher. Bernardel, Auguste-Sebastien-Philippe. — Paris. Geb. Mirecourt 1802, f 6. Aug. 1870 zu Bougival Nachdem er in seiner Heimat ausgelernt hatte, kam er 1820 nach Paris und trat bei N. Lupot und später bei Gand pere als Gehilfe ein. Er gründete 1826 sein Ge- schäft in der Rue Coquilliere Nr. 44 und arbeitete bis 1859 allein. Dann nahm er seine beiden Söhne als Teil- haber der Firma auf. arbeitete aber noch bis 1866 fleißig weiter. Einer der geschicktesten französischen Geigenmacher des 19. Jahrhunderts und gründlicher Kenner des Holzes, das er mit größter Sorgfalt aus- wählte. Auf der Londoner Ausstellung 1851 stellte man seine Arbeit der Forsterschen gleich, wenn auch sein Cello einen näselnden Ton gehabt haben soll ; aber es unterliegt keinem Zweifel, daß er gerade, was die Größe des Tons anbelangt, alle englischen Meister übertraf. Seinen braunen und rötlichen Lack trug er manchmal zu dick auf, auch hat die rote Farbe oft einen Stich ins Violette, was als Schönheitsfehler gelten muß. 1859 verband er sich, wie schon bemerkt, mit seinen Söhnen Ernest-Auguste und Gustave-Adolphe zu der Firma "Bernardel et iils^< und zog sich 1866 vom Geschäft zurück. Geigenzettel : Bernardel, luthier ,' ex-ouvrier du si'Lu- pot, / rue Coquilliere, n° 44 ä Paris, / l'an 1826 (ge- druckt) und Abb. 72 und 73. Bernardel, Ernest-Auguste. — Paris. Geb. 1826, t 10. Dez. 1899 in Paris Sohn von Seb. Phil. B. Seit 1859 Teilhaber der Firma seines Vaters ; er verband sich später mit seinem Bruder zusammen mit Ch. N. E. Gand. Ein trefflicher Meister, dem ein gut Teil des Ruhmes der Firma zuzuschreiben ist. Bernardel, Gustave-Adolphe. — Paris. Geb. Paris 1832, t 27. Jan. 1904 in Cherbourg Schüler seines Vaters Seb. Phil. B. Vielleicht der beste • unter den französischen Geigenmachern seiner Zeit. Seit 1860 Teilhaber der Firma seines Vaters; er ver- band sich 1866 mit Eug. Gand, mit dem er 26 Jahre in treuer Freundschaft die Firma Gand & Bernardel teilte. Seit 1892 war Gustave B. alleiniger Inhaber des welt- berühmten Geschäftes, das nun die Firma »Gustave Bernardel, seul successeur de Gand & Bernardel<' trug. Begründer des Geschäftes war bekanntlich Lupot; seine Nachfolger waren Gand, Gand freres, Gand & Ber- nardel und Gustave B. Er befolgte die Traditionen Lupots, baute treffliche Streichinstrumente und ver- suchte eine gelungene Rekonstruktion der V iola di Gam- ba, er machte alle Saiteninstrumente, die Harfe aus- 42 Bernardel — Bernlnard genommen, und verwendete nur Öüack. Seit 1 . Juli 1901 sind Albert Caressa und Henri Fran^ais seine Nachfolger. Geigenzettel : Gustave Bernardel N° . . . / Paris Pdssage Saulnier 4 / luthier du Conservatoire 18 . . (gedruckt) und Abb. 57. Bernardel, L. — Amsterdam. Geb. um 1805 in Mirecourt, f 1847 Bruder von A. Sebast. B., ein talentvoller Geigen- macher, dessen frühzeitiger Tod verhinderte, daß er zu größerem Ruhm kam. Geigenzettel : Repare par L. Bernardel / Amsterdam 1844 (gedruckt). - P, ans. Geb. m ans Bernardel, Leon. 22. Aug. 1853 Sohn von Ernest-Aug. B. Nachdem er von 1869 — 1870 bei Just Derazey in Mirecourt gelernt hatte, kam er zu Gand & Bernardel freres nach Paris, bei denen er vom I . August 1 870 bis 3 1 . Juli 1 898 — also 28 Jahre lang — blieb. Am I.Oktober 1898 eröffnete er seine eigene Werkstatt; er baut nach Stradivari, Lupot und Gand und verwendet nur Ollack. 1900 erhielt er das Diplom eines Offiziers der Akademie und auf der Weltaus- stellung eine Bronzemedaille. Seine Geigen sind gut und werden von Musikern sehr geschätzt ; so ist er u. a. Lieferant des Lamoureuxschen Konzertes usw. Seinen 1882 geborenen Sohn ließ er in Mirecourt zum Geigen- macher ausbilden und erzog ihn zu seinem besten Mit- arbeiter. Geigenzettel : Abb. 58. Bernardelle, Roussel. — Paris. 1837 Baute nach Stradivari; seine Arbeit ist nicht schlecht, kommt aber nur selten vor. Bernardus. — Udine Ein englischer Händlsr bot eine Violine mit diesem Namen, der wohl nur zur Hälfte gelesen ist, an. Berndt, Willy. — Berlin-Neukölln. Geb. II. April 1876 in Stettin Durch den frühen Tod seines Vaters in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, baute er sich schon als Schulknabe ohne jegliche Anleitung eine Geige, da ihm seine Mutter keine kaufen konnte. Das Instru- ment war so gelungen, daß ihm von allen Seiten geraten wurde, Geigenbauer zu werden. Da er aber in Stettin keine Lehrstelle erhalten konnte, mußte er zunächst die Tischlerei und den Klavierbau erlernen, aber jede freie Zeit benützte er dazu, sich im Geigen- machen zu vervollkommnen, wenn er auch darauf an- gewiesen war, die Anleitung dazu aus Büchern zu holen. In seinem zwanzigsten Jahre kam er endlich zu Adolf Pfretzschner, unter dessen Leitung er bald mehrere Geigen in allen Teil -n fertigstellte, die schon in unlackiertem Zustand den größten Beifall des hol! . Konzertmeisters Max de Groot fan len. Im Jahre 1907 siedelte er nach Berlin über und begründete seine eigene Werkstatt, die sich eines stetig zunehmenden Zuspruchs erfreut. Er baut nach Stradivari und stimmt Boden und Decke harmonisch ab und bereitet sich einen Ollack eigener Zusammensetzung. Sein Sohn Walter, der eine gründliche musikalische Ausbildung erfahren hat, widmet sich jetzt ebenfalls dem Geigen- bau. Geigenzettel : Gebaut von / Willy Berndt / Berlin- Neukölln / Geigenmacher — den .... 192 . Berner (Perner), Samuel. — Brixen. f 24. Febr. 1754 (im Spital) Gute Arbeit. Ein Violoncello von ihm wurde 1890 von Heberle in Nürnberg versteigert. Eine Viola und ein Cello von ihm besitzt Kaufmann Fallmereyer (Eisen- handlung) in Brixen. Bernhard, August. — Fleißen. 1884. 1895 Einer der besseren Geigenmacher seines Heimatortes, der auch als guter Lehrer geschätzt war. Bernhard, Carl. — Stadthagen. Geb. 22. Nov. 1857 Ursprünglich Musiker, brachte ihn der Wunsch, den Ton seiner Streichinstrumente zu verbessern, schon frühzeitig auf den Gedanken, den Geigenbau zu stu- dieren. Meister Weber in MöUenbeck bei Rinteln war der erste, der ihm einige Anleitungen gab. Als Sohn eines Tischlers mit der Holzbearbeitung gut vertraut, versuchte er zunächst, ein Violoncell zu bauen. Der Er- folg spornte ihn zu weiterem eifrigen Studium an, und Weber gab ihm außer praktischer Anleitung auch Bagatellas Schrift und ähnliche Bücher. Er machte jetzt rasche Fortschritte und baute 1885 seine erste neue Geige. Hierauf ging er noch nach Markneukirchen, um seine Ausbildung abzuschließen. Wenn er dort auch nicht alles fand, was er hauptsächlich suchte, so nutzte er doch jede Gelegenheit, die Werke alter Meister kennen zu lernen, mit Eifer aus. Bis 1904 hatte er be- reits 178 neue Violinen, 31 Violen, 17 Violoncelli und 58 Bässe gebaut. Er ahmt vorzugsweise das Stainer- modell nach, wobei er die Schallkreise elliptisch an- ordnet, da sonst bei der schnell abfallenden Wölbung die gerade laufenden Fasern des Holzes nach seiner An- sicht zu kurz abgeschnitten würden. Bei flacher Wöl- bung nimmt er die Schallkreise dagegen rund, wie Bagatella dies vorschreibt. Seine Arbeit ist sorgfältig, der Ton voll und weich; auch als Reparateur wird er geschätzt und erhielt durch Professor Sahla die Ar- beiten für die Bückeburger Hofkapelle übertragen. Geigenzettel : Carl Bernhard / Geigenmacher / Stadt- hagen Ao. 19 . . (gedruckt). Bernhard, Johann Georg. — Mark-Biberbach. 1743. 1746 Schwäbischer Geigenmacher, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts lebte und sehr mittelmäßig arbeitete. Sem Holz ist unschön, zur unrechten Zeit geschlagen, daher jetzt sehr wurmstichig, der Lack schlecht und dementsprechend der Ton armselig. Im Modell ahmt er die Tiroler Schule nach. Geigenzettel : Johann Georg Bernhard / Lauten- / und Geigenmacher in Mark-Biber- / bach. Anno 1743 (ge- druckt). Bernhardt — Bertolotti 43 chränktes Lob ollt. Bernhardt, Arnold. — Markneukirchen. Geb. Bertier, Phülppe. — Mirecourt. 1773. 1789 1 9. Juli 1 874 zu Markneukirchen Ja^quot kennt nur seinen Namen. Schüler von Karl Wilh. Lederer 11. Als Gehilfe arbeitete Bertini, Vincenzo. — Rom er längere Zeit bei Dr. AlL-ed Stelzner in Dresden und ^^ ^-^^^ j^^j^^^,^ eingelegte Mandolinen mit seinem machte sich im Jahre 1905 m seiner Vaterstadt selb- Namen, ständig. Er arbeitet sehr sorgfältig und sauber, ver- wendet vorzügliches Holz, und seinen Geigen wird auch Bertoleti, Antonio. — Brescia. 1796 In einem mittelmäßigen Violoncello wurde der Zettel gefunden: Antonio Bertoleti / Fece in Brescia, 1796 (gedruckt). Bertoli, Giuseppe. — (Venedig.) 1899 Schüler von Eugenio Degani, bei dem er ein Jahr lang lernte. Bertolinl. — 18./19. Jahrhundert Dr. J. L. Phipson erzählt in »The Strad« 1896 (Nr. 74) von einer Violine mit diesem sonst nicht bekannten Namen, die zwar keine äußeren Vorzüge und wenig Eigenart, aber einen wundervollen Ton gehabt haben soll. Bertolotti, Francesco I, genannt Violi (Vio- lino). — Polpenazze. 16. Jahrhundert Sohn des Santino und Vater Gasparo da Salos. Er war Maler, seinem Beinamen nach aber auch Geiger oder Geigenmacher. Bertolotti, Francesco II. — Brescia. Geb. März 1564 in Brescia. 1614 Sohn des Gasparo B. da Salo und Schüler seines Vaters. Mit 23 Jahren war er bereits mit Fior (aus Calvagese bei Salö) verheiratet, und es läßt sich vermuten, daß er nach dem Tode seines Vaters seine Kunst nicht mehr ausgeübt hat ; vielleicht hat er das Geschäft an Giovan P. Maggini, der ja der Nachfolger seines Vaters wurde, verkauft. Nach 1614 läßt er sich in Brescia nicht mehr nachweisen und dürfte also fortgezogen sein, vermutlich nach Calvagese, wo sich bekanntlich Gasparo da Salö angekauft hatte. Eine Lira di Camba mit der Zettel- inschrift: D. Francesco q. Gaspar da Salö in Brescia (gedruckt) besitzt W. Heyers Musikhistorisches Mu- seum in Köln (Nr. 783). Bertolotti, Gasparo, gen. da Salo. — Brescia. Geb. 20. Mai 1540 (?) in Salo, f H.April 1609 . Sohn des Francesco B. und Enkel von Santino. Sein Vater war Maler und »Violino«, die ganze Familie war musikalisch^), und der junge Gasparo wandte sich wohl schon frühzeitig dem Berufe, den auch sein Großvater ausübte, zu. Er war wahrscheinlich ein Schüler seines Großvaters und später von Girolamo di Virchi, was ihn veranlaßt haben mag, aus Salö, einem Städtchen am Gardasee, nach Brescia überzusiedeln, wo er bereits vor 1565 als Meister ansässig war. An Können und Talent überragte er alle seine Vorgänger und wurde in bezug auf den Ton uneingeschränktes Lot) geiol Er beschäftigt keine Gehilfen, sondern macht alles selbst an seinen Instrumenten, wie er sich auch den Lack selbst zubereitet. Er arbeitet nach einem eigenen Mo- dell, das dem des Stradivarl ähnlich ist. Daß es ihm sehr zustatten kommt, nebenbei ein trefflicher Geiger zu sein, sei gleichfalls erwähnt. Seine Geigen tragen einen Brandstempel (Brandmarke Nr. 1). Berro, Ambroslus. — ? 1766 Nach einer Mitteilung des Propstes von St. Florian in Oberösterreich befindet sich im Besitze des Stiftes eine gute Viola mit dem rätselhaften (vielleicht schlecht ge- lesenen) Zettel : Ambroslus Berro / zu Barris 1 766 (ge- druckt). Berrolt. — Brüssel. 1750 Ein selten genannter Violenbauer. Vielleicht ist nicht einmal sein Name richtig überliefert. Bertanl. — Modena. 1 9. Jahrhundert Außer Geigen verfertigte er auch Flöten und englische Hörner. Bertaslo, Luigl. — Piadena. 19. Jahrhundert Bei De Piccolellls und Vidal findet sich dieser Name ohne weitere Zusätze oder Quellenangaben. • Bertassl, Ambrogio. — Piadena. 1730 Wahrscheinlich zur selben Familie wie Bertaslo gehörig. Bertet, Joseph R. — Paris, Nantes. 1754. 1774 Ein Geigenmacher, der wie L'Harmand und der alte VulUaume u.a. den Werkstattnamen »Au roy David« führte. Nach 1764 scheint er nach Nantes gezogen zu sem. Von ihm befindet sich ein großer Alto aus der Sammlung Snoeck (Nr. 573) in Berlin. Dicker gelber Lack, gute Arbelt. Eine sehr schöne Laute mit einem wundervoll geschnitzten Frauenköpfchen besitzt Baron de Lery. Geigenzettel : Joseph R. Bertet, au Roy David / Rue Neuve St. Roch ä Paris 1754 (geschrieben). — Bertet, luthler Au Roi David / rue Dauphine ä Paris 1 764 (ge- schrieben). Bertholini, Nicolo Siehe Bertolinl. Berti, Antonio. — Cortona. 1721 Vidal erwähnt ein Psalterion von ihm; auch sollen Lauten mit seinem Namen vorkommen ; doch ließ sich in Cortona nichts über ihn ermitteln. Berti, Giuseppe gen. Giusino. — Flumalba (Modena). Anfang des 19. Jahrhunderts Er soll auch in anderen modenesischen Orten gearbeitet haben; seine Geigen sind minderwertig. 1) Ein Alessandro Bertolotti war nach Valdrighi ein tüchtiger Klavizimbelbauer. 44 Bertolotti — Bessard bald das Haupt der Brescianer Schule; er hatte jeden- falls einen wesentlichen Anteil an der Ausgestaltung der heutigen Violine, deren Erfindung man ihm mit größerem Rechte zuschreiben könnte, als »Duiffo- prugcar«. Sein Ruf war bald begründet; 1568 wohnte er noch zur Miete in der Contrada del palazzo vecchio, 1588 besaß er bereits sein eigenes Haus in der Contrada de la Cocere (jetzt via delle Cossere). Seine Frau hieß Isabella und war 1546 geboren. Trotz aller Anerken- nung scheint er doch anfangs mit Sorgen zu kämpfen gehabt zu haben, denn um seine Lage zu verbessern, stand er im Begriffe, dem Beispiel anderer Meister folgend, nach Frankreich auszuwandern. Um das zu verhindern, lieh ihm Bruder Gabriel zu St. Piero 60 Lire. Von da an arbeitete er sich empor ; 1 599 konnte er sich ein neues Haus in der Straße San Pietro Martire kaufen, und zwischen 1581 und 1607 erwarb er außer- dem verschiedene liegende Gründe in Calvagese (bei Salo), dem Heimatorte seiner Schwiegertochter Fior. Das ist alles, was sich aus seinem Leben urkundlich feststellen ließ. Er wurde bei St. Joseph begraben, wo sich leider sein Grabstein nicht erhalten hat. Im April 1907 wurde ihm aber auf Veranlassung des Prof. Cav. Fr. Pasini an dieser Kirche ein Denkstein errichtet mit der Inschrift: Gasparo da Salo nell arte di liutai maestro per trovar le vie nuove loggi, materia, forma studiando die quasi anima e senso al violino moderno creazione sua. Nato 1542. — Morto 1609 fu sepolto in questo tempio. In den Urkunden wird er 1568 »Magistro de violini«, 1579 »Magistro a cittaris«, 1583 »Artefice d'instrumenti musici« und 1588 »Magister instrumentorum musi- corum« genannt. Seine Geigen zeigen im allgemeinen schon die später klassisch gewordene Form. Die Wöl- bung nimmt er noch ziemlich hoch, d;e F-Löcher sind weit und stehen fast parallel, die )( sind langgestreckt und die Ecken kurz. Die Schnecke ist nicht besonders fein und bei größeren Instrumenten meist aus Birn- baumholz. Sein Lack scheint nachgedunkelt zu haben ; aber es gibt außer braunlackierten Geigen auch solche von schöner Bernsteinfarbe. Bis heute haben sich nur wenige Arbeiten seiner Hand erhalten ; doch wurde sein Name schon frühzeitig mißbraucht, weshalb ihm zu- geschriebene Geigen stets mit Vorsicht zu behandeln sind. Man findet viele Instrumente mit seinem Namen und Jahreszahlen, die von 1610 — 1630 reichen, obwohl er selbst fast nie eine Jahreszahl auf seinen Zetteln an- gab. Einen echten dreisaitigen Baß besaß Dragonetti, eine sechssaitige Gamba bewahrt das Pariser Konser- vatorium. In der Sammlung des Professors Cav. Franc. Pasini befindet sich eine ganze Reihe von Instrumenten, die als Arbeiten von Gasparo da Salo gelten. Ole Bulls Violine, die ihm zugeschrieben ward, scheint jüngeren Ursprungs gewesen zu sein. Er war auf alle seine Nach- folger von größtem Einfluß, der sich bis Stradivari und Guarnen verfolgen läßt. Vgl. G. Livis Aufsatz in der Nuova Antologia vom 16. Aug. 1891. Siehe auch: Gargnano. Geigenzettel : Abb. 96. Bertolotti, Lulgi s. Bortolottl Bertolotti, Santino. — Polpenazze. 16. Jahrh. Lautenmacher, der Großvater von Gasparo da Salö. Bertolt. — Nürnberg. 1413 In einer Urkunde des Archivs der Stadt Nürnberg wird im Jahre 1413 ein *Ber(tolt) Lautenmacher auf der Lorenzer Stadtseite in der Mittelgasse« aufgeführt. Bertram, Alexander. — Eddieston. Geb. 1801 Sohn von William B. und wohl auch dessen Schüler. Ein fleißiger schottischer Geigenmacher des 19. Jahr- hunderts. Bertram, William. — Stobo Castle (Schott- land). 1790. 1810 Er war Jäger von James Montgomery und machte aus Liebhaberei Geigen. Er brachte es dann zu einer ge- wissen Geschicklichkeit und soll in den letzten drei Jahren seines Lebens siebzehn Geigen gemacht haben, die er den Gästen seines Herrn zu verkaufen pflegte. Bertrand, Nicolas. — Paris. 1687. 1735 Er arbeitete handwerksmäßig; nur manchmal kam er Jacques Boquay nahe. Sein Lack ist fast immer rissig und stumpf und gewöhnlich von roter Farbe. Violinen scheint er nur selten gemacht zu haben, dagegen trifft man Violen, Bässe und Quintone von ihm mehrfach. Das Selhofsche Versteigerungsverzeichnis (Haag 1759) führt eine Arbeit von ihm mit der Jahreszahl 1603 auf; diese kann nur 1703 oder höchstens 1693 geheißen haben, oder man müßte einen gleichnamigen Vorfahren annehmen. Ein Quinton und eine Baßviola (Gamba) von gewöhnlicher Arbeit, rotem, schmierigem Lack und mit einem Frauenköpfchen am Wirbelkasten besitzt das Brüsseler Konservatorium (Nr. 222 und 227). Außer seinem Zettel verwandte er auch eine Brandmarke mit seinem Namen. Geigenzettel : Abb. 50. Bertrand. — Mirecourt. 1853 Wahrscheinlich mehr Händler als Geigenmacher. Bertucci, D. Giuseppe. — Mont-Orsello. 1748. 1777 Das D. vor dem Taufnamen scheint die Abkürzung von Don zu sein ; Bertucci wäre demnach geistlichen Stan- des gewesen. Geigen von ihm kommen selten vor und sind nicht sehr geschickt gemacht. Berupt, Leopold und Louis. — Mirecourt. 1766. 1789 Wahrscheinlich zwei Brüder, die beide als Luthiers ge- nannt werden. Besancenot. — Dijon. 1776 Seine Geigen zeichnen sich mehr durch ihre reiche Ornamentierung als durch Modell und Ton aus. Bessard, Louis. — Paris. 1753 Er war geschworener Meister der Pariser Lauten- macherzunft; mehr war über ihn nicht zu erfahren. Beßl er Biancl lanchi 45 Beßler, Adam. — Eperjes. 1670 Daniel Speer berichtet in seinem »Unterricht in der musikalischen Kunst« (Ulm 1687, bei S.W.Kühne) über die Viola Baryton : »Ich habe auf meiner Peregri- nation nicht mehr als am bischöflichen Hofe zu Frey- sing einen (Barytonspieler) angetroffen, auch der- gleichen Instrument nirgend als zu Eperes in Ungarn bei dem Stadt-Trompeter Musico Adam Besslern, der als ein berühmter Geigen macher solches selbsten gemacht.« Bessolaz, lebt als »Luthier« in Chambery (Dep. Savoie) Betts, Edward ( »Ned Betts«). — London. Geb. in Stamford?, f um 1815 oder 1820 Neffe von John Betts und wie dieser Schüler von R. Duke. Ein tüchtiger Geigenmacher, dessen eigene Ar- beiten Lob verdienen. Die Einlagen machte er sehr gut, schnitt schöne F-Löcher und schöne Schnecken; nur der Lack ist hart und unklar. Da in England aber — wie leider auch anderwärts — moderne Geigen schlecht be- zahlt werden, verlegte er sich auf das Nachahmen alter Instrumente, besonders solcher von den Amatis, worin er es zu großer Meisterschaft brachte. Betts, John Edward (»Old John Betts«). — London. Geb. 1755, f im März 1823 Schüler des älteren R. Duke. Er stammte aus Stamford, Lincolnshire, und war weniger hervorragend als Geigen- macher wie als Händler und Kenner. Die Geigen, die seinen Namen tragen, sind sehr verschieden, was daher kommt, daß Carter, sein Neffe Betts, B. Fendt und seine Söhne, Panormo usw. für ihn arbeiteten. Er ließ u. a. treffliche Kopien nach den Cremoneser Meistern her- stellen. Sein Geschäftsnachfolger war sein Bruder Arthur B., der Violinlehrer gewesen war. Dessen gleich- namiger Sohn und Nachfolger war gleichfalls kein Gelgenmacher. Eine Stockgeige (1800) von ihm besitzt T. W. Taphouse. Geigenzettel : J " Betts N ° 2 / Near Northgate the / Royal Exchange / London 1 782 (gedruckt). Betz s. Petz Beuthner, Adolf. — Markneukirchen Schüler von Reinhold Paulus. Als Gehilfe arbeitete er in Leipzig, Berlin und Kopenhagen, kehrte 1895 in seine Vaterstadt zurück und machte sich selbständig. Er beschäftigt sich mit dem Neubau und der Wieder- herstellung von Geigen und treibt auch einen Handel mit alten Musikinstrumenten. Beuthner, Johann Ulrich. — Hamburg. 1710 Sein Name kommt auf einem Reparaturzettel in der ehemaligen Sammlung Hammer vor. Er scheint jedoch das Bürgerrecht nicht besessen zu haben, weshalb sich nichts Näheres über ihn ermitteln ließ. Beutler, Johannes. — Um 1830 Eine einfach gehaltene Gitarre mit einem Wirbelkasten, den ein Affenkopf abschließt, wird in W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln aufbewahrt (Nr. 563). Beveridge, William. — Aberdeen. Geb. Juli 1821 in Craigh, Tough, f Aug. 1893 in Chapel of Ganoch Als Sohn eines Farmers beschäftigte er sich im Winter mit dem Ausstopfen von Vögeln, Schnitzen von Schnupftabaksdosen und Geigenmachen. Auf das letztere verlegte er sich nach dem Tode seines Vaters ganz und gar. Seine Violinen sind hübsch gemacht, oft reich verziert, haben aber keinen großen Ton. 1886 er- hielt er auf der Ausstellung in Edinburgh für Geigen eine ehrenvolle Erwähnung. Geigenzettel: W. Beveridge/ Fecit / Tough, 1860 (ge- druckt). Beyer, Emil. — Erfurt. 1895. 1916 Ein vielseitiger Geschäftsmann, der mit Getreide usw. und mit Geigen Handel treibt und selbst auch Geigen gebaut haben soll, die auf Ausstellungen stets Aner- kennung fanden. 1899 erhielt er ein Patent für einen Steg. Beyer, F. — Naumburg. 1815 Ein ziemlich dunkel lackierter großer Baß trägt seinen Zettel : F. Beyer / Instrumentenmacher in Naumburg (geschrieben). Beyer, Franz L. E. — Wien. 1920 Er bringt die sog. TIM-Streichinstrumente (d. h. Ton- Instrumente Markstein) auf den Markt, ist selbst aber kein Geigenmacher. Beyer, Robert. — Berlin. 1909. 1910 Nicht mehr bestehendes Geigengeschäft »Unter den Linden«. Der Inhaber war kein Geigenmacher, be- schäftigte jedoch Gehilfen. Bianchi, Giovanni. — Florenz. 1746 Gute Arbeit, aber plumpes Modell, gelber Lack. Haupt- sächlich kommen Violoncelli von ihm vor. Geigenzettel : Giovanni Bianchi Fee. ,' In Firenze, anno 1 746 (gedruckt). Bianchi, Nicolo. — Aix, Paris, Genua, Nizza. Geb. 1796 in Genua, f 1881 in Nizza Nachdem er bei Bagatella, F. Calcagni, Cerutti und Pressenda gearbeitet hatte, ließ er sich zunächst in Aix nieder, wo er noch 1845 lebte; er ging dann nach Paris. Seine Werkstatt hatte er bis 1868 in der Rue Croix des Petits-Champs. Seine Violinen sind nicht gleichwertig, er konnte aber, wenn er wollte, sehr gut arbeiten und soll auch sein Interesse der Viola d'amore zugewendet haben. Er war als Reparateur viel beschäftigt, obwohl er es an der nötigen Sorgfalt oft fehlen ließ, und reparierte auch die Baßviola von Gasparo da Sal6 im Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 197). Von 1868 bis 1872 war er in seiner Vaterstadt und zog dann nach Nizza, wo er starb. Er darf nicht mit Mitgliedern der Familie Bianchi verwechselt werden. Sein Schüler und Nachfolger ist Bovis. Geigenzettel : Repare par Bianchi Nicolo / Luthier de- core / A Parigi 1851 (gedruckt) und Abb. 39. 46 Bichet — Bittner Bichet, Mansuy. — Mlrecourt. 1 780 Wird von Jacquot als Bogenmacher aufgezählt. Bichler s. Pichler Bienfait, Paul-Emile. — Paris. Geb. 1857 in Rouen Er war ursprünglich Geiger und verlegte sich schließ- lich auf das Bogenmachen, worin er es zu großer Meisterschaft brachte. Seine Bogen tragen die Brand- marke: P. E. Bienfait. Biernatzki. — Posen. Um 1860 Ein schwedischer Staatsrat, ausgezeichneter Violin- spieler, der aus Liebhaberei Geigen gemacht hat. Biest, Martin van der. — Antwerpen. 1558 Bisher nur als Clavecinmacher bekannt. Bigourat, Nicolas. — Moulins-sur-Allier. Geb. in Saint-Gerand-le-Puy (Allier) 1824. f 1880 Schüler und Nachfolger von Thibouville in Moulins- sur-AUier. Er hat nur sehr wenige Geigen (meist nach Guarneri) gebaut und sich hauptsächlich mit Wieder- herstellungsarbeiten beschäftigt. Er verwendete einen hellbraunen Lack. Geigenzettel : Repare par Nicolas Bigourat / ä Moulins en 1823 (geschrieben). — Nicolas Bigourat Luthier pres l'horloge / ä Moulins 1869 (gedruckt). Bigourat. — Le Havre. 1870. 1890 Sohn von Nicolas B. Hauptsächlich Reparateur. Bilveglien s. Belviglien Bimbi, Bartolomeo. — Siena. 1750. 1769 Er stammt aus Florenz, war ein Sohn oder wahrschein- licher Enkel des bekannten gleichnamigen Blumen- malers (1648 — 1725) und soll um 1760 wieder nach Florenz zurückgekehrt sein. Sein Modell ist klein, sein Lack von schöner orangeroter Farbe, die Arbeit recht gut. Die Inschrift m einem Baß, die seinen Namen mit dem Wohnort Bologna und der Jahreszahl 1701 angibt, erweist sich als gefälscht. Geigenzettel : Abb. 59. Bina, Johann Nepom. — Prag. Geb. 22. Mai 1826 in Prag, f 25. Jan. 1897 daselbst Sohn eines Musikers und Schneidermeisters, Schüler von Franz Lehner, bei dem er auch nach seiner vier- jährigen Lehrzeit noch bis 1849 blieb. Später arbeitete er bei Joh. Stoß, J. Hamberger in Preßburg, F. A. Patzelt in Budapest und Ant. Hoffmann in Wien und machte sich 1853 in Prag selbständig. Seit 1864 war er beeideter Sachverständiger für Geigen. Er wohnte im Laufe der Jahre Neustadt Nr. 793, 802, 52, 835, 825, 788, 834, von 1878 — 94 Wenzelsplatz (Vaclavske nämesti) Nr. 841 und zuletzt »in der Grube« (V Jäme) Nr. 697. In seiner Arbeit ist er ein charakteristischer Vertreter der Prager Schule, wenn auch nur ein Meister zweiten Ranges. Geigenzettel: Johannes Bina / Pragae / Fecit Anno Domini 18 . . (gedruckt). — Johann Bina / in / Prag anno 1877 (gedruckt). — Opravil / J. Bina v Praze (gedruckt). — Johann Bina / Musikinstrumentenvcr- fertiger und beeideter / Schätzer, Anno 1885 / Prag / Wenzelsplatz N° 5 neu (gedruckt). Bindernagel, Johann Wilhelm. — Gotha. Geb. um 1 770 in Remstädt bei Gotha, f 30. März 1845 in Gotha Er war ursprünglich Tischler, erlernte bei Kleinsteuber in Gotha den Bau musikalischer Instrumente und wurde dann Gehilfe bei Ernst, als dessen Schüler man ihn be- trachten kann. Seme Geigen entsprechen den Ernst- schen Modellen. Anfangs verfertigte er nur Harfen und Zithern, später jedoch Geigen und schließlich, nach dem Vorgange Ottos in Weimar, vorzugsweise Gitarren, wozu ihn wohl seine Frau, eine geborene Trompheller aus Gotha, die eine ausgezeichnete Virtuosin auf der Gitarre war, veranlaßte. Emzelne seiner Instrumente waren recht gut, seine Geigen jedoch meist von hand- werksmäßiger Ausführung. Zwei Zithern von ihm, eine davon fünfchöns, besitzt die staatliche Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin Nr. 598 und 599. Geigenzettel: Johann Wilhelm Bindernagel / Instru- mentenmacher in Gotha / 1 798 (gedruckt) und Abb. 37. Bing (& Lantez). 1880 Französische Fabrikfirma. Birt. Kommt als Name eines Geigenmachers in englischen Violinen vor Bischerei s. Magri Bischoff. — Dessau. 1790. 1796 Ein Kammermusikus, der ein der Viola Baryton ähn- liches Instrument, das er Harmoniecello nannte, erfand, aber nicht selbst baute. Bisiach, Leandro. — Mailand. 1890. 1914 Besserer italienischer Geigenmacher der Gegenwart, der darauf hält, daß nur Geigen, die in allen Teilen in seiner Werkstatt angefertigt werden, seinen Namen tragen. Er hat in Cremona gelernt und das Stu- dium der alten Cremoneser zu seiner Hauptaufgabe gemacht. Von einer in Mailand lebenden Witwe Stra- divari hat er vor einigen Jahren Werkzeuge sowie die Photographie eines Lackrezeptes gekauft, die angeblich noch aus dem Nachlasse des großen Antonio Stradivari stammen sollen. Er ließ sich diesen Kauf auch notariell bestätigen. Er wird als vorzüglicher Reparateur ge- schätzt und im Anpassen von Baßbalken, Stimmstock und Steg ist er ein Künstler ersten Ranges. Er handelt auch mit alten Meistergeigen und mit in Deutschland oder Frankreich vorgearbeiteten Instrumenten, die in seiner Werkstatt vollendet werden. Seine Söhne Carlo und Andrea erzog er zu tüchtigen Geigenmachern. Geigenzettel : Abb. 61. Bittner, David. — Wien. 1845, f 1887. Schüler von Wilhelm Ruprecht Er begründete schon in sehr jungen Jahren sein eigenes Geschäft und war einer der besseren Wiener Geigen- macher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Biz Blanchl 47 Er studierte die Italiener mit Erfolg, besaß selbst eine auserlesene Sammlung echter italienischer Geigen und kopierte mit großer Treue. 1873 erhielt er eine Ver- dienstmedaille. Außer Violinen baute er auch alle anderen Streichinstrumente, selbst eine Viola d amore und Zithern, besonders aber sehr gute Violoncelli, von denen manche auch noch durch ihren schönen, fetten ÖUack hervorragen, und die jetzt sehr gut bezahlt werden. Eine Streichzither von ihm bewahrt die Sammlung des Brüsseler Konservatoriums. Seine Frau Marie war eine Zitherlehrerin. Das Geschäft wurde kurze Zeit von seinem Sohne Th. Bittner fort- gesetzt, dann an den Musiker Hans Graf verkauft und bald aufgelöst. Geigenzettel: Abb. 30 und 31 (Brandmarke Nr. 14). Biza, Giovanni Battista. — Treviso. 1 779 Wenig bekannter Lauten- und Geigenmacher, der sich wohl hauptsächlich mit .Ausbesserungsarbeiten be- schäftigt hat. Bizan. — Brüssel. 1749 Er wird als »luthier« bezeichnet; Geigen von ihm sind mir jedoch nicht vorgekommen. Bizey, Charles. — Paris. 1716 Er wird zwar wiederholt für einen Geigenbauer aus- gegeben, war aber Holzblasinstrumentenmacher m der Rue Dauphine und nannte sich ausdrücklich: Inven- teur de plusieurs Instruments ä vent. Falsch ist es, seinen Namen »Bizet« zu schreiben. Blacht s. Flacht Black, John. — Edinburgh. 1893 Neuerer schottischer Geigenmacher. Blahowetz, Josef. — Markneukirchen. Geb. in Ober-Schönbach i. B. 13. Juni 1857 Handwerksmäßig arbeitender Geigenmacher, der für Markneukirchener Handelshäuser Geigen baut, die mit Zetteln »nach den Modellen« beklebt werden. Einige wenige besser ausgeführte Geigen tragen jedoch seinen eigenen Zettel. Blair, John. — Edinburgh. 1790. 1820 Anfangs arbeitete er allein, später mit Matthew Hardie zusammen, der wahrscheinlich sein Schüler war. Blair war jedenfalls der Geschicktere von beiden. Zettel scheint er nicht verwendet zu haben, doch schrieb er manchmal seinen Namen in seine Arbeiten und ver- wendete eine Brandmarke J. B. Sein Spinfuslack, der jetzt ziemlich braun aussieht, war ursprünglich gelb- lich. Er arbeitete nach Stradivari. Brandmarke Nr. 32. Blair, Willie. — Abergeldie (Schottland). Geb. 26. Okt. 1793 unweit Ballater, f daselbst 12. Nov. 1884 Ursprünglich ein Zimmermann und trefflicher, bei Hofe angesehener Geiger, bekannt als »the Queen 's Fiddler«. Er erhielt von Peter Hardie .Anleitung im Geigenmachen und war nicht ungeschickt, hatte aber den Fehler, sein Geigenholz zu backen, wodurch er seine Arbeiten selbst ruinierte. Blaise. — Mirecourt. 1822 Als Geigenmacher in keiner Weise hervorragend, war er doch ein verdienstvoller Lehrmeister; als seine besten Schüler darf man die beiden Silvestre bezeichnen. Er war wahrscheinlich auch der Vater von Joseph Blaise In Genf. Blaise, Joseph (nicht Jules). t 23. Okt. 1882 Genf. 1855. Er kam um 1855 aus Mirecourt nach Genf, nachdem er vorher eine Zeitlang bei den Brüdern Silvestre in Lyon gearbeitet hatte. Er gab den Geigenbau bald auf und beschränkte sich mehr und mehr auf den Verkauf von MIrecourter Fabrikwaren, die er oft mit seinem Zettel versah. Auch als Reparateur war er ohne Bedeutung. Mirecourt. Geb. 1796, Blaisot s. Mast Blanchard, Fran9ois. tl859 Obwohl er gelernter Gelgenmacher war, beschränkte er sich doch auf den Bau von Lauten und Gitarren. Sein Enkel Ist Paul Bl. in Lyon. Blanchard, Paul-Fran^ois. — Lyon. Geb. 10. Febr. 1851 in Mirecourt Schüler von Auguste Darte, arbeitete bei Daniel In Marseille und war dann sieben Jahre lang Gehilfe im Hause Silvestre in Lyon. Im Jahre 1876 gründete er In Lyon sein eigenes Geschäft und brachte es bald als ge- schickter Gelgenmacher und Reparateur zu großem- Ansehen. Seine Arbelt Ist tadellos; schönes Holz und feiner, ambraroter, feuriger Lack von gesättigtem Aus- sehen zeichnen seine Instrumente, die sehr gut im Tone sind, aus. Er baut hauptsächlich nach Ant. Stradivan und Guarnerl mit vielem Glück, manchmal auch nach Amatl. Er besitzt viele erste Preise und die Palme der Akademie, Ist Gelgenmacher des Konservatoriums in Lyon und ^President de la Chambre syndicale des Instruments de muslque« zu Lyon. Instrumente, die er ganz eigenhändig machte, tragen folgenden Zettel : Abb. 68; die In seiner Werkstatt unter seiner Leitung gebauten: Abb. 85; Geigen, die von anderen Geigen- bauern für sein Geschäft gemacht werden, tragen den Zettel: Abb. 82. Ni izza. Geb. in Nizza am Blanchi, Albert. 25. Jan. 1871 Schüler seines Vaters Aug. Bl., dessen Werkstatt er 1899 übernahm. Er gilt als ein besonders geschickter Gelgenmacher, der alle Arten von Streich- und Saiten- Instrumenten verfertigt, vorzugsweise jedoch Violinen, die er nach eigenen Modellen baut und mit einem gelb- roten ÖUack überzieht. Sehr beliebt sind auch seine Gitarren von 12 und 18 Saiten. Geigenzettel : Abb. 34. Blanchi, Augustin. — Nizza. Geb. 1 828 f 1 899. Tüchtiger Geigenmacher, der sich In den besten Werk- stätten gebildet hatte und durch unablässiges Forschen zu schönen Erfolgen gekommen war. Gelgen von ihm werden von Musikern sehr geschätzt. 48 Blaschke — Bodenl Blaschke, Ferdinand. — Glatz. Geb. zu Grafenort um 1775, f nach 1845 Er ließ sich als Instrumentenmacher und Gastwirt im Jahre 1839 in Glatz nieder und besaß das Gasthaus Nr 592, ist aber später nach Scheibe verzogen, wo er wohl auch gestorben sein dürfte. Blasich, Giovanni. — Triest. 1870. 1880 Er war eigentlich als Geigenmacher nur Dilettant und erhielt einige Unterweisung von Dollenz, doch sind seine Geigen nicht schlecht gearbeitet, wenn sie auch ganz ohne Eigenart erschemen. Blasich, Ludwig. — Triest. 1881 Vielleicht ein Sohn von Giovanni Bl. Er stellte 1881 in Triest zwei Violinen und ein Violoncello als Dilet- tantenarbeit aus, für die er eine goldene Medaille erhielt. Blasio, Raffaele di. — Neapel. 1 8. Jahrhundert Es kommen ab und zu Geigen mit seinem Namen vor. In der Arbeit unbedeutend, im Modell der Gagliani- Schule verwandt; der Lack ist glanzlos, von brauner Farbe. Er gehört möglicherweise derselben Familie an wie Nicolaus De Blosy (s. d.). Blass, Dr. — Mannheim. 1913 Ein Liebhaber, der gute Geigen baut, die er auch u. a. einmal durch das Berliner Philharmonische Orchester mit Erfolg zu Gehör bringen ließ. Blaun, Carl Wilhelm. — Altona. 1840. 1847 Hauptsächlich guter Baßmacher. Blavet. — La Ferte. 18./19. Jahrhundert Ein geschickter Kunsttischler, der als Wiederhersteller alter Geigen und Lauten einen gewissen Ruf besaß. Geigenzettel: Abb. 44. Bleich (Bley), Johann (Anton). — Schönbach. 1805. 1810 Einer der besseren Schönbacher Meister seiner Zeit, der zwar nicht immer schönes Holz verarbeitete, aber gut klingende Geigen gemacht hat. Geigenzettel: Johann Bleich, Geigen- / und Instru- mentenmacher in / Schönbach, Anno 1805 (gedruckt). Blight. — Exeter Seinen Namen sah ich als Brandmarke auf dem Boden einer mittelmäßig gearbeiteten Violine. Blommesteyn (Blomster), Christoffel. — Ant- werpen. 1550. 1558 Er baute allerlei Saiteninstrumente; urkundlich ist er jedoch nur als Clavecinmacher nachweisbar, wie auch sein Bruder Martin Bl. Blosij s. De Blosy Blumenhagen, C. P. — Hannover. 1753 Er hat im 18. Jahrhundert als Lauten- und Geigen- macher in Hannover gelebt. Eine Pochette Sourdine von ihm befindet sich in der Sammlung Galpin. Blunff, Richard. — London. 1604 Das Verzeichnis der 1 759 im Haag versteigerten Selhof- schen Musikinstrumentensammlung führt diesen viel- leicht falsch gelesenen Namen auf. Blyth, Williamson. — Edinburgh. Geb. 1821 in Greenlaw, f Mai 1897 in Edinburgh Ein tüchtiger Musiker und Komponist, dessen Geigen — er hat über 2000 gemacht — sehr dünn sind und schwach klingen. Boccaber s. Buchenberg Bochem, Dierich. — Köln. 1668. 1673 Wahrscheinlich der Stammvater der bekannten Kölner Lautenmacherfamilie, über die leider nichts zu er- mitteln war. Die kurkölnischen Archivalien wurden seinerzeit nach Darmstadt verbracht, und als sie nach Preußen zurückgehen sollten, weigerte sich die preu- ßische Regierung, die Kosten des Rücktransports zu tragen, infolge davon wurde dann ein großer Teil der Aktenbestände einfach vernichtet. Eine von D. Bochem reparierte Laute befindet sich in derHerzogl. Kunst- und Altertumssammlung auf der Feste Koburg. Eine Laute mit der Brandmarke »DBM Collen« im Darm- städter Museum (Nr. 484) ist ihm vielleicht zuzu- schreiben. Eine Diskantviola besitzt die Brüsseler Sammlung. Geigenzettel: Dierich Bochem, in Colin. / neu renovlrt Ao. 1673 (gedruckt). Brandmarke (Nr. 15). Bochem, Joannes. — Köln a. Rh. 1745. 1769 Fleißiger Lauten- und Geigenmacher und Reparateur. Er baute namentlich Violen, sehr großes Patron, von Italienischem Aussehen und gutem Ton. Geigenzettel : Joannes Bochem / Lauten- / und Gelgen- macher in Collen 1 745 (gedruckt). — Joannes Bochem in / Colin renovatum 1769. (gedruckt). Bochem, Michael. — Köln. 1694. 1729 Vielleicht ein Sohn Dierichs und der Vater Johanns. Ein geschickter und vielbeschäftigter Lautenmacher, von dem das Germanische Museum In Nürnberg eine Zither aus dem Jahre 1 728, die staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin eine fünfchörige Zither mit ovalem Schallkasten von schöner Arbeit besitzt. Eine ähnliche von 1728 hat Fr. Wildhagen in Haiensee bei Berlin. Den Wirbelkasten schmückt ein Frauen- köpfchen. Eine Laute von 1724 wurde in Köln 1883 bei Heberle versteigert. Zwei andere Instrumente (von 1694 und 1720) besitzt das Großherzogliche Museum in Darmstadt (Nr. 487 und 498). Geigenzettel: Michael Bochem in Collen 1728 (ge- druckt). — Michael Bochem, Lauten und geigen- macher / In Collen Anno 1720 (gedruckt). Bocquay s. Boquay Bodeni, Luigi (Aloysius). — Venedig. 1719 Seinem Zettel nach ein Dilettant, der »zum Zeitver- treib« ein Violoncello gebaut hat, seiner Arbeit nach aber doch ein geschickter Mensch, der mehr konnte als mancher berufsmäßige Geigenmacher. Geigenzettel: Abb. 63. Bodi. Boffda gdanovics 49 Bodio, Gennaro. — Venedig. 1 740 Ein Meister dritten Ranges, von dem es jedoch einige gute Violinen gibt, die freilich ohne Eigenart sind. Bodio, Giambattista. — Venedig. 1790. 1832 Vielleicht ein Sohn Gennaros und dessen Schüler. Em tüchtiger, aber wenig bekannter Meister. Sein Lack ist für seine Zeit noch sehr gut. Pietro Val. Novello ist einer seiner Schüler gewesen. Ein Quartett von ihm aus dem Jahre 1813 besaß ein Antiquar in Korfu. Statt der Schnecke hatten die Instrumente am Wirbelkasten Widderköpfe, deren Hörner in Schneckenlinien ver- liefen. Der rötlich-gelbe Lack erinnerte an Gagliano. Geigenzettel: Gio: Battista Bodio fecit / Venezia. 1800 (gedruckt). Body, Otto. — Innsbruck. Geb. 1857 in Debreczin Im Alter von drei Jahren kam er mit seinen Eltern nach Bezau in Vorarlberg, erlernte in Mittenwald, dem Heimatsort seiner Mutter, bei Johann Neuner den Geigenbau und kam als Gehilfe 1875 zu J. Gschwenter nach Innsbruck. Einige Jahre später machte er sich selbständig. Er baut hauptsächlich Zithern und Gitar- ren und repariert Geigen. Gegenwärtig arbeitet er zu- sammen mit seinem Sohne. Böck, Johann Georg. — Wölfeisdorf. 1 9. Jahrb. Vielleicht ein Schüler Ignatz Hoffmanns. Er hatte ein ungewöhnlich langes Modell mit wenig hervortretenden Ecken. Die F-Löcher sind groß und weit geschnitten, der Lack ist gelblich. Seine Arbeit ist gut, eigenartig und interessant. Eine schöne Geige von ihm besitzt Pfarrer Nürnberger in Kaditz bei Dresden. Geigenzettel : Johann George Böck, Lauten- / Geigen- und Harfenmacher in / Wölfeisdorf 18 . . (gedruckt). Böcklin, Dr. Frhr. v. — Ruß (?). Um 1810 Em Musikhebhaber und Erfinder, der eine Tenorgeige »Tenorotta« erfunden hat, die größer als eine Bratsche war und um acht Töne tiefer als die Geige gestimmt wurde. Bögenholz, H. sen. — Detmold. Geb. 1834 Ein Musiker, der auch Instrumentenmacher ist und seit 1874 und noch in seinem 83. Jahre Geigen gebaut hat. Geigenzettel: H. Bögenholz / Detmold 1880 (geschr.)- Böhm, Franz. — Budapest. 1804. 1805 Ein trefflicher Geigenmacher, dessen Werke jetzt viel- fach mit italienischen Meisterzetteln versehen im Handel vorkommen sollen. Dr. J. Geyer erwähnt eine seiner Geigen, die mit einem Guadagninizettel ver- sehen ist. Bei der Öffnung des Instruments fand man auf der Innenseite der Decke mit Bleistift die Inschrift »Verfertigt von Franz Böhm in Pesth 1804«. Geigenzettel: Franz Böhm Geigenmacher / in Pesth Anno 1804 (gedruckt). V. Lütg^endorff, Geig-en- und Lautenmacher. Bd. II mgentha Botlandt, Johann Christian. — Kl 18. Jahrhundert Die Familie schreibt ihren Namen jetzt Pöhland. Geigen von ihm kommen nicht häufig vor und unter- scheiden sich durch nichts von denen seiner Vogtländer Zeitgenossen. Geigenzettel : lohann Christian Boelandt / Violin- macher in Klingenthal 17 . . (gedruckt). Boelandt s. auch Pöhlandt Böllinger (Bollinger), Joseph. — Steyr. 1819 Wahrscheinlich Schüler oder Mitschüler von Meinrad Frank, mit dessen Arbeit die seine ganz merkwürdig übereinstimmt. Geigenzettel: Joseph Böllinger fecit/ Steyr. anno 1819 (gedruckt). Böningk, Johann Adolph. — Göhringen. (Göt- tingen?) 1664 Bisher nur als Reparateur einer Laute des Straßburger Meisters Jonas Stehelin in W. Heyers Musikhistc- rischem Museum in Köln bekannt. w len. 1763. Böß (oder Höß), Maximilian. 1789 Seinen Namen findet man nur selten in nicht besonders sorgfältig gebauten Instrumenten. Er scheint auch das Bürgerrecht nicht erworben zu haben, da er weder in den Steuer- noch in den Bürgerlisten vorkommt. Böttcher, Gottfried. — Altenroda. 1846 Seiner Arbelt nach ein Dilettant. Geigenzettel: Repare Gottfried / Böttcher in Alten- roda / 1846 (geschrieben). Bofili (Bonfili), Salvadore. — Barcelona. 1 738 Soll Guarneri nachgeahmt haben; mir war jedoch nicht möglich, diese Angabe zu überprüfen. Bogaerde, Gisbert van den. — Antwerpen. Geb. in Gent Sohn von Josse v. d. B. Wurde 1558 in die Gilde, 1559 zum Bürger aufgenommen und ist nur als Clavecin- macher bekannt, hat aber, wie alle seine Berufsgenossen, auch Zithern und Lauten gebaut. Bogdanoffski, A.N. — St. Petersburg. 1880 Seine Geigen sind handwerksmäßig gebaut; häufig fehlt ihnen Rand und Einlage. Statt der Lackierung zeigen sie eine Art Möbelpolitur. Geigenzettel : (Russischer Adler) A. N. Bogdanoffski / St. Petersburg. Bogdanovics, Stephan (Istvan). — Budapest. 1865 Ist nur kurze Zeit nachweisbar, soll aber recht geschickt gewesen sein. Geigenzettel: Keszitette Bogdanovics Istvan / Pesten 1865 (geschrieben). 4 50 Boghart — Bolli Boghart, Hayne (Heinrich). — Brüssel. 1436 Lautenmacher, von dem bekannt ist, daß er gute Leiern baute. Er wird als *faiseur de bas mstruments« in Ur- kunden bezeichnet. Vielleicht ein Vorfahr von Gisbert van den Bogaerde, der 1558 in die Antwerpener Lucas- gilde als Clavecinmacher aufgenommen wurde. Bogner, Ambros. Joseph. — Prag, später Wien. Geb. 12. Febr. 1752 in Hayd (Böhmen), f 22. Sept. 1816 in Wien Er baute auch Lauten, war bis 1792 in Prag ansässig und siedelte dann nach Wien über, wo er in der Stadt Nr. 976 seine Werkstatt eröffnete und am 1 7. Aug. 1 792 den Bürgereid ablegte. Seine Geigen, die jedoch selten vorkommen und nicht sonderlich hoch bewertet wer- den, sind gut gearbeitet und haben schönes Decken - holz; weniger schön ist der Boden, die Schnecke schwungvoll, aber nicht sehr sauber ausgestochen, die Wölbung von mittlerer Höhe, der Lack dunkel, spröde und undurchsichtig. Er war einer der ersten in Wien, die zu einem breiteren, flachen Modell übergingen. Geigenzettel: Ambrosius Josephus Bogner fccit Viennae. Anno 1807 (gedruckt) und Abb. 43. Bohmann, Joseph. — Chicago III. Geb. 23. Okt. 1848 zu Neumarkt in Böhmen Schüler seines Oheims. Machte sich zuerst in Böhmen selbständig und ging um 1873 nach Amerika, wo er seit 1876 in Chicago ansässig ist. Seine Geigen fanden auch auf europäischen Ausstellungen Anerkennung. Heute besitzt er ein bedeutendes Musikgeschäft in Chicago und fertigt hauptsächlich Geigen (nach allen italie- nischen Meistern), die er mit Bernsteinöllack überzieht. Er besitzt auch ein e'genes Modell, das zwischen dem des Maggini und des Guarnen liegt. Er verwendet das zum Geigenbau sehr geeignete kanadische Gebirgsholz und baut auch vorzügliche Gitarren und Mandolinen, sowie Bogen, an denen er am Frosch ein gut passendes Daumenloch anbringt. Geigenzettel: Abb. 41. Bolssart. — Paris. 1606 Lauten- und Geigenmacher, von dem nur wenig mehr als der Name erhalten ist. Boiteux, Claudius. — München. 1786. 1799 Er stammte aus Mirecourt, wo er von 1 773 bis 1 779 nachweisbar ist. Im Jahre 1786 ließ er sich in München nieder und erhielt sehr bald die Arbeiten für die Hof- kapelle, da man mit Gregor Sidtler nicht zufrieden war; er erhielt auch den Hoftitel und wird im Hof- kalender für 1799 noch als Hoflautenmacher aufge- führt, er hat aber München schon Ende 1798 oder An- fang 1799 wieder verlassen. Geigen von ihm sind mir - nicht bekannt geworden; er scheint hauptsächlich mit Ausbesserungen beschäftigt gewesen zu sein. Bolvln, Claude. — Paris. 1730. 1754 Unter den Pariser Lautenmachern war er sehr ange- sehen und wurde geschworener Zunftmeister für 1752. Er nannte seine Werkstatt >>ä la guitarre royale* und war hauptsächlich Gitarrenmacher, doch kommen ver- einzelt auch Violen und Violinen von ihm vor; auch Bruni hat eine Gamba dieses Meisters von 1735 inven- tarisiert. Er wohnte bis 1732 Rue de Grenelle St. Honore, dann Rue Ticquetonne und zog um 1749 nach der Rue de la Poterie Nr. 10. Seine Arbeit ist gut, nur in bezug auf die Dicke ungenau. Sein Lack ist blaß, meist rötlichbraun. Außer seinem Zettel findet man auch seine Brandmarke. Eine sehr hübsche Gitarre von ihm bewahrt das Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 273). Eine schöne siebensaitige Basse de Viole d'.Amour von 1734 befindet s:ch in W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln. Geigenzettel: Abb. 66 und 67. Boldizsar, Stephan (Istvan). — Budapest. Um 1865 geb. in Szegedin Schüler seines Schwagers Nemessanyi. Er gab das Geigenmachen aber nach kurzer Zeit auf, um Berufs- soldat zu werden. Bollecker, Felix s. Enel Boldrini, Ovidlo. — Salo. 1864 Ein Instrumentenmacher in der Heimat des großen Gasparo: in seinen wenigen Werken ist von dem Genius loci kein Hauch mehr zu verspüren. Bolelll, Pletro. — Bologna. 19. Jahrhundert Ein ausgezeichneter Orchestergeiger und später Im- presario von Theaterunternehmungen (z. B. des Teatro communale in Bologna). Aus Liebhaberei beschäftigte er sich auch mit dem Geigenmachen und versuchte sich als Reparateur, ohne dann etwas zu leisten. Da ihn Valdnghi (389) aufzählt, sei er hier auch erwähnt. Boller, Johann Adolf. — Frankfurt a. M. 1670 Er stammt vielleicht aus Mittenwald und ist bis jetzt nur durch eine sehr niedliche Pochette mit Ebenholz- und Elfenbeineinlegearbeit, die sich in Berlin in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente (Nr. 781) be- findet, bekannt. Der Körper besteht aus neun .Spänen mit Elfenbeinrippen; C-Löcher. In Frankfurt lebte 1662 ein Krämer Johann Adolf Boller, der als »Bürger- sohn« bezeichnet wird. Er dürfte der Sohn unseres Lautenmachers gewesen sein. Boller s. PollerO BoUes. — London. 1600. 1620 Th. Mace bezeichnet ihn als einen der berühmtesten englischen Violen- und Lautenmacher seiner Zeit und schätzte den Wert einer Baßviola dieses Meisters schon damals (1676) auf 100 £. Sehr bedauerlicherweise scheinen sich gerade von ihm keinerlei Arbeiten er- halten zu haben. BolH. — Neapel. 1897 Besserer italienischer Geigenmacher, der nach alten Vorbildern arbeitet. ') Die Mitten walder Mitglieder dieser Familie schwankten im 18. Jahrhundert in der Schreibweise zwischen B und P, jetzt schreiben sie sich ausschließlich Poller. Bol mon Bonc 51 Bolmon, Johannes. — ? 1683 Vermutlich zur Familie Pollmann (Pöhlmann) gehörig. Ein Simon Pollmann (s. d.) wurde 1696 Meister in (Marl<)neukirchen und war wahrscheinlich aus Böhmen dort eingewandert. Von "Johannes Bolmon" befindet sich eine Gitarrelaute im Konservatorium in Brüssel (Nr. 268). Geigenzettel : Johannes Bolmon, Laute- und Geiger.- macher . 1 683 (gedruckt). Bolt. — London Ein Dilettant, der einige Gitarren nach Galbuseras Mo- dell gebaut haben soll. Boltze. — Elberfeld. 1890 Ein Hoboist und leidenschaftlicher Geigenliebhaber, der alte Geigen nicht ungeschickt wieder instand zu setzen verstand. Er machte sichtliche Fortschritte und hätte mit der Zeit noch ein ganz guter Geigenmacher werden können, wenn er nicht schon mit 40 Jahren ge- storben wäre. Bomberghi, Lorenzo. — Florenz. 17. Jahrh. Sohn des Giovanni B. Ein florentinischer Violen- macher von wenig Ruf. Einige vermuten, daß er von deutscher Abstammung war und daß sein Vater viel- leicht aus Bamberg eingewandert sei. Er soll 1670 noch gelebt haben. Bombino, Domenico. — Villafranca (Piemont). 1720. 1730 Möglicherweise ein Schüler G. Cappas, unter dessen Einfluß seine .Arbeit steht, die im ganzen doch nur als mittelmäßig bezeichnet werden kann. B Th Versaill ersaiUes. 1788. ome, 1 homas de. 1808 Ein vornehmer Dilettant, der einige Geigen von un- gleichem Wert gebaut hat. Eine solche aus dem Jahre 1 790 von recht gewöhnlicher .Arbeit besitzt das Pariser Konservatorium (Nr. 24). Besser sind jene Geigen, die er bestimmten Personen widmete. .Außer seinem Zettel (von verschiedenem Wortlaut) brachte er auch ein Schildchen mit den Buchstaben T. B. V. an. Seine Zettel spiegeln die Zeit, in der er lebte, charakteristisch wieder : 1 788 nennt er sich noch M. de Borne, Chevalier de St. Louis, 1790 nur noch kurz Thomas Bome und 1803 läßt er Taufnamen und sogar den Ort weg. Geigenzettel : Fait par M. de Bome Ch'^ de St. Louis Versailles 1 788 Donne a M. de Macusan (gedruckt). — Thomas Bome, Versailles 1790 (gedruckt). — Bome 1803 (gedruckt). Brandmarke: Nr. 73. Bomini, Carlo. — Cremona. 1715 In einer nach Stradivari gebauten Geige fand sich sein Zettel, doch gelang es mir nicht. Urkundliches über ihn zu ermitteln, obwohl er sich als einen Schüler Stradi- varis bezeichnet. Geigenzettel: Carolus Bomini, Discipulus Antonij Stradivari) Cremonen- , sisl715 (gedruckt). Bonafon, Nicolas. — Paris. 18. Jahrhundert Eine Viola, die dem Aussehen nach dem Anfange des 18. oder Ende des 17. Jahrhunderts angehört haben dürfte, trug den Zettel : Abb. 49. Bonardi, Domenico. — Modena. 1728 Sein Name fand sich auf einem Reparaturzettel. Bonazza, Domenico. — Triest. 1880 Ein Bassist aus Friaul, der gegen 1880 zu Gius. Dollenz kam und von ihm im Geigenbau unterwiesen wurde. Er baute sowohl Geigen als Celli und Bässe und ver- wendete braunschwarzen Lack. Die Arbeit ist ziemlich gut, der Ton aber unbedeutend. Bongars, Simon. — Paris (?) 1655 Eine sechssaitige Baßviola aus der Sammlung Bricque- ville trägt seinen Namen und Datum. Bonichi, Francisco. — Cadix Nur als Gitarrenmacher bekannt. Bonn, J. Edwin. — Brading, Isle of Wight. Geb. 28. März 1851 in Fermoy (Irland) Ursprünglich für den ärztlichen Beruf bestimmt stu- dierte er erst Chemie, bevor er sich dem Geigenbau zuwandte, den er dann regelrecht erlernte. Er arbeitet mit Geschick nach Stradivari und nach einem eigenen Modell und wurde auch als Erfinder eines vierfüßigen Steges bekannt. Seine Biographie veröffentlichte Mere-t dith-Morris in der Zeitschrift »The Strad« Nr. 123. Geigenzettel: J. Edwin Bonn Brading, Isle of Wight (gedruckt). Bonnel aine. — Rennes. 1820. 1852 Besserer Geigenmacher, der auch als Reparateur einen gewissen Namen hatte. Geigenzettel : Reparee chez Bonnel, Luthier. A Rennes (185.) (gedruckt). Bonnel jeune. — Rennes. 1855 Sohn und Schüler von Bonnel aine und sowohl im Neubau wie als Reparateur tüchtig. Seine Geigen sind sorgfältig durchgeführt und haben rötlichen Lack. Be- sonders gut sind seine Gitarren. Die Firma heißt jetzt Bossard & Bonnel. Geigenzettel: Repare chez Bonnel jeune Luthier facteur Musique etc. 1855 Rennes. (gedruckt). Bonnici, Francesco. — Paris. Geb. um 1842 auf Malta Seit 1865 Arbeiter beiGand undBernardel, der mehrere goldene Medaillen für Mitarbeiter in Brüssel 1897, in Paris 1889 und 1900 erhielt. Seit 1901 verbringt er seinen Lebensabend in Nogent. Bono, Gaetano. — Venedig. 18. Jahrhundert Einer der weniger bekannten Venezianer, dessen Ar- beiten gleichwohl nicht schlecht sind. 4* 52 B onoris Borl on Bonoris, Cesare. — Mantua. 1 568 Wahrscheinlich aus Dardelhs Schule hervorgegangen. Seine Violen sind gut gearbeitet. Eine Viola da Gamba von ihm besitzt Valdrighi. Bontemps, Nicolas. — Lyon. 1507. 1517 Als »faiseur d'instruments« oder »de manicordions« bezeichnet. Er wohnte im Quartier du port du temple. Vgl. Coutagne, Duiffopruggar. — Ein Dominique Bontemps kam noch 1773 bis 1776 in Mirecourt als Bogenmacher vor. Bonviclni, Filippo. — Spilamberto (?). 1790. 1796 Er wird von Valdrighi zwar erwähnt (408), doch ist sein Name in Spilamberto gänzlich unbekannt. Böpel s. Pöpel Boom (Boon), Pierre. — Brüssel. 1758. 1779 Ein Genosse von Gilles Michiels bei der Hofkapelle, »Bourgeois et habitant de Bruxelles«, wie er sich selbst nennt; er war ein geschickter Lautenmacher, von dem es auch einige gute Violinen gibt. Ch. Bosselet (in Belgien) besitzt ein Alto aus dem Jahre 1778, und bei Cl. Snoeck befand sich eine Violine aus dem Jahre 1 779 von ihm. Geigenzettel: P. Boom me fecit. Bruxelles 1778 (gedr.). Booth, Joseph. — Manchester. 1889 Seine Geigen sind zwar ohne Eigenart, aber gut ge- arbeitet und klingen nicht schlecht. Booth, William (I). — Leeds. Geb. um 1779, t gegen 1858 Ursprünglich Friseur, verlegte er sich seit 1809 auf den Geigenbau und erlangte als Reparateur eine aner- kennenswerte Geschicklichkeit. Geigenzettel : Wm. Booth, maker, Leeds 1828 (gedr.). Booth, William (II). — Leeds. Geb- 1816, t I.Mai 1856 Sohn von Will. B. I, aber nicht dessen Schüler. Er machte sich bereits mit 22 Jahren selbständig und be- rechtigte zu großen Hoffnungen, starb aber, bevor er zur vollen Entwicklung gekommen war. In Burnley (Lancashire) lebte noch am Ende des 19. Jahrhunderts ein Booth als Geigenmacher. Boquay, Jacques. — Paris. Geb. zu Lyon, lebte von 1 700 bis nach 1 736 in Paris Vermutlich ein Mitschüler von Pierray, dem er in seiner Arbeit zwar nicht gleichkommt, aber ähnlich ist. Er gehört zu den besseren französischen Geigen- machern, und einzelne seiner Nachahmungen Hier. Amatis (kleines Modell) sind ihm recht gut gelungen, nur stellt er die F-Löcher manchmal etwas zu schräge. Sein fast stets rotbrauner, nur manchmal ins Gelbliche spielender Ollack ist sehr durchsichtig und verdient alles Lob. Der Ton seiner Geigen ist etwas dick, aber kräftig. Während er (nach seinen Zetteln) Im Jahre 1718 noch in der Rue de la Juivene wohnte, gibt er 1719 be- reits die Rue d'Argenteuil als seine Adresse an. Instru- mente von ihm finden sich in verschiedenen Samm- lungen, so in Paris eine Violine und ein Violoncell. Geigenzettel : Abb. 29 und 87. Borbon (Bourbon), Caspar. — Brüssel. 1673. 1702 Er wird in der Liste der Hofkapelle von 1 673 bereits als »reparateur des Instruments« aufgeführt und war wahr- scheinlich ein Sohn Peter Borbons. Seit 1701 schreibt er seinen Namen auch Bourbon. Seine Arbeit erinnert ein wenig an den Stil Gasparo da Salos; die F-Löcher sind weit geöffnet, im übrigen verraten sie eine ge- schickte Hand; auch der gelbe, hellbraune oder rote Lack ist nicht gerade schlecht. Eine Violine von ihm vom Jahre 1691 besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Geigenzettel: Gaspar Bourbon 1702 (gedruckt) und Abb. 92. Borbon, Peeter. — Brüssel. 1636. 1641 Er war Hoflautenmacher, in seiner Art ein sehr ge- schickter Meister. Vgl. v. d. Straeten, B. V. 137. Eine sechssaitige Baßviola aus der Sammlung Snoeck be- findet sich in Berlin. Geigenzettel : Peeter Borbon tot Brüssel (gedruckt). Borelh, Andrea. — Parma. 1720. 1746 Tüchtiger Nachahmer von L. Guadagnini. Großes Mo- dell, gelber, gelbbrauner oder brauner schöner Lack und guter Ton zeichnen seine Arbeit aus, so daß seine Violinen bereits vor dem Kriege den Preis von 1000 M., seine Violoncelli von 1500 M. erreichten. Eine Violine mit seinem Zettel und der Jahreszahl 1736 wurde am 2. Mai 1917 bei Lepke in Berlin versteigert. Geigenzettel : Abb. 80. Borelli, Antonio Cesare. — Parma? 1792 Vielleicht ein Sohn Andreas. Sein Modell ist groß, der Lack von bernsteingelber Farbe, die Arbeit jedoch ziemlich sorglos durchgeführt. Borgia, Antonio. — Mailand. 1 769 Seine Arbeit erinnert an Testore, hinter dem er freilich noch wesentlich zurückbleibt. Geigenzettel: Antonius Borgia me fecit / In Milano, anno 1769 (gedruckt). Boriero, Alfonso. — Malo (Vicenza). 19. Jahrh. Er macht Geigen und Violen nach alten Vorbildern, ohne Großes zu leisten. Auch in Schio lebte gleichzeitig (noch 1891) ein Geigenmacher Boriero. Borio, Francesco Antonio. — Asti und Cuneo (Coni). 1737 Einige mittelmäßige Geigen tragen seinen Namen ; auch Valdrighi (4045) erwähnt ihn. Borlon (Burion, Porion), Ae.t (Artus oder Arnold). — Antwerpen". 1 579 Er wurde 1579 als Zithermacher (cyetermaker) in die Gilde aufgenommen. Borlc Botin 53 Borion (Porion), Francis. — Antwerpen. 1645 Als Lautenmacher stand er in hohem Ansehen. Eine schöne, große Viola von ihm besitzt die St. Jakobs- kirche in Antwerpen. Geigenzettel: Francis Borion tot Antwerpen / op de Cathelyne Vest (gedruckt). Borlon (Porion), Jan. — Antwerpen. 1670. 1680 Vielleicht ein Sohn von Francis oder Peeter B. Man kennt einen Baß von ihm, dessen Arbeit nicht gerade bemerkenswert ist. Geigenzettel : Joannis Borlon / tot Antwerpen (gedr.). Borlon (Porion), Peeter. — Antwerpen. 1636. 1647 Vielleicht ein Sohn von Aert B. Er baute 1647 für den Kirchenchor der Kathedrale in Antwerpen einen noch heute erhaltenen Kontrabaß. Geigenzettel : Peeter Porion tot Antwerpen fecit / 1 647 (gedruckt). — Veri'ca (Fngnano). Bortolotti, Giovanni. 1884. 1894 Seme Bässe werden gelobt. Bortolotti, Luigi. — Mailand. 1815 Wenig bekannter Geigenmacher, der aus einer guten Schule hervorgegangen ist, sauber arbeitete und gelben Lack gebrauchte. Häufiger kommen Gitarren usw. von ihm vor. A. Gautier m Nizza besitzt eine sorgfältig durchgeführte Zither von ihm mit der Brandmarke : Luigi Bortolotti / 1815. Bosch s. auch Posch Bosch, Hans. — Kassel. Geb. 15. April 1881 m Thannhausen a. d. M. (Bayern) Ein Architekt, hervorragender Raumkünstler, der als leidenschaftlicher Musikfreund sich schon in früher Jugend mit dem Bau von Musikinstrumenten befaßte, was auch sein Vater, der als Altarbauer und Tischler- meister die nötige Handfertigkeit von vorneherein be- saß, schon tat. Seine Studienjahre und seine Berufs- tätigkeit nahmen ihm wohl längere Zeit die Gelegenheit, seiner Liebhaberei nachzugehen, dann kam der Krieg, an dem er, als er nicht mehr felddienstfähig war, als Bauingenieur bei der Heeresbauverwaltung teilnahm, aber sobald er wieder einige freie Zeit hatte, kehrte er mit erneutem Eifer an den Werktisch zurück, und, angeleitet durch Wettengels Buch, und durch sorg- fältiges Studium alter Geigen und zahllose Versuche und Vorübungen geschult, begann er seine erste Geige zu bauen. Mit rastlosem Eifer arbeitete er weiter und brachte es schließlich so weit, daß seine .Arbeiten jetzt den Vergleich mit jeder neuen Geige eines zunftgerecht ausgebildeten Geigenbauers aushalten und sich auch durch großen, edlen Ton auszeichnen. Geigenzettel: Johannes Bosch /Thannhausen a. d. M. Bayern (gedruckt). Bosi (Basi), Florianus. — Bologna. 1 756. 1 782 Er baute vorzugsweise Lauten und Mandolinen und liebte es, die Hälse mit Elfenbeineinlagen zu verzieren. Eine seiner Lauten war in der Sammlung Cavallieri in Ferrara. Eine römische Mandoline von ihm aus der Sammlung Snoeck befindet sich in Berlin. Geigenzettel : Florianus Bosi m via / S. Mcimoli- Bonon.e y Fecit 1756 Bossard, Louis s. Desjardins Bossard & Bonnel. — Rennes. 1900 Geigenmacher, Händler und Reparateure der Gegen- wart. Bossart, Rudolf. — Augsburg. Geb. um 1561. 1625 Im Augsburger Meisterregister von 1615 wird er als Lautenmacher, 54 Jahre alt, angeführt. Erwähnt wird er ferner im Meisterregister von 1619 und im Steuer- buche von 1625. Er war vielleicht der Vater Jacob Bossarts, der sich jedoch Bosshart schrieb. Bosshart (Bossart), Jacob. — Augsburg. 1625. 1640 Im Augsburger Steuerbuche wird er zuerst als Jacob Bossart ohne Angabe des Berufs im Jahre 1625 erwähnt. Von ihm haben sich noch einige Geigen erhalten, die durch hohe Wölbung, hohe Zargen und kurze Ecken auffallen. Er hatte sein eigenes Modell, arbeitete sorg- fältig und nahm gutes Holz und feurigen, durchsichtig- rotgelben Lack. Die F-Löcher schnitt er parallel mit den Jahren. In der Sammlung Fritz Wildhagens in Haiensee b. Berlin befindet sich ein sehr schön ge- arbeiteter, mit Elfenbeinstreifen eingelegter Chitarrone von ihm v. J. 1629. Der Körper des Instruments ist aus Zypressenholz. Geigenzettel: Jacob Boßhart / in Augspurg 1626 (ge- druckt). Botelli, Angelo. — Neapel. 1857 In seinen Violinen spürt man noch die Nachwirkung der guten neapolitanischen Werkstatt-Tradition. Bothe. — Berlin. 1787 ^ Ein Instrumentenmacher dieses Namens wird als Er- finder einer chromatischen Harfe genannt und soll auch Gitarren nach eigenen Grundsätzen gebaut haben. Bothwell, Wilham. — Aberdeen. Geb. 1815 in Aberdeen Nachfolger von John Young. Er machte nur billige Geigen und Violoncelli nach einem eigenen Modell. Das Holz ist gewöhnlich unschön, die Einlage manch- mal aber recht kunstvoll. Er verwendete nie Zettel. Botin. — Chantilly. 1795. 1800 Ein Geigenmacher dritten Ranges, der vielleicht in Mirecourt gelernt hat. Geigenzettel : Abb. 69. 54 ßott — Boureard Bott, Johann. — Wien. Geb. um 1810, t 10. März 1881 Ein geschickter Geigenmacher, der nur wenig neue, aber sehr schöne Violinen gemacht hat, die nach Stra- divari und Amati gebaut sind und guten gelbbraunen Lack haben. Er soll nach seiner eigenen Angabe nur ein einziges Violoncello gemacht haben. Als Reparateur war er vielbeschäftigt und wegen seiner Sorgfalt ge- schätzt. Er hatte seine Werkstatt in der Burggasse bei St. Ulrich, wo jedermann den originellen kleinen Mann mit dem großen grauen Künstlerhut kannte. Er ver- wendete nur geschriebene Zettel. Bottari, Ferdinando. — Pisa. 1849 Ein Gitarrenmacher vom Anfang des 1 9. Jahrhunderts ohne bemerkenswerte Vorzüge. Botti, Antonio. — Sassuolo (Modena). 19. Jahr- hundert Er wird bei Valdnghi (3689) erwähnt; man kennt nur einige Kontrabässe von ihm. Botze, Johannes. — Erfurt. 1687 G. Siefert in Leipzig besitzt eine aus der Kirche einer Brüdergemeinde stammende Viola von ihm (Decke und Kopf sind neuere Arbeit) mit dem geschriebenen Zettel: Johannes Botze in Erffürth 1687. Boucher. — London. 1764 Ein in England ansässiger Franzose, der sich durch nichts hervorgetan hat. Bouillot, Jean Fran^ois. — Mirecourt. 1778. 1787 Nur dem Namen nach bekannt. Boul, Simon. — ? 1786 Eine gute Geige mit seinem Zettel führt das Preisver- zeichnis von G. Withers auf (16 £). Boulanger, Nicolas. — Mirecourt. 1 727. 1 758 Nur von A. Jacquot erwähnter Luthier. Boullangier, Charles. — London. Geb. 1823 in Mirecourt, t Okt. 1888 Nachdem er in Mirecourt ausgelernt hatte, ging er 1843 nach Paris, arbeitete drei Jahre bei Vuillaume und drei Jahre bei Gand & Bernardel und wandte sich 1849 nach London, wo er bis 1856 für Edw. Withers Geigen machte und dann seine eigene Werkstatt eröffnete. Er war sehr fleißig, baute viele Geigen nach Stradivan und Guarneri und verwendete einen schönen, roten Lack. Besonders geschätzt sind seine Violoncelli. Boullangier, C. — London. 1889. 1900 Wohl der Sohn und Nachfolger von Charles B. Er er- hielt für seine Violinen und Violoncelli 1889 auf der Invention Exhibition eine silberne Medaille. Boumeester (Bouwmeester), Jan. — Amster- dam. 1637. 1689 Einer der besten holländischen Geigenmacher des 17. Jahrhunderts, der sich durch besonders saubere Arbeit und guten, gelben oder gelbroten Lack aus- zeichnet. Er bevorzugte ein großes Patron von mittlerer Wölbung und brachte am Wirbelkasten geschnitzte Köpfchen an. Er stand in hohem Ansehen, und das Selhofsche .Auktionsverzeichnis führt Violinen, Gam- ben und Violoncelli von ihm aus den Jahren von 1614(?) bis 1675 auf (versteigert im Haag 1759). In der Samm- lung von Scheurleer sind zwei Violen von 1683 und 1689 und bei Snoeck eine Baßviola von 1667 (jetzt in Berlin). Auch auf der Ausstellung des Verbandes deutscher Geigenbauer in Leipzig im Jahre 1908 war eine Violine dieses Meisters zu sehen, die den Arbeiten von Petrus Guarneri (Mantuae) zum Verwechseln ähnlich war. Es ist daher wahrscheinlich, daß die meisten seiner .Arbeiten jetzt unter italienischer Flagge segeln. Geigenzettel: Jean B;umeester , Amsterdam 1667 (ge- druckt). — .Abb. 76. Bourbon s. Borbon Bourbon, Nicolas. — Mirecourt. 1753. 1787 Er galt als geschickter Meister und war mit Nicolas Vuillaume befreundet. Ein Fran(;ois Bourbon, der von 1775 bis 1789 nachweisbar ist, war dagegen nach Jacquot nur ein mittelmäßiger Geigenmacher. Bourdet, Jacques. — Paris. 1750. 1752 Er stammt wahrscheinlich aus Mirecourt (vgl. Bourdot) und scheint Instrumente aller Art gebaut zu haben. Seine Violinen sollen von sehr gewöhnlicher Arbeit sein. Mir ist er nur als der Wiederhersteller eines Clavecins bekannt geworden. Von seinem Leben weiß man auch nur, daß er 1751 geschworener Meister der Pariser Lautenmacherzunft war. Bourdot (Bourdet), Jean-Sebastien. — Mire- court. Geb. im Beginn des 18. Jahrhunderts, lebte noch 1 766 Ein sehr geschickter Meister. Über seine Lebenszeit gehen die Nachrichten weit auseinander. Während Jacquot und Vidal das 18. Jahrhundert als seine Zeit nachweisen, setzen ihn andere ein Jahrhundert zurück und lassen ihn 16.20 leben, und wieder andere sagen, er sei 1 530 geboren und habe 1 555 in Paris gelebt. Man hat es da bestenfalls mit drei gleichnamigen Meistern zu tun. Andere Mitglieder der Familie waren : Claude- FrancoisB. (1738. 1745), Dominique B., der Bruder von Jean-Sebastien, der auch Orgelmacher war(l 732. 1748), sowie zwei Franc^ois B., die 1785 und 1786 in den Zunftlisten vorkommen. Bourgard, Jean. — Nancy. 1775. 1786 Er stammte aus Prag und war der Sohn des Johann Burghardt und der Cathanna, geb. Baumgarten. Er kam in jungen Jahren zu Charotte nach Nancy, wo er seinen Namen französisierte und die Marianne Fanchon heiratete. Seine Geigsn sind meist ohne Sorgfalt aus- geführt und haben braunen Lack, doch gibt es auch I Bourgeois — Bozzolo 55 bessere Arbeiten von ihm, die schönen, roten Lack zeigen. Er schloß sich der französischen Schule an und machte oder handelte wenigstens mit allen möglichen Saiteninstrumenten. Geigenzettel : Jean Bourgard maitre luthier ä Nancy, / rue de laPoissonnerie, n° 404; f ait et raccomode toutes/ sortes d'ouvrages de sa profession comme / guitares allemandes, guitares mechaniques, guitares / espagnoles, mandolines, luths, paradons ä trente cordes ' contre- basses, basses, violon d amour, violons etc. (gedruckt). — Jean Bourgard, facteur d'instruments ä Nancy 1 776 (gedruckt). — F*. par moi Bourgard, facteur d'instru- ments, rue / de la Poissonnerie a Nancy 1 786 (ge- schrieben). Bourgeois, Seraphin. — Genf. 1829 Es war unmöglich, irgend etwas über diesen Schweizer Geigenmacher zu erfahren. Ich kenne nur den folgenden Zettel von ihm. Vielleicht hieß er Seraphin und war Bürger zu Genf. Geigenzettel: Repare par Seraphin Bourgeois , ä Ge- neve An 1829 (gedruckt). Bourguignon, Maurice. — Brüssel. Geb. 18. Sept. 1885 in Mattaincourt Schüler von Georges Mougenot, dessen Nachfolger er im Jahre 1910 wurde. Bourlier, Jacques. — Mirecourt. 1770. 1790 Bevor er sich selbständig machte, arbeitete er eine Zeit- lang bei Charotte in Nancy, an dessen Art seine Geigen erinnern. Er verwendete einen Brandstempel Jacq. Bourlier. Bourlier, Jean-Baptiste. — Mirecourt. 1773. 1785 Er stand seinerzeit in einem gewissen Ansehen. Ar- beiten von ihm kenne ich nicht. Ein Francjois B., der 1788 vorkommt, war vielleicht sein Sohn. Bourlier, Laurent I. — Mirecourt. Geb. um 1737, t 1780 Mehr können auch Vidal und Jacquot von ihm nicht sagen, da bisher keinerlei Arbeiten von ihm bekannt geworden sind. Bourlier. — Mirecourt. 1775. 1820 Sohn von Laurent I B. Er baute hauptsächlich Kinder- geigen in Viertel-, halber und Dreiviertel große und war nicht ungeschickt. Bourlier, Laurent II. — Mirecourt. Geb. um 1798, t 1878 Ein Enkel von Laurent I. B. und wohl der Geschickteste aus seiner Familie, der sauber arbeitete und einen guten Ton erzielte. Einen Brandstempel mit seinem Namen brachte er innen am Boden an. Bourlier, Nicolas. — Mirecourt. 19. Jahrh. Vielleicht der Bruder von Laurent 1 1 B. Auch er war nicht ungeschickt. Von ihm rühren die Geigen her, die nur den Namen Bourlier als Brandmarke tragen. Bourse. — Paris. 1805 Jacquot teilt seinen Namen nach einem geschriebenen Geigenzettel mit. Boury, A. — St. Quentin. 1867 Neue Geigen von ihm sind mir nicht zu Gesicht ge- kommen. Geigenzettel : Repare par A. Boury ,' Luthier ä S* Quen- tin 1867 (geschrieben). Boussu , Benoit-Joseph. — Eterbeek-Brüssel. 1750. 1780 Einer der besseren belgischen Geigenmacher, der ziemlich gut und sauber nach Amati arbeitete und auch einen schönen, gelben Lack verwendete. Seine Werk- statt war in der Vorstadt Eterbeek, doch dürfte er, wie auch van der Straeten glaubt, in Brüssel selbst einen Verkaufsladen besessen haben. Eine Geige von ihm mit charakteristischer Schnecke besaß C. C. Snoeck. Bovis, Fran^ois. — Nizza. Geb. 1860 in Nizza Von 1874 — 1881 war er Schüler von Nicolo Bianchi, dessen Werkstatt er nach dem Tode des Meisters über- nahm. Er arbeitet nach eigenem Modell und verwendet einen halbfetten Lack. Er ist Geigenmacher des Kon- zertorchesters von Monte Carlo. Geigenzettel : Abb. 77. Bowes, A. — Edinburgh. 1895 Bekannt durch seinen Versuch, die Saiten der Geige paarweise anzubringen (ähnlich wie bei der Mandoline). Bowler, Arthur. — Islington-London. Geb. 12. Juli 1867 in Thame (Oxfordshire) Seine Mutter war die jüngste Schwester der Frau von Georges Chanot, so daß schon in früher Jugend sein Interesse für den Geigenbau geweckt wurde; doch er- lernte er zunächst in der Werkstatt seines Großvaters die Schreinerei. 1893 nach London gekommen, suchte er seinen Oheim Chanot auf und bot nach dem Tode desselben dem Sohne und Nachfolger seine Dienste an. J. A. Chanot nahm ihn auf drei Jahre in die Lehre. Hier kamen ihm seine Vorkenntnisse in der Holzbearbeitung sehr zustatten, und er machte schnelle Fortschritte. Er blieb bei Chanot bis 1899 und machte sich dann selb- ständig. Bowler arbeitet ungemein sauber und baut seine Geigen hauptsächlich nach der »Messias« von Stradivari. Er verwendet einen dunkelorangeroten Bernsteinlack und wird als Künstler geschätzt. Seine Biographie mit Bildnis, Geigenabbildung und Zettel veröffentlichte Rev. Meredith-Morris in »The Strad« (April 1900, Nr. 120). Geigenzettel : Arthur Bowler London, fecit 19.. (Kreis mit A. B.). Boyer, Alexis. — Mirecourt. 1773. 1789 Ein Geigenmacher, dessen gleichnamiger Sohn 1783 erwähnt wird. Bozzolo, Pietro. — St. Petersburg. Geb. um 1830, t9.JuH 1907 Ein Mailänder, der im Jahre 1862 als Chorist der italienischen Oper nach St. Petersburg kam. Den 56 Bradi Brand ner Geigenbau scheint er schon m seiner Heimat betrieben zu haben, und so verlegte er sich auch in Rußland sehr bald ausschließlich auf die Reparatur und den Handel mit alten italienischen Geigen. Er war als Kenner sehr geschätzt, lebte ungemein sparsam und hinterließ bei seinem Tode ein großes Vermögen. Sein schönes Lager italienischer Streichinstrumente erwarb Jul. Heinr. Zimmermann, während seine Werkstatt und seine reichen Geigenholzvorräte in den Besitz von A. J. Leman übergingen. Braglia, Antonio. — Modena. 1 790. f um 1 820 Besonders als Bogenmacher geschätzt; seine Gitarren und Bässe sind dagegen weniger wertvoll. Brahi. — Lüttich. 1900 Geigenmacher und -händler der Gegenwart. Braidi, Geminiano. — Modena. 1 794 Er baute Geigen und Bogeninstrumente aller Art. — Alles aber ohne besonderes Verdienst. Braidi, Giovanni. 1766 Modena. Mittelmäßiger Geigenmacher, von dem ich ein großes Violoncello und einen Baß gesehen habe. Vielleicht der Vater Geminianos. Geigenzettel: Johannes Braidi, protomagister / violae majoris (sie) in C. S.""' ducis / Mutinae fecit a. 1 766 (gedruckt). Brandillonl (Brandiglioni), Filippo. — Bres- cla(?). 1790. 1800 Er wird von mehreren in das 1 7. Jahrhundert versetzt und soll das Maggini-Modell nachgeahmt haben. Das erstere ist falsch und das letztere nicht bewiesen. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1795 hat braunroten Leimlack und eine scharfe, bestimmte Hohlkehle. Die Schnecke, durch deren Mitte ein Ebenholzstift geht, ist nach Amati geschnitten, mit vertiefter, schwarz ge- färbter Mittellinie. Die Zargen sind hoch, die F-Löcher plump, aber die Wölbung ist schön. Die ganze Geige erinnerte an die Arbeit Leop. Widhalms und mehr an die Mittenwalder als an die italienische Schule; selbst das für Mittenwald charakteristische Merkmal für die Mitte der Unterzarge fehlt nicht. Da ihn Fenaroli gar nicht erwähnt, ist das »Brixiee« vielleicht auf Bnxen statt auf Brescia zu deuten. Geigenzettel : Abb. 93. Brandini, Fausto. — Pisa. 1 777 Seine Geigen sind nicht ungeschickt gemacht. Val- drighi (3867) schreibt den Namen Prandini, doch scheint die Schreibweise mit B die vorherrschende zu sein. Brandini, Jacopo. — Pisa. 1789. 1807 Gehört er auch nicht zu den hervorragenden Geigen- machern, so kennt man doch einige gut klingende Violinen von ihm. Sein Modell ist nicht besonders schön, er verwandte aber im allgemeinen gutes Holz und einen ziemlich guten Lack. Der Boden ist bei ihm oft nach der Schwarte geschnitten. Nach einer Mit- teilung gelangte die Firma Herrmann & Söhne in Berlin in den Besitz seines zufällig erhaltenen Nach- lasses, aus etwa 50 Geigen bestehend. Geigenzettel : Abb. 74. Brandini. — Pesaro. 1660 Der älteste Geigenmacher dieses Namens, von dem es Geigen und Violoncelli gibt, die nicht ganz schlecht sind. Auch Valdrighi (3691) erwähnt ihn. Brandl, Karl. — Budapest. Geb. in Szom- bathely 1821, f 16. April 1864 Schüler vonTischenant und Anton Hoffmann in Wien, bei dem er gleichzeitig mit Th. Gutermann arbeitete- Er hat mehrere sehr gute Geigen gemacht, auch die Londoner Ausstellung von 1862 enthielt zwei schöne Geigen von ihm, nach Stradivan und Guarnen del Gesü gebaut, von denen die letztere später in den Besitz von Louis van Waefelghem überging. Geigenzettel: Carolus Brandl fecit ad formnm Gio. Pao. / Maggini Pestini 1863 (gedruckt). Brandner. — Schönbach b. Eger. Geb. 29. Jan. 1814, 17. Febr. 1895 Trat als Geigenmacherssohn frühzeitig in die Werk- statt seines Vaters ein und war ein fleißiger Geigen- macher, dessen Sohn Johann auch wieder das väterliche Geschäft fortsetzt. Brandner, Anton I. — Schönbach in B. Geb. um 1800 Innungsmeister vor. Schönbach in B. 1870. Kommt 1826 bereits als Brandner, Anton II. — t 1898 Ursprünglich Geigenmacher, verlegte er sich in der Folge fast ausschließlich auf das Schnitzen von Geigen- hälsen und Schnecken. Brandner, Ignaz. — Schönbach in B. f um 1899 Ein Geigenmacher, der nur billige Geigen und Schach- teln machte. Brandner, Johann. — Schönbach in B. Geb. in Schönbach 1849 Schüler von Anton Brandner. Durchwanderte als Ge- hilfe Deutschland und war von 1870 — 1875 bei Bausch in Leipzig, worauf er 1875 sein eigenes Geschäft be- gründete. Er baut Streichinstrumente nach allen Mo- dellen und wendet verschiedene Lackierungen an. Auch treibt er Handel mit alten Instrumenten. Außer seinen eieenen Zetteln klebt er auch solche nach dem Modell ein. Brandner, Josef | » Karl I Schönbach » Wenzel ) In der Geigenindustrie ihrer Heimat noch gegenwärtig tätige Mitglieder der Familie B. ßrandner — Braun 57 Brandner, Johann. — Mittenwald. Geb. 1835, t 1916 Ein braver Gelgenmacher, der selbständig wenig her- vorgetreten ist, aber seines unversieglichen Humors halber sehr beliebt war, und der als Hochzeitlader und Brautführer bei allen Familienfesten seines Ortes eine gewichtige Rolle spielte. Brandner, Kaspar. — Mittenwald. Geb. 18. Nov. 1883 in Mittenwald Schüler der Mittenwalder Geigenbauschule unter Franz Baader. Als Gehilfe arbeitete er zwei Jahre lang bei G. Kriner in Landshut und drei Jahre in München bei Gius. Fiorini, Zunterer und zuletzt bei Sim. Rieger, nachdem er vorher m seinem Heimatsort noch das Lauten- und Gitarrenmachen erlernt hatte. Im Jahre 1904 machte er sich selbständig, baut nach Stradivari und Guarnen gute Konzertgeigen und nach italie- nischen und Wiener Modellen Lauten und Gitarren. Er ist auch in der Wiederherstellung aller Saiteninstru- mente geschickt und wurde 1896 auf der Nürnberger Ausstellung für seine Geigen prämiiert. Geigenzettel : Kaspar Brandner / Instrumentenmacher und Reparateur / Mittenwald Nr. 125 (Bayern) [Rechts und links Medaille Prämiiert Nürnberg 1906]. w len. Geb. um 1757. Brandstätter, Ignaz. t 10. März 1791 Da er nur ein Alter von 34 Jahren erreicht hat, dürfte es nur wenige Geigen von ihm geben. Er scheint übri- gens hauptsächlich Gitarren gemacht zu haben, die aber nur von mittelmäßiger Arbeit sind. Boden und Zargen zeigen denselben schwarzbraunen Lack, der zu seiner Zeit in Wien beliebt war. Geigenzettel : Abb. 46. Brandstätter, Matthäus Ignaz. — Wien. Geb. um 1791, t 6. März 1851 Er wohnte Stadt Nr. 994 und legte am 3. Oktober 1817 als Lautenmacher den Bürgereid ab. Er baute sehr sauber gearbeitete Violinen nach Stradivari und verwendete einen gelben Lack mit rötlicher Schattierung. Leider ist der Ton seiner Geigen nicht so schön wie ihr Aussehen. Er war sehr fleißig, soll aber in den letzten Lebens- jahren nicht zu bewegen gewesen sein, eine seiner neuen Geigen zu verkaufen. Nach seinem Tode fanden sich in seiner Werkstatt mehrere Schubladen voll Violinen, die bis zum Lackieren fertig waren. Anton Hoffmann kaufte den ganzen Nachlaß, machte die Geigen fertig, versah sie mit Brandstätters Zettel und brachte sie in den Handel. Diese nachgelassenen Geigen sind leicht an ihrem minderwertigen Lack zu erkennen und nur halb so viel wert als diejenigen, die er selbst noch fertig ge- macht hat und die jetzt recht gut bezahlt werden. Er stand als Reparateur in großem Ansehen. Ein Re- paraturzettel von ihm in Brüssel (Mus. d. Cons. Nr. 258), ein ebensolcher in einer theorbierten Laute von Pradter, die sich in der Sammlung alter Musik- instrumente in Wien, Burgring 5, befindet. Ein Johann Brandstätter, der von 1840 bis 1855 in Wien gelebt haben soll, hat nicht existiert. Geigenzettel : Mathäus Brandstätter in Viennae / repa- ravit Anno 1817 (gedruckt) und Abb. 47. Branzo, Francesco Barbaro. — Padua. 1 620. 1 660 Das Wort »Barbaro« dürfte die Heimat dieses Meisters andeuten. Ein Calascione (beliebtes neap. Volksinstru- ment) in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin, Nr. 723 (von 1620), S.Abbildung Bd. I Seite 54. Bei Vidal wird nur der Name mit der Jahres- zahl 1660 erwähnt. Erscheint also nur die aus diesem Jahre stammende Gamba von ihm in der Sammlung Correr gekannt zu haben. Valdnghi nennt ihn Bronzo- Barbaro (3693). Brater s. Pradter Bratti, Cesare. — Florenz. 1882 Er soll nicht ungeschickt gewesen sein ; da er aber in seine Geigen gerne fremde Zettel geklebt hat, findet man seinen Namen sehr selten. Braun, Adam. — (Mark-)Neukirchen. 1697 Sein Name wird als der eines Stiefsohnes und Schülers von Komelius Kretzschmar überliefert. Da er keines Meisters Sohn war und die vorgeschriebene Wanderzeit nicht erledigt hatte, wurde er erst auf ein an den Landes- herrn gerichtetes Gnadengesuch hin am 17. Okt. 1697 als Meister in die Zunft aufgenommen. Er ist wahr- scheinlich der Ahnherr der noch bestehenden Familie, seine Söhne und Enkel scheinen jedoch nicht Geigen- macher gewesen zu sein. Braun, Anton. — Budapest, Szegedin, Belgrad. Geb. 1847, t 5. Okt. 1901 Schüler von Placht in Wien und Ferd. Jos. Homolka in Kuttenberg. Er hielt sich nur kurze Zeit in Budapest auf, ging dann nach Szegedin und ließ sich um 1887 in Belgrad nieder, wo er Königl. Serbischer Hofinstru- mentenmacher wurde. Er war auch ein tüchtiger Mu- siker und wahrscheinlich der Vater von Johann und Michael Braun. Geigenzettel : Antonius Braun / fecit Beigradi 1890 (ge- druckt). — Reparavit / Ant. Braun Beigradi / 1882 (ge- druckt). Braun, August Hermann. — Markneukirchen. Geb. 11. Dez. 1868 Schüler von Karl Wilhelm Keßler, bei dem er seit 1882 lernte. Als Gehilfe arbeitete er bei verschiedenen Meistern und machte sich 1892 selbständig. Im Jahre 1896 trat er bei der Firma Karl Gottlob Schuster ein und gründete deren Werkstatt für Kunstgeigenbau, die er durch 22 Jahre leitete. Im Jahre 1918 richtete er seine eigene Werkstatt ein und baut sehr sorgfältig aus- geführte Violinen und Violoncelli nach italienischen und Tiroler Meistern, die sich sehr schnell Eingang in Künst- lerkreisen verschafften. Er verwendet einen guten äthe- rischen Ollack. Besonders wird auch seine Geschicklich- keit im Wiederherstellen alter Meistergeigen gelobt. Geigenzettel: Gebaut im Jahre 19 . . / von Aug. Her- mann Braun / Lauten- und Geigenbaumeister / Mark- neukirchen i.'S. No. 855. 58 B raun -B renner Braun, August Robert. — Erlbach. 19. Jahrh. Er soll nach Spremberg gezogen sein, war aber dort nicht zu ermitteln. Braun, August Wilhelm. — Markneukirchen. Geb. in Erlbach 1819, f 30. Okt. 1869, 50 Jahre 23 Tage alt Ließ sich anfangs der fünfziger Jahre in Markneu- kirchen als Geigenmacher nieder und baute billige Geigen für den Ausfuhrhandel. Braun, Ernst Moritz. — Markneukirchen. Geb. in Erlbach 27. Dez. 1848 Sohn von Aug. Wilh. Braun. Geigenmacher der Gegen- wart. Braun, Gustav. — Düsseldorf, Dresden, Lü- beck. Geb. in Erlbach 7. Febr. 1 846, f Ostern 1896 in Lübeck Sohn von Aug. Wilh. Braun. Er war ursprünglich Bratschist; da er jedoch Geigenmacherssohn war, interessierte er sich für den Geigenbau, und als er in Hannover Gelegenheit gehabt hatte, bei einem Geigen- macher Unterricht zu nehmen, begann er bald darauf in Düsseldorf, in seiner freien Zeit Geigen zu reparieren. 1872 siedelte er nach Dresden über und 1895 nach Lübeck. Er besaß theoretische Kenntnisse und be- schäftigte auch zeitweise Gehilfen. Die von diesen an- gefertigten Geigen tragen seinen Zettel. Geigenzettel : Repariert von Gustav Braun / Düsseldorf 1869 (gedruckt). Gustav Braun /Dresden 18 . . (geschr.). Braun, Johann. — Szegedin. Geb. in Nagy SzentMiklos 1860 Als C.W.Richters Nachfolger ließ er sich 1883 in Szegedin als Geigenmacher und Optiker nieder. Er soll bei Ig. Lutz in Wien gearbeitet haben und unterhält eine Werkstatt. Auf der Szegediner und Torontäler Gewerbeausstellung sowie auf der Budapester Millen- niumsausstellung erhielt er Medaillen. Geigenzettel: Joannes Braun fecit / Szegedini 1895 (gedruckt). Braun, Joseph. — Mittenwald. 1914 Er gilt als guter Violoncellomacher, arbeitet aber auch als Zimmermann. Braun, Michael. — Szegedin, Klausenburg. 1891. 1896 Geschickter Geigenmacher der Gegenwart. Er arbeitet nach Guarnen und Stradivari, verwendet einen gold- rötlichen Lack und liebt dicke Einlagen. Geigenzettel: Braun Michael / Szegedin 891 (geschr.). Braun, Wilhelm August. — Markneukirchen. Geb. 18. Juni 1855 in Markneukirchen Sohn von Aug. Wilh. Braun. Gelgenmacher der Gegen- wart. Brauner, Johann Josef. — Wien. 1749. 1761 In den Wiener Steuerbüchern kommt er von 1750 bis 1758 vor. Im letzten Jahre mit der Bemerkung: »Wegen seiner Abreisung von hier der Steuer und des Bürger- rechts entlassen worden«. Er wohnte im Schotten viertel und legte am 4. Juli 1 749 den Bürgereid ab. Er wird zuletzt erwähnt mit der Bemerkung : »Vermög Ver- ordnung dd° 29. May 1758 der Bürgerpflicht entlassen und das Bürger Zettel zurückgegeben worden.« Doch kommen noch Geigen mit der Jahreszahl 1761 von ihm vor. Auf seinen Zetteln gebraucht er abwechselnd bald den Taufnamen Johann, bald Josef, selten beide zu- sammen. Geigenzettel : Abb. 40. Brauns, Carl Friedr. Wilh. — Hamburg. 1798 Er wird als »Instrumentenmacher« am 12. Okt. 1798 Bürger von Hamburg, ist aber sonst nicht bekannt. B reazzano s Bri riazzano Breckinridge, John. — Glasgow. Geb. 1790 in Parkhead bei Glasgow, f 1840 in Glas- gow Er war von Hause aus Weber und besaß später einen Krämerladen ; dabei machte er fleißig Geigen, die recht gut nach Amati gebaut sind. Sein (Splritus-)Lack ist gelb oder dunkelbraun. Der Ton ist angenehm, aber nicht groß. Geigenzettel: John Breckinridge Maker Parkhead 1834 (geschrieben). Breiling, Andreas Ludolph (Ludwig). — Göt- tingen. 1801. 1829 Er wurde am 21. September 1801 zum Bürger ange- nommen, aber erst am 29. April 1829 als solcher ver- eidigt. Da ihm dabei die Gebühren erlassen wurden, kann man annehmen, daß er in beschränkten Verhält- nissen lebte. Trotzdem war er ein sehr geschickter Lautenmacher, der ebenso originell als sauber arbeitete. Eine Laute von ihm aus dem Jahre 1803 trug die Nr. 132. Geigenzettel: A. L. Breiling in Göttingen ,' fecit 1802 No. 121 (?) (geschrieten). Breitenberger, Ludwig, lebt als Instrumenten- macher in München Bremitz, Giuseppe. — Tnest. 1895 Unbedeutender Geigenmacher aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts, der wohl nur von Fabriken her- gestellte Schachteln verarbeitete. Brenner, C. — Gefle. 1804 Man kennt einige Reparaturen von ihm, es ist aber wahrscheinlich, daß er ein Musiker war, der nur ge- legentlich Ausbesserungen vornahm. Geigenzettel: Reparerad 1804 C . . . Brenner, Gefle (gedruckt). Brensio — Brinckmann 59 Brensio (Brensius, Brinsius), Antonio. — Bo- logna. 1592 Vielleicht der Vater oder Sohn von Girolamo. Eine Lira da Gamba von ihm besitzt W. Heyers Musikhistonsches MuseuTi in Köln (Nr. 782). Geigenzettel : Antonino Brensius Bononi (gedruckt). — Antonius Bononiensis (geschrieben). Brensio, (Girolsmo) Hieronymus. — Bologna 16. Jahrhundert In einer nicht datierten Viola da Eraccio im Museum des »Liceo filarmonico« in Bologna findet sich der Name dieses Meisters. Vidal teilt die Maße des fünf- saitigen Instruments, das für die Geschichte des Gei- genbaus sehr bemerkenswert ist, mit. Geigenzettel : Abb. 89. Brenzoni, Pietro. — 1902 Italienischer Geigen macher unserer Zeit. Bresa (Brosa?), Francesco. — Mailand. 1708 Vidal ergänzt den Namen der Stadt, die auf einem Originalzettel nicht ganz leserlich war, wohl richtig, wenn er Milano lesen will, wofür auch »alla scala« zu sprechen scheint. Das zu dem Zettel gehörige Instru- ment ist übrigens verschwunden und Werke von F. Bresa sonst nicht bekannt geworden. Vgl. auch Brossa. De Piccolellis bezeichnet ihn als einen mittelmäßigen Mailänder Geigenmacher. Geigenzettel : Francesco Bresa fece alla Scala in Mil . . 1 708 (gedruckt). Bressano, Baptista. — ? 16. 17. Jahrhundert Eine Pochette im Museum des Liceo filarmonico in Bologna trägt diesen Namen. Sie ist wahrscheinlich Brescisner .Arbeit, in welchem Falle das Wort Bressano wohl als Heimatsbezeichnung angesehen werden muß. Breton, Fran^ois. — Mirecourt. Geb. in Mire- courtum 1750, f 1830 Seine Arbeit ist zwar nicht künstlerisch, aber immerhin recht sauber. Er bevorzugte ein großes Modell und verwandte meist hellgelben Lack. Da er viele Arbeiter beschäftigte, sind seine Geigen nicht selten ; man muß sich jedoch trotzdem vorsehen, denn abgesehen davon, daß seine Firma auf eine Mirecourter Fabrik überging, die noch immer seinen Zettel m ganz neue Instrumente klebt, ist er auch norh vielfach nachgeahmt worden. Es geht ihm beinahe so wie der deutschen Famihe Hopf. Sie erhob sich nicht über handwerksmäßige Mittel- mäßigkeit und wird doch fortwährend von einer urteils- losen Menge zum Vorbild senommen. — Er ver- wendete auch den einen Brandstempel, dessen letzte Zeile häufig fehlt. — .'Xuch als Bogenmacher hat er sich betätigt. Geigenzettel: Abb. 71 und 79. Breton, Joseph Fran^ois. 1740. 1815 (?) Paris, Mirecourt. Ein Mirecourter Meister, der vielleicht wirklich vor- übergehend in Paris ansässig war, obwohl das Fehlen einer näheren Wohnungsangabe zu Zweifeln m dieser Hinsicht berechtigt. Seine Arbeiten zeichnen sich nicht aus und werden häufig mit denen von F. Breton ver- wechselt, wozu die '\hnlichkeit der Modelle einigen Anlaß gibt. Es ist auch nicht ganz sicher, welcher Breton den Brandstempel : Breton Luthier ä Paris be- nutzte. Eine Violine von ihm befand sich in der Samm- lung Snoeck (Nr. 522). Geigenzettel: J. F. Breton, citharae fabri- ' cator, faclt , vendit et recon- cinat instrumenta musica omnis / generls. Parisiis anno 1780 (gedruckt). Gleichlautende Zettel kommen von 1740 — 1780 häufig vor. doch fand sich ein solcher Zettel auch in einem Violoncello mit der Jahreszahl 1815 vor. Ob er dieses noch selbst gemacht hat, oder ob der alte Zettel mit neuer Jahreszahl von einem Werkstattnachfolger ge- braucht worden ist, müßte erst festgestellt werden. Breton s. auch Le Breton Breuling s. Breiling Briano, Fran<;ois. — Nizza. 1900 Musikinstrumentenmacher und -händler der Gegen- wart. Bnazzano (Breazzano) s. Brizzano Briere, Paschal. — Rouen. Anfang des 1 S.Jahr- hunderts Er wohnte in der Rue du Petit Pults (Pfarrei St. Michel), scheint aber nur wenig Zuspruch gehabt zu haben. Briggs, James William. — Glasgow. Geb. 9. Juli 1855 m Wakefield Schüler von William Tarr, machte sich 1876 selb- ständig und baut sowohl nach Stradivan und Guarneri als auch nach einem eigenen Modell, wobei er einen Bernsteinöllack verwendet. Seine Geigen und Bässe sind vorzüglich gearbeitet, und schon 1891 erhieltereine goldene Medaille dafür. Er ist auch als Händler mit alten Instrumenten bedeutend und wohnte um 1890 u. 1891 in Leeds. Seine Biographie veröffentlichte Meredith-Morris in »The Strad« 1902 Nr. 142. Geigenzettel: James William Briggs Glasgow 19. . (gedruckt). Brinckmann, Franz Georg. — Frankfurt a. M. Geb. 1 799 in Frankfurt a. M., f daselbst nach 1845 Er war der Sohn eines Musikers, von dem er wohl die ersten Unterweisungen erhielt. Später kam er zu einem Schreiner in die Lehre und wurde 1829 auch als Schreinermeister zum Bürger aufgenommen. Er ver- legte sich jedoch ganz auf den Instrumentenbau und brachte es dann zu bemerkenswerter Geschicklichkeit, so daß er für eine Geige gern 100 fl. bekam. Mit Vor- liebe baute er jedoch Gitarren und war stolz darauf, hierfür von Paganini belobt worden zu sein. Er hat auch einen Mechanismus erfunden, der das häufige Ver- stimmen der Gitarren verhüten sollte. Instrumente mit diesem Mechanismus nannte er >>Korrektionsgitarren«. Sehr geschätzt waren seine übersponnenen Saiten. 60 Britsen — Brown Britsen, Georgius. — Antwerpen. 1613 Schüler des Bildhauers Melchior Ykens. Er ist freilich nur als Clavecinmacher bekannt. Auch sein Sohn und sein Enkel gleichen Taufnamens kommen 1654 — 1659 und 1675 im gleichen Berufe vor, doch wurde mir von einem Händler vor längerer Zeit eine schön geschnitzte Theorbe mit dem eingeschnittenen Namen »Britsen« angeboten, so daß anzunehmen ist, daß auch m dieser Familie die Lautenmacherei wenigstens nebenbei be- trieben wurde, wenn der Name nicht etwa nur den einstigen Besitzer andeutete. Brizzano (?), Vincenzo. — Foggla. 1860 Der Name war nicht sicher leserlich, aber die Geige, die ihn trug, recht gut, ja besser als viele von seinen italienischen Zeitgenossen. Broberg, Carl Johan. — Gothenburg. 1 769. 1 793 Er war vermutlich ein Schüler von Jacob Hellman in Engelholm^) und wurde im Jahre 1 769 als Geigen- und Musikinstrumentenmacher in Gothenburg zugelassen. Er war fleißig und baute alle Arten von Streich- und Rupfinstrumenten. Er verwendete geschriebene und gedruckte Zettel und gelegentlich auch eine Brand- marke. Arbeiten von ihm haben sich im Privatbesitz mehrfach erhalten. Geigenzettel : Carl Joh. Broberg / Götheborg Anno 1 774 (gedruckt). Brechet (Broche) s. M. Snoeck Brock, Alfred Nilsson. — Stockholm. Geb. 15. April 1876 Sohn und Schüler von N. Nilsson in Malmö. Am 1. Oktober 1900 eröffnete er in Stockholm seine eigene Werkstatt und ist jetzt dort Geigenmacher der König- lichen Hof kapelle und des Musikhistorischen Museums. Brocsko (Brotsko), Karl. — Budapest, f 1858 Schüler von Teufelsdorter. Seine nach Amati gebauten Geigen sind in ihrer Arbeit, im Lack und im Ton recht lobenswert. Geigenzettel : Carolus Brotsko fecit / Pestini 1 85 1 (ge- druckt). Brooley, Charles. — London. 1885 Gitarren- und Banjomacher. Bronzo s. Branzo Brookfleld, Edward. — Southport. 1890. 1900 Er baut nach Guarneri und Stradivari und verwendet ÖUack von gelber und orangeroter Farbe. Die Firma heißt jetzt Brookfield & Co. Geigenzettel: Edward Brookfield (geschrieben). Broomley, Ch. H. — New Haven Amerrkanischer Geigenmacher der Gegenv.'art. Broquet, lebte Ende des 19. Jahrhunderts In Dunkerque (Dep. Nord) Broschi (Brocchi), Carlo. — Parma. 1 730. 1 744 Wenig bekannter Geigenmacher, über den sich nichts ermitteln ließ. Eine zweifellos echte, vom Wurm stark angegriffene Violine (kleines an Nie. Amati erinnerndes Modell, hübsche F-Löcher, kleine Schnecke), trug den Zettel : Carlo Broschi / in Parma fecit 1 732. Ein gleich- namiger Geigenmacher lebte noch in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Der Name wird auch Braschi gelesen. ^) Was Hedvig Boivie, Amanuensis am Nordischen Museum in Stockholm, in ihrem hübschen Aufsatz über die schwedischen Geigenmacher in der Mus. Zeitschr. »Fataburen« 1921, S. 64 mit aller Vorsicht sehr wahr- scheinlich macht. Brosig. — Neiße. 1910 Wurde nur als Reparateur genannt. Brossa (Brosa, Bresa), Francesco. — Mailand. 1700 Eine Violine mit seinem Namen erinnert an die Bres- cianer Schule und hat orangeroten Lack. Ich bin ge- neigt, diesen Francesco Brossa mit Francesco Bresa zu identifizieren; es wäre nur festzustellen, welche Form des Namens die richtige ist. Eine Geige von ihm be- findet sich in Freiburg i. B. Geigenzettel: Francesco Bro'-a fece / dalla Scala in Mano / 1700 (gedruckO. Brouaux. — Bar-le-Duc. 1860. 1890 Beschäftigte sich hauptsächlich mit Wiederherstellungs- arbeiten. Brown, Alexander. — Glasgow. 1855. 1860 Er baute nicht ungeschickt nach Stradivari und ver- wendete Spirituslack. Geigenzettel : Alex. Brown Maker, / Glasgow, 1 857 (geschrieben). Brown, Anthony. — London. 1855 Er soll ein Schüler von Morrison oder Panormo ge- wesen sein und war besonders als Gitarrenmacher ge- schätzt. Er wohnte um 1855 in der Rosamond st., Clerkenwell. Brown, James (sen). — London. Geb. vor 1759, t vor 1834 Er war ursprünglich Seidenweber und erlernte erst im Jahre 1804 bei Thomas Kennedy den Geigenbau, er- öffnete dann in der Wheeler st. ,Spitalfields' seine eigene Werkstatt als Geigenmacher und Reparateur und be- tätigte sich als geschickter Meister. Brown, James (jun.). — London. Geb. im Nov. 1786, t 1860 Sohn und Schüler von James B. sen. Ursprünglich sollte er nur Bogen macher werden und erlangte darin eine besondere GeschicklicKkeit. Nach dem Tode seines Vaters verlegte er sich dann mehr auf den Geigenbau und leistete auch darin Beachtenswertes. Auch sein Sohn war zum Geigenmacher bestimmt. Brown — Brusere 61 Brown, John. — Melbourne. 1880 Ein australischer Geigenmacher der Gegenwart, der auf der Melboumer Ausstellung den dritten Preis erhielt. Brown, W. J. — Melbourne Erhielt 1880 einen Ausstellungspreis für vorzügliche Reparaturen. Die Firma heißt jetzt W. J. Brown & Son. Browne (Brown), John. — London (Cornhill). 1680. 1743 Er führte die Hausmarke *at the Black lyon«. Das Selhofsche Auktionsverzeichnis weist eine Viola da Braccio von ihm auf. Seine Violinen gehen auf ein Amatimodell zurück, erinnern aber auch an Stainer. Brubac, Antoine. — Rouen. Geb. in Mire- court 22. Jan. 1847, f in Rouen 1894 Ein tüchtiger Meister und verdienstvoller Leiter der bekannten A. Kleinschen Geigenbauwerkstatt. Seine Geigen tragen den Namen der Firma Klein. Brubac, Charles. — Paris. Geb. in Mirecourt 21. Mai 1853 Bruder von Antoine B. Er arbeitet seit 1877 bei Gand & Bernardel (jetzt Caressa & Franjais) und erhielt 1897 in Brüssel eine goldene Mitarbeitermedaille. Brücken-Hammig, Christian August. — Mark- neuklrchen. Geb. 14. Okt. 1833, f 19. Dez. 1885 Er selbst war hauptsächlich Baßmacher, aber er be- schäftigte in seiner Werkstatt viele Geigenmacher, hielt auf saubere Arbeit und besaß viele Ausstellungs- preise. Brücken-Hammig jun., Max. — Markneu- kirchen 1897 Streichinstrumentenmacher der Gegenwart, von dem ein 1897 ausgestelltes Quartett nach Stradivari Beifall verdiente. Brückner, Ernst Max. — Geb. 30. Mai 1875 Geigenmacher der Gegenwart. Markneukirchen. Brückner, Ernst Richard. — Markneukirchen. Geb. 5. Nov. 1867 Geigenmacher der Gegenwart. Brückner, Ferdinand (Nändor). — Budapest. 1874. 1900. Geb. 1848 Schüler von Mönnig. Im Jahre 1874 begründete er in Budapest sein Geschäft, in welchem er stets eine Reihe von Gehilfen beschäftigt hat. Unter seinen Streich- instrumenten werden besonders seine Bässe gelobt; auch fertigt er gute Schlaginstrumente (Cymbal) an' Als Gehilfe arbeitete er vor 1874 bei J. W. Schunda. Geigenzettel : Brückner Nändor ,' hangszer keszitö / Budapest , Raktar: Magyar utcza 4. sz. (gedruckt). Brückner, Franz. — Berlin, New York. 1879. 1892 Er ließ sich zuerst in Berlin nieder und ging im Anfeing der neunziger Jahre nach New York. Brückner, Heinrich Albin. — Markneukirchen. Geb. 2. März 1855 Geschickter Geigenmacher der Gegenwart, der auch als Lehrmeister erfolgreich gewirkt hat. Mark neu- Brückner, Heinrich August, kirchen. Geb. 6. Sept. 1856 Geigenmacher der Gegenwart. Brückner, Richard. — London. 1886. 1906 Bruder von Franz Br. ; er hat eine Zeitlang in Berlin gearbeitet und ist dann nach London übergesiedelt, wo er namentlich als Reparateur geschätzt wird. Der Ton seiner Geigen findet Anerkennung. Geigenzettel : repaired at R. Brückner / London Septbr. 1892 (gedruckt). Brückner, W. — Erfurt. 1900 Wurde mir nur durch seinen Zettel bekannt. Geigenzettel: W.Brückner, Geigenbauer / Erfurt. / Instrumenten- und Saitenhandlung / 1 900 (gedruckt). Bruders, Johann August Christof. — Tanger- münde. 1829 Er soll bei A. Zabel gelernt haben. In den Akten wird er als Instrumentenmacher bezeichnet. Brugere, Charles -Georges. — Paris. Geb. 10. Nov. 1865 in Mirecourt Sohn von Charles Joseph Br. und Schüler von Etienne Drouin m Mirecourt. Er arbeitete als Gehilfe bei Blan- chard in Lyon, bei P. Bailly und bei Gand & Bernardel und übernahm am 22. Sept. 1892 die alte Werkstatt der Familie Henry in der Rue St. Martin. Er arbeitet unge- mein sorgfältig, so daß er in jedem Monat nur eine Geige fertig bekommt, die er nach Stradivari baut und mit einem gelben bis goldroten Lack versieht. Nur in die Geigen, die er vollkommen allein fertigmacht, ■ klebt er seinen Zettel. Er besitzt bereits mehrere silberne Medaillen und eine goldene (Lüttich 1 905) und war auch 1900 auf der Pariser .Ausstellung gut ver- treten. Eine Verbesserung der Klangfarbe des Kontra- basses ist ihm durch Änderungen in der Bauart recht wohl gelungen. Geigenzettel: Abb. 51. 65, 94. Brugere, Charles-Joseph. 1842, t 1876 Mirecourt. Geb. Nur als geschickter Gitarrenmacher hervorgetreten. Seine Arbeiten tragen seinen Namen als Brandmarke. 62 Brugere — Bubenik Brugere, Charles -Malakof f. — Marseille. Geb. 1857, f 1894 In Mirecourt Ältester Sohn von Fran<;ois B., arbeitete lange Zeit bei Hei in Lille und ließ sich dann in Marseille nieder, wo er über 100 gute Geigen baute, deren Wert vor dem Kriege auf durchschnittlich 200 fr. geschätzt vvurde. Geigenzettel : Abb. 62. Brugere, Franq:ols. — Mirecourt. Geb. 1822, t 1874 in Mirecourt Bruder von Charles- Joseph Br. Nachdem er unter Pierre Silvestre und unter Daniel in Marseille gearbeitet hatte, kehrte er nach Mirecourt zurück, wo er haupt- sächlich für Derazey tätig war. Er hatte drei Söhne, die sämtlich Geigenmacher wurden, aber nur Charles- Malakoff B. machte sich selbständig. Brugere, Joseph-Napoleon. — Mirecourt. Geb. um 1859 Z-.veiter Sohn von Fran(;^ois Br. Gilt als sehr gesuchter Baßmacher. Brugere, Michel. — Paris. Geb. 1864 in Mire- court Dritter Sohn von Franc. B. und seit 1893 Werkführer bei Charles-Georges Br., ein besonders tüchtiger Re- parateur. Brugger, Michael. — Salzburg. 1822. 1824 Er war eigentlich kein Geigenmacher, sondern Tischler. Ob er neue Geigen gebaut hat, ist nicht bekannt, wohl aber war er als Reparateur viel beschäftigt, da zu seiner Zeit kein Geigenmacher in Salzburg ansässig war. Eines der Instrumente im städtischen Museum Caro- llno-Augusteum in Salzburg trägt einen Reparatur- 7ettel von ihm aus dem Jahre 1824. Brunner, Franz. — Wien. Anfang des 1 9.Jahr- hunderts Der Erfinder der sog. »Harpe amphionique«, einer kleinen Pedalharfe, die man auf dem Schoß halten konnte. — Eine Harfe von Ihm besitzt das k. k. öster- reichische Museum für Kunst und Industrie in Wien. Er hat auch Gitarren, schwerlich aber Geigen gemacht. Brunner, J. — Dübendorf (K. Zürich). Gegr. 1860. 1895 Streichinstrumentenhandlung und -fabrikatlon. Brunner, Martin. — Olmütz. Geb. 1724, t 26. Febr. 1801 Ein guter Meister, der wahrscheinlich bei J. Strobl ge- lernt hatte und sorgfältig nach der Form baute. Hohe Stalner-Wölbung und gelber Spirituslack sind für ihn charakteristisch. Der Ton seiner Gelgen Ist recht an- sprechend. Statt der Schnecke brachte er am Wirbel- kasten gerne einen schön geschnitzten Hundekopf an. Er brachte es trotzdem zu keinem Vermögen und starb im Hause Nr. 565 in bitterster Armut. Ein Kontrabaß von ihm befindet sich als Inventarstück auf dem Chor der Pfarre St. Moritz in Olmütz. Gelgenzettel: Martin Bruner, Lauten- und Geigen- macher in Ollmütz 1771 (gedruckt). Bruno, Carlo Colombo. — Turin. Geb. 1 6. Mai 1872 in Caltanisetta (Sizilien) Er kam frühzeitig nach Turin, wo er lernte und 15 Jahre lang als Gehilfe arbeitete, worauf er seine eigene Werkstatt eröffnete. Er baut vorzugsweise Geigen und Violoncelli nach Stradivari, die er mit einem fetten, rot- braunen Öllack versieht, ferner auch gute Mandolinen. Seine Geigen sind sauber gearbeitet und gut im Ton. Er erhielt In Turin 1898 eine goldene und 1900 in Paris eine Bronzemedaille und in Marseille einen großen Preis. Geigenzettel : Abb. 33 und 60. Bruno, Nicola. — Bologna. 1 727 In einigen Gelgen findet sich der Name dieses auch von Valdrlghl (4052) erwähnten Meisters. Brunskill, J. — Newcastle-on-Tyne. 1900 GeigenmacHer, -lehrer und -händler der Gegenwart. Brustgrün, M. C. — Flensburg. 1862 Ein Holzblasinstrumentenmacher, der auch Geigen repariert hat. Brynildsrud, Lars Larsen. — Moß (Norwegen). Geb. 4. dem Hofe Brynildsrud im marken (Norwegen) Schüler von Lars Grinager, bei dem er von 1887 — 1889 arbeitete. Er Heß sich darauf In Kongsvinger als Geigen- macher nieder und stellte ein von Ihm gebautes Quar- tett in Paris aus. Von der Regierung erhielt er dann ein Reisestipendium, arbeitete nach seiner Rückkehr in einer Orgelfabrik in Chrlstlanla und ließ sich 1895 als Orgelbauer In Moß nieder. Bis dahin führte er nur den Namen nach dem Taufnamen des Vaters, also Lars Larsen, und legte sich nun noch den Namen seiner Ge- burtsstätte zu. Er hat ziemlich viele Streichinstrumente gebaut und beschäftigt sich noch immer eifrig mit dem Studium des Geigenbaus, wenn seine Haupttätigkeit jetzt auch der Orgel gewidmet ist. Bubenik, Joh. Bapt. — Prag. Geb. 21. Juni 1 800 in Hrusic bei Mnichovic, f 1 9. Jan. 1 836 in Prag Schüler von Caspar Strnad, dessen Werkstatt er nach dem Tode des Meisters übernahm. Er war mit Karo- line, der Tochter des Musikers Scharoch, mit der er am 17. Mal 1826 In der Kirche Maria Schnee getraut wurde, verheiratet und wohnte in der (jetzigen) Ferdi- nandsstraße (Ferdinandovä tl'ida) Nr. 9-19. Er arbeitete nach den Modellen Strnads; nur nahm er die Wölbung in der Mitte der Decke runder; da er aber verhältnis- mäßig jung starb, hat er nicht allzuviel Geigen gebaut. Geigenzettel : Johann Bubenik / Fecit Pragae Anno 1 829 (gedruckt). Kongsvinger. Juli 1859 auf Amte Hede- Bucharin — Buchstetter 63 Bucharin, Iwanowitsch. — Kasan. 1914 Sohn des geschickten Holzschnitzers Iwan Dimitro- witsch B., der sich schon mit der Ausbesserung alter Musikinstrumente beschäftigt hatte. So war er frühe auf den Geigenbau hingewiesen und hat es darin zu einer bei seinen Landsleuten sehr gerühmten Geschick- lichkeit gebracht. Er arbeitet sehr sauber nach Amati und Stradivarl und verwendet einen guten, dunkel- gelben Ollack. Buchenberg (Buckenberg), Mattheus. 1592. 1619 Rom. Der Name kommt in allerlei entstellten Formen vor: Bückenburg, Buechtenberg und italienisch sogar Matteo Boccaber. Er selbst schrieb sich Bucchenberg; in Urkunden heißt er manchmal auch Bucherberg (1606). Er war deutscher Abkunft und ein berühmter Lautenmacher. Baron schreibt von ihm: »Man hat die vortrefflichsten Theorben von ihm, die nur zu finden seyn. e. g. Oval rund, von einer sehr proportionierlichen Größe, und von einem sehr delikaten, durchdrmgenden metallenen Ton. Wer das Glück hat, von diesem be- sonderen und vortrefflichen Meister etwas zu besitzen, der kann nur solches als ein wahres Kleinod von Instru- menten aufheben. Das Dach oder die Decke ist ins- gemein mit drey Sternen nach römischer .\rt geziehret, damit sie den Ton gut auswerf fen können.« — (Vgl. auch V. d. Straeten, B. VI, S. 516. 517.) Im Jahre 1592 heiratete er Virginia, die Tochter des Lautenmachers Pietro de Albertis. Eine Theorbe von ihm aus dem Jahre 1608 besitzt .Mfr. Keil in Lissabon, ein Chitarrone von 1614 das Victoria- and Albert-Museum in London. Bucher, Ignaz Johann (I). — Wien. Geb. in Wien 1828, t ll.Juh 1881 Schüler seines Vaters Johann B., dessen Geschäft er 1856 übernahm. Er war ein sehr tüchtiger Geigen- macher, der u. a. für ein nach Stradivari gebautes Quartett, dessen guter und starker Ton auffiel, im Jahre 1873 die Verdienstmedaille erhielt. Er baute auch verschiedene andere Saiteninstrumente, von denen namentlich seine Gitarren sehr beliebt waren. Als in den sechziger Jahren die Zither populär wurde, ver- legte er sich ganz auf den Bau dieses Instruments und brachte es darin bald zu großem Rufe. Geigenzettel : Abb. 48. Bucher, Ignaz Joh. (II). — Wien VII. Geb. In Wien 1859 Schüler seines Vaters Ign. Joh. B. I, dessen Geschäft er 1881 übernahm. Er arbeitete eine Zeitlang als Ge- hilfe in Markneukirchen und setzt jetzt die Traditionen des ererbten Geschäftes, das neun Medaillen besitzt, in würdiger Weise fort. Er baut seine Geigen meist nach Stradivari, die übrigen Instrumente (Zithern, Gitarren usw ) n-ich eigenen Modellen und verwendet Spintus- und Öllack. Mit dem Geschäfte ist jetzt auch eine Saitenfabrik und eine Musikalienhandlung verbunden. Gcigenzettel: Ig. Joh. Bucher / VII Zollergasse 22 ,' Wien (gedruckt). Bucher, Johann. — Wien. Geb. 1792 zu Hammerschwang in Württemberg, f in Wien 1856 Er kam als Knabe nach Wien zu J. G. Stauffer in die Lehre, gründete bereits 1816 sein eigenes, heute noch blühendes Geschäft und brachte es bald zu Ansehen, sodaß er schon in den dreißiger Jahren in Schuberths Lexikon unter den hervcrragerden neueren Geigen- machern aufgeführt wird. Hauptsächlich verlegte ersieh auf den Bau von Gitarren, die er nach Legnani, Stauffer u. a. baute und in großer Zahl auch an die Wiener Händler verkaufte. Geigenzettel : (Schwebender, Gitarre spielender Engel ) Johann Bucher Guitarremacher in der Stadt. Schul- tergasse am Judenplatz N° 403 , in Wien (Abb. 70). Bucher. Michael. - Halle (Hall?). 1729 Eine Arbeit von ihm besitzt das Museum in Darmstadt (Nr. 499). Buchner Eine Geigenmacherfamilie, von der gegenwärtig selb- ständig tätig sind : Anton B., Emanuel B. und Wenzel B. in Schönbach und Josef B. in Steingrub. Der Klavier- macher Carl Conr. B. (geb. 1778) in Sondershausen gehört einer anderen Familie an. Buchstetter, Christoff Andre. — Stadtamhof. 1741 Wahrscheinlich der Vater von Gabriel David B. Er arbeitete nach G. da Salö und nennt sich »Bürger, Landen und Geigenmacher«. Buchstetter, Gabriel David. — Stadtamhof bei Regensburg. 1752. 1771 Seinerzeit galt er für einen der besten deutschen Meister, und selbst Spohr spielte auf seinen Konzerten nur eine »Buchstetter«, bis ihm der Zufall in Münster bei Kolmar seine »Lupot« in die Hand fallen ließ. Buchstetter war fleißig und galt für sehr wohlhabend. Seine besten Geigen sind lang und schmal, haben flache Wölbung und eigenartige F-Löcher, die etwas an Amati erinnern. Die Arbeit ist gut, stellenweise sogar sehr sorgfältig; nur in der Wahl des Holzes war er nicht allzu wählerisch und verarbeitete gern hartjähriges Tannenholz, was den Ton scharf machte. Weniger gut war ursprünglich sein Lack, der über einer braunen Beize aufgetragen erscheint. Später verstand er aber ■ einen schönen, feurigen Lack von guten Eigenschaften und gelber oder gelbroter Farbe herzustellen. Auch seine Schnecken sind oft schön gestochen. Er machte Geigen und Lauten aller Art, und Arbeiten von ihm kommen noch ziemlich häufig vor. Eine Chorlaute be- sitzt das Germanische Museum in Nürnberg, zwei Violinen das Stift St. Florian in Obcrösterrelch. Es gibt auch eine Anzahl hochgewölbter Geigen (mit tiefer, breiter Hohlkehle, kurzen, geschweiften F- Löchern mit eiförmigen Endpunkten, gutem Lack, aber schlechter Schnecke), in denen statt Gabriel David nur Gabriel Buchstetter zu lesen ist. Man hat daher zwei Geigenmacher unterscheiden wollen. Wahrscheinlich 64 Buchstetter — Burekart hat er seine billigen Geigen in den gangbaren deutschen Formen und bessere nach italienischem Vorbild ge- macht. Eine Violine von ihm mit geschriebenem Zettel besitzt Carl Stoeber in Würzburg. Geigenzette! : Abb. 35 und 83. Buchstetter, Josef. — Stadtamhof b. Regens- burg. 1776 Sohn von Gabriel David B. und jedenfalls auch dessen Schüler, da er ganz wie dieser arbeitete ; doch kommen seine Geigen seltener vor. Geigenzettel: Josephus Buchstetter, Filius Gabrielis / Davidis, PedepontI prope Ratis- / bonam — Anno 1776 (gedruckt). Buchta, Johann. — Brunn. 1776. 1841. Geb. bei Ingrowitz in Mähren um 1755, f 1841 Außer Lauten und Gitarren soll er auch Harfen gemacht und sich schließlich auf den Klavierbau verlegt haben. Er war seit 1776 Mitglied der Tischlerzunft und wurde 1803 Bürger. Der im Jahre 1838 als Bürger vorkom- mende Instrumentenmacher Wilhelm B. dürfte sein Sohn, und der 1888 verstorbene Klaviermacher Rudolf B. sein Enkel gewesen sem. Buckman, Geo. H. — Dover. 1899. Geb. 23. Okt. 1845 Ein Beamter und guter Geiger, der, durch Ottos und Heron-Allens Schriften angeregt, sich dem Geigenbau zuwendete und am besten nach dem Modell von Stra- divaris »Le Messie« arbeitete. Seine Geigen zeigen gutes, altes Holz, sorgfältige Arbeit und sind mit »Whitelaws Cremona-Bernstein-Öllack« in verschie- denen Farben lackiert. Seine Biographie veröffentlichte Meredith-Morris in »The Strad<' 1899 Nr. 112. Geigenzettel: Geo. H. Buckman / Dover 1899 (gedr.). Buczak, Franz, lebte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Galizien Geigenzettel: Rep. w roku 1877 / Franciszek Buczak (gedruckt). Budiani s. Rodiani Büchel, Hugo. — Coburg. Geb. 19. Nov. 1859 auf der Coburger Feste Er war ursprünglich Mechaniker, bereiste Italien und die Schweiz, studierte, als Sprößling einer bekannten Musikerfamilie, bei dieser Gelegenheit alle Geigen- sammlungen und verlegte sich schließlich, unter- stützt von der herzogl. sächs. Hofkapelle, ganz auf den Geigenbau. Er trat in das Galdertsche Geschäft in Coburg ein, dessen Eigentümer er seit 1891 ist. Er arbeitete ursprünglich nach Stainer, doch hatten seine ersten Geigen in den tieferen Lagen einen hohlen, in den höheren einen spitzen Ton. Später kam er auf ein eigenes Modell, in der Mitte zwischen Stradivari und Bergonzi liegend, das auf ellipsenförmiger Ausarbeitung der Decke beruht. Geigenzettel: H. Büchel / Coburg 1899 (nur geschr.). Büchner, F. W. — Leipzig. 1850. 1861 Musiker und Instrumentenmacher. J. Lotto zollte ihm wegen des kräftigen Tons seiner Geigen lebhafte Aner- kennung. Ich kenne nur Ausbesserungsarbeiten von ihm. Seine Reparaturzettel klebte er gewöhnlich im Innern an die Zargen. Bühlich, Richard. — Rostock i. M. Geb. um 1 868 in Lützen bei Leipzig Er lernte bei Ad. Paulus in Leipzig, war von 1885 bis 1895 als Gehilfe tätig und ließ sich 1895 in Rostock nieder, wo er schon vorher bei Ellersieck gearbeitet hatte. Er baut nach eigenem, dem Stradivari ähnlichen Modell und verwendet einen goldgelben Spirituslack mit rotbrauner Schattierung. Sein Holz ist gut, und seine Geigen klingen, wenn sie nicht zu dünn aus- gearbeitet sind. Geigenzettel : Richard Bühlich, Rostock / Geigenbauer 18.. (gedruckt). Bürger, Joh. Adolph. — Frankfurt. 1694 C. C. Snoeck besaß eine 26 cm lange Taschengeige mit Perlmuttereinlagen von ihm. Die größere Wahrschein- lichkeit spricht dafür, daß er in Frankfurt a. M. gelebt hat, obwohl sich im dortigen Archiv kein Beleg dafür finden ließ. In Frankfurt a. 0. habe ich gleichfalls ver- gebens nach ihm geforscht. Bull, Ole. — Bergen. Geb. 5. Febr. 1810, t 17. Aug. 1880 Der berühmte norwegische Geiger versuchte sich auch als Geigenmacher. Er ging dabei von den Lehrsätzen Bagatellas aus und bildete sich ein geometrisches System, das ihm einen Schlüssel abgeben sollte, um in die vermuteten Geheimnisse der Cremoneser und be- sonders Stradivaris einzudringen. Am wertvollsten waren dabei vielleicht seine Versuche, die er mit den verschiedenartigsten Hölzern vornahm. Buonaroti. — Rom. 18. Jahrhundert Ein Meister zweiten Ranges, dessen schmales Patron sowie die ziemlich starke Wölbung eher auf deutsche als auf italienische Vorbilder schließen läßt. Manche bringen ihn mit D. Tecchler in Beziehung. Buonfigliuoli, Pier Francesco. — Florenz. 17. Jahrhundert Bei de Piccolellis und Vidal wird er zwar dem Namen nach erwähnt, doch war es mir nicht möglich, irgend etwas von ihm oder über ihn zu ermitteln. Burekart, Dionysius. — Rastatt. 1807 In einer mittelmäßigen, nach dem Stainermodell ge- bauten Violine fand sich der untenstehende Zettel. Die Schnecke ist flach, am besten noch der gelbe Lack. Da nur der Ort und die Jahreszahl handschrifdich ange- bracht ist, scheint Burekart an verschiedenen Orten gearbeitet und dann auf seinem Zettel den jeweiligen Aufenthaltsort vermerkt zu liaben. Geigenzettel : Dionisius Burekart Musikus / Violin- und Saitenmacher / in Rastat 1807 (geschrieben). Burckholtzer — Buti 65 Burckholtzer (Burgkholzer) s. Purkholtzer Burghardt s. Bourgard Burkhardt, Emil. — Elsenach. Geb. 1871 zu Annaberg im Erzgeb. Er lernte bei Meisel in Klingenthal und arbeitete 1888 als Gehilfe bei Ernst Gläsel in Markneukirchen ; von da ging er 1890 nach Dresden zu Hammig, 1892 zu Beyer nach Erfurt und 1895 nach Kötzschenbroda bei Dresden, wo er sich am 1 . Juni selbständig machte. Er erfand ein Universalstreich- und Rupfinstrument, zu dessen fabrikmäßiger Herstellung er sich mit einem Kaufmann in Schleusingen verband. Seit 1898 widmete er sich wieder ausschließlich dem Geigenbau und siedelte 1901 nach Eisenach über, wo er durch ge- diegene Arbeit bald allgemeine Anerkennung fand. Er ist gleich tüchtig im Neubau wie in der künstlerischen Wiederherstellung alter Geigen. Geigenzettel: Emil Burkhardt, / Instrumentenmacher u. Reparateur, ' Elsenach, anno 190 (gedruckt). Burnley, Arnold. — 1871 Ein englischer Geigenmacher, dessen OUack gelobt wird. Burzenski, Kasimir. — Uscie-Solne. 1796 In der Wiener Musik- und Theaterausstellung waren Arbeiten von ihm ausgestellt. Busan, Domenico. — Vicenza, Venedig. 1 740. 1780 Die Lesart BusaS ist sein:n Zetteln nach falsch. Er ist wenig bekannt und soll nach de Plccolellis aus Vicenza stammen, schloß sich aber der Venezianer Schule an. Hauptsächlich sind einige gute Bässe von ihm bekannt. Geigenzettel : Dominlcus Busan / Venetus Fecit / Anno 1746 (gedruckt). — Dominicus Busan / fecit Venetils 1761 (gedruckt). Busch, Ernst. — Nürnberg. 1612. 1644 Ein fleißiger und geschätzter Lauten- und Violen- macher, der in den Umrissen eine neue Form anstrebte. Arbeiten von ihm sind in verschiedenen Sammlungen zu finden. Zwei Gamben von ihm sind in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln und ferner eine Violine von 1644 im Germanischen Museum in Nürn- berg. Eine aus der Sebalduskirche stammende Viola von ihm besitzt der 85 jährige Nürnberger Musiker Auer seit 65 Jahren. Die Viola ist sehr groß und hat einen wundervollen Ton. C. Claudius in Kopenhagen hat eine sehr große Baßgamba mit Bogen von ihm aus dem Jahre 1638 und eine Diskantviola da Gamba. Gelgenzettel: Ernst Busch, Nürnberg 1617 (gedruckt). — Ernst Busch / in Nürnberg 1 638 (gedruckt). — Ernst Busch Nürnberg / 1641 (gedruckt). Kontrabaß hier genannt werden darf. Er hat sich seit langen Jahren mit der Verbesserung des Kontrabasses beschäftigt, der bekanntlich an dem Mangel leidet, daß seine Töne nur bis zum Kontra-E hinuntergehen, daß also die Kontraoktave zu den tiefsten Cellotönen bis C fehlt. Schon 1856 baute er einen C- Kontrabaß, der sich aber nicht praktisch erwies, well er in Quinten gestimmt war. Um die gewohnte Mensur bestehen zu lassen und nur die tiefste Saite nach Bedürfnis bis zum Kontra-C benutzen zu können, ersann Buschmann verschiedene Systeme mit Anwendung von Wellen, Klappen oder Druckstäben, aber alle wollten den Ansprüchen an bequeme Spielart nicht genügen. Schließlich löste er das Problem durch Verwendung eines zweiten Sattels für die tiefste Saite und von vier Greifern, die durch Druckknöpfe vom Hals aus in Tätigkeit gesetzt werden. So kann die gewöhnliche Spielart des Instruments be- stehen bleiben und doch nach Belleben die tiefste Saite nach Dis oder Es, D, Cis oder Des und C zu gestimmt werden. Damit ist nicht nur die Skala um diese Töne erweitert, sondern der Klang des Instruments vervoll- kommnet und die Tonarten, die sonst ohne Kraft sind, wirken freier. Eine ähnliche Erfindung hat allerdings Karl Plttrlch in Dresden schon früher gemacht. Bussetto, Giovanni Maria del. — Cremona, Brescia. 1640. 1681 Er wird stets, u. a. noch von Valdnghi, in die Zeit von 1540 — 1580 gesetzt und dann der Zeit nach als einer der ersten Geigenmacher Cremonas erklärt. Auf echten Zetteln ist jedoch die Zahl 16 bei der Angabe des Jahr- hunderts ganz deutlich; einen solchen Zettel veröffent- licht auch Grillet. In einer Ahviola der Sammlung Scheurleer mit der Ortsangabe Brescia wird die Jahres- zahl 1 576 gelesen, was offenbar falsch ist. Seine Geigen sind hochgewölbt, haben großes Patron, kurze, weite F-Löcher, und dunkelgelben oder braunen Lack. Er stammt wahrscheinlich aus Busetto und ist vielleicht der Meister der Violen mit dem Namen: Joannes Marlus (gedruckt). Geigenzettel : .Abb. 85. Bussolero, Luigi. — Riva-Nazzaro. 1817 Guter Gitarren- und Mandollnenbauer vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Geigenzettel: Luigi Bussolero Rivanazzaro 1817 (ge- druckt). Buthod. — Mirecourt. 1820. 1845 Nachdem er eine Zeitlang unter Vulllaume gearbeitet hatte, gründete er in Mirecourt eine große Fabrik und verband sich später mit Husson; zuletzt hieß die Firma »Husson, Buthod et Thibouville*. Geigenzettel : Buthod. Luthier / Eleve du Vulllaume, ä Paris (gedruckt). Buschmann, Gustav Adolf. — Hamburg. Geb. Buti, Antonio. — Archi. 1756 1835 in Freiburg i. Br. Mittelmäßiger Geigenmacher aus Albano. Bekannter Piano- und Harmoniumfabrikant, der als Geigenzettel: Antonio Buti d'Albano Archi / Fece Erfinder einer schätzenswerten Verbesserung am l'anno 1756 (gedruckt). V. Lütg-endorff, Geig-en- und Lautenmacher. Bd. II J 66 Button — Ca'.agari Button. — London. 1806. 1830 Hauptsächlich Händler. Er war zuerst mit Purdey, später mit Whitaker verbunden und wohnte eine Zeit- lang in St. Paul's Churchyard. Byrom, John. — Liverpool. 1900 Eine sauber gearbeitete Violine, die ich in Händen hatte, trug semen Namen. C. C.F.R. — Wien. 1800 In einer sehr schön gearbeiteten, mit Ebenholz, Elfen- bein und Perlmutter eingelegten Gitarre fand sich dieser Brandstempel. Es gelang mir nicht, den Verfertiger fest- zustellen. Cabasse, Prosper. — Mirecourt. Anfang des 19. Jahrhunderts Vielleicht ein Sohn des 1778 genannten Bogenmachers Jean C. Ein ziemlich geschickter Gitarren- und Geigen- macher, der auf seiner Brandmarke Paris als Ursprungs- ort anzugeben pflegte. Sein Modell war schmal und höher gewölbt als das in Mirecourt übliche. Seine Brandmarke wurde auch nach seinem Tode noch von Händlern benutzt, wobei der Name manchmal als Gabasse erscheint. Cabled (Cabley). Claude. — Mirecourt. 1604. 1607 Ein bisher nur aus den Urkunden nachzuweisender Geigenmacher. Einer seiner Nachkommen, Jean Claude Cabley, lebte zwischen 1 762 und 1 777 als Bogenmacher. Cabresy. — (?) 1725 Der am 8. Mai 1794 guillotinierte Tavernier de Bou- logne besaß nach Brunis Inventar (Gallay, Un Inven- taire sous la terreur par A. Bruni, Paris 1890, S. 25) »ein Violoncello von Cabresy«. Auch ein Baß aus dem gleichen Jahr von diesem Meister ist bekannt. Über seinen Wohnort usw. war nichts zu erfahren. Cabroli, Lorenzo. — Mailand. 1716 Mittelmäßiger Geigenmacher, dessen gelber Lack noch das Beste an seinen Arbeiten ist. Cabroly. — Toulouse. 1734. 1747 Er scheint ein in Frankreich eingewanderter Italiener gewesen zu sein und könnte mit der Mailänder Familie Cabroli zusammenhängen. Seine Arbeiten sind nicht schlecht und sein Lack ist gewöhnlich blaßrot oder rötlichgelb. Statt der Einlage zog er oft nur Linien. Eine Diskantviola von ihm ist in der Crosby Brown- Sammlung in New York zu sehen. Geigenzettel: Abb. 124. Cadot, Theobald. — Toulon. Geb. um 1850 Er ließ sich in den achtziger Jahren des 1 9. Jahrhunderts in Toulon als Geigenmacher und -händler nieder. Caeste, Gaetano. — Cremona. 1660. 1680 Da die wenigen, die seinen Namen erwähnen, ihre Quellen verschweigen, war es nicht möglich, etwas Näheres über ihn festzustellen. Er gehört vielleicht zur Familie Costa, ist aber m Cremona unbekannt. Caffarata. — ? 1840 Ein geschickter Italiener, von dem ich einen sehr guten Baß kennen lernte. Cahusac. — London (Strand). 1785. 1788 Da er fast nur mit den Söhnen von Banks gemeinsam arbeitete, kommen Geigen mit seinem Namen äußerst selten vor. Er hielt sich an den deutschen Stil; sein Modell ist hochgewölbt. Die Einlage fehlt zwar, dagegen ist sein bernsteinbrauner Lack schön. Sein Sohn (»Ca- husac Son«) ist als Verfertiger von Oboen bekannt ge- worden. Cailhe, Henri. — Charroux. Geb. 8. Aug. 1864 Geschäftsteilhaber seines Vaters J. B. Cailhe-Decante. Cailhe (Cailhe-Decante), Jean Baptiste. — Charroux. Geb. in Charroux d'Allier 10. Mai 1832 Schüler und Schwiegersohn von Jacques Decante, dessen Geschäft er 1858 übernahm und von Jenzat nach Charroux verlegte, nachdem er vorher von 1855 bis 1857 in Paris und Lyon gearbeitet hatte. Er baute Leiern (Viellen) nach den Modellen seines Hauses und hat ihnen eine gefälligere Form und volleren Klang gegeben und auch den Saitenbezug verdoppelt. Er ver- wendet einen Spirituslack eigener Mischung. Seine Fabrik führt das Schild »ä la vielle Bourbonaise«. Auf seinen Zetteln findet man außer dem Namen seine zahlreichen Auszeichnungen angeführt. Caille. — Mirecourt. 18. Jahrhundert lacquot nennt zwei Mitglieder dieser Familie: Louis C. (1779—1787) und Dominique C. (1769—1789). Caisser s. Kaiser Calabri,PierVittoriodi. — Ferrara. 1549. 1551 Ein Musiker, der auch Lyren gebaut haben soll. Vgl. Valdrighi 518 und Anmerkung dazu. Calace, Antonio. — Neapel. Um 1850 Nur als Gitarrenmacher bekannt. Er wohnte Strada Mezzo-cannone Nr. 32. Calace (Calaca), Nicola und Raffaele. - Neapel. 1881. 1903 Söhne des Antonio C. Gehören wie ihr Vater zu den vielen Mandolinenmachern Neapels. Calagari, Francesco Giuseppe. - — ? 1685 Eine sehr schöne, hochgewölbte Viola von großem, edlem Ton, mit braunem feurigen Lack und schöner Schnecke in der Sammlung Carl Stoeber in Würzburg enthält einen Zettel mit diesem Namen. Der Wohnort läßt sich nicht einwandfrei lesen. I Ca'.ar — Campetti 67 Calar, Giovanni. — Rom. 1624 Ein in Rom ansässiger Lautenmacher, wahrscheinlich deutscher Abstammung. Calow, William. — Nottmgham. 1875. Geigenmacher, Reparateur und Händler. 1890 G enua. Calcagni (Calcanius), Bernardo. 1710. 1750 Ein geschickter Meister, der von verschiedenen Ken- nern der Schule Guarneris zugewiesen wird. Wenn er auch zeitweise das Guarnen-Modell nachahmte, so nähert er sich mehr und mehr dem flachen Modelle Stradivaris ; nur um 1 740, da er mit Pazarini verbunden war, scheint er das hochgewölbte Modell seines Ge- nossen angenommen zu haben. Sem Holz ist schön und der Lack von rotgelber oder Goldorangefarbe. Ein Ferdmando Calcanius, den manche erwähnen, hat in Genua nicht gelebt^). Geigenzettel: Abb. 140. Caldeira. — Lissabon. 1896 Sein Geschäftsteilhaber war Rosa. Beide sind die Nach- folger von Manoel Pereira gewesen und bauten haupt- sächlich Gitarren und Mandohnen. Callsen, Bruno. — Zittau i. S. 1898 Die Firma lautete bis 1898 B. Callsen & Schäfer. Er bezeichnet sein Geschäft als »Streichinstrumenten- macherei". Caltrassaure (?). — 1787 Eine Geige mit diesem zweifelhaften Namen, hellbraun lackiert, besitzt G. Withers in London. Calvalono. — Genf. 1 725 Zweifelhafter Name, der jedoch von Grillet noch an- geführt wird ; s. Cavalono. Calvarola, Bartolommeo. — Torre Baldone (Bergamo) und Bologna. 1 750. 1 767 Viele seiner Geigen sind von gewöhnlicher Arbeit, einige aber sorgfältiger gemacht und erinnern an die Schule der Ruggeri. Sein gelber Lack ist immer ziem- lich gut ; dagegen sind seine Schnecken ohne Schwung und bei aller Kleinheit plump in der Form. Geigenzettel : Bartolommeo Calvarola / fecit Bergame 1 76 . . (gedruckt). Calzavara, Santo. — Padua. 1764 Sein Name ist mir nur in einer klemen Mandoline der Sammlung Snoeck (Nr. 319) vorgekommen. Geigenzettel : Santo Calzavara fece ,' in Padova Tanne / 1764 (geschrieben). Calonardi, Marco. 1 7. Jahrhunderts Sowohl de Piccolellis als Vidal teilen ohne Quellen- nachweis nur den Namen mit. »Calonardi« ist jedenfalls mit »Carlomordi« identisch, doch wage ich nicht zu entscheiden, welche Form des Namens die richtige ist. Calon-Stremiti, Eugenio. — Modena. 1840 Nur als Gitarrenmacher bekannt geworden. Calot. — Bern, Turin. 1820. 1830 Er stammte aus Mirecourt, arbeitete in verschiedenen Städten als Gehilfe und ließ sich zuerst in Bern und später in Turin als Geigenmacher nieder. Valdrighi besitzt eine schöne Gitarre mit dem Zettel : Calot, rue de la rose rouge / porte N. 3. U etage, Turin (gedr.). — Eine von ihm ausgebesserte Viola besaß Comm. Ca Valien in Ferrara. Geigenzettel : Repare par Calot ,' ä Herne, 1 . may 1 820 (geschrieben). Calot (Callot). — Paris. Geb. 1810 in Mire- court In seiner Vaterstadt ausgebildet, kam er als Gehilfe zu Clement nach Paris und verband sich 1830 mit Augiere, mit dem zusammen er ein Geschäft in der Rue St. Eu- stache Nr. 12 eröffnete. Ihre Instrumente zeichnen sich durch saubere Arbeit, gelbroten Lack und guten Ton aus. ^) Ein Tiberio Calcagni war ein florentinischer Bild- hauer, der um 1560 bei Michel .'Xngelo arbeitete. Cremona. Mitte des Camberini (?), Giambattista. — Florenz (?). 18. (?) Jahrhundert Wahrscheinlich ein Mitglied der Familie Giamberini (s. d.), von dem G. Withers in London einen dreisaitigen Kontrabaß besitzt. Das Holz daran und die Arbeit sind gut. Camilli, Camillo. — Mantua. 1714. 1760 Er wird zwar gewöhnlich als Schüler Stradivaris be- zeichnet, doch sind seine Geigen viel häufiger nach Guarnen gebaut, so daß es wahrscheinlicher ist, daß er bei einem Mitglied der Guarnerischule gelernt hat. Seine Instrumente kommen, wie nicht anders zu er- warten, jetzt immer mehr in Aufnahme. Schöner Ton, gutes Holz, hellroter oder bräunlichroter Lack, der an Landolfi erinnert, weite, kurze F- Löcher kennzeichnen seine Geigen. Er verwendet verschiedene Zettel: Eine Violine mit der Inschrift »Camillo de Camilli Fee. in Mantova 1734« besitzt das Brüsseler Streichquartett. Geigenzettel : Camillus de Camilli , Fecit in Mantova 1760(gedruckO und Abb. 116, Camilho, Davide. — Cremona. 1 755 Wenig bekannter Meister dritten Ranges, den de Pic- colellis übrigens nicht erwähnt. Er ahmte Nie. Amati nach. Der Wohnort ist vielleicht fingiert. Campetti, Lorenzo. — Lucca. 1833 Einer der vielen italienischen Geigenmacher des 19. Jahrhunderts ohne Eigenart, deren Arbeiten nichts mehr von den Traditionen der klassischen Meister ver- raten. 5* 68 Campi — Cappa Campl, Giuseppe. — Pescina. 1760. 1762 Ein Geigen macher, der vielleicht in Pesaro gelernt hat oder zu Odoardo in Beziehung stand. Seine Geigen sind nicht schlecht, flach gewölbt, aber von handwerks- mäßiger Arbeit. Geigenzettel : Josephus de Campis / in Pescina Ao 1 7 . . (geschrieben). — Giuseppe Campi fece ,' in Pescina Anno 1762 (geschrieben). Campion. — Paris (?). 1823 Nur nach einer reich mit Perlmutter und Ebenholz em- gelegten Gitarre aus Mahagoniholz bekannt, die m Paris im Jahre 1823 ausgestellt war. Camploy. J. — Verona. 1854. 1860 Wie so viele andere wollte auch er den alten Cremoneser Lack neu erfunden haben und stellte Geigen mit diesem Lack in München im Jahre 1854 aus. Cannon, James. — Dumfnes. Geb. m Plascow (Kirkcudbrightshire) 1855 Er kam um 1 880 als Bahnbeamter nach Dumfries und ist ein guter Geiger. Er besaß eine von seinem Groß- vater gemachte Violine, die ihn zuerst veranlaßte, sich auch im Geigenbau zu versuchen. Er studierte Ottos Schriftchen und hat aus Liebhaberei eine Anzahl Gei- gen gemacht, die nicht schlecht sind. Geigenzettel: J. Cannon. / Dumfries,/ 1888 (gedr.). Cans, Dominik. — Oudenaarde (Belgien). 1 748. t 1806 In der Sammlung Snoeck befand sich eine von Jooris Willems gebaute Baßviola mit seinem Reparaturzettel. Er war von Beruf Apotheker und nur aus Liebhaberei Geigenmacher. Geigenzettel: D. Cans refecit / Aldenardae, anno 1801 (gedruckt). Capellus, Antonius. — ? 1563 Eine Diskantlaute mit diesem Namen und Datum be- sitzt C. Claudius in Kopenhagen. Capiari. 1846 Italienischer Geigenmacher, der um die Mitte des 19. Jahrhunderts tätig war. Capo (Capa), Antonio. — Cremona. 1796 Einige wenige Geigen tragen seinen Namen; auch bei Valdrighi (4093) wird er erwähnt. Capo. — Mailand. 1717. 1718 Ebenso selten vorkommend wie der gleichnamige Cre- moneser. Vidal führt nur den Namen an ; Grillet fügt die Beschreibung eines Zettels hinzu, ohne auf seine Arbeiten einzugehen. Beide sind vielleicht Nach- kommen G. Cappas. Eine Violine (35,4 mm) von ihm mit einem Pergamentzettel besitzt Julius von Thury In Budapest. Sie erinnert eher an das Klotz-Modell als an die Arbeiten gleichzeitiger Malländer, Ist aber ele- ganter Im Umriß und hat recht hübsche F-Löcher. Cappa, Giuseppe Francesco. — Saluzzio. 1 640 Grillet veröffentlicht seinen Zettel. Wenn die Jahreszahl richtig gelesen und der Zettel echt ist, dann wäre dieser bisher unbekannte Gius. Franc. C. vermutlich als ein Oheim des berühmteren Goffredo C. anzusehen. Geigenzettel: Abb. 139. Cappa, Goffredo. — Saluzzo. Geb. 1644 in Saluzzo, t 6. Aug. 1717 Sohn des Andrea C. aus Finalborgo. Er war wahr- scheinlich ein Schüler Nicolo Amatis. Von seinen Le- bensschicksalen weiß man bedauerlicherweise sehr wenig, nur daß er im Jahre 1679 die Maria Scottl ge- heiratet hat. Er gehört zu den besten Meistern der Amatlschule und geriet unverdienterweise so in Ver- gessenheit, daß allerlei schiefe Urteile über ihn und seine Arbeit lange genug unwidersprochen verbreitet werden konnten. Auch wurden seine Zettel gefälscht und mit unsinnigen Jahreszahlen versehen in minder- wertige Gelgen geklebt, während seine echten Arbeiten als Arbeiten der Amati, deren Namen den Händlern geläufiger waren, verkauft worden sind. Er nimmt die Wölbung ein klein wenig höher als sein Lehrer, hat eme andere Schnecke, kurze, weite F-Löcher, hohe Zargen und kommt im Lack seinen größeren Zeltgenossen nicht gleich. Seine Geigen haben jedoch einen edlen Ton und können In dieser Beziehung mindestens den Arbeiten G. B. Rogerls gleichgestellt werden. Da seine besten Violinen, wie schon bemerkt, längst mit Amati- zetteln versehen wurden, kommt nur selten ein ein- wandfreies Exemplar mit seinem Namen zum Vor- schein, eher begegnet man noch Violen und Violoncelli von ihm, so daß es begreiflich erscheint, wenn min angenommen hat, daß ihm diese Instrumente besser gelungen seien. Auf den Zetteln, die er In seine Arbeiten klebte, liest man : lofredus Cappa feclt / Salutlls anno 16 . . (gedruckt). Diese Zettel wurden schon In alter Zeit gefälscht, und da sie häufig verwendet wurden, läßt dies doch einen Rückschluß darauf zu, daß Cappa seinerzeit einen gewissen Ruf bei den Geigern gehabt haben muß. Dafür spricht auch, daß verschiedene ge- schickte Gelgenmacher als Cappa-Schüler bezeichnet wurden, so die Turiner Meister G. Francesco Celoniato, der etwas ältere Gius. Francesco Catenarl und Nicola Glorgl, femer Domenico Bombino In VUlafranca und Spirito Sorsana in Conl und bis zu einem gewissen Grade auch Carlo Giuseppe Testore In Mailand. Es wird sich schwer feststellen lassen, was da willkürliche Vermutung und was Überlieferung Ist. Nach G. Hart soll es Geigen Cappas geben, die als Ursprungsort Tu- rin bezeichnen. Mir ist eine solche nie vorgekommen, auch auf seinen echten oder nachgeahmten Zetteln habe ich nie diese Ortsangabe gefunden, sondern immer nur Saluzzo. Wir wissen ja jetzt auch, daß er dort geboren und gestorben Ist, dort geheiratet hat, und daß er einen Sohn hinterließ. Ich glaube daher nicht daran, daß er je In Turin ansässig war, und neige auch zu der Ansicht, daß ihm nur Infolge des angeblichen Aufenthaltes In Turin die genannten Turiner Meister als Schüler zu- gewiesen wurden. Cappa Ist. ein Meister des Gelgen- baues, der es verdienen würde, daß man sich mit seinem Leben und seiner Kunst eingehender beschäftigte. Glücklicherweise wendet Ihm jetzt Bischof Obertl von Cappa ^arcassi 69 Saluzzo neben Orazio Roggiero sein Interesse zu, und dem Forschungseifer beider wird es gewiß noch ge- lingen, manche wertvolle Einzelheit aus dem Leben Cappas zutage zu fördern. Auch Comm. Turbigüo, der im »Popolo della Domenica« (vom 3. Sept. 1906) m einem .Aufsatz auf Cappa hingewiesen hat, wird sich weiter mit ihm beschäftigen. Da das Wichtigste aber wäre, ihm seine Werke zurückzugeben und aus den noch erhaltenen, echten Geigen seine Eigenart ein- wandfrei festzustellen, so würde ich den freundlichen Lesern dieses Buches, die Instrumente von Cappa be- sitzen, sehr dankbar sein, wenn sie mir darüber eine kurze Mitteilung zugehen lassen wollten. Einer Klä- rung bedarf auch noch das Verwandtschaftsverhältnis Goffredo Cappas zu den übrigen Mitgliedern der Fa- milie Cappa. Geigenzettel: lofredus Cappa fecit / Salutiis anno 16 . . (gedruckt). Muster eines der häufig vorkommenden gefälschten Zettel: Abb. 98. Cappa, Gloacchino und Giuseppe. — Saluzzio, Turin. 1661. 1725 Vielleicht Söhne Goffredos, — übrigens waren mehrere Nachkommen Goffredo Cappas Geigenmacher, diese waren aber durchaus unbedeutend, so daß man ihre Arbeiten schon deshalb leicht von den seinen unter- scheiden kann. Auch ihre Zettel wurden gerne gefälscht und mit Jahreszahlen, die bis 1640 zurückgehen, ver- sehen. Cappiello. — Neapel Mandolinenmacher. Caprari, Francesco. — Rolo. 1846 Mittelmäßiger italienischerGeigenmacher aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Capsperger s. Kapsberger Car, Andrija. — Agram. 1903 Kroatischer Lauten(Tamburitza-)macher der Gegen- wart. Carabbä, C. V. — Catania. Ende des 19. Jahr- hunderts Mandolinenfabrikant der Gegenwart. Caradotti, Luigi Italienischer Mandolinenmacher. Carboni, Gius., lebt als Saiteninstrumenten- macher m Pavia Carbonari. — Neapel Mandolmenmacher. Carcanius. — Cremona. 1500 Vidal führt diesen Namen als den eines alten Geigen- mactiers an, von dem er einen gedruckten Pergament- zettel gefunden haben will. Mir ist der Name niemals vorgekommen ; ich vermute sehr, daß man es hier, falls der Zettel überhaupt echt war, mit einem Calcanius zu tun hat; die Jahreszahl wird falsch gelesen sein. Carcassi, Antonio Feiice. — Florenz. 1773 Seine Zugehörigkeit zu den anderen Mitgliedern der Familie Carcassi steht nicht fest, wenn auch seine Ar- beit manche Ähnlichkeiten aufweist. Geigenzettel : Antonio Feiice Carcas , fece in Firenze 1773 (gedruckt). Carcassi, Francesco. — Florenz. 1735. 1758 Vielleicht der Vater von Lorenzo und Tomaso, deren Geigen den seinen nahe stehen. Mittelgute Arbeit, gelbbrauner Lack. Carcassi, Giovanni. — Florenz (?). 1688. 1698 Bekannt als Verfertiger von Spinetts und Klavizimbeln. Geigenzettel : Joannes Carcassi fecit ; anno Dommi MDCLXXXVIIl (gedruckt). Carcassi, Lorenzo. — Florenz. 1737. 1757 Der Zeit nach muß er Teilhaber der Firma Lorenzo e- Tomaso C. gewesen sein, er arbeitete aber auch für sich allein und hatte bei der noch heute stehenden Kirche »dalla Madonna dei Ricci« einen La Jen. Er wohnte im Borgo San Fridiano und dürfte wohl bis 1776 noch ge- lebt haben. Dem Anscheine nach hielt er sich 1755 vorübergehend in Turin auf, denn in einer Viola d'amore in der Sammlung Keil in Lissabon von ihm liest man: »fecit Taurini 1755*. Seine Geigen sind gut gearbeitet und haben leidlich hohe Wölbung und gelben Lack. Eine kleine Baßgeige in W. Heyers Musikhistori- schem Museum in Köln trägt seinen Reparaturzettel, das gleiche Museum besitzt auch eine Hakenharfe von ihm (Nr. 392). In der Sammlung Th. Hämmerle in' Wien ist eine kleine Viola von ihm. Die Doppelfirma Lorenzo e Tomaso C. ist mindestens seit 1745 nach- weisbar. Eine gute Geige von 1764 und eine Viola d'amore von 1767 von beiden besitzt das Musikhistori- sche Museum in Köln. Eine gute Violine von ihm be- sitzt Zeichenlehrer Bogs in Bromberg, eine andere Albert Berr in Böhmischbruck und eine dritte, mit schönem gelben Lack Dipl.-Ing. Rieh. Renner in Tutzing. Später verlegten sich die Brüder mehr auf den Bau von Gitarren. Geigenzettel: Abb. 107, 122, 131. Carcassi, Salvatore. — Florenz. 1802 Wahrscheinlich ein Sohn eines der Brüder Carcassi. Von ihm sind mir hauptsächlich Gitarren bekannt ge- worden. Carcassi, Tomaso. — Florenz. 1747. 1786 Wahrscheinlich Teilhaber der Firma Lorenzo To- maso C. ; daß er auch allein gearbeitet hat, beweisen seine Zettel, die noch um 1786 vorkommen. Die Be- hauptung, daß er schon in den dreißiger Jahren ge- arbeitet hat, hat wenig Wahrscheinlichkeit für sich und beruht wohl auf einem Lesefehler. Geigenzettel: Abb. 121. Carcassi, Vincenzo. — Florenz. 1790 Das am wenigsten bekannte Mitglied der Familie. Eine kleine (38 cm lange) Mandoline von ihm befand sich in der 1910 in Frankfurt a. M. versteigerten Sammlung Günther-Prestel. 70 Cardi — Carr Cardi, Luigl. — Verona. 19. Jahrhundert Ein Musikinstrumentenmacher, der auch einige Geigen gebaut hat. Care, Paul. — Danzig. Geb. in Beigard 1859 Von Haus aus Musiker, ist er durch 12 Jahre Hoboist gewesen. Während semer Mihtärzeit wohnte er bei dem Geigenmacher Leitzsch, der ihm einige Anleitung im Gelgenbau gab. Er fand so viel Gefallen daran, daß er sich schließlich ganz darauf verlegte und 1893 seine Werkstatt eröffnete. Er baut nach einem eigenen, Stra- divari nachgeahmten Modell, an dem der Mittelbügel mehr an Guarnen erinnert. Auf den Lack legt er wenig Gewicht und verwendet verschiedene Sorten. Auf der Berliner Musikausstellung erhielt er für mehrere Gei- gen eine silberne Medaille. Geigenzettel : Paul Gare / Danzig 1 895 (geschrieben). Caressa, Felix Albert. — Paris. Geb. in Nizza 25. Dezember 1866 Schüler von Gand und Bernardel. Nachdem er 10 Jahre in dem Geschäfte tätig war, das er 1900 bereits leitete, wurde er am 1. Juli 190! mit Henri Francjais zusammen der Nachfolger von Gustave Bernardel. Die Firma lau- tet jetzt: Caressa & Frangais, Successeurs de Gustave Bernardel, anciennes maisons Lupot et Gand et Ber- nardel 4 passage Saulnier ä Paris. Er baut nach Lupot und verwendete eine Zeitlang Gust. Bernardeis Zettel, jetzt den der neuen Firma. Er besitzt viele Auszeich- nungen, ist Ritter der Ehrenlegion und war bei allen großen Ausstellungen der letzten Jahre als Juror tätig. Geigenzettel : (Monogr. C F.) Caressa & Francais / Luthiers du Conservatoire de Musique / No. . . Paris 19.. Cargnano s. Gargnano Carlander, Elias. — Stockholm. Geb. 1721, t in Trosa 25. April 1784 Ein tüchtiger Geiger, Mitglied der Kgl. Hofkapelle, der sich seit mindestens 1760 recht eifrig mit dem Geigen- bau beschäftigte. Besonders scheint er sich als Repara- teur bewährt zu haben, doch kommen auch Geigen und Violen, die er gebaut hat, mehrfach vor. Auf seinen Zetteln bezeichnet er sich stets als Kgl. Hofmusikus. Geigenzettel : Renarerad af Kongl / Hof Musicus Cai- lander / A° 1 784 (geschrieben). Carlman (?), Jonas Wird als tüchtiger schwedischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts bezeichnet, der das Stainermodell zum Vorbild nahm. Vielleicht hieß er richtig Carlander? Carlo, Giuseppe. — Mailand. 1769 Auf seinem Zettel war nicht deutlich ersichtlich, ob Carlo nicht der zweite Taufname vor einem fehlenden Familiennamen war. Der Arbeit nach gehört er zu den Meistern vierten Ranges. Carlo (gen. Carlo da Pesaro). — Pesaro. 1682 Er wird als Geigenmacher mehrfach erwähnt, auchVal- drighi (3702) führt ihn an, doch war es mir bisher nicht möglich, seine Arbeiten kennenzulernen. Carlomordi (Carlomorti), Marco. — 1654. 1660 Eine Violine »di piccola forma« von ihm zählt der Ka- talog der Sammlung Correr in Venedig auf. Vidal führt den Namen mit dem Taufnamen Carlo an und setzt als Wohnort Verona. Da er die gleiche Jahreszahl (1654) mitteilt, scheint seine Kenntnis dieses Meisters doch nur auf die kleine Violine der Sammlung Correr zurück- zugehen. In der im November 1910 in Frankfurt a. M. versteigerten Sammlung F. Günther-Prestel befand sich eine Mandohne mit einer Sphinx aus Bein am Wirbel- kasten von Marco Carlomorti aus dem Jahre 1660. M. Carlomordi ist jedenfalls identisch mit Marco Calo- nardi, der in Cremona gelebt haben soll. Carlson, C. A., lebte Ende des 1 9. Jahrhunderts in Salt Lake City (Utah) Caroli. — Brescia. 1681 Ein Brescianer Lautenmacher des 1 7. Jahrhunderts, vcn dem sich eine Mandora in der Sammlung Galpin (Hat- field, jetzt Boston) befindet. Caroll (Carrol), James. — Manchester. Um 1 890 Es gibt flachgewölbte Geigen mit diesem Namen, die nach verschiedenen Modellen gearbeitet sind. Caron. — Versailles. 1775. 1790 Er bezeichnet sich als Hoflautenmacher der Königin Mane-Antoinette, wohnte erst in der Rue Royale, dann in der Rue Satory und dürfte ein naher Ver- wandter des Uhrmachers Caron und von dessen Sohn, des unter dem Namen Beaumarchais berühmt geworde- nen Dichters, gewesen sein. Er ist zwar kein hervor- ragender Meister, aber seine Arbeit ist gut; er ahmte italienische Modelle nach; nur sein brauner Lack ist zu dunkel. Eine französische Lyra von ihm besitzt Clau- dius in Kopenhagen, eine zehnsaitige Theorbe mit den Initialen der Königin Marie-.'\ntoinette im runden Schalloch das Museum des Pariser Konservatoriums, Nr. 224. Geigenzettel: Abb. 123. Carone, Giuseppe. — Neapel 1883 Mandolinenmacher. Carotti, C. — Florenz. 1694 Geigen von ihm habe ich bisher nicht kennen lernen können. Carozza, Raffaele. — Messina. 1912 Mandolinenmacher der Gegenwart. Carp (Karp) s. Karg Carr, John. — Falkirk. Geb. in Berwick-on Tweed M.Mai 1839 Em Fabrikleiter und Musikalienhändler, der aus Lieb- haberei weit über 50 Violinen und ein Violoncello ge- macht hat. Die erste Anleitung dann erhielt er schon als neunjähriger Knabe von James Thomson und Robert Harvie. Geigenzettel: John Carr, / Maker / Falkirk, 1897 (ge- druckt). Carre — Castagneri 71 Carre, Antolne. — Arras. 1750. 1790 Besonders geschickt als Verfertiger der '>vielle organi- see«; einige wenige Geigen von ihm zeigen dagegen nur gewöhnliche Arbeit. Carrodus s. Haynes Carter, John. — London. 1780. 1790 Da er für die Betts arbeitete, welche auch, wie erzählt wird, die Leichenkosten für ihn bezahlten, tragen viele seiner Instrumente die Zettel von diesen ; die wenigen jedoch, in die er seinen Zettel klebte, sind gut. Geigenzettel : J. Carter. Violin-Tennor / & Bass Maker, Wych Street, Drury Lane / London 1 787 (gedruckt). Cartheuser, Johann Christian. — Köln. 1790 Nähert sich m seinen Geigen öfter dem Amatimodell und bevorzugt einen gelben Harzlack. Geigenzettel : Johann Christian Cartheuser / in Köln in der Mariengartengasse 1 790 (gedr.) Cartwright, John William. — Yeadon b. Leeds. Geb. 21. Aug. 1836 in Assenby bei Thirsk (Yorkshire) Er kam als Sohn von armen Bauersleuten 1851 in eine Lokomotivfabrik nach Leeds, wo er 10 Jahre lang blieb. Er arbeitete dort unter Jos. Fox, der sich aus Liebhabe- rei mit dem Geigenbau beschäftigte und auch m Cart- wright die Lust für diese Kunst erweckte. Dann arbei- tete er drei Jahre lang in den Abendstunden bei H. Pickard und verlegte sich zunächst auf das Aus- bessern alter Geigen. Tüchtig vorgeschult, versuchte er auch neue zu bauen und hatte bald Erfolg damit. Sein Hauptaugenmerk verwendete er auf die Verbesserung der Viola, um ihr jene Stellung im Quartett zu ver- schaffen, die auch Ritter ihr zuweist. Seine .Arbeit ist genau und sorgfältig und der Ton gesangreich. Er baut vorzugsweise die sogenannte Baratoneviola und Kon- trabässe. Sein Fleiß ist bemerkenswert, schon 1898 konnte er in eine Geige die Nummer 1075 schreiben. Cary &Co., Alphonse. — London. Gegr. 1872 Geigenmacher- und Händlerfirma der Gegenwart. 1886 erhielt .Alph. Cary (der damals in Newbury wohnte) auf der Ausstellung in Liverpool eine silberne Medaille für Geigen und Zubehör. Casaltoli, Giuseppe. — Florenz. 1714 Sohn des Pier Giovanni. Nur als Lautenmacher be- kannt. Casasnovas (Casanovas), Francesco. — Palma (Balearen) Spamscher Lautenmacher vom Beginn des 19. Jahr- hunderts, von dem mir eine gute Mandoline bekannt geworden ist. Die Brüder M. und B. Casanovas waren noch um 1888 in Palma als Gitarrenmacher ansässig. Geigenzettel : Fab«:" de Guitarras de / Fra^° Casano- vas, ,' Plaza de la Merced N" 1 / Palma de Mallorca (gedruckt). Casella, Fratelh, leben als Saiteninstrumenten- macher in Catania (Sizilien) Caselli, Francesco. — ? 1740 Bisher nicht bekannter Geigenmacher. Grillet führt nur seinen Zettel an. Geigenzettel : Fece Francesco ^ Caselli 1 740 (geschr.). Casiglia, Casimiro. — Palermo. 19. Jahrh. Seine Geigen sind sauber nach guten Vorbildern gebaut und zeigeii einen goldbraunen Lack. Casini, Serafino. — CampiBisenziobei Florenz. 1899 Guter Mando'inenmacher, der durch seine Instrumen- ten mit dreifachen Saiten und allerlei andere Verbesse- rungen an der lombardischen Mandoline bekannt wurde Auch seine Einlegearbeit ist geschmackvoll. Caspan (Caspani), Giovani Pietro. — Venedig. 1658. 1670 Nach den Violinen zu urteilen, die diesen Namen tragen, wahrscheinlich ein Schüler der Brüder Amati, deren .Arbeiten er nachahmte. Kleines Patron, gelber Lack. Casrini, Gio. Batt. — Carrara. 1687 Von ihm war eine Marmorgeige mit Intarsia auf der Wiener Musik- und Theaterausstellung zu sehen. Cassanelli (Casanelh), Giovanni. — Ciano (Modena). 1770. 1777 Im allgemeinen kennt man nur Geigen von mittel- mäßiger Arbeit von ihm. Gewöhnlich verwendete er braunen Lack. Cassineau s. Cousineau Cassini (Casini), Antonio. — Modena. Geb. um 1630, tum 1698 Der bekannteste modenesische Geigenmacher seiner Zeit, ein vielbeschäftigter Meister, der auch in Diensten seines Herzogs stand. Bei der großen Masse seiner Geigen, Violoncelli und Bässe ist es nicht zu verwun- dern, daß er sehr handwerksmäßig arbeitete. Seine besseren Geigen gehen auf das Amatimodell zurück, weshalb ihn auch einige zu einem Amatischüler machen wollten. Die .Arbeit ist gut, die Ebenholzeinlage sauber, F-Löcher und Schnecke von guter Form, der Lack kastanienbraun. Nach Valdnghi soll er zwar nach 1690 gestorben sein, doch kommen noch Geigen mit seinem Zettel und der Jahreszahl 1710 vor. Er verwendete ver- schiedene Zettel. Eine Viola von ihm aus dem Jahre 1667 besitzt Dr. Bornemann in Eisenach (Korpuslänge 41 cm). Geigenzettel : Antonius Cassinus fecit Mutinae anno 1687(gedruckt). — Abb. 148. Castagneri, Andrea. — Paris. 1730. 1750 Sohn und Schüler von Gian Paolo C, den er allerdings übertrifft. Sein Modell gehört der Stradi\ anschule an, die Arbeit ist sorgfältig, der Lack gewöhnlich etwas 72 Castaeneri — Castro trocken und von rotbrauner Farbe und der Ton an- sprechend. Nur seine F-Löcher sind oft zu groß und zu weit offen. Seine Geigen haben aber fast immer noch ein italienisches Aussehen und werden geschätzt. Er wohnte bis 1744, wie sem Vater, in einem Anbau des Hotel de Soissons, zog dann nach der Rue des Prou- vaires und schrieb von da an seinen Namen Castagnery. ■ Auch seine Violoncelli dürfen hervorgehoben werden, dagegen sind seine Versuche, Geigen mit ganz flacher Decke zu bauen, als mißglückt zu bezeichnen. Eine Geige von ihm bewahrt die Sammlung Snoeck (jetzt in Berlin). Geigenzettel : Castagnery rue des Prouvaires / Pangi 1747 (gedruckt). — Abb. 128 und 137. Castagneri, Gian Paolo. — Paris. 1638. 1665 Ein Italiener, angeblich sogar ein Cremoneser, der sich in Paris niederließ. Wenn auch unbedeutend, darf er doch als einer der besten unter den damaligen Pariser Geigenmachern gelten. Vidal erwähnt ihn nicht einmal, Fetis dagegen kennt Geigen von ihm aus den Jahren 1 639 und 1 662 und lobt ihren Silberklang, wenn er auch den Mangel an Tonfülle beklagt. De Piccolellis gibt 'seinen Zettel: Castagneri Gian Paolo / nel palazzo di Soissons / in Pariggi (gedruckt). Castagnino, Giuseppe. — Chiavari. 1920 Schüler von G. Fiorini, bei dem er in München seit 1913 lernte. Castaro, Antonio. — Rom. Um 1615 Em geschickter Lautenmacher, dessen Name nach Baron »Corta-ro« lauten soll; s. d. Fl orenz. 1806. Castellani, Bartolomeo. tum 1820 Er wohnte Via da S. Trinitä. Seine Geigen, die nur selten vorkommen, sind nicht hervorragend, dagegen baute er sehr gute Gitarren. Geigenzettel : Bartolomeo Castellani / fece in Firenze, l'anno / 1816 in Via S. Tnnitä (gedruckt). Castellani e Figlio. — Florenz. 1900 Inhaber des Geschäftes ist jetzt P. Ballerini. Castellani, Luigi. — Florenz Geb. 1809, f 1884 Sohn und Schüler von Pietro C. Tüchtiger Kontra- bassist. Er baute selbst keine Geigen, war aber ein vor- trefflicher Reparateur und berühmt wegen seiner aus- gezeichneten Gitarren. Er wohnte Via Calimaruzza, 1866 verband er sich mit G. Scarampella. Wegen seiner Kennerschaft und Geschicklichkeit im Wiederherstellen ernannte ihn das Florentiner Konservatorium zum Kon- servator der Instrumentensammlung. Nach seinemTode ging sein Geschäft auf P. Ballerini über. Castellani, Pietro. — Florenz. 1780. f 1820 Von ihm kennt man ziemlich gute Geigen und beson- ders Gitarren und Mandolinen. Castelli, Tomaso. — Brescia. 1 623 Ein bisher nicht bekannter Brescianer, von dem Fritz Wildhagen in Haiensee eine Violine mit ausgeschweif- ten Korpusumnssen, C-Löchern und einem schön ge- schnitzten Mädchenkopf am Wirbelkasten besitzt. Geigenzettel: Tomaso Castelli / fecit a Brescia 1623 (geschrieben). Castello, Paolo. — Genua. 1 750. 1 780 Seine Arbeit ist äußerlich sehr schön, erinnert an die der Gagliam und geht auf das Amatimodell zurück. Im allgemeinen ist er trotz alledem nicht sehr geschätzt, da er oft nur mittelmäßiges Holz verwendete. Sein gelber Lack ist dagegen nicht schlecht. Eine seiner schönsten Geigen, ein wahres Prachtexemplar aus der Spätzeit des italienischen Geigenbaues, ist aus der Sammlung Snoeck (Nr. 508) in die staatl. Sammlung in Berlin übergegangen. Geigenzettel: Abb. 129. Castendorfer, Melchior. — Nördlingen. 15. Jahrhundert Er wird als Lautenmacher bezeichnet und war ein Sohn des Stephan C. Sein Name kommt aber weder in der Nördlingischen Geschlechtshistone (gedruckt 1801) noch im Bürgerbuche vor, so daß als sicher angenom- men werden kann, daß er nur vorübergehend — viel- leicht als Gehilfe des Vaters — m Nördlingen ansässig war. Castendorfer, Michel. — Erfurt. 15. Jahrh. Sohn des Stephan C, Lautenmacher. — Bedauerlicher- weise ließ sich auch in Erfurt über diesen Meister nichts ermitteln. Castendorfer, Stephan. — Nürnberg, Breslau, Nördlingen usw. 1464. 1499 Von ihm weiß ich wohl, daß er 1460 in Nürnberg als Orgelbauer tätig war und dort als »Stephanus de Bra- tislavia« in Urkunden erscheint, dann wieder in Breslau lebte, die alte Orgel in der Georgskirche in Nördlingen von 1 466— 1 486 erbaut hat und 1 496— 1 499 in Schweid- nitz arbeitete. Ob er je Lauten und Geigen machte, steht nicht fest, ist aber wahrscheinlich, da seine Söhne als Lautenmacher bezeichnet werden. Er ist identisch mit dem in dem Werke : Scriptores rerum Silesiacarum III, S. 134 genannten Orgelmacher Stephan Kaschen- dorf . An der Stelle der Breslauer »Libri Signaturarum<', an der die in den »Script, rer. Sil.« erwähnte Eintragung von 1464 steht, kann man ebensogut Kaschendorf als Kasthendor*^ lesen. Castorino, Lorenzo. — Aci Reale (Sizilien) Sizilianischer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts, der nicht ungeschickt war. Geigenzettel: Lorenzo Castorino , Abitante in ,4ci Reale (gedruckt). Castro. — Venedig. 1680. 1720 Er hatte meist nur ein schlechtes Modell, nahm aber gutes Holz; im übrigen ist seine Arbeit handwerks- mäßig, die F-Löcher häßlich in der Zeichnung und rohgeschnitten, der Lack von roter Farbe, aber sehr armselig. Einzelne Geigen hat er nach Stradivari ge- t-aut. Am besten sind seine Bässe. Ein Kontrabaß von ihm, der seines edlen Tons wegen sehr geschätzt wird, befindet sich in der Dresdener Hofkapelle. Castrucci — Cavalorio 73 Castrucci, Pietro. Anf. d. 18. Jahrhunderts Ein Geiger, der während seines Aufenthaltes in Eng- land ein Streichinstrument nach Art der Liebesgeigen erfand, das er »Violetto marina« nannte, was h'er nur erwähnt wird, da Händel für dieses Instrument einiges geschrieben hat. Catenar, Gaetano. — Pavia. 1639. 1670 In Pavia sollen sich noch Violen und Gamben mit der Ortsangabe und diesen Jahreszahlen erhalten haben. Dieser Catenar könnte als der Stammvater der später in Turin vorkommenden Familie betrachtet werden. Geigenzcttel : Gaetano Cattenaro / Fecit Paviae Anno 1670 (gedruckt). Catenari, Enrico. — Turin. 1671, soll 1746 noch gelebt haben Die Schreibweise des Namens schwankt; man findet Catenar, Gattinari usw. angegeben. Er soll der Vater, nach anderen ein Bruder des Francesco gewesen sein und war vielleicht auch mit Catenar in Pavia verwandt. Die Behauptung, daß er ein Schüler von Cappa ge- wesen sei, kann nicht begründet werden, in seiner Ar- beit steht er den Stradivari-Nachahmern nahe. Vidal teilt nebenstehenden Zettel mit : Henricus Catenar / fecit Taurini anno 1671 (gedruckt). Catenari, Giuseppe Francesco. — Turin. 1 703' 1720 Wahrscheinlich Sohn von Enrico C. — Er verwendet ein ziemlich hohes Modell und dicken, roten oder rot- braunen Lack. Vidal beschreibt eine gute Violine dieses Meisters im Besitz des Marquis de St. Hilaire in Paris. Der Name erscheint hier »Gattinari« geschrieben. Eine Violine von ihm mit der Jahreszahl 1 703 besitzt Maler Julius von Thury in Budapest. Geigenzettel : Francesco Gattinari ' Fecit Taurini Anno Domini 1 703 (gedruckt). — Joseph Franciscus Catenar/ Fecit Taurini anno 1 720 (geschrieben). Cateni, Pietro. — ? 1722 Withers in London bot eine Violine mit diesem Na- men für 25 £ an. Cati, Pierantonio. — Florenz. 1 738. 1 760 In der Arbeit hat er manches mit Gabrielli gemeinsam, ohne ihm gleichzustehen. Sein Modell geht auf Stradi- vari zurück, sein Lack ist meist braunorange, das Holz oft nicht besonders schön, der Ton aber kräftig. Eine Taschengeige von 1741 (»Terzinodi Violino« Nr. 756). besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Geigenzettel: Abb. 108. Cattas, J.H. — Kassell828 Ein Hofmusiker, der sich auch mit dem Ausbessern alter Instrumente beschäftigte. Causbin (Coussin), Frangois. — Neufchäteau (Vogesen). 1845. 1881 Ein begabter Nachahmer der Italiener, der seine Geigen sehr hübsch ausführte und besonders geschickt war. den alten Lack mit all seinen zufälligen Mängeln zu imitieren. Er baute meist nach einem kleinen Modell. Er kam alljährlich mit seinen Geigen nach Paris, und da diese auch gut im Ton waren, brachte er sie leicht bei Händlern an. Gar mancher, der sich im Besitze einer echten Cremoneser wähnt, hat nur eine »Caussin«. Er machte auch allerlei Versuche, so besaß C. C. Snoeck eine Violine von ihm mit acht Saiten und sechs F- Löchern. Nicolas C. und Hipolyte C. (1878) waren gleichfalls sehr geschickt. Caussin, Fran^ois-Hippolyte. — Rouvres-la- Chetive (bei Neufchäteau). 1845. 1870 Sohn von Fran^ois C, der ganz in der Art seines Vaters arbeitete. Geigenzettel: Caussin Luthier / Neufchäteau (Vosges) (gedruckt). Caussin, Nicolas. 1860 Paris, Neufchäteau. 1850. Sohn von Francois C. Er war kurze Zeit in Paris an- sässig, kehrte 1857 wieder nach Neufchäteau zurück und war fast immer für seinen Bruder tätig. Auch er war wie dieser ein geschickter Nachahmer alter Violinen. Cavaleri, Giuseppe. — Genua. 1732. 1747 Man kennt verschiedene gute Geigen von ihm; wenn sie nur selten vorkommen, so liegt es daran, daß die Händler seine Arbeiten gerne mit berühmteren Namen versehen haben. Geigenzettel : Joseph Cavaleri fecit / Genuae anno sa- lutis 17.. (gedruckt). Cavalli, Arlstide. — Cremona. Geb. 12. April 1856 in Cremona Sohn von Savino C. und Schüler von G. Beltranni, dessen Nachfolger er auch 1882 wurde. Er baut haupt- sächlich Violinen nach eigenem Modell. Seine Arbeit erinnert an die Beltramis und Ceruttis. Er weicht jedoch von seinen Vorbildern in den Umrißlinien und den Stärkeverhältnissen stellenweise ab. Sein Lack ist recht gut. Er führt als Ladenschild: 'Claudio Monteverdi's (Schöpfer des Musikdramas 1567 — 1643). Geigenzettel: Abb. 147. Cavalli, Savino. — Cremona. 1850. f 1861 Tüchtiger Musiker, der auch einige gute Violinen ge- baut hat. Cavallini & Figlio, Luigi. — Arezzo Streich- und Blasinstrumentenmacherfirma der Gegen- wart. An manchen ihrer Mandolinen sitzen die Wirbel in einer halbrunden Metallscheibe. Cavalorio (Cavalerio ?) Vidal nennt einen Geigenmacher dieses Namens und gibt 1725 als Jahreszahl und Genf als Ort an. Sollte nicht Cavaleri und Genua gemeint sein? 74 ^avani — Cerin Cavani, Giovanni. — Spilamberto (Modena). Geb. 13. Aug. 1851 Sohn von Domenico C. und Teresa geb. Merli. Ge- schickter Streichinstrumentenmacher und nicht minder tüchtiger Glockengießer. Als Sohn eines Tischlers, der als Dilettant auch Musikinstrumente machte, kam er zuerst darauf, sich im Geigenbau zu versuchen, und ohne einen anderen Lehrer gehabt zu haben, brachte er es zu einer großen Fertigkeit sowohl im Neubau als in der Reparatur. Er besitzt mehrere Medaillen und ist Lieferant der Konservatorien m Parma und Bologna. Medaille 1901 . Leider sind seine letzten Arbeiten nicht mehr so gut wie früher. Vgl. A. G. Spinelli »Giov. Cavani«. Modena 1901. Cecco s. Ceko Cecherini s. Cicchenni Cejka, Johann. — Ödenburg (Sopron). f um 1879 Sohn von Jos. G. Cejka s. auch Czejka Cejka, Josef. — Saar, Prag, Chrudim. Geb. um 1781 in Saar (Zd'ar in Mähren), f 7. Aug. 1859 in Chrudim Er scheint in Prag gelernt zu haben wenigstens ist eine von ihm gebaute Geige, die er dort in seinem achtzehn- ten Jahre gemacht hat, bekannt. Er lebte dann bis etwa 1837 in Saar, wo er 1820 in zweiter Ehe Franziska Vorlicek heiratete. Ende 1837 erlangte er das Bürger- recht der königl. Leibgedingstadt Chrudim, doch scheint er auch hier als Geigenmacher nicht auf seine Rechnung gekommen zu sein, da er nebenbei noch einen »Kleinhandel« betreiben mußte. Seine Geig3n waren sauber gearbeitet und klangen gut. Geigenzettel : Joseph Czejka / b. Instrumentenmachei / in Chrudim 1847 / reparava (sie) (gedruckt). — Josef Cejka/ Instrumenta? Praha 1797 (gedruckt). Cejka, Severin. — Chrudim. 1851. f 4. Juni 1901 Jüngster Sohn von Josef C. Musikinstrumenten- macher. Geigenzettel : Sewerin Cejka / hotovitel hudebni'ch na- strojii / v Chrudime (gedruckt). Ceko (Cecco), Cristoforo. — Venedig. 1654 Lauten- und Violenmacher dritten Ranges. Celani, Emiho, gen. il Turco. — Ascoli Piceno. 1880. 1894 Er baute Geigen, Mandolinen und Gitarren und war auch als Reparateur nicht ungeschickt. Geigenzettel : Restaurato da Emilio / Celani (gedruckt). Celentano. — Neapel Mandolinenmacher. Celionatus s. Celoniato Cellier. — Hamburg. 1840. 1855. 1864 Ein K. Cellier lebte anfangs der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts in Hamburg; schon 1844 heißt die Firma »Cellier & Sohn«, auch »Cellier & fils« und 1855 nur F. Cellier. Der letztgenannte war wohl der Sohn, der aber noch 1864 die Firma J. Celller & Fils ange- wendet hat. Die Arbeiten mit ihren Zetteln sind nicht schlecht, am besten die Violoncelli. Doch scheinen diese öfters von anderen Geigenmachern (J. J.C. Sauke u. a.) gebaut zu sein, oder aus Mirecourt zu stammen. Geiaenzettcl : K. Cellier. / Luthier / Hamburg (gedr.). und Abb. 143. Cellini, Giovanni. — Florenz. Geb. um 1460, t 1527 oder 1528 an der Pest Der Vater des berühmten Goldschmieds und Erz- gießers usw. Benvenuto Cellini. Ursprünglich Archi- tekt, wie sein Vater, verlegte er sich — ein echter Renaissancemensch — auf viele Künste, ward Rats- pfeifer und wollte auch aus Benvenuto einen Musiker machen. Dieser schreibt von ihm in seiner Autobio- graphie: »Mein Vater machte zu selbiger Zeit (um 1505) wundersame Orgeln mit hölzernen Pfeifen, Klaviere, so schön und gut, als man sie damals nur sehen konnte, Violen, Lauten und Harfen auf das Beste ... Er ar- beitete wundersam in Elfenbein und war der erste, der in dieser Kunst etwas leistete.« Celoniato, Gian Francesco. — Turin. 1730. 1737 Wenn er, seinem Modell nach zu urteilen, auch Amali und Bergonzi gekannt hat, so steht er doch noch unter dem Einflüsse Cappas. Die Arbeit ist ziemlich gut, be- sonders schön aber sein gelber Lack. Die oft wieder- kehrende Lesart Celionatus scheint auf einem Druck- fehler zu beruhen. Eine Viola d'amore von 1732 besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Es soll auch Geigenzettel geben, auf denen nur der Taufname Franciscus vorkommt. Seine Violoncelli sind gewöhn- lich sehr gut im Ton. Im Jahre 1905 wurde ein solches in Wien für 4000 Kronen ausgeboten. Geigenzettel: Joannes Franciscus Celionatus fecit / Taurinl anno Domini 1 737 (gedruckt). — Abb 1 09 und 119. Centurio, Giuseppe. — Padua. 1750. 1780 Von einem Gelgenmacher erhielt ich die folgende Ab- schrift eines Zettels, der sich in einer gut gebauten, an Amati erinnernden Geige befunden haben soll: «Jos. Certurio Tiburtinus f. in Padua 1780«. Danach wäre anzunehmen, daß er aus Tibur, d. i. Tivoli bei Rom, stammte. Es Ist dies jedenfalls derselbe Geigenmacher, der auch unter dem Namen »Tibontimus« genannt wird. Andere lesen sogar »Conlusia Tibertimus«. Da ich keinen Originalzettel zu Gesicht bekommen habe, muß ich alle Konjekturen vermeiden. Cerin, Marco. — Venedig. 1610 Eine prächtige Laute mit geschnitztem Männerkopf, bei der nur die Einlage etwas plump erscheint, befindet sich in der Königl. Sammlung alter Musikinstrumente in Cerin — Chalon 75 Berlin (Nr. 702). Der Name kann hier allerdings auch Perin statt Cerin gelesen werden ; auch die Jahreszahl möchte ich etwas anzweifeln. Geigenzettel : Marco Cerin fece in Venezia 1610 (gedr.). Cerin, Marco Antonio. — Venedig. 1 780. 1 824 Vielleicht ein Abkömmling von Marco Cerin. —Er be- zeichnet sich als einen Schüler Ans. Belosios; seine Arbeit ist schön, sein Lack blaßgelb oder sattrot und das Modell dem des Stradivari ähnlich. Geigenzettel: Abb. 138. Cermak, Josef. — Böhmisch-Schumburg (Sumburk). 1889. 1895 Musikinstrumentenmacher, von dem mehrfach Arbei- ten vorkommen. Geigenzettel : Josef Cermäk / V Ceskem Sumburku u Tannwaldu (gedruckt). Cermäk, Josef A. — Kutnä Hora (Kuttenberg). Geb. in Pasek a. d. Iser am 17. Jan. 1874 Schüler von Benj. Patocka. Er ließ sich im Jahre 1898 in Kuttenberg nieder, wo er seine eigene Werkstatt er- öffnete. Er baut nach Amati, Stainer, Stradivari und Guarneri und verwendet goldgelben und feungroten Lack. Er arbeitet sorgfältig und besitzt die silberne Staatsmedaille. Geigenzettel: Abb. 144. Certinetti s. Nigetti Cleruttl, Enrico. — Cremona. Geb. 1808, t 20. Okt. 1883 Sohn des Giuseppe C. und der letzte Geigenmacher der Familie. Wenn er auch so wenig wie irgendein an- derer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts die großen Cremoneser Meister erreichte, so hat er doch An- erkennenswertes geleistet ; namentlich seine Violoncelli gelten als wertvolle Arbeiten. Er hat an 400 Geigen ge- baut und beschickte alle größeren Ausstellungen, die ihn mit Medaillen auszeichneten. Seine letzte Arbeit war 1881 in Mailand ausgestellt. Er wohnte Via Borgo SperaNr. 14. Geigenzettel: Abb. 146. Cerutti, Giov. Battista. — Cremona. Geb. um 1755, t nach 1817 Er war Lorenzo Storionis Schüler und Nachfolger, dessen Geschäft in der Via di Coltellai er 1790 über- nahm. Krankheitshnlber mußte er seine Werkstatt schon vor seinem Tode semem Sohne übergeben. Er i-baute nach Guarneri, seltener nach Stradivari, zumeist aber nach dem großen Amatimodell, ungefähr 500 In- strumente. Sein Lack ist verschieden, von hellem Bern- steingelb bis zum tiefsten Rot. Manchmal nahm er auch verschiedene Farben für die Decke und den Boden. Er war freilich auch kein ebenbürtiger Nachahmer seiner großen Vorgänger, aber man erkennt in seinen Arbeiten doch noch die Traditionen der Schule, aus der er her- vorgegangen ist. Der Tjon ist edel und hat durch das Alter naturgemäß sehr gewonnen. Geigenzettel: Abb. 136, Brandmarke Nr. 25. Cerutti, Giuseppe. — Cremona. Geb. um 1787, f 1860 zu Mantua Sohn und Nachfolger von Giovanni Batt. C, den er jedoch nicht ganz erreicht. Er bevorzugte ein kleines, zierliches Modell und schönes, am Boden enggeflamm- tes Holz und verv.endeterötlichgelben oder gelben Lack. Seine F-Löcher sind sauber geschnitten, dagegen stehen seine Schnecken oft ein wenig seh lef und haben schlechte Rundungen. Seine bcsserenGeigen, die nußer dem Zettel auch die Brandmarke G. C. tragen, werden schon mit sehr hohen Preisen bezahlt. Er war auch sehr geschickt als Verfertiger geodätischer Instrumente und berühmt wegen seiner kunstreichen Wiederherstellungen alter Geigen. Geigenzettel : Josephus Cerutti f ilius Joannis Baptis- / tae Cremonensis fecit anno 1830 (gedruckt). Brand- marke Nr. 26. Cerrutti, Sebastian. — Piemont. 1615 Dieser Lautenmacher, den Valdrighi (4486) erwähnt, dürfte ein Vorfahr der Cremoneser Familie gleichen Namens gewesen sein. Cervella, Giovanni. — ? Italienischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. Cervo, Giovanni. — S. Angelo. 1489 Einer der ältesten italienischen Lautenmacher, den Val- drighi (3979) aufzählt. Cesana, Carlo. — Carate (Brianza). 1898 Guter Mandolinenmacher. Chalin pere. — Pont-ä-Mousson. 1865 Ein Liebhaber, dessen Zettel A. Jacquot mitteilt. Challard. — Montpellier, Herault. 1898 Erfinder einer Neuerung an Lauten, Mandolinen, Gi- tarren usw. Challiot, Antoine. — Paris. 1778. 1816 Anfangs baute er auch Lauten und Gitarren, aber bald verlegte ersieh ganz auf den Bau von Harfen. Er wohnte erst Faubourg St. Antoine und zog dann nach Faubourg St. Martin. Sein Sohn Pierre (f 1839) und sein Enkel Etienne waren seine Nachfolger. Eine Pedalharfe von ihm im Empirestil besitzt das .vlusikhistorische Museum in Stockholm, eine ebensolche W. Heyers Musikhistori- sches Museum in Köln. Challoner, Thomas. — London. 18. Jahrh. Seine Arbeit geht, wie die der meisten seiner Zeit- genossen, auf das Stainermodell zurück; übrigens könnte er ein Schüler von Wamsley gewesen sein. Chalon, Fr. — CHälons-sur-Marne. 1812 Er nennt sich »Luthier et facteurd'instruments ä vent« und hat nur in seiner letztgenannten Eigenschaft Be- deutung. Seine Geigen sind von mittelmäßiger Arbeit, auch wenn er sie nach Maggini baute und doppelt ein- legte. 76 Chalupätzky — Chanot Steingrub b. Eger. Chalupätzky, Anton. 1900 GeigenmacKer der Gegenwart, der für den Handel ar- beitet. Champion, Jean-Baptiste. — Paris. 1 783. 1 808 Vielleicht ein Sohn von Rene Ch. Geigen von ihm sind nicht bekannt, wohl aber schön eingelegte, sechssaitige Gitarren. Champion de St. Juhen, Rene. — Paris. 1730. 1770 Er wohnte 1735 in der Rue des Bourdonnois und 1748 in der Rue des vieilles Odriettes. Seine Geigen sind hoch ge<\'ölbt und verraten die Schule Guersans oder Boquays. Gelber l.ack von guten Eigenschaften und brave Arbeit. Auf den meisten Zetteln fehlt der Zusatz de St. Julien nach dem Namen. Seine Witwe führte noch 1775 bis 1777 das Geschäft fort. Eine Bratsche findet sich aus der Sammlung Snoeck (Nr. 470) in Berlin. Geigenzettel: Rene Champion de St. Julien, rue des vieilles Odriettes / au coin de l'echelledu temple ä Paris 1748 (gedruckt). — Abb. 104. Channon, Fred William. — Plymouth. Geb. 1862 in Totness Ursprünglich Kunsttischler, begann er im Jahre 1891 seine erste Geige zu machen und wurde ein geschickter englischer Geigenmacher, der vornehmlich nach Stra- divaris »Tuscan« arbeitet und bereits viele Medaillen erhielt. Geigenzettel : Made by Fred : W. Channon / No. . . Plymouth. ' Medals 1893 1890 1889 1883. Chanot, Francis. — Paris. Geb. 1787 oder 1788 zu Mirecourt, f 1823 zu Brest (Roche- fort) Sohn von Joseph Ch. und der Catherine geb. Beur- douche. Er war von Beruf Marineingenieur und besaß ein reiches Wissen. Zu einer unfreiwilligen Muße wäh- rend der Zeit der Restauration gezwungen, nahm er einen Lieblingsgedanken seiner ersten Jugendjahre wie- der auf und machte allerlei akustische Versuche, um den Ton der Geigen zu verbessern. Er glaubte dies durch eine Veränderung im Bau zu erreichen, und um die Holzfasern in ihrer ganzen Länge zu erhalten, was er für nötig hielt, konstruierte er 1817 eine Geive, deren Körper sich der eckenlosen Form der Gitarre nähert. Neu war dieser Versuch nicht, und Gamben usw. hat man fast zu allen Zeiten mit abgerundeten Ecken ge- baut. Chanot erhielt aber 1818 ein Patent auf seine Er- findung, die vom »Institut* glänzend begutachtet wurde, und hoffte eine Revolution im Geigenbau herbeiführen zu können. Da er selbst nicht Geigenmacher war, richtete er bei dem Orgelbauer Lete eine Werkstatt zum Bau von Geigen ein, in der er seinen Bruder Georges Ch. und J. B. Vuillaume beschäftigte. Der Ton seiner Gei- gen ist zwar voll, doch fehlt ihm der eigentliche Glanz und Schmelz. Hat sich somit Chanot kein Verdienst um die Verbesserung der Geige erworben, so regte er doch Savart u. a. zu wertvollen akustischen Studien an. Eine Geige seiner Konstruktion, die er für Viotti ge- macht hat, bewahrt das Museum des Pariser Kon- servatoriums (Nr. 31) mit dem untenstehenden Zettel, der das Datum seines Patentes (21. Januar 1818) an- gibt. Die Buchstaben C. I. D. bedeuten seinen da- maligen Rang: Capitaine Ingenieur Deuxieme (Classe); kurz vor seinem Tode wurde er wieder in Dienst ge- stellt und zum Kapitän I. Klasse befördert. Die ge- nannte Violine enthält noch einen Zettel mit den Ver- sen : »A mes essais daigne sourire ! Fais resonner ce nouveau violon : Et Ion dira que d'Apollon J'ai retrouve l'harmonieuse lyre.« Geigenzettel: Abb. 132. Chanot, Frederic W. — London. 1890. 1900 Zweiter Sohn von Georges II Ch., der sowohl als Geigenmacher wie als Händler guten Ruf hat. Chanot, Georges I (genannt »Du Joly«). — Mirecourt. 1710. 1714 Das älteste von A. Jacquot nachgewiesene Mitglied und wahrscheinlich der Stammvater der Familie. Chanot, Georges II. — Paris. Geb. in Mire- court 25. März 1801, t in Courcelles 10. Jan. 1873 Sohn und Schüler von Joseph Ch. 1819 kam er nach Paris, wo er in der Leteschen Werkstatt Geigen für seinen Bruder nach dessen Modell machte. Schon im Jahre 1820 wollte er sich auf eigene Füße stellen — er wohnte Rue de !a Vrillere — , doch scheint man zu dem 19 jährigen Meister nicht genug Vertrauen gehabt zu haben. Er trat daher zunächst wieder bei Clement und dann bei Ch. F. Gand als Gehilfe ein und machte sich erst 1823 wieder selbständig. Er wohnte bis 1825 Rue Oblin pres de la Halle, bis 1828 Place des Victoires, bis 1837 Passage Choiseul, bis 1848 Rue Rivoü und zuletzt auf dem Quai Malaquais, wo er bis 1871 tätig gewesen ist. Er war einer der glänzendsten Vertreter der fran- zösischen Schule des 19. Jahrhunderts und hat zweifel- los wertvolle Anregungen von seinem Bruder emp- fangen, wenn er auch andere Wege ging. Er war ein denkender Künstler und ein gründlicher Kenner der Italiener, die er eifrig studierte und nachahmte, be- sonders Stradivari und Guarneri. Arbeit, Holz und Lack sind tadellos und der Ton sehr edel. Ebenso bedeutend war er als Reparateur und als Händler und hat wieder- holt große Reisen durch Italien, Spanien, Deutschland, Osterreich und Rußland gemacht, um alte Geigen ein- zuhandeln. Seine erste Frau (f 1858) war seine Schü- lerin und konnte schon 1827 eine vorzügliche, von ihr gebaute Geige ausstellen. Später heiratete er seine Schwägerin, und auch diese ward ihm eine brauchbare Gehilfin. Im Jahre 1872 zog er sich vom Geschäfte, das er seinem Schwiegersohns Jos. Chardon übergab, nach Courcelles (Seine-et-Oise) zurück, wo er sich noch immer zu seinem Vergnügen mit dem Geigenbau be- schäftigte. Auch er machte viele Versuche, um den Ton Chanot — Chardon 77 der neuen Instrumente zu veredeln; er kam aber schließlich dahin, alles zu verwerfen, was ein Ab- weichen von den bewährten Errungenschaften der Cremoneser bedeutete. Geigenzettel : Chanot jeune rue Passage , Choiseul Nr. 15 ä Paris 1825 (geschrieben). — Abb. 126. Chanot, Georges III. — London. Geb. in Paris 1830, t London H . März 1893 Sohn (erste.' Ehe) und Schüler von Georges II Gh. Im Jahre 1851 ging er nach London, trat als Gehilfe bei seinem Landsmanne Ch. Maucotel ein und machte sich 1859 selbständig. Er darf als einer der besten Lon- doner Geigenmacher des 19. Jahrhunderts gelten, und eine in den siebziger Jahren von ihm gefertigte Maggmi- Kopie kann, nach Heron-AUens Ausspruch, jeden Ver- gleich mit einer Cremoneser Meistergeige aushalten. Chanot, George Adolphus. — Manchester. Geb. 28. Okt. 1855 in London Ältester Sohn und Schüler von Georges III Ch. Zu seiner weiteren .Ausbildung arbeitete er auch ein Jahr lang in Paris bei seinem Oheim Jos. Chardon. Im Jahre 1879 eröffnete er seine Werkstatt in Manchester und ist ein würdiger Erbe der Kunst seines Vaters und Großvaters. Geigenzettel: Abb. 134. Chanot, Joseph. — Mirecourt. 1780. f um 1830 Ein sehr handwerksmäßig arbeitender Mirecourter Gei- genmacher. Sein Lack ist rot oder dunkelbraun, und sein Name findet sich innen im Boden eingebrannt. Chanot, Joseph Anthony. — London. Geb. l.Okt. 1865 in London Dritter Sohn und seit seinem 14. Jahre Schüler von GeorL'es III Gh., bei dem er bis zu dessen Tod ( 1 893) als Gehilfe blieb. Er übernahm hierauf die Werkstatt und das Geschäft seines Vaters, das sich nun seit 1858 in der Wardour Street befmdet. Chanot, M°". — Paris Geigenmacherfirma der Gegenwart, ges;r. 1821. In- haber: Chardon Vater und Sohn (s.d.). Seit 1900 lautet die Firma : *>Chardon Successeur«. Chantraine. — Mirecourt. Nach 1800 Man kennt bisher nur gute Gitarren, die seinen Namen als Brandmarke tragen. Chapuy (Chappuy), Nicolas. — Mirecourt. 1733. 1781 Jacquot weiß von ihm nur, daß er Geigenmacher und mit Anne Parisot verheiratet war. Ich vermute, daß die meist sehr gewöhnlich gearbeiteten Violinen, die die bisher seinem Bruder zugeschriebene Brandmarke »N. Chappuy« tragen, von ihm herrühren. Besser sind die Liebesgeigen mit dieser Brandmarke, die auch durch hübsch geschnitzte Köpfchen am Wirbelkasten auffallen. Chappuy, Nicolas-Augustin. — Paris, Mire- court. Geb. um 1 740, t 27. Sept. 1784 Bruder von Nicolas Ch. Er ließ sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Paris nieder, wo er sich zwar eines gewissen Ansehens erfreute, doch ging er nach 1770 nach Mirecourt zurück. Er ist sehr ungleich in seiner Arbeit und sorglos in der Wahl des Holzes gewesen und verwandte meist einen gelblichen oderb''aunen Sj^intus- lack, der in der Mitte wesentlich dunkler gefärt-t er- scheint. ErnahmdasStradivan- undGuarneridelGesü- Modell zum Vorbild, hat aber kaum je ein Original gesehen. Neben guten Geigen von ihm gibt es auch solche, die kaum noch die Hand eines Fach- mannes vermuten lassen. Einer seiner guten Geigen bediente sich der berühmte Geiger und Komponist Habeneck mit Vorliebe. Diese befindet sich jetzt im Museum des Pariser Konservatoriums. .Auch in der Sammlung Snoeck befand sich eine bessere Arbeit seiner Hand. Eine Violine, die er nach seiner Heimkehr nach Mirecourt 1 770 gemacht hat, besitzt Carl Stoeber in Würzburg. Eine Pochette befindet sich in der Samm- lung Savoye in Paris. Auf seinen Zetteln nennt er sich meist nur Augustinus Gh., manchmal auchN. A., nie- mals nur N. oder Nicolas allein. Geigenzettel : Augustinus Chappuy / olim Parisiis nunc Mirecurtio fecit Anno 1 770 (gedruckt). — .Augustinus Chappuy , Fecit Parisiis anno 1 766 (gedruckt). — N A Chappui, luthler , de S. A. R. la Duchesse de Montpensier (gedruckt). — Abb. 97. Chappuy, Pierre-Fournier. — Mirecourt. 1 775. Bruder von Nicolas und N. Augustin Ch. Geigen, die ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden können, sind noch nicht bekannt geworden. Chardin. — Mirecourt. 1875. 1886 Geschickter Geigenmacher, der hauptsächlich für die größeren Fabriken in Mirecourt tätig war. Lehrer von A. Delivet. Chardon, Joseph-Maria. — Paris. Geb. 22. Mai 1843 in Paris Schüler und Schwiegersohn von G. Chanot, dessen Ge- schäft er 1872 übernahm und fortsetzte. Später ward auch sein Sohn Teilhaber der Firma »Chardon et fils«. Sie arbeiten den alten Traditionen getreu und haben sich 1 900 wieder gelegentlich der Pariser Weltausstellung ausgezeichnet. Auch er bereiste viele fremde Länder, wie Chanot, um alte Geigen einzuhandeln. Er wohnte zuerst Quai Malaquais und verlegte 1 888 sein Geschäft in die Rue Poissonnerie 22. Er besitzt zahlreiche Me- daillen. Geigenzettel: Abb. 130. Chardon, M. Joseph-Ant. -Georges. — Paris, Geb. 22. April 1870 Sohn, Schüler und seit 1896 Teilhaber von Joseph- Marie Ch. Geigenzettel: Abb. 103, 115, 125. 78 Charle — Chatelaln Charle. — Paris. 1748 Aus Mirecourt stammender und sehr handwerksmäßig arbeitender Geigenmacher, von dem nur sehr selten Arbeiten vorkommen. Gelgenzettel : Charle, luthier dans les Quinze- / Vingts' a Paris annee 1 748 (gedruckt). Charles, J. — Marseille. 1783. 1786 Wahrscheinlich ein Schüler seines Oheims Guersan und möglicherweise ein Sohn des Pariser Charle. Seine Arbeit zeichnet sich durch nichts aus und ist sehr ge- wöhnlich. Besser waren seine Gitarren, die er sehr hübsch auszustatten verstand. Er verwendete Zettel, auf denen manchmal der Taufname fehlte. Geigenzettel: Abb. 1 18. Charlutte. Wahrscheinlich schlecht gelesen für Charoutte = Cha- rotte. Charotte, Fran^ois. — Mirecourt. 1797. 1798 Nur dem Namen nach bekannt. Vielleicht der Bruder von J. F. Ch. in Nancy. geahmt, doch hat er immerhin gut spielbare Violoncelli und Bässe gebaut. Er führte das Schild >>ä la ville de Cremone*. Seine Violinen sind gewöhnlich demStradi- varimodell nachgeahmt und hell lackiert. Seme Brand- marke nannte Paris als Ursprungsort. Geigenzettel: Abb. 110 und 1 14. Charpantier (Charpentier). — Bordeaux. 1 780 Wenig bekannter Geigenmacher, der »Galerie du spec- tacle« wohnte und wohl hauptsächlich als Wiederher- steller alter Geigen tätig war. Geigenzettel: Abb. 141. Charpentier, Auguste. — Mirecourt. Anfang des 19. Jahrhunderts Ist mir nur als Lautenmacher bekannt. Eine große Gi- tarre mit Ahornboden und -zargen besaß C. C. Snoeck. Charpentier (Louis) et Münchs. — Paris. 1 832 Erfinder der »Guitare multicorde« (Verbindung von Lyra, Gitarre und Harfe). — Ein Auguste Charpentier lebte als Gitarrenmacher in Mirecourt. Charotte, Claude. — Mirecouii:. 1763. 1765 Gewöhnliche Mirecourter Arbeit. Auf dem Zettel und seiner Brandmarke gibt er, wie viele Mirecourter, Paris als Ursprungsort an. Geigenzettel: Cl. Charotte / ä Paris (gedruckt). Charotte, Hippolyte. — Mirecourt. Geb. Chartrin. — Mirecourt 30. April 1829. f nach 1876. Chartrain. — Mirecourt. 1760 Einer der vielen Mirecourter, die Paris als Ursprungs- ort angeben. Seine Geigen klingen nicht schlecht, sind aber von gewöhnlicher Arbeit. Sohn von Joseph Ch.-Millot und jedenfalls auch dessen Schüler. Seine Arbeit gleicht der seines Vaters und ist nicht hervorragend. Charotte, Jean-Fran^ois. — Mirecourt, Nancy. 1784. 1801 Wahrscheinlich ein Bruder von Claude Ch. Er kam nach A. Jacquots Feststellung im Jahre 1774 nach Nancy und hatte seine Werkstatt in der Rue St. Jean, später in der Rue de la Poissonnene. Er gebrauchte die Brandmarke: Charotte ä Nancy. Charotte, V. J. — Mirecourt. 1904 Ein Geigenmacher, der, wie viele andere, ein System zur Verbesserung der Tonstärke der Geigen erfunden hat. Vgl. Nouvelles scientifiques 1904, S. 15. Charotte. — Rouen. Geb. in Mirecourt, f 1836 Er ließ sich in Rouen nieder, wo er 1830 in der Rue Beauvoisine Nr. 36 wohnte. Seine Arbeit ist von ge- wöhnlicher Mirecourter Art, wenn auch manchmal mit einer gewissen Sorgfalt durchgeführt. Seine Nachfolger waren P. N. Jeandel und Lucien Delau, die sich jedoch 1848 trennten. Charotte-Millot, Joseph. — Mirecourt. Geb. 2. Sept. 1798. fnach 1848. Sohn von Fran^ois Ch. Er nennt sich zwar einen Schü- ler von Aldnc, hat aber dessen Arbeit nicht nach- A. Jacquot nennt aus dieser Familie, die ursprünglich wohl mit den Chantraines und den Chartrains zusam- menhing: Nicolas Ch.. f 11 April 1748, dessen Sohn Fran<;ois Ch., f 8. August 1756, und einen Louis Ch., der schon 1720 vorkommt. Charwath, Franz. — Wien. 1849. f 1876 Ein unbedeutender Saiteninstrumentenmacher, dessen Witwe Leopoldine das Geschäft bis 1880 fortführte. Geigen sind mir von ihm bisher nie bekannt geworden. In der Mitte seines Zettels befindet sich eine Lyra mit Kranz und den Buchstaben F. C. usw. Geigenzettel: Franz Charwath / In Wien / Leopold- stadt No312 (gedruckt). Chastelain, Martin. — Warwick. 1580 Ein blinder flandrischer Geiger, der auch Violen, Vio- linen und Spinette gemacht haben soll. Chatelain, Fran^ois. — Paris. 1766. 1799 Er wohnte zuerst Rue de Braque Nr. 9 und dann in der Rue de Berry. Einige sehr gut erhaltene Geigen von ihm lassen ihn als einen tüchtigen Meister erkennen. Eine Zeitlang arbeitete er mit Renault (s. Renault et Chate- lain) zusammen. Ein »Alto recoupe« von ihm wird in Gallay-Brunis Inventaire S. 105 erwähnt. Eine Harfe in chinesischem Stil ist im Museum Cluny in Paris zu sehen. Vielleicht ist er mit dem 1759 vorkommenden Chaterain identisch. Geigenzettel: Abb. 145. Chatelin — Chiarelli 79 Chatelin (Chathelin), Adrien-Benoist. — Va- lenciennes. 1 757. 1 759 Einige gute Violen von ihm sind bekannt, besonders ein Quinton der Sammlung Samary von 1758 und ein Par dessus de viole in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln. Nr. 789. Geigenzettel : Fait par Adrien Benoist / Chatelin ä Va- lencienne / 1 758 (geschrieben). Chatelin (Chatelain), Pierre. — Mirecourt. 1778. 1781 Durch das Vorkommen seines Namens in Mirecourt ergibt sich, daß auch die übrigen Geigenmacher dieser Familie höchstwahrscheinlich aus Mirecourt stammen. Chaussier, H. — Paris. 1889 Ein Instrumentenmacher und Reparateur ohne beson- deren Ruf. Chavez, Tomas, lebte im 19. Jahrhundert in San Salvador Chelz, Stephan. — Rom. 1602 Von ihm weiß man nur, daß er ein Lautenmacher deutscher oder vlämischer Abkunft war und am 26. Juni 1602 von Pompeo Lambertino ein Haus m Rom kaufte. Cherbourg. — Paris. 1760. 1780 Er wohnte im »Temple«. Seine Modelle sind gut, nur die F-Löcher etwas zu weit ausgeschnitten. Er ist u. a. der Erfinder einer verbesserten Lyra. Eme solche be- findet sich m der Sammlung Sax. Geigenzettel : Cherbourg dans le Temple a Paris / en- venteuvre (sie) de la perfexion (sie) / de cet instrument tans desire (sie) (gedruckt). Cheron, Nicolas. — Paris. 1658. 1691 Vermutlich der Sohn eines Orgelbauers. Er wohnte in der Rue Dauphine und später in der Rue de laVieille- Boucherie und handelte auch mit römischen Saiten. Außer Violen dürfte er auch Blasinstrumente gemacht haben. Cherpitel, Nicolas-Emile. — Paris. Geb. m Mirecourt 24. Juni 1841 , f Feb. 1893 in Paris Nachdem er in seiner Vaterstadt ausgelernt hatte, ar- beitete er bei Grandjon und kam 1 859 nach Paris zu den Brüdern Gand als Gehilfe, wo er bis 1 870 blieb. Hierauf begründete er seine eigene Werkstatt in der Rue St. De- nis und zog 1884 in die Rue du Faubourg Poissonniere. Er arbeitete gediegen, hatte einen guten Lack und er- hielt auf allen von ihm beschickten Ausstellungen Aus- zeichnungen. Seine Witwe führte mit ihrem Neffen Ch. Moinel das Geschäft bis 1 899 fort und überließ es diesem dann ganz. Geigenzettel: Nicolas-Emile Cherpitel, ä Paris / 13Fau- bourg Poissonniere. / N.E. C. (gedruckt). — Abb. 1 12. Cherpitel-Moinel s. Moinel Chevrier, Amable. — Cherbourg. Geb. in Mirecourt am 29. Jan. 1823, lebte noch 1886 Ältester Sohn von Claude Chevrier. Er verließ gegen 1884 Cheibjurg wieder und übergab seine Werkstatt, der er 30 Jahre lang vorstand, dem Geigenmacher A. Magne. Angeblich ist er nach Mirecourt zurück- gekehrt. Chevrier, Andre-Augustin (Auguste). — Paris, Brüssel. 1830. 1840. Geb. in Mirecourt Schüler von Koliker. Er ließ sich zunächst in Paris nieder und siedelte vor 1838 nach Brüssel über. Seine Arbeit ist lobenswert. Er ahmte Lupot nach und ver- wendete einen dicken, rotorangen Lack, der jetzt aller- dings ein wenig rissig erscheint. Seine besten Geigen haben doppelte Einlagen. Chevrier, Antoine. — 1 732. 1 775 Nur urkundlich nachweisbar. Chevrier, Claude. — Mirecourt. Geb. 1800, t 24. Juli 1878 Seine Geigen sind von gewöhnlicher, handwerksmäßi- ger Arbeit. Chevrier, Claude- Auguste. — Beauvais. Geb. in Mirecourt 19. Mai 1827 Zweiter Sohn von Claude Chevrier und wohl auch dessen Schüler. Im Jahre 1888 gab er seine Werkstatt auf. Chevrier, Joseph. — Mirecourt. Geb. 26. Dez. 1833, f 1911 Sohn von Claude Ch. Einer der besseren Mirecourter Geigenmacher seiner Zeit; er war seit etwa 1866 Leiter der Thibonville-Lamyschen Fabrik Chevrier, Nicolas. — Mirecourt. Geb. um 1700. 1770 Wahrscheinlich der Stammvater und auch der beste Geigenmacher aus der Familie. Eine Geige von ihm wurde in London einige Jahre vor dem Kriege cchon um 360 Mark verkauft. Chevrier, Paul. — Mirecourt. Chälons-sur- Saone. 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Sohn von J. Chevrier. Er verband mit seiner Geigen- werkstatt einen Klavierhandel. Chevrier, Victor. — Mirecourt. 1911 Sohn von Joseph Ch. und dessen Nachfolger in der Thibonville-Lamyschen Fabrik. Chiarelli, Andrea. — Messina. Geb. in Mes- sina um 1675, f 1699 Ein Lautenmacher, der aber berühmter als Komponist und Virtuose auf der Archilaute war. Er war ein so- genanntes Wunderkind und erhielt seine Ausbildung in Rom und Neapel. Es werden ihm auch einige Ver- besserungen an seinem Instrumente nachgerühmt; die 80 Chiareschi — Chretien von ihm gemachten Theorben und Archilauten nennt Fetis, der eine solche von 1698 besaß, die besten, die je gemacht wurden. Ich selbst habe keine Arbeiten von ihm kennen gelernt. Schon 1690 veröffentlichte er »Suonate musicali di violini, organo, violone ed arci- luto«. Chiareschi, PaoHno. — Del Bagno. 1827 Seine Geigen klingen manchmal nicht schlecht, smd aber nicht sorgfältig gearbeitet und lassen auch im Lack viel zu wünschen übrig. Chiari, Francesco. — Villa Mmozzo (Modena). 1880. 1883 Geigenmacher und Reparateur von wenig Ruf. Chlavellati, Domenico. — Lonigo. 1 780. 1 796 Er ist weniger wegen der Güte als wegen der oft bizar- ren Formen seiner im übrigen ziemlich mittelmäßigen Violinen bekannt. Eine achtsaitige Viola von ihm besaß ein süddeutscher Sammler. Geigenzettel : Dom<=° Chlavellati / Fece / Lanno 1 796 / In Lonigo (gedruckt). Chlbon, Jean-Robert. — Paris. 1757. 1785 Die wenigen Arbeiten, die von ihm erhalten sind, lassen ihn als einen handwerksmäßig arbeitenden Geigen- iiiacher erkennen. Auch sein brauner Lack ist sehr mittelmäßig. Selbst das von Gallay veröffentlichte Bru- nische Inventar bezeichnet ein Instrument von ihm als »un Alto ordlnalre« (dasselbe war Eigentum des am 27. Januar 1794 guillotinierten Kriegskomrnissärs Saint-Laurent). Die Marqulse von Lestange besaß nach diesem Inventar ein gleiches Instrument und ein Violoncello von ihm. Er wohnte um 1757 in der Rue de la Sourdiere, von 1755 bis 1779 in der Rue de la Comtesse d'Artois, und von 1 783 bis 1 785 in der Rue de la grande Truandene. Geigenzettel: Abb. 120. Chilinski (Chyliiiski), Paul Augustinowitsch. — Warschau, Kiew. Geb. 1830 Ursprünglich Schauspieler, bildete er sich autodidak- tisch zum Gelgenmacher aus und siedelte in den sieb- ziger Jahren des 19. Jahrhunderts von Warschau nach Kiew über. Vielen seiner Arbeiten Ist es anzusehen, daß er den Gelgenbau nicht regelrecht erlernt hat, die Ein- lagen und die F-Löcher lassen zu vs'ünschen übrig. Er verwendet jedoch sehr schönes Holz, auch im Ton sind seine Geigen nicht schlecht, sie klingen welch, wenn auch etwas dumpf. Er baut nach Guarneri del Gesü und verwendet einen vollroten Kopalöllack. Aut der St. Petersburger Muslkausstellung 1908 erhielt er eine kleine goldene Medaille. Chiocchi, Gaetano. — Padua. Geb. 13. Jan. 1814 in Monselice bei Padua, f nach 1880 Einer vornehmen Familie entstammend, studierte er zuerst Philosophie, dann Medizin und erlernte bei einem tüchtigen Tartlnischüler das Gelgenspiel. Als er sich der revolutionären Bewegung in der Romagna an- schloß, geriet er in Gefangenschaft und mußte für ein halbes Jahr in den Kerker wandern. Später zur Dienst- leistung im 13. österr. Infanterieregiment herangezogen, trat er als Fagottist in das Musikkorps ein und verlegte sich ganz auf das Studium der Musik, so daß er schon 1844 Musikdirektor des Ballett-Theaters In Padua wer- den konnte. Hier wurde er mit Giuseppe Cerutti bekannt und erhielt dadurch, schon in reifen Jahren, den ersten Anstoß, sich im Geigenbau zu versuchen. Er besuchte verschiedene Werkstätten, blieb aber in der Haupt- sache Autodidakt und brachte es mit eisernem Fleiß und einer ungewöhnlichen Begabung dazu, sich zu einem trefflichen Gelgenbauer auszubilden. Die erste Gel.ge baute er Im Jahre 1858, aber er eignete sich erst noch tüchtige Kenntnisse In den Gesetzen der Akustik, der Chemie usw. an, bevor er sein eigenes Modell auf- stellte, das mit einem veränderten F dem Magglnl- modell nahesteht. Er galt zu seinen Lebzelten bald als einer der besten Gelgenmacher in Italien, und da er nur wenige Gelgen gemacht hat (Im ganzen etwa 50!). stehen sie auch heute noch hoch Im Preise. Ton, Arbeit und Lack verdienen uneingeschränktes Lob, das ihm auch de PIccolellls zollt. Auf der Innenseite der Decke findet man In seinen Gelgen oft Eintragungen, die auf die damaligen politischen Verhältnisse seines Vater- landes anspielen. Vgl. den Aufsatz von v. WasiUewski in der Allgemeinen Musikzeitung VII, Nr. 30 (1872). Chiochini, Pietro. — Pisa. 18. Jahrhundert Ein Meister dritten Ranges, der immerhin wegen des schönen Holzes, das er verwendete, einige Beachtung verdient. Chirone s. Manano Chironi, neuerer italienischer Geigenbauer Chitarrino, dal, s. Petrobono Chiusole, Antonio di. — Roveredo. 1784 Sein Name läßt darauf schließen, daß er aus Chiusole (Trient) stammt. Seine Bässe erinnern an Tiroler Ar- belt; Violinen scheint er nur selten gemacht zu haben. Gelgenzettel : Antonius de Clusolls / faciebat Roboreti .... opus 1 1 (gedruckt). — Antonius de Clusolls / feclt 1784 (gedruckt). Chretien, Hippolyte, gen. Silvestre. — Lyon, Paris. Geb. I.April 1845 in Sommerviller (Meurthe, Frankreich) Ein Schwestersohn von Pierre und Hipp. Silvestre und deren Schüler. Nachdem er tüchtig vorgebildet war, übernahm er Im Jahre 1865 das von seinen Oheimen begründete Geschäft von Plchon. Er ist ein würdiger Nachfolger der beiden Sllvestres und erregte schon 1 873 auf der Wiener Weltausstellung mit einem Violon- cello, das durch die Fülle und den Adel des Tons wie durch die Ausführung hervorragte, ein gewisses Auf- sehen. Ebenso gut waren seine Gelgen und Violen, deren Lack an italienische Vorbilder erinnert. Im Jahre 1884 verlegte er sein Geschäft nach Paris, Rue du Fau- bourg-PoIssonnlere, und ist auch als Reparateur zu Christa — Clagget 81 großem Ruf gekommen. 1900 verband er sich mit Ernest Maucotel. Er besitzt zahlreiche Auszeichnungen und ist Ritter der Ehrenlegion. Geigenzettel : Hippolyte Chretien, Silvestre neveu (ge- druckt). — Silvestre et Maucotel / Paris 19 . . N" (gedruckt) und Abb. 102 und 113. Christa, Joseph Paul. — München. 1730. 1776 Vielleicht der am 3. März 1700 fjeborene Sohn des als »Faber lignarius« bezeichneten Michael Christa in Füssen. Ein seinerzeit geschätzter Geigenmacher der Füssener Schule, der auch heute noch alles Lob ver- dient. Der älteste Zettel, den ich von ihm kennen lernte, rührte von 1730 her; in den Hofrechnungen (Münch- ner Kreisarchiv) kommt er noch 1 776 vor. Er erinnert in seiner Arbeit an Alletsee, als dessen Gehilfe er nach München gekommen sein könnte, und bevorzugt ein hochgewölbtes Modell. Sein Lack ist meist braun, scheint jedoch nachgedunkelt zu sein. Besonders schön sind seine Liebesgeigen, die am reichverzierten Wirbel- kasten das Köpfchen der Themis tragen. Eine solche besaß Horst Berger in Hamburg. Geigenzettel: Josephus Paulus Christa, Lauten / und Geigenmacher in München 1730 (gedruckt). Christa, Michl. — Füssen. 1606 Er vk'ar Bürger und Mitglied der Lautenmacherzunft. Er oder sein gleichnamiger Sohn hat am 5. August 1618 die Maria Schröder geheiratet. Chrlstie, James. — Dundee. Geb. In Arbroath I.Dez. 1857 Ein Ingenieur, der aus Liebhaberei Geigen nach dem großen Stradivarimodell macht. Er begann damit um 1889 und verwendet einen roten Öllack. Er hat bisher über zwei Dutzend Violinen gemacht. Geigenzettel : James Christie, / Violinmaker / Dundee 1890 (gedruckt). Chrlstie, John. — Kincardine-on-Forth. 1840. tum 1859 Tüchtiger Geiger und Tanzlehrer, der über fünfzig recht gute Violinen gemacht hat. Christophe, Denis und Joseph. — Mlrecourt. 18. Jahrhundert Zwei bisher nur von A. Jacquot erwähnte Luthiers. Chrlstophle, Jean. — Avlgnon. 1695 Man kennt bis jetzt nur ein Alto im Pariser Konserva- torium (Nr. 1032) von ihm: Körper 41 cm lang, untere Breite 23 cm. Sehr schöne Schnecke, prachtvoller Ton. Geigenzettel : Jean Christophle d'Avignon/ 1 695 (gedr.). Chrlstophorl s. Crlstoforl (verdorben: Crlsto- fall) Churchward soll der Name eines älteren eng- lischen Geigenmachers sein. Churst s. Rud. Höß Chylinski, Pawel s. Chlllnskl V. Lii t g end o rf f , Gelg^cn- und Lnutonmachci-. Bd. II Cianchl, Sebastlano dl Rocco. — Florenz. 1 662 Von Valdrighi (653) erwähnter Lautenmacher; auch der Vater Rocco Cianchi soll Lauten gemacht haben. Clarma, Francesco, gen. Nlcchitto. — Ascoll Unbedeutender Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. Ciccherini Italienischer Mandolinenmacher. ClcUlano s. Slciliano Clfka, Wenzeslaus Ein böhmischer Keramiker des 19. Jahrhunderts, von dem sich in der Sammlung Keil in Lissabon eine Fayencegeige mit eigenartiger Bemalung befindet. Clgl, Jeromos. — Budapest. Geb. In Berzde- kow. 1 874 Schüler von Pilät. Er machte sich im Jahre 1912 selb- ständig, arbeitet nach Stradivari und verwendet einen rötlichen Lack. Gelgenzettel : Cigl Jeromos / feclt Budapestini anno 1913 / Op . . . (geschrieben). Clnquegranl, Ercole. — Rom. 1882 Seine Mandolinen erfreuten sich einer gewissen Wert- schätzung. Clntl, Giuseppe. — Bologna. 1856 Es ist nicht bekannt, daß er Geigen selbständig gebaut hat, doch soll er Im Wiederherstellen ein gewisses Ge- schick an den Tag gelegt haben. Clochl (Clocchl), Antonio. — Venedig. 1790 Ein Geigenmacher dritten Ranges, der gleichwohl einige bessere Arbeiten hinterlassen hat. Geigenzettel: Antonio Clochl dl Venezia / anno 1790 (gedruckt). Clonl, Emlllo. — Mont' Orso (Frlgnano). 1 884 1894 Schüler von R. Florini. Er arbeitete fleißig, wenn auch etwas handwerksmäßig. Seine Violinen und Violoncelli kommen oft vor. Clottl, Leone. — Siena. 1889 Ein Instrumentenmacher ohne besondere Eigenschaf- ten. Circapa, Tomaso. — Neapel. 1730. 1735 Ungleich in seiner Arbelt, die an Aless. Gagliano er- innert, — am besten ist noch sein orangegelber Lack; häufiger als Gelgen kommen Mandolinen von ihm vor. Claas s. Glass Clagget, Charles. — London. 1780. 1795 Ein Instrumentenmacher, der seit 1789 allerlei Erfin- dungen, angebliche Verbesserungen an Musikinstru- menten öffentlich ausstellte und u. a. einen beweglichen Steg, eine Regulierschraube für Saiteninstrumente er- dachte. 6 82 Claine — Clement Claine, Jean. — Mirecourt. 1780 Als Bogenmacher genannt. Claisse, lebt als »Luthier« in Brüssel Clark. — London. 1780. 1789 Schüler von Matthew Furber. Er wohnte Turnmill Street, Clerkenwell, und scheint viel für Händler ge- arbeitet zu haben. Clark, A. B. — Richmond. 1880. 1900 Amerikanischer Geigenmacher und -händler der Gegen- wart. Er arbeitet nach Cremoneser Modellen und ver- wendet gern alte amerikanische Hölzer. Clark, John. - Riga. Geb. 19. (31 .) Okt. 1830 in Riga, t 19. Juli (1. Aug.) 1905 in Bilder- lingshof bei Riga Er war Professor am Polytechnikum, Maler undZeichen- lehrer, beschäftigte sich viel mit der Theorie des Geigenbaues und studierte die Modelle der alten Mei- ster. Er hat dann neun Violinen und ein Violoncello gebaut, die sehr gut gelungen sein sollen. Claude (Clauze?), Jean, Jean-Claude und Vincent. — Mirecourt. 18. Jahrhundert Drei Geigenmacher, die in den Jahren 1740^1768 vor- kommen. Ein anderer Vincent Gl. wird 1770 — 1780 als Bogenmacher erwähnt. Claudon, Charles-Fran^ois. — Mirecourt 1785 Nur urkundlich nachweisbar. Claudot, Augustin. — Mirecourt. 1840. 1850 Bruder von Charles 1 1 Claudot. Er soll in seiner Jugend auch in Paris gearbeitet haben. Sein Modell von brei- tem Patron ist nicht schlecht; weniger läßt sich dies von seinem (gelben oder orangefarbigen) Lack sagen ; dagegen verwendete er meist gutes Holz. Statt des Zettels gebrauchte er eine Brandmarke mit seinem Namen ohne Ortsangabe. Eine Geige von ihm war in der Sammlung Snoeck. Brandmarke: Nr. 7. Claudot, Charles I. — Mirecourt. 1775. 1780 Wahrscheinlich der Vater von Charles II Q. Er war Geigen- und Bogenmacher. Claudot, Charles II. — Mirecourt. Geb. in Mirecourt 1794, f 1876 Seine Arbeit ist sehr gewöhnlich; sein Lack von gelb- brauner Farbe ist in der Mitte der Brust und des Bodens geschwärzt. Seine Geigen schreien und sind im gün- stigsten Falle brauchbare Orchesterinstrumente. Sein Name findet sich in der Regel im Boden eingebrannt. Häufig verwendete er die etwas rätselhafte Brandmarke »Marquis de l'air l'oiseau«. Er verwendete ein Modell, das oberflächlich an Stradivari erinnert. Viele seiner Geigen und namentlich seiner Bässe, die, solange sie neu waren, gut gewesen sein sollen, haben jetzt allen Klang verloren. Er hatte zwei Söhne, von denen jedoch nur einer Geigenmacher wurde. Geigenzettel : Charles Claudot (gedruckt). Brandmarke Nr. 58. Claudot, Charles III. ^ — Rennes. Geb. in Mire- court um 1835, t 1888 in Rennes Sohn von Charles II Cl. Er arbeitete erst in Mirecourt, dann in Paris und zuletzt bei Bonnel in Rennes, wo er auch starb. Er hat nur fünf bis sechs Geigen selb- ständig gebaut, in die er seinen Namen schrieb; diese aber sind mit der größten Sorgfalt ausgeführt. Claudot, Felix. — Mirecourt. Geb. 10. Juli 1871 Sohn von Felix Cl. (der kein Geigenmacher war). Nach beendeter Lehrzeit arbeitete er bei C. Silvestre in Paris, dann bei Jacquet und erfüllte darauf seine Militär- pflicht. Im Jähe 1899 machte er sich in Mirecourt selbständig und baut hauptsächlich Kontrabässe. Er verwendet eine Brandmarke: Felix Claudot. Claudot, Frangois. — Dijon. Geb. 10. Sept. 1865 in Mirecourt Enkel von Charles Cl. und Bruder von Felix Cl. Er lernte in Mirecourt bei Darte und ging 1884 zu Gand & Bernardel, bei denen er zwei Jahre blieb. Hierauf mußte er seiner Militärpflicht genügen und ließ sich am I. Dez. 1889 in Dijon nieder, wo er Geigenmacher des Konservatoriums wurde. Er baut nach Stradivari, ver- wendet einen roten oder braunen OUack und besitzt bereits verschiedene Medaillen. Außer seinem Zettel tragen seine Geigen im Innern auch die Brandmarke »Claudot. Dijon« — Geigenzettel: Abb. 135. Claudot, Nicolas. — Mirecourt. Geb. um 1840, t ? Sohn von Charles II Cl. — Der Unbedeutendste der Familie. Claudot, Paul. — Mirecourt. Geb. in Mire- court um 1800, t 1886 bei Paris Sohn und Schüler von Augustin Cl. Seine Geigen sind von gewöhnlicher Arbeit; dagegen zeichnen sich seine Bässe durch guten Ton aus. Er verwandte nur eine Brandmarke: Nr. 68. Cleinmann s. Kleynmann Clement, Jacquot (Jacob). — Mirecourt. 1 747. 1757 Schwiegersohn des Geigenmachers Berly, wie A. Jac- quot mitteilt. Clement, Jean-Laurent. — Paris. 1783. 1847 Er stammte aus Mirecourt, kam um 1815 nach Paris und wohnte erst in der Rue Croix des Petits-Champs und dann in der Rue des Bons-Enfants. Er arbeitete sauber nach italienischen Vorbildern und hatte gutes Holz und einen hübschen, dunkelrotbraunen Lack. In der Geschichte des Geigenbaues ist er weniger wegen seiner Arbeiten von Bedeutung als in seiner Eigenschaft Clementl — Coletti 83 als Lehrmeister einer ganzen Reihe von treffhchen Schülern, unter denen G. Chanot, Augiere, Calot, Thomassin u. a. hervorragen. Er machte fortgesetzt allerlei interessante Versuche und verschiedene Er- findungen; so ließ er sich u. a. mit L. V. Brouot zu- sammen im Jahre 1823 ein Patent ausstellen für die Er- findung einer neuen Art von Wirbeln für Geigen und Gitarren und im Jahre 1824 für einen neuen Steg, der die Saiten in gleichmäßiger Stimmung erhalten sollte. Einen dreisaitigen Baß von ihm besitzt C. Claudius in Kopenhagen. Geigenzettel: Abb. 99. Clementl, Pietro. — Cremona. 1678 In einer zweifellos alten italienischen Geige von kleiner Form und gelbem Lack fand sich der folgende Zettel, dessen Alter gleichfalls nicht anzuzvsfeifeln war, wenn auch Bedenken schon wegen der Form des Tauf namens »Peter« und die Bezeichnung >>en (sie) Cremona« nicht zu unterdrücken sind. Geigenzettel : Peter Clementius en Cremona 1678 (ge- druckt). Clementl & Co. — London Der berühmte Pianist Muzio Clementi gründete, nach- dem er 1800 durch den Fall des Hauses Longman & Brodenp einen großen Teil seines Vermögens verloren hatte, eine Klavierfabrik, in der auch andere Musik- instrumente gebaut wurden, so z. B. Gitarren, Harfen und auch Geigen, mit deren Herstellung er sich offen- bar schon früher beschäftigt hatte, denn Harry Dykes konnte vor mehreren Jahren eine Violine zum Kauf ausbieten, die den Namen Clementis mit der Jahreszahl 1 785 als Brandstempel trug. Leider ist nicht bekannt, welche Geigenbauer für ihn arbeiteten. Clermont. — Nancy. 1759 Geschickter Harfenbauer. Clerq s. De Clerq Cleve (richtig Clerc) s. Leclerc Cllquot, Henry. — Paris. 1765 Geschworener Meister der Pariser Lautenmacherzunft für 1765, aber nur als Orgelbauer bekannt. Cliquot, Louis-Alexandre. — Paris. 1756 Geschworener Meister der Pariser Lautenmacherzunft für 1756, wohl der Vater des berühmten Orgelbauers Frangois-Henry-Chquot und wahrscheinlich auch selbst nicht Lautenmacher, sondern Orgelbauer. Cllrlcato, Luigi. — (Venedig?) 1899 Schüler von Eugenio Degani, bei dem er vier Jahre lernte. Clusolis s. Chiusole Cochet. — Paris. 1818 Mittelmäßiger Geigenmacher Cocks (Cocko), Christofer. — Venedig. 1654 Ein wahrscheinlich aus England eingewanderter Lau- tenmacher, von dem das Museum des Pariser Konserva- toriums eine Archilaute (Nr. 233) besitzt mit dem nach- stehenden Zettel und der Brandmarke: Christoforo Cocko. Geigenzettel : Cnstofer Cocks, AU'insegna / Dell' Aqui- la d'oro / Venetiae 1654 (gedruckt). Coelho s. Pereira Coenen, Ludwig und Franz. — Rotterdam. 19. Jahrhundert Zwei Brüder, die eine gemeinsame Werkstatt besaßen. Mittelmäßige Arbeit, dürftiger Lack. Geigenzettel : Fratres Ludovicus & Franciscus / Coenen, ad Rotterdam f. 18 . . (gedruckt). Coffe, Jean Joseph. — Bayonne. Geb. um 1 799 in Mirecourt, f das. 6. Sept. 1881 Er galt als geschickter Arbeiter. Coffe-Goguette. — Mirecourt. 1834. 1860 Er erhielt für gute Arbeiten eine Bronzemedaille und ist nur als Gitarrenmacher bekannt geworden. Coincu s. Couicu Colas, Prosper. — Paris. Geb. Coincourt 20. Jum 1842 Seit 1873 in Paris ansässiger Bogenmacher. Cole, James. — Manchester. 1850. 1910 Lernte zuerst bei Tarr und dann bei George Crask.. Seine Geigen sind gute Orchesterinstrumente. Bis 1858 gebrauchte er einen Zettel, später nur mehr eine Brand- marke. Cole, Thomas. — London (Holborn). — 1672. 1690 Er gehört zwar zu den weniger bekannten englischen Geigenmachern, hat aber einige sehr gute Violen und Gamben gebaut. Eine Viola da Gamba von ihm besaß De Valdrighi. Geigenzettel : Thomas Cole, near Fetter Lane / in Hol- born 1690 (gedruckt). — Made 1690; by Thomas Cole / of London, on Holborn Hill / who selleth all sorts of / musical Instruments') (gedruckt). Coletti, Alfred. — Wien. Geb. 1878 in Wien Schüler von C. H. Voigt, bei dem er auch acht Jahre lang als Gehilfe arbeitete und sich zu einem tüchtigen • Reparateur ausbildete. Seit 15. Mai 1905 ist er Nach- folger von Jos. Hamberger, und seit November 1906 führt er den Titel eines k. k. Hofgeigenmachers. Er bewohnt den alten Geigenmacherladen in der Habs- burgergasse (vordem obere Bräunerstraße genannt), der seit mehr als 21 8 Jahren besteht. Dieser Laden ging von Christoph Bartl, Joh. Jak. Fux, Ant. Posch, Dan. Ad. Stadimann, Mich. Ign. Stadimann, Martin Stoß, Jos. Hofmann auf Hamberger und nun auf Coletti über. Alle waren Hofgeigenmacher und zugleich Geigen- macher der Hofpfarrkirche zu St. Michael. Auch den ^) Von Pearce mitgeteilter Zettel einer Tenorviola. 6* 84 Colle — Colson I. »Wiener Stradivari« Geissenhof darf Coletti wohl zu seinen Geschäftsvorgängern rechnen, wenigstens fand er in der Werkstatt noch den größten Teil des mit Geissenhofs Brandmarke versehenen Handwerkszeugs sovi'ie Musterschnecken dieses Meisters vor. Seine neuen Geigen sind sorgfältig gearbeitet und klingen gut. Er verwendet vorzügliches Holz, das er beim Ab- bruch eines nachweisbar im Jahre 1 535 erbauten großen Hauses entdeckte. Colle. — Rouen. 18. Jahrhundert Er gehörte der Zunft der Musiker und Instrumenten- macher von Rouen an ; doch steht nicht fest, in welcher Eigenschaft er aufgenommen wurde. Collenot, L. — Rouvier-la-Chetive. Reims. 19. Jahrhundert Schüler von Honore-Just-Derazey und von Nicolas Caussm, in deren Stil er arbeitete. CoUeoni, Cesar. — Nizza Streichinstrumentenmacher der Gegenwart. Colllchon, Michel. - Paris. 1670. 1693 Vidal kannte eine sechssaitige Viola aus dem Jahre 1693 von ihm mit flachem Boden und gelbem Lack; eine schöne Baßviola von ihm war 1889 in Paris ausgestellt; auch Taschengeigen mit seinem Namen kommen vor. Geigenzettel : Michel Collichon / A Paris 1 683 (geschr.). Collier, Samuel. — London. 1750. 1755 Ein Musikinstrumentenmacher dritten Ranges, dessen Geigen wenig Wert haben. Geigenzettel: Samuel Collier, musical instrument / Maker, at Corellis Head, on / London Bridge 1 755 (ge- druckt). Collier, Thomas. — London. 1775 Wahrscheinlich der Sohn von Samuel C., dem er auch in der Arbeit nahestehen soll. Collier and Davis. — London. Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts Es ist ungewiß, mit welchen Mitgliedern ihrer Familien die beiden identisch sind. Ihre gemeinsame Arbeit ist lobenswert, wenn auch die Einlagen fehlen, der rot- braune Lack dagegen ist unbedeutend. Geigenzettel : Collier and Davis Makers / at N° 7 Fifth- Street-Hill-London (gedruckt). Colhn s. auch Duchene Collln. — Laval. 1900 Er nennt sich Luthier und handelt auch mit Musik- instrumenten. CoUin (Colin), Jean und Nicolas. — Mirecourt Zwei Geigenmacher, die um die Mitte des 18. Jahr- hunderts lebten und ihre Arbeiten gerne aus Paris da- tierten. Nicolas C. wird auch als Bogenmacher be- zeichnet. Auch ein Jean-Frangois und ein Louis C. werden im letzten Drittel des 1 8. Jahrhunderts als Geigen- und Bogenmacher erwähnt. Collin-Mezin, Charles-Jean-Baptlste. — Paris. Geb. in Mirecourt 12. Nov. 1841 Schüler seines Vaters Claude-Nic. Collin. Er arbeitete bei Cl. Fr. Vuillaume und ließ sich zuerst in seiner Vaterstadt nieder, siedelte 1867 nach Paris über und wohnte stets in der Rue du Faubourg-Poissonniere. Er gilt als einer der besten Pariser Geigenmacher, und selbst Joachim stellte ihm ein glänzendes Zeugnis aus. Er besitzt viele Medaillen, und auch auf der Pariser Ausstellung 1900 war er sehr gut vertreten. Er gebraucht gedruckte Zettel, denen er seit 1879 noch seine eigen- händige Unterschrift hinzufügt. Auch als Wiederher- steller alter Geigen ist er sehr gewissenhaft und hat die akademische Palme für schöne Künste erhalten. Geigenzettel : Ch. J. B. Collin-Mezin fils / luthier ä Paris / rue du Faubg. Poissonniere 1 0 (gedruckt) und Abb. 106 und 117. Collin-Mezin, Charles. — Mirecourt. Geb. in Amboise 25. Okt. 1870 Sohn von Ch. J. B. Collin-Mezin, ein trefflicher Gei- genmacher, der sich auf weiten Reisen, die ihn bis nach Amerika führten, vervollkommnete. Er verlegte die Werkstatt in die Stammheimat seiner Familie und er- hielt auf allen Ausstellungen, die er beschickte, erste Preise. Seit 1911 ist er Offizier der Akademie und Mit- glied der Handelskammer usw. Collin(-Mezin), Claude-Nicolas. — Mirecourt. 1835. tl865 Schüler von N. F. Vuillaume, sorgfältig arbeitender Meister, war seit etwa 1839 in Mirecourt selbständig und galt als tüchtiger Lehrer. Colhngwood, Joseph. — London. 1760 Guter englischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. Geigenzettel: Joseph Collingwood / at the Golden Spectacles / on London Bridge 17.. (gedruckt). Colhns, William Henry. — London. Geb. in Marylebone 1860 Er bildete sich durch Selbststudium nach den besten Lehrbüchern aus, baut nach Stradivari und nach einem eigenen Modell und verwendet einen Bernstein- lack, den er selbst zusammensetzt. Geigenzettel: William Henry Collins / London 1901 (Monogramm) (gedruckt). Colonna. — Paris. 1897. 1900 Ein geschickter Geigenmacher, der jedoch den Neubau bald aufgegeben und sich seither ausschließlich als Reparateur betätigt hat ^). Er erfand einen mechanischen Bogen für Streichinstrumente. Colson I. — Mirecourt. 1840 Gitarren- und Leiernmacher ohne besonderes Ver- dienst. Eine Drehleier von ihm besitzt C. Claudius in Kopenhagen. Geigenzettel : Colson A mirecourt (gedruckt). ^) Da seine Landsleute »nur noch für Zweiräder Sinn haben«, wie er schreibt. G)lson II. — Contal 85 Colson II. — Mirecourt. 1860. 1893 Sohn von Colson I. Ebenfalls hauptsächlich Gitarren- macher; er steht jedoch wesentlich höher als sein Vater. Colton, Walter. — Brooklyn Besserer amerikanischer Geigenmacher des 19. Jahr- hunderts. ColvlUe, David. — Cupar (Schottland). 1845. 1885 Von Hause aus Kunsttischler, verlegte er sich mit be- sonderer Vorliebe auf den Geigenbau. Im Jahre 1858 wanderte er nach Neuseeland aus und hat recht gute Geigen gemacht. Er war ein Sonderling, aber ein sehr talentvoller Mann. Er klebte keine Zettel^ ein, sondern schrieb seinen Namen mit Bleistift in seine Geigen. Colvin, Gavin. — Sunderland (Schottland). Geb. 1841 in Lerwlck (Shetland) Er ahmt das große Stradivarimodell nach und hat bis- her über 50 Geigen gemacht. Geigenzettel: Gavin Colvin / Maker / Sunderland / 187 . . (gedruckt). • . Coly s. Coty Comble s. Decomble ' Comins, John. — London. 1801 Schüler von W. Forster, den er ziemlich genau nach- ahmte. Auf seinem Zettel gab er neben der Jahreszahl auch gerne den Monatstag der Fertigstellung an. Comme s. Couicu Compalns, Gui. — (?) 1480 Ein Brabanter Lautenmacher, dessen Name urkundlich vorkommt. Vgl. Archives des .Arts (Brüssel). • Compare, Vittorlo. — Llvorno. 1899 Guter Mandolinenmacher. Compostano, Antonio. — Malland. 1699. 1710 Seine Arbeit ist der von Grancino ähnlich. Sein Lack ist meistens braungelb, F-Löcher und Schnecke sehr sauber durchgeführt, der Ton in der Regel voll und wohllautend. Außer Violinen und Violen usw. hat er auch Bässe gebaut; einen solchen erwähnt Brunis In- ventaire (herausgegeben von Gallay, S. 169) aus dem Besitze Debains. Er verwendete gedruckte und ge- schriebene Zettel. Geigenzettel : Antonio Compostano / Fece in Contrada Larga / Milane 1709 (gedruckt). Comuni, Antonio. — Piacenza. 1820. 1823 Geigenmacher aus der Verfallszeit, ohne Eigenart und ohne Vorzüge. Er scheint einen gleichnamigen, ge- schickteren Sohn gehabt zu haben, der noch um 1860 lebte. Geigenzettel : Abb. III. Confector, Franciscus. — Graz. 1 77d .Andere lesen Confessor und selbst Contessor. Ich halte nur die Lesart Confector für möglich, dann bedeutet das Wort allerdings nur »Verfertiger« und ist folglich schwerlich der Familienname, vielleicht aber die latei- nische Übersetzung eines solchen, zu welcher Annahme das nachfolgende »fecit« veranlassen könnte, das nach »Confector* überflüssig erscheint. Unter den mir be- kannten Grazer Geigenmachern führte um 1 775 keiner den Taufnamen Franz, der 1724 vorkommende, etwas fragwürdige Franz Alban liegt der Zeit nach zu weit zurück, als daß man ihm die (übrigens recht mittel- mäßige) Geige mit dem nebenstehenden Zettel zu- schreiben könnte. Geigenzettel : Franciscus Confector fecit / Graecii 1 775 (gedruckt). Terni. 1828. Consessor s. Confector Conslll (Consigll), Giovanni. 1829 Man weiß von ihm nur, daß er sich viel mit Erfindungen an und mit Geigen beschäftigt hat. Seine Arbeiten setzte Prof. Demetrio Consili fort, der auch die sog. »Poggia-Violino« beschrieb. In einer Geige, die die Form einer Viola d'amore hat, findet sich der unten- 'stehende Zettel. Geigenzettel : Giovanni Consigli a Terni in- / vento la nuova forma del Violino / per eseguirvi con maggior faci- / litä e sicurezza la difficoltä / nelle portamenti acuti op. quart. / A. 1829 (gedruckt). — Joannes Con- sili / fecit Interamnae / Anno D"» 1828 (gedruckt). Constantlni, Nicolaus Franciscus. — 1508 Das Verzeichnis der Sammlung Keil in Lissabon führt eine sechssaitige Viola auf, die ein italienisches .Aus- sehen haben soll. Ich bin geneigt, die Jahreszahl 1608 für richtiger zu halten und irgendeinen Nicola Fran- cesco, der in der »Via Constantini« (in Neapel) wohnte, als den Verfertiger der Viola anzusehen. Contal, Georges. —Paris. Geb. 19. April 1874 in Mirecourt Schüler von Poiion (dem ersten Gelgenmacher der Firma Laberte-Humbert freres). Nachdem er in Eng- land, in der Schweiz, Tirol, Italien, Belgien und Öster- reich-Ungarn durch zelin Jahre gearbeitet hatte, er- öffnete er 1899 In Paris seine eigene Werkstatt. Er macht gute Gelgen und ist der Erfinder der »Violaline«, einer Art Mandoline, die, in der Form einer Viola d'amore gebaut, die Mandoline an Tonschönheit und Fülle übertrifft. Er macht die Violaline als Sopran-, Alt-, Tenor-, Baß- und Kontrabaßinstrument. Für seine Geigen usw., die er mit Öl- und Spirituslack überzieht, erhielt er 1900 in Paris eine Mention hono- rable. Geigenzettel: Annee 1901 / Violaline / Brevetee S. G. D. G. et deposee en France et a l'Etranger / Georges Contal, Paris / Nr. 955 serie B (gedr.), Georges Contal / Luthler/ Paris/ Nr. 204 Annee 1910 (geschr.). Contal, F. — Mirecourt. 1800. 1830 Er arbeitete sauber und sorgfällig; besonders seine Violoncelli erfreuen sich einer gewissen Wertschätzung, 86 Conte ^ornelli lli Conte, fils H. — Villefranche Eine 1852 begründete Firma, die sich auch mit dem Bau von Geigen beschäftigt. Conteglacomo, Giovanni. — Turin. 1900 Italienischer Geigenmacher der Gegenwart. Contreras, Elias. — Guatemala. 1888 Stellte in Paris eine aus 6114 Stücken zusammenge- setzte Gitarre aus. Contreras, Jose. — Madrid. Geb. um 1710, tum 1780 Einer der besten spanischen Geigenmacher, dessen Arbeiten mit Recht hoch bewertet werden. Er stammte aus Granada und führte deshalb auch den Beinamen »Granadino«. Er kopierte die Italiener, — Sandys und Forster sagen: den Stradivari; doch schließt sich sein Modell häufiger dem des Guarneri an. Eine hübsche Violine von ihm mit gelbrotem Lack, aus der Samm- lung des Prinzen Caraman-Chimay, war 1878 in Paris ausgestellt. Vidal liest den Wohnort »Matxiti« statt Matriti, und dieser Lese- oder Druckfehler begegnet uns seitdem in allen nach Vidal verfaßten Schriften. Geigenzettel: Matriti per Granadensem / Josephum Contreras / anno 1760 (gedruckt). Contreras. — Madrid. Geb. um 1751. 1827 Sohn, Schüler und Nachfolger von Jose C. Seine Arbeit gleicht der seines Vaters, ist aber minderwertig. Er be- ginnt um 1 790 seine Geigen mit Nummern zu versehen, 1792 kommt er bis Nr. 1 1, 1793 bis Nr. 16 usw. Geigenzettel: Abb. 142. Convert. — Bourg. 1830. 1868 Ein Dilettant, der einige Leiern im Stile von Louvet gebaut hat. Conway, William. — London. 1745. 1750 Wenig bekannter englischer Geigenmacher des 1 8.Jahr- hunderts. Cook, A., lebte im 19. Jahrhundert in Ipswich Cooper, Hugh W. — Glasgow. Geb. 30. Aug. 1848 in Airdrie Nachdem er sich erst als Orgelbauer versucht hatte, ging er zum Geigenbau über, den er mit Erfolg zu seinem Beruf machte. Er baut frei nach Stradivari und Guarneri und verwendet Whitelaws Geigenlack. Er hat über 50 neue Geigen gebaut. Vgl. seine Biographie von Meredith-Morris in »The Strad« 1900 Nr. 129. Geigenzettel : Hugh W. Cooper / Maker / 75 Dumas Street / Glasgow (gedruckt). Cope & Roberts. — Fitzroy, Melbourne. 1888 Zwei »Wiederfinder des echten Cremoneser Geigen- lacks«, den sie ^>CremonaeRedivivus«(!) nannten. Sie erhielten auf der Melbourner Ausstellung für ihre Geigen eine Medaille 2. Verdienstklasse. Coppi, Sante de. — Mantua. 1800. 1817 Seine Geigen stehen denen von Alessandro Zanti nahe, sind oft von gewöhnlichem Aussehen, klingen aber gut. Geigenzettel: Sanctus de Coppi fecit / Mantoae Anno 1816 (gedruckt). Coppo, Armando. — Neapel. 1608 Giovanni di Enrico bezeichnet ihn m emem Schrift- stück als einen vlämischen Lautenmacher, mit dem er in Neapel die Werkstatt teilte. Coq. — Toulon. 1855 Er machte Violinen, Violoncelli und Bässe und galt als nicht ungeschickt. Coquet, Claude. — Paris. 1636 Er wird als »Luthier« bezeichnet und erscheint als Sach- verständiger im Prozeß Medard. Wir haben es hier möglicherweise mit einem Vorfahren von Louis Soc- quet zu tun. Corani, Vincenzo. — Triest. 1830 Wenig bekannter Geigenmacher, von dem mir einige Violinen vorgekommen sind. Corara, Giacomo. — Venedig. 1 775 Geschickter, wenn auch wenig bekannter Geigen- macher. Geigenzettel : Giacomo Corara / Fecit in Aug° 1 775 / Venezia N° 3 (gedruckt). Corbucci. — Parma Neuerer italienischer Geigenmacher. Cordano, Giacomo Filippo. - Genua. 1 770. 1 776 Seine Geigen verraten eine geschickte Hand und gehen auf Cremoneser Vorbilder aus der Ruggeri-Schule zurück, wenn sie auch durch ihre höhere Wölbung und kürzere F-Löcher seine Eigenart zur Geltung bringen. Er verwendete aber auch ein flaches Modell und gelben oder braunroten Lack. Ob er mit der Familie Giordano in Verbindung zu bringen ist, muß ich dahingestellt sein lassen. Geigenzettel: Abb. 127. Cormatches, Alberto. — Santiago. 1900. 1902 Erhielt 1901 auf der Panamerikanischen Ausstellung eine goldene Medaille für Gitarren, Mandolinen und Lauten. Corna s. Dalla Corna Cornelli, Carlo. — Cremona. 1702 Bei Vidal findet sich nur der Name und Zettel dieses Geigenmachers, von dem es mir nicht möglich war, Arbeiten zu erfragen. Auf anderen Zetteln steht zuerst >'Cremonae<' und dann erst der Name. Bei Lepke m Berlin wurde am 2. Mai 1917 eine Violine mit seinem Zettel und der Jahreszahl 1702, die merkwürdigerweise fast alle mit seinem Namen vorkommenden Geigen aufweisen, versteigert. Geigenzettel : Carolus Cornelli fecit / Cremonae anno ]702(gedruckO. Cornelli — Costa 87 Cornelli, Giorgio. — Venedig. 1 797 Ein geschickter Meister, vielleicht Carlo C.s Sohn, von dem C. Stoeber in Würzburg eine sehr schöne Violine nach einem länglichen Modell mit flacher Wölbung und prachtvollem roten Lack besitzt. Cornesse fils, Henri. — Troyes. 1900 Geigenfirma der Gegenwart. Cornia, Giuseppe. — Iddiano (Modena). 1 884. 1894 Seine Kontrabässe sind in Italien nicht unbeliebt. Cornino. — Spilamberto. 1800 Sein Name findet sich zwar bei Valdrighi (3722), doch ist er in Spilamberto selbst unbekannt. Cornu. — Marseille. 1759 Ein gutes Violoncello in italienischem Stil enthielt seinen hier mitgeteilten Zettel. Im übrigen schemt er wenig Geigen gebaut zu haben, und die wenigen sind von sehr gewöhnlicher Arbeit. Geigenzettel : Cornu Fecit ' A Marseille 1 759(gedruckt). Corolano? (Coriolano?) — Genua In einer handwerksmäßig ausgeführten Violine fand sich dieser schwer leserliche Name. Corradotti, Luigi. — Rom. 19. Jahrhundert Guter Mandolinenmacher. Correa, Joao (aus Almeida). — Lissabon. 18. Jahrhundert Vielleicht der Sohn Manoels. Der 1794 guillotinierte Marquis de Laborde besaß eine Gitarre von ihm mit dem Zettel ^) : Joao Correa de Almeida / a fez en Lisboa (gedruckt). Correa, Manoel. — Lissabon. 17. Jahrhundert Er stammte aus Almeida und war wohl ausschließlich Lautenmacher. Eine Laute von ihm trägt den Zettel : Manoel Correa de Alm^a Violeiro da Rainha NS / Mo- rador na Rua direita la / Esperan^ja LX^ (gedruckt). Corrien s. Gornen Corsby. — Northampton. 1770. 1780 Bisher sind fast nur Bässe von ihm zum Vorschein ge- kommen, die übrigens nicht ungeschickt gemacht sind. Corsby, George. — London. 1789. 1830 Er wohnte in der Princess Street, Leicester Square, war Geigenmacher und handelte mit alten Instrumenten. Von seinen Arbeiten erfreuten sich namentlich seine Violoncelli einer gewissen Beliebtheit. Ob er mit dem Northamptoner Corsby verwandt oder gar identisch war, konnte ich nicht feststellen. Corsini, Pietro. — Arcidosso (Toscana). 1652 Eine Harfe von ihm besitzt das Musikhistorische Mu- seum in Köln. ^) Gallay: Un inventaire souslaterreurparBruni,S.41. Cortaro (Castaro, Corsaro), Antonio. — Rom. 1614 Baron schreibt in seiner Untersuchung des Instru- ments der Lauten (1727): »Antonio Cortaro hat nach ihm (Buchenberg) .'Xnno 1614 in Rom gelebet.« — Ar- beiten von ihm sind mir nicht bekannt. Corte s. Dalla Corte Cortenhout, Jan van. — Amsterdam Er wird als »Luthier« bezeichnet; mehr ließ sich nicht über ihn in Erfahrung bringen, und auch in »Bouw- steenen« I, S. 69, wird nur sein Name ohne weitere Be- merkung erwähnt. Cortese, Andrea. — Genua. 1920 Ein .Autodidakt, der sich eine gewisse Geschicklichkeit angeeignet hat. Geigenzettel : Andrea Cortese all insegna dei ,' tre cuori in Genova 19 . . (gedruckt). Cortesi, Carlo. — Pesaro. 1612 Es gibt Geigen im Stile G. da Salos und Marianis, die seinen Zettel tragen. Kammermusiker W. F. Borsche in Hannover besaß eine sehr hochgewölbte Violine von ihm. Geigenzettel: Cortesi fecit Pisavri 1612 (gedruckt). — Carlo Cortesi (geschrieben). Cosetto, Giuseppe. — Venedig. 1786 Von diesem unverdient in Vergessenheit geratenen Meister besitzt Dr. G. Geyer in Budapest eine hervor- ragend schöne Violine, stark im Holz, mit auffallend kräftigen Ecken, eigenartigen F-Löchern, breiter Ein- lage und eigenartiger, um eine Spirale vermehrter Schnecke. Der Ton ist groß und edel. Der Körper weist eine Länge von 36,4 cm auf. Geigenzettel : Giuseppe Cosetto Fexit (sie !) / anno 1 786 Venezia (geschrieben). Costa, di Agostino. — Verona. 1600. 1622 Er stammte der .\ngabe auf seinen Zetteln zufolge aus Brescia und war ein Sohn des Agostino. Er soll einige Zeit in Genua zugebracht und — nach de Piccolellis — auch in Venedig gearbeitet haben. Eine doppelt einge- legte Viola da spalla aus dem Jahre 1600 besitzt die Sammlung Correr in Venedig, ein Colascione von 1622 die Sammlung Crosby Brown in NewYork und eine Laute aus dem gleichen Jahre Herr Claudius in Kopen- hagen. Geigenzettel: Costa di agostino di Brescia 1600 (gedr.). Costa s. Dalla Costa Costa, Augusto da. — Funchal Mandolinenmacher des 19. Jahrhunderts. Eine Arbeit von ihm befindet sich in der Sammlung Keil in Lissa- bon. Costa, Diego. — Cadix. 1790 (?) Seiner Arbeit nach dürfte er in Italien gelernt haben. Er wohnte in der Calle de Cobor und ist nur als Lauten- und Mandolinenmacher bekannt. Eine Bandurria von ihm besaß Paul de Wit. 88 Costa — Couturieux Costa, FellceMorl.— Parma. 1804. 1812 Andere nennen ihn Mori-Costa. Seine Arbeit ist nicht schlecht, aber ohne bemerkenswerte Eigenschaften. Geigenzettel: Abb. 105. Costa, Giovanni Battista. — Venedig. 1770 Vermutlich ein Schüler von Santo Seraphin, an den seine Arbeit auffallend erinnert, besonders bevorzugte er ein an J. Stainer erinnerndes Modell. Arbeit und Schnecke kommen S. Seraphin bis zum Veryk-echseln nahe, nur der Lack ist wesentlich dünner und hat weniger Feuer. Daß seine Geigen jetzt so selten vor- kommen, hat seinen Grund wohl darin, daß sie längst zum größten Teil als Arbeiten S. Seraphins im Ver- kehr sind. Costa, Ludovico. — Urbino. 1 786 Der Name findet sich in mittelmäßigen Geigen, bei denen das Alter glaubwürdiger ist als die Herkunft. Costa, Alfonso della. — Neapel. 1876 Ein neuerer Neapolitaner, von dem u. a. einige gute Violoncelli bekannt sind. Cotton, Robert. — Rouen. 17. bis 18. Jahrb. Eine Viola bastarda aus der Sammlung Snoeck (Nr. 477) von sonderbarem und ungewöhnlichem Modell, rot lackiert, trägt zwar seinen Namen, doch war in Rouen über ihn nichts zu linden. A. Jacquot hält es für mög- lich, daß Cotton englischer Abstammung war. Geigenzettel: Robert Cotton / ä Rouen (gedruckt). Coty, Jean-Claude (Pierre du). — Versailles. 1787 Mittelmäßiger französischer Geigen- und Lauten- macher des 18. Jahrhunderts. Geigenzettel : Jean-Claude Coty luthier / A Versailles 1787 (geschrieben). Coucbet, Jean. — Antwerpen. 1642. f 1665 Nur als Klavezinmacher und Orgelstimmer bekannt ; in gleicher Eigenschaft kommt noch 1665 ein Joseph Couchet und 1666 ein Abraham C, der auch als ge- schickter Maler bekannt ist, sowie 1696 ein Jan Couchet vor. Welchem von diesen eine Laute mit dem Namen Couchet, die ein rheinischer Sammler besaß, zuzu- schreiben ist, läßt sich nicht entscheiden. Couder freres. — Paris. 1850 Diese Gebrüder erfanden eine neuartige Form der Geige und nahmen darauf 1850 ein Patent. Ein Exem- plar ihrer Geigen befindet sich im Pariser Konser- vatorium. Eine solche in Form eines Halbmonds, ohne Resonanzboden, besaß C. C. Snoeck. Couicu. — Blois. 1642 Der Name wird verschieden angegeben, am häufigsten »Coincu«, aber auch »Comme*. Vielleicht ist Couicu (möglicherweise eine Dialektform des Namens Kukuk) die richtigste Lesart. Eine Laute von ihm besaß nach Brunis Inventaire die Gräfin Lowendal. Im Archiv der Stadt Blois war leider nichts über einen .so oder ähnlich heißenden Lautenmacher zu finden. Coulson, M. — Stamfordham Englischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. Geigenzettel: Abb. 149. Courier, Fran^ois. — Rouen. 1668 Er gehörte der Zunft der »Menetriers« in Rouen als Meister an und wird ausdrücklich als *faiseur d'instru- ments de musique* bezeichnet, was bemerkenswert ist, da dieser seit dem 14. Jahrhundert bestehenden Zunft außer den Lauten- und Gelgenmachern auch die Mu- siker und die Tanzmeister angehörten. Cousin, Jean -Christophe, s. Job. Christ. I Vetter Cousineau, Georges (nach andern: Pierre- Joseph). — Paris. 1769. 1788 Er war zwar 1769 geschwomer Meister der Pariser Lautenmacherzunft, hat aber nur als Harfen- macher und Musikalienhändler ein Verdienst; doch zeigte er in den Blättern an, daß er alle Sorten von Geigen, Gitarren, Mandolinen und Harfen usw. mache und verkaufe. Auch auf seiner sehr hübsch von Pruneau nach St. Aubin gestochenen Adreßkarte nennt er sich ausdrücklich Luthier; doch liegt es nahe, anzunehmen, daß er fremde Arbeiten verkauft habe. Geigenzettel : Rue des Poulies, vis-ä-vis la Colonade du Louvre. / »A la Victoire.« / Cousineau, luthier, fait et vend harpes, lyres, violons, violon- / cellos, contrabasses pardessus de viole, altviola, guitares, violes / d amour, mandolines. sistres et autres instruments de musique. 11 vend aussi des cordes de Naples et tient magasin de Musique / fran?aise et italienne. Son epouse grave la musique (gedruckt). Cousineau, Jacques-Georges. — Paris. Geb. 13. Jan. 1760, t 1824 Sohn von Georges (Pierre-Joseph) C. Er war seit 1 775 Teilhaber des väterlichen Geschäfts, das dann die Firma »Cousineau pere et fils<' führte, und wurde 1788 »Luthier de la Reine«. Obwohl er hauptsächlich Harfen- macher und tüchtiger Harfenspieler war, kennt man doch auch Violen und Bässe von ihm. Er gebrauchte eine Brandmarke mit seinem Namen. Couturieux (Couturier), N. — Toulon. 1842. 1850 Einer der besseren französischen Geigenmacher im Stile von Nicolas. Er stammte wahrscheinlich aus Mire- court und hat gute Geigen gemacht, die durch hübsches Holz, saubere Arbeit und ihren reichen, dunkelroten oder gelben Lack sowie den oft vollen, süßen Ton auf- fallen. Er brannte in seine Violinen häufig die Buch- staben N. C. ein. Brandmarke: Nr. 66. Couturieux. — MIrecourt. 1835. 1848 Seine Geigen sind gewöhnliche Handelsware; er da- tierte sie gerne aus Paris odQr nannte sich wenigstens »luthier de Paris« und arbeitete im Stile von Nicolas. Um 1850 bestand eine Fabrik unter der Firma Coutu- rieux & Heroux. Coviaux — Cristofori 89 Coviaux s. Lippi Cox, N. — London, Holborn. 1674 Altenglischer Geigenmacher, von dem ich jedoch bisher keine zweifellos echte Arbeit kennen lernen konnte. Cozzl, Battista. — Venedig. 19. Jahrhundert Wenig bekannter Geigenmacher, dessen geschriebener Reparaturzettel manchmal vorkommt. Cralg, John. — Edinburgh. Geb. 17. Nov. 1860 in Kirkinch bei Meigle Er ahmt das Stradivanmodell frei nach und verwendet Whitelaws ».Amati-Lack«. Seine Arbeit erinnert etwas an die Matthew Hardies. Geigenzettel : John Craig, / Maker / Edinburgh. A. D. 1897 (gedruckt). Craile (Graill), Magno. — Rom. 1606. 1631 In Rom ansässiger, deutscher oder vlämischer Lauten- macher, der 1606 urkundlich (als Zeuge) erwähnt wird. Er kommt 1627 und 1631 noch vor und soll besonders gute Archilauten gebaut haben. Cramond, Charles. — Aberdeen. 1800. 1834 Er kam vom Pfluge her nach Aberdeen und war ein äußerst fleißiger Geigenmacher, der jahrelang jede Woche eine Geige fertigbrachte. Seme Geigen wären nicht schlecht, wenn er sie nicht zu dünn im Holz ge- macht und schlecht lackiert hätte. Auf seinen Zetteln fehlt meistens die Jahreszahl ; er gebrauchte auch einen Brandstempel »Cramond, Aberdeen". Im Jahre 1834 wanderte er nach St. John in Neu-Schottland aus und machte dort Gewehrschäfte. Geigenzettel: Chas. Gramond / Maker / Aberdeen (gedruckt). Craske (Crask), George. — Bath, Leeds, Sheffield, Birmingham, Manchester, Stock- port. Geb. 1797 in Bury St. Edmunds, f 1888 in Stockport Als Jüngling kam er zu William Forster in die Lehre, trat später zu dem berühmten Klavierspieler Clementi in Beziehung, namentlich aber zu Thomas Dodd, der einen neuen Geigenlack erfunden hatte und junge Leute beschäftigte, die für ihn arbeiten mußten ; unter diesen war auch Craske. Er verließ Dodd aber bald wieder und ließ sich in Bath nieder. Er hatte hier keinen sonder- lichen Erfolg und siedelte nach der Reihe nach Leeds, Sheffield und Birmingham über. In Birmingham hielt er sich über 20 Jahre auf, um dann für ein Jahr nach Manchester und von da nach Stockport (Distrikt Sal- ford) zu ziehen. Er war eine echte Künstlernatur, aber voll Schrullen und Eigenheiten, die sich im Alter immer mehr ausbildeten. Obwohl er unermüdlich tätig war und noch in seinem 90. Lebensjahre arbeitete — er hat über 3000 Violinen, Violen und Violoncelli und etwa 20 Kontrabässe gebaut — und von den bedeutendsten Virtuosen hochgeschätzt wurde, brachte er es doch zu keinem Wohlstande. Seme Arbeiten sind nach den besten italienischen Vorbildern sehr sauber ausgeführt und werden jetzt von Jahr zu Jahr besser im Ton. Seine Biographie veröffentlichten G. Crompton in »The Strad« 1893 und Arthur Broadley in der Zeitschrift »Musical News« 1901, Nr. 553: »An english Stradi- varius«. Drei Violinen von ihm aus den Jahren 1820 bis 1836 waren 1880 in Edinburgh ausgestellt. Seinen Nach- laß (70 Violinen, 10 Violoncelli, eine Anzahl Violen und 12 Kontrabässe) erwarben W. E. Hill & Sons in Lon- don, die seine Arbeiten besser zu verwerten wußten, als er dies selbst bei Lebzeiten gekonnt hatte. Geigenzettel: Made by George Craske / (born 1797, died 1888 / and sold by / William E. Hill & Sons. Lon- don (gedruckt). Cravtchenko (Craftschenko) s. Krawtschenko Cremona, Girolamo. — Turin Von Valdrighi (754) erwähnter Geigenmacher; der Name ist vermutlich durch Mißverständnis eines in Turin gefälschten Amati - Zettels aus »Hieronymus Cremonensis« entstanden. ^ricca .Alf onso. 'errara. 1591 Ein Instrumentenmacher, der wohl auch Lauten ge- baut hat, vorzugsweise aber Klaviere und Orgeln. Cricca, Giulio. — Ferrara. 1 594 Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und war der Bruder von Alfonso. Die Brüder hatten, wie auch der Orgelbauer Hyppohto Cncca^), den Beinamen »Paia- rini«, »Pagliarini«. Geb. Cnsta s. Christa Cristofaro, E. de. — Neapel und Paris. 11. Febr. 1870 in Neapel Schüler seines Vaters und wie dieser Mandolinen- macher. Er machte sich 1892 selbständig und verlegte seinen Wohnsitz nach Paris. Seine Mandolinen sind von sauberer Arbeit und schön im Ton. Geigenzettel : Fabbricazione Artistica / di Mandolini e Mandole Napoletani con nuovo sistema tnplando la sonoritä. E. de Cristofaro / 1 99 t>'s Via Mergellina Na- poli. Vendita e deposita / a Paris (gedruckt). Cristofori (Cnstofali ?), Bartolommeo. — Flo- renz. Geb. um 1667 (in Cremona oder Padua?), fnach 1720 Im Jahre 1680 findet sich ein Bartolommeo Cristofori, 13 Jahre alt, als Schüler N. Amatis angegeben. Das Museum »deir Istituto musicale« in Florenz besitzt einen schönen Kontrabaß von ihm. Fiorini in München besaß ein schönes Cello von ihm mit der Jahreszahl 1716. Die Versuchung liegt nahe, diesen Cristofori (dessen Name nach dem Giornale de Letterati d'Italia B.V. 1711 richtig »Cristofali« lauten müßte) mit dem berühmten Erfinder des Hammerklaviers oder richtiger gesagt: der Stoßzungenmechanik zu identifizieren; doch spricht die Tatsache dagegen, daß als Geburts- datum des Erfinders des Hammerklaviers der 4. Mai ^) Er hatte schon 1598 ein Tasteninstrument gebaut, dem er den Namen »Piano e forte* gab, 90 Cristofori alt 1 655 feststeht, während der Amatischüler zwölf Jahre jünger war, worauf Georg Kinsky in seinem Katalog des Musikhistorischen Museums von W. Heyer in Köln mit Recht hinweist. — Die ältesten Arbeiten des Gei- ' genmachers Cristofori sollen die Jahreszahl 1 700, die letzten 1720 tragen. Geigenzettel : Bartolommeo Cristofori Firenze 1715 (gedruckt). Cristofori, Francesco. — Chicago. 1879. 1882 Ein Italiener, der mehrere Jahre lang als Geigenmacher in Amerika lebte, später aber wieder in seine Heimat zurückkehrte. Cnstonl, Eusebio. — Modena. 1847. 1883 Einige seiner Geigen sind recht sauber gearbeitet, wenn auch weder originell noch hervorragend. Cristophon, Joannes. — Vienne (?). 1746 (?) In einer Violine, die nicht sehr sorgfältig gearbeitet war und eine plumpe Schnecke und weite F-Löcher hatte, befand sich dieser Name auf einem schwer leser- lichen Zettel. Croft, W. H. — 1822 Englischer Geigenmacher aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Croft & Son. — Birmingham. 1871. 1880 Eine englische Streichinstrumentenmacherfirma aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, die 1871 be- gründet wurde und vor 1898 erloschen sein muß. Crompton, Edward. — Manchester. 1886 Erhielt 1886 in Edinburgh für seine Geigen eine bronzene Medaille. Crosby, G. R. — Dewsbury. 1900 Englischer Geigenmacher der Gegenwart. Auch in Nottingham lebte ein Crosby als Geigenmacher. Ein George Crosby in London, der schon um 1790 vor- kommt, war hauptsächlich Händler, weshalb die mit seinem Namen vorkommenden, meist nach Amati ge- bauten und mit dünnem, rotbraunem Lack versehenen Arbeiten schwerlich von ihm selbst herrühren dürften. Cross, Nathaniel. — London (Aldermanbury). 1700. 1751 Einer der bekanntesten Vertreter der englischen Schule. Er hat das Stainermodell gut studiert und baute recht genau danach. Daß er aber selbst bei Stainer ge- lernt hat, wie man früher gerne behauptete, ist ausge- schlossen. Seine Geigen haben einen edlen, kräftigen Ton und sind gelb lackiert. Seit 1715 war er Gesell- schafter von Barak Norman, doch ist seine Arbeit leicht von der Normans zu unterscheiden. Er bezeichnete seine Geigen im Innern in der Mitte des Bodens mit einem Kreuz (»Cross«) unter den Buchstaben N. C. Arbeiten von ihm findet man in verschiedenen Samm- lungen. Eine Violine von 1731 besitzt J. T. Chapman. Geigenzettel : Nathaniel Cross, Maker / the George Jnn, Aldergate Street / London 1731 (geschrieben). Brand- marke Nr. 65. Cross, W. S. — Cleveland. 1900 Amerikanischer Geigenmacher der Gegenwart. Crowther, John. — London. 1755. f um 1810 Er arbeitete gewöhnlich für Händler, so auch für John Kennedy, weshalb sich sein Name nur selten in seinen Arbeiten, die übrigens recht gut sind, vorfindet. Geigenzettel : John Crowther / Haughton Street / Cläre Market 1 760 (gedruckt). Crugrossi (?), Vincenzo. — Florenz. 1767 Bisher nur von Valdnghi (768) erwähnter Geigen- macher, dessen Name wahrscheinlich falsch gelesen ist. Cruz-Abrantes, Jose Gaetano da. — Villa Nova de Fakem. 1900 Portugiesischer Mandolinen- und Gitarrenmacher der Gegenwart. Cruz-Müra, Antonio Joseph da. — Porto. 1 867 Er stellte 1867 in Paris eine Violine aus, die eine gute Schule und Geschmack verriet. Csutor, Alexander (Sändor) Nagybanya. — Budapest. Geb. 1840 Em von Dr. J. Geyer erwähnter Forstrechnungsrat, der aus Liebhaberei viele Geigen gemacht hat. Cuchet, Gaspard. — Grenoble. 1729 Seine Geigen sind sauber gearbeitet, aber nicht sonder- lich schön in der Form. Geigenzettel : Fait par Gaspard Cuchet ä / Grenoble Mil sept Cent 29 (gedruckt). Cumming, Andrew. — Portpatrick. Geb. 19. April 1848 in Kirkcolm, Wigtonshire Aus Liebhaberei begann er seit 1892 Geigen zu machen und hat seitdem über 100 Violinen gemacht. Die meisten haben keine Einlage und sind mit Kauriharz lackiert. Er klebt keine Zettel ein, sondern schreibt in seine Arbeiten: Handmade violin, home grown wood, by A. Cumming Nr. 49 (1897). Cunault, Georges. — Paris. Geb. in Paris 20. März 1856 Von 1872 — 1873 Schüler von Seb. Vuillaume und von 1873—1880 von Miremont. Von 1880—1882 arbeitete er in seiner Wohnung für verschiedene Meister, so für E. Germain usw. und eröffnete 1882 seine eigene Werk- statt Faubourg Poissonniere 53, die er 1884 nach der Rue des Martyrs 29, 1889 nach der Rue Clauzel 6, 1893 nach der Rue de Navarin 21 und zuletzt in derselben Straße nach Nr. 19 verlegte. Er kopiert alle großen Meister und besitzt auch ein von ihm selbst entworfenes Modell, bei welchem er die größte Fülle und Gleichmäßigkeit des Tons zu erreichen sucht. Er legt eine anerkennenswerte Sorgfalt auf die Wahl des Holzes und verwendet Ollack. Seine Geigen sind recht gut und jedenfalls vielen mittelmäßigen oder verdor- benen, die nur den Vorzug des" Alters haben, vorzu- ziehen. Geigenzettel: Abb. 101 und 133. Cunha-Mello — Czyz 91 Cunha-Mello, Joaquim da. — Porto. 1900 Mandolinen- und Gitarrenmacher der Gegenwart. Cunln, Albert. — ? In einer Geige, vielleicht aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammend, von französischem (Mire- courter) Aussehen, fand sich dieser Name eingebrannt. Cuniot-Hury. — Mirecourt. 1875. 1900 Bessere Geigen- und Bogenfabrik der Gegenwart, die 1873 gegründet wurde und die Firma *ancienne Maison Vuillaume« führt. Der um 1912 verstorbene Eugene C.-H. war am 22. Dez. 1861 geboren. Cuny.— Paris. 1777. 1778 Er lebte wahrscheinlich in Mirecourt und hielt sich nur zeitweise in Paris auf. Seine Geigen sind von ganz gewöhnlicher Arbeit und haben dicken, braunen Lack. Vidal schätzte sie seinerzeit auf höchstens 30 — 40 Fran- ken. Eine Violine im Museum des Pariser Konser- vatoriums (Nr. 14) trägt den Brandstempel: Cuny a Paris. Cuny, Fran^ois. Vielleicht mit dem noch Geigenmacher identisch Vater. Mirecourt. 1751. 1767 778 in Paris vorkommenden wahrscheinlicher aber sein Cuppin, Giovanni. — ? So liest Vidal den Namen in einer sehr alten Baßviole der Sammlung Gautier in Nizza. (Ohne Rand und Reifchen. Die F-Löcher hübsch geschnitten: gelber Lack.) Valdnghi erwähnt diesen Meister unter Nr. 3727. Wo er gelebt hat ist unbekannt. Curatoli, Antonio. — Neapel. 1900 Em Streichinstrumentenhändler, der auch gelernter Geigenmacher sein soll. Cusumano, Giuseppe. — Tunis. 1854 Eine gitarrisierte Laute von ihm befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln No. 575. Geigenzettel: Giuseppe Cusumano. / Tunis 1854 (ge- schrieben). Cuthbert, Robert. — London. 1690 Man kennt Violen und Violinen von ihm, die durch ihr flaches Modell und ihren schönen, dicken Lack, der freilich häufig zu dunkel ist, bemerkenswert sind. So- wohl in der Arbeit wie im Holz sind seine Instrumente gut. Eine Violine von ihm besitzt J. T. Chapman. Cuvillier. — Paris. 1897. 1900 Streichinstrumentenhändler und Geigenmacher. doch war es mir nicht möglich, eine einwandfreie und echte Arbeit von ihm näher kennen zu lernen, oder in Holland auch nur zu erfragen. Geigenzettel : Johannes Cuypers fecit in Haag 1707 (gedruckt) und Abb. 100. Cuypers, Jan. — Haag. Geb. 1719, f nach 1806 Angeblich Neffe und wohl auch Schüler des alten Jan C. Seine Geigen sind meist schwerfällig in der Form und zu stark im Holz, aber fast immer nach Stradivari gebaut. Sie haben schwere Ränder und dick aufge- tragenen Lack. Der Ton ist sehr klar, aber etwas hart. Er schreibt seinen Namen auch »Koeuppers«. Seine Arbeiten kommen häufig vor. Eine Geige von 1798 bei Scheurleer, eine neunsaitige Gitarre im Museum zu Brüssel Nr. 259. Geigenzettel : Johannes Cuypers, / Fecit 's Hage A° 1 782 (gedruckt). — Johannes Cuypers / fecit S : hage 1802 / aetatis suae 83 (geschrieben). Cuypers, Johannes Bernardus. — Haag. 1810 Vielleicht ein Sohn von Johannes C, den er nachahmte, aber nicht erreichte. Seine Arbeit ist roher, der Ton weniger gut, nur der Lack ist trotz seiner Härte recht schön und heller (gelblicher) als der des Vaters. Er ver- wendete geschriebene Zettel : Job. Bernardus Cuypers / fecit 's Hage 1810. Cuypers, Johannes Frans. — Amsterdam. 1783. 1811 Angeblich ein Neffe von Johannes C. Er dürfte im Haag gelernt haben und muß auch nach Italien ge- kommen sein, wo er seine letzte Ausbildung fand. Er arbeitete nach talienischen Grundsätzen und besaß eine gewisse Handgeschicklichkeit, doch sind seine Arbeiten meist zu schwer im Holz und haben dicke Ränder. Zwei Geigen von ihm besitzt der ehemalige Sekretär der Südafrikanischen Republik Dr. Leyds. In der Sammlung Scheurleer ist eine Taschengeige von ihm, bei der Boden und Zargen aus einem Stück ge- stochen sind. Geigenzettel : Johannes Franciscus Cuijpers / fecit 's Hage 1783 (gedruckt). — Johannes Franciscus Cuypers/ Fecit Amsterdam 1811 (geschrieben). Czejka (Cejka), Joseph. — Prag. 18. Jahrh. Geigen von ihm habe ich bisher nicht kennen gelernt. Seine (1733 geborene) Witwe Veronika starb am 9. Jan. 1826 in Prag. Czejka s. Cejka Cuypers, Jan (Johannes) der Alte, (de oude). — Czyz, Jan. — Krasnobrody. 1 896 Haag. I /U/. I /Z\j\^?) Ist mir nur als Reparateur bekannt geworden. Er wird als das Haupt der Familie bezeichnet, und Geigenzettel: Koregowal Jan Czyz zo Krasnobrodzie J. Roumen lobt ihn als sehr tüchtigen Geigenmacher; 1896 (geschrieben). 92 Daboll — Dalla Costa Daboll, L. Norman. — New London (Conn. Am.). 1894 Amerikanischer Geigenmacher und -händler aus dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Dcj,browski s. Dombrowski Däblitz, J. Gottfried. — Tapiau (Ostpreußen). 1850. t 12. Okt. 1899 Em Kapellmeister, der sich auch mit dem Geigenbau beschäftigt hat. Er war mindestens seit dem Ende der siebziger Jahre in Tapiau ansässig und hat viele Geigen repariert. Für einen Dilettanten besaß er ein be- merkenswertes Geschick, und so hat er für seine neuen Geigen allerlei Ausstellungspreise erhalten. Rechnungs- rat Friedrich in Posen besitzt eine nach einem läng- lichen Modell gebaute Viola von ihm, gute Arbeit, gutes Holz, gelbbraun lackiert. Die F-Löcher erinnern an Stainer, die Schnecke ist tief ausgestochen. Geigenzettel: J. G. Däblitz / Musiker und Geigen- macher / Tapiau. 1881 Oithographiert). Dähn, Christian Friedrich. — Klingenthal. 1737 Kommt nur im Kassabuch der Innung als Meister vor. Dänzel s. Tentzel Dagli Instrumenti, Marco. Ferrara. 1541 Nach den Zahlamtslisten hat er für die Herzöge Alfonso und Alfonsino d'Este sechs Violinen gemacht. Auch ein Domenico dagli Instrumenti kommt vor; der eigent- liche Familienname ist aber nicht bekannt. D'Agostino, Nicolo. — Palermo. 19. Jahrh. Er hatte in der Via Macqueda seine Werkstatt und war am besten als Lautenmacher. Dahlström, Joh. Reinhard. — Hamburg. 1 788 Er wurde als »Instrumentenmacher« am 31. Oktober 1788 Bürger; ob er jedoch auch Geigen und Lauten gemacht hat, war nicht nachzuweisen. Dal Chitarrino (Gitarino), Biagio. — Ferrara. 1464. 1467 Modenesischer(?) Lautenmacher, den auch Valdrighi (1248) erwähnt, doch hieß er wahrscheinlich Polverino (s. d.). Auch ein Pietrobono dal Chitarrino kommt 1445 — 1446 als trefflicher Lautenist vor, von dem je- doch nicht feststeht, ob er auch Lautenmacher war. Dalgarno, Thomas. — Aberdeen. 1860. 1870 Em Geigenliebhaber, der auf Grundlage der Unter- weisungen, die er in Ottos kleiner Schrift fand, etwa 20 Violinen, mehrere Violoncelli und einen großen Baß gemacht hat. Er verwandte einen Spirituslack. Geigenzettel : Thomas Dalgarno / Aberdeen 1865 (ge- schrieben). Dahnger (Dallinger), Sebastian. — Wien. 1 768. 1809' Er wohnte im Kärnthner Viertel, Himmelpfortgasse, und legte am 23. Januar 1768 den Bürgereid ab. In den Steuerbüchern kommt er bis 1787 vor. Er war ein mit Th ir auf gleicher Stufe stehender, sehr tüchtiger Lauten- und Geigenmacher, von dem namentlich die Violon- celli sehr gesucht sind. Ein solches von 1771 besitzt das Schottenstift in Wien. Er schrieb seinen Namen stets Dalinger, in den Akten liest man dagegen: Tallinger, Tällinger und Dallinger. Sein Holz ist gut, wenn auch nicht ausgesucht schön, die Arbeit sorgfältig. Umriß- linien, Wölbung und F-Löcher sind von schönem Schwung und an das Stainermodell erinnernd. Seine Schnecken oder Löwenköpfchen (die er gerne anbrachte) sind gewöhnlich aus Birnbaumholz geschnitzt. Der Lack ist in der Regel dunkelbraun und ohne Feuer, manchmal aber auch gelb; so besitzt Korecky in Prag ein Violoncello von ihm aus dem Jahre 1803 mit gelb- lichem Lack. Seine dunkeln Geigen erreichen zwar gute Preise, doch sind tadellos erhaltene Violinen mit gelbem Lack mehr als das Doppelte wert. Er machte auch recht gute Kontrabässe, von denen viele Schlangen- linien als Schallöcher haben. Geigenzettel: Abb. 150 und 160. Dalla Corna (Della Corna), Giovan Giacomo — Brescia. Geb. um 1484, f nach 1548 Er war ein Sohn des Giovan Maria dalla Corna und wohnte in der Contrada del Canto Bombasar. In seiner Steuererklärung vom Jahre 1534 bezeichnet er sich als 50 Jahre alt, wobei seinem Namen der Zusatz »che fa lauti« beigefügt ist. Arbeiten von ihm sind bisher nicht bekannt geworden. In späteren Jahren scheint er die Lautenmacherei aufgegeben zu haben, denn nach seiner Steuererklärung von 1548 zu urteilen handelte er zu- letzt mit Waffen usw. De Piccolellis, Vidal, Fenaroli hatten nur Lanfranco als einzige Quelle und geben so- wohl die Vornamen als die Jahreszahlen ungenau. Dalla Corte, Alfonso. — Neapel. 19. Jahrh. Seine Geigen sind gute Nachahmungen der alten Meister, sein gelber Lack zeigt jedoch mehr den Cha- rakter der Mailänder als der Neapolitaner Schule. Übrigens wendet er den Lack in verschiedenen Far- ben an. Dalla Costa, Marco. — Treviso. 1640. 1680 Vielleicht der Großvater oder auch Vater von Pietro .Antonio. Alfred Keil in Lissabon besitzt eine Taschen- geige mit drei Saiten von ihm aus dem Jahre 1640. Dalla Costa, Pietro Antonio. — Treviso. 1768 1700. Der Name wird auch Dalla Caesta gelesen. Er war ein Nachahmer der Brüder Amati, was er ausdrücklich betont, aber auch Stradivaris, und arbeitete recht sauber; namentlich sein prachtvoller rotbrauner oder gelber Lack ist zu loben. Er soll auch in Mantua und Venedig gearbeitet haben; das könnte allerdings nur vorübergehend oder vor 1720 und nach 1757 gewesen sein. Sein Name wurde von Fälschern gern miß- braucht^), wodurch sich die ungewöhnlich weit aus- einanderliegenden Jahreszahlerv, die man neben seinem ^) Die gefälschten Zettel fallen meist durch ihr fehler- haftes Latein auf. Dair Aglio — Dankwart 93 Namen angegeben findet, wohl einigermaßen erklären lassen. Eine schöne Geige von ihm besitzt Dr. Schulze in München. Gelgenzettel : Petrus Antonius a Costa fecit / Tarvisu, Anno 1740 (gedruckt). — Petrus Antonius a Costa fecit ad / Similitudinem illorum quos fecerunt: An- tonius & Hieronymus Fratres Amati / Cremonenses Filii Andreee. Tarvisii Anno 1757 (gedruckt) und Abb. 167. Dali" Aglio, Giuseppe I. — Mantua. 1723 (?) 1775 (?) Wenn der nachfolgende Zettel nicht gefälscht ist, was Valdrighi auch bei einem solchen mit der Jahreszahl 1719 für möglich hält, dann hat Gius. II. D. A. einen gleichnamigen Vorfahren gehabt, dessen Arbeit aller- dings nicht her\'orragend war. Ich fand eine Geige mit dem gleichen Zettel und der Jahreszahl 1 775 oder 1 745. Geigenzettel: Abb. 182. Dair Aglio (Dalaglio), Giuseppe II. — Man- tua. 1795. Soll 1840 noch gelebt haben Seine Geigen haben manche Ähnlichkeit mit denen C. Camillis, doch nimmt er die Wölbung höher. Der Lack ist gelb, und die F-Löcher sind etwas steil, die Schnecken gewöhnlich in der Form und oft sogar plump. Am besten sind seine Violoncelli. Gustav Siefert in Leipzig besitzt eine schöne Violine von 1781 und ein Violoncello von 1800 von ihm, das in seiner Form an Peter Guameri erinnert und durch sehr schöne F- Löcher auffällt. Geigenzettel: Abb. 153 und 178. Dalla Porta, Marc Antonio. — Venedig. 1 601 Dem Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe wurde vor einiger Zeit eine Laute zum Kauf angeboten mit dem Zettel : Marc Antonio dalla Porta / in Venecia (sie) MDCI. (gedruckO- Vielleicht dieselbe Laute (mit sechs Wirbeln) wurde am 14. Juli 1917 bei Helbing in München versteigert. Gewölbter Körper in ge- flammtem Ahornholz, Decke mit Ebenholzauflage, am Steg und am Schalloch Perlmutterverzierung. Dair Hocha, Gasparo. — Ferrara. 1568 Nach Valdrighi (1483) nicht nur ein Lautenmacher, sondern auch als Lautenspieler bekannt. Vermutlich von deutscher Abstammung. Dallemagne, Pierre. — Mirecourt. f 1 739 Unbedeutender Geigenmacher. Ein gleichnamiger, vielleicht der Sohn, starb 1748. nacr Dal Liuto s. Simone (Semola) Dair Oglio, Domenico. — Padua. Geb. 1700, finNarwa 1765 Ursprünglich Mechaniker, ging er schon in jungen Jahren zur Musik über und wendete sich nebenbei mit Erfolg dem Geigenbau zu. In seiner Arbeit zeigt sich der paduanische Stil, der auch in Bagatellas Geigen noch hervortritt, schon deutlich ausgebildet. Es gibt recht gute Geigen und Lauten von ihm, die nur in bezug auf Holz und Lack nicht ganz entsprechen. Er stand auch als Musiker in Ansehen und wurde als Direktor des kaiserl. Orchesters nach St. Petersburg berufen. Als er seine Heimat wieder einmal besuchen wollte, starb er auf der Reise. Dair Ongaro, Ignazio. — Venedig. 1 747. 1 783 Ein Geigenmacher dritten Ranges, der nur selten die guten Eigentümlichkeiten der venezianischen Schule in seiner Arbeit erkennen läßt. Manchmal schreibt er sich kurzweg Ongaro. D'Ambrosio, Antonio. — Neapel. 1820 In seiner Arbeit kennzeichnet sich der allmähliche Ver- fall der Schule von Neapel. Übrigens scheint er sich auch mehr mit dem Bau von Mandolinen und Gitarren als mit dem von Geigen beschäftigt zu haben. Daniel, ein französischer Lautenmacher, der um 1 656 vorkommt Daniel (»Meister Daniel«). — Antwerpen. 1636 De Piccolellis, Vidal u. a. erwähnen einen Antwerpener Meister Namens Daniel, der 1636 einen Kontrabaß für die Sakramentskapelle der Kathedrale gemacht hat. Ein Geigenmacher mit dem Familiennamen Daniel lebte damals nicht in Antwerpen ; nur ein Daniel Bader, Orgel- und Klavezinmacher, kommt dort von 1600 an vor; vielleicht ist dieser mit dem »Meister Daniel« identisch. Daniel, Charles. — Marseille. 1762 Er eröffnete 1762 seine Werkstatt. Selbständige Ar- beiten von ihm sind mir nicht bekannt geworden. Er war hauptsächlich Händler und Reparateur und be- schäftigte sich mehr mit Blechinstrumenten als mit Geigen. Daniel, Edmond. — Marseille. 1800. 1850 Sohn, Schüler und Nachfolger von Charles Daniel, arbeitete kurze Zeit bei Gand in Paris und war der l^Lehrer von A. Guerin. der später sein Nachfolger wurde. Als tüchtiger Reparateur wurde er geschätzt, [trieb aber hauptsächlich einen Handel mit Musik- instrumenten aller Art. Daniele, lebte in Verona Geigenzettel: Daniele in Verona (gedruckt). Danieli, Giovanni. — Padua. 1745. 1785 Arbeitete erst allein und später mitBagatella zusammen, dem er auch in der Arbeit nahesteht. Geigenzettel : Joannes Danieli fecit Patavii / 1 745 (ge- druckt). — Danieli et Bagatella / fecerunt Patavii Anno 17.. (gedruckt). Daniels, Geo W., lebte im 19. Jahrhundert in Boston Dankwart, Belizar. — Warschau. 1603 Ein im 17. Jahrhundert in Polen tätiger Geigenmacher, dessen Violinen zwar etwas zu dünn im Holz sind, aber im Modell an die Brescianer Schule erinnern und die deshalb auch von gewissenlosen Händlern gerne mit 94 Danner — Daum italienischen Zetteln versehen worden sind. Der Lack ist dunkelrot und sehr dünn. Der Ton entsprach den damaligen Anforderungen, und diesem Umstand ist es wohl auch zuzuschreiben, daß sich die polnischen Geigen einer gewissen Beliebtheit bei den Musikern des 17. Jahrhunderts erfreuten. Bei einer Viola d'amore von ihm war sowohl der Boden als die Decke aus Ahorn- holz. Danner s. Thanner Darbey, G. — Bristol. 1882. 1910 Ein Geigen- und Bogenmacher, der seine Werkstatt, die er »Cremona house« nennt, 1882 eröffnete. Er ist der Erfinder und Verfertiger eines Saiten-Mikrometers. Darche, Charles-Fran^ols. — Brüssel. Geb. In Mirecourtum 1820, f 1874 Jüngerer Bruder von Nicolas Darche. Er kam in jungen Jahren zu N. F. Vuillaume, als dessen Schüler er gelten kann, und machte sich 1845 in Brüssel selb- ständig. Seine Arbeit war im ganzen gut, der Lack aber mager und der Ton oft dumpf, was wohl hauptsächlich daher kam, daß er das Holz durch chemische Prozesse alt machen wollte und dadurch verdarb. Er verbrauchte überhaupt viel Zeit zu allerlei Versuchen und Erfin- dungen, dazu gehören auch Violoncelli mit fünf Saiten u. dgl. Als Reparateur war er jedoch wegen seiner sorg- samen und treuen Geduldsarbeit ungemein geschätzt. Darche, Joseph. — Brüssel. Geb. um 1824 in Mirecourt, f 1867 Jüngster Bruder von Nicolas D. Nachdem er in Mire- court ausgelernt hatte, kam er zu N. Vuillaume nach Brüssel, machte sich da 1854 selbständig und galt als geschickter Geigenmacher. Darche, Hilaire. — Brüssel. Geb. in Brüssel 1862 Sohn von Joseph D. Seine erste Lehrzeit machte er in Mirecourt durch und kam dann drei Jahre später nach Brüssel zurück, wo er unter der Leitung eines Geigen- machers, der 30 Jahre lang bei Vuillaume gearbeitet hatte, seine Ausbildung vollendete. Im Jahre 1886 er- öffnete er seine eigene Werkstatt und führte sie allein bis 1894 fort; dann verband er sich mit seinem Bruder zu der Firma »Darche Freres«. (Der Bruder ist jedoch nicht Geigen-, sondern Klaviermacher usw.) Er baut nach Stradivarl, Guarneri und Maggini und ist Geigen- macher des Konservatoriums. Geigenzettel: Hilaire Darche, Luthier / du Conser- vatoire Royal de Bruxelles. / L'An 19 . . (gedruckt). Darche, Nicolas. — Aachen. Geb. um 1815, t 1873 Er soll in seiner Vaterstadt Mirecourt gelernt haben und ließ sich, nachdem er in Brüssel eine Zeitlang gearbeitet hatte, gegen 1840 in Aachen nieder. In seiner ersten Zeit berechtigte er zu schönen Hoffnungen und baute nach den Modellen von Stradivari, Guarneri und Maggini mit Geschick und Verständnis. Damals ver- wendete er auch dicken, roten Ollack und erzielte eine bemerkenswerte Klangschönheit. Er verlangte 1844 für eine Geige 35 Taler, für ein Violoncello 70 Taler. Später ergab er sich dem Trünke, und seine Arbeiten aus den sechziger Jahren kommen höchstens noch der Mirecourter Durchschnittsware gleich; ja es ist wahr- scheinlich, daß er nur noch Mirecourter Schachteln verarbeitete. In den letzten Jahren seines Lebens arbeitete er überhaupt nichts mehr. Geigenzettel: N. Darche Luthier / ä Aix la Chapelle / 1852 (gedruckt). Darche, Paul. — Brüssel. Geb. um 1846, t 1881 in Brüssel Sohn von Gh. F. Darche und dessen Nachfolger. Seine Lehrzelt machte er in Mirecourt durch und arbeitete dann im väterlichen Geschäfte. Er war nicht unge- schickt sowohl im Neubau wie In der Herstellung alter Geigen. Dardelli, Fra Pietro. — Mantua. 1497. 1500 Ein Franziskanermönch, der sowohl schöne Lauten als Violen gemacht hat. Er stand seinerzeit in hohem An- sehen und wurde von Fürsten beschäftigt. Fetis erwähnt und beschreibt eine seither verschwundene Laute, die Dardelli für die Herzogin von Mantua gemacht haben soll. Daß die seinen Namen tragenden Gelgen echt sind, erscheint durchaus zweifelhaft. Vgl. auch Bertolotti, La Musica in Mantova (1400—1600) Mailand, Ricordi & Co., S. 17. 18. D'Argent, Michel. — Mirecourt. 1750 Nur von A. Jacquot erwähnt. Dassigny, Jacques. — Mirecourt. 1774. 1779 Bogenmacher. Darte, Auguste. — Mirecourt. 1865. f 1888 Schüler, Schwiegersohn und Nachfolger von Nicolas Vuillaume. Eine Zeitlang arbeitete er als Gehilfe bei J. B. Vuillaume in Paris. Seine Geigen sind gute Mire- courter Durchschnlltsware. Daum, Karl Mathias. — Wiener-Neustadt. Geb. 20. April 1825, f 15. Mai 1870 m Wiener-Neustadt Sohn von Mathias D. Schüler von Anton Fischer in Wien, bei dem er bis 3. September 1843 lernte. Er ar- beitete dann bei verschiedenen Meistern, übernahm 1855 die väterliche Werkstatt und heiratete 1860 Fran- clsca Pajer, die Tochter eines Fleischhauers aus Rcpcze Szemere in Ungarn. Er war nicht ungeschickt, wenn er auch seinem Vater nicht gleichkam, und ist zu früh gestorben, um sich ausreifen zu können. Seine Witwe heiratete 1872 den Geigenmacher Fr. Hiller. Daum, Karl Wilhelm. — Pressburg, Wiener- Neustadt, Barmen. Geb. 19. Sept. 1860 Sohn von Karl Mathlas D. Er verlor seinen Vater schon im zehnten Lebensjahre, erlernte die Geigenmacherei bei seinem Stiefvater Franz Hiller und ging dann nach Ungarn, von wo er erst 1901 wieder nach Wiener-Neu- stadt kam und sich als Geigenmacher niederließ. Vor- D, 'auni Day 95 her war er von 1888—1889 in Preßburg ansässig. Er besitzt noch Werkzeuge, die sein Großvater von Mich. Stadimann geerbt hatte. Im Jahre 1902 verließ er wieder seine Heimat, ging nach Deutschland und ar- beitete 1906 in Barmen usw. Geigenzettel: Carl Daum / Musik-Instrumenten-Er- zeuger / Preßburg Schöndorfergaße 6. (gedruckt). Daum, Mathias. — Wiener-Neustadt. Geb. 24. Febr. 1789 in Kaidling (Herrschaft Pöltenberg in Mähren), f 10. Dez. 1855 (am Schlagfluß) in Wiener-Neustadt Sohn eines Schullehrers und Schüler von Franz Jos. Wassermann in Znaim. Von 1809—1811 arbeitete er bei Johann Ertl in Wien und von 1812—1813 bei Michael Stadimann, bei dem er bis zu dessen Tode blieb. Stadimann versprach ihm >>als dem emzigen Subjekte, welches ihm das Geschäft während der Krankheit führte und bis ans Ende bei ihm aus- harrte«, sein Geigenmacherwerkzeug und die Gewölbe- (Laden-)elnrichtung samt Holzvorräten, dieDaumauch wirklich erbte. Damals hatte Magnus Eberle seine Werkstatt in Wiener-Neustadt aufgegeben, weshalb Daum am 3. Juni 1813 bat, ihm dessen Gewerbe obrig- keitlich zu verleihen, was ihm bereits am 1 1 . Juni be- willigt wurde. Am 14. Febr. 1814 legte er den Bürger- eid ab und heiratete am 17. Juni 1821 die Bürgerstochter Anna Pflieger, von der er sechs Kinder bekam. Er war ein tüchtiger Meister und den besten Wienern ebenbürtig. Geigen von ihm zeichnen sich durch kräf- tigen, gleichmäßigen Ton und schöne Form aus. — Sein Name kommt auch »Thaum« geschrieben vor. D' Avenia, Carlo. — Neapel. 1788 Vielleicht ein Schüler von AI. Gagliano. Prof. Dr. A. Bensande in Lissabon besitzt ein Violoncello von ihm mit geschriebenem Zettel. D'Avenia.L. — Neapel. 1888 War auf der Musikausstellung zu Bologna mit zwei außergewöhnlich fein durchgeführten Mandolinen ver- treten; die dabei zu lesende Bemerkung: »Di materie chimiche« gibt allerdings ein Rätsel auf. David. — Paris. 1730 Nach Vidal u. a. ein Zeitgenosse von Pierray; Grillet erwähnt nur den Namen und das Jahr: nach Hart »Hof- lautenmacher Louis' XVI.«, nach anderen »Lieferant der Hofmusik«. Übereinstimmend wird seine Arbeit als gewöhnlich bezeichnet. Da die Quelle nicht ange- geben wird, aus der diese Angaben geschöpft sind, und da mir nie Arbeiten von der Hand dieses David vor- gekommen sind, liegt möglicherweise eine mißverständ- liche Auffassung der Firma »Au roy David«, die ja vielfach gebraucht wurde, vor. »Au roy« wurde viel- leicht auf Louis XVI. bezogen und »David« als Name gelesen. David, Claude-Joseph. — Dijon. 1851 Kleiner Geigenmacher, der hauptsächlich von Wieder- herstellungsarbeiten lebte. Davidson, Hay. — Huntley. 1870 Wenig hervorragender Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Davidson, Peter. — Forres (Schottland). Geb. 1834inSpeyside. 1886 Er war Steuerbeamter und ist 1886 nach Louisville (Georgia, Am.) ausgewandert. In seinen freien Stunden machte er viele Violinen nach den Modellen von Stradl- vari und Guarneri, die er mit einem roten ÖUack versah. Er veröffentlichte auch eine Schrift über den Geigen- bau, die 1895 in Amerika in 3. Auflage erschien. Davidson, William. — Edinburgh. Geb. 1827 in Muckhart, Perthshire Er machte aus Liebhaberei über 30 Geigen usw. und erhielt in Glasgow 1890 hierfür ein Diplom zweiter Klasse. Geigenzettel: William Davidson ,' Edinburgh. 1890. (geschrieben). Davies, Thomas. — Birmingham. 1900 Englischer Streichinstrumentenmacher der Gegenwart. Davini, Gmstp. — Lucca Unbedeutender Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. Davis, Charles John. — Milford Haven. 1895 Erfinder eines Bogens mit wellenförmigen Einschnitten und tellerförmigen Warzen zur Erzielung einer rich- tigen Fingerlagerung. Davis (Davies), Richard. — London. Geb. um 1 790 in Bussage bei Stroud, f daselbst April 1836 Er begann seine Laufbahn als Geigenmacher bei Norris & Barness und übernahm nach Norris' Tod 1818 das Geschäft. Er hat nur sehr wenig gearbeitet und war zeitlebens mehr Händler als Geigenmacher. Mit seinem Neffen William zusammen fertigte er auch viele Gi- tarren an. Davis, William. — London. 1836. 1846 Gleich seinem Oheim Richard D., dessen Geschäft er 1836 übernahm, fast nur Händler und Reparateur. Er wohnte Coventry Street. Die neuen Geigen, die er bauen ließ, waren Maucotels Arbelt. Im Dezemberl846 verkaufte er das Geschäft an Edward WIthers und zog sich in seinen Heimatort Bussage zurück. Davoux, Claude. — Mirecourt. 1761 Arbeiten von ihm sind noch nicht zum Vorschein ge- kommen. Day, John Dr. — London. 1887 Ursprünglich Violinvirtuose, Schüler von Ch. Beriot und Mitglied der könlgl. Hauskapelle, verwendete er jahrelanges Studium auf den Geigenbau und brachte es darin zu so seltener Meisterschaft, daß seinen Geigen, die er jedoch nie für den Handel bestimmt und nie ver- kauft hat, u. a. von John Broadhouse (Vlolins, old & new) nachgerühmt wird, daß sie den besten Stradivari- Gelgen an Tonschönheit gleich kämen (?). 96 De Andrade — Deconetti De Andrade, Francisco G., lebt als Saiten- instrumentenmacher in Rio de Janeiro Dearlove, Mark. - Leeds. 1812. 1820 Wenig hervorragender Geigenmacher, dessen Arbeiten höchstens als Schülergeigen gelten können. Dearlove, Mark William. — Leeds. Geb. um 1800, t nach 1864 Sohn und Schüler von Mark D. Er verstand es, das väterliche Geschäft in die Höhe zu bringen, und be- schäftigte viele, später angesehene Geigenmacher, so Absam, Gough und auch John Fryer, mit dem er sich um 1828 verband. — Seine Violoncelli sind recht gut. Geigenzettel : Dearlove and Fryer / Musical Instrument Manufacturers / Boar Lane Leeds 1828 (gedruckt). Deblaye, Albert Joseph. — Mirecourt. Geb. 1874 in Bonzemont Er fand seine Ausbildung in Mirecourt, wo er sich dauernd niederließ, als er sich im Jahre 1900 selbstän- dig machte. Seine Arbeit ist gut; er verwendet eine Brandmarke mit semem Namen. De Blosy, Nicolaus. — Neapel. "1793 Wenn er nicht zu der Familie de Blasio gehört, war er vermudich ein belgischer oder französischer Lauten- macher, der sich in Neapel niederließ und sich der dortigen Schule anschloß. Eine neapolitanische Gitarre von ihm aus der Sammlung Snoeck besitzt die staat- liche Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin. Geigenzettel : Nicolaus De Blosy fecit Napoli / In rua Catalana al n« 13. A. D. 1793 (gedruckt). Debruyn, J. B., lebte im 19. Jahrhundert in Brüssel Decaniis, Nunzio. — Florenz. 1789 Ein reisender Gaukler, der sich Professor der »Mecha- nik und Optik« nannte, und bei seinen Kunststückchen auch Geigen ruinierte. Vgl. de Piccolellls, S. 26 ff. Decante, Jacques. — Jenzat. Geb. 14. Jan. 1798 oder 1801, f 5. Nov. 1884 Er begründete 1820 die von seinem Schwiegersohn Callhe-Decante noch heute fortgeführte Fabrik und baute gute Leiern im Stile Pajots. Dechler s. Tecchler Deckert, Beatus Friedrich Christian. — Groß- breitenbach. Geb. 17. Okt. 1817, t 9.JuH 1882 Sohn und Schüler von Georg Nlk. D. Er machte, wie sein Vater, Instrumente aller Art, kam ihm aber nicht gleich. Deckert, Georg Nikolaus. Großbreitenbach. Geb. 26. Febr. 1772, t 7. Juni 1844 Ein vielseitiger Instrumentenmacher, der anfangs Gei- gen, dann Gitarren und zuletzt Klaviere baute. Er er- freute sich eines gewissen Rufs, so daß ihn sowohl de Piccolellls als auch Fetis erwähnen. Seine Klaviere waren sehr billig und dabei gut. Seine erste Frau war eine geb. Schüller, seine zweite eine geborene Meisel- bach. Er hatte sechs Töchter und einen Sohn, dieser wurde sein Nachfolger. De Clerq, Gh. — Oudenaarde. 1860. 1882 Ein Bürstenmacher, der aus Liebhaberei auch Geigen gebaut hat, die nicht schlecht sind. Decol, Jean-Dominique. — Mirecourt. 1772 Bisher nur urkundlich nachgewiesen. Decombe. — Paris. 1789. 1800 Er erwarb um 1789 das von der Witwe fortgeführte Geschäft Salomons, in dem er vielleicht vorher schon als Werkführer tätig war. Er verlegte die Werkstatt und den Laden nach dem Qual de l'Ecole Nr. 14 und im Jahre Vll an die Ecke der Ecole de Medecine. Er führte nunmehr das Schild: »A l'accord parfalt*. Ob er je Geigen selbst gebaut hat, steht nicht fest, doch betrieb er einen ausgedehnten Musikalien- und Instrumenten- handel. — Nicht zu verwechseln mit De Comble. De Comble, Ambroise. — Tournay. 1740. 1785 Einer der berühmtesten vlämischen Geigenbauer, der einer alten Musikerfamilie entstammte^). Er war jeden- falls auch selbst Musiker und ist als solcher in seiner Jugend als Stipendiat möglicherweise nach Italien ge- kommen. Daß er aber ein Schüler von Stradivan ge- wesen sei, wie Fetls (der den Namen Irrig De Combre schreibt), behauptet, dagegen spricht sowohl die Arbelt De Combles, als auch die Zelt, in der er nachweisbar gelebt hat. Immerhin baute er nach Italienischen Vor- bildern, aber er war sorglos In der Wahl des Holzes, vernachlässigte alle Nebensachen und war unsauber In der Arbelt; dagegen war sein Lack meist gut. Er gab der Decke gerne einen gelben und dem Boden und den Zargen einen roten Lack. Sein Patron ist eher groß als klein, die Wölbung flach, der Rand dick und die Einlage ungewöhnlich dünn. Der Ton ist fast immer voll und gut. Im Selhofschen Auktionsverzeichnis(Haag 1759) werden Geigen und Violoncelli von ihm aufge- zählt; ein Vloloncell aus der Snoeckschen Sammlung (Nr. 587) befindet sich in Berlin. Ein Streichquartett von ihm besaß der Prinz Caraman-Chimay. Gelgenzettel : Abb. 1 70. I Deconetti (Deconet), Giov. Battista. — Vene- dig. 1720. 1742 Der Name wird gewöhnlich Deconet geschrieben. Vielleicht war er der Vater des bekannteren MIchele Deconet. Er wendet ähnliche Formen wie Nie. AmatI an; nur zieht er eine höhere Wölbung vor. Geigenzettel: Gio. Bapt. Deconet fecit Venezia 17 . . (gedruckt). ^) Schon 1 505 kommt ein Pleter de Comble als Trom- peter vor. I Deconetti — De Lacroix 97 Deconetti, Mlchele. — Venedig. Padua. 1752. 1795 VielleicKt ein SoVin von Gio. B. D. Wie dieser schreibt er seinen Namen gewöhnlich *Deconet«. Vom Jahre 1 790 an hat er in Padua gearbeitet, wo er schon früher ( 1 772) vorübergehend ansässig war. Er hatte ein breites, flaches Modell. In den Umrissen ahmte er öfter Jos. Guarneri, manchmal auch Stradivari ohne besonderen Schwung nach, sein rotbrauner Lack ist dagegen dem des Montagnana, für dessen Schüler man ihn hält, un- gemein ähnlich. Er war sehr fleißig, weshalb er auch vielerlei Zettel gebrauchte, bei denen die beinahe stets wechselnde Schreibweise des Taufnamens auffällt (Michele, Michaele, Michiel, Michael, Micael ussv.). Eine Geige von ihm mit der Jahreszahl 1786 besitzt Wrede in Lüneburg. Geigenzettel: Michele Deconet / fecit Venezia 1775 (ge- druckt). — Michiel Deconet / Fecit Venetij. Anno / 1786 (gedruckt) und Abb. 180. Defresne, Pierre. — Rouen. 1731. 1745 Er lernte in Paris und ließ sich 1 73 1 in Rouen nieder, wo er in allerlei Zunftstreitigkeiten verwickelt wurde. Man wollte ihm u. a. nicht gestatten, daß er sich auf dem Schild über seinem Schaufenster einen Meister von Paris nenne usw. Schließlich setzte er seine Auf- nahme in die Zunft dennoch durch; er berief sich dabei auf ein »Brevet de Monseigneur de Luxembourg«. Seine Violinen sind nicht übel im Aussehen und in der Arbeit. Geigenzettel: Fait par moi Pierre Defresne, maistre luthier de Paris / demeurant rue N^^ St. Lö ä Rouen 1 737 (gedruckt). Degani, Domenico. — Montagnana. Geb. um 1820, t 1887 Geschickter Musikinstrumentenmacher, der Geigen, Gitarren und Mandolinen machte, deren Ton gelobt wird, die aber der Billigkeit halber meist sehr einfach ausgeführt sind ; so fehlt den meisten seiner Geigen die Einlage am Rand. Eine Lyra von ihm besitzt C. Clau- dius in Kopenhagen. Geigenzettel: Degan Domenico / fecit in Maggio 18 . ./ Montagnana (gedruckt). Degani, Eugenio. — Venedig. Geb. 20. Mai 1 840 zu Montagnana (Prov. Padua) Seit seinem zehnten Jahre Schüler seines Vaters, ging er, 16 Jahre alt, um sich im Orgelbau auszubilden, zu dem Orgelbauer Domenico Malvestio in Montagnana, bei welchem er von 1856 — 1866 arbeitete. Während des Krieges von 1866 mußte er, um sein Leben zu fristen, Flinten machen, wozu ihn seine technischen Fertig- keiten befähigten. Im Jahre 1877 machte er sich in seinem Geburtsorte selbständig und siedelte 1 887, nach- dem er sich als Geigenmacher bereits einen Namen ge- macht, nach Venedig über. Er baut nach eigenem Mo- dell, versieht seine Geigen mit fünf Einlagespänen (drei schwarzen und zwei weißen) und hat auch eine be- sonders gestochene Schnecke, doch kopiert er auch alte Meister. Sein Lack, dessen Zusammensetzung sein Ge- V. Lü tg-e ndo rf f , Gcig-eii- und Lautenmaclier. Bd. II heimnis ist, wird sehr gelobt. Er besitzt mehr als 1 5 Me- daillen von den Ausstellungen in Treviso, Rovigo, Mai- land, Arezzo, Neapel, Turin, Paris, London, Chicago, Mailand, Palermo, Bologna usw. usw. und gilt als treff- licher Lehrer seiner Kunst. Seit 1898 lautet seine Firma Eugenio Degani & Figlio. Geigenzettel: Abb. 154. Degani, Giulio. — Venedig. Geb. in Mon- tagnana 1875 Schüler seines Vaters, dessen Geschäftsteilhaber er jetzt ist. Er arbeitet im Stile seines Vaters. Degen, F. — Zürich Ein Zitherlehrer, der im Jahre 1896 ein Musikinstru- mentengeschäft begründete, in dem auch Geigen repa- riert werden. Degroot, Romain. — Quaregnon. 1900 Ein Bildhauer, dessen aus amerikanischem Nußbaum- holz gefertigte Geigen als interessante Versuche gelten können. Dehaye s. Deshayes De Haven, Frank. — New York. Geb. in Bluff ton (Indiana) 1856 Ein berühmter amerikanischer Landschaftsmaler, der aus Liebhaberei im Jahre 191 1 angefangen hat, Geigen und namentlich Violen zu bauen, und es dann zu großer Vollkommenheit gebracht hat. Er hat sich ein eigenes Modell gebildet, nimmt die Wölbung flacher als Stradi- vari, hat eigenartige lange F-Löcher und einen elasti- schen orange- bis rotbraunen Lack eigener Zusammen- setzung von sehr guter Beschaffenheit. Der Ton seiner Geigen ist kräftig und edel. Dehmal (Dejmal), Anton. — Wien Blech- und Streichinstrumentenmacherfirma der Ge- genwart. Dehommais. — Paris Von 1876 — 1882 Teilhaber der Firma Dehommais & Germain. Er war ein Liebhaber, der sich durch seine Untersuchungen des Geigenlacks ein Verdienst erwarb, aber selbst kein gelernter Geigenmacher. Deininger, Charles. — Paris. 1851 Wahrscheinlich ein Deutscher, der sich in Paris nieder- gelassen hat, aber nicht hervorgetreten ist. Deistler, Joseph. — Schönbach b. Eger. 1826 1830 Einer der besseren Geigenmacher seines Orts. Seine Nachkommen sind meist Zithermacher geworden. Delaborne. — Paris oder Mirecourt (?). 1819. 1823 Nur als Gitarrenmacher bekannt. Er baute Gitarren für »doppeltes Spiel« und mit Registern. De Lacroix s. Lacroix 7 98 Delaine — Deleplanque Delalne, Jean. — Mirecourt. 1789 Wird als Bogenmacher erwähnt. De L'Air (Marquis) s. Charles II. Claudot De La Mothe (Motte), Jacques. — Paris. 1 606 Ein Lauten- und Geigenmacher, der auch unter seinen Landsleuten und Zeitgenossen nur einen dritten Rang einnimmt. De La Noue, Matthieu (gen. Mathelin). — Lyon. 1523-1555 Er war Instrumentenmacher und »Fleustier« und hat wohl nur Holzblasinstrumente gemacht. Delanoy, Alexandre. — Bordeaux. Geb. 15. Mai 1850 in Mirecourt Schüler von Buthod, arbeitete drei Jahre lang bei Vuillaume und wurde 1880 Nicolas Vaillants Nach- folger in Bordeaux. Er baut nach den Traditionen von J. B. Vuillaumes Werkstatt, den er als seinen eigent- lichen Lehrer ansieht, kopiert ein Stradivan-Modell und verwendet Vuillaumeschen Ollack. Seine Arbeit zeichnet sich durch Genauigkeit und künstlerische Durchführung aus, weshalb er auch mehrere goldene Medaillen erhielt. Er ist ein erfahrener Kenner alter Instrumente, mit denen er Handel treibt. Er erfand auch eine den Bedürfnissen der Kolonien entsprechende Geige. Geigenzettel : A. Delanoy / Bordeaux / Medailles d'or. 18 . . (gedruckt). — A. Delanoy / Eleve de J. B. Vuil- laume. / Medailles d'or. / Bordeaux 189! (gedruckt). De Lannoy, H. J. — Lille. 1740. 1775 Er wohnte 1 747 Petite Place, au-dessus des Halles und seit 1752 »Dessus les ponts de Comines«. Seine Arbeit ist sehr gut, das Holz schön, der Lack gelb. Geigenzettel: H. J. de Lannoy, sur la petite place / au dessus des halles, ä Lille 1 747 (gedruckt) und Abb. 151. De Lannoy, L. — Lille. 1828. 1835 Wahrscheinlich ein Sohn von H. J. De L. Er beschäf- tigte sich hauptsächlich mit dem Ausbessern alter Gei- gen usw. Geigenzettel: Repare par L Delannoy / ä Lille en 1835 (gedruckt). Delannoy (De Lannoy), Henri-Joseph. — Brüssel. 1778. 1791 Wahrscheinlich der Enkel von J. de Lannoy. Seine Geigen und Bratschen werden gelobt. C. Mougenot be- sitzt ein Alto von ihm aus dem Jahre 1 778. Geigenzettel : Henncus Josephus de Lannoy / Bruxel- lensis anno 1 778 (gedruckt). Delannoy (Delanoix), F. J. »le fils< 1760. 1783 Brüssel. Der Sohn von J. D. und wahrscheinlich Schwiegersohn von Lefebre. Er war Hoflautenmacher. De Croes schreibt 1 783 von ihm, als er ihn als Nachfolger von Michiels vorschlägt: . . . »seul et unique bon ouvrier dans ce genre d'ouvrages que je connaisse . . .<< Seine Geigen sind gut gearbeitet. Eine sechssaitige Laute von ihm aus der Sammlung Snoeck befindet sich in Berlin. Delannoy (De Lannoy), J. — Brüssel. 1744. 1745 Wahrscheinlich der Stammvater der Brüsseler Familie seines Namens. Er wohnte in der Bourgendaele und baute hübsche Gamben, Violoncelli und Alti. Delanoe, Pierre Jean. — Paris (?). 1754 Er wird nur selten erwähnt und scheint nicht viele Geigen angefertigt zu haben. Delany, John. — Dublin. 1808 Er ahmte zwar die Italiener recht gut nach, doch scheint er ein allzu starkes Selbstbewußtsein gehabt zu haben, denn nach seinem Zettel baute er seine Geigen, um sein Andenken in künftigen Zeiten zu erhalten. In unseren Tagen hätte er sie wohl »ein Dokument irischer Kunst« genannt. Geigenzettel : Made by John Delany / N° 1 7 Britain Street / Dublin 1808 (gedruckt). — Made by John De- lany / In Order to perpetuate his memory in future ages/ Dublin 1808 /Liberty to all the world / black and white (gedruckt). Delarche. — Rouen. 1912 Wenig bekannt. Delau (Deleau), Lucien. — Rouen. 1836. 1858 Er ist nur als Nachfolger Charottes bekannt, dessen Ge- schäft er in der Rue Beauvoisine Nr. 36 mit Pierre-Na- poleon Jeandel und nach 1848 allein fortführte, und hat sich auf das Ausbessern alter Instrumente beschränkt. Nach seinem Tode wurde sein Sohn, der jedoch kein Geigenbauer ist, sein Geschäftsnachfolger. Delaunay. — Paris. 1775 Nach einer hübschen Vielle, die das Pariser Konserva- torium (Nr. 213) von ihm besitzt, zu urteilen, war er ein geschickter Meister. Delepierre, Jules. — Paris. 1895. 1898 Er war nicht ungeschickt. Seine Werkstatt übernahm 1 898 Leon Leroy. Deleplanque, Gerard J. — Lille. 1760. 1790 Ein sehr geschickter Lauten- und Geigenmacher. Er wohnte erst Marche aux poulets, pres le Marche aux poissons, seit 1768 in der Grande Chaussee au com de Celle des Dominicains und gegen 1790 Place de Ribour, pres l'Hotel de Ville. Er war sorgfältig in der Arbeit und fleißig, so daß seine Werke ziemlich häufig vor- kommen, freilich häufiger Pandoren, Lauten und Zithern, als Geigen. Verschiedene Instrumente von ihm befinden sich in den Sammlungen der Konservatorien in Paris und Brüssel, sowie bei Snoeck, bei Heuckart und bei W. Heyer in Köln. Das Holz ist meist sehr schön, der Lack rötlichgelb. Er gebrauchte verschiedene Zettel und führte erst in seineo letzten das Schild »Au violon de Cremone« an. Geigenzettel: Gerard Deleplanque, luthier, / ä Lille (geschrieben) und Abb. 172. Delette — De Planche 99 Delette, Jean-Baptlste. — Mirecourt. 1777. 1789 Nur dem Namen nach bekannt. Sein Bruder Charles D. war Bogenmacher. De Llgne, Laurentius Josephus. — Antwerpen. 1747. 1752 Guter Vertreter der Antwerpener Schule, der oft nur auf die äußere Ausstattung seiner Arbeiten Wert legte, Löwenköpfchen am Wirbelkasten anbrachte usw. Eine Violine und ein Violoncell von ihm aus der Samm- lung Snoeck befmden sich in Berlin. Geigenzettel : Laurentius Josephus De Ligne fecit / Antwerpiae 1732 (gedruckt). Delivet, Auguste. — Paris. Geb. 24. Dez. 1861 in Mirecourt Großneffe von Victor Rambaux, Schüler von Chardin in Mirecourt, kam 1887 nach Paris zu H. C. Silvestre, bei dem er bis 1892 blieb. Er eröffnete hierauf in der Rue de Paris 10 seine eigene Werkstatt und macht neue Geigen, die wegen ihrer sorgfältigen Arbeit und ihres guten Tones beliebt sind ; auch als Reparateur wird er geschätzt. Für feine Instrumente verwendet er OUack. Er baut auch alle anderen Saiteninstrumente und be- sonders solche für musikalische Clowns, die sich durch Originalität auszeichnen. Er besitzt viele Auszeich- nungen und ist Offizier der .Akademie. Geigenzettel: A. Delivet: Luthier / exouvrier de H. C. Silvestre / Paris Annee 189 . . N^ . . . (gedruckt). Deller, Jakob. — Schönbach b. Eger. 1826 Seine Violinen und Violen sind von handwerksmäßiger Arbeit, sonst aber gut. Delphin. — Mirecourt. 19. Jahrhundert Er datierte seine Geigen, wie viele Mirecourter, aus Paris oder wählte einen Zettel, der wenigstens den Schein erwecken könnte, als hätte man eine Pariser Geige vor sich. Geigenzettel: Abb. 175. Demercier, A., lebte im 1 9. Jahrhundert in Gent Demouchi, P. — Lyon. 1618. 1633 Seine Arbeit erinnert an deutsche Vorbilder. Eine Baß- viola von 1618 befindet sich in Berlin (Sammlung Snoeck Nr. 485) : sie zeigt einen braunschwarzen Lack und ein geschnitztes Köpfchen. Eine Viola da Gamba von 1633 von ihm ist im Nationalmuseum in München (Nr. 121) mit C- statt F-Löchern; der Name ist hier De Mouchi geschrieben. Geigenzettel: P. Demouchi / ä Lyon 1618 (gedruckt). Dengl s. Tängel Denis, Christophe. — Mirecourt. 1740 Nur urkundlich genannt. Denis, Jean-Baptiste. — Mirecourt. Luneville. 1737. 1739 Er soll nicht ungeschickt gewesen sein. Denitor s. Devitor Denizot. — Tours. 1828. 1829 Er stammte aus Mirecourt, war hauptsächlich als' Reparateur tätig und scheint Mirecourter Geigen ver- kauft zu haben. Geigenzettel : Repare par Denizot / Luthier ä Tours 1828. De Loeuvre, Honore. 1551 Als »faiseur d'espinettes« bezeichnet. (Vgl. Coutagne, i Duiffopr.) Doch soll ein Sammler in Lyon auch eine ' Laute mit seinem Namen besitzen (?). Deloir. — Bayeux. f vor 1899 Ein Geigenmacher, der ein gutes Geschäft hatte, das seine Witwe fortsetzt. De Lorenzi s. Lorenzi De Losy s. Losio Del Perugia, Ferdinando. — San Cresci. Flo- renz. Geb. 16. Nov. 1857 in Petriolo bei Bruzzi (Florenz) Einer der besten Mandolinenmacher der Gegenwart. Seit 1872 verlegte er sich auf den Bau von Mandolinen und Gitarren und kam bald zu großem Ansehen. Seit 1 899 arbeitet er ausschließlich für die Firma C. Schm.idl & Co. in Triest und Wien. Del Perugias Mandolinen sind tadellos ausgeführt und mehrfach auf Ausstellun- gen ausgezeichnet worden. Denizot, Jean-Claude und Nicolas. — Mire- Lyon. 1523. t vor court Zwei Geigenmacher, von denen der eine von 1 747 bis 1773, der andere von 1760 — 1785 vorkommt. Dennis, Jesse. — London. Geb. 1795, f nach 1855 Er lernte von 1805 an bei John Crowther und arbeitete später bei Matthew Furber; 1855 wohnte er noch in der Eweherst Str. Walworth Common. Er brachte es nur zu handwerksmäßiger Fertigkeit. Depelerin, S. S. — Tournay. 1755 C. C. Snoeck besaß eine Violine von ihm und las den Namen unrichtig »Depelehin<'. Depine, G. — Modena. 1774 Geigen mit diesem sehr zweifelhaften Namen kommen im Hände! in England vor. In Modena war nichts über einen Geigenmacher dieses Namens zu ermitteln. (Vgl. übrigens Sapino!) De Planche, Pierre. — Paris. 18. Jahrhundert Sein Name fand sich bisher nur in einer sechssaitigen Viola. Er war mit La Lae (s. d.) verbunden. 7* 100 De Poilly — Desideri De Poilly, Guillaume. — Ypem (Belgien). 1672 Ein tüchtiger Meister, von dem sich aus der Sammlung Snoeck eine Taschengeige mit fünfkantigem Boden in Berlin befindet, die den Zettel trägt : Faict A Ypre / par Guillaume De Poilly 1672 (gedruckt). Derazey, Jean-Joseph-Honore. — Mirecourt. Geb. 1794 in Darney, f 23. April 1883 Bevor er sich in Mirecourt als Fabrikant selbständig machte, arbeitete er einige Jahre in Paris bei verschie- denen Meistern. Seine Geigen, gewöhnlich nach Stradi- vari, seltener nach Amati gemacht, sind aus gutem Holz und tragen eine Brandmarke mit seinem Namen, die freilich oft nur nach Öffnung der Geige zu finden ist. In seiner Fabrik wurden schon 1846 jährlich an 600 Geigen hergestellt, die er zu Preisen von 5 — 150 Francs verkaufte. Schon 1855 und 1862 hat er in Paris und London Medaillen erhalten. Die Schülergeigen, die J. B. Vuillaume in seinem Laden verkaufte, ließ er bei Derazey herstellen. Derazey, Just.-Amedee. — Mirecourt. Geb. 28. Juni 1839, t 22. Jan. 1890 Sohn, Schüler und Nachfolger von J. J. Honore D. und Geigenfabrikant wie dieser. Im Jahre 1864 kaufte er von der Witwe das Geschäft von Joseph Nicolas fils mit allen Werkzeugen und Vorräten und machte von nun an einen größeren Unterschied zwischen Geigen, die er selbst machte, und solchen, die nur Werkstattarbeit waren. Die letzteren erhielten den Firmastempel Nico- las. Sein Holz ist ziemlich gut, der Lack dagegen spröde und bald unscheinbar. Sein Geschäft ging auf P. Mou- genot über, der jetzt beide Brandmarken verwendet. — Er soll auch eine Niederlage mit Werkstatt in Nancy gehabt haben. Geigenzettel: Just Derazey, Luthier / ä Mirecourt, Vosges. 18 . . (gedruckt, die Jahreszahl geschrieben). Deroux (»Deroux pere«), Georges. — Mire- court. Geb. in Mirecourt 1822. f 1889 in Reims Schüler von Honore Derazey und wahrscheinlich der Erikel eines schon 1 760 vorkommenden Geigenmachers Nicolas D. Einer der besseren Mirecourter Meister, der sich 1846 selbständig machte. Wenn er auch viel für den Markt gearbeitet hat, so verstand er sich doch trefflich auf seinHandwerk, was auch viele seiner Schü- ler, die etwas Tüchtiges bei ihm gelernt haben, be- weisen, so Seb.-Aug. Deroux, Georges Mougenot usw. Er gebrauchte einen Brandstempel, schrieb oft auch seinen Namen mit Bleistift in seine Geigen hinein. Deroux, Sebastien-August. — Paris. Geb. am 29. Juni 1848 in Mirecourt Sohn und Schüler von Georges D. Nachdem er drei Jahre bei Silvestre in Lyon und 1 1 Jahre bei Miremont gearbeitet hatte, machte er sich 1884 selbständig und erfreut sich jetzt eines guten Rufs als Geigenmacher und Reparateur. Er hat bisher über 100 neue Geigen gemacht und dafür sowohl 1 889 als auch 1 900 Medaillen erhalten. Er arbeitet nach italienischen Vorbildern und verwendet OUack. Geigenzettel: Abb. 166 und 168. De Santis, Giovanni. — Rom. 1899 Gut eingeführte Mandolinenfabrik, die die Söhne fort- führen. Deschamps, Claude. — Paris. 1783. 1785 Er wird als »Luthier« bezeichnet und wohnte in der Rue de Seine. Arbeiten von ihm kommen sehr selten vor. Descquots, Jean. — Mirecourt. 1773. 1781 Nur von A. Jacquot genannter Geigenmacher. Desgarnets. — Mirecourt. 1 7./1 8. Jahrhundert Eine Geigenmacherfamilie, als deren Stammvater Jean L D. angesehen werden kann, dessen 1692 geborener Sohn und Schüler Louis D. der Vater des 1729 ge- borenen Nicolas II. war. Ein älterer Nicolas (I.) D. lebte in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts und Jean II. D. ist von 1722 — 1728 nachweisbar. Deshayes (Dehaye). — Paris. 1775. 1825 Er nennt sich einen Neffen und einzigen Schüler von Salomon. Er wohnte zuerst Rue des Saints-Peres und dann in der Rue de Grenelle-Saint-Honore und führte das Ladenschild »au Prelude espagnol«. Er scheint übrigens mehr Händler als Geigenmacher gewesen zu sein. Desiato, Giuseppe. — Neapel. 1890. 1900 Em wenig bekannter Geigenmacher, der etwas leicht- fertig nach dem Gaglianomodell arbeitete, aber gutes Holz besaß und sich auf den Ton verstand. Er wohnte 1899 noch Via Speransella 174. Auch ein Luigi und ein Vincenzo Desiato lebten im 19. Jahrhundert in Neapel. Desiden, An. — Ascoli Sein Name, ohne Jahreszahl, findet sich ab und zu in Geigen, die nicht schlecht sind. Desideri (Desideti?), Pietro Paolo. — Riva (?). 1793. 1837 Seine Arbeiten sind meist sorglos, aber doch mit Talent ausgeführt. Auf die Wahl des Holzes scheint er kein großes Gewicht gelegt zu haben, dagegen ist sein dicker, gelber oder gelbbrauner Lack im ganzen nicht schlecht, auch die F-Löcher sind sauber geschnitten. Der Ton ist nicht groß, aber ziemlich edel. Seine älteren Arbeiten erinnern an die Schule der Guadagnini, die späteren nähern sich dem Andreas Guarnen-Modell. Ob mit »Ripe*, wie auf seinen Zetteln zu lesen ist, Riva ge- meint ist, konnte ich noch nicht feststellen. Im Stadt- archiv zu Riva war nichts über ihn zu ermitteln. Auch die Form seines Namens steht nicht einwandfrei fest, da man auf vielen seiner handschriftlich hergestellten Zettel oder auf den Inschriften, die er im Innern der Decke anzubringen pflegte, ebenso gut Desideti wie Desidcii — De Zorzi 101 Desideri lesen kann ^). Erich Lachmann in Berlin be- sitzt eine Violine von ihm. Decke und Boden nach der Schwarte geschnitten ; eine andere besaß Eugen Gärt- ner, bei der die Decke ebenfalls nach der Schwarte ge- schnitten war. Der Boden bestand aus beinahe glattem (ungeflammtem ) Ahornholz. Geigenzettel: Pietro Paolo Desideri/ feclt Ripe 1837. (gedruckt). Desideri, Raffaele. — Ascoli. 18./19. Jahrh. Reich eingelegte Geigen, Violoncelli und Gitarren von ihm kommen öfter vor. Desjardins, Louis. — Caen. 1740. 1780 Er hieß eigentlich Bossard genannt Desjardms. Unbe- deutender Musikinstrumentenmacher des 18. Jahr- hunderts, der in den letzten Jahren gemeinschaftlich mit seinem Schwiegersohne gearbeitet zu haben schemt. Eine Vielle in einem Gitarrekorpus ist aus der Samm- lung Snoeck (Nr. 606) nach Berlin gekommen. Geigenzettel : Faite par Desjardins, Marchand / Lu- thier, grande rue St.-Jean / ä Caen 1 763 (gedruckt). Desmarees (Desmaretz), Nicolas. — Mire- court. 1742. 1783 Nur dem Namen nach überliefert. Desmoulins. — Paris. 1640. 1660 Im Briefwechsel Const. Huygens (»Corresp. et ceuvres m.usicales de Const. Huygens, publ. p. W. J.A.Jonck- bloet et Land, Leyde 1882«) findet sich eine Stelle, in der ein Lautenmacher dieses Namens erwähnt wird. De la Barre, an den sich Huygens wegen Ankaufs einer Laute nach Paris gewendet, schreibt am 15. Oktober 1638: •>. . . ne luy ayant rien communique de la re- cherche que vous faites d'un excellent LuthdeBologne, Joint qu'il me semble qu'il estime plus les luths neufs de Desmoulins . . .« Valdrighi erwähnt ihn gleichfalls (Nr. 835) und setzt ihn in die Zeit von 1640—1660. Despines, Alexandre. — Turin. 1828. 1842 Schüler von Pressenda, Gatte der Sängerin Mme Des- pines. Die Geschichte eines von ihm nach Omobeno Stradivari gemachten Violoncellos erzählt Alfrede Piatti in den Violin Times (deutsch in De Wits Z.) Nr. 31, 1895. Er baute nach Guameri. Auf seinen Zetteln hat er sich auch D'Espine genannt. Geigenzettel : Abb. 1 77. Despont s. D'Hespont Des Rousseaux, Nicolas. — Verdun. 1755 Er war ursprünglich Steinmetz und wurde der Schwie- gersohn von Joseph Miraucourt ; als Violenbauer brachte er es zu achtungswerter Tüchtigkeit und arbeitete nach A. Jacquots Angabe im Stile der Klotzschule. Sein Ladenschild lautete »ä la Luth«. Er verwendete auch einen Brandstempel mit seinem Namen. Eine von ihm gemachte fünfsaitige Bratsche findet man aus der ') Der Name Desideti kommt mehrfach vor. Ein Gold- schmied Giorgio Desideti lebte um 1536 in Rom. Die Familie war in Novara heimisch. Sammlung Snoeck (Nr. 465) in Berlin. Eine Pardessus de viole befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln (Nr. 790). Geigenzettel : A Verdun par Nicolas / des rousseaux 1755 (gedruckt). Dessauer, Heinrich. — Linz a. D. 1902 Ein Tonkünstler, der eine Bratsche erfunden hat, die, bei vergrößertem Körper, die gleiche Mensur wie die Violine hat. Vgl. »die Dessauer Bratsche«, Zeitschr. f. Instr. V.Paul De Wit. Nr. 11,1902. Deuz(?), John. — 1755 Eine Violine mit diesem mir sonst nicht bekannten Namen wurde im Juli 1904 bei Puttick & Simpson in London versteigert. Devereux, John. — London. Melbourne. 1840. 1880 Er arbeitete längere Zeit bei B. S. Fendt 'n London und ging später nach Australien, wo er 1880 noch lebte. De Vitor, Pietro Paolo. — Brescia. 1738. 1740 Er bezeichnet sich als Venezianer. Seine Geigen zeigen ein übertrieben hochgewölbtes Modell, kurze und ge- drungene Schnecke, ziernlich gute Arbelt und einen be- sonders schönen roten Öllack. In einigen Teilen ahnite er Maggini nicht ungeschickt nach. Eine gute Geige von ihm besitzt Adamowski in Boston (Mass.). Geigenzettel : Abb. 1 73. De Voney, Frank. — Blackpool, Pittsburg (Am.), San Francisco. 1890. 1908 Ein Perthshirehochländer, der sich als Geigenmacher einen guten Namen gemacht hat ; um 1 900 wanderte er nach Amerika aus und soll auch dort mit Erfolg tätig gewesen sein. Er arbeitete nach den Modellen von Gaspar da Salo, Stradivari und Guarneri und hat gelben oder roten Öllack verwendet. Geigenzettel : Joseph Guarnerlus / Copy / By / Frank de Voney 1 893 [I. H. S. Im Kreis mit Kreuz] (gedruckO- Devyri, Anton. — Alpenrose (bei den Karer- see nächst Bozen) Eine Geige, wohl dem 18. Jahrhundert angehörend. Stainermodell, etwas ungelenk gemacht, trug den schlecht leserlichen Zettel : Anton Devyri , Alpenrose bey Carrer See / nechst Botzen (geschrieben). Dewars, William. — Brechin (Schottland). Geb. 1878 Er baut Geigen nach Stradivari und Guarneri und ver- wendet Whitelaws oder Hardies Öllack. De Zorzi, Valentino. — Florenz. Geb. 1837 in Vittorio (Venetien), f 1916 Erlernte autodidaktisch den Geigenbau, arbeitete stets in Italien, eröffnete seine eigene Werkstatt in Pistoja 1880 und verlegte diese vor 1885 noch nach Florenz, wo er zu Ansehen kam. Er war sehr fleißig, bis er in hohem Alter in Geistesnacht verfiel. Er baute nach 102 D'Hespont — Didelot eigenem Modell, das zwischen Stradivan und Stainer die Mitte hält, strebte aber den großen Vorbildern nach und machte alle Bestandteile seiner Gelgen, selbst Wir- belgriffbretter, Saitenhalter und Stege eigenhändig. Er besaß zahlreiche Auszeichnungen. Er war auch Er- finder einer Harfengitarre (18 Saiten mit 5 Oktaven, der Archilaute verwandt) sowie eines Streichinstru- mentes, das er »Contraviolino« nennt. Dieses ist eme Oktave tiefer gestimmt als die Violine, wird wie ein Violoncello gespielt und liegt zwischen diesem und der Viola; es soll die Differenz in der Klangfarbe dieser beiden Instrumente ausgleichen. Das Museum des R. Istituto L. Cherubini in Florenz besitzt ein solches In- strument von ihm, bei dem er auf einen ähnlichen Ge- danken kam wie z. B. Dr. Steltzner. Geigenzettel: Abb. 164 und 165. D'Hespont (Despont), Antoine. — Paris. 1 634. 1636 Er wird ausdrücklich als »maitre d'instruments de mu- slque« bezeichnet und trat 1636 im Prozesse Medard auch als Sachverständiger auf. Von ihm sollen noch verschiedene gute Instrumente vorhanden sein, obwohl es selbst Vidal nicht gelang, eines derselben ausfindig zu machen. Glücklicher war der treffliche A. Jacquot, der auch einen Zettel veröffentlichen kann, aus dem hervorgeht, daß D'Hespont, oder wie er sich hier schreibt Despont, das Ladenschild »Au Luth Royal« führte. Urkundlich wird der Name D'Hespont ge- schrieben, Vidal schreibt »Despont« und Fetis »Des- pons«. Geigen, die oberflächlich nach italienischem Vorbild gemacht sind, schlechtes Holz und schlechten Lack haben und seinen Namen tragen, sind offenbar spätere Fälschungen. Geigenzettel : Antoine / Despont demeurant / A Paris / Sur le pont N[? Dame / Au Luth Royal / 1634 (geschrieben). Dick, Alban. — Frankfurt a. M. Geb. 31 . Okt. 1876 in Wohlliausen Nachdem er ausgelernt hatte, kam er zu Albin Wilfer, den er als seinen eigentlichen Lehrer betrachtet. Im Jahre 1899 trat er bei Alb. Vogt in Frankfurt a. M. ein, dessen Geschäft er im Jahre 1 907 käuflich erwarb und es durch tüchtige Leistungen sehr auszudehnen verstand. Dickie, William. — Wentworth. 1876. 1897 Er baut nach Stradivarl, Amati und auch nach Guar- neri und verwendet einen gelben, rötlich schattierten Öllack. Geigenzettel: Wm. Dickie, Fecit / Wentworth, Anno 1890 (geschrieben). Dickinson (Dickenson), Edward. — London. 1750. 1790 Es sind nur wenig gute Geigen von ihm bekannt; meist arbeitete er sehr handwerksmäßig nach einem hoch- gewölbten Stalnermodell. Auf einzelnen Zetteln nennt er nur seinen Namen ohne weitere Angaben. Geigenzettel : Edward Dickinson / Maker, at the Harp and Crown in / the Strand / near E^feter Change/ Lon- don 1754 (gedruckt), Dickson, Dr. George. — Edinburgh. Geb. 1838 in Edinburgh Ein gesuchter Arzt, der viele Gelgen mit bemerkens- werter Geschicklichkeit gemacht hat. Sein Hauptver- dienst aber ist es, daß er als einer der ersten die Ver- wendung fossilen Bernsteins zur Lackbereitung lehrte und dessen Bedeutung für den Geigenlack erkannte. Dickson (Dickeson), John. — London und Cambridge. Geb. in Stirling (Schottland) um 1 720, t nach 1780 Er scheint einige echte Geigen von den Amati, wohl auch eine von Cappa gekannt zu haben, die er recht genau kopierte. Er lebte zwischen 1750 und 1780 ab- wechselnd in London und Cambridge, ja, es gibt Gei- gen, in denen beide Städte zugleich angegeben werden. Geigenzettel: John Dickson Cambridge / 1779 (gedr.). Didelin. — Mirecourt. XVIII. Jahrhundert Eine Geigenmacherfamilie, von der genannt werden: Antoine D. Geb. 1749 Henry I. 1745. 1755 Henry II. 1750. 1779 Jean-Nicolas, 1781, und der Bogenmacher Nicolas- Henry. 1772. 1789 Didelin, Joseph. — Nancy. 1760. 1776 Wenig bekannter Mlrecourter, der in seiner Arbeit aber nicht ungeschickt war. Sein Ladenschild lautete: »A la Guitare des Dames de France«. Sein Reparaturzettel findet sich in einem Amatlvioloncello bei C. Claudius in Kopenhagen. Geigenzettel : Raccomode par moy didelin ä ' Nancy an / 1 773 (gedruckt). Didelot, August. — Moskau. 1873. 1900 Geboren in Mirecourt, arbeitete von 1873 — 1879 bei seinem Landsmann Ernest -Andre Salzard und machte sich dann selbständig. Seine Arbeit wird gelobt. Didelot, Dominique I. — Mirecourt. 18. Jahr- hundert Wahrscheinlich der Vater oder Großvater von Domini- que II D. Sein Name kommt auch in der Schreibung »Dldenot« vor. Didelot, Dominique II. — Mirecourt. 1820 (?) Gute Mlrecourter Arbeit, schöner hell- oder dunkel- roter Spirituslack. Er verwendete eine Brandmarke: A Cremone / Dominique Didelot. Geigenzettel : Domlnicus Didelot / A la vllle de . . (un- leserlich)^). Didelot, N. — Mirecourt Ein französischer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts, der handwerksmäßig arbeitete, jedoch einen guten Orangelack verwendete. ^) Wahrscheinlich »Cremone«. Didier — Dielil 103 Didier, Marius. — Mirecourt Sehr tüchtiger vogesischer Geigenmacher der Gegen- wart. Didier, Nicolas s. auch Nicolas Didion. — La Roche-sur-Yon. 1900 Ein Musikinstrumentenhändler, der auch Geigen ma- chen soll. Didion, Gabriel. — Mirecourt. 1875. f 1881 Geigenmacher und Fabrikant. Stiefbruder von Blan- chard in Lyon, einer der besseren Meister seines Wohn- sitzes, Lehrer von Resuche. Die Firma hieß anfänglich Witwe Sonot & Didion, dann Didion-Laberte. Diehl, August. — Hamburg. Geb. 1852 in Darmstadt Sohn und Schüler von Friedrich D. Im Jahre 1875 er- öffnete er seine Werkstatt in Darmstadt, siedelte aber bereits 1876 nach Hamburg über. Er ist ein hervor- ragend geschickter Geigenmacher und Reparateur. Der jüngste Sprößling der altberühmten Familie. Er erhielt auf den Ausstellungen in Hamburg, Lüttich und Leip- zig die silberne sowie in St. Louis die goldene Medaille. Außer nach alten Meistern baut er auch nach einem eigenen Modell. Er ist auch der Erfinder und Ver- fertiger eines Violinbogens mit flacher, linsenförmiger Stange, die sich nach dem Kopfe zu verjüngt. In der Mitte seines gedruckten Zettels befindet sich ein Löwe mit einer Laute, jetzt aber verwendet er hauptsächlich einen eigenhändig gezeichneten Zettel. Viele seiner Geigen sind mit besonders schöner Schnitzarbeit ver- ziert. Auch sein Lack ist ausgezeichnet. Obwohl er als echte Künstlernatur jeder Reklame abhold ist, werden seine Arbeiten in Kennerkreisen schon jetzt zu den besten unserer Zeit gerechnet. Geigenzettel : Im Jahre 189 / August Diehl / Hamburg (gedruckt) und Alab. 169. Diehl, Felix. — Mainz. 1850. f nach 1875 Sohn von Joh. Diehl und dessen Schüler; Bruder des 1898 in Mainz verstorbenen Konzertmeisters Carl Hip- polyt Diehl. Geigenzettel : Reparlrt von / Felix Diehl / in Mainz 1862 (gedruckO. Diehl (Diel), Friedrich. — Darmstadt. Geb. 1814, t 1888 Zweiter Sohn, Schüler und Nachfolger von Nikolaus D. Gute, aber namentlich in bezug auf den Lack nicht hervorragende Arbeit. Auf einer Pariser Ausstellung erhielt er eine Bronzemedaille, kam jedoch seinem Vater nicht gleich. Er fertigte u. a. verschiedene, seiner- zeit sehr beliebte Kontrabässe statt nach dem alten Viola- nach dem Geigenmodell mit gewölbtem Boden. Gelgenzettel: Friedrich Diehl, / Hof-Instrumenten- macher in Darmstadt 18 . . (gedruckt). Diehl, Heinrich. — Mainz. Frankfurt a. M. 1846. 1850 Angeblich ein Sohn von Johann D. und nicht hervor- ragend. In Frankfurt war er im Jahre 1848 ansässig. doch scheint er schon nach kurzer Zeit nach Mainz zurückgekehrt zu sein. Diehl, Jakob. — Bremen, Hamburg. Geb. 1806 in Mainz, f 1874 in Hamburg Sohn und Schüler von Nikolaus Diehl; er machte sich 1826 in Mainz selbständig, ließ sich 1834 in Bremen nieder und siedelte 1858 nach Hamburg über. Er steht dort als tüchtiger Meister in gutem Andenken. Sein Nachfolger Jakob D. jun. war Händler und unterhielt nur eine Reparaturwerkstatt. Diehl, Jacob August. — Darmstadt. 18. Jahr- hundert Er arbeitete ähnlich wie Schonger und J. Steininger, ist jedoch in der Wahl des Holzes weniger sorgfältig gewesen. Geigenzettel : Jac. Aug. Diehl, / Hof-Lauten & Geigen- Macher / in Darmstadt 17.. (gedruckt). Diehl, Johann. — Mainz. 1808. 1843 Zweiter Sohn von Martin und Bruder von Nikolaus D. Jedenfalls der Bedeutendste von den in Mainz an- sässigen Mitgliedern der Familie Diehl. Seine Violinen (meist nach Stradlvan gemacht) wurden ihm schon bei Lebzeiten mit 66 fl., Violoncelli mit 121 fl. und seine Violen, zu denen er gerne Zitronenholz verwendete, mit 88 fl. bezahlt. Sein Lack Ist goldgelb. Geigenzettel: Johann Diehl, Lauten- und Geigen-/ macher in Mainz 1832 (gedruckt) und Abb. 163. Diehl, Martin. — Mainz. 1770. 1792 Geboren in Mainz, Schüler und Schwiegersohn von Nikolaus Dopfer. Während seiner elfjährigen Wander- schaft kam er zuerst nach Aschaffenburg, soll dann in Tirol und Osterreich gewesen sein und arbeitete als Gehilfe bei Carl Helmer in Prag, brachte es aber trotz- dem zu keiner besonderen Geschicklichkeit. Er starb nach der ersten Belagerung von Mainz durch die Fran- zosen, also um 1794. Geigenzettel: Martin Dihl / in Mainz 1786 (geschrie- ben) und Abb. 161. Diehl, Martin II, geb. 1817 in Darmstadt Dritter Sohn von Nikolaus D. Mainz, Darmstadt. Geb. Diehl, Nikolaus. 1779, t 1851 Sohn von Martin D. und dessen Nachfolger, Schüler seines Oheims Jak. Steininger in Frankfurt a. M. und Enkel von Nikolaus Dopfer, der auch sein Taufpate war. Um das Jahr 1811 verlegte er auf den Ruf des Großherzogs Ludwig I. von Hessen, der ihm ein Gehalt von 300 fl. aussetzte, seine Werkstatt nach Darmstadt, wo er Großherzoglich Hessischer Hoflauten- und Gei- genmacher wurde. In der Arbeit steht er seinem Bruder Johann sehr nahe, am besten gelangen ihm jedoch Kontrabässe; sein Holz und sein goldgelber Lack sind gewöhnlich gut. Gelgenzettel : Abb. 1 59. 104 Diehl — Dicltrich Hamburg. 1860. DIehl, Nikolaus Louis. t 1876 Sohn von Jakob Diehl. Er studierte die alten Meister gut und ist der Verfasser von »Die Geigenmacher der italienischen Schule«. (Seit 1864 in mehreren Auflagen erschienen.) Dlehl, Philipp. — Stühlingen. 1867 Ist mir nur durch einen vom April 1867 datierten Re- paraturzettel bekannt. Dlehl (Dil), Simon. — Mannhelm, f 1758 Man darf ihn als den Stammvater der heute noch blühenden Geigenmacherfamilie ansehen. Er wurde als »Instrumentenmacher« am 12. Februar 1757 zum Hof- kalkanten bei der Hofmusik mit einem Gehalte von 250 fl. angestellt, starb aber schon im darauffolgenden Jahre. (Großh. L.-Archiv in Karlsruhe.) Diener, Ferdinand. — Graslltz. Anfang des 19. Jahrhunderts Seine Geigen klingen nicht schlecht, smd aber hand- werksmäßig durchgeführt. Diener, Franz. — Graslltz. Geb. 10. April 1790, t 3. Febr. 1866 Sohn und Schüler von Josef I Diener. Wenn er auch hauptsächlich billige Geigen machte, so war er doch recht geschickt und sorgfältig in seiner Arbeit. Von 1 854 bis etwa 1856 lebte er in Karlsbad, wo um dieselbe Zeit auch ein Friedrich Diener gearbeitet haben soll. Geigenzettel: Franz Diener fecit Graslitz , 1852 (gedr.). Diener, Friedrich (Gottfried). — Graslltz. Geb. 10. Okt. 1791 Sohn des Instrumentenmachers Anton D. Einer der geschicktesten Geigenmacher aus seiner Familie. Er hatte ein gefällig aussehendes Modell, hellbraunen Lack und verarbeitete gutes Holz. Außen am Boden semer Geigen findet sich der Brandstempel Fried. Diener. Er hielt auf sorgfältige Arbeit, seine Geigen klangen gut, und so war er der erste, der es wagen durfte, einen höheren Preis als die ortsüblichen »90 Kreuzer für das Stück« zu fordern. Diener, Gottfried. — Graslltz. 1780. 1784 In einer mittelmäßigen Viola mit Buchenboden und unscheinbarem braunen Lack stand im Innern der Decke sein Name. Er war mit Rosina geb. Stark ver- heiratet. Sein 1784 geborener Sohn wurde später Musselinweber. Diener, Ignaz I. — Graslitz. Geb. 1 . Nov. 1820 m Graslltz Sohn und Schüler von Franz D. Nachdem er aus- gelernt hatte, machte er als Gehilfe große Reisen durch Österreich-Ungarn, Deutschland, Frankreich und Ruß- land und ließ sich dann in Graslitz nieder. Obwohl er recht geschickt war, kam er doch auf keinen grünen Zweig, arbeitete hauptsächlich für Händler und ver- brachte seinen Lebensabend im Versorgungshaus zu Schönau. Er war nie verheiratet und ist der Letzte seines Stammes. Diener, Ignaz II. — Graslitz. Geb. 19. Okt. 1833 Seine Geigen waren für ihren billigen Preis recht gut. Diener, Joseph I. — Graslitz. Geb. um 1760, tum 1840 Er soll bei einem Hüller gelernt haben, dessen Tochter Rosina er vor 1789 heiratete. Seine Geigen sind den besseren gleichzeitigen vogtländischen Arbeiten nahe- stehend ; nur ist bei ihm das Holz gewöhnlich schöner. Geigenzettel : Joseph Diener fecit / Graslitz Böhmen 18.. (gedruckt). Diener, Joseph II. — Graslitz. ^eb. 23. März 1831, t nach 1885 Sohn von Friedrich D. Seine Gelgen und Gitarren sind nicht schlecht, wenn auch keine Kunstwerke. Gelgenzettel : Joseph Diener, Geigen- / und Guitarren- macher in Graslitz 1869 (gedruckt). Dlepenryck, Ludwig van. — Antwerpen. Wurde 1558 Freimeister der Gilde, lebte noch 1589 Er war als »Claveclngelmaker« eingetragen, hat aber auch Lauten usw. gemacht. Dierlcxen, Jan. — Antwerpen. 1558. 1574 Nur als Claveclnmacher bekannt, doch wird er, wie alle seine Zunftgenossen, wohl auch Lauten gemacht haben. 1574 wird er bezeichnet als die »Eersamen persoon, meester Jan Dierlcxen, claveslngelmaker«. Dieterich, Michel. — Birklingen. 1815 Wurde mir nur durch seinen Reparaturzettel bekannt. Geigenzettel : Reparirt von Michel Diete- / rieh, Gei- genmacher zu / Birklingen pro 1815 (geschrieben). Dlettrlch, Johann Gottlieb. — Saupsdorf, Sebnltz. Geb. 1851 in Saupsdorf in Sachsen Zuerst kam er bei dem Klaviermacher Karl Schmidlln in die Lehre; später ging er zu G. Tiefenbrunner nach München und zu Knner nach Landshut und erlernte bei diesen Zithern- und Gelgenmachen. Nach zehn Wanderjahren ließ er sich 1879 in seinem Geburtsort nieder und verlegte seine Werkstatt später nach Sebnltz. Seine Gelgen macht er nach einem eigenen Modell, das ihm in der unteren Hälfte mehr Resonanzfläche dar- bietet, doch ist die Form so ungewöhnlich, daß bei aller Anerkennung des Tonwertes die Musiker seine Geigen nicht gerne spielen. Da er fortwährend neue Versuche macht, ist vielleicht noch etwas von ihm zu erwarten. Gelgenzettel: Johann Gottlieb Dlettrlch / Instrumen- tenmacher / Sebnitz (gedruckt). Dictz — Diter 105 Dietz, Christian. — Emmerich. Geb. 1801 Sohn des Johann Christian D. Ein wenig hervorgetrete- ner Geigenmacher, den übrigens auch Valdrighi (855) erwähnt. Dietz, Johann Christian. — Darmstadt. 1800. 1805 Es ist fraghch, ob er je eine Geige gemacht hat, da- gegen kommen Gitarren und Harfen von ihm öfters vor. Bekannt ist er nur durch seine Erfindungen, das »Me- lodion«. eine Klavierharfe, und das ■>Trochleon<'. Dietzel, Hermann Theodor. — Markneu- kirchen. Berhn Geboren 1866 in Markneukirchen, Schüler von Ernst Gläsel, ging nach beendeter Lehrzeit 1884 nach Bres- lau zu Liebich und machte sich 1888 in seiner Vater- stadt selbständig, verlegte von 1892 — 1897 sein Ge- schäft nach Berlin, kehrte dann aber nach Markneu- kirchen zurück, wo er sich außer mit dem Neubau (Stradivarimodell)auch mit der Reparatur, sowie einem Handel mit alten Streichinstrumenten beschäftigte. Im Jahre 1900 siedelte er dann wieder nach Berlin über. Er verwendet sowohl Spiritus- als Ollack. Dieulafait. — Paris. 1720 Im Museum des Par. Cons. (Nr. 172) befindet sich eine schöne Baßviola, von Ihm repariert. Valdrighi fragt, ob dieser Name nicht vielleicht fingiert sei, was ich jedoch nicht annehmen möchte. Dillenz, Fridolin. — Ulm a. D. Geb. 6. März 1853 in Fischbach b. Biberach Er trat im Jahre 1 867 als Schüler bei Anton Sprenger ein und siedelte 1 873 mit ihm nach Stuttgart über. Nach- dem er sieben Jahre lang bei seinem ersten Lehrmeister gearbeitet hatte, kam er zu Lorenz Kriner und machte sich nach Beendigung seiner Militärzeit im Jahre 1878 in Ulm selbständig. Er ist ein sehr tüchtiger, kenntnis- reicher Geigenmacher, baut nach Stradivari und ver- wendet einen rötlichgelben feurigen Lack. Vielseitige Anerkennung findet er auch für seine trefflichen Wiederherstellungsarbeiten. Geigenzettel : Fridolin Dillenz, Geigenmacher ' in Ulm. anno 18.. (gedruckt). — Fridolin Dillenz, Geigen- macher in Ulm a. D. 19 (gedruckt). Dinacci, Antonio. — Neapel. 19. Jahrhundert Er baute Mandolinen, Lauten und Gitarren und wird von Valdrighi (860) aufgezählt. Dmelli, Carlo. — Fanano. 1887 Ich kenne nur Violoncelli von handwerksmäßiger, roher Arbeit von ihm. Dmi, Giovanni Battista. 1707 Lucignano. 1 700. Ein noch wenig bekannter, aber ungewöhnlich ge- schickter Meister, von dem Jul. Heinr. Zimmermann in Leipzig eine prachtvolle, 14saitigeViolad'amore vom Jahre 1700 besitzt. Die Umnßlinien sind reizvoll ge- schweift, die Decke schön gewölbt, der Boden flach und alles hübsch eingelegt. Die Schallöcher in Schlangen- linien sind zweiteilig, unter dem Griffbrett befindet sich eine prachtvolle Rosette, der reich verzierte Wirbel- kasten endigt mit einem anmutigen Engelsköpfchen. Der Ton ist von großem Wohllaut, und auch der hell- gelbe, feurige Lack ist bemerkenswert. In W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln befindet sich ein guter Kontrabaß mit auffällig hochgewölbtem Boden aus dem Jahre 1707 von ihm. Geigenzettel : Gio. B^ Dini Fece 1 700 , in Lucignano (gedruckt). Dinis, Felis Antonio. — Lissabon. 1807 Mittelmäßiger portugiesischer Geigenmacher, von dem sich eine Violine in der Sammlung A. Keil in Lissabon befindet. Dinumerabo, Johannes. — Padua. 1661 Ein Lautenmacher, dessen sonderbaren Namen Val- drighi (9130) mitteilt. DionelH, Gaetano. — Mantua. 1865. 1869 Wenig hervorragender Geigenmacher des 19. Jahr- hunderts; am besten waren noch seine Violoncelli. Dionigi, Alessandro. — Syrakus. 18. Jahrh. Ein sizilianischer Lautenmacher, der sich auch als Geigenmacher versuchte, ohne etwas Bemerkenswertes zu leisten. Geigenzettel : Alessandro Dionigi dl Siracusa / 17..- (gedruckt). Diotallevi, Michelangelo. — Rimini. 1820 Es soll einige Geigen geben, die diesen — wahrschein- lich falsch gelesenen — Namen tragen. Dischka (Di'zka). — Fünfkirchen. 1895 Er wird als Geigenmacher bezeichnet, scheint aber nur Händler und Reparateur gewesen zu sein. Diter, Justin. — Marseille. Geb. 16. Febr. 1866 in Mirecourt Er lernte bei Bailly, betrachtet sich aber als Schüler von Paul Blanchard in Lyon. Im Jahre 1896 machte er sich in Lyon selbständig ^) und verlegte seine Werkstatt am 1. April 1897 nach Marseille, wo er M. Richelmes Nachfolger wurde. Er baut nach Stradivari, Guarneri und Amati und ist als Reparateur geschätzt. Sein Lack (fetter Ollack) ist nach dem Rezept J. B. Vuillaumes zu- sammengesetzt. Auf seinem Zettel ist u. a. das Wappen von Marseille angebracht. Geigenzettel : Abb. 181. Diter, Paul. — Marseille. Geb. in Mirecourt 27. Mai 1879 Schüler von Bazin. Er verband sich mit seinem Bruder Justin und ist auch ein guter Bogenmacher. Die Brüder führen den gemeinsamen Zettel: J. & P. Diter, Lu- thiers / a Marseille l'an 1903 (gedruckt). *) In Verbindung mit Resuche. 106 Dittel — Dodi Dittel, Friedrich August. — Hof. 1809 Mittelmäßiger Gelgenmacher, von dem ein Musiker in Eibelstadt eine Violine besitzt. Geigenzettel : Friedr. Aug. Dittel / Instr. und Lauten- macher in Hof. 1809 (geschrieben). Ditton. — London. 1700. 1720 Man kennt von ihm bisher nichts als den Namen, der u. a. durch Sir J. Hawkins überliefert ist. Auch Sandys und Forster, Vidal usw. wissen nichts weiter anzugeben. In Thomas Brittons Sammlung war eine gute Violine von Ditton. Valdrighi führt ihn als einen aus Frank- reich stammenden Harfenmacher an. Dittrlch. — Glogau. 19. Jahrhundert Ein Militäranwärter, der sich mit Geigenreparaturen einen Nebenverdienst erwarb. Diverny, Jean. — . Mirecourt. 1741 Er wird sowohl als Geigen- wie als Bogenmacher be- zeichnet. Dobriansky, L. — Odessa. 1901 Ein Liebhaber, der Geigen nach einem eigenen Modell verfertigt und sich, laut seinen Zetteln, auch damit beschäftigt, bei fertigen Geigen den Ton nach einem von ihm erfundenen Verfahren zu »verbessern«. Es ist mir jedoch nicht gelungen, eine Arbeit von ihm kennen zu lernen. Dobruckl, Matthäus. — Krakau. f 1602 Berühmter polnischer Geigen- und Lautenmacher. A. Grabowski^) erwähnt das 1602 aufgestellte Nachlaß- inventar dieses Meisters, in dem es u.a. heißt: »Eine Kiste mit Formen für Bässe, in der zweiten Kiste Geigenholz, in der dritten fertige Geigenwirbel. Drei Schock Decken für Lauten, 1 1 Formen für Lauten, 6 Diskantformen, 3 Tenorformen, 3 Baßformen, 40 un- fertige Geigen, 23 Tenorböden, 46 Böden für Diskant- geigen. Ein Werktisch zur Anfertigung von Geigen, 12 Ahornbretter für Geigen, 40 Lautenköpfe etc.« Dodd, Edward 1. — London. Geb. 1705 In Sheffield, t 1810 zu London Er war gelernter Geigenmacher und verlegte sich, als einer der ersten in England, frühzeitig auf das Bogen- machen, worin er es jedoch noch nicht zu bemerkens- werter Geschicklichkeit brachte. Er ist der Begründer der berühmten Geigenmacherfamilie und starb im Alter von 105 Jahren. Er hatte drei Söhne, John, James und Thomas D. Dodd, Edward II. — London, t 29. April 1843 Älterer Sohn von Thomas D. sen. Schüler von B.Fendt. Er wendete sich jedoch ganz dem Bau von Harfen und Klavieren zu. Er ertrank durch einen unglücklichen Zufall. Dodd, James (sen.). — London. 1835 Zweiter Sohn von Edward D. und wie dieser Bogen- macher. 1) »Dawne zabylkl m. Krakowa« (Krakau 1850, S. 1 74). Dodd, James (jun.). — London, f nach 1851 Sohn von James D. sen., gleichfalls ein guter Bogen- macher. Dodd, J. — London. 1851 Er arbeitete wie E. Dodd und machte auch sehr gute Bogen. Dodd, John Kew (Sursey). — London. Geb. in Stlrling 1752, f 4. Okt. 1839 zu Richmond Dieser ausgezeichnete Bogenmacher, der zuerst Büchsenschlosser und dann Goldwagenmacher war, steht in England in gleichem Ansehen wie Fr. Tourte in Frankreich. Seine Bogen sind ebenso gut wie die seines französischen Rivalen, wenn er auch ihre Ele- ganz nicht erreicht. Er war der älteste Sohn von Ed- ward D. und Bruder von Thomas D. und wohnte New Street, Covent Garden. Seine Stangen haben vielleicht den einzigen Fehler, nicht immer lang genug zu sein. Trotzdem brachte er es im Leben nicht vorwärts; er war weder an regelmäßiges Leben, noch an regel- mäßiges Arbeiten gewöhnt, und obwohl reiche Gönner ihm mehrfach unter die Arme griffen, kam er in seinen Vermögensverhältnissen immer mehr zurück und starb als 87 jähriger Greis im Armenasyl (Workhouse) zu Richmond. Er hatte nie einen Schüler, da er seine Ge- heimnisse des Bogenmachens, vor allem das Zuschnei- den der Stange, nicht verraten wollte; er soll sogar, wie behauptet wird, trotz seiner Armut ein Angebot von 1000 Pf. Sterling für die Preisgabe seines Geheim- nisses abgelehnt haben. Seine Bogen sind heute noch sehr gesucht und werden gut bezahlt. Dodd, Thomas (sen.). — London. 1 786. 1820 Dritter Sohn von Edward D. War zuerst Brauer, dann 1786 — 1789 Bogenmacher, von 1798 Gelgenmacher und -händler und zuletzt noch Harfen- und Klavier- bauer. Seinen Ruhm als Geigenmacher verdankt er hauptsächlich seinen Gehilfen Bernhard Fendt und John Lott; er verstand sich aber außerordentlich gut auf das Lackleren, das er als sein Geheimnis behandelte. Er war außerdem ein gewiegter Kenner italienischer Instrumente. Seine Gelgen und Violoncelli werden jetzt sehr anständig bezahlt. Eine im Jahre 1820 ge- baute Violine von ihm besitzt J. T. Chapman. Gelgenzettel: Dodd, Maker, 92 St. Martins Lane / Perfect copies of Stradiuarlus, Amati, Stalner, etc. / Note : — The only possessor of the recipe for pre- / paring the original Cremona oll varnish. / Instruments Improved and repaired (gedruckt) und Abb. 1 58. Dodd, Thomas (jun.). — London Jüngerer Sohn von Th. D. sen. f. Anfang des 19. Jahr- hunderts. Schüler von Bernh. Fendt und Lott. Er war geschickt, starb aber so jung, daß er nicht ausreifen konnte. Dodi, Giovanni. — Modena. Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts Seine Violen und Kontrabässe sollen recht gut sein. Ein Baß aus Valdrighls Besitz befindet sich jetzt im Museo Clvico in Modena. Dodi — Dörffel 107 Dodi. — Modena. Zweite Hälfte des 19. Jahr- hunderts Ein Sohn oder Bruder von Giov. Dodi. Soll gleichfalls als Geigenmacher gelebt haben. Dods (Dodds), Edward. — Edinburgh. 1889. 1902 Seine Geigen sind nicht hervorragend ; auch sein Lack ist nicht besonders, obwohl er behauptet, der einzige Geigenbauer zu sein, der wirklich den Cremoneser Lack wiedergefunden habe. Dölling, August. — Markneukirchen, Erfurt. Geb. 30. Juni 1859 in Markneukirchen Er lernte von 1 873 — 1 877 bei Ernst Hums und arbeitete dann durch vier Jahre als Gehilfe bei Ernst Gläsel in seiner Vaterstadt, dann bei Louis Noebe in Homburg V. d. H. Im Jahre 1885 machte er sich in Markneu- kirchen selbständig und verlegte 1910 seine Werkstatt nach Erfurt, wo er jetzt mit gutem Erfolg tätig ist. Er baut nach den alten Meistern, verwendet Ollack und ist ein vielbeschäftigter Reparateur. Geigenzettel : August Dölling, Geigenbauer , Erfurt. 19 . . (gedruckt). Dölling, Georg Louis. — Markneukirchen. Geb. 15. Dez. 1860, t 15. Sept. 1917 Schüler von Karl Gustav Otto. Von 1877 — 1878 ar- beitete er in Leipzig, 1878 — 1884 in Breslau, worauf er sich in seinem Geburtsort niederließ. Er kopiert Stradi- vari, Amati u. a. und gebraucht Spirituslack. Geigenzettel : Louis Dölling jun. ' Markneukirchen i.S. .Anno 18 (gedruckt). Dölling. — Markneukirchen Heinrich August D., geb. 30. Juni 1859 (jetzt in Erfurt, s. oben.) Heinrich Gustav D., geb. 29. Juli 1854, t 25. Juni 1889 Hermann Moritz D. (sen.), geb. 6. Juni 1839 Hermann D. Oun.). geb. 24. Okt. 1862 Sämtlich als Geigenmacher tätig. Max D. gründete 1893 sein Geschäft und Robert D. ist in Adorf als Geigen- macher ansässig. Dölling, Hermann. — Markneukirchen Geigenfirma der Gegenwart. Döpfer s. Dopfer Dörffel Eine weitverzweigte Geigenmacherfamilie des Vogt- landes, die aus dem Böhmischen eingewandert ist. Die Schreibart des Namens schwankt zwischen Dörffel, Dörfel, Dürfel und Dörffler. Die bevorzugte Schreib- art, die die Familie auch heute beibehalten hat, ist jedoch Dörffel. Dörffel, Adolph Louis. — Markneukirchen. Geb. 24. Okt. 1852 Geigenmacher, der für den Handel arbeitet. Dörffel (Dörfler), (Carl) Gottlieb. — Klingen- thal. 1750. 1792 Erscheint zuerst 1 750 in den Innungsbüchern und war 1 792 Obermeister der Innung. Dörffel (Dörffler), Christian Friedrich. — Klingenthal. 1704. 1749 Er wurde am 29. Februar 1 704 von der (M.)Neukirche- ner Geigenmacherzunft als Meister aufgenommen und scheint mindestens seit 1717 in Klingenthal ansässig gewesen zu sein. Geigenzettel : Christian Friedrich Doerffler / in Klin- genthal, Ao. 1 749 (gedruckt). Dörffel (Dörffler), Christian Gottlieb. — Klingenthal. 1779 Er scheint seine Geigen sehr selten bezeichnet zu haben, so daß er eigentlich nur aus den Innungslisten als Meister bekannt ist. Dörffel (Dörffler), Christoph Heinrich. — Klingenthal. 1716 Er wird schon 1 7 1 6 als Geselle bezeichnet und soll dann ausgewandert sein. Dörffel (Dörfel), Friedrich Wilhelm. — Khngenthal. f 8. Jan. 1893 Er war an und für sich nicht ungeschickt, hat aber nur billige Ware hergestellt. Dörffel (Dörffler), Johann (Hans) Andreas. — Klingenthal. 1717. 1757 Er kommt bereits 1717 als Meister vor und soll 1772 noch gelebt haben. Einer der besten Klingenthaler Geigenmacher, dessen Arbeiten heute noch in vielen Sammlungen zu finden sind. Eine elfspänige Theorbe von 1736 besitzt die staatl. Sammlung alter Musik- instrumente in Berlin (Nr. 719), eine ."Mtviola aus der Boersschen Sammlung das Rijksmuseum in Amster- dam (aus dem Jahre 1 754), eine Viola von I 742 und eine Viola d'amore von 1755 das Musikhistorische Museum W. Heyers in Köln, eine zwölfsaitige Viola d'amore die Sammlung Snoeck. Diese Arbeiten zeigen meist ein mittleres Patron, gelben Lack, flachen Boden und Schnecken (seltener Köpfchen). Der 1794 guillotinierte Kriegskommissar Saint Laurent besaß nach Brunis In- ventaire eine Violine von ihm. Eine hellgelbe »Viola ass« von ihm vom Jahre I 728 besaß nach dem Inventar von 1773 die ehemalige Köthener Hofkapelle. Geigenzettel : Johann Andreas Dörffel violin und / Lautenmacher in Klingenthal 1755 (gedruckt) und Abb. 155. 108 Doerffcl — Dölsch Doerffel (Dürfel, Dörffell), Joh. Andr. — Altenburg. 1792 Otto sagt von ihm, daß er weniger Sorgfalt auf das Äußere verwendete, aber doch recht gute Instrumente baute und seinerzeit als einer der besten Baßmacher galt, was auch de Piccolellis wiederholt. Valdrighi gibt da- gegen seinen Arbeiten das Prädikat: »ordinarissimo«. Daß ein Dörfel oder Dürfel je in Altenburg ansässig war, ließ sich leider aktenmäßig nicht feststellen. Er soll um 1 793 in Untersachsenberg gearbeitet haben und dürfte identisch sein mit Hans Andreas D. in Klingen- thal, der sich nur vorübergehend in Altenburg aufge- halten hat. Dörffel (Dörffler), Johann Friedrich. — Klin- genthal. 1680. fvor 1701 Er stammte aus Khngenthal und ward am 28. Novem- ber 1680 als Mitmeister in Markneukirchen in die Zunft aufgenommen. Daß er vor 1701 gestorben ist, geht daraus hervor, daß in diesem Jahre seme Witwe eine zweite Ehe mit Joh. Dengel (Tängel) einging. Dörffel (Dörffler), Joh. Friedrich. — (Mark)- Neukirchen. 1704 Man weiß nur, daß er '>eines Meisters Sohn« war und als Geigenmacher der Innung angehörte. Er war wahr- scheinlich ein Sohn des gleichnamigen, vor 1701 ver- storbenen Meisters. Dörffel (Dörffler), Johann Friedrich. — Klin- genthal. 1736. 1749 Er war seit 1736 als Geigenmacher Innungsmeister und vielleicht ein Sohn des Neukirchener Meisters, der 1 704 vorkommt. Dörffel (Dörffler), Johann (Hans) Georg I. — Schöneck, (Mark)Neukirchen, Klingenthal. 1678. 1716 Er kam als Exulant aus Graslitz und wurde am 25. Juli 1678 in Neukirchen in die Zunft aufgenommen. Er wohnte erst in Schöneck und kommt seit 1697 bis 1716 in Klingenthal als Geigenmacher vor. Dörffel (Dörffler), Johann (Hans) Georg II. — (Mark)Neukirchen. 1697 Sohn und Schüler von Sebastian D. In Ansehung des Notstandes seiner verwitweten Mutter wurde er auf Antrag seines Vormundes Caspar Hopf nach kurzer Gesellenzeit schon am 25. Juli 1697 als Mitmeister in die Zunft aufgenommen. Zum Unterschied von seinem gleichnamigen jüngeren Bruder nannte er sich gewöhn- lich Hans Georg D. Dörffel (Dörffler), Johann Georg III. — Klin- genthal. 1710 Sohn von Sebastian D. Nachdem er als Geselle sein Wanderjahr abgedient hatte, wurde er am 8. Dezember 1710 als Meister in die Neukirchener Zunft aufge- nommen. Dörffel (Dörfel), Johann Gottfried. — Klin- genthal. 1754. 1765 Er galt als tüchtiger Meister und soll auch als Händler von einiger Bedeutung gewesen sein. Auf seinen Zetteln findet sich nur sein Name angegeben. Dörffel (Dörfler), Michael. — Graslitz. 1667 Nach unglaubwürdigen Angaben hat er in Deutsch- land das Geigenmachen gelernt. Ihm wird die Begrün- dung der Musikindustrie in Graslitz zugeschrieben, in der er seine Brüder und Söhne unterrichtete. Dörffel (Dörffler), Sebastian. — Klingenthal, (Mark)Neukirchen. 1688. f um 1697 Seit 20. März 1688 als Meister von der Geigenmacher- zunft in Neukirchen aufgenommen, Bruder von Johann Georg D. und seiner Angabe nach auch dessen Schüler. Er scheint zwei Söhne gehabt zu haben, die beide Johann Georg hießen, der ältere wird allerdings ge- wöhnlich Hans Georg geannnt, oder es hat zwei Se- bastian D. gegeben, wofür allerdings jeder Beweis fehlt. Döring, Christoph. — Kassel. 1676. 1677 Vielleicht der Sohn von Hans D. In Kassel selbst ist er heute vergessen und urkundlich nicht nachzuweisen. Eine gute Viola da Gamba von ihm besitzt das Musik- historische Museum W. Heyers in Köln. Geigenzettel : Christoph Döring / Lauthen und Violen- macher / in Cassel / Anno 1676. 7. c. (gedruckt). Döring, Hans. — Kassel. 1633 Er stammte aus Heisa und wurde im Jahre 1633 als Bürger in Kassel aufgenommen und dabei ausdrücklich als Geigenmacher bezeichnet. Döring, Wilhelm. — Kassel. 1765 Wahrscheinlich ein Enkel von Christoph D. Es liegt nahe, zu vermuten, daß auch der Vater Geigenmacher war. Leider aber ist es nicht gelungen, in Kassel irgend etwas über die Familie zu erfahren. Archivalien und gedruckte Bücher sind vergebens durchforscht worden. Eine Tenorviola da Gamba von ihm besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Geigenzettel : Wilhelm Döring me fecit / Cassellis. .'Xnno 1765 (gedruckt). Dötsch, Michael. — Berlin-Wilmersdorf. Geb. 22. Okt. 1874 in Neuenbrand bei Asch (Böhmen) Er machte seine erste Lehrzeit bei Michael Kohlbacher in Schönbach durch, ging dann in die Fremde, arbeitete 20 Jahre lang als Gehilfe bei den ersten Meistern, überall seine Kenntnisse bereichernd, und war zuletzt fünf Jahre bei Erich Lachmann tätig. Er verwendete sein Hauptaugenmerk auf das Studium der alten Meister, deren Arbeitsweise er sich zu eigen machte und deren Lackierung er in mustergültiger Weise nachzuahmen versteht. Im Jahre 1914 machte er sich selbständig und arbeitet mit Vorliebe nach Stradivari, G. B. Guadagnini und Nicolaus Gagliano. Da er nur das beste alte Holz verwendet, jedes Stück an seinen Dollenz — Dominicus 109 Geigen selbst anfertigt, auch seinen Lack selbst be- reitet und sich in jeder Beziehung als Künstler erweist, hat er bald in weiten Kreisen Anerkennung ge- funden. Seine Kopien alter Meisterwerke gehören zu dem Besten, was in dieser Beziehung geleistet werden kann. In der Kunst des Lackierens ist er kaum zu über- treffen . Geigenzettel: Michael Dötsch / Berlin W 19 Monogr. M. D., darunter B., das Ganze von Laub- und Nadel- zweigen umrahmt. Dollenz, Giovanni. — Triest. 1 800. f um 1 850 Er soll ein Schüler Storionis gewesen sein, den er auch nachahmte. Er baute sowohl Geigen als Violen und Violoncelli und war auch als Bogenmacher sehr ge- schätzt; sein Lack ist gelbrot. Geigenzettel : Restauratum a me Gio. Dollenz , in Triest 18 . . (gedruckt). — Giovanni Dollenz, Fecit inTrieste Anno 1805 (gedruckt). Dollenz, Giuseppe. — Triest. 1850. f 1889 Sohn und Schüler von Giovanni D. Er baute im ganzen 130 Violinen und Violen und einige Violoncelli. Er war geschickt, wenn er auch den Vater nicht ganz erreichte. Die Geigen aus seinen letzten Lebensjahren sind am besten. Sein Lack gleicht dem seines Vaters ; nur ist er etwas rötlicher. Seine Violoncelli sind recht gut. Domanski, Albert. — Paris usw. Geb. 1780, t nach 1855 in Spanien Ein polnischer Offizier, später russischer Konsul in Spanien, der sich in seinen Mußestunden auf den Geigenbau verlegte, dessen Anfangsgründe er in jungen Jahren in Wien erlernte. Er wohnte damals in dem- selben Hause wie Mozart, an den er durch den Prinzen Jablonowski empfohlen wurde. (Vgl. Domanskis Me- moiren in der Zeitschrift »Przeglond Poznanski«, Heft 2 1850.) Als Geigenmacher bildete er sich in Paris von 1835 — 1849 weiter aus. Er hat dann noch in einigen polnischen Städten gearbeitet und verbrachte seine letzten Lebensjahre In Spanien bei seinem Sohne, der dort als Offizier diente. Dombrowski (Dabrowski). — Warschau. 1 892. 1902 Polnischer Geigenmacher der Gegenwart. Dombrowsky, August. — Riga. Geb. 16./28. Juli 1845 in Kengeragge bei Riga Besitzer einer großen Holzsägerei in Alt-Mühlgraben bei Riga. Er wendete sich seit 1878 aus Liebhaberei dem Gelgenbau zu und beschäftigte sich bis 1890 mit viel- fältigen Versuchen, wobei er 1886 von Wilhelmj wert- volle Anregungen erhielt. Wohlvorbereitet begann er 1890 die Geigenmacherei in größerem Umfange zu be- treiben, zog sich zwei Gehilfen heran und hat seitdem 1134 Violinen, 30 Violoncelli und 2 Kontrabässe ge- baut, die fast alle verkauft sind. Er hat Versuche mit den verschiedensten Holzsorten für die Böden (statt des üblichen Ahorns) angestellt und solche von Ebenholz, Wacholder usw. gemacht. Auch mit verschiedenen Lacksorten hat er experimentiert, verwendet aber jetzt fast ausschiießllch sogenannten Danziger Bernsteinlack. Dominicelli (. . ero oder Domenico). — Fer- rara. 1695—1715 De Piccolellis schreibt den Namen Domincelli und fügt hinzu »dl Brescia«. Daß er Violinen gemacht hat, steht noch nicht fest, wohl aber kennt man einige gute Violoncelli und Bässe von ihm. Vidal rechnet ihn zur Amatischule. Andere halten ihn für einen Schüler G. B. Rogens. Er gebrauchte goldgelben Lack. Dominichini, Antonio Eduardo. — Bologna. 1708. 1766 Als Geigenmacher und Reparateur mehrfach erwähnt, so auch bei Valdrlghi (879). Dominichino, Giuseppe. — Verona. 1 700. 1709 Vielleicht ein Schüler der Amati, an deren Arbeit die seine stark erinnert. Ob er in Verona selbst tätig war, ist noch nicht nachgewiesen, doch ist es wahrscheinlich (seine Zettel geben auch Verona nur als seine Heimat an). Geigenzettel : Giuseppe Domichlno / Veronensis Facie- bat anno 1 7 . (gedruckt). Dominico. — Pesaro. Venedig. 1522. 1548 König Philipp II. von Spanien besaß fünf Violen von einem Dominico. Das Im Archiv des Palacio real In Madrid aufbewahrte Inventar der Musikinstrumente des Königs führt an : »Cinco vihuelas de arco de ma- dera blanca, con unos quadros sambiados de tara9ea de mano de Dominico en tres caxas No 59 . . . .<' Dieser Dominico ist möglicherweise Identisch mit dem Meister Dominicus in Pesaro, von dem mir sonst nur Klavi- zimbeln bekannt geworden sind, und der durch das Gravicembalo, das er nach Gioseffo Zarlinos Anwei- sung im Jahre 1548 baute, bekannt ist. Um 1548 kam übrigens auch ein Bildhauer und Medailleur Domenico Veneziano vor, von dem eine bezeichnete und datierte Medaille auf König Sigismund II. von Polen herrührt. Geigenzettel : Dominicus PIsaurensIs /fecit MDXXXI 1 1 (gedruckt). Dominicus, Joannes. — Rom. 1570 (?) • Niederheitmann besaß eine kleine Violine, die nach seiner Beschreibung in ihrer Wölbung und den F- Löchern an Andreas AmatI erinnerte. Das Holz soll gut, der Lack braun und der Boden mit einer verzierten Einlage versehen gewesen sein. Die Jahreszahl zweifelte Niederheitmann selbst an, er scheint aber auch den ganzen Zettel falsch gelesen zu haben, der bei ihm lautet :Joannes Cesarum Dominicus Roma minorum 1510/ und in dieser Form ganz unverständlich ist. Den Zettel sicher zu korrigieren Ist, ohne das Original vor Augen zu haben, nicht gut möglich; wahrscheinlich aber mußte der Zettel folgendermaßen aussehen: Joannes Dominicus Ord. frum. Minorum Romae 1570 Dominicus wäre demnach ein Minorit (Ordinis fratrum Minorum) gewesen. Die Jahreszahl könnte vielleicht 1570, wird aber wohl 1610 geheißen haben. 10 Donato — Doss & Heidegger Donato, Serafino. — Venedig. 141 1 Vidal und Valdrighi erwähnen ohne nähere Angaben nur seinen Namen mit der Jahreszahl. Doneda, Giovan Battlsta. — Brescia. Geb. um 1530, t 19. Jan. 1610 in Brescia Er war der Sohn eines Paolo D. und wird zuerst 1562 als dreiunddreißigjährio; mit dem Zusatz »quäl fa di violini« erwähnt; in seinen Steuererklärungen kommt er bald als »lavorento de instrumenti de citere<< (1568), als »maestro d'instrumenti de sonar« (1588). bald als »cytaredus«(1607) vor. Sein Todestag findet sich m der Sterbematrikel der Pfarrei Nazaro e Celso. Ob er mit »Baptista Bressano« identifiziert werden kann, erscheint fraglich. Doni, Giambattista. — Florenz. 1635. 1663 Berühmter Musikkenner und -Schriftsteller, Akademi- ker usw., der sich auch als Instrumentenmacher ver- suchte und u. a. die Lira Barberina (Amficordo) erfand. Doni, Rocco. — Florenz. 1600. 1660 Als Priester führte er vor seinem Taufnamen auch den Titel Dom^). Er hat ziemlich viele Lauten und Geigen gemacht und dürfte ein Verwandter des berühmten Giambattista Doni gewesen sein. Im Verzeichnis der Musikinstrumente des Herzogs von Florenz, dasCnsto- fori am 23. September 1716 angefertigt hat, heißt es: »N° 45. Basetto opra del sacerdote Rocco Dom con corpo stacciato corrsuo arco. « Donozetto (Donizetti?), Pietro. — Neapel. 1789 Ob der Name richtig gelesen ist, kann ich nicht ent- scheiden. Der Arbeit nach vielleicht ein Gagliani- schüler. Dopfer (Döpfer), Nikolaus. — Mainz. 1715. 1768 Ein sehr tüchtiger, angesehener Künstler, der Kurfürst- lich Mainzischer Hofgeigenmacher war. Seine Geigen sind gut gearbeitet, haben großes Patron und erinnern in den Umrißlinien an Stainer. Da er die Wölbung oft ohne Hohlkehle gleich vom Rande aus ansteigen ließ, sieht sie höher aus, als sie eigentlich ist. Das Holz ist gut, auch wenn er für den Boden statt Ahorn- Eschen- holz nahm, denn er legte dann Wert darauf, daß ihm die Wurzelknollen ein buntes Aussehen verliehen. Der Ton ist vorzüglich. Die Schnecke, oft aus Birnbaumholz, ist hübsch im Schwung; auch die F- Löcher sind in der Regel elegant und schmal, wenn sie nicht genau nach Stainer geschnitten erscheinen. Weniger gut ist sein brauner, besser sein gelbbrauner Lack. Er war der Schwiegervater von Diehl und Steimnger. In einer Frankfurter Matrikel wird sein Name irrtümlich Dopp- ler geschrieben. Eine Altgeige von ihm aus dem Jahre 1763 war in der von der holländischen Gesellschaft »Pulchri Studio« 1893 veranstalteten Ausstellung zu sehen. Geigenzettel: Abb. 156. ') Was Irrtümlich manchmal mit »Dominicus« ergänzt wurde. Dorant, William. — London. 1814 Er wohnte Winfield Street, Brick Lane Spitalfields, und ist kein bedeutender Meister gewesen. Dorigo s. Spilman Döring, Ernest N. s. John Friedrich & Bro. Dorner, Ignatz Martin. — Wien? 1716 (?). 1777 In den Steuerlisten kommt sein Name nicht vor, wohl aber fand man ihn in mittelmäßigen Geigen, von denen eine entschieden jünger war als die angegebene Jahres- zahl 1716. Auch daß der Name der Stadt Wien entgegen der damals meistens gebrauchten Schreibweise »Wienn« nur ein n zeigt, läßt die Echtheit des Ursprungsortes und der Jahreszahl sehr zweifelhaft erscheinen. Eine seiner Violinen mit der verdächtigen Jahreszahl 1716 tauchte noch im Jahre 1912 bei der Oktoberversteige- rung von Puttick & Simpson in London auf. Wahr- scheinlich war Dorner ein Schönbacher oder Vogtlän- der, wofür auch das fehlerhafte Latein der Taufnamen auf einem anderen Zettel spricht. Geigenzettel: Ignatii Martynlj Dorner / Violin und Lautenmacher me fecit Wien 1777 (gedruckt) und Abb. 157. Dorniedten (Tor Niedten). — ? 18. Jahrh. (?) Vermutlich ein Holländer, dessen Name hie und da in Musikinstrumenten eingebrannt zu finden Ist. Doser, Joseph. — Freising. Geb. 1770 in Vils bei Füssen, f 19. März 1836 in Freising Er wird als Sohn eines gleichnamigen Vaters bezeichnet und dürfte in seinem Geburtsort gelernt haben. Um 1 790 scheint er nach Freising gekommen zu sein, wo er am 10. Juni 1794 Therese, die Witwe Franz Knittls, heiratete, obwohl sie 20 Jahre älter war als er. Er dürfte das Versprechen gehabt haben, auch als Hofgeigen- macher der Nachfolger Knittls zu werden, denn im Trauschein wird er bezeichnet als »angehender bürger- licher Hof-Lauten- und Geigenmacher«, doch scheint er den Dienst nicht erhalten zu haben, da sein Toten- schein von ihm nur kurz als »bürgerlichem Geigen- macher« spricht. Nach dem 181 1 erfolgten Tode seiner Frau hat er sich nicht wieder verheiratet. Seine Arbeit verrät gute Tiroler Schule, und er kommt den besseren gleichzeitigen Mittenwaldern sehr nahe. Geigenzettel : Doser in Freising 1 790 (geschrieben). Dosi, Pietro. — Bologna. 1880. 1885 Ein aus Livorno stammender Zollbeamter, der sich in seinen Nebenstunden als Rahmenmacher versuchte. Er gehörte dem Freundeskreis von Raffaele Fionni an und wurde dadurch veranlaßt, sich aus Liebhaberei mit dem Geigenmachen zu beschäftigen. Er war nicht unbegabt und hat sogar Ausstellungspreise erhalten; seine Arbeiten sind trotzdem unbedeutend zu nennen. Geigenzettel : Pietro Dosi di Livorno / fece per diletto (gedruckt). Doss & Heidegger. — Hamburg Eine 1879 begründete Musikinstrumentenfirma, deren jetziger Inhaber Heinrich Schlüter ist. Dosseur — Drögemeyer 111 Dosseur, Claude. — ? 177d Französischer Geigenbauer des 18. Jahrhunderts. Wo er gelebt hat, ist ungewiß; seiner Arbeit nach scheint er die Brescianer Schule zum Vorbild genommen zu haben, ja er übertreibt die charakteristischen Formen Mag- ginis noch ; doch ist er im allgemeinen sehr geschickt gewesen. Geigenzettel : Claudius Dosseur / Fecit anno 1 775 (ge- druckt). Dotzauer Eme im Egerlande ansässige Familie, von der verschie- dene Mitglieder in der dortigen Geigenindustrie tätig sind. In Schönbach bei Eger lebt jetzt Jakob D. als »Corpusmacher«; Josef D. lebt in Absroth bei Schönbach, ein anderer Josef D. in Pechbach in Böhmen. Dow, W. H. — Melbourne. 1880. 1900 Australischer Geigenmacher, der schon 1880 eine Viola nach eigenem Modell sowie Violinen nach Stradivan und Guarneri ausgestellt und dafür den ersten Preis erhalten hat. Draßegg (Drassich), Vlctorln. — Bregenz. Geb. zu Groß-Polom (Mähren) 3. Sept. 1 782, t 6. März 1847 Im Militärspital zu Wien Nach G. Kinskys Ermittlungen war er gelernter Tisch- ler, wurde Soldat und geriet in Italien in französische Gefangenschaft. Er kam weit in der Welt umher und ließ sich dann, da er Deserteur war, unter dem Namen Friedrich Grünwald in Bregenz nieder, wo er 1816 auch heiratete. Geigen scheint er nicht gebaut zu haben, wohl aber gute Gitarren und Zithern, von denen sich noch mehrere in Bregenz in Privatbesitz befinden. Auch soll er ein vorzüglicher Gitarrespieler gewesen sein. Eine Schlagzither aus dem Jahre 1834 und eine Gitarre von 1833 besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Vgl. den Katalog dieses Museums B. II, S. 236. Zettel: Victorin Draßegg / Instrumentenmacher in Bregenz, 1807 (gedruckt). Dreher, J.- Warschau. 1884. 1902 Ein Geigenmacher, der vermutlich aus Deutschland nach Polen eingewandert ist und 1884 sein Geschäft in Warschau begründet hat. Dreier, Carl. — Leipzig. Geb. 2. Mai 1857 in Markneukirchen Schüler von M. Schmidt, arbeitete nach beendeter Lehr- zeit in Dresden, Beuel bei Bonn und Philadelphia und machte sich 1887 in Leipzig selbständig. Er baut Gei- gen und Violoncelli nach Stradivari (aber aucb schöne Gitarren und Zithern) und wendet einen gelbbraunen Lack an. Geigenzettel : Carl Dreier in Leipzig, / Streichinstru- mentenmacher u. Reparateur (gedruckt). — Carl Dreier Leipzig (gedruckt). Dreier, Friedrich. — Grabow i. M. Geb. 1848 in Neu-Brenz Er ist als Weichensteller bei der Eisenbahn angestellt und versuchte gelegentlich, nach einer Kindergeige ein spielbares Instrument zu bauen. Seitdem macht er Geigen in seinen Nebenstunden. Er arbeitet nach kei- nem bestimmten Modell und verwendet Spirituslack. Geigenzettel: Gebaut von ' F. Dreier, Weichensteller / in Grabow i. M. (gedruckt). Dreier, Ole. — Kopenhagen. 1795. 1810 Einer der besten dänischen Geigenmacher. Sein Name findet sich auf der Außenseite des Bodens in seinen Violinen eingebrannt. Dresler (Dreßler), Ernst Wilhelm. — Landes- hut. 1833. Geb. 13. Jan. 1799 in Schmiede- berg 1. Riesengeb., f ? Sohn des Hufschmieds Joh. Ehrenfried Dreßler, der ein tüchtiger Musiker gewesen sein soll. Ernst W. Dr. soll bei einem Instrumentenmacher im Riesengebirge gelernt haben und ließ sich um 1833 in Landeshut nieder. Er ist aber bald wieder »unbekannt wohin« ver- zogen. Als Geigenmacher war er sehr unbedeutend. Geigenzettel: Ernst Dresler. , Instrumenten-Bauer / in Landeshut. Reyariert (sie), (gedruckt). Drexel, Georg. — Nördlingen. 1902 Geigenzettel: Georg Drexel / Instrumentenfabrikant / Nördlingen / gebaut 19 . . Renoviert 19 . . (gedruckt). Driel, Abraham von. — Hamburg. 1710 Ein Instrumentenmacher, der am 14. März 1710 Bürger wurde. Vermutlich war er Klaviermacher, doch soll er auch Zimbeln und Lauten gemacht haben. Drinda, Giacomo. — Pienza (?). 18. Jahrh. Vidal führt einen Geigenmacher dieses Namens auf und gibt als Wohnort »Pianzo« an. Vermutlich sollte es »Pienza« (Toskana, Provinz Siena) heißen, möglicher- weise aber auch Piazzo (ein Dorf in der Provinz Turin) oder ein anderer, ähnlich klingender Ort. Drögemeyer, Hermann August. — Bremen. Geb. 16. März 1849 in Bremen Ursprünglich Maschinentechniker, beschäftigte er sich frühzeitig mit dem Studium des Geigenbaus und brachte es bald darin zu so großer Fertigkeit, daß er sich 1883 in seiner Vaterstadt als Geigenmacher nieder- lassen konnte. Anfangs arbeitete er nach einem eigenen Modell, ging aber später zu denen des Stradivari aus den Jahren 1696—1709 über und machte mehrfach größere Reisen nach Belgien, Frankreich und England, um dort die Werke der großen italienischen Meister zu studieren. Im Jahre 1903 zog er sich in das Privatleben zurück. Seine Geigen werden sehr gelobt ; in weiteren Kreisen ist er außerdem durch sein bereits in dritter Auflage erschienenes Werk »Die Geige« bekannt ge- worden. Geigenzettel : Abb. 1 76. 112 Drouet-Koel. — Valence Mittelmäßiger französischer Geigenmacher des 19. Jahr hunderts. Geigenzettel: Raccomode par Drouet-Koel , A Valence/ departement de la Drome (gedruckt). Drouin, Charles. — Mlrecourt. 1897. 1900 Geigenfabrikant, Besitzer der Marke: »Chipot-Vuil- laume«. Drouin, Claude. — Nancy, f 24. Aug. 1637 Bisher nur von A. Jacquot erwähnter Meister. Drouin, Etienne. — Mirecourt. 1878 Sorgfältig arbeitender Mirecourter Geigenmacher. Lehrer von Brugere. Droulot (Drouleau). — Paris. 1788. 1800 Wahrscheinlich aus Mirecourt stammend. In Paris wohnte er Rue du Temple Nr. 35. Gewöhnliche, aber gute Arbeit, gelbbrauner Lack. Er war bekannt als Ver- fertiger des »Rhythmometers«. Drouyn, Dimanche. — Paris. Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts Jedenfalls zur Mirecourter Familie Drouin gehörig und ein naher Verwandter von Claude Drouin in Nancy. Er ist mir nur durch eine Taschengeige, die im South Kensington Museum ausgestellt war, bekannt gewor- den. Duarte Eine portugiesische Instrumentenmacherfamilie. An- tonio Duarte lebt in Porto, Ant. Duarte-Mendes in Figueira da Foz. Beide machen hauptsächlich Mando- linen und Gitarren. Dubois, B. — Paris. 1834 Er war Kontrabassist der Oper und hat einige Instru- mente aus Liebhaberei gemacht. Er war vermutlich auch der Erfinder des »Violontenors«, einer Geige, deren Saiten eine Oktave tiefer gestimmt waren als die der Violine. Dubois, Pierre. — Mirecourt. 1748 Er wird in den Urkunden als Maler und Geigenmacher bezeichnet. Dubreuil, E., war in Lisieux (Dep. Calvados) ansässig Dubrowin. — Swenigorod. 1881 Einer der vielen, die russische Nationalinstrumente bauen. Im Jahre 1881 hatte er eine Gitarre in Moskau ausgestellt. Dubuisson. — Rouen. 1708 Sein Name kommt in den Zunftakten vor, Arbeiten von ihm kennt man aber nicht. Ducfell, John. — ? Eine Geige dieses sonst unbekannten Meisters weist der Selhofsche Auktionskatalog (1759) auf. Der Name Drouet-Koel — Dünkel dürfte falsch gelesen sein und hieß vielleicht sogar Dürf eil (Dorf fei)? Duchene (Duchesne), Nicolas. — (Mirecourt? Paris?) 1742. 1772 Er führte die Hausmarke »A la ville de Cremone« und gibt oft Paris als Ursprungsort an. Sein Modell ist sehr schlank, die Wölbung flach, die Zargen hoch, die Schnecke sehr groß, die F-Löcher langgestreckt und wenig geschweift; der Einschnitt in den F-Löchern für den Stegpunkt ist sehr schief. Das Holz der Oberdecke ist stark und schön ; die Jahre stehen gleichmäßig einen Millimeter voneinander ab. Der Lack ist dunkel gelb- braun, die Einlagen sind fein mit breitem Rand, der Ton weich und angenehm. Er führte die Brandmarke: NICOLAUS DUCHESNE A PARIS. Eine Violine von ihm besitzt J. Hirschler in Unter-Ägeri, eine andere C. Stoeber in Würzburg. Ein zweiter Nicolas Duchene war Bogenmacher, von ihm weiß man nur, daß er im Jahre i 783 aus Mirecourt weggezogen ist. Duchene. — Paris. 1850 War 1854 auf der Münchener Ausstellung gut ver- treten. Duchene, Jean-Baptiste-Colin. — Nancy. Geb. um 1815 in Nancy, t 25. Jan. 1889 Ein Luthier, der eine gute Schule durchgemacht und mit seinen Gelgen Erfolg gehabt hat. Er gebrauchte meist geschriebene Zettel und eine Brandmarke: »Colin Duchene«. — Sein Enkel ist Ch. Resuche in Bordeaux. Ducheron, Matthieu (Mathurin). — Paris. 1700. 1730 Arbeiten von ihm kommen selten vor und sind ohne Kunstwert. Geigenzettel : Matthieu Ducheron ä Paris / 1 7 1 1 (gedr.). — Mathurin Ducheron, a Paris, / 1714 (geschrieben). Duchesne s. Duchene Duclos, Nicolaus. — Barcelona. 1759. 1764 Wahrscheinlich ein eingewanderter Franzose, wofür schon seine Arbeit spricht. Seine Geigen schließen sich an italienische Vorbilder an ; er schnitzte hübsche Köpf- chen (Löwen, Engel usw.) am Wirbelkasten und machte auch Mandolinen. Eine Nonnengeige von ihm besitzt das Konservatorium In Brüssel (Nr. 427). Er soll 1766 noch in Madrid gearbeitet haben. Geigenzettel: Abb. 171. Ducoq. 1838 Mittelmäßiger Geigenmacher. Geigenzettel: Ducoq fecit / Hera 1838 (geschrieben). Dünkel, Bernhard. — Magdeburg. Geb. 4. JuH 1833 zu Trochtelborn bei Erfurt Noch als Stabstrompeter übernahm er im Jahre 1867 F. Haases Instrumentenhandlung und führte sie bis 1888 fort. Er hatte auch eine Reparaturwerkstatt, hat aber schwerlich selbst Geigen gebaut. D uien Dulf enn 113 Düren, Hermann. — Bonn. 1850 Er galt als tüchtiger Reparateur, Arbeiten von ihm habe ich nicht kennen gelernt. Düren, Wilhelm. — Köln, Bonn. 1870. f nach 1891 Sohn von Hermann D. Um 1875 siedelte er nach Bonn über, wo er sich zuletzt hauptsächlich auf den Handel verlegte. Seine letzte Arbeit, eine sehr gute Violine aus dem Jahre 1891, besitzt sein Sohn. Sehr ungleich in seiner Arbeit. Er machte sehr viele neue Streichinstru- mente, von denen einzelne schön und gut sind, während viele wieder geradezu häßlich genannt werden dürfen. Geigenzettel: Wilhelm Düren / fecit, Bonn 1891 (gedr.) Dürr (Dier), Johann. — Wien. 1813 Mitvorsteher der Wiener Lauten- und Geigenmacher- innung. In der Arbeit kommt er manchmal Dalinger nahe. Ein .Anton Dier war 1826 Schätzmeister, doch ist es ungewiß, ob er der Familie Dürr oder Thir an- gehörte. Dürrschmidt, Wilhelm August. — Markneu- kirchen. Geb. 11. März 1863 Wenn er auch einzelne Teile seiner Geigen wie fast alle .Markneukirchener von anderen vorarbeiten läßt, so ge- hört er doch zu den geschickteren Meistern seines Wohnorts. Ein Dürrschmidt war auch in Warschau eine Zeitlang ansässig. Duff, William. — Dunkeid. Geb. 20. Juni 1810, t 1882 in Pulney Cottage bei Dunkeid Er wurde 1839 Jäger bei der schottischen .Adelsfamilie Atholl und machte in seinen freien Stunden viele und recht gute Geigen nach dem Stainermodell. Einige Unterweisung mag er von Peter Hardie bekommen haben, mit dem er später bekannt wurde. Seine Geigen sind oft sehr kunstvoll eingelegt und auch seine Bogen waren gut. Geigenzettel : .Made by Wm. Duff, Pulney Cottage, ,' Dunkeid 1860 (gedruckt). Dufour. — Mirecourt Von dieser Geigenmacherfamilie nennt .A. Jacquot: AmableD. f 1747 Charles D. 1751. 1757 Claude- Frangois D. 1768 Felix-Charles D. f 20. Febr. 1781 FrantoisD. 1748. 1781 Jean-Baptiste D. 1784. 1789. Duguid. — Aberdeen. 1872 Wenig hervortretender Geigenmacher. Duiffopruggar s. Tieffenbrucker Duke, Richard (Vater). — London. 1 750. 1 780 Einer der besten englischen Geigenmacher, der auch ein eigenes Modell, das an das Stainersche anklingt, verwendete. Die Wölbung ist hoch, das Patron länglich. Holz und .Arbeit sehr sorgfältig und der Ton weich und ansprechend. Weniger geglückt erscheint sein gelber v.Lütg-endorff, Geigen- und Lautenniacher. Bd. II Lack, der manchmal über einer .Art Walnußbeize auf- getragen ist. Bei den größeren Violen ersetzt er gern in der Breite, was er an Länge verkürzt. Auch als Kopist hat er sich mehrfach mit Erfolg versucht. Seine Kopien nach Stradivan und Amati sind recht gut, weniger ge- nau dagegen die nach Stainer, zu denen ihm wahr- scheinlich kein Original vorgelegen hat. Echte Geigen von ihm sind selten zu haben, doch wurde er leider von Stümpern häufig nachgeahmt und seine Zettel ge- fälscht, so daß Instrumente, die seinen Namen tragen, erst eingehend auf ihre Echtheit hm geprüft werden müssen. .4ußer seinen bald geschriebenen, bald ge- druckten Zetteln gebrauchte er auch einen Brandstem- pel mit seinem Namen, dem manchmal noch •>London« hinzugefügt wurde. Wenn Vidal die .Arbeit Richard Dukes kurzweg als »luthene infeneure« bezeichnet, so können ihm nur Geigen von der Hand des jüngeren Duke oder die gewöhnlichen Fälschungen vorgelegen haben. Denn R. Duke ist so eifrig nachgeahmt und ge- fälscht worden, daß man Glück haben muß, wenn man eine echte Arbeit von ihm ausfindig machen will. Geigenzettel : Rieh** Duke Londini fecit 1 767 (geschr.). • — Richard Duke Maker , Holborn London Annol 777 (geschrieben). — Richard Duke maker near opposite / Great Turn-Stile , Holbourn-London (gedruckt). Duke, Richard (Sohn). — London. Anfang des 19. Jahrhunderts Seiner Arbeit nach zweifellos ein Schüler seines Vaters. Er verwendete auch den gleichen Brandstempel, hat aber den Namen Duke sehr in Mißkredit gebracht, denn er hatte wenig Talent und kam schließlich so herunter, daß er mit seinen roh gearbeiteten Geigen als Hausierer sein Leben fristen mußte. Ein William Duke soll gleichfalls Geigenmacher gewesen sein. Dulac (Du Lac), Andre. — Viviers. 18. Jahrh. Man kennt nur wenige .Arbeiten von ihm, einige Gei- gen, die etwas an Guersan erinnern. Da er jedoch sorg- los in der Wahl des Holzes war und einen schlechten, dunklen Lack gebrauchte, sind seine Werke sehr un- ansehnlich. Der Ton ist laut, aber nicht edel. Geigenzettel: Andreas Dulac, Vivarais (gedruckt). Dulcken, Jean. — Brüssel. 1750. f vor 1763 Die Lauten, die mit seinem Namen vorkommen, sind wohl in seiner Werkstatt gemacht, aber schwerlich Werke seiner Hand, da er »facteur de Clavecins« war. Daß er aber alle Sorten von Saiteninstrumenten fertigen ließ, das beweist u. a. das Schreiben seiner Witwe (von 1763), in dem es heißt: »Nous avons eu de tout tems et nous y avons encore des ouvners en toutes sortes d'instruments.« Dulfenn, Alexander. — Livorno. 1689. 1700 Zwei Geigen, die seinen Zettel enthalten, sehen nicht italienisch aus, sind unkünstlerisch durchgeführt und lassen eher auf einen Dilettanten als einen Geigen- macher schließen. Auch der Zettel erregt Bedenken. Bei Bangel in Frankfurt a. M. wurde Ende Januar 1909 eine Geige von Dulfenn vom Jahre 1689 versteigert. Geigenzettel : Allexemter Dulfenn fecit in Livorno 1 7.. (gedruckt). 8 114 Dur Dvofäk Dumenil (Dumesnll?), N. — Paris? 1786 Wie Brunis Inventaire (herausgegeben von Gallay), S. 159 berichtet, wurde während der Schreckensherr- schaft dem Marschall d'Ecquevilly eine Violine von N. Dumenil konfisziert. Diesen sonst nicht bekannten Geigenbauer mit Jacques Du Mesnil zu identifizieren, verbietet schon, abgesehen von dem Vornamen, die angegebene Jahreszahl. Du MesnIl, Jacques. — Paris. 1655. 1662 Das beste Werk, das man von ihm kennt, ist die hüb- sche, mit Elfenbein und Silber eingelegte Tanzmeister- geige, die das Pariser Konservatorium bewahrt. Die F-Löcher zeigen den Stil Amatis, das Holz ist sehr schön und der rotbraune Lack vortrefflich. Am Wirbel- kasten ist ein Frauenköpfchen angebracht. Eine Taschengeige von 1662 ist in der Sammlung Savoye in Paris. Geigenzettel: Abb. 174. Duncan, George. — Glasgow. Geb. 17. Jan. 1855 in Kingston-on-Spey Er war zuerst Tischler und eröffnete 1875 in Glasgow seine Werkstatt als Geigenmacher. Er arbeitete nach verschiedenen Modellen und verwandte einen guten Öllack. Seine Geigen sind sehr gut und tadellos ge- macht. 1885 erhielt er auf der Inventions Exhibition in London eine goldene Medaille; eine silberne, die er 1886 in Edinburgh zuerkannt erhielt, wies er zurück. 1892 wanderte er nach Amerika aus. Geigenzettel: N° 31 / Made by / George Duncan. / Glasgow, 1883 (gedruckt). Duncan, Robert. — Aberdeen. 1740. 1762 Er soll ursprünglich Tischler und Holzschnitzer ge- wesen sein, weshalb auch die Schnecken und die Bei- werke an seinen Geigen leidlich gut aussehen; Arbeit, Holz, Lack und Ton sind sehr gewöhnlich, sein Modell ist hochgewölbt und geht auf Stainer zurück. Geigenzettel : Abb. 179. Duparge, Nicolas-Remi. — Mirecourt. 1767. 1768 Bisher nur dem Namen nach bekannt. Dupont, Fran^ois. — Mirecourt. 1761. t 18. Febr. 1780 Er war Geigen- und Bogenmacher. Auch ein Charles- Felix D. kommt gleichzeitig vor. Durand, Fran^ois. — Mirecourt. 1751. 1753 Bis jetzt das älteste bekannte Mitglied der Familie, zu der wohl auch jener Pierre D. gehört haben dürfte, dessen Name gewöhnlich Duvand gelesen wird. Durand. — Marseille. 1868. 1870 Seiner Arbeit nach gehört er der Mirecourter Schule an. Seine wenigen Geigen sind sehr sauber durch- geführt und klingen gut. Er war nur kurze Zeit in Marseille ansässig und scheint jung gestorben zu sein. Durand, Victor, genannt Bazil. — Mirecourt. Mitte des 19. Jahrhunderts Vielleicht der Vater des Marseiller Meisters oder identisch mit diesem. Ein Durand hatte in Rouen, 4 place St. Eloi seine Werkstatt. Du Riez, Nicolas. — Abbeville. 1663 [Man kennt ihn bisher nur nach einer Baßviola aus der Sammlung Snoeck (Nr. 986), die sich in Berlin befindet. Geigenzettel : Nicolas Du Riez ä Abbeville 1663 (gedr.). Duval, Germaln. — Rouen. 1708. f 23. März 1733 Er wird als »Faiseur d'mstruments de musique* be- zeichnet und wohnte in der Rue St. Laurent (Pfarrei St. Lo). Im Jahre 1708 wurde er von der Zunft ver- klagt, daß er, ohne einen Meisterbrief zu besitzen, in seinem Laden Musikinstrumente feilhielt. Duvrard s. Ouvrard Duwar (Duwaer), Hermanus Gerardus. — Utrecht. Geb. 10. Juni 1842 in Utrecht, t 10. Nov. 1909 Sohn des Klaviermachers Pieter D. und der Maria Kukenbömer, Schüler von Hampe, bei dem er seit seinem zwölften Jahre fünf Jahre lang gelernt hat. Später zwangen ihn besondere Umstände, sich emem anderen Wirkungskreis anzuschließen, und erst im reifen Mannesalter konnte er (im Jahre 1878) zu seinem ersten Berufe zurückkehren. Bei Hampe war er eigent- lich nur zum Reparateur ausgebildet worden. Durch einen Zufall entdeckte er prachtvolles altes Geigenholz, was ihn veranlaßte, seine ersten eigenen Geigen zu machen. Da er die alten Meister eingehend studiert hatte, gelangen schon seine ersten Versuche gut, und er galt als tüchtiger Geigenmacher. Er ahmte das Stradi- varimodell nach und verwendete selbstbereiteten Spi- rituslack. Geigenzettel: Hermanus Gerardus Duwaer / 1895 / Utrecht / (geschrieben). Dvorak, Jaroslav Anton. — Prag. Geb. 19. April 1861 in Prag-Neustadt Nachdem er zuerst das Gymnasium besucht hatte, wurde er Schüler seines Vaters J. B. Dv., bei dem er, von einigen Reisen abgesehen, über 10 Jahre tätig war. Am 4. Mai 1885 eröffnete er seine eigene Werk- statt, und es gelang ihm bald, Anerkennung zu finden. Er baut nach Stradivari und Guarneri, ist ein ge- schickter Reparateur und besitzt bereits verschiedene Staatsmedaillen und andere Auszeichnungen. Er ar- beitet sauber und verwendet das beste Holz. Auch bei seinen Fachgenossen steht er in Ansehen und wurde 1895 in den Vorstand der Prager Musikinstrumenten- macher-Genossenschaft gewählt. Geigenzettel: Jaroslav Dvorak / fecit Pragae 1899 (ge- druckt). Dvofäk — Eberle 115 Dvorak (Dworak), Johann Baptist. — Prag. Geb. 10. Aug. 1825 in Unhost. f 28. Sept. 1890 in Prag Schüler von Joh. Kulik, bei dem er 1844 ausgelernt hatte. Er ging dann nach Pest zu J. B. Schweitzer, dann zu A. Hoffmann nach Wien, zurück nach Pest zu Ferd. Patzelt und zuletzt zu Ignaz Sandner in Prag, dessen Werkstatt in der Husovä ti'ida (Husgasse)Nr.230 er später übernahm. Er verheiratete sich mit Maria Klima; von seinen drei Söhnen sind zwei Geigen- macher geworden. Er kommt in mancher Beziehung seinem Lehrer Kulik nahe, seine Arbeit ist gut. Er hatte Stradivari und Guarneri nachgeahmt, doch er- zielte er wie Kulik meist nur einen harten, scharfen Ton. Besser sind seine Violoncelli. Besondere Sorgfalt verwendete er auf den Lack, der sich bis jetzt recht gut bewährt hat, aber etwas grell in der Farbe ist. Außer Geigen baute er auch Gitarren usw. Seinen Namen, der nach der neueren böhmischen Recht- schreibung jetzt Dvorak geschrieben wird, schrieb er gewöhnlich Dworäk. Geigenzettel : Joh. Bapt. Dworäk / Geigen- und Gui- tarrenmacher, Prag / 230/1 (gedruckt) und Abb. 162. Dvorak, Karl Boromäus. — Prag. Geb. 26. Okt. 1856 in Prag-Neustadt, f 28. Juni 1909 in Königssaal bei Prag Schüler seines Vaters Joh. B. Dv., bei dem er von 1872 — 1876 in der Lehre war. Um sich weiter auszu- bilden, ging er zunächst zu Thom. Zach und Dav. Bittner nach Wien, zu Sütterlin nach Straßburg, von da nach Paris zu Hip. Chretien-Silvestre und zuletzt zu Gand & Bernardel. Trefflich geschult kehrte er ins Vaterhaus zurück, wo er den Vater in dessen lang- wieriger Krankheit vertreten mußte. Hierauf eröffnete er seine eigene Werkstatt und baute gute Geigen nach Stradivari und Guarneri. Gleichzeitig war er ein eifriger Sammler alter Instrumente, die er mit Glück auf seinen größeren Reisen zu entdecken wußte. Seine Arbeit erinnert an die moderne französische Schule, er erfreute sich eines wohlbegründeten Rufes und war im Besitze vieler Medaillen und Auszeichnungen. Geigenzettel: Abb. 152. Dykes, Geo L. — Leeds. Geb. 1 1 . Okt. 1884 in Leeds Mit zwölfeinhalb Jahren trat er in die Lehre bei seinem Vater und ging dann zu Paul Bailly. Er hat Violinen gemacht, die in allen Einzelheiten seine eigene Arbeit zeigen. Er baut nach Stradivari, Guarneri und Amati, und zwar mit solchem Erfolg, daß schon im März 1901 Meredith-Morris seine Biographie mit Bild in »The Strad« veröffentlichte. Daß er auch im übrigen eine gute Ausbildung genossen hat und Deutsch und Fran- zösisch mit bemerkenswerter Sicherheit spricht, sei nebenbei erwähnt. Geigenzettel : Made by / George L. Dykes, / Leeds, pupil of Paul Bailly, / (pupil of Jean Baptiste Vuil- laume, of Paris) / No. 14 (gedruckt). Dykes, Harry. — Leeds, 28 Queens Arcade. 1883. 1900 Er besitzt eine Geigenmacherwerkstatt und ist ein be- deutender englischer Händler mit alten Geigen. Er ist auch Vertreter mehrerer französischer und ita- lienischer Geigenmacher der Gegenwart für England. Eastburn, W. — Halifax. 1902 Er wird als Geigenmacher und Saitenhändler be- zeichnet. Ebar s. Ebert Ebentheur, Franz Sales. — Kriegshaber bei Augsburg. 18. Jahrhundert Seinen mit musikalischen Emblemen umrahmten Zettel veröffentlichte Paul de Wit. Das Augsburger Stadt- archiv enthält keinerlei auf diesen Meister bezüglichen Vermerk. Geigenzettel: Sales Ebentheur / Instrumentenmacher / in Kriegshaber / bey Augsburg (gedruckt). Eber! (Eberle), Benedikt. — Budapest. 1820. 1827 Wenig bekannter, aber geschickter Geigenmacher, der der Vorliebe der ungarischen Geiger seiner Zeit für die Brescianer Modelle entsprechend fast nur Nachahmun- gen nach Maggini gebaut hat. Seine Geigen sind doppelt eingelegt, der Lack sehr geschickt imitiert, Arbeit und Holz vorzüglich. Seine Geigen haben immer unechte Maggini- Zettel, versteckt im Inneren aber liest man: »Benedikt Eberl, Pesth« und die Jahreszahl. Eberl, Christoph. — Prag. 1780. 1784 Mir ist zwar eine Geige dritten Ranges mit dem unten- stehenden gedruckten Zettel vorgekommen, ein Chri- stoph Eberl ist jedoch als Geigenmacher in Prag nicht nachzuweisen. Es wird wohl ein Schönbacher Meister gewesen sein, der, wie viele Neukirchner, seine Ar- beiten von Prag aus datierte. Geigenzettel: Abb. 188. Eberl. — Schönbach b. E. Eine egerländische Familie, von der mehrere Mit- glieder in der Geigenindustrie ihrer Heimat tätig waren und noch sind. Jetzt sind dies ein Johann und ein Rudolf Eberl. Eberle, Eugen. — Rotterdam Geb. 7. März 1885 in Rotterdam als Sohn des be- rühmten Violoncellisten Oskar E., Schüler von K. Ferenczy-Tomasowsky, bei dem er von 1896 — 1902 blieb. Er arbeitete als Gehilfe bei Karel van der Meer, dann zwei Jahre lang bei 0. Möckel und machte sich 1904 in seiner Vaterstadt selbständig. Seine Arbeit ist sehr sorgfältig, er führt alle Teile seiner Geigen ohne fremde Mitarbeit aus und wird sehr gelobt. Auf der 8* 116 Eberle Rotterdamer Internationalen Musikfachausstellung er- hielt er für ein Quartett usw. eine goldene Medaille und wurde 1909 in Mailand ebenso ausgezeichnet. Geigenzettel: Eugene Eberle, / Vioolmaker. / Fecit Rotterdam — Anno 19 (geschrieben). (Eberle, Johann Anton. — Mannheim) Da er bis 1780 »Hofinstrumentenmacher* war, geriet er in die Geigenliteratur, obwohl er keine Musik- instrumente machte, sondern Messer, und später als Münzwardein in Frankfurt a. M. starb. Er war viel- leicht ein Verwandter des 1771 im Mannheimer Hof- orchester vorkommenden Hoboisten Franz Eberhard Eberle, stand aber mit dem Prager Meister schwerlich in Beziehung. Eberle (Eberll), Johannes Udalricus. — Prag. Geb. 2. Juh 1699 in Vils. t 2. JuH 1768 Sohn des Sebastian Eberle und der Ursula geb. Schon- ger. Er hat den Geigenbau jedenfalls in seiner Heimat erlernt und kam als Gehilfe nach Prag zu Thomas Ed- linger, doch war er kein Verwandter dieses Meisters. Er machte sich dann dort selbständig und erwarb am 20. Februar 1 726 das Prager Bürgerrecht. Auf manchem Zettel schreibt er den Namen Eberll; auch Ebberll soll vorkommen. Am 4. Mai 1727 heiratete er Klara Jordin, von der er fünf Söhne und vier Töchter be- kam. Er hatte seine Werkstätte in der Altstadt, zuletzt in seinem eigenen Hause, das er 1736 erwarb, in der Konviktskä ulice (Konviktsgasse) Nr. 296, das noch heute »u Eberlu« genannt wird. In seiner Arbeit verrät er, daß er bei Edlinger eine gute Schule durchgemacht hat. Seine Violinen und Violoncelli sind nach Stainer gebaut, tadellos in der Form, prächtig im Holz und in der Ausführung. Sein Lack ist von sehr schöner roter Farbe und anscheinend auf gelbem Grunde aufge- tragen. Die Einlage ist gut und breit, der Ton jedoch nicht ganz so groß, als man eigentlich erwarten könnte. Sehr schön ist auch die äußere Ausstattung seiner Geigen, die Schnitzerei am Hals und am Wirbelkasten. Am häufigsten kommen Violen, besonders Viola d'amore von ihm vor^). Er ist der erste charakteristi- sche Vertreter der Prager Schule. Mehrere schöne Arbeiten von ihm befinden sich im Musikhistorischen Museum von W. Heyer in Köln, darunter eine präch- tige fünfsaitige Viola (Quinton) von 1749 und zwei Liebesgeigen von 1743 und 1755. Eine Violine von 1746 besitzt .Alb. Berr in Böhmischbruck. Eine ältere, schon aus dem Jahre 1731 stammende Viola d'amore von ihm und eine von 1749 besitzt das Stift Ossegg. Eine große Viola d'amore (sog. engl. Violet) von 1739 mit prachtvoll geschweiften Korpusumrissen, braun- rotem Lack und hübschem Engelsköpfchen am Wirbel- kasten befindet sich in der Sammlung Fr:tz Wild- hagen in Haiensee bei Berlin. Auf dem Chor der Braunauer Stiftskirche befindet sich eine Bratsche von ihm aus dem Jahre 1739. Eine Geige aus seinem letzten Lebensjahre (1768) besitzt das Bened.-Stift St. Mar- gareth bei Prag. In der fürstl. Lobkcwitzschen Samm- lung auf Raudnitz sind zwei Violinen von 1739 und 1753 und eine von 1760. Ferner befinden sich eine Viola d'amore im Prager Nationaltheater, eine Viola von 1 745 in der St. Katharinenkirche in Welwarn und eine von 1759 im PrageV Konservatorium, Geigen von 1749, 1758, 1763, 1767 und 1768 in der Strahower Kirche, je eine in der Prager Kreuzherrenkirche, in der Kirche zu Nepomuk, in der Thomaskirchc in Prag und in der Kirche zu Neveklov, ein Violoncello bei St. Nikolaus in Prag, ein Kontrabaß von 1 753 auf dem Komotauer Kirchenchor. Geigenzettel: Joann. Udalricus Eberll / fecit Pragae 1 748 (gedruckt). — Joannes Udalricus Eberle / Lauten- und Geigenmacher in Prag / A° 1752 (gedruckt.) — Abb. 184 und 191. Eberle, Karl. — Innsbruck. 1829 Vielleicht ein Sohn von Magnus Benedict E.^). — Ich kenne nur Reparaturen von ihm, und auch Dr. Fr. Wald- ner konnte nichts über ihn und seine (wahrscheinlich nur vorübergehende) Tätigkeit in Innsbruck ermitteln. Eberle, Magnus Benedict. — Wiener-Neu- stadt, Raab. 1803. 1835 Er dürfte aus Vils stammen und läßt sich in Wiener- Neustadt von 1803 an nachweisen. Er war mit Anna Valentin verheiratet und wurde 1813 Viertelmeister, weshalb er seine Geigenmacherei wieder aufgab. Einer Geige nach zu urteilen, die aus Raab 1820 datiert ist, hielt er sich vorübergehend in Ungarn auf. Wenn er sein Geschäft auch aufgegeben hatte, so machte er doch nachträglich noch Geigen. Er hatte als Geigen- macher einen guten Ruf, und bis vor kurzer Zeit be- fanden sich noch eine Violine und ein Violoncello von ihm auf dem Chore der Neuklosterkirche in Wiener- Neustadt. Seine Arbeit erinnert an die Wiener Schule, ist jedoch weniger sorgfältig; auch der schwarzrote Lack sieht nicht schön aus. Am wenigsten gelangen ihm Violoncelli. Geigenzettel: Magnus Eberle fecit/ Raabae 1820 (ge- druckt) und Abb. 198-). Eberle (nicht Eberti), Tomaso. — Neapel. 1760. 1792 Der Name läßt auf deutsche Abstammung schließen. Daß er aber »sans doute« ein Verwandter Job. Ulr. Eberles gewesen sei, wie Grillet behauptet, ist um so mehr zu bezweifeln, als er seinen Namen auch »Tho- mas Heberl« schreibt und daher ebensogut mit der vogtländischen Familie Heberlein in Verbindung ge- bracht werden könnte. Um seine geschriebenen Zettel klebt er die gleiche Einfassung, die viele Mittenwalder haben. Eher glaube ich, daß er zu Heinrich Eberl oder Eberl in Venedig in Beziehung steht. Seine Geigen sind denen der Gagliano so ähnlich, daß man ihn wohl mit gutem Grund für einen Gaglianoschülcr halten darf. Eberle macht aber die F-Löcher, die sich bei ihm ^) Einer der bedeutendsten Virtuosen auf der Viola ^) Daß dieser einen am 6. Dezember 1807 geborenen d'amore, der Komponist Johann Joseph Eberle (geb. um Sohn Karl Boromäus hatte, steht urkundlich fest. 1735, t in Prag 1772), war kein Verwandter unseres ") Aus dem musikhistorischen Museum des Herrn Geigenbauers. Fr. Nicolas Manskopf in Frankfurt a. M. Eberle Ebner 117 oft denen Amatis nähern, zierlicher und unterscheidet sich auch in seinen Schnecken von denen der Gaghani. Er verarbeitete sehr schönes Holz, verwendete rot- braunen und braungelben Lack und führte alle Teile sehr sauber durch. Seme Geigen kommen verhältnis- mäßig selten vor, was darauf zurückzuführen ist, daß die meisten jetzt unter dem gangbareren Namen des Nicolaus Gagliano in den Handel gekommen smd. Er verwendete häufig geschriebene Zettel und hat in der Regel quer über den oberen Klotz einen zweiten kleinen Zettel mit den Worten: »Gesu e Maria« eingeklebt. Eine jedenfalls von ihm gebaute Viola d'amore, mit dem Namen »Heberle*, befindet sich in der Sammlung Valdrighi. Etwa zwölf Geigen von ihm besitzt Eugen Gärtner in Stuttgart. Geigenzettel: Thomas Heberl / Fecit Neap. 1780 (ge- schrieben) und Abb. 189. Eberle, Wenzel Michael Jos. Vincenz. — Prag. Geb. 14. Okt. 1738, lebte noch 1770 Vierter Sohn^) und jedenfalls auch Schüler von Joh. Udalricus E., dessen Nachfolger er dann wurde und der ihm alles Werkzeug und Geigenholz vermachte, sogar den freien Nießbrauch des Hauses, solange er ledigen Standes bleibe. Der junge Eberle scheint dem- nach eine Wahl getroffen zu haben, die der Vater nicht billigte. Der Sohn hielt den Ruhm der väterlichen Werkstatt nicht auf der gleichen Höhe, obwohl seine .Arbeiten immer noch ein tüchtiges Können verraten. In seiner ersten Zeit hat er zweifellos die von seinem Vater noch vorgearbeiteten Geigen fertiggemacht und mit dessen Zetteln versehen. Vielleicht hat er an dieser Gewohnheit allzu lange festgehalten, auch wenn die Geigen ganz allein seine Arbeit waren, wodurch es sich am besten erklären ließe, daß Arbeiten mit seinem Zettel so selten vorkommen. Eberspacher, Bartolommeo. — Florenz. 1 7. Jahr- hundert Lautenmacher deutschen Ursprungs. Eine Theorbe von ihm befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln. Geigenzettel: Bartolomeo Eberfpacher / In Fiorenza (gedruckt). Ebert (Eberl?), Heinrich. — Venedig. 1655 Sehr tüchtiger Lautenmacher des 17. Jahrhunderts, von dem die Sammlung Scheurleer eine hübsche The- orbe aufweist. Wie Tiefenbrucker seinen Namen italianisierte, so hat dies augenscheinlich auch Ebert getan. Herr Franciolini besitzt eine reich eingelegte Mandoline in der Form eines kleinen Rebeks mit der Inschrift: >>Enrico Ebar fecit anno Domini 1655«. Wenn das Datum richtig ist — was glaubwürdig scheint — und das Instrument keine späteren Veränderungen er- litten hat, hätten wir damit eine der ältesten Mando- linen vor uns. In der Ausstellung der holländischen ^) Seine Brüder scheinen jung gestorben zu sein oder sich anderen Berufen zugewendet zu haben. J. Udalricus Eberle hatte fünf Söhne; Joseph Elias, geb. 1728; Se- bastian Valentin, geb. 1733; Martin Michael, geb. 1736; Wenzel Michael, geb. 1738; Udalricus Franz, geb, 1741. Gesellschaft *Pulchri Studio« 1893 war eine von ihm gebaute und von J. C. Hoff mann reparierte Theorbe. Auch P. de Wit erwarb 1885 eine Theorbe von schwar- zem Palisanderholz mit Elfenbeinrippen von unge- wöhnlicher Größe mit der Inschrift: »Heinrich ebert In Venetia«. Diese Theorbe zeichnet sich auch durch drei prächtige gotische Rosetten (»Dachsterne«) aus. Eine sechssaitige Viola d'amore von ihm besitzt auch die Sammlung Correr in Venedig. In dieser liest man den Namen »Heinrich Ebart«. Ebertl s. Eberle Ebner, Andreas. — München. Geb. 1852 in München, f 24. Januar 1919 Er wurde bei seinem Vater, der sich als Trödler schon seit 1850 mit dem Verkauf alter Musikinstrumente be- schäftigte, frühzeitig mit dem Geigenbau vertraut und verlegte sich, als er das väterliche Geschäft übernahm, ganz auf den Handel mit alten Streichinstrumenten, Zithern usw.; und verfertigte auch Streichinstrumente nach eigenen Modellen. Sein Sohn Albert Benno E., der ge'ernter Musikinstrumentenmacher ist, und seine musikalische Ausbildung am Konservatorium abge- schlossen hat, ist sein Nachfolger. Ebner, Georg. — Regensburg. 1723 Wahrscheinlich ein Bruder von Gotthard Ebner in Hallein und Lehrmeister des bekannteren Gotthard Ebner in Regensburg. Er wird ausdrücklich als Geigen- macher bezeichnet. Ebner, Gotthard. — Hallein. 1723 Die Ebner waren Bauern in der Au bei Hallein und haben wohl nur im Winter Geigen gemacht. Nur Gott- hard E. scheint sich in jungen Jahren in guten Werk- stätten umgesehen zu haben und war vielleicht der Vater des gleichnamigen Regensbuiger Meisters. Er baute fast ausschließlich nach dem breiten Stainer- modell und ließ manchmal die Einlage fehlen. Sein Lack ist feurig, dick aufgetragen und kommt Stainer sehr nahe; auch im Ton sind seine Instrumente gut. Ebner, Gotthard. — Regensburg. 1724. t4. Mai 1760 Er war Geigenmacher und Musiker. Sein Modell er- innert in gleicher Weise an Stainer wie an Amati; an den letzteren namentlich in bezug auf die Schnecke und die F-Löcher. Er hatte einen gewöhnlichen brau- nen oder gelbroten Lack und nahm ziemlich hohe Wölbung, die Einlagen ersetzte er oft durch gezeichnete Linien. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1749 besitzt der Füssener Kirchenchor. Geigenzettel: Gotthard Ebner Lauten- und Geigen- / macher Music. fecit Ratisbonae , 1724 (gedruckt). Ebner, Otto. — Augsburg. Geb. 10. Dez. 1883 in Breitenfeld i. Vogtland Schüler von Aug. Wilh. Ficker in Markneukirchen. Als Gehilfe arbeitete er bei Albin Oscar Zimmer, dann bei F. C. Louis in Saarbrücken und kam 1903 zu G. Pie- gendorfer nach Augsburg, nach dessen Tod er die Werkstatt leitete, die er dann am I. Oktober 1906 18 Ecchii Edl er käuflich erwarb. Im September 1907 legte er die Meisterprüfung ab und bewährte sich seitdem als würdiger Nachfolger seines trefflichen Vorgängers. Er befaßt sich hauptsächlich mit dem Neubau von Streich- instrumenten nach Stradivarl und verwendet einen guten Ollack. Geigenzettel: Otto Ebner / Gg. Piegendorfer / fecit Augsburg 1912 (gedruckt). Daneben Emblem mit der Augsburger Stadtmarke und den Buchstaben 0. E. und G. P. darunter. Ecchio, Giovanni. — Rom. 1610 Sohn des »Giorgio«. Vermutlich ein Flamländer, der im Anfang des 17. Jahrhunderts in Rom ansässig war und wohl van Eecke, Hecke oder van Eycke hieß. Seine Heimat wird einmal als »Diocesi di .^ugusta« (Augsburg), das zweitemal aber als Anversa (Ant- werpen) angegeben. Dieser Giovanni Ecchio dürfte mit Giov. Hec identisch sein. Echinger, Karl. — München. 1861 Vielleicht ein Sohn des Würzburger Geigenmachers. Seine Gitarren und Zithern sind besser als seine Geigen, wenn diese auch nicht gerade schlecht sind. Echinger. — Würzburg. 1840 Mittelmäßiger Geigenmacher aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eckart (Eckert), Heinrich. — Mannheim. Geb. in Mannheim 1 5. Juni 1 81 1 , f nach 1 878 Er war von Hause aus Geiger und als Hofmusiker in Mannheim angestellt, wo er sich schließlich auch mit dem Geigenbau beschäftigte. Als Reparateur scheint er viel Zulauf gehabt zu haben, obwohl seine Arbeit nur als dilettantisch bezeichnet werden kann. Seine Werkstatt übernahm 1879 H. Keßler. Geigenzettel : Reparirt von Heinrich Eckart / in Mann- heim (gedruckt). Ecklid, A. 0. 1890 Drontheim (Norwegen). 1880. Seine Hardangergeigen sind besser als seine Violinen, obwohl er sauber arbeitet und auf der Internationalen Ausstellung in Liverpool 1886 eine bronzene Medaille erhielt. Edel, Gustav. — Saulgau (Württemberg) Ein Liebhaber, der als leidenschaftlicher Geiger, nach- dem er sich zur Ruhe gesetzt hatte, anfing, selbst Geigen zu bauen. Er erwarb sich durch großen Fleiß und sorgfältiges Studium eine ungewöhnliche Hand- geschicklichkeit. Besondere Sorgfalt verwendet er auf die Zusammensetzung des Lackes, wobei ihm sein früherer Beruf als Apotheker sehr zustatten kommt. Eder, Hannes. — Hallem. 1667 Der älteste bis jetzt bekannte Geigenmacher seines Wohnorts. Er zeichnet sich durch gute Arbeit, die unter dem Einfluß der Slainerschen Richtung steht, aus. Eine Geige von ihm besitzt das Chorherrenstift Neustift bei Brixen in Tirol. Geigenzettel : Hannes Eder Geigen- / macher in Hallein , 1667 (geschrieben). Eder & Gaguin. — Rouen. 1835. 1837 Eine Geigenmacherfirma, die zwar nichts Hervor- ragendes hinterlassen hat, aber doch künstlerischen Zielen zustrebte. Guillaume Lebreton arbeitete eine Zeitlang mit ihnen zusammen. Edholm, Sv. — Westingby (Schweden). 1834 Eine schwedische Geige trägt seinen geschriebenen Re- paraturzettel. Geigenzettel : Reparerad af Sv. / Edholm uti / Wessting- by är 1834 (geschrieben). Edler, F. Ch. (I). — Frankfurt a. M. Geb. 1820, f 1871 Gründer der bekannten Firma in Frankfurt a. M. Er erhielt 1864 für gute Instrumente ein Diplom. Sein Sohn: Edler,F.Ch.(II). — Geb. 1851,t6.Dez.l895 erhielt 1881 eine silberne Medaille für seine Violinen, doch befaßte er sich hauptsächlich mit dem Handel mit alten Geigen. Sem Sohn und Schüler: Edler, F. Ch. (III). -Geb. 1876 wurde sein Nachfolger. Er ist Großherzoglich Sächsi- scher und Landgräflich Hessischer Hofgeigenmacher- meister und erster Vorsitzender der Meisterprüfungs- kommission und erhielt auf der Zweiten Musikfach- ausstellung in Leipzig 1909 »für hervorragende Lei- stung« die Staatsmedaille des Herzogs von Sachsen- Altenburg. Auch als Kenner alter Geigen erfreut er sich eines großen Ansehens. Er erfand einenT-Balken für Streichinstrumente und eine ~>Verbesserung am Stimmstock«. Edler, Hans. — München. Geb. 16. Jan. 1889 zu Frankfurt a. M. Sohn des F. Ch. Edler 11. Er besuchte die Oberreal- schule bis 1903 und trat dann bei seinem Bruder F. Ch. III in die Lehre, ging später zu J. J. Held nach Bonn und trat dann im Jahre 1907 als Gehilfe bei Adolf Romer in Freiburg i. Br. ein. Nach Beendigung seiner Militärdienstpflicht ging er im Jahre 191 1 nach München zu Giuseppe Fiorini, wo er Gelegenheit hatte, sich nach jeder Richtung zu vervollkommnen. Bei Ausbruch des Krieges wieder zu den Waffen gerufen, stand er bis zum November 1918 im Felde und machte sich im darauffolgenden Jahre in München selbständig. Durch sorgfältige Arbeit im Neubau und in der Re- paratur, sowie durch sein Geschick, den Ton alter Geigen wirklich zu verbessern, erwarb er sich schnell einen guten Ruf. Er gilt als ein tüchtiger Kenner der alten Meister und besitzt eine hübsche Sammlung wertvoller Geigen. Er ist auch Schriftführer des Landes- verbandes der Musikinstrumentenmacher Bayerns. Geigenzettel: Hans Edler / Geigenmacher / München 19 . . (gedruckt). Edl in^er 119 Edlinger, Hans Georg. — Augsburg. Geb. 28. März 1666, 1 1696 Zweiter Sohn von Thomas Edlinger. Da er jung starb, kommen Arbeiten von ihm nur selten vor. Er heiratete am 27. Mai 1691 Maria Nigrius (Nigrinuss) aus Sün- ching(en), die bereits am 1 1 . Februar 1696 als Witwe vorkommt und an diesem Tage für ihre beiden Töch- ter Anna und Maria Theresia Vormünder bestellt. Sie heiratete dann am 2. Februar 1697 den Lautenmacher jakob Fichtel, aber auch dieser starb ihr drei Jahre später, und am 23. Oktober 1701 vermählte sie sich, zum dritten Male, mit dem Geigenmacher Gregor Ferdinand Wenger. Edllnger, Josef Joachim. — Prag. Geb. 7. März ]693 1nPrag. t30. Mai 1748 Sohn und Schüler von Thomas (11) E. Er bereiste nach beendigter Lehrzeit fast ganz Italien und arbeitete hauptsächlich in Cremona, Rom, Neapel, Bologna, Ferrara und Venedig. Gründlich ausgebildet kehrte er gegen 1 728 nach Prag zurück, wo er von nun an tätig war. Am 2. Februar 1 728 erlangte er das Bürgerrecht auf der Kleinseite und gelangte zu hohem Ansehen. Er war Mitglied des Sechsmänneramts und der Nikolaus- Bruderschaft. Seine Geigen und Lauten werden über die seines Vaters gestellt^), und Ihm verdankt es die Prager Gelgenbauschule zuerst, daß man auch aus- wärts auf sie aufmerksam wurde. Er wurde in der Johanniskirche unter dem Felsen begraben. Er war nicht verheiratet. Seine Erbinnen waren die Schwe- stern Therese und Anna Perlocher; seine Werkstatt mit allen Vorräten an Instrumenten, Holz und Werkzeugen hinterließ er dem vierjährigen Sohne seiner Dienerin, Josef Michl, mit dem Wunsche, daß dieser den Geigen- bau erlernen möge, wozu er ihm noch außerdem 200 fl. Rhein, vermachte. — Sollte dieser Josef Michl nicht vielleicht identisch sein mit Josef Muschl? — Seine Arbeit Ist gut; sein Modell knüpft an italienische Vor- bilder an und hat flache Wölbung. An vielen seiner Gelgen Ist der Lack jetzt gänzlich zerstört; auch sonst haben sie stark gelitten. Eine Gitarrenlaute mit schöner Rosette Im Schalloch (Dachstern) besitzt der Maler Wenig In Prag mit dem Zettel : Josephus Joachlmus Ed- llnger / me fecit Pragae / Anno 1732 (gedruckt). Gelgenzettel : Josephus Edllnger / me fecit Pragae 1 733 (gedruckt). Edlinger, Thomas I. — Augsburg. 1656. te.Okt. 1690 Er stammte aus Groß-KIrchhelm in Kärnthen und ließ sich 1656 In Augsburg nieder, wo er die Tochter Matthias Hummels (s. d.) heiratete. Im Augsburger Hochzeitsamtsprotokoll vom 6. Februar 1661 heiß es: »Thomas Edllnger von Groß-KIrchhaimb aus Cärndten Lautenmacher und Elisabetha Humblin, hiesig, beide ledigen Standes« . . . usw. Aus dieser Ehe gingen drei ^) Baron sagt: »In Prag haben sonst Thomas und Joseph Edllnger Vatter und Sohn sich hervorgethan, und ist absonderlich der letztere eine ziemliche Zeit In Italien gewesen, daß man sich schon was gutes von seiner Faust versprechen mag*. Kinder, Thomas 11, Hans Georg und eine Tochter hervor. In zweiter Ehe heiratete er Barbara geb. Baur (Baür) aus Kirchheim. Im Pflegschaftsbuche von 1696 wird er bereits als »seelig« aufgeführt. Er besaß viel Handgeschicklichkeit: seine Geigen sind leicht zu er- kennen; die Wölbung geht ohne Hohlkehle vom Rand empor, Ist hoch, aber in der Brust flach. Auch die Zar- gen sind hoch, die F-Löcher groß und der Lack dunkel- braun. Das Holz Ist gut und der Ton ziemlich kräftig. Das Museum Francisco-Carollnum in Linz besitzt eme Taschengeige von Ihm, eine ebensolche sowie eine Laute aus dem Nachlasse Hans Makarts und eine sehr originelle Tenorviola da Ganiba und eine Laute aus de Wits Sammlung befinden sich In W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln. Eine besonders schöne Taschengeige, nach .^rt der Viola d'amore besaitet, be- sitzt Daniel Fryklund in Sundsvall (Schweden), die er auch in einem hübschen .Aufsatz beschrieben hat. Gelgenzettel: Abb. 186 und 187. Edhnger, Thomas (II). —Prag. Geb. 23. Nov. 1662 in Augsburg, t 20. Jan. 1729 in Prag Er war jedenfalls ein Schüler seines Vaters Tliomas Edllnger und nicht von J. Stainer, wie W. Sandys be- hauptet ; er kann jedoch möglicherweise bei J. Stainer gearbeitet haben. In Augsburg wird er zuletzt am 18. Februar 1690, schon majorenn, genannt. Kurze Zeit darauf dürfte er nach Prag gegangen sein. Er lernte dort die Witwe des Geigenmachers L. Brater (geb. 1653 als Tochter des Gelgenmachers A. Ott und t 19. Mal 1701) kennen, mit der er sich am 17. Mai 1692 ver- heiratete, nachdem er am 8. Mai desselben Jahres das Bürgerrecht auf der Prager Kleinseite erworben hatte. Edlinger war sehr wohlhabend und besaß außer dem Hause Nr. 210 In der Spornergasse »bey den 3 Geigen« Getzt Nerudovä ulice), wo sich auch seine Werkstatt befand, noch ein zweites Haus. Er starb am 20. Januar 1729 und wurde in der Wenzelskirche in eigener Gruft an der Seite seiner Frau begraben. Er hinterließ zwei Söhne, von denen der eine sein Schüler und Nachfolger wurde. Im Stift Ossegg befindet sich eine Laute von Ihm aus dem Jahre 1718 (Kat. Nr. 23) und eine von 1700 (Kat. Nr. 48); einen Kontrabaß von 1713 besitzt Fürst Lobkowitz auf Schloß Raudnitz, eine schöne Viola von 1719 besaß der Geigenmacher Eman. E. Ho- molka In Prag, Königl. Weinberge, und ein Violoncello von 1723 befindet sich In der Prager Lorettokirche. Gelgenzettel: Thomas Edlinger / fecit Pragae Anno 1729 (gedruckt). — Thomas Edllnger , Lauten- und Geigenmacher in Prag 1719 (gedruckt). Eesbroeck, Jan van. — Antwerpen. 1 583. 1 585 Geboren In Mariakerck als Sohn von Josse van Ees- broeck. Er wurde am 9. Dezember 1583 als Bürger von Antwerpen aufgenommen und war ein seinerzeit hoch- geschätzter Lautenmacher, der aber auch manches gute Clavecin gemacht hat. Gelgen mit seinem Namen, die jetzt im Handel vorkommen, müssen wohl ausnahms- los als Fälschungen betrachtet werden. Egan, J. — Dublin Nur als Verfertiger von irischen Harfen bekannt. 120 Egerland — Elg Egerland, Christian Carl. — Klingenthal. 1 784 Sohn und Nachfolger von Johann Christian E. und wohl auch dessen Schüler. Egerland, David Friedrich. — Klingenthal. 1733 Wahrscheinlich einer aus Böhmen eingewanderten Exulantenfamilie entstammender Geigen- und Lauten- macher. Egerland, Johann Christian. — Klingenthal. 1748 Sohn und Nachfolger von David Friedrich E. Als Geigenmacher nicht hervorragend. Eghngton. — London. 1800. 1802 Seine Geigen zeigen zwar unbeholfene Arbeit, haben aber nichtsdestoweniger einen ansprechenden Ton. Geigenzettel: Eglington fecit, / Drury Lane London 1802 (gedruckt). Ehlers, Joachim. — Wien. 1825 Als Gitarren-, Harfen- und Klaviermacher bekannt, der auch einige Erfindungen gemacht hat. Ehrlich, Adolf. — Gablonz a. Neiße Begründete im Jahre 1892 eine Geigenmacherwerkstatt, die er seither wieder aufgegeben hat, um sich aus- schließlich auf den Handel zu verlegen. Ehrlich, Wilhelm. — Dresden. Geb. um 1820, t 4. März 1887 Er besaß als Reparateur einen wohlverdienten Ruf, und seine neuen Geigen sind mit Fleiß und Gewissen- haftigkeit gearbeitet. Sein Geschäftsnachfolger ist Ferd. Patzelt. Ehrmann, W. C. — Albany (New York). Geb. 1860 in Albany Sohn eines eingewanderten Württembergers, Schüler von Charles Andersen in Denver. Er vervollkommnete sich auf mehrmaligen Reisen nach Europa, wo er auch gründliche Musikstudien trieb. Er hat ein neues Zargen- system für Streichinstrumente erfunden, dem er den vollen Ton seiner Arbeiten, die in Amerika viel Anklang finden, zuschreibt. Geigenzettel : W. C. Ehrmann / Maker / Albany N. Y. 1908 (geschrieben). Eibich. — Posen Eine Musikinstrumentenmacherfamilie. Ignatz E. be- gründete 1790 in Posen eine Klavierfabrik. Von seinen elf Söhnen, die alle sich mehr oder minder dem Musik- instrumentenfach widmeten, war Konstantin (geb. 27. Januar 1823, f 24. April 1890) ein nicht ungeschick- ter Geigenmacher. Seine noch lebenden Brüder Roman und Max E. betrieben ursprünglich andere Gewerbe und haben jetzt Musikinstrumentengeschäfte, in denen auch Geigen usw. repariert werden. Geigenzettel: Reparirt K. Eibich / in Posen 1871 (ge- druckt). Eichentoph (Eichendopf), J. H. — 1726 In einem am 9. Dezember 1773 aufgestellten Verzeich- nis der im Besitz der damaligen Hofkapelle in Köthen in Anhalt befindlichen Musikinstrumente wird eine »Viola von Eichentoph 1726" aufgeführt. In demselben Verzeichnis werden dann noch »zwei Dis-Hörner von J. H. Eichendopf« erwähnt. Die Viola und die Hörner sind wohl Werke des gleichen Meisters, über den ich bis jetzt nichts Näheres ermitteln konnte. Eichner, G. - Elberfeld. 1814. 1815 In einer leidlich gut gemachten Geige fand sich sein Name. Er war wohl nur ein Dilettant und nur vorüber- gehend in Elberfeld ansässig. Sein Name kommt weder in den Elberfelder Geburts- und Sterbe-, noch in den Heimatsregistern von 1810 — 1832 vor. Auch alle an- deren Nachforschungen nach ihm waren vergeblich. Geigenzettel: Abb. 190. Eims, Joh. Nie. Carl. — Hamburg. 1799 Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und wurde am 12. April 1799 Bürger. Eisele (Aisele), Michele. — Brescia. Geb.1614, lebte noch 1664 Vielleicht ein Sohn jenes Jakob Heisele (s. d.), der 1619 und 1620 für den Hof in Modena arbeitete. Geigen oder Lauten von Michele E. sind bisher nicht bekannt, nur zwei Steuererklärungen von 1655 und 1664, in denen er seinen Namen »Aiseli« und »Aisili« schreibt, und sich ausdrücklich mit den Worten »di natione todesco leutaro in Brescia dall anno 1638 in qua« als Deutscher bekennt. Eisenmann, H. — London. 19. Jahrhundert Seine Geigen waren gut gemacht, ohne durch besondere Vorzüge aufzufallen. Besser sollen ihm Violen gelungen sein. Eitle. — München. 1904 Ein Hauptlehrer an der Städtischen Höheren Töchter- schule, der im Jahre 1904 beim Patentamt eine Erfin- dung angemeldet hat, die eine Neukonstruktion der Geige bezweckte, um die Ubungszeit abzukürzen und dem Musiker neue Möglichkeiten zu eröffnen. Man hat jedoch über diese Erfindung seitdem nichts mehr gehört. Elemann, Johann. — Augsburg. 18. Jahrh. Seinen Zettel veröffentlicht P. de Wit. Im Augsburger Stadtarchiv war nichts über diesen bisher kaum be- kannten Meister zu ermitteln. Geigenzettel: lohann Elemann, Violin- und Lauten- macher in Augspurg 17.. (gedruckt). Element s. Clement Elg, Jonas. — Stockholm. Geb. vor 1690, t 12.Jum 1732 Einer der ältesten schwedischen Geigen- und Lauten- macher. Er war in zweiter Ehe mit Brita Ström ver- heiratet und hinterließ zwei minderjähiig?; Söhne. Geigen von ihm trifft man selten, häufiger dagegen Elga Emil miliani 121 Lauten und Theorben. Eine solche von 1713, reich geschmückt mit Schnitzwerk und Malerei, bewahrt das Staatsmuseum in Abo (Finnland), eine andere von 1729 besitzt das Musikhistonsche Museum in Stockholm. Dasselbe Museum besitzt auch eine in ein Violoncello umgearbeitete Tenorviola da Gamba und einen Kon- trabaß. In der Sammlung Hammer war sein Name auf einem Reparaturzettel zu finden, und eine Viola da Gamba ist in der Kopenhagener Sammlung zu sehen. Geigenzettel: lonas Eig: / Me fecit in ' Stockholm 1718 (geschrieben). — Jonas Elg Fecit / Holmiae Anno 1 729 (gedruckt). — Jonas Elg Renovavit / Holmiae / 1730 (gedruckt) und Abb. 196. Elgas (Ellgas), Georg Paul, lebte um 1760 in Graslitz Elgas, Josef. — Schönbach bei Eger. 1826 Unter den besseren Geigenmachern seines Heimatorts aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wird auch er genannt. Ellersieck, Albert. — Rostock, Greiz, Berlin. Geb. 1843 in Magdeburg Er war ursprünglich Musiker, erlernte durch Selbst- studium den Geigenbau und ließ sich zunächst, 1878, in Rostock als Geigenmacher nieder; 1895 siedelte er nach Greiz und 1900 nach Berlin über. Er bildete sich ein eigenes großes Modell, das er jedoch nach Fertig- stellung der siebenten Geige wieder aufgab. Seitdem baut er fast ausschließlich nach dem großen Stradivari- modell. Anfangs zog er gelbroten Spiritus-, später mageren OUack vor. Er versteht es sehr gut, das alte Aussehen seiner Vorbilder nachzuahmen, und ist auch bekannt als guter Saitenmacher. Er erhielt auf sechs Ausstellungen Preise. Geigenzettel: Alb' Ellersieck / Atelier für Kunstbau von Streichinstrumenten / Rostock i/M. 1892 (gedr.). Ellersieck, Hellmuth. — Chnstiania. Geb. 1886 m Rostock Sohn von Albert E. Er lernte von 1900—1903 in Mark- neukirchen, wo er seine Gesellenprüfung mit Aus- zeichnung ablegte. Er arbeitete dann bei Friedel in Berlin und ging nach Beendigung seiner Militärzeit zu Hjorth nach Kopenhagen, wo er sechs Jahre lang blieb. Im Sommer 1914 kam er nach Chnstiania, wo er nach J. Rummelhoff Hansens Tod dessen Werkstatt über- nahm und sein ebenbürtiger Nachfolger geworden ist. Elllot, J. 0. — Norungen (Elfsborgs län, Schweden). 1897 Em geschickter Dilettant, der in seinen Mußestunden Geigen macht. Elsler (Elster), Johann Joseph. — Mainz. 1717. 1750 Ein seinerzeit hochgeschätzter Meister, der mit Job. Ulr. Eberle auf einer Stufe steht. Seine Arbeit ist sehr sauber, das Holz, namentlich der Decken, meist recht gut; seine Geigen nähern sich dem Stainermodell; am besten gelangen ihm aber doch Violen und Gamben. Sein Lack ist gelbbraun. Eine siebensaitige Baßviola aus dem Jahre 1 728 mit einem Frauenköpfchen am Wirbelkasten aus der Sammlung Snoeck (Nr. 487) findet sich in Berlin. Eine Gamba von 1730 besitzt Alfred Keil in Lissabon. Eine Altviola von ihm befindet sich in der Sammlung Galpin (Hatfield). Geigenzettel: Joannes Joseph. Elsler Lauten und Geigenmacher / Meyntz 1717 (gedruckt). Eist, Aert (oder Arnold), van der. — Ant- werpen. 1576. 1579 Er kommt 1576 und in den folgenden Jahren in den Gilderegistern zwar nur als Clavecinmacher vor, doch soll es ein Bildnis von ihm geben, auf dem er eine Theorbe in der Hand hält. Embergher, Luigi. — Rom. 1898. 1910 Lebt als Saiteninstrumentenmacher in Rom und gilt als der beste römische Mandolinenmacher. Emde, J. F. Chr. — Leipzig. Geb. 1806, tnach 1874 In seinen jüngeren Jahren machte er einige Geigen, die saubere Arbeit zeigen, wenn sie auch weder im Holz oder Lack noch im Ton über die Mittelmäßigkeit hinauskommen. Beim besten Willen konnte er eben nicht ersetzen, was ihm an Talent fehlte. So wurde er mit der Zeit sehr pedantisch und suchte in Neben- sachen das Heil seiner Kunst. Er schwor darauf, daß der Leim nur über einem Holzkohlenbecken gekocht werden dürfe; statt des Leimpinsels gebrauchte er ein in seine Fasern zerklopftes Rohrstückchen ; das An- wärmen der zu leimenden Holzteile durfte gleichfalls nur über dem Kohlenfeuer geschehen, so daß alle Fugen angeraucht wurden. Er verarbeitete niemals vor- gearbeitetes Geigenholz, sondern sägte alles, selbst die Zargen, vom Holzklotz mit einer Handsäge und hielt auch seine Gehilfen mit Peinlichkeit an, in gleicher Weise zu arbeiten. Besser war er im Wiederherstellen und Ausbessern alter Geigen und hatte deshalb ziem- lich viel Zulauf. In seinen letzten Jahren war er immer kränklich und mißmutig und konnte selbst nicht mehr arbeiten, aber er hielt sich den ganzen Tag in der Werkstatt auf, um seine Gehilfen scharf zu überwachen. Sein Sohn und Schüler Tli. Franz E., geb. 1837, starb 1874. Geigenzettel: J. F. Chr. Emde ' Bogen — Instrumen- tenmacher in Leipzig / Verfertigt 1840 (gedruckt). Emerson, Elijah. — Boston Amerikanischer Geigenmacher der Gegenwart. Emery, Jean. — Genf. 1722 Bisher nur durch den von P. de Wit veröffentlichten Zettel bekannt. Geigenzettel : Fait ä Geneve par Jean Emery Maitre Luthie. / l'An 1722 (gedruckt). Emlllanl, Francesco de. — Rom. 1704. 1736 Er arbeitete gut im Stile Tecchlers und bevorzugte eine hohe Wölbung, bei kleinen Violinen aber nahm er die 122 Enderes — Engleder Wölbung flacher. Das Holz ist sorgfältig gewählt, der Lack gelbrot bis braun und die Schnecke sehr schwung- voll und tief gestochen. Der Ton gut, jedoch klein. Geigenzettel: Franciscus Emilianus Roma (gedruckt). — Abb. 183. Enderes (Endres), Andreas. — Füssen. 1622 Er wurde am 18. Dezember 1622 in die Füssener Lautenmacherzunft als Meister aufgenommen. Enders. — Großbreitenbach Mehrere Mitglieder dieser Familie haben um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert handwerksmäßige Musik- instrumente, darunter auch Geigen, hergestellt. Enel. Charles. — Paris. Geb. 14. Juli 1880 in Mirecourt Schüler von G. Bazin und L. Mougenot. arbeitete bei Silvestre und Maucotel, dann in der Schweiz und in Deutschland, ging dann nach Paris zurück, wo er sich selbständig machte und mit Felix Bolleker verband. Geigenzettel: Charles Enel / Paris 19 . . N" . . [und Monogramm] (gedruckt). Engelfried, Franz. — Rottenburg a. Neckar Ein Orgelbauer, der gelegentlich auch Geigen repariert hat. Engelhard.— ? 1742 Eine Leier (Vielle) im Musee de Cluny in Paris trägt die Inschrift: »Engelhard fecit 1742«. Enger, Gulbrand. — Kopenhagen. Geb. 1822 in Norwegen, f 1886 in Kopenhagen Schüler von Th. Jacobsen und VuiUaume. Nach Jacobsens Tod führte er dessen Geschäft eine Zeitlang für die Witwe fort und eröffnete später seine eigene Werkstatt in der Sqvaldergade. Er baute sehr gute Violinen und Violoncelli von kräftigem und gesundem Ton und war auch gewissenhaft und sorgfältig im Wiederherstellen. Geigenzettel: Gulbrand Enger , Kjobenhavn. 1854 (gedruckt). Enger, Hagbart. — Kopenhagen. Geb. 1860 Sohn und Schüler von Gulbrand E. Er machte größere Reisen, arbeitete bei D. Bittner in Wien und Rieger in München und ließ sich dann in seiner Vaterstadt nieder. Engl, Adalbert. — Berlin. Um 1900 Seine Arbeit wurde mir gelobt, doch hatte ich keine Gelegenheit, eine Geige von ihm selbst zu sehen. Engl, Julius. — Wien 1921 Einer der vielen Erfinder, die den Ton der Geige ver- bessern wollten. Er sucht sein Ziel dadurch zu er- reichen, daß er im Innern der Decke die Jahresringe durchschneidet und acht bis zehn dünne Querstäbchen einleimt. Engleder, Alois (aus Großberg bei Regens- burg). — Budapest (Ofen.) Geb. um 1812, tum 1883 Schüler von Fischer in Regensburg (dessen Frau seine Tante war), Bruder von Andreas, Ludwig und Joseph E. Er war wenig begabt, machte mittelmäßige Geigen nach Stradivari, hauptsächlich aber nach Nie. Amati. Auch als Reparateur war er ohne Bedeutung. Er ver- wendete meist spröden Spirituslack. Geigenzettel: Aloys Engleder / reparavit Budae 1862 (gedruckt). Engleder, Andreas. — München. Geb. um 1810, t nach 1860 Er stammt aus Großberg bei Regensburg und war Schüler von Fischer in Regensburg, dessen Neffe er war, und von Vauchel. Er war einer der besten Geigen- macher Münchens um die Mitte des 19. Jahrhunderts und damals wohl der gesuchteste Reparateur Bayerns. Über seine Versuche, neue Formen für den Geigenbau zu finden, schreibt u.a. Prof. Dr. Schafhäutl: »Bei seinem Saitenquintett versuchte der Künstler eine neue Form. Die oberen Backen der Violine waren beinahe schräg abgestutzt, so daß sie ohne Ecken ganz leicht in die Brust übergingen ; auch die Enden der Unter- backen waren weggefallen ; dagegen waren diese Unter- backen beinahe in eben dem Verhältnisse vergrößert, als die oberen Backen in Fläche vermindert wurden, £o daß ein birnenähnlicher Umriß entstand. Schubert schlug im Jahre 1803 die Gitarreform für die Geige vor, Galbusera in Mailand führte 1813 diesen Vor- schlag aus, Engleder veränderte nun auch das Verhält- nis der Backen. Er erzielte nur einen einseitigen Erfolg, denn gegen den brillant klingenden Diskant fiel der Baß ungemein ab.« Prachtvolles Holz, tadellose Arbeit. 1854 Medaille. Geigenzettel: Abb. 196. Engleder, Johann Ulrich. — Kelheim. 1865 Wohl ein Bruder von Joseph E., wenn nicht ein Sohn. Auch er soll in Regensburg gelernt haben. Er war recht tüchtig, baute auch viele Zithern, am besten blieben aber doch seine Violinen, da er sich stets gutes Tonholz zu verschaffen wußte. Engleder, Josef. — Kelheim. Geb. 31. Dez. 1815. tum 1860 Er war zuerst in Rainhausen bei Regensburg ansässig und verheiratete sich am 15. Oktober 1838 in Kelheim mit Maria Anna Fichs aus München (geb. 31. Oktober 1814). Er dürfte in Engelstadt oder in Schierling ge- storben sein, wo je einer seiner Söhne verheiratet ist. Sein Sohn Franz ist Lehrer in München. — Der Name »Josef Engleder« findet sich in seinen Arbeiten öfter eingebrannt, so auch in einer schönen, dunkelrot lackierten Viola d'amore in W. Heyers Musikhistori- schem Museum, woselbst sich auch noch ein Violon- cello mit Löwenkopf und eine fünfsaitige Viola befin- den. Eine sehr sauber gearbeitete Zither von ihm besitzt X. Kerschensteiner. Geigenzettel : Reparavit Jos. Engleder Instru / menten-- macher in Kelheim 1840 (gedruckt). Engleder — Epp 123 Engleder, Ludwig. — Bamberg. Geb. 1811, t 2. Febr. 1873 Schüler von Fischer in Regensburg. Er eröffnete am 1. August 1835 in Bamberg als vierundzwanzigjähnger Mann seine eigene Werkstatt ; obwohl er sehr tüchtig war, brachte er es doch zu keinem nennenswerten Wohlstande, so daß er im Alter froh war, im Bürger- spital auf dem Michaelsberge aufgenommen zu werden, wo er als Pfründner starb. Er baute frei nach Stainer; seine Geigen usw. zeichnen sich durch vollen Ton aus. Ennemoser, Joseph. — Meran. Geb. 1875 in Obermais Nach Beendigung seiner Lehrzeit in München und nach mehrjähriger Gehilfentätigkeit machte er sich im Jahre 1902 in Meran selbständig. Er repariert Streich- instrumente und baut Zithern und Gitarren. Enrico, Giovanni di. — Rom. 1590. 1608 Ein Flamänder, der wahrscheinlich Heindnchs ge- heißen hat und in der Via dei Liutari bei Meister Cristoforo del Forno wohnte. Er erschien 1608 vor dem Tribunal des Gouverneurs, erzählte, daß er in Neapel mit seinem Landsmanne Armand Coppo als Lauten- macher ansässig war. und klagte, daß ihm zwei näher beschriebene kostbare Ebenholzgitarren im ungefähren Werte von 65 Talern gestohlen worden seien. — Bereits 1590 besaß ein Flamänder »Meister Giovanni« ein Geschäft in Rom mit dem Ladenschild »alla Trinitä«. ■ — Vielleicht ist die prächtige Laute (Orpheoreon) in der Sammlung des Pariser Konservatoriums, die sowohl römische als vlämische Züge aufweist, und die im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts entstanden sein muß, ein Werk Giovanni di Enricos. Entzensperger, Christoph. — Füssen. 1708. t3. Febr. 1747 Vermutlich der Stammvater der heute noch bestehen- den Geigenmacherfamilie, als deren Urheimat das un- weit Füssen gelegene Enzensberg (Gemeinde Hopfen) angesehen werden kann. Eine Viola d'amore aus dem Jahre 1714 von ihm besitzt das Historische Museum in Basel. Geigenzettel: Abb. 185. Enzensperger, Bernhard I. — Wien. Geb. um 1780, tum 1855 Er dürfte aus Füssen oder Sonthofen im .Mlgäu (wo im 18. Jahrhundert die Entzensperger ansässig waren) stammen. Bei wem er seine erste Lehrzeit durch- gemacht hat, ist unbekannt. In Wien kam er zu Georg Thir, als dessen Schüler er sich betrachtete. Er er- öffnete im Jahre 1812 seine eigene Werkstatt und legte am 23. Juni 1820 den Bürgereid ab. Seine Blütezeit fällt in die 30er Jahre des ! 9. Jahrhunderts. Er be- schäftigte sich viel mit akustischen Studien und erhielt auch 1831 ein Patent auf eine von ihm erfundene so- genannte »Akustikgitarre". In der Folge verlegte er sich m^hr auf den Bau von Gitarren und Zithern. Er wohnte 1820 Leopoldstadt Nr. 100, 1831 »auf der Wieden nächst dem Freyhause Nr. 6 Stiege Nr. 3 beym goldenen Adler« und 1835 •>nächst dem Theater an der Wien Nr. 24«' Geigenzettel: Abb. 193 und 195. Enzensperger, Bernard II. — Wien. Geb. 1828, t 1896 Schüler seines Vaters Bernard 1 E. Er bildete sich durch ausgedehnte Reisen weiter aus, arbeitete bei Tiefen- brunner in München, Bausch in Leipzig, Schwarz in Straßburg und Bernardel in Paris, bis er nach dem Tode seines Vaters die väterliche Werkstatt übernahm, deren alten Ruf er zu erhalten verstand. Er war ein künstlerisch veranlagter und ungemein tätiger Mann und besaß verschiedene Medaillen. Wie ein Soldat auf dem Schlachtfeld, starb er, vom Herzschlag getroffen, in seiner Werkstatt. Enzensperger, Victor. — Wien. Geb. in Wien 19. Mai 1867, t 23. Febr. 1918 Schüler seines Vaters Bernard 1 1 E. Er sollte ursprüng- lich Geiger werden und ging nach beendeter Lehrzeit vom Jahre 1882 — 1889 in die Fremde, arbeitete nach seiner Angabe in Salzburg, München und in den Haupt- orten der Geigenindustrie: Mittenwald, Schönbach und Markneukirchen, übernahm nach dem plötzlichen Tode seines Vaters am 2. Mai 1896 das väterliche Geschäft und beschäftigte sich mit dem Instrumentenhandel und der Reparatur von Geigen. Er verwendete bei Repara- turen Sprit-, beim Neubau Ollack. Außerdem machte er auch andere Saiteninstrumente und hauptsächlich Saiten. Geigenzettel : Abb. 202. Epp (Oepp), Georg (Jörg). — Wien, f um 1 632 Ein Füssener Lautenmacher, der es in Wien zu einem gewissen Wohlstand gebracht hatte, aber schon bald nach der Geburt seiner einzigen Tochter Anna Maria starb. Sein Geselle Marcell Hollmayr, der sein engerer Landsmann war, führte die Werkstatt für die Witwe Rosina fort, die ihn im Jahre 1633 heiratete und so zum Nachfolger ihres ersten Ehemannes machte'). Epp, Johann Jakob. — Straßburg i. E. Geb. 1639 m Straßburg. 1669 Altester Sohn von Math. E., war Lautenmacher, wie sein Vater, und wohl auch dessen Schüler. Eine Tenor- viola da Gamba mit seinem gedruckten Zettel neben dem seines Vaters befindet sich in W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln. Geigenzettel : Hanß Jacob Epp / in Straßburg (gedr.). Epp, Magn. (?). — Füssen. 1600 Eine rundbauchige, einfache Laute von roher Arbeit trug diesen Namen. Der Taufname war nicht sicher leserlich; die Jahreszahl könnte auch 1609 geheißen haben. Er ist vielleicht der Stammvater der Straß- burger Familie. ) Vgl. E. K. Blümml, Beiträge zur Geschichte der Lautenmacher in Wien, Zeitschr. f, Musikwissenschaft 1920, Heft 5, 124 Epp — Erich Epp, Martin. — Straßburg. Geb. 1641 in Straßburg, t 1671 Jüngerer Sohn von Math. E., ein seinerzeit geschätzter Lautenmacher. Epp (Aepp), Mattheus (Mathias). — Straß- burg 1. E. Geb. in Füssen um 1610, f nach 1671 Er wanderte als Lautenmacher in Straßburg ein und heiratete dort 1638 die Rosina Salome Windschläg (Kirchenbücher M. 109). Er war ein tüchtiger Künstler und hat nach Baron »breitspänichte Instrumenta ver- fertiget und unterschiedene Lauten aus Elfenbein ge- macht«. Im Jahre 1652 wurde er nach Stuttgart be- rufen, wo er für die Hofkapelle zwei Diskantgeigen und eine Theorbe aubesserte. Je eine Taschengeige mit Elfenbeineinlagen befindet sich in der Sammlung des Pariser Konservatoriums (Nr. 104^)) und im Musik- histonschen Museum von W. Heyer in Köln eine zur Gitarre umgearbeitete Laute (vom Jahre 1671). Auch Baron Benkendorff in St. Petersburg besitzt eine schöne mit Elfenbein geäderte Taschengeige von ihm mit einem Frauenköpfchen am Wirbelkasten aus Elfenbein. Geigenzettel : Matheus Epp / in Strasburg 1656 (gedr.) und Abb. 201. Erahr. — Mäcon. Um 1820 Grillet nennt ihn mit der Bemerkung, daß er Leiern im Stile Louvets gemacht habe. Ist der Name nicht aus Erard (Erhard) entstanden? Im Archiv zu Macon ist nichts über ihn zu finden. Erard, Sebastien. — Paris. Geb. m Straßburg 1752, fm Paris 1831 Ein ausgezeichneter Klavier- und Harfenbauer. Ergele, Joh. Conrad (Vater). — Waldshut. Geb. um 1725, t 11. Febr. 1788 Em Geigenmacher, über dessen Leben ein von seinem Sohne geschriebenes Hausbuch einige Auskunft gibt. Er hatte mit seiner ersten, 1762 verstorbenen Frau, geb. Hattenbach, sieben Kinder, heiratete zum zweiten Male und wurde, wie der Sohn schreibt, »mit dieser Ehe so angeführt, daß er keine schlechtere Frau in Waldshut hätte bekommen können; alles mußte versoffen sein«. Seine Geigen zeigen denselben Stil wie die der Familie Straub. Ergele, Johann Conrad (Sohn). — Freiburg i.Br. Geb. 26. Aug. 1750 in Waldshut, t 10. Juni 1821 Schüler seines Vaters, ging 1 766 in die Fremde und kam 1772 wieder heim, wo er eine Stiefmutter vorfand. Er erzählt in einem erhaltenen Hausbuche die traurige Lage, in die er dadurch kam : »Meine Stiefmutter zer- schnitt mir meine Hemmeter, die ich aus der Frembd gebracht habe zu Windeln für ihre Kinder; ich hatte .Arbeit und genug zu verdienen, aber es half nichts, ja ) Im Katalog wird der Name irrig »Sup* angegeben. meine Stiefmutter trug die Früchte unter der Predig an den Sonntagen aus dem Hauss, kurz ich war es müde, dies länger anzusehen. Anno 1774 ging ich nach Rheinfelden, erzählte es meiner Schwester (die aelteste i. Ehe), lieh von ihr 50 fl. und ging also den 27. April nach Freiburg.« Dort mietete er in der Pfaffengasse eine Wohnung, hing ein Schild aus und hatte sich in elf Monaten bereits 200 fl. »erbaust«, so daß es ihm in den Sinn kam, Bürger zu werden, was ihm mit dem Opfer fast aller seiner Ersparnisse endlich auch gelang. 1775 verheiratete er sich mit der Metzgerstochter Maria Anna Knüpffer und erhielt 250 fl. Mitgift. Seine Auf- zeichnungen schließt er mit den Worten: »Gott sey gedankt, niemahls keine Noth gelitten.« Seine Geigen sind recht gut und kommen noch häufig vor. Seine Kinder waren : 1 . Joh. Nep., geb. 5. Mai 1 777 ; 2. Maria Magd., geb. 14. Juli 1778; 3. Joh. Conrad, geb. 1. Juli 1779, t 12. März 1791 ; 4. Franz Josef us, geb. 28. Febr. 1782; 5. Ferdinand, geb. 3. Febr. 1784. Geigenzettel: Abb. 192 und 194. Erggelet (Ergele), Johann Nep. — Freiburg i.Br. Geb. 5. Mai 1777, f 1863 Schüler seines Vaters Joh. Conr. (Sohn) E. und dessen Nachfolger. Er verheiratete sich am 13. September 1808 mit Jungfer Sophia Dräher und galt bis in sein hohes Alter als tüchtiger Meister seines Faches. Er schrieb sich fast ausschließlich »Erggelet« statt Ergele, welche Rechtschreibung auch die Nachkommen übernommen haben. Geigenzettel : Abb. 200. Erhard, Paul. — Genua. 1690 Ingenieur Höselmeyer in Dresden besitzt eine Geige mit dem etwas fragwürdigen Zettel: »Paul Erhard / Geigenmacher / Genua 1690«. — In Italien seßhaft gewordene deutsche Geigenmacher haben durchweg italienische oder lateinische Zettel verwendet. Auch der kurze Wortlaut ist für die Zeit etwas verdächtig. Erich (Enchsen), Daniel. 1660 Lübeck. 1642. Er war Lautenist und Lautenmacher und bat am 7. Oktober 1642 den Rat der Stadt Lübeck um Zu- lassung, wobei er versprach, das Bürgerrecht zu er- werben. Er schrieb: »Nachdem für einem halben Jahre Albert Uhlig (Olrich) gewesener Violen- und Lauten- macher allhie mit todt abgegangen, wan ich dan in meiner Jugend die Kunst lauten, Violen und clero- gleichen musikalische Instrumenten zu verfertigen er- lernet« . . . usw. Seiner Bitte wurde entsprochen; es wurde ihm der Bescheid: »Dass er neue Lauten, Violen und andere musikalische Instrumente zu machen ver- lehnt worden, hatt ein Hochw. Raht decretieret, weil ihme die Musikanten ein gutt Bezcugniss geben, sey er damit Zeit seines Lebens belehnt.« Er wurde somit Uhligs Nachfolger. Ein Verwandter seines Vorgängers, vielleicht dessen Sohn, ließ sich später gleichfalls in Lübeck als Lautenmacher nieder, worüber man im Wetteprotokoll den Eintrag findet: »Am 27. April 1649 klagt Daniel Erich, privilegierter Lauten, Violen und Instrumentenmacher gegen Diedrich Olnchs, der seine Ernst ■ — Ervine 125 Kunst nicht recht erlernet« — weil er »einen Tonier Scharden«, einen Schulknecht, und Caspar Schuh- macher, einen Soldaten, in die Lehre genommen, *ob- wohl ein blinder dem andern den wegh nicht zeigen kann". — Im Marientaufbuch findet man ihn 1646 und 1649 als Vater je eines Sohnes^), im Wochenbuche der Marienkirche kommt er noch 1660 vor. Franz Tunder, Organist und Werkmeister, ließ, »weil in der ganzen Stadt keine Tenorviol zu bekommen, die etwas taugt«, für die Marienkirche zwei Tenorviolen, die 15 Mark kosteten, bei ihm anfertigen. Sonst ist nichts weiter über ihn bekannt geworden. Ernst, Franz Anton. — Gotha. Geb. zu Georgenthal an der sächs. Grenze in Böhmen 3. Dez. 1745, t 13. Jan. 1805 zu Gotha In Prag beendete er das Studium der Rechtswissen- schaft, betrieb aber dabei eifrig Musik, besonders das Geigenspiel. Er wurde erst Syndikus in Georgenthal, trat dann in die Dienste des Grafen Salm und bildete sich nunmehr vollkommen zum Musiker aus. Als sol- cher kam er 1 773 nach Prag zurück und erzielte große Erfolge. 1778 wurde er als Konzertmeister nach Gotha berufen. In den letzten zehn Jahren seines Lebens trat er nicht mehr öffentlich auf, sondern beschäftigte sich ausschließlich mit dem Geigenbau, dem er sich, viel- leicht durch Eberle angeregt, schon früher aus künst- lerischem Interesse zugewendet hatte; ja er nahm jetzt noch besonderen Unterricht in der Mathematik, um noch Vollendeteres im Geigenbau leisten zu können. Er stellte dann eine auf mathematisch-physikalischer Grundlage beruhende Ausmessung der Violine auf und berechnete die Dickenverhältnisse des Holzes. Seine Geigen, die nach Stradivari gemacht sind, zeigen flache Wölbung und werden sehr gelobt: selbst Spohr be- nutzte sie gerne in seinen Konzerten. — Er kompo- nierte sehr viel, doch ist nur weniges gedruckt erschie- nen. Sein bester Schüler im Geigenbau war J. A. Otto. Er veröffentlichte in der Leipziger» Allgemeinen Musi- kalischen Zeitung«, Bands, 1804, S. 50, einen Aufsatz »Noch etwas über den Bau der Geige«, in welchem er erzählt, daß er »seit etlichen und zwanzig Jahren« zahlreiche Versuche mit Geigen gemacht habe, daß das Modell nicht verbessert werden könne, und daß er nun Geigen »nach den schönsten Formen des Stradivarii« zu verfertigen imstande sei, »so stark vom Tone, als ihn das Ohr des Spielers nur vertragen kann«, und zwar nach der von ihm »eigens erfundenen Ausmessung und Ausarbeitung, wodurch aller Zwang inwendig beseitigt ist«. Leider hat er seine Methode nicht beschrieben, so daß sie als verloren betrachtet werden muß. Vgl. u. a. Journal für Fabrik, 1800, Juni, S. 522. Eine Geige von ihm besitzt Zigarrenmacher Witzel in Gotha. Ernst, J. Carl. — Elberfeld. 1815 Nur als Reparateur bekannt. ^) Sein gleichnamiger Sohn, ein Schüler Dietr. Buxte- hudes, wirkte 1675 — 1679 als Regalist auf dem Chor der Marienkirche und wurde zu Michaelis 1679 als Organist nach Güstrow berufen. Er war als Klavier- und Orgel- komponist nicht ohne Bedeutung. Vgl. J. G. Walthers Lexikon, S. 229, K. Straube, Choralvorspiele alter Meister. Erritzoe, Jakob. — Hannover. 1880 Als Wiederhersteller alter Geigen besaß er eine gewisse Geschicklichkeit; neue Geigen von ihm kenne ich nicht. Erthel, Leopold. — Venedig. 1710 Diesen Namen mit Wohnort und Jahreszahl trug eine bei Puttick & Simpson in London vor einigen Jahren versteigerte Violine. Ein Fälscher würde vielleicht einen bekannteren Namen gewählt haben, man kann daher immerhin glauben, daß ein Deutscher im Anfang des 18. Jahrhunderts sein Glück als Geigenmacher in Ve- nedig gesucht hat. Leider waren Nachforschungen an Ort und Stelle während des Krieges unmöglich. Ertl (Erdtl), Jakob. — Preßburg. Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts Er stammte aus Keiling in Mähren und erwarb am 2. April 1813 das Bürgerrecht in Preßburg. Er war der Vater von Karl und wahrscheinlich auch von Johann Anton Ertl. Eine Violine von ihm besitzt der Preß- burger Domchor. Ertl, Johann Anton. — Wien. 1809. 1828 Er soll zwar schon seit 1785 nachweisbar sein, doch legte er als Geigenmacher erst am 16. November 1810 den Bürgereid ab und wohnte Stadt Nr. 902. Schon 181 1 erscheint er als Untervorsteher der Geigen- und Lautenmacherinnung in Wien. Seine Arbeit ist gut. Geigenzettel : Mit allerhöchstem Privilegium / Johann Ertl in Wien (gedruckt). [Österr. Adler] Johann Ertl in Wien/ 1809 (gedruckt). Ertl, Karl. — Preßburg. 1835. f um 1870 Als Sohn von Jakob E. in Preßburg geboren, erwarb er am 15. Dezember 1835 das Bürgerrecht in seiner Vaterstadt. Er steht in seiner Arbeit Leeb und Schweit- zer nahe und hat, wie der letztere, allerlei chemische Versuche angestellt, um den »Cremoneser Lack zu er- gründen«, und dabei wenigstens so viel herausgebracht, daß sein Lack für seine Zeit sehr gut genannt werden kann. Seine Arbeit war sehr sauber, und besonders geschickt verstand er eingelegte Instrumente herzu- stellen. In Schillings Lexikon (1830) wird er den besten Geigenmachern zugezählt. Eine Geige, drei Violen, ein Violoncello und drei Bässe von ihm besitzt der Preß- burger Domchor. Georg v. Scharitzer in Preßburg be- sitzt einen mit farbigen Hölzern eingelegten Kontrabaß von ihm. Geigenzettel : Abb. 1 99. Ervine, Robert. — Belfast. Geb. 1860 unweit von Belfast Er ist gelernter Zimmermann, hat sich aber bereits seit seinem zwölften Jahre mit dem Geigenmachen be- schäftigt. Er erlangte eine besondere Geschicklichkeit im Reparieren und hat bis 1904 sieben neue Geigen gemacht, für die er 1895 in Belfast eine Bronzemedaille erhielt. Er baut nach Stradivari und Guarneri und ver- wendet Whitelaws Öllack von goldbrauner Farbe. Geigenzettel: Made by / Robert Ervine / in Belfast / 1893 No . . (Kreis mit Initialen] (gedruckt). 126 E. S. Lvers E. S. - 1462 Herr Dr. Karl Voll in München besitzt eine Clster mit der Inschrift: »E. S. / MCCCCLXII«. Die Buchstaben gleichen den Lettern des Gutenbergschen Alphabets; die sparsam angebrachten Verzierungen des Instru- ments sind gotisch ; der Knopf am Wirbelkasten zeigt durch Einschnitte und hervorstehende Nase eine Fratze. Holz und Arbeit entsprechen der Jahreszahl der In- schrift. Das Instrument scheint deutschen Ursprungs zu sein, und wenn die Buchstaben den Verfertiger an- deuten, könnte man auf Erhard Smid schließen. Ihrer Erhaltung nach ist diese Cister ganz besonders be- merkenswert, die wohl eine der ältesten unter den datierten ist. Esmenjand, A^. — Barcelonette. 1821 Nur ein Reparaturzettel gibt Nachricht von seinem Dasein. Geigenzettel: Repare par A* Esmenjand / de Barce- lunette 1821 (gedruckt). Esposlto, Glosue. — Neapel. 1890. 1900 Er und seine Brüder Giovane, Pasquale und Gaetano gelten als gute, aus der Schule Vinaccias hervor- gegangene Mandolinenmacher. Estlenne, Nicolas. — Mirecourt. 1767 Ein vogesischer Geigenmacher und wahrscheinlich ein Vorfahre von Franz Ethien. Estruch, Gebrüder. — Barcelona. 1873 Lauten- und Gitarrenmacher. Ethien (Etienne), Fran^ois. — Orleans. 1804 In seiner Arbeit nicht uninteressant. Niedt in Würz- burg besitzt ein Violoncello von ihm, 75^^/2 cm lang, 34 cm oben, 43 cm unten breit. Die Wölbung ist sehr flach und läuft glatt aus, so daß der Rand nicht erhaben ist. Fischbeineinlage. F-Löcher sehr schön geschnitten, an Stradivari erinnernd. Deckenholz sehr schön, Boden und Zargen dagegen deutsches Ahornholz nach der Schwarte geschnitten. Schön geschnitzter Löwenkopf, gelber Ollack. Auf dem Boden befindet sich an der Stimmseite ein breiter und flacher Baßbalken, so daß die Stimme auf diesem zu stehen kommt. Der Ton ist frisch und singend. Geigenzettel: Fait par Fran^ois Ethien / Luthier ä Orleans 1804 (geschrieben). Etienne, Victor. — Cambrai. 1900 Er wird als »Luthier« bezeichnet und handelt auch mit Geigen. Eulry, Clement. — Mirecourt. Anfang des 19. Jahrhunderts Geschickter Mirccourter Meister, der auch hübsch ein- gelegte Mandolinen machte. Eury, Frangois. — Mirecourt. 1753. 1758 Bogenmacher. Eury, Jakob. — Mirecourt. 1770. 1780 Vielleicht Sohn von Franq:ois E. Tüchtiger Geigen- macher, wahrscheinlich der Vater des berühmten Pa- riser Bogenmachers Eury. Eury. —Paris. 1810. 1830 Vorzüglicher Bogenmacher, der in der Rue des Lyon- nais St. Jacques Nr. 20 wohnte. Die meisten seiner Bögen tragen die Brandmarke »Eury« und sind sehr schön gearbeitet; einzelne davon kommen denen von Tourte sehr nahe. Evangelides, Giorgios K. — Athen. Geb. 1860 auf der Insel Cypern Nach einer sechsjährigen Lehr- und Wanderzeit eröff- nete er im Jahre 1885 in .Athen seine eigene Werkstatt als Geigen-, Mandolinen- und Gitarrenmacher. Seine Geigen sind nach verschiedenen Meistern, seine Gi- tarren nach französischem und seine Mandolinen nach italienischem und griechischem Modell gemacht ; seine Spezialität Ist eine Lyramandoline. Er besitzt mehrere griechische Medaillen. Evangeiisti s. Vangelisti Evans, Richard. — London. 1 742 (auch 1 750 ?) Der Zettel fand sich in einem Instrument, das nach Sandys und Forsters Meinung sicher älter war als das angegebene Datum; es könnte aber auch Evans em älteres Instrument kopiert haben. Geigenzettel: Maid in the Paris of / An'irhengel (?) by Richard / Evans, Instrument makcr/ in the year 1742 (gedruckt). Eve, Jacques-Charles. — Paris. 1758. 1788 Er hatte das Ladenschild »A la fortune« und wohnte 1 758 in der Rue S. Andre des Arts, 1 770 in der Rue Culture-Saint-Catharine, 1783 in der Rue Saint- Antoine und 1788 in der Rue Ville-du-Temple Nr. 101. In seiner ersten Zeit nennt er sich »Marchand Luthier«, später kurzweg »Luthier«. Anfangs ist seine .Arbeit plump, die Wölbung hoch mit tiefer Hohlkehle, die F- Löcher an Stalner erinnernd, die Schnecke eigenartig und langgezogen. Die Zargen sind hoch und ohne Flammen, die Unterzargen aus einem Stück, der Boden zweiteilig und eng geflammt und der Lack rot. Der Ton seiner Geigen ist immer gut, und später wurde auch die Arbeit sauberer; er wechselte dann zwischen gelbem und rotbraunem Lack. Im ganzen scheint er unter deutschem oder englischem Einfluß gestanden zu haben. Eine gute Violine von ihm besitzt die Samm- lung des Pariser Konservatoriums (Nr. 18). Geigenzettel: Eve M^ Luthier, rue S. Andre des / Arts, pres la rue Dauphine Fs S. Ger- / main, ä la Fortune a Paris 1758 (gedruckt). — Eve, luthier, rue Culture- Saint / Catharine, 1 770 A la Fortune (gedruckt.) Evers, A. H. — Lübeck. 1890. 1903 Kaufmann und Instrumentenmacher, dessen Sohn in Klingenthal gelernt hat und der Werkstatt im väter- lichen Geschäfte vorstand. Evert — Faber 127 Evert, Caspar. — Lübeck. 1 657 Man weiß nur, daß er InstrumentenmacVier war und am 17. Oktober 1657 in der Marienkirche einen Sohn taufen ließ. Ewan, David. — Cowdenbeath. Geb. 4. März 1839 in Stoneyhill bei Musselburgh (Schott- land) Er ist Musiklehrer, Komponist und Leiter einer Tanz- kapelle und hat über 100 Violinen gemacht. In seiner ersten Zeit nahm er die Wölbung sehr hoch und ge- brauchte einen Spirituslack. Später näherte er sich dem Stradivarimodell, nahm aber die Wölbung höher als üblich und verwendete Bernstemlack. Geigenzettel: Dd. Ewan / Cowdenbeath / August 1889 (geschrieben). — Dd. Ewan. / Teacher of music, / Vio- linmaker and repairer , Cowdenbeath (gedruckt). Eylensteln, Adam. — Weimar. Geb. 1 1 . Mai 1705 1n Weimar, t ? Er trat 1724 bei J. H. Ruppert in Erfurt in die Lehre und wurde bereits 1731 zum Hofinstrumentenmacher in Weimar ernannt. Er war sehr vielseitig und machte nicht nur alle Arten von Geigen und Bässen, sondern auch Lauten, Mandolinen und Zithern und selbst Har- fen und Klaviere; in allem aber war er nur ein ge- schickter Handwerker. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1726 führt das am 9. Dezember 1773 aufgestelUe Inventar der damaligen Köthener Hofkapelle an. Ein Violoncello vom Jahre 1731 ist in London in Privat- besitz. Eyles, Charles. — Harpenden. 1910 Er war ursprünglich Maler und hat als solcher seine Ausbildung in Paris genossen. Später verlegte er sich auf den Geigenbau und fand bald Anerkennung in weiten Kreisen. r abbncatore. — Neapel Mehrere neapolitanische Lauten- und Mandolinen- macher führen zwischen 1770—1830 den Namen »Fabbricatore«. Ich glaube nicht, daß dies der eigent- liche Familienname ist; wahrscheinlich bezeichnete der Stammvater nur seinen Beruf damit, und die Söhne und Enkel behielten die Sitte bei, nachdem die Firma zu Ruf gekommen war. Daß die verschiedenen »Fabbri- catori<' zusammengehören, ist nach ihrer Arbeit, die vorzugsweise im Empirestil reich verziert ist, als zwei- fellos anzunehmen. Sie gehörten vielleicht einem Zweig der zahlreichen Familie Vinaccia an. Fabbricatore, Gennaro I u. II. — Neapel. 1773. 1832 Gennaro I war wahrscheinlich der Sohn, jedenfalls der Schüler von Giov. Battista F. Er machte fast nur Lau- ten, Mandolinen und Gitarren, diese aber sind pracht- voll gearbeitet und kunstreich eingelegt. Er wohnte immer in der Strada S. Giacomo, und zwar 1 773 — 1 793 im Haus Nr. 37, von 1802-1808 Nr. 26, von 1808 an wieder Nr. 37 und von 1816 an Nr. 42. Arbeiten vno ihm kommen häufig vor und sind in vielen Sammlun- gen zu finden, so eine Gitarre von 1810 bei C. Claudius in Kopenhagen und zwei solche von 1820 und 1823 im Musikhistorischen Museum in Stockholm (Nr. 30, 1 94). Eine Gitarre in Lyraform mit einem geschnitzten .Männerkopf und einem Boden aus Wurzelahorn be- sitzt Großfürst Nikolai Nikolajewitsch und J. H. Zim- mermann in St. Petersburg eine mit Ebenholz ein- gelegte sechssaitige Gitarre aus dem Jahre 1815. In seinen letzten Jahren machte er nur noch auf Bestellung Gitarren und Mandolinen, er scheint sich damals mehr dem Geigenbau zugewendet zu haben. Violinen von ihm kenne ich nicht, aber ein Violoncello vom Jahre 1826 mit seinem geschriebenen Zettel besitzt Sekretär G. Endres in Fürth. — Es gab übrigens um 1826 zwei Mitglieder der Familie mit dem Taufnamen Gennaro. Geigenzettel: Gennaro fabricatore / Napoli A. 1805 (gedruckt). — Gennaro fabricatore / Anno 1820 Napoli/ Strada S. Giacomo N» 42 (gedruckt). — -Abb. 220. Fabbricatore, Giovanni Battista. — Neapel. 1780. 1811 Trefflicher Lautenmacher, von dem ebenfalls m vielen Museen bemerkenswerte .Arbeiten aufbewahrt werden, so eine Mandure im Germanischen Museum in Nürn- berg, ein Mandorone im Museum des Pariser Kon- servatoriums (Nr. 1369), eine neapolitanische Mando- line (das Wort »Fabbricatore« fehlt hier) in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 752), ein gleiches Instrument im Gothenburger Museum, ein solches von 1 782 im Städtischen Museum zu Braun- schweig; auch bei der Auktion des Malers Ferd. Wag- ner in München kam eine Laute von ihm von 1782 zur Versteigerung. Eine Apollo- oder Lyragitarre von ihm aus dem Jahre 1805 besitzt die Sammlung der Gesell- schaft der Musikfreunde in Wien (Nr. 38). Geigenzettel: Gio Battista Fabricatore fecit / An. 1793 in S. M. dell Ajuto N° 32 / Napoli (gedruckt). — Abb. 230. Fabbricatore, Pletro. — Neapel. 1780. 1799 Der am wenigsten Bekannte der Familie; auch er machte fast nur Mandolinen und Gitarren. Eine Man- doline von ihm besitzt die Sammlung Crosby Brown in New York (Nr. 1065). Geigenzettel: Abb. 221. Fabbricatore, Vincenzo. — Neapel. 1770 Wahrscheinlich der Vater von Giov. Battista, Gennaro und Pietro. Seine .Arbeiten, hauptsächlich Mandolinen und Lauten, sind gewöhnlich nicht so reich eingelegt wie die der jüngeren Mitglieder der Familie. Faber, Josef. — Augsburg. 1 588 Ein Musikinstrumentenmacher, der 1588 ein nicht näher bezeichnetes Instrument ins Stipendium nach Tübingen lieferte. Er war wahrscheinlich ein Ver- wandter von Wolfgang Faber. 128 Faber — Farotti Faber (Fabrlcius), Wolf (Wolfgang). — Mün- chen. 1556. 1563 Er war Organist und fertigte Musikinstrumente (Or- geln, Flöten, Klavizimbeln, Lauten u. dgl.) an. Vgl. Westenrieders Beiträge III, 74 und Franz Trautmann, «Die Altmünchener Meister«, im I. Jahrgang des Jahr- buchs für Münchener Geschichte. Fabian, Julius. — Landeck. Glatz i. Schi. Geb. in Glatz oder Landeck 1826, f 29. Mai 1894 in Glatz Er war gelernter Tischler und hat erst in reiferen Jahren, angeblich bei Vincenz Beck, den Geigenbau erlernt. Zunächst ließ er sich in Landeck nieder und übersiedelte erst im Jahre 1862 nach Glatz. Er besaß viel Handgeschicklichkeit und war ein vielbeschäftigter Reparateur. Er hat einen Stimmsetzer für die Violine, der sich sehr bewährt hat. erfunden und machte auch Versuche mit einem neuen Baßbalken. Fabris (Fabbris), Luigi. 1873 Venedig, f nach Seine Violinen sind gute Durchschnittswaren, doch hat er auch einige vorzügliche Geigen und Violoncelli gebaut; auch sein roter Lack ist nicht schlecht. Beim Ausbessern alter Gelgen legte er große Sorgfalt an den Tag. Geigenzettel: Luigi Fabris feclt. / Venezia, .Anno 1838, Premiato con .Medaglia d'argento all' Esposizione di Treviso 1872 (gedruckt). — Luigi Fabris fecit , Venetia l'anno 1860 [in Umrahmung] (gedruckt). Facini, Fra Agostino. — Bologna. 1732. 1742 Ein Mönch aus dem Orden Johanns von Gott. Sein Geigen, die an Tononi erinnern, zeichnen sich durch gute Arbeit, reizvolle Form und schönen, gelben oder gelbroten Lack und saubere Einlagen aus. Die F-Löcher sind nach Stradivari geschnitten, der Ton ist weich und edel. Geigenzettel: Fr. Augustinus Facini ; Ord^. S. Joanis de Deo / Fecit Bononiae ; 1733. (geschrieben). Färber s. Oskar Zimmer Fagnola, Annibale. — Turin. 1902 Ein geschickter Geigenmacher, der ganz in der Art von Pressenda und Rocca arbeitet. Er verwendet einen roten Lack. In einer Violine mit ganzem Boden, nach Guarneri, die Ränder der Schnecke schwarz gestrichen, fand sich sein Name (zweimal) mit Tinte geschrieben im Innern der Decke. Er imitiert Pressenda so genau, daß viele seiner Arbeiten als echte »Pressenda« im Handel sind. Geigenzettel: Annibale Fagnola fece Torino 1902 (ge- druckt) und Abb. 227. Faillita, Antonio. — ? 1761. 1791 In englischen Geigenverzeichnissen findet sich wieder- holt dieser etwas fragwürdige Name als der eines ita- lienischen Geigenmachers. Falaise (Falaire?). — (Paris?) Französischer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. Er steht Pique nahe, ist gut in der Arbeit, verwendet schönes Holz und baut nach Amati und Stradivari. Sein Lack ist von gelber Farbe und nur dünn aufge- tragen. Jacquot erwähnt einen 1774 — 1789 in Mire- court vorkommenden Joseph Fallaire. Falco. Paolo. — Cremona. 1750. 1752 Seiner Arbeit nach kann er als ein Schüler der Bergonzi (vielleicht B. Bergonzis) gelten. Falisse, Auguste. — Brüssel. 1912 Ein talentvoller Geigenmacher, dessen Arbelt bei einem Vergleichsspiel mit alten Meistergeigen den ersten Preis erhielt. Falke, Wilhelm. — Hannover-Linden Ein Tischler, der sich aus Liebhaberei mit dem Geigen- bau beschäftigt. Fallet, Alfred. — Dombresson. Geb. 1 1 . Mai 1846 in Dombresson (Neuchätel, Schweiz) Nach einer fünfjährigen Lehrzeit, und nachdem er in verschiedenen fremden Werkstätten gearbeitet hatte, machte er sich 1891 In seiner Vaterstadt selbständig als Gelgenmacher und Kunsttischler, fertigte nach Stradivari Violinen, Violoncelli und Bässe und verwen- dete Spiritus- und Öllack. Seine Geigen haben einen lauten Ton. Auf der Genfer Ausstellung 1896 erhielt er eine Bronzemedaille. Geigenzettel: .Alfred Fallet / Dombresson-Neuchätel (Manchmal mit Datum) (gedruckt). Farinato, Paolo. — Venedig. 1695. 1725 Seine Geigen haben manche .Ähnlichkeit mit denen Serafino Santos. Er verwendet ein hübsches Modell und einen gelblich-rötlichen Lack. Besonders gut sind seine Violen, in deren Umrissen er manchmal recht originell ist. Faron, Achilles. — ? 1701 Vidal erwähnt ohne nähere Angaben einen Geigen- macher dieses Namens und nennt als Wohnort »Ratis- bonne«. In Regensburg sowohl als im Königl. Kreis- archiv Amberg ist keine Spur zu finden, Mettenleiter erwähnt ihn nicht, und der Klang des Namens läßt auch auf keinen Deutschen schließen. Vidal muß schlecht gelesen haben. — Auch in Ratibor habe ich vergeblich nachgeforscht. Farotti, Celeste. — Mailand. Geb. 1864 Durch Selbststudium erlernte er den Gelgenbau und hat schon recht gute Instrumente gemacht. Sein ge- druckter Zettel zeigt auf der einen Seite das Mai- länder Wappen, auf der andern eine Blume und hat den folgenden Wortlaut. Gelgenzettel : Farotti Celeste / da San Germano di Casale/Fece in Milano nell" anno 1901 C. Farotti (handschr.) (gedruckt). I Faruzi — Feiinreiter 129 Faruzi, Francesco. — Venedig. 1853 Hauptsächlich mit dem Ausbessern alter Geigen be- schäftigt, hat er nur selten neue Instrumente gebaut. Fasanaro (Fasanari), Luigi, lebt In Neapel Fasani, Giovanni. — ■ Brescia. Geb. um 1785, tum 1850 Er stellte 1831 eine Violine nach Stradivari aus und machte auch alle anderen Bogeninstrumente. Seinem Zettel nach stammt er aus Cremona. Geigenzettel: Jo. Fasani Cremonensis / restauravit Brixiae an. 1832 (gedruckt). Fassauer-Ferron, Gustav. — Chicago. 1912. 1914 Guter amerikanischer Musikinstrumentenmacher und Händler. Faßmann, Gustav. — Magdeburg. Geb. 12. Nov. 1858 in Tagewerben, f 27. Dez. 1893 Er erwarb 1 888 das Geschäft von Bernhard Dünkel und war Geigen- und Bogenmacher. Seine Arbeit war hand- werksmäßig gut, verriet aber keine Künstlerschaft. Faßmann, Ludwig Ernst. — Magdeburg. 1 894 Nach dem Tode seines Bruders Gustav F. übernahm er dessen Geschäft, in welchem er jedoch den Schwer- punkt auf die Herstellung von Blechinstrumenten legte. Fattorlnl, Francesco. — Finale Emilia. 1854 Ein Dilettant, der einige Kontrabässe gebaut hat. Fauger, Henri. — Cognac. 1900 Ein Musikinstrumentenhändler, der auch eine Geigen- macherwerkstatt besitzt. Faure, Toussamt. — Lyon. 1555. 1564 Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und dürfte daher auch Lauten und Violen gebaut haben, obwohl sich bis jetzt nichts Näheres über ihn erfahren ließ. Faust, Georg. — Prag (Altstadt). 1588 Ein Lautenmacher aus Büchel (Bähl) in Baden. Er wurde 1588 am Montag nach hl. Veit (15. Juni) Prager Bürger. Faustlno. — Lucca. Modena. 1 7. Jahrhundert Er wird in einem Gedicht von Angelini di Piere erwähnt : vFracassate chitarre e violini Furono a Faustin natio Lucchese Ch'essere ripenti ea suo' confini Escito, e aver cambiato il suo paese.« Valdrighi Nr. 1007.) Fautroulllot, Fran^ois. — Mlrecourt. 1751. t 1774 Bisher nur urkundlich nachgewiesen. Favrot s. Fevrot V. Lüto^cnHorff, G<>ig;en- und Lautenmacher. Bd. II Faye. — Angouleme (Dep. Charente). 1895, fvor 1900 »Luthier« vom Ende des 19. Jahrhunderts, dessen Ge- schäft die Witwe fortsetzte und dann dem Sohn über- gab. Jetzt heißt die Firma »Vve Faye fils«. Febvre (Febbre) s. J. B. Lefebvre Fedeli, Giuseppe. — Follgno. 1 9. Jahrhundert Es gibt Geigen mit seinem Namen, doch scheint er sich fremder Mitarbeit ausgiebig bedient zu haben. Feierabend, Leo. — Engelberg (Obwalden). 1848. 1855 Ein braver Schweizer Geigenmacher, der hauptsächlich im Ausbessern alter Instrumente tüchtig war. Wien. Geb. um 1785, Feiger^) s. Syller Feiinreiter, Franz. t 17. April 1866 Seine Geigen sind brav gearbeitet, vorzüglich gelangen ihm aber seine Kontrabässe, die er braun lackierte. Da ihm sein Lack wohl selbst nicht gefiel, ließ er seine besseren Geigen bei N. Sawitzki lackieren. Der Lack dieser Geigen ist gelblich und bedeutend schöner als der seiner Bässe. Er verwendete auch F. F. als Brand- marke (Nr. 20). Geigenzettel : Franz Feiinreiter , Geigen- und Guitar- macher / in Wien / auf der Laimgrube N«. 180 (gedr.). — Gemacht von F. Feiinreiter/ Gefirnißt von N. Sa- witzki (gedruckt). — Abb. 203. Feiinreiter, Georg. — Wien. Geb. um 1820, t 25. Dez. 1878 Braver Wiener Geigenmacher ohne Eigenart, dessen Violinen zu derb im Holz sind und daher wenig Ton haben. Dagegen hat er sehr gute Kontrabässe gebaut. Er war auch ein tüchtiger Musiker und als Baßgeiger Mitglied der Hofoper. Eine Geige von ihm besitzt das Stift Klosterneuburg. Feiinreiter, Johann. — Wien. Geb. um 1789, t 26. Okt. 1867 Wahrscheinlich ein Bruder von Franz F. Geigen von ihm kommen selten vor und sind nicht hervorragend in der Arbeit. Feiinreiter, Leopold. — Wien. 1888. f 1904 Er war hauptsächlich Musiker und hat schwerlich das Geigenmachen regelrecht erlernt. Er wurde jedoch Nachfolger von Georg F., dessen Sohn er gewesen sein dürfte. Seine Geigenreparaturen waren stümperhaft, am brauchbarsten waren noch seine Kontragitarren. Er war in dem Wiener Vorort Penzing ansässig. Geigenzettel : Leopold Feiinreiter / Geigenmacher Pen- zing / Postrase (sie) reparirt No. 1 00 ano. 1 888 (gesrhr.). ^) In einigen Werken kommt der Name Feiger vor, der durch schlechtes Lesen des Wortes »Geiger« entstan- den ist. 9 130 Fekete ■^- Fendt Fekete, Michael (Mihaly). — Budapest. 1915 Ungarischer Geigenmacher der Gegenwart. Feldt, Thomas. — Wien. 1676 Am 30. Juni 1676 erlangte er als Lautenmacher das Wiener Bürgerrecht. Er ist möglicherweise ein Sohn von Magnus Feldtlen (Feldlen). Feldtle, Jörg. — Füßen. 1650 Er galt als tüchtiger Meister und wohnte in der »Vor- stadt«. Magnus Feldtlen dürfte sein Bruder gewesen sem. Feldtlen (Feldlen, Feldten, Felden), Magnus.— Wien. 1656 Er war Kaiserlicher Hoflautenmacher. Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien besitzt von ihm eine Viola di Bordone (Baryton, Nr. 2), oben 6, unten 13 Saiten, die sie 1826 vom Stifte Herzogenburg als Geschenk er- halten hat. Valdrighi führt diesen Meisler mit der Jahreszahl 1722 auf. Wenn man nicht annehmen will, daß er ein so hohes Alter erreicht habe, dann müßte ein Lesefehler vorliegen. Andere lassen ihn dagegen schon 1550— 1556 gelebt haben. Geigenzettel: Magnus Feldlen Kais Hof Lauten- / und Geigenmacher in Wienn 1656 (gedruckt). Feldtmann, Christian. — Oldenburg i. Gr. 1890 Hofkapellmeister, »Erfinder« einer Geige mit mitklin- genden Saiten, die er Zimbalgeige nannte. Felipuci, Pier Ludovico. — Pesaro Er soll um 1660 gelebt haben. Felszner, C. — Kopenhagen. 1842 Wahrscheinlich ein deutscher Musiker, der Geigen ge- flickt hat. Geigenzettel : Repariert von 0. Felszner / Kopenhagen. 1842 (geschrieben). Pendler, Emil. — Czarnikau (Posen). 1918 Ein Musiker, der aus Liebhaberei Geigen ausbessert und lackiert und sich darin eine gewisse Geschicklich- keit angeeignet hat. Fendt, Bsrnhard. — London. Geb. um 1775, angeblich in Innsbruck, f um 1832 m Lon- don, 57 Jahre alt Er war ein Neffe des Pariser Fendt und soll nach einer Überlieferung in seiner Familie aus Schwaz in Tirol stammen, wo er auch den Geigenbau erlernt haben dürfte. Leider war es unmöglich, einen urkundlichen Beweis dafür zu ermitteln. Ich glaube nicht, daß die Familie Fendt tirolischen Ursprungs ist, auch wenn sich einzelne Mitglieder dort ansässig gemacht haben, wie z. B. der begeisterte Musikfreund Abbe Fendt, der einst das wundervolle Guarnenvioloncello besessen hat, das jetzt dem Violoncellisten Bottermund gehört. Viel- leicht kommt man unserem Geigenmacher näher, wenn man beachtet, daß sich im Taufbuch zu Dinkelsbühl in den Jahren 1657—1665 fünf Täuflinge aus der Fa- milie Fendt finden, darunter am 2. April 1662 ein Bernhard Fendt, der der Großvater des Geigenmachers gewesen sein könnte. Leider verschwindet der Name Fendt nach 1665 in allen Dinkelsbühler Matrikeln. Fendt ging in jungen Jahren auf die Wanderschaft, und es ist nicht unmöglich, daß er in Italien, vielleicht auch in Cremona gearbeitet hat, was nicht viel sagen will, da die italienische Schule damals schon ganz in Verfall geraten war. Nach anderen soll er schon als sieben- jähriger Knabe zu seinem Oheim nach Paris gekommen sein und bei diesem gelernt haben. In den letzten Jah- ren des 18. Jahrhunderts kam er nach London und ar- beitete von 1798 — 1809 bei Th. Dodd. Hierauf war er für Betts beschäftigt, und die meisten seiner trefflichen Amati- oder Stradivarikopien tragen Betts Namen. Außer Violinen usw. baute er auch sehr gute Bässe. Er ist in der Aylesbury Street, Clerkenwel!, gestorben und hinterließ vier Söhne, die alle Geigenmacher waren. Fendt, Bernhard Simon (Simmon). — London. Geb. in London 1800, f 6. März 1852 Ältester Sohn und Schüler von Bernhard F. in der Werk- statt von Betts. Nachdem er seit 1823 für die Nach- folger von Betts gearbeitet hatte, verband er sich mit George Purdy zu der Firma Purdy and Fendt. Er war überaus fleißig und geschickt, aber nicht sonderlich sorgfältig. Wenn er aber wollte, konnte er seine Meisterschaft beweisen ; namentlich gelangen ihm Kopien des großen Amatimodells, und noch in seinem letzten Lebensjahre erhielt er auf der Lcndoner Aus- stellung 1851 für ein wundervolles Quartett nach Gu- arneri den ersten Preis. Seine Bässe baute er nach G. da Salö, sonst aber war Stradivari sein Vorbild. Das Holz ist gut gewölbt und der Lack hellrot. Eine 1820 gebaute Violine von ihm stellten W. E. Hill & Sons in der Londoner Music Loan Exhibition 1904 aus. Fendt, Francis. — London, Liverpool. 1850 1857 Vierter Sohn von Bernhard F. Schüler seines ältesten Bruders Beruh. Sim. F. Er war kein besonders ge- schickter Geigenmacher, arbeitete eine Zeitlang für die Firma Purdy & Fendt und ging 1856 nach Liverpool, wo er in kümmerlichen Verhältnissen lebte. Fendt, Franq:ois s. Fent Fendt, Jakob. — London. Geb. 1815, f 1849 Dritter Sohn von Bernhard F. und Schüler seines äl- testen Bruders Bernh. F. Ein sehr talentvoller Geigen- macher, der Stradivari und Lupot mit Erfolg zum Vor- bild nahm, leider aber schon frühzeitig starb. Er ar- beitete viel für Händler und hatte auch die Leiden- schaft, seinen Arbeiten künstlich das Aussehen höheren Alters zu geben. Fendt, Martin. — London. Geb. 1812, f 1845 Zweiter Sohn und Schüler -von Bernhard F. Er ar- beitete fast ausschließlich für .Arthur Betts, so daß man fast nichts von ihm kennt, doch war er nicht unge- schickt: sein Holz ist gut, der Lack hellbraun. Fendt " erraii 131 Fendt, William. - London. Geb. 1 833, f 1 852 Jüngster (zweiter) Sohn von Bernhard Simon F. Schü- ler und Gehilfe seines Vaters. Da er sehr jung starb, hat er nur sehr wenige Instrumente, darunter aber gute Violen und Bässe, gemacht. Geigenzettel: William Fendt, Jun. / London 18 . . (ge- druckt). Fenga, Luigi. — Catania (Sizilien). Geb. 29. Sept. 1866 in Catania Er erhielt eine gelehrte Vorbildung, hielt sich fünf Jahre in Paris, London, Rom und Neapel auf und begründete dann eine Firma in seiner Vaterstadt. Er befaßte sich zuerst nur mit Gitarren und Mandolinen, seit 1900 auch mit Geigen. Er erhielt in Rom 1899 eine goldene, in Paris 1900 eine silberne Medaille, scheint aber das Geschäft jetzt wieder aufgegeben zu haben. Geigenzettel : .'Muisius Phaenga Catanensis fecit 1 900 / Luigi Fenga-Catania (Italia) (gedruckt). Fenouillet, Michel. — Paris. 1717 Eine sehr hübsche Bauernleier trüg diesen Namen. Fent, Fran^ois. — Paris. 1765. 1791 Ein wahrscheinlich aus Schwaz in Tirol eingewanderter Meister, dessen Name dort noch vor drei Jahrzehnten vorkam, der aber wahrscheinlich seine erste Lehrzeit bei einem Füssener Meister durchgemacht hat. .Auf einem handschriftlichen Zettel bekennt er sich aus- drücklich als Deutscher und gibt als seine .Adresse »Montmartre pres de la rue du Mail « an. Später wohnte er dann Cul-de-sac Saint Pierre. Er gilt als einer der geschicktesten Pariser Geigenmacher seiner Zeit, der die Italiener und besonders Stradivari gut studiert hat und trefflich nachzuahmen verstand. Ausgezeichnete Arbeit, prachtvolles Holz, schöner, rotbrauner Lack, der jetzt freilich sehr nachgedunkelt hat und fast schwarz aussieht. Sehr schön sind auch seine Schnecken, nur die F-Löcher öfter zu weit offen. Vidal macht darauf aufmerksam, daß gerade Fents Instrumente sehr stark vom Wurm angegriffen werden. Der Name wird oft Fendt geschrieben. Er selbst schrieb sich stets Fent und ließ gewöhnlich die Jahreszahl fehlen. Geigenzettel: fait par fent. / M*''« luthier Montmartre / pres de la rue du Mail a Paris / Deitscher. (geschrieben). — Abb. 218. Feofanow. — Kasan. 1900 Streichinstrumentenmacher der Gegenwart, den ein russischer Fürst ausbilden ließ, der ihm auch einige wertvolle italienische Geigen zum Kopieren lieh. Er besitzt viel Handgeschicklichkeit und verwendet einen guten Lack. Ferati, Pietro. — Siena. 1754. 1764 Die Geigen, die ich mit seinem Zettel sah, zeigten un- saubere Arbeit, gewöhnliches (grobjähriges) Holz, einen dicken, trübbraunen Lack und breite Einlage. Der Ton entsprach dieser Ausführung. Geigenzettel: Pietro Ferati / fecit Siena 1764 (gedr.). Ferenczy, Alexander (Sändor). — Debreczen. Wien. Geb. H.Juli 1859 in Budapest Schüler von Adolf Mönnig. Als Gehilfe kam er zu Thomas Zach in Wien, bei dem er fünf Jahre lang blieb. Hier schloß er erst seine Ausbildung ab, so daß er sich mit Recht als einen Schüler Zachs betrachten kann. Er arbeitete auch bei G. Lemböck, ließ sich hierauf in Debreczen als Meister nieder und blieb sechs Jahre dort; 1893 ging er zunächst nach Budapest und dann nach Wien, wo er seinen bleibenden Wohnsitz aufschlug. Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, so im Jahre 1898 auf der Jubiläumsausstellung eine Me- daille und im Jahre 1907 auf der Theater- und Musik- ausstellung eine goldene Medaille usw. Ferenczy-Tomasowsky, Karl (auch Karl F.To- masowski). — Berlin. Rotterdam, Haag, Neuyork. Geb. 1863 in Budapest Schüler von Zach und von W. J. Schunda in Budapest. Er hatte ein hübsches Quintett auf der Jubiläumsaus- stellung im Haag 1 900 und erhielt schon auf der Millen- niumsausstellung in Budapest einen ersten Preis als Gehilfe. Um 1889 soll er in Berlin gearbeitet haben, und nach allerlei Fährlichkeiten kam er schließlich nach Neuyork. Vgl. De Wits Zeitschrift 1904, Nr. 10 und 17. Feret. — Paris. 1708 Wahrscheinlich aus Nancy stammend; er nennt sich einen Schüler von Medard, den er nachgeahmt haben soll, gute Arbeit, brauner, leuchtender Lack. Geigenzettel: Fait par Feret / eleve de Medar, / annee 1 708 (geschrieben). Fergusson, William. — Edinburgh. 1815 Vielleicht ein Schüler von Perry. Er war einer der besseren schottischen Geigenmacher seiner Zeit. Später lautete die Firma Fergusson & Son. — Ein Donald Ferguson arbeitete in Huntley. Aberdeenshire. Fernandez, Francisco Lebt als Saiteninstrumentenmacher in Rio de Janeiro. Ferrand, Eugene. — La Rochelle. Geb. in Marans 16. Aug. 1848 Schüler der Brüder Rigondeau, bei denen er zwölf Jahre lernte, und deren Nachfolger er am 1 . April 1874 wurde. Er baut Klaviere, Orgeln und Geigen usw. und ist ein vorzüglicher Violoncellist. Im Jahre 1880 kaufte er auch das Instrumentengeschäft von Dureau. Ferraresi, Vincenzo. — San Feiice (Modena). Geb. um 1793. t 1869 Ein mittelmäßiger Geigenmacher, der sowohl Violinen als Violoncelli und Bässe gemacht hat und auch Holz- blasinstrumente verfertigte. Ferrari, Agostino. — Budrio. 18. Jahrhundert Vidal führt einen Geigenmacher dieses Namens ohne weitere Angaben an, aber weder in Domenico Goli- nellis »Storiche di Budrio« noch in anderen Werken 132 Ferrari — Fichtholdt findet man ihn. Auch die Kirchenmatrikeln von Budrio enthalten nicht einmal den Familiennamen Ferran, so daß es mir ganz unmöglich war, über diesen Geigen- macher irgend etwas zu ermitteln. Ferrari, Alfonso. — Carpi (Modena). 1738 Man kennt hauptsächlich Bässe von ihm. Als Geigen- macher war er schwerlich hervorragend. Ferrari, Carlo. — Siena. 1740 Er stand zweifellos unter dem Einfluß der Cremoneser, wenn er auch nur als ein Meister dritten Ranges gelten darf. Ferrari (Ferraro), Gasparo. — Rom. 1731. 1776 Unter den Ferraris der Bedeutendste. Er war haupt- sächlich Lauten- und Mandoünenmacher. Seine Arbeit ist sehr hübsch; auch sein hellgelber Lack ist zu loben. Eine Mandore von 1744 besitzt Claudius in Kopen- hagen, eine römische Mandoline die Sammlung Snoeck und eine reich eingelegte große (Archi-)Laute von un- gewöhnlicher Breite die staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin. Eine kleine, zwölfsaitige Mandoline ist in München in Privatbesitz. Eine 1776 gebaute Mandoline von ihm besitzt W. Heyers Musik- historisches Museum in Köln. Geigenzettel : Gasparo Ferraro Romano / f ecit in Roma nel mesa di Maggio / dell Anno 1744 (gedruckt). — Gasparo Ferrari Romano / Roma Ao 1751 (gedruckt). — Caspar Ferrari Romanus / fecit anno 1 776 (gedr.). Ferrari, Giambattista. — Modena. 1853. 1883 Erfinder der »Chitarra decacorda« (eine Gitarre mit zwei Hälsen und zehn Saiten) und selbst ein Virtuose auf diesem Instrument. Ferrari, Giovanni. — 18. Jahrhundert Ein bescheidener Geigenmacher, von dem sich eine schmucklose Taschengeige in W. Heyers Musikhisto- rischen Museum befindet (No. 735). Ferrer, Antonius. — Neapel. 1481 Ein Klosterbruder, der für Ferdinand I. von Neapel verschiedene Musikinstrumente machte. Von ihm heißt es in einer Urkunde: »A Frate Ant^ Ferrer, quäle fa certi stromenti da sonar por lo S. R., graciosamenta adi 4 dieto bis.« Ferri, Primo. — Mirandola. 1848. 1851 Mittelmäßig in seinen Violinen und Violoncelli. Bei Valdrighi (1028) wird er aufgezählt. Ferner, William. — Dundee. Geb. 1849 in Old Scone, Perthshire Ein Photograph, der sich aus Liebhaberei dem Studium des Geigenbaus gewidmet hat. Er hat bisher über 30 Violinen gemacht, von denen ihm viele nur als Ver- suche galten. Einige sind länger als üblich, andere zu dünn im Holz, alle aber von bemerkenswerter, schöner Arbeit. Geigenzettel: W. Ferrier / Dundee / No ... 18 . . (ge- druckt). F. E. S.(?). — Wermrichhausen. 1829 Über seinen vollen Namen und auch seinen Aufenthalt gibt die Pfarrmatrikel keine Auskunft. Nach seinem 2ettel war er ein »Scrinarius« (Schreiner). Er hat ver- schiedene Bässe gebaut, die heute noch da und dort in Franken anzutreffen sind. Die Arbeit ist handwerks- mäßig, der Lack sehr dürftig. Da er den (gewölbten) Boden auch aus Fichtenholz machte, sind seine In- strumente jetzt meistens sehr schadhaft. Geigenzettel: F E S. Srinario. Wermerichhausen / 1829 (geschrieben). Feury (Ferry), Fran^ois. — Paris. 1715. 1762 Schwiegersohn von Leclerc, geschworener Meister der Pariser Lautenmacherzunft für 1752 und für 1757. Seine Geigen haben kleines Patron, sind hübsch gebaut, haben schön geschnittene kleine F-Löcher, zierliche Schnecke. Sein Lack ist rot und dick. Er machte auch Gitarren, Mandolinen und Bässe. Eine zur Bauernleier umgebaute Gitarre aus der Sammlung Snoeck (Nr. 600) befindet sich in Berlin. Einen Baß besitzt A. Rogat. Geigenzettel : F. Feury rue des Fossez / S^ Germain de l'Auxerrois / proche la rue de l'Arbre sec / A Paris 17.. (gedruckt). — F. Feury, rue de l'Arbre-Sec / vis- ä-vis Saint Germain-l'Auxerrois / Paris 1753. Fevrot. — Lyon. 1779. 1813 Die wenigen von ihm bekannten Geigen sind von hand- werksmäßiger Arbeit. Er scheint jedoch als Reparateur viel beschäftigt gewesen zu sein. Seine Zettel sind ge- schrieben. Eine Lyragitarre von ihm besitzt Baron de Lery. Geigenzettel: Abb. 211. Feyzeau. — Bordeaux. 1740. 1770 Er arbeitete seine Geigen nach einem kleinen, hübsch gewölbten Modell; einzelne davon sind recht gut ge- macht. Sein (Spiritus-)Lack ist meist von hellgelber Farbe, der sich bei einigen Instrumenten in graubraun verändert hat. Außer Geigen machte er auch Violen, Quintone und Lyren, die ihn gleichfalls als gewandten Meister erkennen lassen. Besonders hübsch in der Form sind die F-Löcher und die Schnecke. Die Sammlung Savoye in Paris besitzt ein Quinton (von 1 765) von ihm. Geigenzettel: Feyzeau / a Bordeaux / 1760 (gedruckt). Fichtel s. auch Fichtl Fichtel (Fichd), Hans. — Füssen. 1690 Vielleicht der Sohn von Jakob F. Ein seinerzeit sehr angesehener Lautenmacher, der im vornehmsten (ersten) Stadtviertel wohnte. Fichtel (Fichtl), Jakob (?). — 1670 El kann als das älteste bekannte Mitglied der Familie Fichtl betrachtet werden. Der Vorname war nicht sicher leserlich. Nach einer schmucklosen Laute zu ur- teilen, die seinen Namen trug,, war er ein wenig hervor- ragender Lautenmacher. Fichtholdt s. Fichtold Fichtl. Alois Mathias — Fichtl, Martin Matthias II 133 Fichtl, Alois Mathias. — Mittenwald. Geb. 1764. 1810 In seiner Arbeit macht sich der Niedergang der MIttenwalder Schule bereits bemerkbar. Die Geigen sehen äußerlich noch gut aus, sind innen sorglos ge-. arbeitet und klingen deshalb unedel. Fichtl, Christoph. — Füssen. Geb. um 1695, t9.Dez. 1758 Im Füssener Umlageregister vom Jahre 1714 wird er als Lautenmacher (kinderlos) aufgeführt. Fichtl (Fichtel), Gottlieb. -Breslau. 1806. 1820 Er dürfte der Mittenwalder Familie angehört haben. Man kennt einige nach Amati hübsch kopierte Geigen von ihm. Sein Reparaturjettel findet sich in einer Laute, die angeblich C. Maria v. Weber gehört hat, und in einem Violoncello im Schlesischen Museum für Kunstgewerbe und Altertümer. Fichtl, Johann. — Wien. 1716. 1742 In den Bürger- und Steuerbüchern kommt er nicht vor; er war vielleicht der Vater oder der Bruder von Martin Matthias F. Eine Viola mit seinem Namen wurde mir 1890 in Wien von einem Händler angeboten. Fichtl, Johann Ulrich. — Mittenwald. 1750. 1769 Einer der besten Mittenwalder, der das Amatimodell kannte und gelben Lack verwendete. Seine Geigen sind dick im Holz, und die Arbeit ist sehr gut. Geigenzettel: Abb. 225. Fichtl, Joseph. — Füssen. Geb. um 1692, t 10. März 1759 In der Sterbematrikel wird er als 67 jähriger »Testudi- narius« bezeichnet. Er ist jedenfalls identisch mit dem gleichnamigen Lautenmacher, der im Umlageregister von 1737 als kinderlos aufgeführt wird. Seine Witwe lebte noch im Jahre 1774. Fichtl, Joseph Anton. — Mittenwald. Geb. 12. Aug. 1758, t nach 1790 Gute Mittenwalder Schule. Eine Viola von ihm, die er im Alter von 18 Jahren gemacht hat, besitzt das Stift St. Florian in Oberösterreich. Geigenzettel : Antonius Fichtl / 1 776. (gedruckt). Fichtl, Leopold. — Mittenwald. 1756 Klotz-Schule. Seine Geigen zeichnen sich durch leichte Ansprache und gleichmäßigen, einschmeichelnden Ton aus. Fichtl, Magnus (Mang) Anton. — Krems. Geb. 1748 (in Füssen oder Mittenwald?), t 4. Dez. 1792 in Krems (an »Abzehrung«) Um 1770 kam er nach Krems, wo er sich niederließ und am 1 2. Januar 1 779 Bürger wurde. Am 3. Mai 1 784 heiratete er Maria Anna, die Tochter des Tischler- meisters Stadler, und brachte es zu Wohlstand und .An- sehen, so daß er im Jahre 1790 zum Stadtkämmerer erwählt wurde. Seiner .Arbeit nach muß er aus Mitten- wald stammen. Er bevorzugte ein Stainermodell, ver- wendete ziemlich gutes Holz und einen rötlichen Lack. Eine gute Viola von ihm, aus einem Kloster in der Nähe von Krems stammend, besitzt Hofgeigenmacher Jaura in Wien. Geigenzettel: 'Abb. 216. Fichtl, Martin. — Mittenwald. 1768. 1770 Seine Violinen klingen gut, wenn sie auch nicht immer mit wünschenswerter Sorgfalt gemacht sind. Fichtl, Martinus Mathias I. — Wien. Geb. um 1651 (in Füssen?), f 23. Febr. 1707 In Wien Seine Violinen sind nach einem kleinen Stainermodell gebaut und im ganzen unansehnlich. Er verwendete gutes Fichtenholz, dagegen meistens nur ungeflammtes Ahornholz. Auch sein dunkelbrauner Lack ist arm und ohne Glanz. Geigenzettel: Abb. 212. Fichtl, Martin Matthias II. — Wien. Geb. um 1682, t 1768 Wahrscheinlich Sohn des Martin M. I ., F. , den er jedoch so wesentlich übertraf, daß man annehmen kann, daß er bei einem besseren Meister gelernt hat. Er wohnte als Geigen- und Lautenmacher im Kärntner Viertel, legte am 27. September 1724 den Bürgereid ab und kommt in den Steuerbüchern von 1749 (sie reichen nicht weiter zurück) bis 1768 vor. Zuletzt scheint er wegen hohen Alters nicht mehr gearbeitet zu haben, denn es heißt in den Akten bei ihm »Gewerbe feiernd«. Dadurch erklärt sich auch, daß in den Büchern der Wiener Geigenmacherzunft sein Todestag nicht ver- zeichnet wird. Er muß also in seinen letzten Lebens- jahren der Zunft nicht mehr angehört haben. Er soll seit 1706/07 in Wien ansässig gewesen sein, was die Vermutung, daß er ein Sohn des im Jahre 1707 ge- storbenen gleichnamigen Geigenmachers war, nur ver- stärkt. Er arbeitete sehr sauber nach einem großen Stainermodell, bevorzugt eine hohe Wölbung und ver- wendete nur sehr gutes, feinjähriges Fichtenholz, sowie schönes, möglichst breitgeflammtes Spiegelahornholz, und nimmt die Zargen nach der Schwarte geschnitten. Der Lack ist von schöner sattroter Farbe auf goldigem Grund. Weniger gelungen erscheinen seine Schnecken. Es gibt auch Geigen von mittelhoher Wölbung mit gelbbraunem Lack von ihm. Im Ton sind seine Geigen sehr gut und erreichen daher auch gute Preise. Daß sie sehr selten geworden sind, ist dem Umstände zu- zuschreiben, daß sie in den letzten 20 Jahren massen- haft nach England und Amerika verkauft wurden, wo sie, mit Stainer- oder Albanizetteln versehen, weit besser bezahlt wurden als in Wien. Seine besten Ar- beiten tragen Jahreszahlen zwischen 1730 und 1750. Zwei sehr schöne Violinen von ihm besitzt Hofgeigen- macher W. Th. Jaura, zwei Violoncelli, die sehr selten vorkommen, von 1737 und 1746 das Schottenstift in Wien. Auf einigen Zetteln gibt er nur den einen Tauf- namen Martinus an. Geigenzettel: Martinus Fichtl / fecit Viennae 1739 (ge- druckt). — .Abb. 21 5. 134 Fichtl FIchtl, Mathlas. —Augsburg. 1720 Vielleiclit ein Sohn von Philipp jakob F. Da dieser aber erst 1696 geheiratet hat und schon um 1701 gestorben ist, geht schon daraus hervor, daß er nicht dessen Schüler gewesen sein kann. Dagegen spricht auch die Arbeit von Mathias F., die diejenige von Phil.Jak.F. bedeutend überragt. Er verwendet ein hochgewölbtes Modell ohne Hohlkehle; nur den meist aus einem Stück gearbeiteten Boden nimmt er ziemlich flach. Das Holz ist gut, Hals und Schnecke gewöhnlich Birn- baum, die Schnecke sehr schön geschnitzt; auch der L,ack ist gut und von rotbrauner, durchsichtiger Farbe. Der Ton ist ansprechend, hell und gleichmäßig. Geigenzettel: Mathias Fichtl / Lauten- / und Geigen- Macher in / Augspurg 1 720 (gedruckt). Fichtl, Michael. — Füssen. 1737. f 13. März 1757 Im Füssener Umlageregister für 1737 wird er als Lautenmacher mit einem einjährigen Söhnlein Mang .Anton aufgezählt. Fichtl, Philipp Jacob. — Augsburg. Geb. um 1670 in Füssen, f um 1701 Nach dem Hochzeitsbuche stammt er aus Füssen und heiratete am 2. Februar 1696 die Witwe des Augs- burger Lautenmachers Hans Georg Edlinger, die er jedoch schon 1701 wieder als Witwe hinterläßt. Als Geigenmacher war er nicht bedeutend; sein hochge- wölbtes Modell hat am Rand eine deutliche Hohlkehle, die Brust ist spitz, die F-Löcher steil und lang. Das Holz ist manchmal nicht schlecht, aber fast immer zu dick. -Auch der Lack ist spröde und dünn, gewöhnlich von gelbbrauner Farbe, der Ton armselig und roh. Eine Viola mit einem Löwenkopf am Wirbelkasten be- sitzt das Zisterzienserinnenkloster Oberschönenfeld bei Augsburg. Geigenzettel; Philipp Jacob Fichtl / Lauten- und Geigen-Ma / eher in Augsburg 1698 (gedruckt). Fichtold, Christoph. — Füssen. 1650. 1666 Einer aus Lechbruck nach Füssen gezogenen Familie angehörend. Vielleicht der jüngere Bruder von Hans F. Er wohnte im zweiten Stadtviertel und betrieb außer der Lautenmacherei auch einen Kornhandel. Fichtold, Hans d. Ä. — Füssen. 1616. 1666 Er wurde am Sonntag Lätare 1616 als Meister in die Fiissener Lautenmacherzunft aufgenommen und war vielleicht der am 18. September 1598 geborene Sohn des Andreas Fichtold. Man kennt seinen Namen aus Barons »Untersuchung des Instruments der Lauten«; dort heißt es (Seite 94): »Hannss Fichtholdt, welcher noch Anno 1612 vortreffliche, auf Italiänische Art ge- arbeitete Lauten gemacht, ist auch nicht zu übergehen, an welchen Ort er aber wohnhafft gewesen, ist mir un- bewußt. Seine Arbeit, welche klein-spänicht, Ist bey denen Instrument Verständigen in grossen Werthe.« — Die Jahreszahl hat Baron wohl zu früh angesetzt, es sei denn, daß der 1650 als sehr wohlhabend vor- kommende Füssener Meister, der im vornehmsten - Ficker (ersten) Viertel der Stadt wohnte, eiiu:n gleichnamigen Vater gehabt oder daß Hans F. ein sehr hohes Alter er- reicht hat. Fichtold, Hans d. J. — Füssen. 1666. f vor . 1690 Er war ein Sohn von Hans F. d. A. und gleichfalls ein geschätzter Lautenmacher. Fichtold, Hanns. — Ingolstadt. 1650 In der Mitte des 17. Jahrhunderts soll ein Hanns Fichtold — vielleicht ein Bruder von Michel F. in Ingolstadt gelebt haben. Vielleicht aber hielt sich der Füssener Meister um diese Zeit vorübergehend in In- golstadt auf. Flchtoldt, Michel. — Ingolstadt. 1650. 1651 Leider ließ sich in der Ingolstädter Registratur nichts über ihn finden. Er war ein trefflicher Lautenmacher, von dem das Städtische Museum in Braunschweig eine schöne Theorbe (Nr. 59) und die Königl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin eine Pandore von vollendeter Arbeit (Nr. 740) besitzt. Geigenzettel: Mich. Fichtoldt Bürger und / Lauten- macher in Ingolstadt 1650 (gedruckt). — Michl Fich- toldt lauten / Macher in Ingolstat 1 65 1 (geschrieben). Fichtold (Vichtelt), Sebastian. — Füssen. 1606. 1612 Er war schon im Jahre 1606 »Fürgesetzter« (Alter- mann) und kommt noch 1612 als Mitglied der Lauten- macherzunft vor. Seine Arbeit zeichnet sich durch Sauberkeit und reiche Verzierung aus. Flck, C. — Boitzenburg a. E. 1850. 1859 Ein Musiker, der auch einige Geigen machte, die nicht unfleißig gearbeitet sind und gut klingen, aber doch eine ungeübte Hand verraten. Geigenzettel : C. Fick, Musicus fecit / Boitzenburg an der Elbe, op. 2 / 1850 (geschrieben). Ficker, August Wilhelm. — Markneukirchen. Geb. 23. Nov. 1855 Schüler von Herrmann DöUing sen., Sohn des Gitarre- machers Heinr. Wilh. F. (f 8. November 1858). Von 1872 — 1879 Gehilfe bei A. Riechers, gründete 1880 sein eigenes Geschäft in seiner Vaterstadt und verlegt sich besonders auf die Herstellung von Konzertviolinen und Violoncelli, bei denen er in neuerer Zeit auch Boden und Decke nach Dr. Großmanns System abstimmt. Er arbeitet nach Stradivan und auch nach Amati und Guarnen und verwendet meist Ollack, teilweise jedoch auch Spirituslack. Geigenzettel : Wilhelm Ficker, / Fabrikation von Streichinstrumenten / Markneukirchen i/S. (gedruckt). Ficker, Carl Friedrich (gen. Fickerhansel). — Markneukirchen. Geb. 13. Nov. 1783, t 7. Mai 1849 in Markneukirchen Sohn und Schüler von Johann Christian F. und dessen Nachfolger in der Werkstatt. Er war sehr tüchtig und Fickci, Call Muiitz — Ficker, Joliami Gcoig I. 135 wird als Lehrer von A. Riechers bezeichnet, was jedoch nicht richtig zu sein scheint. Sein Sohn, der auch Geigenmacher wurde, machte ihm wenig Ehre, da- gegen mehr sein Schwiegersohn Carl Gottlob Pfretzsch- ner. Ficker, Carl Moritz. — Markneukirchen. Geb. 20. Juni 1849 Sohn von Carl Wilh. Aug. F. Ein geschickter, fleißiger Meister. Da er aber viel für den Handel gearbeitet hat, konmien Geigen mit seinem Namen selten vor. Er ist übrigens ein Meister in der Kunst des Lackierens und ganz besonders geschickt in der Imitation alter Lackie- rungen. Ficker, Carl Richard. — Markneukirchen. Geb. 20. Nov. 1856 Sohn von Carl Wilh. Aug. F., ein sehr fleißiger und tüchtiger Geigenmacher, der den Beinamen semes Großvaters »Fickerhansel« geerbt hat. Ficker, Carl Wilhelm August. — Markneu- kirchen. Geb. 1. Aug. 1818, 1 25. April 1868 Sohn von Carl Friedrich F., Schüler seines Schwagers Carl Gottlob Pfretzschner. Er war talentvoll ; da er sich aber dem Trunk ergab, ist er schließlich herabgekom- men. Er gilt als der eigentliche Lehrer von A. Riechers. Dieser nannte seinen Lehrer allerdings '>Hans Ficker«. Mit diesem Taufnamen gab es jedoch keinen Ficker in Markneukirchen. Die verschiedenen Johann F. können nicht in Betracht kommen. Am ehesten »Fickerhansel". Ficker, Christian Samuel. — Markneukirchen. Geb. 4. April 1766, t 30. März 1819 Ein weniger hervortretendes Mitglied der Familie, immerhin aber noch ein geschickter Geigenmacher. Ficker, Friedrich Wilhelm. — Markneu- kirchen. Geb. 1794, t 1873 Sohn von Johann Gottlob F. und dessen Nachfolger. Die Geigen, die er um 1830 — 1840 gebaut hat, sind seine besten. Ficker, Friedrich Wilhelm. — Erlbach. Geb. m Markneukirchen 31. Jan. 1821 Er war zwar nicht Geigenmachers-, sondern Schuh- macherssohn, ist aber doch mit den übrigen Fickers verwandt. Er ließ sich in Erlbach nieder. Ficker, Georg Adam. — (Mark-)Neukirchen. Ende des 18. Jahrhunderts Ein Geigenmacher, von dem ich zwar Geigen (von ge- wöhnlicher Arbeit) gesehen habe, den ich aber urkund- lich nicht nachweisen konnte. Ficker, Heinrich Wilhelm. — Markneukirchen. Geb. 1832, t 1858 Sohn von Friedrich Wilhelm F. Er starb, ehe er die Hoffnungen, zu denen er berechtigte, erfüllen konnte. Ficker (Fücker), Johann Adam. — (Mark-) Neukirchen. Geb. um 1732. 1765 Sohn und Schüler von Lorenz F. Er wurde bereits am 5. Oktober 1 73 1 Meister und war ein tüchtiger Arbeiter. Ficker, Johann Christian I. — (Mark-)Neu- kirchen. 1700. 1722 Er kam wahrscheinlich als Exulant nach Neukir- chen und wird in den Kirchenbüchern noch I 720 und 1722, allerdings ohne Angabe seines Berufs, erwähnt, diesen nennt dagegen sein Zettel schon 1700. Seine Arbeit ist sorgfältig, Geigen von ihm kommen noch oft vor. Geigenzettel : Abb. 209. Ficker, Johann Christian II. — (Mark-)Neu- kirchen. Geb. um 1735. 1780 Zweiter Sohn und Scliüler von Johann Kaspar F. Er wurde am 21 . Mai 1 755 Meister und war auch ein tüch- tiger Kaufmann. Eine Violine von ihm besitzt u. a. C. Stoeber in Würzburg. Seinem Geschäftsgeiste ent- sprach es, auf seinen geschriebenen oder gedruckten Zetteln häufig Miltenwald und Cremona als Ursprungs- orte anzugeben, obwohl seine Arbeit weder tirolensch noch gar cremonesisch aussah. Im Innern des Rodens findet man häufig die Brandmarke Nr. 34 ^ I * C * F ^. Das Holz ist meist gut, die Wölbung hoch, der Lack braun. Der Ton seiner Geigen ist im allgemeinen recht gut. Er gebrauchte auch die Zettel seines Vaters, oft ohne Jahreszahl. Geigenzettel : Johann Christian Ficker / p:obe Violin fecit Cremona (gedruckt). — Johann Christian Ficker/ Probe Violino in Cremona 1 757 (geschrieben). Ficker, Johann Christian III. — (Mark-)Neu- kirchen. Geb. 7. März 1758, f 1 . Nov. 1822 Seine Geigen sind ziemlich hochgewölbt, wenn auch nicht übermäßig. Die F-Löcher sind etwas steif, da- gegen sieht die Schnecke mit ihren hübschen, hervor- stehenden Ohren und weitspurigen Gängen besser aus. Der Rand ist gewöhnlich recht schmal. Auch er hat seine Arbeiten gerne aus Cremona oder Mittenwald datiert. Geigenzettel: lohann Christian Ficker, Lauden / und Geigenmacher in Neukirchen bey Adorf 1809 (gedr.). — lohann Christian Ficker , probe violino corr. Cre- mona (gedruckt). Ficker, Johann Georg I. — (Mark-)Neu- kirchen. Geb. 1732, f 25. Mai 1772 Sohn und Schüler von Hans Caspar F., ward am 21. November 1752 Meister. Er starb, erst 39 Jahre 7 Monate und 19 Tage alt. Nur die Geigen mit seinem Namen und den Jahreszahlen von 1752 — 1760 können ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden, diese aber sind leicht ansprechende, vollklingende Instrumente. 136 Ficker — Fiegimüller Ficker (Fücker), Johann Georg II. Geb. um 1738. 1760 Er war wahrscheinlich ein Meisterssohn und hat das Geigenniachen regelrecht erlernt. Bei der von Branden- burg-Preußen verlangten Rekrutierung von zehn sächsi- schen Regimentern wurde er ausgehoben. *Da er nun«, wie es im Zunftbuche heißt, »Gelegenheit gefunden, sich der Kgl. Preuß. und churfürstl. Brandenburgi- schen Dienste zu entziehen und m sächsische Dienste zu treten«, bewarb er sich am 29. Mai 1760 um .Auf- nahme in die Zunft, und er wurde tatsächlich als Meister angenommen. Wofür er »von gantz freyen Stücken« ein halbes Faß Bier für »das Geigenmacher-Handwerk« stiftete. Arbeiten von ihm sind wegen der Gleichnamig- keit des gleichzeitig tätigen Johann Georg I. F. schwer nachzuweisen. Ficker, Johann Georg III. — (Mark-)Neu- kirchen. Geb. 30. März 1761, f 14. Juni) 801 Sohn von Johann Georg I. F. Da er den Vater schon im elften Lebensjahre verlor, kann er schwerlich dessen Schüler gewesen sein. Trotzdem benutzt er die gleichen Modelle wie dieser. Ficker, Johann Gottfried. — (Mark-)Neu- klrchen. Geb. 1754, f 7. JuH 1816, 62 J. 6 M. 1 T. alt Er darf mit Johann Gottlob nicht verwechselt werden ; seine Arbeit ist weniger gefällig, auch das Holz in der Regel weniger schön. Ficker, Johann Gottlob I. — (Mark-)Neu- kirchen. Geb. 1744, f 30. Nov. 1832 Sohn von Johann Caspar F., wurde am 13. Juni 1764 Meister und gehört zu den besten Geigenmachern des Vogtlandes. Seine Arbeiten zeichnen sich durch gutes Holz, saubere Durchführung und edlen Ton aus. Seine Violinen waren schon zu seinen Lebzeiten geschätzt; trotzdem fühlte auch er sich veranlaßt, wiederholt auf seinen Zetteln bei Unkundigen den Schein zu erwecken, als hätte man es mit Crem.oneser Geigen zu tun. Er tut dies in demselben sinnlosen Latein, das für viele seiner Zeitgenossen und Vorgänger typisch ist. Ein Beweis für die Güte seiner Geigen mag es sein, daß ihn viele wirklich für einen Cremoneser Meister hielten; noch Niederheitmann tat dies, wenn er auch zugibt, daß die Geigen nur wenig der Cremoneser Schule entsprechen. Da er fleißig war und 88 Jahre 4 Monate und 5 Tage alt wurde, kommen seine Geigen noch häufig vor. Er gebrauchte oft eine, übrigens auch von anderen Mitgliedern der Familie in ähnlicher Form verwendete Brandmarke (Nr. 39). Die Schreibweise seines Zettels ist sehr schwankend. Geigenzettel : lohann Gottlob Ficker probe Violino cor- Respont Romani Cremona 1788 (gedruckt). — Abb. 205. Ficker, Johann Gottlob II. — (Mark-)Neu- kirchen. Geb. 6. Dez. 1778, f 26. Aug. 1827 Sohn von Johann Gottlob I. F. Er arbeitete ganz in der Weise seines Vaters und wird wohl auch stets npr unter diesem, der ihn ja überlebte, gewirkt haben. Es ist daher schwer, ihn vom Vater zu unterscheiden, es sei denn, daß man weniger gute Geigen, die echte Zettel und Brandmarke tragen, für seine Arbeit hält. Ficker, Johann Kaspar. — (]VIark-)Neukirchen. Geb. um 1703. t nach 1767 Nachdem er die Geigenmacherkunst regelrecht erlernt und eine Zeitlang als Geselle gearbeitet hatte, wurde er am 2. Januar 1 722 Meister, wobei man ihm das Meister- stück erließ. Er saß schon 1755 und noch 1766 und 1 767 als Vormeister im Zunftrate. Ein tüchtiger Geigen- macher, der viel auf Reisen gewesen sein soll. Geigenzettel: Johann Caspar Ficker Vio- / linmacher in Neukirchen / Ao. 1749 (gedruckt). Ficker, Lorenz. — (Mark-)Neukirchen. 1730 Er wurde als tüchtiger Geigenmacher gerühmt, ist aber nach 1730 nicht mehr nachzuweisen, .'\rbeiten von ihm oder Zettel waren nicht aufzutreiben. Ficker, Paul Kurt. — Markneukirchen, Char- lottenburg-Berlln. Geb. 2. Febr. 1880 in Markneukirchen Sohn und Schüler von Carl Moritz F. Als Gehilfe ar- beitete er von 1899 — 1901 bei Joh. Padewet in Karls- ruhe. Nachdem er seiner Militärpflicht genügt hatte, machte er sich 1903 in Markneukirchen selbständig, siedelte jedoch 1908 nach Charlottenburg über, um für die Firma Rob. Beyer tätig zu sein. Seit November 1910 vereinigte er sich mit Friedr. Freitag zu der Firma Freitag & Ficker in Berlin. Gut vorgeschult, hatte er als Gehilfe besonders Gelegenheit, sich im Neubau und in der Reparatur zu vervollkommnen. Fida, Anton. — Paris. 1809 In einer gewöhnlichen Geige von zweifelhaftem, wenig französischem Aussehen fand sich nachstehender Zet- tel, auf dem auch Anton (für .'\ntoine) auffallen muß. Geigenzettel: Anton Fida ä Paris 1809 (gedruckt). Fiebig, Johann Carl. — Schweidnitz. Geb. in Guhrauum 1770, f um 1810 Orgelbauer und Instrumentenmacher. Er erwarb 1802 das sogenannte kleine Bürgerrecht in Schweidnitz und soll um 1810 verstorben sein: 1812 heiratete seine Witwe den Geigenmacher Koded. Fiedler, August Gottwald Friedrich. — Mark- neukirchen. Geb. in Untergattengrün bei Adorf 2. April 1863 Fleißiger Geigenmacher der Gegenwart. Fiegimüller, Benedict. — ? 1 755 Ein süddeutscher oder österreichischer Meister, von dem eine »Pochette in Viclinform« in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 913) aufbewahrt wird, die im zierlichen Schallkörper den kleinen Bogen imd einen niedlichen, bemalten Fächer beherbergt. Field — Fingland 137 Fleld, T. -1815 Englischer Geigenmacher aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. Fifo del Pagliaro. — Rolo (Modena). 1840 Ein fleißiger Meister von handwerksmäßiger Tüchtig- keit, der Geigen und Bässe in großer Zahl gemacht hat. Filano, Antonio. — Neapel. 1787 Reich eingelegte Mandolinen tragen semen Namen. Filano. Donato. — Neapel. 1763. 1783 Es gibt nur sehr wenige Gelgen von ihm, und diese sind unbedeutend; auch ihr brauner Lack ist nicht zu loben. Dagegen sind seine Mandolinen und Pandoren gut. Eine reich und geschmackvoll eingelegte neapoli- tanische Mandoline von ihm besitzt die staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 750), eine ähn- liche C. Claudius in Kopenhagen, zwei die Sammlung Loup und eine das Musikhistorische Museum in Stock- holm. Eine sehr sorgfältig gearbeitete, überreich mit Schildpatt, Perlmutter und Elfenbein eingelegte Man- doline von ihm mit der Jahreszahl 1774 befindet sich in der Sammlung Fritz Wildhagen in Haiensee bei Berlin. Eine aus der Sammlung des f Charles Gimbel stammende italienische Laute, mit Schildpatt und Perl- mutter eingelegt, besitzt das Großherzoglich Badische Museum für Altertümer in Karlsruhe mit einer fran- zösischen (!) Wohnungsangabe: *Donatus Filano Fecit Anno Dni 1 773 / Av. Rue de la Sainte Ciaire <•. Valdrighi schreibt den Namen FilCno. Geigenzettel : Donato Filano fecit alla rua , di s. Chiara A. D. 1782, Napoli (geschrieben). — Donatus Filano fecit anno D. 1770 / Neap. alla Rua de Tafettanari (ge- druckt). Filano, Giuseppe. — Neapel. 1785. 1797 Ein Sohn von Donato F. und wohl auch dessen Schüler. Eine Gitarre von ihm befand sich in der SammlungLoup. Geigenzettel: Joseph Filano, Filius Donati fecit Neap. / Alla Rua di S. Chiara ,/ Anno 1 787 (gedruckt). Filano, Luigi. — Neapel. 1821. 1832 Sohn oder Enkel von Donato F. Er hat wie dieser fast ausschließlich Gitarren und Mandolinen gemacht. Geigenzettel : Abb. 204. Filipp, Hans. — Markneukirchen. Geb. 1858 in Schönbach i. B. Schüler von Johann Fischer in Schönbach. Er arbeitete als Gehilfe an verschiedenen Orten und ließ sich 1883 in Markneukirchen nieder. Durch seine besondere Handfertigkeit, die er u. a. beim Bau von niedlichen Miniaturinstrumenten (Violoncello, Stockgeige usw.) bewies, hat er sich einen Namen gemacht. Er erfand auch einen recht praktischen und sicher anzuwendenden Wirbel für Streichinstrumente. Da er fast ausschließ- lich für Händler arbeitet, kommen nur wenig Instru- mente mit seinem Namen vor. Filippi, Filippo. — Rom Unbedeutender Musikinstrumentenmacher desl 9. Jahr- hunderts. Filippo s. Orazio Fillion, Georges-Charles. — Straßburg. Geb. in Seloncourt (Doubs, Frankreich) 1 9. Febr. 1869 Schüler von Arnould in Mirecourt und Methfessel in Bern. Nachdem er ausgelernt hatte, arbeitete er noch in Mirecourt, vier Jahre in Paris und zwei Jahre bei Hill & Sons in London, als deren Schüler er sich haupt- sächlich betrachtet. Er kam hierauf am 1. Januar 1896 nach Straßburg, wo er sich seitdem dauernd niederließ, da dort seit längerer Zeit kein Geigenmacher mehr an- sässig war. Er hat eine tüchtige Schule durchgemacht, und seine Geigen zeichnen sich durch große Sorgfalt der Arbeit aus. Er kopiert hauptsächlich Stradivari, verwendet einen orangegelben Ollack und gilt als sehr talentvoll. Geigenzettel : No . . . G. Fillion Luthier / Strasbourg, annee 189 . . (gedruckt) und Abb. 214. Fincoh s. Vincoli Findiger, Arnold. — Leipzig. 1615 Er war nur Reparateur und erlangte 1615 als Lauten- händler das Bürgerrecht in Leipzig. Findley, James. — Padanaram. Geb. 1815 auf der Farm Bromfield bei Brechin, f 1896 in Padanaram Ein schottischer Weber, der etwa 500 Geigen gemacht hat. Viele davon sind Kopien nach einer Jos. Guarneri- geige, die ein Landsmann von ihm besaß, einige gehen in den Umrissen auf ein Stradivarimodell zurück, und andere sind Nachahmungen einer «Black Meg« ge- nannten alten Geige, die sich im Besitze eines Tanz- meisters in Forfar befand. Die F-Löcher sind originell in der Form, die Einlage ziemlich breit, die Schnecken oft aus Birnbaumholz. Er verwendete einen dünnen Spirituslack von gelbbrauner Farbe, der sehr nachge- dunkelt hat. In der Wahl des Holzes war er sorglos und verarbeitete selbst alte Eisenbahnschwellen, wenn er nichts anderes zur Hand hatte. Die Weberei betrieb er bis an sein Ende; außerdem war er ein vorzüglicher Geiger. Geigenzettel: James Findley / Maker / Padanaram / 186Ö (gedruckt). Fi . Fis iner s. riscer Finger, Josef. — Brunn. 1806. f 1856 Er wurde als Instrumentenmacher 1806 bei der Tisch- lerzunft eingeschrieben und erlangte 1810 das Bürger- recht. Arbeiten von ihm lernte ich noch nicht kennen. Fingland, Samuel. — Glasgow. 1892 Ein Liebhaber, der in den neunziger Jahren in Glasgow lebte und einige Violinen nach Stradivari und Guarneri gemacht hat. Er verwendete bräunlichroten Ollack. Geigenzettel: Samuel Fingland / fecit 1892 No. 14 ge- schrieben). 138 Finke riorini Finke, Joseph. — Haindorf (Böhmen). 1844. 1860 Wenig bekannter, aber tüchtiger Geigenmacher, von dem Prof. Sattler in Linz eine Violine besaß, die ebenso- gut klang, als sie schön in der Arbeit und im Holz war. Geigenzettel: Josef Finke , Heindorf bei Friedland / in Böhmen (gedruckt). — Joseph Finke / in Haindorf / anno 1860 (gedruckt). Finoc(chio?), Bibbiano. — Bibbiano (Reggio Emilia). 17. Jahrhundert Die staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Ber- lin besitzt zwei Gitarren (Nr. 643 und 648) italienischer Herkunft, von denen die eine die Form einer Vihuela (spanische Gitarre) hat; beide sind reich eingelegt und am Griffbrett bemalt. Die erstere trug den Namen des Verfertigers : Bibbiano Finoc ... Da Bibbiano kein ge- bräuchlicher Taufname ist, dürfte anzunehmen sein, daß der Verfertiger damit seine Heimat angedeutet hat. Finolli, Giuseppe Antonio. — Mailand. 1750. 1755 Mittelmäßig in der Arbeit; er hat nur wenig Geigen gemacht. Geigenzettel : Abb. 226. Finte. — Paris Dieser Name kommt manchm.al in französischen Gei- gen vor, mit denen ein Fälscher dem Klange nach den Namen Fent gemeint haben wird, wie auch .'\. Jacquot annimmt. Finz, Emmanuel. — Avignon. Geb. in Gi- braltar um 1820, t In Avignon 10. Dez. 1866 Selbständig von ihm gebaute Geigen sind mir nicht vorgekommen. Geigenzettel: Repare par Finz / Avignon 1853 (gedr.)- Finze. — Carpentras. 1852 Vielleicht mit E. Finz in .'Xvignon identisch. Geigenzettel: Restaure par Finze: / = Carpentras. 1 852 (geschrieben). Fiorani, Vincenzo. — Pergola. 1855 Seine Geigen sind gewöhnliche Handwerksarbeit. Das Holz ist sorglos gewählt und der Spirituslack spröde und unschön. Fiori, Amilcare. — Casinalbo. 1 9. Jahrhundert Vielleicht der Vater der Brüder Fiori, vielleicht auch ein Sohn von einem der beiden. Valdnghi zählt ihn auf (1046), doch gelang es mir nicht, eine Arbeit von ihm zu Gesicht zu bekommen. Fiori, Andrea (Antonio?). — Modena. Geb. um 1796, t vor 1870 Von Hause aus Ingenieur, beschäftigte er sich aus Lieb- haberei mit dem Geigenbau und brachte es in Verbin- dung mit seinem Bruder darin zu großer Geschicklich- keit. Er verwendete Spirituslack. Geigenzettel: Abb. 217. Fiori, Gaetano. — Modena. Geb. um 1798, tum 1873 Bruder von Andrea F. Er lebte abwechselnd in Modena und in Casinalbo mit seinem Bruder, mit dem er ge- meinschaftlich arbeitete. Fiorillo, Giovanni. — Ferrara. 1780 Mehrere gute Violoncelli von ihm sind in letzter Zeit aufgetaucht, und da manches in seiner Arbeit an deutsche Art erinnert — • so sind z. B. seine F-Löcher denen Stainers recht ähnlich — , hält man ihn für einen Südtiroler. Ich glaube aber, daß er als Geselle in Tirol oder Deutschland gearbeitet hat, denn das Italienische in seinen Werken hat doch das Übergewicht. Viorillo zu schreiben ist falsch. Fiorini, Alessandro (Losandro) und Antonio. — Bologna. 1671. 1720 Wahrscheinlich der Stammvater der Familie (zu der wohl auch die Floreni gerechnet werden müssen). Auch sein Sohn Antonio soll Geigenmacher gewesen sein, doch gelang es mir bisher nicht, Arbeiten von ihnen nachzuweisen. Die Zettel beider teilt de Wit zum erstenmal mit. Geigenzettel: Antonius Fiorini Bononiae / fecit Anno 1720 (gedruckt). Fiorini, Giuseppe. — München, Zürich. Geb. 1861 in Bazzano Er kam mit seinen Eltern im Jahre 1867 nach Bologna, erhielt eine gute Schulbildung und war von Ende 1876 an Schüler seines Vaters Raffacle F. Schon im Jahre 1881 machte er sich selbständig, und um seinem Vater, der hauptsächlich Violoncelli baute und Reparateur war, keine Konkurrenz zu machen, verlegte er sich auf den Bau von Violinen und den Handel mit alten Meisterwerken. Zu diesem Zwecke unternahm er größere Reisen, die ihn wiederholt auch nach Deutsch- land führten. Im Jaljre 1889 wurde er der Schwieger- sohn Andr. Riegers in München und leitete das Ge- schäft unter der Firma Rieger & Fiorini, die dann Mitte 1899 in »Giuseppe Fiorini« umgewandelt wurde. Auch jetzt ist der Bau neuer Violinen und der Handel mit alten Meistergeigen seine Hauptbeschäftigung. Er macht seine Violinen in allen Teilen selbst, und da sie vorzüglich gearbeitet sind und vortrefflich klingen, fehlt es ihm auch nicht an ehrenden Anerkennungen und Auszeichnungen aller Art. Seine Geigen sind, ohne Kopien zu sein, von ausgesprochen italienischem Cha- rakter und entsprechen der Schule, aus der er hervor- gegangen ist. Er ist als vielerfahrener, gründlicher Geigenkenner geschätzt und war Mitbegründer und Vorstandsbeisitzer des Deutschen Geigenmacherver- bandes, sowie Obmann der Sachverständigenkommis- sion für die Beurteilung alter Instrumente. Durch den Krieg wurde er im Mai 1915 veranlaßt seine Werkstatt nach Zürich zu verlegen. Er wurde da in der Kunst- welt sehr freundlich aufgenpmrnen und hat sich fast Mo Fisch ischer )9 ausschließlich dem Bau von neuen Geigen zugewendet, womit er große Erfolge erzielt hat. Es gelang ihm auch, in letzter Zeit die kostbare Stradivarisammlung des Grafen Cozio di Salabue von der letzten Erbin, der Marchesa Paola della Valle del Pomaro in Turm, für 100 000 Lire zu erwerben. Diese Sammlung enthält bekanntlich außer mehreren Violinen usw. hauptsäch- lich Werkzeuge, Modelle, Handschriften, Vorschriften für die Grundierung, Lackrezepte usw., die in den Händen eines Geigenmachers von ganz besonderem Werte sind. Fiorinl, Raffaele. — Bologna. Geb. in Pianoro 1828, t in Bologna 1898 Er kam mit seinen Eltern als Kind nach Bazzano, und da er schon damals in allen freien Stunden versuchte, Geigen zu machen, führte man ihn zu dem Bruder des Geigenmachers Tadolini nach Modena, von dem er später auch den ersten Unterricht erhielt. Er arbeitete rastlos und vervollkommnete sich immer mehr, so daß er bald in gutem Rufe stand. Im Jahre 1867 berief ihn der berühmte Violinprofessor Carlo Verardi nach Bo- logna, und hier wurde er durch ausgezeichnete Arbeiten in weiten Kreisen als einer der besseren italienischen Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahr- hunderts bekannt. Er wurde hauptsächlich als Repara- teur beschäftigt und hat daher nur wenige neue Geigen gebaut, dagegen ungefähr 60 Violoncelli, die sehr ge- schätzt sind. Seine Erfindung einer Vorrichtung zur mechanischen Herstellung der Rinne für die Ein- lagen hat sich im Großbetrieb sehr bewährt und wird noch jetzt in Mirecourt angewendet. Er war ein hervor- ragender Kenner der alten, italienischen Schulen, wie wenige zu seiner Zeit. Als seine Schüler sind zu nennen sein einziger Sohn Giuseppe und Augusto Pollastn. Sein Nachfolger in Bologna ist Armando Monterumici. Firth. — Manningham. 1877 Vielleicht ein Sohn von G. F. in Leeds. Er bevorzugte ein breites Modell. Firth, G. — Leeds. 1836. 1844 Schüler von William Boots sen., aber nur mittelmäßig in seiner Arbeit. Geigenzettel: G. Firth No 1 10 Briggate, / Leeds, 1836 (gedruckt). Firth & Ball. — New York. 19. Jahrhundert Amerikanische Geigenmacherfirma, von der ich einen guten dreisaitigen Baß kennenlernte. Fiscer (Fitter), Brüder. — Mailand. 1 760. 1 764 Vermutlich zwei Deutsche Namens Fischer, oder, wenn de Piccolellis, der Ficher liest, recht hat, vielleicht Mitglieder der vogtländischen Familie Ficker ')• Außer dem Namen spricht auch die Arbeit für die deutsche Herkunft. Ihre Geigen sind recht gut; auch der rote oder rotgelbe Lack ist schön zu nennen. Geigenzettel : Giuseppe Carlo Fratelli Fiscer / Fabbri- catori di strumenti in Milane / Vicino alla balla 1764 (gedruckt). ^) Andere wollen Fitter oder Einer lesen. Fiscer, Carlo Vincenzo. — Mailand. 1770 Vermutlich einer der beiden Brüder Fiscer, der 1770 mit der gleichen Adresse allein arbeitend vorkommt. Die Musikinstrumentensammlung des Bachhauses in Eisenach besitzt eine Bastardlaute (Nr. 2) und eine prachtvolle Pandurina von ihm. Geigenzettel :CarloVincenzo Fiscer, fabbncatord' Istru- menti / Alla Balla in Milano anno 1770 (gedruckt). Fischbach Mehrere Mitglieder dieser Familie sind in der eger- ländischen Geigenindustrie tätig, so Johann Fischbach, geb. 1860, Schüler von Josef Sandner, in Dürngrün bei Schönbach, der seit 1882 eine Kindergeigenfabnk und eine Gastwirtschaft betreibt; ein anderer Johann Fischbach ließ sich nach 1898 in Schönbach nieder. Fischer. — Brambach. 1910 Guter Bogenmacher. Fischer. — Markneukirchen Als Geigenmacher aus dieser Familie sind bekannt: Fischer, Christian Gotthilf I. Geb. um 1728 Er scheint in (Mark-)Neukirchen gelernt zu haben und kam dann zu der »Miliz«. Obwohl er Soldat war, be- warb er sich im Jahre 1748 um die Aufnahme in die Zunft und brachte eine Bescheinigung seines Haupt- manns bei, daß dieser nichts dagegen habe. Er wurde dann am 27. Mai als Meister aufgenommen. Fischer, Christian Gotthilf II. Geb. 1748, t H.März 1771 Er wurde am 2. November 1768 gleichzeitig mit G. A. Keßler Meister, starb aber schon in einem Alter von 22 Jahren, 4 Monaten und 14 Tagen. Fischer, Christian Gottlob. Geb. 2. Juli 1815, t 10. April 1895 Sohn von Johann Christian F. Fischer, Heinrich Wilhelm. Geb. 13. Dez. 1857 Fischer, Johann Adam. Geb. 1730, f I.April 1809 Er wurde am 24. Mai 1752 Meister und galt als ge- schickt. Er scheint in Neukirchen gelernt zu haben und war dort auch Geigenmachergeselle, doch wird aus- drücklich bemerkt, daß er nicht der Sohn eines der Zunft angehörenden Meisters war. Er erreichte ein Alter von 78 Jahren 5 Monaten, weniger 14 Tage. Fischer, Johann Christian. Geb. 24. Sept. 1763, t2 I.Dez. 1838 Zweiter Sohn von Johann Adam F. Fischer, Johann Georg. Geb. 16. Sept. 1758, H.Dez. 1821 Altester Sohn von Johann Adam F. und dessen Nach- folger. Geigenzettel : Johann Georg Fischer / Violinmacher in Neukirchen, (geschrieben). 140 Fischer, Johann Gottfried — Fischer, Joseph Fischer, Johann Gottfried. Geb. 15. März 1770, t 15. Sept. 1825 Jüngster Sohn von Johann Adam F. und der talent- vollste der Söhne. Er gebrauchte eine ähnliche Brand- marke wie Joh. Gottl. FIcker (Nr. 39). Fischer. — München Es soll um das Jahr 1805 ein Geigenmacher Fischer in München gelebt haben. Vermutlich war Josef F., der Regensburger Meister, vorübergehend m München, denn um die angegebene Zeit fand ich nur einen Sänger dieses Namens in München; alle übrigen Fischer hatten der Musik völlig fernstehende Berufe. Fischer. — Schönbach b. E. Aus dieser Familie gingen folgende Geigenmacher her- vor: Fischer, Anton I. Geb. um 1806, f 1880 Er gehörte schon 1826 der Innung an. Fischer, Anton II (noch lebend) Fischer, Carl (noch lebend) Fischer, Johann (noch lebend) Fischer, Rudolf (wohnt in Watzkenreuth bei Schönbach) Fischer, Wenzl, gehörte schon 1826 der In- nung an Fischer, Wenzel (noch tätig) Fischer, Alois in Proßnitz i. M. scheint auch aus Schönbach zu stammen Fischer, Andreas. — Znaim. 1855. 1861 In einigen mittelmäßigen Geigen fand sich sein Zettel. Besser waren seine Gitarren. Geigenzettel: Abb. 223. Fischer, Anton. 1879 Wien. Geb. 1 794,110. Aug. Am 20. April 1821 legte er seinen Bürgereid ab und hatte seine Werkstatt Stadt Nr. 369. Im Jahre. 1835 wohnte er »Seitzergasse gegenüber dem Kriegsgebäude «, später »am Graben nahe der Apotheke, im zweiten Hofe«. Er gehörte zu jenen Meistern, die ihre Kunst unablässig studieren. Zu diesem Zwecke brachte er eine schöne Sammlung alter Geigen zusammen, dar- unter war auch eine Viola von Duiffopruggar, die Kiese- wetter im Jahre 1842 gesehen und für zweifellos echt gehalten hat. In der Nachahmung der italienischen Vorbilder war Fischer nicht sehr glücklich, obwohl er sehr geschickt war und gutes Holz verwendete, dagegen gelang es ihm leicht, die Geigen William Forsters trefflich nachzuahmen. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1825 und eine Viola von 1842 besitzt das Schotten- stift in Wien. Geigenzettel ; Abb. 207. Fischer, Christian. — Hamburg. 1797 Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und wurde am 8. September 1 797 Bürger. Fischer, Georg. — Wien. 1857 Vielleicht ein Sohn von Anton F. Er scheint verhältnis- mäßig jung gestorben zu sein und gehörte der Wiener Geigenmacherzunft nicht an. Ich kenne nur einen Re- paraturzettel von ihm. Fischer, Gottfried. — Wien, f um 1888 Sohn von Anton F., den er jedoch in keiner Weise er- reichte. Er wohnte vor Gutermann in Mariahilf, Haupt- straße Nr. 68 und verlegte seine Werkstatt im Jahre 1 868 in die untere Bräunerstraße, 1882 gab er sein Geschäft auf und übernahm in Hietzing bei Wien eine Spezerei- warenhandlung, die bald zugrunde ging. Er starb dann im Versorgungshaus. Er hat nicht viele neue Geigen gebaut, die seine Brandmarke G. F. am Halsplättchen tragenden Violinen dürften zumeist Arbeiten geschick- ter Gehilfen gewesen sein. Geigenzettel: Gottfried Fischer / Wien / Mariahilfer Hauptstraße No 68 (lith.). Brandmarke Nr. 27. Fischer, Johann Georg. — Jena. S. Vischer Fischer, Joh. Sim. s. Vischer Fischer, Johann Ulrich. — Landshut. Mün- chen. 1720. 1728 Tüchtiger deutscher Meister, der u. a. als einer der letzten noch häufig Nonnengeigen gebaut hat. Seine Violen und Gamben sind von vortrefflicher Arbeit, auch seine Violinen sind zu loben. Um 1728 siedelte er, wenn der Zettel einer Marinetrompete echt ist, nach München über, doch läßt sich diese Tatsache urkund- lich nicht belegen. Zwei Nonnengeigen von 1720 be- finden sich in der Sammlung des Historischen Kreis- vereins in Landshut i. B., eine solche von 1722 besitzt die Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, eine ebensolche von 1728 und eine Violine mit Löwenköpfchen W. Heyers musikhistorisches Museum in Köln. Geigenzettel: J. Fischer / Landshut 1722 (gedruckt). — Joham Vlnch Fischer laud Vnd gaigmachr / in landshuet 1726 (geschrieben). Fischer, Joseph. — Regensburg. Geb. 1769, t 22. Juni 1834 Er soll aus dem AUgäu stammen und war vermutlich ein Schüler von J. Anton Gedler in Füssen. Er kam 1 790 von Wien nach Regensburg, wo er als Nachfolger von Koßler und Widhalm betrachtet werden kann. Er war ein hervorragender Meister und baute nach italieni- schen'* Modellen, hauptsächlich nach Stradivan, und besaß einen wundervollen, gelbbraunen Ollack. Er kopierte seine Vorbilder so vorzüglich, daß jetzt viele seiner Instrumente als echt italienische verkauft wer- den, außerdem war er ein vom In- und Auslande gleich stark in Anspruch genommener Reparateur. Er war der Fischer — Flägel 141 Lehrer der Brüder Engleder, seiner Neffen und von P. Schulz. Auf vielen seiner Zettel befindet sich in der Mitte ein Doppeladler mit Krone. Geigenzettel : Josef Fischer fecit a Ratis- / bona 1 792 (gedruckt). — Joseph Fischer, / Lauten und Geigen- macher / in Regensburg Anno 1826 (gedruckt). Fischer, Joseph. — Znaim. 1862. 1865 Vielleicht der Sohn von Andreas F. Wenig bekannter Geigenmacher, der wohl hauptsächlich Flickarbeiten ausführte. Geigenzettel : Josef Fischer / Instrumentenmacher / in / Zna~im / Nr. 132. 1862 (gedruckt, lith.). Fischer, Karl. — Bremen. 191 1 Seine Violinen tragen seinen Namen als Brandmarke. Fischer, Philipp Jakob. — Würzburg. 1715 Er soll ein Bruder des Landshuter Meisters Johann Ulr. F. gewesen und ursprünglich auch in Landshut ansässig gewesen sein. Bei de Piccolellis wird er nur als in Landshut ansässig erwähnt. Vermutlich war er der Vater des berühmteren Zachanas F. Geigenzettel: Philipp Jacob Fischer, Lauten- / und Geigenmacher in Wirz- / bürg. Fecit 1715 (gedruckt). Fischer, Zacharias. — Würzburg. Geb. 5. Nov. 1730, t 27. Nov. 1812 Er gehört zu den Geigenmachern, die, wenn auch eine Zeitlang überschätzt, doch durch ihre Arbeit den guten Ruf, den sie besessen, auch heute noch bis zu einem gewissen Grade rechtfertigen. Am besten sind seine Geigen aus den Jahren 1770 — 1780, deren Ton, wenn auch nicht so edel wie der der von ihm nachgeahmten Amatischule, immerhin recht voll und kräftig ist. Er studierte seine Vorbilder unablässig und kam ihnen in der Sauberkeit der Arbeit sehr nahe, leider aber geriet er schließlich auf Abwege. Im Jahre 1786 machte er bekannt, daß er ein Verfahren erfunden habe, welches es ihm ermögliche, seine neuen Geigen denen des Stradivari und Stainer gleichwertig zu machen. Dieses Verfahren bestand jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nur darin, das Holz im Ofen auszutrocknen, d. h. zu backen, weshalb es begreiflich erscheint, daß die Geigen aus seinen späteren Lebensjahren jetzt meist verdorben sind. Er gebrauchte verschiedene Zettel und machte auch Lauten und Gitarren usw. Wie viele an- dere, die um die Jahrhundertwende gelebt haben, be- nutzte auch er im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts noch die Zettel, auf denen 17 . . für die Jahreszahl vor- gedruckt war. Er schrieb einfach über die 7 eine 8 usw. Auf der Abbildung seines Zettels hat die Photographie die gedruckte Zahl 17 scharf, die darüber geschriebene 8 aber so undeutlich wiedergegeben, daß man, wenn man nicht genau prüft, leicht 1708 statt 1808 lesen könnte, was sich aber schon dadurch verbietet, daß Z. Fischer erst 1730 geboren wurde. — Er war 1755 schon Hofgeigenmacher und erwarb am 20. Dezember 1787 das Bürgerrecht in Würzburg in der (jetzigen) Hörleingasse Nr. 8 (früher : IV. 78), wo er auch starb. Eine Violine von Ihm mit der Nr. 37 vom Jahre 1 799 besitzt Carl Stoeber in Würzburg. Eine siebenchörige Laute von ihm aus dem Jahre 1755 befindet sich in W. Heyers musikhistorischem Museum in Köln. Geigenzettel : Abb. 208. Fischesser-Chollet, Leon. — Genf, Staufen i. B. Paris. Geb. 12. Okt. 1861 in Saint-Cloud (Frankreich) Er ließ sich 1 885 In Genf nieder, wo er Rue Leger Nr. 6 wohnte. 1888 hieß seine Firma Reymond & Fischesser freres. 1900 verzog er nach Staufen In Baden. Um 1904 war er auch in Mülhausen Im Elsaß tätig. Um 1905 siedelte er nach Paris über, wo er Faubourg Polssoniere seine Werkstatt aufschlug. Für seine neuen Geigen er- hielt er In Genf eine silberne Medaille. Sein beson- deres Interesse wandte er der Erforschung des Cre- moneser Gelgenlacks zu. Fiscier, Tobia. — Siena. 1710 Wahrscheinlich deutscher Abstammung, vielleicht Va- ter der Brüder FIscer In Malland. Eine theorblerte Laute von ihm befindet sich In W. Heyers rnusik- hlstorlschem Museum in Köln (Nr. 502). Fisty s. Sisty Fitsche, Johann. — Linz a. D. Geb. 1 81 9, j in Linz 30. Aug. 1893 Er hatte Im Hause Landstraße Nr. 23, auch Nr. 34 und 17 seine Werkstatt und war ein alter Junggeselle mit allerlei Schrullen und Eigentümlichkeiten. Er fertigte viele billige Geigen an, mit denen er seinen Lebens- unterhalt verdienen mußte, aber er war ein sorgsamer Reparateur und hat auch einige sehr gute Instrumente gebaut, mit denen er beweisen wollte, was er konnte. Fitter s. Fiscer Fivaz, C. F. — London. 1899 Er wohnte als Gelgenmacher und Reparateur bis 1 899 Essex rd. Islington Green N und Ist später ohne Hinter- lassung der Adresse verzogen. Flac, Philipp. — Lyon. Geb. um 1533. 1572 Wahrscheinlich ein Deutscher; er gehörte zur refor- mierten Gemeinde in Lyon und wird als Lautenmacher bezeichnet. Flägel, Johann Joachim. — Lübeck. Geb. 1 1. März 1845 zu Hornstorf, f 3. Jan. 1918 in Lübeck Schüler des Instrumentenmachers Adler, mit dtni er zuerst gemeinschaftlich sein Geschäft hatte. Tüchtiger Blechblaslnstrumentenmacher imd Orgelbauer, der auch Geigen reparierte. Flägel, Heinr. Herrn. Ludw. Jul. Rud. — Lübeck. Geb. 17. Juli 1871 zu Lübeck Sohn, Schüler und Nachfolger seines Vaters J. J. Flägel. 142 Flambeau — Flc Flambeau, Joseph. — Mirecourt. 1740 Er war vielleicht der Vater und Lehrer des 1 776 bis 1789 vorkommenden Charles Flambeau. Arbeiten von ihnen kennt man nicht. Flambeau (Flambau), Pierre. — Paris. 1816 Wahrscheinlich aus Mirecourt stammender, unbedeu- tender Geigenmacher. Er nannte sich einen Schüler Kolikers, bei dem er wohl als Geselle gearbeitet hatte, und verwendete außer seinem geschriebenen Zettel auch eine Brandmarke mit semem Namen. Fiather, 0. P. Wohnt als Geigenmacher m Boston. Flechter, Victor S., war um 1894 m Neuyork ansässig Fleischer, Carl Conrad. — Hamburg. \ vor 1738 Jüngerer Sohn von Hans Christ. F. Fleischer, Hans Christoph. — Hamburg. 1 672. 1688 Vermutlich der Schwager Joach. Tielkes, der eine Fleischer geheiratet hat. Er erwarb am 12. Apnl 1672 das Hamburger Bürgerrecht und kommt 1688 noch vor. Als Beweis seiner Tüchtigkeit kann man die Tatsache betrachten, daß ein so feiner Kenner, wie Seihof, einen Kontrabaß von ihm besaß, der 1 759 im Haag versteigert wurde. Er hat übrigens auch Tasteninstrumente gebaut Fleischer, Johann Christoph. — Hamburg. Geb. um 1675, t nach 1732 Älterer Sohn und wohl auch Schüler von Hans Christ. Fl. Er wurde am 13. Juni 1705 Hamburger Bürger und verstand es, den Ruf, den sein Vater bereits besaß, noch zu erhöhen, so daß der Name Fleischer neben Tielke In der Geschichte des deutschen Instrumentenbaus stets hervorgehoben werden muß. Er hatte nebst seinem Bruder 1708 schwere Kämpfe mit der Tischlerzunft auszufechten, die seine Arbeit als einen Eingriff in ihre Rechte betrachtete. Seine Lauten und Violen sind von schöner Arbelt, er hat jedoch wie sein Vater auch Tasteninstrumente gebaut und erfand u.a. 1718 ein »Lautenclavecin« und einen »Theorbenflügel«. Fleming, Georg. — Danzig. 1650 Eine Laute (Nr. 5517) im Schlesischen Museum für Kunstgewerbe und Altertum in Breslau trägt den ge- schriebenen Zettel : »Georg Fleming In Dantzig .^nno 1650«. Fleming, James M. — London. 1902 Verfasser einiger verdienstvoller Werke zur Geigen- geschichte und bewährter Geigenkenner. Er erfand eine neue Geige, die statt des hölzernen Resonanzbodens einen ziemlich großen Aluminiumschalltrichter besitzt, in den durch ein Membran die durch die Saiten- schwingungen hervorgerufenen Töne übergeleitet und zu Gehör gebracht werden. Die Klangfarbe des neuen Instruments soll recht eigenartig sein. Fleming, John. — Saltcoats. 1895 Seine Geigen, die nach Stradivari gebaut und mit 01- lack überzogen sind, tragen keine Zettel, sondern nur einen Brandstempel mit seinem Namen. Flette, Benoist. — Paris. 1745. 1763 Er war geschworner Meister der Pariser Lautenmacher- zunft für 1763. Geigen von ihm sind wenig bekannt und unbedeutend, nur seine Lauten und Gitarren wer- den gelobt. Sein Name wird von einigen Hette gelesen. Fleuri (Fleury), Jean Frangois. — Paris. 1 783 1785 Weder über sein Leben noch über seine Arbeit ist et- was Besonderes zu sagen. Er gehört zu den Meistern dritten Ranges und wird nur selten erwähnt. Er darf mit Benoit Fl. nicht verwechselt werden. Fleurot. — Val d'Ajol. 1 8. bis 1 9. Jahrhundert Bisher sind nur Scheitholte von ihm bekannt geworden. Fleurot v/ar vielleicht einer der letzten Lautenmacher, die dieses in den Vogesen beliebte zitherartige In- strument, das schon Praetorius (1618) verächtlich ein "Lumpeninstrument« nannte, in größerer Anzahl ge- baut hat. Scheitholtartige Epinettes, oder genauer »Epinettes de Vosges« von ihm besitzen das Museum des Konservatoriums in Brüssel, die Berliner staatl. Sammlung und das Musikhistorische Museum von W. Heyer in Köln (Nr. 412). Fleury, Benoit. — Paris. 1751. 1791 Ein geschickter Lauten- und Geigenmacher, der bei seinen Genossen sehr angesehen war und zum ge- schwornen Meister für das Jahr 1755 gewählt wurde. Er wohnte, und zwar noch 1789, im Faubourg Saint Germain, rue des Boucheries. Eine Baßviola von 1755 von ihm besitzt das Museum des Pariser Konservato- riums. Das älteste bisher von ihm bekannte echte In- strument ist ein Alto von 1751 ; es ist daher sicher ein Irrtum, wenn ihn Hart schon in das Jahr 1718 setzt. Er war ein geschickter Reparateur und auch seine Sack- pfeifen (ein Modeinstrument jener Tage) und Leiern waren berühmt. Eine Diskantviola (von 1 764) befindet sich in der Sammlung Galpin (Hatfield). Geigenzettel: .'\bb. 219. Flodström, L. E. — Stockholm. 1897 Ein Dilettant, der 1897 in Stockholm recht brav ge- arbeitete Geigen ausgestellt hat. Floreno, Fiorenzo. — Bologna. 18. Jahrh. In der Art des Guidante, mit dem er oft verwechselt wird. Vidal liest »Florinus«. (Vgl. auch das bei Giovanni Floreno Gesagte.) Auch ein Antonio Fl. soll zur glei- chen Zeit vorkommen. Gelgenzettel: Florentus Florenus / fecit Bononiae, an. 17 . . (gedruckt). Floreno, Giovanni Guidante. — Bologna. 1685. 1730 Über diese Familie herrscht viel Unklarheit, die da- durch noch vermehrt wird, daß schon in alten Zeiten die Zettel vielfach gefälscht, Ihr Wortlaut miteinander Floreno — Fluvaiil 143 vermengt oder umgestellt wurde. Da auch die Geigen häufig gut nachgeahmt sind, ist es oft schwer, die echten von den unechten zu unterscheiden. Die besten Kenner haben sich jetzt dahin geeinigt, einen Vater und einen Sohn des Familiennamens Floreno Guidante anzuneh- men, andere halten dagegen das Wort Guidante für den Familiennamen, wozu die Zettel in der Tat auch ver- führen. Die Entscheidung könnte, abgesehen von der archivalischen Forschung, nur getroffen werden, wenn man möglichst viele zweifellos echte Arbeiten gleich- zeitig miteinander zu vergleichen in der Lage wäre. Die Geigen, die dem Vater zuzuschreiben wären, ver- raten die Schule Amatis, die Arbeit ist manchmal un- genau, die Hohlkehle des Bodens ist tiefer als die der Decke, die F-Löcher sind nicht schwungvoll, die Schnecke plump, der bernsteinfarbige Lack und der Ton aber immer gut. Wenn man nicht annehmen will, daß er ein Alter von etwa 90 Jahren erreicht hat und Geigen mit seinem Namen und der Jahreszahl 1750 usw. für echt hält, so muß er außer seinem Sohne Guidante noch einen gleichnamigen Nachkommen gehabt haben ; von diesem würde die Geige im musik- historischen Museum von W. Heyer in Köln her- stammen. Auch nach rückwärts findet man unmög- liche Jahreszahlen angegeben, so wurde 1898 in Köln eine Baßlaute mit dem Zettel: »Joannes Florenus 1590 in Cremona* versteigert. Arbeiten von ihm finden sich in verschiedenen Sammlungen. Eine Laute in der Sammlung C. Claudius in Kopenhagen vermehrt durch ihre Inschrift noch die Rätsel, denn sie lautet »Joannes Florenus Guarneri fecit in Cremona 1590«. Eine sehr gute Violine mit seinem Zettel und der Jahreszahl 1757 (!) besitzt Dr. med. A. Kubicki jun. in Olmütz. Geigenzettel: Abb. 231. Floreno, Guidante. — Bologna. 1710. 1740 Wenn das Wort Guidante ein Vorname sein kann und nicht etwa mit »unter der Leitung« übersetzt werden muß^), dann sind die Geigen, auf deren Zetteln der Taufname Joannes fehlt, als Arbeiten des Sohnes von Giovanni Fl. anzusehen. Dieser jüngere Floreno müßte ein fleißiger Meister gewesen sein, da ihm Geigen aller Art und Lauten zugeschrieben werden. Nach diesen hatte er sein eigenes, oft großes Modell, das an deutsche Vorbilder erinnert, aber flache Wölbung, scharf hervor- stehende Ecken, schräge stehende )(, wodurch die un- tere Hälfte des Geigenkörpers ungewöhnlich breit wird, und oft sehr breite, am Boden, der meist aus einem Stück ist, schmälere Einlage. Trefflicher, dick auf- getragener Lack von großer Feinheit und leuchtender Farbe (meist rotbraun auf gelbem Grund). Eine Baß- geige (oder Violoncello) von 1711 befand sich in der Selhofschen Sammlung. Ein Viola d' amore von 1730 befindet si:h in der Sammlung Savoye in Paris. Geigenzettel : Guldante Florenus / fecit Bononiae 17.. (gedruckt, Pergament). — Florlnus Guidantus Fecit / Bononiae Anno 1710 (gedruckt). Florentin, N. — ? Anfang des 19. Jahrh. Eine gute Violine von flachem Modell und Orangelack trug diesen Namen ohne Ort und Datum. C. C. Snoeck ^) Vgl. guidare un negozio = ein Geschäft leiten. besaß eine Violine nach Chanots Modell mit der Brand- marke M. Florentin. Eine gleiche befindet sich bei C. Claudius in Kopenhagen, eine dritte besitzt Leon Pagnier in Haag. Diese ist von großem Patron mit be- sonders breitem Unterteil. Sie trägt eine Brandmarke, die der des D. Nicolas aine in Mirecourt nachgeahmt erscheint, wie er auch den gleichen Werkstattnamen »ä la ville de Cremone« geführt hat. Der Lack ist sehr dünn aufgetragen, so daß die Geige nur gebeizt er- scheint. Sie klingt trotzdem recht gut und spricht sehr leicht an. Brandmarke : A la ville de Cremone N Florentin (drei- eckig angeordnet, in der Mitte in einem Kreis N F). Florianl (Fioriani), Pletro. — Riva. Geb. in Albola bei Riva am Gardasee, getauft am 3. Juni 1787, t 17. Januar 1870 Sohn des Müllers Francesco Ant. F. Ein vielseitiger, erfindungsreicher Mann, der ursprünglich das Tischler- handwerk erlernt hatte und schließlich Mechaniker ge- worden war. Im Jahre 1829 konstruierte er das erste mechanisch bewegte Schiff auf dem Gardasee, dann für die Hauptkirche von Riva eine großartige Be- leuchtungsmaschinerie als Aufbau über dem Hoch- altar. Da er als Kind sehr schwach auf den Füßen war und auf allen Vieren kroch, bekam er den Spitznamen »Pero Gatt«, der ihm zeitlebens blieb. Seine Liebe zur Musik brachte ihn dazu, fi;h auch als Geigenmacher zu versuchen und der Erfolg, den er damit erzielte, ver- anlaßte ihn jedenfalls, verschiedene Instrumente zu bauen. Man sieht diesen freilich an, daß er kein ge- lernter Geigenmacher war; er war sorglos in der Arbeit und hatte auch keinen guten Lack, denn sein Haupt- streben war es, einen guten Ton zu erzielen, was ihm in einigen Fällen auch gut gelang. Rittmeister Picht in Ulm, dem ich die näheren Angaben über Fioriani verdanke, besitzt eine Violine und eine Viola von ihm, in anderem Besitz befinden sich noch zwei Violoncelli, drei Geigen und eine Viola. — Einen Aufsatz über Fl. brachte die Trentiner »Libertä« 1921 Nr. 186. Geigenzettel: Pietro Fioriani fecce, a , Riva di Trento 1858 (gedruckt). Floßmann, Georg. — Tölz. Geb. am 4. Dez. 1 843 in Oberneuching bei Erdmg Schüler von Georg Tiefenbrunner in München von 1858 — 1865, arbeitete dann bei J. Hornsteiner in Passau und bei Georg Heidegger in Passau, dann wieder bei Tiefenbrunner und eröffnete am 17. Mai 1875 sein eigenes Geschäft in Tölz. Außer Streichinstrumenten, die er nach Amati, Stradivari und Guarneri baut und mit Spiritus- und Öllack versieht, baut er auch Man- dolinen, Gitarren und hauptsächlich Zithern, an welch letzteren er mehrere Verbesserungen angebracht hat. Er besitzt Preise und Medaillen der Nürnberger .Aus- stellung von 1882 und der Kölner von 1889 usw. Geigenzettel : Abb. 224. Fluvam, Edouard. — ? Guter französischer Geigenmacher der Gegenwart. 144 Foetisch — Forster Poetisch, Edouard. — Lausanne. Geb. 2. Juni 1869 in Lausanne Schüler von R. Hammig in Markneukirchen und P. Möckel in Berlin. Fünf Jahre lang arbeitete er in Leipzig, Dresden, Frankfurt, Stuttgart, Wien und Mirecourt und machte sich 1890 selbständig. Er baut nach Stradivari, indem er sowohl einzelne Geigen ge- treu imitiert, als nach den bekannten Modellen arbeitet. Er ist Teilhaber der Musikinstrumentenfirma Foetisch freres, die in Vevey eine Filiale besitzt, für die be- sonders Penzel tätig ist. Geigenzettel: Edouard Foetisch, Luthier / ä Lausanne An . . . . No . . . (gedruckt). Forcheville, Jean-Baptiste. — St. Omer (Frank- reich). 1673 Bisher nur durch eine Pochette, die sich in der Samm- lung Snoeck (443) befand, bekannt geworden; diese aber läßt den Schluß zu, daß er in seinem Fache recht tüchtig war. Leider war es mir nicht möglich, in den Archivalien in St. Omer etwas über ihn zu finden. Geigenzettel: Fait ä St. Omer par / J. B'«. Forcheville 1673 (gedruckt). Foinant, Claude und Leopold. 1765 Wahrscheinlich Brüder. Arbeiten von ihnen kennt man bis jetzt nicht. Foltin. — Gleiwitz. 1910 Fonclauze, Joseph (gen. »le Mayeux«). — Paris. Geb. in Luxeuil (Franche-Comte) 1800, t Paris-Montmartre 1 864 Einer der besten französischen Bogenmacher, der, nachdem er bei D. Peccatte in Mirecourt ausgebildet worden war, 1820 nach Paris ging und zuerst bei Fr. Lupot, dann bei Fr. Tourte und schließlich zehn Jahre lang bei J. B. Vuillaume arbeitete. Gegen 1840 machte er sich in der Rue Pagevin selbständig und zog dann in seinen letzten Jahren auf den Montmartre. Die meisten seiner Bögen tragen seinen Namen als Brandmarke. Fontana, Giovanni. — Ferrara. 1568 Ein Instrumentenmacher, den Valdrighi (4164) er- wähnt. Fontanelli, Giovanni Giuseppe. — Bologna. 1733. 1773 Hauptsächlich als Lautenmacher berühmt. Zwei Man- dolinen von ihm besitzt das Museum des Pariser Kon- servatoriums. Eine prächtige, reich mit Schildpatt, Ebenholz und Elfenbein eingelegte Laute befindet sich in der Sammlung Gautier in Nizza. Geigenzettel: Giov. Giuseppe Fontanelli / fece in Bo- logna, l'anno 1733 — 3 X^'^ (gedruckt). — Giovanni Giuseppe Fontanelli / Bolognese f. an. 1772 (gedruckt). Fontaubert, lebt als »Luthier« in Angouleme Fonvielle, Jean de. — ■ Mirecourt. 1605 Einer der ältesten von A. Jacquot ermittelten Geigen- macher Mirecourts. Foradori, Giovanni. — Verona, Bologna. 1 855. 1860 Ein Feintischler, der sehr schön eingelegte Schränke und Tische verfertigte. Er verlegte sich nebenbei auch auf das Geigenmachen, wobei ihm zwar seine Hand- fertigkeit sehr zustatten kam, doch jedes Verständnis für das eigentliche Wesen des Geigenbaus abging. Ford, Jacob. — London. 1780. 1790 Wie die meisten seiner Zeitgenossen in England nahm er sich Stainer zum Vorbild. Er war nicht ungeschickt Mirecourt. 'J"'^ verwendete einen guten OUack. Fornarone, il. — Bologna Ein bolognesischer Instrumentenmacher, dessen Name und Zeit nicht feststeht, dem Namen nach vielleicht der Sohn eines Bäckers. Valdrighi nennt ihn ohne nähere Angaben unter Nr. 3757. Forni, Stefano. — Pesaro. 1666 Seine Geigen glichen in ihrem Aussehen den Werken der Brescianer, sind jedoch weder in bezug auf Arbeit, Holz und Lack, noch auf den Ton hervorragend. Geigenzettel: Stefano Forni Fece/ In Pesaro. L'anno 1 666 (gedruckt). Forno, Chrlstoforo del. — Rom. 1608 Ein Lautenmacher aus der via dei Liutari, der wohl eine größere Werkstatt besaß. Er wird in der Klage- sache des vlämischen Lautenmachers Giovanni di En- rico als »Maestro« und Besitzer einer »Bottega'< in der via dei Leutari erwähnt. Forster (Foster, auch Forrester), John. — Brampton (Cumberland). Geb. um 1688 zu Klrkandrews, f Okt. 1781 in Brampton Der Stammvater der berühmten Geigenmacherfamilie seines Namens. Er war eigentlich Spinnrad- und Büchsenmacher, aber in vielen Künsten beschlagen, und machte gelegentlich auch Geigen. Ein ihm zuge- schriebenes Instrument ist sehr oberflächlich durch- geführt, hoch gewölbt und folgt einem Modell, das etwa in der Mitte zwischen dem des Stainer und dem der Amatischule liegt. Forster, Simon Andrew. — London. Geb. 13. Mal 1781, t 2. Febr. 1870 Sohn von William III F. Erst Schüler seines Vaters und dann von Samuel Gilkes, der als Gehilfe bei seinem Vater arbeitete. Er kam seinem Vater und Großvater zwar nicht gleich, war aber ein feiner Kenner und ist namentlich bekannt durch seine Mitarbeiterschaft an dem Buche »The history of the Violin by Sandys and S. A. Forster« (1864). Geigenzettel: (in billigen Geigen:) Forster, No . . . (ge- druckt). — S. A. Forster / Violin, Tenor and Violon- cello / Maker / No . . London (gedruckt). Forster — Fran^ais 145 Forster, William I. — Brampton. 1713, t 4. März 1801 Sohn von John F. Er nennt sich auf seinen Zetteln zwar ausdrücklich Geigenmacher, war aber gleich seinem Vater eigentlich Spmnraddrechsler und hat auch als Spielmann sein Brot verdient. Seine Geigen sind roh gearbeitet und haben schlechten Spirituslack, klingen aber meist gut. Geigenzettel: William Forster / Violin Maker / in Brampton (gedruckt). Forster, William II. (»Old Forster«). — Lon- don. Geb. 1739 in Brampton, f H.Dez. 1808 m London Sohn von William I F., dessen Schüler er sowohl als Büchsenmacher wie als Geigenmacher und Musiker war. Mit etwa 20 Jahren kam er nach London und arbeitete zunächst gelegentlich für Händler, bis er sich so viel erspart hatte, um seine eigene Werkstatt zu er- öffnen. Er ist ein vorzüglicher Meister gewesen und unstreitig der bedeutendste aus seiner Familie. Er ahmte von 1762— 1772 Stainer und dann die Amati nach und besaß einen trefflichen Lack; wenn er auch den edlen Ton seiner Vorbilder nicht erreichte, so übertraf er sie doch sehr oft in der Klangfülle. Die englischen Samm- ler und Musiker achten seine Arbeit der Stamerschen gleich, und namentlich seine Violen und Violoncelli erreichen hohe Preise. — Es gibt auch einige sehr gute Bässe von ihm, die er mit Vorliebe violoncelloförmig baute. Sein noch erhaltenes Tagebuch ist ein wertvolles Dokument zur Geschichte des Geigenbaus. Eine von ihm im Jahre 1800 gebaute Violine besitzen W. E. Hill & Sons. Geigenzettel: William Forster, / Violin Maker / in St. Martin 's Lane London / 1779. (gedruckt). Forster, William III. (*>young Forster«). — London. Geb. 7. Jan. 1764, f 24. Juli 1824 Sohn und Schüler von William 11 F. Er kam in Arbeit und Lack seinem Vater sehr nahe und stand in hohem Ansehen. Er heiratete im Jahre 1786 und hatte zwei Söhne, die beide Geigenmacher wurden. Geigenzettel: William Forster Junr / Violin, Violon- cello, Tenor &Bow-Maker/ 1809 also music No 43 / to their Royal Highness the / Prince of Wales and the Duke of Cumberland (gedruckt). Forster, William IV. — London. Geb. 14. Dez. 1788 in London, f 8. Okt. 1824 in Chelten- ham Altester Sohn von William III F. Schüler seines Vaters und seines Großvaters. Er war hauptsächlich Repara- teur, arbeitete einige Zeit bei Th. Kennedy und hat höchstens 12 — 15 neue Instrumente gebaut, von denen nur zwei oder drei Violinen und ein Violoncello als gute Arbeiten gelten können. Es kommen übrigens nicht selten gewöhnliche Fabriksgeigen vor, in die er seinen Zettel geklebt hat. V. Lütgfendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II Geb. um Forstner. — Geigenmacherfamilie in Schön- bach b. E. : Forstner, Johann, ist als Halsschnitzer tätig Forstner, Martin, ebenso Forstner, Vincenz, war Geigenmacher und als solcher schon 1826 in der Innung Fortier. — Rouen. 1708 Ein »Luthier«, von dem nur der Name dadurch be- kannt wurde, daß er von der Zunft verklagt wurde, er arbeite ohne Meisterbrief. Foucher, Teilhaber der 1866 gegründeten Geigenmacherfirma Haynes, Foucher & Co. in London Fouquet s. Lecomte Fourier, G. — 1893 Vermutlich ein Mirecourter, vielleicht nur ein Händler. Geigenzettel : Lutherie artistique / G. Fourier 1893 (ge- druckt). Fourneau. — Paris. Um 1780 Wenig bekannter Geigenmacher, der zwar ganz brav zu arbeiten verstand, aber einen schlechten Lack ver- wendete. Fourner s. Nicolas Geigenzettel: Abb. 228, 229. Fox, Joseph. — Leeds. 1855. 1862 Ein Maschinenbauer, der aus Liebhaberei Geigen machte und — ■ abgesehen vom Lackieren — seine Geigen so gut zu machen verstand, wie irgendein zunft- gemäßer Geigenmacher. Fracei, Pietro. — Pescia. 1816 Wenig bekannter Italiener, der nicht allzu sorgfältig arbeitete, dessen Geigen aber immerhin wertvoll sind. Er bevorzugte ein schmales, an Jos. Guarnerius er- innerndes Modell und machte breite Einlagen und zier- liche Schnecken. Besonders schön ist sein goldorange- gelber Lack. Gottfr. Glaser in Wiesbaden besitzt eine Violine von ihm mit einem ausgesucht hübschen klein- geflammten Boden. Fraiser, Giorgio. — Cremona. Geb. 1648. 1666 Wahrscheinlich ein Tiroler, der 1666 in der Werkstatt N. Amatis arbeitete. Fran^ais, Henri. — Paris. Geb. in Mirecourt 26. Nov. 1861 Schüler von A. Darte, später kam er zu Lullier in Boulogne-sur-Mer und 1880 zu Gand & Bernardel. Er arbeitete 22 Jahre lang bei der gleichen Firma und wurde am 1. Juli 1901 mit Caressa zusammen Nach- folger von Gustave Bernardel. Er arbeitet nach Lupot in den Traditionen der Werkstatt, erhielt schon 1897 in Brüssel eine goldene Mitarbeitermedaille und ist seit 1911 Officier de l'instruction publique. 10 146 Francdidier — Franke Francdidier, Fran^ols. — Mlrecourt. 1774. 1787 Nur von A. Jacquot erwähnter Geigenmacher. Franciolini, Leopoldo. — Florenz (?). 1780 In einem sehr schadhaften, oft geflickten Baß, fand sich auch der (Rep.)-Zettel : »Leop. FrancioHni Fioren- tino ] 780« (geschrieben). Die Heimatsbezeichnung muß nicht auch den Wohnort andeuten. Name, Schrift und Jahreszahl erschienen, nebenbei bemerkt, sehr ver- dächtig. Franck, Gottfried Hinrich Anton. — Ham- burg. 1785 Em Instrumentenmacher, der am 21. Januar 1785 Bürger von Hamburg wurde. Franck, Johann Andreas. — Klingenthal. 1 740. 1765 Sein Name kommt seit 1 740 in den Innungsbüchern vor. Näheres über ihn weiß man jedoch nicht. Franck (?), Johann Michael. — Dresden. 1794 Ein bisher nicht bekannter Dresdener Geigenmacher, von dem J. M. Tschenn in Leipzig eine gute, nach einem kleinen Amatimodell gebaute Violine besitzt. Die Arbeit ist sauber, der Lack gelbbräunlich. Der Name ist schwer leserlich (der Besitzer liest >>Framlr<'). Geigenzettel : Johann Michael Franck / Violinmacher Dreßden 1794 (geschrieben). Franck, Ludwig. — Lübeck. Geb. um 1700, t 9. April 1763 Er erwarb am 16. Juni 1724 als Instrumentenmacher das Bürgerrecht und wurde 1725 Organist am Dom. 1729 heiratete er Cath. Dorothea Raggen. Sein Sohn Ludewig starb schon 1752. Außer diesem besaß er nur eine Tochter; der Hamburger G. H. A. Franck war also nicht sein Sohn, wie man früher glaubte. Er hat Lauten und Harfen repariert, scheint jedoch fast aus- schließlich Klavier- und Orgelbau betneben zu haben. Eine Arbeit von ihm, ein Klavier von 1 756, besitzt das Museum in Lübeck. Franck. — Gent. 1800. 1830 Ursprünglich Bildhauer, hat er sich erst später auf das Geigenmachen verlegt und war namentlich als Re- parateur gesucht. Geigenzettel : Raccommode par franck / rue De La Maison Dieu / paroise St. Sauveur N 5 / gand (ge- schrieben). Franco (Franchi), Stefano. — Florenz. 1686. 1692 Sohn des Caspar F. Ein Lautenmacher, der vermutlich Frank hieß. Eine kleine Oktavlaute (Pandurina) von ihm befindet sich in W. Heyers -Musikhistorischem Museum in Köln (Nr. 494). Fran^ois, Jean. — Mirecourt. 1755. 1758 Gewöhnlicher Mirecourter Meister. Seine Violen ha- ben geschnitzte Wirbelkästen. Er bezeichnete seine Geigen gern als aus Paris stammend und verwendete eine Brandmarke mit seinem Namen. A. Jacquot konnte über ihn nichts in den Mirecourter Urkunden finden, dagegen fand er einen Frangois Frangois, der um 1774 bis 1 787 lebte. Geigenzettel: Gian Fran9oit ä / Mircour au Lorraine / Fai en 1758 (gedruckt). Fran9ois, Maitre (»le luppetier«). — Mire- court. 1612 Einer der ältesten überlieferten Namen eines Mire- courter Geigenmachers. Wahrscheinlich hat man es da nur mit dem Taufnamen zu tun. Es müßte demnach erst festgestellt werden, wie dieser Maitre Franfois wirklich hieß. Frank, Eduard, lebte im 19. Jahrhundert in Zwota Frank, Joseph. — Linz a. D. 1795 Vielleicht ein Bruder von Meinrad Fr. Er dürfte jung gestorben sein oder nur selten Geigen gemacht haben. Obwohl er sich »bürgerlicher Geigenmacher« nennt, konnte ich ihn bisher in den Bürgerlisten nicht finden. Geigenzettel : Joseph Frank, bürgerlicher / Geigen- macher in Linz 1795 (gedruckt). Frank, Meinrad. — Linz a. D. Geb. um 1770. 1832 Wahrscheinlich Schüler und seit 16. Mai 1799 auch Nachfolger von Joh. Bapt. Havelka. Origineller, fleißi- ger Meister, von dem bessere Arbeiten noch häufig vorkommen. Er besaß ein eigentümliches Modell mit tief eingebogenen )( und hoher Wölbung. Die Schnecke ist dünn und eckig, der Lack gelbrot bis dunkelbraun, meist von wenig Glanz. Arbeit und Holz sind immer gut bei ihm. Bei Violen blieb er lange den alten Mo- dellen treu, die schlangenförmigen Schallöcher suchte er dagegen öfters zu ändern. Eine hübsche Viola d'amore aus dem Jahre 1801 von ihm besitzt das Mu- seum in Gothenburg. Er gebraucht eine Zeitlang die- selbe Vignette wie J. B. Havelka, in die er seinen Na- men mit Tinte schreibt. Geigenzettel: Abb. 210. Frank s. Grohmann Franke, Paul. — Nürnberg. Geb. 29. April 1876 in Frankfurt a. 0. Nachdem er von 1890 — 1894 bei Otto Seifert den Geigenbau regelrecht erlernt hatte, arbeitete er 15 Jahre lang als Gehilfe und hat sich 1909 in Nürnberg selbständig gemacht. Er baut hauptsächlich nach einer vorzüglichen Stradivarigeige, die er in Berlin zu ko- pieren Gelegenheit hatte, urtd bevorzugt ein großes Format und eine flache Wölbung, die jedoch nicht gleich vom Rande aus ansteigt. Er verarbeitet schönes altes Holz, macht alle Teile eigenhändig und bereitet Frankland — Fredimaur 147 auch seinen rötlichgelben Öllack selbst. Seine Arbeit wird sehr gelobt. — Auch sein jüngerer Bruder ist Geigenmacher geworden und war sein Schüler. Geigenzettel: Paul Franke, Geigenbauer / Nürnberg, gefertigt 1910 (gedruckt). Frankland. — London. 1785 Er wohnte Robin Hood Court, Shoe Lane und war meist für William Forster beschäftigt, ragte aber als Geigenmacher nicht hervor. Franz, Joachim. — Havelberg. Geb. 1748 Im Havelberger Meldeamt ist über ihn nichts zu fin- den, doch soll um 1870 ein alter Mann namens Franz, der Instrumentenmacher gewesen ist, gestorben sem. Er wohnte zuletzt im Heinetterberg (Heinstterberg?). Seine Tochter war mit Stellmacher Kardetzki in Da- merow verheiratet^). Er hieß Johann Jochen Franz und muß wohl ein Sohn Joachim F.s gewesen sein. Franza, Glacomo. — Badla Polesme (Prov. Rovigo) Sein Zettel findet sich in einer unbeholfen gemach- ten Violine mit roh gearbeiteter Schnecke aus der Sammlung Pasini, jetzt im Besitz des Rittmeisters C. S. Picht in Ulm. Geigenzettel : Giacomo Franza / Fabricatore Da vlolini / in Badia polesine. Fratis (Pratls, Pradter), Stephan. — Prag. 1674' 1695 Der Name kommt in so verschiedener Form vor, daß ich unsicher bin, ob ich diesen Stephan für emen Ver- wandten von Leonhard Pradter oder von Georg Fra- tisch, der in Prag lebte und im Jahre 1752 zwei Wald- hörner für die Lorettokirche machte, halten soll. Vgl. Pradter. Frauendorf er s. Kurz und Frauendorf er Frazier, J., lebt in Bristol als Geigenmacher und Geigenlackfabrikant Frebinet, Claude. — Mirecourt. 1660 Bis jetzt der älteste bekannt gewordene Geigenmacher Familii semer f amuie Mirecourt. Geb. 24. Fe- Frebmet, Georges bruar 1874 Schüler seines Großvaters Deroux in Reims. Er ar- beitete bei Hei und bei Blanchard und entwickelte sich zu einem sehr tüchtigen Geigenmacher. Frebmet, Georges -Fran^ois. 1759. 1760 Nur dem Namen nach bekannt. Mirecourt. ^) Nicht zu finden. Frebinet, Jean-Baptiste I. — Mirecourt. 1688 Ihm gehört wahrscheinlich der abgebildete Zettel, der richtig Frebinnet gelesen werden muß, aber meistens irrig Frebrunet gelesen wurde. Geigenzettel : Abb. 222. Frebinet, Jean-Baptiste II. — Mirecourt. Geb. um 1718. t 1776 Vielleicht ein Sohn von Jean Baptiste I. Er heiratete im Jahre 1743 und wird sich damals selbständig ge- macht haben. Seine Arbeit ist recht gut und mit der von Pierray zu vergleichen. Er verwandte einen guten, gelb- braunen Öllack. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1760 besitzt das Konservatorium in Paris. Im Selhof- schen Versteigerungsverzeichnis (Haag 1 739) wird eine Geige von J. B. Frebine mit der Jahreszahl 1751 an- geführt. Seine Zettel enthalten zumeist nur seinen Namen ohne Ort und Datum. Daß er auch in Paris gearbeitet haben soll, wird zwar behauptet, aber wahr- scheinlich hat er seine Vaterstadt nur in seinen Ge- sellenjahren verlassen. Fredi, Fabio, O^. — Todi, Rom. Geb. 1 845 in Todi, t 18. Januar 1894 in Rom Tüchtiger Geigenmacher und Musiker, der von 1875 bis 1878 in Todi arbeitete und 1879 nach Rom über- gesiedelt ist. Fredi, O^. Rodolfo. — Rom. Geb. 18. Juni 1861 in Todi (Perugia) Sohn und Schüler von Fabio Fr. Er eröffnete am 1. Januar 1885 seine eigene Werkstatt in Rom und baute bisher nach 10 verschiedenen Modellen, kam aber zuletzt auf das Stradivarimodell zurück, das ihm jetzt zum Vorbild dient, ohne daß er dabei die Absicht hat, lediglich Kopien zu fertigen. Die für den Handel berechneten Geigen versieht er mit Spirituslack, die besseren dagegen mit Öllack. In der letzten Zeit be- schäftigt er sich jedoch mehr mit Orgeln und Klavieren usw. als mit Geigen. Geigenzettel: Rodolfo Fredi / fece in Roma anno 1901 (gedruckt). Fredimaur, Joannes Baptista. — Florenz. 1740. 1750 Weder die Form des Namens noch die Herkunft dieses Meisters kann als sicher angesehen werden, selbst die Zeit, wann er gelebt hat, müßte erst festgestellt werden. Nach Gallay-Brunis Inventaire besaß die Marquise de Thuisy eine Violine von »Fredimaure* aus dem Jahre 175. (?) (S. 175). Die Geigenhändler Lyon & Healy bieten eine Violine von J. B. FredrimauPr aus dem Jahre 1740 an, in Frankreich befindet sich dagegen eine Violine von guter Arbeit, langes, schmales Modell, hohe Wölbung, große F-Löcher, breite Reifchen, gold- gelber Lack, schmale kleine Schnecke mit der Jahres- zahl 1643. Ich halte die Jahreszahl zwar für falsch ge- lesen, muß sie aber doch erwähnen, da der Zettel im übrigen echt zu sein scheint. Geigenzettel: Joannes Baptista Fredimaur eximius / ligneus faber, Florentie anno 1 643 (gedruckt). 10* 148 Freeman — Frichelet Freeman s. Hare Freese, Andres. — Bremen. 1727 Der seit 1721—1763 in Bremen tätige, sehr geschickte Bildhauer Theophilus Freese^) hatte nach den Zunft- akten einen Bruder, dessen Vorname leider nicht an- gegeben erscheint. Vermutlich war Andres Freese dieser Bruder und seine« Zeichens ebenfalls Holz-, Elfenbein- und Steinbildhauer. Er wird also nur aus Liebhaberei Geigen gemacht haben. Eine Taschengeige von ihm besitzt das Städtische Museum in Braun- schweig. Geigenzettel : Andres Freeße/ Bremen d. 27. /Septemb. 1727 (gedruckt). Freiseisen. — Mittenwald. Anfang des 19. Jahr- hunderts Da er ausschließlich für die »Verleger« arbeitete, ist sein Name unbekannt geblieben ; daß er jedoch zu den besseren Geigenmachern seiner Heimat gehört haben muß, beweist eine sehr gute Violine mit seinem hand- schriftlichen Zettel, die ein Münchener Hofmusiker besaß. Freitag, Friedrich. — Berlin Ein geschickter Geigenmacher, der zusammen mit Paul Kurt Ficker arbeitet. Ihre Firma heißt »Freitag & Ficker«. Frenot, Jean. — Mirecourt. 1750 (?). 1788 Er gab in seinen Geigen, wie viele Mirecourter, Paris als Ursprungsort an, die hinzugefügte Jahreszahl 1 750 ist wahrscheinlich ebenso unrichtig, denn A. Jacquot weist nach, daß er erst 1781 geheiratet hat. Freund, F. — Neiße. 1841 Ist mir nur durch seinen Reparaturzettel bekannt ge- worden. Geigenzettel: Reparirt von F. Freund in Neisse 1841 (gedruckt). Frey. — Antwerpen C. C. Snoeck besaß eine von Maeterlinck in Gent be- malte Gitarre von ihm. Frey, Christoph. — Wiesensteig, Stuttgart. 1582. t 30. August 1635 Er stammte aus Ansbach und kam im Jahre 1582 aus Wiesensteig nach Stuttgart, wo er mit Joh. Thanner die Musikinstrumentenwerkstatt der Hofkapelle (»La- boratorium«) begründete. Er soll viel Geschicklichkeit bewiesen haben, namentlich als Pfeifenmacher und Orgelbauer, wird aber als »verdreht« bezeichnet und erregte durch seine »unzeitige« Heirat Anstoß. Frey(Frei),Hans.— Nürnberg. 1450.t21 .Nov. 1523 Es ist eine unbewiesene, vielleicht unbeweisbare Über- lieferung, daß Hans Frey einer der besten Lauten- und ^) Eine Elfenbeinstatuette von ihm ist in der Elfenbein- sammlung des Museums zu Braunschweig. Vgl. Joh. Focke, Bremische Werkmeister aus alter Zeit. Bremen 1 890. Violenmacher seiner Zeit war. Als Beruf übte er diese Kunst sicher nicht aus. Er war zugleich ein trefflicher Mechaniker, Physiker und Erfinder, kurz »ein kunst- reicher Mann, der in allen Dingen erfahren war.« »Für Musik hatte er Verstand, für einen guten Harfen- schläger war er berühmt«, wie Neudörffer von ihm be- richtet. Von seinem Leben ist nicht allzuviel Sicheres zu berichten. Er soll in seiner Jugend in Bologna ge- arbeitet haben und gehörte als der Letzte seines Stam- mes einer ehrbaren, wenn auch nicht ratsfähigen Fa- milie an. Er war mit der Patrizierstochter Anna Rum- lein (t 1521) verheiratet und wurde 1496 Genannter des größeren Rats. Einen Teil seines Ruhms bei der Nachwelt verdankt er dem Umstände, daß Albrecht Dürer sein Schwiegersohn war. Dieser schätzte ihn sehr hoch, und als er seinen Tod in der Hauschronik eintrug, bemerkte er, daß Hans Frey bei sechs Jahren krank war und ein Mann gewesen sei, »der auch in der Welt gleich unmöglich Widerwärtigkeit erduldet hat«. In den Nürnberger Gerichtsbüchern (Abteilung ht- terarum) erscheint Hans Frey (Litter. 8, Bl. 228) als Zeuge; im Jahre 1484 (Bd. 3, Bl. 7) schließt er und sein Vetter Sebolt Frey einen Vertrag ab mit Hans Sendelbeck, dem Vormund des Hans Schütten- samen, wegen Verzinsung und Abnützung eines Hau- ses, gelegen an dem Hause des Schneiders Ulrich Kolb ; 1501 am 28. Mai erscheint er als Besitzer eines Hauses auf dem Graben hinter dem deutschen Hofe (Litter. 1 7, Bl. 99); 1502 am 3. Februar als Zeuge, und in einer Urkunde vom Jahre 1504 (Litter. 20, Bl. 105) als Vor- mund der Clara Gärtner. Nach seinem Tode fand sich ein Vermögen von 425 fl. bar und 600 fl. belegtes Ka- pital vor. Er liegt auf dem St. Johanniskirchhofe Nr. 649 begraben. — Weiteres findet sich noch bei Lochner: Die Personennamen in Albrecht Dürers Briefen aus Venedig (:Nürnbg. 1870:), S. 12—19. In der Samm- lung alter Musikinstrumente des Kunsthist. Museums in Wien kann man zwei schön gearbeitete neun- und elfspänige Altlauten sehen mit dem geschriebenen Zettel: Hans Frei. Freyer & Co. — Meißen. 1901 Erfinder einer Porzellanvioline. Freytag, A. — Landsberg a. W. 1855. 1860 Seinerzeit galt er als recht tüchtiger Reparateur und soll auch schätzenswerte theoretische Kenntnisse ge- habt haben. Etwas Näheres über ihn zu ermitteln war nicht möglich, da die Melderegister in Landsberg a.W. nicht so weit zurückreichen. Frez, Michael (Mlhaly). — Budapest. 1915 Geigenmacher. Frezza, Bartolomeo. — Brescia. 1624 Bisher nur als Lautenmacher von Valdrighi (4493) er- wähnt. Frichelet. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamilie, von der genannt werden : Antoine, 1687, 1691, dessen Sohn Claude-Nicolas, geb. 1687 und Claude, der noch 1761 und 1762 vorkommt. Friede Fritz 149 Friede (Frledl?), Johann Karl Eine angeblich aus dem Jahre 1 700 stammende Zither mit diesem Namen stellte A. F. Hill in der Londoner Music Loan Exhibition 1904 aus. Friedel, Heinrich August. — Berhn. Geb. 11. Okt. 1863 in Markneukirchen Schüler von Gustav Otto. Nachdem er jahrelang bei hervorragenden Meistern als Gehilfe gearbeitet hatte, gründete er im Jahre 1889 sein Geschäft in Berlin und erwarb sich durch seine besondere Tüchtigkeit sehr bald einen großen Kundenkreis. Seine neuen Geigen werden von ersten Künstlern gern gespielt und als Reparateur erfreut er sich eines wohlverdienten Rufs. Geigenzettel: H. A. Friedel / Berlin W. 18 . . (gedr.). Friedrich, Johann s. Gözel Friedrich, John. — New York. Geb. 26. Juni 1858 in Kassel Schüler von Joseph Schonger in Kassel, arbeitete von 1875—1883 in Kassel, Stuttgart, Leipzig und in Berlin bei 0. Möckel ; dann ging er nach Amerika, wo er in New York mit seinem Bruder William (f 1 . Mai 1911) die Geigenmacherfirma John Friedrich & Bro. grün- dete. Nach dem Tode des Bruders trat dessen Sohn William J. Fr. in die Firma ein, deren Teilhaber schon seit 1893 Ernest N. Darlng ist. Die Geigen sind gut und sauber gemacht und erhielten auf den Weltaus- stellungen In Chicago (1893) und Saint Louis (1904) die höchsten Preise. Geigenzettel : John Friedrich feclt New- York (gedr.). Friedstadt, Johann Christoph. — Kassel. Geb. 1 694, t im April 1 775 im Alter von 81 Jahren und 1 4 Tagen Obwohl er »Hofinstrumentenmacher« war, Heß sich im Archiv in Kassel nichts über ihn finden. Er war mög- licherweise ein Sohn des 1733 Im Alter von 61 Jahren verstorbenen Hofmalers Johann Wilhelm Fr. und ein Bruder des Hof musikers Joh. Heinr. Fr. (f 1 782), des Stadt- und Turmmusikers Ernst Fr. (f 1787) und des am 1 7. Februar 1 762 Im Alter von 57 Jahren zu Kassel verstorbenen herrschaftlichen Malers Johann Martin Friedstadt. — Seine Arbeit ist gut und reich verziert, eine Altviola von Ihm befindet sich In der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 872). Fritsch, Caspar. — Wildstem b. Eger. Geb. 29. Jan. 1875, t (gefallen) 1916 Schüler von Ernst Reinh. Schmidt In Markneukirchen. Er arbeitete als Gehilfe In Markneukirchen und Schön- bach und machte sich 1899 selbständig. Er baute Streichinstrumente und beschäftigte sich hauptsächlich mit der Wiederherstellung alter Geigen. D res- Fritsche (Fritzsche), Johann Samuel, den, Leipzig. 1780. 1810 Er war ein Schüler von Hunger und ein recht tüchtiger Gelgenmacher, der die Cremoneser mit Geschick nach- ahmte. .Auch sein bernsteinfarbiger Lack ist verhältnis- mäßig gut. Er verwendete verschiedene Zettel. Geigenzettel : Joh. Sam. Fritsche / Leipzig. 1 794 (ge- druckt). — Johann Samuel Fritsche / Lauten- und In- strumentenmacher / fecit Dresde 17 . . (gedruckt). — Johann Samuel Fritsche / in Leipzig 17 . . (ge- druckt). Fritz. — Nürnberg. 1393. 1403 Im Kreisarchiv Nürnberg findet sich ein »Lauten- macher Fritz« erwähnt. Fritz dürfte nur der Tauf- und nicht der Familienname gewesen sein. »Fritz Lauten- macher« wurde 1393 als Bürger aufgenommen und bis 1403 in den Losungslisten (Losung, d. 1. direkte Steuer) aufgeführt. Er wohnte zuerst bei St. Martha und dann am Fischbach (In der heutigen Karolinenstraße). Ein anderer Fritz, der der Wende vom 16. zum 17. Jahr- hundert angehört haben dürfte, wird in dem 1613 auf- gestellten Musikinstrumenteninventar des Landgrafen Moritz von Hessen (In Kassel) erwähnt, wo es heißt: »25. eine Steinwerk-gelbe Viola dl gamba So fritz von Nürnbergk gemacht, darunter Ein baß, drey Tenor undt zwey Soprani.« Fritz, Johann. — Innsbruck. Geb. 27. Dez. 1783 zu Pfaffenhofen (Oberinntal), f n. 1825 Er war ein Bauemsohn und erlernte das Tischlerhand- werk. In seinen freien Stunden beschäftigte er sich mit der Anfertigung von Harfen und Gitarren und reparierte Gelgen. Er kam dann als Geselle zu dem Orgel- und Instrumentenbauer G. Gröber, bei dem er seine Kennt- nisse vervollkommnete. Angeborenes Talent und Hand- geschlcklichkeit kamen ihm zustatten, und Im Jahre 1816 erbat er beim Innsbrucker Magistrat die Zu- lassung als Musikinstrumentenmacher. Diese erhielt er aber erst, nachdem er durch Anfertigung einer in allen Teilen selbst gemachten Violine seine Tüchtigkeit erwiesen hatte. Den Geigenbau hat er zwar nicht regelrecht erlernt, sich aber jedenfalls von fach- kundiger Seite Rats erholt und sich gute Vorbilder verschafft. In seinen Gelgen erkennt man noch die Traditionen der alten Tiroler Schule, in seinem Lack kommt er sogar den Italienern nahe, die Brust nimmt er breit und flach, der Boden ist mehr gewölbt als die Decke. Der Boden Ist häufig nach der Schwarte ge- schnitten und besteht bei größeren Gelgen auch aus weniger schönem Holz (.Apfel- oder Birnbaum). Die Schnecke Ist hübsch, die F-Löcher erinnern an Stalner, sind aber bei den Bratschen zu klein. Der Ton ist meistens recht gut, wenn auch nicht groß. — Nach Dr. F. Waldners Forschungen, der ausführliche An- gaben über Johann Fritz bringt (Nachrichten über Tiroler Lauten- und Gelgenbauer, S. 46ff.), heiratete er am 30. März 1818 die Gärtnerstochter Crescentia Trenkwalder. Sein Todesjahr war nicht zu ermitteln. Die vorläufig letzte Jahreszahl, die ich In einer Gitarre von Ihm fand, war 1825, was nur beweist, daß er da- mals noch lebte. Geigenzettel: Johann Fritz / Gelgen- und Chitar- macher / in Innsbruck. 1821 (gedruckt). — Johann / Fritz/ Instrumentenmacher /zu Innsbruck /.Anno 1825 (geschrieben in einer Gitarre). 150 Fritzsche — Fücker Frltzsche, Johann Benjamin. 1823 Zweiter Sohn des 1804 verstorbenen Blasinstrumenten- machers Joh. Aug. Fr. Er wohnte im väterhchen Hause in der Holzgasse N ■■. 636 und wurde am 1 9. August 1 802 Bürger. Ein geschickter Meister, der bald zum Hof- instrumentenmacher ernannt wurde (anfangs noch »Churfürstl.«, dann Königl. Sachs.). Geigen von ihm kommen häufig vor, auch als Reparateur war er viel beschäftigt. Eine Mandoline von ihm aus dem Jahre 1806 befindet sich in der Sammlung Seheurleer. Geigenzettel : Abb. 206. Fritzsche, Karl August. — Dresden. 1797. 1809 Älterer Sohn von Joh. Aug. Fr. Erlernte bei seinem Vater die Holzblasinstrumentenmacherei und verlegte sich dann auch auf den Geigenbau. Er wohnte nach den Adreßbüchern von 1 797 in der Schloßgasse Nr. 294, 1 799 in der Pirnaischen Vorstadt Nr. 20 ; am 2 1 . August 1803 wurde er Bürger und wohnte damals Fischers- dorf Nr. 708. Er ist weniger bekannt geworden als sein Bruder und wahrscheinlich früh gestorben. Fröberg, Andreas. — Stockholm. 1762. 1770 Ein bisher nur dem Namen nach bekannter schwedi- scher Geigenmacher, der im Jahre 1 762 als solcher in Stockholm privilegiert wurde. Fromm, Franz. — Wien Begründete 1886 in Wien sein Streichinstrumenten- geschäft. Fromm, Karl. — Wien. Geb. 1852 in Wien Begründete im Jahre 1878 sein Musikinstrumenten- geschäft. Er ist ein vorzüglicher Zitherspieler und baut sehr gute und schön gearbeitete Zithern. In seiner Werkstatt werden auch Geigen hergestellt, bei denen er anfangs das Amati-, später das Stradivanmodell be- vorzugte. Er war Juror gelegentlich der Wiener Musik- und Theaterausstellung und besitzt Preise der Chi- cagoer und Pariser Weltausstellung und von 20 anderen Ausstellungen, hat einen Tonregulator für Streich- instrumente (ähnlich dem von Stauffer) konstruiert und baut auch Konzertzithern mit freischwingenden Stegen und ohne Brücke (seine Erfindung). Geigenzettel: Carl Fromm, Geigenmacher/ Wien II, Taborstr. 20. 1886 (gedruckt). Fronhofer, Georg. — Füssen. 16. Jahrhundert In Raymund Fuggers Musikkammer (vom Jahre 1566) befand sich (Nr. 74) »Eine alte Gute Lauten von G. Fronhofer; (Nr. 76): Eine alte gute Lauten von Georg Fronhofer; (Nr. 80): Eine alte gute Lautan von Georg Fronhofer«. Vgl. Stockbauer, Kunstbestrebun- gen unter Alb. V. u. Wilh. V. (:Wien 1874:), S. 83. Dasselbe Verzeichnis nennt auch einen Lautenmacher Hans Kronhofer. Ob hier nicht ein anderes Mitglied derselben Familie gemeint ist? In beiden Fällen fehlt die .'Xngabe des Wohnorts, doch gibt Trautmann Füssen als Fronhofers Heimat an. Dresden. 1802. Frosch, Andreas. — München (?) Ein Lauten- und Geigenmacher vom Ende des 17.Jahr ] hunderts. EinLautenbassettchenvon ihm befindet sich im Münchener Nationalmuseum. Fryer, John Charles. — London, dann Leeds. 1828. t 1840 Erst Gehilfe und seit 1 828 auch Kompagnon von Dear- love. Bei seinen Geigen fehlt gewöhnlich die Hohlkehle. Fuchs, Franz. — Linz a. D. Geb. 30. Juli 1875 in Linz Schüler von Ed. Heidegger, bei dem er als Gehilfe u. a. mehrere Bratschen nach dem Kleinmensursystem Dessauer anfertigte. Seine weitere Entwicklung wurde hauptsächlich von Prof. Sadtler beeinflußt, der ihn seit 1893 in die Ergebnisse seiner durch 50 Jahre fortge- setzten Forschungen über die Gesetze des Geigenbaues einweihte. In gemeinsamen, vielfältigen Versuchen reifte das Können des jungen Geigenmachers, der seit dem Tode Prof. Sadtlers es auch verstanden hat, die auf wissenschaftlichem Wege gefundenen Richtlinien mit der künstlerischen, äußeren Erscheinung seiner Arbeiten in Einklang zu bringen. Er arbeitet nach einem eigenen, zwischen Stradivari und Guarneri liegenden, großen Modell mit schlankem Wirbelkasten und schöner Schnecke, verwendet ausgezeichnetes Ton- holz und einen weichen, rötlichgelben Ollack. Er ar- beitet mit der größten Genauigkeit und macht alles selbst, so daß er im Jahre höchstens vier Geigen fertig- stellt. Bei diesen sind die Stärkeverhältnisse des Holzes, die Wölbung und der Luftraum sorgfältig berechnet. Den Baßbalken setzt er ungespannt ein. Der Ton seiner Geigen, Violen und Violoncelli ist sehr schön und groß. Geigenzettel : Geigenmacher / Franz Fuchs Linza./d.D., Baujahr . . No . . Fuchs. — Schönbach b. E. Als Geigenmacher waren oder sind in ihrer Heimat tätig : Fuchs, Andreas, f 1898 Fuchs, Anton War 1826 bereits Meister und soll eine Zeitlang in Görkau bei Komotau ansässig gewesen sein. Fuchs, Franz War 1826 bereits Meister und starb 1877. Fuchs, Josef Kommt schon 1802 und noch 1840 vor. Er war der beste Geigenmacher aus dieser Familie. Seine Geigen sind nach der Form gebaut, mit schöner Wölbung und zeigen rötlichen Spirituslack. Er gebrauchte verschie- dene Zettel. Geigenzettel: Joseph Fuchs, Geigen- / und Lauten- macher in / Schönbach 1 806 (gedruckt). — Joseph Fuchs Violinmacher / in Stadt Schönbach / bei Eger in Böh- men Anno 1840 (geschrieben). Fücker s. Ficker Fürst ■ux 151 'p Fürst, Georg. — Mittenwald. 1790. 1810 MIttenwalder Durchschnittsarbeit ohne bemerkens- werte Eigenschaften. Geigenzettel: Georg Fürst in Mittenwald an / der Iser 1790 (gedruckt). Fürst, Johann I. — Mittenwald. Geb. 1822, t 1882 Wahrscheinlich ein Sohn von Georg F. Seine Geigen können als Beispiel dafür dienen, wie um die Mitte des 19. Jahrhunderts aus den Arbeiten der Mittenwalder das Persönliche, das auch die Geigen der weniger ge- schickten, älteren Meister noch auszeichnet, allmählich verschwindet. — Er verlegte sich auch später mehr auf den Zitherbau. Fürst, Johann II. — Mittenwald. 1919 Er arbeitet rriit seinen Söhnen und befaßt sich mit der Herstellung von Violinen, Gitarren und Zithern. Fürst, Thomas. — Mittenwald. Geb. 29. April 1860 Schüler seines Vaters Johann F. Er baut hauptsächlich Zithern und Gitarren, aber auch Geigen nach allen alten Meisterraodellen. Geigenzettel: Thomas Fürst Saiten-Instru- / menten- macher, Mittenwald a. d. I. / Bayern 1893 (gedruckt). Fulquet, Annibal. — Montevideo (Uruguay). 1890. 1916 Sohn und Schüler von Sebastian F., dessen Nachfolger er 1 890 wurde. Er arbeitete anfangs nach einem Modell, das er nach Nie. Amati, Stradivarl und Guarneri zu- sammengestellt hatte. Seit dem Erscheinen von Hills Buch über Stradivari arbeitet er nur noch nach diesem Meister. Er verwendet schönes Holz und einen guten Lack; seine Violinen werden von Geigern sehr gelobt. Er gilt auch als geschickter Reparateur. Fulquet, Sebastian. — Montevideo. 1860. 1890 Ein tüchtiger Mandolinen- und Gitarrenbauer, der aber auch als Geigenmacher Anerkennung gefunden hat. Er betrachtete J. B. Vuillaume als sein Vorbild und als seinen Meister. Furber, David. — London. 1750. 1760 Der Stammvater dieser Geigenmacherfamilie, Geburts- und Todesjahr sind unbekannt. Er soll ein Schüler John Johnsons gewesen sein und namentlich einige gute Bässe gebaut haben. Furber, Henry John. — London. 1830, lebte noch 1865 Sohn und Schüler von John F., dessen Geschäft in der Grafton Street von ihm fortgesetzt wurde. Seine Arbeit ist lobenswert. Furber, James. — London. Geb. vor 1790 Ältester Sohn von Matthew F. sen. Nur als Reparateur hervorgetreten. Furber, John. — London. 1810, lebte noch 1841 in Cow Gross, Smithfield Dritter Sohn von Matthew F. sen. und dessen Schüler. Er ist der Bedeutendste aus der Familie und baute zahl- reiche gute Geigen, zu denen ihm das Amatimodell als Vorbild diente. Er arbeitete auch bei J. E. Betts und war als Reparateur hochgeschätzt. Geigenzettel: John Furber, Maker / 13 John's Row, top of BrickLane, / Old St., Saint Luke 181 3 (gedruckt). Furber, Matthew I. — London. 1740. f um 1790 Sohn von David F., dessen Schüler er auch war. Er hatte drei Söhne, doch nur von den beiden jüngeren ist es bekannt, daß sie Geigenmacher waren; ob der älteste Sohn namens James die Kunst wirklich selb- ständig ausgeübt, ist nicht erwiesen. Furber, Matthew II. — London, f um 1830 oder 1831 Zweiter Sohn von Matth. I F. und dessen Schüler. Füret, Fran^ois. — Lyon. 1583 Ein Instrumentenmacher, der nur dem Namen nach bekannt ist. Fux, Jakob.— Wien. Geb. um 1753, f 21 .Aug. 1819 Er übernahm im Jahre 1 787 Philipp Wurms Werkstatt im »Tiefen Graben Nr. 369« (die vorher Joh. Georg Huber innehatte) und legte am 28. Juni 1787 den Bürgereid ab. Er ist aus der Familie Fux der Unbedeu- tendste. Geigen von ihm kommen selten vor, sind nach einem breiten, flachen Modell gebaut und haben gelben oder roten Lack. Fux, Johann Jakob. — Wien. 1691. 1705 Vielleicht ein Sohn oder Bruder von Matthias F. Im Wiener Steuerbuch von 1692 heißt es: »Fux, Jakob, wohnhaft im Wübmer (Wiedener) Viertl. 30. Juni: Jakob Fux, Lautenmacher ist vermög der hehl. Steyer Anschlags-Commissanen mündlicher Veranlassung, in Ansehung seiner Armuth mit der 1692er Steyer zu ver- schonen, soll aber im 1693 jährigen Steuer Anschlag eingebracht werden.« — • Seine Geigen, die an das Stainermodell erinnern, sind sehr gut gearbeitet und gut im Holz, ohne im übrigen hervorzuragen. Fux, Matthias. — Wien. 1672. 1700 Ein besonders geschickter Geigen- und Lautenmacher, der vermutlich aus Füssen stammte, wenn er nicht aus Hirtenfeld in Steiermark kam, wo 1660 der bedeutende Kontrapunktist Johann Joseph Fux (f 1741 als Hof- kapellmeister in Wien) geboren wurde. Er heiratete am 19. Juni 1672 als »bürgerlicher Lautenmacher«, muß also vorher bereits das Bürgerrecht erworben haben. Er hat namentlich gute Violen und Lauten mit reichen Verzierungen usw. gebaut, ward Hoflautenmacher und verwendete sehr gutes Holz, für den Boden meistens Augenahorn, und granatroten Lack. Er bevorzugte ein 152 Gabasse — Gärtner größeres Stainermodell mit hoher Wölbung. Baron sagt von ihm in seiner »Untersuchung des Instruments der Lauten« (S. 96), nachdem er ihn als berühmten Lauten- macher bezeichnet hat: »Was aber (Math. Fux) an- betrifft, so hat er ebenfalls gute Lauten und Violinen verfertigt, und hat vom Kayserlichen Hoffe dependirt.« Das Stift Osegg besitzt eine Lautengitarre von ihm aus dem Jahre 1692 (Kat. Nr. 29. rep. v. C. J. Helmer) und die Benediktinerabtei Kremsmünster eine Laute, die er »zugerichtet« hat. Geigenzettel : Mathias Fux Römisch kayserl / Majestät Hof Lauttenmacher in Wien / zugericht. 1685 (gedr.) und Abb. 213. (jabasse s. Cabasse Gabrlelll, Antonio. — Florenz. 1760 Gute Arbeit und goldgelber Lack machen seine Geigen schätzenswert. Geigenzettel : Antonio Gabrielli fece / in Firenze 1760 (gedruckt). Gabnelli, Bartolommeo. — Florenz. 1730 Vielleicht der Bruder Christoforo G.s; seine Geigen erinnern an die Evangelistis. Gabrielli, Cristoforo. — Florenz. 1730 Es ist mir nicht gelungen, eine echte Geige von ihm zu Gesicht zu bekommen, doch wird sein Name glaub- würdig überliefert. Gabrielli (Gabbrielli), Giovanni Battista. — Florenz. 1739. 1770 Der bedeutendste Geigenmacher dieses Namens. Er erreicht zwar die Cremoneser nicht, ist aber doch einer der besten Florentiner seiner Zeit. Seine Arbeit ist ge- schmackvoll, das Holz gut, sein Lack meist von hell- gelber Farbe, durchsichtig, aber etwas hart. Die F- Löcher erinnern öfters an Stainer, der Ton ist schön, manchmal aber etwas rauh. Er suchte augenscheinlich nach einem neuen Modell und machte eine Anzahl Geigen, die allzu rund gewölbt erscheinen. Am besten gelangen ihm Violen und Violoncelli. Außer seinen Zetteln verwendete er auch eine Brandmarke I. B. G. — Er gehört zu den Meistern, deren Name von Händ- lern gerne mißbraucht wurde, weshalb man auch den unglaublichsten Entstellungen seines Namens begegnen kann (»Gabbicellis«, »Garbicelli« usw.). ■ — Ich kenne nur geschriebene Zettel von ihm. Eine Geige von ihm aus dem Jahre 1 745 besitzt W. Heyers Musikhistori- sches Museum in Köln. Geigenzettel: Gio Battista / Gabbriell Firenze / Anno 1 762 (geschrieben) und Abb. 257 und 298. Brandmarke Nr. 33. Gade, J. N. — Kopenhagen. 1839. 1850 Bruder von Sören N. Gade. Er machte hauptsächlich Gitarren und nur wenige Geigen, zuletzt auch Klaviere und war ein geschickter Arbeiter. Eine Gitarre von ihm besitzt Claudius in Kopenhagen. Er arbeitete seit den vierziger Jahren mit seinem Bruder zusammen, die Firma hieß dann Brodrene (Gebrüder) Gade. Geigenzettel : J N Gade. Instrumentmager / boende i Borgergade 197 Kjdbenhavn (gedruckt). — Brodrene Gade / Instrumentenmagere / Boendes i Borgergade N° 197 / Kjebenhavn 1846 (gedruckt in einem Oval). Gade, Sören Nielsen. — Kopenhagen. Geb. 1790, t 1875 Guter Geigenmacher, aber besonders als Gitarren- inacher geschätzt. Er ist der Vater des berühmten däni- schen Komponisten Niels W. Gade. Geigenzettel: S. N Gade, Kjöbenhavn / 1830 (gedr.). Gändl, Franz. — Goisern. 1763 Vielleicht ein Sohn von Franz Carl G. oder mit diesem identisch. Seine Geigen sind von guter deutscher Arbeit, aber handwerksmäßig ausgeführt. Geigenzettel: Franciscus Gändl Geigen- / macher in Goisern 1763 (gedruckt). Gändl, Franz Carl. — Goisern. 1753 Ahnlich wie Franz G. Geigenzettel: Franciscus Carolus Gändl, Geigenma- cher in Goysern, Anno 1 753 (gedruckt). Gändl (Gandl), Johann. — Ramsau. 1734 Er erscheint schon 1734, als Geigenmacher bezeichnet, in den Kirchenbüchern der Pfarrei Goisern, wohin die Ramsau eingepfarrt ist. Er ist jedenfalls als der Stamm- vater der Familie anzusehen. Seine Geigen sind sauber gemacht, ohne bemerkenswerte Eigenschaften. Gändl, Joh. Joseph. — Goisern. 1747. 1765 Vielleicht ein Sohn von Joh. G. in der Ramsau. Val- drighi führt ihn als »Bandl, Josef, in Oiffern« an. Seine Arbeit ist recht brav, das Holz oft zu loben, nur die Mensur ist meist unrichtig. Geigenzettel: Johann Gendl Geigenmacher / Ihn Goisern Anno 1747 (geschrieben). — Joannes Josephus Gändl, Lauten- / und Geigen-Macher in Goysern / Anno 1 748 (gedruckt). Gändl, Michael. — Goisern. 1772. 1780 Er wird in den Kirchenbüchern mehrfach erwähnt, auch haben sich noch Arbeiten von ihm erhalten, die, ohne hervorzuragen, recht gut im Tiroler Stil aus- geführt sind. Geigenzettel : Michael Gändl, / Geigenmacher in Goy- sern 1 772 (gedruckt). Gändl, Paul. — Ramsau. 1779 Er wird in den Kirchenbüchern stets als Geigenmacher bezeichnet. Arbeiten von ihm sind mir noch nicht be- gegnet. in Stutt- Gärtner, Eugen. — Stuttgart. Geb. gart 10. April 1864 Im Herbst 1879 trat er bei A. Sprenger in die Lehre und war da bis 1886 tätig, arbeitete Anfang 1887 bis Ende 1888 als Gehilfe bei N. E. Simoutre in Basel und Gäßler — Gagliano 153 ging dann in die deutsche Geigenbauschule zu Schüne- mann nach Schwerin, wo er noch drei Jahre blieb und sich" besonders im Bau von Konzertgeigen ausbildete. Im März 1891 machte er sich in seiner Vaterstadt selbständig, gewann bald einen Kundenkreis, wurde 1896 zum Königl. Hofgeigenbauer ernannt und erhielt im Januar 1906 den Titel eines Fürstl. Hohenzollern- schen Hoflieferanten. Er ist ein sehr geschickter Künst- ler, der bis 1910 etwa 300 Geigen, Violen und Violon- celli gebaut hat. Er hat mehrfach Medaillen und Ehren- diplome erhalten und die verdiente Anerkennung seitens der ersten Künstler, da er sehr sorgfältig arbeitet, schönes, altes Holz nimmt und vorzugsweise OUack an- wendet. Seine Einlagen bestehen aus echtem Ebenholz. Außer seinem in Farbendruck hergestelltem Zettel benutzt er auch eine Brandmarke. Er macht jährlich mehrfach größere Reisen nach Italien usw., um wert- volle Instrumente zu erwerben, und besitzt ein großes Lager alter Meisterinstrumente. Seine Verdienste wür- digten viele Fachblätter und Musikzeitschriften und im Februar 1911 erhielt er vom König von Württemberg die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande des Friedrichsordens. Geigenzettel: Abb. 254, 258, 259, 260. Brandmarke: Nr. 16. Gäßler, Andreas. — Mittenwald. 1750. 1753 Einzelne seiner Geigen sind recht gut, das Modell ent- spricht der Mittenwalder Schule. Gäßler, Michael. — Mitten wald. Geb. 22. Sept. 1750 Wahrscheinlich Andreas G.s Sohn. Er soll jung ge- storben sein und hat wohl nur wenig Geigen gemacht Gaetano s. Antoniaszi Gafflno, Giuseppe. — Paris. 1 734. f vor 1 789 Ein Italiener, wahrscheinlich aus Piemont, Schüler und später vielleicht Gesellschafter seines Pariser Lands- mannes Castagneri, wenn die .Abkürzung: »0°«. mit Consorto richtig gedeutet ist, und von 1 766 — 1 767 ge- schworener Meister der Lautenmacherzunft. Sein Ge- schäft, mit dem ein schwungvoller Instrumenten- und Saitenhandel verknüpft war und das das Schild »ä la musette de Colin« führte, wurde nach 1789 von der Witwe fortgesetzt. Seine Arbeit hat ganz den fran- zösischen Charakter, er verwandte blaßroten oder gel- ben Lack. Ein Alto von großem Patron aus dem Jahre 1748 ist im Cons. des Arts et Metiers in Paris. Seine Geschäftskarte, die als Einfassung die Umrisse eines Geigenbodens zeigt, lautete: »a la Musette de Colin.«/ »Joseph Gaffino, maitre et marchand Luthier ä Paris rue des / Prouvaires, fait vend, achete et loue toutes sortes d'instruments de / musique, scavoir: violons, basses d'orchestre Violoncellos, alto viola, / violes d'amour et toutes sortes de sa fa?on. II vend aussi vio- lons / et basses de Cremone, basses de viole d'Angleterre et de toutes / sortes d'auteurs etc. etc.« Geigenzettel: Gaffino 0° di Castagnery / rue des Prouvaires, / Pariggi 1748 (gedruckt). — Gaffino 0° di Castagnery / rue des Prouvaires. Pariggi 1 755 (gedr.) und Abb. 264. Gagliano, Alberto. — Neapel. 1877 Wahrscheinlich ein Sohn von Raffaele G., dem seine Arbeit ähnlich ist. Gagliano, Alessandro. — Neapel. Geb. In Neapel um 1660, f 1725 lussupof f erzählt eine romantische Geschichte von einem Duell, das der einer vornehmen Familie entsprossene Gagliano gehabt haben soll, und das ihn nötigte, aus Neapel zu fliehen. Er sei dann nach Cremona ge- kommen und Schüler von Stradivari geworden. Das Letztere behauptet G. selbst auf seinen Zetteln, es erscheint auch recht glaubwürdig, daß er, wie be- hauptet wird, 30 Jahre lang Stradivaris Gehilfe ge- wesen sein soll. Die ältesten Instrumente von Alessan- dro sind allerdings erst von 1695 datiert; sie zeichnen sich gleich durch ausgesucht schönes Holz und schöne Arbeit aus. Die F-Löcher sind groß und steil (Mensur meist 200 mm statt 195 mm), die Schnecke klein und manchmal nicht sehr sorgfältig geschnitzt, der pracht- voll geflammte Boden meist aus einem Stück. Der Lack ist wundervoll tiefrot oder orangefarben und leicht vom Cremoneser zu unterscheiden; in der Form erinnern seine Geigen an die besten Arbeiten Carlo Bergonzis, wofür sie auch oft verkauft werden. G. ist der Gründer der Neapolitanischen Schule und das Haupt der bis auf unsere Tage bestehenden Familie. Er hinterließ zwei Söhne, die gleichfalls Geigenmacher wurden. Geigenzettel: Alessandro Gagliano Alumnus / Stradi- variUs fecit Neapoli anno 17 . . (gedruckt). —Alexandri Gagliano AlOmnus / StradiVariUs fecit Neapoli anno 1701 (bei Vidal, gedruckt). — Alexander Gagliano Alumnus AntoniS / StradivariUs fecit anno 17.. (gedr.) und Abb. 266 und 283. N eapel Geb. um Gagliano, Antonio I. 1728, tum 1795 Dritter Sohn von Nicola und jüngerer Bruder Ferdi- nandos. Er verwandte roten Lack, machte den Boden einteilig und arbeitete fast nur mit Josef und mit Raphael G. zusammen. Der gemeinsame Zettel kommt noch mit Jahreszahlen bis 1807 vor. Geigenzettel : Joseph et Antonivs/Gagliani Filii Nico-/ laj et Nepotes Ja- / nuari F Neap. 1771 (gedruckt). — Joseph & Antonius Gagliano / fec. anno 1787 / In Platea dicta Cerriglio (gedruckt). Gagliano, Antonio II. — Neapel. Geb. nach 1790, t 27. Mal 1860 Sohn von Giovanni und Enkel von Nicola G . Er arbeitete gemeinsam mit seinem Bruder Raffaele und benutzte auch nach dem Tode des Bruders die gemeinsamen Zettel, die seine Nachfolger allerdings auch noch weiter verwendeten. Er war nicht mehr hervorragend. Seine Wohnung war um 1826 »Sedile di Porto«, später Via Ciriglio Nr. 75. Geigenzettel: Antonio Gagliano / Via Ciriglio N° 75 Neap. / fccit Anno 1837 (gedruckt). Gagliano, Garlo — Gagliano, Giovanni II 154 Gagliano, Carlo. — Belluno 1732 Wenig bekanntes Mitglied der Familie. Eine Arbeit mit seinem Zettel findet sich im Rathaus zu Regens- burg. Geigenzettel : Carlo Gagliano / me fecit / Belluno anno 1732 (gedruckt). Gagliano, Ferdinando. — Neapel. Geb. 1724 in Neapel, t 1781 Ältester Sohn von Nicola, den er zwar nicht irnmer erreicht, aber trotzdem noch ein sehr guter Meister. Seine Arbeit ist der von Alessandro G. ähnlich, er ahmt das letzte Stradivarimodell nach und verwendet emen guten, rotbraunen oder gelben Lack von warmer Farbe. Die Wölbung nimmt er flacher, das Patron aber breiter und die Zargen manchmal höher als sein Vater, auch in der Wahl des Holzes ist er weniger sorgfältig, dagegen sind seine meist kleinen Schnecken recht sauber durch- geführt. Am besten gelangen ihm seine Violoncelli. Er soll einen Sohn namens Giuseppe gehabt haben. Auch er brachte, ähnlich wie Giuseppe Guadagnini I, auf der Innenseite der Decke die Anfangsbuchstaben einer De- vise an. Herr E. Löwenfeld in Wien besitzt eine Viohne von ihm, die außer dem Zettel parallel zum Baßbalken die Buchstaben trägt: S. L. J. C. J (kann auch F oder S sein!) S. SS. S. f. Otto Hiß in Brunn besitzt eine sehr schöne, rötlichbraun lackierte Violine von ihm, die nach Stradivari gebaut ist und auf dem Baßbalken der Länge nach schwer leserliche Buchstaben mit Bleistift ge- schrieben zeigt, die der Besitzer in folgender Form entziffert: »T G V 0)(-S 1 8' S 1-70 M C S S S 0 S S S 6 c S A«; auf der rechten oberen Backe sieht man: a(?) M— j-rj(?) A GFM SG. Die Buchstaben werden wohl einen frommen Spruch oder Vers bedeuten, wie solche Nicolaus Gagliano in seinen Arbeiten anzubringen pflegte. Um die Deutung zu ermöglichen, müßte erst eine sichere Lesart vorliegen. Geigenzettel : Abb. 232. Gagliano, Gaetano. — Neapel. Geb. um 1770, t 1824 Nach seiner eigenen Angabe ein Sohn von Giovanni G., dem er in der Arbeit nahe kommt. Seine Geigen sind ebenso sauber gearbeitet, als sie gut klingen. Er machte aber auch sehr gute Gitarren und Mandolinen, die so geschätzt waren, daß seine Nachfolger auch nach seinem Tode noch seine Zettel in Gitarren klebten. Geigenzettel: Caietanus Gagliano filius / Joannes (sie) Neapolis 1820 (gedruckt). Gagliano, Gennaro. — Neapel. Geb. um 1 700, fnach 1770 Zweiter Sohn und Schüler seines Vaters Alessandro G., dessen Einfluß in seiner Arbeit unverkennbar ist. Er ahmt das Stradivarimodell nach, nur nimmt er die Wölbung manchmal höher und macht auch die F- Löcher kürzer, weiter und steiler als sein Vorbild. Er scheint eine Vorliebe für kurze Ecken gehabt zu haben. Seine beste Zeit ist zwischen 1730 und 1750; da er jedoch nur selten Zettel eingeklebt hat und noch selte- ner die Jahreszahl ausfüllte, ist^das Alter seiner Geigen nicht immer leicht zu bestimmen, ja, man hat wegen des seltenen Vorkommens seiner Zettel gewiß mit Un- recht angenommen, daß er nur sehr wenig gearbeitet habe. Was man von ihm kennt, ist trefflich, schönes Holz, prachtvoller orangegelber oder rötlicher Lack und herrlicher Ton. Eine aus dem Jahre 1758 stammende prachtvolle Violine von ihm besaß Gh. Mahillon. Gennaro G. kommt seinem Bruder Nicola G. voll- kommen gleich, übertrifft ihn aber in der Zierlichkeit der Einlagen. Er gebrauchte verschiedene Zettel, auf denen fast stets der Wohnort in »Neap.« abgekürzt er- scheint. Auf einigen soll er sich einen Schüler Stradi- varis nennen. Eine genial, aber sehr liederlich gemachte Geige von ihm mit dickem, schönem dunkelroten Lack, leichtfertig ausgeführter Einlage, aber wundervoller Wölbung erwarb Konzertmeister Deecke in Karlsruhe von Siefert sen. Der Ton dieser Geige ist großartig. Eine gleichfalls wundervoll klingende, dunkelrot lackierte Geige aus dem Jahre 1767 von Gennaro G. besitzt Hofsekretär Gerschey in Lissabon. Maße einer Violine von 1750: Länge 35,5 cm, obere Breite 16,3 cm, mittlere Breite 11,3 cm, untere Breite 20,1 cm; ob. Zargen 2,9 cm, unt. Zargen 2,9 cm, Schnecke 10,8 cm lang. Geigenzettel : Januarius Gallanus / fecit Neap. 1 760 (ge- druckt). — Gennaro Gagliano fecit Neap. 17 . . (gedr.). — Januarius Gaglianus / Fecit Neapoli 1767 (?) (gedr.) und Abb. 284. Gagliano, Giovanni I. — Neapel. Geb. um 1740, t 1806 Er war der vierte Sohn von Nicola und folglich ein Enkel von Alessandro und nicht von Gennaro, was man nach seiner Angabe auf seinen Zetteln, wo er sich »Nepos Januari« bezeichnet, meinen könnte. Er war Gennaros Neffe und hat jedenfalls, wie auch seine Brüder, das italienische »Nipote« in das lateinische »Nepos« verwandelt. Da Nicola 1740 gestorben ist, mulj Giovanni spätestens in diesem Jahre geboren sein. Er arbeitete in den Traditionen seines Hauses, war ein Schüler^) seines Oheims Gennaro und arbeitete wäh- rend seiner Wanderzeit um 1760 auch in Venedig und scheint schließlich mit seinen Brüdern die Werkstatt seines Oheims übernommen zu haben, sonst wäre nicht einzusehen, warum sie sich auf ihren Zetteln gerade auf diesen berufen. Giovanni ist übrigens kein würdiger Nachfolger seiner Vorfahren. Er hat nicht allzuviel gemacht und das wenige meist oberflächlich und liederlich. Geigenzettel: Abb. 255. Gagliano, Giovanni II. — Neapel. Geb. 1800, t 1867 Vielleicht ein Sohn von Giovanni I G. Nach F. S. Kand- lers Aufsatz über »Neapel im Jahre 1826« (Caecilia, ^) Auf seinen ältesten Zetteln liest man : Joannes Gagli- ano fecit sub disciplina Januarls Gagliani. Neapoli. Ga^liano — Gairaud 155 Zeitschr. f. d. mus. Welt, Bd. VI, Heft 24) lebte er damals und gehörte zu den besseren Geigenmachern, wenn auch seine Instrumente ohne bemerkenswerte Vorzüge gewesen sem sollen. Gagliano, Gio. Battista. — Cremona. 1728 Ein bisher unbekannter Sprosse der Familie Gagliano, und, wenn er wirklich gelebt hat, vielleicht ein jüngerer, früh verstorbener Bruder von Alessandro G., dessen Zettel hier auch in den Fehlern nachgeahmt erscheint. Grillet erwähnt ihn zuerst; ich habe nichts von ihm gesehen und halte den Zettel nicht für einwandfrei. Geigenzettel : Abb. 240 . Gagliano, Giuseppe. — Neapel. 1725. f 1793 Zweiter Sohn von Nicol. G. und Bruder von Ferdinan- do, Antonio und Giovanni. Er arbeitete ohne Sorgfalt nach den Modellen seines Vaters, aber er verstand sich gut auf den Ton, so daß seine Geigen alle gut klingen. In seiner letzten Zeit arbeitete er mit seinem Bruder Antonio zusammen. Sein Lack ist der semer Familie. Gut sind auch seine Violoncelli, meist 74,5 cm lang. Er gebrauchte sehr verschiedenartige Zettel. Geigenzettel: Giuseppe Gaglianus filius Nicolini fecit Neap. 17.. (gedruckt). — Joseph Gagliano filius / Nicolai et nepos ja- / nuarius fecit Nea- / poli 1793 (sedruckt). — Joseph & .Antonius Gagliano / Fee. Ann 1793 ' In Platea dictaCerriglio (gedruckt) und Abb. 235 und 256. Gagliano, Nicola I. — Neapel. Geb. um 1695 (nach anderen schon 1670), \ um 1740 Ältester Sohn Alessandros, aber ungleich talentvoller wie dieser. Er ahmte im allgemeinen die Stradivari- modelle nach, meist die der älteren Perioden des Meisters, und verarbeitete sehr schönes Holz und gelb- braunen Lack. Die Decke ließ er gewöhnlich sehr stark, den Boden machte er an den Seiten etwas schwächer. Der Lack ist leuchtend gelb, selten rotbraun. .«Xuch die Einlagen sind mit Sorgfalt und Geschmack ausgeführt. Eine sehr schöne Geige von ihm aus dem Jahre 1730 besitzt Konzertmeister Prof. J. M. Grün in Wien. Eine prächtig eingelegte Violine mit muschelförmiger Schnecke und den ursprünglichen Wirbeln sowie dem echten Saitenhalter befindet sich in Stuttgart. In den meisten Geigen der Gagliani, die noch nicht geöffnet waren, findet man innen am .Ansatz des Halses einen Zettel mit der Inschrift: »In conceptione tue Virgo Maria Immaculata fuisti, / Ora, pro nobis Patrem, cujus Filium Jesum de Sp.s. peperisti«. Geigenzettel : Abb. 285. Gagliano, Nicolall. —Neapel. 1793. 1826 Sohn und Schüler von Giovanni G. und womöglich noch unbedeutender als dieser. Er wohnte in der Galata dell'Ospidaletto. Geigenzettel: Nicolaus Gagliano / Filius Joannis ; Neapoli 1 793 (gedruckt). Gagliano, Raffaele. — Neapel. Geb. um 1790, t9.Dez. 1857 Sohn von Giovanni. Arbeitete meist mit seinem Bruder Antonio zusammen ; braimer Lack, gewöhnliche .Arbeit , ziemlich breite F-Löcher, aber manchmal doppelte Einlagen. Die oberste Zeile des hier abgebildeten Zettels mit den Worten ^>I Fratelli<' erscheint in vielen Fällen weggeschnitten. Ein anderer Zettel enthält in einem langovalen Kranz außer den Namen der Brüder die Angabe »Quondam Giovanni«. Geigenzettel: Abb. 233. Gagliano, Vincenzo. — Neapel. 1870, f um 1886 Sohn von Raffaele, der die alte Firma fortführte, aber eigendich nur Saitenfabrikant war. Obwohl er nach übereinstimmenden Mitteilungen unverheiratet und kinderlos starb, besteht das Geschäft unter der Firma; »Vincenzo Gagliano & Figlio« in Neapel weiter. Gaibisso, Giovanni Battista. — Alassio. 1911 Tüchtiger italienischer Geigenmacher der Gegenwart, der nach Stradivari arbeitet. Auf der Turiner Aus- stellung 1911 war er gut vertreten und erhielt eine goldene Medaille. GaiUard. — Mirecourt. 1830. 1856 Der unbedeutendste Geigenmacher seiner Familie, dessen Taufname mir nicht bekannt geworden ist. Er war der Bruder von Jules G. und der Vater von Charles G. Gaillard, Charles. — Paris. 1850. 1881 Er kam aus Mirecourt, wo er Schüler seines Vaters war, nach Paris zu C. A. Gand, bei dem er Werkführer wurde. Seine Arbeit ist der von Gand sehr ähnlich. Er hat wiederholt Geigen nach einem sehr kleinen Guamerimodell gebaut. Geigenzettel: Abb. 280 und 297. GaiUard, L. — Mirecourt. Ende des 18., An- fang des 19. Jahrhunderts Eine interessante ZwilHngsgeige mit dem Brandstempel »L. Gaillard« aus der Sammlung Snoeck (Nr. 564) befindet sich in Berlin. Geigenzettel : L. Gaillard (gedruckt). Gaillard-Lajoue, Jules. — Mirecourt. Geb. um 1820, tum 1870 Oheim von Charles G. Erst Schüler und dann Gehilfe von Gand. Im Jahre 1852 machte er sich selbständig und erhielt bereits 1855 auf der Pariser Ausstellung eine Medaille. Seine .Arbeit war sehr gut, obwohl er den Geigenbau fabrikmäßig betrieb, auch der Ton ist fast immer ansprechend, nur der Lack ist hart und spröde. Gairaud, Louis. — Nantes. 1735, f nach 1770 Außer Geigen machte er auch Clavecins, seine Arbeit ist gut, wenn auch ohne bemerkenswerte Eigenschaften . Er war mit Margarete Destains verheiratet und kommt in den Kirchenbüchern von 1737 an vor, zuletzt als Pate am 25. März 1770. Vgl. Marquis de Granges de Surgeres : Les artistes nantois etc. (Nantes 1 898) S. 23 1 . Geigenzettel : Abb. 27 1 . 156 Gaisenhofer — Gamble Galsenhofer, Aloys. — Wien Ein Geigenmacher dieses Namens hat in Wien nie ge- lebt. Der abgebildete Zettel findet sich jedoch öfter in minderwertigen Geigen, die dann von Unkundigen für Arbeiten Geissenhofs gehalten werden. Geigenzettel: Abb. 318. Galssenhof s. Geissenhof Galbani, Pietro. — Florenz. 1640 Sohn des Jacopo G. Das wenige, was man von ihm kennt, ist unbedeutend. Galbusera, Carlo Antonio. — Mailand. 1813. 1833 Er war k. k. Kriegskommissar in Mailand und wollte die Form der Geigen, ähnlich wie Chanot, dadurch verbessern, daß er, was ältere Meister, z. B. Guarnen u. a., auch schon getan haben, die Ecken wegließ und ihr eine der Gitarre sich nähernde Form gab. Da seine Geigen trotzdem gut klangen, und ein Quartett, das er gebaut hatte, mit Erfolg zu Gehör gebracht wurde, er- hielt er von mehreren großen Orchestern Bestellungen und von der Mailänder Akademie der Wissenschaften am 4. Oktober 1832 sogar eine silberne Medaille. Die Prophezeiungen seiner Verehrer (vgl. AUg. musikali- sche Zeitung, Leipzig, 23. Dezember 1 832 und 1 0. April 1833 usw.), daß er der Geige für das ganze Jahrhundert eine neue Form gegeben haben dürfte, haben sich nicht erfüllt. Besser haben sich seine Gitarren erhalten. Vgl. über ihn auch: Wilhelm Schneiders: »Historisch- technische Beschreibung der musikalischen Instru- mente«. (Neiße 1834.) Galdert, Friedrich. — Koburg. 1895 Schillers Nachfolger. Beide betrieben ursprünglich nur ein Musikinstrumentengeschäft; erst mit dem Eintritt H. Bücheis wurde eine Geigenbauwerkstatt damit ver- knüpft. Galeazzi, Eugenio. — Ascoli. 1849 Sohn des Francesco G. Er hat während des Winters fleißig Geigen und Gitarren gebaut und betrieb im Sommer die Landwirtschaft. Galerzena. — ? 1790 Ein piemontesischer Geigenmacher, der sich eines ge- wissen Rufes erfreute. Galieri, Filippo. — Neapel. 18. Jahrhundert Vielleicht ein Gaglianoschüler. Er verwandte gelben Lack und ein etwas gewölbtes Modell. Galieri, Giuseppe. — Padua, Piacenza(?). 1753 Er nennt sich einen Schüler Nicola Amatis; wenn man nicht annehmen will, daß er ein Alter von über 90 Jah- ren erreicht hat, könnte als sein Lehrer nur der D. Nie. Amati in Bologna gemeint sein. Seine Geige, in der der nachstehende Zettel zu finden ist, erinnert mehr an die Schule von Neapel als an die von Cremona. Die Arbeit ist mäßig, der Lack von gelber Farbe, die F-Löcher stehen sehr schräg. Geigenzettel: Giuseppe Galieri, Paduensis, / placenti- nus Alumnus da Nicolai Amati / faclebat 1 753 (gedr.). Gall, J., war im 19. Jahrhundert als Musik- instrumentenmacher in Wien ansässig Galland, Jean. - Paris. 1744. f vor 1761 Er ist der erste, der das Amt eines geschworenen Meisters der Pariser Lautenmacherzunft bekleidete (für 1 744). Arbeiten von ihm sind mir jedoch nicht bekannt- geworden. Er wohnte Rue St. Honore, wo seine Witwe von 1761 — 1779 das Geschäft noch fortführte. Seine Tochter war seit etwa 1744 mit Robert Richard, einem sehr talentvollen Instrumentenmacher verheiratet, der als Orgelbauer usw. Ruf besaß und namentlich durch sein automatisches Quartett Aufsehen machte. Galland, Joh. — Bayreuth. 1888. 1893 Er stellte auf der Münchener Kunstgewerbeausstellung 1888 drei Zithern und eine Violine aus, ist im Jahre 1893 nach Leipzig-Reudnitz übergesiedelt und dürfte dort gestorben sein. GalH, Domenico. — Parma. 1687. 1691 Ausgezeichneter Holzbildhauer, Violoncellist und Ton- dichter des 17. Jahrhunderts, der eine Reihe von Streichmusikinstrumenten gebaut hat, die er mit meisterhaften Schnitzereien verzierte. Eine Violine und ein Violoncello mit den obenstehenden Jahreszahlen befinden sich im Albergo Arti zu Modena. Geigenzettel : Dominicus Gallus Parmensis / fecit Par- mae anno salutis 1691 (gedruckt). Gallingani. — Mancasale (Prov. Reggio). 19. Jahrhundert Ein Musiker, der eine gewisse Geschicklichkeit im Ausbessern alter Geigen besaß und auch vereinzelt neue Violinen gebaut haben soll. Galram (Galran, Galräo), Joachim Joseph. — Lissabon. 1769. 1825 Geschickt in seiner Arbeit, auch sein gelber Lack ist nicht übel. König Karl I. von Portugal besaß ein Quar- tett von ihm, das sehr sauber und gut gearbeitet ist und auch durch edlen Ton hervorragt. Geigenzettel : Joachim Josef Galram / fecit Olesiponae 1769 (gedruckt). Galtani, Rocco. — Florenz Er gehört noch dem 17. Jahrhundert an und hatte seinerzeit einen guten Ruf. Man kennt freilich nur wenig mehr von ihm als seinen Namen^). Galvani, Giuseppe. — 1834 Selten vorkommender italienischer Geigenmacher aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine Geige von ihm besaß J. Haberzettl in Drasswitz bei Karlsbad. Gamble, Ernest. — Leicester 1880 Er hatte ein gutes Geigengeschäft, die Geigen, die seinen Zettel tragen, hat er jedoch nicht gemacht, sondern nur verkauft. ^) Wenn G. Chouquet in seinem Bericht über die Aus- stellung 1878 einen »Galiani« erwähnt, meint er wohl, wenn nicht einen Gagliano — Rocco Galtani. Gamble — Gand 157 Gamble, J.- 1785 In einem guten Violoncello fand sich dieser Name. Gambon, A. — Maastricht (Holland). 1828. 1858 Seiner Arbeit nach gehört er der französischen Schule an. Seine Geigen sind aber in jeder Beziehung mittel- mäßig. C. C. Snoeck besaß eine Violine von ihm aus dem Jahre 1828. Auf einem Reparaturzettel von 1858 schreibt er seinen Namen deutlich lesbar »Gambom«. Es ist nicht zu entscheiden, ob er sich da verschrieben hat, oder ob er diese Schreibweise für richtiger hielt. Geigenzettel : Racommode / par A. Gambon / Lutier / ä Maestricht. (gedruckt). Gambonl— Neapel. Geb. um 1724, fn. 1814 An seinen Geigen ist eigentlich nur das Holz gut, und dies verdankt man dem Umstände, daß er im Besitz von Geigenholz aus dem Nachlasse von Antonius Amati war^). Gand, A. E., lebt als ■>Luthier<' in Laval (Dep. Mayenne) Gand, Charles- Adolphe. — Paris. Geb. in Paris 11. Dez. 1812, f 24. Jan. 1866 Schüler seines Vaters, dessen Werkstatt er 1845 über- nahm. Er hat nicht viele neue Geigen gebaut, die v.'enigen aber sind trefflich. Er wurde, wie sein Vater, Geigenmacher der Königl. (später Kaiserl.) Hofkapelle und des Konservatoriums und wurde 1862 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Im Jahre 1855 trat sein Bruder Eugene in das Geschäft; die Firma lautete von da an bis 1866 »Gand freres« und stand nach wie vor in höchstem Ansehen. Gelgenzettel: Adolphe Gand fils / ä Paris 1832 (ge- schrieben) und Abb. 300. Gand, Charles -Fran^ois (»Gand pere«). — Paris. Geb. in Versailles am 5. Aug. 1787, t 10. Mai 1845 in Paris Sohn von Michel G. Von 1807—1810 würdiger Schü- ler, später der Ehemann der Pflegetochter und seit 1824 auch Nachfolger Nie. Lupots. Nach seiner Lehrzeit war er kurze Zeit in Versailles ansässig") und ging dann nach Paris, wo er 1810 die Werkstatt und den Nachlaß Kolikers kaufte und zunächst in der Rue Croix des Petits Champs Nr. 5 und seit 1820 in derselben Straße Nr. 24 seine Werkstatt aufschlug. Nach Lupots Tode übernahm er 1824 auch dessen Werkstatt. Er war un- streitig der bedeutendste französische Geigenmacher seiner Zeit, unübertroffen in der Sorgfalt und künst- lerischen Durchführung seiner Arbeit. Seine Geigen sind herrlich im Ton und schön in ihrem rotbraunen, manchmal etwas dicken und nicht allzu durchsichtigen ^) Bei der 1814 von ihm veranstalteten Auktion kaufte Gagliano solches Holz für drei Violinen um 100 span. Piaster (über 500 M.). ^) Damals bezeichnete auch er sich auf seinen Zetteln, die vor 1816 zumeist geschrieben waren, als »Gand fils«. Lack. Ebenso trefflich war er als Reparateur. Seine In- strumente werden schon jetzt den alten italienischen als gleichwertig an die Seite gesetzt und teuer bezahlt. Das Museum des Pariser Konservatoriums besitzt ver- schiedene Arbeiten von ihm. Er hatte zwei Söhne. Geigenzettel: Gh. F. Gand eleve de Nicolas Lupct / successeur du sieur Koliker / rue Croix des Petits Champs 5 Paris 1810 (gedruckt) und Abb. 304-306. Gand, Charles-Michel. — Versailles. Geb. um 1 748 in Mirecourt, f 1 820 in Versailles Um 1780 ließ er sich in der Rue du Commerce Nr. 71, später in der Rue de la Paroisse Nr. 32 nieder. Sein Firmenschild lautete: »Aux tendres Accords«. Über seine Arbeiten ist nichts bekannt. Er ist der erste Geigenmacher in seiner Familie; doch waren seine Vorfahren bereits Geigenhändler. Er hatte zwei Söhne Charles Fran^ois und GuiUaume. Gand, Charles-Nicolas-Eugene. — Paris. Geb. in Paris am 5. Juni 1825, f 5. Febr. 1892 Jüngerer Sohn und Schüler von Ch. Fran?. G. Er ver- band sich 1855 mit seinem Bruder und 1866 nach dessen Tod mit den Brüdern Bernardel. Die beiden berühmten Häuser wurden dadurch zu einem veremigt, ihre Werkstätten waren zuerst in der Rue Croix des Petits-Champs Nr. 21 und seit 1883 in der Passage Saulnier. Aus ihren Händen gingen nur treffliche In- strumente hervor, da sie auch in der Wahl ihrer Mit- arbeiter außerordentlich vorsichtig waren. Eugene G. war auch ein tüchtiger Musiker und Offizier der Ehren- legion. Seine erste Violine trägt den Zettel: »Eugene Gand fils / ä Paris 1842 No 1.« Geigenzettel : Gand & Bernardel F^es / Luthiers de la Musique de l'Empereur et du Conservatoire / No . . Paris 18 . . (gedruckt) und Abb. 301 und 302. Nach 1886 d. h. nach dem Ausscheiden Ernest Bernardeis: Abb. 303. Gand, Francesco. — Madrid. 1788 Ein nach Spanien verschlagenes Mitglied der Mire- courter Familie. A. Jacquot kennt eine schöne Arbeit (Alto) von ihm. Eine Viola trägt den Zettel: Echo p'' Franc. Gand / En Madrid aiio 1788 (geschrieben). Gand, Guillaume- Charles -Louis. — Ver- sailles. Geb. 22. Juli 1 792 in Paris, f 3 1 . Mai 1858 in Versailles Zweiter Sohn von Charles-Michel G. Gilt mit Recht für einen der besten Schüler Lupots. Nachdem er bei Lupot ausgebildet war. übernahm er die Werkstatt seines Vaters; in seiner Arbeit setzte er Lupots Tradi- tionen fort und baute viele Geigen, die jetzt sehr ge- schätzt werden. Gand. — Amiens. 1803 Er stammte wahrscheinlich aus Mirecourt und dürfte ein Bruder von Charles-Michel G. gewesen sein. Geigenzettel : Recoupe par Gand / luthier ä Amiens / en 1803 (gedruckt). 158 Gand — Garman Gand. — Toulouse. 1774 A. Jacquot erwähnt eine Gitarre von ihm. Gandl s. Gändl Ganzer s. Kranzer Ganzeria, Luigi. — San Feiice (Modena). Geb. um 1794, t 1861 Arbeitete handwerksmäßig, seine Geigen smd fast wertlos. Garai, Janos (Johann). — Temesvär Ein Blas- und Streichinstrumentenmacher, der in den letzten Jahren des 1 9. Jahrhunderts in Temesvär an- sässig war. Garani, Michele Angelo. — Bologna. 1685. 1720 Nachahmer von Stradivarius. Seine Violen werden be- sonders gelobt wegen ihrer guten — aber ungleichen Arbeit und wegen ihres weichen Tons. Geigenzettel :. A. / Michael / Garanus / F. Bonon. (ge- druckt). Garani, Nicola. — Neapel. Um 1700 Soll aus Bologna stammen und als Gehilfe bei den Gagliani gearbeitet haben. Dadurch erklärt sich auch die Ähnlichkeit seiner Arbeit mit der Gaglianischen. Er nimmt die Wölbung hoch und verwendet einen dünnen Lack. Der Ton seiner Geigen ist edel, wird aber durch das schlechte Holz sehr beeinträchtigt. Garbito, Antonio. — ? 1815 Eine spanische Gitarre aus dem Besitze der Mrs. Cecil Bosanquet war im Jahre 1904 in der Londoner »Music Loan Exhibition« ausgestellt. Garceux, L. — Paris. 1809 Man findet hier und da seinen Namen in Geigen, die er geflickt hat, auch sollen die Bauernrad-Weiberleiern, die auf der Decke L. G. und die Jahreszahl eingebrannt tragen, von ihm sein. Eine solche von 1797 hat eine Lang- und zwei Begleitsaiten, elf Tasten, flachen Boden und flache Decke und ist 700 mm lang und 340 mm breit. Geigenzettel: Repare a Paris par / L. Garceux 1809 (gedruckt). Brandmarke Nr. 53. Garcia, Juan. — Madrid Mandolinen- und Gitarrenmacher. Gardelli, Federico. — Neapel Von 1880 bis etwa 1900 besaß er ein mit einer Werk- statt verbundenes Musikinstrumentengeschäft. Garden, James. — Edinburgh. — Geb. in Edinburgh 1849 Ein vorzüglicher Geiger, der aus Liebhaberei einige Geigen und Violen nach Stradivari gemacht hat. Er verwendet Whitelaws roten »Amatilack«. Geigenzettel: Jas. Garden, Edin. 1887 (gedruckt). Gardiner (Gardner), Pearson. — London. 1 760 Selten vorkommender englischer Geigenmacher, der im Stile von Duke arbeitete. Eine Violine von ihm be- sitzt J. T. Chapman. Gardner, C. — London. 1865 In englischen Händlerverzeichnissen werden öfter Gei- gen von ihm angeboten. Garenghi, Giuseppe Lebte um 1857 als Geigenmacher in Brescia. Garganesi, Vito und Antonio. — Monopoli (Puglie). 1898 Ihre Mandolinen erfreuen sich einer gewissen Be- liebtheit. Gargnano. Aus einer wahrscheinlich in dem mitten in Zitronen- gärten und Olivenhainen nahe bei Salö gelegenen statt- lichen Dorfe Gargnano am Gardasee betriebenen Geigenmacherwerkstatt gingen verschiedene Arbeiten hervor, in denen sich der hier wiedergegebene Zettel findet. Die Jahreszahl dürfte 1621 gelautet haben. Mir wurde ein recht gutes Violoncello von Brescianer Aus- sehen bekannt. In seinem verdächtigen Latein und seiner Orthographie wird der Zettel, den auch Hajdecki erwähnt, immerhin anfechtbar erscheinen, um so mehr, als G. Livi nachweisen konnte, daß weder in Brescia noch in Salo samt Umgebung je eine Familie Gargnano existiert habe. Da aber die Instrumente und der Zettel zweifellos alt sind, könnte man im besten Falle anneh- men, daß die Witwe Fior, die Schwiegertochter Gaspa- ros, sich nach Gargnano bei Salo zurückgezogen und dort eine Werkstatt unterhalten hat; sie konnte sich ja in gewissem Sinne als Erbin Gasparos betrachten. Geigenzettel : Abb. 265. Gargo, Giovanni. — Forli. 1785 Streichinstrumente hat er wohl nur ausnahmsweise ge- baut, doch kommen Lauten, Mandolinen und kleine Harfen von ihm mehrfach vor. • Garini, Michelangelo. — ? Mittelmäßige italienische Geigen des 19. Jahrhunderts haben Zettel mit diesem wahrscheinlich erfundenen Namen, der wohl an »M. A. Garani« anklingen sollte. Garjev. — Kaluga Russischer Geigenmacher der Gegenwart. Garman, Göran. — Stockholm. 1784. 1807 Er war von 1784—1807 Geselle bei Peter Kraft, der ihm seine Werkstatt und alles, was dazu gehörte, unter der Bedingung vermachte, daß er Meister werde und Lars Mollenberg zum Teilhaber annehme. Um un- gehindert die beim Klavierbau nötigen Tischlerarbeiten ausführen und Tischlergesellen einstellen zu können, schloß er sich, wie vorher sein Meister, der Tischler- zunft an. Garner — G avinies 159 Gamer, John. — London-Chelsea, f 1901 Ein Liebhaber, der es durch Talent und Fleiß zu großer Geschicklichkeit brachte und sich auch gut auf den Ton verstand. Garner, Joseph. — Broxbourne. 1828 Einige gute Violinen tragen seinen Namen. Auch in Chelsea soll um 1849 ein H. Garner ansässig gewesen sein und nach Stradivari undGuarneri gearbeitet haben. Garnier, Adolphe. — Mirecourt. 1 766. 1 787 Man weiß nur, daß er gelebt hat. Garter (Gärtner), Michel. — Salzburg. 1510. 1538 Jedenfalls identisch mit Mich. Barttner (s. d.). Er wird im Salzburger Bürgerbuche als Lautenmacher aufge- führt und kommt von 1511 — 1538 in den Urkunden des Archivs der k. k. Landesregierung in Salzburg vor. Von ihm befinden sich zwei Lauten im Museum Caro- lino-Augusteum in Salzburg. Garter (Gärtner), Veit. — Salzburg. 1510 Nach dem Salzburger Bürgerbuch war er der Sohn Michel G.s und, ebenso wie dieser, Lautenmacher. Garzano, Giuseppe, lebt in Catania (Sizilien) Gaskin, wird als Name eines englischen Geigen- machers angegeben. Gaspan s. Caspan Gaspard, Leon. — Mirecourt Besitzer der Fabrikfirma »Gaspard fils« (L. Gaspard & Co.). Gast, Jörg. — Füssen. 1606. 1612 Als Mitglied der Lautenmacherinnung kommt er schon 1606 vor und ist 1612 Unterzeichner einer Beschwerde gegen einen die Zunft schädigenden Holzhandel. Gast, Mang (Magnus). — Füssen. 1621 Er wurde am 26. Dezember 1621 als Meister in die Füssener Lautenmacherzunft aufgenommen. Gastano, A. — Messina. 1890. 1896 Er erhielt 1893 in Chicago für eine Geige eine Aus- stellungsmedaiUe. Gattanani. — ? 1785. 1790 Ein piemontesischer Geigenmacher von geringer Be- deutung soll so geheißen haben. Wahrscheinlich han- delt es sich um einen Catenari. Gattenan s. Catenari Gatti, Angelo. — Mailand Italienischer Geigenmacher unserer Zeit. Gatti, Ernesto. — Nizza. 1886 Seine Violinen sind nicht schlecht. Er stattet sie manch- mal recht hübsch aus; den Wirbelkasten versieht er mit geschnitzten Köpfchen (Leopardenkopf u. dgl.)- Gatti, Giorgio. — Turin. 1899. 1911 Italienischer Geigenmacher der Gegenwart. Geigenzettel: Giorgio Gatti / fece in Torino l'anno . 1899(gedruck0. Gaudre, Nicolas. — Mirecourt. f 1784 Bogenmacher. Gaulard, Joseph.— Mirecourt. 1738. f 19.Mäiz 1779 Nur urkundlich nachweisbar, wie auch der 1774 — 1789 vorkommende Louis Gaulard. Gaulard. — Troyes. 1835 Ein Mirecourter, der sich nicht über den Durchschnitt erhob. Besser als seine Geigen sind seine Bögen; ein solcher befindet sich in der Sammlung des Pariser Konservatoriums. Gauss, Jakob. — Cannstatt. 1618 Ein Orgelmacher, der wohl wie die meisten seiner da- maligen Berufsgenossen auch allerlei Lauten gebaut hat. Gauthie (Gautie), Pierre. — Toulouse. Geb. in Fronton 1880 Erst Schüler seines Vaters, dann von P. Lorange und von Cunault. Auch in Mirecourt hat er ein Jahr lang gearbeitet. In Toulouse wurde er Nachfolger von Simonin. Er verlegte sich hauptsächlich auf Wieder- herstellungsarbeiten, besitzt aber bereits verschiedene Auszeichnungen. Gautier, hat eine Geigenmacherwerkstatt in Aix Gautrot aine & Co. — Paris. Gegr. 1827 Bekannte Musiklnstrumenten-Fabriksfirma, die haupt- sächlich Flöten, aber auch Gelgen herstellt. Die Firma lautet jetzt Couesnon & Cie Succrs. Gautrot aine & Cie. Gautrot. — Chateau Thierry. 1855. 1877 Ein Mirecourter, der 1855 eine Fabrik begründete, In der auch Gelgen und Bögen hergestellt wurden. Gavelli, Giacomo. — Perugia. 1797 Ein Gelgenmacher, den Valdrlghl (9175) erwähnt. Gavigny. — Paris. 1758 Hei In Lille bekam eine Violine zur Wiederherstellung, deren Aussehen an die Klotzschule erinnerte und die den Zettel trug : fals par Moy Gavigny, / Maitre Luthier a / Paris 1758 (geschrieben). Gavinies, Frangais. — Bordeaux. Paris. Geb. um 1700, fnach 1770 Ein geschickter Meister, der, wenn er wollte, sehr gute Gelgen machen konnte, häufig aber so minderwertige Ware herstellte, daß böse Zungen von ihm behaupteten, er habe nur ein gutes Werk zustande gebracht, und das sei sein Sohn — der treffliche Gelger Pierre Gavinies — gewesen. Er folgte seinem Sohne 1741 nach Paris und 160 javoni ließ sich in der Rue St. Thomas du Louvre nieder, wo er von der Lautenmacherzunft zum geschworenen Meister für 1762 erwählt wurde. Seine guten Geigen sind aus schönem Holz gebaut, gut in der Form und im Lack. Statt der Schnecke verwendete er auch ge- schnitzte Köpfe, z. B. einen König David an emem Kontrabaß, den die Schule des Pariser Konservato- riums besitzt. Dieser Baß hat einen trefflichen Ton und stammt aus dem Jahre 1757. Im Museum desselben Konservatoriums befinden sich noch mehrere Geigen und Violen von ihm. Ein Quinton von 1749 wird in Bruni-Gallays Inventaire (aus dem Besitz des Grafen Puysegur) erwähnt (S. 121). — Er ahmte gerne das große Stradivarimodell nach und versah seine Arbeiten auch mit einer Brandmarke. Geigenzettel : Abb. 236 und 312. Gavonl, Antonio. — Modena. 1777 Violoncelli und Bässe von ganz gewöhnlicher, hand- werksmäßiger Arbeit von ihm kommen gelegentlich noch vor. Gavot. — Mirecourt Von dieser Familie nennt A. Jacquot : Nicolas I G. 1738; Nicolas II G. 1741. 1763; Nicolas III G. 1747. 1765. Gazzeri, Domenico. — Florenz. — 1682 Sohn des Marco G. Ein älterer florentinischer Lauten- macher, den Valdrighi (1 196) erwähnt. Gazzola, Prosdocimo. — Crespano. Geb. 1 822, fnach 1884 Hauptsächlich als Baßmacher und trefflicher Repara- teur bekannt. Geaye s. Jaye Gebhardt, J. C. — Hamburg Ein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebender Meister, der zwar nur selten Geigen oder Violoncelli, dagegen sehr viele und gute Bässe gebaut hat. Geigenzettel: J. C. Gebhardt / Instrumentenmacher / in / Hamburg (gedruckt). Gedler (Gidl), Johann Anton. — Füssen. 1 752. 1800 Schüler von Maldoner oder S. Niggel, deren Modelle von ihm nachgeahmt wurden. Es ist wahrscheinlich, daß auch in Füssen schon eine Arbeitsteilung eintrat, und daß es dort u. a. schon Halsschnitzer gab. So dürfte der- selbe Halsschnitzer, der für Fr. Ant. Stoß die Schnecken machte, auch für Gedler gearbeitet haben. Die übrige Arbeit ist recht gut, der Boden meist aus einem Stück, die Wölbung noch höher als bei Stainer, der rotgelbe Lack dünn aufgetragen und spröde. Gedler machte auch noch Geigen nach den im 17. Jahrhundert be- liebten Modellen, mit wellenförmig ausgebogenen Zargen. Der Ton ist manchmal vorzüglich, oft aber auch schwach und näselnd. Eine Violine von ihm mit der Jahreszahl 1800 befindet sich auf dem Chore der St. Mang-Kirche in Füssen. Geigenzettel : Abb. 277. - Geipel Gedler, Joseph Benedict. — Füssen. Geb. um 1759, t 28. März 1830 Sohn und Schüler von J. Ant. G., den er nachahmte. Sein Lack ist jedoch heller, oft goldgelb oder weinrot, aber ebenfalls spröde. Die Arbeit ist gut und der Ton hell und leicht ansprechend. Er war der letzte Geigen- macher von einiger Bedeutung in Füssen, wo sein An- denken bis auf den heutigen Tag fortlebt. Geigenzettel: Joseph Benedictus Gedler / in Füfsen 1 796 (gedruckt). — Joseph Benedikt Gedler in / Füfsen 1812 (gedruckt). Gedler. Norbert. — Würzburg. 1715. 1723 Er wanderte aus Füssen, wo schon 1504 ein aus Tann- heim stammender Konrad Gedler nachzuweisen ist, in Würzburg ein und wurde Hoflauten- und Geigen- macher des Bischofs von Würzburg. Er war sehr ge- schickt, scheint jedoch jung gestorben zu sein. Seine Arbeit wurde geschätzt, aber sein Name kam in der entstellten Form »Bedler« in die Geigenliteratur, da in einigen seiner handschriftlichen Zettel das G dem heute gebräuchlichen B ähnelt. De Piccolellis nennt ihn sogar BeSler. Das Museum des Pariser Konservato- riums besitzt eine sehr schöne Viola di bordone, eine ebensolche von 1715 die Sammlung Keil in Lissabon (Nr. 256), eine Viola Dr. med. Hildenbrand in Duis- burg und Hauptlehrer Roman Dereth in Miltenberg ein sehr gutes (aus einer Kirche im Bistum Würzburg stammendes) Violoncello von ihm mit dem Zettel: Norbertus Gedler / Hochfürstl. / Hof-Lauten- und Geigen- ,' Macher in Würtzburg / im / Jahr 1 722. Gehring, Friedrich. — Basel. Geb. 1854 in Trutingen (Kanton Bern) Erlernte bei C. M. Ott in Basel den Klavierbau, ar- beitetevon 1881 — 1882 in Paris, hielt sich dann von 1883 an über sechs Jahre in Nordamerika auf, wo er sich 1884 selbständig machte, kehrte aber 1889 in die Hei- mat zurück und eröffnete in Basel ein Geschäft, in welchem er den Klavierbau und den Bau von Streich- instrumenten mit neuartigem Resonanzkasten betreibt (auch Gitarren und Zithern). Geigen in der gebräuch- lichen Form macht er jedoch nicht. Sein Modell hat keine seitlichen Einbuchtungen; die Decke ist stark gewölbt und direkt mit dem Boden verbunden. Die Urteile über diese Erfindung gehen noch scharf aus- einander, doch läßt sich nicht leugnen, daß Gehring Instrumente von schöner Klangfülle gemacht hat. Er verwendet als Grund Spirituslack und als Decklack Kopal oder Bernsteinlack. Geigenzettel: Fritz Gehring / Instrumentenmacher / Basel 18 . . / Pat. N» . . (gedruckt). Geiger, Fr. J., lebt in Sulzberg bei Kempten Geipel, Hermann. — Brambach i. S. Geb. 1862 in Fleissen i. B. Schüler von Ludw. Glaesel jun., war nach beendeter Lehrzeit fünf Jahre als Gehilfe tätig und begründete 1884 in Brambach sein eigenes Geschäft, in welchem nach eigenem System lackierte Streichinstrumente her- gestellt werden, die hauptsächlich nach England gehen. Er ist der Schwager Aug. Ant. Reicheis. Geipel — Geissenliof 161 Geipel. — Markneukirchen Von dieser Familie, deren Stammvater, aus dem Böh- mischen eingewandert, schon 1726 erscheint (ein Adam Geipel lebt noch In Fleissen), sind oder waren in der Markneukirchener Geigenindustrie tätig : Geipel, Carl Christian. Geb. 1. Oktober 1863 Geipel, Ernst Ferdinand. Geb. 26. Febr. 1866 in Landwüst Geipel, J. Friedrich I. 1727 Er war der Schüler seines dem Vornamen nach nicht bekannten Vaters und wurde am 10. Januar 1727 als Meister in die Zunft aufgenommen, wobei er nur die ermäßigten Gebühren als Sohn eines Meisters zu be- zahlen hatte. Geipel, J.Friedrich II. Geb. 10. Sept. 1809, t 18. März 1872 Er war ursprünglich Tischler und wurde erst später Geigenmacher. Geipel, Moritz. Geb. 12. November 1852 Geipel, Reinhold Adolph, f 1910 Geipel, Walter Edwin. — Homburg, Mann- heim. 1918. Geb. in Zwota Tüchtiger Geigenbaumeister. Geissenhof, Franz. — Wien. Geb. in Vilsl 754, f 2. Januar 1821 in Wien Er war ein Sohn des Pflegers und Urbarverwalters Joh. Mich. G. und kam als Gehilfe nach Wien, wo er Schüler und seit 1781 Nachfolger von Joh. Gg. Thir wurde. Er legte am 29. Juli 1 780 den Bürgereid ab und wohnte Singerstraße Nr. 922. Er war ein hervorragen- der Meister, der nach italienischen Vorbildern und be- sonders nach dem Stradivarimodell von 1716 arbeitete. In bezug auf die Arbeit kann er als der beste Wiener Meister bezeichnet werden. Leider ist der Ton seiner Geigen nicht sehr groß. In seiner Arbeit lassen sich vier Perioden unterscheiden. Die erste ist bis 1790 an- zusetzen; in dieser Zeit haben seine Geigen einen sehr dunklen Lack und sehen wie die seines Lehrmeisters Thir aus. Die zweite Periode umfaßt die Zeit von 1790—1800. Er bevorzugt jetzt ein flacheres Modell, der Lack, wenn auch noch dunkel, wird durchsichtiger, nur konnte er sich noch kein schönes Ahornholz ver- schaffen. Die Böden sind daher nur wenig oder gar nicht geflammt. In seiner dritten Periode von 1800 bis 1810 erreicht er die volle Höhe seines Könnens, das Modell wird breiter, Wölbung, Einlagen und Rän- der sind von tadelloser Schönheit, der Lack wird braun- gelb, manchmal mehr oder weniger rötlich gemischt. In der vierten Perlode von 1810 an nimmt er die Rän- der etwas massiger, seine Arbeit Ist jetzt so vollendet, daß sie von niemand mehr übertroffen werden könnte. Der Lack wird von 1815 an immer heller und manch- mal sogar hellgelb. Leider pflegte er, wie viele andere Geigenmacher seiner Zeit, seine Geigen vor dem V. Lütg-endorf f , Geigen- und Lautenmacher. Bd. II Lackieren mit Leimwasser zu tränken, um die Holz- flächen besser glatt zu erhalten. Der Lack wurde da- durch sehr empfindlich und kann namentlich durch Nässe leicht zerstört werden. In seiner Glanzzeit machte er die Schnecken ganz besonders schön, die Facetten treten rein und in vornehmster Linien- führung hervor, wie sie kein zweiter Wiener Geigen- macher ausstechen konnte. Auch die F-Löcher nach Stradivari sind von besonderer Feinheit und die unteren Zungen sehr elegant ausgehöhlt. Außer se;nen Zetteln gebrauchte er am Boden, in der Nähe des Halsansatzes, ein F. G. als Brandmarke (Nr. 21) von einem schief ge- stellten Parallelogramm von Doppellinien umrahmt. Kommt die Brandmarke am Plättchen des Halsansatzes vor, dann fehlt die Umrahmung. Er scheint die Marke In den Lack eingebrannt zu haben, weshalb sie jetzt manchmal hell hervortritt oder verwischt erscheint. Geissenhof war außerordentlich genau und gewissen- haft In der Arbelt, er arbeitete meistens allein, da er keinen Gehilfen finden konnte, der seinen strengen An- forderungen entsprach. Er ließ kein Stück aus der Werkstatt, das nicht ganz einwandfrei war, und doch Ist die Zahl der von ihm gebauten Instrumente ziem- lich groß, so daß man daraus leicht ersehen kann, wie fleißig er war. In einzelnen wenigen Fällen arbeitete er wohl auf Bestellung auch nach den Modellen von Gaspar da Salö oder Maggini usw., aber mit weniger Erfolg. Seine Violen entsprechen seinen Violinen ; Vio- loncelli scheint er sehr selten gebaut zu haben, ich kenne nur drei davon und nur einen einzigen Kontra- baß. Er stand in hohem Ansehen und erhielt für eine Violine die damals und für Wien ziemlich hohe Summe von 60 fl. Schein. Der Verkaufswert seiner Geigen ist in den letzten Jahren außerordentlich gestiegen. Von einem schön kastanienbraun lackierten Quartett, das im Jahre 1877 noch für 100 fl. gekauft werden konnte, sind die beiden Violinen und die Viola einige Jahre vor dem Kriege für 1600 K. verkauft worden. Heute zahlt man für gut erhaltene Violinen geradezu fabelhafte Preise. Von den mir bekanntgewordenen Arbeiten erwähne Ich der Kürze halber nur die folgenden: Eine sehr schöne Viola befand sich In der Wiener Musik- und Theaterausstellung. Das Stift Schotten In Wien besaß zwei Gelgen von ihm aus den Jahren 1800 und 1809') und das Stift Klosterneuburg eine solche von 1810, Herr Edw. Speyer in Rldgehurst eine solche von 1804, eine Violine von 1 797 Steueroff Izlal Banauch in Auster- litz. Die letzte Arbeit von Ihm (gelbbraun lackiert), die bei seinem Tode bis auf die Wirbellöcher fertig war") besitzt A. Kottenbach In Wien. Eine Violine nach Gaspar da Salö besitzt Hofmusiker Franz Heinrich, zwei Violinen von 1786 und 1805, eine davon nach Maggini, Valentin Waller, in dessen Sammlung sich auch eine Viola von 1805 befindet. Ein Violoncello von 1804 und eine goldgelbe Violine von 1817 besitzt Prof. Mayr, eine ebenso lackierte, prachtvolle Viola Dr. med. ') Im Inventar von 1868 werden die beiden Geigen noch aufgezählt, in dem von 1887 nicht mehr, doch wird bemerkt, daß sie 1881 oder kurz darnach gestohlen worden seien. ") Sie war als Weihnachtsgeschenk für den damaligen Schüler (späteren Lehrer) Weiß bestellt, von dem sie der jetzige Besitzer erbte. 11 162 jeissenho hof — Ge ider Jos. Neubauer. Ferner besitzen : das Stift Admont eine hochgewölbte Violine von 1 796, Dr. Zimmermann eine schokoladenbraune Viola von 1 784. Geigenzettel: Neu lackiert und Repariert / Franz Geißenhof Wien 1 807 (geschrieben) und Abb. 24 1 , 272, 313 und 315 (Beispiel eines falschen Zettels.) Geissenhof, Josephus. — Wien. 1790 Im Stift Klosterneuburg befindet sich eine Violine mit dem Namen »Josephus Geissenhof fecit Vienae Anno 1790«. Ein Josephus G. ist urkundlich nicht nachzu- weisen, es Ist daher anzunehmen, daß der Zettel eine der schon bald nach Geissenhofs Tod zahlreich vor- kommenden Fälschungen ist, wobei sich der Fälscher dadurch zu decken suchte, daß er den Vornamen oder die Schreibweise des Namens änderte. Geisser, Ernst. — St. Petersburg. Geb. 1854 in München Schüler von Franz Ramftler, bei dem er von 1866 bis 1869 lernte. Er arbeitete dann bei Kriner in Stuttgart und bei Ludwig Otto, mit dem er nach St. Petersburg übersiedelte. Von 1875—1878 diente er als Musiker beim Königl. Leibregiment in München, ging dann zu Otto zurück und machte sich 1881 selbständig. Er arbeitet sehr sauber nach Stradivari, erhielt 1889 m Paris, 1893 in Chicago und 1896 in Antwerpen je eine silberne und auf der Petersburger Musikfachausstellung 1907 die große goldene Medaille. Er ist Geigenbau- meister des Konservatoriums der Kaiserl. Musikgesell- schaft zu St. Petersburg und ein gewiegter Kenner, der jährlich größere Reisen unternimmt, um Meister- instrumente zu sammeln. Geisser, Nikolaus. — St. Petersburg. Geb. 1 884 zu St. Petersburg Nach Absolvierung der deutschen St. Petrischule trat er bei seinem Vater Ernst G. in die Lehre und arbeitete dann bei L. Mougenot in Mirecourt und bei Silvestre und Maucotel in Paris. Seiner Militärpflicht leistete er von 1904 — 1905 in Lindau Genüge und wurde dann Teilhaber des väterlichen Geschäfts. Er baut Geigen und Violoncelli nach Stradivari und Guarneri und nach einem eigenen Modell und verwendet einen Ollack. Geissler, Ed. Fried. — Beuthen O.-Schl. 1890. tum 1898 Er nannte sich Streichinstrumentenmacher, beschränkte sich jedoch auf Flickarbeiten. Geitner (Geittner), Wilhelm. — Breslau. 1 826. tum 1843 Der beste Lauten- und Gitarrenmacher seiner Zeit m Schlesien. Er hat auch gelegentlich Geigen ausgebessert, schwerlich aber neue gebaut. Eine von ihm wieder- hergestellte Laute ist im Schlesischen Museum für Kunstgewerbe und Altertümer in Breslau zu finden. Gelmini, Geminiano. — Ferrara. 1508 Ein alter Lautenmacher, den Valdrighi (4179) aufzählt. Gelmini, Giovanni. — Brescia. Geb. 1804, t 1864 Nur als Erfinder von Vorrichtungen zur besseren Be- saitung von Gitarren und Zimbeln usw. sowie als Er- finder einer Gitarrenlaute erwähnenswert. Geigenzettel : Joannes Gelmini / Brescianus Inventor / Anno 1863 No 26 (geschrieben). Gemünder, August Martin Ludwig. — Neu- york. Geb. 22. März 1814 zu Ingelfingen, t l.Sept. 1895inNeuyork Schüler seines Vaters Joh. Gg. G., arbeitete einige Jahre in verschiedenen deutschen Städten als Gehilfe und begründete 1839 seine eigene Werkstatt In Regensburg, ohne es dort zu etwas zu bringen. Er wanderte daher 1846 nach Amerika aus und ließ sich zuerst In Spring- field (Mass.) nieder und ging 1860 nach Neuyork. Hier kam er bald zu großem Ansehen und galt bei vielen als der beste amerikanische Geigenmacher seiner Zeit. Er war ein geschickter, freilich auch von sich selbst sehr eingenommener Kopist und arbeitete nach Stradivari, Guarneri und Maggini. Das Holz ist gut gewählt, der Lack goldgelb bis dunkelrot. Die echt amerikanische Reklame, die er betrieb, hat seinem Ruf In Europa jedenfalls mehr geschadet als genützt. Er veröffent- lichte auch eine Selbstbiographie. Gemünder, August & Sons. — Neuyork Geigenmacherflrma der Gegenwart, deren Inhaber jetzt sind : August M. G. (geb. 4. Mai 1862 in Neuyork;) und Rudolf G. (geb. 9. Februar 1865). Die Firma gibt seit 1892 die Zeitschrift »The violln-world« heraus. Gemünder, Georg. — Astoria, Boston, Neu- york. Geb. 1816 in Ingelfingen, t 15. Jan. 1899 Sohn von Joh. G., bei dem er auch gelernt hat. Später kam er zu VuIUaume In Paris. 1849 wanderte er nach Amerika aus, verstand es, durch ausgezeichnete Arbeit verdiente Anerkennung zu finden. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 hatte er eine Kopie nach Joseph Guarneri ausgestellt, die er »Kaisergeige« taufte und für die er 10 000 Dollars verlangte. Wenn der Preis auch allzu hoch gegriffen war, so war die Geige doch so gut, daß vielfach behauptet wurde. Gemünder habe eine echte alte Geige einfach mit seinem Namen ver- sehen. Auch er machte gern laute Reklame und ver- öffentlichte 1883 gelegentlich der Weltausstellung in Amsterdam eine Broschüre »George Gemünders Pro- gress in VIolinmaking«. Er verstand sich sehr gut dar- auf, das alte Aussehen der Geigen, die er kopierte, nach- zuahmen. Weniger glücklich war er manchmal In bezug auf die Tonschönheit. Gemünder, Johann (Georg Heinrich). — Ingelfingen (Württemberg). Geb. 1782, t 1836 Ein kleiner Gelgenmacher, der (angeblich) viel für das Fürstl. Hohenlohesche Haus gearbeitet haben soll. Genin — Gerle 163 Vater von August und Georg Gemünder. Nach den Erzählungen des ersteren scheint er jedoch ohne künst- lerisches Verständnis gewesen zu sein. Genin, Joseph. — Mirecourt. 1778 Er wird als »Joseph G. fils« in den Akten geführt und war Bogenmacher. Es ist daher anzunehmen, daß sein Vater dem gleichen Beruf angehörte. Gennaro s. Fabbncatore (auch Vinaccia) Genouel. — Laval (Dep. Mayenne). 1912 Er bezeichnet sich als Luthier, doch habe ich keine Arbeiten von ihm kennengelernt. Genova, Giovanni Battista. — Turin. 1765 Italienischer Geigenmacher, den ich nur durch eine gute, im Besitz von G. Winterling in Hamburg befind- liche Geige kennenlernte. Geigenzettel : Fecit Taurini Joannes / Baptista Genova 1765 (gedruckt). Genovese, A. — Lille. 1885. 1910 Ein Luthier, der nicht ungeschickt sein soll. Gentile, Michele. — Lucca. 1883 Unbedeutender Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Gentner, J. — Dillingen. 1891 Sein Reparaturzettel findet sich in Geigen. Georg, Hans. — (Mark-)Neukirchen. 1678. 1682 Er kommt zwar urkundlich als Geigenmacher vor, ist aber im Kirchenbuche nicht zu finden. Möglicherweise hat man es hier nur mit dem Taufnamen eines Meisters zu tun. Georgeot, Jean-Claude. — Mirecourt. 1 787 In einer Geige von F. Breton stand auf der Innenseite der Decke mit Bleistift sein Name geschrieben. Er scheint also für diesen Meister gearbeitet zu haben. Auch A. Jacquot nennt ihn. Georgi s. Giorgi Geraldi, Hieronymus s. Gerolamo Virchi Gerani (Garani), N. — Neapel. 1790. 1830 Die Arbeit ist gewöhnlich, aber gut, der Lack von gelber Farbe. Gerani. — Turin. 1750 Eine sehr gute Geige mit diesem Namen wurde vor einigen Jahren in London für 30 £ ausgeboten. Gerani, Paolo. — Cremona. 1614 Manche wollen den Namen »Gerans« lesen. Er gehört zu den unbekanntesten Cremonesern. Gerardin. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamilie, von der A. Jacquot nennt: AntoineG. 1745. 1748 Denis G. 1789 Joseph G. 1772. 1789. Gerardin. — Paris. 1772 Ein Mirecourter, von dem C. Snoeck ein .Alto von ge- wöhnlicher Arbeit, ohne Einlagen besaß mit dem Zettel »Gerardin, maitre luthier pres de la limite des Italiens / ä Paris 1772«. Ein Geigenhändler, vielleicht auch Geigenmacher dieses Namens kommt in Paris noch 1819 vor. Gerardin — Bourges. 1811 Gute Arbeit in Mirecourter Stil, roter Lack. Gerberon, Jean-Baptiste. — Mirecourt. 1787 Nur urkundlich nachweisbar. Gerlach, Johann Christian. — Hamburg. 1 744 Man kennt bisher nur Klaviere von ihm. Er erwarb am 24. Januar 1744 das Bürgerrecht als »Instrumenten- macher«. Gerle (Gerla, Gerlein), Conrad. — Nürnberg. Blühte um 1460, t 4. Dez. 1521 Ein berühmter Lautenmacher, dessen Lauten ausdrück- lich als »deutsche Lauten« berühmt waren. Vgl. J. Neu- dörffers Nachrichten und den noch immer wertvollen Aufsatz von J. K. S. Kiefhaber in der Allg. Musik- Zeitung, Leipzig 1816, S. 309ff. In »Norischer Christen Freydhöfe Gedächtniss usw.« Nürnberg 1682, Bd. 2, S. 2 ist bei Grabstein Nr. 1 1 (bei St. Rochus) rechts von der Tür am Eingang die Inschrift seines Epitaphi- ums verzeichnet: ».'\nno 1521 an St. Barbara Abend starb der Erbar Mann Conrad Gerl Lautenmacher dem GOtt gnädig sey. Amen.« Er besaß ein Haus in der Breitengasse und hinterließ nach seinem Tode eine Witwe Walburg und mehrere unmündige Kinder. In den Gerichtsbüchern im Nürnberger städtischen Ar- chiv (.Abt. L. Literarum Bd. 27, Bl. 146) wird Konrad Gerlein Lautenmacher und seine Ehefrau Walburga genannt. Sie kauften von Anna Deichsler, Heinrich Deichslers Witwe, die Erbschaft ihres Hauses in der Kotgasse um 50 fl. rh. Nach Bd. 30, Bl. 168 und Lib. Lit. kauften Konrad Gerlein und seine Frau Walburga im Jahre 1516 von Martin und Agnes Finsterer ein Haus in der Breitengasse um 130 fl. Gerle, Georg. — Innsbruck. 1 569, f um 1 589 Das wenige, was sich über sein Leben ermitteln ließ, findet sich in D. Fr. Waldners Nachrichten über tiroli- sche Lauten- und Geigenbauer. Danach war G. Gerle im Jahre 1569 schon Kaikant und Instrumentenmacher bei der Hofkapelle des Erzherzogs Ferdinand, und da er sich 1572 auf seine langjährigen Dienste beruft, dürfte er schon in Prag bei der gleichen Kapelle an- gestellt gewesen sein. 1586 erläßt der Erzherzog ein Befehlsausschreiben, dem Georg G. 40 fl. für zwei Werke »ehetunlichst« zu bezahlen. Eine Laute von ihm befindet sich in der Sammlung alter Musikinstrumente des kunsthistorischen Museums in Wien (A. 35), die II* 164 Gerle — Gliidini schon im alten Inventar von 1596 erwähnt wird. Diese Laute ist eirund; der Rücken besteht aus elf Elfenbeinrippen. Griffbrett 240 mm lang, 40—54 mm breit, fünf Doppelsaiten und eine einfache Saite; Länge des Korpus 450 mm, im Inneren die gedruckte Zettel- inschrift: »Georg Gerle Fürstlicher Durchleuchtig- / kait Chalkandt zu Ynnsprugg«. Gerle, Hanns. — Nürnberg. Geb. um 1505, t 1599 Sohn von Conrad Gerle. Berühmter Lauten- und Geigenmacher, der auch als Lautenist, Gelger und Sänger sehr geschätzt war. Seine Instrumente galten als die besten seiner Zeit und hatten noch im 17. Jahr- hundert eine, man kann sagen, europäische Berühmt- heit. In Neudörffers Nachrichten wird er gewürdigt, 1532 erschien sein Porträt; im gleichen Jahre gab er heraus : »Musica Teutsch auf die Instrument der großen und kleinen Geygen, auch Lauthen etc. durch Hans Gerle lutinist zu Nurenberg aussgangen« (2. Aufl. 1546 »Musica u. Tabulatur aüff die Instrumenten der kl. u. gr. Geygen etc.«)0- In einem Verzeichnis der Musik- instrumente des fürstl. Hauses Este in Modena von 1598 wird unter Nr. 18 ein »Cembalo del Gherla« er- wähnt. Bei Doppelmeyer heißt es von ihm (S. 291) »ein Geigenmacher, war sowohl in Geigen als Lauten von einer schönen Proportion, guten Resonanz und mancherlei Größen zu machen, auf welchen beiden Instrumenten er auch gar fein spielte, zu seiner Zeit in einer guten Renommee«. Gerle, Melchior. — Innsbruck. 1589. 1605 Sohn von Georg G. und seit 1 589 als Kaikant und In- strumentenmacher sein Nachfolger in der erzherzog- lichen Hofkapelle, die aber nach dem Tode des Erz- herzogs im Jahre 1596 aufgelöst wurde. Melchior G. blieb in Innsbruck, wo er schon 1591 Barbara Lutz geheiratet hatte. 1605 wurde ihm noch ein Sohn ge- boren und 1618 starb die »Ehewirtin des Lauten- und Instrumentenmachers Melchior Gerl« bereits als Witwe. (Vgl. Dr. F. Waldners mehrfach angeführte Schrift S. 52.) — Arbeiten von ihm sind mir nicht bekannt. Gerlein (Gerle), Hans. — Nürnberg. 1618 Vermutlich ein Enkel Conrad Gerles. Er erscheint mit der ausdrücklichen Bezeichnung »Lautenmacher« m den Nürnberger Gerichtsbüchern (Liter. 130, Bl. 55) am 14. Juli 1618 als Besitzer eines Hauses in der Kot- (jetzt Brunnengasse) und Breitengasse, das vordem Conrad G. besessen hatte. Germain, Emile. — Paris. Geb. 24. Juli 1853 in Paris. 1906 Sohn von Joseph-Louis G. Zuerst lernte er (seit 1864) in Mirecourt und seit 1867 bei seinem Vater, dessen Geschäft er 1876 übernahm. Bei dieser Gelegenheit verband er sich mit dem Lackerfinder-) Dehommais, ^) Ein Exemplar besitzt die Staats-Bibliothek in Ber- lin. Vgl. auch: Beschreibung eines neu entdeckten Lauten- buchs von Hs. Gerle usw. Wien 1 900. -) Sein Lack wurde im Inneren der Geigen aufgetragen. Außerdem erfand er ein Verfahren, das Holz künstlich »alt« zu machen. einem Liebhaber, der jedoch 1882 aus der Firma wie- der austrat. Germain ist ein hervorragend geschickter Geigenmacher, der auch auf der Pariser Ausstellung 1900 treffliche Arbeiten ausgestellt und die goldene Medaille erhalten hat. In 10 Jahren hat er an 500 Gei- gen gemacht. Geigenzettel : Abb. 243 und 294. Germain, Joseph-Louis. — Paris. Geb. 23.Juh 1822 in Mirecourt, t 5. Juh 1870 Er wurde in seinem Geburtsort ausgebildet, kam 1840 nach Paris und trat bei Ch. F. Gand ein. Nach dessen Tod ging er zu J. B. Vuillaume und blieb hier bis 1850, um dann bei den Söhnen Gands bis 1862 zu arbeiten. Hierauf machte er sich in der Rue Saint Denis Nr. 364 selbständig und ging 1870 nach Mirecourt zurück, wo er dann am 5. Juli 1870 starb. Ein großes Talent von außerordentlicher Bescheidenheit. Geigenzettel: Joseph-Louis Germain / ä Paris, Annee 1868 (gedruckt) und Abb. 234 und 242. Germain, Louis. — Paris. 1756 Vermutlich ein Mirecourter. C. C. Snoeck besaß eine Tenorgeige aus dem Jahre 1756 von ihm. Germano. — Mailand. 1906. 1907 Seine Geigen sind in England nicht unbeliebt. Geroni (Gerani), Domenico. — Ostia. 1800. 1820 Da er nichts eigenartiges besaß, aber leidlich gut nach- ahmte, wurden seine Geigen gerne von Händlern mit berühmteren Namen versehen, so daß man heute nur selten etwas von ihm in die Hände bekommt. Geigenzettel : Domenico Geroni Ostiano / fecit Anno 1817 (gedruckt). Gervais, T., lebt in Boston (Mass.). Gesü e Maria s. Tomaso Eberle Geycke, Joachim Wilhelm. — Hamburg Ein Instrumentenmacher, der am 27. Oktober 1797 das Bürgerrecht erwarb. Gherardi, Giacomo. — Bologna. 1677 Einige Bässe von ihm haben sich erhalten, jedoch in einem Zustand, daß man ihn nicht danach beurteilen kann. Ghirardi, Giovanni Battista. — Venedig. 1791 Vielleicht ein Nachkomme des Bolognesers G. Gherar- di. In seiner Arbeit recht unbedeutend. Geigenzettel : Joannes Bapta : Ghirardi / fecit anno 1 791 Venetijs (geschrieben). Ghidini, Carlo. — Parma. 1746. 1773 Ein wenig befähigter Nachahmer. Giacomett! — Gilbert 165 Glacometti,Glanbattista(gen.>>DelVlolino«)-— Rom. 1586 Man kennt ihn wohl nur als Erbauer von Harfen (Dop- pelharfen), doch läßt sein Beiname mit einiger Sicher- heit darauf schließen, daß er auch Geigen gemacht hat. Giacomo. — Chioggia. 1346 Ein alter Lautenmacher, dessen Namen Valdrighi (3963) mitteilt. Giambenni. Von dieser Familie kommt 1701 in Florenz ein Alessan- dro G. als Lautenmacher vor, der als Sohn eines Giovanni G. bezeichnet wird ; femer von etwa 1 770 an ein Simone oder SImeone G., der auch gute Geigen gemacht hat. Sein Modell weist Einzelheiten auf, die mehr an die Tiroler als an eine italienische Schule er- innern. Der Lack ist goldgelb und von guter Be- schaffenheit, die Einlage ziemlich breit. Möglicher- welse sind beide Nachkommen des um 1 350 erwähnten Giovanni Lodovico Giamberini in Ferrara. Gianni, Alessio. — Modena (Montagne). 1 793 Man kennt einige wenige, leidlich gut klingende Geigen von Ihm, die aber wenig ansprechend in Ihrer Arbelt sind. Gianoli, Domenico. — Mailand. 1731 Ein Nachahmer der Cremoneser und als solcher nicht ungeschickt. Gianottl, Achille Lebte um 1872 In Sarzano und soll gute Reparaturen ausgeführt haben. Gibbs, James. — London. 1800. f um 1845 Er arbeitete hauptsächlich für J. Morrison, George Corsby und Samuel Gllkes, unter deren Namen daher auch die meisten seiner Arbeiten gehen. Gibertmi, Antonio. 1850 arma ,G enua. 1797- Seinerzeit erfreute er sich eines gewissen Ansehens, und selbst PaganinI vertraute Ihm seine Gelgen zum Ausbessern an. Er ahmte die Guarnerl mit Geschick nach und hatte einen dunkelroten, etwas dicken Lack, der noch immer recht gut genannt werden darf. Nach 1833 war er in Genua ansässig. Er erfand einen Mecha- nismus, den er >>zur Erhöhung der Tonfülle« In den Geigen anbrachte, und der manche Ähnlichkeit mit der Sprengerschen Tonschraube hat. Sein Name wurde In weiteren Kreisen zuerst durch Francesco Antolinis Broschüre gegen Galbusera bekannt, da in dieser sein Loblied gesungen wurde. Geigenzettel: Restauro e corresse nell anno 1839 in Genova / Antonio Gibertini di Parma / Premiato piü volte in Milano con Medaglia etc. (gedruckt). — Antonio Gibertini / (Tier -Vignette) Parma 18 . . (gedruckt). Gibertoni, Giuseppe (gen. Paninlno). — Mo- dena. 1829 Ein Dilettant, der sich in allerlei »Künsten« versuchte, so als Feuerwerker, als Tischler und Gelgenmacher — überall mit dem gleichen Mißerfolg. Gibl, Laurenz. — Prag. Anfang des 17. Jahr- hunderts Ein Lauten- und Gelgenmacher, von dem nichts Näheres bekannt ist. Giboreau. — Lüttich Giboreau, Auguste und Giboreau, Deslre-Alphonse- Dieudonne (geb. 27. April 1866) leben als »Luthlers« in ihrer Vaterstadt. Gibson, Frank. — Boston. 1908. 1912 Amerikanische Gelgenmacherfirma der Gegenwart. Gidl s. Gedler Glehrl, Lorenz. — Amberg (Bayern). Geb. 10. April 1813, t 2. Juni 1892 Schüler von Thumhart In Amberg. Nachdem er einige Jahre hindurch In verschiedenen Werkstätten gearbeitet hatte, machte er sich In Amberg als Geigenmacher und Musikinstrumentenhändler ansässig. Während seiner vierzigjährigen Tätigkeit hat er eine Anzahl von sehr sauber nach AmatI gearbeiteten Geigen gemacht. Am Wirbelkasten brachte er gerne einen Löwenkopf an. Eine sehr gute Geige von ihm besitzt das Amberger Lehrerseminar. Seltener kommen Violen und Zithern von ihm vor. Gelgenzettel: Lorenz Glehrl / Saiten- Instrumenten- macher in Amberg / 1865 (gedruckt). Glgli, Giulio Cesare. — Rom.. 1721. 1762 Wahrscheinlich ein Sohn oder Enkel des 1640 in Rom vorkommenden Zimbelmachers Giovanni Giglio. Wenn er Im ganzen auch nicht zu den hervorragendsten Meistern gehörte, so machte er doch einige sehr gute Gelgen nach AmatI, die in ihrem rotgelben Lack und ihrer .Arbeit für ihn sprechen. Besonders seine Violon- celli sind lobend hervorzuheben. Viele seiner Arbeiten sind jetzt unter »berühmten« Namen Im Handel. Das Musikhistorische Museum von W. Heyer In Köln be- sitzt eine violinförmige Taschengeige (VIolIno piccolo) Nr. 757 von ihm, die nicht ohne Verdienst ist. Gelgenzettel : Abb. 252. Gilbert, Jeffery James. — Peterborough. Geb. 16. Aug. 1850 in New Rowney (Kent, Eng- land) Einer alten, angesehenen kentischen Familie entstam- mend und ursprünglich für einen anderen Beruf be- stimmt, hatte er im Geigenbau keinen eigentlichen Lehrer. Wohl war sein Vater (geb. 1 8 1 4) ein begeisterter Musikfreund, der als Dilettant einige gute Violoncelli machte, und von Ihm erhielt er die ersten Unter- weisungen. Nachdem er sich einmal mit dem Geigen- bau beschäftigt hatte, verlegte er sich mit Feuereifer 166 Gilbert — GiofTreda auf das Studium dieser Kunst und trat mit den besten Kennern und Künstlern m Verbindung; so mit Charles Reade, George Hart, Horace Petherick, Dr. John Day und George Withers, von denen er wertvolle Ratschläge erhielt. Er begann seine Studien 1873 in NewRomney und setzte sie dort bis 1 887 fort, in welch letzterem Jahre er nach Peterborough übersiedelte. Er bildete sich ein eigenes Modell, das bis zu einem gewissen Grade von Stradivari beeinflußt erscheint, und das er, ohne sich selbst stets sklavisch nachzuahmen, im Laufe der Zeit immer mehr vervollkommnet hat. Seine Arbeit ist von lobenswerter Vollendung sowohl in bezug auf die Schönheit des Holzes und der Form, als auch in bezug auf den Ton. Sein Lack, der von hübscher Leuchtkraft ist, zeigt entweder goldgelbe (hell und dunkel), braune oder tiefrote Farbe und ist das schließliche Ergebnis vieljähriger Versuche. Er hat an 200 Instrumente ge- macht, die alle ein individuelles, künstlerisches Gepräge haben und von manchen Autoritäten selbst den ita- lienischen als nahekommend an die Seite gestellt wer- den. Er besitzt viele Auszeichnungen ; eine ausführliche Biographie von ihm veröffentlichte Rev. W. Meredith Morris in Nr. 121 (Mai 1900) der Zeitschrift »The Strad«. Geigenzettel : Jeffery J. Gilbert Peterborough / Fecit. Anno MDCCCCIV. (gedruckt). Gilbert, Nicolas-Louis. — Metz. 1701. 1706 Em geschickter Violenmacher, von dem 1878 In Paris eine hübsche fünfsaitige Viola (Pardessus de Viole) ausgestellt war. Das Museum des Brüsseler Konserva- toriums besitzt eine gleiche Arbeit von ihm. Geigenzettel : NIcolas-Louis Gilbert / facteur d'instru- ments ä Metz / 1701 (geschrieben). Gilbert, Simon. — Metz. 1730. 1789 Vielleicht der Sohn von Nie. Louis G. Er war Mitglied des Domorchesters in Metz und ein fleißiger Geigen- macher, der sehr sauber nach einem Amatimodell ar- beitete und einen besonders guten Lack verwendete. Ein Quinton (richtiger Pardessus de Viole) von 1744 befand sich in der Sammlung Sax, ein ähnliches von 1749 besaß Loup, eine fünfsaitige Viola (Pardessus de Viola) findet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln, Nr. 788. Ein gleiches sehr hübsch gearbeitetes Instrument von 1752 mit goldgelbem Lack und einem geschnitzten Frauenköpfchen mit Hut be- sitzt Fritz Wildhagen in Haiensee. Geigenzettel: Abb. 274. Gilchnst, James. — Rothesay, Glasgow. Geb. in Rothesay 1832, f 1894 in Glasgow Er begann seine Laufbahn als Metallarbeiter und Me- chaniker und fertigte alle Arten der feinsten wissen- schaftlichen Instrumente an. Mit einem gründlichen Wissen verband er eine außerordentliche Handgeschick- lichkeit, außerdem besaß er eine prächtige Tenor- stimme und ein feines Gehör. Erst spät, um 1880, wandte er sich dem Geigenbau zu, aber dann mit solchem Eifer und solcher Begeisterung, daß er es bald dahin brachte, daß ihm seine Verehrer den Namen des »schottischen Stradivarius« gaben. Er verwendete aus- gezeichnetes Holz, berechnete die Stärkenverhältnisse von Decke und Boden nach seinen eigenen mathe- matischen Grundsätzen und stellte 50 Ausmessungen fest, um eine richtige und genaue Einteilung der Decke in bezug auf Baßbalken, Stimme und Steg zu erzielen. Er gab auf alle Kleinigkeiten acht und fütterte sogar die Wirbellöcher der Schnecke nach einem eigenen System. Er machte im ganzen 86 Violinen, Violen und Violoncelli und ließ keine fremde Hand an seine Arbeit kommen; sogar die Werkzeuge, mit denen er arbeitete, fertigte er sich selbst an, verbesserte die gebräuch- lichen und erfand neue dazu. Seine Geigen wurden schon zu seinen Lebzeiten hoch bewertet; für ein Quar- tett erhielt er 3000 M. Professor J. Bell Pettigrew, dem er auch die Modelle zu dessen Untersuchungen des Vogelflugs konstruiert hatte, besitzt eine Sammlung von Gilchristschen Geigen. Trotz alledem ist G. zu keinem Vermögen gekommen, und seine Frau pflegte zu sagen: »Machen kann er alles — nur kein Geld«. Er war ein durchaus origineller Mann und ein erfinde- rischer Kopf, wie man wenige kennt. Geigenzettel: James Gilchnst/ Rothesay, 1881 (gedr.). Gilig s. Gülich Gilkes, Samuel. — London. Geb. 1787 in Morton Pmkney (Northamptonshire), f Nov. 1827 m London Schüler von Charles Harris sen.; arbeitete bei Willi- am III Forster und eröffnete 1810 seine eigene Werk- statt. Er arbeitete im Stile von Harris nach dem Amati- modell recht sauber und verwendete einen guten Lack. Er wurde auch von Händlern viel beschäftigt. Seine Geigen und Violoncelli sind heute sehr gesucht. Geigenzettel: Gilkes / from Forster's / Violin and Violoncello Maker / 34, James Street Buckingham Gate / Westminster. (gedruckt) und Abb. 287. Gilkes, William. — London. Geb. 1811 in Tothill Fields, Grey Coat Str. (Westminster), t 1875 m London Sohn und Schüler von Samuel G., dessen Nachfolger er wurde. Er verlegte die Werkstatt später in die Dartmouth Street und machte viele Geigen nach ver- schiedenen Modellen. Er gehört zu den besten neueren Nachahmern Magginis und verstand es auch gut, den Lack zu imitieren. Im ganzen ist er aber weniger be- deutend als sein Vater. Am besten gelangen ihm Kon- trabässe. Gilmore, Richard. — Melbourne (Carlton). 1880 Ein australischer Musikinstrumentenmacher, der für Geigen und einen Dudelsack auf der Ausstellung In Melbourne einen zweiten Preis erhielt. Gmi lebt als Gesellschafter der Firma Gini & Benvenuti in Pisa Gioffreda, B. — Turin. 1860 Sein Name fand sich auf einem schlecht leserlichen Reparaturzettel. Giordanelli — Gisalberti 167 Giordanelli Ein Mandolinenmacher, der in Marseille ein Musik- instrumentengeschäft betreibt. Giordano, Alberto. — Cremona. 1725. 1740 Er gehört zwar zu den weniger bekannten Nachahmern Stradivaris, doch hat er einige hübsche Violoncelh und Taschengeigen gemacht. Sein Lack ist schön, von gelb- brauner oder rötHcher Farbe. Geigenzettel: Alte. Giordano fecit. / Cremonae 17.. (gedruckt). Giorgetti, Giovanni Antonio. — Barga. 1847 Ein begabter, aber unbedeutender Geigenmacher; seine besten Arbeiten sind denen von Ventapane im Aus- sehen, in der Arbeit und im Lack sehr ähnlich. Im allgemeinen arbeitete er jedoch sehr ungenau und flüch- tig. Auch sein Sohn wurde Geigenmacher (Valdnghi 4200,4201). Giorgi. Nicola. — Turin. 1717. 1760 Er gilt als ein Schüler G. Cappas, seiner Arbeit nach kann man ihn eher einen Stradivarinachahmer nennen, dem am besten Violen gelangen. Eine kleine Viola d'amore von feiner Arbeit trägt den Zettel: Nicolaus Giorgi faciebat / Taurini anno 17.. (gedruckt). Geigenzettel: Abb. 246. Giovannetti, Leonardo. — Lucca. Geb. in Luccaum 1816, f 30. Nov. 1884 Sohn von Lelio Luigi und Ernesta G. Er war Advokat, ein vielseitiger Gelehrter und Dilettant in allen mög- lichen Künsten. Als eifriger Musiker (tüchtiger Klavier- und Orgelspieler) kam er auch darauf, Musikinstru- mente zu bauen, und als es ihm gelang, einen vorzüg- lichen Geigenlack herzustellen, machte er in den Jahren 1855 — 1858 auch einige Violinen, die durch nichts verraten, daß sie Dilettantenarbeit sind. Noch größere Erfolge hätte er erzielt, wenn er beim Geigenmachen geblieben wäre, aber er verlegte sich dann darauf, kleine Orgeln zu konstruieren usw. ; er kam durch seine viel- fachen Liebhabereien schließlich um sein ganzes Ver- mögen und starb im bittersten Elend. Ein Schlaganfall machte seinem Leben ein Ende, und es ist nur zu be- dauern, daß er seine »Geheimnisse« mit ins Grab nahm. Giovannini, Giorgio. — Rom. 161 1 Ein Lautenmacher, den man bei Valdnghi (3779) auf- gezählt findet. Giquelier, Chnstoforo. — Paris. 1712 Lauten- und Geigenmacher, von dem das Pariser Kon- servatorium eine fünfsaitige Viola di batarda besitzt (Nr. 153). Giraniani. — Livorno. 1730 Vidal und Niederheitmann erwähnen ein gutes In- strument mit gelbem Lack und einem geschriebenen Zettel von 1730 mit diesem Namen, der wohl »Grag- nani« hätte gelesen werden müssen. Girardin, Paulus. — ? 1751 In einer Geige von kleinem Patron wollen einige diesen Namen gelesen haben. Das Wort Cremona, das auf dem Zettel noch zu entziffern ist, dürfte eine Firma- bezeichnung sein, nicht aber den Ursprungsort an- geben. Girgitto s. Gusetto Girod, Claude. — 18. Jahrhundert Er wird gewöhnlich als Geigenmacher bezeichnet, doch weiß ich nur, daß der 1791 verstorbene Graf von Maille- bois eine Drehle-er (vielle) von ihm besaß. Girolamo, Antonio. — »Cremona« Aus dem mißverstandenen Zettel der Brüder Antonio und Girolamo Amati haben findige Händler einen neuen Geigenmacher entstehen lassen, den sie in das Jahr 1790 setzten und mit dessen Zettel sie sehr zweifelhafte Geigen wertvoller erscheinen lassen woll- ten. Giron, Claude. — Troyes. Geb. 1 . März 1762, t 19. Mai 1832 Er arbeitete (nach Kinskys Ermittlungen) seit 1 . Sept. 1788 mitVillaume bei Claude Aubert, dessen Geschäft beide im Jahre 1791 übernahmen, wobei sie die Firma in Villaume et Giron änderten. Giron scheint auch einzelne Geigen allein gemacht zu haben. Wenigstens gibt es Instrumente, die einen Zettel nur mit seinem Namen tragen, der Name Villaume ist einfach weg- geschnitten, der Plural »Luthiers« aber geblieben, was A. Jacquot zu der irrigen Annahme verleitete, es habe zwei (Brüder) Giron gegeben. Geigenzettel: Abb. 237. Giroux. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamilie, von der 1 788 ein Jacques G. und ungefähr gleichzeitig ein Joseph G. nachzuweisen ist. Girvan, Thomas. — Edinburgh. Geb. 30. Dez. 1847 in Dalkeith Er war lange Militärmusiker und spielt außer Blech- instrumenten auch die Geige. Durch Honeymans Schriften kam er darauf, sich im Geigenmachen zu versuchen, und hat seitdem aus Liebhaberei etwa zwei Dutzend Violinen gemacht nach dem Stradivarimodell. Geigenzettel : Thomas Girvan / Edinburgh / 1 869 (ge- schrieben). Gisalberti, Andrea. — Parma, Bozzolo. 1716. 1730 Er nennt sich selbst einen Cremoneser, doch scheint er aus Rimini zu stammen. Es ist ungewiß, ob er bei Mariani in Pesaro oder bei Maggini gelernt hat, jeden- falls hat er von beiden manches angenommen, ohne dabei den Einfluß Gasparo da Salos zu verleugnen. Viele seiner Geigen verraten die Hand eines echten Künstlers, doch scheint er im Alter nachgelassen zu haben, oder sein Zettel ist durch Mißbrauch in zwar alte, aber gewöhnliche Geigen gekommen. Andere, 168 Gisalberti — Gläsel die seinem Stil sehr nahe kommen, tragen den Namen »Santo Ballerini«, was Horace Petherick veranlaßte, wahrscheinlich zu machen, daß dieser Name ein Pseu- donym Gisalbertis war. Wichtiger aber ist Horace Pethericks Nachweis, daß Gisalberti der Lehrer Guar- neris del Gesü war, was er durch Geigenzettel dieses Großmeisters aus den Jahren 1706 und 1714 belegen konnte, auf denen sich dieser ausdrücklich emen Schü- ler Gisalbertis nennt. Diese Bezugnahme auf den Leh- rer beweist aber auch, daß Gisalberti seinerzeit in be- sonderem Ansehen gestanden haben muß. Geigen, die ihm einwandfrei zugeschrieben werden können, smd immer sehr gut und haben emen reichen edlen Ton. Wahrscheinlich gehört er auch zu den Meistern, denen die besten Arbeiten durch das Einkleben von Zetteln mit im Handel gangbareren Namen genommen worden sind. Geigenzettel : Andreas Gisalberti / Cremonensis / fecit Bozsolo 1716 (geschrieben) und Abb. 249 und 250. Gisalberti, Giuho Cesare. — Bologna. 1588 Ein Lautenmacher, dessen Name bei Valdrighi (4204) genannt wird. Gitter, Andreas. — Augsburg. Um 1800 Ein bekannter Musikalienhändler, der auch mit Musik- instrumenten handelte, in die er einen Zettel mit seiner Firma klebte. Eine aus seinem Geschäft stammende alte Schlagzither besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum m Köln. Giudici, Virgilio. — Porto Alegre Brasilianischer Mandolinen- und Gitarrenmacher der Gegenwart. Giulani (Giuliani). — Cremona, Saluzzo. 1 660 Schüler von Nicola Amati, den er recht brav nach- zuahmen verstand. Seine Violen sind besonders gut, ebenso ein Kontrabaß, der in W. Heyers Musikhiston- schem Museum in Köln zu sehen ist. Giuliani, Alfonso Nur als Mandolinenmacher zu erwähnen. Giuseppe, Carlo s. Isep Giusino s. Berti Giusti, Giovanni Battista. — Lucca. 1682. 1693 Als Lautenmacher nicht hervorragend, dagegen zeigen seine Cembali durchweg schöne Arbeit. Geigenzettel : Joannes Baptista Giusti, / Lucensis fa- ciebat anno 1693 (gedruckt). Gladstone, Robert. — Newcastle onTyne. 1871 Englischer Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Geigenzettel : Robert Gladstone / Newcastle on Tyne / Dec. 28t'n. 1871 (geschrieben). Gläsel; — Markneukirchen Eine weitverzweigte Familie. Als Geigenmacher waren oder sind tätig; Gläsel, August. — t 1 4. Oktober 1 900 in New- York Gläsel, Carl Wilhelm. — Geb. 8. Aug. 1770, t 30. Jan. 1855 Seine Geigen sind gut, der Lack dunkelbraun, das Holz oft schöner, als bei vielen seiner vogtländer Zeitgenossen. Auf älteren Zetteln gibt er auch »Tyrol« oder gar »Tier- hier« (sie) als Ursprungsland an. Geigenzettel: Abb. 320. Gläsel, Ernst. — Geb. 1849 Schüler seines Vaters Joh. Ludw. Gl. 1873 übernahm er das väterliche Geschäft (Firma Gläsel & Mössner). Er verwendet einen von ihm zusammengesetzten so- genannten Levantiner Lack und erfand einen Bogen »zum Selbstbehaaren«. Geigenzettel: Abb. 310. Gläsel, Friedrich August Lebte im 18. Jahrhundert und soll aus Adorf stammen. Er war Geigen- und Gitarrenmacher. Seine Arbeiten tragen gewöhnlich die Brandmarke F. A. G. Das Mo- dell ist ähnlich wie das der Familie Hopf, hat aber doch einige Unterscheidungsmerkmale. Brandmarke Nr. 19. Gläsel, G. — Geb. 1720, t 1782 Urgroßvater von Heinr. Hermann Gl. Gläsel, Gottlob August. — Geb. 28. Dez. 1872 in Adorf Gläsel, Heinrich. — Geb. 1757, f 1837 Sohn und Schüler von G. Gläsel. Gläsel, Heinrich Adolf. — Geb. 10. Jan. 1866 Schüler seines Vaters Heinr. Hermann Gl. und der Markneukirchener Fachschule. Als Gehilfe arbeitete er 1884 in Rostock, dann bei Adam, Möckel sen. und Riechers in Berlin, machte sich 1886 in Berlin selb- ständig und übernahm auf Wunsch seiner Eltern 1891 die väterliche Saitenfabrik. Er baut jetzt nur noch in seinen Mußestunden Geigen, die jedoch nicht in den Handel kommen. Diese sind nach Stradivan- oder dem alten Gläselmodell gemacht und haben Spiritus- oder Ollack. Der Zettel ist handschriftlich auf Pergament. Gläsel, Heinrich Hermann. — Geb. 10. Jan. 1838 Sohn und Schüler von Karl Gl. Er machte seinerzeit u. a. viele Streichmelodions und verlegte sich schließ- lich auf die Saitenfabrikation. Gläsel, Heinrich Ludwig Streichinstrumentenfabrikant, Mitinhaber der im Jahre 1917 errichteten Firma L. Gläsel und Sohn. Gläsel, Immanuel I. — Markneukirchen. Geb. 22. März 1819, t 1881 Sohn von Carl Wilhelm Gläsel. Durch unermüdlichen Fleiß und angeborenes Talent brachte er es zu be- Gläsel — Glass 169 merkenswerter Meisterschaft. Er war auch musikalisch gebildet, was seiner Arbeit sehr zum Vorteil gereichte. In den Jahren 1850 und 1861 erhielt er in Leipzig und Berlin silberne Ausstellungsmedaillen. Sein Nachfolger ward sein Sohn Oscar. Gläsel, Immanuel II. — Markneukirchen. Geb. 27. Jan. 1878 Sohn von Oscar Gl. und jetzt Mitinhaber der geschätz- ten Firma »Oscar Gläsel«. Gläsel, Johann Ludwig (»Ludwig Glaesel sen.«). — Geb. um 1815, f nach 1890 Er wurde 1838 Meister und war hauptsächlich Baß- macher. Gläsel, Karl. — Geb. 1810, f 1850 Gläsel, Konrad, lebt als Geigenmacher in Brüssel Gläsel, Ludwig ('>Ludwig Glaesel jr.«). — Geb. 1842 Enkel von Carl Wilhelm Gl., Schüler seines Vaters. Von 1863 — 1865 arbeitete er als Gehilfe bei Grimm in Berlin, bei dem er seine Ausbildung in künstlerischer Richtung abschließen konnte. Im Jahre 1867 machte er sich in Markneukirchen selbständig und arbeitete zunächst wie die meisten Markneukirchener für die dortigen Handelshäuser. Im Jahre 1882 begründete er mit Herwig ein eigenes Musikinstrumentengeschäft, das ihm ermöglichte, seine Geigen unter eigener Firma auf den Markt zu bringen. Von 1890 an führt er die Firma Ludwig Glaesel jr. Er gehört zu den besten Markneukirchener Meistern, arbeitet sehr sauber nach Stradivari und fertigt besonders getreue Kopien der Geige Joachims an. Er verwendet gutes altes Holz und besitzt auch einen leuchtenden, schönen 01- lack. Auch seine Wiederherstellungen alter Geigen sind lobenswert. Er ist u. a. der Verfasser mehrerer sehr lesenswerter Broschüren, wie z. B. »Deutsch-Cremona, oder die Entstehung der vogtländischen Musikinstru- mentenindustrie usw.« und »Der internationale Geigen- schwindel und die Errungenschaften im Geigenbau des 19. Jahrhunderts«. Seit 1900 gebraucht er den Zettel: Ludwig Glaesel jr. / Deutsch-Cremona anno 19 (gedr.). Gläsel, Ludwig. — Charlottenburg b. Berlm. Geb. 1872 in Markneukirchen Schüler seines Vaters Ludw. Gl. jun. Mit 18 Jahren kam er in das C. Grimmsche Geschäft zu Siebert nach Berlin und mußte dort ganz selbständig alle vor- kommenden Arbeiten ausführen. Im Jahre 1899 er- öffnete er in Charlottenburg seine eigene Werkstatt und erfreut sich allgemeiner Anerkennung. Er führt haupt- sächlich Reparaturen aus, macht aber auch neue Geigen und verfertigt quintenreine Saiten. Gläsel, Moritz (genannt Wiener). — f 1917 Sohn von Carl Aug. Gl. Er war ein gewiegter Kenner und besaß das bedeutendste Lager alter Geigen in Markneukirchen. Sein Geschäft ging auf seinen Schwie- gersohn Reinhold Voigt über, der es in gleicher Weise, wie der Begründer, unter der alten Firma weiterführt. Markneukirch en. Geb. Gläsel, Oscar. 18. Okt. 1850 Sohn und Schüler von Immanuel I Gl. Er leitete be- reits seit 1871 das von seinem Vater 1850 begründete Geschäft, das er 1881 übernahm und unter seinem eigenen Namen (Oscar Gläsel) fortführt und auszudeh- nen verstand. Außer dem Bau von besseren Streich- instrumenten und der Herstellung von Violin- und Violoncellobogen betreibt er auch einen Handel mit Blasinstrumenten aller Art. Gläsel, Otto, lebt als Geigenmacher in Sieben- brunn i. S. Gläszel, Andreas (eigentlich Glassl). — Ham- burg. Geb. um 1873 in Watzkenreuth bei Fleißen Schüler von Maschauer, kam als Gehilfe zu G. Winter- ling nach Hamburg, wo er vier Jahre tätig war, ging dann zu Horst nach Altona und machte sich im Jahre 1901 in Hamburg selbständig. Geigenzettel: Andreas Gläßel, Geigenmacher / Ham- burg / 1. Dez. 1904 Reparirt. (gedruckO- Glandenberg, Heinrich Wilhelm. — Leipzig. 1740 Arbeiten von ihm kenne ich nicht ; P. de Wit veröffent- licht seinen Zettel : Heinr. Wilh. Glandenberg / in Leipzig 1 740 (gedruckt). Glass, Arthur. — Erlbach. Geb. 1 881 , f 5. Febr. 1905 Schüler von Edin. Tauscher. Während der Erfüllung seiner Militärpflicht erkrankte er und starb kaum 24 Jahre alt. Glass, Carl Friedrich (August I.). — Klingen- thal. 1791 Seine Geigen, die im Wert denen der Familie Hopf gleich stehen, unterscheiden sich durch höhere Wöl- bung von diesen, doch hat er in seiner ersten Zeit, ver- mutlich nach seiner auswärts verbrachten Gesellenzeit, auch ein Stradivarimodell aus dritter Hand nachge- ahmt. Glass (Claass), Christian. — Klingenthal. 1 740. 1742 Soweit bis jetzt bekannt, der Stammvater der Familie. Glass, Christian August. — - Brunndöbra. 1814 Er arbeitete im vogtländer Stil, war aber nicht unge- schickt. Glass, Christian Fried. — Klingenthal. 1815 Sohn und Schüler von Christian Gl. Er war der Schwiegersohn eines Bergmanns, der sich 1 799 auf das 170 Gla Gh ler Bogenmachen verlegte und in Klingenthal die ersten Bogen machte. Glass wurde sein Schüler und vervoll- kommnete sich dann später noch, so daß er als der Begründer der Bogenmacherei in Klingenthal angesehen werden kann. Brandmarke: Chr. F. Glass. Glass, Friedrich August II. — Klingenthal 1840. 1855 Wahrscheinlich ein Sohn von C. Friedr. August Gl. Ein geschickter Geigenbauer, der in London für seine Arbeiten die goldene Medaille erhielt. Geigen von ihm werden u. a. im Grünen Gewölbe in Dresden auf- bewahrt. Er gehört mit zu den Meistern, die im 1 9. Jahrhundert dem Ruhm der vogtländischen Geigen- macher neuen Glanz verliehen. Er starb in Unter- sachsenberg bei Khngenthal. Geigenzettel: Friedr. Aug. Glass, verfertigt / nach Jacobus Stainer in Absam / prope Oenipontum 18 . . (gedruckt). Glass, F. A. — Altona. Geb. 1866 in Klingen- thal, f 1906 Sohn und Schüler von Joh. Traugott Gl. Nachdem er ausgelernt hatte, arbeitete er bei seinem ältesten Bruder Franz Johann Gl. in Leipzig und dann noch in anderen Werkstätten und machte sich 1892 in Altona selb- ständig. Seine neuen Geigen sind sorgfältig gemacht, die Wölbung ist mäßig hoch und verläuft von der höchsten Stelle unter dem Steg allmählich zu der flachen Hohlkehle hin. Die Stärkenverhältnisse der Decke und auch des Bodens hatte er genau berechnet. Sein ÖUack war in kräftigen Farben, von gelb oder rot bis zum dunkelsten Braun gehalten. Für billigere Geigen verwendete er auch Spirituslack. Seine Werk- statt ging nach seinem Tode auf A. Paul König über. Glass, Franz Johann. — Leipzig. Geb. 1847 zu Brunndöbra bei Klingenthal Schüler seines Vaters Joh. Traugott Gl. Von 1866 bis 1870 arbeitete er bei Ludwig Otto in Köln und kam dann als Leiter in die »Straten «-Geigenfabrik in Gohlis. 1878 machte er sich in Gohlis selbständig und zog später nach Leipzig; 1897 erhielt er in Leipzig eme silberne Medaille und wurde 1901 zum Hofgeigen- macher des Herzogs von Anhalt ernannt. Er baut nach Stradivari und verwendet einen Ollack eigener Zu- sammensetzung; auch erfand er neue Geigenwirbel und einen Bogen zum Selbstbespannen. Geigenzettel : Johann Glass / Geigenmacher in Leipzig (gedruckt). Glass, Heinrich. — Brunndöbra. Geb. in Untersachsenberg um 1818, f 1893 in Brunn- döbra Sohn und Schüler von Friedrich Aug. 11 Gl. Er ar- beitete nach den Modellen seines Vaters und galt als tüchtiger Meister. Glass, Hermann Er begründete 1 890 sein Geschäft als Geigenmacher in Wernitzgrün. Glass, Johann Christoph. — Klingenthal. 1 780 Einer der weniger bekannten Geigenmacher seines Namens. Glass, Johann Traugott. — Untersachsenberg, Klingenthal. Geb. 10. Juni 1819 in Unter- sachsenberg, t 10. Okt. 1895 in Klingenthal Vielleicht der begabteste Geigenmacher aus seiner Fa- milie. Er arbeitete nach einem eigenen Modell, und die echten »Glassgeigen« waren eine Zeitlang so beliebt wie echte »Hopf geigen«. Er arbeitete sehr sauber und erzielte einen sehr guten Ton. Er hat viele billige Violinen gebaut, einzelne aber werden seinem Namen dauernd Ehre machen. Auch seine Söhne Johann und F. A. sind Geigenmacher geworden. Glass, R., arbeitet als Geigenmacher in Sieben- brunn Glassl, Hermann. — München. Geb. 26. Mai 1889 in Asch i.B. Er erlernte von 1903 — 1907 in Hamburg bei seinem Oheim Andreas Glässel den Geigenbau, kam dann als Gehilfe zu Züst nach Zürich, ging drei Jahre später zu Vrint nach London und dann zu Wittmann nach Wien, dem er seine letzte Ausbildung verdankt. Er machte sich 1912 in München selbständig und arbeitet sehr sauber nach eigenen Modellen, sowie nach den besten alten Meistern; auch als sorgsamer Reparateur wird er allgemein geschätzt. Geigenzettel : Hermann Glassl / Nr. 63 München, anno 1919 (gedruckt). Glassl, Karl, lebt in Schönbach b. E. Glenday, James. — Padanaram. 1865 Schüler von James Findlay und, wie sein Lehrer, seines Zeichens ein Weber. Er hat etwa zwei Dutzend Vio- linen gemacht, die aber nur von unbeholfener Arbeit sind. Glenister, William. — London. Geb. 16. Mai 1850inChendes Ein Liebhaber, der es zu bemerkenswerter Geschick- lichkeit gebracht hat. Interessant sind auch seine Ver- suche, ein neues Modell zu finden. Seine Biographie veröffentlichte Meredlth-Morrls in »The Strad« 1900, Nr. 124. Gelgenzettel: Wm Glenister / 23 Beak Str. / 1898 London (geschrieben). Glier ^). — Markneukirchen Dieser Familie gehörten oder gehören die folgenden Geigenmacher an : Glier, August sen. Lebte noch 1890 Glier, August Hermann (Baßmacher), f 1 8. Okt. 1898 in Zwickau I ') Im 18. Jahrhundert wird der Name auch Glür oder Gluer geschrieben. Glier — Gobetti 171 Gller, Carl Wilhelm. — Geb. 7. Aug. 1767, t 30. Okt. 1834 Glier, Johann. — Geb. nach 1812, f um 1895 Er ging in jungen Jahren nach Rußland und Polen und ließ sich dann in Warschau nieder, wo er sowohl Geigen als Blasinstrumente fabriksmäßig herstellte. Er beschäf- tigte ungefähr 24 Arbeiter. Glier, Johann Adam I.— Geb. 1693, f 31 .Nov. 1 777 im Alter von 84 Jahren 4 Monaten und 27 Tagen Er wurde im November 1 723 Meister, war Bürger und verkaufte seine Geigen im Umherziehen, wobei ihn sein Sohn begleitete. Er brachte es damit zu einigem Vermögen und saß 1768 — 1772 im Zunftrate. Glier, Johann Adam II. — Geb. 3. Sept. 1 725, t 17. Sept. 1774 Zweiter Sohn von Johann Adam I Gl. Da er viel mit seinem Vater auf Reisen war, bewarb er sich erst im Alter von 35 Jahren um die Aufnahme in die Zunft, während es sonst üblich war, daß dies schon im 20. oder 22. Lebensjahr geschah. Am 2. Dezember 1760 wurde er Meister, starb aber noch vor seinem Vater. Glier, Johann Friedrich. — Geb. um 1730 Er war keines Meisters Sohn und mußte daher die volle Gebühr (31 Taler) erlegen, als er am 24. Mai 1752 gleichzeitig mit seinem Vetter Joh. Gg. Gl. als Meister in die Zunft aufgenommen wurde. Geigenzettel: Johann Friedrich Glier, / erfunden von Jacob Steiner in .'Xpsam, probe oempundum. (gedr.). Glier (Glüer), Johann Georg I. — Geb. 1733, t 3. Juni 1809 Wahrscheinlich Sohn und Schüler von Johann Adam F. Gl. Er wurde am 24. Mai 1752 als Meister in die Zunft aufgenommen und bei dieser Gelegenheit aus- drücklich als .Meisterssohn bezeichnet. Er erreichte ein Alter von 76 Jahren 4 Monaten und 2 Tagen. Glier, Johann Georg II. — Geb. 25. Nov. 1762, t 5. Febr. 1845 Sohn von Joh. Gottlob Gl. Ein sehr fleißiger Geigen- macher, der bis in sein hohes Alter tätig war und neben vielen gewöhnlichen Geigen auch einige recht gute gemacht hat. Geigenzettel: Johann Georg Glier / in Neukirchen im Voigtlande / 1812. (gedruckt). Glier, Johann Georg III. — Geb. 23. März 1763, t nach 1810 Sohn und Schüler von Joh. Georg I Gl. Er war viel auf Reisen und soll auch in der Fremde gestorben sein. Glier, Johann Gottlieb (Gottlob). — Geb. 1 732, t 1799 Er war unter den Geigenmachern aus seiner Familie im 18. Jahrhundert der beste und hat auch viele andere Neukirchener Meister beschäftigt. Seine Geigen sind recht gut und sauber im vogtländer Stil ausgeführt. Er starb 67 Jahre 7 Monate und 1 2 Tage alt. Geigenzettel : lohann Gottlieb Glier Fabrique in Neu- kirchen bey Adorf im Voigtlande, (gedruckt). Glier, O. R. — Geb. 1857 Schüler von Herrn. Dölling sen. Als Gehilfe arbeitete er drei Jahre bei J. J. Held und begründete 1880 sein eigenes Geschäft. Er erfand eine Schoßvioline zur Be- gleitung des Zitherspiels und ist ein tüchtiger Meister. Glier, Robert. — Cmcmnati. 1885 Ein Markneukirchener, der sich in Amerika niederließ. Bekannt sind seine Versuche, Geigendecken aus dem Holze der Balsamfichte anzufertigen, wozu er von Konzertmeister Schradieck veranlaßt wurde. Glier, Wilhelm. — t vor 1900 Bruder von Johann Gl., dem er nach Warschau folgte. Er galt in Rußland und Polen als geschickter Geigen- macher und hatte daher viel zu tun. Sein Sohn Adolf soll sich mehr auf den Handel verlegt haben. Glier s. auch Kher Glinton, R. — Cork. 1895. 1905 Ein Liebhaber, dem einige gute Geigen gelungen sind. Gloag, John. — Galston. Geb. 1853 Seine Geigen sind nach dem Stradivarimodell gebaut. Gloss, Friedrich. — Wien. Geb. m Wien 9. Mai 1882, gefallen 5. Mai 1915 in Przemysl Schüler von Carl Zach und lg. Bucher, ein geschickter Geigenmacher, der seit 1908 bei Hof geigenmache r W. Th. Jaura arbeitete. Gluer s. Glier Gobetti, Francesco. — Venedig. 1690. 1732 Nach seiner Arbeit gehört er zur Cremoneser Schule, viele machen ihn sogar zu einem persönlichen Schüler Stradivaris. Er ist nächst Montagnano und Serafino Santo der bedeutendste Venezianer Geigenmacher. Als seine Arbeitszeit wird gewöhnlich der Zeitraum von 1690 — 1725 angegeben; ich halte die Zahlen für un- genau, da mir Geigen mit einem vor dem 18. Jahr- hundert liegenden Datum von Gobetti nie vorgekom- men sind; im Stifte St. Florian in Oberösterreich be- findet sich allerdings eine Violine von ihm, auf der die Jahreszahl 1761 zu lesen ist, — wenn die 6 nicht etwa als 0 gelesen werden muß. — Seine Geigen, von breitem, flachgewölbtem Patron, erinnern an frühe Arbeiten Stradivaris und halten zwischen dem Stradi- vari- und Amatimodell die Mitte, doch wußte er da- bei seinen Violinen durchaus den Stempel seiner Eigenart aufzudrücken. Er verwandte sehr schönes Holz und war sorgfältig in der Arbeit ; seine F-Löcher sind denen Ruggeris ähnlich; weniger gelungen ist ihm der Schwung der Schnecke. Sein Lack, der ursprüng- lich ganz rot gewesen sein muß, erscheint jetzt von 172 Gobit — Gözel klarer, blaßroter Farbe. Eine besonders schöne Geige von ihm befand sich in der Sammlung Wilmotte m Antwerpen. Geigenzettel : Franciscus Gobettus / Venetijs Fecit Anno 17.. (gedruckt). — Francesco Gobetti / in Ve- nezia 17(0)1 (gedruckt) und Abb. 276. Gobit s. Gobetti Goebler, Johann Caspar. — Breslau. 18. Jahr- hundert Vielleicht ein Schüler von Rauch, doch sind seine Geigen weniger hoch gewölbt. Sein Lack ist rötlich- braun und dunkel. Goepfart, Karl. — Potsdam. 1914. Geb. 3. März 1859 In Mönchenholgen i.Th. Ein Kapellmeister und geschätzter Tondichter, der sich aus Liebhaberei mit dem Geigenbau und besonders mit dem Lackieren beschäftigt. Seine »Altgrund- und Weichlack-Streichinstrumente« werden u. a. von dem Prof. Otto Becker-Trio gespielt und wurden auf der Delegiertenversammlung der deutschen Musiker in Weimar sehr gelobt. Goerlich, Joh. — Neiße. 1851. 1859 Ist mir nur durch Reparaturzettel bekannt geworden. Geigenzettel: Repar. v. Joh. Goerlich in Neiße. / 185 1 (lithographiert). Göthel, Christoph. — Borstendorf. 1725 Er scheint in Borstendorf weder geboren noch ge- storben zu sein, war aber dort ein geschätzter Geigen- macher. Göthel, Gottfried I. — Borstendorf. Geb. 30. Nov. 1716, t 16. Jan. 1781 Seine Violen und Gamben sind nicht schlecht, wenn auch im Holz und im Lack nicht besonders gut. Da er seine Arbeiten selten datierte, sind sie von denen seines gleichnamigen Sohnes schwer auseinanderzu- halten. Geigenzettel: Gottfried Göthel,/ In Borstendorff (ge- druckt). Göthel, Gottfried II. — Borstendorf. Geb. 1733. 1755 Sein Modell geht auf Stalner zurück, ist aber nicht schön, der Lack glanzlos und das Holz nicht sorgfältig gewählt, der Ton aber manchmal nicht schlecht. Geigenzettel: Gottfried Goethel Violinmacher / In Porstendorf Anno 1 755 (gedruckt). Goethel, Johann Christian. — Borstendorf. Geb. 7.JuH 1728, t nach 1750 Bruder von Gottfried I G. und angeblich auch dessen Schüler. Goethel, Johann Christoph. — Borstendorf. Geb. l.Febr. 1743, f 3. Okt. 1775 Sohn von Gottfried I G. und dessen Mitarbeiter, doch gibt es Gelgen, die seinen Namen tragen. Goethel, Johann Georg. — Borstendorf. Geb. 23. Okt. 1725, t 6. April 1793 Er war der Sohn eines Christoph G., der wahrschein- lich auch schon Geigenmacher war. Götz, Albert. — Markneukirchen. 1896 Guter Gelgenmacher unserer Zeit. Götz, C. A. jun. — Wernitzgrün. 1880. 1906 Im Jahre 1880 begründete Firma, die mit allen Musik- Instrumenten Handel treibt und auch eine Saiten- splnnerei hat. Goetz (Götz), Johann. — Wien. 1819. 1827 Er wohnte Stadt Nr. 62 und legte am 2. April 1819 den Bürgereid als »Gelgen- und Lautenmacher« ab. Götz, Johann Michael I. — (Mark) Neu- kirchen. 1730. t 27. Okt. 1778 Er war eigentlich Tischler und betrieb das Gelgen- machen nur nebenbei. Götz, Johann Michael 11. — (Mark-)Neu- kirchen. Geb. 1735, f H.März 1813 Sohn von Joh. Mich. I G. und, wie dieser, gelernter Tischler. Er scheint aber auch eine gute Schule als Geigenmacher durchgemacht zu haben und war jeden- falls geschickter als viele seiner Zeitgenossen Irn Vogt- lande. Sein Holz Ist gut gewählt, nur etwas zu dünn ausgearbeitet. Decke und Balken sind fast Immer aus einem Stück. Seinen Zettel klebte er gewöhnlich Im Innern der Zargen an. Gelgenzettel : Johann Michael Götz, Lauten / und Vio- linmacher In Neukirchen / Im Voigtlande (gedruckt). Götz (Joh. Michael III ?). — (Mark) Neu- kirchen. 1820 Sohn von Joh. Michael II G. Da er im Jahre 1820 auf Crasselts Chronik subskribierte, muß er damals noch gelebt haben. Götz, Josef, lebt als Geigenmacher in Stein- grub b. E. Götz, Ludwig, lebt in Fleissen Gözel (Götzel), Johann Conrad. — Wernitz- grün. Geb. um 1700. 1761 Vielleicht ein Sohn von Johann Gottfried G. Er wird als Gelgenmachermeister und Inwohner von Wernitz- grün schon 1746 und 1747 erwähnt. Wann er In die Neukirchener Zunft aufgenommen wurde, geht aus dem Zunftbuch nicht hervor, bei der Aufnahme seines jüngsten Sohnes wird er jedoch ausdrücklich als Mit- meister bezeichnet. Gözel (Götz), Johann Friedrich. — 1715. 1718 Jüngster Sohn und Schüler von Johann Gottfried G. Da er schon, bevor er in die Zunft aufgenommen war, »eine Zeltlang gemeistert«, wurde er In Strafe ge- nommen, die aber, als er am 5. Juli 1715 wirklich Goldt 173 Meister wurde, gnädig ausfiel, und »da er ein sehr armer Mann« war, wurde ihm Ratenzahlung bewilligt. Das Zunftbuch bemerkt, daß er seine Schuldigkeit getan, wodurch sein Bürge Conrad Adam Schönfelder der Bürgschaft ledig wurde. Er soll viel auf Reisen gewesen sein. Gözel (Götzel), Johann Georg. — Geb. in Wernitzgrün nach 1 730, f ? Jüngster Sohn des Joh. (Hans) Conr. G. Er wurde am 14. Mai 1761 in die Neukirchener Zunft als Meister aufgenommen. Gözel (Götzel, Götz), Johann Gottfried. — (Mark-)Neukirchen. 1677. f vor 1710 Der Stammvater der Familie, der aus Grashtz nach Neukirchen übersiedelte und unter den Gründern der dortigen Zunft als »Johann Gotfriedt« angeführt wird. Es scheint also, daß die volkstümliche Form des Namens Gottfried (Götz, Götzel) allmählich zum Fa- miliennamen geworden ist. Die Familie machte sich dann in Wernitzgrün seßhaft. Gözel (Götzel), Johann Wilhelm. — Wernitz- grün. Geb. um 1725 Sohn und wohl auch Schüler von Johann Conrad G. Er wurde am 26. Mai 1 747 von der Neukirchener Zunft als Meister aufgenommen und erlegte hierfür die für Meistersöhne übliche Gebühr, obwohl nicht nachzu- weisen ist, daß sein Vater als Meister in die Zunft ein- geschrieben war. Götzl, Josef Christof, lebte um 1 900 als Geigen- macher m Wien Goffredsen s. Gotfredsen Gofriller, Antonio. — Venedig. 1 730 Er wird zwar mehrfach erwähnt, doch gelang es mir nicht, irgendein Instrument von ihm zu erfragen. Geigenzettel: Antonio Gofriller / fece in Venezia 1730 (gedruckt). Gofriller, Francesco. — Venedig, Udme. 1 960. 1740 Bruder von Matteo G. Da er hauptsächlich als Mit- arbeiter seines Bruders tätig war, sind selbständig aus- geführte Geigen von ihm sehr selten, die wenigen aber sehr gut und gelbbraun lackiert. Gofriller (Goffriler, auch Gaf riller), Matteo. — Venedig. 1690. 1742 Wahrscheinlich ein Tiroler aus Lajen, der wohl schon in seiner Heimat gelernt hat, weshalb seine ältesten Gelgen in der Wölbung auch mehr an die Tiroler als an die italienische Schule erinnern. Er scheint bei Carlo Bergonzi, vielleicht auch bei Stradivari selbst gearbeitet zu haben; beiden kommt er sehr nahe. Seine Arbeit ist musterhaft, in der Wahl des Holzes ist er sorgfältig, der Boden ist meist nach der Schwarte geschnitten, bei den Violoncelli aus schön geflammtem Ahorn-, seltener aus Pappelholz. Die F-Löcher sind gut, die Schnecke tief und schwungvoll gestochen. Besonders schön ist sein roter Lack. Der Ton ist sehr edel, namentlich sind seine Violoncelli Meisterwerke ersten Ranges, und es erscheint glaubwürdig, daß viele davon als »echte Carlo Bergonzi« in den Handel gebracht wurden. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, daß M. Gofriller leider nicht so berühmt ist, als er es zu sein verdiente. Werke von ihm sind in verschiedenen Sammlungen, so u. a. eine Gamba von 1709 und eine Geige 1742 in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln. Eine sehr schöne Violine von ihm mit der Jahreszahl 1732 besitzt Albert Berr in Böhmischbruck. In seiner ersten Zeit führte er das Ladenschild »All msegna di Cremona«. Geigenzettel: Mattheus Goffriler faciebat / Venetljs anno 1 735 (gedruckt) und Abb. 282 und 292. Goldt, Jacob Heinrich. — Hamburg. Geb. um 1700, t 1775 Sohn von Samuel G. Er dürfte bei seinem Vater ge- lernt haben und ging dann nach Hamburg, wo er wahr- scheinlich bei Tielke arbeitete, an dessen Art seine Arbeiten erinnern. Er gehörte zu den besten Ham- burger Lauten- und Geigenmachern; merkwürdiger- weise ist Im Hamburger Archiv nichts über Ihn zu fin- den. Er scheint das Bürgerrecht nicht erworben zu haben. Verheiratet war er mit Dorothea Elisabeth Hon- stede aus Lübeck. Eine Laute und eine Archilaute von ihm mit den wahrscheinlich falsch gelesenen Jahres- zahlen 1700 und 1712 waren in South Kensington aus- gestellt. Eine Geige aus dem Jahre 1754 führt der Selhofsche Auktionskatalog auf. Eine Laute mit vier einzelnen und vier doppelten Saiten besitzt das Musik- historische Museum in Stockholm (Nr. 87). Geigenzettel: Jacobus H. Goldt fecit 1742 (gedruckt) und Abb. 244. Goldt, Jacob Samuel. — Verden. 1770 Sohn und wohl auch Schüler von Jacob Heinrich G. Von ihm weiß ich nur, daß er in jungen Jahren als Gelgen- und Lautenmacher nach Verden zog und dort mit Louise Dorothea, der Tochter des hannoverschen Oberleutnants David Friedrich Brückmann, verheiratet war. Goldt, Lukas. — Lübeck. 1673. 1695 Von Ihm ist nur bekannt, daß er aus Hamburg stammte, in der Ägidienstraße wohnte und von 1673 — 1681 sechs Kinder taufen ließ. Besonders gut scheint es ihm nicht ergangen zu sein, denn im Wettegerichtsprotokoll vom 3. Mai 1695 liest man, daß »Lucas Goldt, ein Lauten- und Violenmacher, wegen Schneider-Böhnhaserei« ver- klagt worden war. Er hatte zwei Söhne, die wohl beide seine Schüler waren, wenn auch der ältere, Johann Christoph (f 1707) lediglich als Musiker erwähnt wird. Goldt, Samuel. — Lübeck. Geb. 1673 (ge- tauft am 2. Okt. d. J.), t 28. oder 29. April 1740 Sohn und Schüler von Lukas Goldt. Ein tüchtiger Lautenmacher, von dem sich eine Mandora (halbbirn- 174 Goll — Gorrieri förmige Laute) von 1719 im Lübecker Museum be- findet, vermutlich dasselbe Instrument, das 1879 von Conr. Ebenhusen in der Lübecker Burg ausgestellt war. Von ihm weiß man nur, daß er am 6. Oktober 1698 Bürger wurde und sich im gleichen Jahre mit Elisabeth Wiese verheiratete. Er wohnte damals im Hause seines Vaters in der Ägidienstraße und ließ bis 1712 außer einem Sohn noch vier Töchter in der St. Agidienkirche taufen. Er scheint in zweiter Ehe mit Elisabeth Kum- merfeldt verheiratet gewesen zu sein. Eine von ihm reparierte Laute befindet sich in der Kunst- und Alter- tümersammlung auf der Feste Koburg. Eine sechs- saitige Tenorviola di Gamba von 1 723 mit einem mit Schildpatt belegten Griffbrett und einem Frauenkopf am Wirbelkasten besitzt C. Claudius in Kopen- hagen. Geigenzettel : Samuel Goldt in Lübeck / 1 720 aufs neu zugericht (geschrieben). • — Samuel Goldt in Lübeck / fecit 1723 (gedruckt). Goll, Karl. — Brunn. Geb. 30. Okt. 1876 in Wien Schüler von V. Pathan, arbeitete als Gehilfe in Prag und Wien und kam 1903 nach Brunn, wo er die Werk- statt Jakob Kliments übernahm. Er arbeitet nach Stradivari und verwendet einen Spirituslack, haupt- sächlich beschäftigt er sich jedoch mit Wiederher- stellungen. Geigenzettel: Karl Goll / Musik-Instrumenten-Er- zeugung / Brunn, Schwertgasse 6. / Anno 19.. (gedr.). Goltberg (Goldberg, Gollberg), Johann. — Danzig. 1726. 1759 Berühmter Lautenmacher des 18. Jahrhunderts, über den indessen nichts Näheres zu ermitteln war. Im Jahre 1726 erwarb ein Johann Goldberg aus Ohra das Bürgerrecht in Danzig. Sein Beruf ist nicht näher an- gegeben, sondern er wird, da er wohl keiner Zunft angehörte, kurzweg als »Arbeltsmann« bezeichnet. Da sich nun kein anderer Johann Goldberg in Danzig nach- weisen läßt, und da die ältesten Arbeiten von ihm die Jahreszahl 1726 tragen, liegt es nahe, anzunehmen, daß der »Arbeitsmann« unser Lautenmacher war. Violinen von ihm sind mir nicht bekannt geworden, dagegen einige gute Violen und Violoncelli. Der Boden ist ge- wöhnlich flach, die Decke wenig gewölbt (ein Violon- cello 1 05 cm lang). Eine Tenorgeige aus dem Jahre 1 742 bewahrt das Gewerbemuseum in Markneukirchen, eine kleine Laute von 1 733 mit rotem Hals Fr. Wildhagen in Haiensee, eine schön eingelegte lautenförmige Gi- tarre (von 1 747) W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln, ferner sind Arbeiten von ihm in den Museen zu Stockholm und Kopenhagen und im Bachhaus zu Eisenach. Geigenzettel : Abb. 308. Gomann, Christian. — Znaim. 1831 Sein Name findet sich in Geigen, er war aber Klavier- macher und hat die Geigen höchstens geflickt, schwer- lich aber selbst gemacht. Gomier, Nicolas. — Mirecourt. 1747. 1755 Ein Geigenmacher, dessen gleichzeitig vorkommender Bruder Jean G. im gleichen Beruf tätig war. Gompaerts, Willem. — Antwerpen. 1560 Er war wahrscheinlich ein naher Verwandter der Fa- milie Rückers und soll außer Tasteninstrumenten auch Harfen und Lauten gemacht haben. Gomulski (Gamohnski, Gamolawski), Sa- muel. — Posen. 1870 Der Name ist schwer leserlich. Der Träger dieses Namens soll ein Tischler gewesen sein, der bei einem Orgelbauer gearbeitet hatte und dann neue Geigen machte und alte verdarb, die er obendrein blutrot lackierte. Eine Geige mit seinem Zettel besitzt Post- sekretär Wronicki in Posen. Gondolo, Giorgio, lebte noch 1884 als Geigen- macher in Turin Gönnet, Pierre-Jean. — Paris. 1775. 1785 Er wohnte Rue du Temple und gehörte zu den un- bedeutendsten Vertretern der Pariser Schule. Gontershausen, v. s. Welcker Gonzales, Francisco. — Madrid. 1867 Er gilt als der beste spanische Gitarrenmacher des 19. Jahrhunderts. Eine Gitarre von ihm befindet sich im Museum des Pariser Konservatoriums. Goram, Carl Gottlieb. — Klingenthal. 1788 Wird in den Innungsbüchern als Geigenmachermeister aufgeführt. Goram, Christian Friedrich. — Untersachsen- berg b. Klingenthal. 1829 Wahrscheinlich ein Sohn von Carl Gottlieb G. Er war Geigenmachermeister und wurde durch einen Zufall Gründer der einst blühenden Holzkammindustrie Klingenthals. Gordon, Hugh. — Belfast, f 1854 Ein nordirischer Geigenmacher, dessen gleichnamiger Sohn noch um 1910 in Belfast im gleichen Berufe tätig war. Gori, Pietro. — Rimini. 1820 Seine Geigen haben ein unedles Aussehen, wenig Ton und spröden Lack. Gorrie, James. — Glasgow. 1895 Wahrscheinlich ein Dilettant, der in den neunziger Jahren in Glasgow lebte und einige Geigen nach Guar- neri gemacht hat. Er verwendete Whitelaws gelben und roten Ollack. Geigenzettel: James Gorrie, / Glasgow. / 189 .. . (ge- druckt). Gorrieri, Antonio. — Padua. 1802 Ein kleiner Geigenmacher, der nichts Bemerkenswertes geschaffen hat. Goss — Gould 175 Goss, Philipp. — Plymouth. 1879 Seine Violinen sind brauchbare Orchesterinstrumente. Goss, W. S. Ein amerikanischer Geigenmacher, der in Lyon lebt. Gosselin, Jean. — Paris. 1814. 1830 Der Vater der beiden zu ihrer Zeit berühmten Tänze- rinnen. Ein verdienstvoller Dilettant, mit Koliker eng befreundet und von diesem unterwiesen. Er machte sowohl Geigen als Violoncelli nach Stradivari, die in gewisser Beziehung geschätzt sind und jetzt recht gute Preise erreichen. Seine Arbeit Ist sorgfältig, der Lack von roter und gelber Farbe und gut. Das eigen- artig gesprenkelte Ahornholz, das er mit Vorliebe ver- wendete, gibt seinen Instrumenten ein persönliches Gepräge. Gelgenzettel: Abb. 291 . Gösset, Nicolas. — Reims. 1752. 1780 A. Jacquot kennt Arbeiten von Ihm, die er sowohl in Ihrer Durchführung als in der Form und dem Lack lobt. Bekannt wurde dieser Geigenbauer übrigens durch allerlei Erfindungen an Instrumenten. Im Jahre 1769 legten er und der Orgelbauer Turpin der Aka- demie der Wissenschaften eine Erfindung vor, die das Greifen der halben Töne erleichtern sollte. In einem guten Violoncello vom Jahre 1 752 nennt er sich Nicolas G. junior. Ob sein Vater sich schon als Geigen- macher betätigt hat, ist nicht bekannt. Gotfredsen (Godfredsen, Goffredson), Jes- per. — Kopenhagen. 1751. 1766 Er bekam im Jahre 1751 seinen Gewerbeschein als Gelgenmacher. Seine Gelgen zeigen deutsche Modelle; in der Wahl des Holzes Ist er nicht immer sorgfältig, dagegen ist seine Arbeit durchwegs gut. Das Instru- mentenmuseum In Kopenhagen besitzt eine schöne Taschengeige von ihm. Eine Tenorviola von 1752 be- findet sich in der Sammlung Galpm (Hatfield). Geigenzettel: Jesper Gotfredsen, Fiollnmager / l Klöbenhavn. 1 766 (gedruckt). Goth, Franz. — Meerane i. S. 1880. f April 1901 Er Heß sich 1880 in Meerane als Gelgenmacher nieder und verband mit seinem Geschäfte einen Musik- instrumenten- und Klavierhandel. Goth. — Schönbach b. E. Als Geigenmacher sind zu erwähnen: Goth, Peter. — t 1898 Goth, Wenzel, hatte seine Werkstatt in der Pfarrgasse und t 1909 Gottardi, Antonio. — Treviso. 1878 Mittelmäßiger Geigenmacher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Gottfried, Joh. s. Gözel Gottfried, Otto. — Leipzig. 1645 Ein Lauten- und wahrscheinlich auch Geigenmacher aus »Bissing«, der 1645 das Leipziger Bürgerrecht erwarb. Gottfried, Wenzel, hatte seine Werkstatt (im 19. Jahrhundert) in Preßburg (Langegasse Nr. 6) Gotti, Emiliano. — Ancona. 1770 Wahrscheinlich ein Südtiroler, der sich in Italien niedergelassen hat. Seine Arbelt steht der Stamers und noch mehr der Albans näher als einer der italienischen Schulen. Er nimmt die Wölbung sehr hoch und macht tiefe Hohlkehlen am Rande. Die F-Löher sind auf- fallend klein, der gelbbraune Lack Ist mager. Dagegen ist das Holz, namentlich des Bodens, sehr schön, die Ecken sind klein und zierlich, ebenso die in hübschem Schwung geschnittene Schnecke. Eine Viola von ihm besitzt Stößel in Köln. Geigenzettel: i'Emillan Gotti, Ancona/ 1770 (gedr.). Gottmannshausen, Hans. — Erfurt. 1670 Ein tüchtiger Meister, den noch 1738 Johann Gh. Eisel in seinem »Musicus avToc)i()(ty.TOi« neben Tielke, Hoffmann u. a. als geschätzten Gambenmacher preist. Eine Viola da Gamba von ihm besitzt die Königl. Sammlung alter Musikinstrumente In Berlin (Nr. 823). Gute Arbeit, die Schallöcher nähern sich bereits der Form des F. Götze s. Botze Goudot, F. — Mirecourt. 19. Jahrhundert Sein Werkstatteilhaber war Mangln. Ihre Geigen haben meistens eine doppelte Einlage, sind sauber gearbeitet und tragen den Brandstempel: F.'. X X Goudot et Mangln: A Mirecourt. Gough, John. — Leeds. 1820 Er arbeitete eine Zeitlang für M. W. Dearlove und Ist unbedeutend. Gough, Walter. — London. 1810. f um 1830 Gehört er auch nicht zu den bedeutendsten englischen Geigenmachern, so ist doch seine Arbeit nicht übel, das Modell gut und der Lack von gelbroter Farbe. Gould, John Alfred. — Boston (Amerika). Geb. 11. März 1860 in Windermere (Graf- schaft Westmoreland m England) Er erlernte in Liverpool bei Oliver & Davies den Klavierbau; dabei verlegte er sich frühzeitig auf die Gelgenmacherel und wurde von dem Geigenhändler Archer als Reparateur beschäftigt. 1883 wanderte er nach Kanada aus und konnte bereits 1884 eine Anzahl selbstgefertigter Geigen ausstellen. 1885 zog er nach Boston, arbeitete bei O. Weemann über zwei Jahre lang und eröffnete 1889 seine eigene Werkstatt. Seine beiden Söhne sind seine Mitarbeiter. Er verarbeitet amerikanisches Holz, hat ein eigenes Modell und einen guten glanzvollen und durchsichtigen Ollack. 176 Goulding — Graln Goulding. - London. 1790. 1800 Es kommen in England noch viele Geigen von sehr verschiedenem Werte vor, die oben auf der Außen- seite des Bodens den Namen »Goulding« eingebrannt tragen. Er selbst hat keine einzige dieser Geigen ge- macht, sondern sie nur in seinem gut gehenden Musik- geschäft verkauft. Die billigeren Instrumente bezog er aus Mittenwald oder Mirecourt, bessere ließ er von guten englischen Geigenmachern anfertigen. Sein Nachfolger war Keith, der sich noch mit anderen Kaufleuten verband und Filialen in verschiedenen Stadtteilen Londons errichtete. Gouvernari, Antonio. — Cremona. 1600. 1601 Wenn die Geigen mit diesem Namen als Werke eines Cremonesers vom Anfange des 1 7. Jahrhunderts ange- sehen würden, könnte man ihn zu den besseren Geigen- mücher seiner Zeit rechnen. Abgesehen aber von der verdächtigen Schreibweise des Namens mit OU kommen Jahreszahlen von 1600—1715 vor. Nach den Geigen selbst zu urteilen, können sie kaum im 1 7. oder 18. Jahr- hundert entstanden sein. Irgendein geschickter Imi- tator dürfte seine Arbeiten mit diesem wahrscheinlich erfundenen Namen versehen haben, um sie leichter anzubringen. Die sogenannten Gouvernarigeigen sind nach einem länglichen Modell mit mittelhoher Wöl- bung gebaut, der Lack ist dünn und olivengelb. Die F-Löcher erinnern an Nie. Amati, sind aber länger und schwungvoller. Die scharfkantige Schnecke ist meistens recht gut. Geigenzettel: Antonius Gouvernari / Cremonensis Faciebat Anno 16.. (gedruckt). Graban, Paul. — Gardelegen. 1861 Er arbeitete nach italienischen Modellen, verstand sich auf den Ton und verwendete einen dunkelgelben Lack. Auch liebte er es, seinen Geigen ein altes Aussehen zu geben. Grabensee, T. K. (nach anderen : T. G., auch J.A.). — Düsseldorf. 1818. 1861 Es war mir unmöglich, etwas über einen Geigenmacher dieses Namens zu ermitteln, obwohl er in verschiedenen Schriften erwähnt wird. — Ich bin daher geneigt, den Namen für apokryph zu halten. Er ist vielleicht durch Mißverständnis eines Zettels von Tacke, der in der Grabenstraße in Düsseldorf wohnte, entstanden. So- wohl Tacke als der sogenannte Grabensee sind nur durch Reparaturzettel bekannt. Gracio, Joäo Pedro, ein portugiesischer Man- dolinenmacher, der (1895) in Lissabon lebte Grado, Gaetano da. — Neapel In einigen Gitarren findet sich sein Name ohne Jahres- zahl. Gräbner Eine Familie in Großbreitenbach, von der sich mehrere Mitglieder im Nebenberuf mit der Geigenmacherei beschäftigten. Grätz, Hans. — Breslau. 1645 Sein Name findet sich in einem Handwerkerverzeichnis des Breslauer Stadtarchivs (Nr. H, 41, 8), wo er als Meister der Tischlerinnung eingetragen ist. Da die Breslauer Geigenmacher unzünftig und auch nicht ver- pflichtet waren, sich einer Innung anzuschließen, ist wohl anzunehmen, daß er trotz seiner Geschicklich- keit im Lautenmachen sein Brot als Tischler suchen mußte. Eine Laute von ihm, deren Hals mit Elfenbein- arabesken eingelegt ist, besitzt seit 1908 das Schlesische Museum für Kunstgewerbe und Altertümer. Vgl. Schles. Vorzeit in Bild u. Sehr. Neue Folge. (Jahrb. des Schles. Mus. f. K. u. A.. Bd. V. Breslau 1909, S. 257.) Gragnani, Antonio. — Livorno. 1741, soll 1800 noch gelebt haben Kein großer Meister, aber doch der beste aus seiner Familie. Seine Arbeiten zeichnen sich mehr durch ihren weichen, guten Ton als durch schöne Ausführung aus. Sein goldgelber, oft nachgedunkelter Lack ist da- gegen recht gut. Sein Modell ist groß, die Zargen hoch und der Ton meistens voll und tragend. Er ver- wendete gedruckte und geschriebene Zettel, auf den gedruckten findet sich neben dem Wortlaut oft noch eine Erdkugel und ein Kreuz, außerdem findet man auch noch die Buchstaben A.G als Brandmarke auf der unteren Zarge unter dem Saitenhalterzäpfchen und außen auf der Decke über dem oberen Klotz. Eine fünf- saitige Viola von ihm war im South Kens. Museum 1872 ausgestellt. Eine Violine und eine Viola von ihm (von 1791) befinden sich in W. Heyers Musikhistori- schem Museum in Köln. Geigenzettel: Abb. 243. Brandmarke Nr. 2. Gragnani, Gennaro. — Livorno. 1730 Vielleicht der Vater Antonios. In seinen Violen wendet er oft noch altertümliche Formen an. Um 1743 soll auch ein Jacopo Gragnani vorgekommen sein. Geigenzettel : Januarus Gragnani fec. / Lib. Anno 17.. (gedruckt). Gragnani, Onorato. — Livorno. 1785. 1799 Sohn von Antonio G., den er, ohne besondere Be- gabung, nachahmte. Geigenzettel: Onorato Gragnani / Figlio d'Antonio / Fatto in Livorno il 1 799 (gedruckt). Grab, Ernst. — Merscheid bei Solingen. 1921 Einer von den Vielen, die in den letzten Jahren das »Problem des altitalienischen Geigenbaus« gelöst haben. Graill s. Craile Grain, Ernst. — Grünberg i. Schi. 1 874. f um 1895 Ein Schuhmacher, der als Pfuscher Geigenreparaturen ausführte. Da er seine Geigen häufig mit Reparatur- zetteln versah, muß er hier erwähnt werden. iramino jrancino 177 Gramino (?). — Mailand. 1722. 1724 Unten ist ein 1722 vorkommender Gramino Grancmo nach einem geschri?benen Zettel erwähnt. Dr. Borne- mann in Eisenach sah eme Geige mit dem schön ge- druckten Zettel aus dem gleichen Jahre: »Gravi Gra- mino in Contrada ,' larga di Milano 1722«. Erscheint mir auch der Vorname ebenso seltsam wie der Zuname fragwürdig, so muß ich doch die Möglichkeit zugeben, daß ein Geigenmacher Gramino gelebt haben könnte, um so mehr, als H. Nicolai vom Wiesbadener Kur- orchester eine Violine besitzt, die den gedruckten Zettel: »Giovanni Gramino Milano 1724« trägt. Hier ist der Taufname nicht mehr sonderbar. Ich vermute aber doch nach wie vor, daß der oder die Verfertiger Grancino gemeint haben, als sie Gramino schrieben oder drucken ließen. Grämulo (Grämola). — 17. Jahrhundert Dieser Name wird von wenig glaubwürdiger Seite als der des Lieblingsgeigenmachers Tartinis überliefert. Es liegt wahrscheinlich eine Namensentstellung vor, bei der es freilich schwer ist, zu erraten, wer eigentlich gemeint ist. Aus derselben Quelle scheint auch E. T. A. Hoffmann geschöpft zu haben, der in der Er- zählung ~>Der Schüler Tartinis« (Serapionsbrüder III) diesen Schüler sagen läßt : »Es ist ein wahrhafter Gra- nuelo, und gegen den alten Meister ist sein Schüler, Euer Stradivari, nur ein Lump. Tartini mochte auf keinen andern Geigen spielen, als auf Granuelos«. — Der Name wird in der Form Hoffmanns auch nicht greifbarer, trotzdem er hier bis zum Lehrer Stradivaris emporgerückt ist. Grancino, Andrea. — Mailand. 1646 Wahrscheinlich der Vater Paolos ; Grillet veröffentlicht zuerst seinen Zettel, der in einer recht gewöhnlichen Geige gefunden wurde. Geigenzettel: .Abb. 281. Grancino, Francesco. — Mailand. 1690. f 1 746 Jüngerer Sohn von Giovanni Gr. Er erreichte zwar ebensowenig wie sein Bruder Giov. Batt. (II), mit dem er zusammen arbeitete, die volle künstlerische Höhe, hat aber doch recht gute Instrumente gemacht. Meist ist das Holz sehr gewöhnlich, das Modell nach Amati und der Lack, wenn auch manchmal noch von klarer, gelblicher Farbe, nicht besonders, der Ton dagegen fast durchgängig edel und weich. Geigenzettel: Francesco Grancino Figlio Giovanni fecit Mediolani 17 . . (gedruckt). Grancino, Giovanni I. — (Mailand?). 1645. 1682 Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie Gr. Wahrscheinlich ein Bruder Andreas, der, einem Zettel nach zu urteilen, in Cremona gelernt hat, seiner Arbeit nach aber eher an die alttiroler Schule als an Amati erinnert. Sein Ladenschild lautete: »al segno delle due corone", während die übrigen Grancini nur »della Corona« haben. Eine Geige von ihm besitzt Holm Viertel in Aachen. Geigenzettel: Giovan Grancino / Di Cremona 1682 (gedruckt). V. Lütgcndorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II. Grancino, Giovanni II. — Mailand. Geb. um 1675, t nach 1737 Zweiter Sohn und Schüler des Paolo G. Als Geigen- macher ist er einer der besten unter den Mailändern und seinem Bruder durchaus ähnlich und ebenbürtig, ja er nimmt gewöhnlich noch schöneres Holz. Die Wölbung ist weniger hoch, aber breiter als bei Paolo, der Lack von gelber oder braungelber Farbe. Er scheint eine Vorliebe für kleinere Modelle gehabt zu haben. Anfangs arbeitete er mit seinem Bruder gemeinschaft- lich. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1737 befindet sich in der Fürstl. Lobkowitzschen Sammlung auf Schloß Raudnitz. Ein ihm zugeschriebenes Violoncello aus dem Jahre 1702 (Korpuslänge 74,5) besitzt Alfr. Keil in Lissabon und eine Viola d'amore von 1696 die Sammlung Galpin (Hatfield). Eine gute und schön durchgeführte Violine mit besonders schöner Schnecke besitzt Bildhauer Heinrich Wirsing in Solin bei München. Geigenzettel : Gio. Grancino al Segno della Corona / in contrada larga di Milano fece 1699 (gedruckt). — Fratelli Grancini in Contrada larga di Milano al Segno della , Corona 16 . . (gedruckt) und Abb. 299. Grancino, Giovanni Battista I. — Mailand, Ferrara. 1690. 1710 Nach seiner eigenen Angabe Sohn des Paolo, den er in der Holzwahl übertrifft. Das Modell ist flacher, der Lack tiefgelb oder orangerot, der Ton groß und kräftig. .Anfangs scheint er sich in Ferrara nieder- gelassen zu haben, kehrte aber später doch nach Mai- land zurück. Für seine besten Arbeiten werden jetzt gute Preise erzielt. Geigenzettel : Giov. Bapt. Grancino, Filius , Paoli, fecit in Ferrara 16 . . (gedruckt) und Abb. 288. Grancino, Gio. Battista II. — Mailand. 1697. 1705 Älterer Sohn von Giovanni I. Er arbeitete meist mit seinem Bruder Francesco Gr. zusammen. Beide setzten das väterliche Geschäft fort. Am besten gelangen ihnen Violoncelli und Bässe. Ihre Arbeit ist wenig sorgfältig und ihr Lack jetzt ziemlich nachgedunkelt. Geigenzettel: Gio. Battista & Francesco fra. Grancini/ In contrada larga di Milano 17 (gedruckt) und Abb. 286. Grancino, Giovanni Batt. III. — Mantua. 1727. (?) Vielleicht ein Sohn von Gio. B. II Gr., wenn er über- haupt gelebt hat. Eine Geige mit seinem Namen zeigte ein langgestrecktes Modell, war hochgewölbt und kastanienbraun lackiert. Die Einlagen waren breit und liederlich in der Ausführung, auch die F-Löcher un- schön und wenig italienisch. Dagegen war die massige, flach gestochene Schnecke recht hübsch und originell (die rechte Seite war flacher gehalten als die linke). Grancino, Gramino. — Mailand. 1722 Pfarrer M. Müller in Oberlahnstein besitzt eine zwei- fellos italienische Violine mit einem geschriebenen Zettel, wobei er den Taufnamen Gramino liest. Der 12 178 Gri ancino — G raseck Ton ist außerordentlich edel und gesangreich, die Wölbung von mittlerer Höhe, der Lack auf dem Boden gelb, auf der Decke gelbbräunlich, die Schnecke schwungvoll mit breiter Stirne. Dieses Mitglied der Familie, das die gleiche Adresse angibt, wie fast alle übrigen, den Namen aber mit z schreibt, ist sonst nicht bekannt. Geigenzettel : Gramino Granzino in / contrada Larga di Milano / 1 722 (geschrieben). Grancino, Paolo. — Mailand. 1665. 1692 Aus Nicola Amatis Schule hervorgegangen, die er sein Leben lang nicht verleugnete. Von der sklavischen Nachahmung seines Meisters befreite er sich erst sehr spät, weshalb sicher eine große Zahl seiner besten Arbeiten von Händlern mit Amatizetteln versehen worden ist. An der originellen längeren Schnecke kann seine Arbeit übrigens leicht erkannt werden. Sein Holz ist nicht immer schön, manchmal nimmt er zu Boden und Zargen nur Pappelholz, dagegen ist sein gelber Lack recht gut. In seinen Bratschen übertrifft er Amati fast immer. Arbeiten von ihm besitzt W. Heyers Musik- historisches Museum in Köln. Grandadam, Fran^ois. — Mirecourt. 1770. t2.Mai 1785 Geigenmacher, Großvater von Jean-Dominique Gr. Grandadam, Jean-Dominique. — Mirecourt. 1795. t 1864 Sehr guter Bogenmacher, Vater von Adam (s. d.). Grand-Gerard, Jean-Baptiste. — Mirecourt. 1771. 1820 Seine Arbeit ist etwa mit der D. Hopfs gleichwertig. Das Holz ist mittelmäßig und der glanzlose Lack von gelber oder brauner Farbe. Am Boden fehlt oft der Halsansatz. Er bezeichnete seine Geigen nur durch Aufdrücken eines Brandstempels mit seinem Namen ohne Datum. Auf der Wiener Musikausstellung befand sich eine Geige von ihm mit der Abbildung einer Kirche auf der Außenseite des Bodens. Im Katalog (S. 16) wird die Geige für englische Arbeit (!) ausgegeben. Brandmarke: Nr. 30. Grandi, Luigi. — Pisa. 1874 Italienischer Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Grandini, Geronimo. — Mirecourt Dem Namen nach müßte man auf einen Italiener schließen, wahrscheinlicher aber hieß er richtig Gran- din oder ähnlich und hat den Namen nur italienislert, um seine Geigen verkäuflicher zu machen. Grandjon. — Amsterdam. 1847. 1850 Ein Geigenmacher aus Mirecourt, Schwager von L. Ber- nardel, dessen Geschäft er auf Betreiben der Witwe 1847 übernahm, aber nicht auf der früheren Höhe halten konnte. Grandjon, Frangois. — Mirecourt Der von A. Jacquot nachgewiesene Stammvater der Familie. Grandjon, J. (»Grandjon fils«). — Mirecourt. 1862. 1868 Älterer Sohn von Prosper-GerardGr. und dessen Nach- folger, übertraf aber seinen Vater und besaß verschie- dene Medaillen. Grandjon, Jules. — Mirecourt. Geb. 1855 Sohn von Prosper-Gerard Gr. Bevor er seine Fabrik in Mirecourt gründete, arbeitete er längere Zeit in Paris und hielt auch später dort noch eine Niederlage. Er machte verschiedene Versuche und Erfindungen, so eine Geige, deren Hals abgeschraubt werden kann usw., und entschied sich zuletzt für ein großes Modell, das auch in seiner Fabrik hauptsächlich zur Anwendung kommt. Vorzugsweise verwendet er hellroten Lack. Geigenzettel: Abb. 295. Grandjon, L. — Mirecourt. 1830. 1840 Er bevorzugte ein flaches Modell und einen orange- farbenen Lack. Grandjon, Prosper-Gerard (Grandjon pere). — Mirecourt. 1820. 1862 Er war schon der Sohn eines Geigenmachers und besaß zwar eine gewisse Geschicklichkeit, arbeitete aber sehr handwerksmäßig. Granser (Granzer, Grauser) s. Kranzer Granuelo s. Gramulo Grappello, Giovanni Marco. — Ferrara. 1566 Ein Instrumentenmacher, der mehrfach erwähnt wird. Von ihm ist wahrscheinlich die sechssaitige Viola da Gamba im Museum des Mailänder Konservatoriums mit dem Zettel: »loannes marcus*. Sie ist sehr sauber ausgeführt, ohne Ecken, 108 cm lang, und hat dunkel- gelben Lack. Graseck, Gustav. — München. Geb. 12. Juli 1881 in Neuenstein (O.-A. Öhringen, Würt- temberg) Erst Schüler von Friedr. Kochendörffer in Stuttgart, dann von Albert Götz in Markneukirchen ; seine eigent- liche Ausbildung fand er jedoch erst bei W. A. Keßler in Frankfurt, bei dem er mehrere Jahre lang als Ge- hilfe arbeitete. Hierauf kam er zu Fiorini nach Mün- chen und machte sich dort am 1. Oktober 1910 selb- ständig und mußte von 1914 — 1918 ins Feld. Erarbeitet vorzugsweise nach Stradivari und Guarneri und hat einen sehr guten Öllack, der die Schönheit des sorgfältig gewählten Holzes gut zur Geltung kommen läßt. Er vermeidet mit Recht grundsätzlich die Nachahmung des alten Aussehens seiner Vorbilder und läßt keine fremde Hand an seine neuen Geigen. Da er jedoch als ausgezeichneter Reparateur mit Aufträgen überhäuft ist, kommt er nur selten zum Neubau. Früher verwendete er gedruckte Zettel, in neuerer Zeit aber nur mehr geschriebene. Grater — Gretschel 179 Grater, Thomas Begründete 1874 seine noch bestehende Werkstatt in Birmingham. Gratiani, Giuseppe. — Genua. 1762 Grillet veröffentlicht nur folgenden Zettel von diesem sonst unbekannten Geigenmacher. Geigenzettel : Abb. 238. Grau, L. — Erfurt. 1846 Nur als Gitarren- und Zithermacher bekannt. Eine so- genannte "Thüringer Volkszither« von ihm befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum inKöln. Geigenzettel: L. Grau / in / Erfurt 1846 (gedruckt). Graubner, Adam Gottlieb. — Klingenthal. 1786 Wahrscheinlich ein fremder Geigenmacher, der sich in Klingenthal eingeheiratet hatte. Grauweels (Grouwels), Jan (Hans). — Ant- werpen Wurde 1579 Meister. Er ist bisher nur als Clavecin- macher bekannt geworden und war der Sohn eines Meisters. Ein Clavecin von Ihm befand sich in der Sammlung Snoeck. Da die Möglichkeit, daß er auch andere Musikinstrumente, Lauten und Harfen usw. gemacht hat, nicht ausgeschlossen ist, sei er hier er- wähnt. Von einem Lodovicus Grovvelus besitzt das S. Kens. Mus. ein Virginal von 1600. Geigenzettel : Johannes Gravwells fecit Antwerpiae (ge- druckt). Gray, F., lebte im 19. Jahrhundert in St. Louis (Miss.) Gray, J. — Fochabers (Banffshire, Schottland). 1870 Unbedeutender Geigenmacher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Gregori, Luigi. — Bologna. 1793. 1808 Als Geigenmacher nur ein Handwerker. Geigenzettel: Luigi Gregori fece in Bologna / Anno 1808 (gedruckt). Gregson, Robert. — Blackburn. Geb. 3. Juni 1871 in Blackburn Er studierte acht Jahre lang das Violinspiel und hatte das Holzschnitzen erlernt; so kam er darauf, sich auch im Geigenmachen zu versuchen. Von 1894 — 1895 war er in Montreal in Kanada ansässig und ließ sich 1898 in seiner Vaterstadt als Geigenreparateur nieder. Im Jahre 1898 machte er seine erste Viola und hat seitdem über 100 neue Geigen (nach dem Stradivanmodell) ge- macht. Alles an seinen Geigen ist eigene Arbeit, er beschäftigt keinerlei Gehilfen und steht sowohl als Geigenmacher und Reparateur wie als Händler in gutem Ansehen. Geigenzettel: »Arte et Labore.« / Robert Gregson, / Blackburn. / Anno 1913 (gedruckt). Greiff, Andres. — Prag. 1602 Ein Lautenmacher, der in der Altstadt arbeitete und wahrscheinlich aus Füssen eingewandert war. Greiff (Greif), Georg I. — Füssen. 15 . . Vielleicht ein Sohn des im Jahre 1517 aus Faulenbach in Füssen eingewanderten Martin Greiff. Eine Arbeit von ihm besitzt das Darmstädter Museum (Nr. 493). Geigenzettel: Georgius Greif. A Fies / sen. Me fecit 15 . . (gedruckt). Greiff, Georg II (Jerg). — Füssen. Geb. 27. Okt. 1599 Sohn und wohl auch Schüler von Georg I Gr. Er wurde am 21. September 1631 als Meister in die Füssener Lautenmacherzunft aufgenommen. Greiff, Hans (Johann). — Füssen. 1606. 1622 Wahrscheinlich ein Sohn von Magnus oder Georg Gr. Im Jahre 1612 gehörte er zu den Lautenmachern, die sich über einen ihre Zunft schädigenden Holzhandel beschwerten. Vidal erwähnt einen Johann Greffts, gemeint kann doch nur Greif! sein. Greiff, Laurentius. — Ingolstadt. 1600 Wahrscheinlich ein Sohn von Magnus G. und wohl auch ein älterer Verwandter von M. Fichtoldt, der gleichfalls aus Füssen kommend, sich später in Ingol- stadt niedergelassen hat. Eine winkelhalsige Laute aus dem Jahre 1600 von ihm besitzt R. Leibbrand in Berlin. Geigenzettel : Laurentius Greiff / me fecit / Ingolstadij, Anno 1600 (gedruckt). Greiff (Greif), Lukas (Laux). — Füssen. 1611. 1612 Er wurde am 26. Dezember 1611 in die Zunft als Meister aufgenommen, nachdem er schon am 27. April 1609 Anna Pfennig geheiratet hatte. Im Jahre 1612 wird er als Mitglied der Lautenmacherzunft genannt. Greiff, Magnus (Mang I). — Füssen. 1550 Im Verzeichnis der Raymund Fuggerschen Musik- kammer (vom Jahre 1 566) wird unter Nr. 67 aufgezählt : »Eine grosse Lauten von Flader mit schwarzen Filetlen von Mang Greif zu Fefsen.« Vgl. Stockbauer, Kunst- bestr. unter Alb. V. u. Wilh. V., S. 83. Trautmann nennt ihn wohl nur irrtümlich Martin Greif. Greiff, Mang II. — Füssen. 1606. f 1620 Er war vermutlich ein Sohn des Mang I und wird 1606 als Mitglied der Lautenmacherzunft genannt. Greßel, Joseph. — Mirecourt. 1781 Nur von A. Jacquot erwähnter Geigenmacher. Gretschel. — Arbeitete die 1869 erschienene neue Auflage von Wettengels Lehrbuch um 12* 180 Grevy • — Grinager Grevy, Fran^ois. — Paris. Um 1870 Wahrscheinlich nur ein Händler; seine Geigen sehen wie Mirecourter Fabrikate aus. einzelne, offenbar für Ausstellungen angefertigte Violinen ausgenommen, die reich mit Farbholzornamenten eingelegt sind, aber wenig Tonschönheit besitzen. Geigenzettel: Fran?ois Grevy / Paris (gedruckt). Grienberger (Grünberger), Joseph. — Urfahr- Linz a. D. Geb. um 1800, f um 1865 Er hatte in Urfahr Nr. 195 eine Werkstatt und war recht geschickt. Er ahmte das Stradivarimodell nach und verwandte einen dunkelbraunen Lack. Holz und Arbeit sind gut, ebenso der Klang. Geigenzettel: Josephus Grienberger fecit y Urfahr — Linz anno 1842 (gedruckt). Grieser, Martin. — Dresden. 1790 Vielleicht aus Füssen stammend, wie Mathias Griesser. dessen Sohn er jedoch nicht gewesen sein dürfte, da dieser dem Anscheine nach kinderlos geblieben ist. Ein Lautenmacher des 18. Jahrhunderts, der auch Gi- tarren und Geigen gebaut hat, hauptsächlich aber als Reparateur beschäftigt war. Griesser, Mathias. — Innsbruck. Geb. in Füssen nach 1700, f am 3. März 1784 Ein geschickter Meister, der wohl in Füssen gelernt hat und 1 726 bereits in Innsbruck ansässig war, wo er (nach Dr. F. Waldners Forschungen) am 20. August Anna Moreller von Imst heiratete. Sein Modell war zwar nicht besonders schön, Ton und Lack seiner Geigen sind aber meistens recht gut. Das Instrumen- tenmuseum des Liceo filarmonico in Bologna besitzt eine interessante Viola d'amore von ihm. Im Ferdi- nandeum in Innsbruck befindet sich eine Gitarrelaute vom Jahre 1747, auch das Stift in Hall besaß von ihm eine Violine, die in dem bei Aufhebung des Stifts (1783) angelegten Inventar (Cod. 31 des Statthaltereiarchivs in Innsbruck) auf 54 Kronen bewertet wurde. (Ferd. Zeitschr. 1 885, S. 275). Eine gute Viola von 1 727 stellte W. E. Hill im Jahre 1904 in der Londoner Music Loan Exhibition aus, wobei er irrtümlich den Vornamen Martin angab. Geigenzettel: Mathias Griesser, Lauden und Geigen- macher in Insprugg ann. 1727 (gedruckt). Grilli, Giuseppe. — Arezzo. 1742. 1743 Seine Geigen verraten keine kunstgeübte Hand. Grillet druckt seinen Zettel von 1 743 ab mit dem dort befind- lichen Zusatz: Nr. 3. Geigenzettel: Josephus Grilli , Aretii 1742 (gedruckt)^ Grillon. — MIrecourt. 1880. 1895 Tüchtiger Geigenmacher, der jedoch nicht selbständig aufgetreten ist. Gnmaldi, Carlo. — Messina. 1681 Er gilt als Schüler von Albani, was seine Arbeiten in gewisser Beziehung zu betätigen scheinen. Grimaldi, 0., lebt m Catania Grimes. — Sherborne. 19. Jahrhundert Englischer Geigenmacher von wenig Ruf. Grimm, Adam Friedrich. — Kimgenthal. 1 784 In den Meisterlisten kommt er 1784 vor. Seine Arbeit ist sehr gewöhnlich. Konzertmeister H. Schatz in Vevey besitzt eine Violine von ihm im echten Vogtländer Stil, ohne Einlage, Boden aus einem Stück. Auch im Ton ziemlich wertlos. Geigenzettel : Adam Friedrich Grimm / Violin Macher Klingenthal (geschrieben). Grimm, Carl Constantm Louis. — Berlm. Geb. 17. Febr. 1821 in Berlin Sohn, Schüler und zum Teil Nachfolger von K. Grimm, da er Teilhaber der Firma mit seinem Schwager Hell- mig wurde. Den Geigenbau hat er jedoch in der Folge nicht betrieben; er wurde 1844 als erster Harfenist bei der Königl. Kapelle angestellt und galt als Künstler in seinem Fache. Grimm, Heinrich. — Magdeburg. 1630 Ein Lautenmacher, der auch Monochorde gemacht hat. Grimm, Karl. — Berlin. Geb. 1794, f 16. Juni 1855 m Berlin Er eröffnete 1825 seine Werkstatt und war jedenfalls einer der allerbesten Berliner Geigenmacher. Er ver- arbeitete nur das schönste und beste Holz und war sorgfältig in der Ausführung und im Lack. Obwohl er sehr fleißig arbeitete, machte er im Jahr höchstens 30 Geigen. Seine Kopien nach Stradivari sind täu- schend ähnlich und das Entzücken der Kenner. Auch seine Harfen waren geschätzt. Ebenso schön sind seine Violoncelli. Er war eine echte Künstlernatur und machte fortwährend interessante Versuche. Er war auch musikalisch gebildet und soll u. a. ein Virtuose auf der Trompete gewesen sem. Im Jahre 1853 erhielt er den Titel eines Königl. Hofinstrumentenmachers. Seine Werkstatt übernahm sein Werkführer und Schwieger- sohn C. Hellmig. Grimm (Grim), Karl. — Saaz. Geb. in Groß- Tschernitz bei Saaz 1811, f 8. Sept. 1877 in Saaz Als Sohn eines Bauern kam er zu einem Musiker, der auch Geigen machte, in die Lehre. Nachdem er eine Zeitlang gewandert hatte, ließ er sich um 1842 in Saaz als Geigenmacher und Musiker nieder, wurde 1846 Bürger und verheiratete sich mit Maria Anna Stein aus Schönhof. Seine Tochter Sidonia wurde Schau- spielerin. Seine Geigen sind zwar wenig elegant in der Form, klingen aber manchmal gut. Geigenzettel: Karl Grim , in Saatz 1841 (gedruckt). — Karl Grimm Instrumentenmacher in Saaz. (gedr.). Grinager, Lars P. — Brandbo (Hadeland, Nor- wegen). 1886. 1889 Erhielt in Paris 1886 eine goldene, in Christiania 1887 eine bronzene Medaille, in Barcelona 1888 eine ehren- volle Erwähnung für seine Violinen. Griseri — G rosset 181 Griseri, Filippo. — Florenz. 1650 Seine Geigen haben manches, was an die deutsche Schule erinnert, so daß die Meinung aufkommen konnte, daß er ein Deutscher gewesen sei und vielleicht zur Familie Grieser (Griesser) aus Füssen gehört habe. Grivel, V. — Grenoble. 1867 Er beschäftigte sich eingehend mit dem Studium des altitalienischen Geigenlacks und gab auch eine Schrift darüber heraus. Griwalski, Franz. — Posen. 1743 Einer der besten polnischen Geigen- und Lauten- macher seiner Zeit. August Zimmermann in St. Peters- burg besitzt von ihm eine kunstvoll ausgeführte Viola d'amore mit hellbraunem Lack von italienischem Cha- rakter. Am Wirbelkasten befindet sich der Kopf der Justitia (Frauenkopf mit Diadem und verbundenen Augen). Geigenzettel: AMDCB . M . V^) 1743 D 30 X bris / Franciszek Griwalski w Poznamu. (gedruckt). Grob, Andreas Joseph. — Straubing. Geb. 26. April 1826 in Straubing, f daselbst 4. April 1909 Schüler von Jacob Schmidbauer in Regensburg. .Als Gehilfe arbeitete er in München und Passau usw. und kehrte dann in die Heimat zurück, wo er der Nachfolger Melzls wurde, dessen Geschäft er kaufte. Er machte sowohl alle Arten von Streichinstrumenten als auch Gitarren, Mandolinen und Zithern. Grobert. — Mirecourt. Geb. um 1794, \ 1869 Ein geschickter Gitarrenmacher, von dem noch manche .Arbeiten in Sammlungen aufbewahrt werden, so im Museum des Pariser Konservatoriums eine Gitarre, die ehemals Paganini und Berlioz besessen haben. Groblicz, Martin I (Marcin). — Krakau. 1 601 . 1609 Einer der namhaftesten polnischen Geigenmacher. Am besten sind seine Violoncelli. Arbeiten von ihm waren auf der Wiener Musik- und Theaterausstellung zusehen. Kolarczkowski ■) erwähnt eine in Krakauer Privatbesitz noch vorhandene Viola da Gamba mit dem Zettel: Na chwale Boza ukonczyl Marcin Groblicz roku panskiego 1602 (Zur Ehre Gottes vollendet von Martin Groblicz im Jahre des Herrn 1602.) Groblicz.Martin II. — Warschau. 1710. 1750 Vielleicht ein Enkel des Krakauer Meisters. In der Arbeit ist er ihm gleichstehend, verwendet gutes Holz und arbeitet nach verschiedenen Modellen, meistens aber nach Stainer. Er machte hübsche Einlagen und schnitzte Löwenköpfchen am Wirbelkasten. Seiner Arbeit nach kann man ihn allenfalls der deutschen ') Die Buchstaben könnten mit: »Ave Maria Domini Christi Beata Mater Virgo« zu deuten sein. ^) In seiner 1888 erschienenen Schrift über Kunst und Gewerbe im alten Polen, S. 221. Dasselbe Instrument scheint auch schon A. Grabowski gekannt zu haben. Schule zuzählen, nur darf man ihn nicht als »artifice tedesco« bezeichnen, wie es de Piccolellis tut. Seinen Ruhm in Deutschland verdankt er vornehmlich dem Lob, das ihm Kapellmeister Löhlein ') in Danzig (t 1782) erteilte. Eine Geige von ihm besitzt das Kon- servatorium in Warschau. (Abgebildet in Polinskis Geschichte der poln. Musik.) Geigenzettel: Marcin Groblicz z Warszawie 1710 (ge- schrieben). Gröber, Georg. — Innsbruck. 1816 Er war Orgel- und Musikinstrumentenbauer. Groh, Heinrich Moritz. — Geb. 3. Febr. 1869 in Erlbach, lebt als Geigenmacher in Mark- neukirchen Grohmann, C. A. G. (gen. Franck). — Bay- reuth. 1799 Ist nur als Reparateur bekannt geworden. Eine Ab- bildung seines Reparaturzettels findet sich in G. Kins- kys Katalog von W. Heyers Musikhistorischem Mu- seum in Köln, Bd. II, S. 623. Groll, Math. — Msran. 1800 In der Arbeit mit den Halleiner Geigenmachern ziem- lich gleichwertig. Er scheint übrigens nur vorüber- gehend in Meran ansässig gewesen zu sein, wodurch es sich erklärt, daß weder im dortigen Archiv noch in den Geburts- und Sterbematrikeln etwas über ihn zu finden ist. Gronau, Joh. Benjamin. — Danzig. 1 794. 1 798 Ein Geigenmacher, von dem bisher nur Reparaturen bekannt geworden sind. Geigenzettel: Joh. Benj. Gronau Geigenmacher in Danzig , Reparirt 1794 (gedruckt) und Abb. 319. Grosjean, John Fredenck. — London. 1837. 1840 Er war Harfenmacher, baute aber auch Harfengitarren. Grosseiet. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamilie, aus der A. Jacquot die Folgenden aufzählt : JeanG. 1758. 1770 Jean-Fran?ois 1 G., geb. 4. Juli 1727, f 1759, Sohn des Joseph I G. Jean-Fran?ois II G., geb. 5. November 1749, lebte noch 1776, Sohn von Jean Francois I. Joseph I G. 1727, der Stammvater der Familie. Joseph II G., geb. vor 1740, lebte noch 1789. Er gebrauchte eine Brandmarke mit seinem Namen. Jacquot kennt Geigen von ihm, die er lobt. Grosset, Paul-Fran^ois. — Paris. 1744. 1765 Schüler von Claude Pierray. In Arbeit und Modell ungleich und mittelmäßig, am besten ist noch sein gelber oder brauner Spirituslack. Die Wölbung nimmt ') Löhlein gab 1774 eine heute noch wertvolle An- weisung zum Violinspielen heraus. 182 Grossl — Gschwenter er gewöhnlich ziemlich hoch. Er wohnte in der Rue de la Verrerie und hatte den Schild »Au Dieu Apollon«. Da er nicht viele Geigen gemacht hat, kommen sie auch zieiTilich selten vor, doch waren solche aus den Jahren 1 758 und 1 759 aus dem Besitze E. Mennessons im Jahre 1895 auf der retrospektiven Ausstellung in Reims ausgestellt. Geigenzettel : P. F. Grosset. Au dieu Apollon. / rue de la Verrerie, ä Paris 1757. (geschrieben). Grossi, Giuseppe. — Bologna. 1803. 1804 Seine Arbeiten lassen nur noch wenig merken, daß sie in Italien entstanden sind. Geigenzettel : Giuseppe Grossi / Bologne / 1 804. (gedr.) Grossi, Gualterio de. — Neapel Mandolinenmacher. Großmann, Dr. Max. — Friedrichsfelde bei Berlin Es ist durchaus wahrscheinlich, daß die alten Meister des Geigenbaues über die physikalischen Gesetze besser unterrichtet waren, als man gemeiniglich glaubt, und daß die schließlich von ihnen festgestellte Form der Geige eine Folge wissenschaftlicher Erwägungen war. Daß wissenschaftliche Ergebnisse in früheren Zeiten häufig als Geheimnis von den wenigen Wissenden ge- hütet wurden, kann auch nicht bestritten werden, und so darf man den ein Jahrhundert alten Glauben, daß die Cremoneser ein Geheimnis besessen und mit ins Grab genommen haben, nicht ohne weiteres von der Hand weisen. Ist es doch trotz aller Versuche der besten Geigenmacher des 19. Jahrhunderts keinem gelungen, Stradivari oder Guarneri auch nur zu erreichen, ge- schweige denn, sie zu übertreffen. Das zu vermutende Geheimnis zu lüften, haben sich bereits zahlreiche Geigenmacher und Physiker bemüht, und zu einem interessanten Ergebnis ist Sanitätsrat Dr. Großmann gekommen, das dieser in einer kleinen Schrift unter dem Titel: »Es gibt doch ein Geheimnis der alten italienischen Geigenbauer« (Berlin 1898) veröffent- lichte, und das in der Forderung besteht, daß Boden und Decke in einem einfachen Schwingungsverhältnis zueinander stehen müssen. Dieses Verhältnis fand er in der höheren reinen Quarte oder Quinte. Bei an- nähernd gleicher Stärke stehen die Eigentöne von Fichten- und Ahornholz in diesem Verhältnis, woraus sich die Wahl gerade dieser Holzsorten zum Geigenbau erklären ließe. Dr. Großmann führte seine Theorie noch weiter aus in einem Aufsatz der Berliner Mus.- Instr.-Ztg. vom 16. Juli (1897/98) Nr. 41, der auch als Sonderdruck erschienen ist, sowie in einigen weiteren Aufsätzen. Auf seine Ideen gingen verschie- dene Geigenmacher mit bestem Erfolge ein. In jüngster Zeit ist eine Gesellschaft unter der Firma »Neu- Cremona« zusammengetreten, um Dr. Großmanns Theorie praktisch auszubeuten. Grou. — Paris. 1752 Er fertigte hauptsächlich Bauernleiern an und scheint früh gestorben zu sein. In der Sammlung Arrigoni in Mailand waren zwei Arbeiten von ihm. Grovvelus, s. Grauweels Gruber, Franz Xaver. 1832 Auf seinem Zettel gibt die schlecht leserliche Orts- bezeichnung ein Rätsel auf. Geigenzettel: Fr. Xaver Gruber / Geigen Verfertiger / in Vollmann (vielleicht Mettmann, Rheinprov. ?) / 1832 (geschrieben). Grünberger, L. — Linz a. D. 1864 Wahrscheinlich ein Verwandter des J.Grienberger, der in dem der Stadt Linz gegenüberliegenden Urfahr seine Werkstatt hatte. Er scheint sich Guarneri zum Vorbild genommen zu haben, verwendete einen gelblichen Lack mit rötlicher Schattierung und gab seinen Geigen gerne ein altes Aussehen. Die Arbeit ist ziemlich gut, nur die Schnecken lassen zu wünschen übrig. Gründler, Johann. — Budapest. Geb. 1839 in Szabadka Ein talentvoller Schüler seines Oheims Hackhofer und von Franz Tischenant, lebte bis 1 863 als Geigenmacher in Budapest und wurde dann Beamter. Grünwald s. Draßegg Grulli, Pietro. — Cremona. 1870. f 1898 Wenn ein Geigenmacher in Cremona lebt, fordert er unwillkürlich zum Vergleich seiner Arbeiten mit den besten klassischen Meisterwerken heraus. Es will daher schon etwas heißen, wenn man sagt, daß Grullis Geigen ihrem Ursprungsorte keine Schande machten. Grumet, Alphonse-Joseph. — Paris. Geb. 1857 Er begründete 1892 ein Saiteninslrumentengeschäft und läßt auch nach eigenen Modellen durch einen bei ihm angestellten Mirecourter Geigenmacher Instru- mente herstellen, die seinen Namen tragen. Geigenzettel : A. Grumet, Luthier / ä Paris (geschr.). Gschiel, Andreas Johann. — Budapest. Zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts Einer der besten Budapester Geigenmacher seiner Zeit, der in seinen Violinen an die Art von Math. Thir er- innert, wenn er ihm auch nicht gleichkommt. Arbeit und Holz sind gut, nur der Lack ist etwas arm und dunkel. Geigenzettel: Abb. 316. Gschiel (Gschiell), Joseph Michael. — Buda- pest. 1807 Nach Dr. J. Geyers Meinung vielleicht ein Sohn des Andreas Joh. Gsch., den er jedoch wesentlich über- troffen haben soll. Gschwenter, H. Joseph. — Innsbruck. Geb. 26.Juni 1 838 zu Mals i.Vintschgau, f 1 1 . Dez. 1894 in Innsbruck Er hat in Mittenwald gelernt und kam vor 1859 nach Innsbruck. Er hat nur wenige neue Geigen gemacht, hauptsächlich beschäftigte er sich mit Ausbesserungen und dem Bau von Zithern und Gitarren. Nach Dr. Fr. GuadagninI, Antonio — Guadagnini, Giambattista II. 183 Waldner erhielt er 1873 in Wien, wo er ein Quartett ausgestellt hatte, für eine Bratsche die goldene Me- daille. Er verlegte sich zuletzt ganz auf den Instru- menten- und Musikalienhandel. Sein Nachfolger Carl Gschwenter setzte das Geschäft nur als Kaufmann fort. Guadagnini, Antonio. — Turin. Geb. 1831, t 1881 Sohn von Gaetano 1 1 und Enkel von Carlo G. Tüchtiger und sauberer Nachahmer alter Meister ; Reparateur und ständiger Lieferant der Musiklyzeen in Turin und Pesaro, ein ungemein fleißiger Geigenmacher. Auch seine beiden Söhne Francesco und Giuseppe sind Geigenmacher geworden. Geigenzettel: Abb. 251. Guadagnini, Carlo. — Turin. 1780. 1839 Sohn von Gaetano I. Er machte hauptsächlich Gitarren und beschäftigte sich nur als Reparateur mit Geigen. Er hinterließ drei Söhne, Gaetano, Giuseppe und Feiice, die Geigenmacher wurden. Guadagnini, Felice I. — Turin. 1834. 1835 Er bezeichnet sich als »Nepos Joan. Bapt.« und wird häufig mit Felice II. verwechselt. Seine Geigen sind flachgewölbt und nach dem von seiner Familie be- vorzugten Modell gebaut. Guadagnini, Felice II. — Turin. Geb. um 1830 Sohn von Carlo G. und wohl auch dessen Schüler. Er übertraf jedoch seinen Vater, seine Violinen haben großen Ton und sind sauber gearbeitet, auch die kräftiggehaltene Schnecke ist tadellos, nur der Lack — oft von rotbrauner oder gelbbrauner Farbe — läßt zu wünschen übrig. Bessere Arbeiten von ihm werden schon jetzt recht gut bezahlt. Guadagnini, Francesco. — Turin. 1889. 1910 Sohn und wohl auch Schüler von Antonio G. Gegen- wärtig der einzige Nachkomme der berühmten Familie m Turin. Ein gebildeter und geschickter Meister, der nach den Modellen seines Urururgroßvaters Giam- battista II G. arbeitet. Von seinem Lack behauptet er, daß dieser noch immer derselbe sei, den sein Vorfahr angewendet habe, nur fehlten ihm zunächst naturgemäß jene Vorzüge, die allein das Alter verleihen können. Tatsächlich hat sein Lack (von leuchtend roter Farbe) viele Kennzeichen des altitalienischen Lacks. Bis jetzt arbeitet er ohne Gehilfen, er hat wohl drei Söhne, von denen ist der älteste aber erst etwa siebzehn Jahre alt. Seine Werkstatt befindet sich in der Via Santa Teresa 15. Die Begründung seines Hauses verlegt er in das Jahr 1690, was freilich nicht ganz stimmen dürfte. — Eine sehr gute Violine von ihm von tadelloser Arbeit und großem und doch sehr süßem Ton besitzt Ingenieur Hermann Keil in Cöthen i. A. — Ein gleichnamiger Guadagnini soll gleichfalls in Turin tätig gewesen sein und sich 1889 ins Privatleben zurückgezogen haben. Geigenzettel : Francesco Guadagnini fu Antonio / fece in Torino anno 1910 F. G. T. Guadagnini, Gaetano I. — Turin. 1775. 1831 Sohn von Giov. Batt. II. Seine Geigen sind sehr gut gearbeitet, haben schönes Holz und gelbbraunen Lack und klingen vorzüglich. Im Handel wurden Violinen von ihm schon vor dem Kriege mit 3000 M. bewertet. Eine schöne Violine von ihm besitzt Abt Sales Bauer in Rein (Steiermark). Er hat jedoch nur wenig neue Geigen ge- macht und verlegte sich zuletzt fast ausschließlich auf die Gitarrenmacherei. Geigenzettel: Gaetano Guadagnini / J. B. Guadagnini Filius / Taurini fecit 1 775 (gedruckt). Guadagnini, Gaetano II. — Turin. 1835. 1852 Altester Sohn von Carlo G. ; wenig bedeutender Geigen- macher, der aber trotzdem einzelne recht gute Violinen gemacht haben soll. Geigenzettel: Abb. 268. Guadagnini, Giambattista I. — Mailand, Parma. Geb. in Piacenza um 1 685, f n. 1 770 Er gilt als Bruder von Lorenzo G., mit dem er anfangs in Piacenza gearbeitet haben soll. Hierauf ging er für längere Zeit nach Parma, wo er in herzogliche Dienste trat. Von 1 750 an war er in Mailand tätig. Er war sehr fleißig, seine Geigen halten den Vergleich mit den Ar- beiten Lorenzos recht gut aus und übertreffen die von dessen Sohn Giambattista. Mit dem letzteren wird er oft verwechselt. Er ahmte sowohl Stradivari als auch Amati nach und verwendete einen schönen, goldigen Lack. Auch im Ton sind seine Geigen meist gut. Auf seinen Zetteln findet sich stets ein Hinweis auf seinen Geburts- ort, sei es, daß er sich darauf ausdrücklich als »Placen- tinus« bezeichnet oder daß er unter die Initialen seines Namens im Kreise das P anbrachte, auch wenn er sich — wohl aus Geschäftsrücksichten — »Cremonensis« nannte. Dadurch ist er von Giambattista II, der in Cre- mona geboren war, leicht zu unterscheiden. Eine Geige von ihm aus Mailand, mit der Jahreszahl 1 750, besitzt Prof. Gust. Holländer in Berlin. Besonders schön ist das Violoncello in der Sammlung Th. Hämmerle in Wien. Jul. Heinr. Zimmermann m Leipzig besitzt eine kleine Geige mit rotbraunem Lack und dem neben- stehenden Zettel. Eine prachtvolle Violine (Mailand 1753) besitzt Dr. Thommen in Wien, eine andere Abt Sales Bauer in Rein (Steiermark) und ein prächtiges Konzertinstrument Stefi Geyer. Geigenzettel : Questo corretto e fatto al Convento da me / Giam Battista Guadagnini Piacentino / in Milano. (Jahreszahl unleserlich.). — Abb. 239 und 296. Guadagnini, Giambattista II. — Piacenza, Turin. Geb. 1711 in Cremona, f 18. Sept. 1 786 in Turin Sohn von Lorenzo G. und wie sein Vater wahrscheinlich Schüler von Stradivari. Er war seinem Vater in jeder Beziehung ebenbürtig und baute wie dieser ziemlich ge- nau nach Stradivaris Modellen, nur die Schnecke, die er massig liebt, gelingt ihm weniger gut, auch die F-Löcher sind bei ihm ein wenig geändert. Er bevorzugt das flache Modell, verwendet ausgezeichnetes Holz — Boden meist zweiteilig — und goldgelben, überaus feurigen und durchsichtigen Lack, der aber bei aller Schönheit doch nicht dem von Lorenzo G. an Güte gleichkommt, da er meistens etwas hart und wenig elastisch ist. Auch an Tonschönheit steht Giamb. 1 1. oft 184 Guadagnini, Giovanni A. — Guadagnini, Lorcr.zo II. hinter Lorenzo zurück, denn Violinen von ihm, die einen wirklich hervorragend schönen Ton haben, kommen ziemlich selten vor, dagegen findet man häufiger Geigen, die äußerlich ganz wundervoll aus- sehen, im Ton aber weniger halten, als sie versprechen. Die besten Arbeiten von ihm stammen aus dem letzten Drittel seines Lebens und geben Turin als Wohnort an. Seine Geigen sind hochgeschätzt und haben schon vor dem Kriege Preise bis zu 14 000 M. erreicht, eine Summe, die jetzt mehr als vervierfacht wird. Nach dem Tode seines Vaters übernahm er dessen Werkstatt und ging später nach Turin, wo er starb. Daß er auch in Brescia gearbeitet habe, wie behauptet wird, läßt sich durch nichts beweisen. Geigenzettel: Abb. 289^). Guadagnini, Giovanni Antonio. — Turin. 1 750 Er wird zuerst von Grillet erwähnt, der seinen Zettel in einer Geige fand, die durchaus einer solchen von Lorenzo gleichwertig war. Auch dieser Guadagnini nennt sich einen Schüler von Stradivan und war wohl ein Bruder Lorenzos und der erste aus der Familie, der nach Turin ging. Geigenzettel: Abb. 263. Guadagnini, Giuseppe (?) — Brescia (?). 1697 Josef Müller in Schönbach besitzt eine italienische Geige, deren Umrisse und Wölbung bis zu einem ge- wissen Grade dem Brescianer Stil entsprechen. Die Violine ist zweifellos die Arbeit eines tüchtigen Meisters, der Ton soll wundervoll sein, der rotbraune Lack ist gut. Sie mißt im Corpus 357 mm, untere Breite 209, obere Breite 170, Brustweite 109 mm, und hat starke Ränder, doppelte Einlage und schwungvolle F-Löcher. Der Boden ist von glattem Ahornholz, die Zargen sind hoch und die Schnecke ist groß und schön. Die Geige trägt den Zettel : (Giuseppe) Guadagnini fecit Brescia 1697 (gedruckt). Dem Charakter der Schrift nach könnte der Zettel aus der Zeit stammen ; auffällig ist nur, daß der Taufname in Klammern steht, und daß bei einem Zettel in italienischer Sprache das lateinische »Fecit« (statt fece) vorkommt, abgesehen davon, daß die Brescianer damals fast immer ganz lateinische Zettel (»fecit BrixiE« usw.) gebraucht haben. Ein Giuseppe G., der schon 1 697 auf der Höhe seiner Kunst stand, ist mir bisher nicht bekannt geworden; daß die Familie in Brescia ansässig war, gelang mir auch nicht nachzu- weisen. Weder im Stadtarchiv zu Brescia noch in den Schriften von Cav. Livi und von Prof. Don Angelo Berenzi kommt der Name Guadagnini vor. Auch Valdrighi kennt keinen Brescianer Guadagnini. Merk- würdig ist es immerhin, daß der Name Guadagnini auf Zetteln so oft in Verbindung mit Brescia vorkommt, so hat u. a. Wild in Eger eine Violine von einem Marco G. aus Brescia 1713, und auch ein Giambattista G. gibt Brescia als Wohnort an. Da die Guadagnini öfter den Wohnort gewechselt haben, wäre die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß einzelne Mitglieder zeitweilig auch nach Brescia kamen. Solange aber keine urkundlichen Beweise vorliegen, wird man den Brescianer Guadagnini berechtigtes Mißtrauen entgegenbringen. Guadagnini, Giuseppe I, genannt »Soldato«. — Mailand, Como, Parma, Pavia. Geb. 1736, t nach 1805 Zweiter Sohn von Giambattista I G., dessen Schüler er wohl gewesen sein dürfte. Er nennt sich einen Cremo- neser; ob er in Cremona geboren ist oder vielleicht dort gelernt hat, ist unbekannt. Er baute nach Stradivan und Guarnen. Flaches breites Modell, gute Arbeit, weniger gelingt ihm der Ton ; 1 760 befand er sich in Parma, 1 763 wohnte er in Como in der Contrada di Porta, 1 790 in Pavia. Zuletzt kam er ganz herunter. Seine besten Arbeiten erreichen immerhin gute Preise. Er liebte auch doppelte Einlagen und außer seinen Zetteln findet man neben dem Balken noch die Buchstaben : »S. J. F. (?) SS. S. GG. F. P.« Eine gute Violine von ihm besitzt das Kölner Konservatorium der Musik. Geigenzettel : Josef Guadagnini Cremonensis / fecit Papiae anno 1790 (gedruckt). — Giuseppe Guadagnini fil. / Joannes Baptista Parmae 1768. (gedruckt). — Giuseppe Guadagnini figlio di Giov. Battista (ge- druckt) und Abb. 279. Guadagnini, Giuseppe II. 1884. 1900 Rom, Turin. Zweiter Sohn von Carlo G. Er macht Geigen und Violoncelli nach den alten Modellen seiner Familie. T urin. 1890. ') Auf manchen Zetteln findet sich unter den Initialen noch ein T. Guadagnini, Giuseppe III. 1900 Sohn von Antonio G., Geigenmacher der Gegenwart. Guadagnini, Lorenzo I. — Cremona, Piacenza. Geb. um 1695 (?) in Piacenza (?), lebte noch 1 760 und soll in Mailand gestorben sein Schüler von Stradivan, bei dem er lange arbeitete. Er kehrte nach 1730 in seine Vaterstadt zurück. In seiner Arbeit strebt er mit Glück seinem Lehrer nach und ge- brauchte ein ziemlich kleines Patron von schöner mittlerer Wölbung. Das Holz ist sehr schön, die Aus- führung musterhaft, die Umnßhmen schwungvoll. Die F-Löcher sind bald nach Guarnen, bald nach Stradi- van geschnitten. Charakteristisch für ihn ist die Schnecke, die allerdings nicht so schön ist, als die seines Lehrers Stradivan. Sein goldroter Lack ist wundervoll und wird von keinem Guadagnini außer von Giambattista an Feuer übertroffen. Es soll auch Geigen von ihm geben, die ähnlich wie die von Maggini doppelte Einlagen haben. Er wurde lange den Amatis als gleichwertig geachtet, doch steigen die Preise für seine Violinen wegen ihres bestrickenden Tons jetzt fortwährend. Daß er auch in Mailand gearbeitet haben soll, wird zwar behauptet, scheint aber auf einer Ver- wechslung zu beruhen. Geigenzettel : Laurentius Guadagnini Cremonae / .^Mumnus Stradivan fecit Anno Domini 17.. (gedruckt) und Abb. 267. Guadagnini, Lorenzo II. — Turin. 1790 Sohn und wohl auch Schüler von Giambattista II. G. Da sich Lorenzo I. auf einigen seiner Zettel »Pater« Gualzatta — Guarneri 185 nennt, hielt man Lorenzo II. bisher für dessen Sohn. Durch einen jetzt zutage gekommenen Zettel In einer wundervollen Violine im Besitze von Max Sternau in Weimar ist er als Enkel Lorenzos I. festzustellen. Da er in seiner Arbeit seinem Großvater sehr nahekommt, sind sicher viele seiner Geigen diesem mit »ver- besserter« Jahreszahl zugeschrieben worden, wodurch sich ihr seltenes Vorkommen sehr einfach erklärt. Er verwendete einen sehr hellen, goldgelben Lack und zeichnete sich auch durch hübsch geschnitzte Schnecken aus. Geigenzettel: Lorenzo Guadagnini figlio di Giovanni Battista / fecit in Turino an. 1790 (gedruckt). Gualzatta, Benedetto. — Rom. 1716. 1726 Ein Lautenmacher, der nicht ungeschickt war. Ein aus einem reichverzierten Kürbis gemachtes Lauteninstru- . ment («Cavaco«) von ihm besitzt die Sammlung Crosby Brown in New York (Nr. 144). Guardelli, Fratelli, lebten im 19. Jahrhundert in Rom Guarlni, Gerolamo Ein Geigenmacher dieses Namens wird von Magius zu den Meistern allerersten Ranges gezählt, hat aber nie existiert und wird wohl nur durch eine Vermengung eines Amatitaufnamens mit dem schlecht gemerkten Namen der Guarneri entstanden sein. Guarlni, Joseph^) s. Mennesson Guarlno, Battista. — Ferrara. 1445 Ein ausgezeichneter Lautenist, den Valdrighi unter dem Namen »Petrobono« aufzählte. Ob er ihn mit Recht den Lautenmachern anreihte, kann ich weder bestreiten noch belegen. Der richtige Familienname geht aber aus einer Stelle im Codex 62 der Biblioteca Comunale in Ferrara hervor, wo es heißt : . . . »Baptista Guarinus ad Petrum Bonum chitarristam rarissimum . . .« Guarlno, Mlchele. — Foggla. 1854 Er scheint nur Reparateur gewesen zu sein. Geigenzettel : Michele Guarino / Accomodo in Foggia / 1854 (geschrieben). Guarmandl, Flllppo. — Bologna. 1795 Ein Geigen- und Lautenmacher ohne Ruf. Geigenzettel : Philippus Guarmandi Bononiensis / Fecit Anno 1795. (gedruckt). Guarneri, Andrea. — Cremona. Geb. um 1626, t7.Dez. 1698 Sohn des Bartolommeo und der Stammvater der be- rühmten Cremoneser Geigenmacherfamilie. In fast allen Urkunden wird der Name allerdings Guarnieri geschrieben, auf den Zetteln der einzelnen Mitglieder der Familie findet man aber stets die Schreibart Guar- nerius vorgezogen. Andrea war einer der ersten Schüler Nicola Amatis und kommt bereits 1641 In den Akten der Pfarrei St. Faustino und Giovita mit der Bemerkung vor, daß er ein Mitbewohner des Hauses Amati und 1 5 Jahre alt sei. Es läßt darauf schließen, daß Amati ihn besonders schätzte, da er ihn zum Zeugen bei seiner Ver- mählung mit Lucrezia Pagliarl genommen hat (23. Mai 1645). Wenige Jahre später, am 31. Dezember 1652, heiratete er selbst Anna Maria Orcelli (f 13. Jan. 1695), aus welcher Ehe sieben Kinder, vier Töchter und drei Söhne, hervorgingen. Andreas Gelgen sind größer als die seines Lehrers, wenn er sich auch anfangs genau an dessen Modelle gehalten hat. Später nahm er die Wöl- bung flacher, veränderte die F-Löcher und erfand seine eigene ziemlich tiefgestochene Schnecke. Sein Lack ist verschieden, gewöhnlich orangefarben und oft etwas zu dick aufgetragen. Der Ton ist recht gut: am besten sind seine Violoncelli, die er, wie fast alle Cremoneser, In zwei Größen machte. Außer vollen Gelgen fertigte er auch »halbe« an ; eine solche aus dem Jahre 1644 besitzt die Kgl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin. — Zwei von seinen Söhnen sind gleichfalls Geigenmacher geworden. Arbeiten, die er nicht selbst gemacht hat, die aber in seiner Werkstatt hergestellt wurden, tragen den Zettel : Sub disciplina Andree Guarnerlj In elus officina sub titulo S. teresie, Cremone 16 . . (gedruckt). Eine schöne Violine von ihm besaß Prof. Arno Hilf, eine andere von 1675 hat Direktor Karl Henricl In Basel, ein wunderbares Violoncello vom Jahre 1695, eines der schönsten, das je In Cremona gebaut wurde, besitzt der Violoncellist Hans Bottermund^), (siehe Bd. I.Tafel 79). Geigenzettel: Abb. 307. Guarneri, Antonio. — Cremona Gian Battista G. hatte wohl einen Sohn namens Giu- seppe Antonio, der aber schon in seinem Geburtsjahre 1683 gestorben ist. Einen anderen Antonio Guarneri hat es aber überhaupt nicht gegeben. Wenn daher ein Antonio G. angeführt wird, der 1678 »sub titulo Thereslae« gearbeitet haben soll, so beruht dies im günstigsten Falle auf einer Verwechslung mit Andrea. Guarneri, Caterlna. — Cremona Wenn es mehr als eine Sage ist, daß auch ein Catarina G. Gelgen gemacht hat, die als eine Schülerin der Brüder Giuseppe und Pietro G. bezeichnet wird, dann könnte nur Pietro G.s Ehefrau Catarina Sussagni (geb. um 1658) damit gemeint sein, da die Tochter seines jüngeren Bruders Giuseppe G. (Josephus G.), Anna Caterlna, geb. 19. März 1697, schon Im Jahre 1698 ver- storben Ist. Gelgen, die von einer Caterlna G. her- rühren, sind mir zwar nie bekannt geworden, aber es wäre Immerhin möglich, daß Caterina, wenn sie ihren Mann überlebt haben sollte, das Geschäft fortgesetzt hat. Guarneri, Joannes Florenus (?). — Cremona. 1590 Claudius in Kopenhagen besitzt eine hübsche Laute, als deren Verfertiger ein Joannes Florenus Guarneri ') Was Broadhouse und Miss Stalner über »Guarlni« ^) Vorbesitzer war der Dresdener Hofmusiker Boek- sagen, beruht auf einem Irrtum, der Name ist nur ein mann. Die Geschichte dieses schönen Instruments läßt Pseudonym. sich übrigens durch mehr als 100 Jahre zurückverfolgen. 186 Guarneri, Giuseppe — Guarneri, Giuseppe Gian Battista erscheint. Es liegt nahe, diesen Namen als eine willkür- liche Verbindung der beiden Namen »Florenus Gul- dante« und »Guarneri« zu halten. Sollte der Zettel aber echt sein, könnte er vielleicht dazu dienen, Licht über das auf dem Namen Floreno Guidante noch ruhende Dunkel zu verbreiten. Guarneri, Giuseppe, genannt »del Gesü«. Cremona. Geb. 16. Okt. 16871), .j. „g^h 1742 Der größte Meister aus der Familie der Guarneri und einer der größten Geigenmacher überhaupt. Er war der Sohn des Gian Battista G. und der Angiola Maria, geb. Locadelli. Gian Battistas Vater war Bernardo G., ein Vetter von Andrea G. Daß Gius. ein Schüler Stradivaris gewesen, wie früher behauptet wurde, war von vorn- herein unwahrscheinlich. Durch Horace Petherick ist die Frage nach dem Lehrmeister Giuseppe Guarneris recht glaubwürdig beantwortet, denn er konnte zwei Zettel in Jugendarbeiten des Meisters von 1706 und 1714 veröffentlichen, auf denen sich dieser emen Schüler des Andreas Gisalberti nennt. Auch stil- kritisch verdient diese Angabe vollen Glauben, wenn auch Giuseppe sehr bald seinen eigenen Weg ging und vollkommen unabhängig von seinen Vorgängern wurde. Er ist ein genialer Künstler, dessen Werke denen Stra- divaris ebenbürtig sind und diesen jetzt mit Recht sogar manchmal vorgezogen werden. Da er auf seinen Geigen das eucharistische Zeichen IHS mit dem Kreuz darüber — das u. a. als die griechischen Anfangsbuchstaben des Namens Jesu gedeutet wird — anbrachte, erhielt er den Beinamen »del Gesü«"). Über seinen Lebenslauf ist wenig bekannt ; die Sage, daß er im Gefängnis ge- storben sei, ist wohl nur darauf zurückzuführen, daß tatsächlich ein Verbrecher Namens Guarneri am An- fange des 18. Jahrhunderts eingekerkert wurde, dieser aber hatte den Vornamen Giacomo. Gius. G. wechselte seine Modelle häufig, ließ das Holz in der Brust sehr stark und wählte für die Mitte die engeren Jahresringe. Bei geteiltem Boden ließ er die Flammen manchmal auch abwärts laufen und bevorzugte breitgeflammtes (tigerfellartiges) Ahornholz. Man unterscheidet bei ihm drei Perioden. In der ersten wechselt er das Patron häufig, ebenso die Form der F-Löcher; die Arbeit ist manchmal flüchtig, aber der Ton immer sehr schön. Seine eigentliche klassische Periode ist die zweite. Jetzt hält er sein gefundenes Modell fester, die Form ist voll- endet schön, die Arbeit tadellos, das Holz prachtvoll und der Lack durchscheinend mit einem goldigen Schimmer. In seiner dritten Periode scheint er einem neuen Ziel nachgejagt zu haben, er arbeitete hastiger und weniger sorgfältig, und die Geigen aus dieser Zeit werden, an die Sage von seiner Einkerkerung an- schließend, im Handel »Gefängnisgeigen« genannt. Man kennt Violinen, Violen und Taschengeigen, aber keine Violoncelli von ihm. Sein Name war durch mehr als 70 Jahre fast in Vergessenheit geraten, da erhielt ^) Giuseppe hatte einen älteren, am S.Juni 1683 ge- borenen Bruder, namens Giuseppe Antonio, der wenige Monate nach seiner Geburt starb. ^) Andere deuten die Buchstaben mit »In Hoc Signo« (vinces), und wieder andere, wie Dr. E. Pochmann in Linz, lesen noch anderes heraus. 1820, Paganini von dem französischen Kauf manne Livron in Livorno eine Geige von ihm aus dem Jahre 1 743 zum Geschenk. Paganini spielte fortan nur mehr auf dieser Geige, und durch seine Kunst wurde der Name Guarneri »mit einem Schlage« wieder berühmt. Diese Geige befindet sich jetzt als ein Vermächtnis des Künstlers an seine Vaterstadt unter einem Glassturze im Museum zu Genua. Zwei schöne Geigen von ihm besitzt Th. Hämmerle in Wien, eine von 1 730 W. Tol- stopjatow in St. Petersburg, andere Kathleen Parlow, Dr. Welti in Bern, Architekt E. Heman in Basel, Prof. F. Berber, Dr. Hallgarten und Baron von Zwehl in München ^). — Die Geschichte der Familie der Guar- neri einigermaßen klargestellt zu haben, ist ein be- sonderes Verdienst de Piccolellis, der eine ganze Reihe bisher unbekannter Urkunden beigebracht hat. Geigenzettel: Joseph Guarnerius / Alumnus Andreae Gisalberti / fecit Cremona, 1 706 (gedruckt) und Abb. 247, 248 und 269. Guarneri, Giuseppe Gian Battista (»Joseph Guarnerius«). — Cremona. Geb. 22. Nov. 1 666, t wahrscheinlich nach 1 738 Jüngster Sohn von Andrea, dessen Schüler und Nach- folger er war, den er aber weit übertroffen hat. 1690 vermählte er sich mit Barbara Franchi (f 1738), aus welcher Ehe sechs Kinder hervorgingen, drei Töchter und drei Söhne, von denen nur einer, Pietro, Geigen- bauer wurde. Seine Geigen zeigen sehr verschiedene Modelle. Am besten charakterisiert man sie damit, daß man sagt, sie stellen den Übergang von Amati und Andrea G. zu G. del Gesü dar. Seine Arbeit ist äußerst sorgfältig. Das Modell ist klein, in der Brust ziemlich schmal und gehört ihm ganz allein an. Charakteristisch sind die langen Bügel, die seinen Geigen fast das Aus- sehen der Patrons »allonge« von Stradivari verleihen. Sein (wie auch del Gesüs) Deckenholz zeigt nach außen zu breitere Jahresringe, die nach der Mitte zu enger werden. Das Bodenholz ist auch bei ihm oft tigerfell- artig, breit geflammt (wie bei G. del Gesü). Die Stel- lung der F-Löcher wechselt manchmal bei seinen Geigen, was nur darauf schließen läßt, daß er damit Versuche anstellte und bestimmte Ziele verfolgte. Kommen neben unvergleichlich schön ausgeführten Geigen auch solche vor, die die Sorgfalt da und dort vermissen lassen, so findet das bei ihm, wie bei tausend andern Geigenmachern, die naheliegende Be- gründung, daß die Besteller billigere Geigen verlangt hatten. Der wundervolle Lack ist goldgelb oder hell- braun und manchmal in jenem eigentümlichen Zu- stande, den Kenner und Geigenmacher gerne als »zer- ronnen« bezeichnen. Man findet dies bekanntlich auch bei dem Lack von C. Bergonzi und D. Montagnana. Erscheint dieser »zerronnene« Lack auch auf den ersten Anblick rauh oder gar undurchsichtig, so gewinnt er doch, sobald man das Licht in anderer Richtung darauf fallen läßt, das ganze Feuer und die Durchsichtigkeit der glatten Stellen. Gerade der zerronnene Lack ist unnachahmlich, und selbst so' geschickte Nachahmer ') Eine möglichst vollständige Liste der erhaltenen Arbeiten dieses Meisters wäre recht wünschenswert.^! juarneri Gülich 187 wie Lupot, Vuillaume oder Fr. Coussin in Neuf- chateau haben sich vergeblich bemüht, durch plötz- hches Trocknenlassen einer dünnen Lackschicht und schroffe Temperaturwechsel feine Risse zu erzeugen, die dann nochmals überfirnißt wurden. Von weitem sehen solche Lackierungen wohl wie »zerronnen« aus, in der Nähe betrachtet erkennt man aber leicht das regelmäßige Gitter, das dem Gemäldefreund als Craquelure bei auf Holz gemalten Bildern hinlänglich bekannt ist und das mit dem zerronnenen Lack niemals identisch ist. Joseph G. ist nächst G. del Gesü der beste Meister aus seiner Familie, und wenn jemand, so war er (wie auch Hart meint) der Lehrer seines größeren Vetters. Eine schöne Geige von ihm besitzt Th. Häm- merle in Wien, andere Sir Robert Berwick und Konzert- meister Anton Huber in München, ein prachtvolles Violoncello von 1732 Prof. Georg Wille in Dresden. Geigenzettel : Abb. 293. Guarneri, Pietro (I) Giovanni. — Cremona, Mantua. Geb. 18. Febr. 1655 in Cremona, f nach 1728 Erstgeborener Sohn von Andrea G., bei dem er bis 1680 blieb, nachdem er sich schon 1 677 mit Caterina Sussagni verheiratet hatte. Später ließ er sich in Mantua nieder und kam nur noch einmal im Jahre 1698 nach Cremona zurück, wahrscheinlich veranlaßt durch die schwere, mit dem Tode endigende Krankheit seines Vaters. In dieser Zeit arbeitete er für seinen Bruder Giuseppe. Daß er zuletzt in Venedig ansässig gewesen und dort ganz heruntergekommen sein soll, beruht wohl auf einer Verwechslung mit seinem Neffen Pietro (11). Man wollte ihn früher für einen Amatischüler halten, doch hat er wahrscheinlich bei seinem Vater gelernt. Er war ein sehr begabter Gelgenmacher, aber ein etwas un- ruhiger Geist, was ihn verhindert haben mag, voll aus- zureifen. In der Form welchen seine Geigen bedeutend von denen seines Vaters und Bruders ab, ja er machte sogar Versuche, neue Formen zu finden, wofür eine noch erhaltene Altviola von 1698 spricht, bei der er die Ecken weggelassen hat, also dasselbe tat, was später u. a. Chanot getan hat, der eine ganz neue Erfindung damit gemacht zu haben glaubte. Sonst ist sein Modell sehr schön und groß, die F-Löcher sind breit und rund und halten die Mitte zwischen Amati und Stradivari, während die )( mehr an Nie. Amati erinnern; die Schnecke ist breit und hat einen originellen Zug, und die Einlagen sind sehr schön. Die Wölbung nahm er bei breiter Brust ein wenig zu hoch, weshalb auch der Ton seiner Geigen, so edel er an sich genannt werden muß, oft nicht allzu groß ist. Das Holz ist in der Regel sehr schön und der blaßrote oder braungelbe Lack vor- trefflich. Seine Arbeit ist manchmal barock und nicht immer sehr genau, und wenn dies bei ihm die Schönheit des Tons nicht beeinträchtigt, so scheinen die recht zu haben, die behaupten, daß es doch ein Geheimnis der Cremoneser gab, von dem eben der Ton abhängig war. Eine aus Venedig(?) datierte Violine von ihm befand sich nach der Mitteilung des Geigenmachers Meth- fessel in Wien in Privatbesitz. Eine tadellos erhaltene halbe Violine von ihm aus dem Jahre 1696 besitzt Heinrich Doevenspech in Düsseldorf. — Eine schöne Violine von ihm aus dem Nachlasse ihres Vaters, des trefflichen Malers Prof. Gussow, besitzt Frau Prof. Dr. V. Fritze in Berlin ^). Geigenzettel : Revisto e coretto da me Pietro Guarneri / Cremonese In Mantova 1697. (gedruckt) und Abb. 278. Guarneri, Pietro (II). — Venedig. Geb. H.April 1695 in Cremona, f nach 1760 in Venedig Sohn von Giuseppe (»Joseph«) G. und Schüler seines Vaters. In seinen reiferen Jahren schloß er sich mehr an seinen Oheim Pietro an und machte recht hübsche Gelgen nach dessen Modellen, weshalb man ihre Ar- beiten leicht verwechselt. In seinen letzten Jahren soll es ihm sehr schlecht gegangen sein. Sichere Arbeiten von ihm beweisen, daß er seinem Namen alle Ehre machte. Universitätsprof . Dr. DIsselhorst in Halle a. S. besitzt eine prächtige Violine von ihm aus dem Jahre 1751, großes flaches Modell mit charakteristischen großen F-Löchern und leuchtendem braunen Lack. Das Deckenholz könnte schöner sein, die Arbeit aber ist tadellos, und im Tone kommt die Violine den besten Cremonesern gleich. Auch die Schnecke ist groß und schwungvoll in den Linien. — Auch der Kgl. Opernsänger Gustaf Sjöberg in Stockholm hat eine sehr gute Violine von 1719 von ihm. Ein dritter Pietro G. soll 1720—1750 in Mantua gelebt haben. Geigenzettel : Abb. 253 und 270. Guarneri, Ubaldo. — Cremona. 1683 Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie G., das Valdrighi (Nr. 4218) aufzählt. Er vermutet in Üb. G. einen Sohn Andreas. Gudi, Hieronimo. — Cremona. 1 726. 1 727 Ein Meister von hervorragenden Fähigkelten, der jung gestorben sein muß, da er sonst bekannter wäre. Vidal macht auf eine herrliche Viola d'amore von Ihm auf- merksam, die sich in der Sammlung Gautier in Nizza befindet: prachtvolles Holz, meisterhafte Arbeit, gold- gelber Lack, edler Ton, Frauenköpfchen am Wirbel- kasten. Eine schöne Geige von ihm besitzt das Cister- zienserlnnenkloster Oberschönenfeld bei Augsburg. Auch Kammermusiker W. F. Borsche in Hannover be- saß eine gute Violine von ihm (mit einer leider er- neuerten Schnecke). Geigenzettel : Hieronimo Gudi da Cremona 1 727 (ge- druckt). Guedon, Jacques Antoine. — Paris. 1755. 1783 Er wohnte erst Rue de la TIssanderle (1775/77), später Rue BariUerie (1779/83) und gehört nicht zu den her- vorragenden Meistern. Gülich, Johann.— Mannheim. 1794. f 27. März 1837 Sohn von Math. G. und sein Nachfolger. Er diente zu- erst In der k. k. Armee, und als er im Jahre 1794 nach Mannheim zurückkehrte, sollte er zum pfälzischen Militär eingezogen werden. Intendant v. Dalberg ^) In der Reihe der Männer, die sich ernsthaft mit der Erforschung des altitalienischen Geigenlacks beschäftigt haben, nimmt Prof. Gussow einen hervorragenden Platz ein, und mehrere der besten Arbeiten von Riechers tragen Gussowschen Geigenlack. 188 Gülich — Guerin machte dagegen geltend, daß Johann G. wegen »merk- lichen Leibesschadens« zum Kriegsdienst untauglich sei, und für den alten Vater den Dienst als Kaikant (Orchesterdiener) versehen müsse. Im Jahre 1800 über- nahm er die väterliche Werkstatt und im Jahre 1801 wurde er als Kaikant mit 200 fl. Gehalt fest angestellt. Von da an geriet er oft in einen Widerstreit zwischen seinem eigentlichen Berufe und semem Amte, da er dem einen nur nachkommen konnte, wenn er das andere vernachlässigte. Seine Stelle scheint er dann schon vor 1817 aufgegeben zu haben, aber er brachte es trotz allem Fleiße zu keinem Vermögen und besaß außer seinem auf 350 Gulden geschätzten Hause, das er mit dem Gelde seiner 1806 verstorbenen ersten Frau ge- kauft hatte, keine irdischen Güter. Eine aus dem Theaterorchester stammende Geige von ihm besitzt das Altertumsmuseum in Mannheim. Das Theater- orchester besaß noch 1820 fünf Violinen von ihm aus den Jahren 1804 — 181 l.zwei von 1812 und ein im Jahre 1804 von ihm verkleinertes Violoncello (von Rauch). Geigenzettel: Johann GüUich, Lauten- und / Geigen- macher Mannheim 180. (gedruckt). Gülich (Gylig), Mathias. — Mannheim. Geb. um 1714, t im August 1803 Er wird zuerst im kurpf. Hofkalender 1763 als Lauten- macher und kurpfalzbaynscher Hof-Lauten- und Geigenmacher (Instrumentenmacher) erwähnt, und diente seit 1 774 bei der Hof musik und der französischen Komödie als »Kaikant«, wofür er seit 1779 ein Gehalt von 150 fl. bezog, dabei aber die Saiten liefern und die Instrumente ausbessern mußte. Er selbst unterschreibt ein Gesuch von 1782 mit Matthäus Gilig, auf seinen Zetteln nennt er sich Mathias Gülich, in Urkunden erscheint auch Gylig, und der bayrische Hofkalender von 1798 macht gar Gygli daraus. Daß er mit der bayrischen Hofmusik nach München übergesiedelt ist, erscheint unwahrscheinlich. Die Übersiedlung fand 1778 statt, während sich Gülich nachweisbar dauernd in Mannheim befand. Alt geworden und vom Schlage getroffen, geriet er in Dürftigkeit und fand dann im Mannheimer Borromäusspital seit 1800 eine letzte Zu- flucht. Sein Sohn übernahm damals die Werkstatt. — In den Sammlungen des Mannheimer Altertumsvereins befindet sich eine 1776 von ihm reparierte Viola da Gamba mit seinem Zettel. Eine Violine von 1779 und eine Altviola von 1776 besaß nach den Theaterakten des Mannheimer Stadtarchivs (»Verzeichnis der am 15. Nov. 1820 dem Kaikanten Karl Mann übergebenen Orchesterinstrumente«) das Mannheimer Theater. Geigenzettel : Mathias Gülich Landen- und Geigen , macher in Mannheim 17.. (gedruckt). Guenet. — Bourg. 1850 Ein Uhrmacher, der einige Drehleiern (Viellen) ge- macht hat. Günther, Franz. — Halle, Potsdam, Berhn, Zürich, Tiengen. Geb. 13. Oktober 1857 m Radegast (Anhalt-Cöthen) Sohn von Georg G. Im Jahre 1871 kam er zu Ludw. Bausch nach Leipzig in die Lehre und lernte nach dem Tode seines Meisters bei seinem Vater aus; von 1878 bis 1880 arbeitete er bei seinem Bruder in Magdeburg, dann bis 1886 in Halle, wo er sich auch nach dem Tode seines Vaters selbständig machte und bis Ende Sep- tember 1893 blieb. Am 1 . Oktober 1893 siedelte er nach Potsdam, über und übernahm 1894 das Grimmsche Ge- schäft in Berlin, das er bis 1901 fortführte. Seine Geigen sind nach Stradivan gemacht, der Rand nach VuiUaume (also nicht abgerundet). Bis 1898 verwendete er Spirituslack, seitdem Lasurölfarben aus Tuben und als letzten Überzug Schellack. Decke und Boden stimmte er nach eigenem System ab. Auf der Berliner Musikausstellung 1898 erhielt er für seine Geigen und Bogen die goldene Medaille. Seine Zettel sind meistens handschriftlich. Um den altitalienischen Geigenlack zu erforschen, ging er auf Prof. J. Joachims Rat nach Mailand und hielt sich dann längere Zeit in Zürich auf. Die Kriegsereignisse führten ihn in die Heimat zurück und verschlugen ihn zuletzt nach Tiengen an der Schweizer Grenze, als er diese nicht mehr über- schreiten durfte. Er ist überzeugt, die Arbeitsweise der alten Cremoneser vollkommen erforscht zu haben und legt auf den Lack ein Hauptgewicht. Geigenzettel: Verfertigt von Franz Günther, / Berlin, d (gedruckt). Günther, Georg. — Radegast, Halle a. S. 1853, t 1886 Schüler von L. Bausch in Leipzig. Im Jahre 1853 machte er sich selbständig und siedelte 1865 nach Halle über. Solide Arbeit, längliches Patron, dunkelbrauner Lack. Die Wölbung zeigt stellenweise einen hartlinigen Verlauf. Der Ton ist gut, trägt aber nicht genügend, dagegen wird G. noch heute nachgerühmt, daß er bei Wiederherstellungsarbeiten verstand, den Ton wirklich zu verbessern. Günther, Gustav. — Magdeburg, Mamz. Geb. 1853 in Halle a.S. Schüler von L. Bausch. Er erhielt auch eine um- fassende musikalische Ausbildung und spielt alle Streichinstrumente, was ihm als Geigenmacher sehr zu- statten kommt. Während seiner Militärzeit diente er als Hoboist. 1879 ließ er sich in Magdeburg nieder und übernahm dann 1881 die Werkstatt von A. Milch in Mainz. Er hat nur wenig neue Geigen gemacht, diese sind kräftig im Holz, nach Stradivari, und haben 01- und .Spirituslack. Seit 1895 hat er den Neubau fast ganz aufgegeben, dagegen reist er jährlich ein- bis zweimal nach Italien, um alte Geigen einzukaufen, die er dann recht gut wieder herstellt. An Stelle des Zettels ver- wendet er auch eine Brandmarke mit seinem Namen. Sein Sohn und Schüler Georg G., geb. 1893 in Mainz, ist gleichfalls ein tüchtiger Geigenmacher geworden und im väterlichen Geschäft tätig. Günther, H., lebt (1895) in Dresden Guerin, Alexandre Sauveur. — Marseille. Geb. 20. Aug. 1834 in Hyeres Schüler und Nachfolger von Edm. Daniel. Er hat sich fast ausschließlich auf den Handel verlegt. Guerin — Gütter 189 Guerin, Marius. — Marseille. Geb. 1871 Schüler von Darte in Mirecourt, arbeitete dann bei Gand & Bernardel und ist jetzt Teilhaber des väter- lichen Geschäfts, in welchem er jedoch nur wenig Ge- legenheit hat, seinen eigentlichen Beruf auszuüben. Guerra, E. — Turin. 1911 Italienischer Geigenmacher der Gegenwart, der auf der Turiner Ausstellung vertreten war. Er arbeitet nach verschiedenen Modellen und wendet einen roten Lack an. Guerra, Giacomo. — Modena. 1810 Er beschäftigte sich nur aus Liebhaberei mit dem Geigenmachen, trieb aber ernsthafte Studien und hat einige recht gute Geigen gemacht, die kastanienbraun lackiert sind. Auch auf anderen Gebieten machte er allerlei hübsche Erfindungen. Guerra, Jose Maria, lebte um 1837 und 1839 als Lautenmacher m Cadix Guerrero, Juan. — Malaga. Mitte des 18. Jahr- hunderts Ein besserer Lautenmacher, von dem sich eine spa- nische Gitarre aus der Sammlung Snoeck (Nr. 345) in Berlin befindet. Geigenzettel : Juan Guerrero me fecit en Malaga ; en el anno de 175 . . (gedruckt). Guernni, Giuseppe. — Siena. 1813 Er war Geigenmacher und galt als sorgfältiger Arbeiter Guersan, Louis. 1781 Paris. Geb. um 1713, t um Er ist der einzige aus seiner Familie, die angebl.ch mehrere Geigenmacher zählte, der einen gewissen Ruhm erlangte. Erst Schüler von Gl. Pierray, wurde er später auch dessen Nachfolger. Er war jedenfalls ein Meister von seltener Handgeschicklichkeit, der alles zu machen verstand, was das Auge befriedigte, Zedern- holz zu den Verzierungen verwandte und hübsche Schnecken und Köpfchen schnitzte ; nur in bezug auf den Ton bleiben seine Arbeiten hinter allen Erwartungen zurück. Diese Tatsache war ihm zweifellos selbst be- kannt, denn er machte zeitlebens V.ersuche, die Wöl- bung, das Stärkeverhältnis von Boden und Decke zu ändern, ohne zu einem günstigeren Ergebnis zu kommen. Bis zu einem gewissen Grade mag auch sein harter, trockener Lack, der leicht abspringt, den Ton verschlechtert haben : — es war dies ein Spintus^ck, dessen Einführung in den französischen Geigenbau ihm geradezu zugeschrieben wird. Am besten gelangen ihm seine Violen. Er fand im Leben alle denkbare An- erkennung, war geschworener Zunftmeister für 1748 usw. und zählte Hoch und Nieder zu seinen Kunden. Seine Arbelt wurde nachgeahmt, so daß er auch als Haupt einer Schule gelten kann. Er wohnte nächst der Comedie Frangaise in der Rue des Fosses St. Germain. Arbeiten von ihm besitzt das Museum des Pariser Kon- servatoriums, Snoeck eine Geige von 1734 und eine Bratsche von 1 752 (jetzt in Berlin"), Claudius in Kopen- hagen ein Diskant-Quinton, eine sechssaitige Diskant- Viola W. Heyers musikhistorisches Museum in Köln, eine andere W. E. Hill & Sons, ein Quinton die Samm- lung Savoye, das Gothenburger Museum ein Quinton von 1763, auch in anderen Museen ist er meist gut ver- treten. Sein Schwiegersohn Antoine Saint-Paul wurde sein Nachfolger. Geigenzettel: Abb. 261, 273, 275. 290. Gürtler s. Güttier Gütler s. Güttier Gütter. — Markneukirchen Aus dieser Familie gingen als Geigenmacher hervor: Gütter, August Moritz. — Geb. 12. Nov. 1857 Gütter, Carl August I. — Geb. 23. Nov. 1801 , t 25. Okt. 1874 Gütter, Carl August II. — Geb. 22. Dez. 1802, t 7. April 1862 Gütter, Carl August III. — Geb. 26. Juni 1823 Gütter, Carl Friedrich. — Geb. 28. Febr. 1 756, f 26. Jan. 1830 Sohn von Georg Adam G. Er wohnte zuletzt in Wohl- hausen und war nicht ungeschickt. Geigenzettel : Carl Friedrich Gütter , Violinmacher 1780. (gedruckt). Gütter, Carl Gottlob. — Geb. 28. Juli 1797, t 15. Jan. 1865 Gütter, Carl Hans. — Geb. 26. Juni 1872 Gütter, Christian August. — f 1900 Erfinder der Akkordzither. Gütter, Christian Wilhelm, Sohn von Carl Friedrich G. — Geb. 28. Mai 1786, soll in Wohlhausen gestorben sein Gütter, Ernst Ludwig. — Geb. 28. Juli 1867 Gütter, Friedrich Wilhelm. — Geb. 20. April 1862 Gütter, Georg Adam I. — Geb. 1705, f 1757 Sohn und Schüler von Johann G. Er wurde am 7. Juli 1743 als Meister in die Zunft aufgenommen und hat bis dahin wohl bei seinem Vater als Geselle gearbeitet. Wenn er im Zunftbuch der »jüngste Sohn des Vor- meisters« genannt wird, so muß dies ein Irrtum des Schreibers sein, da nach den Kirchenbüchern Georg Adam der älteste Sohn war. Geigenzettel : Georg Adam Gütter , Neukirchen 1 749. (gedruckt). Gütter, Georg Adam II. — Geb. 1726, t 26. Sept. 1811 im Alter von 85 Jahren 3 Monaten und 5 Tagen Sein Sohn war: 190 Gütter — Gufler Gütter, Georg Adam III. — Geb. 6. Juni 1761, t l.Febr. 1829 Von ihm gibt es Geigen, die aus den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts stammen und Wien als Ursprungs- ort nennen. Es gelang mir nicht, irgend etwas über seine dortige Anwesenheit festzustellen. Es ist daher wahr- scheinlich, daß er, wie andere Vogtländer Prag oder Cremona usw., Wien angegeben hat, ohne je dort ge- wesen zu sein. Sein Lack war dunkelbraun, die Arbeit gewöhnlich, Schnecke und F-Löcher unschön. Er ver- wendete auch die Brandmarke -;:; G. -.\'c A tk G ^, die vielleicht schon sein Vater gebraucht hatte. (Nr. 23.) Geigenzettel: Georg Adam Gütter / Violinmacher in Wien. 1791. (gedruckt). Gütter, Gustav Anton. — Geb. 30. Febr. 1856, fS. Mai 1896 Gütter, Heinrich, ist seit 1896 in Breslau an- sässig Gütter, Johann. — Geb. um 1690, f nach 1751 Er wurde am 28. Dezember 1712 Meister, nachdem Ihm auf Fürsprache des Landesherrn die Wanderjahre erlassen waren. Er galt als tüchtiger Geigenmacher und war mindestens von 1743 — 1751 Vormeister der Neu- kirchener Zunft. Sein .Sohn war: Gütter, Johann Adam. — Geb. um 1726, f um 1760 Sohn von Joh. G. Er diente lange bei der Miliz und be- warb sich ziemlich gleichzeitig mit dem wohl beim gleichen Regiment dienenden Chr. Gotthilf Fischer um die Aufnahme in die Zunft. In Anbetracht seines Sol- datenstandes wurde ihm die Gebühr für einen Meisters- sohn auf die Hälfte ermäßigt und er am 5. Juni als Meister aufgenommen, nachdem sein Hauptmann sein Einverständnis ausgesprochen hatte. Gütter, Johann Georg I. — Geb. 6. Jan. 1759, t 25. März 1829 Sohn von Georg Adam II. G. Einer der besten Geigen- macher aus seiner Familie. Er soll um 1799 auch m Erfurt gearbeitet haben. Geigenzettel: Abb. 317. Gütter, Johann Georg II. — Geb. 24. Febr. 1781. t 12. Juni 1820 Sohn von Carl Friedrich G. Gütter, Johann Gottlob. — Geb. 18. Juli 1766, 126. Jan. 1845 Geigenzettel: Johann Gottlob Guetter / Violinmacher in Neukirchen bey / Adorf im Voigtlande 1797. (ge- druckt). Gütter, Johann Heinrich. — Geb. 20. Okt. 1800, t in Amerika Einer der Begründer des vogtländischen Exports nach Amerika. Gütter, Moritz. — Geb. 1857 Er arbeitete bei Bausch in Leipzig, Eritzoe und Diehl, ging nach Warschau und von da nach London. Auf der Heimreise starb er 1883 in Oberhausen a. Rh. Gütter, Richard Moritz. — Geb. 1 6. Febr. 1 840 Er ging in jungen Jahren nach Amerika und starb in New York. Gütter, Wilhelm Ernst. — Geb. 1 840, f 7. März 1897 War hauptsächlich Bogenmacher. Gütter, Julius. — Philadelphia. Geb. 30. Sept. 1872 in Markneukirchen Sohn des Stegfabrikanten Adolph G., Schüler seines Schwagers Wilh. Ernst Martin, arbeitete dann bei J. Glass in Leipzig und Holm Viertel in Aachen und ging, 20 Jahre alt, nach Amerika, wo er zunächst bei Albin Voigt in Philadelphia tätig war und sich dann 1893 selbständig machte. Seine angeborene Begabung, seine gute Schule und sein Fleiß ließen ihn schnell zu einem trefflichen Meister heranreifen. Besonderes Ge- schick entwickelte er im Verbessern des Tons alter Geigen. Er arbeitet nach Stradivari und verwendet einen sehr guten Ollack von rötlicher oder hellbrauner Farbe. Seine aus bestem alten Holz gebauten Geigen tragen als Brandmarke seinen Namen. Güttier (Gütler), Franz X. — Wien. Geb. 1857 Schüler von C. Schmidt in Wien, bei dem er von seinem dreizehnten bis zu seinem neunzehnten Jahre blieb. Er arbeitete dann als Gehilfe bei verschiedenen Geigen- machern und ließ sich nach Beendigung seiner Militär- zeit 1889 in Wien nieder, wo er seine eigene Werkstatt eröffnete. Er ist namentlich ein sehr guter, fleißiger Reparateur. Güttier (Gürtler), Johann Michael. — Breslau. 1709 Ein wahrscheinlich aus Füssen stammender Meister. Baron sagt von ihm : »Die Bresslauer Lautten sind auch nicht zu verachten und hat daselbst . . . Joh. Mich. Güttier aber meist auf einen starken Thon gesehen«. In der fürstlich Lobkowitzschen Sammlung auf Schloß Raudnitz befindet sich eine schlecht erhaltene Laute von ihm mit dem Zettel: Johann Michael Güttier / Lauten- und Geigenmacher / in Breslau anno 1 709 (ge- druckt). Gufler, Rochus. — Brixen a. E. 1679 Wie Dr. Fr. Waldner in seinen Nachrichten über tirolische Lauten- und Geigenmacher, S. 54, mitteilt, besitzt Advokat Dr. Jos. Hell in Glurns eine Viola mit großem Ton von eigenartiger Klangfarbe. Die F-Löcher stehen nahe beisammen, die Arbeit ist nicht sehr kunst- voll. Geigenzettel: Rochus Gufler / zu Brixen an. 1679. (geschrieben auf Pergament). Guggemos — Gusnasco 191 Guggemos, Markus. — Füssen. 1759. 1791 Seine Geigen sind hochgewölbt und halten zwischen Stainer und M. Alban die Mitte. Das Holz ist gut, bei den Decken gewöhnlich weitjähng, der Lack dunkel- braun, mager und glanzlos. Der Ton bei gut erhaltenen Instrumenten recht gut. Geigenzettel: Abb. 262. Guglielmi, Gio. Battista. — Cremona. 1 747 Einer der kleineren Cremoneser Meister. Seme Geigen kommen selten vor und sind ziemlich sorglos nach Amati gemacht. Guibourg. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamilie, von der A. Jacquot die folgenden Namen aufzählt : Henry G. -1744. 1775 Joseph IG. -1744. 1763 JosephllG. — 1766 Joseph III G.- 1744. 1775 Remy I G. — Bruder von Joseph I. f 19. März 1779 Remy II. — Geb. 14. Nov. 1763. Guidantus, Antonio Niederheitmann u. a. erwähnen einen Antonio Gui- dante; es ist dies wohl ein erfundener Name, der ein Mitglied der Familie Florenus (»Guidante Florenus*) fmgiert. Guidantus s. Florenus Guide, Joseph. — Mirecourt. 1763. 1770 Nur dem Namen nach bekannt. Guinobaldl. — Nizza. Mandolinenmacher. 1900 B ar- Guillami, Joannes. (Vater und Sohn.) celona. 1742. 1760 Schöne Arbeit nach Stradivari, meist hohe Wölbung, roter, etwas harter Öllack. Der Vater erinnerte in der Arbeit an die Gaglianischule. Auffallend smd die Schnecken mit dickem, nicht geschweiftem Wirbel- kasten. Es soll übrigens drei Geigen- und Lauten- macher dieses Namens gegeben haben, die von 1680 bis 1780 arbeiteten. Geigenzettel : Joannes Guillami me fecit / en Barcelonae 1 742 (gedruckt). Guillani, Sanctus? — Rom. 1710 Von einem Geigenmacher wurde mir die nachstehende Abschrift eines Zettels mitgeteilt. Sollte es nicht richtig Santagiuliana heißen? Geigenzettel: Sanctus Guillani / fecit Rom 1710 (ge- druckt). Guillaume, Fran^ois. — Paris. 1783. 1789 Er war nur Harfenmacher, hat jedoch auch einige Gitarren gemacht. Eine solche besaß die Marquise de Marbeuf (vgl. Brunis Inventaire). Er wohnte erst Rue de rUniversite und dann Rue de Beaune. Guillemin, Felix I. — Mirecourt. f 1743 Man kennt bis jetzt nur seinen Namen. Dasselbe ist der Fall bei seinem Sohne Felix II, der 1745 — 1748 nach- weisbar ist. Guinot. — Mirecourt Den Forschungen A. Jacquots verdankt man die Namen folgender Mitglieder dieser Familie: Claude-Nicolas G. f 1784, Bogenmacher, Vater des 1 772 vorkommenden Bogenmachers Jean G. Joseph I. — 1761. 1768. Geigenmacher. Joseph II G.- 1764. 1774. Guinot, Nicolas. — Paris. 19. Jahrhundert Schwager von Nicolaus Maire. Seine Arbeit ist nicht übel, nur der braune Lack etwas zu dunkel. Am besten gelangen ihm seine Violoncelli. Guntzer, Max. — Stuttgart. Um 1600 Ein Musikinstrumentenmacher, der wahrscheinlich auch Lauten gebaut hat. Bekannt ist nur, daß er dem jungen Herzog Achilles Friedrich von Württemberg ein Clavichordium lieferte. Gurski, Anton. — Kiew. Geb. nach 1830, t 1909 in Kiew Ein Autodidakt, der keine Gelegenheit hatte, wirklich gute Geigen kennenzulernen. Seine Arbeiten waren daher recht mangelhaft. Er hat nur sehr wenige neue Geigen gemacht. Gusetto, Nicolo. — Cremona. 1785. 1828 Aus Florenz stammend. Seine Arbeit erinnert fast mehr an deutsche als an italienische Vorbilder. Die Ecken sehr hervorstehend, sehr breite (nicht besonders ge- schickt gemachte) Einlage, Decke ungleichmäßiges Holz mit engen und weiten Jahren, Wölbung nicht sonderlich schön, hohe Zargen, oben und unten 32 mm hoch, schmale Reifchen, Boden sehr wenig geflammtes Ahornhoiz mit vielen Spiegeln. Eigenartige hübsche Schnecke mit kühn durchlaufendem Mittelpunkt. Die Seiten ziemlich flach, sehr gewöhnliche F-Löcher, brauner Spirituslack. Eine hochgewölbte, in schwung- vollem Umriß sauber gearbeitete Violine von auffallend kurzem Körper mit kurzen F-Löchern, tief ausge- stochener elliptischer Schnecke und rotgelbem Lack befindet sich in der Sammlung K. Friedrich in Posen. Der Besitzer liest den Namen allerdings Nicol. Gir- gitto. Es kommen Zettel mit sehr frühen Jahreszahlen vor, bis 1728, die wahrscheinlich dadurch entstanden sind, daß die Zahl 7 der vorgedruckten Jahrhundertzahl mit einer 8 überschrieben war, was später von Händlern beseitigt oder auch von Gusetto selbst übersehen wurde. Geigenzettel: (?) Nicolaus Gusetto Fiorentinus, / Mu- sicus Instrumentalis/ a Cremona. Ao. 1785 (gedruckt). Nicol : Gusetto Fiorentino / Fabbricante di violini, Cre- monae (geschrieben) und Abb. 311. Gusnasco, Lorenzo. — Pavia, Venedig. 1500 Ein sehr angesehener Musikinstrumentenmacher, den u. a. Alessandro Luzio in »11 lusso d'Isabelle d Este (Nuova Antologia 1896, Heft 147, 148, 149), femer in »La Coltura d'Isabella d'Este« (Giornale stonco della litteratura ital. 32 — 40 u. 42) erwähnt. Er verkehrte als 192 Gutermann - Gutke Gleichgeschätzter mit den besten Künstlern, und so konnte er am 13. März 1500 an Isabella von Mantua schreiben, daß ihm Leonardo da Vinci ihr wundervoll gemachtes Bildnis gezeigt habe. Das Ausführlichste über ihn findet sich in Carlo dell Acquas »Lorenzo Gusnasco e i Lingiardi da Pavia, Mailand 1886«. Gutermann, Wilhelm Theodor. — Wien. Geb. 22. Aug. 1828 in München, f 8. Juni 1900 in Admont Die Heimat seiner Familie war Biberach, woher auch Sophie Laroche, geb. Gutermann, die Freundin Wie- lands, stammte. Er lernte bei Engleder, arbeitete dann bei Tieffenbrunner und dürfte bei diesem auch das Zithermachen gründlich erlernt haben. Nachdem er bei der Witwe Stecher in Salzburg tätig gewesen, wanderte er weiter und kam bis Prag und Budapest. In Wien fand er zuerst bei Anton Kiendl als Zithermacher Be- schäftigung und kam dann zu Anton Hofmann, bei dem er von 1851 — 1866 blieb und für den er auch noch arbeitete, nachdem er sich bereits selbständig gemacht hatte. In seine Anfangszeil fällt seine Verbindung mit Dr. Liharzik, der ein neues Modell berechnet hatte. Da Dr. Liharzik aber schon frühzeitig starb, dürfte es nur wenige Geigen nach seinem Modell geben. Diese tragen beim Knöpfchen die Brandmarke: K. K. (österr. Adler) Priv. / Liharzik. Die Liharzik-Geigen hat G. ganz eigenhändig gemacht; viele Geigen mit Hofmanns Zettel sind seine Arbeit, während die Geigen, Violen und Violoncelli, die später aus seiner Werkstatt hervor- gingen, unter der Mitarbeit seiner Gehilfen, zu denen Bartek, Szepessy, Sandner, Herm. Voigt, Jaura u. a. gehörten, entstanden sind. Seine Arbeit war von pein- lichster Sauberkeit; er war sehr geschickt im Lackieren und bevorzugte einen durchsichtigen, feurigroten Lack. Für eine Geige erhielt er durchschnittlich 60 fl., für ein Violoncell 100 fl. Er war ein streng rechdicher, auf- richtiger Mann, der niemand zu Liebe je von seiner Überzeugung abwich. Bei alten Instrumenten legte er mehr Gewicht auf die tadellose Erhaltung und die Schönheit als auf den Ton; verdorbene Instrumente hielt er nicht der Mühe einer Wiederherstellung wert und hatte dabei gewiß sehr oft nicht unrecht. Im Jahre 1887 war er stellvertretender Genossenschaftsvorsteher. Seit 1898 kränkelte er, bis ihn der Tod zwei Jahre später erlöste. — W. Th. Jaura war sein einziger Schüler. Geigenzettel : Abb. 309. Guterrez, Manuel, lebte um 1832 als Lauten- macher m Sevilla Guth, August. — Breslau. Antwerpen. Geb. 10. Januar 1840 in Pilsnitz bei Breslau, f 16. September 1912 in Hoboken bei Antwerpen Schüler von Ludwig Bausch. Als Sohn eines Ober- försters hatte er schon als Kind Gelegenheit, sich eine gute Holzkenntnis anzueignen. Als sein Vater einmal eine Jahrmarktsgeige heimbrachte, erwachte in ihm die Liebe zur Musik, und er ruhte nicht eher, als bis er nach diesem Vorbild sich selbst eine spielbare Geige angefertigt hatte. Er war damals 12 Jahre alt und sein Vater erblickte darin eine besondere Begabung für die Tischlerei und gab ihn später auch wirklich zu einem Tischler in die Lehre. Da er sich nebenbei zu einem guten Geiger entwickelt hatte und als solcher vielfach in Anspruch genommen wurde, lernte er viele Musiker kennen, die bessere Instrumente hatten als er; er begann wieder Geigen zu machen, und nachdem er ausgelernt hatte, sattelte er um und ging nach Leipzig zu Bausch, der ihn nun regelrecht ausbildete. Als Gehilfe kam er dann zu Grimm nach Berlin und machte sich noch in jungen Jahren in Breslau selbständig, wo er bis 1888 blieb und dann nach Antwerpen übersiedelte. Ein guter Ruf ging ihm voraus und er hatte seinen Wohnungs- wechsel nie zu bereuen, denn er fand reichliche Aner- kennung. Er arbeitete ungemein gewissenhaft nach den besten alten Meistern, hauptsächlich nach Stradivari, und verwendete einen selbstbereiteten Spirituslack, dem er den Vorzug vor jedem OUack gab. Auf der Ant- werpener Weltausstellung 1894 war er durch ein Quar- tett sehr gut vertreten. Eine hübsche Violine nach Maggini besitzt das Antwerpener Konservatorium. Am Wirbelkasten brachte er gerne Löwenköpfchen an. Außer seinem Zettel gebrauchte er auch eine Brand- marke mit A. G. und einer Lyra darüber. Auf seinen Zetteln war auch sein Bildnis angebracht. Geigenzettel: August Guth me fecit / Antverpiae anno .... (gedruckt). Guth, Paul. — Antwerpen. Geb. 14. Juni 1881 m Wilhelmshaven Sohn und Schüler von August G. Obwohl er von frühester Kindheit an nur Geigenmacher werden wollte, glaubte sein Vater, daß er noch mehr Talent zum Geiger habe. Er ließ ihm eine gründliche musi- kalische .Ausbildung zuteil werden, und sandte ihn nach Dortmund, wo sein Bruder als Musiker lebte, schließ- lich gab er aber doch nach, und nahm ihn in seine Werkstatt. Hier hatte er nun reichliche Gelegenheit, kostbare Meisterwerke kennenzulernen und sein an- geborenes Talent zu entfalten. Er war eben 19 Jahre alt, als ihn das Unglück traf, bei einer Lebensrettung sein rechtes Bein zu verlieren. Wohl erhielt er für seinen Mut und seine Selbstaufopferung eine hohe Ordens- auszeichnung, aber er war ein Jahr lang an das Kranken- lager gefesselt. Wieder hergestellt ging er mit ver- doppeltem Eifer an die Arbeit und war der treueste Mit- arbeiter seines Vaters. Nach dessen Tod machte er sich selbständig und hat seitdem viele Geigen von Grund auf und in allen Teilen eigenhändig gemacht. Er erfreut sich des besten Rufs und seine Instrumente kommen schnell in feste Hände. Er arbeitet nach alten Meistern und nach eigenen Modellen und gebraucht, wie sein Vater, einen Spirituslack von dunkelgoldgelber Farbe . Auch aissorgfältiger Reparateurwird er viel beschäftigt. Eine schöne Violine von ihm besitzt E. J. Duintjer Izn. in Veendam. — Außer seinem Zettel mit seinem Bildnis gebraucht er auch eine Brandmarke mit seinem Namen. Geigenzettel : (Bildnis) Paul Guth, Filius Augusti / me fecit Antverpiae Anno 19.. (gedruckt). Gutke, A. — Umeä. Trelleborg (Schweden). 1897. 1900 Beschäftigt sich aus Liebhaberei mit dem Geigenmachen und stellte in Stockholm gut gelungene Geigen aus. Guthr Hädl 193 Guthmann, Friedrich Wilhelm. — Klingen- thal. 1823. 1824 Wenig bekannter Vogtländer Geigenmacher. Geigenzettel : Mstr. Friedr. Wilh. Guthmann / in Klingenthal 1824. (gedruckt). Gutmann, F. W. — Blasewitz. 1847 Vielleicht ein Sohn des Klingenthaler Meisters F. W- Guthmann. Da die Einwohnermeldebücher in Blase- witz nur bis zum Jahre 1863 zurückreichen, war nichts Näheres über ihn zu ermitteln. Geigenzettel: F. W. Gutmann / Geigenmacher / m Blasewitz Dresden / 1847 (geschrieben). Guyot. — Mirecourt. 1747. 1761 Er wird als Geigenmacher in den Urkunden erwähnt. Gygot, Antoine. — Brüssel. 1801 Man kennt bisher nur eine Geige von ihm, die übrigens schöne Arbeit und schmale F-Löcher zeigt und in mancher Hinsicht an die Schule der Medard erinnert. Geigenzettel : Antonius Gygot / Bruxelles fecit / 1 80 1 (gedruckt). Gylig (Gygli) s. Gülich Haas, Leopold. — Weitra. 18. Jahrhundert Den älteren Wiener Meistern nahestehend. Eme kleine achtzehnsaitige Mandohne von ihm besaß das Stift Herzogenburg, das diese 1826 der Sammlung der Ge- sellschaft der Musikfreunde in Wien schenkte. Der Handschrift auf seinem Zettel nach könnte man ihn vielleicht noch in das 1 7. Jahrhundert setzen, die Arbeit aber sieht wesentlich jünger aus. Geigenzettel: Leopold Haas Lauthen und / Gaige- macher in Waitra / n(ächst?) Zwettl 17...(?) (ge- schrieben). Haas. — Lissabon. 1810 Prof. Dr. E. V. Wagner besaß eine gute Geige von ihm. Haas war vermutlich ein Deutscher und dürfte mit dem im Anfang des 19. Jahrhunderts in Lissabon ansässigen Präzisionsmechaniker Pedro Haas identisch sein. Haase, Ferdinand. — Magdeburg, Ballenstedt, Dessau. Geb. 25. Aug. 1814 in Schauen, t 1892 Da er sich schon cJs Kind mit dem Geigenspiel be- schäftigte, kam er zu einem Musiker, der auch alte Geigen ausbesserte, in die Lehre. Später wurde er Militärmusiker in Magdeburg und trat unter Richard Wagner in die dortige Theaterkapelle als Flötist ein. Unter Dr. Georges, einem Schüler Savarts, studierte er die Gesetze der Akustik und wandte sich schließlich ganz dem Geigenmachen zu. Im Jahre 1853 begründete er in Magdeburg eine Instrumentenhandlung, die er bis 1866 fortführte und dann aufgab, um ausschließlich als Geigenmacher tätig zu sein; damals verarbeitete er freilich meistens vogtländische Schachteln. 1877 über- gab er seine Werkstatt an Rautmann und zog nach V. Lütgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II. Ballenstedt am Harz. Als er zum herzogl. dessauischen Hofinstrumentenmacher ernannt wurde, zog er nach Dessau, hat aber auch dort nur Schachteln verarbeitet, die er so stark ausschabte, daß z. B. der Boden stellen- weise dünn wie Papier wurde. Seine Geigen ver- loren infolgedessen schon in kurzer Zeit ihren Ton völlig und schreien nur noch. Er scheint außerdem die Decken gebacken zu haben. Mehrere Geigen von ihm besitzt die Dessauer Hofkapelle. Biographie und Bild von ihm findet sich in De Wits Zeitschrift B. V. (II. April 1884). Habermehl, Erasmus. — Prag. 1610 Er war seit 1610 Kaiserlicher Instrumentarius am Prager Hofe und wohl der angesehenste unter den da- maligen Instrumentenmachern in Böhmen. Habits, Anton. — Budapest. Geb. 1861 \n Györ-Szent-Märton Ein Geigenmacher, der sich jetzt hauptsächlich auf die Herstellung des Cymbals verlegt hat. Habits, Johann. — Raab, Stuhlweißenburg. Geb. 1820 Nach Dr. Joseph Geyer ist er der einzige ungarische Geigenmacher, der sich das Klotzmodell zum Vorbild nahm. Geigenzettel: Habits Jänos / Hangszermüvesz Feher- varott 1857 (gedruckt). Hackenbroich, Peter v. — Leipzig. 1590 Ein Lautenmacher, der 1590 das Bürgerrecht in Leipzig erwarb. Hackhofer, Anton. — Budapest. Um 1830 Es soll gute Gitarren mit seinem Namen geben. Er war vielleicht ein Verwandter von Franz H., bei dem er ge- lernt haben könnte. Selbständig ist er aber schwerlich geworden, und Dr. Geyer bezweifelt überhaupt, daß es einen Anton H. gegeben habe. Hackhofer, Franz. — Budapest. Geb. 1786, t 1839 Er kam aus der Wiener Schule, die er auch nie ver- leugnete. Besser als seine gewöhnlich schwarz lackierten Geigen sind seine Gitarren. Geigenzettel: Franz Hackhofer / in Pesth, anno 1832 (gedruckt). Häckl, Joseph. — Regensburg Ein in Mettenleiters »Musikgeschichte der Stadt Regensburg« genannter Geigenmacher, der jedenfalls durch einen Lesefehler aus Jos. Hädl (s. d.) entstanden ist. Hädl (Hadl), Johann. — Regensburg. 1689. 1717 In den Urkunden erscheint sein Name entstellt, auch als Härtl oder Häckel, er selbst schrieb sich immer Hädl. Seine Geigen sind ziemlich hoch gewölbt, er- innern an das Stainermodell; die Schnecke hat ein 13 194 Hädl — Hakkert deutsches Aussehen und ist dabei sehr schwungvoll, dasselbe gilt von den F-Löchern. Der Lack ist fett und von schöner gelber Farbe. Außer Violinen und Violon- celli machte er auch gute Liebesgeigen. Geigenzettel: Johann Hädl / Lauten- und Geigen- / macher in Regenspurg 1712 (gedruckt). Hädl, Joseph. — Regensburg. 1 700. f 27. Nov. 1729 Sohn oder Bruder von Johann H. Er wird als Geigen- macher und »Hemauer Spielmann« bezeichnet. In der Arbeit ist er Johann H. ziemlich nahestehend. Händl, Mich. — Mittenwald. 1732 Nach den geschriebenen Zetteln ist der Name nicht ein- wandfrei zu lesen, man kann oft ebensowohl Schandl als Gändl lesen, doch scheint Händl die richtige Lesart zu sein. Die Geigen mit seinem Zettel zeigen das Klotz- modell. Haensel, Johann Anton. — Rochsberg. 1801. 1811 Hart gibt als seinen Wohnort Leipzig an, nach anderen lebte er auch eine Zeitlang in Berlin. Er ist eigentlich nur noch durch seinen Aufsatz in der Allg. musika- lischen Zeitung, Leipzig 1811, S. 82 bekannt, in welchem er u.a. über eine von ihm 1801 erfundene Geige, deren Ober- und Unterbacken ungefähr gleich waren, berichtet. Diesen Aufsatz unterzeichnet er als »Kammermusikus des jüngeren Grafen Schönburg«. Härtl, Hans. — Regensburg. 1689 Ein Geigenmacher, der in Mettenleiters Musik- geschichte der Stadt Regensburg erwähnt wird und vielleicht mit Johann Hädl identisch ist. Haussier, Christian. — Krakau. 1830. 1871 Aus Adorf (Vogtland) stammend, wanderte er 1831 nach Krakau aus, wo er bis 1871 tätig war. In seiner Arbeit verleugnete er nie seine Herkunft. Sein 1850 geborener Neffe und Schüler wurde sein Nachfolger. Haussier, Gustav. — Krakau. Geb. in Lübben (Niederlausitz) 1850 Schüler seines Oheims Christian H., übernahm 1871 das Geschäft seines Lehrers und machte neue Geigen nach Stradivari. Er wendet Spintuslack an, ist aber hauptsächlich Reparateur und erfand Federzwingen (für Geigenmacher), mittels welcher ein gleichmäßiger Druck beim Zuleimen der Geigen erreicht wird. Er erhielt 1887 in Krakau die bronzene und 1894 in Lem- berg die goldene Medaille. Geigenzettel: Gustav Häußler in Krakau (gedruckt). Haff, Joseph Anton sen. — Augsburg. 1810. 1866 Fleißiger Geigenmacher, der nach dem ganz flachen Stradivaripatron arbeitete. Die Decke zeigt meist ziemlich weitjähriges, schwammiges Fichtenholz, zum Boden nahm er Ahorn (aus einem Stück). Die Schnecke ist gewöhnlich recht schwungvoll, der Lack braun. Der Ton ist von verschiedener Güte, oft etwas näselnd. Spiritus- oder Ollack. Geigenzettel : Joseph Anton Haff / Geigenmacher in Augsburg / anno 1838 (gedruckt). Haff, Joseph Anton jun. — Augsburg. 1860. t 1902 in Stuttgart Sohn von Joseph Anton sen. Er ist um 1875 von Augs- burg fortgezogen und lebte 1895 noch am Bodensee. Talentvoller Nachahmer der italienischen Meister, erhielt 1873 die Verdienstmedaille für ein Streich- quartett und eine Geige nach Amati von trefflicher Arbeit und schönem Ton. Im Jahre 1894 siedelte er von München nach Senftenau bei Lindau über und ist später nach Stuttgart gezogen, wo er auch starb. Geigenzettel: Abb. 353. Haghens, Cornelius. — Antwerpen. 1627. tum 1642 Er gehörte der Lukasgilde als Clavecinmacher an. Haghens, Simon. — Antwerpen. 1642. 1644 Er wird als Sohn eines Meisters (Cornelis Haghens?) bezeichnet und wurde 1642 in die Lukasgilde aufge- nommen. Hagspiel, Oscar. — Dresden. Geb. 2. Mai 1852inDresden, t Jan. 1901 Ursprünglich zum Musiker bestimmt, mußte er die Klavierfabrik seines Vaters übernehmen und beschäf- tigte sich in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts auch mit der Herstellung von Streichinstrumenten eigener Erfindung. Diese hatten einen gitarreähnlichen Körper mit gepreßter (nicht ausgestochener oder ge- hobelter) Decke ohne F-Löcher, dagegen mit sechs runden Schallöchern in den Zargen. Ein derartiges Violoncell besitzt die staatl. Sammlung alter Musik- instrumente in Berlin. Hahn, John & Co. Eine in Buffalo bestehende Geigenfirma. Haid, Georg. — Wien. 1903. 1910 Schüler von J. J. Bucher, hauptsächlich Zithermacher, befaßt sich jedoch auch mit der Wiederherstellung alter Geigen. Hakkert, Jacob Wolfgang. — Rotterdam. Geb. 29. Aug. 1891 in Rotterdam Aus einer Familie stammend, die seit langen Jahren im Musikinstrumentenhandel tätig war, wurde er früh- zeitig veranlaßt, sich dem Geigenbau zu widmen und lernte vom 3. Juli 1906 bis 15. April 1908 bei Marius Didier in Mirecourt. Er ging dann zu Louis Otto nach Düsseldorf, wo er bis zum 15. April 1909 blieb. Den größten Einfluß auf ihn hatte nach seiner Angabe Josef Lülsdorf inKöln.beidemerbis 15. Mai 1 91 0 tätig war. Er macht seine Geigen nach italienischen Vorbildern und hat bereits 1 909 auf der Rotterdamer Musikfach- Hai asz — H, amm 195 ausstellung eine Medaille erhalten. Arn machte er sich selbständig. Geigenzettel : Jaques W. Hakkert / me fecit Rotterdam Anno 19— (gedruckt). Haläsz (Fischer), Joseph Ein Schönbacher, der um 1860 in Ungarn tätig war und seinen Namen magyarisiert haben soll. Hall, William H. — Oldham. 1905 Er baut nach Cremoneser Modellen und soll nicht unge- schickt sein. Hallas, Joseph. — Brunn, f 2. Juli 1844 Scheint hauptsächlich Gitarren gemacht zu haben. Er erlangte im Jahre 1844 das Bürgerrecht und starb schon kurze Zeit darauf. Geigenzettel : Joseph Hallas, Instrumenten- ,' macher in Brunn. Ao. 1843 (gedruckt). Hallberg, C. G. — Hultsfred (Schweden). 1823 Von ihm besitzt C. Claudius in Kopenhagen eine schwedische Bauernvioline. Am Wirbelkasten befindet sich ein Drachenkopf, auf der Brust sind vier Paare tanzender Bauern aufgemalt. Haller, G. Albin. — Erlbach i. S. Geb. 1 6. März 1868 zu Hermsgrün b. Markneukirchen Schüler von Christian Schaller und der Fachschule in Markneukirchen. Er arbeitet nach italienischen Mo- deilen und erzeugt solide Mittelware von großer Billig- keit. Sein Lack ist rot, rotgelb oder kastanienbraun. Er imitiert das alte Aussehen der Geigen recht gut und klebt Zettel mit den Namen der Modelle ein. August 1910 Hamberger, Ferdinand. — Preßburg, f 1891 Sohn und Nachfolger von Jos. Hamberger I und diesem in der Arbeit ähnlich. Er führte das väterliche Geschäft mit der hochbetagten Mutter fort. Geigenzettel: Abb. 349. Hamberger, Joseph I. — Preßburg. Geb. m Wien 1808, t 16. April 1864 Ein sehr tüchtiger Meister, der Wiener Schule nahe- stehend, aus der er wohl hervorgegangen ist. Er erwarb am 26. Oktober 1830 das Preßburger Bürgerrecht (Grillet versetzt ihn nach St. Petersburg!). Er baute nach Stradivari und verwendete braunen Lack. Geigenzettel : Joseph Hamberger/ Guitarre- u. Geigen- macher / in Preßburg, 1846. (gedruckt) und Abb. 341. Hamberger, Joseph II. — Wien. Geb. in Preß- burg um 1850, t 1904 Sohn von Jos. Hamberger in Preßburg, Schüler von Hof mann, bei dem er 1865 in die Lehre trat und dessen Geschäft er 1873 übernahm. Die von ihm gebauten Geigen sind in den meisten Fällen nur mittelmäßig. Er war k. k. Hofgeigenmacher und Lieferant der Hofoper. Nach seinem Tode führte die Witwe das Geschäft fort, das jetzt auf Alfred C. Coletti übergegangen ist. Eine Geige von ihm ist im Besitze des Preßburger Domchors. Geigenzettel : Abb. 339. Hambleton, Joseph. — Salford. 1854 Ist mir nur durch ein gutes Violoncello bekannt ge- worden. Haman, Valentine. — Millwood (Ind., N.-Am.) Hamig, Moritz. Geb. 20. März 1831 in Columbiana County, Ohio Entstammt einer aus Deutschland unter Washington eingewanderten Musikerfamilie. Von Hause aus Kunst- tischler und Mechaniker, begann er mit 22 Jahren Geigen zu reparieren, dann versuchte er sich im Neu- bau und brachte es durch Fleiß dahin, bald Erfolge zu erzielen. Er arbeitet nach dem Stradivarimodell ; die Decke macht er \ ,, Zoll, an den Ecken ^^,i Zoll dick, den Boden etwas stärker, den Baßbalken 8 Zoll lang, ^/, hoch und 'Vi,; dick. Das Gewicht seiner Geigen be- trägt samt den Saiten etwa 420 g. Er verwendet mit Benzin geklärten Orangeschellack durch in Alkohol ge- löstes Drachenblut gefärbt. Zettel klebt er nur selten ein. Zur Tonveredlung bringt er auf dem Boden seiner Geigen noch einen Resonanzbalken an, dem er die Fähigkeit zuschreibt, neue Instrumente wie alte klingen zu machen. Geigenzettel: V. Haman, / Millwood, / Ind. (gedr.). Hamann, Carl. — Posen. 1860. 1880 Seinerzeit der geschickteste Geigenreparateur m Posen. Er verstand sich auf alle Musikinstrumente und war außerdem ein guter Violoncellist. Ein von ihm gebautes Violoncello ist noch in Posen in Privatbesitz. Geigenzettel: Carolus Hamann refecit / Posnaniae. Anno 1872 (gedruckt). — Dresden, Kötzschenbroda. 1890. t 1908 Er war bis etwa 1892 in Dresden ansässig und hat nur wenige Geigen gemacht. Hamilton, William. — Uddingston. 1880. 1896 -^ Er stammt aus Glasgow und ist Ingenieur. Aus Lieb- haberei macht er Geigen nach einem eigenen Modell, aber auch nach Stradivari, Guarneri und Gaspar da Salb. Er gebraucht Whitelaws Bernsteinlack. Geigenzettel: William Hamilton / Uddingston. 1896. (geschrieben). Hamm, Andreas. — Klingenthal. 1702. 1732 Vermutlich der Großvater von Johann Andreas H., vielleicht auch dessen Lehrmeister. Er soll recht ge- schickt gewesen sein und gilt als der .Stammvater der Familie. Christ. Gottfried. Geb. 10. Nov. — (Mark)Neu- 1774, t 29. Aug. Hamm, kirchen. 1834 Sohn von Johann Gottfr. H. und diesem in der Arbeit sehr ähnlich. Gelgenzettel: Abb. 359. 13* 196 Hamm — Hammig — Klingenthal, in Klingenthal Hamm, Johann Andreas. (Mark) Neukirchen. Geb. 1703, t 9. Mai 1764 Sohn des »Gerichtsgeschworenen« und Schneiders Andree H. in Klingenthal. Am 31. Juli 1724 wurde er von der Neukirchener Zunft als Meister angenommen, dagegen wehrten sich aber die Klingenthaler Geigen- macher, so daß er sich drei Tage später in der Liste wieder streichen lassen mußte. Er siedelte im darauf- folgenden Jahre nach Neukirchen über und ward dort am 24. Juli 1 725 wieder als Meister angenommen und Bürger. Er stand in einem gewissen Ansehen und starb 60 Jahre 5 Monate und 26 Tage alt. Hamm, Johann Gottfried. — (Mark)Neu- kirchen. Geb. 1744, f 6. Okt. 1817, 73 Jahre 7 Monate 1 1 Tage alt Einer der besten vogtländischen Geigenmacher seiner Zeit. Schon am 13. Juni 1764 wurde er Meister und war so sorgfältig in seiner Arbeit, daß man ihn lange Zeit — veranlal3t durch den Umstand, daß er gerne Rom oder Cremona als Ursprungsort angab — der italienischen Schule zuzählte, so wenig sein Modell und sein Lack auch dazu berechtigten. Bei vielen Geigen und Violen scheint ihm ein breites Stainersches Modell vorgeschwebt zu haben, auch die Einlagen machte er zierlicher als die meisten Neukirchner Meister, oft brachte er einen Elfenbeinrand an. Er ver- wandte verschiedene Zettel und verwendete auch die Brandmarke :»I* *G* *H*. Geigen von ihm kommen noch oft vor. Eine solche besitzt Carl Stoeber in Würzburg. Geigenzettel : Johann Gottfried Hamm / Instrumenten- Macher / Stadt Neukirchen bey Adorf / im Voigtlande Fecit Ao 18 . . (gedruckt) und Abb. 343. Brandmarke Nr. 40. Hamm, Heinrich Moritz. — Markneukirchen. Geb. 29. Sept. 1850 Er ist zwar gelernter Geigenmacher, verlegte sich aber hauptsächlich auf den Bau von Zithern. Hamm, Karl Friedrich. — (Mark-) Neu- kirchen. Geb. 26. Dez. 1733, f 26. Sept. 1761 Sohn von Johann Andr. H. Er wurde am 25. Nov. 1 75 1 Meister. Ebenso gewandt als Geigenmacher wie als Ge- schäftsmann. Er brachte es bald zu einigem Wohlstand und war schon in jungen Jahrenein angesehener Bürger. Seine beste Zeit fällt in die Jahre 1 757 — 1 760. Hamma, F. — Ulm a. D. 1872. 1882 Eine 1872 begründete Fabriksfirma, die 1880 etwa 20 Arbeiter beschäftigte. Hamma & Co. — Stuttgart Bedeutende im Jahre 1864 von Fridolin Hamma (geb. 1818, f 1892) begründete Geigenhandlung, deren In- haber seit 40 Jahren Emil Hamma (geb. 1855) ist. Er gilt infolge seiner großen Erfahrung und seines sicheren Blickes als einer der gewiegtesten Kenner und hat in seinen Söhnen Fridolin, Emil und .Alexander vortreffliche Mitarbeiter. Die von der Firma heraus- gegebenen Kataloge haben bleibenden Wert und die von ihr ausgestellten Echtheitszeugnisse galten bei Sammlern und Liebhabern als unanfechtbar. Hamma, Alfred. — Stuttgart, geb. 1891, ge- fallen auf dem Felde der Ehre, im Juni 1917 Sohn und Mitarbeiter von Emil Hamma. Ein reich be- gabter, hoffnungsvoller Geigenmacher. An seine Stelle sind seine Brüder Emil und Alexander in die Firma ein- getreten. Hamma, Fridolin. — Stuttgart Sohn von Emil H. und dessen Mitarbeiter. Ein treff- licher Geigenbauer, der besonders als Reparateur einen großen Ruf genießt und auch als feinsinniger Kenner geschätzt wird. Hammerl. — Schönbach b. E. Als Geigenmacher sind zu erwähnen : Hammerl, Ignaz, gehörte schon 1826 der Innung als Meister an Hammerl, Josef. — f nach 1898 Hammerl, Karl, ist noch tätig Hammig, Albertus Robert. — Markneukir- chen, Hamburg, Neu-Schönefeld, Leipzig. Geb. 10. Mai 1849 Sohn und Schüler von Wilhelm Aug. H. Als Gehilfe arbeitete er bei seinem Bruder in Leipzig und bei Bausch jun. bis zu seiner Militärzeit. Er machte den Feldzug 1870/71 mit, ging hierauf zu Schmidt nach Wien und arbeitete dann in Markneukirchen und Hamburg selbständig. Im Jahre 1 896 verlegte er seinen Wohnsitz nach Leipzig und trat als Meister bei der Firma Jul. H. Zimmermann in Stellung, wo er sich noch befindet. Er arbeitet sehr sauber und verwendet einen vorzüglichen transparenten Lack von tiefroter Farbe. Geigenzettel : A. Robert Hammig / Streich Instru- mentenmacher / Hamburg Anno 1879 (gedruckt). Hammig, Carl Heinrich. — Dresden. Geb. 1877 Sohn von Gustav Adolph H. Ein sehr talentvoller Meister. Hammig, Friedrich. — Wien. 1801 Er ließ sich in Wien als »musikalischer Instrumenten- fabrikant« nieder und handelte mit vogtländischen Geigen, hat aber selbst wohl nur Blechinstrumente hergestellt. So war er auch der erste Deutsche, der Cinellen (türkische Becken) -machte, für deren Her- stellung er in Österreich ein »Privilegium privativum« erhielt, was er auch im Intelligenzblatt der Allg. musi- kal. Zeitung im Juli 1801 anzeigte. I I H ammig — Hansen 197 Hammig, Georg. — Markneukirchen. 1815. 1820 Braver Vogtländer Geigenmacher. Er scheint seinen Zettel nur selten eingeklebt zu haben. Hammig, Gustav Adolph. — Dresden- A. 1 890. 1901 Von Hause aus Baßmacher, verlegte er sich erst später auf den Bau von Violinen und Violoncelli und wurde Kgl. sächs. Hofinstrumentenmacher und beeideter Sachverständiger für Saiteninstrumente. Sem Lack ist an sich nicht schlecht, doch soll er ihn gerne auch auf alten Geigen auftragen, die dadurch nicht gewinnen können. Hammig, Hermann. — Berlm. 1899 Ältester Sohn und Schüler von W. H. Hammig in Leipzig. Leiter des Berliner Zweiggeschäfts der Firma W. H. Hammig in Leipzig. Hammig, Johann Christian. — (Mark)Neu- kirchen. Geb. 1732, f 27. Jan. 1816 Sohn und Schüler von Johann Georg H. Er war gut musikalisch vorgebildet und auch kaufmännisch tüchtig. Am 22. Febr. 1 75 1 wurde er Meister, doch machte er schon als Knabe recht gute Geigen. In seiner ersten Zeit verwendete er nur geschriebene Zettel, später gedruckte und auch den Brandstempel: tJt \. y^ C ^ H. ^;- Selne Söhne führten das Geschäft fort und verwendeten auch nach seinem Tode Zettel mit der Firma: Johann Hammig et Söhne. Geigenzettel: Joh. Christian Hamig / Music. Instr. 1756 (geschrieben) und Abb. 351. Brandmarke Nr. 35. Hammig, Johann Georg. — (Mark-) Neu- kirchen. Geb. 1702, t 26. Dez. 1754 im Alter von 52 Jahren 4 Monaten Auch als »derÄltere« bezeichnet. Er wurde im November 1725 Meister und war ein geschickter Geigenmacher. Eine große Viola von ihm besaß Sprenger in Stuttgart. Hammig, Moritz. — Markneukirchen. 1861 Vielleicht mit dem später in Dresden ansässigen Moritz Hammig identisch. Eine recht hübsch gearbeitete Kindervioline von ihm besitzt Musikdirektor Otto Eckenbrecht in Radeberg. Hammig, Wilhelm August. — (Mark-)Neu- kirchen. 1837. 1865 Sohn von J. C. Hammig und Enkel von Georg H. Seine Geigen und Violoncelli zeigen gute Vogtländer Arbeit. Geigenzettel : Wilh. Aug. Hammig / Violin- und Cello Fabrikant / in / Neukirchen / bei Adorf / 1846 (gedr.). Hammig, Wilhelm Hermann. — Leipzig. Geb. 25. März 1838 in Markneukirchen Sohn und Schüler von Wilh. Aug. H. Arbeitete bei Grimm in Berlin, machte sich 1863 in Markneu- kirchen selbständig und übersiedelte 1875 nach Leipzig. Er ist unter den jetzt lebenden Mitgliedern seiner Familie der beste Geigenmacher. Seine Arbeit ist sehr gediegen; daß seine neuen Geigen auch neu klingen, wird ihnen wohl nicht mit Unrecht als Vorzug nach- gerühmt, sie können durch Alter und Ausspielen nur besser werden, während neue Instrumente, denen künstlich die Klangfarbe alter Instrumente beigebracht wird, diese später vielleicht verlieren. Er besitzt mehrere goldene Medaillen und seit 1894 ein Zweig- geschäft in Berlin. Prof. Robert Hausmann in Berlin besaß ein von ihm i. J. 1903 gebautes, vorzügliches Violoncello, ein ebensolches Dr. med. H. Lang in Wiesbaden. Geigenzettel : W. H. Hammig / Leipzig 1888 (gedruckt) Darüber eingebrannt: W. H. Hammig. Hampe, W. — Amsterdam. 1842. f vor 1882 Von Geburt ein Deutscher. Guter Geigenmacher, der den Hoftitel besaß. Sein Geschäft wurde von seiner Witwe und seinem Sohne fortgesetzt. Geigenzettel : Repareret W. Hampe / Amsterdam. 1845 (geschrieben). Handenberg, Wilhelm. — Leipzig. 1723 Eine Geige von ihm von mittelmäßiger Arbeit fiel durch ihre flache Wölbung auf. Da er außerdem seinen Vor- namen auf seinem Zettel italienisch angibt, könnte man vermuten, daß er als Geselle in Italien gearbeitet und dort die flache Wölbung kennen gelernt hat. Gelgenzettel. Guglielmo Handenberg / fecit LIpsiae 1723. (gedruckt). Handley, Henry. — Worcester. Geb. 1839 Er arbeitet nach dem Guamerimodell und verwendet Whitelaws Geigenlack. Hansch (Handsch), Gustav. — Graz, Odessa. f um 1905 in Odessa Sohn von Heinrich Hansch, Schüler der MIttenwalder Gelgenmacherschule, der er Ehre machte. Auch er war wie sein Vater als tüchtiger Meister geschätzt. Er ließ sich überreden, nach Rußland auszuwandern,, wo er aber bald starb. Hansch (Handsch), Heinrich. — Graz. 1844. 1900 Er hatte seine Werkstatt In der Neutorgasse, war ein tüchtiger Meister, der Guarnerl mit Geschick nach- ahmte, und für seine Leistungen als Geigenmacher die silberne Staatsmedaille erhielt. Hansen, Amund. — Frederikshald. 1 784. 1 799 Norwegischer Gelgen- und Lautenmacher des 1 8. Jahr- hunderts, der hauptsächlich Zitherinstrumente gebaut hat. Zwei norwegische Zithern von ihm besitzt Claudius In Kopenhagen, eine solche das Musikhistorische Museum In Stockholm, eine Chorzither von 1799 besaß Hammer in Stockholm. Gelgenzettel: Amund Hansen, Frledrichshald 1784 (gedruckt). 198 H ansen Hardi le Hansen, Berner. — Haugesten. 1787 Norwegischer Instrumentenmacher, von dem sich eine Zither mit sechs einzelnen und drei doppelten Stahl- saiten im Musikhistorischen Museum in Stockholm befindet. Hansen, F. W. — Randers. 1860. f um 1880 Ein tüchtiger Geigenmacher, dessen Arbeiten in Däne- mark in hohem Ansehen stehen. Er war ein stiller, be- scheidener Künstler, der in seiner kleinen Heimatstadt sitzen blieb und zufrieden war, wenn er nur das Nö- tigste zum Leben verdiente. Hansen, H. C. — Kopenhagen. 1855 Ein braver dänischer Geigenmacher, der leider nur selten schönes Holz besaß, weshalb seine Arbeiten oft nicht so gut aussehen, wie sie klingen. Geigenzettel : Förfärdigt af Instrumentmager / H. C. Hansen i Kjobenhavn / 1855. (gedruckt). Hansen, J. Rummelhoff. — Chnstiania. Geb. 11. März 1877 in Christiania, f das. 1918 Nachdem er erst in einer Instrumentenhandlung ge- lernt hatte, ging er zu A. C. Kleven und vollendete seine Ausbildung von 1905—1908 bei Oswald Möckel in Berlin. Schon 1907 bekam er ein Mitarbeiterdiplom. Im Jahre 1908 ging er zu Hjorth nach Kopenhagen und kehrte im darauffolgenden Jahre in seine Vaterstadt zurück, wo er sich selbständig machte. Er fand nament- lich als ausgezeichneter Reparateur reichliche Aner- kennung, doch waren auch seine neuen Geigen in jeder Beziehung sehr lobenswert. Auf der Jubiläumsaus- stellung 1914 in Kopenhagen erhielt er die goldene Medaille. Ein tückisches Leberleiden machte seinem Leben ein vorzeitiges Ende. Sein Nachfolger ist Hell- muth EUersieck. Hansen, Niels. — 1921 Ein dänischer Bildhauer, der auch zu den vielen gehört, die das »Geheimnis Stradivaris« gefunden zu haben glauben. Harbour, Jakob. — London. 1764 Von ihm kenne ich zwar nur eine mittelmäßige, halbe Violine, ziemlich hoch gewölbt, ohne Einlage, mit dunkelbraunem Lack, doch soll er sehr gute Violen ge- baut haben. Harbour(Harbur),W. — London. 1785. 1786 Vielleicht ein Sohn von Jakob H. und wie dieser ein mittelmäßiger, wenig bekannter Geigenmacher, der 1785 in Duke Street Lincolns — Inn Fields wohnte und 1786 nach Southampton Buildings, Holborn, über- siedelte. Hardie, Alexander. — Maxwelltown. Geb. um 1776 (in Stonehouse?), f in Maxwelltown um 1855 Ein geschickter Kunstdrechsler, der auch recht gute Geigen gemacht hat. Hardie, James L — Edinburgh. 1830. 1855 Obwohl sein Verwandtschaftsverhältnis zu den übrigen Geigenmachern seines Namens nicht feststeht, scheint er doch ein Schüler von Matthew oder Thomas H. ge- wesen zu sein. Er war ursprünglich Modelltischler und brachte daher, als er anfing, Geigen zu machen, eine große Handfertigkeit mit. Seine Violinen sind meist nach Stradivan gebaut. Geigenzettel : James Hardie Fecit / Edinburgh 1839. (geschrieben). Hardie, James IL — Edmburgh. Geb. m Aguhadley (Ellon) I.Jan. 1836 Enkel von Peter H. und seit seinem neunten Jahre dessen Schüler. Ein tüchtiger Geigenmacher, der über 4000 Geigen gemacht hat. Am liebsten ahmt er Maggini nach, verwendet schönes altes Holz, Bem- steinlack, und ist vielfach ausgezeichnet worden. Die Firma lautet jetzt Jas. Hardie & Sons, doch hat er alle Geigen allein gemacht. Geigenzettel: James Hardie & Son, / Makers / 117 Nicolson Street / Edinburgh 1 890 (gedruckO- — Made by James Hardie & Sons / Violin Makers / Edinburgh 18.. (gedruckt). Hardie, Matthew. — Edinburgh. Geb. 1 755 in Edinburgh, t 30. Aug. 1826 Einer der bedeutendsten schottischen Geigenmacher, den man auch gern den schottischen Stradivari nennt. Er war vermutlich von Hause aus Kunsttischler oder Modelleur und dürfte ein Schüler von John Blair ge- wesen sein, der später mit ihm arbeitete. Er scheint eine echte Arbeit von Stradivari gekannt zu haben, die er fortan nachahmte. Wenn Hart sagt, daß er Amati ko- piert hat, so scheint dies auf einem Irrtum zu beruhen. Von den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts an arbeitete er mit seinem Sohne Thomas. Obwohl er sehr fleißig war, kam er in seinem Alter doch in Vermögens- verfall ; er soll einige seiner besten Geigen im Schuld- gefängnis gemacht haben und starb schließlich im Armenhause. Seine Geigen sind sorgfältig gemacht und klingen gut, nur der dünn aufgetragene Spirituslack von gelbbrauner Farbe ist unscheinbar. Wenn Vidal von ihm kurz sagt : »luthene ordinaire«, so tut er ihm offen- bar unrecht. H. war auch ein trefflicher Lehrer, wie die große Zahl seiner tüchtigen Schüler beweist. Geigenzettel : Made by ' Mat. Hardie & Son / Edin- burgh, (gedruckt). — Matthew Hardie / Edinburgh 1809. (gedruck) und Abb. 324. Hardie, Peter. — Dunkeid. Geb. 1775, f Nov. 1863 in Dunkeid Er war der Sohn eines Regimentsarztes und studierte in Edinburgh, wo er durch seinen Vetter Matthew Hardie darauf gebracht wurde, sich dem Geigenmachen zu widmen. Er wurde Schüler seines Vetters und haupt- sächlich Willie Blairs. Er hat viele Violinen und Violon- celli gemacht, seine Arbeit ist der von Matthew H. sehr ähnlich, nur ist die Wölbung bei ihm viel höher und die Durchführung weniger sorgfältig. Die Schnecken er- innern an die von Ruddiman. Hardie war ein vorzüg- licher Geiger und hat auch komponiert. Er gebrauchte statt der Zettel nur eine Brandmarke : P. Hardie. Hardie — Harnisch 199 Hardie, Thomas. — Edinburgh. Geb. 1804, t 19. Jan. 1856 Sohn und Schüler von Matthew H., dessen Modell er beibehielt, den er aber in der Durchführung und im Lack oft übertrifft; leider trocknete er das Holz im Backofen, so daß seine Geigen, die neu recht gut klangen, jetzt wenig Ton haben. Er war sehr talentvoll, ergab sich aber dem Trunk und sein Tod war die Folge eines Sturzes über die Treppe seines Hauses, als er wieder betrunken war. Geigenzettel : Thomas Hardie Fecit, / Edinburgh, Anno 1845 (gedruckt). — Repaired by Thomas Hardie / Castlehill, Edinburgh 1856 (gedruckt). Hardy s. Haxby Hare, John. — London. Anfang des 18. Jahrh. Viele halten John und Joseph Hare für eine und die- selbe Person, was aber bei der auffälligen Verschieden- heit der Arbeit nicht angängig ist. John ist entschieden der ältere. Er wohnte im gleichen Hause wie später Joseph, aber er arbeitete noch nach einem hochge- wölbten Modell. Seme Arbeit ist roh, die Einlage unge- schickt gemacht und der Lack armselig. Geigenzettel : lohn Hare at y- Viel & Flute, near ful Royal Exchange in Cornhill London, (gedruckt). Hare, Joseph. — London (Cornhill). 1720. 1726 Von ihm sind bisher nur wenige Gelgen bekannt. Er ist jedoch nach Sandys & Forster der erste Engländer, der ein flaches Modell anwendete; auch sein Lack von leuchtender roter Farbe ist vorzüglich. Er war jeden- falls ein besonders begabter Mann, der seinerzeit nur nicht durchdrang, da in England lange das Stainer- modell allem in Ansehen stand. Er soll eine Zeitlang mit Freeman zusammen gearbeitet haben. Geigenzettel : Joseph Hare at y- Viole & Flute / near the Royal Exchange / in Cornhill London / 1 726 (gedruckt) Harford, Patrik (Patritius). — Rom. 1742 Em Irländer oder Engländer, der sich in Rom der italienischen Schule anschloß. Schöne Form, blaß- brauner Lack. Hargreaves, William. — Manchester. 1889 Wahrscheinlich ein Liebhaber, der, wie eine Violine beweist, die er im Jahre 1889 mit der Nummer 21 ver- sah, eine gewisse Geschicklichkeit erlangt hat. Harham. — London. 1765. 1785 Wenig bekannter englischer Geigenmacher des 1 S.Jahr- hunderts. Haringer (Häringer), Hans. — Wien. 1675. 1676 Er soll als Lautenmacher im Dezember 1675 das Wiener Bürgerrecht erlangt haben. Obwohl Lauten und Geigen von ihm vorkommen, konnte ich Urkundliches über ihn nicht beibringen. Er stammte jedenfalls aus Füssen und gehörte zur Familie Heringer und dürfte bald nach seiner am 26. Januar 1676 erfolgten Eheschließung ge- storben sein. Harkendorf, Hans. — Flensburg. 1652 Eine schöne Altgambe von ihm besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln (Nr. 803). Weder Im Flensburger Archiv, noch In den Flensburger Kirchenbüchern findet sich Irgendein Eintrag mit seinem Namen. Harley. — London. 1805 Eine englische Zither mit Klaviatur, die der dänischen Erbprinzessin gehört haben soll, besitzt Claudius in Kopenhagen. Er soll auch Lauten gemacht haben. Geigenzettel: Harley maker. / Wych street. London 1805 (gedruckt). Harloff, W. — Bergen. 19. Jahrhundert Ein von ihm verfertigtes Psalmodicon (Monochord) befindet sich In der Sammlung Crosby Brown In New York (Nr. 981). Harlot, Fran^ois. — Mirecourt. 1757. 1772 Unter den Bogenmachern seiner Heimat einer der ältesten, deren Namen überliefert sind. Harmand (Harmond), Nicolas. — Mirecourt. 1755. 1789 Er legte am 1 9. Februar 1 772 den Schwur als Meister der Mirecourter Lautenmacherzunft ab und war einer der besseren Geigenmacher seiner Zeit, jedenfalls der beste aus seiner Familie. Er bevorzugte ein kleines Modell, seine Arbeit ist gut, er verwandte gutes Holz und rötlichen Lack. Seine Geigen haben einen welchen Ton. Seine Werkstatt nannte er »Au RoI David«, was auch auf seinem Brandstempel steht, den er gewöhnlich am Boden unter dem Halse anzubringen pflegte. Von Mitgliedern seiner Familie werden noch genannt sein Bruder Jean H. 1766, ferner Joseph H. 1780. 1789 Louis H. 1784. 1789 und Philipp H., der schon 171 9 und noch 1 727 vorkommt. Harmand. — Mirecourt. 1830—1870 Vielleicht ein Enkel von Nicolas H. Besonders als Bogenmacher geschätzt. Harnisch, Hermann. — Darmstadt. Geb. 1859 in Gera Sohn von J. Gottlieb H. und dessen sowie Otto Bauschs Schüler, arbeitete von 1881 — 1885 In Reval, wo er auch als Musiker tätig war, wurde 1885 Hof- musiker in Darmstadt und übernahm das Geschäft von F. Diehl. Im Jahre 1895 wurde er zum großherzogl. Hofinstrumentenmacher ernannt. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit Reparaturen ; die wenigen von ihm gemachten Instrumente haben Spirituslack und tragen folgenden Zettel : Hermann Harnisch, / Hofinstrumen- tenmacher, / Darmstadt 18 (gedruckt). 200 Harnisch — Härtung Harnisch, Johann Gottlieb. — Gera. Geb. 1827 in Scheubengrobsdorf b. Gera (Reußj. L.) Schüler von L. Bausch und von dessen Sohn Louis B. in Leipzig, war von 1853 — 1857 in verschiedenen Orten tätig und machte sich 1857 zu Gera selbständig. Be- schäftigt sich mit Neubau (und Reparatur) nach italienischen Vorbildern, wobei er seine Erfindung, mit verschieden altem Holz zu decken, zur Anwendung bringt; auch Form und Lage des Balkens, sowie der Stimme behandelt er nach eigenen Grundsätzen und wendet gewöhnlich Spirituslack an. Er ist seit Jahren Hofinstrumentenmacher. Geigenzettel: J. G. Harnisch / Instrumentenmacher in Gera / Reparirt März 1 864. (geschrieben). Harp, Johann. — Kopenhagen. 1730 Ein wenig bekannter dänischer Geigenbauer, von dem die Sammlung Savoye in Paris eine Bratsche bewahrt. Vielleicht ist dieser Harp ein Verwandter jenes Königs- berger Gregorius, dessen Familienname »Karg« ge- lesen wird, bei dem aber auch die Lesart Harp zu- lässig ist. Harras, ein thüringischer Geigenmacher, der in Olze bei Großbreitenbach lebt Harras, Adolf. — Masserberg (Thür.). 1893. 1901 Wenn er auch in der Regel billige Geigen herstellt, so versteht er es doch ganz gut, die Italiener oder Stainer nachzuahmen. 1 898 erhielt er für seine Geigen in Erfurt die bronzene Medaille. Harris (Harrys), Charles I. 1780. 1800 Oxford, London. Ein Geigenmacher, der von seinen Bewunderern der »englische Lupot« genannt wurde. Pearce sagt von ihm : »His Instruments are among the f inest of the English.« Er kopierte Stradivan und Amati und gebrauchte einen prachtvollen rötlichen Lack, klebte aber nur selten Zettel ein. Besonders gelangen ihm seine Violoncelli. Er wohnte Cannon Street Road, Ratcliffe Highway, eine Zeitlang arbeitete Gilkes bei ihm. So tüchtig er auch war, scheint es ihm doch nicht besonders gut ge- gangen zu sein, da er, um leben zu können, eine Stelle als Hafenzollbeamter annehmen mußte. Harns, Charles II. — Oxford, London. 1818. 1830 Altester Sohn, Schüler seines Vaters Charles I H. und als solcher Mitschüler von Samuel Gilkes. Er wohnte erst in Oxford (Alderbury) und ging dann nach London. Von ihm ist wenig bekannt, da er viel für John Hart arbeitete. Seine Geigen sind im ganzen gut, er hebte ein langes Modell, schmale Zargen und gelben Lack. Seine Zettel sind zumeist geschrieben. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1820 besitzt T. W. Taphouse. Harris, J. E. — Gateshead-on-Tyne. 1910 Geschickter englischer Geigenbauer der Gegenwart, der auch besondere Sorgfalt auf das Lackieren ver- wendet. Hart, George I. — London. Geb. 1839, t 25. April 1891 Sohn von J. Th. Hart. Er war als trefflicher Geiger Schüler von Sainton, und wurde der Geschäftsnach- folger seines Vaters. Er machte selbst zwar keine Instru- mente, doch war er einer der besten Kenner und hat zwei wertvolle Bücher herausgegeben : »The violin, its famous Makers and their Imitators« (London 1875 und 1887) und »The violin and its music« (1881), von denen man allerdings sagt, daß sie zum guten Teil von Charles Reade, dem trefflichen Novellisten und Geigenlieb- haber, geschrieben worden seien. Mit seinem Sohne zu- sammen eröffnete er in seinen letzten Lebensjahren eine eigene Geigenmacherwerkstatt. Geigenzettel : Hart & Son / — Makers — / 28 Wardour Street / 18 London 90 / No 170 (gedruckt). Hart, George II. — London. Geb. in London- Warwick 4. Jan. 1860 Sohn von George I H. Nachdem er in Paris seine Aus- bildung als Geigenmacher abgeschlossen hatte, trat er in das Geschäft seines Vaters ein und fügte diesem eine eigene Werkstatt hinzu. Die Firma lautete von da an »Hart & Son« und lautet noch so. G. II Hart gilt als tüchtiger Meister, dessen Spezialität die getreue Kopie Italienischer Geigen ist. Geigenzettel: Abb. 365, 366, 371. Hart, John Thomas. — London. Geb. 17. Dez. 1805, t I.Jan. 1874 Er trat im Mai 1820 in die Lehre bei Samuel Gilkes und entwickelte sich bald zu einem tüchtigen Meister, so daß er schon 1825 seine eigene Werkstatt eröffnen konnte. Er hat zwar nicht viele neue Geigen gebaut, diese aber dürfen als gute Amatikopien gelten. Be- deutender war er jedoch als Kenner italienischer Geigen und als trefflicher Reparateur. Mit Tarisio stand er in lebhafter Geschäftsverbindung. Geigenzettel: John Hart / maker. / 14. Princeß Street, Leicester Square ,' London anno 18 . . (gedruckt). Hartan^), Carl. — Köln. 1874. 1875 Beschäftigte sich viel mit Wiederherstellungen, die je- doch, da er Autodidakt war, nicht fachmännisch durch- geführt sind. Geigenzettel : Carl Hartan / Jnstrumentenmacher / Cöln 1875 (gedruckt). Härtung (Harton), Michael. 1624 Padua. 1602. Zweifellos deutschen Ursprungs und zwar wahrschein- lich aus Füssen eingewandert, wo der Name Härtung heimisch ist und wo man ihn auch auf einer aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammenden runden Holz- tafel mit 104 Geschlechternamen im städtischen Mu- seum zu Füssen verzeichnet findet. Michael Härtung suchte allerdings seinen Namen.den Wälschen dadurch ^) Der Nanie wird irrtümlich auch als »Härtung« an- geführt. Harvle — Haut 201 mundgerechter zu machen, daß er sich Harten statt Härtung schrieb. Baron sagt von ihm : »Michael Här- tung Anno 1624 zu Padua. Dieser Härtung hat noch bey dem gantz jüngeren Leonhard Tieffenbrucker, welcher auch gar feine Arbeit gemacht, welche fast mit der Vendelino Tieffenbruckers übereinkommt, zu Venedig gelernet.« — Eine Laute und eine Theorbe von ihm sind im germanischen Museum zu Nürnberg (44). Geigenzettel : Padove Michielle (Hart)on (gedruckt). — MjH / In Padova / Michielle Harten 160(2?) (gedr.). Harvie, Robert, ein geschickter Dilettant, der 1848 in BerwIck-on-Tweed lebte Haslwanter, Johann. — München. Geb. 11. Febr. 1824 zu Krlnn b. Mittenwald, t 4. Sept. 1884 In München Pflegesohn und Schüler von Ignaz Simon. Er be- gründete 1851 seine noch bestehende Firma und ver- legte sich fast ausschließlich auf die Herstellung von Zithern. Eine Mandolinenzither von ihm besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Sein Sohn Johann Otto H. ist sein Nachfolger. Hass, Hieronymus Albrecht. — Hamburg. 1743. 1785 Vater und Sohn J. A. Hass (Hasse). Daß sie auch Lauten u. dgl. gebaut haben, ist wahrschemlich, doch waren sie nur als Klaviermacher berühmt. Ein im Rokokostil reichverziertes Klavizimbel mit zwei Manualen und vielen Registern besitzt das Kopen- hagener musikhistorische Museum. Hassert (Hasert), J. C. — Eisenach(?). 1728 Der Stammvater der Familie. Auf dem Zettel seines Sohnes Johann Georg, der mir vorlag, war sein Wohn- ort unleserlich. Eine von ihm im Jahre 1728 gebaute Violine führt das 1773 aufgestellte Inventar der da- maligen Cöthener Hofkapelle auf. Hier werden die Vornamen J. C. angegeben, leider aber nicht der Wohn- ort. Diesen nennt jedoch J. Ph. Eisel in seinem 1738 erschienenen Musicus avroÖi(i(ty.To^, indem er unter den besten Gamben diejenigen '>Haserts aus Eisenach« hervorhebt. Hassert (Hasert), Johann Christian. — Rudol- stadt. Geb. I.Mal 1759 zu Rudolstadt, t daselbst 3. Mal 1823 Sohn des Johann Georg Christian H. (»Fürstl. Musi- cal.-Hoff- und Feldtrompeters«). Auch er ward fürstl. Hoftrompeter und war einer der bekanntesten Geigen- macher seiner Zeit. Er ahmte die hohe Wölbung Stainers nach und verarbeitete gutes Holz, doch haben seine Geigen nur einen kleinen, spitzen Ton. Hassert (Hasert), Johannes Georg Christian. — Elsenach, Rudolstadt. 1746. 1775 Er lebte ursprünglich in Eisenach und kam später als Hoftrompeter nach Rudolstadt. Er war ein tüchtiger Meister, der nach italienischen Vorbildern arbeitete. Im Selhofschen Versteigerungsverzeichnis (1759) kommt eine Geige von ihm mit der jedenfalls falsch ge- lesenen Jahreszahl 1716 (es wird 1746 heißen sollen) vor. Otto hält ihn für einen Bruder von Joh. Christ. H., und nach Ottos Vorgang wird er in vielen Büchern auch jetzt noch dafür ausgegeben. Auf einem leider verletzten geschriebenen Zettel liest man : .... aserti filius / .... (unleserlich) / Johann Georgius Hasertius / Rudol- stadtensis Anno 1750. Eine Tenorviole von ihm vom Jahre 1 753 besitzt C. van Raalte. Geigenzettel: Hassert / Eisenach 1772. (gedruckt). — (-}- J. H. im Kreis, Johannes Hasert Isenacensis, / Faciebat Anno 1775 (gedruckt). Haudek, Carl. — Wien. Geb. In Wien 21 . Okt. 1862, t 14.Juh 1919 Schüler von C. H. Voigt. Als Gehilfe kam er zu Lem- böck, wurde Geschäftsführer und 1892 durch Kauf Nachfolger der Firma G. Lemböck. Er besaß mehrere Ausstellungsmedaillen und war Mitglied der Aus- stellungskommission für Paris 1900, Kommerzialrat der niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer und seit 1910 auch handelsgerichtlich beeideter Schätz- meister. Von ihm sind einige sehr gute Geigen und Violoncelli bekannt, auch war er ein vielbeschäftigter Reparateur. Geigenzettel: Abb. 331. Haughton, C, australischer Gitarren- und Banjomacher, der 1888 In Melbourne (Carl- ton) lebte Hauser, Antonl. — Reutte a. Lech. Geb. 1 726, t 5. März 1806 In Reutte (nach Dr. Waldner) Zur Vilser Schule gehörig. Ein kleines Violoncello von ihm besitzt das Ferdinandeum in Innsbruck. Geigenzettel : Antoni Hauser Lauten- / macher i. Reuti. A. 1 794. (geschrieben). Hauslelb (Hauslleb). Lorenz. — Nürnberg. 1598 Er war Bürger von Nürnberg und wurde vom Kur- fürsten Friedrich IV. von der Pfalz laut einer Urkunde vom 3. Juli 1598 in Dienst als Instrumentenmacher und Stimmer genommen. Er mußte nach Erfordern, mindestens aber zweimal jährlich, im kurfürst- lichen Hoflager erscheinen, um alle Instrumente — auch die Orgeln — instand zu setzen, wofür er 50 fl. Gehalt bezog. Seine Bestallung ist eingetragen im Pfälzer Kopialbuch 860 (Großherzogl. Bad. Geh. Landesarchiv). Hauszer, Gustav. — Budapest, Zombor, Nagy- varad (Großwardein). 1888 Ein Blasinstrumentenmacher, der sich auch hier und da mit Geigen beschäftigt. Haut, Gottfried. — Lodz. 1840 Seiner .-Arbeit nach ein Dilettant ohne Fähigkeiten. Statt der Einlagen malte er grobe Linien an den Rand, die Schnecken schnitzte er flach und sehr unsauber. Geigenzettel: Gottfr. Haut / Lodz 1840 (geschrieben) 202 Hautstont — Heap Hautstont, Charles. — Brüssel. Geb. 1863 Schüler von N. J. Vuillaume. Er ist ein tüchtiger Geigenmacher und Kenner alter Geigen und war wiederholt für das Museum des Brüsseler Konser- vatoriums beschäftigt. Havas, Stephan (Istvan). — Budapest. Geb. 1872 Schüler von J. Brückner, auch als Bogenmacher ge- schätzt. Geigenzettel: Havas Istvan / mühangszerkeszitö / Budapest / Üllöi üt 1 6 B. (gedruckt). Havelka, Johann Baptist. — Linz a. D. 1741 . tum 1799 Er erlangte 1761, vielleicht als Nachfolger von Blasius Weigert, die Geigenmacher-Gerechtigkeit und das Bürgerrecht in Linz. Seine älteste Arbeit trägt die Jahreszahl 1756 und war in der Wiener Musik- und Theaterausstellung zu sehen. Er gebrauchte auf semen Zetteln bald nur den Taufnamen Johann (Joannes), zuletzt ausschließlich Johann Baptist. Seine Arbeit ist sorgfältig und steht zwischen der Wiener und Prager Schule; dem Namen nach muß er ein geborener Böhme gewesen sein^). Im Jahre 1799 wurde Meinrad Frank sein Nachfolger, er dürfte daher anfangs 1 799 gestorben sein. Eine gute Violine von ihm von 1783 besitzt das Stift St. Florian in Oberösterreich, eine andere, gleich- falls sehr sauber gearbeitete Violine aus dem Jahre 1 793 besaß Gh. Mahillon in Brüssel, eine Viertelvioline (von 1766) die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Geigenzettel: Abb. 322 und 346. Havelka, Simon Johannes. — Linz a. D. 1 763. 1774 Vermutlich ein Bruder von Johann Bapt. H. und m seiner sorgfältigen, sauberen Arbeit diesem ähnlich. Eine Violine, eine Viola und ein Violoncello von ihm aus den Jahren 1 763, 1 766 und 1 774 besitzt das Stift St. Florian in Oberösterreich. Geigenzettel: Simon Joannes Havelka / fecit Lincii, 1 763 (gedruckt). Havemann, Carl Friedrich. — Klingenthal. 1750. 1785 Sohn von David Christ. H. und, wie dieser, auch musi- kalisch gebildet. Havemann, David Christian. — Klingenthal. 1722. 1730 Seinem Zettel nach war er schon 1722 Organist; als Meister erscheint er in den Innungsbüchern jedoch erst 1730. Geigenzettel: David Christian Havemann / Organist und Violinmacher in / Klingenthal 1722 (gedruckt). ') Auf manchen seiner Zettel findet sich dasselbe Em- blem wie bei Hulinzky. Havemann, Friedrich Wilhelm. — Klingen- thal. 1761 Sohn von Carl Frledr. H. — Der unbekannteste der Familie. Hawes, William. — Northampton. 1912 Er gilt als guter Reparateur und soll als Tonverbesserer Erfolge erzielt haben. Hawkes & Son. — London Eine 1855 begründete Musikinstrumentenhandlung, die seit 1890 in ihrer Werkstatt auch drei Geigenmacher mit dem Neubau von Violinen beschäftigt, die als »Konzert-Violinen* usw. in den Handel kommen. Hawkins, J. J. — London? 1800 Erfinder einer Geige ohne Zargen und Boden, auf die er 1800 in England ein Patent nahm. Hawliczek (Havlicek), Friedrich. — Wien, tum 1906 Er begründete 1878 sein Geschäft und war der Nach- folger von Fr. Charwath. Er soll hauptsächlich in Schönbach vorgearbeitete Geigen fertig gemacht und kleine Reparaturen ausgeführt haben. Sein Geschäft wird von seinem Neffen fortgeführt. Hawraneck, Otto. — Markneukirchen. Geb. 16. Mai 1866 Ein Geigenmacher böhmischer Abstammung, der für den Handel arbeitete und selbst Handel trieb, aber schon vor 1900 von Markneukirchen fortgezogen ist. Haxby (Hardy?), Thomas. — York. 1770 Ein wenig bekannter Meister, von dem auf der Lon- doner Music Loan Exhibition 1904 eine Zither aus dem Besitze von A. F. Hill ausgestellt war. Haynes, Jacob. — London. 1746 Er baute nach dem Stainermodell und nach Barret, hat aber nichts Hervorragendes geschaffen. Haynes, W. S. — London. 1854. 1902 Englische Geigenfirma der Gegenwart (Haynes & Co., Lim.)^), Großhandlung mit Musikinstrumenten. Die Firma stellt Geigen zu verschiedenen Preisen her und gibt ihnen besondere Namen, so: »Bienfait«, »Hidalgo«, »El Tesoro«, »Stradella«, »Ruggielli«, »Anton Kessel«, »Herm. Schlosser«, »Vosgien«, »Carrodus« und »Haynes« usw. Heap, John Knowles. — Leeds. 1851 Stellte 1851 ein Violoncello aus, das nach einem an- geblich auf mechanischer und mathematischer Basis ruhenden, ganz neuen Prinzipe gebaut war, und das nach seiner Behauptung auch nicht einen mangelhaften Ton in seiner ganzen Skala hatte. ^) Früher: Haynes, Foucher & Co. Heaps — Heberlein 203 Heaps, Alfred Walter. - Sidney, N. S. W. Geb. 1854 Er gilt in Australien als guter Geigenmaclier und soll auch einen schönen OUack verarbeiten. Heath, S. F., lebte im 19. Jahrhundert in Bir- mingham Heaton, William. — Gomersal. Geb. 1827. 1899 Englischer Geigenmacher, der ursprünglich wie sein Vater und Großvater Kunsttischler war. Schon in seinem 15. Jahre versuchte er ein Violoncello zu bauen, aber erst um 1872 machte er den Geigenbau zu seinem Bemfe, und da er mit Geschick und großer Sorgfalt arbeitete und sich als feiner Holzkenner bewährte, fand er bald die Anerkennung musikverständiger Leute. Seine Geigen sind in den Umrissen nach Stradivan, in der Wölbung nach Maggini gebaut. Geigenzettel: William Heaton / Maker. / Hill, Top, Gomersal ' Nr. . . . Leeds (gedruckt). Heber, Carl Wilhelm. — (Mark) Neukirchen. Geb. um 1712. 1740 Er ward am 20. März 1 734 Meister und arbeitete nach den üblichen Vogtländer Modellen. Er liebte eine flache Wölbung und niedrige Zargen. Auf seinen Zetteln fehlt entweder der Wohnort, oder es ist Absam (Absom) da- für angegeben. In einer seiner Geigen fand Aug. Diehl einen zweiten Zettel mit den Versen : Viel falsches nachgemacht Sich da und dort schleicht ein, Drum sieh mein Petschaft an Willst nicht betrogen seyn. Geigenzettel : Carl Wilhelm Heber / Lauten & Violin- macher fecit 17 . . (gedruckt). — Carl Wilhelm Heber, setv (sie) / Jacobs Stainer in Absam prope / Oenipun- tum Ao 1758 (gedruckt). Heber. — Stettin. Um 1860 Ein Stettiner Theatermusiker, der sich mit dem Geigen- bau beschäftigte und einige neue Geigen gemacht haben soll. Heberl (Heberle) s. Tomaso Eberle Heberlein, Albert August jun. — Mark- neukirchen 1921 Geigenbaumeister, dessen Violinen und Violoncelli gelobt werden. Heberlein, Albert Theodor. — Markneu- kirchen. Geb. 1880 Zweiter Sohn und Schüler von Heinrich Th. H. jun. Ein tüchtiger Geigenmacher, der im väterlichen Ge- schäfte tätig ist. Heberlein, Carl August. — Markneukirchen. Geb. 9. Juli 1805, t2 I.März 1879 Schüler seines Vaters Johann Gottlob H. und dann des Dresdener Hofinstrumentenmachers Aug. Fritzsche. Er begründete 1835 sein heute noch unter der Firma seines Sohnes Heinrich Th. H. jun. fortbestehendes Geschäft und machte außer Geigen auch vorzügliche Gitarren und Lauten, verlegte aber sich in den letzten Jahren ausschließlich auf das Geigenmachen. Heberlein, Chr. August (gen. »Spohr<<). — Markneukirchen. Geb. 1814, f 1894 Er war "Baßmacher« von Beruf und hat daher wohl nur sehr wenige Violinen aus Liebhaberei gemacht; es erklärt sich dadurch auch, daß diese keinen eigentlichen Kunstwert haben. Seinen Beinamen verdankt er dem Umstände, daß er einen Kinnteller erfunden hatte, den er »Spohr« benannte. Die Markneukirchener nannten ihn von da an selbst kurzweg den >>Spohr«. Heberlein, Christoph. — (Mark) Neukirchen. Geb. 1690, t 1761 Er klebte selten einen Zettel in seine Geigen, die nur gute Durchschnittswaren genannt werden können. Er starb im Alter von 71 Jahren, weniger 1 Monat und 5 Tage. Heberlein, Ernst Heinrich. — Markneukirchen Geb. 26.JuH 1814, t lO.Juh 1894 Sohn und Schüler von Joh. Gottlob H. In seiner Jugend baute er einige Geigen, später verlegte er sich jedoch ganz auf das Gi'arrenmachen und erlangte dann einen gewissen Ruf. Nach einer Pnvatmitteilung soll er auch den Beinamen »Spohr« geführt haben (oder nur er?), »da er lange Zeit der einzige Violoncellospieler in Mark- neukirchen war«. (Die Begründung des Beinamens erscheint mir dadurch allerdings nicht sehr stichhaltig.) Heberlein, Ernst Julius. — Markneukirchen. Geb. 22. Dez. 1865 Er gilt als geschickt, ist aber noch wenig hervorgetreten. Heberlein, Fritz. — Markneukirchen Er bestand im Jahre 1920 die Meisterprüfung als Geigenmacher. Heberlein, H. — Königsberg. 1895 Ein Markneukirchener, der einige Zeit in Königsberg ansässig war, nicht zu verwechseln mit dem Violoncello- virtuosen Hermann Heberlein, der jetzt in Amerika lebt. Heberlein, Heinrich Richard. — Markneu- kirchen. Geb. 31. März 1847 Er war Baßmacher. Heberlein, Heinrich Theodor jun. — Mark- neukirchen. Geb. 5. Nov. 1843, f 1910 Schüler seines Vaters Carl August H., ging von 1861 bis 1863 zu Riechers und machte sich 1863 in seinem Geburtsorte selbständig. Er gehörte zu den besten Geigenmachern Markneukirchens seiner Zeit und be- zeichnete seine von ihm selbst gemachten Instrumente im Gegensatz zu vielen vogtländischen Berufsgenossen, die die »Zettel nach dem Modell einkleben«, stets mit seinem Namen. Schon 1873 wurden seine Arbeiten 204 Heberlein — Heesom denen des Franzosen Thibouville gleichgestellt. Er imitierte die alten Meister, sowohl was Sauberkeit der Arbeit als auch was den Ton anbelangt. Er besaß sieben erste Ausstellungspreise und den Albrechtsorden. Er hielt auf die Ehre seiner Kunst und hat auch als Lehrer der Fachschule für Instrumentenbau verdienstvoll ge- wirkt. Sein Geschäft wird von seinen Söhnen fort- gesetzt. Geigenzettel: Abb. 337 und 345. Heberlein, Johann Gottlob. — Markneu- kirchen. Geb. H.August 1782, t 2. Mai 1856 Schüler von Joh. Gottlob Schönfelder. Da er selbst ein tüchtiger Geiger war, arbeitete er mit Eifer darauf hm, einen guten Ton zu erzielen, und machte auch manchen interessanten Versuch. So stallte er 1813 mit Hilfe des Blasinstrumentenmachers Dürrschmidt eine Geige aus Messing her usw. Geigenzettel: Johann Gottlob Heberlein / Violin macher et Musicus / in Neukirchen 1816 (gedruckt). — Johann Gottlob Heberlein / Geigenmacher und Musi- cus in Neukirchen (gedruckt) und Abb. 355. Heberlein, Julius. — Markneukirchen Lebt als Streichinstrumentenmacher in seinem Hei- matsorte. Heberlein, Paul. — Markneukirchen. Geb. 15. Mai 1872 Er lernte bei seinem Vater Heinrich Th. H. jun., war dann durch drei Jahre der letzte Schüler von August Riechers in Berlin und hat nach dessen Tode auch das Geschäft bis zur Auflösung desselben geführt. Er ist ein tüchtiger Meister und im väterlichen Geschäft tätig. Heberlein, Reichard. — Markneukirchen. Geb. 1871, t 1895 Er war kurze Zeit in der Geigenmacherlehre, wurde aber Kaufmann. Heberlein, Richard. — Nürnberg. Geb. 1862 in Markneukirchen Schüler von Adolph Hammig, bei dem er von 1876 an drei Jahre lernte. Er arbeitete darauf bei Gustav Roth und Albin Vogt und später bei Liebich in Breslau. Nach Beendigung seiner Militärzeit kam er zu Ludwig Glaesel und Heinrich Theod. Heberlein. Von da ging er nach Berlin, nach Rußland und war Werkführer bei Altrichter in Frankfurt a. 0. Zuletzt kam er nach Nürn- berg, richtete das Weidingersche Geschäft ein und blieb fünf Jahre da. 1894 eröffnete er seine eigene Werkstatt und machte sich einen Namen als tüchtiger Geigen- macher. Hec, Giovanni. — Rom. 1606 Ein m Rom ansässiger vlämischer Lautenmacher, der 1606 als Zeuge urkundlich erwähnt wird. Er war viel- leicht der Eigentümer der unter der Firma »ä la Trinitä« bestehenden und schon 1 590 in Rom erwähnten Lauten- macherwerkstatt und dürfte richtig Hecke (van Hecke oder Eecke geheißen haben ; wahrscheinlich ist er identisch mit Giovanni Ecchio. — Ein Van Hecke (Vaneck) wird noch 1 773 als Erfinder einer zwölf saitigen Gitarre genannt. Hecha. — Cadix Ein Mandolinenmacher, der um die Mitte des 19. Jahr- hunderts in Cadix lebte, soll diesen vielleicht falsch übermittelten Namen geführt haben. Heck, August, hat sich als Geigenmacher in Baltimore niedergelassen Heckel, Friedr. August. — Markneukirchen. Geb. 11. Febr. 1840 in Adorf Er war eine Zeitlang in Markneukirchen ansässig und hauptsächlich für Händler tätig, scheint aber inzwischen gestorben oder wieder verzogen zu sein. Heckel, Heinrich Wilhelm. — Markneukirchen Geb. 13. Nov. 1856, t 26. Dez. 1894 Die wenigen Geigen, die seinen Zettel tragen, sind in der Hauptsache zusammengesetzt aus den einzelnen Bestandteilen, die von Facharbeitern hergestellt wurden. Heckel, Rudolf. — Dresden. Geb. 1857 in Markneukirchen Schüler von Ludwig Gläsel. Nach beendigter Lehrzeit kam er zu Adolf Paulus (Firma Otto Bausch) und von da zu Ernst Liebich, bei dem er etwa fünf Jahre lang blieb. Nachdem er dann noch längere Zeit bei August Riechers gearbeitet hatte, ging er nach Dresden, wo er sich im Jahre 1884 selbständig machte. Er fertigt ge- treue Kopien nach alten Meistern; arbeitet haupt- sächlich nach Stradivari und verwendet einen selbst- bereiteten Ollack. Er erwarb sich bereits mehrfache .'\uszeichnungen. — Eine aus Wilhelmjs Besitz stam- mende Violine ging in den Besitz P. de Wits über. Geigenzettel : Abb. 356. Heel, Martino. — Genua. 1697. 1706 Dem Namen nach ein Deutscher. Da der Familien- name Heel in Füssen heimisch ist, liegt es nahe, auch diesen Deutsch-Italiener für einen Füssener Meister zu halten. Sein Modell ist hochgewölbt, sein Lack rot- braungelb und von gutem Glanz. .Seine Böden zeigen gewöhnlich das Holz nach der Schwarte geschnitten, die Decken sind dreiteilig, haben also zwei Fugen. Die Schnecke ist plump und erinnert in den Umrissen an Maggini. Von ihm besitzt das Museum des Pariser Konservatoriums eine hübsche Viola, ein Violoncello befindet sich in Freiburg i. Br. Gelgenzettel : Mardino Heel in / Genova. 1 697. (gedr.). Heesom, Edward. — London. 1748. 1750 Geigen von ihm kommen nur selten vor; sie sind leid- lich gut und, wie fast alle zeitgenössischen englischen Arbeiten, dem Stainermodell nachgeahmt. Geigenzettel : Edward Heesom Londini fecit 1 749 (ge- druckt). Hegner — Heinel 205 Hegner, Franz. — Krems. Geb. 1818 (wahr- scheinlich in Sandau), f um 1865 Ältester Sohn und Schüler von Franz Jos. Hegner. Nach dem frühzeitigen Tode seines Vaters setzte er mit der Mutter zunächst das väterliche Geschäft fort und machte sich im Jahre 1845 selbständig, indem er beim Bürgermeisteramt die Ausübung der freien Beschäfti- gung der Geigenmacherei anmeldete. Er scheint eifrig auf die Brautschau ausgegangen zu sein, es sind zwei Gesuche von 1845 erhalten, in denen er um die Ehe- bewilligung einkommt, jedesmal mit einer anderen Braut, aber keine von beiden hat er wirklich geheiratet, sondern erst 1853 die Anna Maria Alpers aus Stein, die freilich schon 1856 starb. Er wohnte Haus Nr. 84 und kam seinem Vater in keiner Beziehung gleich. Seine wenigen Geigen sind formlos und handwerksmäßig ge- arbeitet. Er war hauptsächlich Reparateur. Hegner (Hägner), Franz Josef. — Sandau, Krems. Geb. um 1797 in Sandau (Böhmen), f 27. Juni 1837 in Krems Er muß frühzeitig nach Krems gekommen sein, da Geigen mit seinem Zettel schon 1824 aus dieser Stadt datiert vorhanden sind. In den Akten des Gemeinde- archivs ist er allerdings erst seit 1828 nachweisbar, in welchem Jahre er sich beim Kreisamte beschwerte, daß ihm von den Städten Krems und Stein die Befugnis zur Ausübung des Saitenmachergewerbes verweigert wurde. Von da an wird er in den Matrikeln stets als »Saiten- macher« bezeichnet^), obwohl er hauptsächlich Gei- genmacher war. In den damaligen Zunftverhältnissen wird die Ursache dafür zu suchen sein, daß er sich nicht in seinem eigentlichen Berufe anmeldete. Er war mit Marie Josefa Fischer aus Sandau verheiratet und brachte es trotz seiner Geschicklichkeit sein Leben lang zu keinem Wohlstand. Schon m Sandau hatte er mit Schwierigkelten zu kämpfen, so daß diese Stadt noch im Jahre 1830 alte Erwerbssteuerrückstände bei ihm eintreiben ließ. Erst 42 Jahre alt starb er an Lun- genschwindsucht. Seine Geigen sind gut gearbeitet und erinnern manchmal an die Art Kuliks, doch der Lack läßt zu wünschen übrig. Er wohnte Haus Nr. 190. Von seinen Söhnen wurde nur einer Geigenmacher, ein anderer studierte. Geigenzettel: Franz Hegner, me fecit / Cremsii 1824. (gedruckt). Heidegger, Eduard. — Passau, Lmz a. D. Geb. 1851 Schüler seines Stiefvaters Johann Hornsteiner in Passau, ging dann zu Neuner nach Mittenwald und besuchte die dortige Geigenmacherschule unter Kofier, arbeitete als Gehilfe in Wien und Pest und machte sich zuerst mit seinem Bruder Georg II H. ii Passau selbständig. An- fangs 1873 ließ er sich in Linz nieder, wo er eine Saiteninstrumentenfabrik und Saitenmacherei be- gründete. Er verlegte sich hauptsächlich auf das Zither- machen und besitzt dafür etwa 37 Ausstellungs- medaiUen. ^) Nur im Verehelichungsschem seines Sohnes heißt er »gewesener Instrumentenmacher«. Heidegger, Georg I. — Passau. Geb. 22. Juli 1815, t 16. März 1859 Der Vater von Eduard und Albert Heidegger. Er lernte in Adorf und begründete in seiner Vaterstadt seine Werkstatt als Zithermacher. Nach seinem Tode setzte die Witwe das Geschäft fort, das auf die Söhne Albert (f 1879) und Georg II (f 1889) überging, nachdem sie Johann Hornsteiner geheiratet hatte. Einer gewissen Beliebtheit erfreute sich der von Heidegger nach Prof. A. Schmids Angaben gebaute Resonanztisch für die Elegiezither mit drei Böden und mitschwingenden Saiten, der »Aliquodium* genannt wurde. Eine Schlag- zither von ihm bewahrt W. Heyers musikhistorisches Museum in Köln. Gelgenzettel: Georg Heidegger / Musik-Instru- mentenmacher in Passau / Repar. 1857 (gedruckt). Heil, Johann, lebt in Crefeld und hat das Geigenmachen hauptsächlich durch eigenes Studmm erlernt Heim, Michael. — Wien. 1696. 1713 Geigen und Lauten von ihm kommen nicht gerade selten vor, trotzdem fand sich nichts Urkundliches über ihn. Er dürfte jedoch, wie so viele Wiener Laulen- macher, seinen Ausgang aus Füssen genommen haben, wo der Name Heim mehrfach vorkommt. Seine Arbeit ist gut, wenn auch ohne besondere Vorzüge. Heims hieß ein um 1830 — 1840 in Amsterdam ansässiger Geigenmacher Sein Taufname dürfte Joseph gewesen sein. Er war nicht ungeschickt und galt als guter Lehrmeister. Hein, Martin. — Szekesfehervar (Stuhlweißen- burg), Ungarn. Geb. 17. Nov. 1870 in Nagy Maros Schüler von Schunda in Budapest von 1886^1890, arbeitete dann als Gehilfe bei Haudek und Theodor Gutermann in Wien und bei Aug. Setzer und er- hielt als Gehilfe auf der Millenniumsausstellung in Budapest einen zweiten Preis. Im Jahre 1901 machte er sich in Stuhlweißenburg selbständig. Er macht außer Geigen auch Czimbale und handelt mit allen Musik- instrumenten, auch besitzt er mehrere Ausstellungs- medaillen. Geigenzettel: Javi'totta Hein Märton / Mü hegedü keszitö / Szekesfehervar. (geschrieben). — lavitotta Hein Märton / hangszer keszitö Szekesfehervärott 19.. (gedruckt). Heinel. — Markneukirchen Als Geigenmacher sind tätig: Heinel, Friedrich Ludwig. — Geb. 19. Jan. 1873 Heinel, Oskar Bernhard. — Markneukirchen. Geb. 7.JuH 1871 (nicht 1874) Schüler von Hans Jaeger in Markneukirchen, arbeitete von 1888 — 1891 in Dresden und Hamburg als Gehilfe, 206 H. einel Hei wo er Gelegenheit hatte, seine Ausbildung allseitig zu vervollkommnen. Im Oktober 1893 machte er sich in Markneukirchen selbständig und verfertigt recht sorg- fältig durchgeführte Violinen, Violen und Violoncelli nach Stradivari, Guarneri, Amati und Maggini; er ist sehr geschickt in der genauen Nachahmung alter Mei- sterwerke, verwendet sowohl Spintus- als auch emen selbst zubereiteten feinen Ollack und ist ein sehr ge- suchter Reparateur. Als Zettel klebt er den Abdruck seines Stempels ein. Geigenzettel: Oskar Bernhard Heinel / Streichinstru- mentenfabrikation / und / Reparaturwerkstatt / Mark- neukirchen 1. Sa. (Stempel). Heinel, Otto AdoH. - Geb. 27. Juni 1868 Heini, Franz Xaver, — Kempten. 1826 Sein Name findet sich in sehr gewöhnlich gearbeiteten Violinen (ohne Einlage) mit dürftigem Lack und un- schönem Holz. Geigenzettel : Xaver Hemi in der / Neustadt Kempten / 1826 (gedruckt). Heinicke, Mathias. — Wildstem b. Eger. Geb- 1871 in Maria Kulm (Böhmen) Schüler von E. Reinhold Schmidt in Markneukirchen, arbeitete längere Zeit in Berlin und Budapest und ging dann zu seiner weiteren Ausbildung nach Italien, wo er hauptsächlich bei Degani blieb und viel gelernt hat. Im Jahre 1897 machte er sich in Wildstem selbständig; jetzt gehört er zweifellos zu den geschicktesten Geigen- machern Nordböhmens und besitzt eine Anzahl erster Ausstellungspreise usw. Er baut nach italienischen und eigenen Modellen, letztere zwischen Stradivari und Amati liegend (über Form) und zeichnet sich auch durch außergewöhnlich treue Kopien bestimmter be- rühmter Geigen aus. Er verarbeitet vorzügliches, mehr- hundertjähriges Tonholz, das er sich aus alten Kirchen usw. zu verschaffen gewußt hat, und verwendet Spiri- tus- und Ollack, wobei er namentlich die Farbe des Lacks italienischer Meister sehr gut trifft. Sein Bruder Josef wurde sein Schüler und hat sich gleichfalls zu einem tüchtigen Geigenmacher entwickelt. Geigenzettel: Mathias Heinicke Geigenbauer / Wild- stein b. Eger 19 Bohemia (gedruckt). Heinke, A., war 1895 vorübergehend in Stettin ansässig Heinl, Johann. — Schnecken b. Fleissen. Geb. in Fleissen 1868 Schüler von .August Bernhardt; war nach beendigter Lehrzeit von 1885 — 1890 in der Fabrik von Reinhold Schmidt tätig und machte sich 1890 in Schnecken bei Fleissen selbständig, wo er jetzt Geigen und Violoncelli nach den bekannten italienischen Modellen macht. Er verwendet gelbbraunen Spintus- und Ollack. In seine Instrumente klebt er die Zettel der Meister, deren Modelle er nachahmt. — • Ein Josef Heini lebt in Watzkenreuth b. Fleissen als Geigenmacher. Heinle, J. — Paris. 1761 Vermutlich ein Deutscher, der vorübergehend in Paris lebte. Es soll bisher nur eine einzige Geige von ihm be- kannt sein. Heinrich, Andreas. — Schönbach b. Eger Geb. in Schönbach (Stadt) 1858 Sohn von Vinz. Heinrich und Schüler von Anton Pötzl. Er arbeitete von 1873—1875 in Markneukirchen, 1875 in Leipzig und an andern Orten, ging 1876 nach Wien und dann nach Budapest, kehrte nach Wien zurück und war zuletzt in Breslau tätig, bis er sich 1 881 in Schönbach selbständig machte. Er gilt als einer der besten Repa- rateure in seiner Vaterstadt. Seine Geigen und Violon- celli sind nach italienischen Meistern kopiert und mit weichem, sattem Spiritus- und Ollack überzogen. Für Händler klebt er den Zettel des Modells m die Geigen, für besondere Kundschaften den eigenen Zettel. Er wurde auf Ausstellungen mehrfach ausgezeichnet. Heinrich, Johann s. Meiß Heinrich, Vinzenz. — Schönbach b. Eger. Geb. 1825, t 1871 Er war als Geigenmacher nicht ungeschickt, da er aber fast nur für Händler arbeitete und seine Geigen aus gelieferten Bestandteilen zusammensetzte, klebte er in der Regel keine Zettel ein. Heinrichs, Otto. — Berlin. 1895. 1898 Erfinder der sog. Schoßvioline (einer Art Streich- zither), die er jedoch nicht selbst machte. Heinzmann, Josef. — Schönbach. 1851. 1859 Er hatte als Violoncello- und Geigenmacher seinerzeit einen gewissen Ruf, benutzte jedoch die Mitarbeit der sog. Korpus- und Halsmacher usw. Heisele (Aisselle, Eisele), Jakob. — Modena. 1614. 1629 Ein deutscher, in Modena ansässiger Geigen- und Lautenmacher, auf den zuerst Valdnghi aufmerksam machte (Nr. 1428), indem er aus der Chronik von Spaccini (vom 10. Okt. 1614) zitiert: »£ venuto moltidi sono un Tedesco habitare, che fa lauti e chittanni et simili instromenti, per excelentia« und einige urkund- liche Belege beibringt, aus denen u. a. hervorgeht, daß H. auch Bögen gemacht hat. Hei, Pierre-Joseph. — Lille. Geb. 8. Febr. 1842 in Mazirot b. Mirecourt, f M.März 1902 in Lille Nachdem er durch acht Jahre in Mirecourt das Geigen- machen erlernt hatte, kam er nach Paris zu Seb. Vuil- laume, den er zwei Jahre später verließ, um nach Aachen zu Darche zu gehen. Im Jahre 1865 eröffnete er seine eigene Werkstatt in Lille und machte es sich zur Auf- gabe, die großen italienischen Meister (hauptsächlich Stradivari, Guarneri, Amati und Maggini) in allen Teilen genau zu kopieren, wobei er auch auf den Lack besondere Sorgfalt verlegte, den er tatsächlich im Aus- sehen dem Cremoneser sehr nahe zu bringen verstand. Hei — Heiland 207 Seine Geigen sind, was Schönheit der Arbeit und des Tons anbelangt, tadellos, und so erhielt er auch auf allen von ihm beschickten Ausstellungen erste Preise und wurde wiederholt als Juror berufen. Er erfand u. a. einen Verlängerungsstachel für das Violoncell und eine recht brauchbare Wirbelbefestigung. Geigenzettel: Abb. 381. Hei, Pierre-Jean-Henry. — Lille. Geb. 15. März 1884 In Lille Sohn von Pierre-Joseph H., lernte bei Bazin in Mire- court und schloß seine Ausbildung bei seinem Vater ab, dessen Werkstatt er im Jahre 1902 übernahm. Er steht seinem Vater nicht nach und erhielt 1904 in St. Louis und 1906 in Mailand erste Preise für seine Geigen. Held, Georg. — Ellwangen. 1788 In den Ellwanger Kirchenbüchern kommt sein Name nicht vor. Nach einer unverbürgten Nachricht soll er Musiker und Tischler gewesen sein, der in der Kapelle des Propstes von Ellwangen beschäftigt war. Geigenzettel : Reparirt von Georg Held / in Elwangen 1 788 (geschrieben). Held, Johann Joseph. — Euskirchen, Beuel b. Bonn. Geb. 17. Juli 1823 in Flamersheim (Kr. Rheinbach), f 1904 Als Sohn eines Musikers war er auch zum Musiker be- stimmt. Mit zwölf Jahren bereits ein tüchtiger Flötist, sollte er von seinem dreizehnten Jahre an das Violin- spiel erlernen. Hierdurch erwachte sein Interesse für das Geigenmachen, und um einen Fehler seiner Geige zu verbessern, machte er die ersten Versuche in dieser Kunst. Er bildete sich allmählich autodidaktisch aus und wagte sich schließlich auch an den Neubau. Sein Brot verdiente er aber noch immer als Musiker. Nach seiner Verheiratung siedelte er nach Euskirchen über und eröffnete hier 1861 eine Musikinstrumentenhand- lung und Reparaturwerkstatt. Im Jahre 1862 lernte er den in Godesberg zur Kur weilenden Ole Bull kennen, für den er mehrere Reparaturen ausführte. Im Jahre 1878 kam Ole Bull wieder zu Held und blieb 14 Tage bei ihm als Gast, während welcher Zeit Held einen glücklichen Gedanken des großen Geigers praktisch durchführte, um Geigen einen auf allen Saiten gleich- mäßig ansprechenden Ton zu verschaffen. Die neuen Geigen gelangen so gut, daß Held von nun an dieser Methode, die in der schrägen Lage des Baßbalkens und der Stellung der Stimme besteht, treu blieb. Er erfand auch eine »Substanz zum Imprägnieren der Decke«, welche eine leichtere Ansprache bewirken soll. Sein Sohn zweiter Ehe wurde sein Nachfolger. Biographie und Bild in De Wits Zeitschrift 1893, Nr. 34. Geigenzettel: I. I. Held, Geigenmacher in / Beuel (gedruckt). Held, Johann Josef Michael. — Bonn, Köln. Geb. 14. April 1880 in Combahn (Kr. Bonn Land) Sohn und Schüler von J. J. Held, bei dem er auch als Gehilfe tätig war. Beim Tode seines Vaters übernahm er am 7. Dezember 1904 dessen Geschäft von seinen Stiefgeschwistern. Im Jahre 1908 siedelte er nach Köln über und erwarb sich bald Anerkennung und einen ausgedehnten Kundenkreis. Auf der Turiner Aus- stellung war er durch ein sehr gutes Quartett vertreten. Auch seine Reparaturen werden sehr gelobt. Heldahl, Anders. — Bergen. 1851. 1862 Er machte hübsche Hardangerviolinen mit reichver- ziertem Griffbrett, die in fast allen Museen zu finden sind, so auch im Museum des Konservatoriums in Brüssel (Nr. 242). Geigenzettel : Forfaerdiget af Anders Heldahl / Violin- mager, Bergen 1850 (gedruckt). Heldt, Niklas. — Rostock. 1599 Nach Koppmanns Beiträgen zur Geschichte der Stadt Rostock (Bd. IV, Heft 2, S. 110: Auszug aus dem Bürgerverzeichnis) hat am 15. September 1599 »Niclas Heldt, ein lutenmacher*, das Rostocker Bürgerrecht erworben. (Vgl. Helt.) Helfert, Andreas Martin. — Prag. 1659 Wenig bekannt. Andr. Ott beschwerte sich im Jahre 1659 über ihn bei der Hofkanzlei, da er nicht »aus- gelernt« habe. Hell, Ferdinand. — Wien. 1845. 1855 Ein vielseitiger Mann, der hauptsächlich Blasinstru- mentenmacher war und sich in allerlei Erfindungen versuchte, aber auch einige Geigen hergestellt hat, die trotz ihres nicht sehr gefälligen Äußern gut im Ton waren. Er machte u. a. auch Trompetengeigen, d. h. Instrumente, die sowohl als Geige wie als Trompete zu benutzen sind. Solche hat es übrigens schon im 18. Jahrhundert gegeben, waren also nicht seine Er- findung. Geigenzettel : Ferdinand Hell / Instrumenten-Fabrik / in Wienn anno 1845 (gedruckt). Hell, Franz. — Elmshorn. Geb. 26. Mai 1896 in Elmshorn Sohn des Instrumentenmachers Adolf H., Schüler von Ernst Reinhold Schmidt in Markneukirchen, bei dem er auch noch als Gehilfe tätig war. Seine Meister- prüfung bestand er in Markneukirchen. Nachdem er den Krieg mitgemacht hatte, ging er im Jahre 1919 nach Norwegen und 1921 nach Amerika (Chicago) und hat sich hier wie dort als besonders tüchtiger Künstler bewiesen. Hell. Z. H. Ferd. — Brunn. 19. Jahrhundert Hauptsächlich als Gitarrenmacher bekannt. Geigenzettel: Nach dem Modell / des Luigi Legnani / Z. H. Ferd. Hell / in Brunn N» 294 (gedruckt). Heiland, Eirik Jonson. — Bo (Telemarken). Geb. 1816, t 1868 Norwegischer Geigenmacher, der hauptsächlich die sogenannte »Telemarksfelen« machte. Er war Schüler seines Vaters Jon Heiland, der das Geigenmachen je- doch nur in seinen Mußestunden betrieb. Er ver- 208 Heiland — Hellmer wendete einen gelbbraunen Lack und arbeitete sebr sauber. Besondere Sorgfalt legte er auf die äußere Ausstattung seiner Fiedeln ; Griffbrett und Saitenhalter sind oft mit gravierten Beineinlagen versehen, der Rand mit Ebenholz und Perlmutter verziert und Decke, Boden und Zargen mit schwarz aufgezeichneten, teil- weise vergoldeten Ornamenten geschmückt. Der für 8 Wirbel eingerichtete Wirbelkasten trägt gewöhnlich ein vergoldetes Löwenköpfchen mit Krone. Geigenzettel : Giordt af / Erick Jonßen Heiland / Ao 1857 (geschrieben). Heiland, Gunnar Olavson. — Bo. Geb. in Haugen, Bo 1852 Schüler von Knut Eirikson Heiland in Bö, bei dem er vier Jahre lang gelernt hat. 1871 übernahm er nach dem Tode seines Schwagers das Geschäft seines Schwie- gervaters Erik Jonson Heiland. Einer der besten Ver- fertiger der sogenannten Hardanger- oder hier richtiger Telemarksviolinen mit vier Ober- und vier Untersaiten (ähnlich der Viola d'amore). Er arbeitete nach eigenem Modell, an dem besonders die geschnitzten Schalllöcher und das mit Perlmutter fein ausgelegte Griffbrett auf- fallen. Seine auf Ausstellungen viel bewunderten Arbeiten sind mehrfach durch Medaillen ausgezeichnet worden. Als Lack wendet er gewöhnliche Politur an. Auf der ursprünglichen Grundlage der Hardangergei- gen brachte er manche wertvolle Verbesserungen an. Geigenzettel: Gunnar Heiland / Violinmager / Bo i Telemarken (gedruckt, mit Datum und Ausstellungs- medaillen). Heiland, Knut Erlkson. — Bo. Geb. 1851, t 1872 Schüler seines Vaters Erik J. Heiland, dessen Geschäft er 1868 übernahm. Ein zu Hoffnungen berechtigender Geigenmacher, der durch vorzeitigen Tod nicht zur vollen Ausreifung gekommen ist. Auch er machte hauptsächlich schöne, reichverzierte Hardangerviolinen. Geigenzettel: Fabrikert af Knudt Erikson Heiland / 1870 (gedruckt). Helldobler, Georg und Ferdinand . — Münche n 1850 Außer Harfen sollen die beiden, Vater und Sohn, auch Zithern und Gitarren gemacht haben. Eine Harfe von ihnen im Städtischen Museum zu Braunschweig trägt den Zettel: Gg. Helldobler pater et / Ferdinandus filius . . / Monachii 1850 (gedruckt). Hellebaut, Jean I. — ? 1504 Sohn von Adrian H. ; und Jean II, Enkel von Adrian H. Zwei Brabanter Meister, deren Namen urkundlich vor- kommen, über die aber nichts Näheres bekannt ist. (Vgl. Archives des Arts in Brüssel.) Heller, Ambrosius. — Füssen? Stuttgart? 1618. 1628 Nur als Verfertiger eines Klavichords bekannt, das 1626 bei der Stuttgarter Hof kapeile in Gebrauch war. Vor 1628 wird er auch als Orgelbauer bezeichnet. Da diese zu seiner Zeit gewöhnlich auch Lauten bauten, sei er hier erwähnt. Heller, Dr. Arnold. — Wien. 1910. 1921 Ein Arzt und tüchtiger Geiger, der, angeregt durch eine Schrift über das »Geheimnis des Stradivari« eifrige Studien über den Geigenbau betrieb und dann begann, selbst Geigen zu bauen, und zwar »nach mathematisch genauen Modellen«. Beim nachträglichen Vergleich mit dem Stradivarimodell stellte er fest, daß dieses mit dem seinen übereinstimmte, d. h. daß auch Stradivari ein mathematisch absolut korrektes Modell, aufgebaut nach dem musikalischen Intervall der großen Terz, also auf der Basis des Verhältnisses von 4 : 5 des größten Durch- messers des Oberteils zum größten Durchmesser des Unterteils unter Zugrundelegung einer Körpermensur von 19,5 cm, konstruiert habe. Er ist überzeugt, daß nach seinem Verfahren Geigen gebaut werden können, die im Ton den besten alten Meistern ebenbürtig sind, und daß gut gebaute, aber tonlose Geigen in wohl- klingende zu verwandeln sind. Heller, Jerg. — Füssen. 1634 Vielleicht verschrieben für Helmer (Hellmer). Er wurde am 3. Dezember 1634 als Meister in die Lautenmacher- zunft aufgenommen. Hellman, Jakob. - Engelholm. 1750. 1772 Wahrscheinlich Schüler und seit 1750 Schwiegersohn von Sören Mohte, in dessen Haus er sich 1751 selb- ständig machte. Frau Hilda Eklund in Stockholm be- sitzt ein Violoncello von ihm mit einem etwas un- beholfen geschnitzten Drachenkopf am Wirbelkasten. Geigenzettel: Engelholm: Anno 1765 / Jacob Hellman (geschrieben). Hellmann, Job. M. s. Helmer Hellmer, Johann Georg. — Prag. Geb. 1687 in Füssen? — nach Homolka in Waltenhofen (Ob.-Bayern) — , f 27. Jan. 1770 in Prag Er kam in jungen Jahren nach Prag, wo er ein Schüler von Thomas Edlinger wurde und es ebenfalls, wie sein Lehrer, zu Wohlstand brachte. Er erlangte 1724 das Bürgerrecht auf der Kleinseite und hatte ein eigenes Haus in der Neuhof gasse Nr. 458 (Novodvorska ul.). Er war zweimal verheiratet, in zweiter Ehe mit Maria Barbara Schmid, die er am 1 . Juli 1 738 geheiratet hat. Er arbeitete sowohl nach einem eigenen, schönen, hochgewölbten Modell als auch nach Klotz u. a. und kommt seinem Mitschüler J. U. Eberle sehr nahe. Seine Arbeit ist ungemein sauber nach der Form, das Holz meist vortrefflich und der Ton weich, edel und doch stark. Er verwendete einen rotbraunen Ollack mit gelbem Grundlack. Seine Instrumente hatten — wie die aller älteren Meister — einen zu schwachen Baß- balken. Da diesem Fehler von einem Reparateur leicht abgeholfen werden kann, klingen seine Geigen, gerade auf der G-Saite, unübertrefflich. Es ist bekannt, daß Beethoven eine von ihm gemachte Geige aus dem Jahre 1737 besaß. Eine 1753 von ihm reparierte Theorbe befindet sich in der Sammlung alter Musikinstrumente Hell mer Hell mia m in Wien. Auf dem Chor der Stiftskirche in Braunau (Böhmen) befindet sich von ihm eine Geige aus dem Jahre 1753. In Prag findet man eine Geige aus den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts von ihm im Bened. -Stift St. Margareth, bei den Kreuzherren eine dunkelbraune Violine von 1742 und ein Violoncello, in der Teinkirche eine Viohne von 1762 und m der Orgelschule eine Viola d'amore von 1748. Dr. med. Smoler in Olmütz besitzt von ihm eine Viola von 1733 und Dr. Wagner in Prag eine Violine von 1747. Eine Geige von 1751 besitzt Fürst Lobkowitz auf Raudnitz. Geigenzettel: Joannes Georgius Hellmer / Pragensis me fecit 1730 (gedruckt). — Joannes Georgius Hell- mer / me fecit Pragae 1770 (geschrieben). Hellmer, Joseph. — Füssen. 1606. 1612 Er wird wiederholt als Mitglied der Füssener Lauten- macherzunft aufgezählt. Hellmer, Karl Bor. Andreas. — Prag. Geb. 27. Juni 1764, f 4. Nov. 1803 Sohn von Karl Jos. H. und wohl auch dessen Schüler. Da er jung gestorben ist, kommen nur selten Arbeiten von ihm vor, und auch der gründlichste Kenner der böhmischen Schule, Ed. Em. Homolka, der diesen Sohn K. B. H.s gewissermaßen erst entdeckt hat, teilt in seinen biographischen Nachrichten über die Prager Geigenmacher nur seinen Reparaturzettel mit: Carl Helmer junior me / Reparavit Pragae 1 803 (gedruckt). Geigenzettel: Carolus Hellmer Junior ,' me fecit Pragae 1799 (gedruckt). Hellmer, Karl Joseph. — Prag. Geb. 1 . Nov. 1739 in Prag, f daselbst Im Oktober 1811 Nachfolger seines Vaters Job. Georg H. und Schüler von Joh. Ud. Eberle. Nach beendeter Lehrzeit arbeitete er lange in Deutschland und kehrte erst 1763 nach Prag zurück, wo er am 5. September Katharina Piestl (geb. 1742, t 1814) heiratete, die ihm sieben Söhne und sieben Töchter gebar. Am 31 . Mai 1 763 erlangte er das Bürgerrecht auf der Prager Kleinseite. Er wohnte bis 1803 im väterlichen Hause, von da an Nosticova ul. (Nostitzgasse) Nr. 466 und war von 1808—1810 Mit- vorsteher der Geigenmacherinnung. Er ertrank in der Moldau und wurde am 7. Oktober 181 1 am Smichow bei Prag als Leiche aufgefunden. Das sehr interessante gerichtliche Nachlaßinventar, bei dessen Aufnahme Kaspar Strnad, Joh. Stoß, Mich, und Franz Willer als Schätzer und als Zeugen mitwirkten, ist noch vor- handen. Seine Geigen, die denen seines Vaters ähnlich sind, nur flachere Wölbung und braunen Spirituslack haben, verkaufte er zu dem damals ansehnlichen Preise von 18—27 fl. Er war nicht nur ein berühmter Vir- tuose auf der Laute und der Mandoline, sondern auch Verleger musikalischer Werke böhmischer Kompo- nisten. Auf dem Chor der Braunauer Stiftskirche be- findet sich von ihm eine Geige von 1 769 und eine solche von 1796, im Städtischen Museum Carolino Augusteum in Salzburg zwei solche von 1771 und 1791 . Das Bene- diktinerstift St. Margareth bei Prag besitzt eine Violine von 1770 von ihm und die dortige Orgelschule eine V. Lü tge n tl () rf f , Geiffun- und I.ruittrmiachcr. Bil. II Viola von 1796, das Stift Ossegg zwei Lauten von 1777 (Kat. Nr. 18, Bd. 24) und die Gesellschaft der Musik- freunde in Wien eine Pandurina von 1798. Es gibt auch noch Mandolinen und Lauten von ihm und auch in seinem Nachlaß fanden sich zwei Lauten und eine neue Mandoline. Geigenzettel: Carolus Hellmer / me fecit Pragae 1804 (gedruckt). Carolus Josephus Hellmer / me fecit Pragae 1805 (gedruckt) und Abb, 327, 328. 350, 380. Hellmer (Hellmair), Magnus (Mang) 1. — Füssen. 1562. 1589 Er stammte aus Hörn (Gemeinde Schwangau), hei- ratete eine Füssener Bürgerstochter und erlangte da- durch im Jahre 1562 das Bürgerrecht. Er galt als ge- schickter Meister und war der Schwiegervater von Hans Purckholtzer. Fü ussen. 1606. Hellmer, Magnus (Mang) II. 1612 Vielleicht ein Sohn von Magnus I H. Er kommt 1606 als »jung Mang Hellmer« im Mitgliederverzeichnis der Füssener Zunft vor. Im Jahre 1612 geriet er mit seinen Zunftgenossen dadurch in einen Zwiespalt, daß er in Verbindung mit einem gewissen »Walthauser aus Mühl- heimb« einen schwunghaften Handel mit Eibenholz — angeblich nach England und der Türkei — trieb. Dieses Holz aber brauchten die Füssener Meister vor- züglich zu ihren Lautenspänen. (Kreisarchiv Neuburg a. D. H. 2384.) Er war nicht ungeschickt, seine Lauten sind denen der Greiff ähnlich. Eine Arbeit von ihm bewahrt das Darmstädter Museum (Nr. 494). Geigenzettel: Manngnus helmar in Füessen / ao 1609 me fecit (geschrieben). Hellmer, Mang (Magnus) Anton. — Augsburg. 1800. 1821 Wahrscheinlich aus Füssen nach Augsburg einge- wandert. Er scheint keine Zettel in seine Arbeiten ge- klebt zu haben, weshalb es bisher nicht gelang, etwas von ihm nachzuweisen. Er findet sich zuerst im Augs- burger Adreßkalender von 1802 (der vorhergehende erschien 1792) und zuletzt in dem von 1821 . Hellmer, Peter. — Füssen. 161 1 Er wurde am 10. Dezember 1611 als Meister in die Zunft aufgenommen. Eine Laute aus der Sammlung Christian Hammer in Stockholm, die 1893 in Köln . versteigert wurde, trug seinen Namen. Er könnte ein Sohn von Magnus I H. gewesen sein. Hellmlg, Carl. — Berlin. Geb. 20. April 1828 in Potsdam, f um 1866 1851 übernahm er C. Grimms (seines Schwiegervaters) Instrumentenhandlung und wurde nach dem Tode Grimms 1855, dessen Werkführer er schon war, auch dessen Geschäftsnachfolger. Er verfertigte schon seit 1844 Streichinstrumente, die sehr gesucht sind. In der Imitation alter Meister leistete er Vorzügliches. Lack und .Arbeit sind gleich gediegen. Weniger Wert hat seine Erfindung, den Baßbalken zu »fenstern". Wenn 14 210 Hellriegel — Hempel er bisher wenig bekannt geworden ist, so trägt daran der Umstand die Schuld, daß seine Arbeiten fast alle den Namen C. Grimm tragen. Auf der Wiener Welt- ausstellung 1873 gehörten seine Geigen, neben denen Zachs, zu den besten. Besonders gut war die Viola. Das Grimmsche Geschäft übernahm 1895 F. Günther. Hellriegel, Franz. — Münster i. W. Geb. 6. Febr. 1875 Sohn des verdienstvollen Kustos des Markneukirchener Musikinstrumentenmuseums und Oberlehrers Fr. Hell- riegel, Schüler von Alb. Rob. Hammig (der bei Bausch gelernt hatte). Nach beendeter Lehrzeit arbeitete er bei mehreren der besten deutschen Geigenmacher und ließ sich 1896 in Münster nieder, wo er am 10. August seine eigene Werkstatt eröffnete. Er ist sowohl im Neubau von Violinen, Violen und Violoncelli als auch in der Wiederherstellung alter Geigen sehr tüchtig und ahmt das Stradivarimodell nach. Er verwendet roten Spiritus- und ÖUack (in verschiedenen Abtönun- gen) und gebrauchte bis 1905 geschriebene, seitdem gedruckte Zettel. Geigenzettel: Franz Hellriegel / Münster i. Westf. ge- baut 1904 (geschrieben). Hellstedt, Petter I. — Frötuna, Stockholm, t 7. Juli 1772 Er scheint nach 1 736 aus Frötuna nach Stockholm ge- kommen zu sein, wo er am II. Januar 1742 das Privi- legium als Musikinstrumentenmacher erhielt. Er hat hauptsächlich Streichinstrumente, aber auch Harfen gebaut, von denen sich noch manche in Privatbesitz erhalten haben. Geigenzettel: Petrus Helstedt Renov. / Frötuna A:o 1736 (geschrieben). — N' 386 / P. Hellstedt / Fecit Holmiae / 176 (geschrieben). Hellstedt, Petter II. Alexander. — Stockholm. Geb. um 1745, t nach 1776 Sohn und Schüler von Petter I H., dessen Nachfolger er auch wurde. Seine Ausbildung hatte er im Auslande abgeschlossen und war mit Erfolg bemüht, seine Gei- gen ausschließlich aus schwedischen Hölzern her- zustellen. Helm, Christoph. — Wien, Salzburg. 1544. 1580 Er wurde im Jahre 1 544 als Lautenmacher Bürger von Wien, scheint aber bald nach Salzburg übergesiedelt zu sein, wo er in den Urkunden des Archivs der Lan- desregierung von 1550 — 1580 vorkommt. Helm, Walthasar (Balthasar). — Salzburg. 1594 Wahrscheinlich der Sohn von Christoph H. Ein Lauten- instrument von 1594 und eine gleichzeitige Reparatur von ihm befindet sich im Städtischen Museum Carolino- Augusteum in Salzburg. Helmer, Hans. — Leipzig. 1591 Er stammte aus Füssen-^) (nicht aus Meißen, wie Küpers liest) und erlangte 1591 als Lautenmacher das Bürgerrecht der Stadt Leipzig. Helmer, Jehan. — Lyon. 1568. 1572 In den Urkunden wird er ausdrücklich als Deutscher und als »faiseur de luths« bezeichnet (vgl. Coutagne, Duiffoprucgar). Er gehörte jedenfalls der Füssener Familie an und könnte sogar mit dem später in Leipzig auftauchenden Hans Helmer identisch sein. Helmer (Hellmer, Hellmann), Johann Martin. — Wien. Geb. 1710, f 21 . Nov. 1742 Er wohnte im »Kärner (Kärnthner) Viertl« und legte als Lauten- und Gelgenmacher am 5. Mai 1741 den Bürgereid ab. Im Zunftbuch wird sein Name »Hell- mann* geschrieben. Da H. nur 32 Jahre alt wurde und nur kurze Zelt selbständig war, kommen Arbeiten von Ihm selten vor. Helmer, Josef. — Prag. 1810 Es kommen Geigen mit dem geschriebenen Zettel: »Josef Helmer, Geigen- / macher in Prag 1810« vor. Ein Meister dieses Namens läßt sich in Prag nicht nachweisen. Wenn man nicht an eine Fälschung glau- ben will, könnte man annehmen, daß einer der sieben Söhne von Karl Joseph Hellmer die Geigen gemacht hat Eine solche besitzt C. Stoeber in Würzburg. Helmuth, Simon. — 1768 Auf einem Zunftpokal der Instrumentenmacher, der sich in der im November 1910 versteigerten Sammlung F. Günther-Prestel befand, war zu lesen : Alt-Meister Simon Helmuth // alt gesell J. C. Helmuth. Das Wap- pen des Pokals zeigte zwei gekreuzte Violinbogen und einen Stimmhammer. Die Vermutung, daß S. Helmuth Geigenmacher war, liegt daher nahe. Leider ist nicht zu ersehen gewesen, woher der Pokal stammte. Helt, Heinz. — Nürnberg. 1413 In einem alten Inventar fand sich »ain Nürnberger lauten von Maister Heldt« verzeichnet. Es gelang mir bisher nur, einen Nürnberger Lautenspieler dieses Na- mens nachzuweisen. Nach Christ. Gottl. v. Murrs Journal zur Kunstgeschichte und zur allgemeinen Lite- ratur (1777) B. V. S. 114 kommt im Jahre 1413 ein Heinz Helt, Lautenslaher auf der Sebalder Stadtseite, vor. Es wäre immerhin möglich, daß Helt ebenso wie die Lautenisten Gerle und Ott auch Lautenmacher war. Helwich, Johann. — Kopenhagen. 1742 Vielleicht ein eingewanderter Deutscher. Arbeiten von ihm kommen nur selten vor. Gelgenzettel : Johan Helwich, / Copenhagen 1 742 (ge- druckt). Hempel, Julius. — Hamburg. Geb. in Ham- burg 1877 Nachdem er das Gymnasium" besucht hatte, wurde er Schüler von Schünemann In Schwerin, bei dem er vier ^) In der Bürgerliste steht deutlich aus »Fieffen«. H emscr Henry 211 Jahre lernte. Darauf war er drei Jahre lang Gehilfe bei Möckel in Berlin und machte sich dann in Hamburg selbständig. Am 1. März 1902 übernahm er die Werk- statt und das Geschäft von F. A. Pfab. Möckel gab ihm ein vortreffliches Zeugnis als Geigenmacher. Hemsch, Jean-Henri. — Paris. 1747. 1763 Er war geschworener Meister der Lautenmacherzunft für 1747, sein Bruder Guillaume H. für 1761. Beide wohnten in der Rue Quincampoix und haben nur wenig Gitarren und Harfen, dagegen viele semerzeit hoch- geschätzte Klaviere gemacht. Hendel, Richard. — Klingenthal i. S. Geb. S.Juni 1833 Ein Streichinstrumentenmacher, der hauptsächlich von Händlern beschäftigt wurde. Hendershot, J. C, lebt als Geigenmacher in Chicago Hendricks, Otto. — Amsterdam Ein Violoncello, vermutlich aus der Mitte des 19. Jahr- hunderts stammend, trägt seinen Namen. Die Arbeit ist nicht schlecht. Henke, L. — Potsdam. 1844 Es gibt sehr mangelhaft ausgeführte Geigen von ihm, aber auch bessere; am besten gelangen ihm jedenfalls Violoncelli und Bässe. Auf der Berliner Ausstellung 1844 war er gut vertreten. Hennings, J. C. — Lübeck. 1828. 1836 Ein Dilettant, der Geigen nicht ungeschickt repariert hat. Geigenzettel: J. C. Hennings / Luebeck 1828/ reparirt (gedruckt). Henocq, Frangois. — Paris. 1775. 1789 Er bezeichnet sich als »le Jeune* und dürfte also der Sohn von Jean H. gewesen sein. Wie sein Vater stand er in Ansehen und war Hoflautenmacher der Herzogin von Bourbon. Er wohnte erst Rue Jacob und von 1779 bis 1789 in der Rue des Saints-Peres. Eine hübsch eingelegte Mandora von ihm besitzt die Crosby Brown- Sammlung in New York (Nr. 1007). Geigenzettel : Henocq le Jeune M"^^ luthier de SAR / Mad™* la Duchesse de Bourbon / Rue Jacob ä Paris L'an 1781 (geschrieben). Henocq (Henoc), Jean. — Paris. 1763. 1789 Er war geschworener Meister der Pariser Lauten- macherzunft für 1773 und Syndikus von 1775—1777 und wohnte noch 1789 in der Rue de Seine Saint Germain Nr. 114. Im Adreßbuch von 1789 werden seine Vornamen, Jean-Georges-Bienaime, angegeben. Schon 1671 — 1679 war ein Estienne Enocq Orgelbauer und Organist, er entstammte also einer alten Instru- mentenmacherfamilie. Eine hübsche Arbeit von ihm besitzt das Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 256). Henry. — Mirecourt Eine alte Geigenmacherfamilie, als deren ältestes Mit- glied A. Jacquot den 1689 vorkommenden Joseph H. nachgewiesen hat. Dem Namen nach kennt man außer- dem den gleichzeitig genannten Jean-Claude H. In den Jahren 1764 und 1770 kommen Claude und Dominique H. (vielleicht Brüder) vor. Fran^ois H., wahrscheinlich Sohn eines dieser beiden, lebte noch 1827, war aber nur ein handwerksmäßig arbeitender Geigenmacher. Henry, Charles (gen. Carolus). — Paris. Geb. 1803, t 1859 in Paris Zweiter Sohn und Schüler seines Vaters Jean-Bapt. H. dessen Geschäftsnachfolger er 1831 wurde. Ein außer- ordentlich fleißiger und geschickter Geigenmacher, der alle in sein Fach schlagenden Instrumente gemacht hat und 1849 und 1855 in Paris Ausstellungspreise erhielt. Er wählte verschiedene Modelle, nahm gutes Holz und roten Lack auf gelben Grund. Seine sämtlichen In- strumente tragen untenstehenden, schön geschriebenen Zettel. Im Jahre 1847 konstruierte er eine Geige, der er den Titel »Baryton« gab, und die um eine Oktave tiefer gestimmt ist als die Violine. Geigenzettel : Carolus Henry, luthier / rue Saint-Martin N°. 151 / fecit anno Domini 1837 (geschrieben). Henry, Eugene. — Paris. Geb. 1 843, f 7. Sept. 1892 Sohn, Schüler und seit 1859 Nachfolger von Carolus H. Ein tüchtiger Geigenmacher, der jedoch in seine Werkstattarbeiten die gleichen Zettel klebte wie in seine eigenen Werke. Er war ein vielbeschäftigter Re- parateur und besaß mehrere Medaillen. Sein Geschäfts- nachfolger ist Ch. Brugere. Geigenzettel: .'^bb. 372. Henry (F. oder H.). — Paris. 1737 Er wohnte in der Rue Saint-.Andre-des-Arcs und war vielleicht der erste aus dieser vogesischen Geigen- macherfamilie, der nach Paris kam, wenn auch sein Zusammenhang mit den übrigen Henrys nicht fest- steht. Seine Arbeit war gut, selbst sein rotbrauner Lack ist noch anerkennenswert. Auch Violen von ihm kommen vor. Ein Baß von ihm aus dem Jahre 1737 zeigt ebenfalls seinen Stil. Henry, J. — Paris. Geb. 10. Dez. 1823 zu Mirecourt, f Paris 1870 Ein ausgezeichneter Bogenmacher, der 1837 nach Paris kam und bis 1848 für die Geschäfte von G. Chanot und D. Peccate arbeitete. Er verband sich dann mit Simon, bis er 1851 sein Geschäft allein anfing (Rue des Vieux Augustins) ; zuletzt wohnte er in der Rue Page- vin. Seine Bogen tragen auf der Stange nahe am Frosch die Brandmarke »Henry, Paris« und sind noch heute sehr geschätzt. Er ist mit den übrigen Pariser Henrys nicht verwandt gewesen. Henry, Jean Baptiste. — Paris. Geb. 1757 zu Mataincourt in den Vogesen, f in Paris 1831 Er erlernte das Geigenmachen in Mirecourt, kam jung nach Paris und hatte sein Geschäft bis 1788 in einem 14* 212 Henry — Heringer Hause des Klosters von St. Martin und bezog dann Herbig, Johann Baptist. — Bamberg. Geb. Haus Rue St. Martin Nr. 175, wo seine Nachkom- das men bis auf unsere Tage das Geigenmachen betrieben. Er gehörte zu den besseren Geigenmachern semer Zeit; man muß seine Arbeit aber genau studiert haben, wenn man sie erkennen will, da er keine Zettel in seme Geigen hineingeklebt hat. Kommen Zettel mit seinem Namen vor, so rühren sie von seinen beiden Söhnen her. Henry, Jean -Baptiste- Felix. — Paris (auch Bordeaux und Marseille). Geb. in Paris 1793, t daselbst 1858 Ältester Sohn und Schüler von Jean-Bapt. H. Eröffnete 1817 in der Rue Montmartre in Paris seine eigene Werkstatt und siedelte gegen 1823 nach Bordeaux, 1825 nach Marseille über, wo er bis 1844 blieb. Er kehrte dann nach Paris zurück und wohnte Rue Flechier, wo er auch starb. Er war sehr fleißig, hat aber so wenig wie sein Vater, seine Werke durch Zettel bezeichnet. Geigenzettel : Repare par Henry / rue 11. Ferreol / Marseille (gedruckt). Henry, Octave. — Grenoble. Geb. in Mar- seille 1826 Schüler seines Vaters Jean-Bapt. -Felix H., namentlich aber seines Oheims Carolus H., arbeitete dann bei Mau- cotel in Paris und ließ sich 1854 in Grenoble nieder, wo er als Geigenmacher und Händler sein Geschäft begründete, das jetzt noch unter der Firma Henry & Arnaud besteht. Henry aux Vieles. - Paris. 1292. 1300 Einer der ältesten französischen Saiteninstrumenten- macher, der u. a. von Vidal in »Les Instruments a archet« (Paris 1876. 1. S. 88) erwähnt wird. Hentschl (Henschel), Johann Joseph. — Brunn. 1737. f vor 1782 Er war vielleicht ein Schüler von Joh. Ben. Wasner, wohnte in der hinteren Rathausgasse Nr. 228 (jetzt Schwertgasse 8) und kommt als Besitzer dieses Hauses noch 1779 vor. Er war geschickt, seine Arbeit steht Hennger (Hertinger), Jörg II zwischen der Prager und Wiener Schule und ist sorg- fältig, das Holz meist gut. Sein Nachfolger wurde um 1 782 Seb. Wutzelhofer. Eine sehr hübsche Viola d 'amore von ihm besitzt Prim. Dr. Smoler in Olmütz. Geigenzettel : Joann Joseph Hentschl, / Bürgerl. Lauten und Gei- / genmacher in Brunn 1759 (gedruckt). -^ j^,^^^ ,^^^ ^^-^ Geschäft fort. Henz, Ernst Hans Conrad. — Nürnberg. 1672 Heringer (Hertinger), Jonas. — Füssen. 1626. Wenig bekannter Meister, von dem sich ein Archiliuto | ^42 1776, t 16. März 1826 Er hatte zwei Jahre bei seinem Vater Joh. Veit H. und anderthalb Jahre bei einem Tiroler Geigenmacher ge- lernt und wurde, nachdem er schon einige Jahre die Stelle »verwest« hatte, im Alter von 23 Jahren zum Hofgeigenmacher ernannt mit einem Gehalt von 60 fl. fränkisch und 10 Simra Korn. Dafür mußte er »alle benöthigte gesponnene Violin-, Altviol- und Baß- Saiten aller Gattungen für die musikalische Hof- instrumente beischaffen und besagte Instrumente mit den erforderlichen Reparaturen im brauchbaren Zu- stande bei allen fürstlichen Kirchen-, Kammer- und Hofmusiquen das ganze Jahr hindurch unterhalten und sich jederzeit persönlich dabei einfinden«. Er hatte »alle musikalischen Hofinstrumente vi inventarii bei dem Hofe unter seiner Verwahrung«. Er war ein streb- samer, geschickter Mann, der vielleicht zu großem Rufe gekommen wäre, wenn er nicht vorzeitig im Irrenhause hätte sterben müssen. Vgl. Frhr. v. Marschalk »Die Bamberger Hofmusik usw.«. Herbig, Joh.Veit. — Bamberg. 1 777. f 22. Mai 1791 Er wurde am 18. Oktober 1777 als Nachfolger von Andr. Ries zum Hoflauten- und Geigenmacher mit einem Jahrgehalt von 60 fl. und 6 Simra Korn an- gestellt, starb aber schon 14 Jahre später am Stickfluß. Herczeg, Stephan (Istvan). — Kecskemet Wenig bekannter ungarischer Geigenmacher, den Dr. J. Geyer ohne nähere Angaben erwähnt. Herget, Franz, lebte im 19. Jahrhundert in Rothau i. B. Heringer (Häringer), Jörg I. 1606. 1612 Er kommt 1606 und 1612 als Mitglied der Lauten- macherzunft vor. Er heiratete am 23. April 1606 Katharina, die Witwe des Johann Schwarzenbach. Als sein Heimatsort wird »Buochingen« angegeben. Ein Höringer-Hof — wohl der Stammsitz der Familie — liegt zwischen Lechbruck und Roßhaupten. Füssen. 1628. t vor 1666 Er wurde am St. Stephanstag (26. Dezember) 1628 als Meister in die Lautenmacherzunft aufgenommen und war später auch Wagmeister. Er wohnte im ersten (vornehmsten) Viertel der Stadt. Seine Witwe setzte in Berlin in der staatl. Sammlung alter Musikinstru- mente befindet (Nr. 711). Heppmann, F. W. — Dresden. 1792 Sehen vorkommender Name in mittelmäßigen Geigen. Geigenzettel: F. W. Heppmann / fecit Dresden 1792 (geschrieben). Er scheint aus Hertingen oder Faulenbach nach Füssen gekommen zu sein, wo er am 18. Dezember 1622 als Meister in die Lautenmacherzunft aufgenommen wurde, nachdem er am 14. August des gleichen Jahres Regina Herb geheiratet hatte. Seine Werke zeichnen sich namentlich im Äußeren durch saubere Arbeit aus. Karl Meier in Schönbach besitzt eine Viola von ihm. Herlet — Heskett 213 Diese ist doppelt eingelegt, auf den Backen verziert und mit Öllack überzogen. Die Bruststärke der Decke be- trägt 3V-, mm, die Länge des Korpus 44,5 cm, die untere Breite 27,7 cm, die vordere Breite 22 cm, Brust 15,5 cm, die Grifflänge 15 cm. Eine sehr origmelle Viola (Maße; 44,7, 22. 27,7 cm) besitzt G. Siefert in Leipzig. Der Name erscheint auch hier auf emem schön gedruckten Zettel »Heringer« — doch könnte die Form Hertinger die ursprüngliche sein. Die Wöl- bung ist flach, der Ton groß und edel, der Lack rötlich- gelb; die F-Löcher erinnern an Maggini, wie die Viola überhaupt einer Brescianer Arbeit ähnlich sieht. Herlet, Joseph. — Mlrecourt. 1768 Als Gelgenmacher erwähnt. Hermann, ein Schüler von Schünemann, ging um 1899 nach Trier Hermer, Anton. — Leipzig. 1888. 1895 Langjähriger erster Gehilfe bei Hammig, der sich 1888 selbständig machte. Hernouet, Henri. — Paris. 1913 Er hatte seine Werkstatt Rue de Moscou 44. Herold, Conrad Gustav. — Klingenthal Fabriksfirma der Gegenwart. Die Fabrik führt Ihre Gründung bis 1793 zurück. Auf der Freiberger Ge- werbeausstellung war sie durch ein Terzett vertreten, das durch die starke Rundung des Bodens und der Decke auffiel. Der Fakrikant nennt diese Bauart »Zigeunermanier«. Herold, Karl Anton. — Brunndöbra. Geb. 1838, t 18. Febr. 1918 Er galt als tüchtiger Baßmachermeister. Herold, Reinhold, lebt als Baßmacher in Brunn- döbra Heron-Allen, Edward. — London. Geb. 17. Dez. 1861 in London Verfasser einer Reihe wertvoller Schriften über die Geige und den Geigenbau und ein eifriger Sammler der Geigenliteratur, die er vollständiger besitzt als Irgendeine der größten Bibliotheken. Dabei ist er auch ein geschickter Dilettant. Er ging zwei Jahre lang bei George Chanot in London in die Lehre und machte da u. a. zwei Geigen, eine genau nach der Guarneri des t Prosper Sainton, die andere nach Stradivari. Heroux s. Couturieux Herrmann, August, & Söhne. — Berlin-Char- lottenburg Gelgenhandlung; der Gründer der Firma war früher Lehrer in Tauberbischofshelm und begann 1883 in Frankfurt a. M. einen Klavierhandel, verlegte sich dann auf den Geigenhandel und übersiedelte nach Charlottenburg. Mit dem Geschäft ist eine Werkstätte verbunden. Die Firma besitzt em ansehnliches Lager alter Melstergelgen.. Herrmann, Felix. — London (Tottenham) Ein Geigenhändler, der zwar Gehilfen beschäftigte und als feiner Kenner gilt, aber selbst kein Geigenmacher Ist. Durch den Ausbruch des Krieges wurde er ge- zwungen, nach Deutschland zurückzukehren und lebt jetzt in Lübeck. Hertinger s. Heringer Hertz, Heinrich. — 1863. 1867 Ein deutscher Geigenmacher, der als Modelltischler in einer dänischen Maschinenfabrik arbeitete, in seinen Freistunden aber Gelgen machte. Herzlieb, Franz sen. — Graz. Geb. um 1797, f 11. Dez. 1861 Er war ein sehr geschickter Geigenmacher und guter Holzschnitzer, der sorgfältig und sauber nach Stradi- vari und Guarneri arbeitete. Er nahm die Wölbung flach, verwendete meist schön geflammtes Ahornholz und zog für die Decken breitjähriges Fichtenholz jedem andern vor. Sein Lack ist braungelb, öfters auch rötlich schattiert. Er erfreute sich um die Mitte des 19. Jahr- hunderts eines besonders guten Rufs, und seine Geigen waren von Musikern so geschätzt, daß er noch Be- stellungen aus Amerika von dorthin ausgewanderten Landsleuten erhielt. Auf der Londoner Weltausstellung bekam er die goldene Medaille. Seine Geigen werden auch jetzt noch gerne gekauft und erreichen gute Preise. Gelgenzettel: Abb. 325. Herzlieb, Franz jun. — Graz. Geb. 1845, t 11. März 1873 Er hatte seine Werkstatt, wie sein Vater, in der Postr gasse (jetzt Stubenberggasse) und besaß im Wieder- herstellen alter Gelgen eine besondere Kunstfertigkeit. Seine neuen Gelgen sind denen seines Vaters ähnlich, nur weniger originell. Da er jung starb, hat er nicht viele bauen können. Hesin, Giacomo. — Venedig. 1586 Ein Lautenmacher, den Valdrlghi (1456) anführt. Sollte er nicht mit dem von anderen »Hieben <■ (Hieber) ge- nannten Meister identisch sein? Hesketh, Thomas Earle. — Manchester. Geb. am 14. Aug. 1866 in Manchester Lernte fünf Jahre bei George-Adolphus Chanot und war dann noch ein Jahr lang Gehilfe bei ihm. Im Jahre 1891 eröffnete er seine eigene Werkstatt. Er arbeitet hauptsächlich nach Stradivari und Guarneri , aber auch nach Maggini, Amati und Stalner und verwendet Öllack. Er gehört zu den besten englischen Geigen- machern der Gegenwart; seine Biographie veröffent- lichte Meredith-Morris in der Zeitschrift »The Strad«. 1899, Nr. 119. Gelgenzettel : Abb. 340. Heskett, H. H. — Mlnneapolis (Minnesota). 1892. 1894 Ein englischer Geigenmacher, der eine Zeitlang in Minnesota ansässig war und 1892 Stimmwirbel für Strejchinstrum.ente erfand, 214 Hespont ^ Hieronymus Hespont s. D'Hespont Heß, Bartholomeus. — Breslau. 1585 Ein Instrumentenmacher, der u. a. auch von der Stutt- garter Hofkapelle beschäftigt wurde, aber wohl haupt- sächlich Pfeifenmacher war. Heß. Wilhelm August. — Klingenthal. 1810. 1830 Selten vorkommender vogtländischer Geigenmacher. Hetel, G. — Rom. 1763 Bisher nur als Lauten- und Gitarrenmacher bekannt. Er soll manche Ähnlichkeit mit J. Horil haben. Geigenzettel : G. Hetel fecit Romae, anno 1 763 (gedr.). Hette s. Platte Heupgen, Chas, hat sich m Chicago als Geigen- macher niedergelassen Heuße, Friedrich. — München. 1798 Er war Hofiristrumentenmacher, hat aber schwerlich Geigen gemacht. Heußler, Johann. — München. 1593 Er wird als Lautenmacher erwähnt, doch weiß ich nur, daß er als Hoforgelmacher ein Jahresgehalt von 24 fl. bezog. (Vgl. Westenrieder Beiträge III, S. 1 10.) Heußler, Urban. — München. 1594. 1602 In den Hofrechnungen wird er entweder »der kunst- reich Orgimacher« oder kurzweg Orgelmacher genannt, er machte aber auch Lauten und Harfen ; so heißt es in den Rechnungen von 1602: »Urban Heu''sler, orgel- macher, umb zwei instrument und ain doppelte Harp- fen von Cypressenholz 95 fl.« Er arbeitete in seinen letzten Lebensjahren mit seinem Schwiegersohne Leon- hard Kurtz zusammen. (Von beiden rührte die Orgel in der St. Michaelskirche in München her.) Heyden (Hayden), Hans der Altere. — Nürn- berg. Geb. um 1540, t 1613 Der Erfinder des bekannten »Geigen werks« (eines Vor- läufers des späteren Bogenflügels), bei welchem die Saiten durch sechs mit Pergamentstreifen besetzte Rä- der gestrichen wurden. Heyden war Organist an der Sebalduskirche und beschrieb seine Erfindung 1605 in einer lateinischen Abhandlung. Ein solches Geigen- werk besitzt das Museum Steen in Antwerpen, ein anderes von 1606 befindet sich im Escunal. Abgebildet bei Doppelmayr (1730) Tafel IV, Fig. I. Heyer, Jakob Christoph, ein im Anfang des 19. Jahrhunderts in Steindöbra i. B. arbei- tender Geigenmacher Heyman, Joseph. — Amsterdam. 1815 Mittelmäßiger holländischer Geigenmacher im ersten I Vierte! des 19. Jahrhunderts. Auf seinen Zetteln fällt es auf, daß, während alles andere gedruckt ist, der Familienname handschriftlich eingetragen erscheint. Geigenzettel: Joseph Heyman / Fecit Amsterdam / 1825 (gedruckt). Heynberg, Emile. — Lüttich. Geb. 21. Juni 1 864 in Lüttich Schüler von Georges Mougenot, arbeitete als Gehilfe bei Gand & Bernardel in Paris und eröffnete 1895 seine eigene Werkstatt in Lüttich. Er ist hauptsächlich mit Ausbesserungen beschäftigt, macht aber auch neue In- strumente, wobei er entweder Stradivans »Messias«, Guarneri del Gesü oder J. B. Vuillaume zum Vorbild nimmt. Sein Lack besteht aus einer Mischung von Leinöl und Terpentin. — Er besitzt als der Sohn eines Professors am Königl. Konservatorium eine gediegene musikalische Vorbildung. Geigenzettel : Emile Heynberg / Luthier, ä Liege 189 . . (gedruckt). Hicks, G. H. — Oxford. 1910 Schüler von G. A. Chanot. Seine sorgfältige Arbeit und der gute Ton seiner Geigen werden in England sehr gelobt. Hidalgo s. Moya Hieber, Giovanni. — Venedig. 1560. 1590 Wahrscheinlich ein Deutscher. Er arbeitete mit Martino zusammen. Der Zettel läßt nicht sicher erkennen, ob dieser Martino auch zur Familie Hieber gehörte, ob- wohl es wahrscheinlich ist, daß zwei Brüder die Werk- statt geteilt haben. Möglich ist aber auch, daß wir hier den Martino Kaiser vor uns haben, der etwa ein Neffe Hiebers gewesen sein könnte. Der Katalog der Samm- lung Correr in Venedig liest die Jahreszahl in zwei dort bewahrten Theorben (von 14 und 19 Saiten) 1500, was sicher falsch ist. In der Sammlung Snoeck war eine Archilaute von 1581. Snoeck las Hieben. Der Giac. Hesin, den Valdrighi mit der Jahreszahl 1586 anführt, ist wohl auch aus Giov. Hieber entstanden. Geigenzettel : Giuane Hieber / e Martino Facebit (sie) / in Venezia Ao 1581 (gedruckt). Hiebler, Joseph. — Augsburg. 1 740. f n. 1 792 Er wird im Augsburger Adreßkalender zuletzt 1792 angeführt. Seine Arbeit ist gut, doch war er in bezug auf das Holz nicht wählerisch genug, weshalb seine Geigen jetzt stark vom Wurm zerfressen sind. Er ar- beitete nach dem mittleren Stainermodell, nur die F-Löcher und die Ecken gehen auf Amati zurück. Zum Boden und den Zargen nahm er schlichtes Ahornholz, zu Hals und Schnecke oft Lindenholz. Sein gelber oder brauner Lack ist glanzlos und trübe, der Ton aber voll und leicht ansprechend. Geigenzettel : Joseph Hiebler, Lauten- und Geigenma-/ eher fecit Augustae 1789 (gedruckt). Hieronymus Brixiensis s. di Virchi Hieronymus. — (Köln?) 1510. 1558 Virdung führt ihn bereits 1511 an und bildet seine sämtlichen Instrumente ab. Diese Abbildungen über- nahm dann Prätorius in sein Werk: »Syntagma Musi- Higgins — Hill 215 cum« und Taisnier erwälint in seiner 1339 in Köln erschienenen Astrologiae judiciariae Ysagogica 'cytharae Hieronymi . . . tubae Hieronymi, organo Hieronymi, histulae Hieronymi . . .« Van der Straeten vermutet in diesem vielseitigen Hieronymus einen Kölner Lauten- macher, mit dem Taisnier befreundet war. (La Mu- sique aux Pays-Bas. B. III, S. 237.) Higgins, Ph. Ein Geigenmachcr, der um 1850 in Montreal (Kanada) lebte und ganz geschickt gewesen sein soll. Lond ondon . Geb. Hilanj, Franz. Wels. 1814. t nach 1846 Er soll in Preßburg bei einem Geigenmacher regelrecht gelernt haben und" trat dann als Musiker bei einem Huszärenregiment ein, mit dem er nach Wels kam. Nach Abzug des Regiments trat er in städtische Dienste und brachte es da zum »Thumermeister«, d. h. zum Diri- genten der Stadtmusikanten, die auf dem Turm (»Thum«) zu blasen hatten. Seine Bemühungen, sich geeignetes Holz zu verschaffen, brachten es mit sich, daß er ganze Bäume kaufen mußte ; um den Abfall zu verwerten, eröffnete er einen kleinen Handel mit Brenn- holz und so wurde er auch am 2. Januar 1814 als Holz- händler zum Bürger aufgenommen. Seine Werkstatt hatte er am Stadtplatz Nr. 24, wo er auch starb. Seine Witwe Eva Maria und seine 1837 geborene Tochter Amalie siedelten nach seinem Tode nach Wien über. Seine Werkstatt kam an E. Köhler, seine Stelle als »Thumermeister« hatte er schon vor 1825 zugunsten seines Bruders Paul aufgegeben. Wenn er auch kein großer Künstler war, so hat er doch recht brav ge- arbeitet und seine Gitarren zeichnen sich durch eine gewisse Klangfülle aus. Eine Zither von ihm mit 3 Spiel- und 16 Begleitsaiten besitzt W. Heyers Musik- historisches Museum m Köln. Geigenzettel: Franz / Hilanj. / Bürgerlicher / Geigen - u. Guitarrenmacher / in Wels. Hilanj, Franz Seraph. — Wels. Geb. 15. Mai 1825inWels, tdas. 9.JuH 1848 Sohn des »Thurnermeisters« Paul H. und Schüler seines Oheims Franz H., dessen Werkstatt er krank- heitshalber nicht übernehmen konnte, wie er wohl vor- hatte, als er am 24. November 1846 als Geigenmacher das Bürgerrecht erwarb. Er soll sehr talentvoll gewesen sein und als Geselle in Wien gearbeitet haben. Eine gute Violine von ihm in Privatbesitz in Wels läßt seinen frühen Tod bedauerlich erscheinen. Hildebrand, Philipp. — Stadtamhof. 1665 Ein Lauten- und Orgelmacher, der auch Violen aller Art angefertigt haben soll. Hildebrandt s. Hilldebrand Hill, Alfred Ebsworth. — London. Geb. 1862 Dritter Sohn von Will. Ebsw. I H. Nachdem er bei seinem Vater gelernt, ging er, als der erste Engländer, zu seiner weiteren Ausbildung nach Mirecourt und wurde dann Teilhaber der Firma seines Vaters. Hill, Arthur Frederick. 25. Jan. 1860 Zweiter Sohn und Schüler vcn Will. Ebsw. I H. und Teilhaber der väterlichen Firma. Hill, Benjamin. — London. Geb. 1754, f 1797 Dritter Sohn und Schu er von Joseph II H. und später Teilhaber des väterlichen Geschäfts. Hill, Henry Lockey. — Geb. 1 774, f Aug. 1 835 Sohn und Schüler von Lockey H. »L. Hill of the Borough«. Er arbeitete eine Zeitlang bei John Betts, durch den er wahrscheinlich das Stradivarimodell kennen lernte. Als seine Söhne Joseph IV und William Ebsworth herangewachsen waren, arbeitete er mit ihnen gemeinsam. Er ist als besonders tüchtiger Gei- genmacher bekannt und stand wahrscheinlich auch zu Fendt in Beziehung, der ihn beeinflußte. Er gilt als der erste in der Familie Hill, der von Stainer und Amati zu Stradivan überging. Geigenzettel : .^bb. 323 und 376. Hill, John. — London. 1/94 Er wohnte Red Lyon Street, Holborn, und war nicht ungeschickt. Geigenzettel: Abb. 373. Hill, Joseph \. — London. 1660 Der Stammvater der heute noch blühenden Familie, den man jedoch nur nach einer Tagebuchaufzeichnung von Depys kennt, der ihn am 17. Februar 1660 wegen seiner Laute und seiner Viola zu Rate zog. Gelgenzettel : Abb. 374. Hill, Joseph II. - London. Geb. 1715, f 1784 Angeblich erst Schüler von Banks und dann von Wamsley. Seine Arbeit ist sauber, und namentlich seine Violoncelli und Bässe sind gut. Er wechselte seine Wohnung mehrfach und gebrauchte verschiedene Haus- marken (Ladenschilder), so z. B. seit etwa 1750 *at ye Violin« (Angel Court, Westminster) und »at the Harp and Flute* (Haymarket). .Mle seine vier Söhne erzog er zu Gelgenmachern, sie wurden seine Gehilfen, und nur der älteste von ihnen erreichte eine gewisse Selb- ständigkeit. Eine Violine von Joseph Hill & Sons vom Jahre 1770 besitzt J. T. Chapm.an. Geigenzettel : Abb. 368. Hill, Joseph III. - London. Geb. 1747, f 1793 Zweiter Sohn von Joseph II H. und weniger geschickt als dieser. Von ihm dürfte das Violoncello vom Jahre 1 787 sein, das Mrs. Rampling Rose geb. Braddyll im Jahre 1904 in der Londoner Music Loan Exhibition ausstellte. Hill, Joseph IV. t 1837 London. Geb. um 1805, Älterer Sohn von Henry Lockey H. Schüler seines Vaters, dem er nahekam. 216 Hill — Hiller Hill, Lockey. — London. Geb. 1756, f 1810 Vierter Sohn von Joseph II H. Vater von Henry Lockey H. ; ein geschickter Meister. EineVioline aus seinem letz- ten Lebensjahre besitzt J. T. Chapman. Hill, Walter Edgar. — London. Geb. 4. Nov. 1871 Vierter Sohn und Schüler von Will. Ebsw. H. Auch er arbeitete, vk-le sein Bruder Alfred Ebsw., eine Zeit- lang in Mirecourt und ist jetzt Mitbesitzer des väter- lichen Geschäfts. Hill, William. — London. Geb. 1745, f 1790 Ältester Sohn und Schüler von Joseph II H. Zu der gleichen Zeit, in der sein Vater die Firma Jos. Hill & Sons annahm, also etwa um 1771 ^), scheint er seine Werkstatt in der Poland Street eröffnet zu haben. Seine Arbeit ist recht gut, etwas an Aireton erinnernd, der Lack sehr durchsichtig und von schöner gelber Farbe, nur der Ton seiner Geigen ist ziemlich schwach, kann aber von einem tüchtigen Reparateur manchmal leicht verbessert werden. Er war auch ein geschickter Mu- siker und gehörte als solcher dem Londoner Musiker- verband an. Auch als Orgelbauer war er tüchtig und hat manche Verbesserung eingeführt. Geigenzettel : Abb. 369. Hill, Wllliann Ebsworth. — London. 20. Okt. 1817, t 2. April 1895 Geb. nachdem es in die New Bond Street verlegt worden war. Er zog sich auf seine Besitzung in Hanwell zurück und arbeitete hier noch einige Zeit für sich, bis ihn der Tod von zunehmender Altersschwäche erlöste. Als Kenner hatte er einen Weltruf erlangt, und ein von ihm ausgestelltes Zeugnis der Echtheit einer Geige gilt bei Musikern, Sammlern und Händlern als unanfecht- bar. Geigenzettel: Abb. 370, 377, 378. Hill, William Henry. — London. Geb. 3. Juni 1857 Ältester Sohn von William Ebsw. H. Ursprünglich zum Musiker bestimmt, studierte er mehrere Jahre und trat erst später in das väterliche Geschäft zugleich mit seinen Brüdern ein. Hill & Sons. — London, 140 New Bond st. W. Die jetzigen Inhaber der Firma sind: Wm. Ebsw. II Hill, Arthur Fred. Hill, Alfred Ebsw. H., W. Henry H. und Walter E. H. sowie A. E. Philips, der durch 2^/., Jahre bei G. Fiorini in München als Volontär arbeitete, und beschäftigen eine große Zahl von Ge- hilfen in ihren Werkstätten zu Hanwell. (Hlldebrandt), Michel Chrl- Hamburg. 1768. Lebte noch Jüngerer Sohn von Henry Lockey H. und Schüler seines älteren Bruders Joseph (IV). Als er in die Lehre trat, wurde er zuerst mit dem Stegschnitzen beschäftigt und erlangte darin eine erstaunliche Fertigkeit. Noch in den letzten Jahren seines Lebens war es eine Lieb- lingsbeschäftigung von ihm, zum Vergnügen Stege zu schneiden. Nach Beendigung seiner Lehrzeit trat er bei Charles Harris in Oxford ein und eröffnete, nach London zurückgekehrt, im Jahre 1830 seine eigene Werkstatt in Southwark. Als das Geschäft sich aus- dehnte, verlegte er es nach dem Hauptquartier des Lon- doner Geigenhandels, der Wardour Street. Obwohl seine Geschicklichkeit im Geigenmachen Anerkennung fand, machte er doch sehr schnell — wie so viele neuere Meister — die Erfahrung, daß Musiker und Liebhaber der besten neuen Arbeit jede beliebige Geige vorziehen, wenn sie nur alt ist und italienisch aussieht. Er verlegte sich daher von Anfang an hauptsächlich auf die Wiederherstellung und den Handel mit alten Geigen. Auf diesem Gebiete hat er dann, dank seinem Scharfblick und einer seltenen Kennerschaft, außer- ordentliche Erfolge erzielt. Daß er aber auch im Neu- bau etwas zu leisten imstande war, hat er nicht nur in seiner Jugend schon, sondern noch 1862 bewiesen, da er ein Meisterwerk ausstellte, »um der Welt zu zeigen, daß das Geigenmachen m England noch nicht aus- gestorben sei«. Auch seine vier Söhne bildete er zu tüchtigen Geigenmachern heran, nahm sie in sein Ge- schäft als Teilhaber auf und überließ es ihnen ganz. HlUdebrand stopher. - 1807 War ursprünglich Formschneider in einer Kattunfabnk und erwarb als solcher 1 792 das Hamburgische Bürger- recht, später wandte er sich dem Instrumentenbau zu und arbeitete noch 1805 unter der Leitung des Geigen- virtuosen Bernhard Romberg ^). Unter seinen Instru- menten sollen namentlich die größeren, also Bässe, Violoncelli und Bratschen, sehr geschätzt gewesen sein und wurden schon im Anfang des 19. Jahrhunderts ziemlich teuer bezahlt. In einem sehr schön und sauber gearbeiteten Violoncello sah ich den hier abgedruckten Zettel. Dunkelrötlich-brauner Lack. Geigenzettel : * M. C. Hildebrand * ,' me fecit / ad modum Straduar: / sub directione celebernmi / Ber- nardi Romberg ' Hamburgi A° 1805 (gedruckt) und Abb. 362. Hlller, Franz. — Wiener-Neustadt. Geb. 11. Dez. 1840 zu Kravsko bei Znalm. 1898 Schüler von Krampera. Er kam um 1870 nach Wiener- Neustadt, wo er bei der Witwe von Karl Math. Daum (I 1893) in Arbeit trat, die er am 6. Aug. 1872 heiratete. Er arbeitete handwerksmäßig und verstand es nicht, den alten Ruf der Dnumschen Werkstatt zu erhalten. Er gab daher am 31. Juli 1898 sein Geschäft auf und soll später nach Znaim verzogen sein; Geigenzettel: Franz Hiller / Instrumentenmacher in Wr. Neustadt ,' .Anno 1874 (gedruckt). ^) Wenn einzelne auf seinen Zetteln die Zahl 1741 gelesen haben wollen, dann haben sie eben eine 7 für eine 4 angesehen. ^) Bernhard Romberg, bekannter Violoncellist, geb. 1767 in Dinklage (Oldenburg), f 1841 in Hamburg. llillert — llindlc 217 Hillert, Arthur Wilhelm. — Mittweida 1. S. Geb. 5. April 1869 in Dresden Bis 1886 Schüler von Robert WiW; er ging hierauf in die Fremde und bereiste Ober- und Niederösterreich, Ungarn bis Budapest, die Schweiz, Tirol und Süd- deutschland und gründete 1893 unter schwierigen Ver- hältnissen in Mittweida sein eigenes Geschäft, das er aber bald in die Höhe brachte. Er arbeitet sowohl nach Stradivari als auch nach Amati und Stainer usw. und hat auch ein eigenes, dem Stradivari ähnliches, flach gewölbtes Modell. Er bereitet sich einen hellgelb- braunen Lack selbst. Außer Geigen und Violoncelli macht er auch Zithern. Geigenzettel : Arthur Hillert / Geigenbau- und Repara- turwerkstatt / Mittweida i. S. / (Germany). (gedr.). HiUmer, F. — Leipzig. Um 1790—1820 Erfinder eines zehnsaitigen Streichinstruments, »Poly- chord« genannt, das die Form eines Kontrabasses und ein bewegliches Griffbrett hatte. Vgl. Allg. Mus. -Ztg. 1799, Nr. 30, S. 478. Ferner hat nach der Leipziger Allg. Mus. -Ztg. 1840, S. 245, ein Geigenmacher dieses Namens eine fünf saitige Bratsche, die er »Violalin« taufte, »erfunden«. — Es dürfte sich dabei um eine und dieselbe Person handeln. Hiltz, Paul. — Nürnberg. 1656 Ein namhafter Nürnberger Instrumentenmacher, von dem eine Diskantviola da Gamba und eine Viola da Gamba von 1656 sich im Germanischen Museum in Nürnberg und eine sechssaitige Sopranviola da Gamba aus demselben Jahre bei Claudius in Kopenhagen be- finden. Geigenzettel : Paul Hiltz me fecit / Anno 1656 (gedr.). — Paulus Hiltz Nori- / berga me foecit 1656 (gedr.). Himmer. — Schönbach b. E. Als Geigenmacher gingen aus dieser Familie hervor: Himmer, Alban. — Geb. 1874 Sohn und Schüler von Wenzel H. Als Gehilfe arbeitete er in Markneukirchen und Wiesbaden und eröffnete nach dem Tode seines Vaters seine eigene Werkstatt. Er baut Violinen und Violoncelli und wird als tüch- tiger Geigenmacher geschätzt. Himmer, Andreas, war schon 1826 Meister Sein Sohn (?) Himmer, Johann, lebte noch 1837 Himmer (Hummer, Hummer), Josef I, wird 1826 erwähnt Geigenzettel: Josef Hummer / Lauten und Geigen- macher in Schönbach, (gedruckt). Himmer, Josef II. — f 1898 Himmer. Josef III. — f 1898 Himmer, Josef IV, lebt noch Himmer, Maximilian Vitalis. — Berlin-Wil- mersdorf. Geb. 13. Jan. 1871 in New York .Als Sohn deutscher Eltern kam er schon als Knabe nach Deutschland, besuchte in Hildesheim das Gym- nasium Josephmum und bereitete sich gleichzeitig als Geiger zum Eintritt in die Hochschule für Musik in Berlin vor, wo er seit seinem 19. Jahre drei Jahre Schüler von de Ahna und zwei Jahre von Joachim war. Eine Armlähmung, die er sich in seinem 25. Le- bensjahre zuzog, bestimmte ihn zu einem Berufswechsel, durch Talent und Neigung getrieben entschloß er sich Maler zu werden und bezog die Hochschule für bil- dende Kunst. Em Zufall führte ihn zu semer ersten Liebe, der Geige zurück. Er beschäftigte sich nun, 34 Jahre alt geworden, ernsthaft mit dem Geigenbau und ist überzeugt, das eigentliche akustische Gesetz, das die alten Meister gekannt und beobachtet hatten, herausgefunden zu haben, und tatsächlich erreicht er in seinen Instrumenten eine Tonschönheit, die die ersten Geiger, wie Vecsey, Hubermann u. a. bewun- dernd anerkennen. Er bewahrt seine Entdeckung als sein Geheimnis und verrät nur so viel, daß der Lack keinen Einfluß auf den Ton seiner Geigen hat, und daß er auch das .Abstimmen von Decke und Boden in irgendeinem Tonverhältnis verwirft. Seine Geigen sind sehr sauber gearbeitet und verdienen auch in dieser Hinsicht Lob. Pfarrer Greulich in Posen besitzt zwei Violinen von ihm. Himmer, Wenzel, soll eine Zeitlang in Schöneck i. S. gearbeitet haben und starb 1894 Hinckelmann, Wohlert Hinrich. — Hamburg. 1756 In den Bürgerlisten kommt sein Name nicht vor, doch fand ich seinen Reparaturzettel m einer Geige, auf dem er sich ausdrücklich Violinmacher nennt. Er dürfte aus Borstendorf stammen, wo der Name Hinckelmann heimisch ist. Ein Wohlert Joh. Hinkelmann war 1791 bis 1 797 der vorletzte Lübecker »Spielgreve« der Stadt - musik. Geigenzettel: Abb. 333. Hinderstößer, Xaver. — Augsburg. Geb. 21 .Dez. 1810 in Zusmarshausen, f nach 1869 Er war Geigenmacher und Musiker und hatte seine Werkstatt in der historisch berühmten Fuggerei. Der Fürst, dem er die Stiftungswohnung verdankt, scheint ihn auch durch Arbeitsaufträge unterstützt zu haben, wie sein Reparaturzettel in der Rauwolfschen Laute des Fürsten Fugger-Babenhausen beweist. Hindle, Leopold Georg. — Wien. Geb. 1766, t 23. Nov. 1839 Er war hauptsächlich Kontrabaßmacher. Seine Geigen sind weniger gut und kommen nur selten vor. Sie ent- sprechen denen der damaligen Wiener Geigenmacher zweiten Ranges. Eine Eigentümlichkeit seiner Kontra- bäs3e ist, daß er die F-Löcher oben und unten nicht 218 Hind: mds Hochbrücke!' durchschnitt, damit sie nicht so leicht eingebrochen werden konnten. Sein bestes Geschäft machte er damit, daß er den Musikern seine Bässe leihweise überließ. Geigenzettel : Hindle, Lauten und / Geigenmacher in Wien 1830 (gedruckt). Hinds (Hlntz), Frederlck. — London. 1740. 1776 Es gibt einige gute Gamben und Violoncelli usw. von ihm, Gelgen konnte ich nicht erfragen. Eine Zither vom Jahre 1740 von ihm besitzt Miss E. A. Willmott. Geigenzettel : F. Hinds / Maker / Ryders Court, Lei- cester Fields / 1 7 London 76 (gedruckt). Hinrichs, Johann Peter. — Hamburg. 1796 Da er bei seiner am 8. Januar 1796 erfolgten Bürger- aufnahme kurzweg als Instrumentenmacher bezeichnet wird, steht nicht fest, daß er Geigen- oder Lauten- macher war. Hinrichsen, J. — Hamburg. 1847 Ein Geigenmacher, der mir bisher nur als Reparateur bekannt geworden und vielleicht mit dem vorher ge- nannten J. P. Hinrichs identisch ist. Geigenzettel: Repariert / J. Hinrichsen / Hamburg / 1847 (gedruckt). Hjorth, Andreas Hansen. — Kopenhagen Geb. 1759 in Hadersleben, f 1834 in Kopen- hagen Er ließ sich 1 795 in Kopenhagen nieder, wo er Hof- instrumentenmacher wurde. Er machte gute Geigen und Violoncelli nach Amati. Außer seinem Zettel ver- wendete er auch die Brandmarke A. H. H. Eine Viola d'amore von 1791 besitzt C. Claudius in Kopen- hagen. Geigenzettel: Andreas Hjorth. (gedruckt). — Forfaerdi- get efter Amatus Regel af Instrument.mager / Andreas Hiorth i Kjöbenhavn Anno 1825 (gedruckt). Brand- marke Nr. 3. Hjorth, Emil. — Kopenhagen. Geb. 1840 in Kopenhagen Sohn, Schüler und seit 1865 Geschäftsnachfolger von Johannes Hj. Er arbeitete 1869 in London, 1863 bei Gabriel Lemböck in Wien und 1864 bei Bernardel pere in Paris. Er machte hauptsächlich Violoncelli nach Stra- divari und Guarneri und war ein gesuchter Reparateur. Sein Öllack ist recht gut. Auch betrieb er einen aus- gedehnten Handel mit altitalienischen Instrumenten und fabrizierte gute Saiten. 1880 wurde er zum In- strumentenmacher für die Königl. Kapelle ernannt. Auch seine Söhne Otto und Knud sind Geigenmacher geworden und traten in die Firma ein, doch tragen Geigen, die sie allein gemacht haben, ihre eigenen Zettel. Geigenzettel: Emil Hjorth & S 'ner / Kobenhavn 1907 [H im Kreis] (gedruckt). — Otto Hjorth / Kjöbenhavn, Anno 1903 (gedruckt) und Abb. 348. Hjorth, Johannes. — Kopenhagen. Geb. 1809, t 1900 Sohn, Schüler und Nachfolger von Andreas H. Hj. Er arbeitete, wie sein Vater, nach dem Amatimodell, und hat das Geschäft (in der Vestergade Nr. 45), nament- lich als Saitenfabrikant, sehr erweitert. Hircutt. — London. 1600 Ein Meister dieses Namens soll am Anfang des 1 7. Jahr- hunderts in London gelebt haben. Hirschler, J. — Einsiedeln, Unter-Aegeri (Kanton Zug). Geb. 1835 in Engelberg (Obwalden) Schüler von Leo Felrabend. Nach einigen Wander- jahren ließ er sich 1871 In Einsiedeln als Geigenmacher nieder und verlegte seinen Wohnsitz später nach Unter- Aegeri. Er machte sämtliche Streichinstrumente und ahmte die Modelle von Stradivari und Amati nach ; sein eigenes Modell schließt sich an Stradivari an, hat aber eine etwas höhere Wölbung. Er setzte sich einen Ollack eigener Mischung zusammen, der gute Eigenschaften hat. Seine Geigen haben weichen Ton und leichte An- sprache. Im Wiederherstellen alter Geigen besaß er große Erfahrung und Kunstfertigkeit und wurde gerne in .Anspruch genommen. Geigenzettel: J Hirschler Geigenbaver / Unteregeri Ct Zug (gedruckt). L eipzig. 18. Jahr- Hirschstein, Matthaeus. hundert Nach seinem Zettel, den Paul de Wit in seinen »>Geigen- zetteln alter Meister« veröffentlicht, war er nur Händ- ler. Gei gen Zettel : Matthaeus Hirschstein / Musical. In- strum., Haendler in Leipzig, (gedruckt). Hirst, Franz, lebt als Saiteninstrumenten- macher in Durban (Port Natal) Hlausa. — Wien? Hoch, Christian. — Venedig. 17. — 18. Jahrh. Eine Theorbe von ihm befindet sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Vielleicht ein Nach- komme des »Dal Hocha« in Ferrara? Hochschwarzer, Andrä. — Schwaz i. T. — t um 1900 in hohfm Greisenalter Ein Klarinetten- und Flötenmacher, der im Volks- munde deshalb der "Klarinettler« genannt wurde und der auch nebenbei Geigen und Gitarren, die freilich keinen Kunstwert hatten, machte. Hochbrucker. — Donauwörth, Augsburg, 1699. t zwischen 1762 und 1764 Er soll als Lauten- und Violenmacher nicht ungeschickt gewesen sein, doch ist er nur durch seine Erfindung, an der »großen Brettharfe« ein Pedal anzubringen, be- kannt geworden. Daß er auch in Augsburg gelebt haben Höfer - Höß 219 soll, wird zwar oft behauptet, läßt sich aber nicht be- weisen. In den Donauwörther Pfarramtsrechnungen wird er noch 1762 als Lieferant von Saiten für den Chor erwähnt, 1764 liefert seine Witwe Agathe die Saiten, er muß also nach 1762 und vor 1764 gestorben sein. — Sein Sohn Simon war em berühmter Harfen- spieler. Höfer, Fr. Wilh. — Taucha b. Leipzig. 1874. 1901 Ein Musiker und Klavierstimmer, der seit 1874 auch eine Werkstatt für Geigen- und Blasinstrumente besitzt. Höhne, Gustav I, hatte im 19. Jahrhundert seine Werkstatt in der Erfurter Straße in Dresden Höhne, Gustav II. — Weimar. 1835. 1885 Sohn von Gustav I H. Er war Hofmstrumentenmacher und verband sich später mit seinem Sohne zu der Firma G. Höhne & Sohn. Seme Geigen sind recht sauber in ihrer Arbeit. Er soll auch eme Zeitlang in Dresden gearbeitet haben. Höhne, Karl. — Weimar. 1895 Sohn von Gustav H. und dessen Nachfolger als Hof- instrumentenmacher. Er arbeitete recht sauber nach Stradivari, Maggini, Guameri usw. Auch die Viola d'amore verstand er zu machen. Hölünger, Albin. — Kiel. Geb. 5. Febr. 1875 m Markneukirchen Schüler von Heinr. Rob. Seidel. Durch neuneinhalb Jahre arbeitete er als Gehilfe in verschiedenen Städten Deutschlands, zuletzt durch zweieinhalb Jahre bei Winterling in Hamburg, und machte sich am 1 . Septbr. 1901 in Kiel selbständig. Er hat ein dem Stradivari ähnliches, eigenes Modell : Höhe des Bodens und der Decke je 14 mm; Zargen 32 mm hoch, die oberen Zargen von der Ecke bis zum Klotz auf 30^/j mm ver- laufend. Seine Geigen sind recht sauber gearbeitet, mit Ollack versehen und haben einen vollen, weichen Ton und leichte Ansprache. Auch im Wiederherstellen soll er sehr geschickt sein. Geigenzettel : Anno 1 9 . Albin Höllinger / fecit in Kiel (gedruckt). Hör, Engelbert. — Klingenthal. 1793 Ein wenig bekannter Vogtländer, von dem es einige leidlich gute Geigen gibt. Geigenzettel : Engelbert Hör / Geigenmacher / in Glingenthal. 1 793 (gedruckt). Hörlem, Karl Adam. — Kitzingen, Würzburg. Geb. 3 1 . Jan . 1 829 in Winkelhof (Ökonomie- gut bei Marktbreit), f 1902 Schüler von J. Vauchel. Er war durch drei Jahre als Gehilfe bei Lemböck in Wien tätig und begründete 1853 sein Geschäft in Kitzingen a. M., das er 1866 nach Würzburg verlegte. Er arbeitete nach eigenem und nach dem Stradivarimodell, wendete Weingeist- und ÖUack an. Er war u. a. der erste Erbauer der be- kannten Ritterschen Viola alta und wurde auf Aus- stellungen oft prämiiert, auch zum Herzogl. Sachsen- Meiningenschen Hofinstrumentenmacher ernannt. In den letzten Jahren ließ er freilich seine Geigen in Mark- neukirchen usw. vorarbeiten und vollendete und lackierte sie nur selbst. Seine Biographie mit Bild findet sich in de Wits Zeitschr. f. d. Instr. 1902. Nr. 14. Mehrere Geigen von ihm besitzt C. Stoeber in Würzburg. Geigenzettel : K. A. Hörlein invenit. / Würzburg (ge- druckt). — Reparirt von K. A. Hörlein / in Kitzingen 1853:: (geschrieben). ■ — Hermann Ritter invenit. Privi- leg Nr. 260 / K. A. Hörlein fecit Würzburg 1899 (ge- druckt). Hörning, Woldemar. — Chemnitz. Geb. 21 . Nov. 1857 in Arnsfeld b. Annaberg i. E. Ein tüchtiger Violoncellist. Mitglied des städtischen Orchesters, der sich aus Liebhaberei mit dem Geigen- machen beschäftigt hat und zwar mit solchem Erfolge, daß ihm ein Nebenerwerb dadurch entstanden ist. Er besitzt theoretische Kenntnisse und wird als Reparateur gelobt. Hoes (Hös), Anton. — Prag. 1682. 1707 Wahrscheinlich ein Bruder von Rudolf H. in München . Dem Namen nach dürften beide aus Füssen stammen. Der Prager Bildhauer Joh. Malicky besaß 1794 eine von ihm gemachte Viola d'amore, im Stift Ossegg be- findet sich noch jetzt eine Laute von ihm aus dem Jahre 1707 (Kat.-Nr. 19). —Ein Nachkomme, Thomas Höß, lebte noch 1815 als »musikalischer Spielmaschi- nist« in Wien, am Spittelberg Nr. 14. Geigenzettel: Antonius Hös / Lauten und / Geigen- macher in der Alten / Stadt Prag A. 1 707 (gedruckt). Höß, Felix. — Füssen. 1623 Er wurde am 23. August 1623 als Meister in die Lautenmacherzunft aufgenommen. Höß, Rudolph. — München. 1680. 1739 Hoflautenmacher, der unter Max Emanuel und Carl Albert arbeitete. In den bayrischen Hofzahlamtsrech- nungen läßt er sich nur von 1696 — 1704 verfolgen, doch gibt es Violen von ihm mit der Jahreszahl 1682, und das Münchener Nationalmuseum besitzt eine Baß- laute mit seinem Zettel von 1 739. Ein Diskant Quinton (1708) ist in Berlin in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente und eine Viola da Gamba vor 1696 im Fürstl. Hohenzollernschen Museum in Sigmaringen. Er arbeitete sehr sorgfältig, verwendete gutes Holz und hatte ein dem Stainer ähnliches Modell. Seine Decken sind manchmal etwas zu dünn ausgearbeitet, der LacK ist hellbraun oder kastanienbraun, ohne besonderes Feuer. Bei seinen Violen findet man meist schlangen- förmige Schallöcher. Seine Schnecken sind schwung- voll, dagegen die häufig vorkommenden Engelsköpf- chen (mit verbundenen Augen) oder Teufelsfratzen mit eingesetzten Edelsteinen an Stelle der Augen nicht sehr geschickt geschnitten. Die Sammlung Crosby Brown in New York besitzt eine kleine, aus der Sammlung Bricqucville stammende Tenorviole von ihm. Der Ka- talog nennt ihn hier mit Hinweglassung des eigent- 220 Ho(er — Hoffmann liehen Familiennamens und die Abkürzung Churfl. mißverstehend »Rudolph Churst!« — Eine Tanz- meistergeige vom Jahre 1676 besitzt die Sammlung des historischen Vereins in Würzburg, eine Viola d'amore C. Claudius in Kopenhagen. Geigenzettel : Rudolph Höss / Ihro Churvurstlichen / Durch!. Hof-Lauten und Geigenma- / eher m Mün- chen / Anno 1682 (gedruckt) und Abb. 335. »Hofer Geigen« s. Andr. Preller Hoff, 0. U., lebt in Christiania Hoffmann, A. F. — Kopenhagen. 1893. 1900 Er betreibt die Geigenmaeherei und ist Saitenhändler. Hoffmann, David. — Leipzig. 1577 Sein Name erscheint 1577 in der Leipziger Bürger- rolle: er wird kurz als Instrumentenmacher bezeichnet, so daß nicht sicher ist, ob er Lauten oder Geigen ge- macht hat. Es ist aber möglich, daß er zu Veit und Martin H. in verwandtschaftlichen Beziehungen stand. Hoffmann, Eduard. — Bobischau b. Mittel- walde i. Schi. 1895. 1900 Ein Nachkomme der Wölfelsdorfer Geigenmacher- familie, der heute noch als Geigenmacher tätig ist. Hoffmann, Hermann. — 1796 Sein Name ohne Wohnort findet sich in einer sehr mangelhaft ausgeführten Geige ohne Einlagen und ohne Baßbalken. Hoffmann, Friedrich. — Wölfeisdorf. Geb. im Mai 1647, t 1714 im März Er stammte aus Ebersdorf in Schlesien, wo er bis 1680 ansässig war. In letzterem Jahr verheiratete er sich in Wölfeisdorf mit Salome, der Tochter des Schulzen Hans Hetzeis; im Trauschein wird er ausdrücklich Geigenmacher genannt und kam in Wölfeisdorf zu großem Ansehen. Über seinen Tod sagt die Sterbe- matrikel: 1714 am 8. Martis wurde begraben Fridrich Hoffmann Gelgenmacher und Gerichtsverwalter all- hier — alt 65 Jahr, 10 Wochen, 1 Tag. — Er ist der Stammvater der schlesischen Geigenmacherfamilie seines Namens. Hoffmann, Ignaz d. Ä. — Wölfeisdorf i. Schi. Geb. 1695, t 1769, 25. März Sohn und Schüler von Friedrich H. Er wurde am 5. August 1695 getauft, da die Kinder damals sofort getauft wurden, ist er wohl am selben Tage geboren. Am 29. März 1769 wurde er begraben: die Matrikel sagt, daß er an einem »abzehrenden Fieber« gestorben sei. Er war nicht ungeschickt; Geigen von ihm sind in der Grafschaft Glatz heute noch häufig zu finden. Einige besitzt die Kirche in Wölfeisdorf. Sie zeigen allerdings nur gewöhnliche Arbeit. Geigenzettel : Ignatz Hoff mann Lautten und /' Geigen und harpfenmacher in / Wulfelsdorff Anno 1748. (ge- druckt). Hoffmann, Ignaz d. J. — Wölfeisdorf. Geb. 1736; t 7. Jan. 1791 Sohn und Schüler von Ignaz H. d. Ä., dem er in der Arbeit sehr ähnlich ist. Auf einigen seiner Zettel be- zeichnet er sich (jedenfalls nach seiner Wohnung) "der Niedere«. Von ihm sagt die Sterbematrikel: 1791, den 10. Jan. ist begraben worden der Feldgärtner Ignatz Hoffmann, Geigenmacher, welcher am 7. huius an Wassersucht gestorben. 55 Jahr. Geigenzettel: Ignatius Hoffmann / Lauten- / Geigen- und Harpfenmacher/ in Wölfelsdorff anno .... (gedr.). Hoffman, Jacques, de Jonghe Ein vlämischer oder holländischer Lautenmacher des 17. Jahrhunderts, von dem das Münchner National- museum eine Laute besitzt. Hoffmann, Johann Christian. — Leipzig. Geb. April 1683, t l.Febr. 1750 Älterer Sohn und Schüler Martin Hs. Er erwarb erst 1722 das Leipziger Bürgerrecht und war einer der besten deutschen Meister seiner Zeit, der seine In- strumente ebenso schön auszustatten als gut zu machen verstand. Neben trefflichen Lauten hinterließ er auch eine stattliche Anzahl vorzüglicher Streichinstrumente, edel im Ton und gut im Holz. Sein Lack erinnert an den der Amatischule. Er war sehr angesehen; »Kgl. polnischer und Kurfürstlich sächsischer Hof instrument- und Lautenmacher« und schon zu seinen Lebzeiten weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus be- rühmt. Er war mit Joh. Seb. Bach gut befreundet, den er in seinem 1748 errichteten Testament bedachte und baute auch die von diesem erfundene Viola pomposa (jetzt in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln). In Barons Untersuchung des Instruments der Lauten liest man S. 95, nachdem er erwähnt, daß Mar- tin Hoff mann bereits gestorben sei : ». . . doch ist dieser Verlust durch seine beyde hinterlassnen Herrn Söhne ersetzt worden, davon . . . der ältere aber, Herr Johann Christian Hoffmann (sich) auf die Lauten-.^rbeit appli- cirt. Dieser künstliche Meister hat sich hier in diesem genere durch seine nette Arbeit bey der galanten Welt in solchen Estime gesetzt, so gar, daß seine Lauten vornemlich nach Holl- und Engelland und Frankreich öfters sind geführt worden. Was nun besonders dabey zu mercken, so hat er in Erbauung der Lauten nicht allein viele proportionirliche Schönheit; sondern auch derselben einen guten und reinen Thon beygefüget. In der Structur des Lauten-Halses hat er seinen Herrn Vater übertroffen, well er ihn Jedermann recht Faust- recht macht, da sie jenem meistentheils ein wenig gar zu dicke gerathen waren. Er weiß auch die Chöre und Saiten nach ihrer gehörigen Distanz so wohl einzu- theilen und zu legen, daß sich seine Lauten sehr leichte handthieren lassen.« Vier Violinen, zwei Violoncelli und einen Kontrabaß von ihm aus den Jahren 1715 — 1732 führt das Inventar der Cöthener Hofkapelle von 1 773 auf. Eine prachtvolle, siebensaitige Viola da Gamba vom Jahre 1725 von ihm besitzt die Musikinstrumen- tensammlung des Bachhauses in Eisenach. (Nr. 42). Er war auch als Reparateur geschätzt: ein Reparatur- zettel von ihm aus dem Jahre 1741 findet sich u. a. in Hoffmann — Hofmann 11\ Th. Körners Laute (Körnermuseiim in Dresden). Von seinen Instrumenten in öffentlichen Sammlungen seien nocK genannt: zwei Theorben und eine Mandola in Berlin (staatl. Sammlung a.M.) Nr. 717,718 und 733, eine ebensolche vormals in Dr. Hirths Besitz in Mün- chen, Gitarrelaute bei Scheurleer, Diskantviola da Gamba und zwei Theorben in W. Heyers Musikhisto- rischem Museum in Köln. Vgl. über ihn auch De Wits Zeitschr. 1894, Nr. 5 1). Geigenzettel: Johann Christian Hoffmann ,' Königl. Poln. und Churfürstl. Sachs / Hoff- Instrumenten und Lautenmacher, 1 730 (gedruckt). Hoffmann, Martin. — Leipzig. Geb. 1653, t 15. April 1719 Er stammte aus Leipzig und erlangte als Geigenmacher im Jahre 1678 das Bürgerrecht. Sehr geschätzter Mei- ster, von dem sich ziemlich viele Arbeiten, sowohl Lauten- als Geigeninstrumente, erhalten haben. Bei den letzteren verwendete er ein eigenes Modell mit sehr spitzen Ecken und schwachem Rand. Seine Violoncelli zeigen noch in Einzelheiten die alte Gambenform. Vgl. Baron, Laute S. 95, Walthers Musiklexikon 1732, S.316. De Wits Zeitschr. 1894, Nr. 5 usw. Eine große Laute im Germanischen Museum in Nürnberg, ein Violon- cello von 1705 im Schlesischen Museum für Kunst- gewerbe und Altertümer in Breslau Nr. 256 96. Eine Viola di Gamba in W. Heyers Musikhistorischem Mu- seum in Köln. Sein Reparaturzettel (von 1696) befindet sich in Körners Laute (Kömermuseum in Dresden). Geigenzettel: Martin Hoff mann / in Leipzig 169. . . (gedruckt). Hoffmann (Gottlleb?). — Leipzig. 1725. 1730 Jüngerer Sohn von Martin H., der sich nach Baron (Untersuchung des Instr. der Lauten) auf das Violin- und Gambenmachen verlegte; auch Walther sagt in seinem Musiklexikon (1732) nur so viel von ihm. Er scheint bei seinem Bruder und hauptsächlich für diesen gearbeitet zu haben. Das Inventar der Cöthener Hof- kapelle von 1773 führt ein »Violino piccolo« von Gott- lieb Hoffmann, 1726, auf. Hoffmann, Moritz. 1761 Kleln-Schmalkalden . Hoffmann. - Habelschwerdt. 1890. 1900 Ein Nachkomme der Hoffmann in Wölfeisdorf, der als geschickter Instrumentenmacher gilt. Hofmann, Anton. — Wien. Geb. 1814, t 14. Juli 1871 Seine Mutter besaß ein Wirtshaus der Werkstatt von J. Martin Stoß gegenüber. So erwachte schon in jungen Jahren die Lust zur Geigenmacherei in Hofmann, der erst Lehrling, dann Gehilfe von Stoß wurde, und nach dem Tode seines Meisters (1838) das Geschäft mit der Witwe unter der Firma Stoß & Hofmann weiterführte, bis er es am 17. Oktober 1844 durch Kauf ganz erwarb. Seine Geigen sind sehr geschickt gemacht und noch besser seine Violoncelli, namentlich aus der Zeit bis etwa 1850. Damals kam er seinem trefflichen Meister sehr nahe, nur nahm er die Wölbung noch flacher und verwendete höhere Zargen. Sein ÖUack war dunkelrot oder braun. Da aber damals schon die Vorliebe für alte Instrumente überhand nahm, fing er an, das alte Aus- sehen zu imitieren. Er machte viele Violoncelli mit Lindenholzböden, nahm zu Schnecke und Zargen Buchenholz, zu den Decken grobjäbriges Fichtenholz. Diese Instrumente haben nur dunkelrotbraunen Spiri- tuslack und sind in der Brust mit Kienruß geschwärzt. Er war einer der bekanntesten Wiener Geigenmacher um die Mitte des 19. Jahrhunderts und war sehr ge- ' schätzt, wurde zum Hofgeigenmacher ernannt und galt auch als tüchtiger Reparateur und ist von allen Geigen- freunden aufgesucht worden. Auch Tarisio verkehrte sehr häufig bei ihm. Geigenzettel: Abb. 321 und 365. Hofman, David. — Klingenthal (?) 1810. 1812 Er bildete sich ein Modell nach Amati und Guarnen und hatte einen dunkelgelbroten Lack. Seine .Arbeit ist von guter vogtländer Art, nur brachte er die Einlagen zu nahe am Rande an. Sein Zettel enthält, wie bei vielen seiner zeitgenössischen Landsleute das Wort Cremona. Eine gute Violine von ihm vom Jahre 1812 besitzt J. Feilchenfeld in Neukölln. Geigenzettel: David Hofman / Italia Cremona 1812 (geschrieben). Hofmann, Johann Martin. — SchlUlngsfürst. 1805 Nach seinem Zettel war er Hoflauten- und Geigen- macher, leider aber versagten die archivalischen Nach- forschungen nach ihm. Geigenzettel: Johann Martin Hofmann / Hochfürstl. Hof-Laut- / und Geigenmacher in /Schillingsfürst 1805 (gedruckt). Hofmann. — Klingenthal. 1809 In einer Viola findet sich die Inschrift: »Hofmann aus Klingenthal 1809«. Ein Josef Hof mann soll schon 1766 vorkommen, ein Heinrich Hofmann lebte in Adorf und ein 0. Hofmann im 19. Jahrhundert in Herford. Von ihm befindet sich eine fünfsaitige Viola di basso in Berlin in der staatl. Sammlung alter Musikinstru- mente (Nr. 803). Die Decke ist von geringer Wölbung, der Boden ist flach und nicht abgedacht. In der Decke befinden sich jedoch keine Schlangenlinien, sondern F-Löcher. Hoffmann, Veit. — Leipzig Wanderte um 1650 aus Schmalkalden (Ilmenau) nach Leipzig ein und erwarb 1654 dort das Bürgerrecht. Wir haben in ihm wohl den Vater Martin Hoffmanns zu sehen. u D j \w. L n L ■ TU u A^^- r^^iA. Hofmann, Josef. — Zürich. 1914 ) r. de Wit besaß von ihm eine 1 neorbe, drei pracn- ' J tige Violen di Gamba, eine Viola d'amore und eine Viola Schüler von Keller in Würzburg. Ein ebenso talent- pomposa. voller als geschickter Geigenmacher, der alles an seinen 222 Hofmans — HoUmayr Geigen selbst maclit. Als er bei Ausbruch des Krieges zu den Waffen gerufen wurde, mußte er seine Werk- statt aufgeben und nach Deutschland zurückkehren. Er machte den Krieg mit und wurde schwer verwundet und geriet in Gefangenschaft. An die Schweiz aus- geliefert, arbeitete er eine Zeitlang bei Stemblowski in Engelberg. Hofmans.Matthys. — Antwerpen. 1689. 1740 Einer der besten Antwerpener Geigenmacher, über den leider wenig zu erfahren ist, da er anscheinend nicht der Lukasgilde angehört hat. Erarbeitete nach italieni- schen Vorbildern, seine Modelle gehen auf Amati und Guarneri zurück und sind in bezug auf Arbeit und Ton recht lobenswert. Auch sein rotbrauner Lack ist nicht schlecht. Das Versteigerungsverzeichnis der Selhof- schen Sammlung (Haag, 1 759) führt zwei Violinen von ihm an. In der Auktion Samary war eine hübsche Taschengeige von ihm, eine solche bewahrt auch das Musee du Steen in Antwerpen, eine fünfeckige Ta- schengeige mit Negerköpfchen befindet sich aus der Sammlung Snoeck in Berlin und eine Violine im Mu- seum des Brüsseler Konservatoriums (Nr. 233). Die Theorbe aus der Sammlung Galpin (jetzt in Boston) trägt die wohl aus 1679 entstandene Jahreszahl 1619. (Neuere Forscher wollen übrigens aus Matthys Hof- mann zwei gleichnamige Meister machen und setzen die Wirkungszeit des älteren in die Jahre 1660 — 1691, des jüngeren in den Zeitraum von 1700 — 1725. Geigenzettel : Matthys Hof maus Tot / Antwerpen, (ge- druckt). — Matthys Hof mans van Antwerpen 1 68 . . (gedruckt). Hofmayr, Caspar. — Steyr. 1836 Vermutlich der Vater des Ignaz Hofmeyr. Eine Geige im Stift Admont, zu der er vermutlich nur den Boden gemacht hat, trägt seinen Namen. Hofmayr (Hofmeyr), Ignaz, lebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Steyr Geigenzettel : Ignaz Hofmeyr / bürgl. Geigenmacher in Steyr/ 1869 (gedruckt). Hohlfeld, Johann. — Berlin. Geb. zu Henners- dorfi.S. 1711, t 1771 Als Erfinder musikalischer Instrumente, so u. a. eines Bogenklaviers (Bogenflügels), bekannt geworden. Von Hause aus war er ein einfacher Posamentiergehilfe. Hohmann, Johann Hinnch. — Hamburg Er wurde als Instrumentenmacher am 3. November 1797 Bürger. Holder & Sons, eine letzt in London bestehende Geigenfirma Hole, A. P. — Leicester Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. Holebeck s. Joh. II Neuner Holländer, Johann Christoph. — Schaff- hausen. Geb.8.Dez. 1714, 1 25. März 1792 Ein vielseitiger Mann; er war Kantor an der St. Jo- hanneskirche und Präzeptor der untersten Klasse des Gymnasiums in Schaffhausen, machte Musikinstru- mente — und gehörte der Zunft der Gerber an^). Eine von ihm ausgebesserte Laute von Ambrosius Weiß in Basel besitzt das Badische Museum für Altertümer in Karlsruhe. Geigenzel.cl: Ambrosius Weiß in Basel / Christoph Holländer zu Schaff hausen / me correxit 1 754 3 "^° Juny (geschrieben). Hollmayr, Bakus. — Füssen. 1 737. f vor 1 794 Die Familien Hollmayr und Hellmer scheinen ursprüng- lich zusammenzuhängen, da einzelne ältere Mitglieder der Familie Hellmer auch als Hellmair vorkommen. Bakus Hollmayr wird mit seinem halbjährigen Sohne Joseph im Füssener Umlageregister von 1 737 als Lau- tenmacher aufgeführt. Seine Witwe lebte noch im Jahre 1774. Hollmayr, Jacob (?). — Füssen. 1710. 1730 Ein wenig bekannter Füssener Meister, von dem manch- mal Lauten vorkommen. Der Vorname war nicht mehr sicher leserlich. Hollmayr, Johann. — Wien. Geb. in Füssen um 1657, t Sept. 1679 in Wien Er war wohl als naher Verwandter von Marcellus H. nach Wien gekommen und hat vermutlich bei diesem als Geselle gearbeitet, dafür spricht, daß er in dessen nächster Nähe, im Neubad in der Naglergasse wohnte. Er war erst 22 Jahre alt, als er die Pest bekam und am 18. September 1679 ins Lazarett gebracht wurde, wo er starb. Hollmayr (Hollmair), Joseph. — Ingolstadt, Neuburg a.D. Geb. um 1737 in Füssen, tum 1795 Sohn und wohl auch Schüler von Baltus H., lebte um 1772 in Ingolstadt und wurde 1773 auf Ansuchen als Geigenmacher in Neuburg aufgenommen, wo er um 1795 starb (Kreisarchiv Neuburg). Seine Arbeit erinnert an die Buchstädters, ist recht gut, das Holz schön gewählt und der Lack durchsichtig und gelbbraun. Der Ton edel, wenn auch nicht groß. Seine Zettel sind geschrieben oder groß gedruckt : Joseph Hollmayr, Lauten und Geigen- / macher in Neuburg an der Do- nau 1774 (gedruckt). Hollmayr, Lorenz. — München. Geb. 5. Aug. 1635 in Wien, f 1680 in München Sohn und Schüler von Marcellus H. Nachdem er aus- gelernt hatte, begab er sich auf die übliche Wander- schaft und suchte vermutlich die Heimat seines Vaters und seine Verwandten in Füssen auf. Vielleicht war auch Peter Köpf in München (bei dem er als Geselle ^) Auch sein Sohn Johannes (geb. 1750, f 1829) war Organist und hat gelegentlich Musikinstrumente repariert. Hollmayr — Holste 223 eintrat, ein Jugendfreund seines Vaters. Er verliebte sich dort in Anna Maria, die Tochter seines Meisters, und heiratete sie im Mai 1659, nachdem er beim Rate der Stadt den Nachweis erbracht hatte, daß er ein Ver- mögen von 150 fl. besaß, seine Braut 100 fl. hatte und er zum Bürger und Lautenmacher angenommen war. Er hatte seine Werkstatt in der Sendlingergasse unweit des Tores und kommt von 1659 bis 1680 in den Steuer- büchern vor. Daß er auch vom bayrischen Hof be- schäftigt wurde, wie die Münchener Hofrechnungen (Kreisarchiv H. R. 468/577) ausweisen, spricht für das Ansehen, das er sich erworben hatte. Seine Frau dürfte die Werkstatt fortgeführt haben, da sie im Jahre 1681 als »Lautenmacherin« besteuert vorkommt. Er hmter- ließ acht Kinder, doch scheint sich keines davon der Lautenmacherei zugewendet zu haben. Hollmayr, Marcellus. — Wien. Geb. um 1594 in Füssen, f 12. Okt. 1681 in Wien. Sohn von Matthias H. Er hatte in Füssen ausgelernt und kam als Geselle zu Georg Epp, der gleich ihm aus Füssen stammte, nach Wien. Als sem Meister, der selbst noch jung war, vorzeitig starb, nahm ihn die Witwe Rosina als Werkführer an, und sie muß sehr zufrieden mit ihm gewesen sein, denn sie heiratete ihn am 8. Juni 1633. Sie paßten sehr gut zueinander, Mar- cellus H. war damals etwa 39 Jahre und Rosina 28 Jahre alt, er war ein tüchtiger Meister und sie hatte ein ganz ansehnliches Vermögen und ein gutes Geschäft, das nun das seine wurde. Trotzdem erwarb er erst im Mai 1638 das Wiener Bürgerrecht und im Februar 1647 konnte er sich im »Naglergässel« bereits ein Haus kaufen, freilich zumeist mit dem Gelde seiner Frau, mit der er in glücklichster und von 5 Kindern geseg- neter Ehe lebte. Seine Geschicklichkeit und sein Fleiß fanden Anerkennung, sein Wohlstand wuchs und er war im Laufe der Zeit ein sehr angesehener Bürger ge- worden und als seine Frau am 26. April 1670 starb, konnte er sie in eigener Gruft in der St. Michaelskirche beisetzen lassen. Er betrauerte sie aufrichtig, aber er fühlte sich einsam, seine erwachsenen Kinder waren längst verheiratet oder in der Fremde, sein Hauswesen kam in Unordnung und so ließ er sich bestimmen am 27. Februar 1672 die Sabina Groner zu heiraten. Er erkannte bald, daß er einen schweren Mißgriff getan hatte, die zweite Frau machte ihm das Leben zur Qual. Er sehnte den Tod herbei und errichtete schon 1677 sein Testament, in dem er seiner ersten Frau ebenso in Dankbarkeit und Treue gedenkt, wie er uns einen Einblick in sein unglückliches Leben mit der zweiten Frau tun läßt^). Sie war jedenfalls auch schuld, daß das Geschäft nicht mehr so gut ging, wie zu Lebzeiten der Rosina, denn wenn man von dem Meister, der sein achtzigstes Lebensjahr überschritten hatte, nicht mehr die gleiche Arbeitsleistung wie früher voraussetzen durfte, so hätte die Meisterin, wenn sie verständig ge- wesen wäre, mühelos tüchtige Gehilfen finden können. Eine hübsche Taschengeige von ihm von 1 682 befindet sich in München in Privatbesitz. Geigenzettel: Marcellus Hollmayr / In Wienn Anno 1682 (geschrieben). ^) Näheres in E. K. Blümml's mehrf. angef. .Aufsatz. Hollmayr, Tobias. — Wien. Geb. nach 1595 m Füssen, f nach 1679 Bruder von Marcellus H. Auch er hatte in Füssen aus- gelernt und hoffte wie sein Bruder in Wien sein Glück machen zu können. Er wird anfangs als Geselle ge- arbeitet haben, bis er am 14. April 1652 die Anna Gabler heiratete und im Mai 1653 Bürger wurde. Er machte sich dann selbständig und hatte seine Werk- statt auf dem Kohlmarkt. Er kam aber nicht recht vorwärts und scheint auch als Meister noch hauptsäch- lich für seinen Bruder gearbeitet zu haben. Zuletzt zog er sogar in die Nähe seines Bruders »hinter St. Pan- kraz«. Es ist anzunehmen, daß die meisten seiner Lauten usw. ohne Zettel blieben oder durch Marcellus H. verkauft wurden und dann als dessen Arbeiten in die Welt gingen. Er hatte 8 Kinder, von denen jedoch keines bei der Lautenmacherei blieb. HoUoway, John. — London. 1794 Er wohnte 31 Gerard Street, Soho, und gehörte zu den unbedeutenderen englischen Meistern seiner Zeit. Holm, P. N. — Kopenhagen. 1824 Er wohnte in Kristianshavn, jenem Stadtteil Kopen- hagens, der zu König Christians IV. Tagen selbständig war und seit Friedrich III. mit der Hauptstadt ver- einigt ist. Geigenzettel: Repareret af Violinmager P. N. Holm / Dronningensgade No. 18 Christianshavn 1824 (ge- druckt). Holm & Co. haben ein Geschäft in Chicago Holmer (Helmer?), Leopold. — Nürnberg. 1717 Sein Zettel fand sich in einer Viola. Geigenzettel : Leopold Holmer bürgerl. Lau- / ten und Geigenmacher in Nürn- / berg Anno 1717 (ge- druckt). Holste, Heinrich. — Steinkirchen (im Alten- lande). Geb. 17. Jan. 1865 in Steinkirchen. 1917 Frühzeitig im Violinspiel ausgebildet, trat er mit 15 Jahren als Geiger in die Stader Stadtkapelle ein. Mit 18 Jahren erlernte er das Drechslerhandwerk und das Holzschnitzen. Als er auf den Gedanken kam, sich selbst eine Geige zu bauen, halfen ihm seine Vorkennt- nisse so, daß er sich aus Büchern alle Belehrung holen konnte. Seine erste Geige baute er im Jahre 1895 und hat seitdem mit wachsendem Erfolge über 400 Geigen, 10 Violen, 20 Violoncelli und 9 Kontrabässe gebaut. Der ausgezeichnete Geiger Prof. GobyEberhardt zollte seiner Arbeit das höchste Lob und hat wesentlich dazu beigetragen, daß weite Kreise auf ihn aufmerksam wurden. Durch unablässiges Streben vervollkommnete er sich immer mehr und so sind seine Geigen von tadelloser Durchführung und klingen bei sehr leichter Ansprache voll und edel. Sein am 15. August 1892 ge- 224 Holzapfel — Homolka borener Sohn Jenny H. ist sein begabter Mitarbeiter. Außer seinem Zettel verwendet er auch einen Brand- stempel: H Holste. Geigenzettel: Angefertigt von / Heinrich Holste, / Steinkirchen 1907 / im alten Lande (gedruckt). — Angefertigt von / Heinr. Holste / Steinkirchen / im Alten Lande 1919 (gedruckt). — Heinrich Holste, / Geigenbauer, / Steinkirchen 18. / No. (gedruckt). Holzapfel & Beitel, eine in Baltunore be- stehende Geigenfirma Holzel (Hölzel), Ignaz. — Kronstadt. 1801 Nur nach seinem Zettel bekannt : Ignatz Holzel Instru-/ mentenmacher in / Kronstadt 1801 (gedruckt). Holzer, Georg. — Stuttgart Geschickter Geigenmacher, der bei A. Sprenger tätig ist und in Turin 1911 eine ehrenvolle Erwähnung als Mitarbeiter erhalten hat. Holzerlandt, Gottfried. — Tangermünde. 1813 Er war Instrumentenmacher und hat auch Geigen re- pariert. Holzke, Hermann. — Bremerhaven, Lehe Geb. 21. März 1871 in Eichholz (Ostpr.) Schüler seines Großvaters, eines braven ländlichen Geigenbauers in Lansberg, später in Hoppendorf. Mit 17 Jahren verlor er seinen Großvater und ging mit 19 Jahren auf die Wanderschaft. Er kam viel in der Welt umher und war seiner Armut halber genötigt, als er als Geigenmacher keine Arbeit fand, in Bremer- haven zunächst eine Stelle als Kassierer anzunehmen. Es blieb ihm aber dabei doch so viel Zeit, daß er sich eine Geigenbauerwerkstatt einrichten konnte. Durch gute Arbeit kam er bald vorwärts und im Jahre 1902 konnte er sich bereits ausschließlich dem Geigenbau widmen. Nach dem Kriege, den er fast während der ganzen Dauer an der Front mitgemacht hat, verlegte er seine Werkstatt nach Lehe, wo er jetzt gut beschäf- tigt ist und neben vielfachen Ausbesserungsarbeiten auch über 80 neue Geigen gebaut hat, die er von Grund auf selbst anfertigt. Als Vorbild diente ihm eine sehr gut klingende Violine von Johann Christian Reichel, die nach Stradivari gebaut war, später eine ähnliche, noch bessere von Glass. Außer seinem Zettel tragen seine Geigen die Brandmarke: H HOLZKE. Geigenzettel: H. Holzke, Bremerhaven. / Gebaut 1909 aus altem Tonholz / vom Umbau d. alten Leber Kirche (gedruckt). — H. Holzke, Bremerhaven. /' Gebaut 1910. No. (gedruckt). — H. Holzke, Lehe. / Geigenbauer. / No. 85 Gebaut 1920 (gedruckt). Homolka, Ed. Emanuel. — Prag, Kgl. Wein- berge. Geb. 26. Aug. 1860 in Prag Er lernte von 1874 — 1879 bei seinem Vater F. A. H. und genoß nebenbei eine tüchtige musikalische Aus- l)ildung bei Franz Ondricek. Nach zweijähriger Mili- tärdienstzeit war er von 1881 — 1886 als Gehilfe bei seinem Vater tätig und ging 1886 in die Fremde. Nach seiner Rückkehr arbeitete er neuerdings von 1889 bis 1890 bei seinem Vater und übernahm gleich nach dem Tode des Vaters am I. Mai 1891 dessen Werkstätte. Er arbeitet nach Stradivari, Guarneri, Nie. und Hier. Amati und ist auch ein geschickter Reparateur. Seit Jahren ist er Geigenmacher des böhmischen Nationaltheaters und beeideter Schatzmeister. Er ver- wendet Spiritus- und gelegentlich auch Ollack. Er ist ein gründlicher Kenner und hat die wertvollsten For- schungen zur Geschichte des Geigenmachens in Böh- men usw. angestellt und deren Ergebnisse wiederholt veröffentlicht. Für ein von seinem Vater begonnenes, von ihm vollendetes Streichquartett erhielt er auf der Allgemeinen Landes- und Jubiläumsausstellung die höchste Auszeichnung. 191 1 ist er einstimmig in den Prager Prüfungsausschuß des Osterr. Geigenmacher- verbands gewählt worden. Sein talentvoller Sohn Eduard Ferdinand (geb. 18. Febr. 1886) widmete sich gleichfalls dem Geigenbau, war sein Schüler und bei ihm tätig. Beim Ausbruch des Krieges zu den Fah- nen gerufen, hat er sich auch als tapferer Soldat aus- gezeichnet und ist seit dem 26. September 1915 ver- schollen. Er war in serbische Kriegsgefangenschaft ge- raten und soll dann in Albanien oder auf einer italieni- schen Insel seinen Tod gefunden haben. Ein hoffnungs- volles Leben hat dadurch einen vorzeitigen Abschluß gefunden. Geigenzettel: Ed. Eman. Homolka houslar i Praze 1882 (gedruckt). E. Eman. Homolka reparairt / Vinea Regiae 1897 (gedruckt). Homolka, Emanuel Adam. — Velvary (Wel- warn, Böhmen). Geb. 24. Dez. 1796, t 11. Nov. 1849 in Prag Schüler von Kaspar Strnad, bei dem er 14 Jahre lang arbeitete, Bruder von Ferd. Jos. H. in Kuttenberg und Vater von Ferd. Aug. H. Er machte sich 1821 selb- ständig und war ein gediegener Meister, dessen Ar- beiten jetzt sehr gesucht sind. Er wohnte im Hause Nr. 64 und war mit Josepha Roucek verheiratet. Seine Geigen sind sehr schön nach der Form gebaut, mittlere Wölbung, gelber und gelbbrauner Spirituslack, manch- mal aber seltener, prächtiger goldgelber Ollack und an- sprechender Ton. Er bevorzugte wie sein Lehrer das Stradivarimodell. Der Komotauer Kirchenchor be- sitzt eine Violine von 1835 von ihm. Geigenzettel : Abb. 326. Homolka, Ferdinand August Vincenz. — Prag. Geb. 19. Jan. 1828 in Velvary, f 22. Nov. 1890 m Prag, Kgl. Weinberge Schüler seines Vaters Eman. Adam H. und Neffe von Joh. Steph. H. Er hatte 1844 ausgelernt, arbeitete dann bei Kratschmann in Znaim, Franz Schmidt in Wien und Jos. Barchänek in Ödenburg, Fietsche in Linz, Fischer in Wien und einigen Prager Meistern. Er hei- ratete am 24. Mai 1858 Marie Kobrc, nachdem er sich schon 1847 selbständig gemacht hatte. Er wohnte erst Altstadt 291, von 1851 — 1857 gemeinschafdich mit seinem Onkel, später Spälenä ul. 92 und 105, 104, Male nämesti Nr. 13, seit 1873 Husovä trida231 und zuletzt (seit 1888) auf den Kgl. Weinbergen. 1874 er- warb er das Bürgerrecht. Er war der »Prager Stradi- varius«, ein ideal angelegter Künstler, der es, wie Homolka — Hopf 225 wenige, verstand, den von ihm so hochverehrten Stradivari ^) nachzuahmen, wobei er bis in die klemsten Einzelheiten ging und in bezug auf die Tonschönheit seinem Vorbild tatsächlich nahe kam. Er kopierte ge- legentlich auch andere Meister, wie Jos. Guarnen oder Petrus Guarneri, Nie. Amati usw. Dabei hielt er sich nur an wirkliche Meisterwerke seiner Vorbilder, wie die Streichinstrumente des Grafen Wielhorski. Ohne eine hohe Wölbung zu bevorzugen, hielt er ein zu flaches Modell doch für ungeeignet, auch verstand er es vortrefflich, die richtige Holzstärke einzuhalten. In seinen jüngeren Jahren machte er auch viele Gitarren. Er verwendete sowohl Ol- als Spirituslack von roter, orangegelber und rotbrauner Farbe. Geigenzettel: Ferd. August Homolka / in Prag 1866 (gedruckt). — Ferd. August Homolka / fecit Pragae 1 849 / Copie nach Math. Alban. (F. H. im Kreis) u. Abb. 342. Homolka, Ferd. Josef I. — Neu Bydschow. Kuttenberg. Geb. 19. Jan. 1810 in Velvary, t4. Febr. 1862 in Kuttenberg (Kutna Hora) Schüler seines Bruders Em. Ad. H. Er war ein selbstän- diger, denkender Künstler, schuf sich ein eigenes Mo- dell und galt als ein Meister ersten Ranges. Seine Geigen waren sauber gearbeitet und stark im Holz. Seine in München 1854 ausgestellten Violinen wurden zu den besten gerechnet. Sein Lack war gewöhnlich dunkelrot oder gelb. Es gibt auch gute Gitarren von ihm. Zuerst war er von 1837 — 1843 in Novy Bydzov ansässig, wo er auch 1839 Magdalena geb. Ringhof fer heiratete. Er hatte drei Söhne und eine Tochter und wurde 1843 Bürger in Kutna Hora. Geigenzettel: Ferd. Jos. Homolka/ v Kutne Höre 1857 (gedruckt). — Ferdinand Josef Homolka , in Neubyd- zov / Anno 1842 (gedruckt) und Abb. 338. Homolka, Ferdinand Josef II. — Kutna Hora. Geb. 1 9. Jan. 1842 in Novy Bydzov, t 9. Aug. 1863 in Kutna Hora (Kuttenberg) Sohn und Schüler seines gleichnamigen Vaters. Homolka, Johann Stephan. — Prag, später Kuttenberg. Geb. 20. Juni 1800 in Velvary, t 19. März 1883 in Prag Bruder von Ferd. Jos. H. Schüler von Joh. Stoß, ar- beitete eine Zeitlang bei M. Weber und machte sich dann in Prag, Altstadt, Havelskä ul. Nr. 521, selbstän- dig, 1861 wohnte er Neustadt, Skolskä ul. 693, dann Vodickova ul. 703 und Smeckach Nr. 598. Im Jahre 1863 siedelte er nach Kuttenberg über, um die Werk- statt nach seinem Neffen Ferd. Jos. zu übernehmen. In Prag war er kürzere Zeit Geschäftsteilhaber bei Ferd. Aug. H. Er war ausübender Musiker, als Gelgen- bauer aber wohl der Unbedeutendste der Familie, wie er sich selbst nicht mit Unrecht nannte. Er machte auch Gitarren. Geigenzettel: Johann St. Homolka / fecit Pragae Ao / 1851 (geschrieben). — Johann Homolka / Instrumen- tenmacher / in Prag (gedruckt). — Jan Homolka / V Kutne Höre 1882 (gedruckt). 1) Speziell das Modell von 1709. V. Lü tg-cnd o 1-f f , Gi'igcn- und Lautenmacher. Bd. II Homolka, Vinzenz Emanuel. — Wien, später Velvary. Geb. 8. Juli 1826 in Velvary, t 27. März 1861 zu Velvary (Welwarn) Älterer Sohn von Em. Ad. H. und Schüler seines Va- ters von 1838 — 1843. Er arbeitete nach der Lehrzeit zuerst in Prag bei seinem Bruder, bei Stoß und Lehner, ging dann nach Budapest und 1846 zu Franz Schmidt nach Wien. War 1854—1858 in Wien ansässig und ließ sich zuletzt in seinem Geburtsorte nieder. Er war ein sehr talentvoller, tüchtiger Meister und bevorzugte einen dunkelgelben Öllack. Geigenzettel: Vinzenz Em. Homolka / Vienna? Anno 1854 (gedruckt). — Vincenz Homolka ,' Welwarn, Anno 1851 (gedruckt). — Vincenz Em. Homolka / Anno 1847 (gedruckt). Homolka, Wenzel. — Velvary (Welwarn). Geb. 14. Okt. 1798 in Welwarn, f daselbst vor 1850 Schüler seines Bruders Em. Adam H. Außer Geigen machte er auch Gitarren. Geigenzettel: W. Homolka, houslar (gedruckt). Hoof, Alphons van. — Tilburg (Holland), Ant- werpen, 's Hertogenbosch. Geb. H.April 1878 in Tilburg Seine erste Lehrzeit machte er bei Heinrich Rosbach,, der in der Fabrik von Kessels in Tilburg als Meister tätig war, durch. Hierauf ging er nach Markneukirchen, um seine Ausbildung abzuschließen. Zurückgekehrt machte er sich zuerst in Tilburg selbständig, verlegte aber nach etwa sieben Jahren seine Werkstatt nach Antwerpen. Nach Ausbruch des Krieges kehrte er im Anfang des Jahres 1915 nach Holland zurück und ließ sich In 's Hertogenbosch nieder, wo er bis zum 8. April 1920 blieb. Hier baute er 90 Streichinstrumente, dar- unter auch eine Viola d'amore. Über sein bemerkens- wertes Wirken in 's Hertogenbosch hinterlegte der dortige »Kunstkring« eine anerkennende Urkunde im Staatsarchiv zum dauernden Andenken des Meisters. Er baute seine Geigen hauptsächlich nach Stradivari, Gobetti und Santo Seraphin und hatte damit sehr gute Erfolge. In letzter Zeit lernte er eine besonders schöne Violine von Storioni kennen, nach der er jetzt vorzugs- weise arbeitet. Seine Gewissenhaftigkeit und die sorg- fältige Durchführung seiner Geigen verschafften ihm , die wohlverdiente Anerkennung der berufensten Ken- ner. Zu jeder seiner Geigen gibt er auch ein Zertifikat, auf dem er die eigenhändige Ausführung gewährleistet, die Zeit der Ablieferung und alle Besonderheiten und Maße genau bemerkt. Geigenzettel : Abb. 354. Hopf, Carl August. — Brunndöbra. Geb. 7. Okt. 1832 in Klingenthal, f 21. Jan. 1918 Sohn und Schüler von Carl Friedr. H. und seit 1892 auch dessen Nachfolger. Er arbeitete wie sein Vater 15 226 Hopf, Carl Friedrich — Hopf, Friedrich Erdmann nach den gleichen Modellen und verwendete auch den Hopf f , Christian Donat. — Klingenthal. 1716. gleichen Brandstempel. Er lebte seit 1859 in Brunn- döbra und war hauptsächlich für die Firma Otto Lieb- mann und später C. W. Meisel sen. in Klingenthal tätig. Hopf, Carl Friedrich. — Klingenthal, Brunn- döbra. Geb. 17. Okt. 1811 in Klingenthal, t 22. Jan. 1892 in Brunndöbra bei Klingen- thal Er verwendete das bekannte Hopfmodell und arbeitete recht sauber, so daß seine »Hopf geigen« eine gewisse Berühmtheit erlangten. Sein Lack ist nußbraun. Im Innern des Bodens brachte er seine Brandmarke an. Er lebte seit dem Ende der fünfziger Jahre in Brunn- döbra. Brandmarke : C F / Hopf. Hopf, Caspar I. — Klingenthal, (Mark) Neu- kirchen. 1677. 1708 Er stammte aus Graslitz und soll zuerst in Klingenthal ansässig gewesen sein. In den Jahren 1680 — 1690 war er neben Georg Poller, Casp. Schönfelder und den beiden Reichel einer der Vormeister der Neukirchner Geigenmacherzunft. Hopf, Caspar II. — Klingenthal, f 21. Aug. 171 1 zu Stolberg Vielleicht der beste Geigenmacher seines Wohnorts. Seine Geigen sind gut im Holz und im Ton, doch zeigen sie noch nicht ganz die charakteristischen For- des sog. Hopfmodells. Er zog mit den im Winter 1736 Im Innungskassabuch wird er bereits 1716 als Geselle aufgeführt und erscheint 1724 als Meister. Vielleicht war er ein Sohn von Caspar H., da ihre Arbeiten sich ähnlich sind. Geigenmacher: Christian Donat Hopff / Violin- / macher in Klingenthal / Ao. 1736 (gedruckt). Hopf, Christian Friedrich. — Klingenthal. Geb. um 1790. 1815 Er wurde als Geigenmachergeselle Anfang Oktober 1809 widerrechtlich zum Rekruten ausgehoben. Über seine Arbeit ist nichts bekannt. Hopf, David. — Klingenthal. 1829 Seine Geigen zeigen das Hopfmodell bereits im Verfall, manche aber klingen nicht schlecht. Der Lack ist trüb- braun, die F-Löcher sind nicht sehr ansprechend in der Form, die Schnecke lang gestreckt. Er verwandte auch eine Brandmarke. Ein David Hopf (Hopff) soll auch in Leitmeritz ansässig gewesen sein. Dieser arbeitete nach Tecchler und hatte eine Brandmarke entweder nur »David« oder »David Hopf«. Geigenzettel: David / Hopf (gedruckt). Dafid: Hobf (sie!) (geschrieben). Hopf,DavidAug.I. — Klingenthal. 1762. 1786 Einer der charakteristischsten Vertreter seiner Familie. Seine Geigen zeigen das echte Hopfmodell. Ihm scheint die Brandmarke : ^r HOPF ^- gehört zu haben. Geigenzettel: David August Hopf, Klingenthal in / Sachsen, Donnerstag den 1786 (geschrieben). men fertiggestellten Instrumenten von Markt zu Markt und ist auf einer solchen Reise auch gestorben. Das Klingen- Hopf, David August II. — Zwotenthal. 1829 Vielleicht ein Sohn von David Aug. I Hopf, an dessen thaler Kirchenbuch meldet: »1711 den 21. Aug. starb zu Stolberg am Harz auf der Reise nach Braunschweig Meister Caspar Hopf, einer der ersten Geigenmacher allhier und den 15. p. Trin. als den 15. Sept. wurde ihm allhier Nachmittags eine Gedächtnispredigt ge- halten«. Er war wohl der erste, der den seither sehr bekannt gewordenen Brandstempel »HOPF« verwen- dete. Eine gute Violine von ihm besitzt Kurt Zettler in Essen. Die größte Breite beträgt unten 20,2 cm, oben 16,2 cm. Die Körperlänge 35,3 cm, die Zargen steigen von 3,0 zu 3,1 cm; der Ton ist nicht kräftig, aber doch weich und klangvoll. Unter dem Griffbrett, das ursprünglich fast unmittelbar auf der Decke auf- Hopf, Friedrich Carl. — Quittenbach Art seine Geigen sehr erinnern. Geigenzettel : David August Hopf Zwotenthal, Sachsen/ im Vogtland 1829 (geschrieben). Hopf, David Christian. — Quittenbach. 1760 Er gehörte der Neukirchener Innung an und war nicht ungeschickt. Geigenzettel: David Christian Hopf, Musicus / In- strumentalis in Qvittenbach, 1760 (gedruckt). 805 1 lag, befindet sich ein etwa 3 mm dicker Keil Hopf, Christian August. — Klingenthal. 1 782 Wenn er auch viele handwerksmäßige Dutzendarbeiten gemacht hat, kommen doch auch einzelne recht hübsch ausgeführte Geigen von ihm vor, so daß man sieht, daß wohl nur das Verlangen nach billiger Ware ihn zu ober- flächlicher Arbeit gezwungen hat. Sein nußbrauner Lack ist nicht schlecht, das Deckenholz fast immer gut, der Beden gerne nach der Schwarte geschnitten, die Einlagen fehlen nur bei seinen Dutzendgeigen. Brandmarke: C. A. Hopf oder nur »HOPF«. Geigenzettel: Christian August Hopf / Violinmacher in / Klingenthal 1 782 (geschrieben). Ein Baß von ihm befand sich in der Kirche zu Winter- hausen. Geigenzettel : Friedrich Carl Hopf Gelgen- / und Baß- macher zu / Quittenbach 1805 (gedruckt). Hopf, Friedrich Erdmann. — Klingenthal, Quittenbach. 1762. 1779 Er war ein tüchtiger Meister, soll um 1740 geboren sein und größere Geschäftsreisen gemacht haben. Da er fleißig arbeitete, komme.n Geigen von ihm noch oftmals vor. Zuletzt war er in Quittenbach ansässig. Geigenzettel : Friedrich Erdmann Hopff / Musicus In- strumentalis in Quittenbach 17.. (rotgedruckt). Hopf — Hornsteiner 227 Hopf, Friedrich Gottlieb. — Klingenthal. 1 739. 1768 Angeblich ein Sohn von Christian Donat H., wahr- scheinlich auch dessen Schüler. Er kommt seit 1739 als Meister vor. Hopf, Fr. W. — Zwotenthal. 18.— 19. Jahrh. Gewöhnliche vogtländer Arbeit. Geigenzettel: Fr. W. Hopf/ Instrumentenmacher/ in Zwotenthal / bey Adorf in Sachsen, (gedruckt). Hopf (Hopff), Georg Caspar. — Klingenthal. 1701. 1716 Meisterssohn und Bruder von Johann Michael H. Er wurde am 25. November 1701 Meister und kommt erst in Neukirchen und seit 1716 in Klingenthal vor. Hopf, Georg (Friedrich). — Klingenthal. 1 783 Seine Arbeit ist die gewöhnliche, zu seiner Zeit im Vogtland übliche, wenn er auch nicht gerade das be- kannte Hopfmodell verwendet. Als Ursprungsort gibt er gerne »Mittenwald« an. Er dürfte ein Sohn oder Enkel von Caspar H. gewesen sein. Eine Violine von ihm besitzt die Reutlinger Musikschule. Geigenzettel : Georgius Hopf in Miltenwald / 1 783 (ge- druckt). Hopf (Hopff), Georg Friedrich. — Klingen- thal. 1716 Nur aus den Innungsbüchern dem Namen nach be- kannt. Hopf, Johann Christian. — Klingenthal. 1 747. 1776 Seine Geigen sind nach dem bekannten Modell der Familie nicht ungeschickt gemacht, weniger gut ist der Lack. Hopf, Johann Gottfried. — Klingenthal. 1784 Sein Name kommt im Meisterbuche vor, es soll auch Zettel von ihm geben, doch ist es mir nicht gelungen, einen solchen aufzutreiben. Kh ingentna thc Hopf (Hopff), Johann Michael. 1701. 1716 Er war ein Meisterssohn und erlangte gleichzeitig mit seinem Bruder Georg Caspar H. am 25. November 1 701 die Aufnahme als Meister in der (M)Neukirchener Geigenmacherzunft. Er kommt seit 1716 in Klingen- thal vor. Hopf. —Josefstadt. 2. Hälfte des 19. Jahrh. Wohl zur vogtländer Familie gehörig. Erfinder einer Tenorgeige. Hopkins. — Worcester. 1862 Erfand einen Kontrabaß, an dem eme Maschine (Capo d'astro) die Töne greift. 1862 stellte er einen solchen Kontrabaß aus. Horil, Jakob. — Wien. Rom. 1720. 1759 Dem Namen nach von böhmischer Abstammung. Er war zuerst In Wien ansässig und ging um 1740 nach Rom, nahm aber dort nur wenig von der italienischen Schule an. Gute Arbeit, gelber Lack. Geigenzettel : Abb. 363. Hornsteiner. — Mittenwald Eine Familie, der viele tüchtige Geigenmacher ange- hören, und von der sich viele Mitglieder auch als Geigenhändler und Verleger große Verdienste um die Hebung der Mittenwalder Geigenindustrie erworben haben. Die Hornsteiner gehörten zu den ersten, die sich Klotz angeschlossen haben. Hornsteiner, Alois, kommt 1740 und 1741 vor Geigenzettel: Aloys Hornsteiner Geigen- / macher in Mittenwald 1741 (gedruckt). Hornsteiner, Andreas. — Geb. 26. Nov. 1763 Sein Vater war : Hornsteiner, Anton I, dessen Arbeiten die Jahreszahlen 1760 — 1793 tragen Sein Modell hält die Mitte zwischen Klotz und Amati. Geigenzettel: Antonius Hornstainer / in Mittenwald Anno 1793 (gedruckt). Hornsteiner, Anton II. — Geb. 1866, Bruder von Martin H. Ist hauptsächlich Zithermacher und arbeitet viel für die Verleger Neuner und Hornsteiner. Hornsteiner, Franz. 1782. 1820 Er arbeitete nach einem Klotzmodell und verwendete einen gelben oder gelbbraunen Lack. Seine Schnecken sehen denen von Jais ähnlich. Der Ton ist gut. Geigenzettel: Franz Hornsteiner in / Mittenwald 1821 (geschrieben). Hornsteiner, Georg I, blühte 1735. 1760 Geigenzettel : Georg Hornsteiner in / Mittenwald an der Iser 1735 (gedruckt). Hornsteiner, Georg II, vielleicht ein Sohn von Georg I, er lebte bis um 1793 Geigenzettel: Georg Hornsteiner / Geigenmacher u. Hand- / 1er in Mittenwald an / der Iser 1 783 (gedruckt). Hornsteiner, Gregori. — 1810 Sohn von Matthias H., dem er auch als Hofschmied nachfolgte. In der Arbeit ist er nicht sehr sorgfältig. Geigenzettel: Gregori Hornsteiner / Hoffschmidt in Mittenwald 1812 (gedruckt). Hornsteiner, Ignaz Georg. — Geb. 2. Febr. 1767 Sohn von Anton H. Seine Geigen haben roten oder rotbraunen Lack. Er lebte noch nach 1794. 15* 228 Hornsteiner, Johann I. — Hornsteiner, Joseph Hornsteiner, Johann I. — ■ 1822 WahrscheinHch ein Sohn von Georg 1 H. Er soll hauptsächlich Verleger gewesen sein. Geigen, die seinen Namen tragen, nnüssen daher nicht von ihm selbst gemacht sein. Da er aber nur in guten Geigen seinen Zettel anbrachte, dient dieser doch zur Empfehlung. Eine schön gearbeitete, gut klingende Violme mit seinem Namen besitzt J. de Boer in Haarlem. Geigenzettel: Johan Horensteiner / Geigenmacher m / Mittenwaldt an der Isar / 1822 (geschrieben). Hornsteiner, Johann II Er stammt aus Mittenwald, wo er auch gelernt hat, und ging 1848 nach Passau zu Georg Heidegger, dessen Witwe er später heiratete. Das Geigenmachen gab er bald auf und verlegte sich wie Heidegger auf die Zither- macherei, die er fortdauernd betrieb. Jetzt ist sein gleichnamiger Sohn Geschäftsteilhaber der Firma, die daher in Johann Hornsteiner & Sohn geändert wurde. Geigenzettel: Johann Hornsteiner / Saiten-Instrumen- tenmacher/ Passau / Anno 1862 (gedruckt). Hornsteiner, Johann III Bruder von Martin H. Er wanderte vor 1890 nach Amerika aus und ist in Chicago ansässig. Hornsteiner, Joseph I, blühte 1730—1780 Seine Arbeit ist gut, der Lack goldbraun, er machte auch gutklingende Bässe. Geigenzettel: Abb. 364. Hornsteiner, Joseph II, blühte um 1790 — 1825 Einer der besseren Geigenmacher aus seiner Familie. Vermutlich der Sohn von Joseph I H., dessen Zettel er auch im Wortlaut und in der Umrahmung ziemlich getreu nachahmt. Seine ersten und Joseph I H.s letzte Instrumente können daher schwer auseinander gehalten werden. Seine Zettel sind manchmal auch mit Num- mern bezeichnet. Geigenzettel: Abb. 336. Hornsteiner, Joseph III. — 1818 Angeblich ein Sohn von Gregori H. Er arbeitete recht sauber nach einem großen Modell, verwendete gutes Holz und einen zwar mageren aber doch ganz guten gelbbraunen Lack. Geigenzettel: Abb. 358. Hornsteiner, Joseph IV. — Geb. 1853 in Mlttenwald Bruder von Martin II H. Er besuchte von 1866 — 1869 die Mittenwalder Geigenmacherschule und begründete 1888 in Berlin seine Werkstatt, wo er auch zum gericht- lichen Schätzer ernannt wurde. Seine Arbeit zeigt noch den Mittenwalder Stil, sowohl in der Durchführung als auch im Lack. Am 1. Mai 1909 zog er sich ins Privatleben zurück. Sein Nachfolger wurde Emil Pliverics. Hornsteiner, Kaspar. — 1794 Vielleicht identisch mit Kaspar H. in Seefeld. Arbeitete gut im Mittenwalder Stil, seine Geigen klingen nicht schlecht. Geigenzettel : Kaspar Hornsteiner / Mittenwald an der Iser 1794 (geschrieben). Hornsteiner, Martin I, lebte um 1765—1790 Ähnlich wie Joseph I H. Sein Zettel hat auch die gleiche Einfassung. Geigenzettel : Martin Harnsteiner Laut- und / Geigen- macher in Mittenwald. / 1765 (gedruckt). Hornsteiner, Martin II. — Geb. 1840 Der älteste von vier Brüdern, die alle gelernte Geigen- macher sind. Er baute jedoch hauptsächlich Zithern für die »Verleger«. Hornsteiner, Mathlas I, blühte 1737—1760 Seine Arbeit Ist sorgfältig und der Ton gut. Geigenzettel : Mathias Harnstalner Laut- und / Geigen- macher in Mittenwald, (gedruckt). — Oder (mit der gleichen Einfassung, wie sie die Zettel der beiden Joseph H. zeigen): Mathias Hornstainer Musicant/ und Geigenmacher in Mittenwald (gedruckt). Hornsteiner, Mathlas II (vulgo Dax), blühte 1760 bis nach 1803 Der beste aus der Familie Hornsteiner. Er hatte den Spitznamen »Dax«, was das auf einigen seiner Zettel nach dem Namen vorkommende, eingeklammerte »Gratz« bedeutet, ist nicht ganz klar. Graz kann nicht gut gemeint sein, da die steyrische Stadt damals noch »Graetz« hieß. Schöne zierliche Geigen, schönes, feinjähriges Deckenholz, roter oder gelbbrauner Lack, gute Klotzschule. Seine beste Zeit ist 1765—1795. Geigenzetlel : Mathias Hornstainer. Gräflicher / Gei- genmacher und Händler Mittenwald / fecit anno 1 792 (geschrieben) und Abb. 330, 360, 361. Hornsteiner, Peter Wahrscheinlich nur Verleger. Hornsteiner, Wilhelm. — 1793 Der untenstehende Zettel erscheint mir nicht ganz einwandfrei, da einerseits der Name schon zu einer Zeit mit ei geschrieben erscheint, da alle übrigen Mit- glieder der Familie fli gebrauchen und anderseits der Ursprungsort verschwiegen ist, was sonst kein Mitten- walder getan hat, während die Vogtländer gerne »Tirol« und ähnliches auf ihre Zettel setzten. Geigenzettel: Wilhelm Hornsteiner / Fecit In Tirole 1793 (gedruckt). Hornsteiner, Joseph. — Volderwald (Kreuz- häusel), Hall (Tirol). Geb. 20. März 1809 In Seefeld, t 29. April 1889 in Hall Sohn und Schüler von Kaspar H., bei dem er auch als Gehilfe arbeitete. Nach Dr. Fr. Waldners Mitteilung gab er den Geigenbau nach dem Tode seines Vaters Homsteiner, Kaspar — Hoyer, Andreas 229 fast vollständig auf, machte nur noch Zithern und Re - paraturen. Im Jahre 1865 verkaufte er das Gut Kreuz- häusel und siedelte nach Hall über. Eine gute Viola von ihm besitzt Konzertmeister Eibl in Innsbruck, das Chorherrenstift Neustift bei Bnxen in Tirol eine Vio- line, und eine Zither das Ferdinandeum in Innsbruck. Geigenzettel: Joseph Hornstemer, / Geigen- und Zithermacher in / Volderwald nächst Hall in Ti- / rol 1848 (gedruckt). Hornstelner, Kaspar. — Seefeld (Tirol), Kreuz- häusel im Volderwald bei Hall. Geb. 1778 zu Mittenwald, f Oktober 1857 Sohn und wohl auch Schüler von Anton I H. Wie Dr. Fr. Waldner ermittelte, heiratete er am 26. Novbr. 1807 in Seefeld Regina Rauth, blieb dort bis etwa 1835 und kaufte dann das Landgut Kreuzhäusel im sog. Volderwald. Seine Geigen, die im Inntale als sog. »Kreuzhäuselgeigen« sehr geschätzt waren, sind nach italienischen Vorbildern gebaut, hatten (nament- lich in seiner letzten Zeit) sehr flache Wölbung und kräftigen Ton. Der Lack ist gelb und ziemlich dünn aufgetragen. Das Innsbrucker Ferdinandeum besitzt drei Geigen von ihm. Gelgenzettel : Kaspar Hornsteiner / in Seefeld / Geigen- macher 1818 (geschrieben). Horväth, Balthasar. — Klausenburg. 1912 Nach Dr. J. Geyer hauptsächlich Reparateur. Horväth, Stefan. — Budapest. Geb. 20. Aug. 1855 in Vas-Boszok Er soll ursprünglich ein gewöhnlicher Handwerker, später Eisenbahnbediensteter gewesen sein. Im Jahre 1888 wurde er mit Karl Varjü, der ein Musikinstrumen- tengeschäft betneb, bekannt und assoziierte sich mit ihm. Er beschäftigte sich viel mit der »Ergründung des Geheimnisses« des altitalienischen Geigenlacks. Als er das Geheimnis entdeckt zu haben glaubte, gab er dies in einem gedruckten Rundschreiben 1892 bekannt, worüber sich in de Wits Zeitschrift eine lustige Kontro- verse zwischen ihm, Ign. Lutz, Pilat u. a. entspann. Von verschiedenen Seiten wird sein Lack, trotz aller das Gegenteil behauptenden Urteile, gelobt. Geigen macht Horväth, der sich jetzt mehr auf die Fabrikation von Zymbals verlegt hat, nicht mehr, da er das Lackie- ren aber als ein Geheimnis betrachtet, lackiert er selbst. Er hat in Paris 1889, Wien 1890, Temesvär 1891 und Budapest 1896 Medaillen erhalten und ist Hoflieferant des Erzherzogs Josef. Hosborn, Thomas Alfred (?). - London. 1629 ^''^^'' Andreas. - r • • D • IQ7Q .11. D D • 1 I Er erscheint in den In emer in raris lö/ö ausgestellten oalDviola wurde dieser Name gelesen. Leider konnte ich diese Viola nicht zu Gesicht bekommen. Ich glaube, daß der Zettel richtig gelesen werden müßte : Thomas Aldred (Name), Holborn (Wohnort). veröffentlicht einen Zettel mit der Lesart: Georgius »Hoß« aus dem gleichen Jahr. Es ist nicht ausgeschlos- sen, daß es auch einen Georg Hoss gegeben hat. Geigenzettel : Abb. 379. Hosp, Georg (der Jüngere). — Mittenwald. Geb. 22. April 1755. 1780 Jedenfalls ein Sohn von Georg H. dem Älteren. Seine Arbeiten lassen sich schwer von denen des Vaters unterscheiden, da er zweifellos die gleichen Modelle und den gleichen Zettel gebraucht hat. Hotteterre, Martin. — Paris. 1715 Berühmter Blasinstrumentenmacher, Erfinder einer Schalmei usw. Da er bezeichnet wird als »homme unique pour la construction de toutes sortes d'in- struments de bois, d'ivoire et debene«, glaubt man, daß er wohl auch Lauten gemacht habe. Dasselbe dürfte auch bei seinem Sohne Jean zutreffen. Nach Brossards (unhaltbarer) Behauptung hat der Gambist Hotteterre 1650 die Theorbe erfunden. Houyet, F. — Namur. 1680 Ein Trumscheit von ihm befindet sich im Musik- instrumentenmuseum des Brüsseler Konservatoriums (Nr. 217) mit der Inschrift: F. Houyet me fit ä Namur en 1 680 (gedruckt). Houze, Armand. — Tournay. 1824 In der Sammlung Snoeck befand sich von ihm eine Taschengeige »en forme de violon« mit Ebenholzboden. Howe, R. — 1886 Englischer Geigenmacher. Howell, Thomas. — ? 1835 Ein Engländer, der sich eine ganz unmögliche neue Form der Geige, die er »erfunden« hatte, patentieren ließ. Howorka, Franz. — Wien. 1890. 1900 Ein Blasinstrumentenmacher, der sich auch mit Geigen- reparaturen befaßte, aber keine neuen Geigen gebaut hat. Hoyer. — Klingenthal Dieser Familie gehören die folgenden Geigenmacher an : Hosp, Georg (der Ältere). — Mittenwald. 1760. 1783 Seine Arbeit ist gut, der Lack spielt ins Bräunliche, im ganzen kommt er Math. Hornsteiner sehr nahe. De Wit 1729. t 1788 Innungsbüchern zuerst 1 729 als Meister und galt neben Caspar Hopf als der beste Geigenmacher Klingenthals. Er scheint auch in Nürn- berg gearbeitet zu haben, vielleicht hat er die dortigen Märkte besucht. Übrigens war er auch ein tüchtiger Musiker und bekleidete seit 1776 die Stelle eines Or- ganisten in seiner Heimatsgemeinde. Außer Zetteln gebrauchte er auch eine Brandmarke mit seinem Na- men in einer Schleife, die sich gewöhnlich außen am Boden findet. Ein gutes Violoncello von 1741 mit auf- fällig langen F-Löchern besitzt Architekt E. Heman 230 Hoyer, Carl August — Hoyer, Andieas in Basel, ein Violoncello piccolo vom Jahre 1759 das Musikhistorische Museum W. Heyers in Köln. Geigenzettel: Andreas Hoyer / Klingenthalensis Me fecit 1 754 (gedruckt). — Andreas Hoyer Organist und / musikalischer Instrumentenmacher / in Klingenthal 1 780 (gedruckt). — Andreas Hoyer, / Klingenthalensis me fecit 1781 (gedruckt). — A. Hoyer (gedruckt) und Abb. 352. Hoyer, Carl August. — Geb. um 1790 Sohn von Carl August Wilhelm ; er war einer der drei Geigenmachergesellen, die im Oktober 1809 auf dem Rathause zu Ölsnitz widerrechtlich als Rekruten aus- gehoben wurden. Hoyer, Carl August Wilhelm, blühte um 1785 Hoyer, Carl Christian Sigmund Wird 1 789 im Innungsbuche als Geigenmachermeister erwähnt. Hoyer, Carl Eduard. — Geb. 1821, f 1867 Schüler von F. Schlosser. Hoyer, Carl Friedrich, blühte 1785—1825 Er schreibt sich gewöhnlich kurzweg Friedrich H. und soll auch in Nürnberg gearbeitet haben, wie der schon genannte Andreas und Friedrich H. Hoyer, Carl Wilhelm. — Geb. um 1791 Bruder von Carl August H. und 1809 dessen Leidens- genosse. Hoyer, Chr. Gottfried. — 1755 Er war einer der angesehensten Meister in der Innung zu seiner Zeit. Hoyer, Ernst Adolf. — Geb. in Brunndöbra 7. April 1850 Schüler seines Vaters Carl Eduard H. Schon im Alter von 1 7 Jahren mußte er nach dem Tode seines Vaters die Werkstatt übernehmen und hat es zu schätzens- werter Geschicklichkeit gebracht. Hoyer, Friedrich. — 1785. 1815 Einer der besseren Klingenthaler Meister. Er scheint die Nürnberger Märkte ziemlich regelmäßig besucht zu haben und hat wohl auch gelegentlich dort gearbeitet, wovon er die Berechtigung ableitete, Nürnberg auf seinen Zetteln als Ursprungsort anzugeben. Geigenzettel: Friedrich Hoyer / in Klingenthal 1808. (gedruckt). — Friedrich Hoyer / in Nürnberg 1797. (gedruckt). Hoyer, Johann Christoph. — 1765. 1795 War 1792 einer der Vormeister der Geigenmacher- innung. Geigenzettel : Johann Christoph Hoyer ,' Statuan Cre- monalis Bavibat 1 76 . . (gedruckt). Hoyer, Johann Friedrich, lebte noch 1761 Hoyer, Johann Gottlieb (Gottlob) wird 1767 erwähnt Sein Bruder war: Hoyer, Johann Michael (1767) Hoyer. — Schönbach b. E. Auch in Schönbach sind aus dieser Familie viele Geigenmacher hervorgegangen : Hoyer, Andreas, ist noch tätig Hoyer, Anton. — 1905. 1912 Als geschickter Meister geschätzt. Hoyer, Emanuel. — Geb. um 1806, f 1882 Er war schon 1826 Meister, ebenso: Hoyer, Franz, der nach 1 835 lebte Hoyer, Ignaz. — 1825. 1830 Vielleicht ein Sohn von: Hoyer, Jakob, der schon 1 774 vorkommt Er wohnte Haus Nr. 49 und war recht geschickt. Hoyer, Johann. — Geb. um 1805, f 1876 Hoyer, Joh. Christoph Er war einer der geschicktesten Schönbacher Geigen- macher des 18. Jahrhunderts. Sein Modell ist hoch- gewölbt, der Lack braun, das Holz gut. Seine Zettel sind mit roter Farbe gedruckt. Geigenzettel : Johann Christoph Hoyer / Violinmacher in Schönbach 17.. (gedruckt). Hoyer, Josef Auf seinen Zetteln findet man Jahreszahlen von 1820 bis 1830. Ungefähr gleichzeitig lebte: Hoyer, Martin, der 1826 bereits Meister war Hoyer, Wenzel. — Geb. 1851 Begründete 1872 sein noch bestehendes Geschäft. Geigenzettel : W. Hoyer, Geigenmacher in / Schönbach b. Eger, Böhmen (gedruckt). — Genaue Kopie von W. Hoyer, Schönbach / bei Eger in Böhmen nach / Antonius Stradiuarius / 1903 fecit Cremonae 17 . . (ge- druckt). Hoyer, Wenzl. gen. Mart-Wenzl. — Geb.1833, f 1900 Er machte am 4. Oktober 1900 in einem Anfall von Geistesstörung seinem Leben (auf dem sog. Heu- berge) ein Ende. Hoyer. — Quittenbach Von dieser Familie waren als Geigenmacher tätig: Hoyer, Andreas. — 1717. 1782 Er ahmte das Stainermodell nach, scheint aber kein Original gekannt zu haben. Geigenzettel: Andreas Hoyer / Musicus Instrumentalis/ in Quittenbach 1782 (gedruckt). Hoyer — Huel 231 HoyeT, Christian Gottfried (1764) Ein geschickter Meister. Seine Zettel sind rot gedruckt. Geigenzettel: Christian Gottfried Hoyer / Musicus Instrumentenmacher in Quittenbach 1764 (gedruckt). Hoyer, Johann Christof, lebte um 1790—1800 Geigenzettel : Johann Christof Hojer in Quittenbach / 1794 (gedruckt). Hoyer, Johann Friedrich, lebte in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts Er war ein Sohn oder Bruder von Joh. Christoph H. und nicht besser als dieser. Geigenzettel: Johann Friedrich Hoyer Musicus / In- strumentalis in Quittenbach Ao. 17.. (gedruckt). Hoyer. — Neukirchen b. Eger Auch in diesem Orte findet man mehrere Mitglieder der Familie Hoyer als Geigenmacher: Hoyer, A., lebt als Geigenmacher in Erlbach bei Zwickau Hoyer, Anton, blühte 1810—1830 In seinen Geigen bezeichnete er sich gerne als »Anton Hoyer aus Prag*. Hoyer, Carl, ist noch tätig Hoyer, Franz. — Wien. 1860. 1867 Wahrscheinlich aus Schönbach stammend. Nachdem er längere Zeit in Wien als Gehilfe gearbeitet hatte, machte er sich dort selbständig und war im ganzen nicht schlecht in seiner Arbeit. Dem Vernehmen nach stand er in Geschäftsverbindung mit seinem in Schön- bach verbliebenen Bruder, weshalb die Firma auch zeitweilig »Gebrüder Hoyer« hieß. Er hatte am »alten Fleischmarkt Nr. 695« eine Niederlage der Hoyerschen »k. k. landesprivilegierten Musik-, Blas- und Streich- instrumentenfabrik«. Sein Nachfolger wurde Ignaz Lutz. Huber (Hueber), Johann Georg. — Wien. Geb. um 1741, f 6. März 1772 Ein seinerzeit berühmter Geigen- und Lautenmacher, dessen Arbeiten heute noch sehr geschätzt sind, da sie sich durch Sauberkeit und schönen, hellen Ton aus- zeichnen. Er legte am 7. Juli 1764 den Bürgereid ab Hürner, 1 h Hubert, Christian Gottlob. — Bayreuth, Ans- bach. Geb. 1714 in Fraustadt (Polen), f nach 1786 Ursprünglich Lautenmacher, trat er 1 740 in die Dienste der markgräflichen Kapelle in Bayreuth und kam mit dieser im Jahre 1769 nach Ansbach, wo er zum Hof- instrumentenmacher ernannt wurde. Er verlegte sich in der Folge ganz auf den Klavierbau und erlangte durch seine Erfindungen und Verbesserungen großen Ruf. Ein bundfreies Clavichord von ihm vom Jahre 1 772 und ein kleiner Flügel von 1785 befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln. Hudson, George. — Skegness (Lincolnshire, England). Geb. 27. Febr. 1859 in Goods- hawfield (Rossendale valley) Einer alten Musikerfamilie aus Lancashire entstam- mend, kam er 1878 nach Skegness, wo sein Vater als Musikdirektor in die Dienste des Earl von Scarbo- rough trat. Bald darauf begann Hudson das Geigen- machen zu erlernen und beschäftigte sich auch ein- gehend mit Geigenlackversuchen. Nach zehnjährigen Studien unternahm er es dann, neue Geigen zu machen, wobei er die Umrißlinien und die Wölbung nach geo- metrischen Grundsätzen berechnete. Er hat seitdem sehr viele Geigen gemacht, die sich durch saubere Arbeit und guten Ton auszeichnen. Seinen Ollack, den er in verschiedenen Tönen, von Bernsteingelb bis Rubin- rot, anwendet, bereitet er sich selbst. Er gilt auch als geschickter Reparateur und ist als Händler von Be- deutung. Seine Werkstatt führt das Schild : »Cremona House«. Hueber, Andreas. — Pesth (Budapest). 1756 Seiner Arbeit nach gehört er der Wiener Schule an und war nicht ungeschickt. Er hatte übrigens auch Ver- suche mit einem eigenen Modell gemacht, das von Maggini beeinflußt erscheint. Sein Lack hat sehr nach- gedunkelt. Hueber, Johann. — München. 1698 In einer schmucklosen Laute fand sich sein Zettel. Er scheint das Münchener Bürgerrecht nicht erworben zu haben. Geigenzettel: Johann Hueber Lauten- / macher in München / 1698 (gedruckO- und kommt in den Steuerbüchern von 1765 — 1772 vor. Sein Lack ist jetzt beinahe ganz schwarz. Da er in jungen Jahren starb, kann er nicht allzu viele Geigen gemacht haben. Sie sind jetzt selten und erreichen daher hohe Preise. Eine gute Geige aus dem Jahre 1771 von ihm besitzt das Schottenstift in Wien. — Sein Nachfolger war Philipp Wurm. Geigenzettel: Abb. 367. Huber, Jakob. — Basel. 1767 In der Baseler Sammlung sind mehrere Saiteninstru- mente, darunter eine datierte Zither von ihm. Er war wahrscheinlich ein Tischler. Seine Arbeit ist ganz roh. Ein Musiker, der sich im 19. Jahrhundert in Monte Carlo (Monaco) mit Geigenmachen beschäftigte. Huel, Henri. - Paris. 1770. 1783 Er wohnte an der Ecke der Rue du grand Hurleur und der Rue de St. Martin und hatte das Schild »Au Roi des Instrumens«. Seine Arbeit war gut, sein Lack von gelbbrauner Farbe. Ein Alto von ihm wird in Brunis Inventaire erwähnt, nur wird der Name irrig Huet ge- schrieben. Seine Geschäftskarte: s. Abb. 357. Huel, Joseph. — Mirecourt. 1745. 1750 Vielleicht der Vater des Henri H. in Paris. 232 Huel — Hufenreuther Huel. — Rennes. f um 1845 Vielleicht ein Sohn von Henri H. Er nennt sich einen Schüler von Lacote und ist, wie dieser, nur als guter Gitarrenmacher bekannt. Hüller (Huller), Augustin. — Schöneck. 1 735. 1775 Einer der besseren vogtländischen Geigenmacher seiner Zeit. Hüller, Emanuel, lebte in Graslitz Hüller (Hiller). Joseph. — Wien. 1820 In einer sehr mittelmäßigen Geige fand sich sein Zettel. Ich kenne Hüller sonst nur als Klaviermacher. Geigenzettel : Abb. 334. Hüller, Rob. u. Vlncenz, leben in Pechbach (Böhmen) Hummer s. Himmer Hündgen, Matthias Joseph. — Düren. Geb. 28. Dez. 1805 in Düren, f daselbst 1874 Er war Geigenmacher und Orgelbauer. Den Orgelbau erlernte er bei Gebr. Weil in Düsseldorf; wo er das Geigenmachen gelernt hat, ist nicht mehr festzustellen, doch hat er längere Zeit in der Fremde, namentlich im Vogtlande, bei Geigenmachern als Gehilfe gearbeitet, bis er sich im Jahre 1835 in seiner Vaterstadt selb- ständig machte. Er hat nur wenige Geigen gemacht und war hauptsächlich als Reparateur beschäftigt. Geigenzettel: M. J. Hündgen / Instrumentenmacher / in Düren 1865 (gedruckt). Hürber (Hurber), Gallus (Gall). — Füssen. 1606 Er wird 1606 als Mitglied der Lautenmacherzunft ge- nannt. Huet s. Huel (Mark) Neu- Hüttel (Hütel), Andreas, kirchen. 1678. 1680 Wird 1678 als ein aus Graslitz nach Schöneck und von da nach Markneukirchen eingewanderter Exulant in die Geigenmacherzunft aufgenommen, wobei man ihm die Anfertigung eines Meisterstückes in Anbetracht seiner hinlänglich bekannten Kunstfertigkeit erlassen hatte. Die Exulanten genossen damals die Vergünstigung in Neukirchen, daß sie nur die halbe Gebühr mit 8 fl. bezahlen mußten. Hüttel, Christ. Fried, t 27. Dez. 1834 Brunndöbra. 1820. Von Hause aus Geigenmacher, verlegte er sich auf die Saitenmacherei, kam aber auch damit auf keinen grünen Zweig. Auf einem Hausiergang im strengen Winter erfror erund wurde tot aufgefunden. Hüttel, Christian Heinrich. — Lübeck. Geb. 12. Aug. 1783 zu Klingenthal, f 23. Nov. 1841 in Lübeck Er kam »aus dem königl. sächsischen Vogtlande« als Gehilfe nach Lübeck und heiratete am 30. Mai 1816 die Witwe des Instrumentenmachers Kalies geb. Beh- rotter (geb. 1779, f 1828) und übernahm zugleich die Werkstatt seines Vorgängers in der Ritterstr. Nr. 694 Getzt St. Annenstr.). Er war handwerksmäßig tüchtig und seine Geigen klingen gut, wenn auch etwas scharf. Der Lack ist dunkel, oft fast schwarz und glanzlos. Geigenzettel: Christian Heinrich Hüttel / Lübeck / St. Annenstraße No 798 / Musik-lnstrumentenmacher, Darm- / Saiten Fabrike, Handel mit / allen Saiten und Blas- Instrumenten, (gedruckt). — Christian Heinrich Hüttel / Lübeck, 18 ^ (gedruckO und Abb. 347. Hüttel, Johann Heinrich. — Lübeck. Geb. 16. Nov. 1816 zu Lübeck, f daselbst 11. Dez. 1850 Sohn und Schüler von Christ. Heinr. H. Schon in seinem 18. Jahre baute er selbständig allerlei Gelgen, die die seines Vaters durchaus übertrafen. Er starb im ersten Mannesalter, das Haus, das er von seinem Vater geerbt hatte, wurde 1853 für 3800 Mark ver- kauft. Seine Arbeiten sind aus gutem Holz sauber gearbeitet, der Lack ist trübe, dunkelrotbraun, aber der Ton nicht schlecht. Eine '^ ^ Geige von ihm befindet sich Im Lübecker Museum, eine Vollgeige von 1834 besitzt Franz Demuth In Lübeck, usw. Gelgenzettel: Johann Heinrich Hüttel / Lübeck 1845 (gedruckt). Hütter, Johann. — Graz. 1798. f vor 1813 Im Häuserschema der Stadt Graz vom Jahre 1 798 er- scheint er als Hausbesitzer, im Kommerz- und Zivil- schema des Herzogtums Steyermark für 1803 wird er als Violinen- und Lautenmacher in der Barmherzigen- straße Nr. 795 aufgeführt. Im Jahre 1813 ist bereits seine Witwe die Besitzerin seines Hauses. Huetter, Martine, lebte im 19. Jahrh. in Rom Hütd, A. K. — Graslitz. 1878. 1910 Ein Unternehmer, der Geigenmacher beschäftigt. Auf der Melbourner Ausstellung 1880 erhielt er dafür den vierten Preis. Hüttl, Jos., lebte von 1851—1863 in Ces. Lipa Hüttl, Vlnzenz. — Reichenberg. 1843. 1845 Er stammt sowohl dem Namen als seiner Arbeit nach aus Graslitz. Seine Geigen sind nur handwerksmäßig gemacht. Er machte auch Gitarren. Geigenzettel : Vlncenz Hüttl / Feclt 1843 Reichenberg / No 7 (gedruckO und .Abb. 329. Hufenreuther, Fritz. — Dessau. Geb. 1868 Sehr geschickter Geigenbauer, der nach Stradivari und G uarneri ar beitet emen rotbraunen tbra Ollack Hug Hummel 233 italienischem Charakter verwendet. Besonders schön sind seine Schnecken und der Ton seiner Instrumente wird allgemein gelobt. Eine sehr gute Violine von ihm besitzt Architekt H. Bosch in Kassel. Hug, Gebrüder, & Co. — Zürich Eine Handelsfirma der Gegenwart für Streichinstru- mente, die ihre Gründung bis in das Jahr 1807 zurück- führt und Zweighäuser in Basel, St. Gallen, Luzern, Winterthur, Straßburg, Konstanz und Leipzig besitzt. Die Besitzer unterhalten seit etwa 40 Jahren eine Re- paraturwerkstatt, in der jetzt E. Tenucci, der bei Züst gelernt hat, arbeitet. — Arnold Hug, Teilhaber der Firma, starb 39 Jahre alt, am 7. September 1905. Hugh s. Gordon Hugo, Pierre. — Mirecourt. 1740. 1758 Als Geigenmacher von A. Jacquot erwähnt. Huguenin. — Le Havre. 1810 Ein Mirecourter, der sich in Le Havre niedergelassen hat. Sein Taufname (in einer besseren französischen Violine) war nicht ganz deutlich zu lesen. Geigenzettel: Huguenin / fecit. Portus gratia 1810 (ge- schrieben). Huguenin, Joseph. — Mirecourt. 1766. 1789 Vielleicht ein Bruder des von 1 776 — 1 789 vorkommen- den Nicolas H. Huguier, Quentin. — Rouen. 1573 Einer der ältesten, dem Namen nach bekannten Lauten- macher Rouens, der in einer Urkunde vom 23. Sep- tember 1573 erwähnt wird. Hulinzky, Thomas Andreas. — Prag. Geb. 12. Dez. 1731 in Prag, f das. 1 1 . Mai 1788 Schüler von Joh. U. Eberle, der auch am 25. November 1 760 sein Trauzeuge war, als er in der Stephanskirche mit Katharina Matus vermählt wurde. Am 12. Dezem- ber 1776 erlangte er das Bürgerrecht in der Prager Neustadt. In seiner Arbeit ahmt er Eberle nach, hat aber auch manche verwandte Züge mit Jos. Ant. Laske, und wie dieser machte er außer Geigen auch Harfen und Lauten. Seine Geigen zeigen ein eigenes Modell mit hoher Wölbung und sind nach der Form sehr sauber gearbeitet und meist auch schön dunkelrot oder rot- braun, aber auch gelb lackiert. Weniger schön ist sein brauner Spirituslack. Auch kann der Ton semer Vio- linen nicht gerade groß genannt werden. Auf vielen seiner Zettel findet sich In der Mitte als Emblem ein lautenspielender Greif. Eine reich mit Schildpatt und Elferibeln eingelegte Viola d'amore von 1766 war 1895 in Prag ausgestellt ; eine andere Viola d'amore von ihm mit gewölbtem Boden, stark eingeschnürter Decken- wölbung und einem Amorkopf mit verbundenen Augen am Wirbelkasten befindet sich in der Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin. Eine Geige mit origi- nellen Umrissen und Schlangenlinien statt der F- Löcher aus dem Jahre 1787 besitzt Dr. Smoler m Olmütz. Eine 14 saitige Viola d'amore von besonders schöner Ausführung vom Jahre 1782 (mit Original- bogen), aus der Sammlung Lanna stammend, besitzt R. Leibbrand In Berlm. Geigenzettel : Thomas Andreas Hulinzky / fecit Pragae, Anno 17 . . (gedruckt) und Abb. 332. Hulskamp, G. H. — New York. 1862 Ein geborener Westfale, der nach Amerika auswanderte. Er konstruierte eine der Sprengerschen Tonschraube ähnliche Spannungsvorrichtung im inneren Körper der Violine, veränderte auch die Form so, daß die Geige wie eine Schachtel aussah. Der Ton wurde dadurch aber nicht verbessert. Statt der F-Löcher brachte er in der Mitte der Geige ein rundes Schalloch an. Hume, Charles D. — Melbourne. 1889. 1910. Geb. in West-Hartlepol Ein tüchtiger Geigenmacher, dem es sehr zustatten kam, daß er sein Instrument auch trefflich zu spielen versteht. Gut vorgebildet wanderte er Im Jahre 1889 nach Australien aus, wo er bald durch gute Arbeit zu Ansehen kam. Seine Geigen sind vorzugsweise nach Stradivari gebaut und zeigen einen schönen Lack. Er besitzt verschiedene Ausstellungspreise und Anerken- nungen erster Geiger. Hume, Richard. — Edinburg. 1535 Einer der ältesten — wenn nicht der älteste bekannte englische Violenmacher. Er lebte zwar in Schottland, wo er zu großem Ansehen gekommen war, wird aber ausdrücklich als Engländer bezeichnet. Eine Ein- tragung von 1535 sagt: »Item to the Kingis Grace to Richard Hume, Inglismanne, guhllk suld mak violis to the Kingis Grace, to by stuffe for the samin, XX Hb.« Hume, (englischer Geigenbauer der Jetztzeit Humel, Claude. — Mirecourt. 1820 Geschickter Gitarrenmacher, Großvater (mütterl.) von Delanoy in Bordeaux. Hummel (Humel), Christian. — Nürnberg. 1709. 1710 Vielleicht ein Sohn von Math. H. — Auch ein Michael H. (Hummel) soll um die gleiche Zeit hier oder In Augsburg gelebt haben. Hummel, Matthias. — Nürnberg. 1694. 1715 Ein seinerzeit berühmter Lauten- und Geigenmacher. Seine Instrumente zeichnen sich auch äußerlich durch reiche Einlagen im Geschmacke Joach. Tielkes aus. Sein bester Schüler war Schelle. Eine Tenorgamba von 1701 von ihm besitzt das Musikhistorische Museum m Köln; eine »Chitarra battente« die ehem. Kais. Samm- lung in St. Petersburg; in einer italienischen Laute Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ist sem Reparaturzettel: Matthias Hummel Lauten / und Geigenmacher / Anno 1695 zugericht. (gedruckt). Geigenzettel : Matthias Hummel / Lauten und Geigen-/ macher / in Nürnberg / Anno 1701 . (gedruckO- 234 H umme Hu Hummel, (Mathias) Matthäus I. — Augsburg. 1634. tum 1670 Wohl ein Verwandter des gleichnamigen Nürnberger Meisters. Er war der Schwiegervater Thom. Edhngers und wird allerdings als »Tischler« bezeichnet. Da die Lauten- und Geigenmacher in Augsburg aber der Tischlerzunft eingeordnet waren, so besteht doch die Wahrscheinlichkeit, daß er tatsächlich em Lauten- macher war, da auch sein Sohn Lautenmacher wurde. Er hatte am 14. Mai 1634 die Erlaubnis zum Heiraten erhalten. Da seinem abwesenden Sohn am 18. Oktober 1 670 Erbschaftspfleger ernannt wurden^), dürfte er um diese Zeit gestorben sein. Eine Taschengeige von ihm befindet sich in Berlin (Sammlung Snoeck Nr. 458); ein gleiches Instrument in W. Heyers Musikhistori- schem Museum in Köln (Nr. 727). Geigenzettel : Mathias humell / in Augspurg 1 649 (ge- schrieben). Hummel, Matthäus 11. — Augsburg. Geb. zwischen 1 640 und 1 650. 1 676 Sohn von Matth. H. I. Er wird ausdrücklich als Lauten- macher bezeichnet und war jedenfalls von 1670 — 1676 in der Fremde. Am 27. Juni 1676 erschien er am Pfleg- schaftsamt und erklärte, daß er sein vom 18. Oktober 1670 an verwaltetes Vermögen richtig erhalten habe. Da mir aus Augsburg datierte Arbeiten seiner Hand nicht vorgekommen sind, halte ich es für möglich, daß er mit Mathias Hummel in Nürnberg identisch Ist. Hummel, Richard Oskar. — Markneukirchen. Geb. 1885, gefallen auf dem Felde der Ehre 9. Aug. 1916 Er galt als hoffnungsvoller Geigenmacher. Humrich (Hummrich). — Berlin. 18Ö2 Im Hohenzollernmuseum Im Schlosse Monbijou in Berlin befindet sich im Zimmer der Königin Louise eine Mandoline von Birnbaum- und Tannenholz mit dem untenstehenden Zettel. Humrich Ist vermutlich derselbe, der 1802 als Kammermusiker und Violinist bei der kgl. Opemkapelle angestellt war und 1815 Ballettdirigent WTjrde; möglicherweise auch mit dem Potsdamer Stadtmusikus Conrad Gottlieb Hummerich (1786 bis 1795) Identisch. Geigenzettel: No 1. Humrich, / Musikalischer Instru- men- / tenmacher In Berlin 1802 (gedruckt). Hums, Albin. — Markneukirchen 1921 Leitet eine gut eingeführte Werkstatt für Künstler- bogen. Hums, Ernst. — Geb. 19. Mai 1837, lebt als Geigenmacher in Markneukirchen Hunger, Christoph Friedrich. — Leipzig. Geb. in Borstendorf 1718, f zu Leipzig 1787 Sohn von Samuel H. Schüler von Jauch m Dresden. Er war bis um 1760 in Borstendorf tätig und ging dann ^) Darunter Thom. Edlinger. nach Leipzig, wo er vermutlich bei Johann Christian Hoffmann arbeitete und nach dessen Tod die alte Werkstatt, die wahrscheinlich noch den väterlichen Schild führte, übernahm. Nur so Ist es zu verstehen, daß er sich als den Nachfolger Martin Hoffmanns an- sah, es sei denn, daß das M. als Abkürzung für Meister gelesen werden sollte. Er brachte es bald zu Ansehen, denn er arbeitete recht gewissenhaft nach italienischen Vorbildern und war besonders als Violen- und Violon- cellomacher geschätzt. Seine beste Zeit fällt in die Jahre 1770 — 1780, und man bezahlte schon zu seinen Lebzeiten 30 — 40 Taler für seine Geigen. Sein Lack Ist gewöhnlich hellgelb, jetzt aber oft nachgedunkelt. Alfred Laubach in London besitzt eine breite Viola von ihm. Gelgenzettel : Christoph Friedrich Hunger / als Nach- folger des sei. M. / Hoffmann In Leipzig 1781 (geschr.). Hunger, Richard. — Halle a. S. 191 1 Geboren in Leipzig, lernte er dort bei A. Hermer, ar- beitete als Gehilfe u. a. bei J. J. Held in Beuel und ließ sich dann In Halle nieder. Er gilt als tüchtiger und sorgfältiger Reparateur und baut seit einigen Jahren auch gute neue Geigen. Gelgenzettel: Reparirt von Rieh. Hunger, / Halle a./S. 1899. (geschrieben). Hunger, Samuel. — Borstendorf b. Augustus- burg. Geb. 1684, f 8. Febr. 1758 Der Vater des Leipziger Meisters. Leider sind die Borstendorfer Kirchenbücher aus dem 18. Jahrhundert größtenteils verbrannt, so daß sich nichts Sicheres über ihn ermitteln ließ. Er soll außer Gelgenmacher auch Zolleinnehmer gewesen sein. Die Familie ist noch jetzt in Borstendorf ansässig. Hungers Violen und Bässe kommen öfter vor, sind nicht schlecht gemacht, wenn auch ohne hervorstechende Eigenschaften. Gelgenzettel : Abb. 344. Hurel, Charles. — Paris. 1636 Er wird als »Luthier« bezeichnet und war Sachver- ständiger Im Prozeß Medard. Hurel, Jean. — Paris. 1686. 1717 Wahrscheinlich der Sohn von Charles Hurel. Er wohnte erst Rue des.Arcis (und hatte den Ladenschild »A l'ima- ge de St.-Pierre«) und von 1689— 1717 Rue St. Martin nächst der Fontaine Maubue. Er war Geigenmacher der königlichen Kapelle und wird von Sauveur (Mem. de l'Academie des scIences 1 701 ) als einer der Geschick- testen gepriesen. Er war nebenbei auch Musikalien- händler wie aus dem Titelblatt der »Traite de Viole avec des Pleces ä une ou deux Violes« hervorgeht, die 1686 erschienen Ist, und »chez l'autheur«, sowie »chez Jean Hurel faiseur d' Instruments pour la musique du Roy, rue des Arcis ä l'image S. Pierre« zu haben war. Hury, L., lebt als Geigenmacher in Paris Husson. — Mirecourt. 1848. 1857 Teilhaber der bekannten Fabriksfirma »Husson, Bu- thod et Thibouville« und als solcher Leiter der Ab- teilung für Blasinstrumente. H usson — Jacobsz Jacobs 235 Husson, Charles-Claude. — Mirecourt. 1850. 1870 Ein sehr geschickter Bogenmacher, der auch tüchtige Schüler heranbildete, so seinen 1847 geborenen gleich- namigen Sohn, Alfred Lamy und Arthur Vigneron usw. Nur die Bogen des Sohnes tragen die Brandmarke: »Ch. Husson«. Husson, Charles-Claude. — Paris. Geb. 1847 in Mirecourt Schüler seines gleichnamigen Vaters. In Paris arbeitete er im Jahre 1873 bei J. B. Vuillaume, 1875 bei F. N. Voirin, 1878 bei Gand & Bemardel und machte sich schließlich in der Rue du Faubourg-Saint Denis selb- ständig. Seine Bogen sind sehr schön ausgeführt und tragen die Marke »Ch. Husson«. Husson, Louis. — Mirecourt. 1768. 1787 Vielleicht der Großvater von Charles-Claude H. Husson, Nicolas. — Mirecourt. 1 750. f 2. Feb. 1779 Der um 1 750 aus Charmes m Lothrmgen nach Mire- court eingewanderte Stammvater der Familie. Huyghen, Thomas. — Utrecht. 17. Jahrh. Das Nordische Museum in Stockholm besitzt eine kahnförmige Taschengeige von ihm, mit Elfenbein und Perlmutter eingelegt und mit einem geschnitzten Kinderköpfchen am Wirbelkasten. Außer den C-för- migen Schallöchern findet sich unter dem Griffbrett ein kleines Herz ausgeschnitten. Auf dem Griffbrett geben kreisrunde Einlagen die Stellen der Griffe an. Das zu diesem Instrument gehörige und erhaltene Lederfutteral trägt die Jahreszahl 1664 und wenig älter dürfte dem Aussehen nach die Taschengeige selbst sein. Leider ließ sich in Utrecht über diesen Meister nichts Sicheres feststellen. Wohl findet sich der Eintrag, daß am 31. August ein Thomas Huge die Marigje Peters geheiratet habe, doch, da der Beruf dieses Huge nicht angegeben ist, läßt sich trotz der großen Wahrschein- lichkeit nicht sagen, daß er der Verfertiger der Taschen- geige gewesen ist. Geigenzettel: Thomas Huyghen / t' Vtrecht. (gedr.). Huysmans, Ägidius. — Antwerpen. 1 7. Jahrh. Er gehörte nicht der Lukasgilde an, doch besitzt Berlin aus der Sammlung Snoeck ein schönes Tympanon von ihm, auch kommen Geigen mit seinem Namen vor und wurden schon vor dem Krieg mit 400 Mark bezahlt. Geigenzettel: /Egidius Huysmans, fecit Antwerpiae (gedruckt). Hyde, Andrew. — Northampton (Mass.). Geb. 1842 in Lu (Mass. Am.) Von Hause aus war er Mechaniker und mehrere Jahre lang Gehilfe bei Thom. A. Edison. Verschiedene Er- findungen, die er gemacht hat, sicherten ihm ein schönes Einkommen ; da er aber seit seinem 1 1 . Lebens- jahre das Violinspiel mit Eifer betrieb, begann er auch. mit seiner Geige Versuche anzustellen. Er studierte das Geigenmachen theoretisch und baute anfangs zu seinem Vergnügen auch eine Anzahl Geigen ; im Jahre 1886 aber konnte er sich bereits als Geigenmacher in Northampton niederlassen. Seine Arbeiten, die alten Meistern nachgeahmt sind, werden gelobt und in Amerika gern gekauft, und obwohl er nie mehr als zwei Gehilfen beschäftigte, hat er doch bereits über 1200 Violinen, Violen und Violoncelli gebaut. Seine Biographie erschien im März 1894 im »Boston Leader«. Jacklin, lebt als Geigenmacher m Hüll Jacob (Jakob), Johann Georg. — Klingenthal. 1748. 1779 Die Arbeiten, die seinen Namen tragen, sind denen der Familien Hoyer und Hopf gleichwertig. Jacobi? — Meißen? 18. Jahrhundert Nach Hart ein trefflicher Lautenmacher. Auch de Piccolellis erwähnt ihn, wahrscheinlich aber ist Hart seine Quelle. In Meißen ist Jacobi nicht nachzuweisen. Vermutlich hat Hart den Namen schlecht gelesen und den Ort mißverstanden. Er hatte vielleicht einen Zettel eines Füssener Meisters (Helmer in Leipzig, der aus Füssen war, wurde ja auch als aus »Meißen« stammend angegeben) vor sich, und der Name Jacobi war vielleicht nur der Taufname (etwa von Jakob Langenwalder). Jacobsen, Thomas. — Kopenhagen. 1810. t 1853 Schüler von N. J. Lund, arbeitete auch bei Bausch in Leipzig, Engleder in München, Sprenger in Nürnberg und bei Vuillaume in Paris. Nachdem er noch Frank- reich, England und Italien bereist hatte, ließ er sich als Geigenmacl-er in Kopenhagen nieder und wurde da Hof instrumentent acher. Er wohnte erst in der Sqvaldergade und dann in der Knarbrostraede Nr. 1 34. Seine Violinen und Violoncelli sind recht gut und nach den besten Vorbildern ausgeführt. Auch sein Sohn ist Geigenmacher geworden. Geigenzettel : Repareret af / Ksl. Hof- Instrumentmager Th. Jakobsen / Squaldergaden 169Kbhn. 1851 (gedr.). Jacobsz, Hendrick. — Amsterdam. 1690. 1712 Wohl der berühmteste holländische Geigenmacher, dessen Geschichte von einem ganzen Sagenkranz um- woben ist. So soll er in Cremona gelernt haben und so- gar der Stiefbruder des letzten Amati gewesen sein^). Neuere Forschungen suchen es wahrscheinlich zu machen, daß er der Schwager Amatis war. Es steht jedenfalls fest, daß er Nie. Amati vortrefflich nachzu- ahmen verstand. Sein Lack ist rotbraun. Jacobsz gilt als der erste, der Fischbein zu den Einlagen verwendete, weshalb Händler auch jede mit Fischbein eingelegte Geige kurzweg als eine »Hendrick Jacobs« bezeichnen. Seine Arbeiten kommen jetzt ziemlich selten vor und ') Es wäre auch möglich, daß er verwandt war mit dem flandrischen Silberschmied Jacobsz, der 1622 in Bologna lebte. 236 Jacob: acobsz Jacquot stehen hoch im Preis, dürften aber auch früher nicht häufig gewesen sein, denn selbst das Selhofsche Ver- zeichnis (1759) führt nur zwei Geigen von ihm auf. Eine hübsche Violine befindet sich aus der Sammlung Snoeck in Berlin. Bis etwa 1686 schrieb er sich nach der älteren Schreibweise Hendrick Jacobsz, später einfach Hendrik Jacobs. Geigenzettel: Abb. 386. Jacobsz, Peeter s. Rombouts Jacot, A. — Paris. 1885. 1893 Altester Sohn von Jean-Charles J., der die väterliche Werkstatt übernahm und nach Paris verlegte. Jacot, Jean-Charles. — Metz. Geb. 1811, f 1887 in Pont ä Mousson Er begann als Instrumentenhändler und hat, ohne ein großer Künstler sein zu wollen, doch einige recht gute Geigen hinterlassen. Sein älterer Sohn wurde gleich- falls Instrumentenmacher und hatte sich in Paris nieder- gelassen. Jacquet. — Paris. 1765 Ein Mirecourter, der sich in Paris niedergelassen hat, wo er den Werkstattschild »Au Genie de l'Harmonie* führte. Jacquot, Charles. — Nancy, Paris. Geb. in Mirecourt 1804, f zu St. Maur-les-Fosses 30. März 1880 Sohn von Henry J., der ursprünglich Geigenmacher war, während der Revolution zum Militär kam und schließlich Regimentsschneider wurde. Als ein Spröß- ling der ältesten französischen Geigenmacherfamilie, in der sich die Kunst des Geigenbaus bis auf den heutigen Tag fortgeerbt hat, kam er mit 15 Jahren zu Nicolas aine in die Lehre, dann zu Breton und ging 1823 nach Nancy, wo er bis 1827 als Gehilfe arbeitete, dann Catherine Vuillaume heiratete und in der Rue de la Poissonerie Nr. 19 seine eigene Werkstatt eröffnete. Er war einer der talentvollsten französischen Geigenmacher des 19. Jahrhunderts, der auf allen Aus- stellungen, die er beschickte, Preise erhielt. Er blieb bis 1852 in Nancy, übergab dann seine Werkstatt seinem Sohne und einzigen Schüler Pierre-Charles J. und ging nach Paris, wo er zuerst m der Rue des Vieux Au- gustins eine neue Werkstatt eröffnete, die er später in die Rue de l'Echiquier verlegte. Er arbeitete muster- gültig nach Stradivari und Guarneri und hatte einen prachtvollen Lack. Geigenzettel: Abb. 384. Jacquet, Gabriel-Xavier. 8. Jan. 1838 Sohn von Joseph-Xav. J. Ein sehr geschätzter Baß- macher. Sein Sohn Moise-GabnelJ., geb. um 1870, war sein bester Mitarbeiter. Jacquet, J. — Alen^on. 1796 Ein Mirecourter, der sich in der Stadt der Alenq:on- spitzen und -Diamanten und der Granithäuser nieder- ließ und hauptsächlich als Wiederhersteller beschäftigt wurde. Geigenzettel: Racommode par J. Jacquet / A ALEN- CON L'an 1796 (gedruckt). Jacquet, Joseph-Xavier. — Mirecourt. Geb. 10. April 1810, t nach 1860 Jacquet (Jacquet-Gand), Gabriel. — Mire- court. Geb. 15. Febr. 1848, f 26. Okt. 1899 Zweiter Sohn von Joseph-Xav. J. Er fügte seinem Namen den Familiennamen seiner Frau (Gand) hinzu, und war ein Geigenmacher, der besonders gute Bässe machte, doch sind auch einzelne sorgfältiger ausge- führte, doppelt eingelegte Violoncelli von ihm bekannt. Er ist der Schwiegervater von Leon Mougenot und des Pariser Bogenmachers Eugene Sartory. Seine Söhne setzten sein Geschäft fort, nur der jüngste ist Geigen- macher-Werkzeugfabrikant geworden. — Sie ver- wenden eine Brandmarke. Jacquot. — Mirecourt Eine Familie, in der das Geigenmachen seit mehr als dreihundert Jahren ununterbrochen als Beruf geübt wurde. E. Ch. Albert Jacquot, selbst ein trefflicher Meister, weist die folgenden seiner Vorfahren als Gei^enmacher nach : Mirecourt Geb J^^^Q^ot' Etienne-Charles-Albert. — Nancy. Geb. in Nancy 18. Sept. 1853 Sohn und Schüler von Pierre-Charles J. Um sich weiter zu vervollkommnen , war er von 1 869 an in Deutschland , ging dann nach Brüssel und Paris, überall bei den ersten Meistern arbeitend, und trat 1880 als Teilhaber in die väterliche Werkstatt ein. Er ist einer der bedeutendsten französischen Geigenmacher der Gegenwart, er arbeitet nach Stradivari, Guarneri, Amati, Maggini usw., wobei er die Resultate eigener Studien in bezug auf die Holz- stärke, die Umrißhnien usw. verwendet. Seine Geigen zeichnen sich durch größte Sauberkeit der Arbeit und eine außerordentliche Gleichmäßigkeit im T°"^ ^^^' die er zum Teil seinem trefflichen, fetten Ollack zu- schreibt; er wurde auf allen Ausstellungen durch erste Preise ausgezeichnet. Er ist außerdem ein gründlicher Kenner der Musikgeschichte und des Instrumenten- baues seiner Heimat und hat mehrere wertvolle Mono- graphien veröffentlicht, ferner ist er Mitglied der archäologischen Gesellschaft für Lothringen und einiger .Akademien, Offizier de 1' Instruction Publique und Ritter des Leopold-Ordens usw. usw. Seine Geigen haben am unteren Ende des Halses eine Brandmarke, im Innern einen gedruckten Zettel mit seinem Namen, links ein Schildchen mit den Buchstaben A. J. durch ein Kreuz geteilt und dem Meisterhut darüber, rechts das Wappen von Lothringen. Geigenzettel: Abb. 394. Jacquot, Fernand. — Nancy. Geb. 1 1 . Juli 1 884 Sohn von E. Ch. Albert J. und Schüler von Frebinet und Mougenot-Gauche in Mirecourt. Nach Beendi- gung seiner Lehrzeit vervollkommnete er seine Kennt- nisse in der väterlichen Werkstatt und erhielt bereits 1905 in Lüttich eine goldene Mitarbeitermedaille für seine vorzügliche Arbeit, Jacquot, Jules-Victor — Jacquot, Nicolas I. 237 Jacquot, Fran^ois I. — Mirecourt. 1694 Er wird ausdrücklich als Luthier bezeichnet. Jacquot, Fran^ois II. — Mirecourt. Geb. um 1675, t nach 1729 Sohn des Jean J. und der Catherine Maillard. Jacquot, Fran^ois III. — Mirecourt. Geb. 19. Jan. 1740, t nach 1789 Er wurde als Geigenmacher im Jahre 1764 Meister, wohnte im VI. Quartier und gehörte der Innung bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1789 an. Die Familie bewahrt noch eine Probe seiner Arbeit, die beweist, daß er nicht ungeschickt war und ein schönes Modell hatte. Jacquot, Jean. — Mirecourt. 1717. 1718 Man weiß nur, daß er im Jahre 1717 als Geigenmacher heiratete. Jacquot, Jean-Charles. — Mirecourt. Geb. um 1680, t II. Aug. 1740 Von ihm steht noch nicht fest, daß er Geigenmacher war, doch ist es sehr wahrscheinlich. Jacquot, Jean-Fran?ois I. — Mirecourt. 1741 . 1745 Ein Geigenmacher, der mit Agnes Perrard verheiratet war. Vielleicht ist er identisch mit dem in den Registern schon 1710 und 1711 vorkommenden Luthier dieses Namens. Jacquot, Jean- Fran 901s II. — Mirecourt. Geb. 31. Mai 1741, t nach 1789 Sohn von Jean Frangois 1 und wohl auch dessen Schüler. Er war mit Jeanne Harmand, die, wie er, einer alten Geigenmacherfamilie entstammte, verheiratet. Er gehörte der Mirecourter Geigenmacherzunft von 1773 bis 1789 als Meister an. Jacquot, Jean-Nicolas. — Mirecourt. Geb. nach 1730, t nach 1780 (?) Sohn von Nicolas II J. Er heiratete 1758 Anne Chilly und galt als sehr geschickter Geigenmacher. Jacquot, Joseph I. — Mirecourt. 1732. 1737 Da er Sohn eines Geigenmachers war und die Paten seiner Kinder stets aus den Kreisen der Geigenmacher gewählt hatte, wird auch er als Geigenmacher anzu- sehen sein. Jacquot, Joseph II. — Mirecourt. 1740. 1768 Als Geigenmacher in den Matrikeln bezeichnet. 1735. Jacquot, Nicolas I. — Mirecourt. Geb. um 1680, lebte noch nach 1704 Wahrscheinlich wie die meisten Mitglieder seiner Ein Geigenmacher, der mit Anne Perrin verheiratet Familie Geigenmacher. war. Jacquot, Jules- Victor. — Nancy. Geb. 12. Aug. 1855 in Nancy Zweiter Sohn und Schüler von P. Gh. J. und Teilhaber der fortblühenden Firma. Auch ihm wird große Ge- schicklichkeit nachgerühmt, doch gab er nach seiner Verheiratung seinen Beruf auf, trat in das Geschäft seines Schwiegervaters ein und wurde Kaufmann. Jacquot, Pierre-Charles. — Nancy. Geb. in Nancy 10. März 1828, f 19. Jan. 1900 Schüler seines Vaters Charles J. Er führte dessen Werk- statt von 1853 an in Nancy fort. Seine Arbeit muß als künstlerisch bezeichnet werden. Als seine beiden Söhne ausgebildet waren, änderte er seine Firma in »Ch. Jacquot et fils«. Er war Ritter der Ehrenlegion und besaß viele Medaillen usw. — Er behielt zeitlebens die väterliche Werkstatt in der Rue de la Poissonnerie 19 (jetzt Rue Gambetta) und gehörte wie sein Vater zu den besten französischen Geigenmachern seiner Zeit. Nebenbei sei bemerkt, daß er auch ein talentvoller Zeichner war. Geigenzettel: Abb. 397. Jacquot, Andre. — Mirecourt. f vor 1616 Wohl das älteste bis jetzt bekannte Mitglied der jetzt noch blühenden Geigenmacherfamilie, die somit die älteste in Frankreich ist, in der das Geigenmachen bis auf den heutigen Tag geübt wird. Jacquot, Claude I. — Mirecourt. 161 1 . 1618. Geb. um 1580 Auf ihn geht die heute noch blühende Geigenmacher- familie in gerader Linie zurück. Er wird ausdrücklich als Geigenmacher bezeichnet und war mit Edeline . . . verheiratet. Jacquot, Claude II. — Mirecourt. Geb. 17. März 161 l,t 27. April 1690 Sohn von Claude I J. und wie dieser ein geschickter Geigenmacher. Eine gute Arbeit von ihm wird noch in der Familie aufbewahrt. Seine Frau hieß Mengeotte. Jacquot, Claude III. — Mirecourt. f 6. Juni 1697 Sohn von Pierre und Enkel von Claude I J. Vermutlich identisch mit dem am 29. Febr. 1645 geborenen Claude Nicolas J., der mit Anne Catherine Roblot verheiratet war. Jacquot, Claude- Fran^ols. — Mirecourt. Geb. 5. Juli 1685, t nach 1772 Sohn von Claude III J. und wie dieser Geigenmacher. Jacquot, Dominique. — Mirecourt. t Juni 1742 238 Jacquot — Jais Jacquot, Nicolas II. — Mirecourt. Geb. um 1700, t vor 1763 Ein Gelgenmacher, der mit Marie, der Tochter des Geigenmachers Villemin verheiratet war. Er arbeitete sehr sauber, hatte einen fetten, helhot-goldigen Lack und verwendete den Brandstempel: NICOLAS JACQUOT / A PARIS. Jacquot, Nicolas III. — Mirecourt. 1787 Er heiratete im Juni 1787 und kommt in den Registern des gleichen Jahres als Geigenmacher vor. Jacquot, Nicolas IV. — Mirecourt. Geb. um 1750, t 2. Aug. 1841 Er verlegte sich schon frühzeitig auf das Bogenmachen und brachte es darin zu besonderer Geschicklichkeit. Seine Bogen tragen seinen Namen als Brandmarke. M ire- Jacquot (Taufname unbekannt), court. t vor 1719 Man weiß nur, daß er als Geigenmacher eine Witwe hinterließ. Jäger, Carl. — Hildesheim. Geb. 27. Nov. 1841 in Neustadt am Hohnstein (Harz) Ursprünglich war er Musiker und diente als solcher im vormaligen hannoverschen Gardejägerbataillon. Seiner besonderen Vorliebe folgend, erlernte er von 1862 bis 1 866 bei Erasmus Schiefler das Geigenmachen, arbeitete noch zwei Jahre lang praktisch und ließ sich am 1 . Sept. 1868 in Hildesheim als Geigenmacher nieder. Er ar- beitet meist nach Stradivari und verwendet einen selbst- bereiteten, gewöhnlich gelbbraunen Lack. Unter den von ihm gemachten Geigen ist jene bemerkenswert, die statt der Schnecke den Kopf des Königs Georg V. von Hannover zeigt. Griffbrett, Wirbel und Saitenhalter sind daran von Elfenbein. Die Lage des Baßbalkens be- rechnet er nach einem eigenen Verfahren. Auch die Form der sechs Klötzchen weicht bei ihm von der üblichen ab. Er erfand ferner einen Geigenbogen mit verschiebbarer Bewicklung. Geigenzettel: Abb. 392. Jaeger, Hans. — Markneukirchen. Geb. 25. Nov. 1858 in Bad Elster Schüler von Ludwig Glaesel sen., bei dem er sechs Jahre blieb. Im Jahre 1876 begab er sich auf die Wanderschaft und fand nach vorhergegangener Probe- arbeit Stellung bei X. Kerschensteiner in Regensburg. Hier konnte er sich in jeder Richtung ausbilden und blieb da bis 1880. Er leistete dann in Ingolstadt seiner Militärpflicht Genüge und war zwei Jahre Unter- offizier. 1883 kehrte er nach Markneukirchen zurück und trat bei Glaesel und Herwig ein und ging dann nach Amsterdam als Geschäftsführer der Witwe Hampe, von wo er 1885 nach Markneukirchen ging, um seine eigene Werkstatt zu eröffnen. Er hat auf seinen Reisen durch Bayern, Holland, Belgien usw. jede Gelegenheit, sich zu vervollkommnen, benutzt und versteht es vor- züglich, alte Meisterwerke genau zu imitieren. Seine Geigen sind sorgfältig gearbeitet und haben einen schönen Ollack. Jaeger, Hermann. — Breslau. Geb. in Mark- neukirchen I.Jan. 1867 Schüler von Karl Weller. Nachdem er in Dresden und Berlin als Gehilfe gearbeitet, gründete er 1890 sein Geschäft in Breslau und führt Ausbesserungen sowie auch neue Instrumente nach eigenen Modellen oder nach Stradivari aus. Er lackiert mit einem Ollack eigener Zubereitung. Jaeger, Joh. Adam. — (Mark)Neukirchen. Geb. 1688, f 1765 im Alter von 77 Jahren weniger 4 Monate 24 Tage Der Stammvater der heute noch blühenden Familie, ein guter Geigenmacher seiner Zeit, der am 15. Dez. 1716 als Meister in die Zunft aufgenommen wurde, bei welcher Gelegenheit ihm gegen Erlag von 16 Talern erlassen wurde, die »Meistermahlzeit in natura auszu- richten«, da er eine »arme vater- und mutterlose Waise« sei. Jaeger, Johann Georg. — (Mark)Neukirchen um 1770 Vielleicht ein Sohn von Joh. Adam J. Er scheint jedoch weder in Markneukirchen geboren, noch dort gestorben zu sein. Geigenzettel : Johann Georg Jaeger / Violinmacher in Neukirchen, (gedruckt). Jaeger, Otto, eine Musikinstrumentenmacher- firma in Frankfurt a. 0. Jaie s. Jay Jais, Alois. — Mittenwald. 1848 Einer der besten Mittenwalder Geigenmacher seiner Zeit, der die guten, alten Traditionen pflegte, aber auch die Italiener kannte und aus ihrem Studium Vorteil zu ziehen wußte. Jais, Andreas. — Mittenwald, Tölz. Geb. um 1685, t nach 1749 Sohn des Georg Jais und der Katharina. Er wird schon 1707 als Lautenmacher bezeichnet und macht 1707 — er ist noch ledig — ein Violoncello für den »Verleger« (Händler) J. Baader und wird 1 709 Pate bei Johann Carl Klotz, dem Sohne des Mathias. — Er siedelte bald darauf nach Tölz über, wo er am 22. Juni 1711 Anna Lerch (t im Kindbett am 23. Juni 1 7 1 8) heiratete. Kurz nach dem Tode seiner Frau (am 16. Aug. 1718) ging er mit Elisabeth Leer aus Wolfrathshausen (f 1759) eine zweite Ehe ein. Sein Modell ist hochgewölbt, der Lack mager, rötlich und die Arbeit vorzüglich. Sehr schön sind auch seine Löwenköpfchen am Wirbelkasten. Auf die Einlage verwendete er weniger Sorgfalt und ließ sie am Boden oft ganz fehlen, wo er sie durch gezeichnete Linien ersetzte. Ebensogut wie seine Violinen sind seine Violen, Violoncelli und Liebesgeigen. Er hatte Jals -' J'Anson 239 sechs Söhne. Daß er schon zu Lebzeiten hoch- geschätzt wurde, dafür spricht, daß er im Tölzer Kirchenbuche ausdrücUich »Künstler« genannt wird. Vgl. (Stuttgarter) Antiquitäten-Zeitung 1902, Nr. 5. hin Violoncello von 1707 besitzt der Geigenverleger Joh. Bader. Eine sechssaitige Viola von ihm vom Jahre 1 733 besitzt das Bachhaus zu Eisenach. Geigenzettel: Andreas Jaiss Lautten- / macher m Tölz Ao 1739 (gedruckt). Jais, Anton. — Mittenwald. Geb. 3. Febr. 1 748, t nach 1836 Sohn von Franz Jais und wohl auch dessen Schüler. Seine Arbeit, die manchmal auf ein Amatimodell zu- rückgeht, steht auf gleicher Höhe mit der seiner besseren Zeitgenossen, namentlich verdient sem schö.^es Deckenholz gelobt zu werden. Sein Lack ist gelb oder gelbbraun. Geigenzettel : Abb. 389. Jais, Franz. — Mittenwald. 1720. 1757 Er gehört der Klotzschule an und zeichnet sich durch besonders sorgfältige Ausführung der Einlagen, den Schnitt der F-Löcher und der Schnecken aus. Sein Lack ist gelbbraun oder rotbraun. Jais, Johannes. — Tölz. Geb. in Tölz 14. Jan. 1715, t das. 11. Juni 1765 Sohn und Schüler von .Andreas J., dem er sehr nahe- kommt. Statt der Schnecken bringt er auch gerne Köpfchen (mit verbundenen Augen, Tierköpfchen usw.) an. Geigenzettel: Johannes Jaiss / Lauten- / macher m Tölz / 1 762. (gedruckt). Jais, Johann. — Bozen. Geb. 1752 in Mitten- wald, f nach 1780 Sohn von Franz Jais. Seine Arbeit ist von guter Tiroler Art und hat braunen Lack. Geigenzettel : Abb. 390. Jais, Johann. — Mittenwald. 1918 Sohn von Alois J. Da er bisher zumeist für die Verleger arbeitete, ist er noch wenig bekannt. Jais, Joseph. — Mittenwald. Geb. 17. März 1750. 1770 Sohn von Franz J. Er scheint in jungen Jahren gestor- ben zu sem. Jais, Mathias. — Mittenwald. Geb. 10. Sept. 1755 Jüngerer Sohn von Franz Jais und dessen Schüler. Er ist nur wenig bekannt. Jais, Wilhelm (gen. Stingl). — Mittenwald. 1687 In den Akten wird er »Chelista« genannt. Wilhelm Jais tritt gleichzeitig mit Mathias Klotz als Geigenmacher auf und hat somit ebenfalls seinen Anteil an der Be- gründung der nachmals so in Blüte gekommenen Gei- genbauindustrie Mittenwalds. Er war 1687 bereits ver- heiratet. Jakob, Max, ein Geigenmacher, der in Wohl- hausen i. S. tätig ist James, Stanley W. — Melbourne (Australien). 1880 Er stammte aus Richmond, war von Beruf Drucker und machte aus Liebhaberei Geigen nach Amati, für die er u.a. 1880 in Melbourne auf der Ausstellung einen zweiten Preis erhielt. Jamieson, Thomas. — Aberdeen. 1830. 1845 Wahrscheinlich ein Schüler von Charles Crammond, den er nachahmte. Seine Arbeit ist gut, der Lack von gelber Farbe. Jamin, Nicolas. — Mirecourt. 1744. 1760 Nur dem Namen nach bekannt. Jani, Johann Ernst. — Hamburg. 1739 Das Bürgerrecht scheint er nicht erworben zu haben. Eine Geige, die in der Arbeit etwas an die Holländer erinnert, mit schönem Holz und dickem, braunem Lack von sehr guter Beschaffenheit besitzt Ernst Ge isser. Geigenzettel: Hamburg 1739 / Johann Ernest Jani / fecit ad modum Cremonensis. (gedruckt). Janicki. — Warschau. 1830 Vielleicht ein Schüler von Kwialkowski, dem er nahe- kommt. Janot — Lyon. 1824 Ein geschickter Lauten- und Geigenmacher, von dem namentlich gute Gitarren von originellen Umrissen bekannt sind. Geigenzettel: Janot Luthier / Rue Merciere a Lyon 1824 (lith.). Janrot s. Lorret Jansen (?), Andrea. — Padua. 1629 Die Sammlung Donald in London besitzt eine im Jahre 1629 angefertigte Theorbe von Giovanni Krebar und Andrea Jansen. Da ich das Instrument nicht selbst gesehen habe, weiß ich nicht, ob der Zettel richtig ge- lesen wurde. Jansky, Franz. — Leitmeritz. 1751 Er machte meistens Streichbässe, welche noch jetzt in vielen böhmischen Kirchen zu finden sind. Ein sehr gutes Violoncello von ihm besitzt das Priesterseminar in Leitmeritz. Violinen von ihm kommen sehr selten vor. Sein (Spiritus)-Lack ist schwarzbraun. Geigenzettel: Franz Jansky / bürgerl. Instrumenten- macher / Dominikaner Gasse Leitmeritz 1751 (gedr.). J'Anson, Edward Popplewell. — Leeds, Man- chester. 1854. 1855 Schüler von William Boots jun., aber nur ein mittel- mäßiger Geigenmacher. 240 J ansson — Jaura Ja Janssen, Karl. — Högvalta Arvika. 1897 Er stellte 1897 eine Gitarre, eine Geige und ein Violon- cello in Stockholm aus. Die Arbeit war nicht schlecht. Jany, Jakob. -Wien. 1800. 1801 Er wohnte als Lauten- und Geigenmacher in Neu- lerchenfeld Nr. 19 und legte am 12. Dez. 1800 den Bürgereid ab. Seine Geigen sind gut gemacht, aber keine Kunstwerke, das Holz ist ohne Sorgfalt gewählt, der gelbbraune Lack ohne Feuer. Er verwendete nur geschriebene Zettel. Abb. 398. Jarasch, Anton. — Wien. 1816. 1838 Er wohnte in Reinsdorf, das jetzt zum XV. Bezirk der Stadt Wien gehört. Ein wenig bekannter Meister, der aber recht sauber arbeitete und gute Geigen machte. Einen sehr guten Kontrabaß von ihm besitzt die Kirche in Altlengbach bei Wien. Gelgenzettel : Anton 'arasch / in Reinsdorf Anno 1830/ nächst Wien (gedruckt) und Abb. 396. Jaspers, Jan. — Antwerpen. Geb. in Coesvelt (Westfalen) um 1540 Sohn von Josse J., wurde 1569 Bürger und wird aus- drücklich als Lautenmacher bezeichnet. Jauch (Jauck), Andreas Balthasar. — Dresden. Geb. um 1701, t 16. März 1785 Wahrscheinlich ein Sohn von Johannes J. Er arbeitet nicht mehr nach Stainer und nähert sich mehr der Cremoneser Schule. Seine Arbeit ist sorgfältig, das Holz meist gut, ebenso sein Bernsteinlack. Seine Geigen haben durch das Alter sehr gewonnen, sie klingen jetzt edel, während noch Otto ihren schwachen spitzen Ton tadelte. Jauch war Hoflautenmacher. Das Adreßbuch von 1 797 und 1 799 führt noch seine Witwe, die in der Töpfergasse Nr. 584 wohnte, auf. Sie hat vielleicht das Geschäft nach dem Tode ihres Mannes fortgeführt. Eine theorbierte Laute mit seinem Re- paraturzettel von 1 749 befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln. Geigenzettel: Andreas Jauch. Hoff-Lauten- / macher in Dresden, Reparav: 1749. (geschrieben) und Abb. 395. Jauch (Jauck) Augustin, Ignatius. — Dresden. Geb. 30. März 1749. 1812 Sohn und Nachfolger von Andreas Jauch. Zu seines Vaters Lebzeiten war er bereits »adjungierter« und nach dessen Tode wirklicher Hoflautenmacher. Nach den Adreßbüchern von 1797 — 1799 wohnte er in der Töpfergasse Nr. 584. Nach 1812 wird er nicht mehr verzeichnet. Außer Geigen machte er auch gute Kla- viere. Jauch (Jauck), Johannes. 1750 Dresden. 1735. Es liegt nahe, ihn mit dem Grazer Meister Joh. Jauck in Verbindung zu bringen. Würden die Jahreszahlen dies gestatten, wäre ich sogar geneigt, zu glauben, daß man es da mit einer und derselben Person zu tun hat. um so mehr, als die Arbeit nicht gerade dagegen spricht. Er scheint italienische Geigen gekannt zu haben, die er nachahmte. Eine Viola d'amore von ihm aus dem Jahre 1735 mit hübsch geschnitztem Köpfchen am Wirbel- kasten und schönem rotbraunem Lack besitzt das Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 155). Geigenzettel: Joannes Jauch me fecit / ? ? (Sa)xon. anno 1 743 (gedruckt). Jauck, Joh. Georg. — Graz. 1752. 1790 Wahrscheinlich der Sohn von Johannes J. Gutes Holz, Birnbaumschnecke. Stainermodell, brauner Lack. Geigenzettel : Johann Georg Jauck, fecit / Graecl 1 786 (gedruckt). — Georgius Jauck me fecit / Graecij Anno 1 752 (gedruckt). Jauck, Johannes. — Graz. 1719. 1746 Seine Arbeit erinnert sowohl an die Tiroler, als auch an die Wiener Schule. Er arbeitet, wie diese, nach Jac. Stainer, nimmt die Wölbung sehr hoch und verwendet schönes Deckenholz. Seine Böden sind meist wenig ge- flammt. Sorgfältige Arbeit zeichnet ihn aus. Besonders schön sind seine Schnecken. Sein roter, dicker Lack ist dem Albans ähnlich. Eine schöne Theorbe von ihm mit drei zierlichen Schallöchern befindet sich im Instrumentenmuseum zu Brüssel (Nr. 251), eine theorbierte Laute von 1 734 in der Sammlung der Ge- sellschaft der Musikfreunde in Wien. In komischer Weise mißversteht Grillet, der Jauck übrigens den Italienern beizählt, die Ortsangabe, indem er schreibt: »II avait du voyager en Grece, ce qui lui valut le surnom de Graecii«. Geigenzettel: Joannes Jauck me fecit / Graecii anno 1743 (gedruckt) und Abb. 388. Jauck, Josef Friedrich. — ? 1768 Eine Geige von ihm (Ortsname unleserlich) mit der Jahreszahl 1 768 besaß Lenhart in Leitmeritz. Jaudt, Anton. — Freising, St. Petersburg. 1837. 1850 Seiner Angabe nach stammt er aus München, erst war er in Freising ansässig und siedelte dann nach St. Pe- tersburg über. Geigenzettel : Anton Jaudt aus München / verfertigt in St. Petersburg 18 . . (gedruckt). Jaura, Ferdinand. — Wien. 1910 Enkel von Wilhelm Josef und Neffe von Karl und Wil- helm Th. Jaura, der als Gehilfe bei seinem Oheim arbeitet. Jaura, Karl. — Wien. Geb. 1866 Zweiter Sohn von Wilh. Jos. J. Ein besonders ge- schickter Violoncellobauer, der bei seinem Bruder tätig ist. Jaura, Wilhelm Josef. — Wien. Geb. 30. Mai 1830inZnaim, t2.Jan!l908 Eröffnete 1875 seine eigene Werkstatt und hat haupt- sächlich Zithern und Gitarren gemacht. Jaura — - Jeande! 241 Jaura, Wilhelm Thomas. — Wien. Geb. m Wien24. Nov. 1863 Sohn von Wilh. Jos. J. Einziger Scliiiler von Theodor Gutermann. Nachdem er 21 Jahre bei seinem Lehr- meister tätig war, machte er sich im Jahre 1898 selb- ständig und baut hauptsächlich Violoncelli nach Ruggeri, Maggini und Andr. Guarneri, und zwar nur nach Meisterwerken, die ihm im Original zugänglich sind oder waren. Da er sehr altes, gutes Tonholz und einen schönen Öllack verwendet, sehr sauber arbeitet, sind seine Geigen und Violoncelli auch sehr gut im Ton und werden von den Musikern sehr geschätzt. Er ist auch ein tüchtiger Reparateur und besonders geschickt im Ersatz einzelner Teile bei alten Instrumenten. Er ist wohl der beste Kenner der Wiener Schule. Bis jetzt hat er über 230 Violinen, 50 Violen und mehr a!s 100 Violoncelli gebaut. Seine Violinen und Violoncelli werden mit Vorliebe gekauft. Im Jahre 1905 wurde er Geigenmacher an der kaiserl. Hof kapeile und 1907 zum Hofgeigenmacher ernannt. Seit 1909 ist er auch Experte und beeideter Schätzmeister für Streich- instrumente des Pfand- und Versteigerungsamtes und handelsgerichtlich beeideter Sachverständiger usw. Geigenzettel: Abb. 387 und 391. Javelland-Labbe, lebt als Nachfolger von Valentin m Angouleme Jaworski, Franz. — Danzig. Geb. 1862 Ein Fleischermeister, der aus Liebhaberei seit seinem 18. Jahre Geigen macht und sich darin eine gewisse Geschicklichkeit erworben hat. Er baut nach Stainer und Amati und nach einem eigenen Modell und ver- wendet altes Ahorn- und böhmisches Tannenholz. Er setzt seinen Ehrgeiz drein, alle Teile seiner Geigen, auch die Schnecken, selbst zu machen und schnitzt auch gerne Köpfe (Fratzen) am Wirbelkasten. Er hat auch zahlreiche Geigen repariert. Jay (Jai'e), Henry I. — London (Southwarke). 1611. tum 1676 Einer der besten englischen Violen- und Lautenmacher seiner Zeit, von dem sich einige wenige treffliche Instrumente erhalten haben: das älteste von 1615^), das letzte von 1667. Eine Baßviole befindet sich im Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 171), eine Viola da Gamba von 1611 besitzt E. J. Payne, eine von 1619 W. E. Hill & Sons, eine Diskantviola von 1632 die Sammlung Galpin (Boston), eine Tenorviola war 1872 im South Kensington Museum ausgestellt. Th. Mace erwähnt ihn rühmend in seinem »Musicks Monument« (1676), Brittons »Catalogue of Mus. Instr.« verweist gleichfalls auf ihn, und im Selhofschen Versteigerungs- katalog (1759) wird eine Gamba von »Henr. Geaye Southwark London 1632« aufgeführt. Geigenzettel: Henri Jay, in Southwarke 1667 (ge- druckt) und Abb. 385. London (Long Acre). 1744. ^) Wenn es nicht 1645 heißen muß. V. L ü t g c n il () I f f , Gtio-en- und Laulinmacher. Bd. II Jay, Henry IL 1777 Wahrscheinlich der Sohn von Thomas Jay. Zeichnet sich durch saubere Arbeit und guten rötlich-braunen Lack aus. Er arbeitete gut nach italienischen Meistern, oft für die Firma Longman & Broderip, und war be- sonders durch seine guten Taschengeigen bekannt, die schon zu seinen Lebzeiten hoch im Preise standen. Seine Zettel sind, soweit bis jetzt bekannt ist, nur ge- schrieben. Geigenzettel: Made by Henry Jay / in Long Acre. London 1 746 (geschrieben). — Made by Henry Jay in / Wind-Mill Street, near ,' Piccadilly. London 1 768 (ge- schrieben). Jay, Thomas. — London. 1690. 1700 Vermutlich ein Sohn von Henry I J. Seine Arbeit ist gut, jedoch der von J. Baker in Qxford ähnlicher als der Henry Jays. Es wird behauptet, daß er mit Edward Lewis gemeinschaftlich gearbeitet haben soll, doch läßt sich nicht feststellen, auf welchen Grund hin diese Be- hauptung aufgestellt worden ist. Ibanez, Salvador. — Bajada (Argentinien) Gitarren- und Mandolinenmacher des 1 9. Jahrhunderts, der auch Geigen geflickt hat. Geigenzettel : Fabrica des Guitares / Salvador Ibanez / Bajada. (gedruckt). Jean, F. S. (nach A. Jacquot »Frere Jean). — Paris. 1667 In einer Gitarre der Sammlung Rothschild findet sich der Name »Jean, luthier Rue Saint Martin«. Eine dem Deckenholz nach sehr alte Violine trägt im Beden den Brandstempel F. S. JEAN (dunkelbraungelber Lack, flache Wölbung, im Modell und den F-Löchern an Stradivari erinnernd), die wohl dem 1667 in Paris, Rue St. Martin, vorkommenden »Luthier Jean« zuge- schrieben werden könnte. Jeandel, Pierre -Napoleon. — Rouen. Geb. um 1812 in Courcelles sous Vaudremont (Meurthe). f Rouen 10. Mai 1879 Schüler von Charotte in Mirecourt. Trat 1835 bei dem Bruder seines Lehrmeisters in Rouen ein und übernahm 1836 nach dessen Tode mit Lucien Delau das Geschäft. 1848 trat er aus der Firma aus und eröffnete am Quai de Paris Nr. 51 seine Werkstatt und ist mehrfach aus- gezeichnet worden. Hübsche Modelle, roter Lack. Leider fehlte ihm der verdiente materielle Erfolg in seinen alten Tagen; durch den Tod seiner Tochter hilflos geworden, wurde er am 27. Dezember 1878 im Hospital aufgenommen, wo er wenige Monate später starb. Jeandel, Victor. — Lüttlch. f 1860 Ein braver Meister, Oheim und Lehrer von G. Mou- genot, der später auch sein Nachfolger wurde. 16 242 Jenicek — Joannes Jenicek, Anton. — Wien. 1904 Er nennt sich Streichinstrumentenerzeuger, ich hatte jedoch keine Gelegenheit, Arbeiten von ihm kennen- zulernen. Jensen, M. P. — Horsens (Dänemark). 1889 Ein Tischler, der sich mit der Wiederherstellung von Musikinstrumenten beschäftigte. Jerner, Johan. — Stockholm. Geb. 1755, t 26. Juli 1820 Als Geselle arbeitete er bei Ohberg und begründete um 1 780 seine Werkstatt, doch erhielt er erst im Jahre 1 791 das Privilegium als Musikinstrumentenmacher. Er Vk'ohnte anfangs in der Skomakare-, dann in der Svart- mangata und war ein ebenso fleißiger als geschickter Lauten- und Geigenmacher, von dem noch viele Ar- beiten in Sammlungen erhalten sind. Da er aber kränklich und vom Jahre 1814 an auf einer Seite ge- lähmt war, kam er in so traurige Verhältnisse, daß seine Werkzeuge und fertigen Instrumente versetzt werden mußten, als er starb, um die Begräbniskosten aufzu- bringen. Arbeiten von ihm besitzen die musikhisto- rischen Museen in Stockholm und Köln, Lektor Dr. Fryklund in Sundsvall, Generalkonsul J. Johnsson in Stockholm usw. usw. Auch in der Sammlung Hammer war er mehrfach vertreten. Gelgenzettel : Förferdlgadt af Johan / Jerner Stockholm 1 792. (geschrieben). Jeune, le s. Le Jeune Jindrischkow (Indrischkow). — Kiew. 1895. 1905 Streich- und Blechmusikinstrumentenfabrikant, der etwa 200 Arbeiter beschäftigt. Sehr behebt sind die bei ihm hergestellten russischen Volksinstrumente (Bala- laika usw.). Jirowsky, Anton. — Wien. Geb. 5. Aug. 1877 in Wien Schüler von Thomas Zach. Nachdem er sechs Jahre bei Haudek als Gehilfe gearbeitet hatte, machte er sich am 12. November 1903 selbständig. Er arbeitet nach Thomas Zach, dessen Modelle und Zeichnungen in seinen Besitz übergingen, und verwendet gutes Holz und roten Lack. Er ist einer der wenigen Wiener unserer Zeit, die noch wirklich ihre Geigen selbst an- fertigen. Geigenzettel: Abb. 393. Ilchmann, Peregrin. — Stubenseifen (Böhmen) 1804. 1837 Ein eigenartiger Meister, der ein sehr schmales, lang- gestrecktes Modell hatte. Seine Geigen haben daher nach den heutigen Anforderungen eine falsche Mensur und infolgedessen nur wegen ihres originellen Aus- sehens einen gewissen Wert für Sammler. Die Arbeit an und für sich ist nicht schlecht, die Wölbung von mittlerer Höhe, Ränder und Ecken sind zart gehalten und die Schnecke recht klein. Zwei Geigen von ihm besitzt Eugen Haas in Herzogenburg. Geigenzettel : Peregrin Ilchmann, Lauten- / Geigen- und Harfenmacher in /' Stubenseifen. Ao. 1807. (ge- druckt). Immenraet, Michel. — Antwerpen. Geb. in Köln um 1585 Sohn von Lukas J. Wurde 1610 als Clavecinmacher Bürger. Imperio, Annibale. — Pisa. 1750 Selten vorkommender italienischer Geigenmacher, von dem ich bisher keine Arbeit kennenlernen konnte. Geigenzettel: Annibalij Imperij / opus 15. (geschr.). — Annibal Imperii / S. Angeli Pisauri fecit / 1 750. (gedr.). Incisi, Ivo. — Saö Paolo. 191 1 Brasilianischer Mandolinenmacher der Gegenwart. Indelami, Matteo. — (Rom?) Diesen Namen, ohne Orts- und Zeitangabe, fand Vidal in einer sehr alten Mandore. Ich vermute, daß er schlecht gelesen hat, es dürfte »Indelanch« geheißen haben. Indelanch, Stephan. — Rom. 1640. 1643 Ein Ausländer, der sich mit seinem Neffen Johann Paul in Rom als Lautenmacher niedergelassen hat. Stammte er aus Hindelang i. AUg.? Sein Name kommt in einem Gnadengesuch an den Kardinal Costaguta vor. Indelicato, Salvatore. — Catania. 1898 Mandolinenfabrik, die zeitweise über 250 Arbeiter be- schäftigte. Indri, Antonio. — Venedig. Geb. um 1781, t in Venedig am 25. Dez. 1864 Einige Violinen, die recht gut aussehen, tragen seinen Zettel. Wessen Schüler er war, ließ sich nicht fest- stellen. Er war ein Sohn des Giuseppe Indn und mit Vittoria Benetelli verheiratet. Er hat nur in seinen jüngeren Jahren Geigen selbst gemacht, später verlegte er sich ganz auf den Handel und brachte es dabei zu einigem Vermögen, so daß er bei seinem Tode seinen vier Kindern zwei Häuser hinterlassen konnte. Er wohnte in der Pfarrei S. Salvatore, calle delle Ballotte Nr. 4914. Als er 83 Jahre alt starb, wurden die Instru- mente und Saiten, die er hinterließ, gerichtlich nur auf 200 Lire geschätzt. Geigenzettel: Antonius Indri / fecit Venetiis Anno 1807 (mit Druckschrift geschrieben). Inglis, J., lebte bis etwa 1899 in Leith als Geigenmacher und Bernsteinlackfabrikant Instrumenti s. Dagli Instrumenti Joannes Maria, s. Maria Jobst — Issaksen 243 Jobst, Johann. — Graz. Geb. 13. März 1848 in Wien Ein vorzüglicher Zithermacher, der viele Auszeich- nungen besitzt und sich sehr gut auf den Ton versteht. Jönsson, Sven. — Bockeberg (Hessleholm, Schonen). 1908 Schwedischer Bauemmusiker, der als Mitglied des sog. Kellna-Trios Erfolg erzielte auf den von dem Trio hergestellten und gespielten Fiedeln, deren Körper aus einem gewöhnlichen Holzschuh besteht. Jörg. — Augsburg. 1496—1500 Ein Lautenmacher Jöre kommt in den Urkunden vor. Jörg ist wohl nur der Taufname; in den Augsburger Steuerregistern findet sich 1511 — 1527 auch ein Lautenmacher Georg, — Jörg und Georg dürften ein und dieselbe Person sein. Der Taufname Jörg war in Füssen sehr verbreitet, man dürfte nicht weit fehl gehen, wenn man in dem Augsburger Meister Jörg einen Füssener vermutet. Johannsen, Ellef . — Stenkjöndalen (Norwegen) 1861 Ein norwegischer Geigenmacher, der gute Hardanger- fiedeln machte. Johansson, Adolf. — Norunga, Elfsborgslän (Schweden) Ein Dilettant, der auf der Ausstellung in Stockholm 1897 ein gutes Violoncello ausgestellt hatte. Johnson, John. — London. 1750. 1760 Die wenigen bekannt gewordenen Geigen von ihm sind dem Stainermodell nachgeahmt und haben manche schätzenswerte Eigenschaft. Geigenzettel : Sold by John Johnson / Cheap Side London (gedruckt). — Made & Sold by John Johnson / at the Harp & Crown in Cheapside / 17 London 53 (gedruckt). Johnson. — Manchester. 1892 Seine Geigen sollen sauber gearbeitet sein. Joly, Louis. — Mirecourt Obwohl Violinen mit seinem Namen vorkommen, scheint er doch nur Händler gewesen zu sein. Jombar, Paul. — Paris. Geb. 8. April 1868 in Saint-Quen Schüler von Domin.- Nestor Audinot, bei dem er von 1882 — 1886 blieb. Hierauf gehörte er zu den hervor- ragendsten Arbeitern von Gand & Bernardel und machte sich 1892 selbständig. Seine Arbeit ist sehr ge- schmackvoll und seine Geigen zeichnen sich durch Klangschönheit aus. Im Jahre 1901 erhielt er die Ehrenlegion. Geigenzettel: Abb. 382 und 383. Jomier. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamilie, deren Stammvater der im Jahre 1 765 verstorbene Jean Jomier war. Sein Bruder Nicolas I J. starb schon ein Jahr vorher. Nicolas II J. kommt zwischen 1764 und 1781 vor. Seine Geigen erinnern nach A. Jacquot an die Klotzschule. Er ge- brauchte den Brandstempel: Nicola/ lomier. Jomier. — Lyon. 1827 Mittelmäßiger französischer Geigenmacher aus der ersten Hälfte des 1 9. Jahrhunderts. Geigenzettel : Fait par Jomier / a Lyon 1 827 (gedruckt). Jori, Leandro. — Sesso (Reggio Emilia). 1819. 1880 Seine neuen Geigen sind nicht sehr schön, dagegen war er sorgfältig im Ausbessern alter Violinen. Jorio, Vincenzo. — Neapel. 1780. 1849 Er wohnte Strada Santa Maria la Nuova Nr. 21 . Da er sich hauptsächlich mit dem Ausbessern beschäftigte, hat er nicht allzu viele neue Geigen gemacht. Er liebte ein großes Modell, gelben oder rotgelben Lack und schnitzte gute Schnecken. Einige seiner Schüler, darunter Vinc. Postiglione, kamen zu Ansehen. Geigenzettel: Vinzenzo Jorio / Fabbricante / di Stru- menti Armonici / Neapoli 1849 (gedruckt auf gelbem Papier). Joseph, J. — Wien. 1764 In einigen Schriften wird er als Geigenmacher erwähnt, doch gelang es mir nicht, irgend etwas über ihn zu erfahren. Joubert. — ?. Französischer Lautenmacher des 1 8. Jahrhunderts. Jouet, Louis Philipp. — Bayeux. 1775. 1787 Er hatte seine Werkstatt in der Pfarrei St. Sauveur. Man kennt nur eine hübsch geschnitzte Bauernleier von ihm. Ireson, Frank Herbert. — Bishop Auckland. Geb. 1868 Es soll gute Geigen mit seinem Namen geben. Irlam, W., lebte im 19. Jahrhundert in Man- chester Isep, Carl (Carlo Giuseppe). — Mailand. 1 800 Mittelmäßig in seiner Arbeit, auch seine Mandolinen sind nicht besonders gut. Er hieß wahrscheinlich richtig Pesi und hat sich durch Umdrehung seines Namens ein Pseudonym gebildet. Isoard (Isouard). — Paris? 1835 Erfinder einer Geige, deren Saiten statt mit dem Bogen durch einen Luftstrom in Schwingungen versetzt werden sollten. Issaksen s. Tron- Issaksen 16* 244 Isser • — Kämbl Isser, Johann. — Horeben, Volderberg (Tirol). Geb. 1791 in Volderberg, f daselbst 14. April 1852 Dr. Fr. Waldner erzählt in seinen Nachrichten über tirolische Lauten- und Geigenbauer, daß J. Isser ein Bauer zu Horeben gewesen sei, der als Autodidakt Geigen gemacht habe. Das Ferdinandeum in Innsbruck besitzt eine Geige von ihm. Geigenzettel: Johann Isser / am / Volderberg 1823 (ge- druckt). Jubault, ein »Luthier«, der in Chartres lebt Jühling, Franz. — Dresden. Geb. 1838 Mitbegründer der Firma (die von 1880—1884 Richter & Jühiing lautete) und von 1884 — 1906 alleiniger In- haber. In einer langen Reihe von Jahren hat er sich eine sehr achtbare Kenntnis der italienischen Geigen erworben und hielt seine Mitarbeiter zu sauberer und genauer .Arbeit an. Auf verschiedenen Ausstellungen war er durch sehr gute Violinen, Violen und Violon- celli, sowie durch Bogen und Saiten vertreten und erhielt außer anderen Auszeichnungen auf den Welt- ausstellungen in Brüssel und Paris 1900 die goldene Medaille für Streichinstrumente und quintenreine und übersponnene Saiten. In den letzten Jahren widmete er sein besonderes Interesse der Lackierung, wobei ihm seine Kenntnisse in der Chemie sehr zustatten kamen. Er war trotz seines hohen Alters noch rastlos tätig. Sein im Jahre 1880 geborener und als Geigenmacher regel- recht ausgebildeter Sohn Walter ist seit 1906 Mitin- haber des Geschäfts. Seine Saitenspinnerei arbeitet mit von ihm selbsterdachten Maschinen und elektrischem Betrieb. Sehr beliebt sind auch die Jühlingschen sog. Testudolauten. Die Firma war auch Lieferant der kgl. Kapelle. Geigenzettel: Franz Jühling. / Streichinstrumenten- macher / Dresden, (gedruckt). Juliane, Francesco. — Rom. 1690. 1725 Sein Name kommt in so verschiedenen Schreibweisen (Giugliani, Guillano usw.) vor, daß es schwer ist, die richtige herauszufinden. Auch die Jahreszahlen gehen oft bis 1620 zurück, wobei schon das Aussehen der Geigen dieses Alter unglaublich erscheinen läßt. Die Arbeit ist nicht hervorragend. Geigenzettel: Francesco Juliano in Roma / 1725 (ge- druckt). Julien, L. Antoine(gen. Jullien). — Paris. 1812 bis 1860 Kapellmeister und Tondichter beliebter Tanzweisen, erfand auch eine neue, um eine Quart höher gestimmte Geige, die er von J. B. Vuillaume machen ließ. Eine solche befindet sich im Museum des Pariser Konser- vatoriums. Jung, Eduard. — Garsten. Geb. 1849 zu Karlsdorf i. M. Autodidakt vom reinsten Wasser. Er kam als Gendar- meriewachtmeister nach Tirol, wo ihm Rufs Biographie Jakob Stainers in die Hand fiel. Da er von Jugend auf Geige spielte, bekam er nun Lust, sich selbst als Geigen- macher zu versuchen. Obwohl er nie gesehen, wie Geigen gemacht werden, — und bis zuletzt die dazu nötigen Werkzeuge nicht kannte, gelang schon der erste Versuch einigermaßen. Durch fortgesetzte Übung und viel natürliches Talent brachte er es schließlich zu großer Fertigkeit, trotzdem er mit den primitivsten Werkzeugen, die er sich selbst erfand, arbeitete. Er machte im Jahre ungefähr drei Geigen fertig und hat etwa 65 gebaut. Sie sind von tadelloser Ausführung und gutem Ton, so daß er viele Ausstellungspreise, zuletzt vom Handelsministerium eine Staatsmedaille, erhalten hat. Eine reich eingelegte Geige mit Widmung ist in der Sammlung Eugen Haas in Herzogenburg. Geigenzettel: Eduard Jung / k. k. Inspector der Straf- anstalt Garsten / fecit 1898 No 23. (gedruckt). Jungcurth, Heinrich Wilhelm. — Hamburg. 1782 Ein Instrumentenmacher, der am 15. November 1782 das Bürgerrecht in Hamburg erwarb. Ivanoff, Wladimir Wassilewitsch. — St. Peters- burg. 1885. fnach 1890 Schüler von Kittel. Ein begabter russischer Geigen-, Bogen- und Saitenmacher, der nach dem Modell der Brüder Amati arbeitete. Kummer und Not beein- trächtigten seine Entwicklung, seine besten Violinen entstanden zur Zeit, als Didelot sein Gehilfe war, seine Violen sind ohne Sorgfalt gearbeitet. Der Lack ist manchmal recht gu t. In seiner letzten Lebenszeit machte er hauptsächlich nur noch Volkszithem. Wie sein Lehrmeister, war er em geschickter Bogenmacher, nur nahm er die Stangen zu schwach. Ka , Mathias. — Düsseldorf. 1737 Eine reich mit Elfenbein und Perlmutter eingelegte Viola d'amore der Sammlung alter Musikinstru- mente in Berlin (Nr. 867) trägt einen Zettel, auf dem sich nur der Anfang des Namens entziffern läßt. Bei dem Versagen archivalischer Nachforschungen in Düsseldorf war es nicht möglich, den vollen Namen herauszubringen, was um so bedauerlicher ist, als man es hier mit einem Meister zu tun hat, dessen .Arbeit an die Joach. Tielkes erinnert. Die Zargen sind purpur- blau gefärbt, am Wirbelkasten befindet sich ein Mohrenköpfchen. Der Lack ist hellgelb. Kabinger, Jakob. — Budapest. 1840. 1876 Einer der besten ungarischen Geigenmacher und einer der besten Bogenmacher. Ende der sechziger Jahre soll er nach Rußland ausgewandert und im Jahre 1876 in Kiew gestorben sein. Geigenzettel: Jakob Kabinger / in Pesth 1857. (gedr.). Kämbl ^), Johann Andreas. — München. Geb. 1699, t I.April 1781 Einer der besten Münchener Lauten- und Geigen- macher des 18. Jahrhunderts. Er war in erster Ehe mit ^) Der Name kommt auch Kämbel, Kämpl und Kämml geschrieben vor. Käinbl - Kandelhardt 245 der älteren Tochter Paul Alletsees verheiratet und wurde der Nachfolger seines Schwiegervaters und war seit 1738 auch Hoflautenmacher. In den bayrischen Hofrechnungen von 1757—1778 wird er wiederholt 'aufgeführt, und seine zweite Frau Franziska Kämblin kommt noch 1 785 als Hofgeigenmacherswitwe vor. Er erhielt für seine Reparaturen usw. vom Hof zusammen 978 fl. 30 kr. Wenn Sandys und Forster ihn schon 1635 leben lassen, so haben sie ihn um ein Jahrhundert zu früh angesetzt. Kämbls Nachfolger war Gregor Sidtler. ^ Geigenzettel: Johann Andreas Kämbl / Churfürstl. / Hof-Lauten- und Geigenmacher / in München 1745 (gedruckt). M unchen. 1635. Kämbl, Johann Cornelius. 1640 Er wird zuerst von Sandys & Forster ohne nähere Quellenangabe erwähnt. In München war nichts über ihn zu erfahren. Kämpffe, Albin. — Markneukirchen. Geb. 4. April 1866 Schüler von Karl Keßler und der Fachschule für In- strumentenbau in Markneukirchen. Er arbeitete dann 2^/o Jahre bei Hammig in Leipzig und 1 Jahr bei Schünemann in Hamburg, Vjn Jahre bei H. Th. Heber- lein und machte sich am 1. November 1890 in seiner Vaterstadt selbständig, wo er nach italienischen und französischen Vorbildern Geigen macht. Seit 1896 fertigt er auch Schoßviolinen zum Ersatz der Streich- zither an. Kahles, Franz. — Langfuhr (Vorstadt von Danzig). 1860 Ein gutes Violoncello von ihm ist in Karlsruhe in Privatbesitz. Gei gen Zettel : Franz Kahler 1860 / in Langfuhr bei Danzig (gedruckt). Käßler s. Keßler Kaiml, Franz. — Budapest. Geb. 1840 Seit 1870 als Instrumentenmacher selbständig. Kaiser, Martino. — Venedig. 1609. 1632 Vielleicht ein Schüler Tieffenbruckers oder Hiebers und sicher, wie diese, deutscher .Abstammung. Eine Archilaute von ihm besitzt das Museum des Pariser Konservatoriums und eine reicheingelegte Theorbe die Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 716). Er war übrigens auch ein geschickter Kla- vierbauer, wie das ein prächtiges, für Kaiser Leopold I. verfertigtes Clavicytherium beweist. Ein Violoncello mit der angeblichen Jahreszahl 1679 besitzt die Samm- lung Correr in Venedig. — Es hat auch einen wohl mit Martino K. verwandten Georgius Kaiser (Kayser) ge- geben, der sich als den Besitzer der sechssaitigen, schmucklosen Laute nennt, die er von Wendelin Tieffenbrucker erworben hat, wenigstens ist der Zettel nicht anders zu deuten : Georgius Kayßer favricatto ; da Wendelino Dief fenbruger / 1 595 (gedruckt). Kalbsaug, Eberhart. — Nürnberg. 1433 In Urkunden, die im Kreisarchiv zu Nürnberg auf- bewahrt sind, wird er ausdrücklich als Lautenmacher bezeichnet. Kalies, Johann Heinrich. — Lübeck. Geb. 1767, t 11. Juni 1814 Er stammte aus Wesloe bei Lübeck, war ein guter »Violinenmacher« und wohnte in der Ritterstraße Nr. 694 Getzt St. Annenstr.), wo auch sein Vorgänger Joh. Hinrich Knichtel seine Werkstatt hatte. Er ver- heiratete sich am 17. Oktober 1805 mit Elsabe Marg. Behrotter (geb. 1779), mit der er nur eine Tochter Marg. Elisabeth hatte, die aber schon am 15. Juni 1808, erst 16 Wochen alt, starb. Seine Witwe heiratete den Geigenmacher Hüttel, der dann sein Nachfolger wurde. Kaltenbrunner, Karl Richard. — • Wien. Geb. in Wien 16. März 1878 Nachdem er vier Jahre bei Fr. Howorka gelernt hatte, arbeitete er bis 1899 in Teschen und kam 1899 zu Th. Gutermann, bei dem er bis 1904 blieb. Die nächsten sechs Jahre war er bei Stübiger tätig und ging dann zu Georg Rauc r, bei dem er seine letzte Ausbildung fand und sich zu einem tüchtigen Meister entwickelte. Im Jahre 1919 machte er sich selbständig und hat sich durch sorgfältige und kunstgemäße Arbeit sehr gut ein- geführt. Er ist besonders geschickt in allen Aus- besserungsarbeiten und hat auch schon einige sehr schöne neue Geigen gebaut. Geigenzettel: K.Richard Kaltenbrunner / fecit Viennee Anno 19 . . (gedruckt). Kammeyer, Johannes Christoph. — Mann- heim Im Mannheimer Altertumsmuseum befindet sich eine kleine Messingplatte (Türschild?) mit der gravierten .Aufschrift: »Johannes Christoph Kammeyer Musi- kalisch Instrumentenmacher 1792«. Ob er aber Geigen und Lauten gemacht hat, konnte ich bisher nicht er- mitteln. KanamüUer (Kannamüller), Franz. — Obern- zell. 1836. 1848 Er hat wahrscheinlich nur im Nebenberuf Geigen ge- macht, besaß aber eine kunstgeübte Hand, so daß seine Arbeiten gut aussehen und gut klingen. Eine Viola von ihm erinnerte an die Klotzschule, hatte dunkelbraunen Lack, hübsche F-Löcher und tiefgestochene Schnecke. .Mbert Berr in Böhmischbruck besaß ein Violoncello von ihm und forschte in Obernzell nach dem Hersteller. Es ergab sich, daß der Name KanamüUer in Obernzell tatsächlich von 1800—1886 vorkommt, aber kein einziges Mitglied der Familie wird als Geigenmacher bezeichnet. Kandelhardt, Robert. — Oldenburg i. Gr. Geb. 28. Juli 1867 in Oldenburg Schüler von Reinhold Paulus. Tüchtig "Vorgebildet, übernahm pr am 1. Febr, 1893 da? von seinem Vater 246 Kandl er K, arner Franz K. im Jahre 1869 begründete Musikinstru- mentengeschäft, das er unter der Firma Franz Kandel- hardt Sohn fortführt. Für seine Violinen erhielt er auf der Oldenburger Landes-Industrie- und Gewerbe- Ausstellung 1905 eine goldene Medaille. Auch als Re- parateur wird er gelobt. Sein Vater Franz K. war 40 Jahre lang Mitglied der Hofkapelle. Kandier, Laurenz Sebastian. — Nürnberg. 1793 Ein tüchtiger, wenn auch wenig bekannter Geigen- macher, über den es mir bisher nicht gelang, Näheres zu ermitteln. Reichsbankvorstand W. Klocke in Neuß be- sitzt ein Violoncello von ihm von guter Arbeit, F- Löcher und Schnecken sind schwungvoll, der Ton ist sehr gut, namentlich auf der A- und D-Saite, nur die C-Saite fällt etwas ab. Geigenzettel: Laurenz Seb. Kandier / Lauten- und Geygenmacher / Nürnberg anno 1793 (geschrieben). Kanigowski, Friedrich. — Warschau. 1840. 1850 Polnischer Geigen- und Bogenmacher, dessen Arbeiten manchmal an die französische Schule erinnern. A. So- winski erwähnt, daß er im Jahre 1841 ausgezeichnete Geigenbogen und Violoncelli nach Stradivan aus- gestellt habe. Geigenzettel: Fridericus Kanigowski / Correxit Var- saviae an: 1848 (gedruckt). Kannich, Michal. — Warschau. 1880 Seme Geigen sind ohne Eigenart und scheinen fabrik- mäßig hergestellt zu sein. Später soll ein Wilhelm Kannich das Geschäft fortgeführt haben. Kapralik s. Berger-Kaprallk Kapsperger, Joh. Hieronymus. — Rom. 1 7. Jahr- hundert Nach P. Ath. Kircher der Erfinder der Theorbe^). Valdnghi führt ihn als Lautenmacher auf (1598) und vergleicht seine Arbeit mit der von Matteo Sellas. Mir ist er nur als Komponist und Virtuose auf der Theorbe, Laute, Gitarre und Trompete bekannt. Vgl. Ambros, Gesch. der Musik. B. IV, S. 152 ff. Karest, Joos (Josse). — Antwerpen. Geb. in Kölnvor 1500, t nach 1557 Er stammte aus einer kölnischen Familie und war an- geblich der Sohn des Jan Karest'). Er wurde 1523 als Instrumentenbildhauer und Maler in die Antwerpener Lukasgilde aufgenommen, und lebte noch 1557. Er war ^) »Hoc instrumentum primus deinde excoluit claris- simus Hieronymus Capsperger, Nobilis Germanus et ad eam perfectionem perduxit, ut hoc tempore merito reliquis instrumentis palmam praeripuisse videatur, etc. etc.« ") In Köln kommt noch 1550 ein Musikinstrumenten- macher Claes Karest vor, von dem ich nur den unten- stehenden Zettel aus einem Spinett in ejner Münchener Antiquitätenversteigerung notiert habe; Claes Karest de Colonia fecit 1 550 (gedruckt). ein guter Klavichordmacher und soll auch schön ge- schnitzte und verzierte Theorben usw. gemacht haben, während dies von dem gleichfalls aus Köln stammenden Goswin K., der ein Schüler von Pieter Matthys war und 1539 Bürger wurde, nicht behauptet wird. Karg (Karp, Carp), Gregonus. — Königsberg. 1694. 1696 Der Name ist schwer zu entziffern und könnte auch Korth gelesen werden, ja eine Pause des Zettels, die mir vorlag, schien mir sogar die Lesart »Storch« zuzu- lassen. Welches Königsberg sein Wohnsitz war, gelang mir auch noch nicht festzustellen; in Königsberg in Preußen waren die Nachforschungen sowohl im Stadt- archiv als auch im Staatsarchiv vergeblich. (Der Name Karp kam noch im 18. Jahrhundert in Westfalen vor. Ein Johann Wilhelm Karp [Carp] studierte 1711 in Herborn und starb als Prediger in seiner Heimatsstadt Camen.) Eine hübsch eingelegte Laute mit Frauen- köpfchen von ihm befand sich in der Sammlung Hammer in Stockholm^). Eine Gambe von 1696 von ihm besitzt Fr. Wildhagen in Haiensee. Geigenzettel : Gregory Korp in / König Bergs Anno 1694. (gedruckO. Karl, Heinrich. — Bernburg. 1686 In einer Viola soll sein Name gefunden worden sein. Das bayr. Nat. -Museum in München besitzt ein Cithrinchen von ihm. In Bernburg kommt nur ein Levin Karl vor, von dem weder feststeht, was er war, noch ob er mit H. Karl in Verbindung zu setzen ist. (Stammbücher des Kuchenchter Lützowschen Fami- lienstipendiums.) Karner, Bartholomäus. — Mittenwald. 1730. 1793 Bei den weit auseinanderliegenden Jahreszahlen, die man neben dem Namen findet, ist fast anzunehmen, daß es zwei gleichnamige Meister gegeben hat. Die Arbeit ist durchwegs gut, das Modell von mittlerer Größe, der Lack braun oder dunkelrotbraun, besonders gut sind die Violen. X'aldrighi führt den Namen irrtüm- lich »Homer« an (Nr. 4232). Geigenzettel : Bartolomeus Karner ' Geigenmacher m / Mittenwald 1730. (gedruckt) und Abb. 445. Karner, Georg. — Mittenwald. 1792. 1797 Vermutlich ein Schüler und der Nachfolger von Georg 1 1 Klotz. W. Th. Jaura in Wien besaß eine Geige, in der außer dem Zettel von G. Karner unweit des Klotzes im Innern am Boden die Inschrift zu finden war: Georg Klotz 1796 / fertig gemacht Georg Karner 1797. Karners Geigen sind von sehr guter Mittenwalder Arbeit. Sein Zettel zeigt einen Druckfehler, statt 3 ist 0 gedruckt, der Fehler erscheint dann mit Tusche aus- gebessert, so daß das 0 in ein 3 verwandelt wird. Geigenzettel : Abb. 444. ') Versteigert 1893 in Köln. Der Verfasser des Kata- loges las: »Bregory starpp«. Gregorius Karg/ in Königs- berg/ Anno 1696 liest Beuthner's Geigenzettelsammlung. Karner — Keffer 247 Karner, Johann Georg. — Enns. 1810. 1830 Da im Verzeichnis der Ennser Hausbesitzer kein Karner vorkommt, scheint er als Eingewanderter nur zur Miete gewohnt zu haben. Dem Namen nach dürfte er aus Mittenwald stammen, seiner Arbeit nach zu urteilen scheint er jedoch im Vogtland oder m Schön- bach gelernt zu haben. (Pillwein erwähnt in seiner Ortsbeschreibung von Enns [erschienen 1828] nur, daß da ein Geigenmacher ansässig sei, gibt aber keinen Nanen an.) K. bevorzugte ein hochgewölbtes Modell und verwendete gelben Lack. In der Wahl des Holzes war er nicht wählerisch, er verarbeitete zur unrechten Zeit geschlagenes Holz, das infolge davon jetzt ge- wöhnlich wurmstichig ist. Außer seinem Zettel brachte er noch die Brandmarke : -^-c I -f — K i-i an seinen Geigen an. Geigenzettel : Johann Georg Karner / Geigenmacher in Enns 1810 (gedruckt) und Abb. 441. Brandmarke Nr. 46. Karner, Stefan. — Mittenwald. 1837. 1842 Seine .Arbeiten beweisen, daß die guten Traditionen der Klotzschule sich bis ins 19. Jahrhundert erhalten haben. Er wählte gutes Holz, namentlich ist sein hervorragend schöner brauner Ollack zu loben. Karp (Carp) s. Karg Kaschendorf s. Castendorfer Kashofer, Leopold. — Blindenmark, N.-Ost. 1912 Ein Schneidergeselle, der in seinen Mußestunden eine Geige herstellte, deren Korpus er aus 2069 Zünd- hölzern zusammenleimte. Der Ton soll erträglich ge- wesen sein. Kasper, Franz. — Wangen im Allgäu. 1898. 1910 Sohn und Nachfolger von Dom. K. Er ist Ökonom und Geigenmacher und besitzt als Reparateur eine gute handwerksmäßige Geschicklichkeit. Kasper, Dominik. — Wangen im Allgäu. 1 865. 1876 Ein Zither- und Gitarrenmacher, der auch Geigen repariert hat. Geigenzettel: Reparirt Dominikus Kasper / Saiten- instrumentenmacher / Wangen im .«Mlgäu , 1876. (ge- druckt). Kastendorfer s. Castendorfer Kastens, Daniel jun. — Ehingen (?). 1843. 1844 Ob es einen Daniel K. sen., der Geigenmacher war, ge- geben hat, ist fraglich. Auch Daniel K. jun. scheint kein Geigenmacher, sondern Tischler gewesen zu sein. Eine Gitarre mit seinem Zettel war von ganz gewöhn- licher .Arbeit, doch scheint er viel an Geigen herum- geflickt zu haben. Geigenzettel : Verfertigt von Daniel Kastens / im Jahre 1843. (gedruckt). — Reparirt von Daniel Kastens Inn, in Monat Novernber 1844. (geschrieben). Kastens, Karl. — Ehingen. 1885 Vielleicht der Sohn von Daniel K. Er hat sich nur nut Flickarbeit abgegeben und starb schließlich ganz ver- armt. Geigenzettel : Reparirt von Karl / Kastens in Ehingen / 1885. (geschrieben). Kastl, Franz. — Hellhrunn h. Tölz i. B. 1756 Seine Geigen erinnern an die Arbeit der Ramsauer Meister, sind aus mittelmäßigem Holz gebaut, klingen aber manchmal nicht schlecht. Geigenzettel: Franz Kastl Geigenmacher / in Heil- Brunn im Jahre 1756 (gedruckt). Kaudezky (Koutecky), Franz. — Marhurg a. d. L. 1837. 1842 Ein geschickter Geigenmacher, der ein an Joseph Guarneri, Filius .A.ndreae erinnerndes Modell besaß und rotbraunen Lack verwendete. Geigenzettel: .Abb. 421. Cham im Hof (Canton Kaufmann, Heinrich. Zug). 1840. 1848 Obwohl von Beruf Schreiner, machte er ganz ausge- zeichnete Kontrabässe von größtem Patron nach Klotz und Rieger. Die Arbeit ist musterhaft in jeder Hinsicht, die Zargen sind sorgfältig in Decke und Boden ein- gelassen, und auch der gelbe Lack ist recht gut. Die Instrumente haben großen, vollen Ton und werden leicht für »echte Klotz« gehalten. Kaul, Paul. — Nantes. 1912 Ein sehr begabter Geigenmacher, von dem eine Violine bei einem Vergleichsspiel sehr guter neuer Geigen mit einer echten Stradivari den 3. Preis gewann. Kay s. Karg Kayser (Kaysser) s. Kaiser Keffer, Franz. -Reiterndorf. Ischl. 1793. 1822 Im Grundbuche zu Reiterndorf erscheint er von 1793 bis 1822 als Besitzer des Hauses Nr. 1 . Er war vermut- lich ein Sohn von Joh. K. und besaß in Ischl selbst, wo ihm auch ein Kirchenstuhl zugeschrieben war, einen Verkaufsladen. Er dürfte um 1822 gestorben sein, sein Haus übernahm in diesem Jahre Elisabeth Keffer (wohl die Witwe) und 1824 Anna M. Keffer (Tochter?). In seine Geigen klebte er nur selten Zettel, doch befand sich im Kloster Lambach (Oberösterreich) eine solche mit der Jahreszahl 1806. Dieselbe war den .Mittenwalder .Arbeiten der gleichen Zeit ebenbürtig und gut im Ton. Geigenzette! : Franz Keffer, Geigen- und Lauten- macher in Ischl. Ao. 1806. (gedruckt). Keffer (Kefer), Johann. — Ramsau. 1781 Seine Geigen sind gut im Ton ; zu Boden und Schnecke nahm er meist Buchen- und Birnbaumholz. Er wohnte Haus Nr. 31 in der Ramsau und wird in den Kirchen- büchern stets als Geigenmacher bezeichnet. Auch sein Sohn und seine Enkel machten noch Geigen, aber ohne jeglichen Kunstwert, zujetzt nur noch rot angestrichene Kindergeigen. 248 Keffer — Kcllermann Kefferjohann. — Goisern.Ischl. 1790. 1810 Er soll zuerst in Reiternrlorf (Gemeinde Ischl) gelebt haben und stammt wahrscheinlich aus Goisern oder Ramsau, das nur P/^ Wegstunden von Ischl entfernt liegt. Alte Leute erinnern sich noch heute, daß Johann Keffer als ein genialer Mann galt, seine Geigen sind nach einem großen, flachen Modell gebaut, zeigen gutes Holz, rotgelben Lack und haben einen großen, vollen Ton, nur die Schnecke ist ohne Schwung und von ge- wöhnlicher Arbeil. Außer seinen Zetteln hatte er auch die nebenstehende Brandmarke, die er am Boden unter der Halsplatte anbrachte : K / J. K. Geigenzettel: Joannes Keffer, Geigen- und Lau- / tenmacher in Goysern, Anno 1790 (gedruckt). — Joh. Keffer Geigen- u. Lau- / tenmacher in Ischl Anno 1 792 (gedruckt). Brandmarke Nr. 52. Keffer, Joseph I. — Ramsau (Gemeinde Goisern). 1725. 1742 Der Stammvater der Familie. Das von ihm bewohnte Haus (Nr. 31 in der Ramsau) heißt noch jetzt das >'>Gelgenmacherhaus<<. Violinen von ihm kommen sehr selten vor, dagegen öfter recht gute Violen. Keffer, Joseph II. — Goisern. Geb. 17. Okt. 1739 in Ramsau, f 14. Sept. 1813 in Goisern Sohn und Schüler von Jos. K. I. Vielleicht der beste Geigenmacher aus seiner Familie. Er starb an Aus- zehrung. Er war sehr fleißig, sein Lack ist verhältnis- mäßig noch recht gut. Außer seinem Zettel verwendete er auch einen Brandstempel mit den Buchstaben »J. K.« Geigenzettel : Joseph Keffer, Geigen- und / Lauten- macher in Goysern 1 788 (gedruckt). Brandmarke Nr. 47. Keffer. — Goisern. 1770 Sohn von Jos. I K.; älterer Bruder von Jos. II K. Keffer. — Goisern. 1780 Sohn von Jos. I K. in Ramsau ; jüngerer Bruder von Jos. II K. Kegell, Ulrich. — Lübeck. 1591 Er wird in einem Protokoll über eine Klage vom 29. Juli 1591 ausdrücklich als Lautenmacher bezeichnet. Er scheint ein Eingewanderter gewesen zu sein und ge- hörte wahrscheinlich zu der Füssener Familie Kögl. Keil, Bernhard. — Gotha, f um 1868 in Eisenach (?) Er war ein Bruder des bekannten Besitzers der »Garten- laube« und hauptsächlich Zitherhändler. Es erscheint daher fraglich, ob die Instrumente, die Zettel mit seinem Namen enthalten, wirklich von ihm gemacht sind. Eine mit Perlmutter und Ebenholz verzierte Lyra-Gitarre mit seinem Zettel befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln, eine lautenförmige Baßgitarre im bayr. Nationalmuseum in München. Geigenzettel: Bernhard Keil in Gotha (gedruckt) Kelbich s. Kielbich Kelby, H. — Edinburgh. 1891 Seine Violinen sind sauber gearbeitet. Keller, Philipp. — Würzburg. Geb. 30. April 1868 in Würzburg Er besuchte zunächst durch 6 Jahre das Würzburger Konservatorium, um Musik zu studieren und sich zum Violoncellisten auszubilden. Schon damals erhielt er von Friedrich Meindl die ersten Anleitungen im Gei- genbau, die ihn befähigten, während seiner lOjährigen Wirksamkeit als Solocellist alle Reparaturen an den Streichinstrumenten der mit ihm tätigen Orchester- mitglieder auszuführen. Er vervollkommnete seine Kenntnisse durch eifriges Studium aller zugänglichen Lehrbücher des Geigenbaus und durch steten Verkehr mit den besten Geigenbauern des In- und Auslandes und lernte viel von Gustav Braun, mit dem er zu- sammen in Bad Zandvoort und Hamburg engagiert war. Es war stets sein Wunsch, sich ganz dem Geigen- bau widmen zu können, und als im Jahre 1896 Friedr. Meindl starb, kaufte er das Geschäft und ließ sich als Reparateur in Würzburg nieder. Jetzt wendete er sich auch dem Neubau zu, hielt sich tüchtige Gehilfen und sandte auch seinen sehr begabten, leider früh ver- storbenen jüngeren Bruder nach Markneukirchen. Später ging er selbst zu William Voigt, um die letzte Ausbildung zu erfahren, und jetzt ist er nach dem übereinstimmenden Zeugnis hervorragender Kenner ein tüchtiger Meister seines Faches. Er arbeitet nach Stradivari und nach einem eigenen Modell und be- reitet seinen goldgelben oder goldrötlichen Lack (Ol oder Spiritus) selbst. Die Schallplatten stimmt er nach Dr. Großmanns Theorie ab und erzielt bei seinen Violinen, Violen und besonders bei seinen Violoncelli einen vollen, schönen Ton. Nach K. A. Hörleins Tod erv/arb er dessen Modelle und die ganze Werk- statteinrichtung und im Jahre 1902 übertrug ihm Prof. Herm. Ritter den Bau seiner Viola alta, und Keller ver- anlaßte infolge davon Prof. Ritter zur Umgestaltung des Streichquartetts, für das er außer der Violine und der Viola alta jetzt die Tenorgeige (ein neues Instru- ment) und die Viola bassa (Violoncello) baut. Außer seinem Zettel verwendet er auch einen Brandstempel mit seinem (handschriftlichen) Namen. Geigenzettel : (links und rechts das bayr. Wappen) Phil. Keller / Königl. Bayer. Hoflieferant / Würzburg, gegr. 1832. / Verfertigt 19 . . Nr. . . . (gedruckO- Kellermann, M. G. Samuel. — Zerbst (An- halt). Geb. 1851 in Hohenziatz (Prov. Sa.) Von 1876 — 1895 erster Cellist der Schaumburg- Lippeschen Hofkapelle; besuchte als Musiker die Werkstätten in Markneukirchen, L. Bausch in Leipzig, Jacob Eritzoe und Riechers, bildete sich autodidaktisch zum Geigenmacher aus und eröffnete 1880 sein Ge- schäft in Bückeburg. Seit 1897 -ist er Herzoglich An- haltischer Hofinstrumentenmacher. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Wiederherstellen, doch macht er auch neue Geigen nach italienischen Meistern. Er Kelnian Kerkowits 249 verwendet selbstgefertigtcn Spirituslack (gelb, gold- gelb, auch Bernsteinlack, und erzeugt Violin- und Baßkolophonium. Geigenzettel : Abb. 446. Kelman, James. — Auchlntoul. Geb. 1 7. April 1824 in Aberchirder Er war 43 Jahre Gärtner in Auchintoul und begann im Jahre 1884 Geigen zu machen, nachdem er in David- sons Buch die Anleitung dazu gefunden hatte. Er machte etwa 40 Violinen nach dem Stradivarirnodeil und verwendete meistens Spiritus-, zuletzt auch Ollack. Geigenzettel : Made by / James Kelman / Auchintoul, Banffshire/ 1 89 ... (gedruckt). Kelly, John. - (Irland). 1734 Ein Musikinstrumentenmacher, von dem die Samm- lung Galpin eine große irische Harfe (Clarseth) von 1 734 besitzt. Kelpien, C. A. — Zehdenlck. 1834 Seinen Zettel veröffentlicht P. de Wit. Wahrscheinlich ein Musiker oder Tischler, der sich im Geigenbau ver- suchte. Leider ist in den Zehdenicker Magistratsakten nichts über ihn zu ermitteln gewesen. Geigenzettel: C A Kelpien / ä Zehdenick / 1834 (ge- schrieben). Kempter, Andreas. — Dillingen a. D. Geb. um 1 700 in Lechbruck (Allgäu), f in Denk- lingen 1 786 Seine Lehrzeit machte er wahrscheinlich in dem seiner Heimat nahegelegenen Füssen durch und kam um 1 725 nach Dillingen, wo er sich am 13. April 1732 mit der Jungfrau A. Maria geb. Bairin verheiratete und das Bürgerrecht erwarb. Er bewohnte ein bescheidenes Haus in der Dillinger Altstadt (heute Lommerstraße Nr. 1 1), das er von 1734 — 1746 mit dem Torschreiber Joh. Blaicher teilte. Von 1 746 — 86 war er Alleinbesitzer des Hauses, das 1 789 oder 1 790 aus den Händen seiner Erben in andern Besitz überging. Wie mäßig damals die Steuern noch waren, erhellt daraus, daß er ganze 2 fl. 54 kr. zahlen mußte, seit ihm das Haus allein ge- hörte (vorher nur 1 fl. 50 kr.). Er übte seine Kunst als Geigenmacher über 50 Jahre lang in Dilhngen aus, wo er am 29. Juni 1 782 noch seine goldene Hochzeit feierte. Bald darauf zog er dann zu seinem Sohne, der Pfarrer in Denklingen (zwischen Landsberg und Schon- gau) war, und verbrachte dort seine letzten Lebens- jahre. In den Kirchenbüchern wird er »artificiosus chelii factor« genannt und stand sowohl als Lauten- wie als Geigenmacher in großem Ansehen. Seine Geigen gehen, wie die der meisten schwäbischen Geigen- macher, auf das Stainermodell zurück; er verstand es aber doch, seine eigene Individualität zum Ausdruck zu bringen. Die Verschiedenheit der von ihm angewen- deten Wölbungen beweist, daß er Versuche anstellte: das Patron nahm er auffallend breit und ist so sorg- fältig in der Arbeit wie Edlinger. Der Ton seiner gut erhaltenen Geigen ist groß und schön, auch sein (ver- schiedenfarbiger) Lack, der meist nur zu dünn auf- getragen erscheint, ist sehr gut. Eine Laute aus dem Jahre 1747 von ihm findet sich in der Sammlung Scheurleer, eine sehr schöne Viola d'amore mit Löwen- köpfchen am Wirbelkasten und prächtigem Lack be- sitzt das Musikhistorische Museum von W. Heyer in Köln. Geigenzettel: Andreas Kempter / Lauthen- und / Geigenmacher in Dillingen 1 760 (gedruckt). — Andreas Kempter, Lauten- und / Geigenmacher in Dillingen hat / dise grand viol d'Amour im Jahre / 1 746 gemacht für den geistl. / Herrn Joan. Anton. Walther Chori / vicario und Caeremoniario zu / Eichstätt im Domb- stifft (geschrieben) und Abb. 427 und 428. Kennedy, Alexander. — London. Geb. um 1695 in Schottland, f 1785 in London Der Begründer des Rufs der Familie Kennedy. Er hat ausschließlich Violinen gemacht, die dem Stainer- modell nachgeahmt erscheinen. Sein Spirituslack ist von braungelber Farbe. Geigenzettel: Alexander Kennedy, Musical Instru- ment / maker, living in Market Street in Oxford / Road, London 1 748 (gedruckt). Kennedy, John. — London. Geb. um 1730, f 1816 m London Neffe von Alexander K. und wohl auch dessen Schüler, da seine Arbeit der seines Oheims sehr ähnlich ist, nur nimmt er die Wölbung womöglich noch höher. Er wohnte erst in »Cooper's Gardens near Shoreditch Church«, dann in Long Alley, Sun Street, Moorfields und arbeitete hauptsächlich für Händler. Kennedy, Thomas. — London. Geb. 21 . Jan. 1784, t 1870 Sohn von John K., erst Schüler seines Vaters, dann von Thomas Powell. Eine Zeitlang arbeitete er bei Wil- liam 1 1 1 Forster und eröffnete hierauf in der Princess Street, Westminster, seine eigene Werkstatt und verzog später nach der Oxford Street Nr. 364. Als er sich 1849 zur Ruhe setzte, hatte er 300 Violoncelli und Geigen gemacht. Er war der Bedeutendste aus der Familie Kennedy. Am besten gelangen ihm seine Violoncelli. Kepszely, Johann. — Besztercze-Banya (Neu- sohl). 1864. 1902 Er begründete 1864 sein noch bestehendes Geschäft in Neusohl und stellte 1885 in Budapest Geigen aus. Er soll auch in Uj-Szöny tätig gewesen sein. Kerkowits, Franz. — Neutra Er dürfte noch dem Ende des 18. Jahrhunderts ange- hören und im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts ge- storben sein. In Neutra ist er ganz vergessen, und das Bürgermeisteramt kann keine Auskunft geben. Seine Geigen und Violoncelli erinnern in den Umrissen und F-Löchern ein wenig an Maggini. Die Ränder nahm er dick und machte sehr tiefe Hohlkehlen. Sein Lack ist fett, von gelbbrauner Farbe und jetzt gewöhnlich voll sog. Haarrisse. Vermutlich hat er ihn zu schnell zum Trocknen gebracht. Wegen des altertümlichen Aus- sehens seiner Arbeiten wird er von manchem irrig in das 17 Jahrhundert versetzt. 250 Kerlino — Kerscheiistelner Kerlino, Giovanni Dieser Name wird als der des ältesten Brcscianer Geigenmachers überliefert. In Brescia aber kam der Name niemals vor. In kemer Urkunde wird er erwähnt, und wenn er überhaupt le gelebt haben sollte, dann war er gewiß nie in Brescia, wie Giovanni Livi schon im Jahre 1896 nachgewiesen hat. Was man von ihm erzählt, beruht hauptsächlich auf den Mitteilungen von Fetis, der in seinem Buche über Stradivari (S. 49) erwähnt, daß es nach Laborde um 1450 einen bretagnischen Geigenmacher Kerlino gegeben habe. Fetis sah ein schon von Laborde erwähntes Instrument von Kerlino 25 Jähre später im Besitze des Geigenmachers Koliker und beschreibt es folgendermaßen : »Es war keine ge- wöhnliche Violine, sondern eine dazu umgearbeitete Viola. Sie war höher gewölbt und hatte höhere Zargen als die Violen aus späterer Zeit. An Stelle des Ebenholz- saitenhalters befand sich ein Haken von Elfenbein mit vier Löchern. Das Instrument trug auf der Rückseite die Inschrift »Joan. Kerlino 1449«. — Das ganze In- strument war zweifellos ein Machwerk Kolikers, an dem vielleicht einige Teile alt waren. Auch die In- schrift wird wohl unecht gewesen sein, so daß man vielleicht der Wahrheit nahe kommt, wenn man, wie James M. Fleming, den Namen Kerlino für eine aus einer Umdrehung des Namens Koliker (= Ker-li-ko) entstandene Erfindung des Pariser Geigenmachers hält. Seit der Name Kerlino aufgetaucht ist, hat er den For- schern viel Kopfzerbrechens gemacht, da es unmöglich erschien, seine Lebenszeit und seine Heimat zu be- stimmen. Nur dann waren alle einig, daß er kein Italiener gewesen sein dürfte. Laborde verlegte seine Heimat in die Bretagne, Rühlmann tritt mit Nachdrcuk für eine deutsche Abstammung ein, und de Piccolellis hält Kerlino, freilich ein wenig zweifelnd, für einen Tiroler. Da vom 15. — 18. Jahrhundert eine ganze An- zahl flandrischer Musiker Namens Kerle in Italien nachweisbar ist, läge es meiner Meinung nach am nächsten, ihn für einen eingewanderten Flamländer zu halten oder ihn zur Familie Gerie (Gerlein) zu zählen, denn sowohl für einen Kerle, als für einen Gerlein wäre es damals nicht schwer gewesen, die verwelschte Namensform Kerlino zu bilden. Alle Zweifel an der Existenz dieses Kerlino wurden jedoch niedergeschla- gen durch die Mitteilung, daß die Markgräfin Isabella von Mantua im Juni 1495 einige Violen von ihm machen ließ und gegen Ende des genannten Jahres den Lauten- spieler Angelo Testagrossa beauftragte, nach Brescia zu reisen, um die bestellten Violen zu prüfen. (Vgl. Berto- lotti, S. 17 und Davari, S. 16). Die Urkunden, aus denen diese Tatsachen hervorgehen, sind jedoch ge- waltsam mit Kerlino in Verbindung gebracht, denn in ihnen ist nur von einem Brescianer »maistro de le viole« die Rede, ohne daß ein Name angegeben wird. Sie be- weisen also gar nichts für das wirkliche Vorkommen Kerlinos. Solange also kein urkundlicher Beweis vor- liegt, daß es je einen Kerlino gegeben hat, muß auch dieser Geigenmacher die Zahl der erfundenen Größen vermehren helfen. Da der Name Kerlino aber ent- schieden ungeschickt erfunden wäre, will ich doch für möglich halten, daß es irgendeinen alten Meister ge- geben hat, dessen Name schließlich diese rätselhafte Form angenommen hat. Es wäre z. B. denkbar, daß ein Lauten- und Violinmacher Zerlino oder Zarlino (vgl. Zarlino da Chioggia) irgendwo vorkam. Diesen Namen könnte man zur Not auch Cerlino geschrieben haben. Das C in ein K zu verwandeln, wäre dann nicht mehr allzu schwer gewesen. Kern, Hermann August. — Markneukirchen. Geb. 12. April 1873 Nachdem er in seiner Vaterstadt das Geigenmachen erlernt hatte, zog er fort und hat seitdem in verschie- denen Werkstätten gearbeitet. Kern, Johann. — Tittling (Ditthng) im bayr. Wald. I.Hälfte des 19. Jahrhunderts Eine Schlagzither von ihm (im Stile der Mittenwalder) befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln (Nr. 439). Kern (Khern), Thomas. — Wien. 1580 Er wurde als Lautenmacher im März 1580 Wiener Bürger. Kerr, W., war bis 1899 in Newcastle-on-Tyne ansässig Kerschensteiner, Xaver. — Regensburg. Geb. in Parsberg (Ob.-Pf., Bayern) 7. Mai 1839, t 22. Dez. 1915 Schüler von Peter Schulz, bei dem er im Alter von 16 Jahren in die Lehre trat, nachdem er vorher als Seminarist des kgl. Studien- und Musikseminars zu St. Emeran vier Jahre die Lateinschule in Regensburg besucht hatte. Vier Jahre lernte er bei Schulz und ging dann in die Fremde und arbeitete in München bei Tieffenbrunner und Echinger, in Linz bei Strotzinger, in Wien bei Bittner und in Würzburg bei Meindl. Im Jahre 1865 nach Regensburg zurückgekehrt, trat er als Teilhaber in das Geschäft seines ehemaligen Lehr- meisters ein. Ein begeisterter Jünger seiner Kunst, suchte er sich stets zu vervollkommnen, und so konnte es nicht ausbleiben, daß er bald sehr schöne Erfolge erzielte. Schönes Holz, treffliche Arbeit und feuriger Lack zeichnen seine Instrumente aus, die schon jetzt hoch bewertet und auch in England gern gekauft wurden. Er verwendete einen ätherischen Ollack, zu dem er das Rezept einem alten Lackierbuch von 1 744 entnahm. Was einem deutschen Geigenmacher an Aus- zeichnungen zuteil werden kann, hat er erhalten, und auch in seinem bürgerlichen Leben wurden ihm zahl- reiche Ehren zuteil. Er war viele JahreStadtverordneter, Magistratsrat und Abgeordneter der Stadt Regensburg im Oberpfälzischen Landrate usw. Außer Streich- instrumenten verfertigte er auch meisterhafte Zithern, die jetzt sehr teuer bezahlt werden. Seit 1910 war sein am 9. November 1869 geborener Sohn Franz, der bei ihm gelernt hat, bereits sein Geschäftsteilhaber. Er ist jetzt alleiniger Inhaber und ein sehr guter Geigen- bauer, dem es sehr zustatten kommt, daß er auch Musik studiert und die Oberrealschule absolviert hat. Seiner Militärpflicht genügte er als Einjährig-Freiwilliger und ist ein würdiger Nachfolger seines Vaters. Geigenzettel : Xav. Kerschensteiner. / Ratisbonae fecit anno 18 . . (gedruckt) uni Abb, 415, Keshammer — Kessler 251 Keshammer (Keshamer), Franz Paul Joseph. — Straßburg i. E. Geb. um 1745, f nach 1796 Er wurde im Dezember 1771 In die Zimmerleutzunft, zu der die Geigen- und Lautenmacher in Straßburg. solange dort die Zunftverfassung bestand (d. h. bis 1789), sich halten mußten, aufgenommen. Im Bevöl- kerungsregister von 1796 wird sein .Mter auf 31 Jahre angegeben. Seine Geigen haben deutschen Stil, die F-Löcher sind gleichmäßig weit und haben ungleiche Endpunkte. Die Schnecke ist steil und nach hinten spitz ausgeschweift. Der Lack ist braun und der Ton mittelmäßig, aber das Holz gut. Geigenzettel : Franz Keshamer in Straßburg. (gedr.). Kessel, Anton Die Londoner Firma G. Foucher brachte seit den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts Geigen mit diesem Namen in den Handel. Kessels. W. H. J. — Tilburg. 1810 Aus seiner Werkstatt wurde im Laufe der Zeit eine an- sehnliche Fabrik, in der verschiedene gute Geigen- macher tätig waren. Kessler. — Markneukirchen .Aus dieser Familie wurden Geigenmacher und be- hielten ihren Wohnsitz in Markneukirchen : Kessler, August Wilhelm, lebte im Anfang des 19. Jahrhunderts und war aus Adorf Kessler, Christian Friedrich. — Geb. 18. Nov. 1774, t 27. Febr. 1850 Kessler, Christian Gottfried. — Geb. 25. Nov. 1800. t 17.JuH 1869 Er eröffnete seine eigene Werkstatt schon im Alter von 22 Jahren. Kessler, Ernst Theodor. — Geb. 10. Juli 1862, t 15. Aug. 1899 Kessler. Georg Adam I. — Geb. 1 746, f 2. Mai 1808 Jüngerer Sohn von Wolf Konrad K., er wurde am 2. November 1768 nach Erfüllung aller Vorschriften und Anfertigung des Meisterstückes als Meister in die Zunft aufgenommen. Er schrieb seinen Namen auch Kassier, wie noch mehrere aus seiner Familie. Kessler, Georg Adam II. — Geb. 7. Sept. 1769, t 25. Okt. 1845 Kessler, Heinrich Adolf. — Geb. 1 . Juni 1865 Sohn und Schüler von Karl Wilhelm II K., arbeitete als Gehilfe bei Hammig in Leipzig und machte sich 1891 selbständig. Geigenzettel : Adolf Kessler, Geigenmacher Markneu- kirchen, / Berggäßchen 535. (gedruckt). Kessler, Heinrich August. — Geb. 22. Juli 1841, tum 1889 Kessler, Hermann Albin. — Geb. 8. Sept. 1870 Kessler, Johann Adam. — Geb. 6. Dez. 1771, t6.Jan. 1803 Kessler, Johann Christian I. — Geb. 9. Aug. 1762, t 21. Okt. 1797 Sein Sohn: Kessler, Johann Christian II. — Geb. 20. Jan. 1793. 121. Aug. 1877 Obwohl in den letzten Jahren erblindet, arbeitete er doch bis an sein Lebensende als Geigenmacher. Kessler. Johann Christian III. — Geb. 17. April 1819, t 30. Jan. 1875 Kessler, Johann Georg. — Geb. 1 735, f 8. Jan. 1801 Alterer Sohn von Wolf Conrad K., er wurde am 9. Juni 1756 Meister und starb 65 Jahre 6 Monate und 4 Tage alt. Sein Zettel m einer hochgewölbten, gelbbraun- lackierten Geige mit hübschem Löwenkopf am Wirbel- kasten lautet: Geigenzettel : Johann Georg Kesler / Violin- und Lautenmacher, / erfunden von Stainer. 1 759 (gedruckt). Kessler, Johann Gottfried. — Geb. 1 . März 1766, t 7. Febr. 1828 Kessler. Karl August. — Geb. 20. Jan. 1816, t 18. Aug. 1874 Kessler. Karl Wilhelm I . — Geb. 20. Okt. 1 824, t 4. März 1880 Kessler, Karl Wilhelm II. (sen.). — Geb. 25. Nov. 1832, t 18. Sept. 1905 Schüler von Stein, bei dem er blieb, bis er sich 1852 selbständig machte. Kessler, Karl Wilhelm III. -f 28. Nov. 1907 Sohn von Karl Wilh. II, und wie dieser ein tüchtiger Geigenmacher. Kessler, Max Conrad. — Geb. 22. April 1872 in Gohlis bei Leipzig, f 4. Juli 1899 Kessler, Paul. — Markneukirchen. Geb. 7. März 1879 Schüler von Ernst Kretzschmann. Jüngster Bruder von Ernst Kessler in Berlin, bei dem er sieben Jahre tätig war. Im Jahre 1908 machte er sich in seiner Vaterstadt selbständig. Er ist ein tüchtiger Reparateur und baut auch gute neue Geigen und Violoncelli. 252 Kessler — Kicckcpoost Kessler (Kassier), Wolff Konrad. — Geb. um 1700, t nach 1750 Er hatte in Neukirchen gelernt und wurde am 21. Mai 1723 Meister und erwarb das Bürgerrecht. Er ist der Ahnherr der Familie. Kessler, Ernst. — Charlottenburg bei Berlin. Geb. 9. Sept. 1856 in Markneukirchen als Sohn eines Saitenmachers Schüler von Albin Voigt; als Gehilfe arbeitete er bei Louis Otto in Düsseldorf und 1874 bei Riechers in Berlin. Bei diesen beiden Meistern erlernte er seine Kunst erst wirklich von Grund auf. Nach beendigter Militärzeit ging er 1880 abermals zu Riechers und machte sich 1882 in Berlin selbständig. Durch Fleiß brachte er es bald zu Ansehen; nach Riechers Tod übertrug man ihm dessen Arbeiten für das Konser- vatorium in Berlin, und seine neuen Geigen wurden von Prof. Joachim für Stipendien angekauft. 1897 er- hielt er die kgl. preußische Staatsmedaille m Silber, 1909 die kgl. sächsische Staatsmedaille usw. Er kopiert meist Stradivari aus den Jahren 1696 — 1723, doch wechselt er öfter das Modell. Vollendete Ausführung und guter Ton wird seinen Instrumenten nachgerühmt. Er verwendet schönes, altes Holz und hat einen guten Lack. Er ist ungemein genau in Geduldarbeiten und versteht es, alte Meisterwerke nachzuahmen, auch als Bogenmacher genießt er Ruf. Unter dem Zettel ist der Name noch eingebrannt. Er hat in Berlin bereits ein zweites Geschäft eingerichtet, demseinSohnErnst J.K. vorsteht. Brandmarke: Joachim / Stipendium. Geigenzettel : Abb. 448 und 449. Kessler, Ernst John. — Berlin. Geb. 1. März 1885 in Berlin Sohn von Ernst K. Nachdem er bis 1902 höhere Schulen besucht hatte, erlernte er von 1903 — 1907 bei seinem Vater den Geigenbau. Für eine von ihm gebaute Geige stellte ihm noch Altmeister Joachim ein vor- zügliches Zeugnis aus. Jetzt leitet er das zweite Geschäft seines Vaters. Kessler, Heinrich. — Mannheim (P. 6, Nr. 2). Geb. 9. April 1853 in Markneukirchen Sohn von Heinrich Aug. K. Schüler von Hammig in Dresden. Nachdem er längere Zeit bei Padewet in Karlsruhe gearbeitet hatte und damals schon prämiiert worden war, begründete er am 27. Januar 1880 sein eigenes Geschäft in Mannheim und wurde 1898 vom Großherzog von Baden zum Hoflieferanten ernannt. Er besitzt verschiedene Ausstellungspreise und An- erkennungsschreiben. Ich habe von ihm eine in jeder Beziehung tadellose, edel klingende und schön lackierte Geige einige Wochen zur Probe gehabt, so daß ich mich dem Lob, das ihm von anderer Seite gezollt wird, an- schließen kann. Im Jahre 1919 verkaufte er zwar sein Geschäft, gab aber deshalb dcch das Geigenmachen nicht auf und arbeitet noch immer rüstig weiter. Geigenzettel : Heinrich Kessler fecit / Mannheim Anno l9..HtK(gedruckt). Kessler, Hermann Adolf. — Wiesbaden. Geb. 28. Febr. 1869 in Markneukirchen Sohn von Karl Wilhelm 1 K. Schüler von Ernst Her- mann Petzold, arbeitete von 1886 — 1889 in Homburg, von 1892—1898 in Frankfurt a. M. und machte sich 1898 in Wiesbaden selbständig. Er arbeitet nach Guarneri und Stradivari und verwendet Ollack. Geigenzettel: Herm. Ad. Kessler / Geigenbauer / Wiesbaden 19 . . . (gedruckt). Kessler, Wilhelm August. — Mannheim. Geb. 10. Nov. 1860 in Markneukirchen, f 1917 Schüler seines Vaters Heinrich K. Er erhielt in seiner Jugend auch eine gute musikalische Ausbildung, so daß er seine Militärzeit als Musiker abdienen konnte. Von 1883 — 1887 arbeitete er als Gehilfe und begründete dann seine eigene Werkstatt. Er arbeitet nach Stra- divari, nur die F-Löcher brachte er nach eigener Zeichnung an; zwischen Stradivari und Guarneri stehend, ist die untere Rundung dieser F-Löcher amatisiert. Er glaubte dadurch den Ton seiner Geigen biegsamer zu machen. Er verwendete einen selbst- erfundenen, in Sprit löslichen Ollack, arbeitete sehr sauber und besaß verschiedene Medaillen. Seine Witwe Luise, geb. Trampler, setzt das Geschäft, mit dem auch ein Klavier- und Musikalienhandel verbunden ist, fort. Geigenzettel : W. Aug Kessler jr. / Instrumenten- macher/ Mannheim fecit 1887 (gedruckt) und Abb. 403 und m. Keßler, W. Albin. — Frankfurt a. M. Geb. 10. Jan. 1856 in Markneukirchen Sohn und Schüler von Karl Wilhelm K. Als Gehilfe arbeitete er ein Jahr lang bei Lenk in Frankfurt, wurde dann Werkführer bei L. Noebe und blieb da von 1879 bis 1 891 . Im Jahre 1 892 machte er sich in Frankfurt a. M. selbständig und wird jetzt von den ersten Künstlern sowohl als Reparateur wie auch wegen seiner tadellos gebauten neuen Geigen sehr geschätzt. Erarbeitet haupt- sächlich nach Stradivari, verwendet einen vorzüglichen, vollkommen durchsichtigen Ollack von leuchtender Orangefarbe und zeichnet sich sowohl durch die Wahl des Holzes als auch durch mustergültige Arbeit aus. Ketterer, F. M., ein deutscher Geigenmacher, der um 1 888 in Jekaterinburg (Gouv. Kasan) ansässig war Key, Henry s. Jay Khögl s. Kögl Khuechler s. Küchler Kiaposse (?), Sawes. — St. Petersburg. 1750 Arbeiten von ihm konnte ich nirgends erfragen ; da sein Name mit der Jahreszahl jedoch schon bei Hart ange- geben ist, der ihn zur deutschen Schule zählt, so ist anzunehmen, daß wenigstens Hart ein Instrument von ihm gesehen haben muß. Alle übrigen Schriftsteller folgen nur Hart. Kieckepoost, Charles F. — 1 787 Snoeck besaß eine mandolinenartige Lautengitarre vorj ihm. Kielbich Kinnemann 253 Kielbich, Julian. — Warschau, Broinberg. Geb. 1865 in Warschau Schüler von W. Glier in Warschau, bei dem er vier Jahre lernte und elf Jahre als Geselle arbeitete. Hierauf ging er nach St. Petersburg und Kiew und war 10 Jahre lang als Instrumentenmacher in Warschau selbständig. Nachdem er hier sein Geschäft wieder aufgegeben hatte, kam er zu Voit nach Bromberg. Als die Voitsche Werkstatt eingegangen war, eröffnete er sein eigenes Musikinstrumentengeschäft und fand bald eine gute Kundschaft. Auf seinem Zettel findet sich sein Name durch einen Druckfehler in Kelbich verwandelt. Kiendl, Anton. — Wien. Geb. 3. Juni 1816 in Mittenwald, t 13. Jan. 1871 In seiner Heimat erlernte er das Geigen- und Zither- machen und war auch ein Virtuose auf der Zither. Er arbeitete als Gehilfe bei Engleder zur gleichen Zeit, als Gutermann bei diesem in der Lehre war. Im Jahre 1843 ließ er sich in Wien nieder und arbeitete unablässig an der Verbesserung seines Lieblingsinstrumentes. Er führte das Quintensystem bei der Zither ein, vermehrte die Zahl der Saiten, so daß es nunmehr möglich war, alle Tonarten anzuwenden. Er hat sich so besondere Verdienste um das Instrument erworben und auch die Streichzither wesentlich verbessert. Sein Geschäft dehnte sich sehr aus, zuletzt stellte er jährlich über 800 Zithern her. Wenn er auch, seit er in Wien ansässig war, sich nur selten mit dem Geigenbau beschäftigte, so ist doch zu erwähnen, daß er sehr gute Geigen machen konnte. Geigen Zettel: Abb. 416. Kiendl, Karl. — Mödling, Wien. Geb. 1850 in Graseck (Oberbayern) Er kam 1862 nach Wien zu seinem Oheim Anton K. und erlernte hier zunächst vorzugsweise das Zither- machen. Von 1868 — 1870 ging er nach Mittenwald zu Job. Reiter, um sich im Geigenmachen auszubilden, und hierauf nach München zu H. Tiefenbrunner, wo er hauptsächlich Gitarren machte. Im Jahre 1872 er- öffnete er in Mödling bei Wien seine eigene Werkstatt. Seine Geigen sind nach alten Meistern und nach eigenem Modell gebaut und mit Ollack auf Balsam- grund versehen. Seine Zithern macht er ausschließlich nach eigenen Modellen. Er hat allerlei Erfindungen^) gemacht, eine genaue Berechnung des Gewichts der Saiten für alle Instrumente aufgestellt und eine absolut reine (logarithm. berechnete) Gnffbretteinteilung für Zithern eingeführt. Er wurde auf vielen Ausstellungen ausgezeichnet. Kiesgen, Louis. — Paris. 1894 Er scheint längere Zeit bei Gand gearbeitet zu haben und ahmt diesen nach. Seine Arbeit ist sauber, der Lack rot. Kilian, Hermann. — München. Geb. 27. Febr. 1875 in Freiburg i. Br. Als Sohn des amerik. Bürgers Friedr. K. kam er schon als Kind nach New York und kam mit seinen Eltern in ^) »Eureka-« und »Eutonia- Zithern« usw. seinem 12. Jahre nach Deutschland zurück, um hier Musik zu studieren. Er wurde ein tüchtiger Violon- cellist, der mit Erfolg in Deutschland und Italien in Kammermusikkonzerten tätig war, auch war er Mit- glied des bekannten Münchener Streichquartetts, an dessen Spitze damals sein Bruder Prof. Th. Kilian stand. Sein lebhaftes Interesse für den Geigenbau und seine Geschichte brachte ihn frühzeitig mit Geigen- machern in Beziehung und schließlich folgte er, von seiner Neigung getrieben, bereits 28 Jahre alt, dem Rate Fiorims, den Geigenbau von Grund auf zu er- lernen. Mit guten Vorkenntnissen ausgerüstet und durch besonderen Fleiß konnte er nach einer zweijährigen Lehrzeit den Geigenbau als Beruf ausüben. Im Jahre 1909 eröffnete er seine eigene Werkstatt, die er 1912 an die Hofmusikalienhandlung Alfr. Schmid's Nachfolger angliederte, indem er gleichzeitig die Leitung der Geigenabteilung dieser Firma übernahm. In neuester Zeit baut er auch gute Lauten und Gitarren. Er ar- beitet sehr sauber und gewissenhaft und ist em ge- wiegter Kenner alter Instrumente. Seit Zunterers Tod ist er auch beeideter Sachverständiger für Streich- mstrumente. Kindler (Kindli?), Johann. — Bern. 1475 Ein Instrumentenmacher, der bei Valdrighi (3806) auf- gezählt erscheint. Kinnemann, Ernst. — Sidney (Canley vale, New South-Wales). 1884. 1902 Ein Schiffsingenieur, der in der Umgebung von Pots- dam geboren und frühzeitig nach Australien ausge- wandert ist, wo er durch verschiedene Umstände darauf kam, eine eigenartige Violine zu machen, deren Schall- körper aus der zweilappigen Frucht der Meerkokos (Lodoicea Seychellarum) besteht. 18 Jahre lang be- schäftigte er sich mit der Lösung des Problems und hat tatsächlich Violinen von hervorragender Klangschön- heit fertig gebracht, die mit ihren vier F-Löchern und dem sonderbaren Körper allerdings sehr originell aus- sehen. Irgendeinen Lack verwendet er dabei nicht. — • Ähnlich hat Benj. Carlton in Philadelphia eine Geige aus einer Hummerschere gemacht. Kinnemann, Friedrich. — Neuhaldensleben. Geb. 17. April 1809 zu Wudicke bei Ra- thenow, 1 22. Febr. 1860 in Neuhaldensleben Nachdem er in Zerbst das Stell macherhandwerk erlernt hatte, verlegte er sich als eifriger Musiker schon früh- zeitig auf die Anfertigung von Streichinstrumenten. In Neuhaldensleben fand er eine Anstellung in der Wagenfabrik von G. Stahlknecht. Der Erfolg, den er mit seinen Geigen hatte, die er in freien Stunden baute, veranlaßte ihn, sich ganz auf den Geigenbau zu ver- legen. Er richtete sich eine Werkstatt ein, doch gab er sie schon nach Verlauf eines Jahres wieder auf und kehrte zu Stahlknecht zurück, da er als Geigenmacher keinen ausreichenden Erwerb fand. Seine Geigen waren sauber gearbeitet, wenn man ihnen auch ansah, daß ihr Ver- fertiger kein gelernter Geigenmacher war. Geigenzettel : Fr. Kinnemann / zu / Neuhaldensleben / 1851 (geschrieben). 254 Kinpolth — Klee Kinpolth, Johann Christian. — Wien 1760 Seinen Zettel veröffentlicht P. de Wit, doch ist in Wien nichts über ihn zu erfahren gewesen, auch Arbeiten von ihm konnte ich nirgends erfragen. Er scheint daher nur kurze Zeit in Wien gewesen zu sein, wo er weder der Zunft angehört noch das Bürgerrecht erworben haben dürfte. Geigenzettel : Joann Christian Kinpolth, Lauthen- / und Geigenmacher Fecit in Wien. , Anno 17 (gedruckt). Kirchhoff. — Aarhuus. 19. Jahrhundert Seinen Reparaturzettel habe ich in Geigen und Gitarren in Dänemark öfter gefunden, nie aber eine Arbeit, als deren Verfertiger er sich bezeichnet hätte. Geigenzettel: Repareret / af / Instrumentenmager Kirchhoff / i / Aarhuus. (gedruckt). Kirchner, Karl. — Graz. 1912 Er kam aus Wien, hat sich um 1910 selbständig gemacht und Graz bald wieder verlassen, da er hier nicht so schnell Boden finden konnte, wie er vielleicht erwartet hatte. Er soll dann sein Heil in der Neuen Welt gesucht haben. Kirchner, Martin Eine Viola d'amore (Nr. 86, 98) im Schlesischen Mu- seum für Kunstgewerbe und Altertum in Breslau ent- hält einen gedruckten Zettel mit diesem Namen ohne Zeit und Ortsangabe. Kirchschlag, Louis. 1790. 1796 Eine Arbeit dieses Geigenmachers, und zwar eine mittelmäßige Viola d'amore, besitzt die Kgl. Sammlung in Berlin (Nr. 870). Er ist wohl der Geigenmacher, von dem Otto berichtet, daß er ein Musiker gewesen sei, der sich erbot, den von den italienischen oder deutschen Meistern »vergessenen Zirkelschlag« in die Geigen hineinzubringen. Wo er seßhaft war, habe ich bisher nicht ermitteln können. Er scheint vorzugsweise fremde Geigen überarbeitet zu haben, denn die meisten seiner Zettel enthalten das Wort : arrange, so auch das große plumpe Violoncello ohne Einlagen, dem der unten- stehende Zettel entnommen ist. Geigenzettel : Arrange par Louis Kirchschlag / Ao 1 796. (geschrieben) und Abb. 420. Kirchweger, Ludwig, ein Advokat, der um 1867 in Frankenthal wohnte und in seinen Mußestunden Geigen machte Kis, Franz. — Arokszallas. 1891 Ein von Dr. J. Geyer erwähnter ungarischer Amateur- Geigenmacher. Kisshng s. Küssel Kittel, Nikolaus. — St. Petersburg. 1 839. 1 870 Er war von deutscher Abstammung und galt lange Zeit als der beste Geigenmacher Rußlands. Neue Geigen baute er nur selten, er arbeitete aber sehr sauber und verwendete tadelloses, schönes Holz. In besonderem Ansehen stand er als Bogenmacher, er wird auch heute noch »der russische Tourte« genannt. Seine Bogen sind mit »Kittel« gestempelt. Er wohnte in der Michailow- skajastraße, wo jetzt ein großes Hotel steht. Geigenzettel : Abb. 429. Kjellin, Jonas. — Oestersund. Geb. 17. Okt. 1836 Ein schwedischer Volksschulinspektor, der vertraut mit den akustischen Gesetzen und auf Grund von Helm- holtz' Lehren sich aus wissenschaftlichem Interesse dem Geigenmachen zugewandt und dieses zum Gegen- stande seiner speziellen Untersuchungen gemacht hat, die sich auf die mikroskopische Beschaffenheit des Ton- holzes, die eigentliche Aufgabe der F-Löcher, den Ein- fluß des Eigentons des eingeschlossenen Luftkörpers und das Verhältnis von Decke und Boden zur Ton- bildung erstrecken. Dabei besitzt er eine bemerkens- werte Handfertigkeit, so daß seine Geigen auch in bezug auf die Vollendung der Arbeit Lob verdienen. Seine 1897 in Stockholm ausgestellten Geigen waren dort den besten zuzuzählen. Klark, Lars. — Ostersjö (Norwegen). Um 1670 Ein Schullehrer, der die erste, noch recht primitive sog. »Feie« (geigenartiges Volksstreichinstrument) über einem ausgehöhlten Holzstück angefertigt hat. Klatowsky, Vmcenz — Olmütz. Geb. 23. Okt. 1849 in Czech bei Proßnitz, f 12. Juni 1910 m Olmütz Schüler von Wenzel Tichy. Wenn er sich auch haupt- sächlich auf das Ausbessern alter Geigen beschränkte, so war er doch recht geschickt und wegen seiner Grund- ehrlichkeit als Geigenmacher allgemein geschätzt. Mit der Zeit wurde er ein Sonderling, der sich von allem Umgang fernhielt. Als man den alten Junggesellen tagelang nicht zu sehen bekam, fiel es endlich auf; man öffnete daher seine Wohnung gewaltsam und fand ihn tot auf seinem Bette. Klee, Josef. — Leitmeritz. 1856. f um 1892 Er war von Hause aus Böttcher und hatte es durch Be- gabung und eifriges Studium guter Vorbilder zu einer gewissen Geschicklichkeit gebracht, und da er ein sehr guter Holzkenner war, verarbeitete er auch nur das beste Geigenholz, das er auftreiben konnte. Er lebte so zurückgezogen, daß ihn selbst in seinem Wohnorte nur wenige kannten und noch weniger erkannten. Um leben zu können, mußte er einen kleinen Handel mit den billigsten Schönbacher Geigen treiben, die er um 2 — 3 fl. an die Schüler des Lehrerseminars verkaufte. Wer diese Geigen für seine Arbeit hielt, mußte ihn freilich falsch beurteilen. Die Geigen, die er mit größter Sorgfalt in allen Teilen eigenhändig machte — auch Wirbel und Stege schnitzte er selbst — : sind durchaus anerkennenswert und klingen sehr gut. Nur im Lak- kieren war er kein Künstler, er beizte die Instrumente mit Chromkali und überzog sie mit einem Spirituslack, der hart wie Glas wurde. Kunstmaler Paul Lumnitzer in Rothenburg o.d.T. besitzt zwei gute Violinen von ihm. Geigenzettel : Josef Klee / Leitmeritz / 1 859 (gedruckt). Klein — Kleyman 255 Klein, Aloys. — Rouen Begründete 1884 eine Geigenmacherwerkstatt und machte Antoine Brubac zu ihrem Leiter. Die Werkstatt erfreute sich eines guten Rufes. Die Firma lautet jetzt: »Klein et Cie.« und setzt das Geigenmachen nicht weiter fort. Geigenzettel: A. Klein / Luthier a Rouen / 18 . . A K. (gedruckt). Kleinhans, Johann. — Brunn. 1695 Der älteste in Brunn nachweisbare Lautenmacher, der im Jahre 1695 das Bürgerrecht erwarb, wie das Bürger- buch dieses Jahres fol. 39 ausweist. Kleinsteuber, Gotha. — 1 790 Er war eigentlich Tischler, baute aber auch Harfen, Zithern und Lauten, vielleicht sogar Geigen. Sein Schüler war Bindernagel. — Ein J. G. C. Kleinsteuber war um 1800 in Berlin ansässig, der gleichfalls Gitarren und namentlich Pedalharfen baute. Klemm, Carl August. — Leipzig Ein im Anfang des 19. Jahrhunderts in Leipzig an- sässiger Geigenmacher, dessen Arbeiten der Vogtländer Schule zuzuschreiben smd. Geigenzettel: Abb. 399. Klemm, Johann. — (Mark)Neukirchen. 1710. t vor 1743 Der Stammvater der Familie. Er war Bürger in Neu- kirchen und wie sein Vater Drechsler. Da er keiner Zunft angehörte und hauptsächlich Geigenwirbel machte, bat er in die Geigenmacherzunft aufgenommen zu werden. Aus verschiedenen Gründen willfahrte man am 28. Nov. 1710 seiner Bitte, doch wurde ihm auf- erlegt, sich aller Arbeiten, die den Geigenmachern zu- kamen, zu enthalten, außer er wolle die Geigenmacher- kunst noch erlernen. Ob er das getan hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Klemm, Johann Georg I. — (Mark) Neu- kirchen. Geb. vor 1710. 1743 Sohn von Johann und wie dieser hauptsächlich Drechsler. Am 7. Juni 1743 erlangte er bei der Neu- kirchener Zunft als Wirbeldrechsler und Geigen- macher das Meisterrecht. Er wird schon 1710 als Sohn von Job. Kl. erwähnt und war 1743 bereits Bürger. Er ist vielleicht mit Johann George Klemm zu Helbigsdorf identisch, von dem Kinsky eine Theorbe bekannt wurde. Klemm, Johann Georg II. — (Mark) Neu- kirchen. Geb. 1727, t 16. Aug. 1791, 64 Jahre 2 Monate 21 Tage alt Ein Geigenmacher, der ähnlich wie die Ficker arbeitete, aber selten Zettel verwendete und diese versteckt an- brachte, so daß man nur wenig von ihm kennt. Klemm, Johann Georg III. — (Mark) Neu- kirchen. Geb. 1 . März 1 763, t 21 . Jan. 1 835 Sohn von Joh. Gg. Kl. I und dessen Nachfolger. Ihre Arbeiten stehen einander sehr nahe und können nur unterschieden werden, wenn die Jahreszahlen dies möglich machen. Klemm, Johann Gottfried. — Radeberg. Geb. 1737, fnach 1763 Ein wenig bekannter Geigen- und Lautenmacher, von dem sich eine Baßzither in der Scheurleerschen Sammlung befindet. Bemerkenswert an dieser ist die Schnitzerei mit lachenden Köpfchen. Eine recht kunst- lose thüringer Waldzither befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln. Da er sich »junior« nennt, ist nicht ausgeschlossen, daß auch sein Vater, der Kunstdrechsler war, Instrumente machte. Geigenzettel: Johann Gottfried Klem Jun. Geigen- und / Lautenmacher zu Radeberg. Ao. 1755 (geschr.). Klemm, Karl Friederich. — (Mark) Neu- kirchen. Geb. 6. Mai 1765, t 7. April 1801 Ein tüchtiger Geschäftsmann, der viele Neukirchener Geigenmacher seiner Zeit beschäftigte. Er selbst machte recht gute Geigen, an denen jedoch die Mitarbeit anderer niemals fehlt. Geigenzettel : Karl Friederich Klemm /' aus Neukirchen bei Adorff im Voigtland. / Musicalischer Instrumenten- Music / und Saiten Fabricant. (gedruckt). Kleven, Anders Christiansen. — Christiania. Geb.22.Aug.l855 In Krödshund (Norwegen) Von musikalisch gebildeten Eltern abstammend, machte er schon in seinem achten Jahre eine Geige. Durch diese Talentprobe veranlaßt, gab man ihn zu einem Möbel- und Modelltischler in die Lehre, und wenn er sich in seinen Mußestunden auch noch mit dem Geigen- machen beschäftigte, so erhielt er doch erst von Peter- sen in Chicago einigen Unterricht. Nach einem drei- jährigen Aufenthalt in Chicago kehrte er in seine Hei- mat zurück und ließ sich 1878 zunächst als Tischler in Christiania nieder. Im Jahre 1890 gab er diesen Beruf auf, um sich ausschließlich dem Geigenbau zu widmen. Er arbeitet nach Stradivari und Vuillaume und ver- wendet einen hellgelbbraunen Spirituslack eigener Mischung. Er besitzt auch ein eigenes, längliches Mo- dell und hat an den sog. Hardangerviolinen einige be- merkenswerte Verbesserungen angebracht, so ver- längert er die Saiten von 29 auf 32 cm und bringt vier neue mitklingende Saiten an. In Paris 1900 war er durch ein schönes Quartett vertreten. Er hat bis jetzt über 100 Geigen gemacht und zahlreiche Reparaturen aus- geführt und wurde durch Medaillen und Diplome aus- gezeichnet. Geigenzettel Abb. 419. Kleyman (Kleynman), Cornelis. — Amster- dam. 1671. 1695 Er war wie fast alle seine holländischen Zeitgenossen ein Nachahmer der Amati und stand Jacobsz sehr nahe. 256 Kl ler Kllnsl ingler Eine Geige und zwei Gamben von ihm führt das Ver- zeichnis der 1759 versteigerten Sammlung des ver- storbenen Musikalienhändlers Nikolaus Seihof auf, dort erscheint der Name auch Cleinmann geschrieben. Er selbst hat seinen Namen bald Kleyman und bald Kleynman geschrieben. Geigenzettel : Cornelis Kleyman / in Amsterdam fecit 1695. (gedruckt) und Abb. 418. Klier. — Schönbach b. E. Eine Familie (wohl gleichen Stammes mit den Glier in Markneukirchen), aus der die folgenden Geigenmacher hervorgegangen sind: KHer, Alois, war 1851—1863 in Karlsbad an- sässig Klier, Anton, ist noch tätig Klier, Benedikt. — 1870. 1904 Ein geschickter Gelgenmacher, dessen Sorgfalt gelobt wi rd. Klier, Ignaz I, war 1826 bereits Mitglied der Innung Klier, Ignaz, arbeitet noch jetzt Klier, Johann, kommt schon 1824 und noch nach 1826 vor Klier, Josef.— 1826. f 1883 Er gab das Geigenmachen bald auf und beschäftigte sich nur mit der Herstellung von Mechaniken für Streichinstrumente. In dieser Beziehung war er ein Schüler Christof Mitterwalds. 1849 führte er auch die Anfertigung von Mechaniken für Rupfinstrumente ein. Klier, Karl. — Geb. um 1805, f 1881 Kliment, Jakob. — Briinn. Geb. um 1810, tum 1897 Schüler und Nachfolger von Heinr. Arlow. Er war ein guter Geigenmacher und der beste zu seinen Lebzeiten in Brunn. Im Jahre 1858 erfand er eine sog. Tischgeige, mit Bünden auf dem Griffbrett und Stahlsaiten, ein Mittelding zwischen Geige und Streichzither. Er starb hochbetagt. Seine Werkstatt übernahm Ignaz Beer. Geigenzettel: Jakpb Kliment / fecit Brunn 1849. (ge- schrieben). — [Ost. Doppeladler] Jacob Kliment / Brunn 1873 (gedruckt). Kliment, Johann I. — Trebitsch, Brunn. Geb. 1813 in Trebitsch, f 3. Aug. 1897 in Brunn Er erlernte zuerst das Tuchmacherhandwerk und wurde dann Schüler seines Bruders Jakob Kl. Im Jahre 1851 ließ er sich in Trebitsch als Geigenmacher nieder und übersiedelte 1868 nach Brunn, wo er J. Kratzschmanns Nachfolger wurde. Er besaß eine gewisse Handge- schicklichkeit, hat einige gute Geigen gemacht, war aber hauptsächlich als Reparaleiir tätig. Kliment, Johann II. — Trebitsch. Geb. 1841 in Trebitsch Sohn und Schüler von Johann I Kl., dessen Geschäft er im Jahre 1868 übernahm, nachdem er eine Zeitlang bei seinem Onkel Jakob Kl. gearbeitet hatte. Er hat sich als tüchtiger Meister und namentlich als geschickter Reparateur einen geachteten Namen erworben. Er ver- wendet nur geschriebene Zettel. Khment, Josef. — Brunn. 1866. 1904 Neffe und Schüler von Jak. Khment und Nachfolger von Bernhard Wutzelhofer. Er ist als Reparateur nicht ungeschickt, doch hat er nur sehr wenige neue Geigen gemacht. Im Jahre 1904 ging seine Werkstatt auf Franz Trawniczek über. Klimits (Klimitsch), Joseph. — Wien. Geb. uml783, f 6.Jan. 1866 Guter Geigen- und Gitarrenmacher der Wiener Schule, wenn auch gerade kein Künstler, denn seine Geigen sowohl als seine Gitarren und sog. Schoßharfen (mit Haken) sind nur handwerksmäßig gearbeitet. Geigenzettel : Joseph Klimits / Geigen und Guitar- macher / in Wien. No 50 (gedruckt in ovaler Ein- fassung). Brandmarke Nr. 48. Kling, Georg. — Wien. 1675 Erlangte im Mai 1675 als Lauten- und Geigenmacher das Wiener Bürgerrecht. Klinger, Chr. Gottl. — Klingenthal. 1753 Er wird im Innungskassenbuch als Geigenmacher- meister bezeichnet und war vielleicht ein Nachkomme jener Familie Klinger, der zu Ehren Klingenthal seinen Namen trägt. Ein Nicol Klinger war bekanntlich der Besitzer des Hammerwerks Hellhammer (Höllhammer), aus dem sich die ganze Ortschaft entwickelte. Klinger, Christian Friedrich. — Klingenthal. 1779 Sohn von Chr. Gottl. Kl., als Geigenmacher nur wenig bekannt. Klingler, Christof I. — Rattenberg a. Inn. Geb. vor 1620 (?),t 17. April 1677 Ein Altersgenosse und Landsmann Jakob Stainers, von dem im Jahre 1890 eine schöne Viola auf der Haller Ausstellung zu sehen war. Was über sein und seines Sohnes Leben zu ermitteln war, findet sich in Dr. Fr. Waldners Nachrichten über tirolische Geigen- und Lautenmacher (Ferdinandeums Ztschr. 111. F. 55. Heft). Danach war Chr. Klingler schon 1647 Bürger in Rattenberg, wo er der Stadtmiliz angehörte. In den Urkunden wird er als Geigenmacher und Gastwirt und auch als Stadtspielmann aufgeführt. Er war in erster Ehe mit Maria Stöckl, in zweiter mit Maria Rotweil verheiratet und hatte zehn Kinder. E. J. Duintjer in Veendam besitzt eine schöne Geige mit Löwenköpfchen mit dem Zettel »Christophorüs Klingler*, unleserlicher Ortsangabe und der Jahreszahl 1634 (oder 1654?). Geigenzettel : Christophorüs Klingler / aus Rattenberg a. 1 669 (gedruckt). Klingler — Klotz 257 Klingler, Christof II. — Rattenberg a. Inn. Geb. H.April 1657, t in Hall 14. Aug. 1702 (?) Dritter Sohn erster Ehe von Christof I Kl. und angeb- lich Schüler von Stainer, bei dem er nach allerdings un- verbürgten Nachrichten schon im Jahre 1666 gewesen sein soll. Nach dem Tode seines Vaters machte er sich 1677 in Rattenberg selbständig, wurde Bürger und heiratete 1678 Justina Lampurger aus Hall. Er wird in den Urkunden abwechselnd als Geigenmacher, Mu- siker oder Sänger bezeichnet und einmal auch als »Musterschreiber in der Landmiliz«. In Rattenberg ist er nicht gestorben, aber in der Vaterstadt seiner Frau findet sich im Sterbebuch ein Christof Klingler, Pfarr- musiker, eingetragen, der zweifellos mit unserem Geigenmacher identisch ist. Arbeiten von ihm sind mir bisher nicht bekannt geworden. Kloeive, Anders Ragnaldson. — Bergen. 1795 Norwegischer Lautenmacher, von dem sich eine nor- wegische Zither, mit Perlmutter eingelegt, in Berlin in der Sammlung alter Musikinstrurriente befindet. Klopfleisch, Karl Fr. — Kaltenwestheim a. Rhön. Weimar. Geb. 26. März 1870 Ein Volksschullehrer und Geiger, der sich autodidak- tisch zum Geigenmacher ausgebildet hat und sich be- müht, Geigen auf wissenschaftlicher Grundlage unter genauer Beobachtung der physikalischen und aku- stischen Gesetze zu machen. Er geht davon aus, daß gleich den Maschinen und Orgeln usw. auch Geigen nach bestimmter mathematischer Berechnung gebaut werden können. Nach jahrelangen Versuchen ist es ihm tatsächlich gelungen, sehr beachtenswerte Ergebnisse zu erzielen. Im Jahre 1909 zog er nach Weimar und verlegte sich ganz auf den Geigenbau. Sein genau berechnetes Modell ist sehr schön, die Arbeit muster- haft und der Ton vorzüglich. Klor, Franz Anton. 1754 Kolin 1722. Prag 1739. haberei mit dem Geigenmachen. Er machte ganz leid- liche, flach gebaute Geigen, die er hoch im Preise hielt und nicht unter 100 Tlr. hergab. Um 1860 lebte er in Breslau. Er besaß mehrere Medaillen und Diplome, die er für seine Geigen erhalten hatte. Klotz. — Mittenwald Die Familie des Begründers der Mittenwalder Geigen- industrie, aus der eine große Zahl hervorragend ge- schickter Geigenmacher hervorgegangen ist, hatte durch das ganze 18. Jahrhundert die größte Bedeutung für ihren Heimatsort. Es folgt daher auf Seite 259 die Skizze eines Stammbaums. Klotz, Aegidius Sebastian (Egidi II). — Mitten- wald. Geb. 1733, t 1805 Sohn des Sebastian Kl. Einer der besten Geigen- macher seiner Zeit, wenn er es auch oft an der nötigen Sorgfalt fehlen ließ. Seine Geigen sind dunkelrotbraun lackiert, haben hübsche F-Löcher und langgezogene Schnecken. Die Wölbung der Decke nahm er gerne etwas stärker als die des Bodens. Er verstand sich gut auf das Holz und den Ton, doch ahmte er auch Stainer nach und dürfte viele seiner Arbeiten mit einem Stainerzettel versehen haben, was leider auch von den übrigen Mitgliedern der Familie Klotz fleißig geübt wurde. Er war mit Anna Gerblin verheiratet und saß noch 1799 im innern Rat zu Mittenwald. Geigenzettel: Abb. 402. 433, 442. Klotz, Anton Joseph. — Mittenwald. Geb. 12. Juni 1787, t 1835 Sohn und Schüler von Joseph Anton Kl. Da er haupt- sächlich für seinen Verleger gearbeitet haben soll, ist er wenig hervorgetreten. Wegen der gleichen Vornamen könnten seine Geigen mit denen seines Vaters leicht verwechselt werden, doch hat er auf seinem Zettel stets den Namen Anton voran gestellt. Dlabac schreibt den Namen irrigerweise Klot, und andere folgten ihm darin. Er selbst schrieb sich stets Klor. Er war von 1722—1739 in (Neu-)Kolin ansässig, und gehörte zur Tischlerzunft. Um 1739 siedelte er nach Prag über, wo er seitdem verblieb. Ein Violoncello vom Jahre 1 739 von ihm besitzt das Kloster Strahow. Geigenzettel: Antonius Klor me fecit / Neo-Kolinij A. 1 739. (gedruckt). — Antonius Klor / fecit Pragae Anno 1748 (gedruckt). — Franciscus Antonius Klor, / fecit Pragae, Anno 1 752 (gedruckt). Kloß, Ernst Aug. — Bernstadt, Breslau. Geb. 30. Mai 1801 in Branderoda (Prov. Sachsen), 131. Aug. 1870 in Bernstadt Er war der Sohn eines Organisten und Lehrers, war selbst über 30 Jahre Kantor an der evangelischen Kirche in Bernstadt i. Schi, und beschäftigte sich aus Lieb- V. Lütgcnd oif f , Gt'igen- und L:iukninacher. Bd. II Klotz, Balthasar I. — Mittenwald. Geb. 7. März 1854 Sohn des Schneckenschnitzers und Holzfällers Niko- laus Kl. (geb. 1814, t 1861). Schüler seines Oheims Simon Tiefenbrunner. Bis 1888 arbeitete er haupt- sächlich für die Verleger Neuner & Hornsteiner, 1890 machte er sich selbständig und hat auch seine Söhne zu tüchtigen Geigenmachern ausgebildet, die jetzt Teil- haber seiner Werkstatt geworden sind. Sie sind alle mit Recht stolz darauf, ihre Abstammung in gerader Linie bis zu Mathias Kl. zurückführen zu können und sind auch mit Erfolg bemüht, den alten Ruhm ihrer Familie durch sauber gearbeitete, tonschöne Geigen fortgesetzt neu zu verdienen. Als Vorbilder dienen sowohl die alten Italiener als auch Jacob Stainer. Geigenzettel : Balthasar Klolz / Instrumenlenmacher / Mittenwald a/Isar, Nr. 224. (gedruckt). — Balthasar Klotz & Söhne, Geigenbauer / Nachkommen von Mathias Klotz / Bayer. Hochgeb. Mittenwald Bayer. Hochgeb. (gedruckt). 17 258 Klotz, Balthasar II — Klotz, Joseph II Klotz, • Balthasar II. — Mittenwald. Geb. 23. Jan. 1885 Schüler seines Vaters Balthasar 1 Kl. Er machte den Krieg mit und ist jetzt Teilhaber der väterlichen Werk- statt. Klotz, Egidi I. — Mittenwald. 1675. 1711 Es existiert eine ganze Anzahl unzweifelhaft alter tirc- lischer Geigen mit dem Namen Egidius Klotz und den obenstehenden frühen Jahreszahlen. Trotzdem läßt sich ein Egidius Klotz aus dem 17. Jahrhundert ur- kundlich nicht nachweisen. Zur Lmie des Mathias Klotz scheint dieser ältere Egidius nicht gehört zu haben. Seine Arbeit gleicht übrigens in keiner Weise der des Aegidius II aus dem 18. Jahrhundert. Seine Geigen sind viel besser und wenigstens dreimal so viel wert als die des jüngeren Egidi II Kl. Das Aussehen seiner Geigen rechtfertigt auch die Tradition, die einen Egidi Kl. als Schüler Stainers nennt. Wenn man nicht annehmen will, daß ein Fälscher des 18. Jahrhunderts in bestimmte Geigen eines Meisters Zettel mit dem erfundenen Namen »Egidi Klotz« geklebt hat, so könnte man in diesem Egidi etwa den Vater Georgs II Kl. sehen, der ja auch nicht zur Linie des Math. Kl. gehört hat. Eine Violine von Egidi 1 Kl. befindet sich aus der Sammlung Snoeck (Nr. 515) jetzt in Berlin. Geigenzettel: Egidius Klotz / Fecit Mittenwald a/1 1690 (gedruckt). Klotz, Egidi II s. Aegidius Kl. Klotz, Ferdinand s. Wolfgang Ferd. Klotz Klotz, Georg I. — Mittenwald. Geb. 31 . März 1687, t 31. Aug. 1737 Sohn (erster Ehe) von Mathias Kl. In den Pfarrbüchern wird er »chelyfactor« genannt und bekleidete das Ehrenamt eines »Markt verraithers« (Marktkämmerers). Vermählt war er mit Anna geb. Sprenger (f 6. Dez. 1734). Seine Arbeit ist gut, sein Modell etwas breiter als das von Sebastian Kl.; auch sein braungelber oder rotbrauner Lack und der Ton seiner Instrumente ver- dienen Lob; nur nahm er manchmal schlechtes Holz, das jetzt gewöhnlich vom Wurm zerfressen ist. Geigen von ihm, die sich durch saubere Durchführung und oft auch durch hübsch geschnitzte Löwenköpfchen aus- zeichnen, befinden sich noch in vielen Sammlungen. Eine Viola d'amore von ihm besitzt W. Heyers Musik- historisches Museum in Köln. Die Randverzierung des gedruckten Zettels von Aegidius, Mathias III und Georg K. ist die gleiche. Geigenzettel: Abb. 432, 436, 438. Klotz, Georg II (Georg Carl). — Mittenwald. Geb. 1723, t 1797 Er gehörte nicht der Linie des Math. Klotz an und darf nicht mit dem 1 737 verstorbenen Georg Kl. ver- wechselt werden. In den Kirchenbüchern kommt er zuerst 1756 vor, wo ihm ein Sohn Wilhelm Dyonisius geboren wird. Auf dem Lehrbrief, den er am 20. Mai 1766 für Joh. Georg II Psenner ausstellte (aufbewahrt im Innsbrucker Stadtarchiv Nr. 562), unterschrieb er sich Georg Carl Klotz, auf seinen Zetteln wendet er nur den Namen Georg an. Seine Geigen zeigen noch die Stainerwölbung und haben rotbraunen Lack. Eine hübsche Violine von 1753 von ihm findet sich aus der Sammlung Snoeck (Nr. 514) in Berlin. Er verwendete geschriebene und gedruckte Zettel. Geigenzettel : Georg. Klotz propna mea / manu feci in Mittenwald 1753. (gedruckt) und Abb. 412^). Klotz, Johann Carl. — Mittenwald. Geb. 29. Jan. 1709, soll um 1790 noch gelebt haben Sohn von Math. Klotz und von dessen Frau Ursula geb. Schlaucher. Sein Taufpate war Andreas Jais, »lediger Lautenmacher«. Er wohnte im unteren Markte in einem halben Hause, das früher Thomas Nebel gehörte. Ver- heiratet war er mit Margaretha Knilling. Er galt als einer der besten Geigenmacher seiner Familie, arbeitete recht gut nach einem kleinen, an Amati erinnerenden Modell und verwendete dunkelbraunen Lack. Eine Violine von ihm befindet sich aus der Sammlung Snoeck (Nr. 516) in Berlin. Geigenzettel: Abb. 406 u. 437. Klotz, Johann Joseph s. Joseph Klotz (jun.) Klotz, Joseph I (Thomas). — Mittenwald. Geb. 8. März 1743, t nach 1809 Er nannte sich kurzweg Joseph Kl. und war ein Sohn (und Schüler) von Sebastian Kl. und Regina Mayr. (Sein Sohn Joseph nannte sich zu Lebzeiten des Vaters Joseph Kl. jun.) Einer der tüchtigsten Geigenmacher der ganzen Familie, ein echter Künstler, bei dem zu bedauern ist, daß er nicht allzuviel gemacht hat. Man erzählt sich, daß er nur an drei Tagen der Woche ge- arbeitet und die übrige Zeit der Jagd und der Fischerei gewidmet habe. Er konnte sich das erlauben, denn seine Geigen wurden ihm stets sehr gut bezahlt. Holz und Arbeit sind bei ihm gleichmäßig gut; die Wölbung nimmt er flacher als die meisten seiner Mittenwalder Genossen; die F-Löcher sind meistens klein, haben -chönen Schwung; sein Lack ist von zitronengelber, rötlicher oder brauner Farbe. Die Schnecke ist am Rücken in die Länge gezogen. Eine schöne Violine und eine dazu passende Viola besitzt der Chor der Stifts- kirche in Laufen (aus dem Jahre 1792). Einen schönen Baß von ungewöhnlicher Größe von ihm besitzt das Musikhistorische Museum von W. Heyer in Köln, eine Violine von 1 795 C. Stoeber in Würzburg. Geigenzettel : Joseph Klotz Laut. Geigen- / macher in Mittenwald 1792 (gedruckt) und Abb. 411, 430, 440. Klotz, Joseph II. — Mittenwald. Geb. im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, lebte noch 1831 Sohn von Joseph Thomas Kl.; um sich von seinem Vater, der seine Geigen mit »Joseph Kl.« bezeichnete, ^) Aus dem Musikhistorischen Museum des Herrn Fr. Nikolas Manskopf in Frankfurt a. M. Klotz. 259 a o 3 er > o c ^ i. es" « 00 Cuvo - -s a 00 S-S o . ^ r- bo 3 3 < QÖ ' J2 . bo ^ 1. ^ ■;: t r. b ^ a c :. •- o i CS t^ r/3 ■^^s ^,- B C " yj £ boS et -fc- ^^ -SS e £»> 00 " ^-5 , CO ■ i^ ^ - ff -fl r^ E-S c ^ '— Sc 6« bo . <-s . 60 C O 00 b« , bS I J2 b« .VC ZR •i- o B ^^ -= m B " "OS S4- oö B O bo O -!3_2 <1 ■ -^ 00 5 0^ b« 3 C 3 "S il P3 . -° • Ü £ B cd B "?< ^ Q = ^ VC .00 in 4^ ■ bo B O ■- cv >- vC in bo 1^ B J2 CO !■. " i -^Q CO • y^ . pU CS u M r^ r^ B -a- 00 CO a in _ r- ^--< 0 N • c. S 1. o. . C/3vO ^ " ►ä ^. " c =- S - fQ:!5 C in B t:3 E-vO 3 -a ts] 0; n B S3 s =s be k. n\ « rs 2 c be r^ JS < S CS i- o T3 "■ = ;-, CN ° C B O"! CS ^- ov ^< eT^ 00 .^^VO ^ .1: j-H B J< .__, b« ^ i; ■* ., Ol so >-• ^OOpOv 3 r-i C I— < •r :S > O- ® «^ ^ ^ ;cs - in Q. ■J-. 00 = [2 1"^ = cs f § 3 "^ o '^ ^£ ZQ bco 03^ . J2 Ov C N ;u BVO — r^ b« = 2 « ._ "ü = B 2 2^ l u. b W -C IS ^ o i ^ ü bo B E ? c 260 Klotz, Josef III — Klotz, Mathias III zu unterscheiden, nannte er sich oft Joseph Klotz jun. Er soll ein guter Gelger gewesen sein und arbeitete sehr sauber. Geigenzettel: Joseph Klotz junior in / Mittenwald an der Isar / anno 1793 (gedruckt). — Joseph Klotz in Mittenwald / an der Isar, Musicus 1831. (gedruckt). Klotz, Josef III. — Mittenwald. Geb. 6. März 1879 Ältester Sohn und Schüler von Balthasar I Kl. Er machte den Krieg von 1914 — 1919 mit und ist jetzt Teilhaber der väterlichen Werkstatt. Klotz, Josef Anton. — Mittenwald. Geb. 22. Jan. 1760, t 1822 Sohn des Aegidius Kl. und der Maria Gerblin. Von ihm wird erzählt, daß er nur im Winter als Geigenmacher tätig war. Auf Geigenzetteln liest man oft nur »Anton Klotz«; ob diese Zettel ihm oder seinem Sohne Anton Joseph zuzuweisen sind, steht nicht fest. Da aber weder er noch sein Sohn zu den hervorragenden Mitgliedern der Familie gehören, lohnt es sich nicht, nach sichern Unterscheidungsmerkmalen zu suchen. Klotz, Josef Karl. — Mittenwald. Geb. 1731, t 1739 Jüngster Sohn von Georg Kl. Da er als achtjähriger Knabe starb, dürften Geigen, die seinen Namen tragen, unecht sein oder von Job. Carl herrühren, dessen Vor- namen dann nur schlecht gelesen wurden. Klotz. Karl. — Mittenwald. Geb. 1726. 1756 Sohn von Georg KI. und Anna Sprenger. Er arbeitete sehr handwerksmäßig. — Übrigens besaß auch Joh. Carl einen 1746 geborenen Sohn Karl, von dem noch nicht feststeht, ob er über die ersten Kinderjahre hinaus gelebt hat. Geigenzettel : Abb. 426 Klotz'), Mathias I. — Mittenwald. Geb. 11. Juni 1656 (nicht 1670!), t 1743 (nicht 1720!) Der eigentliche Gründer der Geigenindustrie Mitten- walds. Er war der älteste Sohn von Urban Klotz und dürfte wohl in Füssen oder Vils, vielleicht sogar bei Stainer den ersten Unterricht erhalten haben. Seine letzte Ausbildung fand er jedoch in Italien, wo er sechs Jahre lang bei Giovanni Railich in Padua gearbeitet hat, wie eine im Archiv der Geigenbauschule in Mittenwald befindliche »Kundschaft« vom Mai 1678 beweist. Seine Arbeit steht trotzdem nur unter dem Einfluß Stainers. Die Geschichte seiner Lehrjahre wird gewöhnlich sehr romantisch dargestellt. Da durch die Gebirgspässe bei Mittenwald eine der wichtigsten Heerstraßen aus der Levante, Italien und Tirol nach Augsburg führte und die Mittenwalder Rollfuhrleute daher leicht Beziehungen bis weit nach Italien hinein ^) Der Name kommt Kloz, Khlotz, selbst Glotz usw. geschrieben vor. haben konnten, soll Mathias schon als zehnjähriger Knabe von einem solchen Fuhrmann nach Cremona zu Nie. Amati gebracht worden sein. Nach zwanzig- jähriger Abwesenheit sei er dann heimgekehrt, wo er seinen Geburtsort in großem Aufschwung fand. Die venezianischen Kaufleute hatten nämlich ihren Markt von Bozen nach Mittenwald verlegt. Dieser Umstand dürfte ihn tatsächlich zum Bleiben veranlaßt haben. Er fand jetzt in Mittenwald einen geeigneten Boden für seine Kunst; an gutem Holz war kein Mangel, und Ab- satzgelegenheit war sowohl nach dem Süden wie nach dem Norden reichlich vorhanden. Er zog sich Schüler und Gehilfen heran und brachte es zu Ansehen und Wohlstand, hatte ein Haus in der Judengasse und war zweimal verheiratet. Da er sich noch 1 702 in Padua eine amtliche Bestätigung seines Zeugnisses von Railich erwirkte, kann man annehmen, daß er auch in reiferen Jahren nochmals nach Italien gekommen ist. Es ist jedenfalls den fremden Kaufleuten zuzuschreiben, die immer nur Geigen von dem damals schon hochge- schätzten Stainer haben wollten, wenn er, um seine Arbeiten leichter an den Mann zu bringen, wie man behauptet, auch Zettel mit Stainers Namen in seine Geigen klebte. In bezug auf die Durchführung sind seine Arbeiten sehr lobenswert ; auch der Ton ist recht gut; dagegen ist sein Holz nicht immer schön und dem Wurmfraß ausgesetzt. Der Lack ist auf dunklem Grunde aufgetragen und hat einen gelblichen Schim- mer, ist im allgemeinen aber dürftig. Übrigens ist es ein Irrtum, ihn für den besten Meister der Familie zu halten, da er z. B. von seinem Sohne Sebastian weit übertroffen wurde. Er verstand sich sehr gut auf den Handel, doch ging dieser bald auf die Neuner über. Schon um 1 730 traten Johann und Mathias Neuner in den Vordergrund und verstanden es, allmählich den ganzen Mittenwalder Geigenhandel zu monopolisieren. Die Verdienste von Math. Kl. sind in Mittenwald un- vergessen geblieben, und im Jahre 1890 hat ihm der dortige Geigenmacherverein ein von Ferd. v. Miller in Erz gegossenes Denkmal errichtet. Geigen von ihm kommen noch ziemlich häufig vor; ein Alto von schönem Holz und hübscher Arbeit besaß die Samm- lung Snoeck (Nr. 576, jetzt in Berlin). Geigenzettel: Mathias Klotz Lauten- und Geigen- / macher in Mittenwald an der Iser / Anno 16 . . (ge- druckt) und Abb. 435 und 443. Klotz, Mathias II. — Mittenwald. Geb. 23. Febr. 1664, lebte noch nach 1725 Sohn von Adam Kl. und seiner Frau Susanna (f 31 . Dez. 1701, 96 Jahre alt). Er gehörte einer Seitenlinie der Familie an und darf mit dem berühmteren Mathias I Kl. nicht verwechselt werden. Er wird als Lauten- macher bezeichnet und war Bürger in Mittenwald. .Arbeiten von Ihm sind nicht sicher nachzuweisen. Klotz, Mathias III. — Mittenwald. Geb. 1718, t nach 1770 Sohn von Georg Kl. Seine Geigen sind am besten da- durch von denen seiner Verwandten zu unterscheiden, daß sein Lack jetzt beinahe schwarz geworden ist. Geigenzettel : Abb. 434. Klotz — Knichtel 261 Klotz, Mathias IV. — Mittenwald. Geb. im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, f um 1868 als alter Junggeselle Sohn von Jos. Thom. Kl. Zu seinen Lebzelten war_^er der einzige Geigenmacher aus der Familie, da, als er starb, Balthasar noch in der Lehre war. Mittenwald. Geb. 12. Okt. Klotz, Max. 1896 Sohn und Schüler von Balthasar 1 Kl. Er machte, wie seine drei Brüder den Feldzug mit, stand im Westen, und wird seit 1. August 1916 vermißt. Klotz, Michael. — Mittenwald. 1750. 1790 Ziemlich gewöhnlich gearbeitete braunlackierte Geigen, tragen den Namen Michael Klotz. Nach dem Stamm- baum der Familie des Math. Klotz gab es nur einen Michael Kl., Sohn von Joh. Carl, der schon als Kind 1743 gestorben ist und unmöglich Geigen gemacht haben kann. Der um 1750 — 1790 vorkommende »Geigenmacher Michael Klotz« gehörte also, wenn er überhaupt lebte, nicht zu der Linie des Math. Kl. Geigenzettel: Michael Kloz in Mitten / wald an der Iser. An. 17 (gedruckt). Klotz, Nikolaus. — Mittenwald. Geb. 20. März 1892 Sohn und Schüler von Balthasar I Kl. Wie seine Brüder zu den Fahnen gerufen, wird er bereits seit dem 25. Sept. 1914 vermißt. Klotz, Sebastian I (Sebastian Anton). — Mit- tenwald. Geb. 18. Jan. 1696. f nach 1767 Er war ein Sohn von Math. I Kl. aus dessen erster Ehe und wird in den Urkunden als Plectopöus bezeichnet. Vermählt war er mit Rosina Mayrin. Geigen mit einer höheren Jahreszahl als 1750 von ihm sind mir noch nicht zu Gesicht gekommen, da er aber am 19. Sept. 1767 dem Joh. Georg II Psenner bestätigte, daß dieser anderthalb Jahre lang als Gehilfe bei ihm gearbeitet habe, kann er erst nach diesem Jahre gestorben sein. Seine Geigen sind nach Stainer gemacht, aber etwas weniger gewölbt, haben schmälere F-Löcher, spitzere Ecken und sind denen des Math. I weitaus vorzu- ziehen und werden deshalb auch wesentlich höher be- wertet und in England sogar überschätzt, wo einzelne Verehrer sie in einem Atem mit Stradivari nennen. Auch sein Lack ist dicker und besser als der seines Vaters, von verschiedener Farbe, meistens rotbraun oder dunkelbraun, und ähnelt manchmal dem von Alban. Bis zum Ende der dreißiger Jahre verwendete er meistens geschriebene Zettel, später fast immer ge- druckte. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1740 be- sitzt Berlin aus der Sammlung Snoeck (Nr. 513); eine Altviola von 1 734 war in der Sammlung Scheurleer. Geigenzettel: Sebastian Klotz in / Mittenwald an der Isar 1734 (gedruckt) und Abb. 413, 431 und 439. Klotz, Sebastian II. — Mittenwald. Geb. 30. Okt. 1762, t 1825 Sohn des Ägidius Sebastian und der Maria Gerblin, Enkel von Sebastian L Seine Arbeit entspricht der Mittenwalder Schule, doch scheint er bereits Nutzen aus der .Arbeitsteilung gezogen zu haben, so daß seine Geigen wenig Individuelles zeigen. Geigenzettel: Sebastian Kloz, in / Mittenwald, An. 1803. (gedruckt). Klotz, Wolfgang Ferdinand. — Mittenwald. Geb. 1744. 1788 Sohn von Johann Carl Kl. und Margarete geb. Knilling. Er war ein ebenso guter Geigenmacher als gewandter Kaufmann. Seine Arbeit ist sauber und entspricht den Überlieferungen seiner Famliie. Geigenzettel : Ferdinand Klotz / in Mittenwaldt an der Iser 17.. (gedruckt). Kluibenschädl, Josef. — Innsbruck. 1861. 1864 Ein Geigenmacher ohne besondere Eigenart, der nach Dr. F. Waldner aus dem Oberinntal stammte und im Jahre 1862 zwei Violinen in London ausstellte, die im Tiroler Boten sehr gelobt wurden. Einige Geigen da- gegen, die ich von ihm sah, verdienten wenig Lob und verrieten keine über die Mittelmäßigkeit hinausgehende Geschicklichkeit. Geigenzettel : Abb. 407. Knäbel, Carl, lebte um 1895 in Glogau und beschäftigte sich auch mit dem Ausbessern alter Geigen Knäuscher, Johann Georg. — Schwabach. 1783. 1805 Er schreibt seinen Namen auf seinem Zettel so un- deutlich, daß man auch Knapscher lesen kann. Leider findet sich im Schwabacher Archiv nichts über ihn, so daß ich die richtige Lesart bisher nicht feststellen konnte. Er arbeitet frei nach Stainer; am besten sind seine Violoncelli. Übrigens wird von ihm behauptet, daß er nur Flickarbeiten ausgeführt und neue Geigen und Violoncelli bei Widhalm in Nürnberg gekauft haben soll, in die er dann seine Zettel eingeklebt hat. Geigenzettel : Johann Georg Knäuscher / Fecit Schwa- bach 1800 (geschrieben). Knaggs, Wm . , lebt in Toronto als Geigenmacher Knapscher s. Knäuscher Knaus s. Kraus Knichtel, Erdmann. — Altenburg (S.-A.). 1 768 Wahrscheinlich einer vogtländischen Familie ange- hörend. Er war Geigen- und Instrumentenmacher; von ihm ist mir nur bekannt, daß er 1 768 ein Gesuch an die herzogl. Regierung richtete, den fremden Geigen- machern oder -händlem das Feilhalten von Musik- instrumenten auf dem Jahrmarkt in Altenburg zu ver- bieten. — Es soll noch mehrere Geigenmacher dieses Namens gegeben haben, 262 Knichtel Knipp Knichtel, Johann Michael. — Lübeck. 1762. t H.Dez. 1797 Violinmacher. Ward 1762 am 17. Juni zum Lübecker Einwohner angenommen und verheiratete sich am 9. Mai 1765 mit Jungfrau Cath. Elisabeth Kließen- Kalies, wohnte in der Ritterstraße Nr. 694 Getzt St. Annenstr.), Ecke der Weberstraße, und ward in St. Aegid. 1797 begraben. Im Adreßbuch 1798 wird er als während des Druckes mit Hinterlassung einer Witwe verstorben bezeichnet. Die Witwe führte das Geschäft noch eine Zeitlang fort und starb am 1. August 1805. Seine Geigen sind gut gearbeitet, wenn auch Holz und Lack zu wünschen übrig lassen. Der Ton ist etwas spitz. Geigenzettel : Gemacht / von Johann Michael Knichtel/ in Lübeck 1 778 (gedruckt). Knilling. — Mittenwald Eine Geigenmacherfamilie, die der Familie Klotz eben- bürtig war, und aus der viele tüchtige Geigenmacher hervorgegangen sind. Knilling, Andreas, war 1768 bereits verheiratet und kommt nach 1 769 noch vor Knilling, Anton. 1760. 1770 Im Jahre 1763 war er bereits verheiratet. Seine Geigen sind sehr gut; nur der Lack ist trüb-braun. Geigenzettel: Anton Knilling geigmch. / mittenwaldt ano 1767 (geschrieben). Knilling, Anton Alois, Sohn von Johann Kn. Geb. 22.JuH 1765 Knilling, Georg. — Geb. 1769; Sohn von Anton Kn. Knilling, Johann I. — 1750 Einer der besten Meister aus seiner Familie. Knilling, Johann 11. — Mittenwald. Geb. 1822, t 1905 Er war der letzte Mittenwalder, der in seiner Jugend als Geigenhausierer herumzog. Sein Weg führte ihn ge- wöhnlich bis Passau. In seinen alten Tagen lackierte er Geigen für die >>Verleger<'. Knilling, Johann Joseph I. — Geb. 20. Aug- 1763, t nach 1838 Sohn von Anton Kn. Sehr tüchtiger Geigenmacher, der meist nach Amati arbeitete. Eine gute Violine von ihm befindet sich auf dem Chor der Stiftskirche in Laufen. Geigenzettel : Johann Knilling in / Mittenwald an der Iser 1788 (gedruckt). — Johann Knilling Geigen- macher in / Mittenwald an der Issar 1821 (gedruckt). Knilling, Johann Joseph II. — Mittenwald. Geb. 1853 in Mittenwald Er besuchte von 1866 — 1869 die Mittenwalder Geigen- bauschule und erlernte nachträglich noch das Zither- machen. Als Gehilfe arbeitete er jahrelang bei X. Ker- schensteiner in Regensburg und machte sich dann in Mittenwald selbständig. Im Jahre 1906 erhielt er in Nürnberg die silberne Medaille. Seine Arbeit ist sehr sauber und sorgfältig. Geigenzettel : Joh. Knilling / Instrumentenmacher / Nr. 66 Mittenwald a. d. I. Nr. 66 / Oberbayern, ano 1896. (gedruckt). — Silb. Med. Joh. Knilling Nürnb. 1906 / Instrumentenmacher / Mittenwald an der Iser. / Nr. 66. Oberbayern Nr. 66. / ano 1906. (gedruckt). Knilling, Josef, lebte um 1765 und war viel- leicht ein Bruder von Johann Kn. Er unterschied sich von den übrigen Mitgliedern der Familie nur durch seinen gelben Lack. Knilling, Josef Mathias. — Geb. 6. Febr. 1 767, t nach 1838 Sohn von Anton Kn. Er schrieb sich gewöhnlich kurz- weg »Mathias Knilling* und darf als einer der letzten Mittenwalder gelten, bei dem die alten Vorzüge der Klotzschule noch lebendig waren. Er war einer der talentvollsten Mittenwalder Meister und ist in seiner Arbeit oft dem Franzosen Pique ebenbürtig. Sehr schön ist auch sein roter, weicher meist dick aufgetragener Ollack. Eine schöne Violine von 1824 befindet sich im Museum Francisco-Carolinum in Linz a. D. Ein Violoncello von ihm besitzt Herr v. Ledebur in Schwerin. Geigenzettel: Mathias Knilling Geigenmacher y in Mittenwald an der Isar 1831 (gedruckt). Knilling, Mathias, lebte 1753—1760, nicht zu verwechseln mit Josef Mathias Kn. Knilling, Paul Anton. — Geb. 25. Jan. 1759; Sohn von Johann Kn.; lebte noch 1812 Geigenzettel: Baulus Knilling Geieenmacher / in Mittenwald an der Iser / 1812 (geschrieben). Knilling, Philipp, blühte um 1760 Seine Geigen sind etwas weniger gewölbt als die Klotz- schen und zeigen das Bestreben, italienische Vorbilder nachzuahmen. Knilling, Philipp Bernalt (Bernhard?). — Mitten wald. 1821 .Als Hausierer zog er Jahr für Jahr mit seinen Geigen durch das Land, besuchte alle Klöster Südbayerns und fuhr wiederholt mit dem Floß von der Isar in die Donau bis nach Wien, um Geigen zu verkaufen. Knipp, Johann Heinrich David. — Heisa, Geb. in Hörsingen in der Altmark um 1749, t3. Febr. 1807 Er stammte aus dem Gardelegenschen Kreise in der Altmark und ließ sich als Geigenmacher in Heisa nieder, wo er in erster Ehe am 28. September 1783 .Anna Martha geb. Finkenstädt verw. Stoll heiratete; nach deren Tode ehelichte er am 24. August 1800 Elisabeth Knitl — Knopf 263 Schlegel. Er scheint von Hause aus Tischler gewesen zu sein ; sein Modell ist häßlich, ebenso sein schwarzer Lack. Auf seinen handschriftlichen Zetteln verschnör- kelte er die Anfangsbuchstaben so, daß man eher Snip als Knipp lesen könnte. Geigenzettel: J. H. D. Knip aus / Heisa. 1802. (gedr.). Knitl, Franz. — Freising. Geb. 1744 in Mittenwald, \ 19. Febr. 1791 in Freising Er war der Sohn des Anton Knitl, der als Bader (Bal- neator) in Zürl (Zierl) bezeichnet wird, hat, seiner .Ar- beit nach zu urteilen, jedenfalls in Mittenwald gelernt, wo er nach dem Taufschein seines 1781 geborenen Sohnes Franz Anton auch geboren war. Er scheint an- fangs in Mittenwald gearbeitet zu haben und erst um IJö"? nach Freising gekommen zu sein, denn bei seiner am 5. Juni 1769 vollzogenen Trauung wird er als »an- gehender Bürger und Geigenmacher<' bezeichnet. Er wurde dann Hof-Lauten- und Geigenmacher des Bischofs von Freising. Seine Geigen erinnern an das Amati- oder Stainermodell, sind schmal in der Brust und haben enge F-Löcher. Der Ton ist nicht groß, aber meistens wohlklingend. Sein Nachfolger war Joseph Doser. Geigenzettel: Franz Knitl, Hof-Geigen- und / Lauten- macher in Freysing 1788 (gedruckt). Knitl (Knittel, Knittl), Josef. — Mittenwald. 1756. 1790 Vermutlich der Bruder von Franz Kn. Gute Klotz- schule, gutes Holz, gelbbrauner Lack. Eme Laute von ihm aus dem Jahre 1777 besitzt das fürstl. Hohen- zollernsche Museum in Sigmarmgen. Geigenzettel: Joseph Knitl Lauten- und Gei- ' gen- macher in Mittenwald an der / Iser. Anno 1 780. (ge- druckt). Knößing, Johann Hubert. — Leipzig 1807 Er wohnte Querstr. Nr. 121. Seinen geschriebenen Zettel aus einer Viola veröffentlichte P. de Wit. Knoop, Wilhelm, lebte als Mitglied der Hof- kapslle um 1845 in Meiningen und stellte 1854 in München nach Stamer gemachte Geigen aus, deren Ton gelobt wurde Geigenzettel : Fabricato per Gulielmo Knop / Membro della capella ducale / In Meiningenia .Anno 1845 (ge- druckt). Knopf, August, lebte von 1 85 1 —1 863 in Karls- bad Knopf, Christian Friedrich Wilhelm. — Mark- neukirchen, Dresden. Geb 2. Sept. 1815 in Markneukirchen, f 26. April 1897 Ein geschätzter Bogenmacher, der eine Reihe tüchtiger Schüler herangebildet hat. Knopf, Christian Wilhelm. — Markneukirchen. Geb. 26. Sept. 1767, t 12. Sept. 1837 Guter Bogenmacher, der als der Stammvater der Bogenmacherfamilie Knopf gelten darf. Knopf, Ernst Heinrich. — Leipzig. Geb. in Markneukirchen 1868 Schüler von Theodor Scherzer und der Musikinstru- mentenmacher-Fachschule, an der er eine Belobigung erhielt. Im Jahre 1890 machte er sich in Markneu- kirchen selbständig und verlegte 1898 seine Werkstatt nach Leipzig. Er verwendet sowohl Ol- als Spirituslack eigener Zubereitung. Er ist mit den anderen Geigen- machern der Familie Knopf nicht verwandt. Geigenzettel: Heinrich Knopf / Geigenbauer / Leipzig, (gedruckt). Knopf, Henry Richard. — New York. Geb. 5. Dez. 1860 in Markneukirchen Ältester Sohn von Heinrich Kn. Schüler seines Vaters und seines Onkels Wilhelm K., bei denen er zunächst das Bogenmachen erlernte. Später kam er zu Bausch nach Dresden und Adam nach Berlin und wurde hier als Geigenmacher ausgebildet. 1879 ging er zu John Albert nach Philadelphia und machte sich bereits 1880 in New York selbständig. Er verarbeitet nur sehr altes 'Holz und ahmt das große Stradivarimodell nach. Seinen Lack setzt er selbst zusammen. Geigenzettel: Henry Richard Knopf, New York, Anno 1902 (gedruckt). Knopf, Heinrich. — Berlin. Geb. 1 . März 1 839 in Markneukirchen, f 1 . März 1875 in Berlin Schüler seines Oheims Christian Knopf. Er hat im ganzen nur etwa 30 Geigen gemacht, sich frühzeitig fast ausschließlich auf die Bogenmacherei verlegt und brachte es darin zu großer Geschicklichkeit. Er ar- beitete zunächst für Otto Bausch, Grimm, Kittel und Weichold und siedelte 1868 nach Berlin über. Von da an brannte er auch seinen Namen in seine Bögen ein. Knopf, J. Wilhelm. — Dresden. Geb. in Mark- neukirchen 4. Dez. 1835 Er arbeitete zuerst in seiner Geburtsstadt und siedelte dann als Geigen- und Bogenmacher nach Dresden über. Er gilt vielen als einer der besten Bogenmacher Deutschlands. Knopf, Karl Wilhelm. — Markneukirchen. Geb. 5. März 1803, t 2. Nov. 1860 Sohn und wohl auch Schüler von Christ. Wilh. Kn. und wie dieser ein guter Bogenmacher. Knopf. — Berlm. Moskau. 1873. 1887 Er stammte aus Markneukirchen, war eine Zeitlang Werkführer in Loewentals Geigenfabrik und machte sich dann in Berlin selbständig. Seine Geigen waren 264 Kobe Kögl Fabrikware, dagegen verdienen seine Bogen Lob. Er ging später nach Moskau, um in der Zimmermann- schen Filiale zu arbeiten, und starb dort an der Schwind- sucht. Auch sein Bruder Ludwig ist als Bogenmacher geschätzt. Kobenzi (Kobenzl?). — Paris Dieser mir sonst nicht bekannt gewordene Name findet sich eingebrannt in einer sauber gearbeiteten Geige von mittlerer Wölbung, mit braunem Lack und hübscher Schnecke, im Besitze von C. Stoeber in Würzburg. Koch, Heinrich Christoph. — Rudolstadt. Geb. 10. Okt. 1749, t 19. März 1816 Er war ein Sohn des fürstlichen Lakais und Kammer- musikers Job. Nikol. K. und ward ebenfalls fürstlicher Kammermusiker. Die Berliner staatl. Sammlung alter Musikinstrumente besitzt eine Gitarre in Lyraform von ihm (Nr. 655); die dort gelesene Jahreszahl 1829 müßte jedoch angezweifelt werden, da Koch schon 1816 an »Entkräftung« (Altersschwäche) gestorben war, wenn nicht ein anderer Koch, der noch um 1820 als fürst- licher Hofmusiker (Violoncellist) nachweisbar ist, als Verfertiger dieser Gitarre sowie einer Gitarre und eines Violoncellos in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln, wie G. Kinsty annimmt, in Betracht kommt. Koch, Georg. — Hamburg. 1771 Vielleicht ein Sohn von Johann I K. Er war Instru mentenmacher und wurde am 25. Januar 1771 Bürger Koch, Johann I. — Hamburg. 1737 Man weiß von ihm nur, daß er Instrumentenmacher war und am 7. Juni 1737 Bürger wurde. Koch, Johann II. — Hamburg 1767 Er dürfte gleichfalls ein Sohn von Johann I K. gewesen sein. Auch von ihm weiß man nur, daß er als »Instru- mentenmacher« am 12. Juni 1767 zum Bürger aufge- nommen wurde. Kochern s. Bochem Kochendörfer, Friedrich. — Stuttgart, Mitten- wald. Geb. in Stuttgart 1 5. Juli 1 873, f 1 91 7. Sohn des Zithermachers A. F. Kochen- dörfer Schüler der Geigenmacherschulc von Schünemann. Nach mehrjähriger Wanderzeit ließ er sich 1895 in Stuttgart als Geigenmacher nieder und wurde Im Jahre 1906 als Vorstand an die Mittenwalder Geigenbau- schule berufen, wo er erfolgreich wirkte. Er machte vornehmlich Streichinstrumente nach Stradivari, Guarneri und Maggini. Sein Lack ist rottelb. Auf der Stuttgarter Kunstausstellung 18% erhielt er eine silberne Medaille. Sein Geschäft wird von seinen Kindern fortgeführt. Geigenzettel: Abb. 450. 451. Koded, Joseph. — Schweidnitz. Geb. 1783 in Liebau i. Schi. 1825 Er kam um 1810 nach Schweidnitz und trat in Arbeit bei der Witwe des Instrumentenmachers Fiebig, die er 1812 heiratete. Im selben Jahre am 19. September erwarb er das Bürgerrecht in Schweidnitz. Wann und wo er gestorben ist, ließ sich nicht feststellen. Seine Geigen sind leidlich gut. Seine Modelle haben keinen bestimmten Charakter. Geigenzettel: Jos. Koded in Schweidnitz 1825 (gedr.). Koed, P. — Gjerndrup. 1886 (Reparaturzettel.) Koederitz, Johann Georg. — Jena. 1 769 Arbeitete nicht ungeschickt nach italienischen Vor- bildern, ohne ein bestimmtes Modell zu bevorzugen. Sein Lack ist wachsgelb, die Schnecken sind sauber ge- schnitzt. Er scheint jedoch nicht lange in Jena tätig ge- wesen zu sein, denn in den städtischen Archivalien kommt sein Name nicht vor. Kögl, Balthasar. — Prag. 1628. 1630 Ein Lauten- und Geigenmacher, der aus dem Augs- burgischen, wahrscheinlich aus Füssen nach Prag ein- gewandert war und im November 1 628 das Bürgerrecht in der Prager Altstadt erwarb. Seine Gattin hieß Lud- mila; 1630 kaufte er ein Haus. Die wenigen Violen und Gamben, die man ihm zuschreibt, zeigen eine geschickte Hand, aber wenig Selbständigkeit in den Umrissen, wenn sich auch schon italienischer Einfluß bei ihm geltend zu machen scheint. Kögl (Khögl), Hanns. — Wien. Geb. um 1630(?), blühte um 1679 Wahrscheinlich aus Füssen stammend oder ein Sohn von Balthasar K. Er muß in seiner Lehr- oder Wander- zeit Gelegenheit gehabt haben, Werke der Brescianer Schule kennenzulernen, die er fortan nachzuahmen suchte. Er verwendet ein kleines, schmales Patron mit kleinen Ecken und hoher Wölbung, das an Gaspar da Salo erinnert; noch mehr ist dies bei seinen F- Löchern der Fall. Die Schnecke ist klein ; das Ohr derselben tritt nicht über die Dicke des Wirbelkastens hervor. Sein Lack ist von brauner oder rödichgelber Farbe. In seiner letzten Zeit verbreiterte er sein Modell. Im April 1669 wurde er Bürger von Wien. Ein Alto und zwei sechs- saitige Gamben von ihm besitzt das Museum Fran- cisco-Carolinum in Linz, eine Gamba (aus dem Jahre 1679) die Benedictiner-Abtei Kremsmünster, eine Viola ohne Zeitangabe das Schottenstift in Wien. Zwei Prachtinstrumente, eine Viola von 1676 und eine Geige von 1677 sind auf dem Chor der Kreuzherrenkirche in Prag. Er gebrauchte gedruckte Zettel ; die geschriebe- nen, auf denen sein Name stets »Kögl« (ohne h) er- scheint, dürften falsch sein. Auch kommen viele seiner Arbeiten vor, die jetzt mit italienischen Zetteln ver- sehen sind, hauptsächlich mit. solchen von Genueser Meistern. Geigenzettel: Hanns Kögl Landen und / Geigen- macher in Wienn 1679 (gedruckt) und Abb. 408. Kögl — Köllmer 265 Kögl (Khögl), J. — Füssen. 1620 Seine Familie stammt wahrscheinlich aus dem Hof Kögel am Kögelbach (Gemeinde Roßliaupten) unweit des Weilers Tiefenbruck. Er ist bisher nur als Lauten- macher bekannt. Seine Arbeit ist recht sorgfältig; die i>Dachsterne« (Schallöcher) sind hübsch verziert. Kögl, Ulrich s. Kegeil Köhler. — Schönbach i. B. Aus dieser Familie sind als Geigenmacher hervorge- gangen und in Schönbach geblieben : Köhler, Anton, noch tätig Köhler, Benedict, war 1 826 schon in der Innung Köhler, Johann, noch tätig Köhler, Josef, noch tätig Köhler, Karl. — Geb. 1838 Schüler von Josef Heinzmann, bei dem er von 1851 bis 1859 blieb. Seine Militärdienstzeit verbrachte er bei der Marine und eröffnete 1864 sein eigenes Geschäft, das er aus kleinen Anfängen emporzubringen verstand. Er arbeitete hauptsächlich für Rußland und war 1894 zum Vorstand der Musikinstrumentenmacher-Ge- nossenschaft von Schönbach erwählt worden. Köhler, Wenzel, lebte in der ersten Hälfte des 1 9. Jahrhunderts und war 1 826 schon Meister Köhler, Egyd.-Wels (O.-Ö.). Geb. 30. Nov. 1820 in Kirchberg bei Schönbach, f 2. Nov. 1909 Nachdem er in Schönbach ausgelernt hatte, ging er in die Fremde und arbeitete von 1842—1846 bei Stöhr in Salzburg. Als er erfuhr, daß Hilanj in Wels gestorben war, erwarb er am 6. Juli 1 846 dessen Werkstatt und war hier am Stadtplatz Nr. 20 über 63 Jahre lang tätig. Noch im Jahre 1904 erhielt er für seine Geigen die große silberne Medaille. Er war ein sehr bescheidener Mann, aber ein geschickter Meister, der einen bis nach Rußland reichenden Ruf hatte, daraus aber keinen Vor- teil zu ziehen wußte. Bis in sein hohes Alter fleißig bei der Arbeit, ist er in Wels unvergessen geblieben und wird als altes, gebeugtes, aber immer freundliches Männchen geschildert. Geigenzettel : Aegidi Köhler, Geigen- / und Guitarren- macher in Wels, (gedruckt). Köhler, Ernst & Son. — Edinburgh. 1910 Sie nennen sich Geigenmacher, handeln aber haupt- sächlich mit Geigenbestandteilen, Holz usw. Köhler, Johann Christian. — Frankfurt a. M. Geb. 31. Juli 1714 in Rosenburg (Preußen), fnach 1760 Ursprünglich ein Lautenmacher, der sich später ganz auf den Orgelbau verlegte. Er heiratete 1740 die Witwe des Darmstädter Orgelmachers Weegmann und lebte dann in Frankfurt als Beisasse, bis er 1753 als Orgel- macher das Bürgerrecht erhielt. Er war damals Hessen- Darmstädtischer und Nassau-Usingenscher Orgel- macher. Bei seiner Aufnahme verpflichtete er sich, dem Frankfurter Armenhause eine Orgel von 15 Registern zu machen und Zeit seines Lebens kostenlos zu unter- halten. Eine theorbierte Laute von 1759 befindet sich in Frankfurt. Koehler, Ludwig. — Budapest, Chicago. Geb. 1859 in Abauj Szantö (Ungarn) Ursprünglich Tischler, wurde er, von unbezwinglicher Neigung getrieben, noch in reiferen Jahren Schüler von Pilät. Er ließ sich dann zuerst in Budapest nieder, ging aber bald ins Ausland, arbeitete in Berlin, hierauf in Chicago, wo er bis nach dem Erdbeben blieb und dann nach Budapest zurückkehrte. Er ist nach Dr. J. Geyers Ausspruch ein recht tüchtiger Meister, der viel für andere Werkstätten arbeitet. Kodier van den Akker besitzt in Brüssel eine Geigenmacherwerkstatt Köllmer, Georg Nikolaus. — Crawinkel (bei OhrdruO. Geb. 19. Aug. 1775, f nach 1840 Schüler (vielleicht auch Sohn) von Johann Valentin K. Der geschickteste Geigenmacher aus seiner Familie und in seinem Wohnorte. Er muß in guten Werkstätten ge- arbeitet haben ; seine Geigen sind Jak. Stainer und italienischen Vorbildern nicht ungeschickt nachgeahmt, sorgfältig durchgeführt und klingen gut. Er soll viel in der Welt herumgekommen sein, nach Art der Vogt- länder Geigenhändler, deren Zettel ihm auch zum Vor- bild dienten. Er ist kinderlos gestorben. Geigenzettel: Georg Nicol. Köllmer 1798 / Erfunden von Jacob Stainer / in Absom prope Oenipontum (ge- druckt). Köllmer, Johann Friedrich. — Crawinkel. 1 760. 1770 Vielleicht der Stammvater der Familie. Er stand bei den Musikern in der näheren Umgebung seiner Heimat als geschickter Geigenmacher in gutem Ansehen. Sein Modell ist jedoch weder in den Verhältnissen richtig noch elegant in der Form. Köllmer, Johann Michael. — Crawinkel. 1770 Jüngerer Bruder von Johann Friedrich K., der aus der gleichen Schule hervorgegangen sein muß und wahr- scheinlich mit seinem Bruder gemeinsam gearbeitet hat. Köllmer, Johann Nikolaus. — Crawinkel. Geb. 24. Febr. 1794, fnach 1845 Vielleicht ein Sohn Johann Michael Köllmers. Er strebte darnach, die in Crawinkel hergebrachten Mo- delle zu verbessern, und besaß eine gewisse Hand- geschicklichkeit. Er ist kinderlos verstorben. Köllmer, Johann Valentin. — Crawinkel. 1 781 . 1800 Dieses Mitglied der Familie Köllmer ist bisher haupt- sächlich durch ein in der Sammlung alter Musik- instrumente in Berlin aufbewahrtes Violoncello (Nr. 833) 266 König — Kohänyi bekannt geworden. Dieses zeigt die charakteristischen Umrißlinien der Crawinkeler Schule, unförmlichen Oberkörper und sehr spitze Ecken. Daß die Wirbel- mechanik von Köllmer selbst herrührt, erscheint mir unglaublich. Eine gut gearbeitete Geige mit schönem Deckenholz und gelbem dünnem Lack von ihm von 1 781 besitzt Ernst Geisser. Das Modell hat lange )( und ist oben und unten zugespitzt. Der Zettel ist mit gotischen Buchstaben gedruckt. Geigenzettel: Johann Valentin Köllmer / Violin- und Instrumentenmacher / in Crawinkel. 1800. (gedruckt). — Johann Valentin Köllmer / Violinmacher in Cra- winkel 1784. (gedruckt). König, Alb. Paul. — Altona. Geb. 27. März 1880 In Markneukirchen Bruder von Max K. in München. Von 1894 bis 1897 war er Schüler von Karl Wilh. Keßler, arbeitete dann als Gehilfe in Berlin, Dresden und Stuttgart usw. und übernahm im Jahre 1906 die Werkstatt von F. A. Glass in Altona. Seine Violinen und Violoncelli werden gerne gekauft und als Reparateur findet er reichlichen Zu- spruch. König, Andreas, lebt als Geigenmacher in Schönbach b. E. König, Hermann J. — New York. Geb. in Schöneck 1 830, 1 1 6. März 1 890 In New York Schüler seines Schwagers Ernst Wilhelm Neumärker in Schöneck, bei dem er von 1845 — 1849 lernte. Er ar- beitete hierauf 5 Jahre bei Diehl in Hamburg und in Bremen und ging 1857 nach Amerika, wo er als tüch- tiger Geigenmacher zu Ansehen kam. Auch seine beiden Söhne waren Schüler von Neumärker. Louis, der ältere davon, starb jedoch schon 1894 an der Schwindsucht. König, Max. — München. Geb. 9. Febr. 1870 Sohn des Musiklehrers K. in Markneukirchen. Schüler von Richard Mönnig. Nachdem er von 1888 — 1904 als Gehilfe bei ersten Meistern in Deutschland, England, Irland und der Schweiz gearbeitet und sich auch zu einem guten Reparateur ausgebildet hatte, machte er sich 1904 in München selbständig. Er arbeitet nach Guarneri del Gesü und Stradivan. König. Moritz. — New York. 1890. 1900 Schüler seines Oheims E. Wilhelm Neumärker. Koennemann, Adolf. — ■ Nordhausen a. H., Leipzig. Geb. 1851, t 3. Juli 1898 in Altona Ein tüchtiger Chemiker, dessen Liebhaberei für das Geigenmachen ihn veranlaßte, dem altitahenischen Geigenlack sein besonderes Studium zuzuv/enden. Nach jahrelangen Versuchen gelang es ihm tatsächlich, einen Lack herzustellen, der sich durch außergewöhn- liche Geschmeidigkeit und Feuer auszeichnete und bei der Anwendung die Probe trefflich bestand. Von allen, die sich mit der praktischen Lösung dieses Problems beschäftigten, erzielte er vielleicht die besten Er- gebnisse, Köpf f, Hans. — Füssen. 1606. 1612 Er kommt im Jahre 1606 als Mitbegründer der Lauten- macherzunft vor und dürfte damals der jüngste Meister gewesen sein. Kopf (Köpff), Hans. — Füssen. 1606. 1612 Bürger und Lautenmacher. Er soll besonders schöne Schnitzarbeiten ausgeführt haben, darunter auch reichverzierte Gewehrschäfte. Vielleicht trug ihm diese Beschäftigung den Beinamen »Büchsenmeister* ein. Möglicherweise hat er aber wirklich der Stadt als Büchsenmeister (Artillerist) gedient. Köpff, Peter. — München. 1644. 1665 Er ist wahrscheinlich aus Füssen eingewandert und stand als Lautenmacher in hohem Ansehen und wurde viel beschäftigt. Seine Arbeit ist geschmackvoll und sorgfältig, aus edlen Hölzern usw. hergestellt und meist auch mit kunstvollen Verzierungen versehen. Seine Tochter Anna Maria gab er dem Lautenmacher Lorenz Hollmayr, der aus Wien als Geselle zu ihm ge- kommen war, im Jahre 1659 zur Frau, und dieser erbte wohl später auch seine Werkstatt. Sein Todesjahr ist noch nicht ermittelt, doch soll er 1665 noch gelebt haben. Eine Laute von ihm aus dem Jahre 1647 be- findet sich im städtischen Museum Carohno-Augu- steum in Salzburg. Auf seinen Zetteln erscheint sein Name manchmal auch »Khöpff« geschrieben. Seine Zettel sind mit Holztypen gedruckt. Geigenzettel : Peter Köpff / Lauten macher / in Min- chen Anno 1644. (gedruckt). Koppe, Friedrich. — Tangermünde. 1815 In den Tangermünder Geburtslisten wird er als Instru- mentenmacher bezeichnet. Geigen von ihm habe ich nicht kennengelernt. Körner, August, lebt als Geigenmacher in Brunndöbra Koerner, Johann Christian. — Klingenthal. 1747. 1776 Er kommt im Innungskassenbuch in der Zeit zwischen 1747 und 1776 als Geigenmachermeister vor. Köttlng, Werner. — Köln a. Rh. 17. oder 18. Jahrhundert Dieser Name findet sich in einer Laute des Darm- städter Museums (Nr. 484). Koeuppers s. Cuypers Kofier, Josef. — Mittenwald. 1883. 1914 Er war nach Kriners Abgang ein Jahr lang als Lehrer an der Mittenwalder Geigenmacherschule tätig und ist weiter nicht hervorgetreten, da er sich darauf be- schränkte, Geigenkörper für die »Verleger« zu machen. Kohanyi, Karl. — Weißkirchen (Fehertem- plom). f 1889 in Budapest Ein Zeichenlehrer, der sich nach Dr. J. Geyer mit einigem Erfolg als Geigenmacher versuchte, Kohl Koliker 267 Kohl. — Steingrub b. E. Als Geigenmacher aus dieser Familie sind gegenwärtig tätig: Kohl, Erdmann Kohl, Franz, war von 1886 — 1902 in Lieb- werda ansässig und siedelte später nach Außig i. B. über Seine Geigen sind recht gut, ebenso der schöne rote Lack. Geigenzettel: Franz Kohl i. Liebwerda / bei Reichen- berg in Böhmen / 1893 erbaut (gedruckt). Kohl, Hugo Kohl (Koll), Hans. — München. 1560. f nach 1599 Ein seinerzeit berühmter Lautenmacher, der im Dienste des bayrischen Hofes stand. In den Hofzahl- amtsrechnungen (Kreisarchiv München) ist er vom Weihnachtsquatember 1573 bis zum ersten Quartal 1599 nachweisbar und ist, wie es dort heißt, »hernach gestorben«. Vom Hofe wurde er vorzugsweise in den Jahren 1580—1583 beschäftigt. Um die Preisverhäit- nisse seiner Zeit anzudeuten, sei nebenbei erwähnt, daß er für eine Diskantgeige aus »Kronewiten Holtz« (Wacholderholz) und für das Besaiten und Zurichten von vier Violen aus Zypressenholz 14 Gulden 15 Pfg. erhielt, und daß ihm eine Laute vom Hofe gewöhnlich mit zwei Gulden und höchstens fünf Gulden bezahlt wurde. Vgl. Westenrieder, Beitr. III. S. 73, 75 u. 118 und Sandberger, Beitr. S. 1 1 . Kohlbacher, Michael. — Schönbach. 1894 Er arbeitete mit Geschick und peinlicher Sauberkeit und war ein tüchtiger Lehrmeister, konnte aber das Sitzen an der Hobelbank nicht vertragen. Er gab daher das Geigenmachen bald auf — und wurde Schutz- mann zunächst in Wildstein bei Eger, dann in Karlsbad. Kohnemann, Diedrich. — Harsum bei Hildes- heim. Geb. 22. Febr. 1798 in Harsum Sohn des Musikers Conrad K. und der Constantia geb. Kinkleeb. Er war selbst Musiker und Geigenmacher und hat recht sauber nach einem Nie. Amatimodell ge- arbeitet. Eine Violine von ihm, die sich in Köln im Privatbesitz befindet, kommt beinahe Widhalm nahe, nur der Lack ist weniger gut. Geigenzettel: Diedrich Kohnemann / in Harsum / bei Hildesheim / Anno 18 . . (gedruckt). Kok, Gerrit. — Amsterdam. Geb. 4. Dez. 1828 Schüler von L. Bernardel und Mitbegründer der am 6. März 1848 errichteten, angesehenen Firma Gebr. Kok. Wie sein Bruder hauptsächlich als Kenner und Reparateur hervorgetreten. Kok, Johann Warnaar. — Amsterdam. Geb. 6. Nov. 1819, t 17. Okt. 1889 Schüler von Heims und L. Bernardel in Amsterdam. Gründete mit seinem Bruder Gerrit K. am 6. März 1848 die Firma Gebr. Kok; er war hauptsächlich Re- parateur und Händler; die Brüder dürften im Laufe der Jahre nur 50 — 60 Geigen gebaut haben, die aber sehr gelobt werden. Kolb, Hanss. — Ingolstadt. 1666 Er wird wiederholt als Lautenmacher erwähnt und ge- rühmt, doch gelang es nicht, etwas Sicheres über ihn zu erfahren oder Arbeiten von ihm nachzuweisen. Ich vermute, daß er aus Füssen stammte, wo eine Familie Kolb schon in alter Zeit vorkommt. Kolb (Kölb), Nikolaus.— (Mark)Neukirchen. 1678 Er war in Schöneck geboren und wurde am 22. Nov. 1678 in Neukirchen als Geigenmacher in die Zunft aufgenommen. Kolditz, Jakob. — Rumburg. Geb. um 1718, t 26. Okt. 1796 Er galt als trefflicher Geigenmacher und wohnte im Hause Nr. 22 in der Königstraße, wo er auch starb. Seine Violen sind besonders gut; in seinen Geigen nähert er sich der Prager Schule, weicht aber in charak- teristischen Einzelheiten von dieser ab. Eine fünf- saitige Viola befindet sich in W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln. In der Mitte seines Zettels findet sich als Emblem eine Geige und eine Laute. (Die Familie Kolditz war von altem böhmischen Adel.) Geigenzettel: Jacob Kolditz me fecit / Rumburgiae 17 . . (gedruckt). Kolditz (Koldiz), Matthias Johann. — Mün- chen. 1733. 1760 In seiner Arbeit steht er Alletsee nahe, weicht jedoch in den Modellen merklich von ihm ab und ist zweifellos aus einer anderen Schule hervorgegangen. Daß er aus Tirol gekommen sei, wie behauptet wird, ist durchaus unwahrscheinlich, es sei denn, daß er sich dort vor seiner Übersiedelung nach München vorübergehend aufgehalten hat. Sein Modell ist schlank, weniger hoch- gewölbt als damals in Deutschland üblich, auch die Zargen sind von geringerer Höhe. Eine Viola von ihm kenne ich, deren Zargen mehrfach geschweift sind (Länge 65 cm). Sein Holz ist sehr gut; die Schnitze- reien am Wirbelkasten sind sehr geschickt ausgeführt. In seinen Violoncelli wich er häufig von den üblichen Größenverhältnissen ab und bevorzugte besonders große Modelle; außer den F-Löchern brachte er auch öfter unter dem Griffbrett noch ein besonderes, ge- schnitztes Schalloch (Rosette) an. Eine schöne Violine von 1750 besitzt Aug. Leop. Saß in Stettin. Geigenzettel: Mathias loannes / Koldiz / Lauten und Gei- / genmacher in München 1739 (gedruckt) und Abb. 452. Koliker, Jean Gabriel. — Paris. 1783. 1820 Er war wahrscheinlich ein Schweizer und wohnte bis 1799 in der Rue des Fosses-Saint-Germain-des-Pres, seit 1800 in der Rue Croix des Petits-Champs Nr. 24 und war ein außerordentlich geschickter Reparateur. 268 Koll — Krämling Das Anschäften der Schnecken, Zurichten des Stegs, Stellen der Stimme usw. verstand er wie kein anderer; er führte die schwierigsten Reparaturen mit unglaub- licher Sorgfalt aus; es ist aber nicht bekannt, daß er sich auch im Neubau versuchte. Von Bedeutung war er auch als Händler und hatte Beziehungen zu dem Sammel- genie Tansio. Hart rechnete ihn ohne nähere Angabe von Gründen zur deutschen Schule ; dem Namen nach dürfte er allerdings von deutscher Abstammung ge- wesen sein. Sein Geschäft übernahm 1820 Ch. F. Gemd. Koll, Hans s. Kohl Kollitz, Alois, lebt in Rothau bei Graslitz und macht Geigen und Geigenbestandteile Kolowratnik, Johann. — Glatz i. Schi. Geboren um 1851 in Negnarow, ließ sich im Jahre 1879 in Glatz als Instrumentenmacher nieder. Komäromi & Toth s. Toth, Janos (Johann) Konsahk, Edmund. — Jena. Geb. in Jena 1 838 Sein 1834 aus Ratibor nach Jena eingewanderter Vater war der Schwiegersohn von Jakob Aug. Otto ; Konsalik ist also der Enkel dieses verdienstvollen Geigen- machers. Lr selbst hat einige gute Geigen nach Otto- schen Traditionen gemacht, ist aber hauptsächlich als Reparateur tätig gewesen. Geigenzettel : Abb. 424. Konwahnka, Jos. W. — Mason City, Iowa Er war ursprünglich Büchsenmacher und hat jetzt ein Geigengeschäft. Kop, Johann. — Hamburg. 1660 Er war der Sohn eines Hamburger Bürgers und wird ausdrücklich als Lautenm.acher bezeichnet. Laut dem die Jahre 1629 — 1693 umfassenden Bürgerbuche hat auch er am 20. Januar 1 660 das Hamburger Bürger- recht erworben. Kopeke, Andreas. — Lübeck. 1531 Über ihn findet sich nur im Marien-Wochenbuche von 1531 die Bemerkung: »Andreas Kopeke, ein Luten- maker in der Hundestraten, vor eyn szarck syneme vater .... 1 M. 2 Seh. Kopf, Hans s. Köpff Kopp, John. — Cincinnati. 1896 Erfinder einer Geige mit abnehmbarer Decke. Korin, Johannes. — Kiew. 1868. 1890 Ein geschickter Geigenmacher, der als Reparateur seiner Zeit geschätzt war. Er ergab sich jedoch dem Trunk und beendete schließlich um 1890 sein Leben durch eigene Hand. Kort, A. de. — 's Hertogenbosch. 1845. 1848 Unbedeutender holländischer Geigenmacher. Geigenzettel: A. DE KORT / te's Bosch/ 1848. (ge- druckt). — Gerepareerd door / A. DE KORT / te's Bosch / 1845. (gedruckt). Korth s. Karg (Karp) Kosatka, Adolph. — Preig. Kgl. Weinberge. Geb. 1834 in Mrac, f 19. Nov. 1883 Ein Joseph Kosatka arbeitete bei Fr. Lehner. Koßler (Kosler), Ferdinand Andreas. — Re- gensburg. 1770. 1776 War jedenfalls ein Schüler Buchstetters, dessen Ar- beiten er genau kopierte. Er machte wie dieser Geigen, Violen, Violoncelli und Bässe, die denen seines Lehrers ziemlich nahekommen. Geigenzettel : Ferdinandus Andreas Koßler / fecit . Ratisbonae. An. 1775 (gedruckt). NB. auch: »a Ratis- bonae«. Kostrzewski, Jacobus. — Lemberg. 1770. 1802 Ein polnischer Geigenmacher, von dem in der Wiener Musik- und Theater-Ausstellung verdienstvolle Ar- beiten zu sehen waren. Häufiger als selbstgefertigte Arbeiten kommen Reparaturen von ihm vor. Geigenzettel : Jacobus Kostrzewski / reparavit Leopoli. Die / 10 Januar. Anno 1770 (gedruckt). Koutny, Peter. — Olmütz. 1871. f 26. Aug. 1885 Johann Tichys Nachfolger und vielleicht auch dessen Schüler. Er war Instrumentenmacher, besserte allerlei Musikinstrumente aus, auch viele Geigen, hat aber keine neuen gemacht. Ein Johann Koutny war Schüler von Wenz. Tichy. Kovaci6, T. — Agram. 1900. 1903 Kroatischer Lautenmacher der Gegenwart, der haupt- sächlich die Tamburica herstellt und darin Aner- kennenswertes leistet. Kovacs, Koloman. — Klausenburg. Geb. 1865 Er lernte bei Adolf Mönnig und ließ sich als Geigen- macher in Klaiisenburg nieder. Kowansky, Wenzel, gen. der böhmische Wenzel Von ihm befand sich in der k. k. Schatzkammer in Wien eine Violine, deren Wirbelkasten ein Elfenbein- köpfchen mit schwarzer Perücke und Haarbeutel zeigt. Der Bogen ist von Elfenbein und Schildpatt. Die Geige wurde von Maria Theresia im Jahre 1 749 angeblich um 300 Dukaten gekauft. Jetzt ist sie der Sammlung alter Musikinstr. in Wien einverleibt. — Prof. Tiede- mann in Wiesbaden besitzt eine Violine, die unter dem Griffbrett einen Brandstempel trägt, von dem die Buchstaben KOV . . . noch sicher zu lesen sind. Es wäre daher nicht ganz ausgeschlossen, daß auch diese Violine ein Werk des »böh."iischen Wenzel« oder eines seiner Nachkommen ist. Krämling, Ernst, lebte um 1895 als Geigen- macher in Fleissen und Jetzt in Steingrubb. E. Kraft — Krampera 269 Kraft, Mathias Per (Petter). — Stockholm. Geb. in Gävle 14. Juni 1753, f in Stockholm 9. Juli 1807 Der bedeutendste schwedische Instrumentenmacher seiner Zeit. Er war der Sohn eines Tischlers, bei dem er wohl zuerst gelernt hatte, kam dann zu dem Klavier- macher Pehr Lundborg in Stockholm, der auch Lauten baute. Um 1778 machte er sich selbständig und war zwei Jahre später bereits Hofinstrumentenmacher und erlangte 1788 das Bürgerrecht. Seine Geigen, die nur vereinzelt vorkommen, sind nicht besonders gut, besser dagegen seine Lauten. Später verlegte er sich mehr auf den Harfenbau, und von 1800 an machte er auch Klavierinstrumente^). Eine 13- und eine 15saitige Theorbe und eine Nagelharfe besitzt Generalkonsul Claudius in Malmö;in der Sammlung Hammer waren vier Theorben von ihm ; eine befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln, andere in den Museen zu Gothenburg, Kopenhagen, Christiania, eine Zither aus dem Besitze des Dichters Bellmann (von 1781) und eine Harfe von 1785 u.a. ist im Musik- historischen Museum in Stockholm. Eine schwedische Theorbe von ihm vom Jahre 1806 mit einem Hebel- mechanismus, um die Begleitsaiten im Ton erhöhen zu können, befindet sich im Bachhaus zu Eisenach [Nr. 71]^). Er verwendete dreierlei Zettel, von denen einer eirund umrahmt ist, der zweite eine Rokoko- vignette zeigt, auf der man neben allegorischem Bei- werk nur eine Laute und eine Harfe — wohl seine Spezialität — abgebildet sieht. — Er war zu einem an- sehnlichen Wohlstand gekommen, war em Bücher- freund und hinterließ schließlich sein Vermögen zur Errichtung der heute noch bestehenden Krafft sehen Schule für unbemittelte Bürgerskmder. Geigenzettel : Matth. Pett. Kraft Kongl. Hof / Instru- ment Makare Stock- / holm. Ao 1781 / No 39 (ge- druckt) und Abb. 414. Krahl, Albert Oskar. — Meerane i. S. Geb. 1877 in Erfurt Schüler von Beyer, bei dem er von 1891 — 1898 blieb. Nach Beendigung seiner Militärzeit arbeitete er noch- mals bei seinem früheren Lehrmeister und ging 1902 nach Meerane, wo er sich selbständig machte und das Geschäft des verstorbenen F. Goth übernahm, dessen Witwe er geheiratet hatte. Kram, Andreas Ernst. — Nürnberg. 1760. 1783 Zithern- und Lautenmacher; Geigen sind mir nicht von ihm bekannt geworden. Seine Arbeit ist gut, aber nicht hervorragend. Seine Zettel sind durchweg ge- ^) Um für seinen Klavierbau Tischlergesellen ein- stellen zu können, erwarb er 1798 die Mitgliedschaft der Tischlerzunft. ^) Eine reichhaltige Liste erhaltener Arbeiten von ihm teilt Hedwig Boivie in ihrem mehrfach erwähnten Auf- satz mit. schrieben und daher sehr verschieden. Zwei Baß- zithern, davon eine 13chörig, in Berlin, staatl. Samm- lung alter Musikinstrumente Nr. 6 1 3 und 6 1 4. Ähnliche Instrumente befinden sich im Germanischen Museum in Nürnberg, im städtischen Museum m Braunschweig, in der Sammlung Snoeck und im städtischen histo- rischen Museum in Frankfurt a. M. und in der mittel- alterlichen Sammlung in Basel usw. Das letztgenannte Instrument erinnert in der Form an eine Theorbe und hat einen reichverzierten Dachstern mit gotischem Maßwerk. Geigenzettel: Andreas Ernestus Kram / in Nürnberg. Ao 1 760 (gedruckt). — Ernst Kram in / Nbg. Ann 1 764. (gedruckt). — Andreas Ernst Kram / Instrument Macher/ In Nürnberg An. 1781 (gedruckt). Krämer^ Heinrich. — Wien. 1680. 1718 Er wurde am 1 9. Mai 1 682 Wiener Bürger. Von ihm besitzt die Ges. d. Mus. -Fr. in Wien eine Viola di Bordone (Baryton Nr. 1) aus dem Jahre 1717. Wenn Valdrighi schreibt : »Kramer e ricercato come gli Stra- divari e i Guarneri pe' suoi violini; ma in Germania«, dann teilt er uns etwas ganz Neues mit, wovon man in Deutschland noch immer nichts weiß. Eine ganz ver- beinte Laute, aus dem Jahre 1715 reich graviert mit Ranken, Jagdszenen, musizierenden Putten und Orpheus usw. besaß Frhr. v. Lanna in Prag. Geigenzettel: Heinrich Kramer / Lautten- / und Geigenmacher in Wienn / 1715 (gedruckt). — Heinrich Kramer Lauten / und Geigenmacher, in ; Wienn. 1712 (Kupierst.). Krammer. — München. 18. Jahrhundert De Piccolellis erwähnt ihn zwar, doch scheint er ihn mit dem Wiener Meister zu verwechseln. Krammer, Johann. — Budweis. 1818. 1837 Schüler von Ant. Fischer und ein guter Musiker, der als Hautboist im k. k. vierten Feldartillerieregiment diente. Geigenzettel : Reparirt von / Joh. Krammer / Budweis 1829 (gedruckt). Krampera, Jakob. — Znaim (Znojmo). 1840. 1855 Sohn und Schüler von Jan Kr., nicht ohne Geschick, doch kein Künstler. Geigenzettel: Abb. 453. Krampera, Jan. — Znaim. 1820. 1839 Seine Geigen und Bässe sind nicht schlecht, aber ziem- lich gewöhnlich in der Ausführung. Er arbeitete nach Stradivari und verwendete einen altroten Lack, den er stark schattierte. Geigenzettel: Jan Krampera / bgl. Lauten- und Geigenmacher / in Znaim 1821 (geschrieben). ^) Krumer zu lesen, ist falsch. In .Archivalien wird er auch Kramber genannt. 270 Kranabetter — Kratz Kranabetter, Franz. — Klagenfurt. 1841 Er war in den vierziger Jahren in Klagenfurt ansässig und soll später nach Wien gezogen sein. Seine Geigen sind gut gearbeitet, aber nicht schön in der Form. Geigenzettel: Franz Kranabetter, bürgl. Geigen- und In- / strumentenmacher zu Klagenfurt 1841. (gedr.). Kranuch. — Augsburg. 1477 Ein Lautenmacher, dessen Name sich im Augsburger Steuerregister findet. Kranzer, Leopold. — St. Thomas am Blasen- stein. Geb. 15. Nov. 1797 in St. Thomas, t das. 28. April 1874 Er war der Sohn eines Häuslers und beschäftigte sich schon als Hirtenknabe mit allerlei Schnitzarbeiten. Vom alten Dorfschulmeister erhielt er gelegentlich eine zerbrochene Violine, die er zerlegte, um ihren Bau kennenzulernen, worauf er es versuchte, selbst eine Geige anzufertigen. Der Erfolg ermunterte ihn zu weiteren Versuchen, und bei seiner natürlichen Ver- anlagung brachte er es schließlich zu einer bemerkens- werten Fertigkeit. Er scheint dann zu Meinrad Frank nach Linz gekommen zu sein, dessen Arbeit er in bezug auf die Wölbung und das Holz oft genau nachahmte. Nur die Schnecke ist etwas kräftiger, der Lack farblos hellgelb. Er machte auch Violoncelli und Kontrabässe und verstand es, sich gutes Holz zu verschaffen. Es ist zweifellos, daß er wohl das Zeug dazu hatte, ein Künstler zu werden, nur fehlte ihm die rechte Lehre. So haftet denn auch vielen seiner Arbeiten, trotz ge- schickter Durchführung, manches Fehlerhafte an: er nahm die Wölbung oft auffallend hoch und machte sich wenig daraus, wenn die Jahre der Decken nicht parallel zur Mittellinie standen. Als Werkzeug bediente er sich fast ausschließlich eines gewöhnlichen Taschen- messers. Sein gleichnamiger Sohn hat in der Jugend auch einige Geigen gemacht, später aber einen anderen Beruf ergriffen. Geigenzettel : Leopold Kranzer / in St. Thomas am Blasenstein / im Mülilkreis 1842 (gedruckt). Kräsny(Krassny), Jakob. — Wien. 1839. 1858 Ein Geigenmacher böhmischer Abstammung, der 1839 in der Alservorstadt Nr. 251, 1858 Nr. 276 wohnte. Im Jahre 1839 stellte er in Wien vier Violinen aus, von denen eine aus Mahagoni-, eine andere aus ameri- kanischem Zedernholz war, ferner ein Violoncello, eine Gitarre und eine Harfe. Kraßnoschekow. — Moskau. 1858. 1863 Der beste russische Lautenmacher. Seine sechs- oder siebensaitigen Gitarren zeichneten sich durch gute Arbeit, guten Lack und besonders durch großen Ton aus und wurden ihm sehr gut bezahlt. Auch heute werden sie in Rußland noch sehr hoch geschätzt. Kratochvil, Franz. — Prag. 1704 Ein Geigenmacher, von dem bisher nur bekannt ist, daß er im Jahre 1 704, nachdem er früher schon be- schäftigt worden war, für den Chor der Kirche Sta. Maria de Lacu eine Geige geliefert hat, für die er 6 fl. damaliger Währung erhielt. Kratschmann, Johann. — Brunn, Wien, Znaim Geb. 1831, t 27. Febr. 1870 Sohn von Fr. Joseph Kr., dem er jedoch in keiner Weise gleichkam. Da er noch nicht 14 Jahre alt war, als sein Vater starb, war er hauptsächlich ein Schüler von Job. Künzl, der bei der Witwe Kratschmann als Gehilfe tätig war. Im Jahre 1850 siedelte er nach Brunn über und trat sein Geschäft im Jahre 1868 an Joh. Kliment ab. Er soll ein unglücklicher Mensch gewesen sein, der durch Selbstmord endigte. Kratschmann, Joseph (Franz Joseph). — Gras- litz, Reichenberg, Znaim, Brunn. 1 799. f um 1845 Er war mehr als Gitarren- und Zithermacher bekannt, hat aber auch recht gute Geigen gemacht, die jetzt meist als Werke anderer, berühmterer Geigenmacher im Verkehr sind. Er war ein unsteter Mensch, der nicht zu wirtschaften verstand, und wechselte oft seinen Wohnort. Die ältesten Jahreszahlen fand ich auf Geigen, die aus Graslitz datiert sind. Seine Arbeit hat aber nichts, was an die Geigen der Egerländer oder Vogt- länder erinnert. Am ehesten stimmt sein Modell mit dem des Wieners A. C. Leeb überein. Er liebte eine flache Wölbung und machte schön aufgeworfene Ränder. Das Deckenholz ist gewöhnlich breitjähng, die F-Löcher sind zu weit ausgeschnitten. Sein blaßgelber Lack ist zwar dünn aufgetragen, aber doch nicht schlecht. Außer seinen Zetteln brachte er auch in der Mitte des Bodens im Innern die Brandmarke »J. Kratschmann« an. Am längsten scheint er es in Znaim ausgehalten zu haben ; kurz vor seinem Tode siedelte er nach Brunn über, wo er im Jahre 1844 das Bürgerrecht erwarb. Nach seinem Tode führte die Witwe das Ge- schäft weiter, bis sein Sohn herangewachsen war. Geigenzettel: Joseph Kratschmann Violin- und / lauten-Macher in Graßlitz / Ano 1 799 (geschrieben). — Joseph Kratschmann Geigen / u. Guittar Macher in Reichenberg / Anno 1831 (gedruckt) und Abb. 422 und 423. Kratz, Jos. Eduard. — Montabaur. Geb. in Hillscheid (Rgb. Wiesbaden) 1864 Sohn und Schüler von Peter Paul Kratz. Begründete unter der väterlichen Firma im Jahre 1888 sein Ge- schäft in Metz und siedelte 1896 nach Montabaur über. Er arbeitet nach dem Stradivarimodell, wobei er die Wölbung nach einem eigenen Kreissystem herstellt. Sein Hauptstudium ist der alte Cremoneser Lack, und er ist nach vielfältigen, durch 10 Jahre fortgesetzten Untersuchungen der Ansicht, daß weder der übliche Ol- noch der Spirituslack dabei in Frage kommen können. Er wendet daher einen selbsterfundenen Lack an. Daß er ausübender Geiger ist, kommt ihm als Geigenmacher sehr zustatten. Er besitzt mehrere silberne Ausstellungsmedaillen. Geigenzettel: Jos. Ed. Kratz / Montabaur 19.. (ge- druckt). Kratz — K renn 271 Kratz, Peter Paul. — Hillscheid, Koblenz. Geb. 1825. t 1893 in Metz Schüler von Echinger in Würzburg, später von Lem- böck in Wien. Er ließ sich erst in Hillscheid, dann von 1 879 — 1 886 in Koblenz nieder ; zuletzt zog er zu seinem Sohne nach Metz. Ein tüchtiger Meister, der still wirkend sich namentlich als Reparateur Verdienste erworben hat. Kratzer (Khrazer), Matthias. — München. 1566 Von ihm Ist nur bekannt, daß er für Herzog Wilhelm eine Laute gebaut hat, und dafür 5 Gulden 5 ß erhielt. Kratzschmann s. auch Kratschmann, Kretzsch- mann Kraus, Anton Sein Name findet sich mit der Jahreszahl 1805 in einer Geige, die Innsbruck als Wohnort angibt. Die Geige hat aber einen so ausgesprochen vogtländischen Cha- rakter, daß ich glauben möchte, sie sei die Arbeit eines Markneukirchners (Joh. A. Krauß?) gewesen, der nur Innsbruck als Ursprungsort angegeben hat, wie viele andere Absam, Cremona usw. Kraus, Martin Johann. — Enns. 1804 (Der Name kann auch Knaus gelesen werden.) Seine Geigen sind leidlich gut gearbeitet, haben gutes Deckenholz, aber viel zu hohe Wölbung. Geigenzettel : Martin Joh. Kraus , Geigenmacher in Enns 1804. (gedruckt). Krausch, Georg Adam. — Wien. 1802. 1827 Seine Werkstatt befand sich in der Stadt Nr. 1121, und am 12. März 1802 legte er als Geigenmacher den Bürgereid ab. Er dürfte später nach Iglau übersiedelt sein, wo noch 1829 ein gleichnamiger Geigenmacher vorkommt. Seine Geigen sind gut gearbeitet. Die Wöl- bung ist mittelhoch und steigt gleich von der Einlage an empor, so daß die Hohlkehle besonders in den Mittel- bügeln sehr schmal erscheint. Sein gelber Lack ist recht gut. Arbeiten von ihm kommen selten vor. Geigenzettel: Georg Adam Krausch / in Iglau 1828 (gedruckt) und Abb. 447. Krauß, Hermann. — Erdmg, Landshut m Bayern. Geb. 23. Okt. 1868 in Markneu- kirchen Schüler von Herrn. Dölling sen. Als Gehilfe arbeitete er in Markneukirchen, dann bei Piegendorfer in Augs- burg, später bei A. Kriner in Freising, machte sich 1898 in Erding selbständig und siedelte ein Jahr später nach Landshut über. Er arbeitet nach Stradivari, verwendet gelben und weichselbraunen Lack und besitzt mehrere Medaillen. Er macht auch gute Mandolinen und Gitarren usw. — Ein Robert Kraus war Schüler von Aug. Ant. Reichel und verließ die Markneukirchner Fachschule mit Auszeichnung. Geigenzettel: Hermann Krauß / Streich- und Schlag- instrumenten Fabrikation / Landshut i. Bayern, (ge- druckt). Krauß (Kraus), Joh. Adam. — (Mark) Neu- kirchen. Geb. 14. Juni 1764, f 4. Febr. 1815 Guter Vogtländer Geigenmacher, Schwager des Geigenmachers Kessler und Urgroßvater (mütterl.) von Herm. Ad. Kessler in Wiesbaden. Geigenzettel: Abb. 410. Krawtschenko (Cravtchenko), Konstantin. — St. Petersburg. 1897 Ein ukrainischer Geiger, der eine stumme Violine für Übungszwecke erfunden hat, für die er in Rußland das Patent Nr. 4383 erhielt. Krebar, Giovanni. — Padua. 1629 Ein Lautenmacher dieses wahrscheinlich entstellten Namens wird zwar mehrfach erwähnt, es war jedoch nicht möglich, etwas Näheres zu erfahren. In der Sammlung Donald in London befindet sich eine Theorbe von ihm und von .Andrea Jansen, mit dem er vielleicht die Werkstatt teilte. Krebs, J. — Bonn. 1840. 1860 Er soll ursprünglich Musiker gewesen sein und be- schäftigte sich ausschließlich mit dem Ausbessern alter Geigen. Kreimbl, Mathias. — Kremsmünster. 1678 Die Benediktiner-Abtei Kremsmünster besitzt eine Laute von ihm mit der angegebenen Jahreszahl. Krell, Albert. — Cincinnati. Geb. 1832 in Kelbra, t 7. Jan. 1900 Sohn des Tischlermeisters Fr. Krell, ursprünglich Musiker, Schüler des Musikdirektors Wenge in Kelbra. Schon mit 16 Jahren ging er nach Amerika, wo er sich dem Geigenmachen zuwandte und dann bald Erfolge erzielte. Er ist neben den beiden älteren Gemünder und E. J. Albert der bekannteste amerikanische Geigen- macher seiner Zeit gewesen. Bekannt sind auch seine für Konzertmeister Henry Schradieck ausgeführten Versuche mit dem Holze der kanadischen Balsain- fichte. Seine Arbeit war allerdings nicht hervorragend, meistens zu dick im Holz und schwerfällig. Geigenzettel: Albert Krell / Maker/Cincinati. Ohio / — 1884 — (gedruckt). Krenn, Franz. — München. 1812. 1843 Als Geigenmacher war er unbedeutend, auch seine Reparaturen verraten keine Künstlerhand, doch ver- legte er sich frühzeitig auf das Verfertigen von Zithern und hatte hierin ziemlich viel Erfolg. Er wohnte in der Sendlingerstraße, wo er einen Kramladen hatte. Dabei nannte er sich »Saitenfabrikant« und soll ganz launige Verse gemacht haben. Eine Zither mit 1 1 Saiten von ihm besaß C. C. Snoeck. Im Musikhistorischen Mu- seum in Köln befinden sich sechs Zithern von ihm aus den Jahren 1832—1843. Sein Geschäft ging 1842 auf seinen Schwiegersohn G. Tiefenbrunner über. 272 Krentzner — Kretschmann Krentzner (Krenzner, Kreutzer), Johann Kas- par. — Salzburg. 1749. 1782 Sein Modell ist dem von Math. Thir sehr ähnlich, die Arbeit aber weniger sorgfältig. Eine Gitarre von eigen- tümlicher Form vom Jahre 1749 und eme Geige von ihm befinden sich im städtischen Museum Carolmo- Augusteum in Salzburg. Eine Viohne besitzt em Lehrer in Admont. (Vgl. Kreutzer.) Geigenzettel : Johann Kaspar Krentzner / Lauten und Geigenmacher in Salzburg / 1749 (gedruckt). Krepelka, Josef. — Jihlava (Iglau), 1833 Ein Instrumentenmacher von bescheidener Geschick- lichkeit. Besser als seine Geigen sind seine Gitarren. Geigenzettel : Abb. 409. Kresser, Michel s. Michel Schmid Kreßnik, Dr. Franz. — Fiume. 1910 Ein Arzt und tüchtiger Geiger, der sich viel mit Lack- versuchen und dem Studium des Geigenholzes be- schäftigt hat und jetzt mit Hilfe eines geschickten Ar- beiters Geigen nach Jos. Guarnen baut. Er hat em lateinisches Rezeptbuch des 1 7. Jahrhunderts aufge- funden, nach dem er semen Lack bereitet. Die Holz- stärken berechnet er jeweils nach dem Holze und macht zu seinen Geigen, die übrigens in der Decke zu dünn erscheinen, erst Gipsmodelle. Kretzschmann (Kratzschmann). — Markneu- kirchen Aus dieser Familie gingen sehr viele Geigenmacher her- vor, und zwar: Kretzschmann, Christian Gottfried I. — Geb. 23. Nov. 1773, 18. April 1842(?) In seinen jüngeren Jahren versuchte er sich als selb- ständiger Meister, später geriet er jedoch in die Ab- hängigkeit der Händler und verwendete seine Zettel nicht mehr. Die von ihm noch selbständig gebauten Geigen tragen die Brandmarke C --K G -.\i K, sind nicht schlecht im Ton, sonst aber von gewöhnlicher Vogtländer Arbeit und haben einen unscheinbaren Lack. Brandmarke Nr. 12. Kretzschmann, Christian Gottfried II. — Geb. 3.Juh 1780, t9.Jum 1832 Kretzschmann, Christian Gottfried III. — Geb. 2.Juh 1782, t26.Ckt. 1822 Kretzschmann, Christian Gottlob. — Geb. 23. März 181I,t22.Dez. 1853 Kretzschmann, Ernst August. — Geb. 19. Jan. 1859, war lange in Ungarn und ist ein ge- wandter Imitator Kretzschmann, Carl Friedrich I. 28. Dez. 1755, t 10. Febr. 1837 — Geb. Kretzschmann, Ernst Hermann. 26. Mai 1870 Geb. Sohn und Schüler von Hans Adam Kr. und dessen Nachfolger. Nach dem Kirchenbuche wurde er 82 Jahre und 18 Tage alt, was mit dem Geburts- und Todesdatuin allerdings nicht ganz stimmt. Kretzschmann, Carl Friedrich II. — Geb. 26. Sept. 1781, t 23. Juli 1850 Er war ein Bruder von Joh. Georg II Kr. Die Arbeiten beider sind sich so ähnlich, daß man annehmen kann, daß sie den gleichen Lehrmeister (vielleicht den Vater) gehabt und auch zusammen gearbeitet haben. Kretzschmann, Carl Richard. — Geb. 6. Mai 1860, t 19. Nov. 1895 Sohn, Schüler und Nachfolger von Wilh. Jul. Kr. Ein tüchtiger Geigenmacher, der zu den schönsten Hoff- nungen berechtigte. Kretzschmann, Carl Wilhelm I. — Geb. 7. Dez. 1807, t 25. Dez. 1872 Kretzschmann, Carl Wilhelm II. — Geb. 27. Okt. 1830, f 16. Nov. 1865 Kretzschmann, Friedrich Wilhelm. — Geb. 26. Dez. 1803, t? Kretzschmann, Georg Carl. — Geb. 1702, t4.0kt. 1783 Er dürfte aus Wohlhausen gekommen sein und gilt als der Stammvater der Familie. Er wurde am 20. Mai 1 723 Meister und war einer der besten Geigenmacher seiner Zeit in Markneukirchen. Er war Bürger und gehörte 1766 und 1769 auch dem Zunftrate an. In Urkunden wird sein Name auch Krezschmann und selbst Krezschmar geschrieben. Er starb 80 Jahre 9 Monate und 13 Tage alt. Eine Viola d'amore von ihm aus dem Jahre 1739 besaß nach dem Inventar von 1773 die ehe- malige Cöthener Hofkapelle. Geigenzettel: Georg Carl Kretzschmann / Violir- macher in Neukirchen / 1 769. (gedruckt). Kretzschmann, Hans Adam. — Geb. in Wohl- hausen 15. Juni 1716. t 22. Juni 1771 Vielleicht ein Bruder von Georg Carl Kr. Von ihm heißt es im Neukirchener Zunftbuch ausdrücklich, daß er aus Wohlhausen stammte, weshalb er als »Fremder« 30 Taler bezahlen und 1 Tonne Bier stiften mußte, als er am 2. Januar 1 738 Meister wurde. Kretzschmann, Hans Georg I. — Geb. um 1715. 1739 Er wurde am 20. Mai 1 739 als Meister in die Zunft auf- genommen und heiratete die jüngste Tochter von Johann Martin Schönfelder. Kretzschmann — Kreutner 273 Kretzschmann, Hans Georg II. — Geb. 1737, Kretzschmann, Wilhelm Julius. t 6. Juli 1 773 28. Nov. 1 832, f 8. Okt. 1 894 Geb. Sohn und Schüler von Hans Adam Kr. Er wurde am 2. Juni 1762 in die Zunft als Meister aufgenommen. Kretzschmann, Hans Georg III. — Geb. 1740, t 4. Febr. 1813 Vielleicht ein Schüler eines Ficker. Auf seinen Zetteln wird in sinnlosem Latein Cremona als Ursprungsort angegeben. Er wurde 72 Jahre 7 Monate und 8 Tage alt. Kretzschmann, Hemrich Alexander. — Geb. 20. Juli 1872. Bruder von Ernst Herm. K. Kretzschmann, Heinrich Ferdinand. — Geb. 30. Jan. 1848 Kretzschmann (Kretschmar), Johann Adam I. — Geb. 27. Sept. 1750, t 21. Febr. 1796 Sohn von Hans Adam K. — Er wurde m semem 1 9. Jahre Landrekrut, bewarb sich aber trotzdem mit Erlaubnis seines Hauptmanns um Aufnahme in die Zunft, die ihm auch gebührenfrei gewährt wurde. Er verfertigte das übliche Meisterstück und wurde am 7. August 1769 Meister. Ihm soll der nachstehende Zettel mit fmgiertem Ursprungsort gehören. Geigenzettel : Joh. Kretschmar / Lauten und Geigen- macher / m Prag, (geschrieben). Kretzschmann, Johann Adam II. — Geb. 23. März 1772, f 3. Dez. 1822. Bruder von Joh. Georg K. Kretzschmann, Johann Georg I. — Geb. 27.JuH 1767, t 15.JuH 1811 Kretzschmann, Johann Georg II. — Geb. 22. Juni 1783, t 5. Febr. 1831 Kretzschmann, Johann Gottfried I. — Geb. 1731, t 2. Dez. 1783 Sohn und Schüler von Georg Carl Kr. Er wurde am 7. Juni 1751 Meister und erreichte ein Alter von 52 Jahren 10 Monaten und 20 Tagen. Kretzschmann, Johann Gottfried II. — Geb. 1744, t 10. Juni 1809 Sohn und Schüler von Hans Adam I Kr. Nach Er- füllung aller Vorschriften und Anfertigung eines Mei- sterstückes wurde er am 21 . Mai 1 766 als Meister in die Zunft aufgenommen. Kretzschmann, Johann Gottfried III. — Geb. um 1739. 1745 Sohn und Schüler von Hans Georg I Kr. Nachdem er alle Vorschriften erfüllt und zwei tadellose, eingelegte Violinen als Meisterstück angefertigt hatte, wurde er am 1 0. Juni 1 767 als Meister in die Zunft aufgenommen. V. Lütgcndorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. 11 Ein sehr tüchtiger Arbeiter, der als Obermeister der Geigenmacherinnung in großem Ansehen stand. Kretzschmar, Carl Friedrich. — (Mark) Neu- kirchen. Geb. 1737, f 2. April 1773 Er war ein Sohn des Ratsschreibers Gottfried Kretzsch- mar, der wie sein Vater Kornelius Kr. lange Jahre bei der Neukirchener Geigenmacherzunft von Rats wegen als Obmann wirkte. In Anbetracht dieses Umstandes wurden ihm, als er am 6. Juni 1759 als Meister in die Zunft eintrat, die Gebühren wie einem Meistersohn ermäßigt. Es mag als ein Beweis gelten, wie blühend damals die Geigenmacherei im Vogtlande war, daß selbst ein Beamter des Rats seinen eigenen Sohn Geigen- macher werden ließ, während der andere (Johann Gottfr. Kr.) sein Nachfolger als Obmann und Rats- deputierter wurde. Carl Friedr. Kr. war sehr talentvoll, starb aber schon 36 Jahre und 8 Tage alt. — Ein Emanuel Kr. lebte im 19. Jahrhundert in Karlsbad. Kretzschmar, Georg. — Dresden. 1574. 1588 In einem sächsischen Musikinstrumenten-Inventar von 1593 (mitgeteilt von M. Fürstenau in den Mitt. d. Kgl. s. Alt.-Ver. 1872) wird unter Nr. 26 ein »Geigen- instrument so George Kretzschmar gemacht* aufge- führt. Kretzschmar war Orgelbauer und Instrumenten- macher von einigem Ruf. Das »Geigeninstrument« dürfte, wie auch Fürstenau vermutet, ein Vorläufer des Heydenschen »Geigenwerks« gewesen sein. Im Jahre 1574 machte er eine Orgel für die Schloßkirche in Annaberg, für die er 200 fl. erhielt. Eine andere Orgel machte er 1587 für die Schloßkirche in Freiberg; für diese erhielt er 250 Taler. Kretzschmar, Gebrüder. — Markneukirchen. 1920 Musikinstrumentenfirma, deren Inhaber der Geigen- bauer Carl August Kretzschmar und der Lauten- macher Richard Otto Kretzschmar sind. Kreul. — Brambach 1. S. 1910 Guter Bogenmacher. Kreul, Ernst. — Fleissen, Markneukirchen. 1910. 1920 Ein Geigenmacher, der seine Werkstatt von Fleissen nach Markneukirchen verlegte. Ein anderer Ernst Kreul bestand im Jahre 1 920 die Geigenmachermeister- prüfung. Kreutner, Simon. — Niederhart (Hart), Ziller- tal. Geb. 26. Okt. 1846 in Hart Ein sog. »Tausendkünstler«, wie es manche in länd- lichen Tiroler Gemeinden gibt. Als Bauernsohn ar- beitete er im väterlichen Hofe und versuchte sich früh- zeitig in allerlei Handfertigkeiten, Tischlerei usw. Schon in seinem 1 7. Jahre reparierte er mit Geschick Zithern, Gitarren und Geigen und begann schließlich 18 274 Kreutzer — Krichbaum neue Instrumente zu machen, deren gutes Aussehen und schöner Ton von Musikern gelobt wird. Er hat eine seltene Handgeschicklichkeit und ist ein findiger Kopf, richtete eine Lodenspinnerei ein usw. und blieb dabei doch sehr arm, da ihm ein Gönner fehlte, der seme autodidaktisch erworbenen Fertigkeiten richtig einge- schätzt hätte. Er ist ein guter Holzkenner, hat Ge- schmack und versteht sich auch gut auf das Lackieren. Nach Dr. F. Waldners Mitteilung befindet sich in der im Ferdinandeum zu Innsbruck aufbewahrten Geige von ihm der nebenstehende Zettel : Simon Kreutner in Hart / Post Fügen in Tirol 1905. (geschrieben). Kreutzer (Krentzer, Krentzner?), Johann Kaspar. - Salzburg. 1749. 1782 Das Museum Carolino-Augusteum in Salzburg be- wahrt eine Geige aus dem Jahre 1782 von ihm. Kreuzlnger. — Schönbach b. E. Als Geigenmacher gehören dieser Familie an : Kreuzinger, Andreas, war schon 1826 Innungs- meister. Er galt als guter Geigenmacher. Kreuzinger, Anton I. — Schönbach. Geb. 1840, t 1885 Sohn von Franz Kr. und wohl auch dessen Schüler. Arbeitete hauptsächlich für Händler. Kreuzinger, Anton IL — Znaim. Geb. 1 . Okt. 1873 in Schönbach Tüchtiger Schüler seines Bruders Joseph II Kr., arbeitete als Gehilfe bei Th. Heberlein, Lülsdorff usw. und schließlich in Wien bei Zach und Gutermann. Im Jahre 1903 machte er sich selbständig und übernahm die Werkstatt seines Oheims Johann Künzl. Er hat ein eigenes Modell, das in den Umrissen auf Stradivari zu- rückgeht, nur nimmt er die Brust schmäler und macht dafür eine höhere Wölbung, um die Bogenf dhrung zu erleichtern. Er verwendet einen orangeroten weichen Öllack von guten Eigenschaften. Daß er selbst ein guter Musiker ist, kommt ihm natürlicherweise sehr zu- statten. Er ist ein besonders strebsamer Meister und un- ablässig bemüht, das höchste Ziel zu erreichen. Seine Arbeit ist tadellos, der Ton sehr gut. Geigenzettel : A. Kreuzinger Gei- / genmacher Znaim / Fecit 1909 A. K. (gedruckt) und Abb. 455. Kreuzinger, Franz. — Geb. 1795, f 1882 Ein geschickter Geigenmacher. Kreuzinger, Joseph I. — Geb. 1834, f 1882 Sohn von Franz Kr. Schüler von Joseph Heinzmann, bei dem er das Geigenmachen von Grund auf erlernte. Nachdem er seine achtjährige Militärdienstzeit über- standen hatte, machte er sich im Jahre 1864 selbständig. Da zu jener Zeit die Arbeitsteilung in Schönbach noch nicht so entwickelt war, wie heute, machte er alles an seinen Geigen selbst. Seine Arbeiten waren gediegen und verrieten Talent und feines Verständnis, aber er fand für seine Geigen keinen Absatz, und so kam er, kränklich geworden, in die Zwangslage, sich darauf zu beschränken, Bestandteile und weiße Geigen für fremde Geigenmacher anzufertigen. Kreuzinger, Josef II. — Geb. 1871 Sohn von Josef I Kr. Schon als 10 jähriger Knabe erlernte er am Krankenbett seines Vaters das An- fertigen von Geigendecken und -Böden und trieb da- neben eifrige Musikstudien. Mit 13\/, Jahren kam er zu Johann Flacht in die Lehre. Als Gehilfe arbeitete er bei Schaller und dann als Heimarbeiter für die ersten Geigenmacher in Schönbach und Markneukirchen. Als tüchtiger Violinspieler diente er bei der Militärmusik und kam mit seinem Regiment nach Wien, wo er die Gelegenheit, sich als Geigenmacher weiter auszubilden, fleißig benutzte. Im Jahre 1 896 begründete er in Schön- bach sein eigenes Geschäft. Er machte seitdem wieder- holt größere Studienreisen durch Deutschland, Öster- reich-Ungarn usw., sowohl um die alten Meisterwerke, als auch die Arbeiten der besten jetzt lebenden Geigen- macher kennenzulernen. Seine Streichinstrumente sind sorgfältig gearbeitet und tadellos im Holz und im Ton. Er verwendet Spiritus- und Öllack und besitzt von allen Ausstellungen, die er beschickte, Auszeich- nungen. Er macht hauptsächlich Geigen und Violon- celli (und auch Geigenkörper) und schnitzt bei besseren Instrumenten die Schnecken selbst. Die Arbeiten, die er für Händler anfertigt, muß er (wie auch andere) ohne Zettel abliefern, da diese ihre Namen als Selbstver- fertiger hineinkleben. Bessere Instrumente von ihm tragen jedoch neben der Angabe des Modells seinen Namen als Nachahmer. Seit 1907 ist er Vorsteher der etwa 800 Mitglieder zählenden Genossenschaft. Auch ist er ein guter Holzkenner. Kreuzinger, Wenzel I. — Schönbach. Geb. 1844, t ? Sohn von Franz Kr. Ein talentvoller Geigenmacher, der aber schon während seiner Militärdienstzeit starb. Kreuzinger, Wenzel II. — Schönbach. Geb. um 1868 Er gehört einer anderen Linie der Familie Kr. an und ist noch als Geigenmacher tätig. Krichbaum (Kriechbaum), Johann Carl. — Prag, Wien. 1760. 1787 Wohl aus Steiermark eingewandert. Nach 1772 kommt er in Prag nicht mehr vor. Er siedelte nach Wien über, wo er als »vorhin gewester Schutzverwanter« am 20. Juni 1778 den Bürgereid leistete und von 1779 bis 1 787 in den Steuerbüchern vorkommt. Er wohnte dort als »Lauten- und Geigenmacher« im Schottenviertel, Altlerchenfeld Nr. 79, und war als kunstfertiger Mann geachtet. Seine Wiener Zettel haben den gleichen Wort- laut wie seine Prager, da er die gleichen benutzte und nur über »Prag(ae)« von nun an »Vienn(ae)« klebte. Er scheint übrigens auch in Wien nicht bis an seih Lebens- ende geblieben zu sein. Geigenzettel: Joannes Carolus Krichbaum / fecit Pragae 1760 (gedruckt) und Abb. 401 und 417. II Krieb — Kriner 275 Krieb(Kriel?). —Dannenberg (Hannover). 1850 Wahrscheinlich ein Musiker, der an Geigen henim- gefhckt hat. Krieg, Johannes. — Prag. 1731. 1758 Er ahmte Stainer nach und verwendete einen dünnen, braunen Lack. In der Arbeit sind seine Geigen mehr denen von Joh. G. Thir ähnlich als denen der Prager Meister. Er ist übrigens hauptsächlich als Verfertiger von Violen bekannt. Auch eine Viola d'amore existiert noch von ihm. Eine Violine besaß die Allerheiligen- kirche in Prag, zwei andere befinden sich in Wiener Privatbesitz. Geigenzettel : Johannes Krieg, Lauten- und , Geigen- macher in Prag. Ao 1758 (gedruckt). Krlgge, Heinrich. — Danzig. 1756. 1758 Er hieß vielleicht richtig Knigge ^). Die von ihm bis jetzt bekannt gewordenen Geigen, die gut gemacht sind und auch gut klingen, erinnern an das Magginim.odell ; sie sind aber breiter und haben statt der Einlage mit der Feder gezeichnete, doppelte Linien. Trotzdem werden sie als »echte Maggini« verkauft, was die Seltenheit des Vorkommens seiner Arbeiten erklärt. Kriner, August. — Mittenwald. 1740 Klotzschule. Der Name wird von einzelnen Familien- mitgliedern auch Krinner geschrieben, was vielleicht als das Richtigere gelten könnte, da die nach Mitten- wald eingepfarrte Ortschaft, nach der sich die Familie nennt, Knnn (jetzt Krünn) heißt, früher allerdings auch oft nur Krin geschrieben. Unter den noch lebenden Nachkommen dieser Familie zeichnet sich Franz Paul Kr. als Stegschneider aus. Kriner, August. — Freising. 1869. f 1907 Wenn auch zur Mittenwalder Familie gehörig, dürfte er doch aus Landshut stammen. Er verfügte über eine handwerksmäßige Geschicklichkeit und galt als sorg- fältiger Meister, der alte Geigen gut wiederherstellte. Kriner, Augustin. — Mittenwald. 1730. t 12. März 1747 Vielleicht mit August Kr. identisch. Er wird 1745 in Urkunden »plectropöus et propola circumforaneus* genannt. Er war als Geigenmacher geschickt und unter- nahm weite Reisen. Auf einer solchen ertrank er in der Donau »zwischen Pesth und Ofen*. Kriner, Franz. — Landshut in Bayern. 1808. 1825 Nach dem Landshuter Gewerbekataster von 1808 wurde dem Geigenmachergesellen Franz Kriner, der die Witwe Gertraud des Geigenmachers Berger hei- ratete, »die Geigenmacherei verliehen«. Er stammte aus Mittenwald und war vermutlich der Oheim seines Nachfolgers Lorenz Kriner; wahrscheinlich war er auch der Schwiegervater des Geigenmachers Schmid. ^) Bei dem Fehlen archlvalischer Hilfsmittel für die Danziger Geigenmacher muß ich den Namen in der Form nehmen, wie Hill ihn mitteilt. Kriner, Georg. — Landshut. Johannesburg. München. Geb. 1874 zu Landshut Zweiter Sohn von Josef Kr., talentvoller Musiker, der das väterliche Geschäft 1899 übernahm, später aber nach Brasilien auswanderte. Sein Nachfolger Ist Hermann Krauß. Bei Kriegsausbruch hatte er eine Werkstatt In Johannesburg (Südafr.), mußte aber alles Im Stiche lassen und Ist jetzt in Nymphenburg bei München ansässig. Kriner, Johann. — Mittenwald. 1858. 1883 Ein tüchtiger Geigenmacher, dessen Hauptverdienst jedoch in seiner 25 jährigen Tätigkeit als Lehrer an der Mittenwalder Geigenbauschule besteht, der er seit Ihrer im Jahre 1858 erfolgten Gründung bis 1883 ange- hörte. Kriner, Josef L — Mittenwald. 1737. 1795 Klotzschule; großes, oft flaches Modell und brauner Lack. Geigenzettel : Abb. 425. Kriner, Josef IL — Mittenwald. 1820. 1850 Da er hauptsächlich für die Mittenwalder großen Handelsfirmen arbeitete, die »gangbaren Modelle« nachahmte, Ist er ohne Eigenart. Seine beste Zeit fällt In die Jahre 1820—1840. Geigenzettel: Joseph Kriner, Geigenmacher / in Mittenwald an dei Is3r. 1791. Kriner, Josef IIL — Mittenwald. 1914 Er gilt als besonders tüchtig In allen Wiederherstel- lungsarbeiten. Kriner, Joseph. — Landshut a. L Geb. 9. März 1836 in Landshut Sohn von Lorenz Kriner; Schüler seines Vaters und von Georg Tiefenbrunner in München. Nachdem er bei Karl Echinger, Engleder und Padewet In München, bei Padewet in Karlsruhe und Bauer in Stuttgart ge- arbeitet, übernahm er im März 1864 das väterliche Geschäft. Er arbeitete nach Stradivarl, Guarneri und Ruggeri usw., sowie nach eigenen Modellen, die sich auch durch Ihre kunstvollen Einlagen auszeichnen, namentlich aber durch ausgiebigen und dabei milden Ton und leichte Ansprache. Die besseren Instrumente lackierte er mit Öllack, die billigeren mit Spirituslack. Auch gute Gitarren und Zittern verstand er zu bauen. Ein stiller und bescheidener Mann, der nur leider In den letzten Jahren seines Lebens kränklich war. Geigenzettel : Joseph Kriner / Geigenmacher und Reparateur / Landshut, Bayern (gedruckt). Kriner, Josef Alois. — Würzburg. Geb. 12. Mai 1865 zu Landshut a. L Schüler seines Vaters Josef Kr., August Kriners In Freising und Suitners In Mittenwald. Nachdem er von 1885 — 1888 in Stuttgart bei Hamma, in Frankfurt a. 0. > usw. gearbeitet hatte, wurde er 1888 Fr. WIttstadts 18* 276 Kriner — Krüttner Nachfolger, dessen Witwe er heiratete. Er macht jetzt vorzugsweise sog. »Arionzithem« und handelt mit alten Instrumenten. Geigenzettel : Jos. Kriner, Firma : Fr. Wittstadt, / Saiten-lnstrumentenmacher/Würzburg, (Bayern.) 18. . (gedruckt). (Abb. 454) Kriner, Lorenz. — Mittenwald, Landshut. Geb. 1805 In Mittenwald, f 1864 Sohn und Schüler von Simon Kr. Er arbeitete bei Thumhart in München und Fischer in Regensburg, war erst in Mittenwald ansässig und siedelte dann nach Landshut über, wo er die Geigenmacherwitwe Anna Schmid heiratete. Er war ein geschickter Geigenmacher und machte auch recht gute Zithern und Gitarren. Er hinterließ drei Söhne, von denen Josef sein Nachfolger wurde. Kriner, Lorenz. — Stuttgart, New York. Geb. 1 838 in Landshut Sohn und Schüler von Lorenz Kr. Im Jahre 1863 ließ er sich in Stuttgart nieder und gründetje dort eine Geigenfabrik, die er bis 1878 fortführte, hr wanderte dann nach Amerika aus und scheint dort gefunden zu haben, was er in der Heimat vergebens suchte. Außer seinem Zettel tragen seine Geigen auch eine Brand- marke. Geigenzettel: Lorenz Kriner, fecit / Stuttgart 1867 / [Initialen im Kreis] (gedruckt). Kriner, Martin. — Altöttlng, Königsberg 1. Pr. 1875. 1897 Er erlernte in seiner Mittenwalder Heimat das Geigen- machen, arbeitete dann 18 Jahre lang als Gehilfe bei A. Riechers in Berlin. Als er sich selbständig machte, ließ er sich zuerst in Altötting nieder, wo er wenig Zu- spruch fand, weshalb er nach Königsberg übersiedelte, und sich bald den Ruf eines besonders geschickten Geigenmachers erwarb. Kriner, Mathlas. — Mittenwald. 1760. 1764 Geigen von ihm kommen selten vor. Man weiß von ihm nur, daß er 1763 schon verheiratet war. Kriner (Krinner), Matthäus. — Stuttgart. Geb. In Mittenwald 1843 Schüler der Mittenwalder Geigenmacherschule und von Joh. Kriner. Er arbeitete von 1872 an in Berlin bei Ludwig Neuner und August Riechers, begründete 1892 in Stuttgart seine eigene Werkstatt und beschäftigte sich hauptsächlich mit Reparaturen. Neue Geigen macht er nach J. Guarneri und Stradivari und ver- wendet gelbrötlichen Spirituslack. Er erfand einen schwingenden Baßsteg, dem er eine erhöhte Vibration zuschreibt, und der gleichzeitig die Widerstandskraft des Geigenkörpers steigern soll. Geigenzettel: Matthäus Krinner Geigenmacher Stutt- gart (gedruckt). Kriner, Simon. — Mittenwald. Geb. 1779 oder 1781, t 1821 Er war der Sohn eines Webers, kam frühzeitig zu A. Jais in die Lehre und arbeitete dann auch bei Jos. und Math. Hornsteiner. Er war sehr talentvoll und galt als einer der besten Geigenmacher seiner Zeit in Mittenwald. Er kannte die Italiener, die er recht gut zu kopieren ver- stand, und war auch als Geschäftsmann recht tüchtig, so daß er Teilhaber der »Verlegerfirma« »Baader & Öttel« wurde. Er zog mit seinen fertigen Geigen, die er noch nach alter Tiroler Sitte in einer »Kraxe« auf dem Rücken trug, durch Frankreich, England und weit nach Rußland hinein. Er war seit 1804 mit Anna geb. Reiter (einer Müllerstochter) verheiratet, die eine besondere Kunstfertigkeit im Lackieren der Geigen besaß. Er starb frühzeitig und hinterließ drei Söhne. Geigenzettel : Simon Kriner / Geigenmacher in Mitten- waldt an / der Iser 1820 (gedruckt). Krisch (?), Caspar. — Prag. 1725 Der Komotauer Kirchenchor besitzt nach einer Privat- mitteilung eine Violine mit diesem Namen, der, wenn er richtig gelesen ist, vielleicht einen früheren Besitzer des Instruments bezeichnet, da ein Krisch unter den Prager Geigenmachern nicht vorkommt. Vielleicht müßte »Strnad« gelesen werden, die Jahreszahl 1775 statt 1725. Kristal, August. — Jürgenthal (Esthland). 1889. 1900 Er begründete 1 889 seine Werkstatt als Geigenmacher und -Händler und hat auch in Reval ein Geschäft. Krömllng, Anton. — Schönbach b. Eger. 1 826 Wahrscheinlich der Stammvater der heute noch be- stehenden Familie Krämling. Seine Geigen sind häßlich lackiert und wenig schön in der Form. Krogmann, Johann Christopher, erwarb am 13. Okt. 1780 als Instrumentenmacher das Bürgerrecht In Hamburg Krolle, Jean Baptlste. — Mlrecourt. 1768 Als Bogenmacher genannt. Kronhofer, Hans. — ? In Raymund Fuggers Musikkammer (1566) befand sich unter Nr. 42 »Eine gute alte Lauten von Hans Kron- hofer«. Vgl. Stockbauer, Kunstbestr. am bayr. Hofe unter Herzog Albert V. und Wilhelm V. — S. a. Fron- hofer. Krüttner, Richard. — Pilsen. Geb. 1851 zu Elnsledel bei Manenbad Sein Vater, der durch 47 Jahre Kapellmeister der Marienbader Kurkapelle war, war ein eifriger Geigen- sammler, und so begeisterte er den Sohn für den Beruf eines Geigenmachers und gab ihn bei Josef Stecher in Salzburg in die Lehre. Hier lernte er von 1864 — 1870, arbeitete dann einige Jahre bei Ramftler in München, ging 1874 nach Salzburg zurück und begründete 1877 Krug — Künzl 277 in Pilsen sein eigenes Geschäft, in welchem neben Re- paraturen auch neue Geigen usw. angefertigt werden, zumeist nach Stradivari, manchmal auch hochgewölbte Instrumente. Gute Arbeit, gutes Deckenholz und ein selbsterzeugter Spirituslack sind die Merkmale seiner Geigen. Er handelt auch mit alten Geigen und hat ein lebhaftes Exportgeschäft nach Nordamerika. Geigenzettel: Rieh. Krüttner. / fecit Pilsen, 1899. (ge- druckt). — Richard Krüttner / Instrumentenmacher / Pilsen, Theatergasse (gedruckt). Krug, J. A., hat ein Gelgengeschäft in Detroit (Michigan) Krumer s. Kramer Krupp. Pierre. — Paris. 1777. 1791 Er wird zwar als Lautenmacher bezeichnet und wohnte Rue St. Honore, ist aber nur als Harfenmacher be- kannt. De Bricqueville besaß eine Harfe von ihm. Kruse, D. — Homburg v. d. H. 1800 Als Geigenmacher war er ohne Bedeutung, doch sollen seine Gitarren sich eines gewissen Rufs erfreut haben. Eine solche (ohne Datum) besitzt C. Claudius in Kopenhagen. Kruzinski, Pawel. — Warschau. 1898. 1902 Schüler von Schünemann. Um 1898 machte er sich in Warschau selbständig. Seine Geigen sind sauber ge- arbeitet. Krysinski, Ph. — Lissa i. P. 1839 Wahrscheinlich ein Dilettant, der Geigen flickte. In den Magistratsakten zu Lissa wird er nicht genannt. Geigenzettel : Reparirt von Ph. Krysinski / in Lissa 1839 (gedruckt). Kubescha, Alois. — Preßburg (Pozsony). 1 904 Sein Name wurde mir nur durch die Inschrift in einer italienischen Geige bekannt, in der zu lesen ist: »Von Viola auf Violine umgearbeitet Alois Kubescha Pozsony 1904.« Kuchlbauer, Johann. — Aach (Baden). 1852 Unbedeutender Geigenmacher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, von dem sich in der Sammlung Hirth in München ein Violoncello mit leicht gewölbtem Boden und flacher Decke befand. Geigenzettel: Johann Kuchlbauer in Aach 1852. (ge- druckt). Kuczinski, Jan. — Lemberg. 1810 Geigenzettel : loannes Kuczinski / Reparavit Leopoli Anno 1810 (gedruckt). Küchler (Khuechler), Hans. — Wien. 1596 Ein Lautenmacher, der im Mai 1 596 zum Bürger von Wien aufgenommen wurde. Er soll 1615 noch gelebt haben, doch sind mir bisher keinerlei Arbeiten von ihm vorgekommen. Kühle, Karl. — Wien. 1821 Ein Tischler, der auch Musikinstrumente, namentlich aber Harfen machte. Kühlmayr. — Preßburg. 1883 Erfinder eines Streichklaviers, das er J. Lutz in Wien übertrug, der die Sache liegen ließ und sich dadurch einen Prozeß zuzog. Kühnel, Franz, als Geigenmacher in Schön- bach b. E. tätig Kühtreiber, Gustav. — Wien. 1900. 1910 Er lernte bei G. Lemböck und nennt sich »Streich- instrumentenerzeuger«. Er soll hauptsächlich Handel treiben und Reparaturen ausführen. Es gelang mir nicht, eine Geige, die er gemacht hat, kennenzulernen. Küntzel, Lorenz. — Breslau, Berhn. Geb. 28. April 1789 in Hof, f 1864 in Berlin Ursprünglich war er Klaviermacher und arbeitete als solcher bei Rosenkranz in Dresden und Streicher in Wien. Von da ging er nach Italien, wo er bei einem Meister Namens Zesserini (?) das Geigenmachen erlernt haben soll. Später arbeitete er bei Stmad in Prag und Fichtl in Breslau und eröffnete um 1820 in der letztgenannten Stadt seine eigene Werkstatt als Geigenmacher ^). Nach 1 858 siedelte er nach Berlin übe r und erhielt für eine dem Kronprinzen überreichte Geige den Titel als Hofinstrumentenmacher. Sein Modell ist sehr flach mit ziemlich breitem Rand. Im Deckenholz treten die Jahre meist dunkel hervor; der Lack ist hellgelb oder rotbraun, die Arbeit sauber und gewissenhaft. Er legte großen Wert auf schönes, möglichst altes Holz, hat aber doch auch mittelmäßige Geigen gemacht. Im Jahre 1862 stellte er in London sein in den Jahren 1833 — 1857 gebautes Quintett, für das er 2000 Taler forderte, aus, das aber von Vuillaume nicht sehr günstig beurteilt wurde. Ein besonderes Studium verwendete er auf die Mensurverhältnisse und hatte die Absicht, ein Lehrbuch des Geigenbaus gemeinschaftlich mit dem Geigenkenner Major Reich zu bearbeiten. Beide sind aber vor der Ausführung dieses Planes gestorben. K. hat im ganzen an 1 10 Vio- linen, 5 Bratschen und 4 Violoncelli gemacht. Geigenzettel: Reparirt Lorenz Küntzel 182 . . (gedr.). Künzel, Ernst. — Hohendorf i. S. 1910 Guter Bogenmacher. Künzl (Künzel), Johann. — Znaim. Geb. 1825 zu Schönbach b. Eger Er trat mit 12 Jahren bei Joh. Himmer in die Lehre, wurde mit 15 Jahren Geselle und ging 20 Jahre alt »in die Fremde«. Er trat zunächst bei der Witwe Stöhr in Salzburg als Gehilfe ein und wanderte ein Jahr später über Linz nach Znaim, wo er am 12. Juni 1846 eintraf. Dort arbeitete er sechs Jahre als Gehilfe bei der Witwe Kratschmann und ging dann, um sich noch voll- kommener auszubilden, 1852 nach Wien zu Gabriel ^) In den Breslauer Adreßbüchern ist er nur von 1832 bis 1843 nachweisbar. 278 Künzel — Kursch Lemböck. Hier arbeitete er zehn Jahre und zwei Mo- nate. Damit schloß er seine Lehr- und Wanderjahre ab und eröffnete in Znaim im Jahre 1862 eine eigene Werkstätte, aus der viele sehr gute Geigen hervorgingen, die ganz in der Art von Lemböck gearbeitet sind und jetzt sehr geschätzt werden. Leider verwendete er oft einen dunklen Lack, der die Schönheit des Holzes sehr beeinträchtigt. Eine doppelt eingelegte Geige von ihm hat Lang in Znaim. Musikdirektor Fiby besitzt eine Violine von ihm, die er im Ton einer echten Amati gleichstellt. Joh. Kiinzls Neffe Anton Kreuzinger aus Schönbach kaufte 1904 das Geschäft. Die Firma lautet jetzt: Joh. Künzls Nachfolger Anton Kreuzinger. Geigenzettel: Abb. 456, Künzel, Josef, ist in Schönbach b. E. als Geigenmacher ansässig Kürschner, Georg. — Graz. Um 1840 Ein Zithermacher, dessen Nachfolger Ludwig Tauber war. Küssel, Joseph. — Füssen. 1626. f 9. Nov. 1689 (?) Er wurde am 29. November 1626 als Meister in die Lautenmacherzunft aufgenommen und ist jedenfalls identisch mit dem 1689 verstorbenen Joseph Kißling, der den Beinamen »Chormaister« führte, Küttner, August. — Günthersleben. 1851 Angeblich ein Schüler Arthmanns; er hat nur wenige und nur minderwertige Geigen gemacht. Kugler, Max. — München. Mitte des 19. Jahr- hunderts Er soll der Sohn eines Paul Kugler sein, von dem Stecher in Salzburg eine Geige aus dem Jahre 1799 be- sitzt. Max K. hat sich mehr auf die Zithermacherei ver- legt; Geigen von ihm sind daher sehr selten. Eine Philomela von ihm aus der Sammlung Snoeck be- findet sich jetzt in der staatl. Sammlung in Berlin. Geigenzettel : Max Kugler / Bürgl. Saiten Instru- mentenmacher / in München, (gedruckt). Kuhr (oder Stuhr?). — Hamburg. 1799 Er wird im Hamburger Bürgerbuch am 15. Februar 1799 als »Instrumentenmacher« genannt, Kulhawy (Kullhavy), Anton. — Wien. 1800. 1830 Am 4. Mai 1804 legte er als Geigenmacher den Bürger- eid ab und wohnte Stadt Nr. 1008. In seiner ersten Zeit arbeitete er sehr roh, nahm gewöhnliches Holz und einen dunkelbraunen Lack. Mit den Jahren nahm er aber an Können zu, er ahmte dann ein schönes, sehr flaches Stradivarimodell nach und verarbeitete von da an ein schöngeflammtes Ahornholz, und ging zu einem blaßgelben, sehr durchsichtigen Lack über. Nur die Schnecke blieb etwas zu derb. Bei verschiedenen seiner Violinen und Violoncelli sind die Kanten der Schnecke sowie die Außenseite der Ränder in gleicher Weise eingelegt, wie Boden und Decke. Seine Geigen klingen gut, solche, die vor 1810 entstanden sind, schätzt man weniger, während seine gelblackierten Geigen an- sehnliche Preise erreichen. Für ein schönes, gelbes Violoncello sind lange vor dem Kriege schon 600 Kr, bezahlt worden. Geigenzettel : Abb. 400. Kulik, Johannes. — Prag. Geb. 14. Jan. 1800 in Domasin, f 5. Mai 1872 in Prag Er war der Sohn eines Müllermeisters und der einzige Schüler von Schembera. Nachdem er seit 1820 bei Martin Stoß in Wien gearbeitet und sich in seiner Kunst vervollkommnet hatte, machte er sich 1824 in Prag selbständig und heiratete in erster Ehe Maria Anna Vyhnälek, in zweiter Ehe Maria Stästny. Er wohnte nacheinander in derMisenskä ul., der Luzickä ul. und auf dem Kleinseitner Platz, bis er sich 1853 das kleine Haus Nr. 62 in der Palackeho trfda (Karolinenthal) kaufen konnte. Anfangs benutzte er die Modelle ver- schiedener italienischer Meister, 1850 erwarb er jedoch eine schöne Geige von Andreas Guarneri, die er von nun an fast ausschließlich kopierte. Seine Arbeit ist tadellos, das Holz gut und die Schnecke schöner als von den meisten anderen Prager Meistern geschnitten. Der Lack ist hübsch in der Farbe, meist goldbraun oder rot, wenn auch nur Spirituslack; der Ton ist freilich ein wenig scharf. Auch seine Violoncelli sind gewöhnlich hart ansprechend; er machte sie nach einem von dem Ingenieur Leopold Savoi berechneten neuen Modell, das durch kleines Patron und sehr hohe Zargen auffällt. Er verwendete verschiedene Zettel, in seinen letzten Jahren auch solche in böhmischer Sprache. Ein Violon- cello von 1839 befindet sich in der fürstl. Lobko- witzschen Sammlung auf Schloß Raudnitz mit dem nebenstehenden Zettel. Ein anderes Violoncello von 1848 und eine Violine von 1856 besaß die Hl. Geist- kirche in Prag, sieben Geigen und eine Viola das Prager Konservatorium, eine Geige von 185! Dr. Smoler in Olmütz. Geigenzettel: Joannes Kulik fecit Pragae 1839, / in ventione constructioneque / Leop. Savoi (gedruckt). — Genau nach Antonius Stradivarius gemacht von / Johann Kulik / Prag 1852 (gedruckt). — Jan Kulik / Zhotovil 1860. (gedruckt). — Genau nach Andreas Guarnerius Alumnus / Nicolai Amati, gemacht von Johann Kulik / in Prag 1853 No 22 (gedruckt). — Inventione constructioneque Leop. Savoi / Joannes Kulik fecit Pragae 1834 (gedruckt) und Abb. 404. Kunzmann, J., ein Saiteninstrumentenmacher (Zithern und Gitarren usw.), denn München seit 1875 ansässig ist Kursch, Carl David. — Berlin. 1808 In einer sauber gearbeiteten, an Thielemann erinnern- den Gitarre fanden sich zwei Zettel, ein geschriebener und ein gedruckter. Geigenzettel: Nr. 413. / Carl David / Kursch / Berlin 1808 (geschrieben). — Verfertigt / von / «C. D. Kursch* / in Berlin / Schützenstraße Nr. 4. (gedruckt Kupferstich). Kurth Lacher 279 Kurth, Theodor. — Berlin. Geb. 20. JuH 1860 Schüler von Oswald Möckel, bei dem er auch sechs Jahre als Gehilfe tätig war. Im Jahre 1885 machte er sich in Berlin selbständig. Er arbeitet nach eigenen Modellen und bereitet seinen Öllack selbst. Seinen Violinen und Violoncelli wird großer Ton, leichte An- sprache und tadellose Arbeit nachgerühmt. Kurz, G. M. — Regensburg. 1858 Ein wenig hervortretender Geigenmacher, den ich bisher nur als Reparateur nachweisen kann. Er verband sich mit seinem Mitschüler Frauendorfer zu der Firma »Kurz und Frauendorfer«. Beide waren Schüler von Jak. Schmidbauer, den sie jedoch nicht erreichten. Kurz, Johannes. — Nürnberg. 1787 Eine Laute von ihm aus dem Besitze von T. W. Tap- house war 1904 in der Londoner Music Loan Exhi- bitlon zu sehen. Kurzendörffer. — Markneukirchen Aus dieser Familie sind als Geigenmacher hervorge- gangen : Kurzendörffer, August Adolf. — Geb. 28. Sept. 1868 Kurzendörffer, August Hermann. — Geb. 30. Juni 1863 Kurzendörffer, Christian Heinrich. — Geb. 15. Mai 1804, t 23.Juh 1842. Sohn von Johann Georg IHK. Kurzendörffer, Ernst Friedrich. — Geb. 14. Aug. 1832 Kurzendörffer, Ernst Moritz (Bruder des Vor.). — Geb. I.März 1857 Er verlegte sich frühzeitig auf die Zithermacherei, arbeitete bei Kochendorfer in Stuttgart und ließ sich dann dort dauernd nieder. Kurzendörffer, Friedrich August I. — Geb. 5. Sept. 1802, t 24. Juli 1870. Sohn von Johann Georg IHK. Kurzendörffer, Friedrich August II. — Geb. 1 4. Sept. 1 852. Bruder von Ernst Friedrich K. Kurzendörffer, Georg Heinrich. — Geb. 1707, t 28. Febr. 1757 Sohn von Johann Georg I K.; er wurde am 6. Februar 1 730 Meister und erreichte ein Alter von 50 Jahren und 2 Monaten. Kurzendörffer, Johann Adam I; er wird 1677 schon und 1732 noch erwähnt Er kam als Exulant aus Graslitz, gehörte zu den Gründern der Neukirchner Zunft und ist der Stamm- vater der Familie. Kurzendörffer, Johann Adam II. — 1732 Er wurde am 3. Januar 1732 als Meister in die Zunft aufgenommen. Der Gebühr nach zu urteilen, die er entrichten mußte, war er eines Meisters Sohn. Kurzendörffer, Johann (Hans) Georg I. — Geb. um 1685; er ward am H.Juli 1704 Meister und lebte noch nach 1 730 Kurzendörffer, Johann Georg II. — Geb. 1736, t 24. Dez. 1803 Sohn und Schüler von Johann Heinrich K. Er ward am 28. Mai 1760 Meister; sein Sohn war: Kurzendörffer, Johann Georg III. — Geb. 26. Nov. 1769, t 31. Aug. 1814 Kutzer. Andreas. — Steingrub b. Eger. Geb. 24. Febr. 1872 Schüler von Johann Werner in Schönbach. Nach Be- endigung seiner Militärdienstzeit arbeitete er noch ein Jahr lang als Gehilfe und machte sich 1897 selbständig. Kwictkowski, Mathaeus. — Warschau. 1739 Eine schöne Theorbe von ihm besitzt Landschafts- maler Fr. Wildhagen in Halensee-Berlin. Geigenzettel: Hoc opus exstructum de Labore / Ma- thaeiKwialkowski/Varsaviae/Anno 1739 Die ll.Maji. (gedruckt). Kwiaikowski. — Warschau. 1820 Einer der letzten national-polnischen Geigenmacher und wahrscheinlich ein Enkel, vielleicht sogar Sohn von Mathäus Kw. Er scheint auf dem Umwege über fran- zösische Geigen italienische Vorbilder nachgeahmt zu haben. Seine Arbeit ist nicht tadellos und sein Lack ge- wöhnlich sehr nachgedunkelt. Kymato-Geigen nennt Mor. Gläsel in Markneu- kirchen von ihm in den Handel gebrachte Streich- instrumente, deren Decken nicht nur gewölbt sind, sondern auch Wellenvertiefungen haben, wodurch deren Fläche ausgedehnt und das Luftvolumen im Innern vergrößert wird, was die Klangfülle erhöhen soll. Laberte-Humbert freres. — Mirecourt. 1 889. 1900 Eine der größeren Mirecourter Fabriken. Ihr Mitbe- gründer Maurice-Emile Laberte (geb. 1856) starb 1898. Leiter der Geigenbauwerkstatt war Poiron. Einige der Geigen dieser Firma tragen den Zettel : Perfectionne par la Barre d'Harmonie rationelle. Brevete de L. H. F. und Signet: L. H. F. in einem Kreis. Lacher(Lecher), Konrad. — Ulm. 1572. 1576 Ein angesehener Lautenmacher, der in den Jahren 1575 und 1 576 nach Stuttgart berufen wurde, wo er für die Hofkapelle Lauten, Geigen und andere Musikinstru- mente, darunter auch die in Venedig und Ferrara ge- kauften »neuen Geigen« zurichten mußte. Auch kaufte die Hofkapelle seit 1572 verschiedene Lauten von ihm. 280 Lachmann — La Loe Lachmann, Erich. — Berhn W. 30. Geb. 15. April 1886 Schüler von Michael Strobl. Er besuchte das Friedrichs- Realgymnasium in Berhn und erhielt seit semem 8. Le- bensjahre emen gediegenen Viohnunterncht, den er mit 14 Jahren im Sternschen Konservatorium fortsetzte. Seiner besonderen Neigung folgend, trat er mit 18 Jah- ren bei Michael Strobl als Volontär ein ; dann verließ er die Lehre, um als Einjährig-Freiwilliger im 4. Garde- Grenadierregiment seiner Wehrpflicht zu genügen, und zwar als Geiger beim Musikkorps. Nach gründlichen theoretischen und praktischen Studien, namentlich auf dem Gebiete der Akustik und der Lackbereitung, er- öffnete er im April 1909 seine eigene Werkstatt. Er beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Anfertigung getreuer Kopien nach den Originalen berühmter Mei- ster, die sich in seinem Besitze befinden, oder die er zu diesem Zwecke geliehen erhält. Geigenzettel : Erich Lachmann ,' fecit Berlin anno 19. (gedruckt). Lacote. — Paris. 1826. 1852 Er stammt aus Mirecourt und wohnte in Paris erst Place des Victoires Nr. 51, seit etwa 1832 Rue de Grammont Nr. 7 und dann seit etwa 1845 Rue des Martyrs Nr. 20. Er war hauptsächlich als vorzüglicher Gitarrenmacher bekannt und geradezu als der »Stradi- vari der Gitarre« geschätzt. Er machte verschiedene Er- findungen, u. a. eine zehnsaitige Gitarre, eine sieben- saitige Theorbe usw. und erhielt mehrere Medaillen. Die wenigen Geigen, die seine Brandmarke tragen, sind Mirecourter Fabrikware. Geigenzettel: Lacote /ä Paris (gedruckt) und Abb. 466. Lacroix, Salomon, Chevalier de. — Paris. 1814. 1831 Vermutlich ein Aristokrat, der durch die Revolution verarmt war und sich dann als Geigenmacher fort- bringen mußte. Seine Arbeit ist nicht übel, nur sein dunkelroter Lack etwas zu dick. Auch durch einige Erfindungen, die sich freilich nicht bewährt haben, ist sein Name bekannt geworden. Lafage. — Langon. 1900 Ein Uhrmacher und tüchtiger Geiger, der auch Handel mit Geigen treibt und kleinere Reparaturen ausführt. Er soll eigentlich einen andern Namen führen. La Fille Ein französischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts, den Valdrighi (1039) aufzählt, der sonst aber nirgends erwähnt wird. Lafleur, Jacques. — Paris. Geb. 28. März 1 757 zu Nancy, f 1832 in Paris an der Cholera Er wohnte 1 783 in der Rue de la Coutellerie, 1 785 in der Rue de la Verrerie und von 1788 — 1799 in der Rue de la Juiverie Nr. 30. Seine Geigen sind weniger gut als seine nach Tourte gemachten Bogen, die sich durch kühnen Schwung und Leichtigkeit auszeichnen. Eine Violine von ihm befindet sich in der Sammlung Savoye in Paris. Lafleur, Joseph-Rene. — Paris. Geb. 9. Juni 1812 in Paris, f 18. Febr. 1874 (Maisons Lafitte) Sohn, Schüler und Nachfolger von Jacques L. — Er war ursprünglich Geiger und wandte sich erst später der Geigenmacherei zu; zuletzt wurde er auch Musik- verleger. Bedeutung hatte er nur als Bogenmacher und kam in dieser Beziehung Tourte nahe. Mehrere schöne Bogen von ihm, darunter interessante Versuche, be- wahrt das Museum des Pariser Konservatoriums, so einen Bogen mit flacher Stange, die dazu dienen sollte, das sog. Schleudern zu verhindern, — Ein Bruder von ihm ging nach London, wo er noch 1824 lebte. Laforet, Nicolas. — Mirecourt. 1740. 1742 Wird als Geigenmacher erwähnt. Lafranchini, Giacomo (Jacopo) de. — Brescia. 1604. 1617 Sohn des Battista L., aus Civida'e di Valcamonica stammend. Man weiß von ihm nur, daß er bei Gasparo da Salo gelernt hat und 1614 — 1617 als »Maestro di violini* in Diensten Magginis stand. Arbeiten von ihm sind nicht bekannt. Lagarde, Antoine. tum 1840 Bogenmacher. — Mirecourt. Geb. 1798, Lagetto, Louis. — Paris. 1745. 1753 Ein in Paris ansässiger Italiener. Da er das Ladenschild »ä la ville de Cremona« führte, haben manche, wohl sehr mit Unrecht, angenommen, daß er aus Cremona stammte. Er arbeitete nach Amati und hatte ein breites Modell. Sein Holz ist mittelmäßig, der Boden nach der Schwarte geschnitten, der Lack gelbbraun, aber wert- los. Er wohnte in der Rue des Samts Peres (Faubourg St. Germain). Er scheint zuerst in Mirecourt gearbeitet zu haben, — vielleicht bei Duchene, — denn in einer in München befindlichen, einmal von ihm ausgebesser- ten Violine findet man auf dem Boden mit Tinte ge- schrieben : Racomode L . . . Lagedo (sie) anno 17../ a la ville de Cremone Mirecourt. (geschrieben). Geigenzettel ; Louis Lagetto, Luthier rue des saints / Peres / faubourg St. Germain ä Paris 1753. / ä la ville de Cremona / Lagetto (gedruckt). Laignel, freres, haben in Lille ein Geigen- geschäft Lainey. — Glasgow. 1818 Geigen von ihm kommen manchmal vor. La Loe. — Paris Em französisciier Geigenmacher des 18. Jahrhunderts, der mit Pierre de Planche zusammen arbeitete. Lambert • — Landolfi 281 Lambert, Domlnique-Fran^ols. — Mirecourt. 1772. t 10. Dez. 1785 Sohn des Tischlers Fran?ois L. in Nancy. Nach A. Jacquot hatte er, und nicht Jean Nicolas L., wie Fetis irrig berichtete, den Spitznamen »Charpentier de la Lutherie«. Lambert, Jean-Nicolas. — Paris. 1731. f vor 1761 Ein vielseitiger Lauten- und Geigenmacher, der auch Zithern, Bauernleiern (Viellen) und Sackpfeifen ge- macht hat. Er wohnte bis 1 745 in der Rue Michelle- Comte und war geschworner Zunftmeister für das Jahr 1 743 . Noch bis zum Jahre 1 788 hat seine Witwe das Geschäft fortgeführt. Seine Violen haben meist glatten Boden und sind gut gemacht ; besser noch sind aber seine Liebesgeigen. Außer seinem Zettel verwendete er auch oftmals folgende Brandmarke »Lambert ä Paris«, die er an verschiedenen Stellen, gewöhnlich aber am Boden unter dem Halsansatz anbrachte. Ein .41to von sehr schöner Arbeit war in der Sammlung Snoeck. Das Museum des Pariser Konservatoriums besitzt ein Violoncello und eine hübsche Bauernleier, eine eben- solche das Historische Museum in Stockholm, Berlin eine Zither und Loup eine Gitarre von 1734. Eine mit Ebenholz und Elfenbein emgelegte Bauernleier in Lautenform besaß C. C. Snoeck. Eine in der Werkstatt der Witwe im Jahre 1 783 angefertigte Violine mit dem Zettel: »Lambert / ä Paris 1783« bewahrt die Musik- instrumentensammlung des Bachhauses in Eisenach. Geigenzettel : Abb. 475. Lambert, Jonathan. — Norwlch. 1751 Mittelmäßiger Geigenmacher. Seine Arbeiten sind ge- wöhnlich in der Form, haben häßliche, weit offene F-Löcher, eine schwerfällige, unfeine Schnecke und hellgelben Lack. Geigenzettel: Made and sold by Jonathan / Lambert Instrumentmaker near / the Dukes Palace in St. Johns Madder Market Norwich 1751 (gedruckt). Lambert. — Val d'Ajol. 18. und 19. Jahrh. Name einer vogesischen Familie, von der mehrere Mit- glieder als Instrumentenmacher tätig waren, so um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert ein A. Lambert- Feuillee. Sie machten hauptsächlich Zymbeln, Scheit- holte (Epinettes de Vosges) und andere in ihrer Gegend beliebte Instrumente. Lamblin (Lambin). — Gent. 1795. 1830 Hauptsächlich als Reparateur und Gitarren- und Lau- tenmacher bekannt. Snoeck besaß verschiedene Gi- tarren von ihm. Er war auch wahrscheinlich der Ver- fertiger eines Stegs, den das Pariser Konservatorium besitzt. Lamrnit (Lamenlt), Peter. — Augsburg Wird in den Jahren 1480, 1483 und 1484 ausdrücklich als Lautenmacher in den Augsburger Steuerregistern erwähnt. Lamy, Alfred-Joseph. — Paris. Geb. 8. Sept. 1850 in Mirecourt Einer der besten französischen Bogenmacher unserer Zeit. Er trat 1862 bei Ch. Cl. Husson in die Lehre, den er 1868 verließ, um bei Gautrot in Chateau-Thierry zu arbeiten. Von 1866 — 1877 arbeitete er mit Jos.Voirin bei Gautrot in Chäteau-Thierry und von 1877 bis 1885 bei Franc. Nie. Voirin, den er als seinen eigentlichen Lehrer betrachtet. Nach dem Tode Voirins machte er sich in der Rue Polssoniere Nr. 24 selbständig. Seine Bogen tragen untenstehende Brandmarke. Er erhielt 1889 eine silberne und 1900 auf der Pariser Weltaus- stellung eine goldene Medaille. Brandmarke: A Lamy / ä Paris. Lamy, Jules. — Paris. Geb. 22. Febr. 1853 Er stammt aus Mirecourt, war Schüler von Hyppolyte Charotte, arbeitete lange bei Thibouville-Lamy und ließ sich als Geigenmacher m Paris nieder. Er ist ein Schwiegersohn des Mirecourter Bogenmachers Joseph Gaudet. Lancelotti, Ottavio, em Baßmacher, der noch um 1880 in Barigazzo (Modena) lebte Lancilotto, Jacopino d. J. — Modena. Geb. um 1507, tum 1551 Sohn eines Adeligen, Tommaso de' Bianchi, genannt de' Lancilotti, und Enkel Jacopinos des Alteren. Ein echtes Kind seiner Zeit: Er war Notar, Theologe, Astrologe, Dichter, Kalligraph, Maler, Musiker usw., sprach fertig Lateinisch und Griechisch und verfertigte Musikinstrumente und zwar wahrscheinlich Lauten und Geigen. Erhalten haben sich jedoch keine bis auf unsere Tage. Lancio, Bernard. — Mirecourt. 1788 Dem Namen nach wohl ein Italiener, der sich in Mire- court niedergelassen hat. Landauer, Sebastian. — Nürnberg. 1582 Ein bisher nicht bekannter Lautenmacher, von dem man nur weiß, daß er für die Stuttgarter Hofkapelle Saiten lieferte. Landi, Pietro. — Siena. 1774 Nach einer Geige zu urteilen, die seinen Namen trug, gehört er zu den Meistern dritten Ranges. Landmo, Francesco, gen. II Cieco. — Florenz. 1325. 1397 Ein Lautenmacher, der sich später, nachdem er er- blindet war, auf den Orgelbau verlegte und dann den Beinamen »Degli HorganI« erhielt. Landolfi, Carlo Ferdinando. — Mailand. 1 734. 1787 Weil viele seiner Geigen, namentlich die seiner ersten Zeit, nach Josef Guameri gemacht sind, hat man ihn zu einem Schüler dieses Meisters gemacht. Wollte man nach seinen Violoncelli urteilen, müßte man ihn eher für einen Schüler von Pietro Guameri halten. Landolfi 282 Landolfi — Langenv alter ging aber schließlich seine eigenen Wege, und da er augenscheinlich ein bestimmtes Ziel vor Augen hatte, machte er viele Versuche. Deshalb weichen seine Gei- gen oft auffällig voneinander ab; manche smd mit größter Liebe und Sorgfalt durchgeführt, manche ziem- lich roh fertiggemacht und nicht einmal gut im Lack, ob- wohl nach Charles Reade gerade Landolfi als der letzte gelten muß, der wirklich noch im Besitze des echten Cremoneser Lacks gewesen ist. Er verstand sich be- sonders gut auf den Ton, und wird, wenigstens in Deutschland, noch nicht nach Gebühr eingeschätzt, während man ihn in England längst zu den ersten Meistern zählt. Die Decke ist meistens stärker gewölbt als der Boden, die )(-Einschnitte kräftig, die F-Löcher selten sauber ausgearbeitet und oft auch schräg gestellt, dagegen ist die Schnecke immer schön, breit und tief ausgestochen. Sein Lack hat ein schönes Feuer und ist bald gelbrot, bald braunrot. Seine Violoncelli sind weniger hochgewölbt, haben kleines Patron und sind im ganzen besser als manche seiner Violinen. Sein Ladenschild lautete »al segno della Sirena«. Eine Geige von ihm hatte die folgenden Maße: obere Breite 16,4 cm, mittlere Breite 10,8 cm, untere Breite 20,2 cm, Zargen- höhe oben 28 mm, unten 30 mm, Korpuslänge 33,7 cm. Die Decke war kräftiger gewölbt als der Boden. Eine Viola von ihm aus dem Jahre 1 742 besitzt das Brüsseler Streichquartett, zwei vorzügliche Violinen Ingenieur Richard Renner in Tutzing. Die eine ist hochgewölbt, hat aber trotzdem einen außerordentlichen großen Ton. Die zweite ist von flacher Wölbung und wenn der Ton auch kleiner ist, so ist er doch sehr tragfähig und reicht für jeden Konzertsaal aus. Beiden gemeinsam sind die Umrißlinien und die niederen Zargen, der zweiteilige, enggeflammte Ahornboden und das feinjährige Decken- holz. Geigenzettel: Abb. 460, 476, 491. Landolfi, Pietro Antonio. — Mailand. 1750. 1780. Soll um 1800 noch gelebt haben Sohn, Schüler und Nachfolger von Carlo Ferd. L , den er jedoch in keiner Weise erreichte. Er ist oft weniger sorgfältig und vernachlässigt auch die Einlagen doch konnte er, wenn er wollte, auch sehr sauber ar- beiten. Sein Modell ist hochgewölbt und schlank, sein rotgelber Lack gut und die Schnecke originell und tief ausgestochen. Seinen Zettel teilt zum ersten Male Grillet mit. Geigenzettel : Abb. 479. Lane, E. — Bristol. 1895. 1899 Vielleicht ein Sohn des 1885 vorkommenden J. Quilter Lane. Er machte Streichinstrumente und Harfen und war bis etwa 1899 in Bristol ansässig. Lang, Ferd. — Schönbach b. E. Geb. in Schönbach (Böhmen) 1867, f 1910 Schüler seines Vaters Jos. L., machte sich 1891 m Schönbach selbständig, fertigte Kontrabässe und an- geblich auch Violoncelli an und verwendete harten Spirituslack. Für seine Instrumente erhielt er 1892 in Eger eine goldene Medaille. Er handelte auch mit Ton- holz. In geistiger Umnachtung endete er sein Leben durch Gift. Lang, Friederich. — Nürnberg. 1608 Er war Stadtpfeifer und hat einen gewissen Ruf als Lauten- und Geigenmacher gehabt. Eine gute Viola di Gamba von ihm befindet sich im Germanischen Mu- seum in Nürnberg. In »Norischer Christen Freydhöfe Gedächtnis usw. Nürnberg 1682« S. 17, Nr. 554 liest man die Abschrift seines Epitaphs: »Friedrich Lang Stadtpfeiffer und Anna, seiner Ehewürthin und ihrer beeden Leibes-Erben Begräbniss An. 1608«. Geigenzettel: Friederich Lang in / Nürnberg (gedr.). Lang, Josef. — Wien. 1824 Eine Zither von ihm wurde am 10. Juni 1913 bei Helbing in München versteigert. Lang, Josef. — Schönbach b. E. Geb. 22. April 1837 in Schönbach, t 1896 Er begann als Bestandteilmacher und war namentlich wegen seiner Hälse hochgeschätzt ; dann wurde er Baß- macher und machte auch gute Violoncelli und Geigen. Er galt als Kenner und wurde oft von seinen Kollegen zu Rate gezogen. Er war ein Schüler von Ant. Lutz. Lang, Karl Ferdynand. — Lemberg Ein in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Lemberg ansässiger Geigenmacher, der auf mehreren kleinen Ausstellungen gute Violen und Violinen aus- gestellt hatte. Lang, Sebastian. — Prag. Geb. 1703, f 21 . Jan. 1765 Er arbeitete zwar lange bei Jos. Edlinger, gehörte aber zu den Prager Meistern zweiten Ranges und hat nicht sehr viele Geigen gemacht. Über Längs Leben und Herkunft ist fast nichts bekannt. Eine Violine mit unleserlicher Jahreszahl besitzt das Benediktinerstift St. Margareth bei Prag. In Prag besitzen ferner von ihm eine Geige von 1 756 der Dom zu St. Veit, eine von 1762 die Kreuzherrenkirche, eine andere die Loretto- kirche und das Kloster Strahow, ein Violoncello das Prager Konservatorium. Geigenzettel : Abb. 500. Langenhaar, Johann Andreas. — Crawinkel. 1890. 1900 Der letzte noch lebende Crawinkler Geigenmacher, der Violinen, Bässe und Zithern macht. Langenhahn, B. — Breslau. 1871 Ein nur durch seinen Reparaturzettel bekannt ge- wordener Name. Gelgenzettel: Rep. von B. Langenhahn / Breslau 1871 (gedruckt). Langenvalter (Langenwalder), Jakob. — Füs- sen. 1605. t 30. März 1633 Ein tüchtiger Lautenmacher. Im Jahre 1606 gehörte er zu den Mitbegründern der Füssener Lautenmache r- zunft und im Jahre 1612 zu den 13 Lautenmachern, die sich über einen die Zunft schädigenden Holzhandel beschwerten. Eine Laute von 1624 befindet sich in der Langenwalder — Lantner 283 Benediktiner-Abtei Kremsmünster; eme besonders schöne Laute von ihm besaß Dr. G. Hirth in München, der eiförmige Körper ganz mit Elfenbem emgelegt und von Ebenholzstäben durchsetzt, in der Decke ein großes, rundes Schalloch, 6 Wirbel, 91 cm lang. Eine sehr schön eingelegte, mit Elfenbein verzierte Laute von L. besitzt das Museum Francisco-Carolinum in Linz a.D. Geigenzettel: Jakob Langenvalter in Fiessen 1616 (ge- druckt). — Jakob Langenwalder in Fiessen. (geschr.). Langenwalder, Joseph. — Füssen. 1625 Eine große Theorbe von ihm besitzt die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, ein Geschenk des Stiftes Herzogenburg. Geigenzettel : Gius. Langenwalder/ in Fuessen inTyrol 1625 (gedruckt). Langer, Nicolaus. — Mannheim. 1799. 1817. Geb. in Meckenheim (Pfalz) um 1745, 131. Jan. 1827 m Mannheim Er scheint bis 1 785 in Neustadt a. H. ansässig gewesen zu sein ; um 1 803 wurde er vom Markgrafen Karl Friedrich von Baden zum Hoflautenmacher ernannt und erwarb erst am 28. März 1810 das Schutzbürger- recht in Mannheim. Obwohl er >>Hoflautenmacher« war, verraten seine Geigen keine Künstlerhand. Er hatte ein eigenes, wenig gefälliges Modell von hoher Wölbung (der Boden noch höher gewölbt als die Decke) ; die Ecken sind stumpf, die F- Löcher groß und plump. Die Schnecke zeigt bis zu den obersten Wir- beln eine Hohlkehle. Das Holz ist nicht gut ausgesucht, der Boden nach der Schwarte geschnitten, ebenso die (ziemlich hohen) Zargen. Der Lack ist dünn und von brauner Farbe. Seine Lauten und Liebesgeigen waren etwas besser ausgeführt. In der Mitte seines Zettels ist das Landeswappen angebracht. Das Mannheimer The- ater besaß nach dem Verzeichnis der am 1 5. Novbr. 1 820 dem Kaikanten Karl Mann zur Aufsicht und Verwah- rung übergebenen Orchesterinstrumente (Mannh. Stadtarchiv, Theaterakten F. XII. Nr. 2) eine Violine von 1 804, eine von L. verbesserte Altviola von 1 80 i , ein Violoncello von 1800 und einen Kontrabaß aus dem gleichen Jahr. Geigenzettel : Nicolaus Langer ,' Hof Lautenmacher / in Mannheim 1817 (gedruckt). Langerwisch, Johann Friedrich. — Leipzig. Geb. 1788 zu Klostergörchhof b. Anger- münde, f 9. Dez. 1856 in Leipzig Er war, wie sein Bruder Joh. Georg L., Gitarren- und KL aviermacher. Langerwisch, Johann Georg. — Leipzig. Geb. 1780inHamburg,t nach 1838 Er kam um 1807 nach Leipzig und machte hübsche Gitarren, verlegte sich aber bald ganz auf den Klavier- bau. Von ihm gitansierte Lauten befinden sich im Musikhistorischen Museum W. Heyers in Köln. Geigenzettel: J. G. Langerwisch/ Instrument-Macher/ in Leipzig 1816 (gedruckt). Langfurth, Karl. — Szabadka. 1889 Schüler von Bartek, hauptsächlich Reparateur. Langguth, ein aus Großbreitenbach stam- mender Geigenmacher, der um die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausge- wandert ist Langhammer, C, Ant. — Bremen. 1875. t I.Jan. 1910 Er stammt aus dem Vogtlande, wo er auch gelernt haben dürfte, und ließ sich um 1875 in Bremen nieder. Er galt als solider Geigenmacher und hatte dort die älteste, lange bestehende Geigenhandlung und wurde auch als guter Reparateur geschätzt. Durch zunehmen- des .'Mter und Kränklichkeit war er in den letzten Jahren mehr und mehr gezwungen, sich der Arbeit zu enthalten, bis er sein Geschäft ganz aufgeben mußte und in hohem Alter als Privatmann starb. Langher, William. — Redditch. Geb. 1830 Einige gut gearbeitete Geigen mit hübschem Ollack tragen seinen Namen. Lankl. — Ober-Schönbach b. E. Dieser Familie entstammen die Geigenmacher: Lankl, Anton I. — Geb. 1860 Lankl, Anton IL — Geb. 1875 Lankl, Franz. — Geb. 1866 Lankl, Georg. — Schönbach b. E. Geb. 21. Nov. 1858 Schüler von Johann Sandner in Oberschönbach. Nach- dem er ausgelernt hatte, arbeitete er sechs Jahre lang als Gehilfe und begründete im Jahre 1878 sein eigenes Geschäft. Da er meist für andere Firmen arbeitet, klebt er die Zettel derjenigen ein, von denen er be- schäftigt wird. Lanno, il, s. Odoardi, A. Lannoy s. De Lannoy Geigenzettel : Abb. 495. La Noue s. De la Noue Lantez, M. E. — Mirecourt. 1855. 1880 Schwiegersohn von Grandjon sen. Seine Arbeiten waren keine Kunstwerke, für ihren billigen Preis aber gut genug. Lantner, Bohuslav. — Prag. Geb. 24. Juni 1862 in Prag, t 1918 Sohn und Schüler von Ferd. L. Er arbeitete nach be- endigter Lehrzeit noch kurze Zeit bei seinem Vater, ging auf ein Jahr zu Pfab nach Hamburg, war dann drei Jahre bei Franz Brückner in Berlin (jetzt in New York) und ein Jahr Werkführer bei Richter & Jüh- ling in Dresden. Im Jahre 1887 übernahm er Koutnys Geschäft in Olmütz; da sich aber sein Vater ins Privat- leben zurückziehen wollte, siedelte er am 1. Juli 1891 nach Prag über und übernahm das väterliche Geschäft 284 Lantner — Larsen Er ist ein guter Reparateur und machte neue Geigen nach Stradivari und Guarneri und seiner Angabe nach auch nach böhmischen Meistern. In seinen Lehrjahren gebrauchte er Spirituslack. Er besitzt verschiedene Auszeichnungen. Die Zettel in seinen Geigen haben meist böhmischen Wortlaut (drei verschiedene) oder Abb. 457. Lantner, Ferdinand Martin. — Prag. Geb. 6. Jan. 1833 in Prag, t 21. Nov. 1906 Schüler von Franz Lehner, bei dem er von 1845 — 1850 war. Hierauf arbeitete er bei Dav. Bittner in Wien, Nemessänyi und Th. Zach in Budapest und bei Bapt. Dvorik und Ferd. Aug. Homolka in Prag, wo er sich 1862 selbständig machte. In erster Ehe war er mit Julie Vesely (f 1864) und in zweiter mit Helene Ho- molka, der Tochter von Eman. A. Homolka, verheiratet. Er wohnte Krakovskä ul. Nr. 1366 und Väclavske näm. (Wenzelsplatz) Nr. 841 . Im Jahre 1894 übergab er sein Geschäft seinem Sohne Bohuslav und zog nach den Kgl. Weinbergen, wo er, bis er in Geisteskrankheit verfiel, für seinen Sohn als Geigenmacher tätig war. Er war ein tüchtiger Meister. Geigenzettel: Ferd. Lantner / Fecit Pragae 1882 (ge- druckt). — Ferdinand Lantner/ in Prag. 1861 (gedr.). Lantonet, Antoine. — Commercy. 1765 A. Jacquot kennt Arbeiten von ihm und lobt sie. In Mirecourt kommt um 1 787 auch ein Nicolas Lantonet (Langonet) vor. B rescia. Lanza (Lansa), Antonio Maria. 1675. 1715 Die wenigen ihm mit einiger Sicherheit zuzuschreiben- den Geigen erinnern an Maggini und haben rotbraunen Lack. Man weiß von ihm nichts Genaues: einige Schriftsteller setzen seine Zeit um 150 Jahre zu früh an und lassen ihn von 1530 — 1550 gelebt haben. Ob- wohl er nicht zu den großen Meistern gehört, wird doch sein Name gerne zu Fälschungen mißbraucht. Auf falschen Zetteln findet man auch Mailand als seinen Wohnort angegeben, was auf einer Verwechslung mit Lavazza beruhen mag. Lapaix,J.A. — Lille. 1840. 1858 Ein Geigenmacher, der sein bestes Können für nutz- lose Versuche verschwendete. Er machte Geigen, bei denen die Zargen, Reifchen und Klötze aus einem Stück bestanden, und ließ die Ecken fehlen. Er ver- wendete zwei Stimmstöcke und ersetzte die D-Saite durch eine seidene Schnur. Beispiele solcher Geigen besaß die Sammlung Snoeck (Nr. 548 und 549). Im übrigen war er nicht ungeschickt und erhielt auf der Pariser internationalen Ausstellung 1855 eine Medaille II. Klasse. Geigenzettel : Fait par Lapaix Luthier / ä Lille en 1843 / Brevete (gedruckt). Lapeyrie, Charles, begründete 1862 sein noch bestehendes Geigengeschäft in Montpellier. Auch ein A. Lapeyrie wohnte dort Lapostollet, Henry. — Dijon. 1854 Er hatte seine Werkstatt in der Rue des Etioux, ist aber nur als Reparateur bekannt geworden. La Prevotte, Etienne. — Marseille, Paris. Geb. in Mirecourt um 1795, f in Paris 1856 Er war nach A. Jacquot von 1833 — 1837, nach anderen schon vor 1823 in Marseille ansässig. Dann ging er nach Paris und wohnte 1838 Rue du Bac 38, im Jahre 1844 Rue du Dragon 3. Er beteiligte sich mit Erfolg an allen französischen Ausstellungen von 1823 — 1855 und fertigte außer einzelnen Streichinstrumenten, die ver- möge ihrer trefflichen Arbeit und ihres warmen Lacks von schöner Farbe fast den Eindruck von italienischen machten, auch Gitarren von eigener Erfindung und vorzüglicher Arbeit; nur Lacote übertraf ihn hierin; im übrigen gingen aus seiner Werkstatt auch zahlreiche sehr mittelmäßige Instrumente hervor. Seine Gitarren wurden gerne nachgeahmt, vielleicht am besten von Jean Baptiste Auteur. Eine hübsch eingelegte Geige von ihm besitzt das Museum des Pariser Konservatori- ums (Nr. 40). Geigenzettel : Guitare La Prevotte / Dedie aux Dames / Luthier, brevete, auteur / rue du Bac, 38, Paris / 1838 (gedruckt). Larcher, Pierre. — Paris, Tours. 1732. 1785 Schüler von Guersan, bei dem er jedoch nicht viel gelernt zu haben scheint ; seine Arbeit ist mittelmäßig und sein (brauner) Lack geradezu schlecht ; manchmal zeigen seine Decken jedoch schönes Holz. Er arbeitete zuerst in Paris und ging um 1780 nach Tours. Geigenzettel: Larcher Pierre, luthier de Paris / eleve de Guersan, Grande Rue au / Grand Dauphin a Tours 1785 (gedruckt). Larionoff, Wladimir. 1911 Ein russischer Dilettant, der in Turin eine von ihm gebaute Geige ausgestellt hat. Laroche. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamilie, von der 1759 ein Henry L., von 1 752 bis zu seinem Todestag am 6. April 1 785 ein Nicolas L. und 1780 ein Dominique L. als »Luthiers« vorkommen. Laroche, Fils. — Paris (?). 1821 A. Jacquot besitzt eine nach Savarts Vorschrift trapez- förmig gebaute Violine von ihm, die eine geschickte Hand erkennen läßt. Auf seinem Zettel schreibt er zwar : fait par LAROCHE FILS / A PARIS L'an 1821 , aber ich glaube doch, daß er in Mirecourt ansässig war. Larsen, C. F., ein dänischer Geigenmacher, der seine Werkstatt in Odense hat Zum Boden nahm er öfter dänisches, ungeflammtes Ahornholz; die Arbeit ist nicht übel, auch die Schnecke von ansprechender Form, sein Lack jedoch (nament- lich in den achtziger Jahren) sieht nur wie Möbel- politur aus. Er verwendet untenstehende Brandmarke, dazu die Jahreszahl (z. B. 1 887) und Nummer (z. B. 1 30). Brandmarke: Odense/ Larsen. Larsen — Lautenmacher 285 Larsen s. Brynildsrud Larue, Pierre, Mathieu. — Paris. 1767 Er war geschworener Zunftmeister für 1767 und ist im übrigen wenig bekannt. Laske, Josef Anton. — Prag. Geb. am 18. März 1738 in Rumburg ^), f 30. Nov. 1805 in Prag Schüler von Jac. Kolditz und Th. Hulinzky. Er ar- beitete dann in Dresden, Berlin, Wien und Brunn. Aus der Fremde zurückgekehrt, machte er sich 1764 auf der Prager Kleinseite ansässig, wo er Malteserplatz Nr. 474 »bei der goldenen Schlange« wohnte; 1765 erlangte er das Bürgerrecht. Am 6. Mai 1766 heiratete er Elisabeth Vogl (f 1 768) und ging 1 779 eine zweite Ehe mit Ludmilla Libovicky ein. Außer sehr guten Geigen baute er auch Pochetten, Violen d'amour, Har- fen und Mandolinen. Der Name kommt auch Laschke, Lasche oder Laska geschrieben vor. In Böhmen und Polen stand er in höchstem Ansehen bei den Geigern, die (nach Fetis) seine Instrumente denen der I Italiener vorgezogen haben sollen. Auf dem Chor der Braunauer Stiftskirche befindet sich von ihm eine Geige von Vj65 (1775?). Vier Violinen von 1770 und je eine von 1 779, 1 780 und 1 787 sowie ein Kontrabaß [von 1770 befinden sich im Kloster Strahow, ein Baß von 1791 in der Lorettokirche in Prag. Das Musik- historische Museum von W. Heyer in Köln besitzt eine schöne Taschengeige von ihm. Geigenzettel: Josephus Laske / Lauten u Geigen- macher in Prag Anno 1780 (gedruckt). — Josefus An- tonius Laske / fecit Pragae anno 1785 (gedruckt) und Abb. 470 und 509. Laskovsky, Ignatius. — Hamburg. 1790 Ein Instrumentenmacher, der am 19. März 1790 Bür- ger wurde. Lassiere, Adrien. — Saint Malo. 1735 Ein Bauernleiermacher, von dem sich in der Sammlung des Barons Lery eine gute Arbeit befindet. Laub, Hermann. — ? 1783 Der Name war nur unsicher, der Ort gar nicht zu lesen, die Violine dunkelbraun lackiert, und nicht schlecht. Laumann, Robert. — Budapest. Geb in Buda- pest 1870 Schüler von Ferd. Brückner, ging nach beendeter Lehrzeit, um sich weiter auszubilden, für fünf Jahre nach Deutschland und begründete 1895 seine eigene Werkstatt. Er arbeitet nur nach dem Stradivarimodell und verwendet einen gelben ÖUack. Seine Arbeiten wurden in Budapest 1896 und auf der Pariser Welt- ausstellung durch Medaillen ausgezeichnet. Geigenzettel : Abb. 467. Laurent, Emile, pere. — Brüssel. Geb. 1859 m Mirecourt Ein tüchtiger Nachahmer der alten Meister, der bei Hei in Lille seine letzte Ausbildung erhielt. Er arbeitet sehr sauber und besitzt verschiedene Ausstellungspreise. Laurent, Louis Sigismond. — Paris. 1774. 1789 ^) So berichtet J. G. Dlabac in seinem Allg. bist. Künstlerlexikon für Böhmen. Nach einer Mitteilung von Prof. D. Constantin Svorcik in Braunau gilt Laske dort für ein Stadtkind und soll auch dort gearbeitet haben. Die Familie Laske soll von dem polnischen Adelsgeschlecht Laski abstammen. Er selbst schrieb sich auch Lasky, Laschke, sogar Lasche. Sie Geigen von ihm kommen selten vor. Sie getien au italienische Vorbilder zurück und haben gelben Lack. L. dürfte aus Mirecourt stammen ; er wohnte Passage du Saumon und hatte das Schild : »Au cytre allemand«. Theorben aus den Jahren 1774 und 1775 sind im Mu- seum des Konservatoriums in Brüssel und aus der Sammlung Snoeck in Berlin. Ein C. Laurent, vielleicht sein Sohn, kommt 1806 — 181 9 als Erfinder der Kristall- flöten vor. Geigenzettel: Au Cy. Allemand / Laurent luthier, passage / du Saumont rue Monmartre / pres l'egout a Paris / 1 774. (gedruckt). — Au cytre allemand / Lau- rent / maitre luthier passage du Saumon , rue Mont- martre / ä Paris 1 775 (gedruckt). Laurent, Pierre und Joseph. — Mirecourt. 1785 Zwei Brüder, die Geigenmacher waren. Laurentms Papiensis s. Lorenzo Lauriol, ein guter französischer Geigenmacher, der im 19. Jahrhundert in Bordeaux wohnte Lauro, Antonio. — Rom. 1608. 1610 Er wird in einer Urkunde als »Antonio Lauro liutaro al Pasquino« bezeichnet und dürfte ein Deutscher oder ein Flamländer gewesen sein. Laussedat fils. — Clermont. 1814 Weder von ihm noch von Laussedat pere, der doch wohl auch Geigenmacher war, konnte ich je eine Arbeit ermitteln. Er soll als Wiederhersteller nicht ungeschickt gewesen sein. Lautenbacher, Anton. — Füssen. 1802 Eine Geige mit diesem Namen ist in Füssen noch vor- handen; der Name kommt jedoch in den Kirchen- büchern nicht vor, nur ein Haus in Füssen heißt heute noch zum »Lautenbacher <•. Es ist daher zu vermuten, daß der damalige Besitzer dieses Hauses statt mit seinem Familiennamen mit dem Hausnamen bezeich- net wurde, wie das ja in vielen ländlichen Gegenden Brauch ist. Den Namen, unter dem ihn jeder kannte, schrieb er deshalb in die Geigen. Er gehörte vielleicht der Familie Stoß an. Lautenmacher (Lawtenmacher) s. Bertolt, ferner Fritz 286 Lavalle Lecavalle Lavalle, Augustin. — Montreal. Geb. 1816 In Vercheres, f um 1903 Er galt als der erste Geigenmacher von Beruf, der sich in Kanada hervorgetan hat. Er arbeitete über ein halbes Jahrhundert in Montreal und erst das hohe Alter zwang ihn, den Werktisch zu verlassen. Seine Geigen wurden in Kanada sehr geschätzt, doch hatte er auch in Europa, vornehmlich in Frankreich, treue Abnehmer. Lavalois. — Paris. 1752 Nur als Verfertiger von Radleiern bekannt. Lavazza, Antonio Maria. — Mailand. 1703. 1708 Seine Arbeit ist recht gut, ebenso der dicke, rötliche Lack. In der Wölbung erinnern seine Geigen, die übrigens nur selten vorkommen, an das Stradivari- modell. — Lacasso für Lavazza zu lesen, ist falsch. — Er soll übrigens nach unbestätigten Angaben schon 1674 und noch 1732 vorkommen, was eine ungewöhn- lich lange Lebensdauer zur Voraussetzung hätte. Geigenzettel : Antonio Maria Lavazza fece in / Milano, habita in contrada , Largha 1703 (gedruckt). Lavazza, Santino. — Mailand. 1718(?). 1780(?) Wahrscheinlich ein Sohn von Ant. M. L. Violinen mit seinem Namen und der Jahreszahl 1780 kommen vor; 1718 scheint nur durch Nachmalen der verblichenen Ziffer 1778 entstanden zu sein, wenn man nicht an- nehmen will, daß es zwei gleichnamige Meister ge- geben hat. Dafür spricht eine Geige von 1634 auf dem Chore zu St. Veit in Prag. Geigenzettel: Abb. 481. Lavezzani, Antonio. — Bergamo. 19. Jahr- hundert Man fmdet diesen Namen öfter auf Reparaturzetteln in neueren, wenig wertvollen Violinen. Geigenzettel : Antonio Lavezzani / nparo nell anno. . . . Bergamo via XX settembre 29 — 33. (geschrieben). Lavinville. — Paris. 1777 Nur als Lauten- und Mandolinenmacher bekannt, als solcher Lieferant des Herzogs von Chartres. Lazzaretti, Francesco, eröffnete 1852 seine noch bestehende Gelgenmacherwerkstatt in Vicenza LeBlanc, Charles ^). — Mirecourt. 1764. 1820 Vielleicht ein Sohn von Jean Claude 1 Leblanc. Kein hervorragender Meister, aber sauber in seiner Arbeit. Er ahmte das Stradivarimodell im allgemeinen nach und hatte dunkelroten oder braunen Lack. Der Ton seiner Geigen ist hell und scharf. Er führte die Brand- marke: Le Blanc / Paris. Mirecourt. Geb. 1759, Leblanc, Claude. t 1843 Seine Arbeiten zeigen den damals gewöhnlichen Mire- courter Stil; das Holz ist leidlich gut, der Lack dünn und braun. Sein gleichnamiger Sohn Claude Leblanc fils wird 1 786 und 1 789 erwähnt. Ein älterer Claude Leblanc erscheint als Vater eines 1 765 geborenen Henri Bonaventura L. Le Blanc, Jean-Claude I. — Mirecourt. 1760. 1789 Als Geigenmacher bezeichnet. Ein anderer Jean- Claude (II) f am 30. April 1788. Le Blond, G. — Dünkirchen. 1777. 1789 Seine Geigen sind nicht ohne eine gewisse Originalität; Boden und Decke springen nicht vor, das Holz ist gut und der Lack von gelber Farbe; auch seine Lauten und Gitarren sind interessant, besonders seine »Guitarres anglaises« (Cistres), die zu seiner Zeit sehr beliebt waren. Eine Viola von ihm besitzt die Sammlung Snoeck (Nr. 467, jetzt m Berlin) neben zwei französi- schen Gitarren, eine ebensolche Gitarre von birn- förmigem Zuschnitt das Museum des Brüsseler Kon- servatoriums (Nr. 256), drei Cistres und eine Archi- cistre W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Geijenzettel: Leblcnd Dunkerque. — Fait par G. Le Blond a Dunkerque 1789. Le Boussu s. Boussu Lebreton, Guillaume. — Caen, Rouen. 1824 Geboren in Caen. Bildete sich ohne Lehrer zu einem geschickten Geigenmacher aus. Nach Rouen über- gesiedelt, arbeitete er mit Eder & Gaguin zusammen und machte verschiedene interessante Versuche. Seine Arbeit läßt freilich manchmal erkennen, daß er keine regelrechte Schule durchgemacht hat. Le Breton, vgl. auch Breton Le Bronn (Brion, Biorn). — Amsterdam. 1 723 Der Name auf dem geschriebenen Zettel ist schwer leserlich. Hochgewölbtes Modell ohne Einlagen, sonst aber brave Arbeit und guter, an Amati erinnernder Lack. Le Camus, Pierre. — Lyon. 1573. 1575 Er wird als »faiseur de luths« und als »Fremder« be- zeichnet, ohne daß sein Vaterland näher angegeben wird. (Vgl. Coutagne's Duiffop.) Xavier. — Mirecourt. ^) Urgroßvater (mütterl.) von Blanchard in Lyon. Lecavalle, Fran^ois 1815. 1854 Guter Mirecourter Meister aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine Arbeit von ihm besaß C. C. Snoeck. Geigenzettel : F"'^ X. Lecavalle. (gedruckt). Lecavalle (Lecavelle), Victor. — Beziers (Dep. Herault). Geb. H.Mai 1836 zu Mirecourt Er lernte fünf Jahre bei seinem Vater Fr. X. L., ar- beitete dann von 1854 bis 1856 bei Bernardel und den Lecch Leeb 287 Brüdern Gand und von 1856—1863 in Nimes. Im Jahre 1863 begründete er seine eigene Werkstatt in Beziers. Seine Geigen tragen einen handschriftlichen Zettel mit seinem Namen. Seine Arbeit wird gelobt. Lecchi, Enrico. — Modena. 1885 Italienischer Gitarrenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Lecher s. Lacher Lechertier. — Paris. 1875 Seine Geigen zeichnen sich durch kräftigen, wenn auch nicht gerade edlen Ton aus. Lechleitner, Christian. — Leiden. 1783. 1784 Dem Namen nach ein Deutscher, vielleicht aus Füssen stammend. Er hat recht gute Geigen nach Stradivari gebaut, von denen J. Rouman (1869) sagte, daß sie oft für echte verkauft würden. Man kennt auch zier- liche, an H. Jacobsz erinnernde Geigen von ihm, aber auch solche, die sehr handwerksmäßig ausgeführt sind. Diese hat er wahrscheinlich nur gemacht, da er auch ganz billige Geigen feil halten mußte. Man tut ihm daher unrecht, wenn man ihm vorwirft, ungleich ge- arbeitet zu haben. Geigenzettel: Christian Lechleitner / fecit Lugduni Batav. 1783. (gedruckt) und Abb. 469. Lechner, Franz H. — München. 1864. 1903 Als Zithermacher sehr angesehen. Er begründete 1864 sein Saiteninstrumentengeschäft und hat auch Geigen repariert, schwerlich aber neue gebaut. Lechner, Hans. — München. 17. Jahrhundert Er baute die Orgel in der Paulanerkirche zu St. Boro- mäus in der Au, soll aber auch Lauten und Zimbeln angefertigt haben. Leclerc, Fran^ois. — Mirecourt. 1738. 1767 Von A. Jacquot als Luthier erwähnt. Leclerc, Joseph. — Mirecourt. 1769. 1770 Vielleicht ein Sohn von Fran^ols L. Leclerc, Joseph Nicolas. — Paris. 1760. 1777 Er stammte aus Mirecourt, ging nach 1 769 nach Paris und wohnte in einem der privilegierten Häuser von »Quinze Vingts«; sonst ist so wenig über ihn bekannt, daß die Annahme gerechtfertigt erscheint, daß er haupt- sächlich Händler und Reparateur war. Mir sind auch meist nur Bässe von ihm bekannt geworden. Sein Schwiegersohn, der Blasinstrumentenmacher Gilles Lot, setzte nach dem Tode Leclercs mit der Witwe das Ge- schäft fort, konnte aber selbst im Wege des Prozesses nicht durchsetzen, als Mitglied in die Lautenmacher- zunft aufgenommen zu werden. Eine mittelmäßige Violine von ihm aus der Sammlung Snoeck ist in Berlin zu sehen. — Ein Leclerc in Paris erfand 1837 das sog. Melophone, ein Zungeninstrument in Gitarren- form mit Klaviatur. Geigenzettel : Abb. 458 und 512. Leclerc. —Paris. 1740 Vielleicht der Vater von J. N. Leclerc. Fran?ois Feury war sein Schwiegersohn. Arbeiten von ihm kenne ich nicht. Leclercq. — Lüttich. 1853 Wenig bekannter Geigenmacher, von dem ich nur den Zettel kenne: Repare par Leclercq ; le Ceinq fevrier 1853 / a Liege, (geschrieben, sie!). Lecomte, Antoine. — Paris. 1775. 1800 Er wohnte in der Rue des Fosses-Saint-Germain-des- Pres. Sein voller Name lautet: Antoine Fouquet- Lecomte. Lecuyer, Pierre. — Paris. 1775. 1783 Er wohnte Rue des Fosses-Saint-Jacques und gehörte zu den Geigenmachern dritten Ranges. Ledent, Severln. — Anzin. 1812 Bisher nur als Reparateur bekannt. Lederer, Carl Wilhelm L — Markneukirchen. Geb. in Schöneck 1803, f 8. Aug. 1862 Gründer der noch jetzt bestehenden Firma »Lederer & Kreinberg«. Auch sein Vater, der 181 1, noch nicht 30 Jahre alt, an der »Wasserscheu« starb, war Musik- instrumentenmacher. Gegenwärtig ist Carl Wilhelm II L., geb. 5. Sept. 1864, als Geigenmacher in Mark- neukirchen tätig. Lederer, Johann. — München. 19. Jahrh. Ein »Instrumentenfabrikant« im Rosental-Schulhause (nächst der Schrannenhalle), der auch Geigen aus- besserte. Lederhofer, Ottcmar. — Troppau. 1 886. 1 887 Ein Harmonikamacher, der in Wels für Violinen und »ein prächtiges Violoncello«die große silberne Medaille, in Freiberg i. M. die bronzene Medaille zuerkannt erhielt. Le d'hui. — Coucy-le-Chäteau (Aisne). 1806 In einer eigenartigen, sonst unbedeutend ausgeführten Viola fand sich sein (schlecht leserlicher) Zettel. Auch Valdrighi erwähnt seinen Namen (N. 1765). Geigenzettel: Le d'hui . Coucy 1806 (geschrieben). Le Duc, Pierre. — Paris. 1640. 1649 Sein Ladenschild in der Rue Saint-Honore lautete: »Au Duc Dore«. (Nach andern »au chat dore«.) Eine hübsche Pochette von ihm befand sich in der Samm- lung Loup. Geigenzettel : Pierre Le Duc, a Paris, rue Saint Honcre/ au Duc-Dore 1647 (gedruckt). Leeb, Andreas Carl. — Wien, Preßburg. 1 784 1813 Wahrscheinlich ein Sohn des Job. G. L. in Preßburg. In den Wiener Bürgerbüchern heißt es von ihm : »Leeb, Andre, Lauten- und Geigenmacher, neues Gewerb (d. h. neubegründetes Geschäft) auf der Hohen Brück 288 Leeb — - Leeuwen im Baaderischen Hauss, Bürgereid abgelegt am 18. No- vember 1784«. In den Steuerlisten kommt er 1785 bis 1787 vor. Er scheint dann mehrere Jahre lang in Preßburg gearbeitet zu haben. Dr. Geyer kann als Beleg dafür einen Zettel von 1 790" mitteilen : Andreas Carolus Leeb / fecit Posonii 1 790 N° 67 (geschrieben). Er war sehr talentvoll und einer der ersten Wiener Geigenmacher, die das Stainermodell aufgaben. In seiner ersten Zeit ging er in seiner Begeisterung für die flache Wölbung allerdings, besonders bei den Violon- celli, etwas zu weit, so daß jetzt viele davon auf der Seite des Baßbalkens eingesunken erscheinen. Er bil- dete sein Modell nach Stradivan, rundete jedoch die Ränder nach dem Vorbilde der Amati zarter ab. Daß er fortwährend Versuche anstellte, beweist die große Ver- schiedenartigkeit seiner Geigen. Arbeiten seiner ersten Zeit sind sehr dunkelbraun, beinahe schwarz lackiert und haben spärlich geflammtes Ahornholz. Je schöner sein Holz wird, desto besser wird auch der jetzt gelblichbraune Lack, der nur an jenen Stellen, wo er dicker aufgetragen wurde, »zusammengetrieben« er- scheint. Auch L. scheint nach der in Wien üblichen Art die Geigen vor dem Lackieren mit einem Leimgrund versehen zu haben, doch tat er dies sicher nicht so ausschließlich wie viele andere. Seine Geigen sind sehr gut im Ton und in allen Teilen sauber gearbeitet, nur die Schnecke ist etwas schwerfällig. Auf seinen Zetteln, von denen er den größeren ursprünglich nur für Violon- celli verwendete, gilt die Opuszahl nur für das jeweilige Jahr, da er jährlich von neuem zu zählen begann. Auch als Reparateur war er sehr beliebt. Da er verhältnis- mäßig jung gestorben ist, muß er, nach der Zahl seiner Arbeiten zu urteilen, sehr fleißig gewesen sein. Seine dunkelbraunen Geigen werden wohl ganz gut, seine helleren dagegen dreimal so teuer bezahlt. Eine von ihm im Jahre 1796 reparierte Stainergeige befindet sich in der fürstlich Lobkowitzschen Sammlung zu Raudnitz, ferner aus demselben Jahre eine Geige mit der Brandmarke A. L. auf dem Boden. Geigenzettel : Abb. 494. Brandmarke Nr. 4. Leeb, Balthasar. — Preßburg, Tyrnau. 1740. 1758 Nach einer alten Überlieferung soll Joh. Georg I L. der Sohn eines Geigenmachers gewesen sein, dessen Vorname irrtümlich auch als »Georg« angegeben wird. Arbeiten dieses Stammvaters der Familie Leeb konnte ich nicht ermitteln, selbst daß er Geigenmacher war, steht nicht einwandfrei fest, denn in der Trauungs- matrikel des Preßburger Domes findet sich der Ein- trag: »1769 Januarii die 8. Vid. Baltasar Leeb Matenae Confector et Virgo Johanna Stromenn.« — Sonst kommt nur noch ein Wenceslaus Leeb, Organista musicus Bohemus, vor, der 27 Jahre alt, am 4. Februar 1 776 in Preßburg die Jungfrau Ursula Kurtzin aus Schlesien heiratete. Leeb, Johann Carl. — Wien Geb. 1792, t6.Mai 1819 Er wohnte Stadt Nr. 399 und legte am 3. Oktober 1817 den Bürgereid ab. Wahrscheinlich ein Sohn von Andr. Carl L., den er freilich nicht erreichte, immerhin ein sehr talentvoller Meister, der leider schon im Alter von 27 Jahren starb. Infolgedessen kommen Arbeiten von ihm selten vor. Er verwendete einen gelblichroten Lack, den er gleichmäßig auftrug. Zettel scheint er nicht eingeklebt zu haben. Eine seiner letzten Arbeiten, eine Geige aus dem Jahre 1819, besitzt das Schottenstift in Wien. Möglicherweise könnte auch der von Dr. J . Geyer erwähnte Franz Löbb, der noch 1 786 gelebt haben soll, als der Vater Johann Georgs in Betracht kommen. Leeb, Johann Georg I. — Preßburg. Geb. in Preßburg um 1740. 1810 Vielleicht ein Sohn von Balthasar L. oder von Franz Löbb, wenn nicht von jenem Georg Lebb, von dem Dr. J. Geyer einen Zettel mit der Jahreszahl 1706 mit- teilt^). Er erwarb das Bürgerrecht in Preßburg am I. Februar 1779. Vielbeschäftigter Meister, der als der beste seiner Zeit in Ungarn angesehen wird. Er arbeitete nach Stainer, auch nach Amati, wobei er allerdings auch Eigenes dazu tat. Im ganzen steht er Joh. G. Thir sehr nahe. Zu den Decken verarbeitete er gutes Klang- holz, sein Ahornholz ist beinahe ganz ohne Flammen. Von merkwürdiger Plumpheit sind seine Schnecken. Der Lack ist rotbraun und sehr dünn aufgetragen. Die Geigen haben einen weichen, edlen, oft kräftigen Ton. Eine Geige von 1780 befindet sich im Mathias- dom zu Ofen. Eine Violine von 1 787 besitzt Dr. Ad. Lindner in Wien. Geigenzettel: Johann Georg Leeb in / Presburg Anno 1788 (gedruckt). Leeb, Johann Georg II. — Preßburg. Geb. 1779, t 3. März 1817 Sohn von Joh. Gg. L. und dessen Nachfolger. Er er- warb das Bürgerrecht am 19. April 1814 und steht als Künstler höher als sein Vater. Er arbeitete nur nach Amati und verwendete dunkelbraunen, manchmal auch lichtbraunen Lack. Auch bei ihm sind die Schnecken auffallend plump. Er war sehr fleißig ; in Wien befinden sich noch viele seiner Violinen im Privatbesitz. Seine Geigen werden je nach ihrer Schönheit bewertet. Zwei Violinen von ihm von 1806 besitzt der Preßburger Domchor. Geigenzettel: Abb. 303. Leest, Willem. — Antwerpen. 1561 Ein Antwerpener Musikinstrumentenmacher, der 1 56 1 als Klavichordmacher das Bürgerrecht erwarb. Leeuwen, Dr. med. van. — Haag. Geb. in Utrecht 1872 Er besuchte die Universität seiner Vaterstadt und pro- movierte im Jahre 1897 zum Doktor der Medizin. Nebenbei studierte er bei Coenen Musik. Während er als Arzt praktizierte, begann er sich seit 1903 mit dem Geigenbau wissenschaftlich und praktisch zu beschäf- ^) Sollte nicht richtiger 1766 gelesen werden? — dann hätte man es mit einem Zettel von Johann Georg I L. zu tun. Dr. J. Geyer nimmt allerdings noch einen älteren Johann Georg L. an, der schon 1726 in Preßburg tätig gewesen sein soll. Lefebvre — Leidolff 289 tigen, und ging nach fünfjähriger Lehrzeit 1908 ganz zum Geigenbau über. Auf Grund eines von ihm auf- gestellten Systems baut er nach dem Stradivarimodell von 1713 — 1718 Streichinstrumente, denen, obwohl sie sehr stark im Holze sind, von den ersten Geigern große Tonfülle, Weichheit und leichte Ansprache nach- gerühmt wird. Auf der Brüsseler Ausstellung 1910 erhielt er die silberne Medaille. Lefebvre, J. B. — Amsterdam. 1720 1786 Ein Franzose, der sich in Amsterdam ansässig gemacht hat. Seine Modelle erinnern manchmal an die Amati- schule ; seine Arbeit ist gut, sein Lack von gelber Farbe. Da seine Geigen besser sind als die der gleichzeitigen Franzosen, will man annehmen, daß er, bevor er nach Amsterdam kam, in Italien gearbeitet habe. Er war ziemlich fleißig und machte Geigen aller Art. Ein Violoncello von ihm aus dem Jahre 1 770 aus der Samm- lung Snoeck (Nr. 585), befindet sich in Berlin, ein solches von 1772 und eine Violine von 1786 in der Sammlung Scheurleer. Geigenzettel : J. B. Le Febvre feclt / in Amsterdam 1 770 (gedruckt). Lefebvre, Nicolas — Rouen. 1630. 1636 Er wird 1 630 als Lautenmacher erwähnt und heiratete am 15. Oktober 1636 die Isabeau Morin. Auch seine Nachkommen waren Instrumentenmacher, so Charles und Jean-Baptiste L., die 1725 noch lebten, aber nur als Verfertiger von Orgeln. Clavecins, Spmetts und Querflöten bekannt smd. Lefevre (Lefebvre), Toussaint- Nicolas -Ger- maln —Paris. 1762. 1789 Dieser Geigenmacher wohnte nach dem Pariser Adreß- buch von 1 789 in der Rue du Cimetiere St. -Jean und ist namentlich wegen seiner Bogen (bei denen aller- dings nach heutigen Anforderungen die Stange zu schwer erscheint) berühmt gewesen. Seine Bogen tra- gen die Brandmarke: »Lefevre ä Paris«. Er soll jedoch auch ganz gute Geigen gemacht haben. Einen Bogen von ihm besitzt das Museum des Pariser Konservato- riums. Legnamaro (Lignamaro), Pietro. — Mantua. t 12. Febr. 1569 Ein Zithermacher von S. Martine. Es ist nicht ganz sicher, ob er mit dem Familiennamen Legnamaro (Zimmermann) hieß, oder ob er ein Zimmermann war, der auch Zithern machte. In Abb. Canals »Musica in Mantova« wird er als Lautenmacher erwähnt. Legnani, Luigi. — Neapel. 1765 Er nennt sich einen Schüler von Zosimo Bergonzi, und tatsächlich sind seine Geigen auch recht gute Kopien der Arbeiten Bergonzis. Sie sind mäßig gewölbt, der Boden gewöhnlich aus einem Stück, der Lack rötlich- braun, Geigenzettel : Abb. 486. Legnani, lebte im 19. Jahrhundert m Ravenna und machte ganz gute Gitarren v. Lütg-en d o rf f , Geigen- und Lautenmacher. Bd. II Legrand, Fran^ois. — Mirecourt, Nancy. 1744. 1765 Ein Mirecourter Luthier, der sich im Jahre 1765 in Nancy niederließ. Le Grand. — Lund. 1850. 1860 Mehr als Reparateur wie als Geigenmacher bekannt. Legros de la Neuville, Nicolas. — ? 1823 Er stellte 1823 Violinen, Violoncelli und Gitarren in Pans aus. Lehmann, A. s. Leman Lehner, Franz de F. — Prag. Geb. 11. Jan. 1801 in Prag, t 14. Mai 1878 Schüler von Johann Stoß, lernte 1817 aus und arbeitete 1820 mit Kulik zusammen bei Martin Stoß in Wien und später in Eisenstadt. 1833 zurückgekehrt, eröffnete er 1834 seine eigene Werkstatt auf dem Wenzelsplatz Nr. 782. Im Jahre 1835 heiratete er Theresia geb. Gra- ner aus Vysehrad, mit der er sechs Kinder hatte. Er arbeitete bis 1873; da es ihm schlecht ging, kam er ins Armenhaus, das er nach einem Jahr wieder verließ, um zu seinem Sohn Franz, der Pfarrer war, nach Tüppelsgrün überzusiedeln, wo er auch starb. Ein sehr schönes Violoncello nach Stradivari, mit hellgelbem Lack aus dem Jahre 185 1 besitzt Ed. Emanuel Homolka in Kgl. Weinberge bei Prag. Geigenzettel : Franz Lehner Gei- / genmacher in Prag 1848 (gedruckt) und Abb. 493. Lehoux, Leon, lebt als Streichinstrumenten- macher in Nogent-le-Rotrou Leicht, Max. — Hohendorf i. S. 1910 Guter Bogenmacher. Leidolff, Christoph Nikolaus. — Wien. 1774. 1788 Vielleicht ein Sohn von Joh. Christoph L., dessen Arbeit der seinigen sehr ähnlich ist. Hohe Wölbung, bräunlicher Lack, gute Arbeit, gutes Holz und schöner, weicher Ton sind die Merkzeichen seiner Geigen. Eine Violine aus dem Jahre 1 774 und eine Viola von 1 768 sind im Schottenstifte in Wien. Auch das Stift Melk (Ober- österreich) besitzt Geigen von ihm. Geigenzettel : Christophus Nicolaus Leidolff / Viennae anno 1776 (gedruckt). Leidolf (Leytolff), Ignatius. — Wien. 1699. 1714 Sohn von Nikolaus L. Er wird als »Lauttenmacher« bezeichnet, wohnte im Stubenviertel und legte am 2. Juni 1 702 den Bürgereid ab. Er war ein guter Violen- bauer. Leidolff (Leydolff), Johann Christoph. — Wien. Geb. 1690, f 28. Juni 1758 Sohn von Nikolaus L. und seiner Arbeit nach auch dessen Schüler. Er wohnte im »Wübmer Viertl«, legte am 19 290 Leidolff — Leitzsch 2. September 1715 den Bürgereid ab und kommt in den Steuerlisten von 1749 — 1758 vor. Er lieferte nachweis- bar Geigen für die Kais. Hofkapelle, ob er aber den Titel Hofgeigenmacher führte, wie behauptet wird, ist zweifelhaft. Aus seinen Zetteln geht es wenigstens nicht hervor. Nach seinem Tode führte seme Witwe das Geschäft fort, bis sie selbst im Jahre 1 770 starb. Seine Geigen sind nach einem von ihm entworfenen Stainer- modell mit etwas eckigen Umrissen und ebensolchen F-Löchern gebaut. Die Wölbung nimmt er oft über- trieben hoch. Die Bereifung der Zargen fertigte er gerne aus hartem Holze an. Die Schnecke hat den echten Wiener Typus und ist häufig aus Birnbaumholz. Einlagen, Rand usw. sind mit Sorgfalt ausgeführt und die ganze Arbeit tadellos. Leider verdirbt das Aussehen des Lacks gewöhnlich den guten Eindruck seiner Gei- gen, da er das Holz vor dem Lackieren, wie seine meisten Wiener Zeitgenossen, mit chromsaurem Kali beizte. Die anfangs schöne, sattbraune Farbe verwandelte sich sehr bald in ein unansehnliches Graubraun. Die Decke, in die die Beize besonders tief eindrang, wurde fleckig. Übrigens scheint er doch auch Versuche mit anderen Arten der Lackierung gemacht zu haben, da es Geigen mit schönem, sogar rotem Lack von ihm gibt. Er war ein vielbeschäftigter Meister und soll oft zehn Gesellen beschäftigt haben, wodurch es sich auch erklärt, daß seine Arbeiten neben denen Math. Thirs in Wien am häufigsten vorkommen. Geigen mit seinem Namen und den Jahreszahlen nach 1758 sind Werke von Ge- sellen, die bei der Witwe tätig waren. Arbeiten von ihm sind in vielen Sammlungen zu finden, so ein Altquinton in Gambenform von 1719 in der ;taatl. Sammlung in Berlin (Nr. 873), das auch dadurch bemerkenswert er- scheint, daß Boden, Zargen und Wirbelkasten purpur- blau gefärbt sind. Am Wirbelkasten befindet sich ein Mohrenkopf. Geigen von ihm besitzt das Stift St. Flo- rian (Oberösterreich, ohne Datum), das Schottenstift in Wien (von 1748) und die ehem. Kais. Hofkapelle (von 1 758 mit rotem Lack). Geigenzettel: Johann Christoph Leidolff / Lauten- und Geigenmacher ' in Wienn .17 . . (gedruckt). — Joannes Christophorus - Leidolff Viennae 1741 (geschrieben^]) und Abb. 492 und 501. Leidolff (Leydolph), Joseph Ferdinand. — Wien. 1756. 1780 Er wohnte im Schottenviertel (wahrscheinlich im Tie- fen Graben Nr. 363), legte am 30. April 1756 den Bür- gereid ab und erscheint von 1757 — 1774 besteuert. Im Jahre 1774 heißt es von ihm in den Bürgerbüchern »der Leydolph kommt mitleidig*, im selben Jahre über- nimmt Marian Petz seine Werkstatt. Eine Geige von ihm soll zwar noch die Jahreszahl 1787 führen, doch wird man wohl 1757 lesen müssen. Er arbeitete sehr gut nach einem Amatimodell und nur ausnahms- weise nach Stainer. Seine Geigen sind viel eleganter als die von Joh. Chr. L., kommen aber viel seltener vor. Die Wölbung ist weniger hoch, die Arbeit sehr sauber und das Holz gut gewählt. Neben ganz schwarzen, mit Aloe lackierten Violinen kennt man auch eine Anzahl ■") Grillet gibt einmal nur Leidolffs Vornamen an und macht einen Geigenmacher »Christophorus« aus ihm. solcher mit rotgelbem, durchsichtigem Lack. Die Decken seiner Violoncelli scheint er zu dünn gemacht zu haben, weshalb das E auf ihnen gewöhnlich »bul- lert«. Da seine Instrumente auch im Ton recht gut sind, werden sie gerne gekauft. Eine Violine von ihm besitzt das Stift Klosterneuburg. Geigenzettel : Abb. 462, 506, 507. Leidolf, Nikolaus. — Wien. 1673. f um 1710 Jedenfalls der Stammvater der Geigenmacherfamilie Leidolf. Er war wahrscheinlich ein Schüler von Hans Kögl und dürfte in seinen Wanderjahren auch in Italien gearbeitet haben. Er erlangte im August 1673 das Bürgerrecht in Wien und darf nicht mit dem etwa 100 Jahre später lebenden Christoph Nikolaus L. ver- wechselt werden. Jaura in Wien besitzt eine Viola von ihm von großem Format mit flacher Wölbung und langen Ecken. Die F-Löcher und die Schnecke erinnern sehr an Testore. Der Lack ist rötlichgelb mit goldigem Schimmer. Seine Geigen werden gerne als italienische verkauft, weshalb es erklärlich erscheint, daß Arbeiten von ihm so selten vorkommen. Es ist zu bedauern, daß die Wiener Meister später andere Wege einschlugen als N. Leidolf. Eine Arbeit von ihm von 1682 befindet sich im Städtischen Museum Carolino-Augusteum in Salzburg, eine Geige von 1698 besitzt Dr. Necas in Prag. (Einen Miroslav Leydolf, der nach einem Violon- cello im Museum Carolino-Augusteum in Salzburg schon 1632 gelebt haben soll, hat es nicht gegeben.) Geigenzettel : Abb. 480 und 508. Leipelt, Friedrich. — Glatz i. Schi. Geb. um 1850 in Habelschwerdt, ließ sich im Jahre 1883 in Glatz als Instrumentenmacher nieder Leißmüller, Christoph. — Krinn (Krünn) bei Mittenwald. 1763. 1793 Ein ebenso fleißiger als geschickter Geigenmacher, von dem recht gut klingende Geigen nicht allzu selten vor- kommen. Geigenzettel: Christoph Leißmiller in Krin / bey Mittenwald, 17.. (gedruckt). Leißmüller, Martin. — Krinn (Krünn) bei Mittenwald. 1754. 1790 Gute Mittenwalder Schule. Seine Violinen haben mitt- lere Wölbung und sind sauber gearbeitet Weniger schön ist der Lack. Geigenzettel : Abb. 471 . Leitzsch, Konstantin. — Danzig. Geb. 2. März 1835 in Köslm, t 3. Juni 1890 in Danzig Er lernte bei seinem Vater die Kunstdrechslerei, wurde gleichzeitig zum Stadtmusiker ausgebildet und diente acht Jahre als Hoboist beim Seebataillon. Besondere Neigung führte ihn zum Geigenmachen. Er benutzte jede Gelegenheit, sich darin zu unterrichten, und konnte sich schließlich als Geigenmacher in Danzig nieder- lassen. Er war sehr gut veranlagt, aber zu sehr Leje Lema 291 Künstler und zu wenig Kaufmann, so daß er, da er auch noch andauernd krank war, fortwährend ein sorgenvolles Dasein hatte. Im Jahre 1873 kehrte er nach seiner Vaterstadt zurück, um dort bei seinem Bruder Wilhelm zu arbeiten. 1877 finden wir ihn wie- der in Danzig, wo er nun bis an sein Lebensende verblieb. Lejeune, Benoit. — -Lyon. 1557 Er wird ausdrücklich als »faiseur de luths* bezeichnet. (Vgl. Coutagne, Duiffoprugcar). Le Jeune, Fran^ois. — Ypern (Belgien). 1706 Nach einer Urkunde im Königl. Archiv in Brüssel war er »faiseur de Violons«. Arbeiten von ihm scheinen jedoch nicht erhalten zu sem. Le Jeune, Franq:ois. — Paris. 1755. 1789 Er war geschworener Zunftmeister für 1765 und wohnte in der Rue de la Juiverie. Er wird dort noch 1 789 aufgeführt. Sein Ladenschild lautete : »ä la Harpe Royale«. Arbeiten von ihm besitzt das Museum des Konservatoriums in Paris, eine Pochette die Sammlung Savoye. Er war recht geschickt, aber in keiner Weise her- vorragend ; sein Lack ist nicht schlecht und seineViolinen haben durch das Alter sehr gewonnen. Er hat auch hübsche Taschengeigen, Gitarren und selbst Harfen gemacht. Statt der Schnecke brachte er manchmal zier- lich geschnitzte Frauenköpfchen am Wirbelkasten an. Geigenzettel: Abb. 459, 488. Le Jeune, Jean-Baptiste. — Paris. 1775. 1819 Vielleicht ein Sohn von Fran(pois L. J. Er machte wie dieser Geigen und Harfen und wohnte Rue Montmartre au passage Charot. Le Jeune, Jean-Charles. — Paris. 1776. 1822 Er begründete 1776 sein Geschäft, wohnte bis 1783 in der Rue du Four St. Germain und hatte das Laden- schild ».Au Dieu de l'Harmonie«. Er machte zwar Vio- linen und gute Kontrabässe, war aber mehr Händler und Reparateur. Sein Nachfolger war sein Neffe Guill. Martin. Le Jeune, Louis. — Paris. 1783. 1789 Wahrscheinlich der ältere Sohn und Mitarbeiter von Fran^ois L. J. Er wohnte Rue de la Juiverie, war aber als Geigenmacher ziemlich unbedeutend. Le Jeune (aine). — Paris. 1819 Mittelmäßiger Geigen- und Gitarrenmacher. Geigenzettel: Le Jeune luthier, cour du commerce / n° 19 faubs St. Germain, Paris (gedruckt). Le Jeune (fils). — Paris. 1830 Schüler seines Vaters und nicht besser als dieser. Er wohnte Passage du Saumon. Le Jeune. — Paris. 1836. 1846 Er wohnte Rue Boucherat Nr. 13 und machte, wie fast alle seine Namensvettern, nur mittelmäßige Instru- mente. Le Jeune. — Paris. 1840 Er wohnte Rue du Marche Palu. Ein Le Jeune wohnte als »Luthier« bereits im letzten Drittel des 18. Jahr- hunderts in der gleichen Straße. Le Jeune. — Paris, f um 1870 Der Letzte aus der Familie Le Jeune, von der kein einziges Mitglied sich über die Mittelmäßigkeit er- hoben hat. Er wohnte Rue Claude au Marais. Lelievre (Le Lievre) J. C. Pierre. — Paris. 1731. 1765 Wahrscheinlich aus Mirecourt und ein Schüler von Grosset, den er nachahmte. Er wohnte in der Rue des Noniandieres und war als Geigenmacher nicht hervor- ragend ; weder sein an deutsche Vorbilder erinnerndes Modell noch sein gelber Lack sind sonderlich an- sprechend ; dagegen waren seine Sackpfeifen berühmt. Geigenzettel : Le Lievre, rue des / Noniandieres (sie) / a Paris 1 754 (gedruckt). Leloir, Louis. — Paris. 1714 (?) Mir ist nur die Abschrift eines schlecht leserlichen Zettels mit diesem sonst nicht nachweisbaren Namen bekannt geworden. — St. Petersburg, 859 in Moskau, Leman, Anatol Ivanovitsch. Strelna. Geb. 1 . Juni t 11. Sept. 1913 Als Sohn eines in Rußland hochgeschätzten Arztes und großen Musikfreundes, der auch als Komponist auf- getreten ist, und einer hervorragenden Pianistin, erhielt er schon in frühester Jugend eine sorgfältige musikali- sche Erziehung, mußte aber trotzdem gegen seinen Willen in das Kais. Kadettenkorps eintreten. Er wurde zunächst Ingenieur-Offizier und wendete sich dann der Zahnheilkunde zu. Immer aber beschäftigte er sich mit dem Geigenbau, dem er sich zuletzt ausschließlich widmete. Seine erste Geige baute er bereits als acht- jähriger Knabe, doch erwählte er das Geigenmachen erst dann als Beruf, als er durch sorgfältiges Studium und unablässige Übung eine wirkliche Mei- sterschaft erlangt hatte, wobei ihm Salzard und .Arnould, Otto und Arkhusen an die Hand gingen. Dann bereiste er Italien, Frankreich und Deutschland usw., überall seine Kenntnisse als Geigenmacher in den ersten Werk- stätten bereichernd. Er veröffentlichte eine ganze Reihe von Büchern über die Geige, sammelte über 4500 Mo- delle und hat zahlreiche Lackrezepte eigener Zu- sammenstellung aufgeschrieben. Vor Leman wurden m Rußland nur vereinzelt neue Geigen gebaut. Sein Streben fand in Rußland große Anerkennung, man hat ihn dort überschwenglich den »Messias der Violine« genannt, und er selbst war von der Richtigkeit der von ihm aufgestellten technischen und akustischen Gesetze so überzeugt, daß er behauptete: »Wenn Stradivari noch lebte, würde ich sein Lehrmeister sein.« Seinen Geigen werden sowohl in der Arbeit, im Aussehen und im Ton große Vorzüge nachgerühmt, und er erzielte manchmal geradezu fabelhafte Preise. Er hat ohne jede Beihilfe mehr als 200 Violinen, 8 Violoncelli und 4 Violen gebaut. Auch seine Bogen werden gelobt. 19* 292 -eman Er war zweifellos ein vielseitig begabter Mann von großem Arbeitseifer, fleißiger Fachschriftsteller, Philo- soph und selbst Anhänger des Okkultismus. Geigenzettel: AHaTOJiifi JleManT. / Meccia CKpimKii. C.-neTep6ypn,, 1909. (gedruckt). — »Dea« — Anatole le Leman / Messie du Violon. / St. Petersbourg, 1909 (gedruckt) und Abb. 482. Leman, Marc Anatolewitsch. — St. Peters- burg. Geb. 1893 Zweiter Sohn von Anatol L. Er studierte wie sein Vater Ingenieurwissenschaften, war gleichzeitig Schüler seines Vaters als Geigenmacher und wurde 1913 dessen Nachfolger. Lemarquis, Jean-Baptiste. — Mirecourt. t 14. Okt. 1775 Eine am 1. Juli 1909 in Köln bei K. A. Stauff & Co. versteigerte Violine trug seinen Namen. Lemböck, Gabriel. — Wien. Geb. 16. Okt. 1814 In Ofen (Budapest), f 27. März 1892 in Wien Nach seiner eigenen Angabe war er ein Schüler von Peter Teufelsdorfer und kam als Gehilfe zu Anton Fischer in Wien, dessen Schwiegersohn und Nachfolger er wurde. Im Jahre 1840 eröffnete er im Hause zum weißen Engel auf der Mariahilferstraße üetzt Nr. 26) seine eigene Werkstatt, die er nach dem Tode von Bernhard Stoß in dessen Geschäftsräume in der Grün- angergasse verlegte. Als die Gesellschaft der Musik- freunde ihr neues prächtiges Haus in der Canovagasse erbaut hatte, zog er dorthin, da er mittlerweile Liefe- rant des von der Gesellschaft begründeten Kon- servatoriums geworden war. Er gehört zu den Geigen- machern, die mit Recht als Künstler betrachtet werden, und war ebenso geschickt, neue Geigen zu bauen, wie alte auszubessern. Er arbeitete nach verschiedenen Mo- dellen, am besten gelungen sind seine Kopien von Paganinis »Kanone«, die er durch den berühmten Geiger selbst kennenlernte, der sie ihm brachte, um ein neues Griffbrett darauf machen zu lassen. Lemböck machte jahrelang seine neuen Geigen nach diesem Vorbild und versah sie mit Zetteln, die ausdrücklich auf dieses hin- wiesen. Außer nach Guarneri arbeitete er unter an- derem auch nach Maggini (mit doppelten Einlagen) usw. Er kopierte dabei auch gerne den Wortlaut des Zettels seines jeweiligen Originals, brachte aber dann sowohl beim Knopfe des Saitenhalters als auch auf dem Plättchen am Halsansatz seine Brandmarke G. L. an. Der Ton seiner Geigen ist immer gut, sein Lack ist gelb bis rotbraun und durchsichtig, aber etwas glasig. Er machte auch allerlei interessante Versuche (Ver- längerung des Baßbalkens, Geigendecken aus Zedern- holz usw.), die sich aber nicht bewährten. Seine be- rühmteste Geige ist wohl dies die seinerzeit Josef Hell- mesberger spielte und die jetzt der k. k. Hofmusiker Josef Klein besitzt. Seine Violoncelli baute er nach Stradivari, doch hat er nur wenige gemacht. Seine Vio- linen werden gerne gekauft, wenn sie aus der Zeit vor 1875 stammen. Nach 1875 sind die Geigen Lemböcks - Lenk hauptsächlich Arbeiten seiner Schüler und werden dann geringer bewertet. Als Reparateur war er eben- so gewissenhaft als geschickt, nur macht man ihm den Vorwurf, daß er manche alte Geige, deren Lack ihm nicht gefiel, durch Überlasieren »verbösert« habe. Er verwendete sehr viele, verschiedenartige Zettel und eine Brandmarke. Von allen Weltausstellun- gen usw. besaß er Medaillen, war Hofgeigenmacher, beeideter Schätzmeister usw. und stand in hohem An- sehen. Sein Nachfolger ist Haudek. Geigenzettel : Gabrielis Lemböck/ Vienna.'Xnno 1846^) (gedruckt) und Abb. 510 und 511. L'Empereur s. Treyer Lengenwalder s. Langenwalder Lenhart, Jos. Rudolf. — Leitmeritz. Geb. in Leitmeritz 1862 Schüler von Andreas Heinrich in Schönbach. Nach einer Studien- und Wanderzeit, die sich von 1877 bis 1895 erstreckte, machte er sich in seiner Vaterstadt selbständig und brachte es bald zu Ansehen, wanderte aber nach 1902 nach Amerika aus. Er arbeitete nach allen großen italienischen Meistern, auch nach Stainer und besonders nach G. da Salo. Er benutzte bei den billigeren Geigen einen selbstbereiteten Spirituslack von goldgelber bis kastanienbrauner Farbe, bei den teureren einen goldgelben Ollack eigener Zusammen- setzung, imprägnierte das Holz gegen Wurmfraß und gab den Geigen auch im Innern einen Grundlack. Er erhielt auf Ausstellungen goldene Medaillen. Außer Geigen machte er auch gute Zithern. Seine Geigen sind recht gute Orchesterinstrumente. Geigenzettel : Jos. Rudolf Lenhart /Geigen- und Zither- bauer / Leitmeritz Anno 1901 (gedruckt). Abb. 403. Lenk, Anton. - Schönbach b. E. 1880. f 1891 Arbeitete hauptsächlich für Händler. Lenk, Josef. — Schönbach b. E. 1911 Sohn, Schüler und Nachfolger von Vincenz L., dem er an Geschicklichkeit vollkommen gleichkommt. Lenk, Vincenz. — Schönbach b. E. 1850, t 20. Febr. 1911 Ein sehr tüchtiger Geigenmacher, der seine Kunst von Grund auf erlernt hatte und deshalb in Schönbach in hohem Ansehen stand. Er verlegte sich jedoch früh- zeitig schon darauf, nur Geigenbestandteile und un- lackierte Geigen zu machen. Lenk, Wenzel. — Frankfurt a. M. Geb. 1840 in Schönbach b. E., f um 1889 Schüler von Kessler in Markneukirchen, arbeitete fünf Jahre lang in Berlin, dann bei Liebich in Breslau, ferner in Wien, Budapest und München und ließ sich zuletzt in Frankfurt nieder, wo er 1881 eine silberne Medaille erhielt. Er arbeitete nach Stradivari. Geigenzettel: W. Lenk, / Geigenmacher / Frankfurt a. Main, 1881 (gedruckt). ■ ^) Es gibt auch Zettel mit Medaillenabbildungen. Lennström — Lecni 293 Lennström, Petter. — Stockholm. 1 757. f um 1776 Er war ursprünglich Zimmermann und erhielt im Jahre 1757 die Erlaubnis, Musikinstrumente für Kinder zu verfertigen. Als Gesellen beschäftigte er seine Söhne und scheint guten Absatz gefunden zu haben, da die Witwe das Geschäft fortsetzte. Ob er außer Kinder- geigen auch spielbare Streichinstrumente gebaut hat, ist nicht bekannt. Lenoble, Auguste. — Paris. Geb. 1828 m Mirecourt, f 4. Januar 1895 in Paris Geschickter Bogenmacher. Schüler von Fran^ois Pe- catte. Von 1848 — 1862 diente er beim 8. Jägerbataillon und arbeitete in seinen dienstfreien Stunden während dieser 14 Jahre in den verschiedenen Städten, in denen sein Bataillon in Quartier lag, hauptsächlich in Rennes für die Firma Bonnel. Im Jahre 1862 ging er nachParis und machte sich am Boulevard des Martyrs 5 selb- ständig. Er verlegte sein Geschäft später nach Boule- vard des Poissonnieres und 1874 in die Rue deClignan- court 37. Gute Bögen tragen den Namen »Lenoble«. Lenoir, Jean. — Mirecourt. 1748. 1781 Er hatte vier Söhne, von denen Jean Nicolas, geb. 2. März 1753, von 1779—1788 gleichfalls als Geigen- macher vorkommt. Lenoir (Lennoir), Jean-Baptiste. — Straßburg. 1753. 1778 P. de Wit veröffentlicht seinen geschriebenen Zettel, es war mir aber nicht möglich, eine Arbeit eines Geigen- machers dieses Namens zu erfragen. Auch im Straß- burger Archiv war nichts über ihn zu ermitteln. Da- gegen erwähnt A. Jacquot ein im Besitze von Dechesne in Lüttich befindliches Violoncello, das einen deutsch geschriebenen Reparaturzettel von ihm enthält. Lentz, John Frederick. — London. 1814 Vermutlich ein naher Verwandter, vielleicht der Sohn von Johann Nik. L. Auch er wohnte in Chelsea, Lower Sloane Street Nr. 1 . Seinen Zettel veröffentlichte Paul de Wit. Lentz (Lenz), Johann Nikolaus. 1803. 1813 Lond onaon. Ein Deutscher, der angeblich aus Tirol eingewandert war. Er war mit Bernhard Fendt befreundet und erhielt von diesem vermutlich erst Unterricht im Geigen- machen. Er brachte es zu bemerkenswerter Geschick- lichkeit, verwendete gewöhnlich enggeflammtes Ahorn- holz und gebrauchte einen Lack, der dem von Dodd und J. F. Lott sen. zwar ähnlich, aber, wenig durch- sichtig ist. Geigenzettel: Johann Nicolaus Lenz, fecit / near the Church, Chelsea 1 803 (gedruckt). — Johann Nicolaus Lentz fecit / Lower Sloane Street, Chelsea 1813 (ge- schrieben). Leo, Camillo di, lebte im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts als Mandollnenmacher in Palermo Leonardo da Vinci. — Florenz, Mantua, Mai- land usw. Geb. 1452 auf der Villa Vinci, 1 2. Mai 1 5 1 9 im Schlosse Cloux bei Amboise Vasari — eine eben nicht sehr zuverlässige Quelle — berichtet von Leonardo, dem Großmeister der ita- lienischen Malerei, daß er nicht nur ein ausgezeichneter Lautenspieler war, sondern auch Lauten gemacht habe. Vasari geht da über seinen Gewährsmann, den floren- tinischen Anonymus vom Kodex Magliabechiano hinaus, denn dieser weiß nur von Leonardos Lauten- spiel zu berichten. Bei der Vielseitigkeit des Künstlers und seinem Interesse für jede technische Kunstfertig- keit ist es immerhin möglich, daß er sich auch im Lautenbau versucht hat. Schon 1498 war Leonardo in Mantua, wo der Markgraf anordnete, daß ihm die Viola- und Lautensaiten bezahlt wurden, die er von Mailand mitgebracht. Bekannt ist, daß er sich viel mit den Gesetzen der Akustik beschäftigt hat, und seine Leistungen auf diesem Gebiete »sind voll über- raschender Ansätze«. Leonardson. — Orebro. 1884 Einige Geigen, die er nach Amati gemacht hat, sollen gut gelungen sein. Leonhardt, Anton. — Törökbecse. 1915 Ein junger Geigenmacher, der guten Vorbildern nach- strebt. Leonhardt, Christian Gottfried. — Klingen- thal. 1789 Sohn von Joh. Friedr. L. Er soll hauptsächlich für die Familie Hopf gearbeitet haben. Leonhardt, Johann. — Fünfkirchen. 1915 Arbeiten von ihm habe ich nicht kennen gelernt, doch wird er mir als talentvoll geschildert. Leonhardt, Johann Friedrich. — Klingenthal. 1757 Nur aus den Innungslisten bekannt. Leoni, Carlo. — Treviglio, Treviso. 1851. 1861 Ein mittelmäßiger Instrumentenmacher, der außer Geigen auch Gitarren und Zithern angefertigt hat. Leoni, Ferdinande. — Parma. 1816 Em kleiner Geigenmacher, der mittelmäßige Nach- ahmungen nach Amati hinterlassen hat. Geigenzettel : Ferdinande Leoni / Parmae. 18 . . (ge- druckt). Leoni, Giovanni. — Parma (?). 1870 In einer guten italienischen Violine fand sich liiiten- stehender Zettel. Geigenzettel : Giovanni Leoni / 1 870 (gedruckt). 294 Leopold Lete Leopold, Ludwig. — Neukirchen b. E. 1840 Handwerksmäßig in der Arbeit, aber nicht ungescliickt. Seine Geigen haben mittlere Wölbung, gehen aber im Umriß auf ein Stainermodell zurück. Leopoldo s. Tedesco Leopoldseder, Joseph. — 1852 Wenig bekannter süddeutscher Geigenmacher, dessen Zettel sich in einer Geige von sehr mittelmäßiger Arbeit fand. Geigenzettel : Joseph Leopoldseder / 1 852 (geschr.). Leoriporn, Giovan Francesco. — Mailand. 1755. 1759 Der Name ist nicht ganz zweifellos zu lesen. L. be- zeichnet sich ausdrücklich als Mailänder, doch zeigt seine Arbeit auch Anklänge an die Tiroler Schule. Die Wölbung nimmt er nach .Amati, die F-Löcher aber nach Stainer; nur der Lack entspricht der Mailänder Schule. Geigenzettel : Fatto da Giovan Francesco / Leoriporri Milanese nel aqui- / la 1758 (gedruckt). Leper, Domenico. — Rom Ein Musikinstrumentenmacher des 19. Jahrhunderts, der mir nur dem Namen nach bekannt wurde. Le Pileur, Fran^ols. — Paris. 1752 Vielleicht Sohn oder Bruder von Pierre Le P. Die ■Arbeiten beider sind sich ähnlich. In der jetzt in Berlin befindlichen Sammlung Snoeck wird eine unvoll- ständige Geige von ihm ohne Datum (Nr. 534) auf- bewahrt. Geigenzettel: Abb. 513. Le Pileur, Pierre. — Paris. 1703. 1757 Wenig bekannter Geigenmacher. Er wendete ein unschönes, langes Modell und einen schlechten, rot- braunen Lack an. Er soll sich auch »Pietro Le Pilieri« genannt haben. Ein Quinton von ihm vom Jahre 1755 befindet sich in der Sammlung Savoye in Paris. Geigenzettel: Pierre Le Pileur, privilegiez du Roy / dans l'abbaye Saint-Germain, ä Paris / 1757 (gedruckt) und Abb. 487. Le Pot, Charles. — 1726 Snoeck besaß ein fünfsaitiges Violoncello mit dem Namen »Carolus Le Pot, 1726«. Le Pot, Jean. — Amiens. 1558 Ener der älteren französischen Lauten- und Harfen- bauer. Er läßt sich urkundlich nachweisen, doch haben sich Arbeiten von ihm schwerlich erhalten. Lepri, Luigi. — Gubbio. 1880 Vermutlich einer der vielen Dilettanten seiner Heimat, die sich mit dem Geigenmachen in den Wintermonaten beschäftigen. Seine Geigen lassen selbst eine hand- werksmäßige Geschicklichkeit vermissen. Friedrichstadt (Kurland). Lerch, Robert. 1890. 1897 Ein Instrumentenmacher, der, wie es heißt, aus poli- tischen Gründen 1897 nach Sibirien verbannt worden sein soll. Le Riche, C. J. — Lille. 1768. 1781 Er ist bisher nur als Lauten- und Zithermacher bekannt geworden. Eine Zither aus der Sammlung Snoeck in Berlin trägt untenstehenden Zettel: C. J. Le Riche M« Luthier / rue de la Clef / 1 768 (gedruckt). Leroux, Charles. — Mirecourt. 1763 Als »Luthier« erwähnt. Leroy, Dominique. — Mirecourt. 1741. 1747 Der älteste Geigenmacher dieses Namens. Leroy, Leon. — Paris. Geb. 27. Juli 1874 in Armentieres (Dep. du Nord) Schüler seines Vaters Th. Edouard L. Nach einer 15 jährigen Studienzeit machte er sich am 18. August 1898 in Paris selbständig, wo er Jules Delepierres Werk- statt übernahm; er baut nach französischen und Italienischen Modellen, besonders nach Guarneri, Violinen und Violoncelli. Er hat seine eigene Art, den Baßbalken anzubringen, und rühmt dieser besondere Vorzüge nach. Auch seine Mandolinen sind in Musiker- kreisen geschätzt. Im Jahre 1900 erhielt er auf der Pariser Weltausstellung eine goldene Medaille. Geigenzettel: Abb. 483. Armentieres. Geb. 1797, Leroy, Thomas. t 1868 Ein tüchtiger französischer Geigenmacher, der wahr- scheinlich in seiner Heimatstadt Mirecourt seine Aus- bildung genossen hat und schon 1821 in Lille einen Ausstellungspreis erhielt. Leroy, Thomas-Edouard. — Armentieres, Paris. Geb. um 1840 Schüler seines Vaters Th. L. und von Chevrier. Er erhielt 1882 in Antwerpen ein Diplom für seine Geigen und arbeitet jetzt mit seinem Sohne Leon zusammen in Paris. Lesclop, Fran^ois-Henry. — Paris. 1746 Geschworner Zunftmeister für 1746. Er soll Geigen von geringem Wert gemacht haben, aber als Orgelbauer nicht ohne Verdienst gewesen sein. Le Sourd s. Nicolas Lessellier. — Paris. 1640. 1660 Ein Lautenmacher, dessen Arbeit sehr sorgfältig ist, und dessen Lauten ihres schönen Tons halber sehr geschältzt waren. Lete, Henry. — Mirecourt Hauptsächlich Gitarrenmacher. Lete ^ewic k; 295 Lete, Dominique-Joseph. — Nantes. Geb. 1804 in Mirecourt, f 25. Mai 1871 in Nantes Er erlernte das Geigenmachen in seiner Vaterstadt und arbeitete eine Zeitlang bei Ch. F. Gand. Hierauf ließ er sich in Nantes nieder. Seine Geigen sind gut ; sie haben nur oft zu dicke Ränder und näseln etwas. Geigenzettel : Abb. 489. Lete, Simon. — Paris. Geb. um 1768, \ nach 1828 Er stammte aus Mirecourt, war der Schwiegersohn von Pique und machte Geigen zu billigsten Preisen für den Handel. Später verlegte er sich mehr auf den Orgelbau. Von 1825—1828 war J. B. Vuillaume sein Geschäfts- teilhaber. Für eine Geige, die im Verhältnis zu ihrem Preise von 25 Fr. recht gut war, erhielt er 1823 eine silberne Medaille. Lett, Johan. — Stockholm. 1676. f 1687 Ein schwedischer Geigenmacher, der bisher nur dem Namen nach bekannt ist. Er wohnte im Stadtteil Norr- malm und hatte Frau und Kind. Da er der älteste schwedische Geigenmacher ist, wäre es sehr erfreulich, wenn noch Arbeiten von ihm zutage kämen. Leunis, Reynier. — Antwerpen. 1610 Als Clavecinmacher und Rahmenbildhauer (»Lyst- maker en claversigmaker«) bezeichnet. Leutis, Gerolamo de. — Rom. 1638 Wenn er auch bisher nur als Klavizimbelmacher be- kannt geworden ist, so deutet doch schon sein Beiname darauf hin, daß er auch Lauten, diese vielleicht sogar vorzugsweise, gemacht hat. Georg Kinsky spricht (in seinem Katalog des Musikhistorischen Museums von W. Heyer in Köln) die Vermutung aus, daß der Name nicht richtig gelesen sein könnte und vielleicht Giro- lamo de Zentis heißen müßte, eine Vermutung, die allerdings manches für sich hat. Levalois. — Paris. 1760. 1769 Er wohnte Rue de Calandre und verfertigte alle Sorten von Musikinstrumenten. Levien, Julius. — Berlin. Geb. 21 . April 1862 in Elbmg Er ist Doktor der Medizin und übte von 1889—1894 in Berlin seine ärztliche Praxis aus. Im Jahre 1894 ging er nach Paris, wo er unter Leo Fischessers Leitung seine erste Geige machte, nachdem er schon seit 1890 akusti- sche Studien betrieben und sich viel mit der Lackfrage beschäftigt hatte. Er ist überzeugt, die Grundsätze der alten Meister beim Lackieren gefunden zu haben, und ein von ihm gebautes und lackiertes Streichquartett wurde tatsächlich mit unbestrittenem Erfolg 1912 in Berlin öffentlich zu Gehör gebracht. Levien, L. — London (Penton vüle). Um 1800 bis 1825 Eine Harfengitarre von ihm mit trapezförmigem Körper besitzt die Sarnmlung Crosby Brown in New York. In einer ähnlichen Gitarre liest man: Levien,/ Inventeur & Brevete (gedruckt). Die gleiche Inschrift findet sich in einer eigenartigen, zargenlosen Gitarre mit dem Bourbonenwappen im Schalloch in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln. Eine achtsaitige Harfenlaute bei C. Claudius in Kopenhagen trägt die vollständige Inschrift: L. Levien N^ 8 Pleasant Row Pentonville. / N° 60. Patronized By the , Society of arts and sciences (gedruckt). Andere Instrumente von ihm sind mir nicht bekannt geworden, auch scheint er nur der Erfinder und nicht der Verfertiger der Instru- mente mit seinem Namen gewesen zu sein. Levinville. — Besan^on. 1707 Er scheint hauptsächlich mit dem Ausbessern alter Geigen sein Brot verdient zu haben, doch hat er wohl auch einzelne Geigen selbständig gemacht. Außer seinem Zettel (auf dem er den Namen mit dem Brand- stempel abdruckte) brachte er den gleichen Stempel mehrfach an. Geigenzettel: Racommode par / Levinville ä Besan?on (geschrieben) und Abb. 496. Lewens, Willem Ein Brabanter Lautenmacher, der zwischen 1 528 — 1 53 1 genannt wird. Lewicki, Hans. — Garmisch (bayr. Hochland), Hellerau bei Dresden. Geb. 22. Febr. 1864 in Zürich Er verlebte seine Jugend in Riga, Aachen und Dresden, wo sein Vater als Professor an den technischen Hoch- schulen tätig war. Er besuchte das Dresdener Real- gymnasium und diente dann als Einjährig-Freiwilliger in einem sächsischen Grenadierregiment. Schon als Knabe beschäftigte er sich mit dem Geigenbau und wurde dann von Ferdinand Patzelt regelrecht ausge- bildet. Gleichzeitig studierte er eifrig das Violin- und Violoncellospiel und hatte Gelegenheit, jahrelang unter Alois Schmitt im Orchester des Dresdener Mozart- vereins mitzuspielen. Nach beendeter Lehrzeit, also um 1887, arbeitete er im Elternhause und war da in der angenehmen Lage, zunächst ausschließlich seinen Ver- suchen und Studien leben und sich auch in der Musik noch gründlicher ausbilden zu können. Um die Ar- beiten der großen italienischen Meister kennen zu lernen, unternahm er größere Reisen, u. a. nach Berlin, Wien und London, und hatte in der englischen Haupt- stadt die Freude, fast alle in englischem Besitz befind- lichen »Italiener« ausgestellt zu sehen, darunter 36 Ar- beiten von Stradivari. Er trat auch mit zahlreichen Virtusoen in persönliche Beziehung, um sich eine sichere Vorstellung eines anzustrebenden Tonideals für ein Streichinstrument zu bilden. Die herrliche Gegend, der historische Boden in der Nähe Mitten- walds und der Heimat derTiroler Geigenbauer, sowie das Bedürfnis, in möglichster Ruhe arbeiten zu können, veranlaßte ihn, im Jahre 1898 sich in Garmisch nieder- zulassen. Er konnte sich dort auch eine Holzkenntnis verschaffen, wie sie nie aus Büchern oder in der Werk- statt allein zu lernen ist. Im Jahre 1912 siedelte er wieder nach Dresden über und schlug seine Werkstatt 296 Lewis — Liebich in Hellerau auf. Seine Arbeit ist sehr sorgfältig, er legt ein Hauptgewicht darauf, daß alles »echt« ist, seine Geigen haben italienischen Charakter und klingen sehr schön. Auf der Nürnberger Kunstgewerbeausstellung erhielt er für ein besonders schönes Quartett die silberne Medaille. Geigenzettel : Hans Lewicki (gedruckt). Lewis, Edward. — London. 1687. 1730 Ein hervorragend tüchtiger und auch bei seinen Zeit- genossen hochangesehener Geigenmacher. Seine Arbeit ist tadellos wie sein Holz; auch sein meist hellgelber, manchmal rötlicher Lack auf goldgelbem Grund ist sehr gut. Form und Ausstattung geschmackvoll. Er soll, was nicht bewiesen ist, mit Th. Jay zusammen gearbeitet haben. Th. Brittons Katalog zählt einen »ausgezeich- neten Tenor« und eine »besonders gute« Baßvioline von ihm auf. Geigenzettel: Edward Lewis / in St. Paul allay in London / 1687 (gedruckt). Lewis, H. F., lebte seit den 80er Jahren des 1 9. Jahrhunderts bis etwa 1 900 In Melbourne als Geigenmacher und erhielt auf einer dortigen Ausstellung eine ehrenvolle Er- wähnung Leykom. — Brambach. 1910 Guter Bogenmacher. LhuUier s. Lullier Liainer, Alberto. — Rom. 1674 Bei Grillet u. a. wird sein Zettel mitgeteilt; der Name ist jedenfalls unrichtig gelesen worden ; vielleicht war statt »Li« St zu lesen. Geigenzettel: .Alberto Liainer / In Roma 1674 (gedr.). Libera, Agostino. — ? Um 1600 Eine vielchörige Mandora mit diesem Namen befindet sich im Museum des Pariser Konservatoriums. Liciliano s. Siciliano Lidl, Antonl. — Mittenwald. 1700 Hart teilt diesen Namen und die Jahreszahl ohne Wohn- ort und weitere Bemerkungen mit. Lidl, Johannes. — Mittenwald. 1775 Wenig bekannter Geigenmacher. Lidl, Josef. — Brunn. 1895. 1913 Ein Kaufmann, der mit dem Klavierhandel begann, dem er ein Musikinstrumentengeschäft mit einer Werk- statt angliederte. Er beschäftigt Gehilfen aller Art, darunter auch Geigenmacher, und hat einen großen Kundenkreis in den slawischen Ländern gefunden. Lieb, Karl, lebte um 1840 in Iglau Liebel, Carl Friedrich. — (Mark)Neukirchen. Geb. 1735, tarn 26. Juni 1803 Der Stammvater der Geigenmacherfamilie dieses Namens. Er war der Sohn des Bürgers und Schneiders Georg L. und wurde am 2 1 . November 1 752 als Meister in die Geigenmacherzunft aufgenommen. Er starb 68 Jahre weniger 5 Tage alt. Liebel, Christian. — Quittenbach. 1756 (?) Ein braver, recht sauber arbeitender Geigenmacher. Er verwendete gutes Tonholz, ungeflammten Ahorn- boden und gelblichen Lack, der besser ist, als der vieler gleichzeitiger Vogtländer. Er scheint sogar eine gute tiroler Geige als Vorbild besessen zu haben. Auch die innere Ausarbeitung unterscheidet sich vorteilhaft von der Dutzendarbeit seiner engeren Landsleute aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Jahreszahl ist auf seinen Zetteln meist so verblichen, daß sie nicht mehr sicher gelesen werden kann. Geigenzettel: Christian Liebel / Violin / macher in Quittenbach 17.. (gedruckt). Liebel, Johannes. — (Mark)Neukirchen. 1803 Wahrscheinlich ein Sohn von Carl Fr. L. Als Ur- sprungsort für seine Geigen gibt er Mittenwald an, ob- wohl sie nichts an sich haben, was ihn dazu berechtigt haben könnte. — • Sein Enkel, der am 7. April 1863 ge- borene Leonhard Jul. Paul L., ist auch Geigenmacher geworden. Geigenzettel : Johannes Liebel aus / Mittenwald an der Isar/ 1803 (gedruckO. Liebel, Leonhard Robert Gustav. — Erlbach. Geb. 2. Jan. 1870 in Erlbach Er soll eine Zeitlang in Breitenfeld gearbeitet haben und ist dann wieder verzogen. Liebetreu, H. — Dessau. 1806 Seine Geigen sind wertlos, besser dagegen seine Gitarren ; eine solche besitzt C. Claudius in Kopen- hagen; eine Geige von ihm befindet sich bei einem Kölner Geigenmacher. Liebich, Ernst (I). — Breslau. Geb. 27. Okt. 1796 in Reibnitz bei Hirschberg (Schles.), f 1876 in Breslau Schüler seines Oheims Joh. Gottfr. L., dessen Werk- statt er 1824 übernahm. Er galt als tüchtig, arbeitete nach Stradivan und Guarnen und machte auch Harfen und Gitarren. Breslau. Geb. 1830, Liebich, Ernst II. t 1884 Sohn, Schüler und Nachfolger von Ernst I L. In seiner Arbeit kommt er seinem Vater recht nahe. Liebich, Ernst III. — Breslau. Geb. in Breslau25. Mai 1862 Sohn und Schüler von Ernst II L. Als Gehilfe arbeitete er u. a. bei D, Bittner und Voigt in Wien und übernahm Liebich — L' gne 297 nach dem Tode seines Vaters das Geschäft in Breslau. Er arbeitet recht gut nach den berühmten Meistern, verwendet auch ein eigenes Modell und gebraucht 01- und Spirituslack. Für seine Arbeiten erhielt er die preußische silberne Staatsmedaille und verschiedene Ausstellungsmedaillen. Er ist Hofinstrumentenmacher des Herzogs von Koburg-Gotha und beeideter Sach- verständiger. Lleblch, Gottlieb. — Hermsdorf. 18. Jahrh. Sein Modell erinnert in mancher Hinsicht an Stamer; der Lack ist dunkel und unscheinbar, das Deckenholz aber meist recht gut. Eine Violine von ihm ohne Ein- lagen besitzt Rat Friedrich in Posen. Geigenzettel: Gottlieb Liebich / Violinmacher' in Hermsdorf / unterm Kynast (gedruckt). Liebich, Johann Gottfried. — Breslau. Geb. um 1755, t 1824 Er entstammte nachweislich einer Geigenmacherfamilie und war vielleicht der Sohn von Gottlieb L. Um 1 790 ließ er sich in Breslau nieder und begründete dort sem noch heute bestehendes Geschäft. Seine Arbeit ist gut und erinnert teils an die Prager, teils an die Vogt- länder Schule. Geigenzettel: Johann Gottfried Liebich / Geigen- Lauten- und Harfenmacher / in Breslau 1 792 (gedruckt). Liebig (Liebich), Johann Gottlieb (Gottlob). — Hamburg Ein Instrumentenmacher, der am 21. Oktober I79I Bürger wurde. Er gehörte wahrscheinlich zur Breslauer Familie und scheint auch wieder dorthin gezogen zu sein, denn Fr. Meisel in Breslau besitzt ein Instrument von ihm mit folgendem Zettel: Johann Gottlob Liebich / Musikalischer Instrumentenmacher / in Breslau 1793 (gedruckt). Liebl, A. — Griesbach (Rotthal). Geb. in Griesbach 1867 Schüler seines Vaters Job. Nep. L. Er machte sich 1882 selbständig und übernahm 1 899 das väterliche Geschäft. Er ist Geigenmacher und Reparateur und verwendet seiner Aussage nach »Cremoneser« Lack. Liebl, Johann. — Griesbach (Rotthal). Geb. 1770, t 28. Febr. 1840 Braver Gelgen- und Zithermacher, dessen •4rbeit an die Mittenwalder Schule erinnert. Eine Zither von ihm aus der Sammlung Snoeck befindet sich jetzt in Berlin. Der wohl schwer leserliche Zettel wurde von Snoeck allerdings stark mißverstanden: statt Liebl laser»lion« und die Abkürzung burgl. für »bürgerlicher« (Geigen- macher) als Eigenname »Burgle*. Geigenzettel : Abb. 499. Liebl, Johann Nep. — Griesbach (Rotthal). Geb. 1811,t22.0kt. 1889 Schüler seines Vaters Johann und dessen Nachfolger und gleich diesem ein braver Geigen- und Zither- macher. Liebl. — Thann. 1840 Ein Musiker, der sich auch mit dem Ausbessern alter Geigen abgab. Geigenzettel : Rep. Liebl Kirchenmusikus / in Thann 1840 (gedruckt). Liebmann, Otto. — Klingenthal. Geb. 1855 Begründete 1879 die Handelsfirma Otto Liebmann & Co. und beschäftigt viele Geigenmacher seines Bezirks. Liehr, Gottl. — Prag. 1763. f 21. Aug. 1813 in Prag Ein von Em. E. Homolka neu aufgefundener Prager Meister, der Jakubskä ulice Nr. 673, I. wohnte. Liekow, Carl Wilhelm. — Hamburg Erwarb am 26. April 1 799 das Hamburger Bürgerrecht als »Instrumentenmacher«. Liessem, Remerus. — London. 1750. 1760 Er soll hauptsächlich Zithern gemacht haben; doch kommen auch einige Violoncelli von ihm vor. Eme Zister von ihm befand sich in der Sammlung Loup, eine andere besitzt A. F. Hill, eine Zister mit doppelter Schnecke (»Cetera Bijuga«) vom Jahre 1760 kam mit der Sammlung Galpin nach Eoston. Lieves, Eduard. — Königsberg i. Pr. Anfang des 19. Jahrhunderts Er nennt sich »Mechanicus und musikalischer Instru- mentenmacher«. Er soll Klaviermacher gewesen sein und hat auch Gitarren, aber keine Geigen gemacht. Sein Zettel findet sich bei Paul de Wit. Eine Gitarre von ihm wurde am 20. Januar 1914 in Berlin bei Gebr. Heilbronn versteigert. Reich verzierte, klangschöne Gitarren mit Ebenholz- und Perlmuttereinlagen finden sich noch mehrfach in Königsberger Privatbesitz, so bei Bernhard Neumann, Musiklehrer Blum usw. Light, Edward. — London. 1798. 1800 Er war »Professor of Music«, »Lyrist to the Princess of Wales« und wohnte Foley Place und später Marylebone Street, Er ist nur als Erfinder von Harfenlauten (»Dital- harps«) bekannt geworden. Solche befinden sich in der Crosby-Brown-CoUection (Metrop. Museum of Art in NewVork) Nr. 1076, in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln Nr. 404, 602 und bei C. Claudius in Kopenhagen. Die Kölner Sammlung besitzt außerdem eine Harfengitarre von ihm (Nr. 1010). Eine Laute ist in der Sammlung Gautier. In einer Gitarre der Samm- lung Snoeck wird er als der Erfinder und ein Barry als Verfertiger bezeichnet, was zu der Annahme berechtigt, daß Light selbst keine Lauten machte, wie er ja auch die Herstellung seiner »Imperial Harp-Lute« nach 1818 der Firma Wheatstone & Co. übertrug. Über ihn und seine Ditalharp vgl. Allg. musik. Zeitung, 22. Jahrgang, Sp. 232. Geigenzettel: 479 Light / foley place / London (gedr.). Lignamaro s. Legnamaro Ligne s. De Ligne 298 Lignoli Lindholm Llgnoli, Andrea. — Florenz. 1681 Er wird als Sohn des Giovanni L. bezeichnet, ist aber ziemhch unbekannt; auch de Piccolellis weiß nur den Namen anzugeben. Liharzik war Dr. med. (Kinderarzt). Geb. in Wallach. Mesentsch, f 1866 In Wien an der Cholera im 52. Lebensjahre In den letzten drei Jahren seines Lebens beschäftigte er sich mit der Berechnung von Musikinstrumenten; auf der Wiener Weltausstellung 1873 war eine von ihm »auf mathematischen und selbst kabbalistischen Thesen basierte« Geige ausgestellt, von der man aber nie wieder etwas gehört hat. Die wenigen, seinen Namen als Brandmarke tragenden Instrumente sind von W. Th. Gutermann gemacht. Lilly, James, ein englischer Geigenmacher, der um 1820 gelebt hat Limprecht, Carl. — Elberfeld. 19. Jahrh. Die Geige, in der sein Zettel klebte, scheint Markneu- kirchner Ursprungs gewesen zu sein. Geigenzettel : Carl Limprecht / Geigenmacher in Elberfeld (gedruckt). Linarolo, Francesco. — Venedig. 1540 Stammte aus Bergamo und siedelte später nach Venedig über, wo er in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Streichinstrumentenmacher lebte. Eine Diskant- gamba von ihm aus dem Nachlasse des in Serajewo ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand von Oster- reich-Este befindet sich in der Sammlung alter Musik- instrumente zu Wien. Geigenzettel: Franciscus Linarolus Venetis faciebat (gedruckt). B^ ergomensis Linarolo, Giovanni. — Venedig. 1622 Sohn von Ventura L., vielleicht auch dessen Schüler, im ganzen wenig bekannt. Nur Pasini wollte eine Arbsit von ihm mit dem untenstehenden Zettel ge- sehen haben. Eine V.ohne mit der auf dem Boden mit Tusche geschriebenen Bezeichnung: Giovanni di Ventura in Venezia 1622 ist in der Wiener Sammlung alter Musikinstrumente. Es läge nahe, den Veif artiger für den Sohn Ventura Linarolos zu halten, wenn die Arbeit nicht £o unbeholfen wäre, daß man eher an einen Liebhaber, als an den Sohn eines bewährten Meisters denken möchte. Geigenzettel : Giovanni D' Ventura Linarol , In Venetia 1622 (gedruckt). Linarolo, Ventura. — Venedig. 1577. 1591 Francescos Sohn ; arbeitete bis gegen 1 584 in Venedig, scheint dann 1585 für kürzere Zeit nach Padua über- gesiedelt zu sein, kehrte aber bald wieder nach Venedig zurück. Er ist der Bedeutendste aus seiner Familie und nannte sich nach seinem Vater »Ventura di Francesco Linarolo«. Eine aus dem Jahre 1581 datierte Violine mit einer in den ersten Formen gehaltenen Schnecke und den charakteristischen F-Löchern besaß der Erz- herzog-Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich- Este, eine herrliche Lira da braccio (da Spalla) vom Jahre 1 577 W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln, eine Tenorgeige und Diskantgamba sah man auf der Wiener Mus.-Ausst. (mit verschieden lautenden Zettelinschriften). Von Vent. Linarolo dürfte auch die fünfsaitige Viola (Quinton) herrühren, die das Ver- zeichnis der Sammlung Keil in Lissabon dem »Vinareli da Venice 1581 <• zuschreibt. Wenn Valdrighi eine Viola da Gamba von ihm mit der Jahreszahl 1514 gesehen haben will, so scheint dies auf einem Lesefehler zu be- ruhen, er besaß jedoch 1888 eine solche mit der Jahres- zahl 1591 ; de Piccolellis las den Namen ebenfalls un- richtig: »Venturino Linarelli«. Vgl. u. a. Hajdeckis treffliche Schrift: »Die Lira da Braccio« usw. In der Sammlung alter Musikinstrumente in Wien wird auch eine Violine von 1581 mit kurzem kantigen Hals in ursprünglicher Erhaltung und eine Groß-Baß-Vio!a da Gamba vom Jahre 1585 bewahrt, die nun Padua als Wohnort angibt. Geigenzettel : Ventura di Francesco / Linarolo In Venetia 1 577 (gedruckt). — 1 585 Ventura de Fran Co Linarol in Padoa P. (geschri;ben). Lincke, Johannes Peter. — Kopenhagen. 1773 Semem Zettel und seinem Namen nach ist er wahr- scheinlich deutscher Abkunft; auch seine Arbeit verrät deutsche Schule. Geigenzettel : Johannes Peter Lincke / Violinmacher in Copenhagen (gedruckt). Lindahl, Daniel. — Stockholm. 1814. 1817 Schüler von Johan Jerner, als dessen Lehrling er 1814 und 1817 nachweisbar ist. Ob und wo er sich später selbständig gemacht hat, ist mir nicht bekannt ge- worden. Lindberg, C. — Sigtuna. 1841 Wahrscheinlich ein Liebhaber, der sich mit dem Geigenmachen beschäftigt hat. Seine Arbeiten sind übrigens nicht übel, wie ein im Museum zu Gothen- burg aufbewahrtes Violoncello beweist. Geigenzettel: C. Lindberg / Sigtuna 3, I i 1841 (gedr.). Linden s. Van der Linden Linder, Hans^). — Augsburg. Geb. um 1549, fnach 1615 Im Augsburger Meisterregister von 1615 wird neben Rudolf Bcssart und Sixt Rauchwolf auch der Lauten- macher Hans Linder, 66 Jahre alt, aufgeführt. Die Altersangaben sind um jene Zeit freilich nicht allzu genau zu nehmen, aber doch annähernd richtig. Lmdholm, Erik. 1874 Stockholm. Geb. 22. April Schüler von Oskar Zimmer in Markneukirchen. Den Abschluß seiner Ausbildung fand er als Gehilfe bei E. Gärtner in Stuttgart und G. Stössel in Köln. Im Jahre 1907 machte er sich in Stockholm selbständig und hat sich sehr bald einen guten Ruf als tüchtiger Geigen- bauer zu erwerben gewußt. ^) Eine Familie Linder kommt m Füssen vor. Lindholm — Lippi 299 Llndholm, Pehr. — Stockholm. 1780. 1800 Er machte außer einigen Nagelharfen und Lauten hauptsächlich Klaviere. Obwohl er seit mmdestens 1 780 in Stockholm als Instrumentenmacher ansässig war, wurde er erst 1 791 als Meister in die Tischlerzunft auf- genommen. Mir ist von ihm nur ein Klavichord in der Sammlung Claudius in Kopenhagen bekanntgeworden. Geigenzettel: Förfardigadt af Pehr / Lindholm Instru- ment- / makare i Stockholm / Ar 1780 (geschrieben). Lindley, Lawrence Ein englischer Geigenmacher, dessen Arbeiten ge- schätzt werden. Lindmair, Bernhard, wurde im Jahre 1548 als Lautenmacher Bürger von Wien Lindner, Johann Jakob. — Dresden. 1697 Er scheint im Hofdienst gestanden zu haben. Eineneun- spänige Laute von ihm mit zehn doppelchörigen und zwei Spielsalten besitzt die Musikinstrumentensamm- lung des Eisenacher Bachhauses (Nr. 1). Geigenzettel: Johan Jac. Lindner / Mus. Elector. Saxon. fac: / Dresden . . . 1697. (gedruckt). Lindqvist, Franz. — Erikslund (Upsala) Ein schwedischer Tischler, der auf der Ausstellung 1897 in Stockholm mehrere gute Geigen und ein Violoncello ausgestellt hatte. Lindsay, David. — Gateshead Englischer Geigenmacher. Um 1884 — 1889 und später kommt auch ein Michael Lindsay vor. Lindsay, M. H. — Stockton-on-Tees. Geb. 12. April 1837 In Cawlsay (Irland) Mit 14 Jahren kam er nach England und lernte das Violin- und Violoncellospiel; auch als Baßgeiger wurde er ausgebildet. Als er in den Besitz von zwei Geigen von Vuillaume (eine Stradivari- und eine Guarnerikopie) kam, begann er sich für das Geigenmachen lebhaft zu interessieren; er wollte sehen, wie seine Geigen im Innern beschaffen waren, und 1860 begann er, ohne Lehrer und Anleitung, selbst Geigen zu machen. An- geborenes Talent und rastloses Studium brachten ihn bald vorwärts, so daß er ein geschickter Geigenmacher wurde, dessen Arbeiten von Kennern geschätzt werden. Er hat bis jetzt etwa 500 Violinen, 10 Violoncelli und einen Kontrabaß gemacht. Er macht alles an seinen Geigen selbst und legt besonderen Wert auf den Lack. In den Umrissen ahmt er Stradivari nach; die Dicken- verhältnisse bestimmt er nach eigenen Berechnungen. Seine Versuche mit dem Lack gehen bis 1860 zu- rück; er besitzt jetzt in der Tat einen schönen Lack von italienischem Aussehen und lobenswerten Eigen- schaften. Lindström. — Asmundstorp. 1880 Wahrscheinlich ein Dilettant, der jedoch über eine he- achtenswerte Handgeschicklichkeit verfügte. Liotta, Domenico. — Catania Mandolinenmacher der Gegenwart, der 1911 in Turin eine Mandoline von ungewöhnlicher Form ausgestellt hatte. Lipp, Benedict. — Mittenwald. Geb. 22. März 1762 in Mittenwald, f ? Jüngerer Sohn von Ign. L. Er scheint nur bei seinem Vater gearbeitet zu haben und jung gestorben zu sein. Lipp, Ignaz. — Mittenwald. 1740. 1762 Nicht ungeschickt in seiner Arbeit; seine beste Zeit fällt in die Jahre 1 740 bis 1 760. Er gehört zur Klotz- schule. Lipp, Johann Georg. — Mittenwald. Geb. 18. April 1756 in Mittenwald, f ? Sohn von Ign. L. Ihm dürfte eine Geige mit dem untenstehenden Zettel ohne Ortsangabe zuzuschreiben sein. Die Arbeit ist sauber, der Lack braun und ge- wöhnlich, im ganzen die Tiroler Schule unverkennbar. Geigenzettel : Johann Lipp / Anno 1 780 (gedruckt). Lipp, Julius August. — Mittenwald. 1760 Der Unbedeutendste aus der Familie; er versuchte ver- geblich, Italienische Vorbilder nachzuahm.en. Sein Lack ist dunkelbraun und glanzlos. Lipp, Martin. — Dillingen a. D. Geb. 23. Aug. 1809 in Mittenwald, f 13. Juni 1843 in Dillingen Er ließ sich um 1835 in Dillingen nieder, wo seit Kempters .'\bgang kein Geigenmacher mehr ansässig war, und heiratete dort am 20. März 1 838 Maria Antonie Höss. Er war recht talentvoll ; sein frühzeitiger Tod aber verhinderte es, daß er zu voller Meisterschaft kam. Geigenzettel : Martin Lipp / Instrumenten-Macher , in Dillingen 1835. (gedruckt) und Abb. 498. Lipp, Mathias. — Benedictbeuern. 1760 Wahrscheinlich aus Mittenwald stammend. Seine Arbeit trägt ganz den Charakter der Klotzschule. Geigenzettel : Mathias Lipp Geigenmacher / in Bene- dictbeyrn 1760 (gedruckt). Lipp, Stanislaus. — Mittenwald. Geb. 4. Dez. 1751. 1785 Arbeiten von ihm kommen ziemlich spärlich vor, er ,scheint sie nur selten mit Zetteln versehen zu haben. J. H. Zimmermann in St. Petersburg besaß eine gute Violine von ihm. Geigenzettel: Stanislaus Lipp in Mittenwaldt. 1785 (geschrieben). Lippi, Pietro. — Marseille. 1765 Ein Neapolitaner, der sich in Marseille ansässig machte und u. a. verschiedene gute Bässe gebaut hat. Eine hübsche Mandoline von ihm bewahrt die staatl. Samm- lung in Berlin (Nr. 751). Geigenzettel : Abb. 504. 300 Lippi-Coviaux — Locatelli Lippl-Coviaux. — Marseille. 1823. 1840 Vielleicht ein Verwandter von Pietro L., dessen Namen er dem seinen beifügte. Er war der Nachfolger Lapre- vottes und der Vorgänger von Ch. Daniel und galt als guter Lehrmeister; Marius Richelme war einer seiner Schüler. Seine Gitarren sind besser als seine Violinen. Llppitsch, Heinrich. — Graz. Geb. nach 1850, f 1878 in Bosnien Schüler von Franz Herzlieb jun. und dessen würdiger Nachfolger. Ein sehr begabter Geigenmacher, der zu schönen Hoffnungen berechtigte. Zur Zeit der Be- setzung Bosniens durch die Österreicher wurde er trotz seines leidenden Zustandes gezwungen, Soldat zu werden. Er wurde darüber schwermütig und schied auf dem Wege nach Serajewo freiwillig aus diesem Leben. Geigenzettel: Heinrich Lippitsch / Reparirt Graz 1877 (geschrieben). Lippold. — Markneukirchen Aus dieser Familie sind die folgenden Geigenmacher hervorgegangen : Lippold, Garl Friedrich. — Geb. 20. Aug. 1772, t I.Jan. 1854 Sohn und Schüler von Johann Georg L. Seine Violinen sind denen der Familie Ficker gleich zu achten. Die Arbeit ist sauber, der braungelbe Lack oft recht gut und der Ton sehr ansprechend. Geigenzettel: Carl Friedrich Lippold / musikalischer Instrumentenmacher / in Neukirchen 1794 (gedruckt). Lippold (Lippoldt), Johann Georg. — Geb. 1739, t 4. Sept. 1824 Er wird ausdrücklich als Geigenmacherssohn be- zeichnet — sein Vater dürfte Wolf Erhardt L. gewesen sein — und war der beste Meister aus seiner Familie. Seine Violinen zeigen gute Arbeit, und wenn sie auch in den Umrissen usw. denen seiner Vogtländer Zeit- genossen ähnlich sind, so ist doch ihr gelbbrauner Lack wesentlich besser, so daß es nahe liegt, anzunehmen, daß er auch einige Zeit anderswo gearbeitet hat. Er wurde am 28. Mai 1 760 Meister und starb in einem Alter von 85 Jahren 5 Monaten und 1 7 Tagen. Geigenzettel: lohann George Lippold / musikalischer Instrumentenmacher / Neukirchen bey Adorf 1807 (ge- druckt) und Abb. 473. Lippold, Johann Gottfried. — Geb. 1737, f 7.JuU 1806 Sohn von Wolf Nikolaus L. und jüngster Bruder von Wolf Erhardt. Er wurde am 6. Juni 1759 Meister. Lippold, Johann Gottlob. — Geb. 10. Juli 1777, t 6. Okt. 1808 Sohn und Schüler von Johann Georg L. Lippold, Wolf Erhardt.— Geb. 1 696, f 1 7. April 1768 Er war ein Sohn und Schüler von Wolf Nikolaus L. und dürfte noch in Klingenthal geboren sein. Er wurde am 3. Juni 1719 als Meister in die Zunft aufgenommen. Er war sehr tüchtig, stand in hohem Ansehen und saß 1 766 als Vor- und Ladenmeister im Zunftrate. Bei ihm schwankt die Schreibart des Namens noch häufig (Lippolt, Lipoldt usw.). \ Lippold (Lippoldt), Wolf Nikolaus, kommt schon 1 678 vor und lebte noch 1 736 1 Der Stammvater der Familie, der später aus Klingen- thal nach Neukirchen übersiedelte. Er wird oft kurzweg Nikolaus Lippold genannt. Lipski (Llppsky), Fadei Fadejewitsch. — Jela- buga, Wjatka. 1892. 1910 Ein ehemaliger russischer Offizier, der im Jahre 1892 begann, als Dilettant Geigen zu machen. Nachdem er sich durch fünf Jahre langes Arbeiten eine gewisse Fertigkeit angeeignet hatte, verlegte er sich ganz auf den Geigenbau und wurde später Direktor der Gewerbe- schule in Wjatka. Er hat seitdem viele Geigen gemacht und verwendet dazu russisches Holz (weitjähnges wjatisches Tannen- und kaukasisches Ahorn holz ohne Flammen). Sein Modell ist ziemlich hochgewölbt mit einer Hohlkehle am Rand. Er verwendet einen dicken, schwarzbraunen Öllack. Der Ton seiner Geigen ist weich, trägt aber nicht weit. Viele Geigenmacher im Norden Rußlands sind seine Schüler. Er besitzt mehrere Medaillen, u. a. von der Ausstellung in Nischnij Nowgorod. Lirscher, Johann Georg. — Wels. 1774 Wahrscheinlich aus der Wiener Schule hervorgegangen, an die seine Geigen erinnern. Die Arbeit ist nicht übel, das Holz und der Lack dagegen wenig vorteilhaft. Lissieux. — Lyon. 18. Jahrhundert Er wird zwar zu den Geigenmachern gezählt, doch kenne ich nur Blasinstrumente, Musetten und Oboen von ihm. Lister, John. — Leeds. 1727. 1728 Einer der am wenigsten bekannten englischen Geigen- macher des 18. Jahrhunderts. Liuti s. Antonio dai Liuti Livorno, Vincenzo da. — Livorno. 1862 Es gibt zwei Personen dieses Namens (Vater und Sohn), doch steht nur von dem Vater fest, daß er Geigen selbst gemacht hat. Lobo, Beato Martino, lebt als Gitarren- und Mandollnenmacher in Coimbra Lobraszewski. — Warschau. 1865 Mittelmäßiger polnischer Geigenmacher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Locatelli, Ignatlus. — Innsbruck. 1764 Ein Geigenmacher, der bereits der Verfallszeit der Tiroler Schule angehört und wohl nur vorübergehend in Innsbruck ansässig war. Dr. Fr. Waldner erwähnt ihn nicht in seinen Nachrichten über tirolische Lauten- Locicero — Loos 301 und Gelgenmacher. Seine Geigen sind sehr hoch- gewölbt und zeigen nur selten eine Einlage. Pfarrer Greulich in Posen besitzt eine Violine von ihm. Geigenzettel: Ignatius Locatelli / Lauten u. Geigen- macher / Innspruck Ao. 1764 (geschrieben). Locicero, Luciano. — Neapel? 1830 Bisher sind nur Gitarren von ihm nachzuweisen ge- wesen, in denen sein Name ohne Ortsangabe zu finden war. Lodovico. — Genua. 18. Jahrhundert Vielleicht nur der Taufname eines Lautenmachers, der an der Piazza porta vecchia wohnte. Geigenzettel: Revisto da me Lodovico / Piazza porta vecchia Genova 17.. (geschrieben). Löbb s. Leeb Löbzien, Heinrich. — Rostock. Geb. 1860 in Elmenhorst Er war ursprünglich Tischler und erlernte bei A. Eller- sieckdie Instrumentenmacherei. Er eröffnete 1885 seine eigene Werkstatt und arbeitete nach einem Modell, das sich in der Hauptsache an Stradivari anschließt. Seinen Lack fertigt er selbst an (es ist dies ein wenig feuriger Spirituslack). Er besitzt eine gewisse Geschicklichkeit, das alte Aussehen von Geigen zu imitieren. Geigenzettel: Heinrich Löbzien/ Instrumentenmacher/ Rostock i/M. 18 . . (gedruckt). Löffler, Johann. — Mittenwald. 1885. 1910 Er soll zwar auch als Geigenmacher tätig gewesen sein, ist aber ganz zum Anfertigen von Gitarren überge- gangen. Gegenwärtig ist er nur wenig in seinem Berufe tätig, da er das Amt eines Nachtwächters in seinem Orte übernommen hat. L Oeuvre s. DeL CEuvre Logan, John. — Abington. Geb. 22. Aug. 1844 Nachdem er jahrelang Postmeister in Biggar (Schott- land) gewesen war, verlegte er sich auf das Geigen- machen und hatte darin großen Erfolg. Er kam in den Besitz des gesamten Geigenholzes, das Alexander Miller hinterließ, und konnte somit sehr schönes, altes Holz verarbeiten. Seine Violinen sind mit Geschick nach den Modellen von Stradivari, Guameri und Amati gemacht und klingen gut. Geigenzettel: Made by / John Logan / Abington N. B. 18 . . (gedruckt). Lolij (Lollij), Jacopo. — Neapel. 1727 Wahrscheinlich ein Mitglied der Familie Lolio. Seiner Arbeit nach ein Schüler Grancinos, dem er jedoch wenig Ehre macht. Er arbeitete mittelmäßig und ver- wendete schlechtes Holz und gelben Lack. Nach anderen soll er schon 1627 gelebt haben, was aber ent- schieden falsch ist. Lolio, Giovanni Battista. — Valtezze (Ber- gamo). 1740. 1750 Sein Modell erinnert an Grancino, doch verwendet er unschönes Holz; besser ist sein gelber Lack. Geigenzettel : Jo Batta. Lolio di Valtezze / F. Anno 17.. (gedruckt). Lomax, Jakob. — Bolton. 1906 Es gibt einige leidlich gute Violinen mit seinem Namen. Lombardi, Julius. — Rimini. 1789 Paul de Wit veröffentlicht den Zettel dieses wenig be- kannten Geigenmachers. Eine Violine von ihm besitzt Anton Raky in St. Petersburg. Geigenzettel: Julius Lombardi / Fecit Arimini 1789 • (gedruckt). Longman & Broderip — Longman Luckey &Co. 1760 Londoner Firmen, die man in Geigen finden kann. Sie waren aber nur Musikalienhändler usw. und niemals Geigenbauer; nur ein J. Longman, 131 Cheapside, ist Flötenmacher gewesen. Für Longman & Broderip haben B. Banks u. a. gearbeitet; daher sind die Geigen mit ihrem Zettel oder Stempel meist recht gut. Longo, Mangno. — Padua 1599. In der Sammlung alter Musikinstrumente des Kunst- historischen Museums in Wien (C. 38) befindet sich eine sehr kleine Oktavlaute, die im Innern diesen mit Tinte eingeschriebenen Namen trägt. Das kleine Instrument ist schwerlich zum Spielen bestimmt ge- wesen und vielleicht nur als »Gesellenstück« seines Ver- fertigers entstanden. Der Zeit nach liegt es nahe, in diesem Mangno Longo einen Deutschen und zwar einen Füssener namens Magnus Lang zu vermuten. Die Form Mangnus für Magnus war ja gerade in Füssen die gebräuchliche. Inschrift: Mangno Longo / m Padua 1599. Am Hals: M. L. 1599. Longson, F. H. — London, Stockport. 1880 Englischer Geigenmacher aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Longuet. — Nimes. 1825. 1829 Eine Gitarre in der Form eines Wappenschildes von ihm besitzt Fr. Wildhagen in Haiensee. Reparaturzettel von ihm veröffentlicht A. Jacquot. Geigenzettel : (unleserlich) Longuet / Marchand et fabricant d'instrumens / ä Nismes / rue de la grande Horloge No 48. (gedruckt). Loos, Andreas und Josef, leben in Schönbach Loos, C.Karl. — Schönbach b. Eger. Geb. 1852 Schüler von Vincenz Heinrich. Nachdem er bei ver- schiedenen Meistern als Gehilfe gearbeitet hatte, machte er sich 1875 selbständig und verfertigt billige, aber ganz gute Geigen, für die er mehrfach ausge- zeichnet wurde. 302 ^oos Lc Loos, Eduard. — Schönbach b. Eger. Geb. 1852, t 1908 Schüler von Vincenz Lutz. Er stellte hauptsächlich Geigen für den Versand her. Loos, Wenzl. — Schönbach b. Eger. Geb. 1839, t 1907 Schüler von Johann Flacht; machte sich 186] selb- ständig und war nicht ungeschickt; sein Lack läßt jedoch zu wünschen übrig. Lorange. — Lyon. Geb. in Mirecourt 9. Sept. 1873 Schüler von Delunet, arbeitete bei Gautie und P. Blan- chard usw. und ist seit 1899 selbständig. Er gilt als recht begabt. Geigenzettel : Paul Lorange /ä Lyon. 19 . . No. . . (ge- druckt). Lorenz In Watzkenreuth bei Fleissen arbeiten als Geigen- macher : Lorenz, Franz, und Lorenz, Georg, der seine Werkstatt jetzt nach Steingrub verlegt hat, wo auch Lorenz, Hugo, tätig ist Lorenz, Johann, lebt in Stein b. Graslitz Lorenz, Johann, in Schönbach b. E. — f 1903 Lorenz, Josef, lebt in Schönbach b. E. Lorenz, Josef, in Watzkenreuth Lorenz, Johann Adam. — (Mark)Neukirchen. Geb. 1688, t 22. Jan. 1763 Der älteste bekannte Geigenmacher dieses Namens. Sein Vater war Neukirchener Bürger und wahrschein- lich ein aus Böhmen eingewanderter Exulant. Am 7. Dezember 1 709 wurde er, erst nachdem er die Tochter eines Geigenmachermeisters geheiratet hatte, als Meister in die Zunft aufgenommen, worum er vor- her »schon lange vergeblich angehalten« hatte. Seine Arbeit zeigt den gewöhnlichen Vogtländer Stil. Der Name findet sich auf der Außenseite des Bodens oder in den Zargen eingebrannt. Er starb 75 Jahre 1 Monat alt. Lorenz, Johann Friedrich. — Klingenthal. 1 792 Bei seiner Eintragung in das Innungskassenbuch heißt es : »Heute dato 9. Februar 1 792 ist Johann Friedrich Lorenz als Meister in der Innung aufgenommen worden, wofür er bezahlet: 6 Thaler vor das Meister- recht, 18 Gr. vor die Muthung, 2 Thaler ins Amt Voigtsberg, 4 Gr. in die Armen-Casse, 1 Thaler 9 Gr. vor einen Eymer Bier«. Er pflegte in seine Geigen Y Friedrich Lorenz ^ einzubrennen. Eine Violine von ihm besitzt Stadtmusikdirektor Otto Eckenbrecht in Radeberg. Lorenz, Johann Georg. — (Mark) Neukirchen. Geb. 1713, t 7. Nov. 1772 Wahrscheinlich ein Sohn von Johann Adam L. Er wurde schon am 1 4. Oktober 1 730 Meister und war der Geschickteste aus seiner Familie. Er gehörte 1 768, 1 769 und 1772 dem Zunftrate an. Lorenz, L., lebte in Marxhausen Geigenzettel : L. Lorenz / Instrumentenmacher / in / Marxhausen (gedruckt). Lorenzi, G. Batt. Cav. de. — Vicenza. Pieve S.Stefano. 1862. 1878 Geigenmacher und Orgelbauer; Erfinder der »phono- chronomischen Orgel«. Geigenzettel : Abb. 474. Lorenzini, Gaspare. — Piacenza. 1750 Wenig hervorragender und wenig bekannter Geigen- macher aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Geigenzettel : Gaspare Lorenzini , Fecit Placentiae i 750 G L P [in einem Herz] (gedruckt). Lorenzo (»Laurentius«, gen. Papiensis). — Pavia. 1497. 1510 "Maestro Lorenzo« war ein in vielen Künsten er- fahrener Mann, namentlich Orgelbauer, dabei be- rühmter Lauten- und Violenmacher und Ebenist, der u. a. auch für den Hof der Gonzaga, d'Este und für die Markgräfin Isabella von Mantua arbeitete, die bei ihm im Jahre 1497 eine Laute aus Ebenholz und ein Klavi- chord bestellte, die er so schön machte, »daß es auf der Welt keine schöneren gab«. Vgl. Bertolotti S. 17. Lorez Name eines tüchtigen Geigenmachers. Lorisch. — Znaim (Znojmo). 1860. 1880 Ein Klavierstimmer und Reparateur, der hier nur er- wähnt wird, weil er das Geschäft Jak. Kramperas über- nahm und dann auch an Geigen herumflickte. Lorrain, Fran^ois L — Mirecourt. 1687 Ein Fran?ois IT L. kommt von 1747 — 1760 vor. Lorrain, Pierre. — Mirecourt. 1778 Er war Geigenmacher, Geiger und Tanzmeister. Eine Taschengeige in Violinform mit rötlichem Lack, die neben dem Griffbrett die Initialen P und L trug, war vielleicht von ihm. Lorret, Hyacinte (gen. Janrot). — Gent. 1 758. 1766 Er wohnte Rue des des. C. C. Snoeck besaß u. a. eine fünfsaitige Viola mit flachem Boden und geschriebenem Zettel von ihm. Losio (de Losy), Pietro Maria. — Innsbruck. 1579. t 11. Jan. 1608 Musiker und Instrumentenmacher, der am Hofe des Erzherzogs Ferdinand das Amt eines »Obersten trum- Lott Lo 303 meter und musicus« oder auch »obersten musicus« be- kleidete, also Dirigent der Instrumentalmusik war. Daß er auch Instrumente gemacht hat, behauptet er wenig- stens selbst in einem bei Bertolotti (S. 43) veröffent- lichten Briefe, in welchem er spricht von »dui istru- menti musicale fatti di mia mano comodi da sonare in varie sorte concerti . . .«. Im übrigen scheint er doch die Cremoneser Violen vorgezogen zu haben. Aus den Gem.-Missiven (1580 fol. 312, 537), Jahrbuch der Samml. d. a. h. Kaiserhauses Bd. 14, S. 180, Regest Nr. 10, 817, erfährt man, daß er dem »Lauten- und Geigenmacher Antoni^) in Cremona« für etliche Violen 30 Kronen bezahlt hat, welche Summ.e die tirolische Kammer ihm durch den Zöllner zu Brauzoll zu ersetzen befiehlt. Seit 1579 bezog er nebst freier Station ein jährliches Gnadengeld von 100 fl. (Raitbuch 1585, S. 140^). Als er nach dem Tode des Erzherzogs im Jahre 1595 seiner Stelle verlustig ging und nur mehr eine jährliche Provision von 104 fl. bezog, scheint er nebenbei einen Leinwandhandel betrieben zu haben, denn mehrere Jahre verrechnete die Kammer Ausgaben für Leinwand, die Losio den Franziskanern in Inns- bruck geliefert hatte. Zweimal wandte er sich an den Kaiser um Aufbesserung und erhielt jedesmal Abfin- dungssummen. Als Losio starb, bewilligte Erzherzog Maximilian seinem Sohne für drei Jahre ein der Mutter Domenica einzuhändigendes Jahrgeld zur Fortsetzung seiner Studien, trotzdem der verstorbene Vater einstens sehr bedenkliche Beziehungen zu einer Falschmünzer- bande unterhalten hatte. (J. Hirn, Erzherzog Ferdi- nand II. von Tirol Bd. II, S. 470 ff.) Ein Bruder Peter Marias, Martin Losy, war ebenfalls als Musikus der Hofkapelle angestellt. London. Geb. 1800, Lott, George Frederik. t 1868 Altester Sohn von John Fred. L. sen. Tüchtiger Kenner italienischer Geigen. Versuchte auch, Geigen in ähn- licher Form wie Galbusera zu machen (Gitarreform), ahmte aber für gewöhnlich die Italiener mit Erfolg nach. Da er viel für Davis arbeitete, tragen nur wenige Geigen seinen Namen. Diese sind sehr sauber gemacht, ver- lieren aber durch ihren trüben Lack beträchtlich an Aussehen. Lott, John Fredenck (sen.). — London. Geb- 1775 (in Deutschland), f 13. April 1853 In London Er war ursprünglich Stuhlmacher und kam in jungen Jahren nach London, wo er mit Fendt befreundet wurde und Lust bekam, Geigen zu machen. Im März 1798 trat er bei Th. Dodd in die Lehre und brachte es zu großer Geschicklichkeit. Er machte vortreffliche Violoncelli und Bässe für Dodd und war namentlich wegen seiner Kontrabässe, die den italienischen eben- bürtig sind, berühmt. Diese sind sehr genau gearbeitet; auch die Schnecke ist hübsch geschnitzt; nur sein Lack ist wenig schön. Eine Violine von ihm vom Jahre 1820 besitzt J. T. Chapman. Geigenzettel : J. F. Lott, / Maker, ,' London (gedruckt). ^) Wahrscheinlich Ant. Amati. Lott, John Frederick (]un.). — London. Geb. 1804 (nach andern 1805), f 1871 Zweiter Sohn von John Fred. L. sen. und bekannter unter dem Namen »Jack Lott«. Er arbeitete viel für Davis und war namentlich als geschickter Imitator von Joseph Guarneri berühmt. Er verstand sich besser als irgendein Engländer seiner Zeit auf das Lackieren, arbeitete ungemein sorgfältig und galt auch als ein guter Kenner der alten Italiener. Unermüdlich tätig starb er auch mitten in der Arbeit in seiner Werkstatt in der Wardour-Street. Sein Leben war so reich an roman- haften Zügen, — in jungen Jahren schloß er sich z. B. als Elefantenbändiger einem Wanderzirkus an, später war er eine Zeitlang Geiger in einem Theaterorchester — daß ihn Charles Reade zum Helden seines Romans : »Jack of all trades, a matter of-fact Romance« machen konnte. Lotte, Georges. — Mirecourt. 1894. 1897 Nachdem er seine Lehrzeit in Mirecourt beendet, kam er zu J. B. Vuillaume nach Paris und wurde angeblich Nachfolger seines Bruders. Seine Geigen sind be- sonders in England sehr beliebt. (Beide werd?n von A. Jacquot nicht erwähnt.) Lotter, Franz Xaver. — Koppel. 1831. 1851 Ein Landmann, der im Winter Zithern und Geigen machte. Er hat vielleicht einmal einem Halleiner oder Vilser Meister zugesehen, aber nichts Rechtes gelernt.- Geigen, die er geflickt hat, wurden unbrauchbar, und seine neuen, hochgewölbten Arbeiten taugen auch nicht viel. Lo Turco, Vicente. — Sao Paulo. 191 1 Tüchtiger brasilianischer Mandolinenmacher der Gegenwart, der in Turin eine silberne Medaille erhielt. Lotz, Theodor. — Preßburg. 1740. 1782 Er machte leidlich gute Geigen, doch ist er mehr als Erfinder eines Bassetthorns berühmt geworden. Später soll er nach Wien gegangen und sogar Hofinstrumenten- macher geworden sein. Lotz, Robert. — Gotha. Geb. 1 1. Febr. 1817 in Gotha, f um 1864 (in Dresden?) .Sohn des gothaischen Hautboisten (als »Premier Haut- boist« verzeichneten) Johann Hieronymus L. Geigen von ihm kommen sehr selten vor, häufiger dagegen Gitarren ; eine Baßgitarre besitzt W. Heyers Musik- historisches Museum in Köln. In den sechziger Jahren siedelte er zu seiner Tochter nach Dresden über. Geigenzettel: Robert Lotz / Instrumentenmacher in Gotha (gedruckt). — Robert Lotz in Gotha (gedruckt). Louis, Franz Conrad. — Saarbrücken (St. Johann). Geb. 3. Juni 1870 in Dudweiler Sohn eines Drechslers und Musikers, der auch mit Musikinstrumenten einen Handel trieb. Obwohl er schon als Kind versuchte, eine Geige zu machen, und musikalische Begabung verriet, mußte er doch zuerst 304 Louis — Lubocki das väterliche Gewerbe erlernen. Erst nachdem er seine Gesellenprüfung mit der Note »sehr gut* bestanden hatte, durfte er nach Markneukirchen gehen, um dort den Geigenbau regelrecht zu erlernen. Angeborene Ge- schicklichkeit und eiserner Fleiß halfen ihm die Lehr- zeit abzukürzen, dann kam er zu Ernst Th. Keßler, bei dem er zwei Jahre lang als Gehilfe arbeitete und seine Ausbildung vollendete, und den er nur verließ, weil er seiner Militärpflicht genügen mußte. Im Jahre 1895 machte er sich in Saarbrücken selbständig, und es ge- lang ihm bald, sich Anerkennung zu verdienen. Er baut sowohl nach einem eigenen, parabolisch konstruierten Modell von großem Format, als auch nach Stradivan und Guarneri und verwendet einen schönen Ollack. Ton und Ansprache seiner Geigen werden sehr gelobt. In Geigen nach seinem eigenen Modell (bei denen der Balken und die Bereifung sichtbar sind), findet sich ein Zettel mit dem gedruckten Namen in einer Umrah- mung und der eigenhändigen Unterschrift : F. C. Louis, Saarbrücken / 1911 (gedruckt). In Geigen nach anderen Modellen : F. C. Louis / Geigenbaumeister / Saarbrücken anno 1911 (gedruckt). Louis, Joseph. — Genf, Basel, Mülhausen, Besan^on. 1813. 1841 Hart sagt, daß er Stradivari mäßig gut nachahmte; er ist mir nur als Reparateur bekannt. Auch Valdrighi führt ihn (Nr. 4286) ohne jede weitere Angabe an. Nach 1810 soll er von Genf nach Basel gekommen sein, vor 1818 war er in Mülhausen und ging von da nach Besan?on. A. Jacquot kennt Reparaturzettel von ihm bis 1841. Vielleicht ist er mit jenem Louis, der in Toulouse ansässig war, identisch. Auch dieser schemt sich nur mit Wiederherstellungsarbeiten beschäftigt zu haben. Gelgenzettel: Repare par Jh. Louis / Luthier ä Bale 1813 (gedruckt). — Repare par Louis luthier / de l'ecole italienne a Toulouse (gedruckt). Louvet, Jean l. — Paris. 1691. 1747 Wenig bekannt; er wird gewöhnlich mit seinem gleich- namigen Sohn verwechselt. Er wohnte 1733 Rue Grenier St. Lazare. Louvet, Jean II (»Louvet le jeune<'). 1750. 1789 'ans. Sohn von Jean I L. und wahrscheinlich Bruder von Pierre ; angesehener Lautenmacher, der bereits 1 759 geschworener Zunftmeister war. Er wohnte stets in der Rue de la Croix-des-Petits-Champs. Besonders ge- schätzt waren seine Radleiern, Sackpfeifen und Harfen. Als Geigenmacher war er weniger bedeutend. Seine Violen und Violinen sind meist von gewöhnlicher Ar- beit und haben braunen Lack. Je eine Radleier von ihm befindet sich im Pariser Konservatorium und in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 1 004) ; ferner ein Alto aus der Sammlung Snoeck (Nr. 572). Geigenzettel : Louvet ä la vielle / Royale Rue Croix des petits / champs ä cote de la porte / Saint Honore ä Paris. 1755 (gedruckt) und Abb. 472. Louvet, Nicolas. — Mirecourt. 1770 Ein Geigenmacher, den A. Jacquot, der in Mirecourt auch einen Didier Louvet aufgefunden hat, erwähnt. Didier Louvet ließ schon 1605 einen Sohn Pierre taufen, doch fehlt eine Berufsangabe. Louvet, Pierre. — Paris. 1739. 1783 Er wohnte nacheinander in der Rue Montmartre, Rue Pastourelle und zuletzt In der Rue Saint-Martin. Er machte gute Violen, Gitarren, Harfen und Leiern^), ohne gerade Hervorragendes zu leisten. Schon 1 742 war er geschworener Zunftmeister. Eine Leier von ihm ist im Museum zu Gothenburg und eine ebensolche im Museum des Pariser Konservatoriums. Seine Leiern sind oft zierlich in der Form und mit ansprechenden Malereien versehen. Gelgenzettel : Abb. 497. Louvet & Bing. — Pans-Grenelle Geigenfabriksfirma aus dem letzten Drittel des 1 9. Jahr- hunderts. Loveri, Carlo und Sohn. — Neapel. 1 881 . 1 898 Mandollnen- und Gelgenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. »Lowendall Star Works«. — Berlin Im Jahre 1866 in Berlin begründetes Geschäftsunter- nehmen des Kaufmanns L. Löwenthal (geb. 5. Dez. 1840 zu Königsberg i. Pr.), dem auch der Sohn des Be- sitzers als Teilhaber angehörte. Er arbeitet hauptsäch- lich für den überseeischen Export und hat in 45 Jahren fast 1 1 000 Violinen verkauft, doch beschäftigte er bereits eine Reihe hervorragend tüchtiger Gehilfen, so daß aus seiner Werkstatt auch Instrumente von wirklichem Kunstwerte hervorgegangen sind. Nur in solchen findet sich ein Zettel mit dem Namen Lowendall (den er in Amerika angenommen hat). Er hat einen Stimm- balken erfunden, den er in einer kleinen Schrift unter dem Titel: »Fachmännische Erläuterungen über den von mir erfundenen Resonator-Violin-Stlmmbalken für Streichinstrumente« (Berlin 1900, Selbstverlag, 17 S. in 8") näher beschreibt. Sein Geschäft erhielt viele Ausstellungsmedaillen. Gelgenzettel : Louis Lowendall / fecit Berlin. Anno 18.. (gedruckt). — Louis Lowendall / fecit Berlin. Anno 1910 (gedruckt). Lubino. — Lugano. Um 1750 Grillet sagt von seiner Arbelt: »Style cremonais«. Ich habe nichts von ihm kennengelernt. Lubocki, Richard. — Leipzig. Dortmund. Geb. 16. Aug. 1874 in Riga Ursprünglich Musiker. Seit seinem zwölften Lebens- jahre lernte er Geigen- und Violoncellospielen, besuchte später das Konservatorium in Warschau und wurde schließlich Posaunist. Schon als Kind interessierte er sich für den Gelgenbau, und sein sehnlicher Wunsch war es von jeher, darin unterrichtet zu werden. Als er ^) Die er um einen Ton in der Höhe bereicherte. Lucarini — Lugert 305 nach Leipzig kam, trat er daher sofort bei G. Wunder- lich als Schüler ein und erlernte das Geigenmachen. Er machte sich erst m Leipzig als Geigenmacher selb- ständig und verlegte dann seinen Wohnsitz nach Dort- mund, wo er sxh verdienter Wertschätzung erfreut. Er hat eine Verbesserung am Saitenaufzug (Wirbel- kasten) erfunden. Lucarini, Vincenzo. — Faenza. 1803. 1820 Ein Lauten- und Mandolinenmacher, der auch Geigen ausgebessert hat. Geigenzettel: Vincentius Lucanni , Restavravit Fa- ventiae An. 1813 (gedruckt). Lucas, T. W., hat in Liverpool eine Werkstatt Ludeck s. Zudeck Ludge s. Ludici Ludici, Hieronymo Pietro di. — Conegllano. 1698. 1709 Nach seiner eigenen .aussage machte er Geigen aus Liebhaberei. Er war nicht ungeschickt. Geigenzettel : Hieronymus Petrus de Ludice / animi causa faciebat Conegliani A. D. 1 709 (gedruckt). Ludwig, Johann (Hans) Georg. — Klingenthal. 1680. 1716 Einer der ältesten Klmgenthaler Geigenmacher. Er wurde am 27. September 1680 von der Neukirchener Zunft als Mitmeister angenommen, saß 1712 im Zunft- rat und kommt noch 1716 im Kassenbuch vor. Lüdemann, Julius. — Köln a. Rh. Geb. in Köln 1858 Schüler von Wilh. Herm. Hammig in Leipzig. Nach einer Studien- und Wanderzeit von 1872 — 1875 machte er sich in seiner Vaterstadt selbständig, arbeitet nach Stradivan und Guarnen und verwendet Ol- und Spirituslack. Er besitzt eine silberne Medaille der Kölner Ausstellung vom Jahre 1889 und ist Hof- lieferant des Prinzen Joachim Albrecht von Preußen. Geigenzettel : Julius Lüdemann / Coloniae fecit anno 18 . . (gedruckt). — Julius Lüdemann / Geigenmacher / Cöln 19 . . (gedruckt). Lüdemann, K. — Berlin. 1884. 1920 Schüler seines Bruders Jul. L. Arbeitete bei Riechers, Möckel und Otto und macht hauptsächlich Violoncelli. Seit 1900 war er Hoflieferant des Prinzen Joachim Albrecht von Preußen. Am 1. Juli 1920 ging sein Ge- schäft und seine Werkstatt auf Markus Sandherr über. Lüdicke, Friedr., lebt in Chemnitz Lülsdorff, Joseph. — Köln. Geb. 3. Dez. 1868 in Düsseldorf Gut musikalisch vorgebildet, kam er zu Lüdemann in Köln, E. Beyer in Erfurt, Fischer in Bremen usw. und eröffnete im Jahre 1894 seine eigene Werkstatt in Köln. Er erfand ein Zargenbiegeisen mit Bolzenerwärmung, ein sog. Chaconnegriffbrett für Streichinstrumente, V. Lütgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II einen verstellbaren Violoncellostachel usw. und brachte auf größeren Reisen eine schöne Sammlung alter Streichinstrumente zusammen. Er war Preisrichter bei der ersten niederländischen Musikfachausstellung in Rotterdam 1909 und hat sich u. a. durch die Gründung des Verbandes deutscher Geigenbauer ein besonderes Verdienst erworben. Geigenzettel : Abb. 465 und 505. Lütgens, Hinrich I. — Lübeck. 1654. 1656 Spielmann und Instrumentenmacher, von dem nur so viel bekannt ist, daß er zwei Söhne und eine Tochter hatte (Marien-Taufbücher 1654 — 1656). Lütgens, Hinrich II. — Lübeck. 1676. 1699 Wahrscheinlich ein Sohn von Hinrich I L. Auch er wird kurzweg als Instrumentenmacher bezeichnet und erwarb 1676 das Bürgerrecht. Im gleichen Jahre heiratete er Elsabe Stöven und ließ 1678 (B.April) einen Sohn, der ebenfalls Hinrich hieß, und 1679 eine Tochter taufen. In den Kirchenbüchern kommt er zu- letzt 1699 vor als Gevatter bei dem Sohne Jakob Hein- rich des Lautenmachers Samuel Goldt. Lütschg, Gustav. — Zürich, Bern. Geb. 1870 als Sohn des Waisenhausdirektors L. in Bern Nach einer tüchtigen Schulbildung, wobei das Violin- spiel eifrig gepflegt wurde, trat er mit 18 Jahren bei dem Geigenmacher Methfessel in die Lehre. Als Gehilfe arbeitete er zwei Jahre bei George Mougenot in Brüssel. 1892 machte er sich in Zürich selbständig und blieb hier sechs Jahre; doch als sich ihm Gelegenheit bot, das Methfesselsche Geschäft in seiner Vaterstadt von dessen Nachfolger Max Beck zu übernehmen, siedelte er am I. Mai 1898 nach Bern über. Schon im Jahre 1910 hatte er 100 Violinen in allen Teilen selbst gebaut. Seine Arbeit wird von ersten Geigern sehr ge- lobt, und auch als Reparateur erfreut er sich eines aus- gezeichneten Rufs. Er hat jetzt eine »Entdeckung« ge- macht, die ihn nach seiner Überzeugung befähigt, Geigen herzustellen, die in Tonschönheit und leichter Ansprache den Werken der alten Meister ebenbürtig sind. Er besitzt mehrere erste Ausstellungsmedaillen. Sein Ollack ist recht gut. Geigenzettel: Gustav Lütschg / fecit Bernae 18 . . (ge- druckt). Lugdunum (= Lyon) s. Blanchard Lugert, Anton. — Hamburg. Geb. 25. Sept. 1894 in Schönbach bei Eger Schüler von Karl Fischer. Als Gehilfe arbeitete er in Graslitz, bei Louis in Saarbrücken, ferner in Köln und Berlin, und leitete dann das Zweiggeschäft Th. Kurths in Potsdam. Hierauf trat er bei G. Winterling in Ham- burg ein. Bei Kriegsausbruch wurde er eingezogen und kehrte nach dem Friedensschluß zu Winterling zurück, dessen Geschäft er gemeinsam mit Anton Schreiber am 1. November 1920 käuflich erwarb. Er ist ein sehr geschickter Geigenmacher, der den guten Ruf des alten Geschäftes mit seinem Teilhaber zu erhalten und zu befestigen verstanden hat. 20 306 Luglioni — Lupot Luglioni (Luglonl), Giuseppe, ein 1777 vor- kommender, von Vldal erwähnter Geigen- macher, der in Venedig lebte Luglmayer?, Siegmund. — Wien?. 1760 Harry Dykes in Leeds bot im Jahre 1910 in Nr. 245 der Zeitschr. »The Strad« eine sehr gute Violine dieses bis- her nicht bekannten Wiener Geigenmachers für 10 £ zum Kauf an. Er versicherte, daß sie den Originalzettel trage und erbot sich außerdem zu einer schriftlichen Gewährleistung für die Echtheit. Lullier, Charles. — Boulogne, Douai. 1830. 1860 Seine Geigen verraten die Mirecourter Schule. Besser sind seine Gitarren, die sich durch saubere Arbeit und guten Ton auszeichnen. Geigenzettel: Abb. 477. Lullier, Joseph. — Mirecourt. 1767 Bogenmacher. Lullier, Joseph Philippe. — Mirecourt. 1762 Bruder von Joseph L. und wie dieser Bogenmacher. Lund, Niels Jensen. — Kopenhagen. 1784 bis 1858 Schüler von Ole Dreier und nebenbei Militärmusiker. Seine Geigen waren nicht schlecht, besonders gut aber seine nach Tourte gearbeiteten Bogen. Lundborg, Pehr. — Stockholm. 1773. 1787 Ein Klaviermacher, der sich auch als Lautenmacher betätigte und Theorben und Harfen baute. Eine Läute von ihm mit der Nummer 181 besitzt General- konsul J. Jahnsson in Stockholm. Ein Klavichord von ihm besitzt das Musikhistorische Museum in Stock- holm als Geschenk von Generalkonsul Claudius in Malmö (jetzt in Kopenhagen). Lupo, Pietro. — Antwerpen. 1559 Wahrscheinlich ein Wälscher. Im Jahre 1 559 verkaufte er an den Magistrat von Utrecht 5 Geigen für 12 Livres. Lupot, Fran^ois L — Stuttgart, Orleans. Geb. in Plombleres 5. Juli 1725, f in Paris 1804 Sohn und Schüler von Frangois-Laurent L. Er ver- heiratete sich und wurde auf Empfehlung des aus Luneville stammenden Galeriedirektors Guibal um 1758 nach Stuttgart berufen, wo er Lautenmacher des Herzogs von Württemberg wurde und bis etwa 1766 blieb. Man findet ihn dann in Ludwigsburg, der zweiten Residenz des Herzogs. Mit einem glänzenden Zeugnis des württembergischen Hofkapellmeisters Jomelli versehen, kehrte er nach Frankreich zurück und ließ sich gegen 1770 in Orleans als Geigenmacher nieder. Dort wohnte er bis 1 794 in der Rue St. Cathe- rine und folgte dann seinem Sohne Nicolas nach Paris. Er war einer der besseren Geigenmacher semer Zeit, dessen Ruhm freilich sehr von seinem großen Sohne Nicolas verdunkelt wurde. Auch um sein Leben wurde ein Sagenkranz gewunden ; man machte ihn zu einem Schüler von Jos. Guarneri u. dgl., obwohl er nachweis- lich nie in Italien war und nur nach Stradivari arbeitete. Manche seiner Violinen zeigen am Boden einen helleren Lack, als auf der Decke. Eine schöne Violine von ihm aus dem Jahre 1 772 besitzt das Museum des Pariser Kon- servatoriums. Eine Lyragitarre in New York mit seinem Zettel und der Jahreszahl 1778 dürfte nicht von ihm herrühren. Geigenzettel: Franfois Lupot. luthier de / la cour de Wirtenbergk / ä Stoutgard l'anno 1 763 (gedruckt) und Abb. 478 und 502. Lupot, Fran^ois II. — Paris. Geb. m Orleans 1774, f 4. Febr. 1837 in Paris Zweiter Sohn von Fran^ois I L. und Bruder von Nicolas. Er war hauptsächlich als Bogenmacher be- rühmt. Seine Geigen sind weniger gut; auf seinem Zettel bezeichnet er sich als einen Schüler von Stradi- vari, was aber nicht einmal dann stimmt, wenn man annehmen wollte, daß er ihn damit nur als seinen geistigen Lehrer habe bezeichnen wollen. Dagegen gehören seine Bogen zu den besten, die in Frank- reich gemacht worden sind. Er soll als erster den Schieber am Frosch eingeführt haben. Seine Werkstatt befand sich von 1837 bis zu seinem Tode in der Rue d'Angevilliers Nr. 18. Einen schönen Bogen mit leichter dunkelbrauner Stange besitzt Apoth. E. Meisner in Nymphenburg bei München. Geigenzettel: Fran?ois Lupot, Luthier / Eleve de Antonius Stradivarius / Rue de Cramot ä Paris Tan 1 798 (gedruckt). Lupot, Fran^ols-Laurent. — Mirecourt, Plom- bieres, Luneville, Orleans. Geb. 11. Aug. 1696, t nach 1762 Achter Sohn von Jean L. und Lucy Henry. Er war erst Schulmeister, dann Drechsler und zuletzt Geigen- macher und als solcher Schüler seines Vaters. Mit 20 Jahren heiratete er Catherine Gilson. Vor 1725 siedelte er mit seiner Frau nach Plombieres über, er kehrte aber nach einigen Jahren nach Mirecourt zurück, verließ seine Heimatstadt aber wieder am 1 5. Dez. 1 739, um sich neuerdings in Plombieres niederzulassen und ging von da bald nach Luneville. Hier blieb er bis um 1756 und zog darauf nach Orleans. Er war ein sehr geschickter Geigenmacher. Geigenzettel: Laurent Lupot / Luneville 1751 (ge- schrieben). Lupot, Jean (le Jeune). — Mirecourt. Geb. um 1652, t nach 1696 Sohn des am 19. September 1675 in Mirecourt ver- storbenen Nicolas Lupot. Soweit bis jetzt bekannt ist, war er der älteste Geigenmacher seines Namens. Er verheiratete sich im Jahre 1683 mit Lucy Henry, von der er acht Kinder bekam. Er war der Urgroßvater von Nicolas Lupot. Einen Stammbaum der Familie findet man bei A .Jacquot^), der sich große Verdienste um die Richtigstellung weit verbreiteter, irriger Angaben über die Familie Lupot erworben hat. ^) La Lutherie Lorraine et Fran^aise. S. 183. Lupot — Lutz 307 Lupot, Jean-Fran^ois. — Mirecourt. Geb. 25. Juli 1684 in Mirecourt, f daselbst 1 . März 1749 Ältester Sohn von Jean L. und der Lucy Henry. Er hatte zwar das Geigen- und Lautenmachen erlernt, wurde jedoch ein ausgezeichneter Holzbildhauer und soll als solcher sehr schöne Köpfchen und Ornamente an den Wirbelkästen geschnitzt haben. Lupot, Nicolas. — Orleans, Paris. Geb. in Stuttgart 4. Dez. 1758, f 14. Aug. 1824 Sohn und Schüler von Fran<;ois Lupot, mit dem er als 1 i jähriger Knabe nach Orleans kam. Seine ältesten Arbeiten sind aus Orlians 1776 datiert. Um 1794 kam er nach Paris und wurde zunächst von Pique be- schäftigt. Es ist zweifellos, daß sein Verkehr mit diesem Meister sehr förderlich für ihn war; bei seiner genialen Veranlagung machte er sehr rasche Fortschritte und konnte im Jahre 1 798 in der Rue de Grammont seine eigene Werkstatt eröffnen, die er 1806 nach der Rue Croix-des-Petits-Champs verlegte. Er ist unbestritten der größte Meister der französischen Schule, und wenn man ihn den »französischen Stradivari« nennt, so hat dies seine volle Berechtigung. Er war ein gründlicher Kenner der Italiener — auf seinen Mitteilungen fußend schrieb Abbe Sibire seine »Chelonomie« — und des von ihm über alles geschätzten Stradivari. N. Lupot arbeitete nach Stradivari, ohne ihn sklavisch zu kopieren ; namentlich unterscheiden sich seine F- Löcher von seinem Vorbild. Seine Arbeit ist in jeder Beziehung mustergültig und von so klassischer Vollendung, daß sie nicht übertroffen werden kann. Sem Lack, den zwar G. Hart als den besten aus der nachitalienischen Periode bezeichnet, ist freilich nicht so schön wie der der besten Cremoneser. Er trug ihn auch oft zu dick auf, was wohl den Ton seiner Geigen nicht beeinträchtigt, aber weniger bestechend aussieht, zumal dieser Lack im Alter leicht rissig wird. Zu den Einlagen nahm er wiederholt Fischbein. Lupot galt schon bei Lebzeiten als ein großer Meister ; seine Geigen wurden den besten Schülern des Konservatoriums als Preise gegeben ; 1 8 1 5 wurde er zum Geigenmacher der königlichen Kapelle und 1816 zum Lieferanten der k. Musikschule ernannt. Er erhielt für seine Violinen durchschnittlich 300 Frs. ; schon in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden sie mit 1000 Frs. und 1900 oft schon mit 4000 bis 5000 Frs. bezahlt. In Deutschland wurde er haupt- sächlich durch Spohr berühmt, der, seit er eine Geige von Lupot erworben, ausschließlich auf dieser spielte ^). Lupots Nachfolger war sein Schüler Chr. Fr. Gand, der auch die Adoptivtochter Lupots geheiratet hat. — Nicolas Lupot gebrauchte verschiedene Zettel und hat gelegentlich auch seinen Namen in der Decke einge- brannt. Arbeiten von ihm kommen häufig vor, sind aber meistens in festen Händen. Ein im Jahre 1818 gebautes Violoncello besitzt das Brüsseler Streich- quartett. Geigenzettel: Nicolaus Lupot filius / fecit in Aure- lianensis anno 1776 (gedruckt) und Abb. 461, 468, 485, 490. Brandmarke: Nr. 67. ^) Diese Geige kam später an Konzertmeister Mathäi in Leipzig und von diesem an Konzertmeister Ulrich. Lupp, Franc. Antonio. — Mailand. 1716 Ich fand den Namen nur im Selhofschen Auktions- katalog (Haag, 1 759), wo eine Geige von ihm erwähnt wird. Vgl. auch Lupo. Luppi, Giovanni. — Mantua Unbedeutender italienischer Geigenmacher des 1 9. Jahr- hunderts. Lustkandl. — Schönbach b. E. Als Geigenmacher kommen vor: Lustkandl, Johann. — f vor 1898 Lustkandl, Josef I, war 1826 schon Meister Lustkandl, Josef II, ist noch tätig Lustkandl. — St. Petersburg. Geb. in Schön- bach 1838, t das. 1909 Er kam als Geselle nach Rußland, machte sich in St. Petersburg selbständig und stellte noch 1881 in Moskau ^Violinen und Violoncelli aus, die gelobt wurden. Luthaud. — Saint-Laurent-les-Mäcon (Ain). . 1845. 1875 Er machte nur sog. Bauemleiem im Stile Louvets. Im Anfang unseres Jahrhunderts verkaufte er sein Geschäft, kehrte in seine Vaterstadt zurück, wo er bis zu seinem Tode als Privatmann wohnte. Lutz. — Schönbach b. E. Aus dieser Familie gingen als Geigenmacher hervor und blieben in Schönbach: Lutz, Anton I. — Schönbach (Wien). Geb. 1814, t 14. Jan. 1896 im Alter von 81 Jahren 3 Monaten und 1 4 Tagen Er war ein Sohn des 1840 verstorbenen Ignatz L. und war Teilhaber der Firma A. Lutz & Co. in Wien. Außer sehr guten Geigen machte er Violoncelli und Bässe und erfreute sich auch im Auslande großer Wert- schätzung. Er hatte zwei jüngere Brüder Johann und Vincenz, die bei ihm das Geigenmachen erlernten. Lutz, Anton II. — Schönbach b. E. Geb. 1850, t 1910 Sohn von Johann I L. und wohl auch dessen Schüler. Ein tüchtiger Arbeiter, der zuletzt geisteskrank wurde und sich in diesem Zustande vergiftete. Lutz, Anton Josef. — Schönbach b. E. 1780 Er scheint ein Amatimodell gekannt zu haben und war recht geschickt. Der braune Lack ist nicht besonders, der Ton seiner Geigen dagegen recht angenehm. Lutz, Florian. — Geb. 1790, f 1835 Ein geschickter Geigenmacher. Lutz, Ignatz. — Schönbach b.E. Geb. ? f 1840 Er war Geigenmacher und Meßner und galt als tüch- tiger Meister. Er hinterließ drei Söhne und drei Töchter. 20* 308 Lutz I Lutz johann I. - Geb. 1820, f 1888 Sohn von Florian Lutz. Lutz, Johann IL — Geb. 1854 Schüler seines Vaters Vincenz L. Einer der besten Geigenmacher seines Ortes; Inhaber der Firma J. T. Lutz, die 1875 begründet wurde. Ton und Lack seiner Geigen sind gut. Auch seine beiden Brüder smd Geigenmacher. Geigenzetteh J.T.Lutz, / Instrumenten-Erzeuger / Schönbach (Böhmen) (gedruckt). Abb. 464. Lutz, Johann IIL — Schönbach, f 1891 in Schönbach Zweiter Sohn und Schüler von Anton Lutz. Lutz, Josef I Jetzt der alleinige Inhaber der Firma Brüder Lutz, er ist der zweite Sohn des 1896 verstorbenen Anton L. Lutz, Josef II Er hat seine Werkstatt im Hause Nr. 392. Lutz, Martin, noch tätig Lutz, Michael.— 1835 Direktor Müller in St. Gallen besaß eine gute Violine mit dunkelbraunem Lack und stumpfen Ecken, die auf der Innenseite der Decke die Inschrift »Michael Lutz in Mittenwald 1835« trug. In Mittenwald war nie eine Familie Lutz heimisch, aber wahrscheinlich hat ein Schönbacher Lutz dort als Lehrling oder Gehilfe ge- arbeitet, da die Stelle, wo die Inschrift angebracht war, es als ausgeschlossen erscheinen läßt, daß der Ver- fertiger nach bekanntem Vorbild den Ursprungsort zum Zwecke der Täuschung des Käufers falsch ange- geben hat. Lutz, Vincenz. — Geb. 1821 , f 1886 in Schön- bach Zweiter Sohn des 1840 verstorbenen Ignaz L. und Schüler seines Bruders Anton L. Lutz, Gebrüder. — Wien Eine Schönbacher Firma, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Wien bestand und deren einer Teilhaber der Schwager Ignaz Sandners gewesen sem soll. Lutz, Georges. — Paris. 1895. 1900 Neffe, Schüler und Nachfolger von Louis Lutz. Lutz, Ignaz. — Wien. Geb. 1843 zu Schön- bach, f 1907 Schüler seines Vaters Anton Lutz. Er bereiste nach be- endigter Lehrzeit zu seiner weiteren Ausbildung ganz Österreich und Ungarn, einen großen Teil von Deutschland und Italien und ließ sich 1868 in Wien nieder, wo er Franz Hoyers Nachfolger wurde. Er war seit 1878 k. k. beeideter Schätzmeister, Besitzer vieler Preise von Ausstellungen, pers. Hoflieferant usw. und machte auch Zithern, Gitarren, Klavierharfen und Klavierzithern von eigener Konstruktion. Gemeinsam mit seinem Sohn beschäftigte er sich besonders mit dem Lackieren und machte vielerlei Versuche, um den alt- italienischen Geigenlack zu kopieren, und in einzelnen Fällen ist ihnen dies auch in hervorragendem Maße ge- lungen. Die dazu verwendeten Geigen stammten aus Schönbach. Das Geschäft wurde 1909 aufgelöst, und seitdem kommen viele Lutzsche Geigen mit miß- lungenen Lackversuchen im Handel vor, die völlig wertlos sind. Geigenzettel: Ignaz Lutz / Musikinstrumentenfabn- kant / Wien (gedruckt). Lutz, J. — Graslltz. 1893 Er war noch im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts tätig und arbeitete hauptsächlich für den Handel nach Amerika. Auf der Ausstellung in Chicago hatte er gute Streichinstrumente ausgestellt. Lutz, Louis. — Paris. Geb. in Lausanne um 1840, t in Paris 1895 Schüler seines Bruders Theophile L. Er machte haupt- sächlich Gitarren und Mandolinen. Geigenzettel : Abb. 484. Lutz, Theophile. — Lausanne. 1850. 1883 Guter Schweizer Geigenmacher und tüchtiger Geiger. Lehrer seines Bruders Louis L. Lutze, J., lebt als Streichinstrumentenmacher in Karlsbad Lux, Franz I. — Wien. 19. Jahrhundert Bruder von Wendelin L. Er arbeitete im III. Bezirk (Landstraße) und hatte im Jahre 1857 sein Gewerbe angemeldet. Er befaßte sich hauptsächlich mit dem Verkauf von Egerländer-Geigen. Lux, Franz II. — Wien. 1896. 1910 Sohn von Franz I L., Neffe und Schüler von Wendelin L. Er führte das väterliche Geschäft fort, ist aber haupt- sächlich Musiker. Lux, Wendehn. - Wien. 1860. f 1896 Er war als Schüler von Anton Kiendl hauptsächlich Zithermacher. Nachdem er sich selbständig gemacht hatte, verlegte er sich mehr auf den Geigenhandel und war als Reparateur von Streichinstrumenten ein sorg- fältiger, sehr tüchtiger Arbeiter. Besonders gut waren seine Kontragitarren. Eine Gitarre von ihm in Ban- durriaform befindet sich im Musikhistorischen Museum in Stockholm. Luzzi. — Paris. 1768. 1788 Dem Namen nach ein Itali'^ner, der sich in Paris niedergelassen und in der Rue Mazarin seine Werkstatt hatte. Er machte alle Gattungen von Musikinstru- menten, war aber nur ein Handwerker. Geigenzettel : Luzzi Mre. luthier, rue / Mazarine pres le carrefour de Bussy (gedruckt). Lvbeert — Mac-Neill 309 Lybeert, Alessandro. — Florenz. 1899 Er arbeitet mit seinem Sohn. Beide gelten als ge- schickte Mandolinenmacher. Sie verfertigen auch sog. toskanische Mandolinen, die sich im Bau von den römischen wenig unterscheiden, aber statt Doppel- saiten nur einfache Saiten haben. Lye, Henry. — Camerton b. Bath. 1910 Geschickter englischer Geigenmacher der Gegenwart. Lyngaas, Otto I. — Chrlstiania. 1890. 1920 Ein tüchtiger Geigenmacher, der in Paris, Stockholm und Bergen Ausstellungspreise erhielt und in Nor- wegen sehr geschätzt wird. Lyngaas, Otto II. — Bergen. Geb. 1890 Sohn und Schüler von Otto I L. Nachdem er ausge- lernt hatte, ging er zu seiner weiteren Ausbildung auf Reisen, arbeitete in Kopenhagen bei H)orth, bei Winterling in Hamburg und bei Möckel in Berlin. Im Jahre 1819 ließ er sich in Bergen nieder und fand als Reparateur ungeteilte Anerkennung. .Auch im Neubau verspricht er gediegene Leistungen. Lyon, Gustave -Frangols (Frantz). — Paris. Geb. 19. Nov. 1857 Ein Ingenieur, der sich als erfindungsreicher Harfen- macher einen Namen gemacht hat. Seine chromatischen Harfen und Harfen-Lauten haben mancherlei Vorzüge. Mac-George, George. — Edinburgh. 1796. 1820 Von 1796—1800 arbeitete er mit Matthew Hardie zu- sammen und später allein. Er darf als Hardies Schüler angesehen werden; wenigstens ahmte er ihn bis zur Täuschung nach, und höchstens im Lack unter- scheiden sich ihre .'\rbeiten. Wenn er keine Zettel ein- klebte, schrieb er seinen Namen im Innern der Violine an eine passende Stelle. Geigenzettel : Gr. Mc. George / Maker / Edinburgh 1817 (gedruckt). Mac-GIll, James Campbell. — Arran. Geb. 1836 in Südschottland, Ayrshire Wenn auch kein gelernter Geigenmacher, beschäftigt er sich doch schon seit etwa 1857 mit der Geigenmacherei und hat darin nennenswerte Erfolge erzielt. Bei seinen letzten Geigen verwandte er Whitelaws Bernsteinlack. Statt des Zettels bedient er sich einer Brandmarke. Geigenzettel: J. C. Mc. GiU ' Maker / Arran 1895 (ge- druckt). Mac-Intosh, James. — Blalrgowne. Geb. 1801 in Garne bei Blairgowne, f 1873 Sohn eines Ölmüllers, Neffe von John Mc.-Intosh und wahrscheinlich ein Schüler von Peter Hardie, der in dem seinem Heimatsorte nahe gelegenen Dunkeid wohnte. Er war außerdem ein Großneffe des be- rühmten schottischen Geigers Robert Mac-Intosh, gen. »Red Rob« (1745 — 1807). Seine ältesten Geigen sind noch nach Stainer gemacht und zeigen statt der Einlage gezeichnete Linien, der Boden ist aus einem Stück, nach der Schwarte geschnitten. Seit etwa 1868 wendete er sich dem Stradivarimodell zu, verwendete größere Sorgfalt auf die Durchführung und machte echte Einlagen. Der Ton seiner Geigen ist recht gut. Er hat im ganzen 204 Violinen, 10 Violen und 35 Violon- celli gebaut. Auch galt er als tüchtiger Geiger. Geigenzettel : James Mc Intosh / Violin Maker, Blair- gowrie , March 1842. (gedruckt). Mac-Intosh, John. — Dublin. 1810. f um 1840 Schüler von Thomas Pcrry und Nachfolger von Perry & Wilkinson. Er war hauptsächlich Händler. Mac-Intosh, William. — Dundee. Geb. April 1852 in Abernethy Er verlegte sich erst in einem Alter von 40 Jahren auf das Geigenmachen, macht jetzt recht gute Violinen nach Stradivari und verwendet Bernsteinlack. Er ist mit seinen Namensvettern in keiner Weise verwandt. Geigenzettel : Made by / William Mc Intosh, / Dundee./ Date .... (gedruckt). Mackiewicz, Franz. — St. Petersburg. Anfang des 19. Jahrhunderts Ein Lautenmacher, von dem sauber gearbeitete, mit Hörn und Elfenbein eingelegte Gitarren bekannt sind. Geigenzettel: Franciskus Mackiewicz / Fecit in St. Petersbug (sie.) (gedruckt). Mac-Lay, William. — Kincardine-on-Forth. Geb. um 1815 Vielleicht ein Schüler von John Christie. Er ist zwar kein Geigenmacher von Beruf, hat aber doch mit Ver- ständnis über 50 Violinen, 6 Violen und 6 Violoncelli gemacht. Sein Lack ist von gelber Farbe. Er klebte keine Zettel ein, sondern schrieb auf die Innenseite des Bodens: »William Mc.-Lay, Crosshill Kincardine-on- Forth*. Mac-Neill, John. — Edinburgh. Geb. 1848 in Tranent Sohn von William Mc.-N. und im Geigenmachen wohl auch dessen Schüler. Er ist gleichzeitig ein geschickter Geiger und hat zahlreiche Violinen nach dem Guarneri- modell gemacht. Er verwendet Bernsteinlack. Im Jahre 1900 war ein Mac-Neill in Dublin ansässig. Geigenzettel: Made by John Mc Neill / Edinburgh, 1890. (gedruckt). Mac-Neill, William. — Edinburgh. Geb. 26. Febr. 1827 in Tranent Er hatte sein fünfzigstes Jahr bereits überschritten, als er begann, Geigen zu machen. Er ahmte die Umrisse von Guarneri nach, nahm aber die Wölbung viel höher und verwendete meist OUack. Im ganzen hat er über 310 Mac-Nicol — Maggini 20 Violinen und 2 Violoncelli selbständig angefertigt und gilt jetzt als der beste Reparateur in ganz Schott- land. Geigenzettel : Made by / William Mac Neill / Edin- burgh 1888. (gedruckt). Mac-Nicol, Alexander. — Padanaram. Mitte des 19. Jahrhunderts Ein Weber, wie sein Lehrer Findlay. Er dürfte etwa 20 Violinen (nach Guarnen) gemacht haben und soll ziemlich geschickt gewesen sein. MacPhaid (Phail?), John. — Monzie. 1868 Ein Schotte, der aus Liebhaberei Geigen baute, ohne es zu besonderer Geschicklichkeit gebracht zu haben. Mac Pherson, A. — 1898 Wohl auch nur ein Liebhaber, der sich als Geigen- macher versuchte. Madrian, Johann. — Brunn. 1721 Ein sonst wenig bekannter Geigenmacher, von dem Ant. Kottenbach m Wim ein Violoncello besitzt, das nach einem großen, breiten Stainermodell recht gut ge- arbeitet ist und einen sehr schönen Ton hat. Geigenzettel : Joannes Madrian me fecit / Brunae Anno 1721 (gedruckt). März, Albin August. — Geb. 28. März 1868 in Fleissen, lebt als Geigenmacher in Markneu- kirchen Mafeotto, Giuseppe. — Rovere, (Rom?) De Piccolellis sagt von ihm: »Giuseppe Maffeotto di Roma, del XVIII. secolo«. Es war nichts über ihn zu erfahren, so daß ich geneigt bin, diesen Mafeotto für identisch mit dem 1637 vorkommenden Giuseppe Mascotto zu halten ; f e statt sc zu lesen, ist ja leicht möglich. Der Katalog der Sammlung Correr in Venedig gibt allerdings den Namen ausdrücklich »Mafeotto« an. Leider enthält die dort befindliche Viola da spalla keine Jahreszahl. Maffei, Lorenzo. — Lucca. 1767. 1787 Semer Arbeit nach vielleicht aus der Werkstatt Gabriellis hervorgegangen, obwohl er nur ein Meister dritten Ranges ist. In W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln ist er mehrfach vertreten. Als Re- parateur war er wenig sorgfältig. Geigenzettel: Lorenzo Maffei, Lucca/ Fecit 1767 (ge- druckt). Maggini, Giovanni Paolo. — Brescia. Geb. 1580, tum 1632 Sohn von Giovanni (»Zovan«) Maggini (geb. 1518) und seiner Ehefrau Giulia (geb. 1544) und Enkel des Ser Bertolino de Maggini (geb. um 1493) aus Botticino di sera bei Brescia. Seine Eltern waren vermutlich Land- leute, die in die Stadt gezogen waren. Gio. Paolos Ge- burtsjahr geht aus einer Urkunde von 1588 hervor, in der es von Zovan M. heißt, daß er zwei Söhne habe; der ältere war Schuhmacher und schon verheiratet, der jüngere — unser Giovanni Paolo — ein Knabe von sieben Jahren, der wohl bald darauf zu Gaspar da Salö in die Lehre kam, wo er bis zu seinem 21. Lebensjahre blieb, wie aus einer gleichfalls erhaltenen Urkunde von 1602, die beide, der Meister und der »Garzone« unter- schrieben haben, ersichtlich ist. Am 20. Januar 1615 — damals 34 jährig — heiratete er die 19 jährige Maddalena Anna, Tochter des Messer Fausto Foresto. Damals dürfte er auch das Haus in der Contrada del Palazzo Vecchio del Podestä bezogen haben. Das ist das Wesent- lichste von dem, was sich überMagginis Leben ermitteln ließ. Man erfährt noch, daß er sieben Kinder hatte, von denen vier früh verstarben, und daß er um 1626 ein zweites Haus in der Contrada delle Bombasane und mehrere Acker usw. gekauft hat; 1632 ist er schon ge- storben. Seine Witwe überlebte ihn bis zum 24. Nov. 1651. In den ersten Jahren seiner Selbständigkeit hielt er sich ziemlich strenge an die Modelle seines Lehrers, war häufig ungenau in der Arbeit und nicht allzu wählerisch in bezug auf das Holz. Bald aber scheint er sich doch überzeugt zu haben, daß es nicht gleichgültig sei, welche Holzsorten man verarbeitet, denn er machte Versuche mit Pappel-, Platanen-, Nuß- und Birnbaum- holz. Die Schallöffnungen zeigen noch die bei den alten Violen übliche Schlangenlinie; auch legte er seine Violinen allzu reich mit Elfenbein und Perlmutter usw. ein. Später befreite er sich von dem Einflüsse G. da Salös, und der Geigenbau verdankt ihm von da an ge- waltige Fortschritte. Er machte zahlreiche Versuche und glaubte wohl, durch höhere Wölbung die wün- schenswerte Verbesserung des Tones zu erreichen, da die Arbeiten seiner zweiten Periode meist schon daran kenntlich sind, daß sie höher gewölbt sind als die der ersten. Später kam er jedoch davon wieder ab. Die Arbeit ist letzt genauer, die Einlage sorgfältiger ge- macht und das Holz von ausgesuchter Schönheit. Weitere Fortschritte machte er in der dritten Periode seines Schaffens. Möglicherweise beeinflußten ihn da die Arbeiten Ant. und Girolamo Amatis. Er kam nun zu dem ihm eigentümlichen Modell und fand auch die richtigen Stärkeverhältnisse des Holzes ; charakteristisch sind die von ihm gewöhnlich angewendete doppelte Einlage, die niederen Zargen und die Schnecke, die oft um eine Windung ärmer als die jetzt gewöhnliche ist. Sein Lack ist dem von G. da Salö ähnlich, nur klarer, dünner und feuriger und von verschiedener Farbe, meist jedoch hellbraun. Seine Violoncelli sind ähnlich in der Form und dem Lack; nur die F- Löcher sitzen etwas zu hoch. Er ist unstreitig der bedeutendste Meister der Schule von Brescia gewesen, und alle späteren großen Meister standen unter seinem Ein- fluß. Freilich können seine Geigen heute nicht mehr als Toninstrumente ersten Ranges gelten, doch haben sie ihrer Seltenheit wegen einen hohen Sammlerwert und werden außerordentlich teuer bezahlt. Der Boden ist meist nach der Schwarte geschnitten und die F-Löcher langgestreckt und originell. (Bei den F-Löchern ist der untere Punkt stets größer als der obere.) Die Schnecke ist gewöhnlich etwas kleiner als bei anderen Geigenmachem ; die Ohren sind sehr kräftig. Es sind schwerlich mehr als 50 Geigen von ihm noch vorhanden. Er ist einer der ersten, der auf die Wahl des Holzes Wert legte und die Dickenverhältnisse berechnete. Über sein Leben ist sonst wenig bekannt ; er wohnte, wie schon bemerkt, in der Contrada del Maggini — Mahrer 31 palazzo vecchio del Podestä, wahrscheinlich in dem gleichen Hause, das vor ihm G. da Salo bewohnte. Im April 1907 wurde ihm auf Veranlassung des Cav. Pasini in Brescia ein Denkstein errichtet mit der In- schrift: Giovanni Paolo Maggini nato in Botticino Sero nell 1580 fu cJlievo di Caspare da Salö ne perfezionö lo strumento maestro di violini chiamandosi lavoro in questa casa donde l'arte sua diffuse e vi mori forse nella pestilenzia del 1630. Von seinen Söhnen starb der eine als Kind, der andere (Carlo F.) wurde Seidenhändler; trotzdem findet man sie oft fälschlich als Geigenmacher ausgegeben. Die Zettel Magginis sind stets ohne Jahreszahl. — Zwei Prachtgeigen von ihm besaß bekanntlich Charles de Beriot, die beide in den Besitz des Prinzen Chimay übergegangen sind, der sie für 8000 Frs. gekauft haben soll. Eine der schönsten Magginigeigen aber, die es auch im Ton mit jeder Stradivari aufnehmen kann, besaß der t Prof. Keller in Stuttgart, eine ebenso schöne Theodor Hämmerle in Wien, andere (von 1620) H. Sternbere, Mohl in Stuttgart, eine sehr gut erhaltene Viola besitzen die Erben Philipp Hillers (f 1900) zu Königsberg i. Pr., eine andere, wundervolle, nur wegen ihrer Größe schwer spielbare der kgl. Opernsänger Gustaf Sjöberg in Stockholm. Eine dritte, wahrschein- lich aus dem letzten Lebensjahre Magginis stammende prachtvolle Viola besitzt Dr. med. Oppler in München. Daß Maggini außer Geigen auch andere, zu seiner Zeit beliebte Saiteninstrumente gebaut hat, beweist eine schöne Cister in der Wiener Sammlung alter Musik- instrumente. Geigenzettel : Abb. 561 ^). Maggini, (Pietro) Santo.— Brescia. 1630. 1680 Daß Maggini einen Freund hatte, der Santo de Santis hieß, und der Zimmermann war, steht fest. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, daß dieser Santo nach Magginis Tod die Werkstatt übernahm und das Geschäft fort- setzte, wobei er sich den Namen Magginis beilegte. Es kommen auch tatsächlich einige Bässe mit dem Namen »Pietro Santo Maggini« vor; auf einem ungewöhnlich großen fünfsaitigen Kontrabaß in W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln erscheint der Name Santo Maggini neben dem Gottfried Tielkes, der viel- leicht sein Schüler war. Auch die mit dem Namen Pietro Zanetto vorkommenden Geigen darf man viel- leicht diesem Pietro Santo zuschreiben. Wenn ver- schiedene Schriftsteller »Pietro Santo« für den Sohn Magginis ausgeben, so beruht das auf einem Irrtum. Magginis einziger, ihn überlebender Sohn Carlo Fran- cesco war Kaufmann") und noch ein Kmd von sechs Jahren, als sein Vater starb. Außer diesem Pietro Santo gelten ncoh A. Lanza, G. G. Pazzini aus Florenz und A. Mariani aus Pesaro als Schüler Magginis. Geigenzettel: Pietro San. Maggini / Bresciae 1641 (ge- druckt). ^) Es soll auch Zettel geben, auf denen nur der Vor- name Paolo (nicht Gio: Paolo) vorkommt. ') Seidenhändler. Maghetti, Sev. — Rom. 1797 Er verarbeitete ein besonders schönes Holz, — das ist das Beste, was man ihm nachrühmen kann. Maghie, John Fisher. — Dalston. 1895 Er arbeitet nach dem großen Stradivarimodell und ver- wendet einen gelben oder rötlichgelben Ollack. Geigenzettel : John Fisher Maghie / at / Dalston / in / Cumberland / fecit (gedruckt). Magne, A. — Cherbourg. 2. Hälfte des 19. Jahr- hunderts Er war der Nachfolger A. Chevriers, dessen Werkstatt er 1884 übernahm. Magniere, Gabriel. — Mirecourt. 1819 Eine Violine mit diesem von A. Jacquot nicht er- wähnten Namen wurde im Februar 1907 bei Puttick & Simpson in London versteigert. Magnus, Antonius. — Neapel Er hieß wahrscheinlich Antonio Magno und dürfte noch dem 18. Jahrhundert angehört haben. Die Geigen, die seinen Namen tragen, sind im Stile der Schule von Neapel gehalten und nicht übel. Magri, Francesco, gen. Bischen. — Livorno. 1766. 1784 In einigen leidlichen Geigen, die in den Londoner Ver- steigerungen verhältnismäßig gute Preise erreichten, kommt sein Name meistens ohne Ortsangabe vor. Magrini, Enrico. — Triest. 1865. 1890 Er ahmte Guadagnini nach und verwendete einen rot- braunen Lack bei seinen Geigen und Violoncelli, war aber im ganzen ohne bemerkenswerte Geschicklichkeit. Mahler, Laux s. Maler Mahlke, Johann. — Berlin Seit dem Ende der 70 er Jahre des 19. Jahrhunderts wirkender Geigenmacher und geschickter Reparaleur, der auch für die Kgl. Sammlung alter Musikinstru- mente tätig ist. Er macht gute neue Violinen, Violen und Violoncelli, und hat mit Erfolg altitalienische Meister- werke nachgeahmt. Geigenzettel : J. Mahlke, Geigenmacher / Berlin. Fac- cibat (sie!) 1883 (gedruckO. Mahrer, Franz. — Wels. Geb. 1825, f 20. März 1878 Er wird im Sterbebuch als Instrumentenmacher be- zeichnet, in der Heimatsmatrikel aber als Geigen- macher, und soll Gehilfe seines Verwandten Johannes M. gewesen sein. Mahrer, Johannes. — Wels. 1837. 1880 Er wurde am 5. September 1837 als Bürger aufge- nommen und wohnte am Stadtplatz Nr. 19, nach 1860 in der Schmidtgasse Nr. 24, wo er nach 1 880 auch ge- storben ist. Er hat vielleicht in Wien' gelernt und war 312 Maier — Maldoner auch musikalisch gut gebildet, so daß er als der beste Zitherlehrer in Wels galt. Als Geigenmacher war er ein zwar wenig bekannter, aber geschickter Meister, von dem verschiedene gute Violinen vorkommen. Er ar- beitete nach einem flachen Modell und verwendete braunen Lack. Eine Geige von ihm ist in der Samm- lung des Pater Haas in Herzogenburg. Geigenzettel: Johannes Mahrer fecit / Wels anno 1844. (gedruckt). — Johann Mahrer fecit ' 1835 (geschr.). Maier. — Traunstein. 181 1 Ein Stadtmusikant (Türmermeister), der sich auch mit der Wiederherstellung schadhafter Geigen beschäftigte. Geigenzettel : Rebarirt Maier Thürmer / maister in Traunstein anno 1811. (geschrieben). Maier, Anton. — Böhm.-Krumau (Krumlov). Geb. zu Schönbach (Böhmen) 7. Sept. 1869 Schüler von Josef Sandner und Rudolf Flacht in Schönbach und von Fiedler und Schiller in Mark- neukirchen. Ließ sich im März 1893 zu Krumau nieder. Maindorge. — Rouen. 1708 Nur dem Namen nach bekannt. Mainelli (Majneli, Majnely), Luigi. — Cre- mona. 1823 In Geigen, die nicht schlecht sind, flach gewölbt mit schönem roten Lack, die aber wenig Italienisches an sich haben, findet sich gelegentlich dieser sonst nicht bekannte Name und der Brandstempel »L. M.C.«, dazu fast immer die Jahreszahl 1823. Vielleicht hat einMeinel seine Geigen durch die welsche Form des Namens ver- käuflicher zu machen gesucht ? Eine Geige mit diesem Namen besitzt u. a. Primarius Dr. Smoler in Olmütz. Paris. Geb. in Barcelona Maire, Etienne. 1867 Schüler und seit 1895 Nachfolger seines Vaters E. Maire-Breton. Er siedelte 1898 nach Paris über, wo er seine Werkstatt in der Rue Poissomere Nr. 26 eröffnete. Jetzt wohnt er in der gleichen Straße Nr. 31 . In Spanien verwendete er eine Brandmarke, jetzt den Zettel : Abb. 558. Maire, Michel. — Mirecourt. 1756. 1760 Kommt als Geigen- und Bogenmacher in den Akten vor. Maire, Nicolas. — Mirecourt. 1774 Vielleicht Sohn oder Bruder von Michel M. Maire, Nicolas. — Paris. Geb. in Mirecourt 28. Dez. 1800, t 17. Juli 1878 Enkel von Michel M. Schüler des alten J. Lafleur, bei dem er viele Jahre als Gehilfe arbeitete, und dessen Nachfolger; ein geschickter Bogenmacher. Er wohnte in der Rue de Viarmes und war ein Schwager des Geigenmachers Nie. Guinot. Maire-Breton, Etienne. — Barcelona. Geb. in Mirecourt 1827, f nach 1895 Schüler von FrangoisCollin. Im Jahre 1854 ging er nach Barcelona, stand durch 21 Jahre der Geigenmacher- werkstatt der Fabrik Altimiras vor und machte sich dann 1875 selbständig. Im Jahre 1895 wurde sein Sohn sein Nachfolger. Makropulos, Georgios, lebte ungefähr von 1865 — 1890 als Gitarren- und Mandolinen- macher in Athen Malagoli, Eleuterio. — Modena. f 1827 Talentvoller Gitarrenmacher und unvergessen als der Held eines Liebesdramas, dem er zum Opfer fiel. Malagoli, Folgenzio. — Modena. 1856 Er hat viele alte Geigen wieder hergestellt, doch ist mir nicht bekannt, daß er auch neue gemacht hat. Malahar(?), Pierre. — Bordeaux. 1698 Eine Baßviola der Sammlung Savoye in Paris trägt den Namen dieses französischen Geigenmachers des 1 7. Jahrhunderts. Eine gutgearbeitete und gutklingende Violine von ihm wurde vor dem Kriege in London für 16 Pfund St. versteigert. Malchant. — (Mirecourt?) 19. Jahrhundert Ein Gitarren- und Lautenmacher, von dem C. C. Snoeck eine Gitarre besaß, deren Decke von einem Dachstern und zwei F-Löchern durchbrochen war. — Der Name dürfte falsch gelesen sein und richtig Mauchant lauten. Fi ussen. 1750. Maldoner, Johann Stephan. 1799 In den Füssener Umlageregistern von 1774 kommt er mit seinen Söhnen Hans Michael, geb. 1770 und Mang (Magnus) Anton, geb. 1 773, als Lautenmacher vor. Da seine Geigen mehr an die Mittenwalder als an die Füssener Schule erinnern, dürfte er dort gelernt haben. Seine Arbeit ist übrigens oft handwerksmäßig, das Holz ohne Sorgfalt gewählt und jetzt meist vom Wurm zer- fressen. Er machte hauptsächlich Violoncelli und Bässe. Es gibt aber auch Instrumente von sehr vorteilhaftem Äußern und gutem Ton von ihm. Eine sechssaitige Diskantgamba mit seinem Namen und der Jahreszahl 1702, goldgelb lackiert und mit einem menschenähn- lichen Löwenkopf am Wirbelkasten besitzt Fritz Wild- hagen in Haiensee. Wenn die Jahreszahl richtig gelesen ist, müßte es in Füssen zwei gleichnamige Meister gegeben haben — vielleicht Vater und Sohn. Geigenzettel: Joannes Stephanus Maldoner / Fecit Füssen, 17 . (gedruckt). Maldoner, Michael. — Füssen. Geb. um 1697, t I.Mai 1774 Ein angesehener Lautenmacher^ der im Umlageregister für 1741 als Ratsherr und Vater eines Sohnes namens Dominikus aufgeführt wird. Eine Violine von ihm (ohne Jahreszahl) ist in Füssen noch vorhanden. Maldoner — Mallas 313 Maldoner, Michael. — Oedenburg (Ungarn). Um 1750 Wahrscheinlich aus Füssen eingewandert. Er war nur ein mittelmäßiger Geigenmacher, arbeitete nach Stainer und verwendete einen dunkelroten Lack. Eine Geige von ihm befindet sich in der Sammlung von Pater Haas in Herzogenburg. Geigenzettel: Abb. 525. Maldura, G. B., lebt als Gitarren- und Man- dolinenmacher in Rom Maler (Maller, Mahler), Laux (Lucas). — Bologna. 1500. 1528 Der Stradivari der Laute. Er verbesserte die Form der Laute, indem er ihren Körper länglich, flach und breit- spänig anlegte und dem Instrument so die dann klas- sisch gewordene Gestalt gab. Über sein Leben ist wenig bekannt. Meist wurde er um hundert Jahre zu früh an- gesetzt, was schon Baron tat. trotzdem ihm sein Modell zu modern erscheint. Daß Laux Maler ein Deutscher war, ist zweifellos; seit wann er in Bologna lebte, läßt sich nicht feststellen; aber daß er um 1523 dort noch tätig und weit berühmt war, beweist die folgende Stelle aus einem Briefe des Markgrafen Friedrich von Mantua an Don Ercole Gonzaga: — Essendo noi uenuto in desiderio di hauere uno lyuto fatto per mano di M'^°. Luca Malher, ch'e li in Bolognia pregamo V. S. che voglia esser contenta dare carico ad uno de suoi serui- tori di cercar esso W['°. Luca et uedere se l'hauese cosa che fosse a nostro proposito et il pretio che ne dimanda aduertendo che noi uoressimo uno lyuto mezano cioe che non fosse grande ne anche piccolo et bono in excellentia . . . Mantue XIX Martii MDXXIII. (Ori- ginal im Archiv Gonzaga zu Mantua. — Abgedruckt in Bertolottis La Musica in Mantova, S. 34). Der be- rühmte französische Lautenspieler J. Gaultier schreibt 1648 an C. Huygens: »Je vous dirai, que tous les luths de bologne ä 9 cottes sont de Laux Maler, qui est mort il y a six vingt Ans«. Das Todesjahr wäre also 1528, was nicht unwahrscheinlich erscheint. Ausführlich wird Laux Maler auch in Maces "Musicks Monument« (London 1676) erwähnt. Baron schreibt von ihm: »Lucas Mahler oder, wie er sich geschrieben, Laux Maler ist ohne Zweiffei einer von denen ältesten und besten Meistern, die dergleichen Instrumenta ver- fertiget. Er lebte Anno 1415 und wie man davor hält, nebst dem Hans Frey in Bologna. Nur ist dieses zu verwundern, daß sie schon nach jetziger fa?on, nemlich die Corpora länglicht flach und breitspänicht gearbeitet haben, und werden, in soferne kein Betrug dahinter steckt und sie originnal (oder wie der terminus tech- nicus heist oriental) befunden, man sie vor allen anderen aestimirt. Man bezahlt sie sehr hoch, weil sie rar und von einem vortrefflichen Thon seyn, ob schon zu wünschen wäre, daß man denen Künstlern, die was rechts verfertigen könnten, auch bey ihren Lebzeiten was zukommen Hesse, was ihnen und ihren Familien zu statten käme, wie solches ihnen nach ihrem Tode nur zu einer Ehre ohne Nutzen gereichet«. — Aus Ray- mund Fuggers Musikkammer zählt das erhaltene Ver- zeichnis unter Nr. 79 »Eine alte gute Lauten von Laux Müller« auf; es war dies jedenfalls ein Werk unseres Meisters. Eine Theorbe von 1515 von ihm besitzt das Schlesische Museum für Kunstgewerbe und .'\lter- tümer; ferner befinden sich zwei Lauten von ihm in der Fürstl. Lobkowitzschen Sammlung auf Schloß Roudnic. Hier ist der Name einmal »Laux Malo« geschrieben. Auch im South Kensington Museum war eine Laute von ihm ausgestellt. Eine breitgebaute elfspänige Alt- laute befindet sich in der Sammlung alter Musikinstru- mente des Kunsthistorischen Museums in Wien (C. 32). Geigenzettel: Abb. 518. Maler (Maller), Sigismondo, gen. II Tedesco. — Bologna und Venedig. 1460. 1526 Ein trefflicher und berühmter Lautenmacher aus Deutschland. Wahrscheinlich ein Bruder oder gar der Vater des gleichberühmten Laux M., dem er an Ge- schicklichkeit sehr nahekam. In Urkunden wird er »11 magnifico Sigismundo Maler Thedescho« genannt'). Schon zu seiner Zeit wurde auf den Lack großer Wert ge- legt, und gerade er muß ein Meister in der Kunst des Lackierens gewesen sein, denn Herzog Alfonso I. von Ferrara beauftragte seinen Gesandten Tibaldi inVenedig zu erfragen, wie Sigismondo M. den Lack bereite und auftrage")- In dem aus dem Jahre 1566 stammenden Verzeichnis der Raymund Fuggerschen Musikkammer (abgedruckt bei Stockbauer) heißt es : »Nr. 46. Eine alte Lauten von Sig. Maler. — Nr. 62. Eine alte Lauten von Sig. Maler. — Nr. 77. Eine Bass-Alt von Sig. Maler«. Da er in dieser Sammlung, die nur das Beste, was es damals gab, enthielt, so reich vertreten ist, kann man leicht auf die Wertschätzung schließen, deren sich seine Arbeiten erfreuten. Valdrighi führt (Nr. 3980) einen »Simeone Malta« in Venedig 1499 auf. Es ist dies wohl eine Verwechslung mit Sigismund Maler. Maline, Fran^ois-Alexis. — Mirecourt. Geb. um 1822 Gewöhnliche Mirecourter Arbeit. Er datierte seine Geigen (mit einem Brandstempel) aus Paris. Dasselbe tun seine Söhne. — Nicht zu verwechseln mit dem trefflichen Bogenmacher Maline, dessen Brandstempel sich auf älteren Bögen von vorzüglicher Ausführung und oft auch prächtiger Ausstattung (Gold- und Silberfrosch, Schildpatteinlagen usw.) findet. Brandstempel : Maline f ils / a Paris. — Maline / ä Paris. Mallach, Fritz. — Kaiserslautern. 1906 Fr. Pfaffs Nachfolger. Er war auf der Nürnberger Aus- stellung 1906 mit Geigen und Trompeten vertreten. Mallas, Alexander. — Leith. Geb. 1826 in Catend, f 1891 in Leith Er war gelernter Mühlenbauer und zuletzt Verwalter der Holzabteilung des Umpherston-Werks in Leith. ') Staatsarchiv in Modena. -) Jacopo Tibaldi an den Herzog von Ferrara am 20. Genn. 1526 .. . »II magnifico Sigismundo Maler Thedescho m'ha promesso far Luni proximo havere in scripto come se fa la vernice et come l'adopn nelle sue liuti, secondo l'Extia. V.tra me scrive desiderare d'avere.« 314 Maller — Mantegazza .\ls solcher benutzte er jede Gelegenheit, zum Geigen- bau geeignetes Holz ausfindig zu machen. Er machte viele und gute Violinen, Violen und Violoncelli und auch eine Viola d'amore. Seinen Ollack bereitete er sich selbst. Seine letzten Lebensjahre ^\•urden durch em unheilbares Leiden getrübt, das er mit Geduld ertrug. Geigenzettel: A. Mallas, / Maker ,' Leith, 1883. (gedr.). Maller, Laux s. Maler Mally, Mario. — Triest. 1898 Ein geschickter Geigenmacher, der für das Instru- mentengeschäft von C. Schmidl & Co. verschiedene gute Geigen gemacht hat. Malvolti, Pietro Antonio. — Florenz. 1700. 1733 Seine Geigen, meist von kleinem Modell, kommen denen von Gabrielli sehr nahe und sind gut gebaut. Er war vielleicht der Lehrer Gabriellis. Geigenzettel: Abb. 536. Maly, Georg. — 16. Jahrhundert Ein von Trautm.ann ohne nähere .Angaben erwähnter Lautenmacher des 16. Jahrhunderts. Man (Mann), Hans. — Neapel. 1710. 1750 Jedenfalls ein Deutscher, der recht hübsche Lauten ge- macht haben soll. Vereinzelt kommen auch nach Stradivari und Guarneri gemachte Geigen mit seinem Namen vor. Geigenzettel: fians Man / fecit Neapoli (gedruckt). Mancini, Giuseppe. — Cortona. 1839 Es gibt zwar Geigen mit seinem Zettel, doch ist in Cortona ein Geigenmacher namens Mancini nicht nach- zuweisen. Zur angegebenen Zeit soll sich allerdings ein Giuseppe Mancini, der einen umfangreichen Band lyrischer Gedichte herausgegeben hat (Siena bei Pandolfo Rossi, 1835), in Cortona aufgehalten haben, er war aber — Erzbischof von Siena, und es ist daher nicht gut anzunehmen, daß er auch Muße zum Geigen- machen hatte. Mancini, Ventura. — Padua. 1 678 Er gehörte der Paduaner Lautenmachergilde an und erscheint als Zeuse auf dem Lehrbrief von Matthias Klotz. Mandelli, Camillo. — Buenos Aires, Calco. Geb. 12. März 1873 in Calco (Como) Elr erlernte den Geigenbau bei Leandro Bisiach in Mailand unter Riccardo .-Xntoniazzi. Im Jahre 1899 ging er nach Südamerika und machte sich in Buenos Aires selbständig, wo er bei allen Musikern und Kennern in hohem Ansehen stand. Im Jahre 1920 kehrte er in seine Heimat zurück. Er arbeitet sorgfältig nach den eJten Meistern und verwendet einen braun- roten Ol- und Spirituslack. Manfredi, Giambattista. — ? Italienischer Gitarrenmacher. 1811 Mango-Longo. — Neapel. 1749 Nur durch Gitarren und Mandollnen, die meist reich mit Dfenbein eingelegt sind, bekannt. Mangin. — Paris Ein Violoncello enthielt diesen Namen. Mann, John Alexander. — Glasgow. Geb. 13. Mai 1810 in Forfar. f 30. April 1889 in Glasgow Da er in seiner Jugend ein besonderes Talent zum Bildnismaler verriet, sandte man ihn nach Edinburgh auf die Kunstakademie. Das Studium sagte ihm aber doch nicht zu, deshalb gab er es wieder auf und ward zunächst Theatermaschinist. Um 1845 ließ er sich in Glasgow als Geigenmacher nieder, und weil er ein zu allen Kunstfertigkeiten besonders veranlagter Mann war, erreichte er mit der Zeit eine Meisterschaft im Geigenmachen, so daß er den besten schottischen Geigenmachem an die Seite zu stellen ist. Er ahmte das Stradivarimodell nach und hatte einen guten, dunkel- gelben Ollack. Manche seiner Geigen sehen allerdings aus, als wären sie in Frankreich vorgearbeitet; tat- sächlich hatte er auch einen Gehilfen aus Mirecourt, namens Lamy, und fuhr jährlich einmal nach Frank- reich, um Einkäufe zu machen. Bei dieser Gelegenheit knüpfte er auch eine warme Freundschaft mit J. B. Vuillaume an. Geigenzettel : Original Strad. copy, / fait par John A. Mann 1865 (gedruckt). — Fait par / John .4 Mann, / Glasgow, 1865. (gedruckt). Manni, Paolo. — Modena. 1809. 1811 Nur Gitarren von ihm sind mir bekannt geworden. Geigenzettel : In Modena. Paolo Mani (sie) / fece anno 1809 (gedruckt). Manni, Pietro. — Modena. 1827 Vielleicht der Sohn Paolo M.s und wie dieser nur Gitarren- und Mandolinenmacher. Mansuy (Mansue). — Paris Geigen von Mirecourter Aussehen, etwa aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammend, tragen diesen Namen. Eine trüb-braun lackierte Viola von ihm, von gewöhn- licher .Arbeit, besitzt das Mailänder Konserv'atonum. Mantegazza Eine Geigenmacherfamilie, deren Name in vielfachen Entstellungen, woran zum Teil die schwemkende Schreibweise schuld ist, vorkommt : z. B. Montegarzia, Montegrazia, Mantigazia, selbst Menticasia usw. Mantegazza, Carlo. — Mailand. 1 760 Wahrscheinlich einer der Brüder von Pietro Giovanni M. und diesem in der Arbeit nicht unähnlich. Mantegazza, Francesco. — Mailand. 1760 Er wohnte in der Contrada di Santa Margarita, soll um 1 800 noch gelebt haben und war ein Amatinachahmer. Mantegazza — Marchand 315 Mantegazza, Giovanni. — Mailand. 1760. tum 1790 Wahrscheinlich ein Sohn oder jüngerer Bruder von Pietro Giov. M. Mailand. Mantegazza, Pietro Giovanni. 1750. 1790 Der beste Geigenmacher aus seiner Familie. .Anfangs ar- beitete er mit seinen Brüdern zusammen, spwter allein. Er war recht geschickt und nahm schönes Holz; nur sem Lack war meistens zu harzreich und erscheint jetzt sehr stark nachgedunkelt. De Piccolellis setzt zwischen seine beiden Taufnamen em Komma und bekommt so zwei Geigenmacher namens Pietro und Giovanni M. heraus. Ein Quartett von ihm (genannt »il quartetto di lutto") war auf der Mailänder Ausstellung 1881 zu sehen. Der Lack war daran vollständig schwarz geworden, doch gibt es auch Violinen von ihm, die den guten, dunkelorange Lack der Mailänder Schule tragen, der sich gut erhalten hat. Viele seiner Arbeiten gehen auf das große Nie. .AmatimodeU zurück, nur die Schnecke machte er größer und weniger elegant. Geigenzettel : Pietro Giov. e fratelli Mantegazza nella / Contrada di Santa Margarita in Milano al Segno dell' Angelo 1 770 (gedruckt). — Petrus Jo^' fratresq. Mante- gatia / Mediolani in via S. Margaritae anno 17 . . (ge- druckt). — Petrus Joannes Mantegatia ;' fecit Mediolani in Via S. Margaritae (gedruckt) und Abb. 529 u. 549. Mantovani. — Parma De Piccolellis teilt diesen Namen als den eines Geigen- machers des 1 8. Jahrhunderts mit. Wenn er \s-irklich eine alte Geige mit diesem Namen gesehen hat, dann war *Mantovani^]'üngster Meister« des Gewerks der Tischler bezeichnet. Da dieser Tisch- ler bereits Musikinstrumente geflickt haben soll, ist anzunehmen, daß auch Wilhelm M. im Hauptberufe Tischler war. Er ist mir auch nur als Reparateur be- kannt geworden. In Elbing war nichts über ihn zu er- mitteln. Geigenzette! : Reparirt von Wilhelm Marschall / in Elbing 1829 (gedruckt). Marshall, John. — London. 1750. 1759 Ein Zeitgenosse von Thomas Smith, aber geschickter als dieser. Er ahmte das Stainermodell nach, machte auch gute Lauten und Mandolinen und war, den Be- merkungen nach zu urteilen, die man manchmal auf seinen Zetteln geschrieben findet, ein Mann von humoristischen Anlagen (z. B. »Good Beef 1 .5') . A pound But trades all very Bad«). Eine Violine von ihm vom Jahre 1 754 ist in J. T. Chapmans Besitz. Geigenzettel : Johannes Marshall (in vivo novo / juxta Conventam Hortum) Londini / fecit 1757 (gedruckt). Marshall, John. — Aberdeen. Geb. 15. Jan. 1 844 unweit von Methlick Er begann im Jahre 1 870 zuerst Geigen zu machen und hat seitdem etwa 300, vorzugsweise nach Stradivari, aber auch nach einem eigenen Modell, gemacht. Er verwendet jetzt nur Ollack, doch nimmt er manchmal die Holzstärken zu dünn. Geigenzettel : John Marshall / Violin Maker / Aber- deen. / 1896 J. M. (gedruckt). Marstrand, Nicolai Jacob. — Kopenhagen. Geb. 1770 in Norwegen, f 1829 in Kopen- hagen Er baute gute Streichinstrumente und war auch als Klavier- und Harfeninacher geschätzt. Geigenzettel: Nicolaus Jacobus Marstrand / fecit Havniae 18 . . (gedruckt). Martani, Antonio. ■ — Reggio-Emilia. Geb. 1804, t 1866 Er hat nur wenig neue Geigen gemacht und wandte seine ganze Kunst an das Ausbessern alter Instrumente. Martens, Johann. — Lübeck. 1880. 1897 Ein Musiker, der ohne Sachkenntnis ziemlich viele Geigen »ausgebessert« hat. Er glaubte, besonders das Lackieren zu verstehen und wusch daher mit Vorliebe den alten Lack ab und ersetzte ihn durch einen schlech- ten Firnisanstrich. Geigenzettel : Johann Martens / Lübeck. / Reparirt 1887 (gedruckt). Martin, Adam s. Johann Adam Martin Martin, Alexandre. — Paris. 1890. 1910 Sohn von Charles M. und dessen Nachfolger. Er hat eine Reparaturwerkstatt und handelt mit alten Geigen. Martin, Arthur. — Löbtau-Dresden. Geb. 17. Sept. 1870 in Gunzen Mit 14 Jahren kam er zu Neumärker in Schöneck in die Lehre; vier Jahre später arbeitete er bei Roth in Markneukirchen ; von da ging er zu Liebich nach Bres- lau und arbeitete zuletzt sechs Jahre bei Kessler in Berlin. Er machte sich zunächst in Markneukirchen selbständig, verlegte aber nach wenig Jahren seinen Wohnsitz nach Löbtau bei Dresden, wo er ein aus- reichendes Arbeitsfeld gefunden hat. Er macht neue Geigen »über Form« und verwendet einen selbst- bereileten Ollack. Martin, C. — New York Wahrscheinlich ein Vogtländer, der hauptsächlich Gi- tarren baute. Martin, Charles. — Paris. 1863 Neffe und Nachfolger von Guillaume Martin im Ge- schäfte Lejeunes. Das Geschäft wurde von der Witwe fortgeführt und ging 1890 auf Alexandre M. über. Martin, C. A., war um 1860 in Annaberg an- sässig Geigenzettel : C. A. Martin /Annaberg 1860. (gedruckt). Martin. Ernst Otto — Martin, Otto Oswald 319 Martin, Ernst Otto. 30. Aug. 1887 Markneukirchen. Geb. Ältester Sohn und Schüler vonWilh. Ernst M., dessen Werkstatt er in Gemeinschaft mit seinem Bruder er- folgreich fortführt. Er ist ein sorgfältig arbeitender, tüchtiger Meister. Martin, Guillaume. — Paris. 1822 Neffe und Nachfolger von Lejeune. Hauptsächlich Händler und Reparateur. Martin, H. Richard. — Magdeburg, Bukarest. Geb. 21 . JuH 1866 zu Breitenfeld Er ließ sich zuerst m Magdeburg nieder, ging von da Ende 1892 nach Budapest und begründete dann 1895 in Bukarest sein Geschäft als Streichinstrumenten- macher. Martin, Johann Adam. — Brück (Brugg). 1 726 Vielleicht der Stammvater der vogtländischen Geigen- macherfamilie semes Namens. Er dürfte aus Brück bei Wildstem (Böhmen) in das Vogtland eingewandert sein ; aus seinem Zettel ist nicht ersichtlich, wo er gelebt hat, nur seine Heimat gibt er an. Aus Geschäftsrücksichten scheint er später auf seinen Zetteln aus PrUg — dem Beispiel anderer Vogdänder folgend — »Prag<5 gemacht zu haben. In Neukirchen war er sicher nicht ansässig, der dortigen Zunft gehörte er auch nicht an, und das erste Mitglied der Familie Martin, das 1760 in die Zunft aufgenommen wurde, wird als »Fremder« be- zeichnet. Seine Geigen sind im gewöhnlichen vogt- länder Stil seiner Zeit gehalten. Oberrealschullehrer Oswald Bogs in Bromberg besitzt eine ziemlich flach gebaute Violine von ihm, mit kleiner Schnecke und schwarzbraunem dünnen Lack, ohne Einlage, aber von recht gutem Ton. Geigenzettel : Abb. 547. Martin, Joh. Adam I. — (Mark)Neukirchen. Geb. 1739, t 24. Jan. 1808, 68 Jahre 5 Mon. 4 Tage alt Er wurde am 28. Mai 1 760 Meister, und zwar heißt es im Zunftbuch ausdrücklich von ihm, daß er »ein Frem- der« war. Auf seinen Zetteln schrieb er sich kurzweg Adam M.. Da er sehr oft die Jahreszahl auszufüllen unterließ, war es ein leichtes, seinen Geigen später da- durch ein höheres Alter anzudichten, daß man frühe Jahreszahlen darauf schrieb. Zettel mit Zahlen, die vor 1760 liegen, sind daher gefälscht. Sein Modell ist das im Vogtland seiner Zeit gebräuchliche, der Lack von gelblicher oder gelbbrauner Farbe. Geigenzettel: Adam Martin, / macht mich in Neu- kirchen, in Voigt- / land bey Adorf, Ao. 1 732 (gedr.). Martin, Johann Adam II. — (Mark)Neu- kirchen. Geb. 1745, f 26. Febr. 1828 Er war der Sohn eines Meisters. Nachdem er allen Vor- schriften bei der Aufnahme in die Zunft entsprochen und sein Meisterstück, bestehend in einer einfachen und einer eingelegten Violine, zur allgemeinen Zu- friedenheit angefertigt hatte, wurde er am 21 . Mai 1766 als Meister aufgenommen. Er starb in einem Alter von 82 Jahren 10 Monaten und 22 Tagen. Martin, Johann Adam III. — (Mark)Neu- kirchen Er war ein »Fremder«, also wohl ein Sohn Joh. Ad. M.s aus Brück in Böhmen und wurde im Jahre 1 774 Meister. Sein Modell unterscheidet sich in einigen Teilen von dem seiner Neukirchner Zeitgenossen; auch ist sein Lack viel heller und spielt ins Gelbliche. Der Ton ist gut. Geigenzettel: Johann Adam Mardin / in Neukirchen bey Adorf (gedruckt). Martin, Johann Adam IV. — (Mark)Neu- kirchen. Geb. 28. Aug. 1767, f 21. Juli 1830 Wahrscheinlich ein Sohn von Joh. Adam I M. Da er diesen nur um zwei Jahre überlebte, läßt sich seine Arbeit von der des älteren Martin schwer trennen. Martin, Johann (Hans) Georg. — (Mark)Neu- kirchen. Geb. 1718, f 20. Dez. 1775 Er war Bürger und Geigenmachergeselle, als er am 5. Februar 1 742 das Meisterrecht erwarb. Er war ver- mutlich ein Sohn des der Neukirchener Zunft nicht angehörenden Johann Adam M., weshalb er 22 Taler Aufnahmegebühren bezahlen mußte. Seine Geigen sind nicht schlecht im Ton und haben meist schöneres Holz als die vieler anderer Neukirchner. Martin, John. — Gateshead. 1870 Englischer Geigenmacher. Martin, Joseph. — Mirecourt. 1738. 1748 Als Luthier in den Akten genannt. Martin, Jules. — Germigny. 1887 Arbeitete vorübergehend mit Menesson (pseud. »Jos. Guanni«) zusammen. Aus dieser Zeit stammen einige gut gelungene Geigen. Martin, Max Alfred. — Markneukirchen. Geb. 18. März 1891 Zweiter Sohn und Schüler seines Vaters Wilh. Ernst M. und in Gemeinschaft mit seinem älteren Bruder dessen würdiger Nachfolger. Er ist ein geschickter Meister und gleichzeitig ein guter Violoncellist. Martin, Nicolas. — Mirecourt. 1764. 1781 Vielleicht der Großvater von Nicolas M. in Vichy. Martin, Nicolas. — Vichy. 1872. 1897 Ein Mirecourter, der sich in Vichy niedergelassen hat, und viel mit Wiederherstellungsarbeiten beschäftigt war. Geb. Martin, Otto Oswald. — Milwaukee. 31. März 1870 in Markneukirchen Schüler der Fachschule für Instrumentenbau in Mark- neukirchen. Von 1884 — 1893 arbeitete er in Frank- 320 Martin — Massai fürt a. M., Hamburg, Leipzig und Dresden usw. und ließ sich 1893 in Milwaukee als Geigenmacher nieder. Er ahmt italienische Meister nach und verwendet einen Spirituslack, den er mit ätherischen Ölen und weichen Harzen ansetzt. Geigenzettel: Made by Otto Oswald Martin / Mil- waukee, Wis., July 1901 (gedruckt). Martin, Wilhelm Ernst. — Markneukirchen. Geb. H.Dez. 1862, t 6. Dez. 1907 Schüler von Ernst Gläsel ; sowohl als Geigenmacher wie als Bogenmacher gut vorgebildet eröffnete er 1883 seine eigene Werkstatt. Er arbeitete mit großer Sorg- falt nach Italienischen Vorbildern, verstand sich sehr gut auf das Lackieren und eroberte sich bald einen großen Kundenkreis, namentlich in Nordamerika, wo noch heute die »Ernst Martin-Geigen« sehr geschätzt werden. Wertvolles hat er namentlich in seinen Kopien nach Lupot geschaffen. Seine beiden Söhne Ernst Otto M. und Max Alfred M. erzog er gleichfalls zu tüchtigen Geigenbauern und zu seinen würdigen Nach- folgern. Martin. — London. 1790. 1800 Er wohnte Hermitage Bridge, Wapping. Seine Geigen, die übrigens selten vorkommen, unterscheiden sich so sehr von den englischen Arbeiten seiner Zeit, daß man ihn wohl mit Recht für einen Eingewanderten hält. Martinelli, gen. II Gobbo. — Modena Ein Instrumentenmacher des 1 7. Jahrhunderts, der außer Bässen auch Clavizimbeln und Klaviere machte. Martlnez, Alonso. — (Malaga?) Ein Geigenmacher, den Valdrighi (3545) aufzählt, ohne Ort und Jahr anzugeben. Martinez, Jose. — Malaga. 1825 Hauptsächlich Gitarren- und Mandolinenmacher. Seine Instrumente zeichnen sich durch gutes Rosen- holz und schöne Einlagen aus. Martini, Giovanni Simone. — Todi. 1608 Ein wenig bekannter Lautenmacher des 17. Jahrhun- derts. Martini, Johann Friedrich. — Lobeda. Um 1830 Er soll ein Schüler von J. A. Otto gewesen sein. Eine Gitarre (Nr. 15) von ihm besitzt das Bachhaus in Eisenach. Geigenzettel: Johann Friedrich Martini / Instrumen- tenmacher zu Lobeda / bey Jena (gedruckt). Martini, Leop., war im 19. Jahrhundert in Calliano (Tirol) ansässig Martini, Luigi. — Florenz. 1680 (?) Vielleicht ein Sohn von Giov. Sim. M. Eine reich- eingelegte Mandola mit kunstvoller Rose von treff- licher Arbeit in der Berliner staatl. Sammlung alter Musikinstrumente (Nr. 733) trägt seinen Namen. Martschenko, W. I, ein ukrainischer Geigen- macher, der in Poltawa lebt und auf der Aus- stellung in Niznij-Novgorod eine Medaille erhielt Martyniuk, Vasyl. — Ostapie (bei Skalat, Galizien) Ein ruthenischer Streichinstrumenlenmacher aus dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, der u. a. 1894 in Lemberg eine podolische Violine ausgestellt hatte. Marverti, A. — Modena. 1834 Mittelmäßiger Geigenmacher aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der nur billige Geigen von recht ge- wöhnlicher Arbeit hergestellt hat. Marx, Justus. — Kassel. Geb. 28. Dez. 1869 in Kassel Von 1885 — 1888 Schüler von H. Reinhold. Er ging zu seiner weiteren Ausbildung noch auf drei Jahre nach Schönbach und Markneukirchen und eröffnete im Au- gust 1891 seine eigene Werkstatt. Geigenzettel : Justus Marx Geigenmacher / Faciebat. Cassel (gedruckt). Maschauer, Martin, ist in Watzkenreuth bei Fleissen tätig Mascotti (Mascoto), Giuseppe. — Rovere. 1637 Wahrscheinlich identisch mit Mafeotto, s. d. In einer Chitarrone findet sich der fclgende Zettel : »Giuseppe Mascotti / da Rovere fecit anno 1637 (gedruckt). Mascut, Joh. Jos. — Prag. 1787 Wohl schlecht gelesen für Muschl, s. d. (Ein »Mascut« ist nicht nachzuweisen). Maseneer, Jean de. — Brüssel. 17. — 18. Jahr- hundert Er machte Pochetten und Geigen; seine Zettel sind, soweit mir bekannt, alle ohne Datum. Masgontier, Jacques. — Saragossa. 1806 Ein in Spanien ansässiger Franzose, der aber dort nur gewöhnliche Arbeiten ausführte. Geigenzettel: Jacobus Masgontier, Gallicanus reaedi- ficat in / Cesar Augusta 1806 (gedruckt). Mason. — London. 1775 Ein englischer Dichter, der auch als Erfinder eines Streichklaviers oder Violinpianos bekannt geworden ist. Massai, Giuseppe. — ? 1800 Eine Laute in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln (Nr. 508) aus Florenz trägt einen Reparatur- zettel mit diesem Namen ohne Ortsangabe. Masson Mathieu 321 Masson, Nicolas und Antoine. — Paris. Geb. in Thons (Vogesen) 13. Mai 1863 und 15. Sept. 1864 Zwei Brüder, die durch Selbststudium das Geigen- Mastini, Giacomo Alessandro. — Penna. 1730 P. de Wit veröffentlicht den geschriebenen Zettel ohne nähere Angaben. Matabosch, Juan. — Barcelona. 1797 Er soll gute Gitarren gebaut haben. Sein Zettel ist bei P. de Wit zu finden. machen erlernten und sich »unter Zugrundelegung der physikalischen und akustischen Gesetze und unter Beobachtung der von den Cremoneser Meistern auf- gestellten Regeln« ein eignes Modell schufen. Nach Matern, Johann Christoph. — Warmbrunn zwölfjährigem wissenschaftlichen Studium und durch zehn Jahre fortgesetzten Versuchen traten sie am 1 . Juli 1899 in die Öffendichkeit und haben ihre Werk- statt für die Anfertigung von Violinen, Bratschen und Violoncelli in der Rue Ramey 44 begründet. Sie ko- pieren auf Wunsch die Modelle von Amati, Stradivari und Stainer, bevorzugen jedoch ihr eigenes Modell, dem sie elegantere Form und leichtere Spielbarkeit 18. Jahrhundert Arthur Voß in Charlottenburg besitzt eine sieben- saitige, hochgewölbte Viola d'amore von ihm mit gelb- braunem Lack, schwerfällig in der Form und ziemlich roh gearbeitet. Geigenzettel: Joh. Christoph Matern / Violinmacher / Warmbrunn nächst Hirschberg (geschrieben). zuschreiben, und mit dem sie den modernen An- forderungen an den Tonumfang besser Rechnung Mathes, J.A. — Berlin. 1825. 1830 Nur als Gitarren- und Lautenmacher bekannt, doch tragen zu können glauben. Ihren Lack, der schön gold- rot ist, bereiten sie selbst und behandeln die Her- stellung als Geheimnis. Geigenzettel: Abb. 552. Mast, (Blaisot) Bloise. — Mirecourt?, Paris. 1821 Wenig hervortretender Meister, der nach A. Jacquots Vermutung wahrscheinlich Blaisot hieß und der Schwager oder Schwiegervater von J. L. Mast gewesen sein könnte. Er datierte seine Instrumente von Paris aus, so z. B. eine Gitarrelyra der Sammlung Snoeck (Nr. 364) in Berlin. Mast, Jean-Laurent. — Mirecourt, (Paris?). 1750. 1789 Geschickter, aber wenig geschätzter Geigenmacher aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Flaches Mo- dell, dicker Spiritusharzlack, der so stark nachgedunkelt hat, daß er jetzt ganz schwarz wirkt. Er verwendete innen und außen eine Brandmarke: J. L. Mast / A PA- RIS. Er war seit 1775 der Schwiegervater von Fran- ?ois II. Nicolas. Mast, Joseph -Laurent. — Toulouse. 1802. 1830 Geboren in Mirecourt, Sohn von Jean L. M., Schüler von Didier Nicolas. Seine Arbeit läßt seine Schule deutlich erkennen, doch hat er einzelne Geigen aus schönem Holz mit besonders großer Sorgfalt durch- geführt: nur die F- Löcher liegen schräge und sitzen bei ihm selten an der richtigen Stelle. Sein Lack ist gelb oder rötlich und sieht gut aus. Auch Gitarren Mathieu, (Lyra- und Harfengitarren) von ihm kommen vor. Den Boden seiner Instrumente verzierte er gerne mit weib- lichen Bildnissen u. dgl. Er verwandte untenstehende Brandmarke »Mast fils Toulouse«, der er manchmal die Jahreszahl beifügte, und verschiedene Zettel. Ar- beiten von ihm besitzen das Pariser Konservatorium und Baron de Lery. Geigenzettel : Racommode par Mast rue / des Balances ä Toulouse 1808 (gedruckt). — Josephus Laurentius Mast / fecit Apollini Deo Harmoniae / 1816 (gedruckt). V. Lütgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Ed. II soll er auch Klaviere gebaut haben, wie sein Vorgänger Thielemann. Eine Lyragitarre aus Zedernholz von ihm befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln. Das Bachhaus in Eisenach besitzt eine schöne Lyragitarre (Nr. 17) aus dem Jahre 1830 von ihm. Geigenzettel: J. A. Mathes, vorm. J. G. Thielemann / Berlin, Lindenstr. No 82 / Anno 1826 (gedruckt). — J. A. Matthes / vormals J. G. Thielemann / Berlin / Lindenstraße No 82 / verfertigt alle Arten Guitarren und Aeols Harfen von / in und ausländischen Holze. 1830. (gedruckt). Mathias. — Nürtingen Grillet teilt diesen Namen nebst Zettel mit und be- zeichnet die Arbeit als handwerksmäßig. Der Name oder Ort dürfte falsch gelesen sein. In Nürtingen kam der Familienname Mathias nie vor. Immerhin könnte dieser Matthias vorübergehend in Nürtingen gelebt haben. Geigenzettel : Mathias ä Nürtingen en Suabe / Anno . . . (gedruckt). Mathieu, Fran^ois. — Mirecourt. Bogenmacher. 1774 Mathieu. -— Paris. 1731 Dem Namen nach aus Mirecourt stammender Bauern- leiermacher, der seit 1731 in der Rue Coquillerie wohnte. Eine hübsch verzierte Bauernleier von ihm befand sich in der Sammlung Savoye. Nicolaus. — Mirecourt. Geb. 23. Dez. 1753, lebte noch nach 1789 Sohn eines schon 1750 vorkommenden Joseph M. und vielleicht der Bruder eines im Jahre 1772 heiratenden Claude M. Wenig bekannter Instrumentenmacher des 18. Jahrhunderts, der seine Arbeiten aus Paris datierte. Seine Geigen sind nach einem großen Modell gebaut, flach gewölbt und haben braunen Lack. Geigenzettel : Nicolaus Mathieu ' Faiseur d'instruments a Paris / Anno 1780 (gedruckt). 21 322 Mathii M, aunzi Mathis, Nicolas. — MIrecourt. 1758. 1790 Nicht mit Nicolas Mathieu zu verwechselnder Geigen- macher. Mathon, Jean Claude. — Mirecourt. 1773. 1789 Kommt als Geigenmacher m den Listen vor. Matteo. — ? Ein Meister Matteo wird als Lautenmacher mehrfach gelobt. Der Zeit nach kann es nur Matteo Sellas oder Math. Buckenberg sein. Mattstädt, Joh. Fr. — Berlin. Zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts Ein Geigenmacher dritten Ranges, von dem nur selten Arbeiten vorkommen. Geigenzettel: Joh. Fr. Mattstädt. / Fecit Berolin. 17 . . (gedruckt). Mauchant, Nicolas. — Mirecourt. 1790. An- fang des 19. Jahrhunderts Wahrscheinlich ein Nachkomme von Dominique M., der 1 790 noch lebte. Einer der vielen Geigenmacher seines Orts, die im allgemeinen nur billige Waren her- stellten, doch hat er gelegentlich durch bessere Vio- linen nach Maggini und hübsche Gitarren gezeigt, daß er mehr konnte, als mancher andere. Außer seinem Zettel gebrauchte er auch die Brandmarke: »M.AV- CHANT«. Geigenzettel: Nicolas MAUCHANT / Aine, Luthier (gedruckt). Signet: Kreis mit Anker zwischen N M. Mauchant, freres. — Mirecourt. 19. Jahrh. Eine Fabnksfirma, die allerlei Instrumente in den Handel brachte. Eine Gitarre mit dem Namen der Firma befindet sich in der Sammlung Scheurleer. Maucotel, Charles. — London. Geb. 1. Nov. 1807 in Mirecourt, f nach 1860 Bruder von Charles-Adolphe M., Schüler von Bloise Mast, ging 1834 nach Paris zu Gand, 1844 zu Davis nach London und machte sich dort um 1850 selb- ständig. Er galt als sehr tüchtiger Geigenmacher, zog sich aber wegen andauernder Kränklichkeit 1860 vom Geschäft zurück und zog wieder nach Frankreich zurück. Geigenzettel: Abb. 514. Maucotel, Charles-Adolphe. — Paris. Geb. 1820 in Mirecourt, f 6. Febr. 1858 Arbeitete von 1839—1844 in Paris bei J. B. Vuillaume und eröffnete dann in der Galerie Vivienne seine eigene Werkstatt, die er später in die Rue Croix-des-Petits- Champs und zuletzt in die Rue Princesse verlegte. Sehr geschickter Geigenmacher, dessen Instrumente dauernden Wert haben. In Paris 1855 erhielt er auch eine Medaille. Ein Violoncello im Pariser Konserva- torium läßt seine Vorzüge gut erkennen. Leider starb er noch in jungen Jahren, und zwar auf tragische Weise. Im Fieberwahnsinn durchschnitt er sich mit einem Rasiermesser die Gurgel und starb auf dem Transport ins Krankenhaus. Geigenzettel : Abb. 556. Maucotel, Ernst. — Paris. Geb. 20. Juli 1867 in Mirecourt Schüler von Paul Bailly und seines Oheims E. A. Sal- zard in Moskau, bei dem er von 1883 — 1891 arbeitete; hierauf war er mehrere Jahre Gehilfe bei Hipp. Crethien-Silvestre und erhielt bereits im Jahre 1897 in Brüssel eine goldene Mitarbeitermedaille. Im Jahre 1900 nahm ihn H. C. Silvestre als Teilhaber auf. Er ist ein Großneffe von Charles. -Ad. Maucotel. Geigenzettel: Silvestre et Maucotel / Paris 1901. — No. 439 (gedruckt). Maucotel, Joseph. — Mirecourt. Geb. 1874, t September 1904 Vielleicht der Bruder von Justin M. Maucotel, Justin. — Mirecourt. 19. Jahrh. Ist mir nur durch seine Brandmarke : Justin Maucotel Luthier (mit Leier) in einer rotlackierten Violine von guter Mirecourter Arbeit bekannt geworden. Maugin et Fran^ois. — Lille. 1834 Händler, die auch Reparaturen annahmen, schwerlich aber selbst ausführten. Eine Gitarre mit ihrem Namen bewahrt die jetzt in Berlin befindliche Samm- lung Snoeck (Nr. 338). Maugin ließ in Mirecourt ar- beiten und versah die durch ihn verkauften Violinen mit dem Brandstempel: »Maugin ä Paris«. Mauntron, ... — Paris. 18. Jahrhundert Baron de Lery besitzt eine Cister mit diesem Namen. Vgl. Montron. Maurice, Claude. — Nancy. 1669 Name eines Geigenmachers, den A. Jacquot im Tauf- register der St. Sebastianskirche in Nancy als den Vater einer Tochter aufgefunden hat. Maurizi, Francesco. — Appignano. Ende des 18. Jahrhunderts Seine Geigen zeichnen sich durch schöne Form und guten, braunen Lack aus. Geigenzettel : Franciscus Maurizi / Appineanensis fecit (gedruckt). — Fecit / Franciscus Maurizi / Apponeani (gedruckt). Maurizi, Brüder, gen. Pulghina. — Appignano d'Ascoli Piceno. 19. Jahrhundert Wahrscheinlich Söhne von Francesco M. Sie be- trieben die Landwirtschaft und benutzten die freie Zeit, um Geigen zu machen. Namentlich fertigten sie ein bei den Bauern ihrer Heimat beliebtes Instrument, das dem Rebek sehr nahesteht, an. Mauro — Mayr 323 Mauro, Bartolo s. Moro Mauro, Raffaele. — Catanzaro. 1865 In guten Gitarren findet man diesen Namen. Maurri, R. und Bruder. — Florenz. 1899 Gute Mandolinenmacher, die auch sogenannte tos- kanische Mandolinen bauen. Vgl. Lybeert. Maury, Franq:ois. — Mirecourt. 1763 Von A. Jacquot erwähnter Bogenmacher. Mauschner, Joseph, ist als Geigenmacher in Klinghart bei Wildstein i. B. tätig Maussiell, Leonhard. — Nürnberg. Geb. 9. Jan. 1685 zu Nürnberg, f nach 1760 Er war der Sohn des Nürnberger Schreiners An- dreas M. und ein Enkel des »Burg- und Bierpräuers« Matthias M. zu Augsburg. Bei wem er gelernt hat, steht noch nicht fest. Er heiratete am 12. März 1708 Helene Margarete Andrea, Tochter eines Zucker- bäckers und Spezereihändlers in Nürnberg, und wird im Trauschein als der »ehrbare und kunstreiche« be- zeichnet. Er hatte fünf Kinder, von denen nur zwei über das erste Lebensjahr hinauskamen. Aui seiner vorschriftsmäßigen Wanderung dürfte er bis nach Tirol und Italien gekommen sein. Er ahmte Stainer und D. Tecchler nach, bevorzugte eine hohe Wölbung und schnitt schmale F-Löcher. Er arbeitete recht gut, wandte braunroten oder dunkelgoldgelbenLack an und gebrauchte oft Fischbeineinlagen. Der Ton ist recht gut, wenn er auch durch die hohe Wölbung auf der G- und A-Saite leicht bratschenähnlich wird. Statt der Schnecke schnitzte er gerne Frauen- und Löwen- köpfchen usw. ; auch als Zithermacher war er geschätzt. Eine Tascbengeige im Germanischen Museum in Nürnberg enthält den Zettel: »Leonhard Mausiell / Nürnberg 1708« (gedruckt), es ist dies die früheste Arbeit, die mir von ihm vorgekommen ist. Die spätesten sind zwei Geigen aus dem Jahre 1757, von denen sich eine im Benediktinerstift St. Margareth bei Prag, die andere im Besitz des Hauptlehrers Hermann Leibold in Karlsruhe befindet. Eine Viola von 1717 und eine Viola da Gamba (1743) von ihm sind im Germanischen Museum; eine Chorzither (1735) war in der Sammlung Hammer in Stockholm. Geheimrat Roediger in Mar- burg besitzt eine Violine von ihm mit der Jahreszahl 1760 und C. J. Wilson eine Viola d'amore von 1720. Maussiel schreibt den Namen Nürnberg gerne mit m (Nürmberg) und verwendet deutsche und lateinische Zettel, sowie manchmal auch die Brandmarke: L. (Reichsadler) M. Daß er unter dem verballhornten Namen »Mansielli« sogar schon zum Italiener gemacht wurde, sei nur spaßeshalber erwähnt. Geigenzettel : Leonhard Maussiell Lautten /' und Gei- genmacher im Nürm- / berg 1743 (gedruckt) und Abb. 516 und 548. May. — London. 1747 Es gibt einige gute Violen nach Stainer mit diesem Namen. Geigenzettel : MAY maker / London 1 747 (gedruckt). May, Georg. — ? Im Verzeichnis von Raymund Fuggers Musikkammer (1566) heißt es unter Nr. 59: »Eine alte braune Lauten di Mo. (Maestro?) Meister Georg May«. Vgl. Stock- bauer: Kunstbestr. am bayr. Hofe unter Albert V. und Wilhelm V. S. 83. Mayer, Johannes. — Stuttgart, f 9. Nov. 1626 Sohn und Schüler von Sixt M. Er verstand sich wie sein Vater auf alle Arten von Musikinstrumenten und war vielfach für die Hofkapelle tätig, bei der er auch als Kaikant angestellt war. Sein Nachfolger war Lud- wig Ubermann. Mayer, Johann. — Schönbach b. E. 1826 Ein mäßig begabter Schönbacher Meister aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Ein Nachkomme von ihm, Josef M., ist noch heute in Schönbach als geschickter Geigenmacher tätig. Mayer, Lorenz Bernhard. — 1750 Eine gitarrisierte Laute in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln trägt seinen Zettel ohne Ortsangabe. Geigenzettel : Lorentz Bernhart ,' Mayer ,' .'Xnno 1 750 (gedruckt). Mayer, Sixt. — Stuttgart. 1578. 1589 Ein tüchtiger Musiker und Instrumentenmacher, der von 1 578 an für die Hofkapelle tätig war und alle Arten von Musikinstrumenten, selbst Orgeln instand halten und ausbessern mußte. In einem noch erhaltenen Ver- zeichnis für die Jahre 1589—1594 wird er als Ver- fertiger einer großen Korpusgeige von vier Stimmen, die »Dillingsche« genannt, bezeichnet. Auch eine kleine Harfe, eine Quartharfe und eine vierfache Harfe, die er gebaut hat, werden erwähnt. Mayr, Adam. — München (Au). 1710 Vielleicht der Vater von Sebastian M., dessen Arbeiten an die seinen erinnern. Er wohnte in der Vorstadt Au bei München und war ein geschickter Meister, dessen Geigen sowohl im Holz als auch in der Ausführung sehr gut waren. Eine Gamba von schönem Bau mit einem sehr fein geschnitzten Löwenkopf am Wirbel- kasten besitzt das Museum des Konservatoriums in Brüssel (Nr. 228). Nur sein Lack ist stumpf und un- durchsichtig. Geigenzettel : Adam Mayr / Geigenmacher / ob der Au negst München 17 . . (gedruckt). Mayr, Andreas Ferdinand. — Salzburg. 1 721 . 1750 Er war in Wien geboren, wo er vielleicht auch gelernt hat. Im Archiv der k. k. Landesregierung in Salzburg er- scheint er zuerst, jedoch bereits als Hof-Lauten- und Geigenmacher, im Jahre 1721 erwähnt. Dieser Titel gab komischerweise den Anlaß, daß in der Literatur ein Geigenmacher »Mayrhof« entstand und kritiklos von einem Buche in das andere übernommen wurde. Er war ein vielbeschäftigter, sehr talentvoller und sorgfältig ar- beitender Meister. In seinen Geigen folgte er dem Stainermodell und verwendete einen dunkelroten oder 21* 324 Mayr — Meares braunen Lack. Er verarbeitete gutes Holz, und so klingen seine Instrumente auch recht gut. Eine Altlaute von ihm aus dem Jahre 1735 und ein Violoncello besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum m Köln, ein Violoncello von 1745 und eines von 1746, eine Baß- geige von 1722 (mit erzbischöfl. Wappen) und eine Zither von 1 734 befinden sich im Museum Carolino- Augusteum in Salzburg. Eine Laute von 1 736 von ihm bewahrt das Kärnthn. Landesmuseum in Klagenfurt, eine von 1747 das Fürstl. Hohenzollernsche Museum in Sigmaringen usw. Eine Violine von 1764 bewahrt das Real Istituto L. Cherubini in Florenz. Im Mo- zarteum in Salzburg ist Mozarts kleine Geige (von 1 746), die sog. Buttergeige (vgl. Zeitschr. f. Instrumentenbau XXVII, 353 und Marpurg »Hist.-krit. Beyträge«B. III, S. 198). Er verwendete verschiedene Zettel ; auf einigen gebraucht er nur den einen seiner Taufnamen, und zwar abwechselnd bald Andreas oder Andrä, bald Ferdinand. Geigenzettel : Abb. 540. Mayr, Johann Michael. — Hallein. 1810 Gustav Hering in München besaß eine Tiroler Zither von ihm, die Schallöcher mit Maßwerk, das Wirbel- brett mit geschnitzter Volute verziert. Geigenzettel: Johann Michael Mayr / Zittern und Geigenmacher in Hallein / 1810 (geschrieben). Mayr, Sebastian. — München. 1728 Vielleicht ein Sohn von Adam Mayr. Seiner Arbeit wie seinem Namen nach mit dem Salzburger Meister Andr. Ferd. M. verwandt. Eine Altviola von ihm, aus der Sammlung Boers stammend, besitzt das Rijks-Museum in Amsterdam. Geigenzettel: Sebastian Mayr Lauten / und Geiggen- macher in / München 1 728 (gedruckt). Mayrhofer. — Passau. Anfang des 18. Jahrh. Wahrscheinlich der Vater des bekannteren Anton Mayrhofer jun. Mayrhofer, Antonius jun. — Passau. 1770 Obwohl Geigen mit seinem Zettel wiederholt vor- kommen, war in Passau über ihn doch nichts zu er- fahren. In der Arbeit ist er nur mittelmäßig und steht mit den Ramsauer Meistern auf einer Stufe. Er soll aus Osterreich stammen. Geigenzettel: Antonius Mayrhofer Junior / fecit. Passavii Ao 1770 (geschrieben). Mayson, Walter H. — Manchester. Geb. 8. Nov. 1833 in Cheetwood, Manchester, t 1905 Sohn von Mark Mayson und Elisabeth, der Tochter des berühmten Malers William Green. Schon als Knabe zeigte er ein besonderes Talent für Kunsttischler- arbeiten und machte allerlei Äolsharfen, die er zu ver- bessern verstand. Er genoß eine vorzügliche Schul- bildung und schrieb schon als Jüngling Gedichte und Theaterstücke, die zu großen Hoffnungen berechtigten ; doch bestimmte man ihn zunächst für die kaufmänni- sche Laufbahn. Er trat bei der Firma J. und N. Phi- lips & Co. ein, und erst 1873 machte er seine erste Violine. Er verlegte sich nun mit größtem Eifer auf das Studium des Geigenbaues und gab 1875 sogar sein Geschäft auf, um sich mit »Herz und Seele« dieser Kunst zu widmen. Er brachte es bald zu bemerkens- werter Geschicklichkeit, und schon seine ersten, be- rufsmäßig ausgeführten Geigen (von flachem Modell) hatten einen ansprechenden, wenn auch nicht großen Ton. Er machte rasche Fortschritte, Form und Hand- arbeit nahmen an Schönheit zu, der Ton vergrößerte und veredelte sich, und galt zuletzt als einer der besten Geigenmacher Englands. Wenn er auch nie die Ab- sicht hatte, fremde Meister nachzuahmen, so nahm er doch das letzte Stradivarimodell neben Amati und Guarneri zum Ausgangspunkt; er veränderte daran, was ihm für die Spielweise der modernen Geiger nötig erschien, und richtete sich nach dem Tonwert des von ihm verarbeiteten, stets sorgfältig gewählten Holzes. So erhielten seine Violinen, Violen und Violoncelli ein eigenartiges Gepräge. Er hat über 810 neue Geigen gemacht, von denen viele auch in der äußeren Aus- stattung hervorragen. Auch ist er wiederholt als Fach- schriftsteller aufgetreten und hat u. a. wertvolle Beiträge für die Zeitschrift: »The Strad« geliefert. Seine Bio- graphie mit Bild usw. ist u. a. in der genannten Zeit- schrift von W. M. Groundwater (Juli 1892) und Meredith-Morris (Dezember 1899) veröffentlicht wor- den. Bei seinem Tode widmeten ihm alle englischen Fachblätter ehrenvolle Nachrufe. Geigenzettel: Deus adsit, obsit Mundus / Walter H. Mayson, / Manchester/ No A. D. 189 . . (gedr.). Mazza, Vincenzo Mandolinenmacher. Mazzocchi, A. — Mailand. 1 901 Stellte in Turin Mandolinen in der Form von Suppen- löffeln aus. Mazzotti, Jacopo. — Florenz. 1699 Er wird als Sohn eines Santo Mazzotti bezeichnet und war ein geschickter Lautenmacher. Meares, Richard. — London. 1667. 1680 Seinerzeit stand er in hohem Ansehen ; seine Arbeiten zeichnen sich durch geschmackvolle Einlagen und hübsche Schnitzereien aus. Im Selhofschen Versteige- rungsverzeichnis ^) finden sich eine Geige, ein Violon- cello und eine Viola da Gamba von ihm. Eine Gamba war auch 1872 in South Kensington ausgestellt, und ein gleiches Instrument besaß der Sammler Dolmetch. Eine englische Diskantviola von 1680 befindet sich bei T. W. Taphouse. Alfr. Keil in Lissabon besitzt eine viersaitige Baßviola von ihm und liest die Jahreszahl 1637, wahrscheinlich heißt es 1687. Der gleichnamige Sohn Meares' hat auch einige Geigen gemacht, sich aber später einem anderen Berufe zugewendet. Geigenzettel: Richard Meares / without Bishop gate / near to Sir / Pari Binders / London / Fecit 1677 (gedr.). ^) Der Name ist hier R. Mearens geschrieben. Mecum — Medard 325 Mecum, Christian. — Köln a. Rh. 1850. 1875 Er war in jüngeren Jahren Theatermusiker und tat sich viel darauf zugute, ein Nachkomme des bekannten Re- formators Myconius (der eigenthch Mecum hieß) zu sein. Seit etwa 1850 war er als Geigenmacher tätig und hat Geigen und Bratschen, aber keine Violoncelli ge- macht. Als Reparateur soll er nicht ungeschickt ge- wesen sein, wenn er auch manche schöne Geige dadurch schädigte, daß er den alten guten Lack ab- wusch und seinen eigenen schlechten dafür aufcrug. Er lebte noch 1875 und wurde über 70 Jahre alt. Med, Wenzel.- Iglau-(Jihlava) i.M. Geb. 1847 in Bonkov (Böhmen) Er erlernte in Wien ursprünglich das Tischlerhandwerk, und unterstützt von der dadurch erlangten Handfertig- keit, versuchte er sich, von besonderer Neigung dazu getrieben, im Geigenmachen und brachte es nach zehnjähriger Übung und fleißigem Studium zu schönen Erfolgen, so daß er sich im Jahre 1878 in Iglau als Geigenmacher niederlassen konnte. Er arbeitet nach den von Bagatella aufgestellten Regeln, kopiert aber auch Stainer und Stradivari, wobei er die hohe Wölbung vorzieht. Sein Lack besteht hauptsächlich aus Schellack. Er besitzt goldene, silberne und bronzene Medaillen, die er für gute Instrumente bekommen hat, und ist auch als geschickter Reparateur geschätzt. Geigenzettel : Abb. 538. Medard, Antome. — Nancy. Getauft am 28. Okt. I62P), lebte noch 1666 Sohn des Geigenmachers (faiseur de violons) Henry Medard. Er müßte als Antoine II M. geführt werden, wenn sich herausstellen sollte, daß jener Antoine M., der am 25. Februar 1620 als Zeuge bei der Hochzeit des Malers Nicolas Chuppin vorkommt, schon Geigen- macher war. — Er war wahrscheinlich Schüler seines Vaters und ein sehr tüchtiger Meister. In der Samary- schen Sarnmlung (15. März 1887 versteigert) befand sich eine Pochette (Nr. 44) von 1666 von ihm, deren treffliche Ausführung in Ebenholz und Elfenbein sehr gerühmt wurde. Eine Pochette aus dem gleichen Jahre besitzen W. E. Hill & Sons in London. Collemann- Reignier in Nancy hat eine gute, gelbbraun lackierte Violine von ihm, deren F-Löcher nach Amati ge- schnitten sind. Sie trägt den Zettel: A. MEDARI F. 1660 (gedruckt). Geigenzettel : Antonius Medard / Nancy 1 666 (gedr.). Medard, Claude II. — Nancy. Geb. um 1575, lebte noch 1 628 Wahrscheinlich ein Sohn de? vor 1597 gestorbenen Claude I, von dem noch nicht feststeht, ob er nicht auch ^) Sein von A. Jacquot in den Pfarramtsregistern des Municipal-Archivs in Nancy aufgefundener Taufschein lautet: »Le 28. Octobre 1621. Paroisse Saint-Sebastien, Bapteme de Anthoine, fils de Henry Medard et Anne, sa femme, a este baptise le 28. octobre. Noble Anthoine . . . conseilleur d'Estat a S. A. parrain. Susanne Bourcier marraine.« schon Tischler oder Geigenmacher war, und der Jeanne Drouyn heiratete (die sich später mit Blaise Thiebault vermählte). Er wird in einem Dokument vom 28. Ok- tober 1620 als »menuissier« bezeichnet, sonst als luthier, und hatte viele (10) Kinder und dürfte nach A. Jacquots Meinung unzweifelhaft als Stammvater der zahlreichen Geigenmacherfamilie Medard und somit als einer der Begründer der lothringischen Schule seiner Kunst an- gesehen werden. Medard, Claude IV. — Nancy. Getauft 10. März 1623 Sohn von Claude III. M. und von dessen Frau Elisa- beth. Er war jedenfalls Lautenmacher, während dies von seinem Vater nicht sicher ist. Medard, Fran^ois I. — Nancy, f vor 1625 Er war 1620 Zeuge bei der Hochzeit von Henri I Me- dard, als dessen jüngeren Bruder man ihn ansehen kann. Er wird als »velonier« (violinier) bezeichnet. 1625 ist seine Frau Anne schon Witwe. Medard, Fran^ois II. — Nancy, f m Nancy 31. Juli 1631 Sohn von Fran^ois I M. ; seine Frau Marie starb in den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts. Er wird als »velonier« und »violonier« bezeichnet ; seine Töchter wurden 1619 und 1625 getauft. Pate ist dabei ein Claude Vuillaume aus Mirecourt. Geigenzettel: Franciscus Medard / fecit Parisiis 16 . ... (gedruckt). Medard, Fran^ois III. — Paris. 1690. 1710 Vielleicht ein Sohn von Sebastien M. Er soll Lauten- macher der Kapelle Louis XIV. gewesen sein. Geigen von ihm kommen mehrfach vor; sie zeigen ein kleines Patron, das an Amati erinnert, aber den in der lothringi- schen Schule ausgebildeten Stil zeigt. Der Lack ist nicht schlecht. Ein Kontrabaß vom Jahre 1 700 befindet sich in der Sammlung Savoye in Paris. Geigenzettel : Franciscus Medard / fecit Parisiis 1710 (gedruckt). — Franciscus Medari / fecit Parisiis 1700 (gedruckt). Medard, Henry I. — Nancy. 1620. 1629 Sohn von Claude II M. ; er wird als »faiseur de violons« bezeichnet und verheiratete sich am 28. Oktober 1620 mit Anne, Tochter des Meisters Bastien Pierresson. Er hatte fünf Kinder und lebte noch 1629. Medard, Henri II. — (Turin). 1646. Geb. 10. Febr. 1629 in Nancy Sohn von Henry I M. In einem sehr gut gearbeiteten Alto, das im Jahre 1896 bei Hei in Lille war, fand Cesar Snoeck den Zettel: »Henri Medard ä Turin 1646 (1645?)«. Es wäre denkbar, daß der eben aus der Lehre entlassene Henri II M. die übliche Wan- derschaft nach Italien angetreten hat und bei dieser Gelegenheit auch als blutjunger Geselle in Turin ge- arbeitet hat. 326 Medard Meier Medard, Jean. — Nancy. 1620 Wahrscheinlich ein Sohn von Claude II M. Es sollen Instrumente von ihm vorkommen, die den Arbeiten des Nicol. Medard ähnlich sind. Vielleicht ist er iden- tisch mit Baptiste Medard, der als Pate der am 28. Jan. 1628 geborenen Tochter Anna des Nicolas UM. ge- nannt wird. Medard, Nicolas IF). — Nancy, Paris. 1620. 1641 Zweiter Sohn von Claude II M., »facjonneur de violons«, vermählt mit Barbe Bain. Er war 1620 Trauzeuge bei seinem Bruder Henri M. 1622 heißt er «faiseur d'in- struments«, 1625 und 1626 »violon de Son Altesse« und 1630 nur »violon«. Nach 1635 dürfte er nach Paris ausgewandert sein. Er hatte einen 1626 geborenen Sohn Dominique, den A. Jacquot für den Vater jenes Jean- Dominique M halten möchte, der in Mirecourt einen Sohn Nicolas hatte. Geigenzettel: Abb. 546. Medard, Nicolas III. — Nancy. Getauft 28. Jan. 1628, lebte noch 1672/73 in (der Altstadt) Nancy Sohn von Henri I M. Sein Beruf steht nicht fest, es ist aber wahrscheinlich, daß er das väterliche Gewerbe fort- setzte, denn nur so ließe sich der lange Zeitraum, in dem mit Nie. Medard bezeichnete Instrumente vor- kommen, erklären. Es muß aber noch einen vierten Nicolas M. gegeben haben, und erst auf diesen könnte die Sage, daß er bei Stradivari gelernt hat, passen, obwohl Arbeiten nicht dafür sprechen. Eine sechs- seitige Viola von 1701 von Nie. Medard, eingelegt mit Lilien und einem Frauenköpfchen am Wirbelkasten, im Konservatorium zu Brüssel. Daselbst auch eine 1670 datierte Viola alta mit chinesischen Malereien. Medard, Sebastien. t 1636 Paris. Geb. 1546(?), Vielleicht ein Sohn von Claude II M."), stamm.t wahr- scheinlich aus Nancy, wo er um 1576 geboren sein kann, wenn auch sein Taufschein nicht aufzufinden ist. Dieses Mitglied der berühmten lothringischen Geigen- macherfamihe wurde von einem tragischen Geschicke ereilt, indem er und seine 1601 geborene Tochter Jehanne und deren Liebhaber P. P. Prelasque aus Lyon der Falschmünzerei angeklagt wurden. Seb. M. wurde am 31. Mai 1636 zum Tode verurteilt, starb aber vor der Hinrichtung, jedenfalls an den Folgen der grau- samen Folter, der er unterworfen wurde. ^) Nicolas I Med., dessen Beruf nicht feststeht, starb vor 1628. ") Wie Jacquot meint. Jehanne Medard, die sich den Titel DamoiEelle beigelegt, sagt jedoch zu ihrer Ver- teidigung, daß der Vater ihres Vaters ein Adeliger gewesen sei, ein solcher namens Nicolas Medard sowie ein Claude (aber nicht Claude II) wurden 1564 in den Adelsstand erhoben. Medaro, Nicolas s. Medard. — Brüssel Meer, E. van der. — Amsterdam Guter Bogenmacher der Gegenwart. Meer, Karel van der. — Amsterdam. Geb. 1 862 im Haag Er war ursprünglich Musiker, verlegte sich dann auf das Geigenmachen und wurde bereits 1886 Vorsteher der Instrumentenwerkstatt der Aktiengesellschaft »De Nieuwe Muziekhandel«. Später verband er sich mit van Roosmalen und betreibt jetzt sein Geschäft allein. Er besitzt sehr schönes, 200jähriges Holz und verwen- det goldgelben oder roten Ollack. Aus seiner Werkstatt sind gute Geigen hervorgegangen, meist nach Guarnen del Gesü gemacht, mit breiter Brust. F. Oelsner wid- mete ihm unter dem Titel: »Ein Meister des Geigen- baus« im Berliner Tageblatt (1900, Nr. 14) einen Auf- satz. Geigenzettel : Abb. 550. Meeson, Rieh. C. — London. 1885 Wohnte als Geigenmacher und -händler im Jahre 1899 noch 360 Goswell rd. Islington und scheint das Ge- schäft wieder aufgegeben zu haben. Im Jahre 1885 erhielt er auf der Inv. Exhib. in London eine silberne Medaille für einen verbesserten Baßbalken und andere mit dem Saiteninstrumentenmachen in Verbindung stehende Vorrichtungen. Megells, C. — (Schweden). 1892 In einer Geige des Museums in Gothenburg liest man : Reparerad af C. Megells 1 892. Die Reparatur ist jedoch unkünstlerisch. Megho, Giovanni Cavaliere de und Meglio, Michele de Gute italienische Mandolinenmacher. Meiberi, Francesco. — Livorno. 1745. 1750 Da dieser Name auch von Vidal erwähnt wird, soll er hier nicht fehlen, obwohl ich niemals Geigen von ihm gesehen habe und die Form des Namens mindestens für zweifelhaft halte. Meier, Karl. — Schönbach b. E. Geb. in Oberschönbach 1867 Schüler von Johann Winter und der Musikfachschule in Schönbach. Nachdem er als Gehilfe in Markneu- kirchen und beim Militär als Instrumentenmacher tätig war, machte er sich 1889 selbständig und verfertigt nach allen bekannten Modellen Geigen; er benutzt hauptsächlich Spirituslack und erhielt auf der Gewerbe- Ausstellung in Eger 1892 ein Ehrendiplom. Geigenzettel: Karl Meier jun. , Schönbach bei Eger / 189 (gedruckt). Meier-Pauselius — Meinel 327 Meier-Pausellus, Willy. — Hamburg 1921 Ein bekannter Gitarrenvirtuose, der im Jahre 1921 die staatliche Prüfung als Gitarren- und Geigenbaumeister bestanden hat. Er hat bereits eine neue Gitarre er- dacht, die dem Spieler ungeahnte Möglichkeiten er- öffnet und auch durch Ton und Form den höchsten Ansprüchen genügt. Meikle, Robert. — Lesmahago. Geb. 1817, t 1897 in Lesmahago Ein guter schottischer Gelger, der auch viele Violinen gemacht hat. Meili. — St. Gallen 19. Jahrh. Erfinder eines »Sonor« genannten sog. Ton verbesserers, der aus drei Holzspänen besteht, die an einer Seite frei- schwebend an die Geigendecke angeleimt und durch Auftropfen von Siegellack (!) abgestimmt werden. Meindl, Franz Xaver. — Würzburg. 1832. 1864 Er kam aus München nach Würzburg und begründete im Jahre 1832 sein Geschäft, in dem hauptsächlich Zithern angefertigt wurden. Er galt als sorgfältiger Reparateur, hat aber nur selten neue Geigen gemacht. Eine solche vom Jahre 1841 , mit einem Löwenkopf am Wirbelkasten, besitzt C. Stoeber in Würzburg. Geigenzettel : F. Xaver Meindl. Monacensis / fecit Herpibolis .Anno 1841 (geschrieben). — F. X. Meindl, , Saiten- Instrumentenmacher , in Würzburg. 1854 (ge- druckt). Meindl, Friedrich. — Würzburg, f 1894 Sohn von Franz X. M., Schüler seines Vaters und von Vauchel. Er verlegte sich ganz auf den Bau von Streich- instrumenten und bildete sich darin während semer Gehilfenzeit in guten Werkstätten aus. Im Jahre 1864 übernahm er die väterliche Werkstatt. Er war ein sehr sauberer und bis an sein Lebensende fleißiger Arbeiter und hat viele Geigen und Violoncelli gemacht. Er ver- wendete schönes Holz und einen selbstbereiteten Spiri- tuslack (goldgelben Grund und kirschroten Farblack) Geigenzettel: Friedr. Meindl / Saiten- Instrumenten- macher . in Würzburg (rot gedruckt auf gelbem Glanz- papier). — Fried. Meindl , Würzburg 1 864 (gedruckt). Memel, Aug. — Meerane i. S. Vogtländischer Geigenmacher, der sich im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in Meerane niederließ und dann nach der Schweiz verzogen sein soll. Memel, August. — Khngenthal. 1819 Guter Vogtländer Geigenmacher. Sein Modell ist läng- lich, die Ecken sind häufig spitz, derLack braun und ohne Fe«ier, das Deckenholz gut, Boden und Zargen oft ohne Flammen. Semen Zettel veröffentlicht F. de Wit. Geigenzetlel : Mstr. August Meinel / in Klingenthal, 1819 (gedruckt). Meinel, Christian. — Khngenthal. 1748 Wenn auch kein hervorragender, so doch immerhin ein ganz geschickter Geigenmacher. Ein Christian Aug. M. wohnte in dem sog. Zweibrüdergrund. Geigenzettel: Christian .August Meinel Violin- und Instrumentenmacher , in Zweibrüdergrund (gedr.). Meinel, Christian Friedrich. — Klingenthal, (Mark)Neukirchen. 1730. 1755 Er wurde am 16. Oktober 1730 als Meister in die Zunft aufgenommen. Seine Frau war eine Geigenmaciiers- tochter und soll das Lackieren gut verstanden haben. Er arbeitete nach dem alten Hopfmodell und wendete gelbbraunen Lack an. .Auf dem Boden, unterhalb des Zäpfchens brachte er die Brandmarke: * C * F * M * an, oder unter dem Plättchen am Halsansatz C. F. M. Er war aus Klingenthal und dürfte auch dort gearbeitet haben. Eine Geige von ihm besitzt der Komotauer Kirchenchor. Geigenzettel: Christian Friedrich Meinel, , Violin- macher aus Klingenthal, Ao. 1738 (gedruckt). Brand- mirke: Nr. 1 1. Meinel, Christoph. — 1672 Eine Diskantviola da Braccio im Kölner Musikhistori- schen Museum enthielt einen schwer zu entziffernden Zettel, der nach G. Kinskys Ergänzung Christoph Meinel ' 1672 gelesen werden muß. Wenn seine Hei- mat, wie anzunehmen ist, das Vogtland war, müßte dieser Christoph M. als der Stammvater der Fam.ilie gelten. Meinel, Friedrich Wilhelm. — (Mark)Neu- kirchen. Geb. 1737, f 18. Mai 1802 (65 Jahre 5 Monate 12 Tage alt) Sohn und Schüler des Christ. Friedr. M. Er wurde sehr frühzeitig Nachfolger seines Vaters und schon am 21. Mai 1755 Meister. Seine Geigen sind im allgemei- nen gut und kommen ziemlich häufig vor, da er sehr fleißig war. Er verwendete die Modelle seines Vaters und einen gelbbraunen Lack sowie die Brandmarke: Nr. 59. Geigenzettel: Abb. 524. Meinel, Georg Christian. — Klingenthal. 1 742 Er wird im Kassenbuch der Innung als Meister be- zeichnet. Meinel, Georg Christoph. — Zweibrüder- ■ grund. 1770 Vermutlich der Vater von Christian August M. Eine gute Violine von ihm besitzt Paul Käs in Geestemünde, eine gleichfalls recht gute Viola von schlankem Patron Ingenieur Hermann Keil in Köthen i. A. Der zwei- teilige Boden und die Zargen sind aus wildem .Apfel- baumholz, der Lack ist braun, am Boden etwas heller. Korpuslänge 393 mm; oben 180, unten 228 und zwi- schen den )( 1 15 mm breit. Geigenzettel: Georg Christoph Meinel ,' Violin et In- strumentenmacher / in Zweyenbrüdergrund 17.. (ge- druckt). 328 Meinel — Meisel Melnel, Georg Karl Friedrich. — (Mark-)Neu- kirchen. Geb. 26. März 1775, f 3. Dez. 1847 Er kommt seinen Vorfahren in keiner Weise gleich, seine Arbeiten haben kein eigenartiges Gepräge mehr und sind auch mi Holz nicht schön. Meinel, Gustav. — London. 1910. 1912 Er nennt sich Geigenmacher und Händler. Meinel, Hermann. — Klingenthal i. S. Geb. 8. Mai 1831 Geigenmacher, der nur billige Arbeiten herstellte, die keinen erheblichen Kunstwert haben. Meinel, Johann Christian. — (Mark-)Neu- kirchen. Geb. 19. Sept. 1770, f 8. Sept. 1827 Geschickt in der Arbeit, verstand er es auch, seine Geigen gut zu verkaufen, so daß er zu Vermögen und Ansehen kam und u. a. 1820 zum Gemeindevorsteher ernannt wurde. Er steht Hopf und Ficker nahe. Meinel, Johann Christoph. — Klingenthal. 1786 Seine Geigen haben ein unschönes Modell und meist ungeflammten Boden. Er verwendet eine Brandmarke: * I * C * / Meinel. Meinel, Johann Friedrich I. — Klingenthal. 1736. 1762 Einer der besten Geigenmacher seines Namens m Klingenthal. Meinel, Johann Friedrich II. — Klingenthal. 1834 Seine Geigen sind von guter, Vogtländer Art. Geigenzettel : Mstr. Johan Friedrich Meinel / in Klin- genthal 1834 (geschrieben). Meinel, Johann Gottlieb. — Klingenthal. 1767. 1782 Wahrscheinlich ein Sohn von Johann Friedrich M. und ihm in der Arbeit ähnlich. Meinel, Johann Michael. — Klingenthal. 1 761 Wahrscheinlich ein Bruder von Joh. Gottlieb M., aber weniger geschickt als dieser. Meinel, Louis Moritz. — Geb. 13. Mai 1865, lebt als Geigenmacher in Markneukirchen Meinel, Thomas. — Klingenthal. 1725 Der älteste Klingenthaler Geigen macher seines Na- mens und vielleicht das tüchtigste Mitglied der Familie. Man nimmt an, daß er als Geselle bis nach Italien ge- kommen sei. und dem widersprechen seine freilich nur selten vorkommenden Arbeiten nicht. Towry Piper sagt sogar in der trefflichen Zeitschrift »The Strad« (1912, Nr. 264), daß eine der besten Kopien nach Stradivari, die ihm je unter die Augen gekommen sei, von Thomas Meine! herrührte. Meinel-Grünwald, Paul. — Basel. 1890. 1920 Schüler von Nie. Eug. Simoutre. Saiteninstrumenten- macher, Händler und Reparateur; begründete 1890 seine eigene Werkstatt. Meinertzen, Jakob. — Berl'in. 1693. 1712 Seiner Arbeit nach dürfte er aus Joachim Tielkes Schule hervorgegangen sein. Er war Kurfürstlicher Hofgeigenmacher und infolge davon wahrscheinlich kurfürstl. Privilegierter, weshalb sich über ihn im städtischen Archiv m Berlin nichts findet. Ein Violon- cello von ihm besitzt Paul Gare in Danzig. Eine sehr schöne, ursprünglich rotbraun lackierte Tenorgamba von ihm aus dem Jahre 1710 besitzt Fritz Wildhagen m Haiensee ; der gewölbte Boden ist aus Fichtenholz, alle Ränder mit Elfenbeinstreifen belegt. Geigenzettel : Jakob Meinertzen ,' Königl. Hoff-Violde- gam.- / und Lautenmacher in Berlin 1710 (gedruckt). Meisel, Amand. — Frankenstein i. Schi. Geb. in Klingenthal 7. Sept. 1828, f 23. Sept. 1893 in Frankenstein Schüler seines Vaters Christian Friedrich Meisel. Nach- dem er bis etv.'a 1850 bei seinem Vater gearbeitet hatte, kam er nach Breslau zu Liebich und begründete 1864 in Frankenstein sein eigenes Geschäft. Er ahmte die Modelle von Stradivari und Amati nach, seine Geigen klingen gut, und er erhielt mehrfache Ausstellungs- auszeichnungen. Nach seinem Tode führte seine Witwe Emilie das Geschäft fort, das im Jahre 1900 sein Sohn Friedrich übernahm, der es dann nach Breslau ver- legte. Geigenzettel: Amand Meisel. / Frankenstein i./Schl. 18 . . (gedruckt). Meisel, Christian Friedrich. - — Klingenthal. 1791. 1850 Einer der wenigen Vogtländer seiner Zeit, der mit Bewußtsein das Hopfmodell aufgab und die Italiener nachahmen wollte, wenn ihm auch ein feineres Ver- ständnis dafür fehlte. Sein Modell ist klein, steht zwischen Jos. Guarneri und Stradivari. Die F-Löcher sind nach Guarneri gestellt, erinnern aber mehr an Guadagnini und sind steif geschnitten. Die Ecken sind breit und scharf und wirken unschön. Das Deckenholz ist sehr engjährig und gut. Die Flammen im Boden und an den Zargen sind gerade gelegt, so daß die Jahre schräg stehen, Boden und Decke ragen weit über die Zargen heraus. Die Einlage läuft am Klötzchen in eine Spitze aus, darunter befindet sich der Brandstempel : * C * F' * / * Meisel *. Sein dünner Spirituslack ist gelb oder hellbraun und die Schnecke nach Guarneri, aber schmal und tief gestochen. Er verwendete sauber in Kupferstich ausgeführte Zettel. Geigenzettel: Christ. Friedr. / Meisel / aus / Klingen- thal / 1828 (gedruckt). Meisel, C. W. sen. — Klingenthal , Bekannte Fabriksfirma der Gegenwart, die ihr Bestehen bis 1735 zurück verfolgen kann. Inhaber ist jetzt Karl Adolf Wilhelm Meisel. Me Meisner 329 Meisel, Friedrich. — Breslau. Geb. 13. Mai 1874 Sohn und Nachfolger von .Amand M. Beisitzer der Meisterprüfungskommission. Meisel, Friedrich August I. — Klingenthal. Geb. 17. Okt. 1817, t 19. Aug. 1894 Ein sehr talentvoller und geschickter Geigenmacher. Leider war auch er gezwungen, seine beste Zeit im Dienste der Händler zu verbringen, und später hinderte ihn andauernde Kränklichkeit, sein ganzes Können einzusetzen. Es gibt jedoch einige recht gute Violinen von ihm, und nur diese tragen semen Namen. Meisel, Friedrich August II. — Klingenthal i.S. 1895. 1900 Streichinstrumentenmacher der Gegenwart. Meisel, Friedrich Wilhelm. — Klingenthal. 1769. 1799 Seiner Arbeit nach gehört er zu den besseren Vogtlän- der Geigenmachern; sein unschönes Modell mit stark geschweiften Mittelhügeln und langen F-Löchern hat nichts Italienisches an sich, obwohl er durch seinen m geradezu lächerlich unsinnigem Latein verfaßten Zettel bei unverständigen Käufern den Glauben erwecken wollte, sie hätten eine Cremoneser Arbeit vor sich. Gelgenzettel: Abb. 520. Meisel, Georg. — Klingenthal. 1729. 1735 Der Stammvater des Klingenthaler Zweiges seiner Fa- milie und Begründer der heute noch bestehenden Firma '»C. W. Meisel sen«. Meisel, Johann Christian Friedrich. — Klingen- thal. 1771. t 1803 Sohn und Schüler von Johann Georg M. Er war Geigenmachermeister in Unterklingenthal, verlegte sich später fast ganz auf das Saitenmachen und wurde so der Gründer der Klingenthaler Saitenindustne. Geigenzettel: Johann Christoph Meisel / Klingenthal (geschrieben). Meisel, Johann Georg. — Klingenthal. 1730. 1784 Angeblich ein Sohn von Karl Christian M. Einer der besten Klingenthaler Meister, der auf seiner Wander- schaft bis nach Italien gekommen sein soll, wo er ein Guadagninimodell kennen lernte, das er manchmal nachahmte. Er stand auch als Bürger in Ansehen und hat schon 1 749 das Amt eines Richters bekleidet. Geigenzettel : Johann Georg Meisel / Violinmacher m Klingenthal (gedruckt). Meisel, Karl Christian. — Unterklingenthal. 1761. 1768 Sohn und Schüler von Georg M. Seine Arbeit ist im gewöhnlichen Vogtländer Stil gehalten. Das häufige Vorkommen seiner Geigen läßt darauf schließen, daß er sehr fleißig war. Seine Zettel sind rot gedruckt. Geigenzettel: Carl Christian Meisel / Violin- und In- strumentenmacher / in Unterklingenthal 1 765 (gedr.). Meisel, Karl Louis. — Klingenthal i. S. Geb. 14. Okt. 1847 Schüler seines Vaters Friedrich August I M., der ihn schon in frühester Jugend in die Werkstatt nahm, so daß er bereits im zwölften Lebensjahre seine erste Geige in allen Teilen allein fertigmachte. Nach seiner Konfirmation wurde er bei der damals noch bestehenden Geigenmacherinnung »aufgedingt* und nach vierjähriger Lehrzeit losgesprochen. Nebenbei be- suchte er fleißig die Klingenthaler Musikschule, wo er auch in der Harmonielehre und der Instrumentenbau- kunde ausgebildet wojrde. Wegen der andauernden Kränklichkeit seines Vaters kam er nur wenig in die Fremde. Im Jahre 1869 wurde er Meister und begrün- dete seine eigene Werkstatt. Er benützte jede Gelegen- heit, italienische Meisterwerke zu studieren, und ver- dankt diesem Studium manchen schönen Erfolg. Geigenzettel : C. Louis Meisel, / Streichinstrumenten- macher / Klingenthal i. S. (gedruckt). Meisel, Oswald. — Liegnitz. 1880. 1881 Er stellte 1881 in Breslau neben Blasinstrumenten-^) auch zwei Violinen aus. Meisel, Richard. — Geb. 30. Nov. 1857. Lebt als Streichinstrumentenmacher in Klingen- thal Meisel, Wilhelm. — Erlbach i. S. 1880 Einer Privatmitteilung zufolge soll er sich als Instru- mentenmacher eines gewissen Ansehens erfreut haben. Meisinger, Hans, gen. Ritter. — Augsburg. 1447 Einer der ältesten deutschen Lautenmacher, der frei- lich nur dem Namen nach bekannt ist. Meisner, Johann Friedrich. — Lübeck. Geb. um 1700 in Guben (Oberlausitz), f 1 . April 1770 in Lübeck 2) Seinen Geburtsort gibt er selbst ausdrücklich in einem Gesuch an, trotzdem war es nicht möglich, in den Gubener Kirchenbüchern von 1700—1720 auch nur den Hinweis auf das Vorkommen seines Namens zu finden, geschweige denn seinen Geburtstag. Er war Musiker (Geige und Flöte) und Violinmacher und kam auf der Wanderschaft über Schleswig-Holstein i-nd Mecklenburg nach Lübeck, wo er sich 1734 um die Anwartschaft auf eine Ratsmusikerstelle bewarb, die er später auch erhielt. Am 20. September 1 742 erwarb er das Lübecker Bürgerrecht, legte am darauffolgenden ! 2. Oktober den Bürgereid ab und heiratete im selben Jahre eine geb. Donner und am22. Juni 1752 in zweiter ^) Die er hauptsächlich macht. -) Begraben am 3. April 1770 in der St. Ägidienkirche. 330 Meiß — Menichetti Ehe Magdalena Hanthorn, die Tochter eines Tuch- machers aus Sachsen. Er wird stets als »Violinmacher und Ratsmusikus« bezeichnet und war der beste Lü- becker Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. Seme Ar- beit ist gut, erinnert in den Modellen an die Vogtländer Schule und verrät eine kunstgeiibte Hand. Seme Gei- gen haben einen sehr guten, manchmal aber etwas scharfen Ton und sind meist dunkel lackiert. Eine Violine von ihm besitzt das Museum in Lübeck, emen großen Baß die Lübecker Stadtkapelle. Eine Viohne von ihm vom Jahre 1760 wurde mi August 1905 bei Puttick & Simpson in London versteigert. Geigenzettel : Johann Friederich Meisner / in Lübeck gemacht .^o 17.. (gedruckt). Meiß(?), Johann Heinrich. — Mansbach (?), I656(?) Das Verzeichnis der Musikinstrumentensammlung des Bach-Hauses in Eisenach führt unter Nr. 45 einen drei- saitigen Kontrabaß auf, dessen Zettel »Johann Heinrich Meiß Instrumenten , Macher in Mansbach ; 1656« ge- lesen wird. Ich vermute, daß der Mann Heinrich / hieß und sich als »Mus. Instrumentenmacher« bezeich- nete. Die Jahreszahl ist um wenigstens 100 Jahre später anzusetzen, da die Bezeichnung »Instrumentenmacher« erst im 18. Jahrhundert aufkam. T unn. 1860. Melegari, Enrico Clodoveo. 1888 Ein Geigenmacher, von dem ich Violoncelli, Bratschen und Violinen mit rötlichem und gelblichem Lack ge- sehen habe, die man als gute Mittelware bezeichnen kann. Er arbeitete um 1872 gemeinschaftlich mit seinem Bruder. Melegari, Pietro. — Turin. 19. Jahrhundert Bruder von Enrico Gl. M., mit dem er in den sieb- ziger Jahren die Werkstatt teilte. Er wird von Valdrighi (2034) als Geigenmacher angeführt, doch sind mir nur mittelmäßige Arbeiten von ihm gezeigt worden. Meletti, Luigi. — Ferrara. 19. Jahrhundert Seine Arbeit erinnert an die Marconcinis (dessen Schü- ler er vielleicht war). Er ist aber kein hervorragender Meister. Melling (Meling). — Paris. 1753. 1771 Dem Namen nach wohl deutscher Abkunft, vielleicht Elsässer, denn um I 780 lebte ein Joseph Melling als akademischer Maler in Straßburg. Er wohnte 1753 in der Rue Froidmanteau (Fromenteau), place du Louvre und hatte das Ladenschild »ä la belle Vielleuse«, und 1771 in der Rue des Orties aux galenes du Louvre. Eine Mandore von ihm war in der Sammlung Loup. Mellini, Giovanni. — Guastalla. 1768 Bei Vidal findet sich nur der Name angegeben. Ar- beiten von ihm lassen sich schwerlich nachweisen. Mello, Arreu, lebt als Gitarren- und Man- dolinenmacher in Porto Meloni, Antonio. — Mailand. 1690. 1694 Wahrscheinlich aus Bologna stammend und aus der .Amatischule hervorgegangen, gehört er zu den besseren Mailänder Geigenmachern seiner Zeit. Er arbeitete nach einem kleinen Modell und schnitzte hübsche F- Löcher und Schnecken. Auch sein gelber Lack sowie der Ton sind zu loben. Geigenzettel : Antonius Meloni Mediolani , Fecit A. D. 1694 (gedruckt). Melzl, Johann Georg. — Straubing. 1830. 1842 Bei wem er gelernt hat, ist unbekannt. Als Geselle hat er in München gearbeitet und kam dann nach Strau- bing, wahrscheinlich als Gehilfe zu G. Alois Thum- bardt, dessen Nachfolger er im Jahre 1830 wurde. Er kaufte das Geschäft und das Haus, wurde am 29. Ok- tober 1830 Bürger und erhielt am 23. März 1838 nach- träglich die vorschriftsmäßige Gewerbsurkunde aus- gefertigt, mit dem Vermerk, daß er zur Verfertigung aller Saiten- und Streichinstrumente sowie zum Handel mit einzelnen Bestandteilen befugt sei. Andreas Grob wurde sein Nachfolger. Geigenzettel; Joh. Georg Melzl / Guitarren- und Geigenmacher in Straubing / 183! (gedruckt). — Georg Melzl / Saiten- Instrumentenm.acher , in Strau- bing 1842 (gedruckt). Menckler (Merckler) siehe Merkle Meneguzzi, Carlo. — Padua. 1884 Er machte Violinen und Violoncelli, scheint aber auch französische Schachteln verarbeitet zu haben. Mener, Christoph. — Danzig. 1677. 1685 Die Kgl. Schwedische musikalische Akademie besitzt eine prachtvolle Diskantviola von ihm (jetzt im Musik- historischen Museum in Stockholm), Zargen und Hals sind von Ebenholz, reich mit Elfenbein eingelegt. Auf der Brust befindet sich ein Elfenbeinrelief, Orpheus unter den wilden Tieren darstellend. Am Wirbel- kasten ist ein kunstvoll geschnitzter Negerkopf. Clau- dius in Kopenhagen besitzt eine Taschengeige von ihm. Christoph Mener war zweifellos einer der besten deutschen Geigenmacher seiner Zeit; leider war es nicht möglich, in Danzig Urkundliches über ihn zu ermitteln. Auf seinen Zetteln liebt er es, die Buchstaben zusammenzuziehen. Geigenzettel : Christoph Mener in Dantzigk 1683 (ge- druckt). — Christof Mener/ in Dantzigk 16 . . (gedr.). Menette, Joseph. — Innsbruck. 1697 Dr. Necas in Prag kaufte von Em. E. Homolka eine nett gearbeitete, hochgewölbte Geige dieses Meisters, von kleinem, gefälligem Modell und hübschem, dunkel- braunem Lack. Er scheint in Innsbruck nur vorüber- gehend gearbeitet zu haben. Geigenzettel: Joseph Menette Lautenmacher / in Inspruck ,' 1697 (gedruckt.) Menichetti, Luigi. — Faenza. 1851 Er wurde durch seine Versuche,' Geigen halb aus Holz und halb aus Metall (Neusilber usw.) herzustellen, be- kannt. Bewährt haben sich jedoch diese Versuche nicht. Mennegand — Merighi 331 Mennegand, Charles. — Amsterdam, Paris. Geb. in Nancy 19. Juni 1822. f 9. Jan. 1885 in Villers-Cotterets Erhielt seine Ausbildung in Mirecourt, kam 1840 nach Paris, trat als Gehilfe bei Rambaux ein und blieb bei diesem geschickten Meister fünf Jahre lang und eig- nete sich hier seine außergewöhnliche Geschicklichkeit in der Reparatur alter Instrumente an. Er nannte sich daher, im Anfange seiner Selbständigkeit, auf seinen Zetteln gerne »Eleve de Rambaux«. Nachdem er von 1851 — 1852 noch bei Maucotel gearbeitet, ging er nach Amsterdam., um seine eigene Werkstatt zu eröffnen. Er arbeitete hier sehr fleißig, machte viele Violinen, Violen und Violoncelli, ging aber 1857 nach Paris zu- rück und wohnte Rue de Trevise Nr. 26. Hier machte er fast nur Violoncelli, die sehr gesucht sind. Aui der Pariser Ausstellung 1867 erhielt er eine Medaille. Geigenzettel: Abb. 516. Mennesson, Jean Emile (pseud. Josef Guarini). — Reims. Geb. 15. Mai 1842 in Reims Im Jahre 1865 begann er als Klaviermacher und Musi- kalienhändler: seine Neigung und sein Talent führten ihn aber mehr und mehr zum Geigenmachen, dem er sich seit 1874 vollständig widmete. Er arbeitete bei Mennegand und Deroux und dann von 1876 — 1880 in Mirecourt und hat zahlreiche Kopien nach der Messias- geige Stradivaris angefertigt. Er begründete in Reims eine Geigenmacherwerkstatt, läßt schönes altes Holz verarbeiten und verwendet besondere Sorgfalt auf die Lackierung, wobei er die Ergebnisse der chemischen Versuche Gerys sich zunutze macht. Er ist der Erfinder der »Molliphone« usw. und besitzt 19 Diplome und Medaillen. L. S. Fanart veröffentlichte ein in der National-A.kademie zu Reims 1876 verlesenes ausführ- liches Gutachten über Mennesson. — Er klebt in seine billigen Geigen Zettel mit dem Pseudonym »Joseph Guarini« und führt das Ladenschild »ä Ste Cecile«. Die Firma lautet jetzt: Emile Mennesson & Fils, suc- cesseurs. Geigenzettel : EM. Joseph Guarini fecit (A) Anno 1881 No 1565 , Emile Mennesson, a Reims (Marne) ' Seul concessionaire pour la France et l'Etranger / depose (gedruckt) und Abb. 523. Menticasiae. — Mailand. 1815 Der folgende Reparaturzettel gehört wahrscheinlich einem Mitglied der Familie Mantegazza, vielleicht Francesco, an, oder ist einfach eine Fälschung. Geigenzettel: Abb. 515. Mentiply, Andrew A. — ■ Ladybank. Geb. 1 . Nov. 1858 in Burnside Ein Eisenbahnbeamter, der sich in seinen freien Stun- den mit dem Geigenmachen beschäftigt und über 60 neue Violinen und viele Bogen gemacht hat. Er hat ein eigenes Modell und bereitet sich auch den Ollack selbst. Seine F-Löcher zeigen die Endpunkte statt kreisrund in ovaler Form. Geigenzettel: .Andrew Mentiply / Ladybank, Fifa. / (Datum) (geschrieben). Menzies, John. — Falkirk. 1820. 1831 Ein geschickter, schottischer Geigenmacher, der das große Stradivarimodell nachahmte. Sem Lack ist dunkelbraun und scheint Ollack gewesen zu sein. Seme Violinen sind übrigens stark dem Wurmfraß ausgesetzt. Geigenzettel: John Menzies , Maker / 1831 (geschr.). Menzinger, Gustav. — Frankfurt a. M. Geboren am 19. August 1867 in Insterburg als Sohn eines Österreichers, kam er 1882 zu seinem Oheim Adolf Schrader in die Lehre und 1887 als Gehilfe zu Heidegger nach Linz a. D., wo er sich auch als Militär- pflichtiger stellen mußte. Er kam dann zu .A. Riechers nach Berlin, den er nur verließ, um Soldat zu werden, aber schon nach wenigen Tagen wurde er als über- zählig entlassen, ging nach Wien zu Hamberger und von da zu Amberger nach München, von wo er sehr bald von Riechers nach Berlin zurückberufen wurde, den er als seinen eigentlichen Lehrer betrachten darf. Nachdem er noch bei Kannich in Warschau gearbeitet, trat er, um sich weiter zu vervollkommnen, m die Geigenmacherschule von Schünemann in Schwerin ein und kam 1892 nach Homburg v. d. H. zu L. Noebe, bei dem er bis 1903 blieb, in welchem Jahre er sich im Oktober zu Frankfurt a. M. selbständig machte. Er gilt als sehr geschickter, erfahrener Geigenmacher und sorgfältiger Reparateur. Geigenzettel: Gustav Menzinger Frankfurt a. M. Anno 1910 No 56 [rechts und links Initialen und Kreuz im Kreis]. ans. 1875 Mercier, A. - Ein Reparateur, der auch einen kleinen Geigenhandel betrieb. Merciolle, Jules. — Paris. Geb. 20. Juni 1881 in Mirecourt Schüler von Grillon. Als Gehilfe arbeitete er erst in seiner Vaterstadt, ging dann nach Paris, kam 1899 zu G. Bernardel und blieb auch bei Caressa & Fran^ais bis 1911. Seitdem hat er sich selbständig gemacht. Meren, Antonius. — ? 1712 Withers in London besitzt eine eigenartige Geige mit diesem Namen und der Bezeichnung »discipulus Stainer«. Mergenthai, Roman, hat in Wien eine Werk- statt und beschäftigt sich auch mit der Reparatur von Streichinstrumenten, ist aber nicht Mitglied des Geigenmacherver- bandes Meriels, ließ sich als »Luthier« in Bayeux nieder; die Firma lautet jetzt »Meriels fils« Merighi, A. — Mailand. 1800 In einer mittelmäßigen Mandoline fand sich dieser (schlecht leserliche) Name, — vielleicht ein Sohn von Pietro M. in Parma? 332 Merighi — Messerschmidt Merighi, Pietro. — Parma. 1770 Hauptsächlich kommen Mandohnen von ihm vor; er seil jedoch auch Geigen gemacht haben. Ceigenzettel : Petrus Merighi / fecit Parmae / anno 1 770 (gedruckt). Merlotte, Charles. — Lyon. Geb. um 1703. 1770 Er zeichnete sich zwar durch sorgfältige Arbeit im alt- inirecourter Stil aus, erreichte aber nur einen mittel- mäßigen Ton. Er verwandte gelbbraunen oder gelb- rötlichen Lack, der gegen Rand und Ecken dunkel schattiert ist, sowie geschriebene und gedruckte Zettel, und soll vorübergehend auch in Paiis gearbeitet haben. Ein anderer Meriotte soll noch um 1845 gelebt haben. Geigenzettel : Abb. 553 und 554. Merkel, Anton Karl. — Adorf. 1820 Seine Geigen sind im unverkennbaren vogtländer Stil, dem Amatimodell sich nähernd, gemacht und wenig bemerkenswert. Merkel, Johann Friedrich. — Stuttgart. 1803 Eine neunspänige Baslardlaute von ihm besitzt die Musikinstrumentensammlung des Bachhauses in Eise- nach. Geigenzettel : Johan Friedrich Merkel / Mechanicus & Instrumen- / tenmacher in Stutgard. / Den 15. Januar 1803 / N^° 57 (gedruckt). Merkle (Merkl), Bartholomäus. — Prag. 1571 Ein wahrscheinlich aus Füssen stammender Lauten- macher, der in der Altstadt wohnte und zunächst da- durch dem Namen nach bekannt wurde, daß sich ein Urteilsspruch erhalten hat, in dem er verurteilt wurde, die Kurkosten bei dem Bader für einen von ihm Ver- wundeten zu bezahlen. Er wird mit dem Lautenmacher und Hofgeigenmacher des Kaisers Maximilian, Bar- tholomäus Menckler (Merckler) identisch sein, der 157! für eine an die kaiserliche Kammer abgeführte Geige !0 Gulden Rhein, erhielt. Merlin, Joseph. — London. 1778. 1780 Arbeitete nach dem Stainermodell und war seinerzeit als genialer Erfinder von allerlei mechanischen Gegen- ständen berühmt. Er arbeitete gut. doch läßt der Ton seiner Instrumente zu wünschen übrig. Er verwendete meist ovale Zettel. Geigenzettel: Josephus Merlin / Cremonae Emulus / No. 104 Londini 1779/ Improved / Queen .'Xnn No. 66 Street Eeast / Portland Chapel (gedruckt). Mermlllot (Mermlllod), Maurice. — Paris. Geb. in Ober-Savoyen 1835, f 25. Sept. 1901 m Mirecourt Schüler von Gaillard in Mirecourt, ging als Gehilfe zu J. B. Vuillaume und später zu Gand. Während seiner militärischen Dienstzeit kam er nach Piemont, arbeitete bei Guadagnini in Turin und trat hierauf bei Gand & Bernardel und bei Gautrot ein. Er hatte seine Werkstatt zuletzt Rue Morel. Geigenzettel : M. Mermillot, luthier/ 18 rue Morel 1898/ Paris / Mermillot (gedruckt). Merosi, Giuseppe. — Firenzuola. 1846 Bei Valdrighi (2060) findet sich dieser Name, der in Firenzuola und der ganzen Umgebung gänzlich un- bekannt ist. Auch die Bürger- und Einwohnerlisten von Firenzuola wurden vergeblich durchforscht. Mertens, Johann Hemrich. — Hamburg Ein Instrumentenmacher, der am 16. März 1798 Bürger wurde. Merwe, van der. — (Transvaal). 1901 Ein Burengeneral, der in der englischen Gefangen- schaft einige Geigen machte, die in der Form sich den alten Gamben nähern und 1901 in London ausgestellt waren. Merz (Mörz, März). — Innsbruck. 1820 Die Galanteriewarenhändler Gebr. Merz ließen sich aus Mittenwald einen Geigen- und Gitarrenmacher samt dem nötigen Holz und Werkzeug kommen, der für sie arbeitete. Dagegen erhob Joh. Fritz mit Erfolg Einspruch. (Vgl. Dr. F. Waldners mehrfach genannte Nachrichten über Tiroler Lauten- und Geigenmacher.) Merz, August. — Altenburg. Geb. 1851 in Klingenthal, t 17. Juni 1910 Schüler seines Oheims Chr. Merz; arbeitete vier Jahre bei Ludwig Bausch & Sohn in Leipzig, machte sich 1877 zu Altenburg selbständig und ist 1885 zum Hof- Streichinstrumenten- und Bogenmacher ernannt wor- den. Er machte neue Streichinstrumente nach Stradi- vari und Guarnen und reparierte auch. Eigentümlich ist die Lage des Baßbalkens an den von ihm ausgebesserten Instrumenten. Seinen Ollack setzte er selbst zusammen. Er war Inhaber der silbernen Staatsmedaille der 1886er Landesausstellung. Geigenzettel: Aug. Merz / Hofinstrumentenmacher / Altenburg, S.-A. 18 (gedruckt). Geb. im M, ai Merz, Christian. — Zwickau 1817, t9.Mal 1899 Er erlernte das Geigenmachen in seiner vogtländischen Heimat und ließ sich nach einigen Wanderjahren in Zwickau nieder, wo er sich hauptsächlich mit Wieder- herstellungsarbeiten beschäftigte. Mesnll s. Du Mesnil Messeguer, ein um 1646 in Spanien vorkom- mender Lautenmacher Messerschmidt, J. — NeuWallenburg. 1876 Wahrscheinlich ein Tischler, der gelegentlich Geigen in Arbeit nahm, dabei aber keine Kunstfertigkeit an den Messini — Mettal 333 Tag legte. Da er auch den Lack durch einen dunkel- braunen Anstrich ersetzte, besteht die Befürchtung, daß er manche vielleicht gute Geige verdorben hat. Geigenzettel: Rep. im März 1876 / von J. Messer- schmidt, Neuwallenburg. (geschrieben). Messini, Girolamo. — Florenz. 1687 Sohn des Arcangelo M. Er machte Lauten und Gi- tarren und vielleicht auch Geigen, brachte es darm aber nicht zu sonderlicher Geschicklichkeit. Messori, Pietro. — Modena. Geb. in Modena 18. Okt. 1870 Ein talentvoller Geigen-, Gitarren- und Mandohnen- macher, der nach beendeter Lehrzeit in Mailand, Turin, Paris und München gearbeitet hat und 1894 der Nach- folger Giuseppe Sgarbis wurde. Er macht Kopien nach Stradivari, Guarnerl und Amati und verwendet meist Bernsteinlack von roter, rötlichgelber und gelber Farbe. Er baut auch Gitarren, Harfen und Klaviere. Bis 1900 besaß er bereits acht Bronze-, Silber- und Gold- medaillen von Turin, Nizza und Paris usw. Gelgenzettel: Abb. 54 i . Mest (Most), Jakob. — Füssen. 1606. f Nov. 1615 Er gehörte 1606 und noch 1612 der Füssener Lauten- macherzunft an. Nachkommen der Familie leben noch heute In der Füssener Gegend, darunter auch Musiker, aber keine Gelgenmacher mehr. Mest, Raphael. — Füssen. 1616. 1650 Angeblich ein Schüler Hartungs in Padua. Er wurde am Sonntag Lätare 1616 als Meister in die Lautenmacherzunft aufgenommen, nachdem er im Jahre vorher Maria Endres geheiratet hatte. Baron schreibt In seiner Untersuchung des Instr. d. Lauten (S. 93) von Ihm: »Was die Füssener Lauten anbelangt, so sind einige gar zu sehr nach der ältesten Art ge- arbeitet, nemlich Apffelrund, woran gemeiniglich nicht viel dran Ist, doch hat sich daselbst Raphael Mest, welcher bey dem berühmten Michael Härtung In Padua gelernt und Anno 1650 und 1627 gelebet, schon besser hervorgethan«. — Eine Laute von Ihm aus dem Jahre 1610 besitzt das Schlesische Museum für Kunstgewerbe und Altertümer In Breslau (Nr. 5516), eine solche von 1638 die Sammlung des bist. Vereins in Würzburg. Eine Laute, ganz aus Fichtenholz, sehr fein gearbeitet, befindet sich In der Sammlung von R. Leibbrand in Berlin. Die Stiftsbibliothek in LInköpIng besitzt eben- falls eine Laute von ihm aus dem Jahre 1707. Geigenzettel : Raphael Mest In Fiessen / Imperato nel Mesier Michael Härtung / In Padua me feclt anno .... (gedruckt). — Raphael Mest / In FIeßen 1638. Metelka, Josef. — Pasek a. Iser. Geb. um 1842, t August 1880 Sohn des Venceslav M. und Schüler seines Bruders Wenzel. Er arbeitete bei Schweitzer und Zach als Ge- hilfe und erfreute sich später mit Recht des Rufs, ein tüchtiger Meister zu sein. (Bei Gelgen, die er selbst neu gemacht hat, fehlt auf dem Zettel das Wort »opra- vll<'). Auch seine Tochter Johanna beschäftigte sich mit dem Geigeninachen. Sein Nachfolger wurde 1888 sein ehemaliger Schüler Potocka. Geigenzettel : Josef syn Venceslava Metelky / Opravil V Pasekäch pod Krkonosi 18 . . (opravil = repariert), (gedruckt). Metelka, Josef. — Glasersdorf a. Iser = Skle- närice (Böhmen). 1880. 1892 Schüler von Josef Metelka In Pasek. Nachdem er als Gehilfe bei F. WItäcek und W. Pekelsky gearbeitet hatte, machte er sich in Glasersdorf um 1880 selb- ständig. Er Ist ein geschickter Geigenmacher, der alles an seinen Geigen selbst macht und keinerlei Bestand- teile von Fabriken bezieht. Gelgenzettel : Josef Metelka / hotovitel snuyce nastroju ve Sklenaricich / u Vysokeho n. Jlzerou / Opravil dne 1 zaVI 1892 (gedruckt). Metelka, Venceslav. — Pasek a. Iser (Böhmen). Geb. um 1810—1815 m Sklenäri'c, f 1868 Er bildete sich durch Selbstunterricht nach dem Wett- engelschen Lehrbuche zum Gelgenmacher aus und brachte es zu anerkennenswerter Geschicklichkeit. Seine Arbeit Ist sauber und das Holz meist recht gut, nur der Lack läßt zu wünschen übrig. Gelgenzettel : Zhoto venä / od / Venceslava Metelky / V Pasekäch / nad Izerou (gedruckt). Metelka, Wenzel. — Pasek a. I. 19. Jahrh. Sohn und Schüler von Vene. M. Als Gehilfe arbeitete er in mehreren mährischen Städten und starb bald nach seiner Rückkehr in die Heimat. Methfessel, Gustav. — Bern. Geb. in Bern 1839, t 1910 Schüler von Peter Schulz In Regensburg, einer der be- deutendsten Schweizer Gelgenmacher. Nach beendeter Lehrzelt arbeitete er In Wien und machte sich 1864 selbständig. Er baute seine Gelgen nach alten Meistern und nach eigenen Modellen und verwendete OUack. 1898 zog er sich vom Geschäft zurück und ließ sich in Hilterfingen bei Thun nieder. Sein Nachfolger wurde Lütschg. Geigenzettel: Abb. 544. Meszäros, Stefan (Istvan), hat eine Instru- Mettal. — Freyberg. Anfang des 19. Jahrh. 1 ^ ^ ..: 1^1 ,.^ ^U,,^r,{V^ Eine Lyragitarre der Sammlung Snoeck (Nr. 349) in mentenmacherwerkstattm Klausenburg (Ko- ßerlln trag? den Zettel »Mettal-Instrumentenmacher in lozsvär) Freyberg«. Man wäre versucht, zu glauben, daß es sich 334 Mette — Meyer um einen Metall-(Blech-)Instrumentenmacher handelt, obwohl hiergegen schon das Instrument selbst spricht. Der Name ist böhmisch, und noch heute lebt ein Gi- tarrenmacher namens Ignaz Mettal in Schönbach (Böhmen). Mette, Fran^ois. — Mirecourt. 1855 Ein Geigenmacher, der 1855 die Pariser Ausstellung beschickte, aber nur Mittelmäßiges leistete. Metzinger, Michael. — Aschaffenburg. Geb. 27. Okt. 1807 In Aschaffenburg, f daselbst 22. Febr. 1886 Hauptsächlich Zithermacher, von dem sich eine Schlagzither in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln befindet (Nr. 468). Geigenzettel: M. Metzinger Saiten- Instrumenten- macher / in Aschaffenburg (gedruckt). Metzker, Josef. — Raab (Ungarn). 1915 Geigenmacher. Metzner, Ernst Emil. — Riga. 1861 Ein Musiker, der sich mit Geigenreparaturen beschäf- tigte, diese aber recht dilettantisch ausführte. Geigenzettel: Reparirt von Ernst Emil Metzner / Musikus in / Riga / 1861 (gedruckt). Meulen s. Van der Meulen Meusler, Wilhelm.— 1794 (?) Anton Hüller in Graslitz Nr. 188 besitzt eine Geige mit dem Zettel: »Wilhelm Meusler / bürgerlicher Geigenmacher / 794. (gedr.).« Wahrscheinlich ein Mit- glied der Familie Meisel. Meyer, Adolph. — Dresden, (Mark)Neu- kirchen. 1787. 1798 Eine Geige (in amerikanischem Besitz), die als Brand- stempel die Jahreszahl 1 780 zeigt, enthält einen Zettel mit dem Namen »Adolph Meyer, Dresden 1787«. Eine andere, von 1798, ist aus Neukirchen datiert. Weder in Dresden noch in Markneukirchen ließen sich Ur- kunden über diesen Geigenmacher auftreiben. Er scheint im Umherziehen gearbeitet zu haben, war aber dem Anscheine nach nicht ungeschickt. — Auch ein Ferdinand Meyer soll in (Mark)Neukirchen vor- kommen. Meyer, C. A. — Görhtz. 1794 Erfinder eines Bogenklaviers, das er »Bogenflügel« nannte; ob er sonst noch Musikinstrumente machte, ob er überhaupt Fachmann und nicht Dilettant war, ließ sich nicht feststellen, denn sein Name kommt weder in den Görlitzer Bürgerrechtslisten noch in den Geschoß- büchern vor. Meyer, Carl L. — Rixdorf. 1901 Er arbeitete 40 Jahre lang als Gehilfe, war lange Zeit in Paris tätig und soll sich nebenbei als Tanzlehrer versucht und später religiöse Vorträge gehalten haben. Im Juli 1901 eröffnete er in Rixdorf seine eigene Werk- statt und war dann in einen Aufsehen erregenden Prozeß verwickelt. Meyer, Daniel. — Lübeck, Riga. 1597 Im Lübecker Niederstadtbuch kommt am 22. Juli 1600 Ernestme Clendorp, die Witwe des um 1585 ver- storbenen Jürgen Lampe vor, die in zweiter Ehe den Zithermacher Daniel Meyer geheiratet hatte. Dieser soll nach ihrer Angabe um 1597 nach Riga gereist und dort gestorben sein. Meyer, Hemrich. — Freiburg i. B. Geb. um 1830 in Braunschweig, f um 1895 in Frei- burg Ursprünglich Musiker, beschäftigte er sich erst nur aus Liebhaberei mit dem Geigenmachen. Er war durch 16 Jahre Hofmusiker in Karlsruhe und ließ sich 1883 in Freiburg als Geigenmacher nieder. Daß er selbst neue Geigen gemacht hat, ist zweifelhaft, aber er be- schäftigte einen Markneukirchener Gehilfen m den Jahren 1884 — 1886, und in dieser Zeit wurden in seiner Werkstatt verschiedene neue Geigen gemacht, die auf- fallend an die Markneukirchener Art erinnern. Das Deckenholz ist gut, der Boden meist deutscher Ahorn, die Arbeit im ganzen sauber, der Ton mittelmäßig. Bei Reparaturen verwendete er einen Gummistempel, sonst geschriebene Zettel. Geigenzettel: H. Mej'er. fec. / Freiburg r. Brg. 1886. (geschrieben). Meyer, Johann Mathias. — Hamburg. 1758 Vermutlich Sohn von Magnus Andr. M. und diesem angeblich in der Arbeit nahestehend. Meyer, Joseph. — Pfaffenhausen? 1668 Eine Tenorgeige in W. Heyers Musikhistorischem Mu- seum in Köln trägt einen schwer lesbaren Zettel, dessen Ortsbezeichnung G. Kinsky mit Braffenhausen oder Grafenhausen zu deuten versucht. Ich lese Bvaffen- hausen. Ist das richtig, dann käme wohl nur das in Schwaben unweit von Füssen hegende Pfaffenhausen in Frage. Meyer, Magnus Andreas. — Hamburg. 1732. 1753 Wahrscheinlich ein Schüler Tielkes, den er nachahmte. Er wurde am 27. Februar 1733 in Hamburg als In- strumentenmacher Bürger. Am häufigsten trifft man Violoncelli von ihm, die durch ihr kurzes, aber sehr breites Modell auffallen. Ein im Geschmacke Tielkes in allen Teilen reich verziertes Violoncello aus dem Jahre 1752 befand sich in der Sammlung Hammer in Stockholm. Boden und Decke schwach gewölbt, am Wirbelkasten ein Frauenköpfchen. Sein Lack ist gelb oder gelbbraun. Ein Saiteninstrument des Museums in Gothenburg, bezeichnet »M. Meyer« und darunter eine Lilie, ist möglicherweise auch von ihm. Ein Violon- cello von ihm besitzt G. Withers in London. Geigenzettel: Abb. 517. Meyer — Miclielot 335 Meyer. — Mittenwald. 1842 Ein Geigenmacher, bei dem die alten Traditionen der Mittenwalder Schule noch zu erkennen sind, wenn er auch nicht zu den hervorragenden Meistern zu zählen ist. Sein Sohn (?) soll sich in Partenkirchen nieder- gelassen haben. Meynieu, F. — Bordeaux. 1900 Musikinstrumentenhändler, der eine Geigenmacher- werkstatt besitzt, die Ch. Resuche leitet. Mezzabotte (Mezzoboste), Domenico Giovanni Battista(?). — Brescia. 1720. 1765 Ein Meister dieses Namens soll schon I 720 in Brescia gelebt haben. Einen einwandfreien Beleg dafür konnte ich bisher nicht finden, wohl aber bin ich geneigt, diesen Namen für ein Seitenstück zu »Acevo« und »Sapino« zu halten; mezzobusto heißt Bruststück, und wenn dieses Wort z. B. auf der inneren Decke ge- standen hat, so mußte es nicht gerade den Namen des Verfertigers bezeichnen. Mezzadri, Alessandro. — Ferrara. 1690. 1732 Er war, wie Citadella in seinen »Notizie relative a Ferrara* im Kapitel: »Musici, Organisti, Cantori e Comici« sagt, nur ein mittelmäßiger Geiger, aber ein trefflicher Geigenmacher Seine Geigen gehen zwar auf Nicolas Amati zurück, sind aber oft unschön in der Form, die F-Löcher allzu nahe beisammen. Der Lack ist rötlichgelb oder braunrot und nicht schlecht. Der Name kommt in allen möglichen Verdrehungen vor, muß aber nach dem Zettel richtig Mezzadri heißen. Eine schöne Violine von ihm aus dem Jahre 1 708 besitzt Hofkonzertmeister Prof. Carl Prill in Wien. Geigenzettel : Abb. 534. Mezzadri, Francesco. — Mailand. 1700. 1750 Seine Arbeit ist gut, sein Lack sehr durchsichtig und von rötlicher Bernsteinfarbe. Geigenzettel : Francesco Mezzadri ; fece in Milano I 749. (geschrieben). Mezzano, Fredenco (Fedengo). — Venedig. 1695 Eine Taschengeige von ihm befindet sich in den kunst- historischen Sammlungen des A. H. Kaiserhauses in Wien (Inv. Nr. 4071). Der Rücken zeigt Zickzack- bänder von Elfenbein und Ebenholz ; statt der Schnecke ist ein Mohrenköpfchen angebracht. Das feine Instru- ment ist 555 mm lang, 45 mm breit. Geigenzettel : Federico Mezzano fecit Venezia Anno 1695 (gedruckt). Mialfi, Juan. — ? 1769 Wenig bekannter spanischer Lautenmacher. Miani. — Bologna. 1 . Hälfte des 19. Jahrh. Die Geige, die ich mit diesem Namen sah, schien von Mirecourter Herkunft gewesen zu sein ; vielleicht hat Miani Schachteln von dort bezogen und verarbeitet. Michael, Ferdinand. — Zallenfelde i. P. 1842 Wahrscheinlich ein Musiker, der auch Geigen repariert hat. Geigenzettel : Repariert Ferd. Michael / Zallenfelde bei Pr. -Holland (geschrieben). Michaud. — Paris. 1788. 1789 Er wohnte Rue Guerin-Boisseau, an der Ecke der Rue Saint-Denis. Mehr weiß auch Vidal von ihm nicht anzugeben. Michel, Alphonse, lebt in Paris Micheli, Giuseppe. — Gajato (Modena). 1 884. 1894 Unbedeutender modenesischer Geigenmacher vom Ausgang des 19. Jahrhunderts. Michelis, Peregrino (Pelegnno) di Zanetto. — Brescia. Geb. um 1520; soll 1603 noch ge- lebt haben Sohn und wohl auch Schüler Zanetto de Michelis'. Trefflicher Lauten- und Violenmacher. Er war jeden- falls, solange sein Vater lebte, also wenigstens bis 1561 , bei diesem tätig, und Livi fand ihn nicht vor 1563 als »Magister a violinis« bezeichnet. Seine Söhne Giovanni (»Zuan«), geb. um 1565, und Baptistino, geb. um 1571, werden als »citherarii apud S. Franciscum« bezeichnet, haben also den väterlichen Beruf fortgesetzt, und wahr- scheinlich hat dies auch sein jüngster Sohn Frances- chino (geb. 18. Juni 1579, f 8. Juni 1615) getan. Eine wunderbare sechssaitige Baßviola von 1547 besitzt das Museum des Konservatoriums m Paris. In London war 1885 ein sehr schöner Tenor ausgestellt. Man kennt auch Lyren und Harfen usw. von ihm. Er wird gewöhnlich kurzweg Peregrino Zanetto genannt, und sein Name kommt sogar in Violinen vor, die schwerlich von ihm herrühren dürften. In den Urkunden wird er als »Magistro de instrumenti de sonar* oder >>Magistro di cittere et lire« bezeichnet. Ein Violoncello von ihm aus dem Jahre 1600 (?) von gewöhnlicher Form wird in der Sammlung Correr in Venedig aufbewahrt. Er gehört zu den Meistern, deren Zettel mit Vorliebe und Unverstand gefälscht werden. Michelis, Zanetto^) de. — Brescia. Geb. um 1 495 vermutlich in Montechiaro bei Brescia Man weiß nur, daß er Lauten und Zithern gemacht hat. In den Dokumenten wird er »Citharedus « genannt. Michelot, Jacques-Pierre. — Paris. 1 760. 1 800 Geschätzter Lautenmacher. Von ihm befindet sich eine kleine Gitarre im Pariser Konservatorium (Nr. 1062). Er wohnte schon 1 778 Rue Saint-Honore Nr. 255 und hat vorzugsweise fünfsaitige Violen, Lauten, Mando- linen und Gitarren gemacht. Sein Lack verdient Lob. Seine Geschäftsempfehlung lautet : »renomme pour les guitares en bateau dont les avantages sont de reflechir le son au dehors d'une maniere plus sensible, et pour faire d'excellentes quintes et violons«. Geigenzettel: Abb. 527. ^) Dialektform für Gianetto. 336 Michels MilL er Michels, H. — Königsberg i. Pr. 1875 Sein Name kommt auf einigen Reparaturzetteln vor. Michiels, Egidius (frz. Gilles). — Brügge. Brüssel. 1755. t im Mai 1783 Schon in Brügge war er Hoflautenmacher. In Brüssel finden wir ihn erst im Hofdienst, nachdem Henri Augustin Snoeck, der zum ersten Geiger der Hofkapelle ernannt wurde, sein Amt als Hoflautenmacher nieder- gelegt hatte. Eine Gitarre von ihm besitzt die Samm- lung Snoeck (in Berlin). Geigenzettel: Egidius Michiels, Luthier / de la Cour a Bruges 1770 (gedruckt) und Abb. 539. Michonny, Michael. — Avenione (Avignon). 1743 Trefflicher Geigenmacher, der ein großes, flaches Pa- tron verwendete. Eine sehr schöne Geige dieses Meisters besaß der berühmte Violinist Pugnani. Geigenzettel: Michael Michonny fato / in Avenione anno 1743 (gedruckt). Micle (?), Gennaro. — Neapel. 1823 Wird von Valdrighi (4309) als Gitarrenmacher erwähnt. MicoUier. — Lyon. 1822 Er war mit Alba verbunden, soll aber mehr Kaufmann als Geigenmacher gewesen sein. ^ Geigenzettel: Repare par Micollier / et Alba luthiers, place / Confort No. 12 ä Lyon / 1822 (gedruckt). Middleton, H. S., lebte im 19. Jahrhundert in Providence (Rhode Island) Middleton, J. — Doven Post Office (South Gippsland, Australien). 1888 Er machte einige interessante Versuche, Geigen aus australischem Orangeholz herzustellen. Mier, J. — London. 1780. 1786 Man kennt bis jetzt nur seinen Namen, aber keine Arbeiten von ihm. Migge, Otto. — Koblenz, London. Geb. 16. Juni 1857 in Koblenz, wo er 1885 ein Atelier für Kunstgeigenbau eröffnete Er ist Autodidakt, war ursprünglich Kaufmann, dann Eisenbahnbeamter und schrieb ein kleines Buch : »Das Geheimnis der berühmten italienischen Geigenbauer ergründet und erklärt von Otto Migge in Koblenz a. Rh.« (Frankfurt a. M. 1 894, Gebr. Staudt, 80 Seiten, mit dem Porträt des Verfassers), das sehr verschiedene Beur- teilung fand (z. B. Mus.-Instr.-Ztg. 1894,93 Nr. 6, De Wits Zeitschr. 1894, Nr. 6 [D. Hiller] usw.). Da- gegen fanden seine Geigen mehrfache Anerkennung, so von Wilhelm) usw. Er ahmt die italienischen Meister nach den von ihm aufgestellten Grundsätzen nach und ist Ehrenmitglied des Konservatoriums in Barcelona. Ende der neunziger Jahre siedelte er nach London über. Migliai, Antonio. — Florenz. 1682. 1703 Sohn des Michelangelo M. Er wohnte 1684 bei der Jesuitenkirche. Außer Cembali und Harfen hat er wahrscheinlich auch Lauten gemacht. Eine Arpanetta (Spitzharfe) von 1 703 beistzt W. Heyers Musikhistori- sches Museum in Köln. Näheres über diesen Meister teilt Konservator G. Kinsky in seinem trefflichen Ka- talog des genannten Museums, Bd. I, S. 246 mit. Geigenzettel : Antonius de Migliais Florentinus Fecit anno / 1703 (gedruckt). Mignard, Jean. — Troyes. 1662 Geschickter Meister, von dem es wundervoll ausge- führte Taschengeigen gibt. Milani, Francesco. — Mailand. 1742 Schüler von Lorenzo Guadagnini. Einer der sorg- fältigsten Nachahmer Stradivaris unter den Mai- ländern. Milani (Milano), Giuseppe Carlo. — Mailand. 1769 Er soll schon im Anfang des 18. Jahrhunderts vor- kommen. Seine Geigen nähern sich dem Amatimodell. Milch, A. — Mainz. 1870. 1881 Ein braver Geigenmacher, wenn auch gerade kein Künstler. 1881 übernahm der bis dahin in Magdeburg ansässige Gust. Günther aus Halle sein Geschäft. Milch, Louis. — Basel. 1883 Wahrscheinlich mit dem Mainzer Geigenmacher ver- wandt oder identisch. Milella, Giuseppe, der Nachfolger Vitos, lebt als Geigenmacher in Lecce Milella, Vito. — Lecce. 1870.1880 Er galt seinerzeit für recht geschickt. Mühet. — Bayonne. 1820 Geigen mit diesem Namen kommen ab und zu vor; sie sind von handwerksmäßiger Arbeit und haben gelbbraunen Lack. Millbach, Ig. — Prag. 1800 Vielleicht ein Schüler von Joh. G. Hellmer. Eine schöne gelblackierte Violine von ihm besitzt Eman. Ed. Ho- molka in Prag. Mille. — Aix. 18. Jahrhundert Eine von ihm restaurierte Taschengeige befindet sich in Brüssel im Museum des Konservatoriums (Nr. 492). Miller. — London. Wohl vor 1750 Es gibt Zettel mit diesem Namen, auf denen eine lange Geschäftsempfehlung steht. Ob dieser Miller aber selbst Geigenmacher war, ist sehr fraglich; dem Zettel nach dürfte er nur Händler gewesen sein. Er wohnte London Bridge und hatte das Ladenschild: »At the Citern«. Miller — Miremont 337 Miller, Alexander. — St. Andrews. Geb. 1813 Mlquel. — Mirecourt in St. Andrews, f das. 1877 Er war ursprünglich Friseur, kam dann zu Thomas Hardie, der sein erster Lehrer im Geigenmachen wurde, und dann zu William Yoole. Er ahmte eine von Vuil- laume nach Stradivari gemachte Geige nach. Miller, Andreas. — Riga. Geb. 8. (20.) Febr. 1853 in Upsil bei Walk (Livland), f 13. (26.) Nov. 1908 in Riga Er war Direktor einer Realschule und beschäftigte sich aus Liebhaberei theoretisch und praktisch mit dem Geigenbau. Außer Berechnungen und Zeichnungen für Geigenmodelle hat er etwa ein Dutzend Violinen und zwei Bratschen gemacht und sich auch viel mit der Bereitung von Geigenlack befaßt. Miller, George. — London. 1669 Guter englischer Gambenbauer des 17. Jahrhunderts. Geigenzettel: George Miller, / Court Bishopsgate ; London 1669 (gedruckt). Eri rie Miller, John. — Dundee. Geb. in (Orkney- Inseln) 18. Sept. 1861 Von Hause aus war er Kunsttischler und verlegte sich erst 1897 auf die Geigenmacherei. Er hat seitdem etwa 30 Violinen nach Stradivari gemacht und verwendet Whitelaws roten Ollack. Seine Arbeit wird gelobt. Geijenzettel: John Miller / Dundee, 1898 (gedruckO. Milne, Patrick G. — Aberdeen. Geb. 30. Jan. 1873 in Aberdeen Ein hoffnungsvoller schottischer Geigenmacher, der nach Stradivari und Guarneri arbeitet. Er verwendet Öllack. Geigenzettel : Patrick G. Milne / Maker / Cults, Aber- deen. (gedruckt). Minelli, Giovanni. — Bologna. 1808. 1809 Einer der vielen italienischen Geigenmacher, die keinen Teil an den Verdiensten ihrer großen Landsleute hatten, wenn sie auch deren Werke nachahmten. Minelli, Lorenzo. — Florenz. 1664 Ein Lautenmacher, von dem man nicht viel mehr weiß, als daß er der Sohn eines Francesco M. war. Mingazzi, Luigi, lebt als Saiteninstrumenten- macher in Ravenna Minozzi, Matteo. — Bologna. 1767. 1769 Ein wenig bekannter, aber doch recht geschickter Geigenmacher, von dem der akad. Zeichenlehrer und Organist Oswald Bogs in Bromberg eine Violine vom Jahre 1767, mit prächtigem, glanzvollem Ton besitzt. De Piccolellis gibt nur den Namen, P. de Wit nur seinen Zettel: Matteo Minozzi / F. Bon. 1769 (gedr.). V. Lü t g-c n d orf f , Giig-on- und Lautinm.ulur. Bil. II liqi Eine alte Bogenmacherfamilie, von der A. Jacquot die folgenden nennt : Claude 1764, Jean-Claude 1776, Jean-Nicolas 1778. 1787 und Nicolas-M. 1765. Miquel.Emile. — Mirecourt. Geb. 1851, t 1911 Guter Bogenfabrikant. Sein Sohn, geb. 1889, ist sein Schüler und Nachfolger. Miraucourt, Claude. — Verdun. 1741. 1749 Wahrscheinlich ein Bruder oder Sohn von Joseph M. Eine fünfsaitige Viola von ihm mit einem lorbeer- bekränzten Frauenköpfchen am Wirbelkasten war 1889 in Paris ausgestellt und gehört A. Jacquot. Eine Viola von 1749 besaß ein Musiker in Straßburg. Geigenzettel: Claude Miraucourt ä Verdun / 1741. (geschrieben). Miraucourt, Joseph. — Verdun. 1736. 1749 Als Violenmacher war er recht geschätzt. Musiklehrer Himmel in Lahr besaß 186! ein sehr gutes Violoncello von 1743 von ihm, ein gleiches aus demselben Jahre Romer in Freiburg. Geigenzettel: ä Verdun par ' Joseph Miraucourt / 1740 (gedruckt). Miremont, Claude -Augustin. — New York Paris. Geb. 1827 in Mirecourt, f in Pontor- son Ende 1887 Schüler seines Vaters Sebasti;n M. und von C. N. Col- lin Menzin; kam 1844 nach Paris, wo er zunächst an verschiedenen Stellen als Gehilfe arbeitete. Er wanderte 1852 nach Amerika aus und ließ sich in New York als Geigenmacher nieder, kehrte aber 1861 wieder nach Paris zurück und eröffnete seine Werkstatt in der Rue du Faubourg-Poissonniere Er kopierte trefflich Jos. Guarnerius, Stradivari, Gagliano und Klotz und ge- hört zu den besten Parisern des 19. Jahrhunderts. Geigen von ihm werden schon jetzt recht hoch bezahlt. Seine Versuche, den Ton der Instrumente durch Einsetzen eines zweiten Stimmstocks zu erhöhen, müssen jedoch als mißglückt bezeichnet werden. Er erhielt eine ganze Reihe von Medaillen usw. Er ist auch ein trefflicher Bogenmacher gewesen. Im Jahre 1884 zog er sich vom Geschäft zurück und ließ sich in Belleville und dann in Pontorson nieder. .'Xm besten glückten ihm Violoncelli; an diesen waren die Umriß- linien und die F-Löcher besonders schwungvoll. Sein Lack war gewöhnlich orangerot. Geigenzettel : Expositions universelles de 1853-55-62-67 Quatre premiers prix. , C. A. Miremont. Brevete S. G. D. G. / A. M. Paris an 1875 A. Miremont. (gedruckt), und Abb. 543. Miremont, Sebastien. — Mirecourt. Geb. um 1806. Lebte noch 1842 Ein gewöhnlicher Mirecourter Geigenmacher, wie es viele gibt. 22 338 Mi irzer Möcke Mirzer(?), Jean Michel. — ? Eine Laute im SchlesiscKen Museum für Kunstgewerbe und Altertum in Breslau (Nr. 857) enthält angeblich die Inschrift »Jean Michel Mirzer m'at reparre«. Es wird wohl Joh. Mich. Stirtzer heißen müssen. Mitchell, George. — Edzell. Geb. 1823 in Coltshill, t 28. Febr. 1897 in Edzell Castle Er war ein guter Geiger und Pfeifer, und als er 1847 das Unglück hatte, einen Finger seiner linken Hand zu verlieren, verlegte er sich auf das Geigenmachen. Seine Geigen, die recht gut sind, hatten anfangs eine zu hohe Wölbung: später wurden sie flacher. 1887 wurde er zum Aufseher oder Verwalter des Schlosses Edzell ernannt. Er verwendete verschiedene Zettel und verkaufte seine Geigen durchschnittlich zu 20 — 25 Mk. Geigenzettel: Georg Mitchell / Edzell 1880 (ge- druckt). Mitsching, Leopold. — Elberfeld. Geb. 1865 in Düsseldorf Lernte bei dem Instrumentenmacher Ferd. Moser in Düsseldorf, wo er 12 Jahre tätig war und sich früh- zeitig mit der Wiederherstellung von Streichinstrumen- ten beschäftigte. Nach kurzer Wanderzeit machte er sich 1894 in Elberfeld selbständig. Er befaßte sich seitdem besonders mit der Herstellung von Musik- instrumenten für die Militärkapellen, doch sind in den letzten Jahren auch sieben neue Geigen aus seiner Werkstatt hervorgegangen, die sehr gelobt werden. Geigenzettel: Repariert 19 / L. Mitsching, Elber- feld/ Hof- Instrumentenmacher, (gedruckt). [Wappen]. Mitteis, Anton. — Leitmeritz. Geb. um 1791, t 16. Dez. 1870 in Leitmeritz Schüler von Stauffer in Wien. Am 10. März 1826 erwarb er das Bürgerrecht in Leitmeritz. Da seine Frau Elisabeth Hellmer aus Wien stammte und er in Wien gelernt hatte, ist er selbst vielleicht auch in Wien ge- boren. Er war der beste unter den älteren Meistern in Leitmeritz. Seine Geigen haben schönen, edlen Ton, sind in der Form sehr sauber nach dem Stradivan- modell gemacht und zeigen einen rötlichgelbenSpintus- lack. Er machte auch Geigen nach russischem Modell und in der Form von Gitarren, wobei der Wirbelkasten statt einer Schnecke eine einem Stockgriff ähnliche Form zeigt. Sehr gut sind auch seine zahlreich vor- kommenden Gitarren. Eine ungewöhnlich große Gi- tarre von ihm (Nr. 231) (Maschine und Bünde von Silber, der Hals von Ebenholz mit Elfenbeineinlagen) besitzt das böhmische Landesmuseum in Prag. Geigenzettel : Anton Miteis in Leitmeritz / Schüler von Staufer in Wien / Anno 1 839. (gedruckt). Mitterwald, K. — Leibitschgrund (Böhmen). 1895 Unbedeutender Musikinstrumentenmacher vom Ende des 19. Jahrhunderts. Möckel, Max. — St. Petersburg, Berlin. Geb. 1873 in Berlin Zweiter Sohn und Schüler seines Vaters Osw. M. Im Jahre 1897 ging er nach Rußland, arbeitete in Warschau und Moskau und zuletzt bei Geißer in St. Petersburg. .'\m 1. Oktober 1899 eröffnete er seine eigene Werk- statt. Er arbeitet nach Stradivari und besonders nach Guarneri del Gesü und machte im Jahre durchschnitt- lich 50 Instrumente. Durch den ersten Leibarzt Dr. Golonin wurde er auf ein im Handel nicht mehr vorkommendes Präparat aufmerksam gemacht, aus dem er in Verbindung mit dem Chemiker Golonin einen Geigenlack herstellte, der dem der alten Italiener nahe- kommen soll. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Ruß- land kehrte er wieder nach Deutschland zurück. In der Ausarbeitung ist er sehr sorgfältig und befolgt die von seinem Bruder aufgestellten Regeln, die er in jeder Richtung bestätigt gefunden hat. Geigenzettel : Max Möckel, Geigenmacher / St. Peters- burg, anno 1902 (gedruckt). Möckel, Oswald. — Berlin. Geb. 7. April 1843 zu Carlsfeld i. S.. t 12. März 1912 Schüler von Karl Grimm und Christian Adam, an welche beiden seine älteren Arbeiten auch erinnern. 1869 machte er sich selbständig und ist jetzt einer der besten Berliner Meister. Er kopierte die alten Italiener — wenn auch nicht sklavisch — und machte seine Geigen und Violoncelli ziemlich stark im Holz. In der Wiederherstellung schadhafter Instrumente leistete er Hervorragendes und galt auch als sehr geschickter Bogenmacher. Er gebrauchte zuletzt den Zettel: Abb. 528. Möckel, Otto. — Dresden, Berlin. Geb. 1869 zu Berhn Schüler seines Vaters Oswald M. Zu seiner weiteren Vervollkommnung ging er für mehrere Jahre nach London, war dann Werkführer bei seinem Vater in Berlin und hat sich erst in Dresden selbständig ge- macht. Sowohl im Neubau wie in der Reparatur von Streichinstrumenten leistet er Hervorragendes; nach dem Tode seines Vaters kehrte er nach Berlin zurück. Er ist ein feingebildeter Künstler, der auch theoretische Schulung besitzt und die alten italienischen Meister eingehend studiert hat. Er stellte eine neue Theorie der Bearbeitung von Decke und Boden auf, die zu über- raschenden Resultaten geführt hat und viel dazu bei- tragen dürfte, die Grundsätze zu erkennen, nach denen die größten Geigenmacher gearbeitet haben. So ist es ihm nach langen Versuchen gelungen, eine Geigenform zu konstruieren, die in der Mitte zwischen dem Mag- gini- und dem Stradivarlmodell liegt. Da hierbei nicht nur die Umrißlinien, sondern auch die Wölbung und das Stärkeverhältnis des Holzes beider Meister ge- mischt erscheinen, so erzielt er auch eine Klangfarbe, die in der Mitte zwischen Maggini und Stradivari liegt. Diese Geigen haben sich schnell eingeführt und werden von einer Reihe hervorragender Musiker bereits mit Vorliebe gespielt. Ein besonderes Verdienst hat er sich durch seine treffliche Neubearbeitung des Lehr- buches von Appian-Bennewitz erworben. Geigenzettel : Abb. 542. Moller — Mohte 339 Muller, A., hat eine Musikinstrumentenwerk- statt in Fredericia Möller, Max. — Amsterdam. Geb. 26. Aug. 1875 in Markneukirchen Nachdem er seine Lehrjahre bei H. Robert Nürnberger abgeschlossen hatte, arbeitete er bei H. Th. Heberlein und ging nach Beendigung seiner Militärdienstzeit zu Max Möckel nach St. Petersburg und von da zu van der Meer nach Amsterdam, wo er bis 1913 als Geschäftsführer tätig war. Hierauf machte er sich selb- ständig und arbeitet nach den alten italienischen Meistern, vornehmlich kopiert er Geigen, die ihm im Original zu Gebot stehen. Er verwendet ausschließlich einen selbstbereiteten Öllack und hat sich die An- erkennung weiter Kreise erworben. Auch als Bogen- macher wird er geschätzt. Geigenzettel: Max Möller. / Amsterdam: 1914. (von 1913— 1919) und Max Möller/ P. C. Hoofstraat 134 ,' Amsterdam (u. Monogr. 19 . .) (von 1920 an ver- wendet). Möller, Reinhard. — Bamberg. 19. Jahrh. Ein Tanzlehrer, der sich auch »Violinreparateur« nannte. Möller, Valentin. — Ziegenhain (Hessen- Kassel). 1834 Ein Schreiner, der sich mit dem Ausflicken alter Musik- instrumente einen kleinen Nebenverdienst verschaffte und auch einzelne Gitarren gemacht haben soll. Seinem Reparaturzettel mit Jahreszahlen bis etwa 1840 begegnet man öfter. Mönnig, Adolf. — Budapest, Debreczen. 1 860. f nach 1883 in Debreczen Er kam als Gehilfe aus dem Vogtlande zu J. M. Schunda und Brandl und wurde der Nachfolger des letzteren, dessen Witwe er heiratete. Er war nicht ungeschickt und arbeitete nach Stradivari, Guarneri d. G. und Maggini. Seine Geigen können den besseren vogt- ländischen gleich geachtet werden. Er verwendete einen braunen Lack auf gelbem Grund und machte allerlei fruchtlose Versuche, erfand emen Tonver- besserer, den er »Multiplikator* nannte, kam aber doch auf keinen grünen Zweig, so daß er, der früher schon sein Heil in Miskolcz, Losoncz und Klausenburg ver- sucht hatte, anfangs der achtziger Jahre nach Debreczen übersiedelte, wo er bald darauf starb. Vorübergehend war auch sein Neffe Josef Mönnig in Budapest ansässig. Geigenzettel: Abb. 521. Mönnig. — Markneukirchen Geigenmacher aus dieser Familie sind: Mönnig, Ernst Richard. — Geb. 14. Mai 1850 Tüchtiger Meister, der als Gehilfe bei Sitt in Prag und Bausch in Leipzig gearbeitet hat. Mönnig, Friedrich Wilhelm. — Geb. 19. Juni 1864 Mönnig, Heinrich Adolf. Geb. 16. März 1853 Mönnig, Oskar. — Geb. 8. Okt. 1876. Schüler von E. A. Kretzschmann Moermans, Hans (oder Jan). — Antwerpen Wurde 1570 als Clavecinmacher in die Gilde aufge- nommen; lebte noch 1610, wo er als Baßsänger im Kirchenchor vorkommt. Moers, Jean Henri. — Paris. 1771 Er war geschworener Meister der Pariser Laute n- macherzunft für 1771, doch sind Violinen von ihm bisher nicht bekannt geworden. Most s. Mest Moftat. — 19. Jahrhundert Englischer Geigenmacher, Schüler von Kennedy. Mohr, Philipp. — Hamburg. — 1650 Ein Violen- und Lautenmacher, der in Gerbers Lexi- kon (B. I, S. 958) als berühmt bezeichnet wird, den Sandys und Forster hervorheben, von dem Hart er- zählt, daß er Violen und Gamben gemacht habe, über den aber in Hamburg nichts bekannt ist, der also sicher dort nicht Bürger geworden ist. Mohte, Jöran. — Engelholm. Geb. 23. Juli 1724, 14. Mai 1773 Ältester Sohn und seit etwa 1 740 Schüler von Johsinnes Georg M. Er wurde 1748 Geselle und machte sich 1748 selbständig. Neben seiner Werkstatt betrieb er seit etwa 1758 auch eine Krugwirtschaft. Arbeiten von ihm sind bisher nicht bekannt geworden. Mohte, Johannes Georg. — Engelholm. Geb. um 1690, t 16. März 1765 Da er in seiner ersten Zeit deutsche Zettel verwendete, später auch französische, darf man ihn wohl für einen aus dem Ausland nach Schweden eingewanderten Gei- genmacher halten. Er war recht geschickt und scheint trotz seines abgelegenen Wohnortes gut zu tun gehabt zu haben, da er sowohl seinen Sohn als auch Jakob Helman, der später sein Schwiegersohn wurde, zu Geigenmachern erzog. Verheiratet war er mit Inger Pahlsdotter (f 1 752). Seine Arbeit erinnert rtellenweise an die Joachim Tielkes in ihren reichen und geschmack- vollen Beineinlagen. Am Wirbelkasten brachte er gerne Drachenköpfe an. Er scheint sich, vielleicht krankheits- halber, vom Geschäft zurückgezogen zu haben, nach- dem sein Sohn und sein Schwiegersohn sich selbständig gemacht liatten. Das Musikhistorische Museum in Stockholm bewahrt eine reichverzierte Viola da Gamba und ein etwas sorgloser ausgeführtes Violoncello von ihm aus dem Besitze der Lunde. Universität. Ein anderes Violoncello von ihm besitzt Direktor Fritz Ahlberg in Stockholm. Geigenzettel : Johannes Georg Motte geigen / macher Engelholm Anno 1726 (geschrieben). — Johannes George Mohte / Engelholm Anno Christi] 1751 (ge- schrieben). — Jean George Mohte ; Engelholm Ao 1 735 (geschrieben). 22* 340 Mohte — Mollenberg Mohte, Önnert Jörgen. — Engelholm. Geb. 24. Aug. 1748. t 22. Mal 1803 Schüler seines Vaters Jöran M., dessen Geselle er um 1 770 wurde. Nach des Vaters Tod führte er mit der Mutter das Geschäft fort und erbte 1 778 die väterliche Werkstatt. Doch scheint er die Geigenmacherei früh- zeitig aufgegeben zu haben, da sich in semem Nach- laß keinerlei Musikinstrumente vorfanden. Molnel, Barthelemy. — Mirecourt. 1789 Bogenmacher. Moinel, Charles. — Paris. Geb. 24. Juni 1866 in Paris Sohn von Franc^ois M. Schüler seines Vaters und von Emile Germain. Neffe von N. E. Cherpitel. Nach dem Tode des letzteren (1893) führte er dessen Werkstatt für die Witwe fort und ist seit 1897 der Nachfolger semes Oheims. Geigenzettel : Charles Moinel / Succ'' de E. Cherpitel, / Paris 16 rue du Faube Poissoniere (gednickt) und Abb. 539. Moinel, Fran^ois. — Paris. 1860. 1870 Geschickter Geigenmacher; da er jedoch nie selb- ständig war, gibt es nur sehr wenig Geigen, die seinen Namen tragen. Moitessier, Louis. — Mirecourt. 1781. 1824 Sehr fleißiger, aber durchaus mittelmäßiger Geigen- macher. Seine Versuche, Geigen ganz aus Ahornholz herzustellen, seien hier nur der Seltsamkeit halber er- wähnt. Er hatte ein großes, langes Modell; sein Lack ist dunkelbraun und ohne Feuer. Statt der Schnecke brachte er manchmal Löwenköpfchen an. Daß er 1810 in Paris gearbeitet hat, ist ungewiß; wohl aber hat er Arbeiten aus Paris datiert, was übrigens die Mire- courter bis auf den heutigen Tag gerne tun. Er war jedoch ein guter Lehrer. Einer seiner Schüler ist Cl. V. Rambaux. Außer seinem Zettel gebrauchte er oft auch eine Brandmarke: »Moitessier ä paris«, oder nur »Moitessier«. Geigenzettel : Ludovicus Moitessier fecit , anno Do- mini 1781 (gedruckt). Moitessier, P.A. — Montpellier. 1833. 1847 Er stammte aus Carcassonne und war hauptsächlich Orgelmacher, doch hat er verschiedene Geigen ge- macht, und noch kürzlich wurde eine Violine von ihm in England verkauft und gut bezahlt. Geigenzettel : Abb. 560. Mola, Francesco. — Cremona. Geb. 1641 Wahrscheinlich ein Schüler N. Amatis, bei dem er 1653 arbeitete. Molgedey, Johannes Rudolf. — Königsberg i. Pr. Geb. 1876 in Königsberg 1. Pr. Nach Absolvierung der Realschule bildete er sich zunächst durch Selbstunterricht zum Geigenmacher aus, arbeitete dann 2 Jihre lang bei Martin Kriner und begründete 1895 sein Geschäft. Er ahmt hauptsächlich Stradivan und Guaineri nach und wendet nur Ollack an, und zwar Grundlack und Farbe, die wenig Ver- wandtschaft miteinander besitzen, wobei er »durch Gebrauch einer widerstrebenden Substanz« die Ver- schmelzung beider Lacke zu hindern sucht. Er studierte mehrere Semester lang Chemie an der Hoch- schule, um der Lackfrage auch wissenschaftlich näher zu kommen, und stellte verschiedene Versuche an, ver- wahrt sich aber entschieden dagegen, irgendwelche der ihm zugeschriebenen »Erfindungen« gemacht zu haben. Er arbeitet peinlich genau und ist deshalb auch ein ausgezeichneter Reparateur und wird als solcher von den ersten deutschen Geigern gern in Anspruch ge- nommen. Daß er selbst ein vorzüglicher Geiger ist, kommt ihm bei seiner Arbeit begreiflicherweise sehr zu statten. Geigenzettel : Job. Rud. Molgedey / Königsberg i./Pr. 1897. (gedruckt). Molla, Angelo. — Genua. 1758. 1760 Seme Arbeit ist nicht schlecht und sein Holz recht gut. Er bevorzugt ein kleines Modell. Geigenzettel : Angelo Molia / Fece in Genova A. 1 758 (geschrieben). Molina, Gennaro. — Neapel Mandolinenmacher. Mollnari, Antonio. — Venedig. 1672. 1703 Ein Geigenmacher dritten Ranges, der meist größere Geigen gemacht hat. Geigenzettel : Antonius Molmarius , fecit in Venezia Ao. 1701 (geschrieben). Mollnari, Giuseppe. — Venedig. 1737. 1763 Vielleicht ein Sohn von Antonio M. Er hat sich haupt- sächlich der Lautenmacherei zugewandt, und man kennt verschiedene gute Mandolinen und Theorben von ihm. Einige besitzt das Museum des Pariser Kon- servatoriums. Geigenzettel: Joseph Molinari, / Venetiis anno 1737 (gednickt). Mollnari, Jose E. — Buenos-Aires. 1890. 1895 Auf der .Ausstellung in Chicago 1893 erhielt er für Geigen und Mandolinen eine Medaille und scheint bald danach verzogen oder gestorben zu sein. Mollenberg, Lorents (Lars). — Stockholm. 1807. 1824 Schwedischer Lautenmacher, der wahrscheinlich Schü- ler oder Geselle von Peter Kraft war, da dieser in seinem Testamente dem Erben seiner Werkstatt Göran Garsman zur Pflicht machte, Lars Mollenberg als Teil- haber anzunehmen. Arbeiten von ihm kommen noch ziemlich häufig vor. Die Sammlung Hammer besaß von ihm vier Baßlauten mit den Nummern 40, 80 und 82, eine besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Da er auch Klaviere baute, schloß er sich, wie seinerzeit schon P. Kraft, der Tischlerzunft an. Geigenzettel : No 80 / Lorents Mollenberg / Stockholm 1816. (gedruckO und Abb. 519. Mollenhauer — Moatani 341 Mollen hauer, E. R. — New York. 1881 Erfinder einer »Schallverstärkung« für Streichinstru- mente, die sich ebenso wenig wie alle anderen, ähn- lichen Erfindungen bewährte. Er wellte die Ver- stärkung durch Anbringung doppelter Zargen be- wirken. Vgl. Valdrighi, »Gli Strumenti ad arco rinfor- zati del Sig. E. R. Mollenhaver«. Monachini, Francesco. — Neapel. 1725 Ein Mandolinenmacher von geringer Bedeutung. Monferrino s. Alegrettl Monfrini, Luigi. — Rom. 1810 Die wenigen Arbeiten, die man von ihm kennt, z. B. im Museum in Kopenhagen, sind nicht hervorragend. Mongel, A. — Turin. 1820. 1830 Wahrscheinlich ein Franzose; mindestens ist er seiner Arbeit nach aus der französischen Schule hervor- gegangen. Seine Geigen sind sorgfältig gemacht, wenn auch nicht groß im Ton. Mongel, V. — (Mirecourt?) Geigen von Mirecourter Aussehen tragen den Brand- stempel »V. Mongel Paris*. Das Modell ist eine ober- flächliche Nachahmung Stradivans. Monk, John King. — Merton, Lewisham. Geb. 22. Jan. 1846 In seiner Jugend erhielt er die ersten Unterweisungen im Geigenmachen von Batho und bildete sich durch das Studium theoretischer Werke selbständig weiter Im Jahre 1886 machte er seine erste Geige nach den von Otto aufgestellten Grundsätzen. Er ahmte zuerst das Stradivarimodell nach, änderte aber dann nach seinen eigenen Berechnungen die Umrisse und die F-Löcher. Er hat seitdem über 100 Geigen gemacht, zahlreiche repariert und arbeitet ungemein sauber und künstlerisch. Er verwendet einen Ollack von verschie- dener Farbe, goldgelb bis dunkelrot, den er selbst zusammensetzt. Eine Eigentümlichkeit seiner Geigen ist ein dreifacher Baßbalken, der in arithmetischer Progression unter dem Steg angebracht ist. M. ist auch ein geschickter Musiker und hat eine Reihe sehr an- sprechender Musikstücke komponiert. Er ließ sich zuerst in Merton S. W. nieder und siedelte dann nach Lewisham S. E. über. Seine Biographie veröffentlichte Meredith-Morris in »The Strad« 1899, Nr. 113. Geigenzettel : I. K. Monk / Maker / Merton Surrey S.W. / Nro 189 . (gedruckt). Montada, Gregorio. — Cremona. 1690. 1735 Er nannte sich einen Schüler Stradivans. den er nicht ungeschickt nachahmte; übrigens soll er nur Omobono Stradivans Gehilfe gewesen sein. Sein Name kommt in allen möglichen Entstellungen in der Literatur vor, so Mondada, Montade, Montaldi usw., sogar Montani, Auch bei Vidal schwankt die Schreibung, trotzdem vor- her der Name richtig angegeben erscheint. Geigenzettel: Gregorio Montade / Crempnensls 16 . (gedruckt). Montagnana, Domenico. — Venedig. Geb. um 1690, tum 1750 Obwohl er ein Meister ersten Ranges war, ist über sein Leben nur wenig bekannt. In Venedig ist er vor 1721 bisher nicht nachweisbar gewesen. Seiner Arbeit nach muß er der Cremoneser Schule beigezählt werden. Einige nennen ihn einen Schüler Nicolaus Amatis und einen Mitschüler A. Stradivaris, andere dagegen lassen ihn einen Schüler von Stradivan selbst sein. Wahr- scheinlich hat er bei Amati begonnen und dann jahre- lang bei Stradivan gearbeitet ; seine Violinen zeigen den Einfluß Stradivans in unverkennbarer Weise, doch wußte er ihnen immerhin noch ein eigenes Gepräge zu geben. Er bevorzugte ein großes Patron; die Wölbung und die Dicke des Holzes entsprechen dem ersten Stradivarimodell. weshalb viele seiner Arbeiten jetzt mit Stradivans Zettel im Verkehr sind. Das ist auch der Grund, warum man nur wenige Werke von ihm nachweisen kann. Das Holz ist sorgfältig gewählt, die Ausführung tadellos, Schnecke und F-Löcher von schönem Schwung. Die letzteren sind denen von Guarnen nicht unähnlich, während sein Lack von schöner goldroter Farbe eher an Carlo Bergonzi er- innert und wie bei diesem oder Jos. Guarnenus fil. Andr. öfter, besonders am Rücken und an einigen Stellen des Bodens »zerronnen« aussieht. Der Ton seiner Geigen ist wundervoll, und man schätzt M. richtig, wenn man ihm einen Platz neben Stradivan, Guarneri und Bergonzi anweist. Er hat auch vorzüg- liche Violoncelli gemacht und selbst Bässe; einen sol- chen besitzt u. a. das Pariser Konservatorium, einen andern T. W. Bourne in London. Er führte das Schild »sub Signum Cremonae« und war von großem Einfluß auf die Venezianer Schule. Seine Arbeiten steigen jetzt fortwährend im Preise und sind schwer zu bekommen ; sie wurden schon in älterer Zeit gerne gefälscht, was die mit vielfachen Entstellungen vorkommenden fal- schen Zettel erkennen lassen. Es mag sein, daß der öfter vorkommende Zettel mit dem bei einem Italiener doppelt auffälligen grammatikalischen Fehler »sub Signum«, statt »sub signo« echt ist, falsch ist aber sicher der von Grillet veröffentlichte Zettel mit «Sub Sigunum« (siehe Abbildung Nr. 551). Daß er auf anderen Zetteln aber richtig »sub signo« geschrieben haben muß, verrät ein Zettel mit der Jahreszahl 1730 und dem sonderbaren Wortlaut: »Dominicus Mon- tagnana sub signo in ab prope Oenipontum fecit«. Man erkennt sofort, daß hier aus zwei Zetteln ein Machwerk gebildet ist. Die erste Hälfte mag echt sein; die zweite stammt von einem Stainerzettel »in ab(sam) prope Oenipontum«. Ein prachtvolles Violoncello von ihm aus dem Jahre 1727 (von Engleder 1845 repariert und wahrscheinlich verkleinert, oiine im Ton Einbuße zu erleiden) besaß das ehem. Hoforchester in München. Ein anderes Violoncello spielte Prof. Alex. Wierzbilowicz am St. Petersburger Konservatorium. Besonders gut erhaltene Violinen besitzen Dipl.-lng. Richard Renner inTutzing und Baron Steinbeil in St. Petersburg, eine Viola der Bratschist des Beckerquartetts, Valentin Härtl in München. Geigenzettel: Abb. 531. 551. Montani, Gregono s. Montadq 342 Montechiari — Morells Montechian s. Montichian Montefion, Erminio. — Genua. 1860 Er begründete sein Geschäft im Jahre 1860 und machte auch Bogen. Montegazzo s. Mantegazza Monteiro, Henrlquez. — Lissabon. 1895. 1905 Ein Musikinstrumentenmacher, der lange bei E.V.Wag- ner gearbeitet und auch Geigen und zwei Violoncelli gemacht hat. Seine Geigen klingen nicht schlecht, nur hat er ein unschönes, plumpes Modell. Er verwendet den Lack von Whitelaw. Montelatici, Filippo. — Florenz. 1697 Sohn des demente M. Em Lautenmacher, von dem es einige geschmackvoll ausgeführte Lauten gibt. Monterumici, Armande. — Bologna. 1910 Nachfolger von Raffaele Fiorini, bei dem er auch ge- lernt haben soll. Er wird als geschickt gerühmt, ich lernte jedoch nur zwei Geigen von ihm kennen, die nicht zu seinen besten Arbeiten gehört haben dürften. Monteverdi, Claudio, s. A. Cavalli Montfort, Dieudonne. — Mirecourt. 1602 Einer der ältesten noch nachweisbaren Geigenmacher seines Ortes. Montgllbert. — Cusset (Allier). 1780. f um 1850 Em Angestellter des Hypothekenamts, der aus Lieb- haberei recht mittelmäßige Geigen machte. B rescia. Montichiaro, Zanetto (Gianetto). 1530 Ein Lautenmacher, der nur dadurch bekannt ist, daß ihn Lanfranco (1533) erwähnt. Montoya, Victor Manuel. — Caracas (Vene- zuela). 1905 Ein Klavierstimmer, der mit cJJerlei Musikinstrumen- ten handelt und gelegentlich wohl auch eine Geige zusammenleimt, wenn man sie ihm zur Reparatur bringt. Montron. — Paris. 1783. 1789 Wahrscheinlich identisch mit Mauntron. Man weiß nur, daß er in der Rue du Grand Hurleur wohnte. Monturn, Giuseppe. — Piumazzo. 1840 • Seine Geigen entsprechen nur bescheidenen An- sprüchen. Monzino, Antonio. — Mailand. 1767. 1795 Er ist hauptsächlich als Mandolinenmacher bekannt. Da sein Sohn und seine Enkel das Geschäft fortgesetzt haben, kommen auch ganz neue Jahreszahlen in Man- dolinen mit seiner Firma vor. Eine Arbeit von ihm besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Eine Gitarre, die sich im Städtischen Museum in Braunschweig befindet, und eine Mandoline im Fürsll. Hohenzollernschen Museum in Sigmaringen (mit Bein, Schildpatt und Perlmutter eingelegt) tragen neuere Zettel. Geigenzettel: Antonio Monzino / nella contrada dei / pennachian in Milano / Fecit Anno . . . (gedruckt). Monzino & Figli. — Mailand Musikinstrumentenfirma der Gegenwart, die auf der Turiner Ausstellung 1911 einen großen Preis erhielt. Begründer war A. Monzino, wahrscheinlich der Sohn von Antonio M. Sie verfertigten sechssaitige Gitarren- lauten, Arcichitarren und sog. »Chitarroni" moderni« Geigenzettel : A. Monzino Fabbricatore e negoziante / d'istrumenti musicali a corde ,' e/ corde zrmoniche/ Milano Via Rastrelli 10 (gepreßt). Moon, W. — Kingston (Jamaica) Seine Geigen nach italienischen Vorbildern lassen eine geübte Hand erkennen. Moore, Anthony John. — Sunderland. Geb. 1852 in Monkwearmouth Em tüchtiger Marinemaler, den Harts Buch zum Geigenbau anregte. Er begann im Jahre 1886 seine erste Violine zu bauen und erlangte durch eifriges Stu- dium und angestrengten Fleiß bald eine bemerkens- werte Geschicklichkeit. Er arbeitet sauber und legt großen Wert auf möglichst altes Tonholz. Geigenzettel : Anthony John Moore / Sunderland fecit Anno 1889 / Table made of wood 200 years old / No. . . (gedruckt). Moos-Grellinger, M. — Basel. 1910 Ein Drogist und Geigenliebhaber, der einen Geigen- lack erfunden hat, von dem er glaubt, daß er mit dem der alten Cremoneser identisch ist. Mora, Giacomo. — Bagolino. 1701 Eine italienische Mandoline von ihm besitzt C. Clau- dius in Kopenhagen. Geigenzettel: Giacomo Mora 170! /in Bagolino. (gedr.). Mordret, Leon. — Rouen. Geb. um 1850 in Louviers (Eure) Em ausgezeichneter Ingenieur, der sich seit mehr als 40 Jahren mit dem Studium des Geigenmachens be- schäftigt und aus Liebhaberei recht gute Geigen ge- macht hat. Es war ihm darum zu tun, die Vorzüge der verschiedenen Modelle zu erforschen und sie mitein- ander zu vereinen ; auch für den Steg und den Saiten- halter hat er neue Typen aufgestellt, die sehr be- achtenswert sind. Die Früchte seiner Studien hat er außerdem in zwei Monographien niedergelegt: »La Lutherie artistique« und »Les Violons de Cremone«. Moreau,lebt als »Luthier« in LaRoche-sur-Yon Morella, Morglato. — Mantua, Venedig. 1 545. 1602 Vielleicht ein Schüler P. Dardellis. Seine Violinen waren berühmt, und die wenigen von ihm erhaltenen Morello — Mosch 343 Arbeiten rechtfertigen diesen Ruhm vollkommen. Um 1540 war er noch in Manlua (vgl. Bertolotti, S. 35), 1550 aber in Venedig. Eine wahrscheinlich umge- arbeitete Geige von ihm aus der Sammlung Snoeck (Nr. 507) in Berlin hat doppelte Einlage, am Wirbel- kasten ein Schalknarrenköpfchen und rotbraunen Lack. Die jetzt öfter im Handel vorkommenden Arbeiten von ihm sind wohl ausnahmslos Fälschungen. Geigenzettel: Morglato Morella / Mantuae 1545 (ge- druckt) und Abb. 537. Morello s. Odani Morettl, Antonio. — Mailand. 1730 Es gibt Mandohnen und Lauten von ihm, die jedoch nur von mittelmäßiger Ausführung sind. Morgan, James. — Kmcardine, Edinburgh. Geb. in Kincardine-on-Forth 1839 Ein Kunsttischler, der auch einige gute Geigen nach Stradivan gemacht hat. Er schreibt nur seinen Namen und die Jahreszahl in das Innere seiner Arbeiten. Morgenroth & Harras. — Gehren (Thüringen) 1895 Eine Fabrikfirma, die inzwischen wieder erloschen sein soll. Sie stellte 1895 in Lübeck »Konzertgeigen* aus. Mori Costa s. Costa. Morin. — Laval. 1912 Er wird als »Luthier* bezeichnet. Moritz, Alfred. — Dresden. 1897 Er stellte Instrumente in Brüssel aus und erhielt eine Medaille. Morlet, Nicolas. — Mirecourt(?). 19. Jahrh. Seine Geigen sind ganz im Stile von Nicolas aine ge- halten und hellfarbig oder braun lackiert. Morley, lebt in London als Gitarren- und Stuhlharfenmacher Morlot, Nicolas. — Paris. 1830 Schüler von Didier Nicolas l'aine, dem er nicht nur die Arbeit, sondern auch den Werkstattnamen »ä la ville de Cremonae (sie)« nachmachte. Moro (Mauro), Bartolo (Bartolommeo). — Padua. 1678 Er gehörte der Paduaner Lautenmacherinnung an und erscheint auf dem von Giovanni Railich ausgestellten Lehrbrief des Mathias Klotz als Zeuge. Morona, Antonio. — Isola bei Capo d' Istria. 1 73 1 Em Geistlicher, von dem man eine Viola di Gamba kennt. Merkwürdigerweise wird gerade sein Name bei Fälschungen häufig mißbraucht ; man hat sogar seinen Zettel, der nur geschrieben war, gedruckt, aber stets die gleiche Jahreszahl beibehalten. Geigenzettel: Presbyter Ant'ff. Morona ' Insulanus ex Istria fecit 1731. (gedruckt). Morrand, Pierre. — Mirecourt. 1751. 1753 Kommt als Luthier in den Akten vor. Morris, John. — Bath. 1819 Wenig bekannter, englischer Geigenbauer, von dem in der Londoner Music Loan Exhibition 1904 eine Violine aus dem Besitze von J. T. Chapman ausgestellt war. Morrison, Archibald. — Glasgow. Geb. 6. Okt. 1820 in Falkirk, f 1895 in Glasgow Er war der Sohn eines blinden Geigers und selbst ein tüchtiger Geiger. Nach mancherlei Berufswechsel wurde er Geigenmacher, arbeitete eine Zeitlang für Alexander Mann (1860) und eröffnete 1865 seine eigene Werkstatt. Seine ersten Violinen sind nach Amati und Stradivan, später auch nach Guarnen gemacht; sie sind keine Meisterwerke, aber ziemlich gut im Ton. Geigenzettel : .\rchibald Morrison, Maker / Glasgow 1870 (gedruckt). Morrison, James. — Dunfermline. Geb. 1827 in Dunfermline Ursprünglich Arbeiter in einer Weberei, beschäftigte er sich mit dem Geigenmachen und hat eine Anzahl guter Violinen nach Stradivan gemacht, wobei er roten Ollack verwendete. Geigenzettel: James Morrison Maker / Dunfermline 1892 (gedruckt). Morrison, John. — London. Geb. um 1760, t um 1833 Er hatte einen kleinen Laden erst in der Princess Street, Soho, 1819 in Shadwell und zuletzt in Little Turnstile, Holbom. Seine Geigen sind oft von sehr handwerks- mäßiger Ausführung, einzelne aber hübsch ausge- stattet mit doppelter Einlage und Perlmutter- und Ebenholzverzierungen. Der Lack ist von rötlicher Farbe und schlecht. Er arbeitete zumeist für Geigenhand- lungen, die keine Gehilfen beschäftigten und durch ihn die vorkommenden Flickarbeiten ausführen ließen. Morselli, Arturo. — Quistello. 1862 Er hat einige Bässe gemacht, die nicht schlecht sind. Mosca-Cavelli, C. — Rom oder Padua(?). 1726 Es soll kleine Lauten mit seinem Zettel geben. Bei Valdrighi (3549) wird seine Name aufgeführt. Mosca-Cavelli, Martino. 1608 In einer Laute der Sammlung Claudius in Kopen- hagen findet sich auf der Innenseite der Decke die unsicher lesbare Inschrift: Martino Mosca Caveli fece ao 1608 , e revisto (geschrieben). Mosch, Johann Traugott. — Borstendorf. Geb. 9. Sept. 1736. t30.Juh 1781 Vielleicht ein Schüler von Sam. Hunger, dem seine Arbeit nahesteht. Da er in den .'^kten als »Erbgärtner« bezeichnet wird, scheint er Lauten und Geigen nur in 344 Moser — Moyns seinen freien Stunden und im Winter gemacht zu haben. Eine Viola pomposa von ihm besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln (Nr. 921). Geigenzettel: Johann Traugott Mosch / machte mich in Borstendorf , bey Augusteburg. 1 774 (gedruckt). Moser, Georg. — Schwaz i. Tirol. Geb. um 1774, t 25. Aug. 1822 Sein Name kommt wiederholt in Geigen von Mitten- walder Aussehen vor. Im Schwazer Totenbuch wird er als »Musik-Instrumental Händler« bezeichnet. Er scheint die Geigen also nicht selbst gemacht zu haben, Mosson, P. P. — Chicago Er erhielt 1895 ein Patent auf eine neuartige Geige, von der man jedoch nichts weiter gehört hat. Mosto, Bernardin. — Prag. 1618. 1624 Er war der Nachfolger von Erasmus Habermehl als Hofinstrumentarius und gleichzeitig Musiker. Im Jahre 1618 erwarb er das Bürgerrecht auf der Kleinseite und kaufte am 24. November 1624 das Haus »beim silber- nen Bär« in der Michälska ulice für 1379 Schock böh- mische Groschen. Mott, J. H. R. — London. 1817 Erfinder des »Sostenente Pianoforte« — eines Klaviers mit Streichinstrumentenklang. Motte s. Mohte, J. G. Mouchi s. Demouchi Mougenot. — Mirecourt Eine alte Geigenmacherfamilie, die ihren Stammbaum auf Nicolas le Viel M. zurückführen kann, der schon 1681 als »der Alte« bezeichnet wird. Gleichzeitig kommen Nicolas le Jeune M., ferner ein Anthoine, zwei Dominique und ein Didier M. vor. Von drei Fran(;ois M. starb der Ältere 1700, der Jüngere 1738, während der Jüngste noch bis 1 780 tätig war. Mougenot. — Rouen. 1763. 1770 Wahrscheinlich aus Mirecourt stammend. Seine Arbeit ist durchweg mittelmäßig, doch verwendete er manch- mal gutes Tonholz. Geigenzettel: Abb. 533. Mougenot. — Besan^on. 1809 Eine Arbeit von ihm besitzt Baron de Lery. Mougenot, Georges. — Lüttich, Brüssel. Geb- 23. Juni 1843 in Mirecourt Schüler von Deroux pere, ging zu N. Darche nach Aachen und im Jahre 1858 zu seinem Oheim Victor Jeandel nach Lüttich. Nach dem Tode seines Oheims im Jahre 1860 machte er sich selbständig; im Jahre 1875 übernahm er N. F. Vuillaumes Werkstatt in Brüssel und wird wegen seiner guten Arbeiten sehr geschätzt. Er ahmte Stradivari und Guarneri nach und verwendete braunroten und goldroten Lack. Nach sei- ner Meinung läßt sich der Ton der Streichinstrumente durch vermehrten Saitendruck erhöhen, weshalb er eine besondere Drucksaite (Corde de pression) erfand, die, unter dem Griffbrette laufend, auf dem Stege eine besondere Auflagestelle findet und bis zum Kopf des Saitenhalters geht, wo sie nach Bedarf gespannt werden kann. Die Erfindung steht im Werte etwa der Sprenger- schen Torschraube gleich. — Er verfaßte eine Be- schreibung der Stradivarigeige »Merkur«. Er besitzt viele Medaillen und ist Ritter des Leopoldsordens und Geigenmacher des Kgl. Konservatoriums. Außer sei- nem gedruckten Zettel enthält jede Geige noch sein Autograph. Im Jahre 1910 übergab er seine Werkstatt seinem Schüler Maurice Bourgignon. Geigenzettel: Abb. 530 und 555. Mougenot, Leon. — Mirecourt. Geb. 17. Okt. 1874 Einer der besten Mirecourter Geigenmacher der Ge- genwart, dem es sehr zustatten kam, daß er während seiner Wanderjahre bei den besten Meistern in Lyon, Paris und London gearbeitet hatte. Geigenzettel : Leon Mougenot Gauche , ex ouvrier des I £f Maisons de / Bruxelles, Lyon, Paris, Londres. mit Signet, (gedruckt). Mougenot, P. — Mirecourt. 1897 Seine Geigen tragen die Marken »J. Derazey« und »D. Nicolas aine«. Mougnet. — Lyon. 1811 Er ist nur a, worden. ils Erfinder einer Lyragitarre bekannt ge- Mouls, W.J. — 1840 Wenig bekannter englischer Geigcnmacher, der nicht ungeschickt war. Mousset, Jean Baptiste. — Mirecourt. 1788 Bogenmacher. Mouton. — Paris. 1889 Ein geschickter Geigenmacher, der jedoch nicht selb- ständig aufgetreten ist, sondern für größere Firmen arbeitet. Moya, Hidalgo. — Aylestone, Leicester. 1891 . 1914 Er stellte ein neues akustisches System für den Geigen- bau auf und verkauft nach diesem System gebaute Geigen, an denen oft das Fehlen der F-Löcher in der Decke besonders auffällt. Der Ton seiner Geigen wurde von bedeutenden Geigern gelobt und Moya reibst hat durch Wort und Schrift alles getan, was möglich war, seine Geigen einzuführen. Geigenzettel: Hidalgo Moya Ratis ad Gloriam dei Fecit. (gedruckt). Moyns (Moens), Simon. — Antwerpen. 1540. 1557 Ein Instrumentenmacher, der besonders als Klävezm- macher gerühmt, aber auch als Lautenmacher be- zeichnet wird. Mc Müll er 345 Moz, Caspar Georg. — Wallerstein. Geb. 24. April 1766 in Wallerstein, f 7. Okt. 1798 daselbst Er war der Sohn des Josef Georg M. und heiratete am 24. Februar 1794 Magdalena Haßlerin aus Kloster- zimmern. In den Matrikelbüchern wird er »Chelium faber« genannt. .Als Geigenmacher war er nicht be- deutend; weder Holz noch Lack entschädigen für das unschöne Modell. Er dürfte ursprünglich Tischler ge- wesen sein. — In Wallerstein lebten noch ein Johann Caspar Moz (f 1794, 76 Jahre alt) und ein Georg Caspar M., der 1788 eine zweite Ehe einging. Beide waren Tischler. Geigenzettel : Caspar Moz Geigenmacher , in Waller- stein. .Anno 1791. (gedruckt). M'Queen, J. — Nelson (Neuseeland). 1888 Australischer Geigenmacher, der neuseeländisches Holz verarbeitet hat. Mod: ena. Mucchi, Antonio, gen. Bastia. 1800. t 13. April 1883 Er war vielleicht ein Schüler von Soliani und arbeitete im Stile Roccas und Pressendas. Valdrighi (2183) er- wähnt S. 167 ein Violoncello von ihm, das den Namen »Dandolo« führt, und preist ihn S. 188 als trefflichen Geigenmacher und Reparateur. Er hat an 5() Violon- celli gemacht und verwendete einen gelben Ollack. Geigenzettel: Antonius Mucchi / fecit Mutinae 1881 (gedruckt). Mühlbauer, Stephan. — Stuttgart, Ulm. 1880. 1895 Ein geschickter Geigenmacher, der auch allerlei mehr oder minder brauchbare Erfindungen machte, so ein zerlegbares und fast tonloses Studiencello, Metall- spannwirbel usw., später aber seine Kunst an den Na- gel hängte und jetzt Elektrotechniker ist. Muelovoets, Jan. — Antwerpen. 1584 Er wird als Zithermacher bezeichnet und wohnte im »Rempart des Lombards«. Müller. — Neukirchen b. Eger. 1791 Sein Zettel kommt mehrfach vor : Geigenzettel: Müller Instrument- / Macher Neu- kirchen 1791. (gedruckt). Müller, Anton, lebt in Saaz Ein gleichnamiger Geigenmacher war um 1910 in Köln tätig. Müller, August, lebt als Streichinstrumenten- macher in Dessau Müller, ChristianFriedrich.— Neukirchen. 1750 Vielleicht der Großvater von Christian Wilh. M. und wahrscheinlich ein Eingewanderter oder zur Familie Müller in Neukirchen bei Eger gehörig. Geigenzettel: Christian Friedrich Muiller / Violin- macher in Neukirchen .Ao. 1 750 (gedruckt). Müller, Christian Wilhelm. — Markneu- kirchen. Geb. 23. März 1801, f 20. März 1857 Aus einer guten Schule hervorgegangen, machte er neben vielen nur für den Handel bestimmten Instru- menten auch einige recht saubere Geigen, bei denen nur der Lack unschön ist. Müller, Georg. — Regensburg. 1670 Er war vermutlich der Nachfolger von Hans Wendtner, an dessen Arbeit auch die seine erinnert. In den Akten wird er ausdrücklich »Geigenmacher« genannt. Müller (Muller), Herrn., lebt in San Francisco Müller, J. A., und Ignaz. — Schönbach. 1912 Beide haben in der Schulgasse ihre Werkstatt. Müller, Joseph. — Schönbach b. E. Geb. 1850 in Schönbach Sohn und Schüler des Blechinstrumentenmachers Vin- cenz Müller. Seit seinem zwölften Jahre wurde er zum Musiker ausgebildet, erlernte hauptsächlich das Flöten- spiel, nebenbei aber auch Blech- und Streichinstru- mente. Als Musiker kam er durch Böhmen und einen großen Teil von Deutschland und übernahm 1873 das väterliche Geschäft, welches er seit 1880 durch Ein- führung von Streichinstrumenten erweiterte. Er stellte interessante Versuche mit dem Lackieren an und er- fand, »um den Ton zu verbessern«, einen Doppel- resonanzboden und besitzt eine Reihe von Patenten sowie Medaillen von allen größeren Ausstellungen seit 1881. Seine Streichinstrumente tragen den neben- stehenden Zettel. Er hat auch ein ansehnliches Lager von alten Streichinstrumenten. — Geigenzettel : Josef Müller, Schönbach b. Eger i. Böhm. K. K. ausschl. privilegierte Musikinstrumenten- & Saiten-Fabrikation, (gedruckt). Müller, Karl. — Augsburg. 1904. 1906 Lebt als tüchtiger Geigen- und Lautenmacher in der Alpenstraße 27 o. Er ist nebenbei ein trefflicher Violon- cellist und als solcher Mitglied des städtischen Or- chesters. Müller, Karl Albert. — Markneukirchen. Geb. 3. März 1865 in Dresden Sohn eines Kunstmalers, Enkel von Christian Wil- helm M. Da er in frühester Kindheit beide Eltern verloren hatte, kam er nach Markneukirchen und wurde im Waisenhause aufgezogen. Hierauf kam er zu dem mit ihm verwandten Moritz Ficker in die Lehre, bei dem er sechs Jahre blieb; fünf Jahre arbeitete er mit Moritz Schmidt und machte sich dann selbständig. Er arbeitet hauptsächlich für die Firma Hermann Todt. Müller, Karl Ferdinand. — Solitude bei Riga. Geb. 9. (21 .) März 1800 in Kurland, f 1884 in Stuttgart Um 1830 erwarb er die Güter Solitude, Annenhof und Dammenhof, wo er ohne technische Vorbildung uni 346 Müller — Muschl 1855 begann, sich mit dem Geigenbau zu beschäftigen. Im Jahre 1867 verkaufte er seine Güter, zog nach Riga und 1871 nach Stuttgart, wo er bis zu seinem Tode verblieb. Er hat über 20 Violinen, 2 Bratschen und 2 Violoncelli gebaut, die er an mittellose Musiker ver- schenkte, bis auf eine, die sein Neffe W. v. Kuhlmann in Berlin besitzt. Geigenzettel: C. F. Müller auf Solitude unweit Riga / 1871 (gedruckt). Müller, Konrad. — Nürnberg. 1520 Einer der weniger bekannten Nürnberger Lauten- macher, von dem sich eine hübsche, reichgeschnitzte Taschengeige erhalten hat, die dem dänischen National- museum gehört und jetzt im Kopenhagener Musik- historischen Museum (Nr. 363) aufbewahrt wird. Geigenzettel: Conradus Muller, 1520 (gedruckt). Müller, Laux. — ? Im Verzeichnis der Raymund Fuggerschen Kunst- kammer (vom Jahre 1 566) wird unter Nr. 79 »Eine alte gute Lauten von Laux Müller« aufgezählt. Vgl. Stockbauer, Kunstbestr. unter Alb. V. und Wilh. V. S. 83. Vielleicht ist Laux Maler (Maller) damit ge- meint. Müller, Richard Paul. — Geb. 22. Dez. 1872 und Müller, Wilhelm August. — Geb. 8. März 1859, leben als Geigenmacher in Markneu- kirchen Muni'r, Francisco. — Malaga Eine spanische Gitarre von ihm besitzt C. Claudius in Kopenhagen. Geigenzettel : Por Francisco Muni'r. / Galle de Car- ceterie num. 46 (gedruckt). Muntzer (Müntzer), Cuntz. — Würzburg. Um 1530 Ein Lautenmacher, der im ersten Drittel des 16. Jahr- hunderts im Bastheimer Viertel wohnte und mit 80 Gulden Vermögen zur Steuer veranlagt war (Akt 1109 im Würzburger städt. Archiv). Muratori, Rocco. — Padua 1704 Ein sehr originell gearbeiteter Kontrabaß, wahrschein- lich die .'\rbeit eines Liebhabers, befindet sich in der Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthist. Museums in Wien. Geigenzettel: Rochus Muratoribus / Patauinus Delec- tans / Opus. 1704. (geschrieben). Murdoch, Alexander. — Aberdeen. Geb. 1815 in Glenbucket, Strathdon, f 1891 Er begann erst 1852 Geigen zu machen und war sehr oberflächlich und ungenau in der Arbeit. Dabei nahm er das nächstbeste Holz und war auch in bezug auf die Umrisse und die F-Löcher ohne Schönheitssinn. In manchen Einzelheiten erinnern seine Geigen an Hardie und Rudiman; sie sind hochgewölbt und gehen auf ein Amatimodell zurück. Seinen Namen pflegte er auch einzubrennen. Geigenzettel: Alex. Murdoch, / Aberdeen 1860 (gedr.). Murray, David. — Gorebridge. Geb. 30. Dez. 1850 in Greeburn Ein Geiger und Musiklehrer, der aus Liebhaberei Geigen macht und darin schöne Erfolge erzielt. Er hat bereits über 50 Geigen nach Stradivari und Guarneri gemacht und verwendet Whitelaws Ollack. Geigenzettel: David Murray Maker ,' Gorebridge, 1897 (gedruckt). Murray, James. — Dumfries. Geb. 1 1 . Juli 1857 in Lockerbie Ein Eisenbahnbeamter, der aus Liebhaberei einige Dutzend Violinen nach Alexander Hardie und später nach dem Guarnerimodell gemacht hat. Die Arbeit ist nicht schlecht, aber der magere, gelbe Lack läßt zu wünschen übrig. Geigenzettel: James Murray / Maker / Milldamhead, Dumfries / October 15, 1897. (gedruckt). Murray, John Brown. — Ciarebrand, Castle Douglas. Geb. Mai 1849 in Ringanwhey Ein schottischer Geigenmacher, der Stradivari nach- ahmt. Obwohl er rtur wenige, primitive Werkzeuge benutzt, ist seine Arbeit recht sauber. Geigenzettel: J. B. Murray/ Ciarebrand / 1895 (gedr.). Murtzinos, Demetrios, lebt seit mehr als 20 Jahren als Gitarren- und Mandolinen- macher in Athen Muschke (Muska), Johann. — Frankfurt a. M. Geb. in Iglau (Mähren) 1841 Schüler von Jak. Krampera. Nachdem er bei Lorisch in Znaim, Engleder in München und Hartmann in Frankfurt gearbeitet hatte, eröffnete er 1867 seine eigene Werkstatt und beschäftigt sich vorzugsweise mit Reparaturen. Er verwendet Spiritus- und Ollack, gilt als geschickter Geigenmacher und Kenner und wurde als solcher auch zum Vorsitzenden des Prüfungsaus- schusses in Wiesbaden erwählt. Muschl (Muschel), Joh. Joseph. — Prag. Geb. um 1744, t zwischen 1789/1790 Er ist möglicherweise mit jenem »Josef MichL' identisch, dem Jos. J. Edlinger seine Werkstatt und 200 fl. ver- machte, damit er Geigenmacher werde, und vielleicht ein natürlicher Sohn Edlingers. Wessen Schüler er war, ist nicht bekannt, wahrscheinlich aber lernte er bei einem Prager Meister. Auch in München scheint er gearbeitet zu haben. In Prag ist er seit mindestens 1775 nachzuweisen. Seine Frau Rosalia Fritz (Fritsch) (1760, t 1836) betrieb ein sogenanntes Greislergeschäft. Geigenzettel: lohann Joseph Muschl / fecit Praga Ao 1775 (gedruckt) und" Abb. 522. M iisnier Nagy 347 Musnier, Joseph. — Metz. 1789 Unbedeutender französischer Geigenmaclier, den man bisher nur als Reparateur kennt. Geigenzettel: R?pare par Joseph Musnier Maitre / Luthier ä l'envi de la basse restant sur / la place d'armes ä cote de la maison de viUe ,' ä Metz 1789. (gedruckt). Muzio, Francesco di. — Chieti. 1830. 1838 Er soll ein tüchtiger Musiker gewesen sein und hat aus Liebhaberei einige Geigen gemacht, die bei aller Unbeholfenheit der Arbeit recht gut klingen. Das Deckenholz ist gut, doch scheint er sich kein Ahorn- holz zu verschaffen gewußt haben, deshalb nahm er Buchenholz zum Boden. Auch der Lack läßt sehr viel zu wünschen übrig. Geigenzettel : M(aestro?) Francesco di Muzio / ha fatto questo violino / nell anno 1836 in Chieti (geschrieben). Muzzarelli, Demetno. — Ospedaletto. 1880 Handwerksmäßig arbeitender modenesischer Geigen- macher aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. ber gearbeitet, der Ton fast immer gut. Eine Violine von ihm war 1881 in Mailand ausgestellt. Valdrighi liest den Namen »Mandotti« (No. 1933). Geigenzettel : loseph Nadotti Fecit / Placentiae 1789. (gedruckt). — Joseph Nadotti / Placentie 1 762 (gedr.). Nägelin (Nägele, Nägeli), Konrad. — Kon- stanz. 1797. 1830 Als »Konrad Nägele, Geigenmacher* erscheint er im Konstanzer Bürgerbuch bei seiner am 31. Juni 1797 erfolgten Aufnahme als Bürger, wofür er 106 fl. be- zahlte. Im darauffolgenden Jahre erwarb er das Haus »Zum roten Goggelhahn« (heute Weßenbergstraße Nr. 35). Er muß nach 1830 gestorben sein, da seine Tochter Maria sein Haus zwischen 1832 — 1834 erbte. Seme Arbeit sieht der von Wagner nicht unähnlich. Eine ziemlich gute Violine von ihm befindet sich im Germanischen Museum in Nürnberg. Auch sollen noch verschiedene Bässe von ihm in Kirchen des Bodensee- kreises vorhanden sein. Er gebrauchte gedruckte und gestochene Zettel. Geigenzettel: Conrad Nägelin, Geigenmacher in Con- stanz (gedruckt) und Abb. 566 (Kupferstich). Nacquard, Jean-NIcolas. - Straßburg. 1737 Naese, Gustav. - Dresden. 1873. f 25. Jan A. Jacquot weiß von ihm nur, daß er im Juni 1737 Mirecourt verließ, um sich in Straßburg niederzu- lassen. Naderman (Nadermann), Jean-Henri. — Paris. 1772. tum 1800 Er war geschworener Meister der Pariser Lauten- macherzunft für 1 774 und 1 776 Syndikus, doch ist er hauptsächlich als ausgezeichneter Harfenbauer be- kannt. Eine schöne Harfe mit der Inschrift: »Harpe ä la Krumpholtz. Invente et faite Sous les yeux de Mr. Krumpholtz et la Premiere que Existe Dans ce genre. Execute Par H. Nadermann ä Paris 1 785« besitzt das Ost. Museum für Kunst und Industrie in Wien. Das Pariser Konservatorium bewahrt die 1 780 von ihm gemachte Harfe der Königin Maria Antoinette. Er machte auch die von van Hecke 1 773 erfundene zwölf- saitige Gitarre, die unter dem Namen »Bissex« be- kannt war. Nach seinem Tode setzte die Witwe mit dem Sohne das Geschäft in der Rue de la Loi fort. — Sein Sohn Francjois Joseph N., geb. 1773, f 1833, der sich auch als geschmackvoller Komponist und Professor am Konservatorium einen Namen erwarb, war ebenfalls seinerzeit sehr berühmt. Auch der jün- gere Sohn Henri N., geb. 1780, zeichnete sich in gleicher Weise aus. Eine schöne Pedal harfe von Jean Henri N. befindet sich im Wittumpalais in Weimar. Geigenzettel: JH. Naderman / Mif Luthier, Facteur de Harpe ordinaire du / service de la Reine. Rue d'Argenteuil Butte / St. Roche, ä Paris 1785 (gedr.). Nadotti, Giuseppe. — Piacenza. 1757. 1789 Em Meister, der aus einer guten Schule hervor- gegangen sein muß. Er verwandte verschiedene Modelle — besonders das der Amati — und einen guten, gelben oder gelbroten Lack. Auch seine Schnecken sind sau- 1899 Er war als Geigenmacher nicht ungeschickt, doch lag seine Hauptbedeutung im Instrumentenhandel. Näsler. — Fraustadt. 17./ 18. Jahrhundert In einer alten Gamba, die vor vielen Jahren der Buch- drucker Streusand in Brätz besaß, fand sich dieser Name, der mir sonst nirgends mehr begegnet ist. Nafissi, Carlo. — Gubblo. 1867 Die wenigen Geigen, die ich mit diesem Namen zu sehen bekam, waren von ganz gewöhnlicher Art und sahen wie die Arbeiten eines Dilettanten aus. Naglstetter, Sebastian. — Salzburg. 1586 Er soll auch Lauten gemacht haben, doch wird er im Salzburger Bürgerbuch nur als »Saitenmacher aus Pfarrkirchen* aufgeführt. Nagy, Franz. — Budapest. 1840. 1847 Seine Werkstatt ging 1847 auf Josef Schunda über. Geigenzettel : Franz Nagy / Lauten- und Geigen- macher / in Pest 184. (gedruckt). Nagy, Johannes. — Budapest. 1797. 1807 Einer der ältesten Geigenmacher magyarischer Ab- stammung, während die meisten Geigenmacher in Ungarn während des 18. Jahrhunderts bekanntlich Deutsche oder Eingewanderte gewesen sind. Er ahmte gelegentlich das Magginimodell in freier Weise nach, soll aber nach Dr. Geyer der Leebschule nahestehen. Nagy, Joseph. — Budapest, f 1850 Er soll nur wenig neue Geigen gebaut haben : am besten gelangen ihm Violen. 348 N, agy Nein Nagy, Istvan (Stefan). — Szent-Märia-Sza- badka. Geb. 1841 Ein Bildhauer und Instrumentenmacher in Maria- Theresiopel, der sein Geschäft 1883 begründete und 1885 in Budapest eine Geige eigener Erfindung aus- stellte. Naizar, M. — Mlrecourt (?) Geigen im Stile von Nicolas tragen diesen Namen als Brand Florenz. marke. Naldi, Antonio, gen. il Bardella. 1550 Ein Musiker, dem der mit ihm persönlich bekannte Caccini in seiner »Nuove miisiche« die Erfindung des Chitarone (Baßlaute) zuschreibt. Naldi soll auch selbst Lauten gemacht haben und wird von Valdrighi in seiner Nomocheliurgografia (Nr. 2214) aufgeführt. Nalinow, S. I. — 1890. 1910 Ein russischer Lautenmacher, der auf dem Gute V. V. .A,ndreieffs im Gouvernement Twer lebt und sich hauptsächlich mit dem Bau der Balalaika beschäftigt, an deren Verbesserung er mitgearbeitet hat. Namy, Jean-Theodore. — Paris. 1772. f 1808 Seit 1772 arbeitete er bei der Witwe Salomon ^) und wohnte 1788 Place du Louvre. Da er das Reparieren, das er wie kein anderer verstand, zur Hauptsache ge- macht hat, kommen nur ganz wenige Geigen von ihm vor, die jedoch musterhafte Arbeit zeigen. Er wäre vielleicht jetzt trotzdem vergessen, wenn nicht der feine Kenner .'Xbbe Sibire ihn 1806 als den allerbesten Geigenmacher, den er kenne, gepriesen hätte. Er schließt sein Loblied mit den Worten : »Je dis tout d'un coup: Voilä du Namy, comme je dirais: Voilä du Cremone!« Geigenzettel: Faite Par Namy, Luthier, chez ' Madame Salomon A Paris, 1772. (gedruckt). Napalden s. Terapatini Nardelll, Michelangelo. — Gubbio. 1856 Seme Geigen sehen denen von Nafissi so ähnlich, daß einer der Lehrer des anderen gewesen sein könnte, oder daß beide aus der gleichen Lehre hervorgegangen sein müssen. Nash, Thomas L. — Ayr. 1910 Er baut Violinen, die in der Form von den üblichen Modellen abweichen und denen die Zeitschrift »The Strad" (1912, S. 297) sehr schönen Ton nachrühmt. Natale, Pietro. — Chambery. 1890 Ein Geigenmacher ohne bemerkenswerte Geschick- lichkeit; er dürfte um 1898 gestorben sein; seine Witwe führte dann das Geschäft noch einige Zeit fort und liat es jetzt aufgegeben. ') S. Jean Bapt. Deshayes-Salomon, Naylor, Isaac. — Headingly b. Leeds 1778. 1792 Einer der Schüler von Richard Duke, ohne Eigenart und Bedeutung. Nebel, M., & Bro, eine Geigenfirma in New York Neeren, Albert van. — Antwerpen. 1542. 1558 (Der Name kommt auch van Neer geschrieben vor.) Sohn Willems van Neeren, geboren in Nyel bei Cleve. Wurde 1542 zum Bürger angenommen als Verfertiger von Clavichorden. Er lebte noch 1558 und dürfte, wie alle seine Zunftgenossen, auch Lauten und Violen ge- macht haben. Neff, Joseph. — Philadelphia. Geb. um 1819, t 1887 Ein aus Deutschland eingewanderter Geigenmacher, der nicht ungeschickt war. Negele, Georg. — Ulm. 1617 Em Lautenmacher, von dem bis jetzt nur bekannt ist, daß er Saiten für die Stuttgarter Hofkapelle lieferte. Neiner s. Neuner Neitschmann, Richard, — Leipzig- Lindenau Hervorragender Lautenmacher der Gegenwart. Er ist auch Fachschriftsteller und hat mehrere beachtens- werte Aufsätze über den Bau von Zupfinstrumenten veröffentlicht. Nella. Raffaele(?). - Brescia(?). 1659. 1672 Ein in der Geigenliteratur wiederholt vorkommender Name, der auch als Della Raffaele erscheint, aber auch in dieser Form nicht greifbarer wird. Eine Familie Nella oder Della Raffaele (Raphael) gab es in Brescia nie. (Vgl. Ravanelli). Eine gut klingende Violine, Maggini- modell, stark im Holz, mit doppelter Einlage, etwas trübem, gelbbraunem Lack, ungeflammten Ahorn- zargen, ungeteiltem Boden, sehr schönem Deckenholz, länglichen F-Löchern trägt den gedruckten Zettel: »Nella Raphael Brescia A. 167 . .« Eine Violine mit dem gleichen Zettel und der Jahreszahl 1659, die der hier gegebenen Beschreibung genau entspricht, besitzt Kammermusiker W. F. Borsche in Hannover. Ich habe diese Geigen nicht selbst gesehen, der Wortlaut des Zettels kommt mir verdächtig vor; ich wünschte meh- rere und verschiedene Zettel des gleichen Geigen- machers kennen zu lernen — wenn er wirklich gelebt haben sollte. Nelli, Nicola, genannt Tolla. Salo. Geb. 1861 in Salb £m Gardasee Sohn des Tischlers Paolo N., dessen Handwerk er zuerst erlernte. Von Anfang aij beschäftigte er sich schon mit dem Bau von Musikinstrumenten und verlegte sich schließlich ganz darauf. Wenn seine Streichinstrumente auch noch verraten, daß er sich N. elson Neumärk 340 durch Selbstunterricht zum Geigenbauer gemacht hat, so zeichnet er sich doch schon als guter Gitarren- macher aus. Geigenzettel: Tol'a Nicola Salo / Fabbricatore Stru- menti / e Riparatore a Corda . . . / Premiato con Medaglia d'oro. (gedruckt). Nelson, H. — Moonambel b. Acova Stellte 1888 in Melbourne eine Geige aus, deren Boden aus ungefähr 50 verschiedenen Holzstücken (haupt- sächlich australischen Hölzern) bestand. Nelson, Robert. — 1716 Englischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. Nemessänyi, Samuel Felix. — Budapest. Geb. 1837, t 1881 Er ist in Eperjes geboren, lernte bei Schweitzer und Zach und war unstreitig der bedeutendste Geigen- macher Ungarns seiner Zeit ; ein echter Künstler, dessen Kopien nach italienischen Meiftern, vornehmlich nach Guarneri d. G.. von den Originalen kaum zu unter- scheiden sind und ihnen auch im Ton sehr nahestehen. Sie sind selten geworden, weil viele seiner Arbeiten mit fremden Zetteln versehen wurden und jetzt für ital. Ori- ginale gelten. Auch sein goldgelber Lack ist sehr gut. Geigen, die er selbst gemacht hat, sind kaum mehr im Handel zu haben. Von diesen unterscheiden sich allerdings wesentlich die billigen Werkstattgeigen, die seine Gesellen dutzendweise herstellten, und die nach- träglich mit seinem Zettel versehen wurden. Er war leider ein unruhiger Geist, der das Seine nicht fest- zuhalten wußte. Er versuchte nacheinander sein Heil in verschiedenen Orten, arbeitete in Liptö Szent Ivan, in Fünfkirchen (Pecs) und Szegedin und kam nie aus aufreibenden Geldverlegenheiten heraus, so daß er leider noch in der Vollkraft seiner Jahre starb. Gcigenzettel : Samuel Nemessänyi / fecit Pestini 1874. (gedruckt). — Csinälta Nemessänyi Samu / Pecsen. S. N. 1861 II. (geschrieben). — Nemessänyi Sam. , F. Magginiutän Bpesten 1879. (geschrieben) und Abb. 5681). Nentini, Giov. Batt. — ? Die Geige des Fußkünstlers Unthan enthält den folgen- den Geigenzettel: Jo: Bapta. Nentini ,' Terrae S. Viti. ,' fecit anno .... (gedruckt) Nermel (Nermal). J. M. - Paris. 1777. 1789 Er wohnte erst Rue St. Germain-1 Auxerrois, 1 783 Rue du Pot de Fer und 1 788 Rue Vieux du Colombier, war aber nicht bedeutend. Netlk, V. — Pekle b. Wamberg i. B. 1883. 1887 Reparaturzettel : Opravil / V. Netik / v Pekle u Vam- berka / 1883. (Mit Gold gedruckt). Neubauer, Carolus. — Budapest. Anfang des 19. Jahrhunderts Vater oder Bruder von Christian N. und diesem auch in dei Arbeit nahestehend. Neubauer, Christian. — Ofen (Budapest). 1819. 1830 Einer der besseren ungarischen Meister vom Anfange des 19. Jahrhunderts, der vielleicht bei Leeb in Preß- burg gelernt hat. Eine Geige von ihm aus dem Jahre 1819 befindet sich im Mathiasdom zu Budapest. Geigenzettel : Christianus Neubauer/ fecit - Budae 1 820 (gedruckt). — Christianus Neubauer / Ofen 1822 (ge- druckt). Neuberg, Baron. — Wien um 1860 Ein Dilettant, der ohne besonderes Geschick einige Geigen und Violen gemacht hat. Die Arbeit ist mangel- haft, Schnecke und Ecken sehr plump, der Lack trüb- rot. Er brachte verschiedene Inschriften in seinen Geigen an, gewöhnlich in französischer oder lateinischer Sprache. Geigenzettel : Baron de Neuberg ä Vienne (gedruckt). Neu-Cremona. — Berlin Eine Gesellschaft zur Herstellung von Geigen nach Dr. Großmanns Theorie (siehe Großm.ann). Sie hat zweifellos einige gute Geigen hergestellt, doch starb der Inhaber der Firma, Dr. Bielenberg, der für das Unternehmen seine ganze Begeisterung einsetzte und ihm sein Vermögen opferte, ohne den erhofften Erfolg erlebt zu haben. Neudörfer, Ignaz, ist als Geigenmacher in Schönbach b. E. tätig Neudörfer, Josef. — Schönbach Sohn und Schüler von Ignaz N., er ist seit 1902 selb- ständiger Geigenmacher. Hauptsächlich ist er für Händler und Geigenmacher tätig, denen er Geigen einlegt und berändert usw. und ist von diesen seiner Geschicklichkeit wegen sehr geschätzt. Neuknecht, Antoni. — München. 1585 Er wird zwar als Lautenmacher an verschiedenen Stellen genannt und irrigerweise auch ins 17. Jahr- hundert versetzt; mir ist nur bekannt, daß er 1584 für eine Orgel, die er für den bayrischen Hof gemacht hat, 356 fl. erhielt. Diese Orgel scheint später vorüber- gehend in der Münchener Michaelskirche aufgestellt worden zu sein. Neumärker, Carl August I. 1791, t 1864 Schöneck. Geb. 1) Der Zettel ist echt, die Jahreszahl aber, die 1879 gelautet hat, von fremder Hand in 1849 verändert. Sohn von Carl Gottlob I und dessen Schüler. Ein Instrumentenmacher, dessen Geigen der guten Vogt- länder Durchschnittsarbeit entsprechen. Geigenzettel: Carl August Neumärker, / Instrumenten- Macher in Schöneck 1845 (gedruckt). 350 Neumärker — Neuner Neumärker, Carl August II. — Schöneck. Geb. 1812, t 1887 Sohn und Schüler von Carl August I N. und diesem auch in seinen Geigen nahestehend. Geigenzettel : Carl August Neumärker / Instrumenten- Macher in Schöneck 1848 (gedruckt). Neumärker, Carl Gottlob I. — Schöneck i. S. Geb. 1760, t 1838 Der Stammvater der Familie. Seit seinem 14. Lebens- lahre war er Geigenmacher und als solcher bis an sein Lebensende tätig. Seine Geigen sind sauber gearbeitet. Neumärker, Karl Gottlob II. — Schöneck i. S. Geb. 1816, t 1896 Schüler seines Vaters Carl August I N. Ein tüchtiger »Geigenmachermeister«, der sich auch um seine Hei- matsgemeinde besonders verdient gemacht hat, so daß er zum Ehrenbürger von Schöneck ernannt wurde. Neumärker, Ernst Wilhelm. — Schöneck Geb. 9. Oktober 1822 Schüler seines Vaters Carl August I N.; der Talent- vollste aus der Familie, der noch in seinem achtzigsten Lebensjahre eifrig Geigen machte. Neumärker, Franz Wilhelm. — Hannover. Geb. 27. Dez. 1848 m Schöneck Schüler seines Vaters Ernst Wilhelm N. Nach be- endigter Lehrzeit arbeitete er in Glogau, Wien, Mai- land und Berlin und machte sich im Juni 1875 in Hannover selbständig. Seine neuen Geigen macht er nach den gangbaren italienischen Modellen, soweit er nicht sein eigenes (1882 patentiertes) Modell vorzieht, das er namentlich beim Bau der Bratschen anwendet. Dieses Modell ist im unteren Teil des Geigenkörpers nicht symmetrisch, damit die Geigen trotz ihrer Größe noch leicht spielbar bleiben. Was unten an Umfang ver- lorengeht, sucht er oben durch größere .Ausdehnung zu ersetzen, und tatsächlich erzielt er dabei einen Ton, der den sog. Ritterbratschen sehr nahekommt. Seine Arbeit ist sauber und sein Lack (Spiritus- und Ollack) von guter Farbe. Auch sein Sohn Willy, geb. 1883, ist Geigenmacher geworden. Geigenzettel : W. Neumärker / Geigenmacher / Han- nover (gedruckt). Neumans (Nuemans), J. B. — Brüssel. 1744. 1783 Er war als Laiitenmacher der Hofkapelle angestellt und stand in einem gewissen Ansehen. H. E. de Croes nennt ihn 1783 einen »homme fort age<<, der 12 Pistolen Gehalt beziehe »tandis qu'il ne faisait qu'accorder le clavessin*. Geigen von ihm sind mir nicht vorgekom- men, wohl aber eine undatierte Laute mit seinem Na- men. Neumon (Neumann?), Franz. — Neuhaus. 1865 Geigenzettel: Franz Neumon / Instrumentmacher / Von Neuhaus / Repariert 1865 (gedruckt). Neuner. — Mittenwald Aus dieser Familie sind die folgenden Geigenmacher hervorgegangen und in Mittenwald geblieben : Neuner, Barthel. — Mittenwald. Geb. 20. Aug. 1708 Sohn von Willibald und Magdalena N. Er war >>Ludi Magister*. Neuner, Johann I. — Geb. 12. Dez. 1731 . 1764 Er war einer der ersten Mittenwalder, der größere Reisen mit seinen Geigen unternommen hat und dabei bis nach Rußland gekommen sein soll. Er war vermählt mit Therese Witting. Neuner, Johann II (gen. Holebeck). 1800. 1815 Außer Geigen machte er auch gute Gitarren, in die er seinen Namen mit Bleistift unter die Decke schrieb. Geigenzettel : Johannes Neuner Holebeck / Mittenwald a. d. Isar N° 20 / 1809 (geschrieben). Neuner, Johann III. — Mittenwald. Geb. 17. Jan. 1809 Sohn von Mathäus N. Er war mit Marianne Horn- steiner verheiratet. — Er soll in Mittenwald den Bei- namen Noder-Hans geführt haben. Neuner (Neiner), Johann Georg. — St. Peters- burg. 1820. 1824 Vermutlich ein Sohn von Johann N. Seine in Rußland mehrfach anzutreffenden Geigen sollen nur zum klei- nen Teile seine eigene Arbeit gewesen sein, da er viele Mittenwalder Geigen einführte. Er scheint entweder früh gestorben zu sein oder sich nur kurze Zeit in Rußland aufgehalten zu haben. Er ist wahrscheinlich identisch mit dem gleichnamigen Geigenmacher, der kurze Zeitlang in St. Petersburg ansässig war. Geigenzettel : Abb. 563. Neuner, Ludwig I. — Mittenwald. 1830 Ob er die Geigen, die seinen Namen tragen, gemacht oder nur verkauft hat, steht nicht fest. Neuner, Ludwig II. — Geb. in Mittenwald 1840, t 22. Juni 1897 Er lernte in München, Berlin und Paris und war dort zuletzt sieben Jahre lang bei J. B. VuiUaume tätig, wo er auch von Franchomme zu einem ausgezeichneten Violoncellisten ausgebildet wurde. Zurückgekehrt, wurde er Mitinhaber der Firma Neuner & Hornsteiner und errichtete 1 867 ein Geschäft in Berlin. Er war ein ge- schickter Meister, der das Zeug dazu gehabt hätte, sein Programm : die »Fabrikation von Saiteninstrumenten als Kunstgewerbe durch treue Nachahmung italieni- scher Vorbilder zu betreiben«, auch durchzuführen, wenn er den Boden dafür in Berlin gefunden hätte. Als guter Kaufmann kam er bald dahinter, daß er durch den Vertrieb von billigen Mittenwalder Geigen in Berlin mehr verdienen konnte als durch eigene Arbeit. Neuner — Neveu 351 Er besaß eine hervorragende künstlerische Fachbildung, die auch den für die Firma Neuner & Hornsteiner arbeitenden Mittenwalder Geigenmachern zugute kam. Sein einziger Sohn Hans N. ist sein Nachfolger. Neuner, Martin, blühte um 1836 Seine Arbeiten gehen wenigstens teilweise auf italieni- sche Vorbilder zurück, wenn sie auch den Mitten- walder Ursprung nirgends verleugnen. Geigenzettel: Martin Neuner / Geigenmacher in / Mittenwald 1836 (gedruckt). Neuner, Mathäus. — Mittenwald. Geb. 12. Sept. 1762 Sohn von Johann N. und dessen Ehefrau Therese Witting. Er war mit Kordula Kriner verheiratet. Neuner, Mathias I. — Mittenwald. Geb. 30. Juli 1618 Sohn des Peter N. blühenden Familie. Der Stammvater der heute noch Neuner, Mathias II. -1795. 1830 Elr war zwar ein geschickter Geigenmacher, aber doch ein noch wesentlich besserer Kaufmann; er vergrößerte das ererbte Geschäft und legte durch aus- gedehnte Reisen nach England usw. den Grund zu der heutigen Bedeutung der noch bestehenden Firma (Neuner & Hornsteiner). Die Geigen, die seinen Na- men tragen, sind nur in der ersten Zeit seines Wirkens wirklich seine eigenen Arbeiten; später nahm er die kleineren Mittenwalder Geigenmacher in seine Dienste und ging mehr und mehr zum Fabrikbetrieb mit Arbeitsteilung über. Diesen Geigen fehlt daher in der Regel alles Persönliche, während die von ihm allein gemachten Violinen deutlich seine Eigenart erkennen lassen. Geigenzettel: Mathias Neuner, Geigenma- / eher in Mittenwald, 1812 ' Nro. 94 (gedruckt). — Mathias Neiner Geigenma- / eher in Mittenwald i 795 (gedr.). Neuner, Mathias III. — Mittenwald. Geb. 5. Aug. 1799 Sohn von Mathäus N. Er war mit Therese Bader (geb. II. Februar 1803) verheiratet. Von ihm dürfte eine Violine vom Jahre 1820 in der Sammlung G. Stoeber in Würzburg herrühren. Geigenzettel: Mathias Neuner, Geigen / macher in Mittenwald 1820 (gedruckt). Neuner, Mathias IV. — Geb. 1 83 1 , f 26. Febr. 1890 Ein Sohn von Mathias II, dessen Zettel er auch ver- wendet. (Die gedruckte Nr. 94 ist die Hausnummer und nicht die Nummer seiner Arbeit.) Er war Teilhaber der Firma Neuner & Hornsteiner und auch Bürger- meister von Mitten wald. Neuner, Simon. — Mittenwald. Geb. 24. Okt. 1646 Sohn von Mathias und Anna N. Er wird als »Ludi Ma- gister'* bezeichnet. Neuner, Willibald. — Mittenwald. Geb. 7. Juli 1667 Sohn von Simon und Sabina N. Neuner & Hornsteiner. — Mittenwald Geigenfabriksfirma der Gegenwart, die ihr Bestehen bis 1 750 zurückführen kann und zuerst Gebr. Neuner & Co., seit 1812 Mathias Neuner hieß und jetzt Neuner & Hornsteiner heißt. Neben Baaders Geschäft die größte Mittenwalder Firma, die gleichfalls ein eigenes Sägewerk und 180 Arbeiter (größtenteils Heim- arbeiter) beschäftigt und jährlich etwa 15 000 Instru- mente absetzt, und deren Erzeugnisse verdienten Welt- ruf besitzen. Am Ende des 19. Jahrhunderts waren Altenöder & Neuner die Inhaber. Der jetzige Allein- jnhaber der Firma und gleichzeitig Inhaber der Firma L. Neuner in Berlin ist Ludwig N.s einziger Sohn Hans Neuner (geb. 1878). Er ist sowohl Kgl. Preußi- scher als Kgl. Bayrischer Hofinstrumentenmacher und Bürgermeister. Er ist auch ein ausgezeichneter Violon- cellist und studierte acht Jahre lang bei Louis Lübeck in Berlin. Die Firma besitzt zahlreiche Medaillen und Auszeichnungen. Geigenzettel : Neuner & Hornsteiner / Mittenwald in Baiern 1861 (gedruckt). — M. Neuner & Hornsteiner/ aus Mittenwald an der Isar (gedruckt). Neupert, J. C., lebte um 1881 in Bamberg und machte hauptsächlich Zithern Neusiedler, Hans. — Nürnberg. 1547. f Jan. 1563 Er war wahrscheinlich in Preßburg geboren. Ein be- rühmter Lautenist und Lautenmacher, der sich man- ches Verdienst um die Verbesserung seines Instruments erworben hat. Lauten von ihm scheinen nirgends mehr erhalten zu sein, wohl aber kennt man ein Lautenbuch (zwei Teile) von ihm. Der als Lautenist nicht weniger berühmte Melchior Neusiedler (f 1590) war wahr- scheinlich sein Sohn. Über Hans Neusiedlers .Arbeit schreibt Baron in seiner »Untersuchung des Instr. der Lauten« (S. 93): »Obengedachter Hannss Neusiedler, der in Nürnberg gelebet, hat sich nebst seiner Music auch auf das Lautenmachen applicirt, und habe Corpora, worinnen die Jahr-Zahl 1553 gestanden, von ihm ge- sehen, welche etwas gross, von besondern fremden Holtze und ziemlich proportionirlich ausgesehen ha- ben.«— Vgl. auch Doppelmayr, ferner Gg. Andr. Wills Nürnberger Gelehrtenlexikon (1757) B. III, S. 32, dazu auch die Fortsetzung von Nopitsch (7. Teil) 3. Suppl.-Bd. S. 23 usw.i). Neveu, Charles. — Paris. Geb. 4. Nov. 1863 Seit seinem 18. Jahre beschäftigte er sich mit dem Geigenmachen und studierte die Werke der großen 1) Bei Hart erscheint der Name wohl infolge eines Druckfehlers in Meusiedler verwandelt, und seitdem kehrt diese verdorbene Form des Namens in zahlreichen Wer- ken immer wieder. 352 Newton — Nicolas Meister. Im Oktober 1893 eröffnete er in der Rue Manton-Duvenest Nr. 5 seine Werkstatt; er macht hauptsächlich Nachahmungen von Stradivaris»Messias« und verwendet Ollack. Geigenzettel : Abb. 564. Newton, Isaak. — London. Geb. um 1750, t 1825 Wahrscheinlich ein Sohn von Thomas N. Er konnte recht gute Geigen machen ; sein Lack ist dagegen ganz schlecht und von schmutzig gelber Farbe, deshalb hat Betts die Geigen, die er von ihm machen ließ, wohl- weislich stets selbst lackiert. Newton, Thomas. — London. 1746 Er arbeitete recht sauber in deutschem Stil, nur sein Schellackfirnis ist arm und farblos, aber immer noch besser als der von Isaak N. Geigenzettel : Thos. Newton in Southampton Street / Covent Garden 1746 (geschrieben). Newton, W. E. — London (?). 1854 Vielleicht ein Enkel von Thomas N. Er ist nur dadurch bekannt, daß er eine Trompetengeige erfand und in England patentieren ließ, die ähnlich wie die von Hell in Wien gleichzeitig als Geige und als Trompete zu brauchen war. Nezot. — Paris (?). 1730. 1760 Constant Pierre lobt seine Violen; mir war es nicht möglich, ein selbständiges Werk von ihm kennen zu lernen, nur Reparaturen, so im Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 139) und in der Sammlung Snoeck (Nr. 463 »Violetta piccola<')- Nickel (Niggel, Nikel, Nicki), Sebastian. — Wien. 1782. 1787 Vielleicht ein Sohn von Sympert Niggel! ? Arbeit und Lack sind so genau wie von Jos. Ferd. Leidolff, daß man ihn wohl für dessen Schüler ansehen kann. Er wurde 1782 der Nachfolger von Marianus Petz^) und war wohl ein Verwandter von ihm (die Familien Petz und Nickel stammen aus Füssen). Er legte am 1 1 . Mai 1782 den Bürgereid ab und wohnte am Hof, im sog. Bürgermeisterhaus. In den Steuerbüchern kommt er bis 1787 vor und soll dann nach Rußland ausgewandert sein, wofür aber jeder Beweis fehlt. Da er nur wenige Jahre in Wien ansässig war, ist es begreiflich, daß Instru- mente von ihm selten vorkommen. Eine recht gute Violine von ihm aus dem Jahre 1783 besitzt das Stift St. Florian in Oberösterreich. Ein Violoncello von 1786 befindet sich in Privatbesitz in Wien. Geigenzettel: Sebastian Nicki / fecit Viennae 1783 / (gedruckt). Niclas (Nlklas), Johann Georg. — Hallein. Geb. um 1712, t 30. März 1788 In der Sterbematrikel heißt es von ihm, daß er ein ver- wittibter Geigenmacher und 73 Jahre alt war. ^) Petz war Jos. Ferd. Leidolffs Nachfolger. Niclas (Nlklas), Stephan. — Hallem. Geb. 1737, t 24. Nov. 1778 In der Sterbematnkel wird er als Geigenmacher und Spielmann aufgeführt. Sein Zettel findet sich bei P. de Wit veröffentlicht. Geigenzettel: Stephan Niclas Geigen- / macher in Hällein 1778 (gedruckt). Nicol, Thomas. — Glasterlaw. Geb. 10. Juni 1840 m Pitmuies Ein tüchtiger Violinspieler, der aus Liebhaberei schon mit 20 Jahren Geigen zu machen begann und seitdem über 60 Violinen nach Stradivari und Guarneri ge- macht hat. Anfangs verwendete er Spiritus-, später Ol- lack. Geigenzettel: T. Nicol / 18 Maker 98 (gedruckt). Nicolai, Heinrich Gottfrieci. — Lübeck. Ge- tauft am 24. Mai 1780, f 1831 in Lübeck Theatermusiker, der auch Lauten usw. gemacht hat- Er verarmte, wurde »Arbeitsmann« und starb im St. Annen-, Armen- und Werkhaus. Eine Gitarre von ihm besitzt Wahl in Köln, die den Zettel trägt: Heinr. Gottfr. Nicolai Lübeck 1808 (geschrieben). Nicolas, Antoine. — Mirecourt. Geb. um 1730, lebte noch 1782 Er war in erster Ehe mit Anne Therese ThiUepin ver- heiratet, kommt 1757 bereits als Meister vor und ging am 15. November 1782 eine zweite Ehe ein. Nicolas. — Aix. 1816. 1838 Wahrscheinlich ein Mirecourter, der sich wohl nur vor- übergehend in Aix aufgehalten hat. Er arbeitete nach Stradivari. Geigenzettel: Abb. 571. Nicolas, Didier l'Aine, gen. le Sourd. — Mire- court. Geb. in Mirecourt 23. Jan. 1757, t daselbst 1833. (Nicht zu verwechseln mit Fourner Nicolas, gen. Nicolas de Paris) Sohn und Schüler von Antoine N. Er nannte sein Ge- schäft »A la ville de Cremonne« (sie !) und machte recht gute, billige Geigen, die man zwar nicht als eigentliche Kunstwerke betrachten kann, die aber doch lobens- werte Eigenschaften haben. Bei einzelnen Instrumen- ten, auf die er besondere Sorgfalt verwendete, erreichte er sog r die besten seiner Zeitgenossen. Sein Modell ist flach gewölbt und erinnert an Stradivari; nur sind die F-Löcher in der Mitte oft zu weit ausgeschnitten. Mit seinen Versuchen, die gebräuchliche Form der Geigen zu verändern, hatte er so wenig wie alle anderen, die dasselbe versuchten. Glück. Er erzielte damit wohl hier und da einen etwas größeren, aber unedlen Ton. Sein Lack ist rotbraun, ins Gelbliche spielend. Seme Instrumente bezeichnete er an der Stelle, wo sonst der Zettel eingeklebt wird, durch d!e Brandmarke Nr. 68. 1806erhielt er in Paris eine silberne Medaille. Er Ni icolas Niedt 353 betrieb die Geigenfabrikation im großen und beschäf- tigte in seinen letzten Jahren über 600 Arbeiter. Er war auch der erste Mirecourter, der sich an einer Aus- stellung (1802) beteiligte. Seine Marke wurde später von Derazey und schließlich noch von P. Mougenot verwendet, so daß neuere Geigen mit seinem Namen von diesen herrühren. Brandmarke Nr. 68. Nicolas, Fran^ois I. — Mirecourt. 1752. t 1778 Er war Luthier und 1753 bereits mit Anne Boyer ver- heiratet. Nicolas, Fran^ois II (Charles-Frantois-Leo- pold). — Mirecourt. Geb. 26. Mai 1754, lebte noch 1782 Sohn von Fran?ois I. Am 2. Mai 1775 heiratete er Elisabeth, die Tochter des Geigenmachers Mast. Nicolas, Fran^oisIII. — Mattaincourt b. Mire- court. 1752 Boulanger in Nancy besitzt eme fünfsaitige Viola von ihm. Nicolas, Fran^ois IV. — Mirecourt. 1775. 1778 Als Geigenmacher erwähnt. Nicolas, Fran^ois-Fourrier (gen. Nicolas de Paris) 1). — Paris. Geb. 5. Okt. 1 758 in Mire- court, t 1816 Zweiter Sohn von Fran^ois I N., bei dem er wohl auch seine erste Lehrzeit durchgemacht haben dürfte. Er kam dann zu Edmond Saunier und war nachweisbar schon im Jahre 1 784 als Meister ansässig. Er hatte da- mals bereits den Titel: »Luthier de l'Ecole royale<', später '>de l'Academie royale de Musique« und zur Zeit Napoleons »de la Chapelle et de la Musique par- ticuliere de l'Empereur*. Er wohnte 1789 Place de l'Ecole, 1797 Rue Saint Nicaise Nr. 502 und zuletzt Rue Croix des petits Champs. Eine prächtig erhaltene Violine, die alle charcikteristischen Eigenschaften dieses Meisters zeigt und durch ihren vorzüglichen roten Lack bemerkenswert ist, besitzt das Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 25). Vidal teilt die Abschrift eines Zettels mit Widmung mit: Repare par Fourner Nicolas, luthier de la chapelle de S. M. l'empereur, pour son ami Julien, chef d'orchestre des bals de la cour. 1806. ^) Er wurde bisher immer als Fourrier, genannt Nicolas de Paris, in der Geigenliteratur aufgezählt. Erst A. Jac- quot machte darauf aufmerksam, daß »Fourrier« ein in Mirecourt beliebter Taufname war, den man den Kindern gerne zu Ehren des hl. Pierre Fourrier von Mattaincourt beilegte. V. L ü t g^e n d o cf f , Geigen- und L.Tutenmarher. Bd. II Außer verschiedenen Zetteln verwendete er auch die Brandmarke »Nicolas ä Paris«. Geigenzettel : Fourrier Nicolas / Luthier de la Chapelle de sa Mte / l'Empereur Napoleon I^f / L. Parisiorum anno 1806 (gedruckt) und Abb. 228 und 229. Nicolas, Joseph. — Mirecourt. Geb. 1796, t 1864 in Mirecourt Sohn, Schüler, Mitarbeiter und Nachfolger von Didier Nicolas, dem er nachstrebte. Seine Geigen von großem, flachem Modell tragen handschriftliche Zettel und die Marke: »J. Nicolas Fils«, sind meist hell lackiert und gelten ihres kräftigen Tons wegen als gute Orchester- instrumente. Nach seinem Tode verkaufte die Witwe Geschäft und Firma an Derazey; infolgedessen kann man viele Geigen, die lange nach dem Tode der beiden Nicolas entstanden sind, mit ihren Stempeln versehen, antreffen, wobei manchmal der Werkstattname »A la ville de Cremonne*, den Didier Nicolas führte, mit »J. Nicolas Fils« verbunden erscheint. Brandmirke Nr. 69. Nicolas, Matthieu. — Mirecourt. Geb. 1666. t 1716 Vielleicht der Stammvater der Familie. Handwerks- mäßige Arbeit, gelber oder roter Spirituslack, Brand- marke: »M. Nicolas«. Nicolas, Thomas. — Genf. 1808. 1810 Wahrscheinlich zur Mirecourter Familie gehörig; seine Arbeit ist ohne Kunstwert. Nicolas de Bordeaux s. Vaillant Nicoll, J. — 1898 Englischer Geigenmacher, dessen Violinen dadurch ein gewisses Interesse erregten, daß er sie aus dem Holze der Aned L. Kirche von Kirriemuir machte, die durch J. M. Barrels Novelle »The Little Minister« in weite- ren Kreisen bekannt wurde, Niedt, Karl — Würzburg. Geb. 17. Dez. 1872 in Schweinfurt a. M. als Sohn eines Blech- instrumentenmachers Schüler von Ernst Friedr. Reichel in Markneukirchen. Nach seiner von 1887 — 1897 währenden Lehr- und Wanderzeit eröffnete er am 1 . September 1 897 in Würz- burg sein eigenes Geschäft als Geigenmacher. Auf Ver- langen kopiert er jeden Meister, arbeitete aber zuerst nach einem eigenen Modell, das durch starke Schwei- fung in der Breite und breite Brust von anderen Mo- dellen abweicht, später nur noch nach Stradivari und Guarneri. Anfangs verwendete er mit Vorliebe gelbroten Bernsteinlack. Besondere Beachtung finden seine Nachahmungen der Lackierung von Lupot und J. B. Vuillaume. Seine Arbeit ist sehr sauber und der Ton gut und gesangreich. Er erfand auch eine neuartig übersponnene G-Saite, die sehr gelobt wird. Geigenzettel : Karl Niedt ; Würzburg, anno .... (ge- druckt). — Karl Niedt, Geigenbauer / Würzburg 19 . . (gedruckt) und Abb. 567. 23 354 Nielsen — Nobili Nielsen, Isak. — Norwegen. Um 1700 Schüler von Lars Klark in Östersjö. Er gilt als der Schöpfer der sog. »Hardangerfele«, einer Volksgeige, die kleiner als die Violine ist, mit niedrigerem Steg, kürzerem Hals, hochgewölbter Decke und mitklingen- den Untersaiten. Am Wirbelkasten findet sich gewöhn- lich ein Drachenkopf. Sein Sohn Tron (Trond) Isaksen (s. d.) war sein Nachfolger. Niemeyer, Adalbert. — München. 1900 Ein Professor, der ein einsaitiges, der singhalesischen zweisaitigen »Venäva« ähnliches Streichmstrument her- stellte, dessen Korpus eine Kokosnuß mit einer Trom- melfelldecke ist, und das er »Cococello« nennt. Nier, Cajetan, arbeitet als Geigenmacher in Watzkenreuth bei Fleissen Nigetti, Francesco, gen. Cestinetti. — Florenz. 1645. t 1682 Ein Tonkünstler, der sich auch mit dem Anfertigen von Saiten- und Tasteninstrumenten beschäftigte und u. a. das von ihm Proteus benannte »Cembalo omni- cordo« erfand. Nigg, Gottfried. — Füssen. 1741 Er stammte aus Gunzenberg und kommt in dem Füs- sener Umlageregister für 1741 als Lautenmacher vor. Nigg, Sympert I (Koloman). — Füssen. Geb. 14. Okt. 1702, t 30. Okt. 1759 Sohn des Bierbrauers (cerevisianus) Magnus N. und seiner Frau Sabina. In den Umlageregistern für 1737 wird er mit einem fünfjährigen Sohne Hans Michael und einem dreijährigen Sohne Thomas aufgeführt. In der Sterbematrikel wird er als testudmanus bezeichnet. Er darf nicht mit Sympert Niggell verwechselt werden. Nigg, Sympert II. — Füssen. 1774 Vielleicht der jüngste Sohn von Sympert 1 N. Er wird in den Steuerlisten für das Jahr 1774 genannt. Arbeiten von ihm mit handschriftlichen Zetteln sollen durch fremde Hinzufügung des Buchstaben 1 als Werke von Sympert Niggell (Niggl) ausgegeben werden. Nigg, Thomas. — Füssen. Geb. 18. Dez. 1 733, t nach 1 774 Sohn von Sympert I (Koloman) N. und dessen Frau Maria Anna. In den Füssener Steuerlisten für 1774 wird er als vierzigjähriger Lautenmacher aufgezählt. Niggell, Sympert. — Füssen^). Geb. 14. April 1710 in Schwangau, t 17.Juh 1785 Sohn des Matthäus N. und seiner Frau Regina. Als »cheliferarius de Schwangau« heiratete er am 26. Sep- tember 1740 die Maria Regina Ott (gest. 19. Mai 1784). Der bedeutendste Füssener Meister des 18. Jahrhun- derts. Sein Todeseintrag lautet: »Sympertus Niggl vi- ') Wenn Hart ihn nach Paris versetzt, muß wohl ein Lesefehler die Schuld tragen. duus obiit 17. Vll. 1785 chelificum facile celebernmus, vir sancte, simplex et rectus.« Seine Arbeit hält zwi- schen Stainer und Alban ungefähr die Mitte. Seine Geigen sind sorgfältig durchgeführt, die Wölbung nicht allzu hoch, das Holz recht gut ; nur der Lack (von hell- roter, rotbrauner oder auch schwarzbrauner Farbe) ist etwas spröde und springt leicht ab. In der staatl. Samm- lung alter Musikinstrumente in Berlin ist eine aus der Sammlung Snoeck stammende 14saitige Viola d amore von ihm, mit einem hübsch geschnitzten, eine For- tuna darstellenden Köpfchen am Wirbelkasten (Nr. 499). Ein Violoncello von ihm aus dem Jahre 1 750 be- sitzt W. Heyers Musikhist. Museum in Köln. Einige seiner Geigen tragen außer seinem Zettel im Innern auch die Brandmarke Nr. 73. Geigenzettel: Sympertus Niggell / Lauten- und / Geigen-Macher in Füssen / 1750 (gedruckt) und Abb. 562. Niggl, Korbinian. — Braunau. 1849 Wahrscheinlich zur Füssener Familie gehörig oder ein Sohn von Seb. Nicki. Seine Arbeit ist mittelmäßig. Geigenzettel: Korb. Niggl bürgl. Geigen- / macher in Braunau 1849 (gedruckt). Nigl s. Nicki Nigout. — Jenzat (Allier). 1863 Schüler von Pajot ; macht Bauernleiern. Niklas s. Niclas Nilssen s. Nielsen Nllsson, N. — Malmö. Geb. 1842 Ein geschickter schwedischer Geigenmacher der Gegen- A-art, der 1897 in Malmö recht gute Arbeiten ausgestellt hatte. Er ist auch in der Wiederherstellung alter In- strumente recht tüchtig; mehrere Arbeiten von ihm besitzt das Musikhistorische Museum in Stockholm. Nisbet, William. — Lint Mill, Prestonkirk. Geb. 3. Jan. 1828 in Stenton Er hat sich in vielen Berufen versucht und über 100 Violinen, zuerst frei nach Maggini, später nach einem eigenen, an Nicolas Amati erinnernden Modell ge- macht. Er nahm gutes Holz und einen braunen Spiritus- lack. 1886 erhielt er für seine Geigen auf der Ausstel- lung in Edinburgh zwei Bronzemedaillen. Er schrieb seinen Namen mit einem harten Bleistift, der ins Holz dringt, auf die Innenseite des Bodens. Meredith- Morris widmete ihm einen Aufsatz in »The Strad« 1899, Nr. 130. Geigenzettel: W-" Nisbet / Lint Mill / 1890 (geschr.). Nisle, David. — 1799 Beifolgenden Reparaturzettel ohne Ortsangabe fand ich in einer Geige : Reparirt von David Nisle / Musicus und Instrumentenmacher / Anno 1799 (gedruckt). Nobili, Antonio Francesco. — Florenz. 1693 Ein Lautenmacher, den ich bisher nur bei Valdrighi (2247) erwähnt gefunden habe. Nobitschek — Norris 355 Nobitschek, Bruno W. — Innsbruck. 1920 Bruder von Oskar N. und wie dieser ein geschickter Geigenbauer und Reparateur. Geigenzettel: Bruno W. Nobitschek / Geigenbauer, Innsbruck 192 . (gedruckt). Nobitschek, Josef. — Preßnitz i. B. (an der sächsischen Grenze). 1880. 1895 Ein Instrumentenmacher, der hauptsächlich allerlei Reparaturen ausführte. Nobitschek, Oskar. — Innsbruck. Geb. 2. Mai 1881 in Preßnitz i. B. Sohn und Schüler von Josef N. Als Gehilfe arbeitete er bei O. Möckel und Friedel in Berlin und machte sich 1906 in Innsbruck selbständig. Seine Geigen sind sehr sauber ausgeführt und klingen vortrefllich. Im Jahre 1906 erhielt er in Rom die goldene Medaille, und seitdem noch andere Anerkennungen. Noble, Hugh. — Dundee. Geb. 22. Jan. 1849 in Banchory Ein Liebhaber, der etwa ein Dutzend recht guter Vio- hnen gemacht hat. Geigenzettel: Hugh Noble / Dundee / 1895 (geschr.). Noder-Hans s. Joh. Neuner Noebe^), Louis. — Homburg v. d. H. Geb. 1844 in Mecklenburg-Schwerin Von Hause aus Musiker, begründete er 1865 ein Gei- genmachergeschäft, das sich emes guten Rufs erfreut. Mehrere von ihm gemachte Erfindungen, so ein »In- duktionsbalken«, scheinen sich nicht dauernd bewährt zu haben. Noel, Fran^ois. — Mirecourt. Geb. nach 1 750, t 1786 Arbeiten von ihm sind bis jetzt noch nicht bekannt geworden. Im Jahre 1789 kommt auch ein Nicolas Noel als Luthier vor. Nölck, Joachim Friedrich. - Lübeck. 1 799. 1 802 Er erwarb i 799 als Instrumenten-, Orgel- und Klavier- macher das Bürgerrecht. 1802 am 19. Juni kündigt er in den Lüb. Anz. an :>>... zugleich empfehle ich mich mit Verfertigung aller anderen Arten von Orgeln und Saiteninstrumenten wie auch Stimmen derselben.« Er ward später Sargträger an St. Petn, machte aber auch als solcher noch Orgeln. Nona, Francesco della. — Rom. 1610. 1612 Trotz des italienisch klingenden Namens wird er als Franzose bezeichnet und war vorzugsweise Klavizim- belmacher. Eine Theorbe mit reichgeschnitztem Hals mit seinem Namen soll Fürst Yussupow besessen haben. ^) 1 796 lebte in Dresden ein Harmonikamacher glei- chen Namens, der als Verbesserer der Stahlharmonika bekannt wurde. Nonemacher, Christian. — ? 1737 Eine deutsche Pandurina (Diskantlaute) mit diesem (vielleicht falsch gelesenen) Namen aus dem Besitze T. W. Taphouses war in der Londoner Music Loan Exhibltion 1 904 ausgestellt. (In Prag gab es im 18. Jahr- hundert eine Tischlerfamilie namens Nonnenmacher.) Norberg, J. — Torpshammer, Vesternorrlands län, Schweden. 1897 Von Beruf Photograph, macht er »Hausfleiß-Violen und -Gitarren« und hat solche 1897 In Stockholm aus- gestellt. Norborn (Nordborn), John. — London. 1723 Sichere Arbeiten von ihm kennt man nicht. Norman, Barak. — London. Geb. um 1678, t 1740 Wahrscheinlich ein Schüler von Th. Urquhart, an den seine frühesten Arbeiten erinnern. Einer der berühm- testen Geigen- und Lautenmacher der altenglischen Schule, dessen Violen, Theorben und Lauten usw. die Hand eines Meisters verraten. Im Jahre 1713 war er mit Nathanlel Groß verbunden. Er wählte feines Holz, der Lack ist gut, nur etwas dunkel, und seine Geigen- Instrumente haben manche Verwandtschaft mit denen der Brescianer Schule. Außer seinem Zettel findet man manchmal auch sein Monogramm an der Außenseite des Bodens. Er soll der erste Engländer gewesen sein, der ein Violoncello gemacht hat. Violinen von ihm kommen äußerst selten vor. Drei Baßviolen waren 1872 im South Kens. Mus. ausgestellt. Die F-Löcher in seinen Altviolen zeigen noch die alte Schlangenform. Er hielt darauf, daß nur die Arbeiten, die er allein ge- macht hatte, seinen Namen trugen, oder bemerkte ausdrücklich, welche Teile von ihm herrührten. Eine Baßviola im Pariser Konservatorium (Nr. 173) dürfte von ihm gemacht sein. Eine Violine aus dem Jahre 1719 besitzt J. T. Chapman. Eine Viola da Gamba von sorgfältiger Arbelt, hübsch eingelegt, befindet sich in Berlin, stsatl. Samml. Nr. 826. Eine andere mit der aller- dings zweifelhaften Jahreszahl 1692 besitzt das Donald- son-Museum (Royal College of Music) in London, eine gleiche von 1698 W. C. Hill & Sons in London. Eine Baßviola von 1711 besitzt Alfred Keil In Lissabon. Viele seiner Gamben sind jetzt in Violoncelli umgebaut, doch gibt es auch Violoncelli, die er selbst als solche gemacht hat. Geigenzettel: .Abb. 569 und 570. Norris, John. — London. Geb. um 1739, t 1818 Schüler von Thomas Smith. Er verband sich ursprüng- lich mit Rob. Barnes und betrieb mit diesem einen ziemlich ausgedehnten Geigenhandel ; über seine eigene Geschicklichkeit läßt sich nicht viel sagen, da fast alle mit der Firma Norris & Barnes versehenen Instru- mente von anderen Gelgenmachern, die in ihrem .Auf- trag arbeiteten, gemacht sind. Geigenzettel : Made by Norris and Barnes / Violin Vio- lincello and Bow Makers / To Their Majestles / Co- ventry Street, London (gedruckt). 23* 356 Novello - NiirnberE;er Novello, Marco. — Venedig. 1720 Da nur sehr selten Gelgen von ihm vorkommen, wird er meist mit Marc Antonio N. verwechselt, doch unter- scheidet sich seine Arbeit sowohl im Stil als auch in der Ausführung von den Werken des letzteren. Geigenzettel: Marcus Novello fecit Venetia 1720 (ge- druckt). Novello, Marco Antonio. — Venedig. 1780. 1795 Wahrscheinlich ein Sohn des Marco; Bruder von Pietro Val. N., mit dem er längere Zeit eine gemeinschaftliche Werkstätte besaß. Novello, Pietro Valentlno. — Venedig. 1790. 1800 Schüler von Anselm Bellosio und wie dieser emer der besseren Geigenmacher in der Zeit des allmählichen Verfalls der Venezianer Schule. Seine Zeit schon in die dreißiger Jahre zu setzen, wie mehrfach geschieht, ist nicht angängig. Geigenzettel : Abb. 565. Noverci (Noversi), Cosimo. — Florenz. 1662 Sohn des Giovanni N. Ein Lautenmacher, der mehr- fach erwähnt wird, von dem sich jedoch bis jetzt keine Arbeiten nachweisen ließen. Nowicki, Sigismund Paul. — Minsk. 1857 Ist mir nur als Reparateur bekannt geworden. Nowy, Franz. — Wien. 1910 Schüler seines Vaters Michael N. Er macht namentlich schöne Zithern und Gitarren. Nowy, Michael. — Wien. 1900. 1910 Sciiüler von Kiendl, ein tüchtiger Gitarren- und Zithernmacher. Nürnberger, Adolph. — Markneukirchen. 1890. 1900 Neffe von Christoph Nürnberger. Ein guter Bogen- macher, der längere Zeit bei Chr. Süß als Gehilfe be- schäftigt war und bei diesem eine strenge Schule durch- gemacht hat. Nürnberger, C. — Markneukirchen. 1904. 1905 Zwei bemerkenswert sauber gearbeitete Violinen, die diesen Namen trugen, wurden mir gezeigt. Nürnberger, Franz Albert I. — Markneu- kirchen. Geb. 18. Aug. 1826, 1 20. Mai 1895 Sohn von Karl Gottlob N., Schüler von W. Bausch; ein sehr tüchtiger, weitbekannter Bogenmacher, Grün- der der Bogenmacherinnung in Markneukirchen, deren erster Obermeister er 25 Jahre lang war. Nürnberger, Franz Albert II. — Markneu- kirchen. Geb. 24. April 1854 Sohn und Schüler von Franz Alb. 1. Er begründete 1880 seine Werkstatt und ist gegenwärtig einer der her- vorragendsten Bogenmacher Deutschlands. Er arbeitet nach J. B. Vuillaume, Tourte, Voirin und Tubbs, und seine Bogen sind den besten französischen ebenbürtig. Sie tragen den Stempel: »Albert Nürnberger«. Er be- sitzt eine große Zahl von Auszeichnungen und Medaillen und arbeitet für die ersten Geiger des In- und Aus- landes. Es ist bekannt, daß August Riechers bis an sein Lebensende seine besten Bogen ausschließlich von Fr. Alb. N. bezog. Nürnberger, H. Robert. — Markneukirchen. Geb. 29. Juli 1862 zu Markneukirchen Sohn von Franz Albert N. Kam 1876 zu Karl Pfretzsch- ner in die Lehre und arbeitete dann als Gehilfe bei Th. Heberlein und bei Riechers in Berlin. Nach seiner Militärdienstzeit machte er sich selbständig und gilt als tüchtiger Meister. Nürnberger, Johann Adam. — Klingenthal, (Mark)Neukirchen. Geb. 1727 in Klingen- thal, t 8. Aug. 1809 in Markneukirchen Schüler von Joh. Christian Uebel. Ein tüchtiger Gei- genmacher. Sein Vater soll aus Wunsiedel in Bayern der Religion halber ausgewandert sein und sich in Hohendorf bei Brarnbach angesiedelt haben. Joh. Adam N. kam erst in reiferen Jahren nach Markneukirchen, wo er das Bürgerrecht erwarb und am 26. Januar 1761 als Meister in die Zunft aufgenommen wurde. Er ist der Stammvater der heute noch in Markneukirchen blühenden Familie Nürnberger und war mit der jüng- sten Tochter von Johann I Reichel verheiratet. Er er- reichte ein Alter von 81 Jahren 1 1 Monaten und 4 Tagen. Nürnberger, Johann Christoph. — Markneu- kirchen. Geb. 30. März 1839, f 28. Nov. 1899 Einer der besseren Bogenmacher Markneukirchens, der fünf Jahre bei J. B. Vuillaume in Paris gearbeitet hat. — Sein Sohn, der Gastwirt ist, betreibt das Bogenmachen nur im Nebengewerbe. Nürnberger, Johann Georg. — (Mark)Neu- kirchen, Pausa. Geb. 19. Aug. 1763, f 1829 Sohn und Schüler von Johann Adam N. Er soll mit seinen im Winter angefertigten Geigen viel auf Märk- ten herumgezogen sein und ließ sich schließlich in Pausa bei Plauen nieder, kehrte aber vor seinem Tode wieder in seine Heimat zurück. Nürnberger, Karl Albert. — Markneukirchen Zweiter Sohn von Franz Alb. II N. Ein sehr ge- schickter Bogenmacher, der ganz in die Fußstapfen seines Vaters tritt und sich 1908 selbständig gemacht hat. Nürnberger — Obici 357 Nürnberger, Karl Gottlob. — (Mark)Neu- kirchen. Geb. 17. Okt. 1793, f 12. Aug. 1868 Sohn von Johann Georg N. Er war ursprünglich ge- lernter Geigenmacher (Schüler seines Vaters), verlegte sich aber schon seit seinem 18. Jahre ganz auf das Bo- genmachen, das er bei Christ. Friedr. Knopf erlernte. Er war sehr geschickt und namentlich wegen seiner guten Kontrabaßbogen geschätzt. Er begründete Im Jahre 1824 sein Geschäft, das in seinem Enkel und seinen Urenkeln fortblüht. Nürnberger, Philipp Paul. — Markneukirchen. Geb. 29. Jan. 1882 Erster Sohn von Franz Alb. II N. Er ist seit 1897 als Bogenmacher selbständig und macht seinem Vater und Lehrer alle Ehre. Nunez, Francisco. — Buenos-Aires Gitarrenmacher der Gegenwart. Nunez (Nufies), Octaviano Joäo. — Lissa- bon (?), Madeira, Funchal (?) Portugiesischer Gitarren- und Mandolinenmacher des 19. Jahrhunderts. Nach Valdrighi war er in Lissabon ansässig, G. Kinsky vermutet in Funchal, auf dem Zettel liest man nur Madeira. Eine zierliche portugie- sische Gitarre von ihm ist in W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln. Nyberg, Hans Severln. — Örkeljunga. 1760 Wenn Lector Daniel Feyelund richtig liest, der Name des Verfertigers einer kleinen Viola d'amore im Nord. Museum in Stockholm. Geigenzettd : Hans Severin Nyberg uti Örkeljunga 1760. Nyström,Carl Magnus. — Stockholm. 1 757. 1 762 Er erhielt zwar Im Jahre 1 757 das Privilegium als Gei- gen- und Lautenmacher, war aber gleichzeitig Gewürz- krämer und scheint nur als solcher .Absatz gehabt zu haben. Arbeiten von ihm kennt man nicht. Obbo, Marco I. — Neapel. 1712. 1727 Im Jahre 1727 wohnte er seiner .Angabe nach in der Strada dalla fills. Über dem zweiten o seines Namens findet sich das sonst als .Abkürzungszeichen bekannte Häkchen -, so daß man fast annehmen könnte, daß der Name eigentlich länger gewesen sei. Es gibt viele Gelgen mit diesem Namen, die weder in der Arbeit noch im Lack, der sehr trübe erscheint, hervorragend sind. Vereinzelt aber kommen doch bessere Arbeiten von Ihm vor; so besaß Dir. Paul Müller in St. Gallen eine recht gute Violine von schönem Holz, mit durch- sichtigem, orangegelbem Lack; das Modell erinnerte an Stradivarl, der Ton war voll und weittragend. Geigenzettel : Marcus Obbo. Napoli 1712 (geschrieben). Obbo, Marco II. — Neapel. 1803 Vielleicht ein Sohn oder Enkel von Marc I Obbo. Er scheint nur Gjtarren und Mandoljnen gemacht zu haben. Eine Gitarre von Ihm aus dem Jahre 1803, reich mit Elfenbein und Perlmutter verziert, besitzt C. Stoe- ber in Würzburg. Geigenzettel: Marcus Obbo fecit / Strada S. Ferdi- nando n. 56 / Neap. Anno 1803 (gedruckt). Oberkirsch, Johann Karl. — Rhodt b. Landau (Pfalz). Geb. 20. April 1800 zu Mühlheim (Rheinpfalz), f nach 1850 Er war Schneider und Musiker und spielte mit einer kleinen Kapelle bei allen vorkommenden Gelegenheiten. Nebenbei betrieb er auch die Geigenmacherei und war als Reparateur nicht ungeschickt. Seine neuen Gelgen dagegen lassen In allen Teilen die ungeschulte Hand erkennen. — Er soll In der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seiner ganzen Familie nach .Amerika ausgewan- dert sein. Gelgenzettel : Gemacht von Carl / Oberkirsch In Rhodt/ bei Landau 1842 (geschrieben). Obermaier, Alexander. — Lübeck. Geb. 14. April 1872 in Dresden .Als Techniker vorgebildet, führte ihn seine Liebe zur Musik an das Dresdener Konservatorium. Nach Voll- endung seiner Ausbildung ging er zur Bühne und wirkte als Sänger in mehreren großen deutschen Städten, war längere Zelt in Riga und ging von da nach Nordamerika und Mexiko, wo er jedoch als In- genieur tätig war Da er trotz günstiger geschäft- licher Erfolge in diesem Berufe keine Befriedigung fand, kehrte er nach Deutschland zurück und wurde von Berlin an das Lübecker Stadttheater berufen. Hier begann er im Jahre 1914 seine erste Laute zu bauen und brachte es durch eifriges Selbststudium und fortge- setzte Übung zu großer Geschicklichkeit. Er baut seine Lauten In allen Teilen von Grund auf selbst und erzielt einen bemerkenswert schönen Ton. Obici (Opici, Obizi), Bartolomeo I. — Verona. 1665. 1685 Seiner Arbelt nach gehört er der Brescianer Schule an. Sein Modell Ist grof5, der Lack gelb und der Ton recht gut, so daß Gelgen von Ihm unter 10000 M. kaum zu haben sind, doch kommen sie sehr selten vor. Gelgenzettel : .Abb. 589. Obici, Bartolomeo II. — Verona. 1750. 1755 Vielleicht ein Sohn von Bartol. 1. 0 . Auch er hält sich zur Brescianer Schule und ahmt das Magglnimodell in freier Weise nach, das er in schlankere Form bringt. Sein Lack ist dunkelgelbbraun. Bei der Holzwahl legte er größeren Wert auf tonliche Eigenschaften als auf die Schönheit und erzielte stets einen großen edlen Ton. Er schreibt seinen Namen ObiZi^). ') Ein E. D. Obizi (Obizzi) gab heraus: Le poesle liriche. Divise in libri cinque cloe II mirto, II lauro, II clpresso, la palma e'l sambuco. 4. Impr. Padova per G. B, Pasquati 1660, 16, Mit Titelkpfr. 358 Obici — Öhberg Obici, Prospero. — Marano sul Parano (Mo- dena). 1880 Wahrscheinlich ein Nachkomme der Veroneser Mei- ster gleichen Familiennamens. Er machte Geigen und Gitarren, die im ganzen nicht schlecht genannt werden können. Obizzi, Marchese Tommaso Degli. — Padua. 1769 Daß sich der Gründer der berühmten Estensischen Sammlung gelegentlich auch als Reparateur versucht hat, beweist die Inschrift einer Violine in der Samm- lung alter Musikinstrumente des Kunsthist. Museums in Wien : Tommaso Degli Obizzi ristaurai adi 3. Giugno 1769, inPadova. Obrecht, M. — Kolmar. 1819 Er scheint nur vorübergehend in Kolmar ansässig ge- wesen zu sein, da sein Name in den Kolmarer Stadt- akten nicht vorkommt. Geigenzettel: Repare / par M. Obrecht reparateur / ä Colmar / 1819 (geschrieben). Odani, Giuseppe Morello. — Neapel. 1738 Andere nennen ihn kurzweg Giuseppe Morelli; wenn Vidal seinen Zettel richtig gelesen hat, dann hieß er jedoch G. M. Odani. Seine Arbeit ist gut, sein Lack rotbraun, manchmal fast schwarz. Geigenzettel : Giuseppe Morello Odani / in Napoli 1 738 (gedruckt). Oddone, Carlo Giuseppe. — Turin. Geb. 1866 in Turin Schüler von Gioffredo Rinaldi, bei dem er von 1889 bis 1899 arbeitete, und von F. W. Chanot, bei dem er zwei Jahre blieb. Im Jahre 1901 ging er von England in seine Heimat zurück und eröffnete seine eigene Werkstatt. Er verfertigt gute Kopien nach Stradivari und Guarneri und bedient sich dabei derselben Mo- delle, die auch G. Rocca in seiner besten Zeit benützte. Sem Lack ist fett und meistens von dunkelroter Farbe. Er gilt als einer der besten italienischen Geigenmacher der Gegenwart. Auf der Turiner Ausstellung 1911 war er gut vertreten. Odoardi (Odoardo), Antonio, gen. II Lanaro. — Ascoli. 19. Jahrhundert Neffe von Giuseppe »Villano d'Ascoli«. Seine Geigen sind mittelmäßig. — Auch sein Sohn ist Geigenmacher geworden. Odoardi (Oduardi), Giuseppe. — Ascoli (Piceno), gen. il villano d'Ascoli. Geb. am 6. April 1 746 in Poggio di Bretta, f um 1 786 Sohn des Antonio Odoardi, der ein vielseitiger Dilet- tant war. Odoardis Geburtszeit wird meist um ein Jahr- hundert zu früh angegeben, wozu vielleicht der Um- stand verführte, daß er gerne eine fast an Stainer er- innernde hohe Wölbung nahm. Galeazzi erzählt (1791) von ihm, daß er ein Bauer gewesen sei, ohne Lehrer sich zu einem trefflichen Geigenmacher ausgebildet und an 200 Geigen gemacht habe, aber schon mit etwa 28 Jahren gestorben sei, was offenbar unrichtig ist. Valdrighi fand eine Violine von ihm von 1784 mit der Nr. 149, die aber durchaus nicht außergewöhnlich gut war. Andere Arbeiten von ihm stehen unter dem Ein- fluß von Mariani und Sacchini. Sein Patron ist von mittlerer Größe und erinnert an Montagnana. Der Ton ist meist nur klein, aber einschmeichelnd. Der Lack ist gelbbraun oder auch dunkelbraun. Er machte Ver- suche mit verschiedenen Hölzern. Da er in der letzten Zeit gerne das Holz der Platane verarbeitete, das be- kanntlich nur von geringer Dauer ist, sind seine Geigen jetzt selten geworden. Trotzdem oder gerade deshalb wird sein Name gern mißbraucht und in allerlei alten Geigen eingeklebt. Geigenzettel: Joseph Odoardi, filius Antonii, / fecit prope Asculum 1784. Opus / No 149 (gedruckt). — Joseph Odoardi fecit in Piceno / prope Asculum An. 1785. / De ligno Platano (gedruckt). Öberg, Carl. — Stockholm. 1814. 1821 Schüler von Johan lerner, als dessen Lehrling er von 1814 an nachzuweisen ist. Er scheint später Artillerist geworden zu sein, wird aber noch im Jahre 1821 als Instrumentenmacher bezeichnet. Oeberg, S. A. — Stockholm. 1895. 1898 Ein Tischler, der auch Geigen gemacht und geflickt hat. Öhberg, Johan I. — Stockholm. 1723, t 14. Sept. 1779 Geb. um Unstreitig der beste schwedische Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. Er erhielt im Jahre 1758 die Zulas- sung als Musikinstrumentenmacher, und war mit Ca- tharina Bjurholm (f 1764) verheiratet. Man trifft sehr häufig sehr schöne Instrumente, zumeist Violon- celli, von ihm an, und man muß sich unwillkürlich fra- gen, woher hat er die Form und woher das schöne Holz?^) Es kommen freilich auch recht armselig aus- geführte Geigen ohne Einlage usw. von ihm vor, die er übrigens selbst als »geringere Sorte* bezeichnete und jedenfalls sehr billig verkaufte. Im allgemeinen ließ er die Decke fast ohne Hohlkehle zum Rand verlaufen und bevorzugte schmale Zargen und eine hohe Wölbung, die auf das Stainermodell zurückgeht. Sein Lack ist gelb oder dunkelbraun. In seinen besseren Arbeiten brachte er außer seinem Zettel die drei Kronen des schwedischen Wappens und darunter die Buchstaben I. 0. B. an. In seinem letzten Lebensjahre wurde sein Sohn sein Geschäftsteilhaber. Arbeiten von ihm be- sitzen die Museen in Stockholm und Christiania. Die Eigentümer einer stattlichen Anzahl von Ohbergschen Geigen und Violoncelli zählt Hedvig Boivie in ihrem mehrfach erwähnten Aufsatz auf. Sie selbst besitzt ein ^) Frl. Hedvig Boivie macht_ darauf aufmerksam, daß nach J. Ohbergs Tode ein Schweizer Handelsmann Jacob Hemmerby (Hemmerli?) im Kanton Glarus noch eine Forderung für Geigenholz an ihn hatte. Öhb erg Olrichs 359 gutes Violoncello von ihm. Eine schwedische Zither (Baßzither mit Hals, mit vier doppelten und drei ein- zelnen Saiten) von ihm findet sich bei Generalkonsul Claudius in Kopenhagen. Geigenzettel: Abb. 572. Ohberg, Johan II. — Stockholm. Geb. um 1753, t 30. Aug. 1781 Sohn, Schüler und Nachfolger von Joh. I O. Er wurde zum Hofmstrumentenmacher ernannt, hatte eine sorg- fältige musikalische Ausbildung erhalten und war Or- ganist an der großen Kirche (Slorkyrka). Er war zweifel- los ein sehr begabter und vielseitiger Instrumenten- macher. Für ein von ihm gebautes neuartiges Clavecin erhielt er die goldene Medaille der Musikalischen Aka- demie. Er war auch im Begriff, eine Notendruckerei mit Musikverlag einzurichten, doch starb er schon kaum drei Jahre nach seinem Vater in jungen Jahren. Die Geigenmacherei scheint er etwas vernachlässigt zu haben, denn in seinem Nachlaß fand man zwar eine ganz ansehnliche Bibliothek, aber außer zwei besseren unfertigen Violinen nur 22 Geigen geringster Sorte, einige Zithern und ein großes Klavier. Er scheint die Zettel seines Vaters weiter benützt zu haben. Sichere Arbeiten seiner Hand sind nicht bekannt. Seine junge Witwe Sarah Christine, geb. Een, scheint die Werk- statt nicht fortgesetzt zu haben. Oehme, Adam Gottfried. — Freiberg i. S. Erste Hälfte des 19. Jahrhunderts Außer Orgeln und klavierartigen Instrumenten hat er auch einige Harfen und Gitarren gemacht. Geigenzettel: Adam Gottfried Oehme Orgel- / und Instrumentenmacher in Freyberg (gedruckt). Oeller, Karl, hat eine Musikinstrumenten- fabrik in Salzburg Oelling, Johann Valentin. — Crawinkel. Geb. 30. Mai 1822, f 1899 Ein braver Musikinstrumentenmacher, dessen Geigen weniger durch schöne Form als durch einen verhältnis- mäßig guten Ton bemerkenswert sind. Orlecke, Heinrich Christian. — Tangermünde. 1829 Er wird als Instrumentenmacher in den Magistrats- akten erwähnt und soll mit Geigen gehandelt haben, wie auch sein (angeblicher) Nachfolger Jakob Ferdinand Buchholtz, der noch 1847 vorkommt und nur Händler Örnberg, N. — Westeras. 1794 In einer Vogtländer Geige im Musikhistorischen Mu- seum in Stockholm findet sich sein Reparaturzettel. Ohlhaver, Heinrich. — Hamburg. 1921 Ein Kaufmann, der sich früher nie mit dem Geigenbau beschäftigt, auch nie Geige gespielt hat, dem sich aber auf "okkultem Weg« Stradivaris Geheimnis enthüllte, so daß er aus jeder Fabriksschachtelgeige durch sein Verfahren ein Konzertinstrument von Cremoneser Klangschönheit machen zu können behauptet. Ein vor großer Öffentlichkeit veranstaltetes Vergleichspiel in Berlin hatte unleugbaren Erfolg. Er nennt die von ihm behandelten Instrumente nach seinem rückwärts ge- lesenen Namen »Revalo-Geigen«. Olert (auch Uhlig, Olrichges, Ulrichsen) Albrecht (Albert). — Lübeck. 1625. f 1642 Er wird als »Lauten- und Violenmacher« bezeichnet und wohnte am Pferdemarkt. Er ließ von 1633^1641 vier Kinder taufen, doch war er kein Bürger und hatte vom Rat nur die Erlaubnis erhalten, »dat he unsern Musikanten eine Bassvidell, worahn etwas thobraken, mag wieder for dicht maken«, während er sich anderer Arbeiten enthalten solle. Da er sich hieran nicht kehrte, wurde er von andern Lautenmachem, namentlich Caspar Witte, mehrfach verklagt. Nach einem Schrei- ben Dan. Erichs vom 7. Oktober 1642 wird er >>als für einem halben Jahre mit todt abgangen« bezeichnet. Erich wurde sein Nachfolger. — Vgl. Olrichs. Oliveira-Tavares, Domingo de, lebt als Saiten- instrumentenmacher in Rio de Janeiro Ohveri, Feiice. — Turin. 1888. 1904 Vielleicht Sohn eines Vicenzo O., der gleichfalls Geigenmacher gewesen sein soll. Ollivier, lebt als »Luthier« in Aix Ollivo, lebt als »Luthier« in Lorient Olmedo, Miguel, lebt als Saiteninstrumenten- macher in Santa Ana (San Salvador) Olmi, Alberto. — Siena Ein Mandolinenmacher des 19. Jahrhunderts, der vor- zugsweise die Neapolitaner nachahmte. Olofson, Axel. — Olands Stafby, Upsala län, Schweden. 1894 Er ist Disponent und macht als Dilettant Hausfleiß- Geigen, von denen er einige 1897 in Stockholm aus- gestellt hat. Olofson, A. J. — Gothenburg. 1896. 1897 Ein Dilettant, der einige gute Geigen gemacht und 1897 in Stockholm ausgestellt hat. Olrichs, Diederich. — Lübeck. 1650. 1668 Ein gut beschäftigter Lautenmacher, der auch Violen gemacht haben soll. Der Name kommt in den Tauf- büchern als »Ulrich, Oelers, Olersen« geschrieben vor. 1650 wird er als Pate genannt. 1651 wohnt er »im gol- denen Creutz aufm Sahl«, 1668 in der kurzen König- straße. Er scheint mehrfach verheiratet gewesen zu sein und war wahrscheinlich ein Verwandter von Albert Olert (Olrichges, Uhlig). Erich warf ihm freilich vor, daß er seine Kunst nicht recht erlernt habe. 360 Olry — Ortega Olry, J. — Amlens. 1832. 1854 Schüler von Georges Chanot ; ein geschickter Meister, dessen Geigen wegen ihres guten Tones bei den franzö- sischen Musikern recht beliebt sind. Er arbeitete nach Stradivari und verwendete dunkelroten Lack. Geigenzettel : Abb. 578. Olsen, Engel. — Blotveit. 1784 Ein Norweger, von dem das Musikhistorische Museum m Stockholm eine sog. Hardangerfidel besitzt. Olsen, 0., lebt seit etwa 1884 als Blas- und Streichinstrumentenmacher in Chrlstiania Omond, James.— Stromness(Kirbuster, Schott- land). Geb. 23. Juni 1833 auf der Insel Walls Er entstammte einer alten Zimmermannsfamilie, stu- dierte in Edinburgh und war bis 1872 Schulmeister in seiner Heimat. In den Ruhestand versetzt, beschäftigte er sich zuerst mit der Uhrmacherei und wandte sich dann dem Geigenbau zu. Als Zimmermannssohn war ihm die Verarbeitung des Holzes etwas Vertrautes, auch hatte er bereits Kenntnisse im Bildschnitzen, so daß ihm die technische Seite seines neuen Berufs zu- nächst nur geringe Sshwierigkeiten bereitete. Beraten von Horace Petherik, George Hart u. a. machte er rasche Fortschritte und brachte es als Geigenmacher bald zu großer Geschicklichkeit. Er hält sich vor- nehmlich an die Stradivari- und Guarneri-Modelle, ohne sie gerade zu kopieren. Bis jetzt hat er über 200 Violinen und Violincelli gemacht. Sein Holz ist sehr schön, sein Bernsteinlack vorzüglich aufgetragen und der Ton edel und kräftig. Er besitzt viele Auszeich- nungen und wird von englischen Geigern sehr ge- schätzt. Seine Biographie veröffentlichte Meredith- Morris in »The Strad» Nr. 122 (1900). Geigenzettel: Abb. 579. Oneda (D' Oneda) s. Doneda Ongaro s. Dali' Ongaro Onken, Karl. — Bremen. 1890. 1900 Er ist eigentlich Maler (Anstreicher) und Farbwaren- händler und hat sich ungefähr seit 1888 nebenbei auf den Geigenhandel und die Geigenmacherei verlegt, wobei er besonders bei älteren Geigen den Ton zu »ver- bessern« strebt. Seme Leistungen werden sehr ver- schieden beurteilt. Opfermann, Johann Georg. — Gotha. Getauft am 4. Aug. 1754 in Gotha, lebte noch 1797 Sohn des gothaischen Hobolsten Joh. Heinr. 0. (gest. 26. Juli 1789 im Alter von 72 Jahren). Joh. Gg. O. war wie sein Vater Hoboist beim gothaischen Militär und beide betrieben nebenbei das Geigenmachen. Ihre In- strumente kommen denen von Schonger in Erfurt nahe; die Geigen sind hochgewölbt und dunkel lak- kiert. Eine Geige von Joh. Gg. Opfermann besitzt der Schmied in Bufleben, eine siebenchörige Zither die staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin. Nr. 597. (Der Name wird im Katalpa; irrig Ochster- mann angegeben.) Opikhtin, A. — St. Petersburg. 1894 Erfinder eines als Saiteninstrument ausgebildeten Spa- zierstocks. Oppitz & Sartory. — Rheims. 1896. 1899 Eine Geigenfirma, die unter anderem im Jahre 1897 in Brüssel Streichinstrumente ausgestellt hat. Orazio di Giovanni Filippo. — Rom. 1554 Sohn des Giovanni Fihppo. Er kommt als Zeuge in einem Prozesse vor, wird als »Maestro Orazio di Gio- vanni Filippo, Genovese« bezeichnet und wohnte als »liutaro« in der Straße, die von Pasquino nach S. Lo- renzo in Damazo führte. Wir wissen also wohl die Taufnamen seines Vaters und seine Heimat, nicht aber seinen eigentlichen Familiennamen. Ordonez, Ambrosio Spanischer Gitarren- und Mandolinenmacher. OreUi, Josef. — Rom. 18. Jahrhundert Einer der besseren römischen Meister, dessen Arbeiten sich besonders durch schönes Holz auszeichnen. Modell und Lack sind gut, wenn auch nicht von selbständiger Eigenart. Ich habe von ihm namentlich ein vorzügliches Violoncello kennengelernt. Orinthio d'Essentier. — Nancy. 1613. 1616 Ein italienischer Lauten- und Saitenmacher, der in Ur- kunden auch Orinthio Sanctia oder de Sanctia ge- nannt wird, wahrscheinlich ist aus dem letzteren Na- men dem Gehör nach das französich klingende d'Es- sentier entstanden. Wie er aber wirklich geheißen, kann man nicht feststellen, weshalb ich ihn hier mit Vor- und Zunamen einreihe. Er stand beim Herzog von Lothringen in besonderer Gnade, und A. Jacquot teilt das folgende Dokument mit: »A Orinthio d'Es- sentier, Italien, faiseur de luths et de cordes, cent cinquante francs, que son altesse luy a donnes pour certaines bonnes considerations«. (La Mus. en Lor- raine S. 81 .) Orlandelli, Paolo. — Codogno Mittelmäßiger Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. Ortega, Asensio. — Madrid. 1799. 1840 Sohn und Schüler Silverios, aber noch unbedeutender als dieser. Bei ihm entdeckte bekanntlich Chanot die Reste eines Violoncellos von Stradivari und kaufte sie. Als Tarisio dies hörte, fuhr er sofort nach Madrid und ruhte nicht eher, als bis er das übrige glücklich auf- gefunden hatte. (Das aus dem Jahre 1725 stammende Instrument ist jetzt im Besitze von Gallay.) Die eige- nen Arbeiten A. Ortegas sind sehr gewöhnlich. Geigenzettel : Asensio Ortega lo hijo / por encargo en Madrid 'Anno 1799. Ortega, Silverio. — Madrid. 1785. 1798 Er soll ein Schüler von Dom Vicenzo Ascenzio gewesen sein, also von einem ■ Lehrer, der nicht viel lehren konnte. Als Geigenmacher war er nicht hervorragend, besser vielleicht als Reparateur. Seine Geigen haben kleine F-Löcher und stumpfen, braunen Lack. Geigenzettel: Abb. 577. i Orth - Ott 361 Orth, Louis, lebte im 19. Jahrhundert in Pont ä Mousson Ortlieb, Friederich. — Freiburg i. Schw. 1456 Er wurde 1456 als Saitenmacher zum Freiburger Bür- ger aufgenommen und hat wohl auch Lauten und der- gleichen gebaut. Vgl. S. 71b des Bürgeraufnahme- buches (Pergamentband im Freiburger Staatsarchiv). Ory. — Paris. 1790 Alfr. Keil in Lissabon besitzt eine Viola mit dem Zettel : Ory Luthier ä Paris 1790. Orzero, Tommaso. — Turin. 19. Jahrhundert Als Geigenmacher ohne Ruf. Osch, E. P. van. — Mastricht. 1883 Ein Blasinstrumentenmacher, der auch Geigen aus Neusilber hergestellt hat. Osterberg, August. — Gothenburg Ein Instrumentenmacher der Malmsjö-Pianofabnk, der auch Geigen macht und einige davon 1897 in Stock- holm ausgestellt hat. Ostermayer, Elias. — Augsburg. 1609 Von ihm kaufte die Stuttgarter Hofkapelle Saiten. Er dürfte daher seinerzeit ein angesehener Lautenmacher gewesen sem. Ostermünchner, Andreas. — Mittenwald. 1720. 1730 Trat 1720 bei Joh. Dänzel in die Lehre, wo er, nicht ohne daß es mehrfach zu Mißhelligkeiten kam, fünf Jahre blieb. Über seine Arbeit kann nichts gesagt werden. Ostertag. — Hamburg. 1890 Geschickter Geigenmacher, der lange m England ge- arbeitet hat und sich vorübergehend m Hamburg niederließ. Ostler, Andreas. — Breslau. 1730. 1770 Er hat einige recht hübsche Violinen und Violoncelli nach dem Stainermodell, großes Patron, gemacht und verwandte schönes, geflammtes Holz. Sein Lack ist meist gelb oder braun. Eine 1878 von den Brüdern Mahillon in Paris ausgestellte Viola d'amore von ihm aus dem Jahre 1 730 zeigte allerdings nur handwerks- mäßige Arbeit. Dagegen besitzt Rob. Leibbrand in Berlin eine solche aus dem Jahre 1734, die von lobens- werter Beschaffenheit ist. Seine Zettel sind meist mit großen deutschen Buchstaben gedruckt. Geigenzettel: Andreas Ostler Lauten- / und Geigen- Macher in / Breslau Anno 1734. (gedruckt). Ostler, Anton. — Mittenwald. Geb. 1 1 . Dez. 1895 in Mittenwald Sohn eines gr. luxemburgischen Jägers und der Agathe, geb. Reiter. Schon als Knabe verriet er eine besondere Begabung für die Musik und für jede Art Holzschnitze- rei, so daß sein Beruf von vornherein feststand. Von seinem 13. Jahre an besuchte er die Mittenwaldcr Gei- genbauschule und fiel damals schon durch die Geschick- lichkeit auf, mit der er sehr schöne Schnecken schnitzte. Als Geselle ging er zunächst nach München zu Baith, dann nach Nancy und von da zu F. C. Louis nach Saarbrücken, wo er bis zum Ausbruch des Krieges blieb. Zum Heeresdienst eingezogen, kam er zu- nächst als »Schwerer Reiter« nach Rußland, später als »Flieger« nach dem Westen, wo er sich besonders aus- zeichnete. Im November 1918 heimgekehrt, machte er sich selbständig und verheiratete sich bei der Über- nahme des elterlichen Anwesens im Oktober 1919 mit Anna Glasl. Er gehört zu den hoffnungsvollsten Geigen- machern unserer Zeit. Begabung und Geschicklichkeit halten sich bei ihm die Wage; er ist ein echter Künstler, der keine fremde Hand an seinen Arbeiten duldet. Da- bei zeichnet er sich durch sorgfältigste Holzwahl aus und verwendet einen sehr schönen, orangefarbigen 01- lack von weichem Seidenglanz. Besonders gut versteht er sich auf den Ton, so daß seine Geigen die rückhalts- lose Anerkennung berufener Kenner und Geiger fin- den, die dem jungen Meister eine große Zukunft vor- hersagen. Ostler, Franz. — Wien. 1704. f 2. JuH 1729 Er wohnte im »Wübmer Viertel» (Wieden) und legte am 20. März 1706 den Bürgereid ab. Ob er mit dem Breslauer Meister verwandt war, ließ sich nicht fest- stellen, obwohl die Arbeiten beider auf die gleiche Schute hinweisen und in manchen Einzelheiten an Khögl erinnern. Seine Violinen haben breites Patron, die Wölbung ist nicht sehr hoch, das Holz gut, Boden und Zargen sind schön und breit geflammt, die Schnecke ist dagegen immer von Birnbaumholz. Der Lack ist goldgelb mit röthcher Schattierung. Arbeiten von ihm sind ziemlich selten und erreichten schon vor dem Kriege gute Preise. Besondere Sorgfalt verwendete er auf seine Liebesgelgen, die ihm sehr gut gelangen. Geigenzettel : Frantz Ostler, / Lauthen- und Geigenma/ eher in Wienn. An. 1727 (gedruckt). Otho, Karl August. — Leipzig. Geb. 24. April 1836 in Frohberg i.S.,t 1892 Mitglied der Leipziger Gewandhauskapelle (Kontra- bassist) und Geigenmacher, der auch allerlei Versuche und Erfindungen gemacht hat. Am bekanntesten dar- unter ist sein fünfsaitiger Kontrabaß (C-E-A-D-G), den R. Wagner, Bülow, Nikisch u. a. sehr gelobt haben, der aber wegen der Schwierigkeit der Behandlung nicht in Aufnahme kam. Eine Violine kleinster Form (Ubungsinstrument) von ihm besitzt die staatl. Samm- lung alter Musikinstrumente in Berlin. — Auch als Händler mit alten Geigen war er sehr geschätzt; 1888 gab er sein Geschäft auf und verkaufte seinen Waren- bestand an Gebr. Hug. Ott, Andreas. — Prag. 1648. f zwischen 1663 und 1667 Sohn von Gg. und Apollonia Ott; aus Füssen einge- wandert, ließ er sich in Prag als Lauten- und Geigen- macher nieder, heiratete dort am 26. April 1648 Bar- bara, die Tochter des Math. Maidl von Plan und er- warb 1660 (gleichzeitig mit seinem Sohne Anton) das 362 Ott — Otto Bürgerrecht auf der Prager Kleinseite^). Eine Viola von ihm aus dem Jahre 1651 befmdet sich m M.-Bcnätky i. B., eine zweite, von 1657 besitzt die St. Veitskirche in Prag. Geigenzettel: Andreas Ott, / Lautten- und Geigen- macher in Prag Ao. 1657 (gedruckt). Ott, G(eorg?). — Füssen. 1620 Mutmaßlich ein Sohn des aus Remnatsned im Jahre 1546 in Füssen eingewanderten Georg Ott. Mittel- mäßiger Lautenmacher, dessen Arbeiten weder in der Form noch in der Ausstattung zu loben sind. Vielleicht der Vater des Andreas Ott. Ott, Hans. — Nürnberg. 1434. 1463 Vermutlich stammt er aus Füssen. Einer der berühm- testen altnürnbergischen Lautenmacher. Die wenigen Urkunden, die seinen Namen enthalten, bieten nichts von Belang für seine Lebensgeschichte (Kreis-Archiv Nürnberg), auch in Christi. Gottl. v. Murrs Journal zur Kunstgeschichte und zur allgemeinen Literatur, 5. Teil, wird er in dem »Versuch einer Nürnbergischen Handwerksgeschichte« S. 114 nur dem Namen nach erwähnt. Eine Laute von ihm, die auf der Wartburg aufbewahrt wird, besitzt der Großherzog von Sachsen- Weimar. Auf dem Zettel erscheint der Name in goti- schen Majuskeln. Geigenzettel : Hans Ott Nürnberg (gedruckt). Ott, Johannes. — Füssen. 1727 Guter Vertreter der gleichzeitigen Füssener Schule, von dem sich namentlich größere Geigen und Bässe erhalten haben, die eine geschickte Hand erkennen lassen, wenn ihnen auch künstlerischer Schwung fehlt. Em kleiner dreisaitiger Baß (sog. »Bassettl«) befindet sich in Füs- sen in Privatbesitz. Ein anderes »Bassettl« besitzt Apo- theker E. Meisner in Nymphenburg-München in seiner Sammlung. Geigenzettel : lohannes Ott, Geigen- und / Lauten- macher in Fiessen / Anno 1727 (gedruckt). Ott, Joseph, lebte um die Mitte des 19. Jahr- hunderts in Langendorf i. M. Geigenzettel : Joseph Ott / in Langendorf in Mähren / 185 . . (gedruckt). Otto, August Adolf. — Markneukirchen. Geb. 19. Febr. 1865, t vor 1904 Er war ein Bruder von P. Max Otto und als Geigen- macher in Markneukirchen tätig. Otto, Carl Christian. — Halle a. S. Geb. 1792 in Weimar, f 1853 Zweiter Sohn und Schüler von Jakob Aug. Otto. Ein talentvoller und fleißiger Geigenmacher, der einzelne recht gute Werke hinterlassen hat. Geigenzettel : Verfertigt / von / Carl Christian Otto / Jnstrumentenmacher in Halle. / 1828 (gedruckt). Otto, Carl Gustav. 8. Jan. 1857 Markneukirchen. Geb. Schule B, er von bausch sen. in ^eipzig. ') Er hatte drei Söhne u.id fünf Töchter, von denen eine den Geigen- und Lautenmacher Pradter heiratete. Otto, C. W. F. — Stockholm. Geb. 4. Nov. 1808 in Jena, f 3. Febr. 1884 in Stock- holm Fünfter Sohn von Jak. Aug. O. Schüler seines ältesten Bruders G. A. G. in Jena. Als Gehilfe arbeitete er bei Engleder in München und bei L. Widhalm jun. in Nürn- berg, worauf er als »fahrender Geigenmacher« von Stadt zu Stadt zog, um seine Kunst auszuüben. So findet man ihn nacheinander in Amsterdam, Haag, Hamburg, Kopenhagen und Gothenburg, bis er sich 1835 in Stockholm niederließ. Daß er auch hier nicht auf die Dauer gefunden hat, was er suchte, beweist, daß er in den sechziger Jahren nochmals auszog, sich ein lohnenderes Feld für seine Tätigkeit zu suchen. Er versuchte dies zuerst in St. Petersburg, dann in Königsberg, Danzig und Stettin. Hier schien es, als ob er endlich den rechten Platz gefunden hätte ; aber er erkrankte, und m seiner Sehnsucht nach seinen in Stockholm zurückgebliebenen Angehörigen beschloß er, mitten im Winter, dahin zurückzukehren, wo er dann auch bis an sein Lebensende blieb. Er erklärte, daß nur das ein Kunstwerk werden könne, was aus einem Gusse sei, deshalb mache er alles an seinen Wer- ken — sogar Saitenhalter und Wirbel — selbst. Er war sehr fleißig und sorgfältig, seine Geigen klingen gut, wenn sie auch gerade keinen großen Ton haben , und sind leicht als seine Arbeit zu erkennen, auch wenn sie keinen Zettd haben. Er hat wohl ebenso viele Vio- loncelli als Violen und Violinen gemacht und hielt sich im allgemeinen an die Modelle seines Vaters. Seine Zettel sind fast stets in deutscher Sprache ab- gefaßt. Geigenzettel : C. W. F. Otto. / Saiteninstrumenten- macher / Stockholm (gedruckt). — Verfertigt von C. W. F. Otto / Stockholm, anno 1842 [Init'alen und Kreuz im Kreis] (gedruckt). — Verfertigt von / C. W. F. Otto / Stockholm, (gedruckt). — C. W. F. Otto. Gothoburgi ,' Faciebat Anno 18 (gedruckt). Otto, Ernst Albin. — Geb. 30. März 1863, lebt als Geigenmacher in Markneukirchen und t6. Nov. 1917 Otto, Georg August Gottfried (Gottlieb?) — Jena. Geb. 5. Okt. 1 789 in Weimar, f 2. Juni 1857 in Jena Altester Sohn und Schüler von Jakob Aug. Otto, des- sen Nachfolger als Großherzogl. Weimarischer Hof- instrumentenmacher er im Jahre 1818 wurde. Am 30. September desselben Jahres wurde er als Bürger in Jena verpflichtet. Er kam seinem Vater in der Sorg- falt der Arbeit gleich und übertraf ihn vielleicht an Talent, wenn auch nicht an Wissen, obwohl er in jeder Beziehung ein gebildeter und verläßlicher Künstler war. Es gibt Zettel von ihm, auf denen sein dritter Otto, Gustav — Otto, Johann Karl August 363 Taufnamc als Gotll. abgekürzt erscheint, was wohl auf einen Druckfehler zurückzuführen sein dürfte. Geigenz;ettel : Reparirt ,' G. Aug Gottfried Otto / In- strumentenmacher Jena 18 . . (gedruckt). — Georg Aug. Gottl. Otto ;' Instrumentenmacher/ in Jena 1826 (gedruckt). Otto, Gustav. — Markneukirchen. 1851. 1905 Er war einer der besten Schüler von L. Bausch m Leip- zig und erwarb schon im Jahre 1851 das Bürgerrecht in Markneukirchen, wo er noch tätig ist. Otto, Heinrich Ferdinand. — Geb. 21. Nov. 1834. t 1905 In Markneukirchen Ein tüchtiger Geigenmacher, der Oheim von Ulrich Otto in Karlsruhe. Otto, Heinrich Wilhelm. — Amsterdam, Ber- lin. Geb. 1796, f 1858 Dritter Sohn von Jakob Aug. Otto; Schüler seines Vaters und seiner Brüder. Nachdem er ausgelernt und bei einigen besseren Meistern gearbeitet hatte, ging er nach Amsterdam, wo vorher schon sem Bruder C. W. F. vergeblich sein Glück versucht hatte. Ihm gmg es auch nicht viel besser, weshalb er nach Deutsch- land zurückkehrte und sich in Berlin niederließ. Auch er war ein tüchtiger Meister; seine Arbeit ist genau und sauber, er kopierte die Italiener mit Geschmack und Verständnis, so daß das Aussehen seiner Werke geradezu bestechend genannt werden muß. Leider sind seine Geigen fast durchgängig zu schwach im Holz. Geigenzettel : Verfertigt von / Heinrich Otto in Berlin / 1834 (gedruckt). Otto, Hermann. — St. Petersburg. Geb. 9. März 1859 In Köln, f 20. Sept. 1884 in St. Petersburg Sohn und Schüler von Ludwig O. und stets dessen Gehilfe. Er berechtigte zu großen Hoffnungen und hat trotz seines frühzeitigen Todes eine Reihe sehr guter Geigen gemacht, die seinen Namen neben der Firma seines Vaters tragen. Otto, Jakob August. — Weimar, Jena. Geb. m Gotha 1760, f zuLobeda 1829 Um Unterricht im Geigenspiel zu erhalten, kam er zu Ernst in Gotha, der aber bald die angeborene Begabung seines Schülers für das Geigenmachen erkannte und ihn zum Geigenmacher ausbildete. Von Ernst erbte Otto auch die Lust zu theoretischen Studien, und die- sen verdankt er jetzt hauptsächlich seinen Ruhm, da sie ihn veranlaßten, einige kleine gehaltvolle Schriften über das Geigenmachen herauszugeben, die heute noch nicht veraltet sind, fort und fort ausgeschrieben und in fremde Sprachen übersetzt wurden. Er besaß eine große Handgeschicklichkeit und tat sich viel darauf zu- gute, allerlei »Geheimnisse« ergründet zu haben und zu besitzen. Leider scheinen gerade diese Geheimnisse seinen Arbeiten geschadet zu haben, denn bei aller Sauberkeit ist Ihr Tonwert nicht sehr hochstehend. Ottos Geigen sind wieder ein Beweis, daß sich Fragen der Kunst nicht »wissenschaftlich« lösen lassen. Er ge- hört aber zweifellos zu den deutschen Meistern, die die Kunst hochgehalten und durch Lehre und Schrift viel dazu beigetragen haben, daß das Geigenmachen des 19. Jahrhunderts in Deutschland seine Geltung behielt. Als Reparateur war er sehr tüchtig, einen Steg konnte niemand feiner aufsetzen als er und ein Ver- fahren, neue Geigen einzuspielen, hat er gleichfalls er- funden, aber als Geheimnis für seine fünf Söhne, die sämtlich Geigenmacher wurden, bewahrt. Er war un- gemein fleißig und hatte den Titel eines weimarischen Hofinstrumentenmachers. Außer in Weimar und Jena findet man ihn vorübergehend auch in Halle, Magde- burg (1816), in Leipzig und Berlin, wo er wohl nur den Boden für seine Söhne vorbereiten wollte. Seine Arbeiten werden immer einen gewissen Sammlerwert haben, und, wenn sie nicht zu schwach im Holz sind, lassen sie sich auch leicht im Ton verbessern. Er ist auch der erste deutsche Geigenmacher, der schon im Jahre 1 788 Gitarren nach italienischem Vorbild machte, wobei er wertvolle Verbesserungen einführte. Über eine seiner Gitarren finden sich im Körner-Schiller- schen Briefwechsel die folgenden Stellen. Der Vater des Dichters Theodor Körner schreibt am 27. Januar 1797: »Noch eine Bitte an Dich von Minna. In Jena ist jetzt ein gewisser Instrumentenmacher Otto, der spanische Zithern oder Gitarren verfertigt und sich sonst in Gotha aufgehalten hat. Von diesem wünscht meine Frau bald eine Gitarre zu haben. Sei so gut, sie zu kaufen oder zu bestellen und laß sie vom Künstler einpacken . . . usw.« Schiller antwortet darauf am 7. Fe- bruar: ». . . Den Instrumentenmacher Otto, von dem Du schreibst, baten wir lange nicht ausfindig machen können, weil man ihm nicht erlaubt hat, sich hier niederzulassen. Endlich ist er wieder hier angekommen und hat sich beim dermaligen Prorektor Griesbach abermals um den Schutz der Universität gemeldet. Bei dieser Gelegenheit habe ich ihn aufgefunden und die Gitarre bestellt. Unter zehn Taler läßt er sie aber nicht; er sagt, daß er für diesen Preis zwei nach Dresden ge- liefert habe — ich glaube an Naumann und an Brühl. In vierzehn Tagen verspricht er sie zu liefern . . .« Er lieferte aber nicht so schnell, der Briefwechsel enthält noch verschiedene Stellen, die Ungeduld zum Aus- druck bringen, erst am 28. April schreibt Dr. Körner: ». . . Die Gitarre ist da und hat einen schönen Ton . . .« Diese Gitarre hat Theodor Körner als Student der Bergakademie mit nach Freiberg genommen; sie be- findet sich jetzt im Körner-Museum in Dresden. 0. verwendete sowohl geschriebene wie gedruckte Zettel. Geigenzettel: Abb. 573. Otto, Johann Karl August. — Ludwigslust. Geb. 26. Sept. 1801. t 11. Mal 1883 in Ludwigslust Vierter Sohn und Schüler von Jak. Aug. 0. Er ließ sich im Jahre 1830 in Ludwigslust in Mecklenburg nieder, heiratete im gleichen Jahre Auguste Weinreben und wurde bald zum Hoflnstrumentenmacher ernannt. Seine Geigen sind im allgemeinen gut, nur hatte er die Lu t zu allerlei Versuchen von seinem Vater ge- erbt, und so findet man neue Geigen von ihm, die er selbst noch zerbrochen und wieder heil gemacht oder gar gefüttert hat. Seine beste Zeit fällt zwischen 1840 bis 1865, später bezog er aus Fabriken sog. Schachteln, 364 Otto — Ouvrard die er dann fertig machte. Die Geigen, die er in allen Teilen selbst gemacht hat, klingen gut, nur sein ge- wöhnlich dunkler und wenig durchsichtiger Lack ist zu spröde. Geigenzettel: Hof- Instrumentenmacher / Karl Aug. Otto / Ludwigsl'jst 1865 (in ovaler Umrandung (ge- druckt) und Abb. 576. Otto, Louis. — Düsseldorf. Geb. 15. Juli 1844 in Ludwigslust i. M., f 16. Jan. 1920 Sohn und Schüler von Joh. Karl Aug. O. Am 1 . Novem- ber 1 865 ging er zu seinem Vetter Ludwig O. nach Köln und blieb da bis zum 22. April 1866. Hierauf kam er zu Aug. Riechers nach Hannover, bei dem er bis zum 22. September 1872 blieb. Tags darauf begründete er in Düsseldorf sein eigenes Geschäft. Die Zeit, die er bei Riechers zugebracht hat, war von nachhaltigem Einfluß auf ihn, und er gilt mit Recht als einer der besten Schüler dieses Meisters. Er ist einer der wenigen Geigenmacher gewesen, die ihre Streichinstrumente in allen Teilen selbst herstellen. In bezug auf die Sorgfalt der Ausführung wird er von niemand über- troffen. In seiner ersten Zeit arbeitete er nach Amati und Guarneri, jetzt aber ausschließlich nach Stradi- vari. Sein Lack ist vorzugsweise dunkelrot und von edlem Feuer. In der Wiederherstellung alter Geigen hat er Wunderwerke geschaffen. Er besitzt viele Aus- zeichnungen und ist fürstl. hohenzollernscher Hof- geigenmacher. Seit 1894 stellt er auch einen Öllack her, der von vielen Fachgenossen angewendet wird. Auf Anregung des Musikdirektors Mengelberg des Amsterdamer Conzertgebouw Orchesters macht er seit 1900 auch fünfsaitige Kontrabässe, von denen das ge- nannte Orchester sechs Stück besitzt, die allgemein Bewunderung wegen ihrer herrlichen Tonfülle und un- gemein sauberen Ausführung erregen. Die Bässe sind nach einem selbst entworfenen Modell im Stradivari- Typus gemacht. Geigenzettel: Abb. 581. Otto, Ludwig. — Erfurt, Köln, St. Petersburg. Geb. 16. Sept. 1821 in Jena, f 10. Febr. 1887 in St. Petersburg Sohn und Schüler von Georg .'^ug. Gottfr. 0. Nach längeren Studienreisen ließ er sich zuerst in Erfurt nieder, siedelte dann um 1855 nach Köln über, wo er bis Ende der siebziger Jahre ansässig blieb, und ging von da nach St. Petersburg. Er war ein sehr tüchtiger Meister, der nur leider bei Lebzeiten die verdiente An- erkennung nicht fand. Seine Geigen sind nach Stradi- vari gemacht, haben prächtigen Ollack und erinnern im Aussehen fast an Vuillaumes Arbeiten. Geigenzettel: Abb. 574. Otto, Oskar Robert. — Geb. 16. März 1867 in Markneukirchen Otto. Oskar Theodor. — Geb. 9. Sept. 1857 in Markneukirchen Otto, Otto. — Geb. 26. Jan. 1871 sind jetzt als Geigenmacher in Markneukirchen an- sässig. Otto, Paul. — Riga. 1910 Seine Arbeit, die ich nicht selbst kennengelernt habe, wird von Musikern gelobt. Otto, Paul Max, gen. Hamburger. — Markneu- kirchen. Geb. 1880 Schüler von Friedr. Weller und Arth. Martin. Als Ge- hilfe arbeitete er bei H. Güttier in Breslau, R. Heckel in Dresden und zuletzt zwei Jahre lang bei Ernst Keßler in Berlin. Im Jahre 1904 machte er sich selb- ständig. Er ahmt die italienischen Vorbilder nach, be- sitzt aber auch ein eigenes Modell. Er verwendet Spi- ritus- und Ollack und klebt in seine über Form ge- bauten Instrumente den Zettel: Max Otto / fec. in Markneukirchen 1905 [Initialen und Kreuz im Kreis] (gedruckt). Sein Name wurde weiteren Kreisen auch durch eine in Elfenbein geschnitzte Miniaturgeige, deren Korpus nur 4^/_, cm lang ist, bekannt. Erarbeitete an diesem kleinen Kunstwerke V4 Jahre lang. Otto, Ulrich. — Karlsruhe Geb. 20. Januar 1872 in Markneukirchen als Sohn des Saitenmachers Ernst Ludwig 0. Er erlernte bei Rein- hold Paulus (dem Bruder seiner Mutter) von 1886 bis 1890 den Geigenbau, war dann jahrelang Gehilfe bei Ernst Liebich, Ernst Keßler und E. Geißer, kam von St. Petersburg nach Karlsruhe zu J. Padewet und hat sich im November 1904 selbständig gemacht. Geigenzettel : Ulrich Otto, Geigenmacher, / Karlsruhe i. Baden Anno 1910 (gedruckt). Otto, Wilhelm. — Düsseldorf. Geb. 13. Aug. 1875 in Düsseldorf Sohn und Schüler von Louis 0. Zu seiner weiteren .'\usbildung ging er von 1899 — 1900 nach Paris und arbeitete dann mit seinem Vater zusammen, dessen ebenbürtiger Nachfolger er geworden ist. Er baut nach Stradivari und Guarneri und verwendet meistens Ollack. Seine Arbeit wird gelobt, ebenso seine Sorg- falt im Wiederherstellen. Ottomanus. — Konstantinopel. 1720 Es soll Bässe mit diesem Namen und Jahreszahlen um 1720 geben. Bei Valdrighi (4319) wird er erwähnt; daß man es hier mit einem eingeborenen Türken zu tun hat, erscheint doch fraglich. Oury, Fran^ols. — Mirecourt. 1788 Nur von A. Jacquot erwähnt. Ouvrard, Jean. — Paris. 1720. 1750 Schüler von Claude Pierray; geschworener Zunft- meister für 1743. Im Konservatorium zu Brüssel be- findet sich ein Ouinton. auf dessen Zettel er e\s seine Wohnung «Place de l'Ecole» angibt. Mahillon liest den Namen unrichtig Duvrard. Seine Geigen sehen denen seines Lehrers nicht unähnlich, doch ist er viel schwerfälliger in der Form. Sein Lack ist von gold- gelber Farbe, aber trocken und spröde. Eine Diskant- viola von ihm von 1740 besitzt T, W. Taphouse, Geigenzettel; Abb, 575, 0 wen Padewet 365 Geb. am Pachmeyer, Johann. — Trebitsch. 1725. 1768 Ein tüchtiger Geigen- und Lautenmacher, von dem ich eine sauber gearbeitete Viola mit flachem Boden gesehen habe. Owen, John William. — Leeds 28. Mai 1852 in Leeds Ursprünglich für den Beruf eines Ingenieurs bestimmt, zwang ihn Krankheit seine Studien zu unterbrechen. Als gut geschulter Geiger kam er darauf, sich aus Lieb- haberei mit dem Geigenmachen zu beschäftigen, und was er anfangs nur zur Zerstreuung tat, ward ihm all- mählich so zur Leidenschaft, daß er jede Gelegenheit benützte, sich weiter auszubilden. Er besuchte nicht nur in England, auch in Frankreich die bedeutendsten Pacquet. — IVlarseiile. I JQO Pacinni, Nicolo. — Paris. 1798 Dem Namen nach ein Italiener, von dem gelegentlich Reparaturzettel vorkommen sollen. Geigenmacher, überall Unterweisung suchend. Seine Mühe wurde von Erfolg gekrönt; seit 1884 hat er sich als Geigenmacher in seiner Vaterstadt niedergelassen und gilt jetzt als einer der Tüchtigsten seines Fachs in England. Meredith-Morris veröffentlichte in der Zeit- schrift «The Strad* (Februar 1900) Owens Biographie und Bildnis usw. und zollt ihm das höchste Lob. 0. machte alle Arten von Geigen und arbeitet allein, da er keinen Gehilfen beschäftigt. Seine Arbeit ist tadel- los; er besitzt ein eigenes Modell, ahmt aber auch Guameri und Stradivari nach; auch sein Lack von gelber oder tiefroter Farbe ist recht gut. Seine Firma heißt »Amati-house *. Pacherele, Jacob. — Mirecourt. 1725 Er gilt als der Stammvater der Familie. Pacherele, Michel. — Mirecourt, (Paris?). 1779. 1780 Sohn von Jacob P. Er könnte ein Schüler Guersans gewesen sein, an dessen Arbeit seine Geigen erinnern, sie zeichnen sich jedoch in keiner Weise aus. Sie sind handwerksmäßig gemacht, nicht allzuhoch gewölbt und haben gelben Lack. Außer seinem Zettel verwendete er auf der Außenseite des Bodens noch einen Brand- stempel mit seinem Namen. Ob er je in Paris ansässig war, wie seine Zettel behaupten, auf denen sogar die Straße genannt wird, ist noch unbewiesen. Geigenzettel: Michel Pacherele, luthier / rue d'Argen- teuil, ä Paris 1779. Pacherele, Nicolas. — Mirecourt. f 1774 Von A. Jacquot nachgewiesener Luthier. Er oder ein gleichnamiges Mitglied seiner Familie kommt 1 762 als Bogenmacher vor. Pacherele (Pacherel), Pierre. — Paris, Nizza, Genua und Turin. Geb. in Mirecourt 1803, t in Nizza 31. Dez. 1871 Ein Mitschüler J. B. Vuillaumes in .Mirecourt und lebenslang sein vertrauter Freund. Um 1830 kam er nach Paris, ging gegen 1840 nach Nizza, hielt sich auch eine Zeitlang in Genua und Turin bei Pressenda auf und ging 1849 wieder nach Nizza. Seine Arbeit zeichnet sich, obwohl er sehr fleißig war und viele Instrumente (meist nach Stradivari) gemacht hat, durch große Sorg- falt aus. Nur sein Lack ist nicht durchsichtig genug und häufig zu dick. Besonders geschätzt war er als Reparateur. Er stammte aus Aix, wie sein Zettel vermuten läßt, den eine gute und originelle Harfengitarre der Samm- lung Gautier in Nizza trägt. Seine Geigen erinnern an die Mirecourter Schule, etwa an Nicolas, haben gelben Lack, sind aber sehr dem Wurmfraß ausgesetzt und daher durchwegs schlecht erhalten. Geigenzettel: Pacquet d'Aix / Luthier ä Marseille 1785 (gedruckt). Paczka, Antoni. — Lemberg. 1898. 1918 Arbeitet ausschließlich nach Stradivari, dessen berühm- teste Violinen er nach Abbildungen kopierte. Padewet, Johann I. — Basel, Karlsruhe i. B. Geb. 24. April 1819 in Wien, \ 25. Jan. 1872 in Karlsruhe Sehr tüchtiger Geigenmacher, der in Wien gelernt hat, im Jahre 1837 als Gehilfe in Budapest arbeitete, dann nach Deutschland ging, bis er auf seiner Wanderschaft nach Karlsruhe kam. Hier war er durch mehrere Jahre Geschäftsführer bei Matthias Sprenger. Im Jahre 1844 eröffnete er in Basel seine eigene Werkstatt, als ihm aber Sprenger mitteilte, daß er nach Amerika auswan- dern wolle, verlegte er 1846 sein Geschäft nach Karls- ruhe, wo er später Hofinstrumentenmacher wurde. Er erhielt von 1854 an auf allen Ausstellungen Preise. Geigenzettel: Johann Padewet / Grossh. Bad. Hof- Saiteninstrumentenmacher / in Carlsruhe 1845 (ge- druckt). Padewet, Johann II. — Karlsruhe. Geb. 23. Aug. 1850 in Karlsruhe, f 5. Jan. 1902 Sohn und Schüler von Joh. I P. Seine Ausbildung schloß er bei Riechers ab und machte sich 1873 als Nachfolger seines Vaters selbständig. Er war auch theoretisch gut geschult, so daß er die mathematischen und akustischen Gesetze beim Geigenmachen zu beob- achten sich mit Erfolg bestrebte. Er machte Geigen aller .^rten (auch Zithern usw.) vorzugsweise nach Stradivari und bediente sich eines farbenschönen 01- lacks, den er chne vorheriges Beizen des Holzes auf- trug, auch die Hälse — bekanntlich ist es eine Unsitte vieler Geigenmacher, die Hälse zu beizen — hielt er davon frei. Bei gewöhnlichen Geigen verwendete er auch Spirituslack. Er war wie sein Vater Hofinstru- mentenmacher und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Eine seiner besten Violinen besitzt Hofmusikus Bühl- mann. Geigen Zettel: Abb. 598. 366 Padewet — Pagon Padewet, J. Karl. — Karlsruhe. Geb. 27. Juli 1887 Sohn von Johann II. P. und seit 1907 dessen Nach- folger. Da er erst 15 Jahre alt war, als sein Vater starb, ging er nach Markneukirchen, um dort den Geigen- bau 7.U erlernen, arbeitete dann zu seiner weiteren Aus- bildung bei Fiorini in München und bei Winterling in Hamburg, bis er das väterliche Geschäft übernahm. Er setzt die Traditionen seines Hauses würdig fort, arbeitet sehr sauber und verwendet einen guten Lack. Auch im Ton sind seine Geigen sehr gut. Geigenzettel: J. Karl Padewet / Fecit. Karlruhe i. B. / 1908 (Initialen i.m Kreis) (gedruckt). Padewet, Karl. — München. Geb. in Wien I.Jan. 1823, t 23. März 1896 Bruder von Joh. I Padewet. Er begründete im Jahre 1856 seine eigene Werkstatt und war als Reparateur sehr ge- schätzt. In seinen neuen Geigen hielt er sich vorzugs- weise an das Stradivan-Modell, war sorgfältig in der Arbeit und erzielte einen guten Ton. Geigenzettel: Abb. 628. Paduch, Eduard. — Budapest. Geb. 1876 Nachdem er bei Pilät ausgelernt hatte, ging er zu seiner weiteren Ausbildung nach Deutschland und arbeitete u. a. bei Diehl in Hamburg. In die Heimat zurückge- kehrt, machte er sich selbständig und erwarb sich bald einen guten Kundenkreis. Päsold, J. C. und Oskar, arbeiten als Geigen- macher in Fleissen b. E. Paflik. — Troppau. 1845. Geb. um 1795 Er hatte bei einem Gcigenmacher in Böhm.en gelernt, mußte dann Soldat werden und kam als solcher nach Mailand und Brescia und anderen italienischen Städten, die seit 1815 unter österreichische Herrschaft gekom- men waren. Er verliebte sich m die Enkelin eines Gei- genmachers, dessen Werkstatt neben der Kaserne lag, und so kam es, daß er bei dem .Alten auch dann noch arbeitete, nachdem die Enkelin gestorben war und er den bunten Rock ausziehen durfte. Er hat da jeden- falls manches gelernt und blieb bis zu seinem 45. Jahre in Italien. In die Heimat zurückgekehrt, ließ er sich in Troppau nieder und galt als tüchtiger Geigen- macher. Pagani, Gian Battista. — Cremona. 1 735. 1 747 Ein Meister dritten Ranges, immerhin aber ein Cremo- neser. Valdrighi nennt ihn Paganini (Nr. 4328). Auch ein Antonio Pagani kommt vor. dessen Wohnort nicht feststeht. Pagani, Pietro. — San Martino d'Este. 1836 Ein Dilettant, der einige gute Violinen gemacht hat. Paganini, G. S. — Florenz. Geb. 1870 in Forli, t 1913 Sohn von Luigi P. und wohl auch dessen Schüler Seine Geigen sind sauber gemacht, haben flache Wöl- bung und braunen Lack. Er besaß zwar viele Aus- stellungsmedaillen, war aber trotzdem nicht hervor- ragend. Er starb im Irrsinn in seiner Vaterstadt. Seine Tochter Alba P. wurde von ihm ausgebildet und ar- beitet jetzt als Geigenmachenn in Forli. Paganini, Luigi. — Faenza, Forli. Geb. in Faenza 1838, f 1914 in Forli Ein Geigenmacher, der an sich nicht ungeschickt war, aber nur billige Geigen baute. Paganini, Nicolo. — Geb. 18. Febr. 1784 in Genua, f in Nizza 27. Mai 1840 Der große Geiger darf hier erwähnt werden, da er auch einmal unter die Erfinder gegangen war und ein Streich- instrument, das er Contraviola nannte, ausgedacht hatte, mit dem er den Ton der menschlichen Stimme wieder- geben wollte. Dieses Instrument war viel größer als die gebräuchliche Viola, so daß nur die glücklichen Be- sitzer sehr langer Arme darauf spielen konnten. Das Instrument hat wohl schon aus diesem Grunde nie- mals Freunde gefunden, auch bestritt man mit dem Hinweis auf Joh. Seb. Bachs »Viola pomposa« die Neu- heit der Erfindung. (Vgl. Journal des .Artistes vom 29. Juni 1834.) Paganoni, Antonio. — Venedig. 1750 Nur dem Namen nach bekannt. Pageot, Louis -Simon. — Mirecourt. 1780. 1795 Von Hause aus Geigenmacher, verlegte er sich bald ausschließlich auf das Bogenmachen, worin es sein Sohn allerdings zu größerer Meisterschaft brachte. Pageot (Pajeot). — Mirecourt. Geb. zu Mire- court 25. Jan. 1791 , t daselbst 24. Aug. 1849 Sohn des Bogenmachers Louis-Simon P. Ein sehr talentvoller Bogenmacher, der in seinem Leben etwa 8000 Dutzend Bogen gemacht hat. Er arbeitete viel für das Geschäft von Lafleur; die Bogen, die er für eigene Rechnung gemacht hat, tragen seinen Namen, den er übrigens stets Pajeot schrieb , als Brand- marke. Pages, Jose und Juan. — Cadix. 1794. 1819 Spanische Lautenmacher des 18./ 19. Jahrhunderts, die recht saubere Lauten und Gitarren usw. bauten. Geigenzettel: + / Josef Pages / me hizo en Cadiz / Ano de 1808 / Galle de la Armagura N. 13 (gedruckt). agharo s .Tlfo Trebltsch. 1685. Pagon (Pagoni), Stefan. t 1718 Ein Italiener, der sich um 1 685 als Geigen- und Lauten- macher in Trebitsch niedergelassen hat und als tüch- tiger Meister geschätzt wurde. Paiarino — Palma 367 Paiarino, Marco. — Ferrara. 1591 Wahrscheinlich ein Mitglied der Familie Cricca, die bekanntlich den Beinamen »Paiarini" führte. Er wird als Schüler Giulio Criccas bezeichnet und war bisher nur urkundlich nachzuweisen. Auch bei Valdrighi (4329) findet sich sein Name. Paillot, Claude. — Mirecourt. 1772 Vielleicht Bruder des gleichzeitig vorkommenden Frangois PaiUot. Painclai, Jean-Joseph. — Mirecourt. 1783 Von A. Jacquot erwähnter Luthier, Pajeot s. Pageot Pajot, Gilbe rt. — Jenzat(Allier). 1795. f 1853 Sohn von Jean P. Durch einen Verwandten erhielt er eine Leier von Charotte und Unterricht im Spiel der- selben. Dadurch erwachte seine Lust, ähnliche Instru- mente anzufertigen. Er wurde der Gründer der In- strumentenindustrie seiner Heimat, die er zur Blüte brachte. Er arbeitete nach Charotte und Varquain und gebrauchte den Brandstempel: Pajot ä Jenzat. Pajot, Jacques-Antoine I. — Jenzat. Geb. 1835. t 1877 Vetter und Nachfolger von Jean-Bapt. I P. Pajot, Jacques-Antoine II (Pajot Jeune I). — Jenzat. Geb. 1847. 1897 Arbeitete bei Jean-Bapt. und Jacques-Antoine 1 P. und machte sich 1875 selbständig. Geigenzettel: Pajot Jeune, facteur d'instruments / ä Jenzat, par Gannat (Allier) (gedruckt). Pajot, Jean. — Jenzat (Allier). 1765. f 1847 Ein Landmann, der (nach Grillet) Bauemleiern (Viel- len) machte, die dadurch auffallen, daß er sie oft aus einem einzigen Stück Nußbaumholz durch Aushöhlen hergestellt hat. Pajot, Jean-Baptiste I. — Jenzat. Geb. 1817, t 1863 Der Stradivari der Bauernleier. Er lernte in Mirecourt und Paris und war ein geschickter Bildhauer in Eben- holz und Elfenbein. Er war erst Teilhaber und später der Nachfolger im Geschäfte seines Vaters. Er ge- brauchte einen Brandstempel: Pajot / ä Jenzat und den Zettel: Abb. 582. Pajot, Joseph (Pajot Jeune 11). — Jenzat (Allier). Geb. 30. Aug. 1868 Sohn und Schüler von Jacques-Antoine II und seit 1897 dessen Nachfolger. Er verwendet Spirituslack und besitzt mehrere Medaillen. Geigenzettel : Pajot Jeune, nouvelle Maison / ä Jenzat, allier (gedruckt). Palate. — Lüttich. 1710. 1750 Ein braver Nachahmer der Italiener, ohne bemerkens- werte Vorzüge. Palazzoli, Giovanni Battista. — Verona. 1605 In der Allg. Musikal. Zeitung 1831 , Nr. 35, wird durch die Marxsche Buchhandlung in Karlsruhe eine doppelt eingelegte Violine dieses sonst nicht bekannten Mei- sters zum Kaufe angeboten. Da ein Fälscher wahr- scheinlich lieber den Namen Magginis mißbraucht hätte, halte ich es für wahrscheinlich, daß es tatsächlich in Verona einen Palazzoli gegeben hat. Palfner, Alois. — Graz. Geb. 1884 in Graz Ursprünglich Zithermacher, kam er in jungen Jahren zu H. Voigt nach Wien, erlernte bei ihm den Geigen- bau, arbeitete dann bei F. Güttier und in Deutsch- land und ließ sich 1907 in Graz nieder, wo er sich selbständig machte. Er baut seine Geigen nach Stradi- vari, verwendet einen weichen, orangefarbigen Ollack und ist auch ein guter Bogenmacher und Reparateur. Seine Arbeit wird gelobt. Pajot, Jean-Baptiste II. 1863 — Jenzat. Geb. Sohn und Nachfolger von Jacques -.Antoine I P. ; Schüler von Pimpard, dem Werkführer des Hauses Pajot. Er hat manche Verbesserungen eingeführt, die sich bewährt haben. Geigenzettel : Abb. 588. Palla. Vincenzo. — Perugia. 1790 Bisher nur als Harfenmacher bekannt. Geigenzettel: Palla Vincenzo , fece in Perugia (gedruckt). 1790 Palladmi, Giovanni Italienischer Mandolinenmacher des 19. Jahrhunderts, der sich durch hübsche Einlegearbeiten hervortat. Pallota, Pietro. — Perugia. 1788. 1821 Er hat einige gute, sehr flach gewölbte Violen und Violoncelli gemacht, gehört aber nicht zu den großen Meistern. Fälschlicherweise wird seine Lebenszeit wiederholt in das Jahr 1593 zurückverlegt, wozu weder seine Arbeiten noch seine verschiedenen geschriebenen und gedruckten Zettel einen Anlaß geben. Geigenzettel: Abb. 602. Palma, Karl F. — Wien. 1883. 1912 Er arbeitete lange bei Bucher und Gutermann, wo er hauptsächlich sehr schöne Zithern machte. Er ist aber auch als Geigenmacher recht geschätzt. In seiner Arbeit ist er oft ungleich, so daß man neben sehr guten Vio- linen (auch nach Staufer und anderen Wiener Meistern) sehr sorglos ausgeführte sehen kann. Nach Jos. Botts Tode übernahm er dessen Geschäft, das er jedoch nicht lange fortführte. Jetzt befaßt er sich ausschließlich mit Reparaturen. 1 368 Pal Panc ma — ranormo Palma, Paolo. — Lucca. 1760 Nachahmer von Nicolaus Amati, jedoch ohne besondere Vorzüge. Geigenzettel: Paulus Palma Lucensis / fecit in Lucca 17.. (gedruckt). Palmerlo, Math. — Padua. 1734 Eine Geige von ihm führt der Selhofsche .Auktions- katalog (Haag 1 759) auf. Palmers, Francis. — ? 1617 Ein Penorcon (engl. Instrument, der Pandora ähnlich) befindet sich bei Claudius in Kopenhagen. Leider ist der Zettel unvollständig und zeigt nur den Namen. Geigenzettel : Francis . . . / Palmers . . . / Dwelling in ... / Anno 1617 (gedruckt). Paltrinleri, Giovanni. — ? 1840 Von Valdrighi erwähnter Geigenmacher (23)0), von dem ein Violoncello bekannt ist. Pamphilon, Edward. — London. 1660. 1685 Man nimmt an, daß er aus Urquharts Schule hervor- gegangen sei. Er wohnte London Bridge und ist nur wenig bekannt; es gibt einige kleine, sehr hochgewölbte Violinen von ihm, die die Vermutung rechtfertigen, daß er Arbeiten der Brescianer gekannt habe und nach- ahmen wollte. In den Umrißlinien ist er ziemlich steif, die F-Löcher sind dagegen in den Endungen allzu ge- schweift. Die Schnecke ist tief ausgestochen und die Einlage gewöhnlich doppelt angebracht. Eine im Jahre 1680 gebaute Violine von ihm stellte J. T. Chapman in der Londoner Music Loan Exhibition 1904 aus. Geigenzettel: Edward Pamphilon ' April the 3rd. 1685 (gedruckt). Pandolfi, Antonio. — Venedig. 1710. 1740 Einer der tüchtigsten venezianischen Geigenmacher. Seine Violinen sind gewöhnlich von großem Patron, sauber gearbeitet, haben gelbbraunen oder dunkelrot- braunen Lack und vollen Ton. Der Boden ist oft aus einem Stück, die F-Löcher manchmal schräg stehend. Geigenzettel : Abb. 606. Panmmo s. Gibertoni Panneeis, 0., eine 1845 begründete Geigen- firma in Brüssel Panormo, Edward Ferd. — London, Brighton. Geb. um 1811, t 3. Nov. 1891 Sohn von Joseph und Enkel von Vinc. Trus. P. Es ist von ihm nur bekannt, daß er u. a. längere Zeit in Ir- land gearbeitet hat. Er kam allmählich ganz herunter, und man sprach zum letztenmal von ihm, als ihn — den 77jährigen Greis — ein hartherziger Hauswirt wegen Mieteschulden samt seiner alten Frau auf die Straße setzte. Panormo, Georges Louis. — London. Geb. um 1774, t nach 1842 Zweiter Sohn von Vincenzo P. Er ist vorzugsweise als trefflicher Gitanenmacher bekannt, doch hat er auch mehrere Violinen nach Stradivan verfertigt und machte besonders schöne Bogen. Einen solchen besitzt das Mu- seum des Pariser Konservatoriums, einen anderen (vom Jahre 1830) stellte A. E. Hill 1904 in London aus. Er wohnte zuerst in der Oxfort Street und zog dann in die High Street St. Giles in the Fields. Eine Gitarre von 1839 trägt die Nummer 2,283. Geigenzettel: Abb. 590. Panormo, Joseph. — London. Geb. in London um 1773, t nach 1825 Altester Sohn von Vinc. Trus. P. Obwohl er ein Mei- ster in seinem Fache war und namentlich vorzügliche Violoncelli machte, fand er doch wenig Anklang, da er als Engländer galt, und englische Geigen im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts in London nicht gesucht waren, nur gering gerschätzt und noch schlechter be- zahlt wurden. Er wohnte zuerst in der New Compton Street und dann in der King Street Soho. Er starb gänzlich verarmt. — Paris, Lon- Monreale bei Panormo, Vincenzo Trusiano. don. Geb. 30. Nov. 1734 in Palermo, f 1813 in London Durch den Zufall, daß einige Jahreszahlen in seinen Geigen falsch gelesen wurden, war seine Geschichte lange Zeit völlig unaufgeklärt, und da man sein Ge- burtsjahr auf 1 705 setzen zu müssen glaubte, so mußte man aus dem einen Manne zwei Geigenmacher machen. Daß er aus Palermo gewesen sei, nahm man immer an, denn abgesehen davon, daß schon sein Name darauf hinweist (der antike Name von Palermo war Jld ' oufin^), brachte er auf seinen Zetteln auch gerne das Wappen von Palermo an. Er soll in Cremona gearbeitet haben — vielleicht bei Bergonzi, dem er manchmal nahe kommt — , auch in Turin, und dürfte sich um 1 760 in Paris niedergelassen haben, nachdem er vorher in Marseille gewesen war. Im Jahre 1772 kam er zuerst nach London und ging dann wieder nach Paris zurück, wo er von 1783—1789 in der Rue de Chartres Nr. 70 wohnte. Vorher und nachher war seine Werkstatt in der Rue de l'Arbre See. Von London aus unternahm er auch eine Kunstreise nach Dublin, die dadurch be- merkenswert wurde, daß er bei dieser Gelegenheit eine alte Billardtafel von bestem Ahornholz fand, aus der er eine große Zahl trefflicher Geigen machte. Es scheint, daß er abwechselnd in London und Paris lebte, vielleicht hatte er sogar mit Hilfe seiner Söhne zwei Werkstätten im Gange. Er hielt sich an seine ita- lienischen Vorbilder, schnitzte sehr hübsche Schnecken und F-Löcher, und wenn er auch ein eigenes Modell hatte, so ahmte er doch Stradivari und Bergonzi usw. am liebsten nach. Er bevorzugte dabei die größeren Modelle, verwendete meist gutes Holz und einen hüb- schen gelben, manchmal rötlichen Lack. Bei einem Baß machte er schon vor Galbusera und Chanot den Ver- such, die Umrißlinien der Gitarre bei einem Streich- instrument anzuwenden. Seine .Arbeit ist gut, nur läßt er oft die Hohlkehle fehlen und rundet einfach den Rand ab. Da der Ton fast immer groß und edel ist, erreichen seine Violinen jetzt hohe Preise. Er hatte ver- schiedene Zettel und manchmal auch einen Brand- \ Pa nsani Parisot 369 Stempel im Gebrauch. Er hatte mehrere Söhne, die Geigenmacher wurden '^). Eine Geige von ihm, die in der Sammlung Snoeck war, ist aus Paris 1810 datiert, mit der Adresse Rue de l'Arbre sec. Geigenzettel : V T / Panorm (gedruckt). — Vincenzo Palermo / Londra 1796 (geschrieben) (sie) — Vincenzo Panormo / di Palermo Fecit Anno 17 . . (geschrieben) und Abb. 587 und 612. Pansani s. Panzani Pantzer, Johann Christian Heinrich. — Khn- genthal. 1776. 1792 Sohn, Schüler und Nachfolger von Joh. Karl P. War 1792 einer der Vormeister der Innung. Pantzer, Johann Karl. — Klingenthal. 1737. 1741 Er kommt zuerst 1737 im Kassenbuch der Innung als Meister vor. Seine Arbeit ist sorgfältig und das Holz nicht schlecht, auch der Lack ist besser als sonst bei seinen Klingenthaler Zeitgenossen. Geigenzettel: Johann Carl Pantzer /Violinmacher in Klingenthal/ Ao: 1741 (gedruckt). Panza, Antonio. — Finale Emiha. 1875 Ein Modeneser Landmann, der in seiner freien Zeit Geigen gemacht hat, die freilich die Hand des Dilet- tanten verraten, aber manchmal wegen des guten Holzes nicht schlecht klingen. (Vgl. Valdrighi 2325.) Panzani (Pansani), Antonio. — Rom. 1735. 1785 Mittelmäßig in seiner Arbeit. Nach Vidal soll er auch in Venedig gearbeitet haben, wofür ich jedoch keinen Beweis finden konnte. Ein Andrea Pansani war noch in neuerer Zeit als Geigenmacher tätig. Papiensis s. Laurentius Geb. in Paris Paquotte, Henri -Felix. 11. März 1857 Sohn von Jean-Bapt. Paqu. und dessen Schüler. 1888 übernahm er In Gemeinschaft mit seinem Bruder das väterliche Geschäft, das er mit Erfolg fortführt. Er Ist auch ein tüchtiger Geiger und hat von 1873 — 1878 als Schüler Sauzeys das Konservatorium absolviert. Auf der Pariser Weltausstellung 1900 war er sehr gut vertreten. Geigenzettel: Abb. 594. Paquotte, Jean-Baptiste. — Paris. Geb. 22. April 1827 in Mirecourt, f 15. April 1900 Ursprünglich Bogenmacher, kam er 1841 nach Paris und wurde Schüler seines Oheims Seb. P., bei dem er acht Jahre blieb. Hierauf arbeitete er 14 Jahre bei La- ^) Ein Panormo gab In Paris 1 786 als Opus 6 ein Flöten- äuo heraus ; vielleicht auch ein Sohn von ihm ? V. Lütg-e ndorf f , Geijfen- und Lautenmacher. Bd. II fleur und übernahm 1863 Seb. Paquottes Werkstatt' die er als tüchtiger Künstler mit großem Erfolg fort- führte, bis er sich 1888 zurückzog und sein Geschäft seinen Söhnen überließ. Paquotte, Placide. — Paris. Geb. 1864 in Paris, t l.Sept. 1900 Jüngerer Sohn und talentvoller Schüler von Jean-Bapt. P. und Teilhaber des Geschäftes seines Bruders. Sein frühzeitiger Tod infolge eines Unfalls mit dem Zwei- rad wird von denen, die seiner Entwicklung folgten, aufrichtig bedauert. Paquotte, Sebastian. — Paris. Geb. in Mire- court 1800, f Paris 1863 Er kam gegen 1830 nach Paris, wo er sich in der Rue de la Harpe 51 selbständig machte. Er galt als geschick- ter, wenn auch nicht hervorragender Geigenmacher. Später wohnte er in der Rue de l'Ecole-de-MedicIne Nr. 20 In den Räumen, in welchen Marat von Charlotte Corday getötet wurde. Das Haus ist 1877 abgebrochen worden. Paraldic — Ein einziges Violoncello aus dem Besitze VIdals, mit der angeblichen Jahreszahl 1722, soll diesen Namen tragen. Ich glaube, die Jahresaahl muß 1777 gelesen werden und der Name: (fait) »par Aldric«. Pardi. — Paris. 1785. 1788 Wahrscheinlich ein Italiener, den man eigentlich nur nach seiner Adresse (Rue St. Honore 412) im Alma- nach kennt. Geigen, die seinen Namen tragen, zeigen ein flaches Modell. Pardini, Bastiano. — Florenz. 1 7. Jahrhundert Seine Arbeit ist so ungeschickt, daß man glauben muß er habe das Geigenmachen nur aus Liebhaberei be- trieben. Sein Modell berechtigt dazu, ihn für einen Zeitgenossen G. da Salös zu halten. Gelgenzettel: Bastiano Pardini / In Fiorenza (gedruckt). Paris (Parisse), Claude. — Paris. 1775. 1791 Seine Gelgen ragen zwar nicht durch Tonschönheit hervor, sind aber oft hübsch ausgestattet; die Einlagen brachte er gerne In Zickzacklinien an. Sein Holz ist nicht sorgfältig gewählt, der Spirituslack von rotgelber Farbe. Er wohnte In der Rue du Roule-St. Honore und dürfte vor 1816 gestorben sein, da In diesem Jahre sein Neffe Besitzer der Werkstatt war. Geigenzettel : Claude Paris Luthler / Rue du Roulle ä Paris 1780 (gedruckt). Paris (Parisse), Nicolas. — Mirecourt. 1775. 1788 Bruder von Claude P. und gleichfalls Geigenmacher. Parisot (Parizot), Alexandre. — Bordeaux. 1 828 Vielleicht identisch mit dem in Nantes vorkommenden Geigenmacher. 24 370 Parisot — Paterson Parisot (Parizot). — Nantes. 1774. 1821 In den Listen des Bürgermilitärs von Nantes kommt er von 1774 — 1781 vor; m Geigen und Violen findet sich sein Zettel noch mit der Jahreszahl 1821. Seine Arbeit ist sauber und der Ton nicht schlecht. Geigenzettel: Parisot, Luthier / ä Nantes. 1820 (ge- druckt). Parker. — Northampton Das Selhofsche Auktionsverzeichnis (Haag 1 759) führt eine Gamba von >>Parkel Dwelling Northamshire« auf. Es muß selbstverständlich Parker heißen, Dwelling wird lächerlicherweise auch hier wieder als Familien- name angesehen. Parker, Daniel. — London. Geb. um 1700. 1775 Vielleicht ein Schüler von Pamphilon oder A. Kennedy, doch ging er bald eigene Wege. Er machte fast aus- schließlich Violinen und scheint sich die Italiener zum Vorbild genommen zu haben, denen er manchmal recht nahe kommt. Namentlich darf sein feiner, schöner, nur manchmal zu dicker OUack von leuchtendroter Farbe seiner Geschmeidigkeit wegen hervorgehoben werden. Eine von ihm im Jahre 1 720 (?) gebaute Violine stellten W. E. Hill & Sons 1904 in London aus. Parmentier. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamilie, von der als Luthiers ge- nannt werden: Christophe P. 1738, 1741. Jacques P. 1789. JeanP. 1744, 1788, und Pierre P. 1751. gest. 1781. Parti s. Bartl Parzetti Zweifelhafter Name in einer Viola in der Sammlung des Rechnungsrats Friedrich in Posen. Pasciutti, Ferdinando. — Bologna. Geb. um 1850 in Bazzano, f nach 1885 Er war Musikinstrumentenhändler und unterhielt eine Trompetenmacherwerkstatt. Versuchsweise hat er auch zwei oder drei Violinen gebaut. Pascuali, Giacomo. — Ancarano b. Ascoli Ein wenig bekannter Mandolinenmacher des 18. Jahr- hunderts. Pasio (Pasi), Ildebrando. — Faenza. 18. Jahr- hundert Seinen Reparaturzettel veröffentlicht Paul de Wit. Geigenzettel : Ildebrandus Pasius Restauravit / Faven- tiae (gedruckt). Pasio, Lodovico. — Modena. 1506 Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und auch von Valdrighi (4338) aufgeführt. Passaponti, Giovanni. — Florenz. 1750 Er scheint hauptsächlich Taschengeigen, kleine Lauten und dergleichen mit hübschen Einlagen und Schnitze- reien gemacht zu haben. St. Petersburg. 1886. Passierbski, Franz. 1903 Besitzt eine 1886 begründete Instrumentenfabrik und nennt sich »Violin- und Gitarren-Meister, Verbesserer der Balalaika« usw. Pasta, Antonio. — Brescia. 1710—1730 Vielleicht der Vater von Gaetano P. Es gibt Geigen mit seinem Namen, die denen von G. da Salö nach- geahmt sind, sich aber weder in der Arbeit noch im Ton auszeichnen ; auch der Lack ist meist zu weich. Pasta, Bartolomeo. — Mailand. 1681 Er nennt sich einen Schüler von Nicolo Amati, ist aber wenig bekannt und wurde bisher nur bei Valdrighi (4339) erwähnt. Vielleicht war er ein Sohn des 1666 nachweisbaren Christoforo Posta (Pasta) und ein Ver- wandter der in Brescia tätigen Geigenmacher seines Namens. Geigenzettel: Bartolomeo Pasta, Alievo di Nicolo / Amati Cremonese, Fece in IVlil°. 1681 (gedruckt). Pasta, Domenico. — Brescia. 1710. 1730 Vielleicht ein Bruder von Antonio P. Seine Geigen sind recht gut, haben ein flaches Modell und edlen Ton. Er ahmte auch die Modelle von Amati und Mag- gini nach. Pasta, Gaetano. — Brescia. 1710. 1760 Der Bedeutendste aus seiner Familie. Seinem Zettel nach war er ein Mailänder und ein Schüler von Hiero- nymus II Amati. Er hat jedenfalls dazu beigetragen, daß der Einfluß der Cremoneser Schule selbst in Bres- cia die herkömmliche Art von G. da Salö und P. Mag- gini schon im Anfang des 18. Jahrhunderts zu ver- drängen begann. Er führte das Ladenschild : »alla Pal- lada*. Seine Geigen haben ein flaches Modell und edlen Ton und erinnern in den Umrissen etwa an G. B. Rogeri. Eine gute Violine von ihm vom Jahre 1743 besitzt der kgl. Opernsänger Gustaf Sjöberg in Stock- holm. Geigenzettel: Gaetano Pasta milanese allievo dell Amati di Cremona alla / Pallada in Brescia. A. 1750 (gedruckt). Pastelli s. Rastelli Paterson, James. — Edinburgh. Geb. in Stirling 1834, t 1898 in Edinburgh Er war ursprünglich Kunsttischler und verlegte sich seit 1885 auf das Geigenmachen. Er arbeitete sehr sauber nach Guarneri und Stradivari und erhielt 1890 in Edinburgh eine Bronzemedaille. Er benutzte einen von Dr. Clark hergestellten Ollack von rotgelber Farbe Pathan — Patzelt 371 und ist vermutlich identisch mit dem J. Paterson in Glasgow, der um 1895 eine Violine mit Kmn- und Bruststütze erfand, die vibrierende Teile des Instru- mentes nicht berührt. Geigenzettel: James Paterson / [Initialen im Kreis] Edinburgh 1893 (gedruckt). Pathan, Vincenz. — Wien. Geb. 1860 in Unter-Graupen b. Deutschbrod 1. B., f 1894 in Wien Seine erste Lehrzeit machte er von 1874 — 1878 bei dem Instrumentenhändler Stark in Wien durch und hat dann als Gehilfe bei Bern. II Enzenberger, bei Placht und Stowasser in Budapest und bei Placht und Thom. Zach in Wien gearbeitet. Er war ein sehr talent- voller Geigenmacher und erhielt schon als Gehilfe auf der Budapester MiUemums-Ausstellung eine Medaille. Er arbeitete gerne nach Maggini doppelt eingelegte, mit Sternen und Ornamenten verzierte Geigen, aber auch nach Nik. Amati, Guarnen del Gesü ufid Stradi- vari. Seine letzte Violine (nach Guarneri) mit bor- deauxrotem Ollack (im Besitz von Dr. Glowacki v. Prus in Wien) aus dem Jahre 1893 trägt die Nummer 1 13. Für billigere Geigen verwandte er einen schlechten bräunlichen Spirituslack, der häufig die im übrigen tadellose Arbeit in ihrem Äußeren beeinträchtigte. Er war als Geigenmacher ein Künstler, als Mensch aber ein sonderbarer Kauz, den seine Vorliebe für Katzen- fleisch öfter vor Gericht brachte. Auch soll er den Spi- ritus, den er zur Arbeit brauchte, häufig, selbst in de- naturiertem Zustande, getrunken haben. Geigenzettel : Abb. 625. PatoOka, Benjamin. — JiTin (Böhmen). Geb. am 31 . Aug. 1864 zu Pasek a. Iser Seit 1879 Schüler von Josef Metelka in Pasek, dann Gehilfe bei Vitäcek, später bei Bina in Prag, bereiste Böhmen und Deutschland, übernahm am 18. Oktober 1888 das Geschäft seines Lehrmeisters Metelka und siedelte am 13. März 1894 nach Jicin über. Er macht vorzugsweise neue Instrumente (Geigen, Cellos und Kontrabässe) nach Stradivari und Guarneri und ver- wendet einen selbstbereiteten weichen Spirituslack. Seine Arbeiten fanden vielfache Anerkennung; er be- sitzt eine goldene, eine silberne, zwei bronzene Me- daillen und verschiedene Diplome. Geigenzettel: Abb. 614 und 619. Budapest. 1820. Patzelt, Ferdinand. t 1859 Nach einer Familienüberlieferung soll er aus Bayern nach Ungarn eingewandert sein. Um 1820 war er be- reits in Pest ansässig und wurde als tüchtiger Meister geschätzt. Auf Leiterwagen wurden ihm von weit und breit die der Wiederherstellung bedürftigen Geigen ge- bracht, und seine neuen Geigen, die als sehr gute Nach- ahmungen italienischer Vorbilder bekannt sind, er- freuten sich eines großen Rufs. Treffliche Kontrabässe von ihm befinden sich noch m vielen ungarischen Kir- chen. Seine Hauptliebhaberei war das Studium alter Geigen, und er hat darüber noch heute erhaltene wert- volle Aufzeichnungen hinterlassen. Geigenzettel: Patzelt Ferdinand / Hüros hangszer Ke- szitö / Pesten / lakik Leopoldväros 2 Sas utczäban 257 sz. (gedruckt). Patzelt, Ferdinand. — Dresden. Geb. 1854 in Wien Schüler seines Vaters Johann Ferd. P. im Grimmschen .Atelier. Nachdem er ausgelernt hatte, wollte er, von besonderer Neigung getrieben, Maler werden und be- suchte bereits die Berliner Kunstakademie, als er durch den frühzeitigen Tod seines Vaters veranlaßt wurde, zum Geigenmachen zurückzukehren. Er eröffnete 1876 mit seinem Bruder eine eigene Werkstatt in Berlin und siedelte 1883 nach Dresden über. Er ist ein denkender Künstler, der nicht im sklavischen Kopieren der italie- nischen Meister das einzige Heil des Geigenbaus sieht. Er ist der Überzeugung, daß das von den alten Meistern wohlerwogene Verhältnis aller Teile der Geige zu- einander gestört wurde, als man wegen der jetzt üblichen höheren Stimmung und stärkeren Belastung die Hälse (Mensuren) verlängern und den Baßbalken vergrö- ßern mußte. Was bei alten Geigen den heutigen An- forderungen entsprechend mit Erfolg geändert werden kann und muß, darf nach seiner Ansicht bei neuen nicht zur Regel werden. Er befolgt die Grundsätze der gro- 'ßen Meister insofern, als er der erhöhten Spannung Rechnung trägt und Geigen herstellt, die vermöge ihrer Gesamtanlage der Hilfsmittel nicht bedürfen, die für die alten Meisterwerke unentbehrlich geworden sind.. Er ist auch der erste deutsche Geigenmacher, der auf Veranlassung 0. Leßmanns aus dem von Konzert- meister Schradieck in Amerika entdeckten Holze der Balsamfichte Geigen gemacht hat. Er berücksichtigte dabei die leichtere und zartere Struktur dieser harz- armen Fichtenholzart, und der Erfolg war in jeder Be- ziehung zufriedenstellend. Ein Quartett mit Balsam- fichtendecken von ihm erhielt in Bologna den ersten Preis. Er glaubt, daß die alten Meister dieses Holz auch verwendet haben dürften, wenn sie es gerade zur Hand hatten, und findet, daß man mit der jetzt zutage tre- tenden Mißachtung der Balsamfichte ebenso über das Ziel schießt wie vorher, als man sich den übertrieben- sten Hoffnungen hingab. Patzelt ist ein würdiger Sohn seines trefflichen Vaters; er sucht sich in seiner Kunst immer mehr zu vervollkommnen und hat die Freude, sein unermüdliches Streben von wachsendem Erfolg gekrönt zu sehen. Dazu ist er ein feiner Kenner und tüchtiger Geiger. Seine Arbeiten finden uneinge- • schränktes Lob. Er verwendet eine Brandmarke: F. Patzelt. / Dresden. / 1899. Patzelt, Gebrüder. — Berhn. 1876. 1887 Nach dem Tode von Joh. Ferd. Patzelt begründeten seine Söhne die etwa ein Jahrzehnt bestehende Firma »Gebr. P.« Ferdinand P. siedelte jedoch nach Dresden über, sein Bruder führte das Geschäft noch bis 1887 in Berlin fort und ging dann auch nach Dresden, trat aber bald aus Unlust am Geigenmachen aus der Firma wieder aus und widmete sich seitdem »der Lösung automobiler Probleme«. 24* 372 Patzelt — Paulus Patzelt, Johann Ferdinand. — Wien, Berlin. Geb. 1828 in Budapest, f 1876 in Berlin Schüler seines Vaters Ferdinand P. Als Gehilfe ar- beitete er eine Zeitlang bei Engleder und bei Schulz in Regensburg und trat nach seiner Heimkehr im väter- lichen Geschäfte als Teilhaber ein. Nach seiner Ver- heiratung siedelte er nach Wien über, wo er ein bes- seres Fortkommen und mehr künstlerische Anregung zu finden hoffte, da er gerade von den Wiener Geigen- machern stets besonders gelobt woirde. Als er aber kam und sich um das Wiener Meisterrecht bewarb, wurden ihm die größten Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Durch seine Tüchtigkeit und seinen lauteren Charak- ter erwarb er sich jedoch sehr bald die Achtung und Freundschaft aller Fachgenossen. Im Jahre 1862 erhielt er in London eine Medaille, und als 1866 Helmich in Berlin starb, wurde er als künstlerischer Leiter der Grimmschen Werkstatt dorthin berufen. Er war ein echter Künstler, ein tüchtiger Geiger und ein genauer Kenner der alten Meisterwerke. In manchen seiner Geigen findet sich ein zweiter Zettel mit dem Spruch: »Fluch jeder Hand, die im Unverstand Von der Geig' was scheert, die ist nichts werth.« Besonders tüchtig war er als Reparateur, und nicht selten bezahlten ihm seine Auftraggeber in der Freude über die gelungene Arbeit weit höhere Preise, als er in seiner Bescheidenheit gefordert hatte. Hellmesberger besaß ein vorzügliches Quartett von ihm; Laub und Miska Hauser spielten mit Vorliebe seine Geigen, und sein Sohn besitzt noch jetzt eine Viola von ihm aus dem Jahre 1862, die in jeder Beziehung ausgezeichnet ist. Geigenzettel : J. Ferdinand Patzelt, Geigenmacher / in Wien anno 1862 J. F. P. ■)(x A. 0. (gedruckt). Paul, Fran^ois. — Mirecourt. 1750. 1752 Arbeiten von ihm kennt man bis jetzt nicht. Paul, Johann Balthasar. — Klingenthal. 1737 Nur aus den Innungslisten als Geigenmachermeister bekannt. Paul, Johann Christoph. — Klingenthal. 1776 Sohn von Johann Balth. P. Er arbeitete mittelmäßig nach dem Hopf-Modell. Pauli, Antonl. — Tachau. 1707. 1723 Ein trefflicher Geigenmacher, der ein breites Modell bevorzugte und einen dicken, gelblichen Lack anwen- dete. In der staatl . Sammlung in Berlin befindet sich eine Viola d'amore von ihm aus dem Jahre 1718 von aus- gezeichneter Arbeit mit gemaserten Zargen und einem Löwenkopf am Wirbelkasten (Nr. 862). Aus der Samm- lung Snoeck besitzt Berlin ein gleiches Instrument mit flachem Boden und einem geschnitzten Köpfchen (Nr. 494). Geigenzettel: Abb. 616. Pauli, Johann Gottfried. — Tachau. Geb. 1 4. Juli 1 707 in Tachau, f das. 30. Dez. 1 77 1 Sohn des Antoni und der Elisabeth P. Er war seit 3. Februar 1732 verheiratet mit A. Barb. Dolhopf, Tochter des f Lorenz D. aus Tachau. Auf spätem Zetteln erscheint der Name Godefridus mit ie ge- schrieben. Seine Arbeit ist ganz ohne Kunstwert. Geigenzettel : Joannes Godefridus Pauli / Lauten- und Geigen-Macher / in Tachau An: 1733 (gedruckt). Pauli. Johann Karl. — Tachau. 1730. 1745 Wahrscheinlich ein Sohn von Antoni P. Er ist am besten in seinen Violen, die er oft recht hübsch ein- gelegt hat. Auch die Löwenköpfchen am Wirbelkasten sind mit Geschick geschnitzt. Eine Viola d'amore von ihm vom Jahre 1730 besitzt das Bachhaus in Eisenach. Geigenzettel: Joann. Carolus Pauli / Musicus instru- mentalis in Tachau / bey 14 Heiligen Anno 1730 (ge- druckt). Pauli, Joseph. — Linz a.D. Geb. um 1770, f 7. März 1846 Wahrscheinlich zur Tachauer Familie Pauli gehörend. Er erlangte am 1 7. März 1812 die Geigenmachergerech- tigkeit »ad personam« und das Bürgerrecht in Linz, wo er aber schon Jahre vorher nachweisbar ist. Er wohnte im Hause Nr. 101, jetzt Hofgasse Nr. 14, und war ein sehr geschickter Geigenmacher, der jedenfalls, seiner Arbeit nach zu urteilen, auch in Wien gearbeitet hat. Einzelne Geigen von ihm sehen aus wie Arbeiten von Job. G. Thir. Seine Vorbilder waren aber Stainer und Amati. Er verwendete gutes Holz; sein Modell ist länglich, aber robust, der Lack rotbraun und glanz- 'os. Ein Violoncello von ihm aus dem Jahre 1799 be- sitzt das Stift St. Florian in Oberösterreich. Es kom- men jedoch auch Geigen mit den gleichen Namen und so frühen Jahreszahlen vor, daß man annehmen könnte, daß schon der gleichnamige Vater Geigenmacher in Linz war, was sich jedoch urkundlich durchaus nicht nachweisen läßt. Seine Geigen erreichen jetzt recht ansehnliche Preise. Geigenzettel: Abb 615 und 621. Pauli, Wenzel. — Salzburg. 1800 Angeblich Sohn von Joh. Gottfried P. und dann wohl auch dessen Schüler. Wenig bekannter Geigenmacher, der ein an Stradivari erinnerndes deutsches Modell hatte und einen rotbraunen Lack verwendete. Geigenzettel: Wenzel Pauli fecit Salzburg 1800 (ge- druckt). Paulo, Jose. — Lissabon. 1897 Portugiesischer Gitarren- und Mandolinenmacher vom Ende des 19. Jahrhunderts. Paulson, H. — Bergen. 1834 Norwegischer Geigenmacher, der erst Tischler gewesen sein soll und hauptsächlich alte Geigen ausbesserte. Geigenzettel: Rep. af H. Paulson / Bergen 1834 (ge- schrieben). Paulus, Markneukirchen Aus dieser Familie smd Geigenmacher geworden und in Markneukirchen geblieben : Paulus, Adolf, der schon in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts tätig war I Paulus, Albert Reinliold — Paulus, Reinhold 373 Paulus, Albert Reinhold arbeitete seit den achtziger Jahren des IV. Jahrhunderts als Geigenmacher. Paulus, Albin Ludwig. — Geb. 16. April 1866 Schüler von Dölling. Nachdem er ausgelernt hatte, arbeitete er bei Bernhardt und bei Re'inhold Paulus. Nach vollendetem 19. Jahre ging er für IV2 Jahre zu Rudolf Heckel nach Dresden, dann zu Adolf Hammig, bei dem er 3V2 Jahre blieb. Im Oktober 1890 kehrte er heim und machte sich selbständig, 1895 erhielt er den Titel eines kgl. sächs. Hofinstrumentenmachers. Seme Geigen gehören zu den besten, die man jetzt in Mark- neukirchen bekommen kann. Er arbeitet nach Amati, Stradivari und Guarneri und verwendet zu den bes- seren Geigen nur Öllack. (Sein Vater und Großvater waren Holzblasinstrumentenmacher.) Paulus, August Reinhold. — Geb. 21. Jan. 1868 in Breitenfeld b. M. Schüler von Ludw. Glaesel jr., bei dem er bis zu seiner Militärzeit blieb. Später arbeitete er noch in Berlin und kehrte dann in seine Heimat zurück, wo er Vorarbeiter in der Geigenfabrik von Roth & Lederer wurde. Paulus, Balthasar. — 1746 Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie. Das In- ventar von 1773 der ehem. Köthener Hofkapelle ver- zeichnet eine Violine von »Baltasar Paulus, ist grün, 1746«. Paulus, Karl Anton. — Geb. 30. Sept. 1830 Paulus. Karl Vitus. — Geb. 15. Juni 1815 Paulus, Heinrich Adolf. - Geb. 1 1 . Okt. 1854 f 16. Jan. 1871 Ein sehr geschickter Geigenmacher. Paulus, Adolf. — Berlin-Friedenau. Geb. 1874 in Markneukirchen Ältester Sohn und Schüler von Adolf Wilh. Ed. P. Nachdem er die Schule verlassen hatte, besuchte er das Leipziger Konservatorium und arbeitete gleich- zeitig in der väterlichen Werkstatt, die er 1899 unter Beibehaltung der alten Firma Lud. Bausch & Sohn übernahm. Im Jahre 1908 löste er jedoch das Geschäft in Leipzig auf und zog nach Berlin, um sich vorzugs- weise dem Lauten- und Gitarrenbau zu widmen, und heute gilt er als einer der besten deutschen Lauten- macher. Auch seine Streichinstrumente werden sehr gelobt. Paulus, Adolf Wilhelm Eduard. — Leipzig. Geb. 3. März 1843 in Markneukirchen, t 13. Juli 1899 in Leipzig Er war erst zwei Jahre lang Schüler seines Vaters Karl Vitus P. und kam dann zu Bausch jun. Seit !860 Mit- arbeiter von Bausch und seinen Söhnen, übernahm er 1873 die Werkstatt, die er unter der alten Firma fort- führte. Er arbeitete nach italienischen Vorbildern und nach eigenem Modell, verwandte einen goldgelben, weichen Lack und wich in der Stimmsetzung sowie im Baßbalken von anderen Geigenmachern ab. Auch die Ausarbeitung von Decke und Boden berechnete er nach einem eigenen System Geigenzettel: Adolf Paulus / Ludw. Bausch & Sohn / Leipzig / Jnstrumente, Bogen, Saiten, Etuis etc. / Re- paraturen (gedruckt). Paulus, August. — Dresden. Geb. 1851 in Markneuki rchen Seit 1893 Inhaber der Firma Richard Weichold (s. d.). Er ist seit 1 902 Hoflieferant und hat der Firma einen Weltruf durch seine nach eigenem System hergestell- ten quintenreinen Saiten verschafft. Die Geigenbau- werkstatt wird von Reinhold Paulus geleitet (s. d.). August Paulus schenkt dem Dresdener Konservatorium seit Ostern 1899 jährlich eine aus seiner Werkstatt her- vorgegangene wertvolle neue Geige und in jedem fünften Jahre ein Violoncello zur Preisverteilung. Die Firma hat auch ein großes Lager alter Musikinstru- mente. Geigenzettel: Abb. 601. Paulus, Christian August. — Wohlhausen. Geb. In Wohlhausen I8.N0V. 1862, f 4.Febr. 1899 Geigenmacher, Sohn von Karl Anton P. und wie dieser hauptsächlich für Händler tätig gewesen. Am gleichen Orte ist noch ansässig der derselben Familie ange- ' hörende : Paulus, Karl Paulus, Johann George. — Potsdam 1790. 1793 Wenn er auch ganz gute Geigen usw. gemacht hat, so war er doch kein hervorragender Meister, dagegen sind seine Bogen durchaus lobenswert. Sie sind sorgfältig gemacht und häufig am Frosch besonders verziert, z. B. durch eine Perlmutterlyra an beiden Seiten. Geigenzettel: Johann George Paulus / Königl. Preuß. Hoff- Instrumentenmacher / in Potsdam 1793 (gedr.). Paulus, Moritz. — St. Petersburg, Warschau, Hamburg, f um 1895 in Hamburg Bruder von Wilhelm und Adolf P. in Berlin. Seine Geigen . haben den Vogtländer Stil. Er soll recht geschickt ge- wesen sein, aber sehr sorglos gearbeitet haben und war meist für andere Firmen tätig. Paulus, Moritz, gründete 1875 sein Geschäft und ist in Brambach tätig Paulus, Reinhold. — Merkneukirchen, Dres- den. Geb. 1848 Nach beendigter Lehrzeit arbeitete er bei Bausch, Otto (Köln), Liebich und Riechers und begründete 1878 in seiner Vaterstadt Markneukirchen sein eigenes Ge- schäft, das er 1893 wieder aufgab, als er als Leiter der 374 Paul US Peccate Geigenbauanstalt der Firma R. Weichold nach Dres- den berufen wurde. Er ist ein tüchtiger Geigenmacher und Reparateur und verwendet sehr schönes Holz und schönen Ollack. Paulus, Richard. — Markneukirchen. 1920 Bestand im Jahre 1920 die Geigenmachermeisterprü- fung. Paulus, Richard. — Freiburg i. Br. Geb. 1 1. Dezember 1884 in Markneukirchen als Sohn des Saitenmachers Richard P. Von 1899 — 1903 lernte er bei Theodor Scherzer, arbeitete dann als Gehilfe bei Eugen Gärtner, bei der Firma Jul. H. Zimmermann und bei Phil. Keller und machte sich am 15. März 1909 in Freiburg selbständig. Er befaßt sich sowohl mit dem Neubau als auch mit der Wiederherstellung alter Geigen. Geigenzettel : Richard Paulus, Geigenbauer / Kunst- Reparaturwerkstätte / Freiburg Baden, Rotteckstr. 5 / Verfertigt im ... 19 . . No. . . . (gedruckt). Paulus, Robert. — Stockholm. Geb. 1854 in Steingrub b. Eger Von 1 866 — 1 869 Schüler von Johann Sandner in Schön- bach, arbeitete als Gehilfe zwei Jahre in Markneukir- chen, ein Jahr bei Bausch in Leipzig und sieben Jahre bei Oswald Möckel in Berlin. Im Jahre 1879 machte er sich in Stockholm selbständig. (Sein Vorgänger war C. W. F. Otto.) Paulus machte interessante Versuche, emen neuen Geigenlack (oder den alten italienischen) zu finden, und verwendete dabei besonders Kirsch- baumharz. Seine Geigen sind gut und sauber gearbei- tet. 1897 erhielt er in Stockholm eine goldene Medaille. Paulus, Wilhelm. - Berlin. 1880. f 1890 Aus dem Vogtlande stammend, wo er auch gelernt hat. (Oheim von Aug. Reinh. P.) Er war nicht ungeschickt. Paverot, Alexander. — Bordeaux. 1823 Ein Mirecourter, der mittelmäßige Geigen nach Stra- divari herstellte. Pazarini, Antonio. — Genua. 1740 Er war mit B. Calcagni verbunden und scheint bald gestorben zu sein. Seine Geigen waren groß und hoch- gewölbt und hatten gelbbraunen Lack. Da die Violinen, die Calcagni allein gemacht hat, sich von denen, die die Namen beider tragen, wt;sentlich unterscheiden, so ist Pazannis Arbeit leicht zu erkennen. Geigenzettel : Antonius Pazarinius et Calcanius / Ge- nuae 1 740 (gedruckt). Pazzagola, Francesco. — Ferrara. 1577 Er wird als »Maestro di Liuto« bezeichnet. Eine Ur- kunde berichtet über seinen Gehalt, den er für einen zweimonatlichen Unterricht bei Marco (Pio) von Sa- voyen zu beanspruchen hatte. Erscheint er demnach hier deutlich als Lautenspieler, so dürfte er doch, wie so viele seiner damaligen Berufsgenossen, imstande ge- wesen sein, sein Instrument nicht nur zu spielen, son- dern auch zu bauen. Pazzavola (Pazzagola?), Giovanni. — Ferrara. 1580 Ein älterer Lautenmacher, der mehrfach und auch von Valdrighi (4340) erwähnt wird. Er gehörte wahrschein- lich zur Familie Pazzagola, Valdrighi dürfte den Namen nur falsch gelesen haben. Fl orenz. 1630. Pazzini, Giovanni Gaetano. 1666 Er nennt sich einen Schüler Magginis. Man kann seiner Angabe wohl Glauben schenken, wenn auch seine Ar- beit nicht dafür spricht. Sein Modell ist sehr hoch ge- wölbt, der Lack meist dunkelbraun, das Holz aber fast immer recht gut gewählt. Seine Zettel haben kleine Druckfehler. (Siehe auch Pozzini.) Geigenzettel : Giovanni Gaettano Pazzini / Florentinus Anno 16 . . (gedruckt) und Abb. 604. Peacock, John. — Melbourne (Elgin Terrace, Carlton). 1880. 1900 Besserer australischer Geigenmacher, der schon 1880 auf der Melbourner Ausstellung für fünf Geigen mit Bogen einen zweiten Preis erhielt. Pearce, George. — London. Geb. 16. Nov. 1 820 in Warminster, f 3 . Juli 1 856 in London Seine Eltern zogen 1824 mit ihm nach London, und 1834 kam er als Laufbursche zu S. A. Forster, der sein Talent bald entdeckte und ihn zu einem tüchtigen Gei- genmacher ausbildete. Pearce, James. — London. 1780. 1800 Seine Arbeiten sind handwerksmäßig ausgeführt und unkünstlerisch. Er teilte seine Werkstatt mit seinem Bruder Thomas. Pearce, Thomas. — London. 1780. 1805 Er wohnte mit seinem Bruder James in der Peter Street, Saffron Hill, also in einer verrufenen Gegend, und ar- beitete nur für die musikalischen Bedüfrnisse der un- tersten Schichten der Bevölkerung. Demgemäß sind auch seine Geigen roh gezimmerte Machwerke. Pearce, William R. — London. 1885. 1902 Er scheint aus einer guten Schule hervorgegangen zu sein und erhielt 1883 in London eine bronzene Me- daille für seine Geigen. Peat, Richard. — 1896 Englischer Geigenmacher vom Ende des 19. Jahr- hunderts. Peborch, Hans van. — Antwerpen. 1558 Ein Instrumentenmach r, der 1558 in die Gilde der Clavecinmacher aufgenommen wurde. Peccate (Peccatte), Dominique. — Paris. Geb. 15. Juli 1810 in Mirecourt, f 13. Jan. 1874 Er war der Sohn eines Barbiers und trat bei einem Geigenmacher in die Lehre, verlegte sich aber bald ausschließlich auf das Bogenmachen und brachte es Peccatte — Pellizon 375 darin zu großer Meisterschaft. Nachdem er von 1826 bis 1837 bei J. B. Vuillaume gearbeitet hatte, machte er sich in der Rue d'Angivilllers selbständig und be- wohnte dieselben Räume, die der kurz vorher verstor- bene Fran?ois Lupot innehatte. Im Jahre 1847 ging er nach Mirecourt zurück, wo er auch starb. Seine Stan- gen können denen von Tourte als gleichwertig bezeich- net werden. Er verwandte nur manchmal seine Brand- marke. Peccatte, Charles. — Paris. Geb. 14. Okt. 1850 in Mirecourt Sohn von Fr. Peccate; er kam zu J. B. Vuillaume m die Lehre, wo er unter der Leitung von F N. Voirin arbeitete, ging später zu Lenoble, ließ sich 1870 m Paris als Bogenmacher nieder und wohnt seit 1878 in der Rue de Valois Nr. 8. Er erhielt in Antwerpen 1885 und in Paris 1889 silberne Medaillen. Seine Bogen (von sehr schöner Ausführung) sind wie die seines Vaters mit »Peccatte« bezeichnet. Peccatte (»Peccatte jeune«), Fran?ois. — Mire- court, Paris. Geb. 1820 In Mirecourt, t l.Nov. 1855 In Paris Jüngerer Bruder von Dom. P. und wie dieser ein vor- züglicher Bogenmacher. Von 1840—1850 arbeitete er selbständig in Mirecourt und ging dann nach Paris, wo er erst drei Jahre lang bei J. B. Vuillaume arbeitete und dann seine eigene Werkstatt in der Rue Lavan- dieres Opportune eröffnete. Seine Bogen, die sehr schön sind, werden oft mit denen seines Bruders ver- wechselt, da sie auch nur den Namen »Peccatte« tra- gen, sie können jedoch durch die dickeren Buchstaben der Marke leicht unterschieden werden. Peccenlnl, Alessandro, gen. »del Leuto«. — Bologna. 1581. 1595 Der Name kommt in verschiedener Schreibweise vor: Pecinini, auch »Piznin dal Liuto« usw. Er war ein tüch- tiger Musiker, Sohn des Leonardo Maria P., der gleich- falls einen Namen als Musiker hatte. Er stand zeit- weilig in Diensten des Herzogs von Ferrara, war Lehr- meister der Herzogin von Urbino usw. und soll ver- schiedene Instrumente, darunter die Pandora, erfun- den haben. Als Lautenmacher stand er in hohem An- sehen, docfi ist mir nicht bekannt, daß sich Arbeiten von ihm erhalten haben. Nach Fetis unbeweisbarer An- 'gabe soll er noch 1630 gelebt haben. Pedrazzl, Fra Pletro. — Bologna. 1784 Ein Dominikanermönch, der einige Geigen gemacht hat. Pedrlnelll, Antonio. — Crespano. Geb. 21 . Juli 1781, t 1-Junl 1854 In Crespano Er war ursprünglich Tischler, und zwar Sargmacher, und ging erst später zur Geigenmacherei über, in der er es zu bemerkenswerter Meisterschaft brachte. Er studierte die alten Meister sehr eingehend und erwarb sich schätzenswerte Kenntnisse in der Lehre der Aku- stik, was seinen Arbeiten sehr zustatten kam. Er arbei- tete nach Stradivari, Maggini u. a. und verstand sich trefflich auf die Wahl des Holzes. Zum Boden nahm er gerne das Buchenholz von alten Rudern, die er im Arsenal zu Venedig kaufte. Sein Lack ist beinahe orange- rot. Er machte alle Arten von Geigen und verwendete verschiedene Zettel, auf denen sich meist in der oberen Ecke eine Nummer befindet, die bezeichnet, das wie- vielte Werk des angegebenen Jahres die jeweilige Geige war. Geigenzettel : No. 43 Antonio Pedrinelli / Fe in Cre- spano 1844 (gedruckt). — Antonio Pedrinelli / ad imitationem Stradivarii ,' fecit in Crespano Anno 1840 (gedruckt). Peerboom, Henderlck. — Haag, f vor 1592 Ein holländischer Geigen- und Lautenmacher, der mir durch das Inventar, das nach dem Tode seiner Frau aufgenommen wurde, bekannt ist. Nach diesem wurde vorgefunden: »Eine Zither, eine Geige, eine Gitarre, von ihm gemacht, ferner ein Teil einer Geige und eine angefangene, jedoch nicht vollendete Geige«. (Vgl. das Nederland. Familieblatt 1845.) Pehr, Andre. — Wien Identisch mit Andr. Bär (Beer) (s. diesen !). Es sei hier nachgetragen, daß er am 14. Januar 1681 das Wiener Bürgerrecht erlangte, Peleger, Martin. — Trebltsch. 1771. 1780 Er wird in den Urkunden des Trebitscher Stadt- archivs als Geigen- und Lautenmacher erwähnt. Pelle, Christian. — Antwerpen. 1659 Er wird nur als Clavecinmacher genannt. Pellecchio, Francesco. — Neapel. 19. Jahrh. Mandolinenmacher. Pellegrl. — Parma Besserer italienischer Bogenmacher des 19. Jahrhun- derts. Pellegrlno s. Mlchell Pelllclarl, Roberto. — S. Cesarlo sul Panaro. 1887 Ein Geigenmacher ohne Eigenart und ohne bemer- kenswerte Geschicklichkeit. Pellizon, Antonio I. — Görz. Geb. um 1759 In Gabria bei Savogna, f 27. Okt. 1850 Ein tüchtiger Geigenmacher, dessen Violinen, Violon- celli und Bässe jetzt schon gesucht sind. Seine Arbeit geht auf die Amatischule zurück, hat aber manches, was sie eigenartig erscheinen läßt. Am auffälligsten sind seine Schnecken, bei denen die sog. Ohren un- verhältnismäßig weit hervorstehen. Leider hatte er kein gutes Deckenholz, so zeigen fast alle seine Geigen nur breitjähriges, oft schwammiges Deckenholz, was die Schönheit des Tons wesentlich beeinträchtigt. J. Lüls- dorff reparierte eine Violine von ihm aus dem Jahre 1819. Der gelbe Lack war noch heller als bei Joseph Gagliano, die F-Löcher standen etwas zu steil, im übrigen erinnerten die Umrisse an ein Stradivarimodell. 376 Pellizon — Penzl Pellizon hatte vier Söhne, die gleichfalls Geigenmacher wurden und fast alle gleich ihm ein hohes Alter er- reichten. Eine gute Violine von ihm kaufte Cav. Gau- denzio Tosi in Scariano bei Savogna für 300 fl. Sonst erreichten seine Arbeiten vor dem Kriege freilich nur etwa 300 M. Geigenmacher Ferenczy in Wien besitzt eine Violine von ihm aus dem Jahre 1823. Geigenzettel: Abb. 620. Pellizon, Antonio II. — Görz. Geb. um 1815, t9.Dez. 1869 in Görz Dritter Sohn von Antonio 1 F. und dessen Schüler, wenn auch dem Vater nicht ebenbürtig. Er hat nicht viele Geigen selbständig gemacht und beschäftigte sich hauptsächlich mit Ausbesserungen. Pellizon, Carlo. — Görz. Geb. 1 8 1 1 , f 20. Nov. 1891 Zweiter Sohn von Antonio I P. und als Geigenmacher nicht ungeschickt, wenn auch etwas handwerksmäßig. Seinem Vater steht er sehr nach, seinen Brüdern aber kommt er gleich. Pellizon, Filippo. — Görz. Geb. 1817, t 30. Jan. 1897 Vierter Sohn von Antonio I P. ; der letzte und vielleicht der unbedeutendste Geigenmacher aus der Familie. Seine Arbeit ist ohne Eigenart, er hat nur wenig Selb- ständiges geschaffen. Pellizon, Giuseppe. — Görz. Geb. um 1799, t 15. Dez. 1874 Altester Sohn von Antonio I P., dessen Schüler und Nachfolger. Er war, wie seine Brüder, hauptsächlich Reparateur, doch hat er auch einige neue Geigen ge- macht. Pelz, Robert, hatte m Chicago eine Werkstatt und betreibt jetzt hauptsächlich einen Handel mit Geigen Pemberton, Edward. — London. 1660 Vielleicht ein Sohn oder Enkel von J. Pemberton. Wenn die Geigen, die seinen Namen tragen, echt sind, dann war er kein Meister. Seine Arbeit ist roh, der Lack aber nicht schlecht und auch der Ton manchmal weich und angenehm. Pemberton, J. — London. Um 1580 Ein seinerzeit ziemlich berühmter englischer Lauten- macher, dem auch die mit untenstehender Marke be- zeichnete Violine von sehr eigentümlicher Form des Earls of Warwick (im South K. M. 1 872 ausgestellt) zu- geschrieben wird. Die Decke scheint übrigens neueren Datums zu sein. Diese Violine — ihre Echtheit vor- ausgesetzt — wäre demnach das älteste bekannte Bei- spiel einer in England gemachten. Gei^enzettel : 15 / I P / 78 (gedruckt). Penscher, Maria (Mario? Marco?). — Cre- mona. 1686 Ein Cello mit diesem Namen, der jedenfalls falsch ge- lesen ist, weist das Nie. Selhofsche Auktionsverzeich- nis auf. Penze s. Penzl Penzel, P. Robert. — Markneukirchen. Geb. 2. Jan. 1873 in Markneukirchen Nach beendigter Lehrzeit ging er 1892 zu Otto Schüne- mann nach Schwerin i. M. und blieb bei ihm bis 1898, seine künstlerische Ausbildung nach jeder Richtung vollendend. Nachdem er dann noch in Frankreich und England längere Zeit gearbeitet hatte, machte er sich in seiner Vaterstadt selbständig. Er ist ein außerordent- lich geschickter Meister, einer der wenigen, die alles an ihren Geigen einschließlich der Schnecken von Grund auf selbst machen ; dabei arbeitet er mit peinlicher Sorg- falt. Seine Vorbilder sind Guarnen und Stradivari, her- vorzuheben sind dabei seine Kopien der »Messias«. Eine Miniaturgeige von ihm aus Holz, deren Corpus an der breitesten Stelle etwa dem Durchmesser eines Fünf- pfennigstückes entspricht, die aber in allen Teilen genau wie eine große Geige gearbeitet ist, besaß Pablo de Sarasate. Geigenzettel: Abb. 585. Penzel, Rob. Paul. — Adorf i. V. Geb. in Adorf 5. Okt. 1872 Von 1887 — 1891 Schüler von Reinhold Schmidt in Markneukirchen. Nach einer mehrjährigen Gehilfen- zeit, in der er u. a. bei Rud. Heckel in Dresden arbeitete, begründete er 1897 in seinem Heimatsorte sein eigenes Geschäft. Er kopiert alte Meisterinstrumente und bringt in seinen Arbeiten einen Stempel an. Penzenetti, Antonio. — Bologna. 1801 (?) Der Name war schlecht leserlich, die Violine von sehr großem Patron und gutem Holz. Penzl, A. Lorenz. — Fleissen. 1893. 1903 Seine eigene Werkstatt eröffnete er 1893 und gilt seinen Abnehmern als guter Streichinstrumenten- macher. Penzl (Penze), Ignaz. — (Schönbach oder Fleissen?). 1757. 1776 Auf der Mehrzahl seiner Zettel erscheint der Name »Penze« oder »Benze«, selbst »Ponze« gedruckt, ob in folge eines Druckfehlers oder in bewußter Absicht, lasse ich dahingestellt sein. Seiner Arbeit nach muß er ein Deutschböhme gewesen sein, der wie die benachbarten vogtländischen Geigenmacher seiner Zeit (Hamm, Ficker, Pfretzschner usw.) durch den Wortlaut seines Zettels, bei Unkundigen die Vermutung aufkommen lassen wollte, man habe es mit einem Cremoneser zu tun. Seine Zettel sind merkwürdigerweise von seinen Landsleuten schon in alter Zeit nachgeahmt worden und treten dann mit allzu frühen Jahreszahlen, die bis I Pera — Perr 377 1702 hinaufreichen, auf. Er scheint demnach bei Leb- zeiten einen guten Absatz gehabt zu haben. Das Modell ist nicht übel und auch Arbeit und Holz manchmal recht gut, — aber durchaus nicht italienisch, und er- innert in seinen besten Arbeiten an das Stainermodell, wobei er die Wölbung etwas niedriger nahm. Der Ton ist weich und voll, der Lack aber (gelbrot oder braun) schon in Wasser löslich und schlecht. Eine Geige von ihm besitzt J. Rommel in Elisenhof bei Werneuchen, eine andere Dr. Hitschfeld in Lahn (Schles.) usw. Geigenzettel: Ignatio Penzl p. Italia/ InGremona 1757 (gedruckt)^). — Nacio Pence / Italia et Gremona (ge- druckt). Pera, Gerolamo. — Pordenone (Portus Naonis, Prov.Udine). 1846. 1847 Wenig bekannter, aber guter Geigenmacher, von dem sich in Erfurt ein überaus kräftig gebautes Violoncello nach Gaspare da Salö befindet, Corpuslänge 72 cm, obere Breite 32,5 cm, untere Breite 41,5 cm, am Bügel 24 cm. Zargenhöhe 10,5 cm. Höhe der gesamten Wöl- bung 16,8 cm. Der Lack ist mattgelb ohne Feuer. Gelgenzettel : Hieronimus Pera Portusnaonensis / Fecit anno 1846 (geschrieben). Peraln s. Perrln Perault (Perrault). — Paris. 1775. 1777 Er wohnte Rue du Petit-Muse, ist aber sonst so gut wie unbekannt. Peregrinlo, Giovanni. — Lucca. 1689 Da er bisher fast immer mit den mehr als 100 Jahre älteren Brescianern Zanetto und Peregrino (de Miche- lis) verwechselt wurde, hat sein Name einen gewissen Klang bekommen, der kaum berechtigt erscheint. Siehe auch »Storino«. Geigenzettel : Abb. 586. Peregrino, Zanetto s. Micheli Pereira(Perreira)-Coelho, Jose. — Lissabon Seiner Arbeit nach dürfte er noch dem 18. Jahrhundert angehören. Er ist nur als Gitarren- und Mandolinen- macher bekannt. Geigenzettel : Jose Pereira-Coelho a fez / am Lisboa, as Pocco los Negros / a Cruz da Esperan^a (gedruckt). L issabon. 1870. Pereira-Santos, Manuel. 1888 Portugiesischer Lautenmacher aus der zweiten Hälfte des 1 9. Jahrhunderts. Von ihm besitzt die staatl. Samm- lung in Berlin eine sechschörige Zither (Nr. 602) und eine portugiesische Zither (Nr. 629). Perette, s. Perret Perez, Francisco. — Cadix. 1760 Guter Gitarren- und Lautenmacher. ^) Auf späteren Zetteln ist Gremona richtig mit C ge- druckt und statt »In« A oder la, Perfumo, Juan. — Cadix. 1846 Er machte hauptsächlich die bei seinen Landsleuten üblichen Gitarren und Mandolinen, die er hübsch mit Rosenholz eingelegt hat. Geigenzettel: Me hizo en Cadiz Juan Perfumo 1846 (gedruckt). Pergamaly. — Syra. 1 867 Griechischer Gitarrenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Perger, Franz Michael. — Freising. 1794 (?) Guter Meister, der der Füssener Schule nahezustehen scheint. Apoth. E. Meisner in Nymphenburg bei Mün- chen besitzt ein Dreiviertelvioloncello von ihm mit weichem und gutem Ton. Die Decke ist dunkelbraun, der Boden schwarz lackiert, die F- Löcher sind schwung- voll, die Schnecke originell. Geigenzettel : Franciscus Michael Perger / Lauten- und Geigenmacher / fecit Freysing anno 1794 (?) (gedr.). Pergette, Hans. — München. 1599. 1602 Er wird ausdrücklich im Verzeichnis der Künstler usw. unter Albert V., Wilhelm V. und Maximilian I. als Geigenmacher bezeichnet. Eine große Gamba von ihm befindet sich im Germanischen Museum in Nürnberg. Geigenzettel: Hans Pergette von Mün- / chen 1599 (gedruckt). Perignon, Nicolas. — Nancy. 1724 Da er im Taufschein seines Sohnes lediglich als In- strumentenmacher bezeichnet wird, steht nicht fest, ob er als »Luthier« in Betracht kommt. Penn s. Cerin Perner s. Berner Perollo, Luigi. — Palermo. 1894 Ein Liebhaber, der sich im Anfertigen von Lauten und Orgeln versuchte. Perou, Nicolas. — Paris. 1775. 1790 Er wohnte 1 775—1 779 in der Rue de l'Arbre-Sec, 1 783 Rue Mauconseil, 1785 Place de la Comedie frangaise und noch 1788 in der Rue Richelieu. Bei ziemlich ge- wöhnlicher Arbeit und gelbbraunem Lack erinnern seine Geigen, die nicht gerade selten vorkommen, an das Gagliano-Modell. Man kennt auch Bässe, Lauten und Theorben von ihm. Er machte ferner die von dem Abbe de Morlane erfundene »spanische Lyra« und ge- brauchte die Brandmarke: Nr. 71. Geigenzettel : Perou, luthier de S. A. R. MEH la Du- chesse d'Orleans / Paris 1787, rue Richelieu, pres la Comedie italienne (gedruckt). Perr, Hans. — Wien. 1600 Ein wenig bekannter Geigenmacher, der wahrschein- lich aus dem Salzkammergut stammte, wo Mitglieder einer Familie seines Namens noch im 18. Jahrhundert 378 Perr — Peterson als Geigenmacher ansässig waren. Die Geige, aus der der folgende Zettel stammt, war gut, aber nicht her- vorragend. Gel genzettel : Hans Perr Geigen / Macher in Wienn 1 600 (geschrieben). Perr, Josef. — Goisern. 1785. 1810 Seine Geigen sind denen Keffers sehr ähnlich. Er hatte ein großes, flaches Modell und gelben Lack. Die Arbeit ist handwerksmäßig. Geigenzettel : Josef Perr, Geigen und Lauten- / macher in Goysern (gedruckt). Perr, Michael. — Goisern. 1787 In der Arbeit steht er auf gleicher Stufe wie die übrigen Geigenbau seines Orts, übertrifft sie aber im Lack, der von schöner bernsteingelber cder goldrcter Farbe ist. Perr (Peer), Paul. — Ramsau. 1735 Er war Spielmann (Musiker) und Geigenmacher und darf als der Stammvater der Familie angesehen wer- den. Sein Name kommt in den Kirchenbüchern zu Goisern (wohin die Ramsau eingepfarrt ist) mehrfach vor. Perre, Mylonakos. — Gythion. 1867 Griechischer Saiteninstrumentenmacher, den Grillet erwähnt. Perret (Perette), L. — Rouen. 1884. 1902 Von Hause aus Uhrmacher, wandte er sich später dem Geigenbau zu und war eine Zeitlang als Repara- teur für A. Klein beschäftigt. Er hat auch einige neue Violinen gemacht. Perrln, fils, E. — Mirecourt. 1840 Gute Firma, die in ihren Geigen oft auch Paris als Ursprungsort nennt. Die Instrumente haben großes Patron, gutes Holz und einen orangefarbigen Lack. Mirecourt. 1779. Pernn (Perain), Frangois. 1789 Seine Geigen sind von echtem Mirecourter Aussehen, erinnern in den Umrissen an das Guarnerimodell und tragen gewöhnlich einen Brandstempe!, der »Fran<;ois Perrin«oder »perain «gelesen werden kann. Sein Orange- lack ist besser als der vieler seiner Landsleute. Eine gute Violine von ihm besitzt Herrn. Glassl in Mün- chen. Perry, James. — Dublin. 1780. 1790 Vielleicht ein Bruder des bekannteren Thomas P. Eine irische Zister von ihm besitzt T. W. Taphouse. Von ihm dürfte auch eine schöne Zister im Besitze des Prof. Dr. Gurt Sachs in Berlin herrühren. Perry, Thomas. — Dublin. 1767. 1830 Ein sehr fleißiger Geigenmacher. Er machte u. a. viele Zitherviolen (»Suitana«) und war eine Zeitlang mit William Wilkinson verbunden. Ihre Arbeiten sind aus gutem Holz und klingen schön. Außer seinen Zetteln verwendete er auch oft eine Brandmarke mit seinem Namen. Eine Viola von ihm vom Jahre 1794 befindet sich in der Sammlung Galpin, Hatfield. Geigenzettel : Made by Thos. Perry and W"^ Wilkinson / musical Instrument makers, / No 4 Anglesea Street Dublin 1827 (gedruck). Persois. — Paris. 1820. 1850 Arbeitete von 1821—1843 für J. B. Vuillaume. Aus- gezeichneter Bogenmacher. Seine Stangen tragen die Marke P.R.S. Er zeichnete aber nur jene Bogen, die er auf Bestellung machte, und auf die er besondere Sorg- falt legte. Solche Bogen, die eine große Seltenheit sind, sind denen Tourtes ebenbürtig und werden heute sehr hoch bezahlt. Er selbst aber erzielte nur so geringe Preise, daß er schließlich froh war, eine Stelle als Por- tier eines Hauses in der Rue Saint Honore zu bekom- men, wo er auch starb. Vidal schreibt den Namen »Peisoit«. Person, Sven. — Norraryd um 1800 Sein Name findet sich in einigen Violinen. Perton. — Paris. 1757 Von diesem sonst nicht bekannten Geigenmacher be- sitzt die Stiftskirche in Laufen eine gute Violine. Boden und Zargen von schön geflammtem Ahornholz, die Schnecke gut gestochen, die Umrisse elegant und der Lack von schöner, gelbbrauner Farbe. Auf der Mitte des Bodens ist ein altes Siegel eines früheren Besitzers angebracht. Geigenzettel : Perton Lutier / a parici 1 757 (gedruckt). Perugia s. Del Perugia Pesi s. Isep Pescorino s. Bellone Pessetti, G. B. — Mantua. Kunsttischler, Formschneider, cimbelmacher aus Castiglione delle Stiviere. (Bei Ber- tolotti S. 1 11 erwähnt.) Peter, .... — Wien. Nach 1418 und vor 1436 Er wird als »Lawtenmacher Peter« erwähnt und dürfte der älteste nachweisbare Vertreter seiner Kunst in Wien sein. Vgl. Schlager, Wiener Skizzen I. S. 166. Peters, Gh. — Lübeck. 1806 Ein Dilettant, der ziemlich viele Geigen geflickt zu haben scheint. Geigerizettel : Rep. : von Gh. Peters / Lübeck 1806 (ge- druckt). Peters, Michael. — Wegberg. 1801 Wahrscheinlich ein Dilettant, der Instrumente geflickt hat. In der Sammlung Snoeck (jetzt in Berlin) befindet sich eine Baßviola von 1627 (Nr. 488) mit dem Zettel: Dieses Instrument / ist gemacht anno / 1627 / Arran- schirt von Michael Peters / In Wegberg anno / 1801 (geschrieben). Peterson, P.A., lebt seit ungefähr 1875 als Geigenmacher in Chicago 1674 Lauten- und Klavi- Petersson — Petz 379 Petersson, Axel u. K. M. — Kellna-Kirchspiel (Schonen). 1908 Zwei schwedische Bauernmusiker, Mitgheder des sog. Kellna-Trios, die auf ihren selbstgefertigten Holzschuh- Fiedeln viel Erfolg hatten. Den Korper ihrer Fiedeln bildet ein gewöhnlicher Holzschuh, die Schallöcher der Decke erinnern an die Schlangenlinien der alten Violen. Hals und Schnecke sind von der üblichen Gestalt. Das Nordische Museum in Stockholm besitzt drei solcher Fiedeln, die von den Mitgliedern des -Trios gemacht sind. Pethenck, Horace. — Croydon. 1895 Der bekannte Geigenkenner und Schriftsteller, Ver- fasser von Biographien Stradivaris und Guarneris usw. Er hat auch eine Anzahl Geigen nach einem eigenen Modell, das in der Mitte zwischen Gasparo da Salo und Maggini liegt, gemacht. Geigenzettel : Horace Petherick / Fecit / in Croydon 1891—3 (gedruckt). Petit. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamilie, als deren Stammvater der Tischler, Geigen- und Instrumentenmacher Rene Petit, der in den Jahren 1 730 und 1 733 vorkommt, bezeich- net wird. Später kommen Dominique pere und Do- minique fils P. zwischen 1760 — 1780 vor und gleich- zeitig ein Nicolas Petit. Petit, L. — St. Omer. 1856. 1870 Em Musiker, Violmlehrer an der Musikschule in St. Omer, der auch Geigen repariert hat. Petitgerard, Claude. — Mirecourt. 1 753 Nur von A. Jacquot erwähnt. Petitjean, L'aine. — Paris Fleißiger Geigenmacher vom Anfang des 19. Jahrhun- derts. Seme Arbeiten tragen seinen Namen und Paris als Brandmarke. Eine Viola von ihm besitzt Alfr. Keil in Lissabon. Petitjean. — Paris? Guter französischer Gitarrenmacher, vielleicht der Sohn des vorigen. Eine mit Engelsköpfen bemalte Gitarre von ihm besitzt Baron de Lery. Petraschenitsch, ein russischer Geigenmacher, der in Simferopol lebte und 1881 in Moskau Violinen ausgestellt hat Petri, Anton. — Zsombolya. 1902 Seines Zeichens ist er Friseur und Raseur und hat nach seinem eigenen Ausspruch »eine patentierte neuför- mige Geige« erfunden, »die eine neue Ära auf dem Gebiete der Geigenbautechnik bedeutet«, und die »be- rufen sein wird, die bisherige Geigenform gänzlich in den Hintergrund zu stellen«. — Wir wollen es ab- warten! — Seine Geige ist sehr hoch gewölbt, die )(-Ausschnitte fehlen, dagegen ist dort, wo das Kinn aufliegt, ein herzförmiger Einschnitt angebracht; die F-Löcher stehen umgekehrt, wodurch das Einstellen des Stimmstocks erleichtert werden soll. Petrobono, gen. Dal Chitarrino. — Ferrara. 1445. 1446 Ein bei Valdnghi (2393) erwähnter Lautenmacher, dessen Familienname jedoch Guarino war, s. d. Petroni, Antonio. — Rom, 1867 Als Geigenmacher nicht ungeschickt, aber ohne künst- lerische Bedeutung. Pettersson, August. — Kungsöhr (Schweden). 1893 Erfinder einer Vorrichtung zur Anbringung von Neben- saiten auf Streichinstrumenten. Pettre, Petter. — Lüttich. 1637 Wurde 1637 als »feuseur de violon« in die Gilde der Zimmerleute aufgenommen. In Lüttich wurden also die Lautenmacher nicht als Künstler wie in Antwerpen angesehen, wo sie bekanntlich zur Lukasgilde gehörten. Petz (Betz), Franz. — Vils. Geb. 2. Dez. 1702, t 21. April 1772 in Vils Sohn des Johannes B. und der Sabina Hartmann. Er heiratete am 1 7. April 1 747 die Witwe Monika Schwarz. Außer diesen Daten, die Dr. Fr. Waldner ermittelte, ist über sein Leben nichts bekannt. Seine Geigen sind von guter Tiroler Arbeit, aber ohne besondere Vorzüge. Er schreibt seinen Namen meistens Betz. Geigenzettel : Franz Betz Lautten- und Gei- / gen- macher. Fils im Tyrol (gedruckt). Petz, Jakob. — Vils. Geb. 22. Juli 1742, 121. Jan. 1824 Sohn des Johann Georg (Hansjörg) P. und der Ottilia Wörl, Neffe von Franz P. Er heiratete am 27. Januar 1772 die Witwe Anna Maria Gschwend. Er war einer der besten Meister aus Vils. Er folgte dem Amati- modell, verwendete gutes Holz und arbeitete auch recht sauber nach Stainer und Klotz. Seine Violinen haben einen vollen, weichen Ton. Dr. Oswald Oellacher in Innsbruck besitzt eine sehr gute Violine von ihm aus dem Jahre 1 796. Geigenzettel : Abb. 626. Petz, Jakob. — Wien. 1832 Ob er mit Marianus Petz verwandt war, kann nicht festgestellt werden, seine Arbeiten sprechen sogar da- gegen, denn sie haben vieles, was an eine Herkunft aus Schönbach denken läßt. Mindestens ist es wahr- scheinlich, daß er seine Schnecken aus Schönbach be- zogen und bei billigen Geigen auch seinen Zettel in Schönbacher Arbeiten geklebt hat. Bei solchen fehlen auch oft die Eckklötzchen. Seme besseren, immerhin noch mittelmäßigen Geigen zeigen das Wiener Modell und den damals beliebten dunklen Lack. Der Adler auf seinem Zettel mag irgendein Privilegium andeu- 380 Petz — Pfanzelt ten, das er sich erworben hat. Daß er sich im Gegen- satz zu dem Wiener Gebrauch statt Geigenmacher »VioKnmacher« nennt, bestärkt mich noch mehr in der schon angedeuteten Vermutung, daß er nicht aus der Wiener Schule hervorgegangen ist. Geigenzettel ; Abb. 605. Petz, Johann. — Budapest Ein sonst nicht bekanntes Mitglied der Vilser Familie. Nach Dr. J. Geyer soll er im Anfang des 19. Jahrhun- derts \n Ungarn gearbeitet haben. Petz. Marianus. — Wien. 1 770. f 1 . Dez. 1 781 Er dürfte aus Vils oder Füssen stammen, übernahm 1774 die Werkstatt von Jos. Ferd. Leidolff, bei dem er wohl vorher als Gehilfe gearbeitet hatte, und legte am 12. Februar desselben Jahres den Bürgereid ab. Er wohnte als Lauten- und Geigenmacher Schottenviertel, Tiefer Graben Nr. 363 und kommt von 1775 bis 1781 in den Steuerbüchern vor. Seine Arbeiten sind im gan- zen recht gut und sauber gemacht und sehen denen der Leidolffs oft zum Verwechseln ähnlich. Eine Baßgeige von ihm aus dem Jahre 1 774 befindet sich im Schotten- stift zu Wien. Geigenzettel : Marianus Petz / Viennae 1774 (gedruckt) und Abb. 610. Petz. — Füssen. 1770 Vielleicht mit Marianus P. identisch. Der Vorname war auf dem mir vorliegenden stark verletzten Zettel abgerissen und die Geige stark vom Wurm zerfressen, die Schnecke dagegen sehr schön. Geigenzettel : . . . s Petz Lauten- und / . . . macher in Füssen / 1770 (gedruckt). Petzel, J. — Krakau. 1878 Reparaturzettel. Petzold. — Markneukirchen Dieser Familie gehören die folgenden Gelgenmacher an: PetzoU, August Ferdinand. — Geb. 3. April 1825 Sein Sohn war : Petzold, August Robert. — Geb. 4. Nov. 1850, f I.März 1875 Petzold, Ernst Hermann. — Geb. 24. Nov. 1856 Petzval, Josef Bekannter und ausgezeichneter Physiker, Mathema- tiker und Techniker, der sich auch mit musiktheore- tischen Studien befaßte und mehrere Musikinstru- mente erfunden hat, darunter im Jahre 1862 eine »Guit- harfe« genannte Vereinigung der Gitarre und der Harfe. Das Instrument ist doppelt so groß wie eine Gitarre und hat zwei Griffbretter, ein schräges mit 6 Violinsaiten und ein horizontales mit 6 Baßsaiten. Er Heß seine Er- findung von Job. Gottfr. Scherzer in Wien ausführen. Peynaud, Pierre. — Taillan par Eysines (Gi- ronde) Erfand 1891 eine Geige mit Klaviatur. Pezzardi. — Brescia. 1660. 1690 Seine Arbeiten sollen Berührungspunkte mit denen Magginis haben; so soll er auch durch doppelte Ein- lagen auffallen. Nur seine F-Löcher, heißt es, seien im Stile Amatls geschnitten. Sein Lack wird als dünn und hellgelb beschrieben. Es war mir nicht möglich, eine glaubwürdige Probe seiner Kunst ausfindig zu machen. Ob die angegebenen Jahreszahlen richtig gelesen sind, konnte ich daher nicht feststellen. Bei manchen Schrift- stellern wird er sogar um 100 Jahre früher angesetzt, was sicher falsch ist. Pezzoni, Wm. V., lebt in Brooklyn Pfab, Friedr. August. — Hamburg. Geb. 1822 in Zwota, f am 3. Juni 1904 im 82. Lebens- jahre Er hatte seine Lehrzeit in Klingenthal durchgemacht, arbeitete 1844 in Hamburg bei Sauke und ging dann zu Stoß nach Wien, bis er 1852 in Hamburg seine eigene Werkstatt eröffnete. Er machte Geigen und Violoncelli nach einem eigenen, dem Stradivari verwandten Mo- dell und galt als Kenner alter Instrumente. Er erhielt 1873 in Wien eine Verdienstmedaille und 1889 in Ham- burg die goldene Medaille. Am 1. März 1902 wurde Julius Hempel sein Nachfolger. Geigenzettel: August Pfab (gedruckt). Pfandler, Joseph. 1844. — ? Ist mir nur durch seinen Zettel bekannt geworden. Geigenzettel: Joseph Pfandler / Anno 1844. No. 39 (gedruckt). Petzold, Franz Paul. Schöneck i. S. 1865 Schüler von Gustav Roth, machte sich 1885 In Gab- lenz als Gelgenmacher selbständig und siedelte dann nach Chemnitz über. Er verwendet Spirituslack. Geigenzettel : Franz Paul Petzold / Chemnitz i, S. 18 . . (gedruckt). Pfanschel (Pfantschel), Peter. — Rom. f 1582 Ein deutscher, in Rom ansässiger Lautenmacher, des- sen Name in dieser Schreibart urkundlich überliefert ist; er wird wohl Pfanzel oder Pfantzelt geheißen haben und war vielleicht ein Vorfahre des Straßburger Mei- . /^ 1 ■ **^'^* ^°^^ Pfanzelt. Eine Ebenholzlaute von ihm wird Chemnitz. Geb. m in einem Testament erwähnt. Pfanzelt, Jörg. — Straßburg. 1635 Bei Jul. H. Zimmermann in St. Petersburg wurde im Jahre 1904 eine Laute aus Elfefibeln und Palisander- holz mit schön geschnitztem, hölzernem Dachstern re- pariert, die den Zettel enthielt: Jörg Pfanzelt in Stras- burg / 1635 (gedruckt). Pfeiff er Pfretzschner 381 Pfeiffer, Johann Baptist. — Graslitz. Geb. 13. Febr. 1808, lebte noch 1863 Er war der Sohn eines Handschuhmachers, lernte in Schönbach und soll nicht ungeschickt gewesen sein, arbeitete aber hauptsächlich für Händler. Pfingstgraeff, Friedrich. — f um 1899 in Hermannstadt, wo er ein Geigengeschäft hatte. 1901 hieß die Firma Pfingstgraeff jun. Beide waren nicht selbst Geigenmacher. Pfretzschner. — Markneukirchen Aus dieser alten vogtländischen Familie sind viele Gei- genmacher hervorgegangen. Es sind dies: Pfretzschner, Adolf. — Stettin. Geb. 1849 in Markneukirchen Zweiter Sohn von Carl Gottlob Pfr. und seiner Frau, geb Ficker. Schüler seines Bruders Carl Friedrich Pfr. Er ließ sich vor etwa 30 Jahren in Stettin nieder. Geigenzettel: Adolf Pfretzschner / Geigenmacher / Reparirt: Stettin, d. 18 . . (gedruckt). Pfretzschner, Adolf Heinrich. — Geb. 4. Juni 1869 Pfretzschner, August. — Geb. um 1810, f um 1865 wurde er angehalten, Stege und Saitenhalter zu schnei- den; mit 16 Jahren machte er schon fertige Geigen. Nach dem Tode seines Vaters ging er nach Leipzig zu L. Bausch jun , wo er seine Ausbildung vollendete. Als Ernährer seiner Mutter wurde er nicht sofort zum Mi- litär genommen, verheiratete sich 1869, wurde aber 1870 bei Ausbruch des Krieges zu den Fahnen gerufen und hat den ganzen Feldzug mitgemacht. Er ist em sehr geschickter Gelgenmacher, und auch seine beiden Söhne erwählten den gleichen Beruf. Sein ältester Sohn Ist: Pfretzschner, Carl Friedrich III. — Geb. nach 1870 Pfretzschner, Carl Gottlob. — Geb. 23. Jan. 1807, t 28. Aug. 1863 Sohn und Schüler von Christian Gottfr. Pfr. Nach vollendeter Lehrzeit arbeitete er etwa vier Jahre in Dresden und ebenso lange in Hamburg. Nach semer Rückkehr machte er sich selbständig und heiratete die Tochter des Geigenmachers Johann Ficker (gen. Ficker- hansel). Er war einer der geschicktesten Geigenmacher seiner Zeit, doch hinderte ihn an der vollen Entfaltung seiner Fertigkeit ein über 30jähriges Siechtum, dem er mit Heldenmut trotzte. Nur zuletzt mußte er 1^/., Jahre im Bette liegend zubringen. Er machte seine Geigen sowohl aus freier Hand wie auch über die Form. Geigenzettel: Carl Pfretzschner /' Instrumentenma- cher / Neukirchen a Sachsen / 1838 (gedruckt). Sohn und Schüler von Christian Gottfried Pfr. Von ^ , nL • ^ r t^f,," A Hause aus talentvoll, ergab er sich später dem Trünke Pfretzschner, Christian Gottfried und starb im Armenhause. Pfretzschner, Carl Friedrich I. — Geb. 1743, t 25. Mai 1798 im Alter von 54 Jahren 6 Monaten und 6 Tagen Er wurde am 21. Mai 1766 nach Erfüllung sämdicher Vorschriften und Anfertigung des Meisterstücks Meister und gehörte zu den besseren Vogtländer Geigen- machern. Er verwendete abwechselnd hohe und flache Wölbung und kannte offenbar Italienische Vorbilder, — Geb. 1 . Dez. 1784 in Markneukirchen, f 29. März 1857 Seine Hauptarbeitszelt fällt mit dem tiefsten Verfall der vogtländischen Gelgenmacherei zusammen. Es wurden damals nur ganz geringwertige Geigen gemacht und so beschränkte auch er sich lediglich darauf, die billigsten Dutzendgelgen herzustellen. Seine beiden Söhne Carl Gottlob und August wurden gleichfalls Geigenmacher. WolDung una Kannte onenuai iiaiicnisi-uc vuiunuci, _,, . . n \ \ C V, die er auch nachahmte, aber doch nicht so gut, daß Pfretzschner, Christian Uottiob. — L.eb. um 1746. 1766 Nach Erfüllung aller Vorschriften und Vollendung eines einwandfreien Meisterstückes wurde er nach sei- ner Rückkehr aus der Fremde am 7. Juli 1766 als Mei- ster in die Zunft aufgenommen. Pfretzschner, Elias s. Joh. Elias Pfr. man sich durch seinen Zettel verleiten lassen könnte, Ihn für einen aus Bayern eingewanderten Cremo- neser zu halten, wie dies mehrere, u. a. noch Nieder- heitmann und Grillet, taten. Falsch ist es auch, ihn in den Anfang des 18. Jahrhunderts zu setzen, was durch schlechtes Lesen der geschriebenen Zahl 7. die für 1 genommen wurde, vorkam. Brandmarke: C F P 1774. [ Geigenzettel : Carl Friedrich Pfretzschner, / prope Vio- llnocarRespontent/RomanlCremonaAo 1773 (sie!) pfretzschner, Friedrich Adolf. — Geb. nach (gedruckt). — Carl rnednch Pfretzschner / Lremo- -- 1872 Sohn von Carl Friedrich II Pfr. Carl Friedrich Pfretzschner / Cremo- nlen Hlronlml FUl Antonl Ne. / p s fecit Ao. 1773. (sie !) (gedruckt). Pfretzschner, Carl Friedrich II. — Geb. 17. Nov. 1845 Sohn und Schüler von Carl Gotdob Pfr., bei dem er eine gute Schule durchmachte. Schon mit 10 Jahren Pfretzschner, G. A. — Markneukirchen Inhaber dieser Firma, die eine Anzahl Gelgenmacher beschäftigt, sind jetzt Adolf und Kurt Pfretzschner Die Firma M. C. R. Andorff ging seinerzeit in den 382 Pfretzschner, Hermann Richard — Pfretzschner, Wilhelm August Alleinbesitz von Adolf Pfr. über, der sie später seinem Sohne Hans Pfr. und dem alten Geschäftsleiter Max Martin abgetreten hat. (Jetzt heißt diese Firma: Deutsche Signal-Instrumentenfabrik Pfretzschner & Martin vormals M. C. R. Andorff.) Pfretzschner, Hermann Richard. — Markneu- kirchen. Geb. 1857 in Markneukirchen Trefflicher Bogenmacher; er war zuerst Schüler semes Vaters und ging 1874 zu seiner weiteren Ausbildung nach Paris zu J. B. Vuillaume. Im Jahre 1880 begrün- dete er sein eigenes Geschäft, das bald zu großem An- sehen kam. Nachdem er schon seit Jahren für die sächs. Hofkapelle alle Arten von Bogen geliefert hatte, wurde er 1901 zum kgl. Hoflieferanten ernannt. Er arbeitet nach J. B. Vuillaume, Tourte und Voirin und nach eigenem Modell die sog. Wilhelmj-Bogen für Künstler, die tatsächlich hochgespannten Anforde- rungen entsprechen und den besten französischen und englischen Bogen ebenbürtig sind. Seine Stangen sind nicht lackiert und tragen den Namen H. R. Pfretzschner schwarz aufgestempelt. Pfretzschner, Johann Adam I. — Geb. um 1696, lebte noch 1738 Sohn von Job. Elias I Pfr. Er wurde am 15. Dezember 1716 als Meister in die Zunft aufgenommen, obwohl er so wenig, wie sein Vater »die Kunst erlernt halte*. Er sollte sich deshalb auf '»Handel und Wandel« be- schränken. Pfretzschner, Johann Adam II. — Geb. um 1720, lebte noch 1750 Neffe von Joh. Adam I. Er wurde am 13. November 1 738 Meister. So lange man nicht weiß, wann Johann Adam I Pfr. gestorben ist, wird es schwer bleiben, beider Arbeiten von einander zu unterscheiden. Pfretzschner, Johann Carl. — Geb. 1739, t 12. Aug. 1797 Wahrscheinlich ein Sohn von Johann Adam Pfr. ; er wird ausdrücklich als Geigenmacherssohn bezeichnet und wurde am 28. Mai 1760 gleichzeitig mit sechs anderen Geigenmachergesellen Meister. Er erreichte ein Alter von 57 Jahren 10 Monaten 5 Tagen. Pfretzschner, Joh. Elias I. — Geb. um 1680, lebte noch 1730 Vermutlich der Stammvater der Familie. Er war kein gelernter Geigenmacher und vielleicht der erste Geigen- händler, der sich in (M.)-Neukirchen niedergelassen hat. Durch seine vielfachen Beziehungen zu den Gei- genmachern und wegen der Vorteile, die ihm eine Zu- gehörigkeit zur Zunft bringen mußte, bewarb er sich darum, als Meister aufgenommen zu werden. Er schloß am 13. März 1713 einen Vertrag mit der Zunft, daß er lediglich Handel treiben wolle. Als in der Haupt- quartalsversammlung sämtliche Meister beisammen waren und niemand Einspruch erhob, wurde er am 15. Juni 1713 gegen Erlegung von 21 Talern als Zunft- meister aufgenommen. Es erscheint demnach fraglich, ob die Geigen, die seinen Namen tragen, wirklich von ihm sind. Pfretzschner, Johann Elias II. — (Mark)Neu- kirchen. Geb. um 1709. 1735 Wahrscheinlich ein Sohn Joh. Elias I Pfr. Er erlernte das Geigenmachen regelrecht, war Geselle und wurde am 6. Februar 1730 als Meister in die Zunft aufge- nommen. Pfretzschner, Johann Elias III. — Geb. um 1750, lebte noch 1780 Sohn von Johann Adam II Pfr. Er verwendete eine Art Hopf-Modell. Der Boden ist bei ihm gewöhnlich besser als die Decke, Schnecke und F-Löcher von häß- licher Form. Auf seinen Zetteln hebt er in sinnlosem Latein Cremona als Ursprungsort anzugeben. In den Markneukirchener Geburts- und Sterberegistern ist er nicht zu finden. Pfretzschner, Johann Gottfried. — Geb. 1733, t9.Aug. 1771 Sohn von Johann Elias I Pfr. Er wurde am 5. Oktober 1 75 1 Meister und gehörte zu den Neukirchener Geigen- machern, die gerne »Cremona« als Ursprungsort an- gaben oder Jacob Stainer zum Erfinder der Violine ernannten. Er scheint talentvoll gewesen zu sein und hat wahrscheinlich italienische Geigen gekannt, doch starb er schon im Alter von 38 Jahren und 35 Tagen. Seinen Namen schreibt er manchmal einfach »Pfretsch- ner«. Geigenzettel : lohann Gottfried Pfretzschner / erfunden von lacob Stainer / in Absom Ocni pontum (sie) / 1768 (gedruckt). Pfretzschner, Johann Gottlob. — Geb. 15. Aug. 1753, t 12.JuH 1823 Der Geschickteste aus seiner Familie. Nachdem er ur- sprünglich noch eine Art Stainer-Modell verwendet hatte, war er einer der ersten Vogtländer, die das Stra- divari-Modell mit Verständnis nachzuahmen suchten. Die Arbeit ist gut, das Patron lang und schmal, die Wölbung anfangs meist stark und steif, später aber flach mit schmalem Rand. Die F-Löcher sind zierlich und die Schnecke klein mit langem Wirbelkasten. Er verwendete verschiedene Zettel. Geigenzettel : Johann Gottlob Pfretzschner / Jacobus Stainer in Absahm prope / oeni pontum anno 1778 (gedruckt). — Aus / J. G. Pfretzschners / Musicalisch. Instrumentenhandlung ,' in Neukirchen bei Adorf (ge- druckt) und Abb. 627. Pfretzschner, Richard. — Markneukirchen. Geb. 15. Febr. 1832, f 9. Sept. 1893 Als tüchtiger Bogenmacher geschätzter Meister. Pfretzschner, Wilhelm August. — Markneu- kirchen. 1905 Bogenmacher (Fabrik). I I Pfrim — Pichen 383 Pfrim, Adam. — Leipzig, Würzburg. 1809. 1810 Die beiden folgenden Zettel dürften jedenfalls nur einem Geigenmacher zuzurechnen sein: A. Pfrim / Geigenmacher in Leipzig , 1809 (gedruckt). — Adam Pfrim Geigenmacher in Würzburg / 1810 (gedruckt). Pfuntmair, Lienhart. — München. 1566 Ein Musikinstrumentenmacher, der u. a. für den bay- rischen Hof tätig war, und wohl auch Lauten gemacht hat. Pfuntmichel, Johannes. — Mittelwalde? (Schlesien, Kreis Habelschwerdt, Reg.-Bez. Breslau). 1808 Paul de Wit veröffentlicht seinen Zettel, auf dem zwi- schen dem zweimal vorkommenden Taufnamen das hier ganz unversändliche Wort »einer« steht. Da es in Mittenwald in Bayern keinen Geigenmacher dieses Namens gegeben hat, könnte nur Mittelwalde i. Schi, in Frage kommen, aber auch dort war nichts über ihn zu ermitteln. Geigenzettel: Johanes einer Johanes Pfuntmichel / Geigen und Bogenmacher in Mittel / walt 1808 (ge- druckt). Phaenga s. Fenga Phelan. — Thomastown. Mitte des 19. Jahr- hunderts Seine Geigen sind nicht auffallend durch Arbeit und Lack, klingen aber nicht schlecht. Philbert, Joseph. — Mirecourt. 1 770 Bogenmacher. Philippi, P. de. — Rom. 1855 Eine gut gearbeitete, aber nur mittelmäßige Violine trug einen Zettel mit diesem Namen. Philips, A. E. s. Hill & Sons Philips (Philipp), Johannes. — Koblenz. 1733 Ein Lauten- und Geigenmacher, der auch in Antwer- pen gearbeitet haben soll. Alfred Keil in Lissabon be- sitzt ein sechssaitiges Alto von ihm. Im Koblenzer Stadtarchiv war leider nichts über ihn zu ermitteln, auch nicht, ob er dort jemals einen Vorgänger gehabt hat. Guigh la Pianazzi * (Pianassi), Domenico. (Modena). 1760. 1780 Er machte recht gute Violen und Violinen, die aber sehr selten vorkommen. Piat, Jean. — Mirecourt. 1760. 1789 Bogenmacher. Piattellini, Gaspero. — Florenz. 1738. 1780 Vermutlich ein Mitschüler von Gabbritlii Seine Gei- gen sind sehr flach, seinen (braunen) Lack hat er ge- wöhnlich sehr dünn aufgetragen. In der Arbeit steht er etwa in der Mitte zwischen Gabbrielli und dem Pisaner Brandini. Am besten sind seine Violoncelli. Geigenzettel: Gaspero Plattellini Fece / In Firenzze .Anno Domini 1738 (geschrieben). — Gaspero Piatte- lini / fece l'Anno 1780 / in Firenze (gedruckt). Piattellini, Luigi. — Florenz. 1789. 1821 Sohn und Schüler Gaspero P.s, den er jedoch nicht er- reicht; am besten gelangen ihm seine Violoncelli. Picard (Picquard), Nicolas. — Mirecourt. 1 747. 1779 Er wird als Geigenmacher bezeichnet, doch kennt man noch keine .Arbeiten von ihm. Picciati, Ippolito. — S. Giovanni m Persiceto. 1850. 1856 Er machte Geigen und Kontrabässe von gewöhnlicher Gattung. Der Name wird auch Piccioli gelesen. Piccinetti, Giovanni. — 1677 Sohn des Jacopo P. Em italienischer Violen- und Lau- tenmacher, den Valdrighi (2418) erwähnt. Pichler, vgl. auch Püchler (Puchler) Pichler, Marcell. — Hallein. 1673 Tüchtiger Lauten- und Geigenmacher des 17. Jahr- hunderts und vielleicht einer der Begründer der fast hundert Jahre lang in Hallein (im Salzburgischen) blühenden Geigenindustrie. In den Matrikelbychern wer bisher nichts über ihn zu finden, er scheint daher eingewandert zu sein. Die in den Matrikeln vorkom- menden Mitglieder der Familie werden bald als Kalk- brenner, bald als Schiffsleute, aber nicht als Geigen- macher bezeichnet, was zu der Vermutung führt, daß sie nur in arbeitsloser Zeit ihr Brot als Geigenmacher suchten. Marcell P. schreibt seinen Namen bald Pich- ler, bald Bichler und selbst PuCchler, seinen Tauf- namen Marcell und Mercell. Es liegt daher nahe, ihn für einen Sohn des Salzburger Meisters Marcell Puech- 1er zu halten. Eine hübsche Arbeit von ihm besitzt das städtische Museum Carolino-Augusteum in Salz- burg. Es darf darauf aufmerksam gemacht werden, daß nach einer alten Überlieferung ein sehr geschickter Geigenmacher des Namens Pichler in Stainers Werk- statt gearbeitet und den kranken Meister oft vertreten habe. Fleming glaubt, daß damit Tecchler gemeint sein könne. Wahrscheinlicher ist es aber, daß der Halleiner oder Salzburger Meister jener angebliche Gehilfe Stai- ners war. Geigenzettel: Marcellus Pichler Geigenmacher all- hier (gedruckt). Pichol. — Paris Dieser Name ist nur bei Hart zu finden. Pichon. — Lyon. 1859 Übernahm nach dem Tode von Pierre Silvestre das von diesem und dessen Bruder begründete Geschäft, das dann an den jüngeren Hippol. S. überging. 384 Picinetti — Pierray Picinetti, Giovanni. — Florenz.- 1677. 1682 Er war der Sohn des Jacopo P. und hatte seine Werk- statt bei der Kirche der Madonna dei Ricci (in der heutigen Via del Corso). Wenn er auch nicht zu den großen itahenischen Meistern zu zählen ist, so war er doch recht geschickt, wie eine Tenorgeige mit röthch- gelbem Lack in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln (Nr. 906) beweist. Geigenzettel: Gio Picinetti fio / ao 1682 (geschrieben). Picino, Giuseppe. — Neapel Mandolinenmacher. Picino s. auch Bagatella P. Pickard, Handel. — Leeds. 1862. 1865 Ein geschickter Geigenmacher, der aus Gesundheits- rücksichten das Geigenniachen aufgeben mußte und Hotelwirt wurde. Pidelot, Frangois. — Nancy. 1737 Von A. Jacquot nachgewiesener, sonst unbekannter Geigenmacher. Pieczatkowski, Joseph. — Ostrog. 19. Jahrh. Sein Name findet sich auf einem Reparaturzettel in einer Geige von Sienkiewicz. Piegendorfer, Georg. — Augsburg. Geb. 9. Febr. 1849 in Kläham bei Ergoldsbach in Niederbayern, f 1906 in Augsburg Einer der besten bayrischen Geigenmacher. Von Ju- gend auf beschäftigte er sich schon mit Musik und kam zunächst zu einem Kunsttischler in die Lehre. Er ar- beitete bereits als Gehilfe in verschiedenen Städten, als 1866 der Krieg ausbrach. Freiwillig trat er beim bayr. Inf. -Leib-Regiment ein und machte den Feldzug als Signalist bei der 8. Schützenkompagnie mit. Nach dem Friedensschluß wurde er der Regimentskapelle zuge- teilt und hier erst eigentlich zum Musiker ausgebildet. Im Juli 1869 zur Reserve entlassen, wurde er schon 1870 wieder einberufen und machte den ganzen Feld- zug 1870/71 als Hoboist mit. Hierauf trat er dann als Waldhornist bei einem Theaterorchester ein und kam als Musiker auf Konzertreisen weit in Deutschland und der Schweiz herum. Im Jahre 1874 wurde er veranlaßt, eine schadhafte Geige auszubessern. Gewohnt, feine Arbeiten auszuführen, gelang ihm der Versuch so über alles Erwarten, daß man ihm von allen Seiten zuredete, sich dem Geigenbau zu widmen, und einer seiner Freunde brachte ihm Wettengels bekanntes Lehrbuch. Er studierte dieses mit großem Eifer durch und ver- schaffte sich dann noch andere Lehrbücher, so daß er gut vorgeschult war, als er 1873 als Volontär bei F. Chr. Edler eintrat, der ihn nach bestem Können ein Jahr lang unterrichtete. Im Jahre 1877 baute er in Winter- thur mit ziemlich unzulänglichen Werkzeugen seine erste Violine, und zwar nach einem eigenen Modell, die ihm über Erwarten gut gelang. Er machte nun rasche Fortschritte und kam 1879 als Mitglied des städtischen Orchesters nach Augsburg, wo er sich 1 880 . verheiratete und eine Geigen-Reparaturanstalt grün- dete, die so viel Zuspruch fand, daß er seine Stellung als Musiker aufgeben konnte. Er übernahm dann die gut eingeführte Saiteninstrumentenhandlung von Ant. Scherlein in Augsburg und hat seitdem Jahr für Jahr eine Anzahl Geigen gemacht, die schnell ihre Liebhaber fanden, da sie überaus sorgfältig gearbeitet und sehr gut im Ton sind. Er arbeitete nach Stradivan und Guar neri und verwendete schönes, altes Holz und einen guten gelben Lack, der neu vielleicht nicht bestechend aus- sah, gewiß aber im Alter an Schönheit zunehmen wird. Er war ein ebenso feinsinniger, wie rastlos strebender Künstler, dem man auch eine wertvolle Monographie über die schwäbischen Geigenmacher von 1600 bis auf unsere Zeit (Leipzig 1902) verdankt. Sein Nachfolger ist Otto Ebner. Geigenzettel : Abb. 623. Pieri, Constantino, ein Italiener, der im 1 9. Jahr- hundert in der Mitte der 60 er Jahre lebte und Geigen flickte Pieron s. Pierron Pieroni (Pierotti?), Luigi. — Gubbio. 1833. 1847 Wahrscheinlich ein Landmann, der sich im Winter mit der Geigenmacherei beschäftigte. Seine Geigen sind handwerksmäßig gemacht und schlecht lackiert. Geigenzettel: Luigi Pieroni / Fecit in Gubbio 1833 (geschrieben). Pierrard, Louis. — Brüssel. 1882. 1902 Nachkomme einer Mirecourter Familie, von dei ein Nicolas Pierrard schon 1 760 als Geigenmacher in Mire- court vorkommt. Louis P. war Schüler von Mougenot. Er begründete 1882 seine eigene Werkstatt und hat auf den Ausstellungen in Antwerpen 1894 und in Brüs- sel 1897 silberne Medaillen erhalten. Er ist Geigen- macher des kgl. Konservatoriums in Gent und ver- öffentlichte 1890 eine Broschüre: »Traite de Lutherie« und 1902 eine zweite: »Le Violin. Son histoire et son origine« usw. Pierray, Claude. — Paris. 1698. 1726 Einer der besten Vertreter der alten Pariser Schule, der, wie alle seine Zeitgenossen, nach italienischen Vor- bildern arbeitete. Er wohnte in der Rue des Fosses- Saint-Germain-des-Pres und 1725 »proche la Come- die«. Seine Geigen zeigen sowohl großes als kleines Patron und meist hellroten oder gelben Lack, der jetzt sehr nachgedunkelt erscheint Das Holz ist gut, wenn auch oft unscheinbar, nur ungleich in den Stärken- verhältnissen. Der Ton ist immer kräftig, wenn auch nicht sehr ansprechend. Er stand schon bei Lebzeiten in hohem Ansehen und bildete eine Reihe tüchtiger Schüler aus. In Thomas Brittons Katalog liest man: »a violin by Gl. Pierray as good as a Cremona«. Bessere Arbeiten von ihm werden jetzt von Liebhabern oft mit Preisen bezahlt, die freilich in keinem Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Wertestehen. Da er sehr fleißig war, kommen seine Geigen nicht selten vor. Eine hübsche Gamba von ihm besitzt das Mus. d. Pariser Konserv. i Pi lerre Piltz 385 (Nr. 173), ein Violoncello Dr. med. Lang in Wiesbaden, eine Viola da Gamba von 1708 die Sammlung W. Gal- pin (Hatfield); eine Geige von 1710 aus der Sammlung Snoeck (Nr. 526) ist jetzt in Berlin. Geigenzettel: Claude Pierray / proche la Comedie / ä Pari's 1725 (gedruckt) und Abb. 609. Pierre, Jean-Etienne. — Mirecourt. f 26. Juli 1786 Seine Violinen sind nach A. Jacquot sehr gut, originell in der Form, kommen jedoch selten vor. Er gebrauchte die Brandmarke: I. E. P. Von derselben Familie sind noch als Geigenmacher Anloine P. 1758, Nicolas- Etienne P. 1766 und Jean-Nicolas P 1779 zu nennen. Pierron, Joseph. — Mirecourt. 1788 Bogenmacher. Pierrot. — Lyon. 17. — 18. Jahrhundert Diesen Namen fand ich bisher nur bei Hart aufgeführt. Ich vermute, daß hier eine Verwechslung mit Meriotte (s. d ) vorliegt. Piesendel, Ernst Albin. — Markneukirchen. Geb. 14. Okt. 1865 in Markneukirchen Einer Familie entstammend, der auch der berühmte Geiger Joh. Gg. Pisendel (| 1 755 in Dresden) angehörte. Piete, Noel. — Paris. Geb. um 1760, lebte noch 1810 Schüler von Saunier. Man kennt recht gute Violinen und Violoncelli von ihm. Pietri, Pietro. — Venedig. 1690 Ein Lauten- und Geigenmacher, den nur Valdrighi (2427) erwähnt. Pilar, Anton. — BerHn. Geb. 10. Juni 1881 in Altpaka in Böhmen Schüler von Benj. Patocka. Nachdem er als Gehilfe in 'Kuttenberg und Graz gearbeitet hatte, kam er zu Os- wald Möckel, bei dem er acht Jahre lang blieb. Ostern 1909 machte er sich selbständig und verstand es, sich bald einen ansehnlichen Kundenkreis zu erwerben. Seine Arbeit sowohl im Neubau wie in der sorgfältigen Wiederherstellung alter Geigen wird sehr gelobt. Geigenzettel : (Violinschlüssel) Antonius Pilar / fecit / Berolinensis 19 . . (Baßschlüssel) (gedruckt). Pilät, Paul. — Budapest. Geb. in Benesov bei Prag 1860 Schüler von Thomas Zach in Wien, arbeitete als Ge- hilfe bei Gab. Lemböck und David Bittner in Wien und bei Jos. W. Schunda, dann bei Ed. Bartek m Buda- pest, dessen Geschäft er 1883 übernahm. Er macht sehr gute Geigen, und besitzt ein Patent für einen »rekon- struierten« Baßbalken. Er bringt Bernsteinlack in An- wendung und hat seit 1885 eme große Zahl von Medaillen und Auszeichnungen erworben. Er ver- wendet auch Brandmarken. Geigenzettel : Abb. 600. V. L ü tgc nd orf f , Geigen- und Lautenniacher. Bd. H Pilichowski, Woycech. — Krakau. 1799 Guter polnischer Lautenmacher, von dem die Gesell- schaft der Musikfreunde in Wien eme polnische Zither (Kithara) besitzt. Geigenzettel: Woycech Pilichowski / zrobil w Kra- kowie 179^ (gedruckt). Pillement (Pillementi), Fran^ois. — Mirecourt. 1774. 1830 Seine Arbeit ist sehr ungleichwertig: neben sehr mittel- mäßigen Violinen findet man manchmal auch solche, die recht gut klingen. Seme Geigen kommen häufig vor, doch sind seine Violoncelli, deren Böden meist aus einem Stück gefertigt sind, in der Regel besser. Sein Lack ist ziemlich dunkel. Er verwendete eine Brandmarke: Pillement ä Paris. Auf seinem Zettel be- zeichnet er sich als F. Pillement pere. Es scheint also auch sein Sohn Geigenmacher gewesen zu sein; viel- leicht ist dies jener »Lete Pillement« in Turin, dessen Namen man in einer Gitarre las, oder jener Jean Pille- ment, der um 1788 als Geigenmacher und Händler in Mericourt nachweisbar ist. Die staatl. Sammlung in Ber- lin besitzt aus der Sammlung Snoeck eine Geige von Pillement (Nr. 532), eine andere Karl Stceber in Würz- burg. Geigenzettel: PILLEMENT pere / ä MIRECOURT fecit anno 1 799 (gedruckt). PiUyser. — Brüssel. 1911 Belgischer Geigenmacher unserer Zeit, dessen Violinen sowohl in der Arbeit, als in ihrem guten roten Lack Anerkennung finden. Pilosio (Pelosio), Francesco. — Görz. Geb. I.März 1754 (?). fnach 1778 In den Kirchenbüchern von Görz kommt ein einziger Francesco Pelosio als Sohn des Andrea und der Teresa vor. Ob dieser mit dem Geigenmacher identisch ist, muß dahingestellt bleiben. Da manche die Jahreszahl 1778 auf einem seiner Zettel mit 1748 lesen wollen, so müßte vielleicht der am 16. November 1715 geborene Francesco Andrea Pelosio (Sohn des Giacomo und der Maddalena P.) als der Verfertiger der Geigen usw., die den Namen »Pilosius" tragen, angesehen werden, obwohl das durchaus unwahrscheinlich wäre ^). Fran- cesco Pilosio war besonders als Violenmacher recht ge- schickt. Violinen von ihm habe ich nicht gesehen. Geigenzettel: Franciscus Pilosius fecit in Gorizia 1778 (geschrieben). Pilotti, Giuseppe. — Bologna. Geb. 1784, t 1838 Ein Musikinstrumentenmacher von wenig hervorragen- den Eigenschaften. Piltz (Pilz), Gottfried. — (Mark)Neukirchen. 1732. 1752 Er hat erst als Musketier gedient und sich dann in Markneukirchen niedergelassen, wo er Bürger wurde ^) Der Name Pelos kommt in Görz sehr häufig vor. 25 386 Piltz Piet und als Autodidakt das Geigenmachen erlernte. Da er sich getraute, damit sein Brot zu verdienen, bat er, in die Zunft als Meister aufgenommen zu werden, und berief sich dabei auf seine dem Kurhause geleisteten Dienste. Da man schon früher den Simon Pöllmann, der auch kein gelernter Geigenmacher war, zugelassen hatte, kam man ihm ebenfalls so weit entgegen, daß man ihn gegen Bezahlung von 15 Talern als »Innungs- verwandten« in die Zunft aufnahm. Er lebte noch 1752. (Mark-)Neukirchen. Piltz, Hans Georg. 1752 Sohn von Gottfried P. Sein Name ist ebensowenig wie der seines Vaters in den Markneukirchener Pfarrbüchern zu finden. Er scheint also weder dort geboren noch dort gestorben zu sein. Doch wurde er, nachdem er regelrecht gelernt und seine Gesellenjahre abgedient hatte, am 21 . November 1 752 als Meister in die (Mark)- Neukirchener Geigenmacherzunft aufgenommen. Pimpard. — Jenzat. 1870. 1889 Er war lange Werkführer bei Pajot, machte sich 1881 selbständig und macht Bauernleiern (>>Viellen<') wie die Pajots. Sein Sohn Pimpard-Cousin ist sein Ge- schäftsteilhaber. Sie führen den Werkstattnamen »ä la Vielle Bourbonaise«. Pingrier (Pingrie), Frederic. — Paris. 1882. 1890 Schüler von Jos. M. Chardon ; er ist jedoch nicht Gei- genmacher von Beruf, sondern nur aus Liebhaberei. Pinto, Antonio Joachim. — Saö Paulo. 1911 Brasilianischer Mandolinenmacher der Gegenwart. Piotti. — Montebello Italienischer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts, der eine Brandmarke mit seinem Namen verwendet. Pique, Fran^ois-Louis. — Paris. Geb. in Rorei (Roret) bei Mirecourt 1758, f in Charenton Saint-Maurice bei Paris 1822 Schüler von Saunier. Er kam um 1 777 nach Paris, wohnte erst in der Rue Coquilliere, »au com de la rue du Bouloy« und zog 1778 in die Rue Plätriere; 1790 wohnte er wieder Rue Coquilliere, diesmal aber »vis- ä-vis le roulage de France«; von da verlegte er seine Werkstatt nach der Rue de Grenelle St.-Honore, und dort blieb er bis 1816, in welchem Jahre er sich auf sein Besitztum in Charenton St. -Maurice zurück- zog; doch scheint sein Geschäft noch eine Zeitlang weiterbestanden zu haben; wenigstens findet sich in der Sammlung Snoeck eine Geige mit seinem Zettel und der Jahreszahl 1830. Er war ein sehr feiner Kopist von Stradivari und zeichnet sich durch musterhafte Arbeit aus. Das Holz ist sehr gut, die Schnecke zier- lich, die F-Löcher schwungvoll und der Lack von schöner roter oder rotbrauner Farbe, nur manchmal zu dick und nicht durchsichtig genug. Spohr stellt seine Geigen denen von Lupot fast gleich, was um so mehr berechtigt ist, als tatsächlich feststeht, daß Lupot für Pique Geigen gemacht hat, die dieser lackierte und mit seinen Zetteln versah. P. war Lieferant des Konser- vatoriums und hat ziemlich viele Geigen gemacht. Eine Theorbe von 1 779 besitzt das Pariser Konservatorium von ihm, eine Geige von 1806 Fürst Lobkowitz auf Schloß Raudnitz. Geigenzettel: Abb. 583, 591 und 603. Pircher, Sebastian. — St. Leonhart (Passeyer). Geb. 15. Mai 1859 zu Schweinsteg (Passeyer) Nach Dr. F. Waldners Nachrichten über tirol. Lauten- und Geigenbauer (Ferd.-Ztschr. III F, 55. Heft) ein Bauernsohn, der in Sterzing die Tischlerei erlernte und jetzt als Tischlermeister aus Liebhaberei Geigen macht. Er ist ein talentvoller Autodidakt, der jede Gelegenheit benutzte, sich an guten Vorbildern zu schulen. Pirot, Claude. — Paris. 1795. 1833 Ein verdienstvoller Geigenmacher, der vielleicht in Mi- recourt gelernt, aber die Italiener gut studiert hat und Lupot manchmal nahekommt. Die Wölbung nahm er ziemlich flach und schnitt die F-Löcher besonders schön. Sein roter oder rotbrauner Lack ist ziemlich dick und nicht durchsichtig genug. Zwei Violinen von ihm von 1803 und 1813 besitzt das Museum des Pa- riser Konservatoriums (Nr. 29 und Nr. 1012) und eine Violine von 1810 Berlin aus der Sammlung Snoeck. Geigenzettel : Abb. 593. Pirouel. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamilie, als deren Stammvater man Georges Fran^ois P., der schon 1688 vorkommt, an- sehen kann. Vielleicht war Michel P. (1737. 1757) sein Sohn. Dieser hatte einen Sohn Nicolas I und einen am 20. April 1766 geborenen Enkel Nicolas II P. Pisani. — San Angelo. 1756 Einige Geigen von hochgewölbtem Modell, aus gutem Holz gemacht, führen seinen Namen. Piskorsch, Raphael. — Mistek. 1862. 1871 Mittelmäßig in seiner Arbeit und nur als Reparateur öfter vorkommend. Geigenzettel : Repanrt von / Raphael Piskorsch / Vio- linmacher in Mistek (gedruckt). — Rafael Piskorsch / Geigenmacher in Mistek. — 1862 (gedruckt). Pitais. — Paris. 18. Jahrhundert Nach Grillet ein Zeitgenosse von Bocquay. Er arbeitete nach Amati und gebrauchte eine Brandmarke mit sei- nem Namen. Ich halte ihn für einen mittelmäßigen Mirecourter, der vielleicht zur selben FamHie wie Pitet gehörte oder mit ihm identisch war. Pitet. — Paris. 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts Violen und Violinen von ihm sollen äußerst selten vor- kommen, dagegen kennt man mehrere Bässe von ihm, auf deren Zargen er seinen Namen, von einem latei- nischen Spruch umgeben, anbrachte. Pitts ~ Flacht 387 Pitts, John. — London. 1679 Älterer englischer Geigenmacher, von dem m der Lon- doner Music Loan Exhibition 1904 eine Viola da Gam- ba aus dem Besitz von W. E. Hill & Sons ausgestellt war Piva, Giovanni. — Modena. 1860. 1880 Als Geigenmacher war er eigentlich nur Dilettant und hat höchstens ein Dutzend Geigen gemacht. Er er- fand ein »Metallicord«, ein Geigeninstrument von altertümlicher Form mit Metallsaiten, das sich aber nicht bewährt hat. Pizzinino s. Peccenini Pizzoni (Pezzoni) hieß ein Geigenmacher, der Ende des 19. Jahrhunderts in Brooklyn lebte Pizzurno (Pizzurnius), Ant., lebte um 1760 in Genua Pizzurno, Davide. — Genua. 1 760. 1 763 Seine Geigen, die gewöhnlich von mittlerer Größe sind, scheinen häufig von Händlern verwendet worden zu sein, um »etwas Besseres«, d. h. eine Amati oder dergleichen, zu machen. Er ist daher nur wenig be- kannt, trotzdem findet man seinen Namen oft in Vio- linen, denen man von weitem ansehen kann, daß sie nicht in Italien entstanden sind. Geigenzettel: Abb. 397. Placht. — Schönbach b. E. Eine Geigenmacherfamilie, aus der die folgenden in Schönbach gebheben sind : Placht, Anton Kommt schon 1826 als Meister vor. Placht, Elias I s. auch Plachte Placht, Elias II. — Schönbach. 1773 Sohn oder Enkel von Elias (1) Placht (Plachte). Nach einem Violoncello zu urteilen, war er kein besonders geschickter Meister. Geigenzettel : Elias Blacht in Schön- / bach 1 773 (ge- schrieben). Placht, Ferdinand I Ein geschickter Meister, von dem es Geigen aus den Jahren 1730-1745 gibt. Placht, Ferdinand II Er wird 1826 unter den Meistern erwähnt und hat vieles zur Hebung der Geigenindustrie in Schönbach getan, selbst aber nur handwerksmäßig gearbeitet. Placht, Franz I. — Sohn von Ferdinand I PI. 1760. 1788 Er heiratete am 1 2. Oktober 1 765 und ist wahrschein- lich der Begründer des Rufes seiner Familie. Er wohnte Haus Nr. 18 und war sehr fleißig. Geigen von ihm kommen nicht gerade selten vor; sie haben kein beson- ders schönes Modell, sind sonst aber gut gemacht und klingen nicht schlecht. Seine Zettel sind mit deutschen Buchstaben gedruckt und am Rand verziert. Geigenzettel: Franz Placht Geigen u. Instrument- / macher in Schönbach Anno 17.. (gedruckt). Placht, Franz II. -1825. 1826 Er war von Hause aus Geigenmacher, erlernte mit sei- nen Brüdern Ignaz und Johann in Budapest das Gi- tarrenmachen und führte diesen Zweig der Musikin- strumentenindustrie um das Jahr 1825 zuerst in Schön- bach ein. Placht, Georg Arbeitete von 1770 — 1805. Seine Geigen kommen noch ziemlich oft vor. Sie sind nicht schlecht gemacht, haben ziemlich hohe Wölbung, gelben Spirituslack und guten Ton. Geigenzettel : Georg Placht / Schönbach 1803 (geschr.). Placht, Ignaz.— 1825 Bruder von Franz II PI. Er erlernte in seiner Jugend dieGeigenmacherei, war aber einer der ersten Gitarren- macher seines Heimatsorts. Sein Bruder war: Placht, Johann I Placht, Johann II Ist noch als Streichinstrumentenmacher tätig. Placht, Johann Franz. — 1774. 1787 Wahrscheinlich ein Sohn von Franz PI., an dessen Ar-, beit die seine erinnert; auch seine Zettel sind ähnlich gehalten. Eine Violine von ihm besitzt die St. Peters- kirche in Prag. Geigenzettel: Johann Franz Placht, Geigen- und In- / strumentenmacher in Schoenbach 1787 (gedruckt). Placht, Johann Georg. — 1776 Er verheiratete sich am 14. Mai 1776 mit Klara Heinrich. Placht, Josef I.- 1825-1845 Seinerzeit galt er als geschickter Geigenmacher, da aber ein gleichnamiger Namensvetter weniger gute Ar- beiten hinterließ, wird man ihm schwer gerecht werden können. Er galt als guter Lehrmeister und hat mehrere tüchtige Schüler herangebildet. Placht, Josef II, war 1826 schon Meister, ebenso auch : Placht, Lorenz, dessen Geigen manchmal nicht schlecht smd Placht, Martin Wenzel Arbeitete von etwa 1 770— 1 826. Er war einer der besten Schönbacher Meister seiner Zeit. Er wohnte Haus Nr. 12. Seine Geigen sind dem Stainermodell nachge- ahmt und zeichnen sich durch tadellose, saubere Arbeit aus ; weniger gut ist der meist braune Lack. Eine hüb- sche Violine von ihm besitzt Gehring in Basel. Geigenzettel: Martin Wentzl Placht / Geigen und In- strumentenmacher in / Schö(n)bach 1785 (gedruckt), 25* 388 Flacht — Pliverics Flacht, Mathäus, lebte 1739, 1740 Sein Modell ist hochgewölbt, weicht aber von Stainer in den Umrissen wesentlich ab. Flacht. Mathias Wenzel I. — 1708. 1740 Er hatte ein längliches Modell und verwendete dunkel- roten Lack, scheint jedoch keine hübschen Schnecken gehabt zu haben. Die Orgelschule in Prag besitzt eine Violine von ihm. Geigenzettel: Matthias Wentzel Flacht / Geigen- und Instrumenten- / macher in Schönbach / 17 (gedruckt). Flacht, Mathias Wenzel II. — 1765. 1791 Sohn von Elias 1 Flacht (Flachte). Er war Bürger und Geigenmacher in Schönbach und war seit 2. Juli 1765 mit Elise Ostermann verheiratet. Seine zweite Frau war Magdalene geb. Elgass. Seine Geigen entsprechen dem Schönbacher Stil seiner Zeit, sind aber in ihrer Arbeit nicht schlecht. Geigenzettel Abb. 599. Flacht, Rudolf, lebt noch als Geigenmacher Flacht, Wenzel I.— 1772 Er wohnte im Hause Nr. 1 2. Ein anderer Wenzel Flacht ist heute noch tätig. Flacht, Wenzeslaus, kommt um 1740 vor Flacht, Gebr. — Schönbach, Wien Eine seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts be- stehende Firma, die Niederlagen in Budapest und New York hat und mit Schönbacher Erzeugnissen handelt. Flachte, Anton. — H 1744 Em sehr guter Geigenmacher, auf dessen Zettel leider der Wohnort unleserlich geworden ist. Ich besitze von ihm eine Bratsche von vorzüglichem Ton. Das Modell erinnert an die nordböhmische Schule; die Arbeit ist überall gediegen, der braune Lack klar und das Holz gut. Er dürfte italienische Vorbilder gekannt haben; die Wölbung ist von mittlerer Höhe, und da die Zargen jetzt erhöht sind, scheint er diese niedrig genommen zu haben. Der Boden ist aus einem Stück. Geigenzettel : Anton Flachte / Geigen und / Lauthcn Macher in H Anno 1744 (gedruckt). Flachte (Flacht), Elias. — Schönbach b. E. Geb. zu Niemes um 1690. 1723 Er wird in der Taufmatrikel 172! als Förster, im Jahre 1723 aber ausdrücklich als Geigenmacher bezeichnet. Da die Matnkelbüchcr nicht über 1698 zurückreichen, so ist dies der älteste urkundlich nachweisbare Meister Schönbachs, obwohl feststeht, daß die Geigenindustrie hier wesentlich weiter zurückreicht. Der Name Flachte dürfte von dem böhmischen Worte »plachta« abgeleitet sein. Elias Flachte gilt übrigens als der Stammvater der heute noch blühenden Familie Flacht. Flachte, Franz Elias. — Schönbach. 1759 Vielleicht ein Sohn von Elias Fl. Ein gutes Violoncell von ihm besitzt Albert Berr in Böhmischbruch. Geigenzettel : Franziskus Elias plachte / fecit me Schon- bach 1759 (geschrieben). Flane (nicht Flain), Walter. — Glasgow. Geb. um 1804 in Edinburgh, f um 1879 in Glas- gow Er war ursprünglich Tischler und kam um 1848 nach Glasgow, wo er einen kleinen Laden als Geigenmacher innehatte. Er machte viele Geigen und Violoncelli nach Stradivari, die als recht gute Orchesterinstrumente gelten können. Eine Zeitlang hatte er viel Zuspruch, später aber kam er in seinem Vermögen so herunter, daß er im Armenhause gestorben sein soll. Sein Holz war gut, nur der braune Lack etwas zu hart. Geigenzettel : Walter Flane / Glasgow / 1851 (gedruckt). Flani, Agostino de. — Genua. 1750. 1778 Rohe Arbeit, stumpfer Lack und näselnder, schwacher Ton sind die hervorstechenden Eigenschaften seiner Geigen. Geigenzettel : Abb. 596. Planquet, Jules. — Faris. 1860. 1875 Eine Violine, die ich von ihm gesehen habe, war zwar ganz sauber gemacht, hatte aber nur sehr kleinen Ton. Flanta, Ulrico. — Florenz. 1838 Er soll eigentlich Zimmermann gewesen sein. Seine Geigen sind von unkünstlerischer, man kann Scigen, liederlicher Arbeit. Platner, Michael. — Rom. 1735. 1750 Vermutlich ein Landsmann D. Tecchlers, dem er in der Arbeit sehr ähnlich ist. Er arbeitete manchmal nach Andrea Guarnen, meist aber benutzt er ein hochge- wölbtes Modell. Sein Lack ist goldgelb; besonders schön aber sind seine Schnecken. Geigenzettel: Abb. 595. Plesber siehe Presbler Fley lebt in Brüssel Fleyel, Ignace. — Fans. Geb. 1757 in Rupers- thal bei Wien, t 1831 Der berühmte Komponist, Klavier- und Harfenmacher, der hier nur erwähnt werden muß, weil er auch Gi- tarren und Lauten gemacht hat. Eine Lyragitarre von ihm aus dem Jahre 1810 besitzt C. Claudius in Kopen- hagen. Fliverics, Emil. — Berlin. Geb. 15. Mai 1878 in Oedenburg (Sopron) in Ungarn Er lernte fünf Jahre lang bei Aug. Setzer in Budapest und arbeitete von 1895 — 1909 sieben Jahre lang bei Oswald Möckel, dann bei Fiorini, Züst, E. Keßler, van der Meer und Poetisch freres. Er benutzte auch die Gelegenheit, in Frankreich und Italien Erfahrungen zu sammeln, und erwarb am 1. Mai 1909 das Geschäft von Joseph Hornsteiner in Berlin, das er unter der Firma »Jos. Hornsteiner Nachfl. Emil Fliverics« weiter- führt. Er macht alles an seinen Geigen selbst, stellte vorzügliche Kopien nach berühmten Meisterwerken her und erfreut sich als Reparateur des besten Rufs. Plu merel Pöpel 389 Plumerel, Charles. — Angers. 1822. 1856 Vielleicht ein Nachkomme des Mirecourter Plumerel. Manche seiner Geigen haben das Aussehen von Mire- courter Arbeiten, es gibt aber einzelne sehr gute Violinen und Violoncelli von ihm. Er war namentlich geschickt in der Lackmiitation und im Schnitzen der Schnecke geradezu ein Künstler. Instrumente, die er ohne Gehilfenmitarbeit fertig gemacht hat, tragen Namen und Jahreszahl auf der oberen Hälfte des Bo- dens handschriftlich auf dem Holze. Ein Violoncello, das einer Arbeit Vuillaumes sehr nahe kommt, besitzt W. Th. Jaura. Geigenzettel: Repare par Charles Plumerel luthier / rue Baudriere n" 4. Angers 1837 (gedruckt). — ■ Par Charles Plumerel, Luthier / rue Baudriere, No. 4, Angers (1836) / Magasin de toutes sortes d'instrumens de musique (gedruckt). Plumerel, Jean. — Mirecourt. 1727. 1751 Vidal fand diesen Namen und die Jahreszahl 1740 ein- gebrannt in einem Baß von gewöhnlicher Arbeit und gelbem Lack. PI. wird oft den Parisern zugezählt, aber A. Jacquot weist nach, daß er als Geigenmacher in Mirecourt ansässig war. Focht, Erhard. — Arzl bei Innsbruck. 1460. 1486 Ein sehr angesehener Tiroler Lautenmacher, den nach Dr. Fr. Waldners Nachrichten über Tirol. Lauten- und Geigenmacher namentlich der musikliebende Herzog Sigmund viel beschäftigt hat. Für zwei Lauten bekam er u. a. 6 fl., für jene Zeit ein ansehnlicher Preis. Pöhland (Böland). — Klingenthal. Als Geigen- macher gehören dieser Familie an : Pöhland, Friedrich Hermann. — 1865. 1875 Pöhland, Hans Andreas. — 1 729. Der Stamm- vater der Familie. Sein Enkel war: Pöhland (Böland), Johann Andreas, der sich in Brunndöbra niederließ und 1765 noch am Leben war Er war handwerksmäßig geschickt und verwendete gutes Holz, arbeitete aber nach einem schlechten Modell. Die Mensur ist bei Geigen, die noch den ursprünglichen Hals haben, immer zu kurz, die F-Löcher sind gerade- zu häßlich, und die Einlage ist durch eine aufgemalte Linie ersetzt. Geigenzettel : Johann - Andreas - Böland, / Violin- macher in Brundebra Ao. 1765 (gedruckt). Pöhland, Johann Christian, war der Sohn von Hans Andreas P. in Klingenthal. 1754. 1756 Pöhland, Karl Hermann, war um die Mitte des 19. Jahrhunderts tätig Pöhland, Otto. — Geb. 1870 Sohn von Friedr. Hermann P. Er erlernte von 1884 bis 1888 die Geigcnmacherei und ist seit 1888 selbstän- diger Meister. Pöhland, Wilhelm, wohl ein Urenkel von Hans Andr. P., lebt in Brunndöbra, wo auch die Firma Gebr. Pöhland vorkommt Pohls, Franz. — Gressow bei Tressow i. M. Geb. 25. März 1863 in Barkow bei Neu- stadt i. M. Ein Lehrer, der durch das Buch von Appian Benne- witz angeregt wurde, sich mit dem Geigenbau zu be- schäftigen. Er ahmt das Stradivarimodell nach, fertigt auch die Schnecken selbst und verwendet nur OUack. Auf der Mecklenburgischen Landesausstellung in Schwerin 191 1 war er mit zwei guten Violinen, die eine bemerkenswerte Handgeschicklichkeit erkennen ließen, vertreten. Polier (Poller), Johann Georg J., ein Exulant aus Graslitz, der 1677 unter den Gründern der Geigenmacherzunft in (Mark-)Neu- kirchen vorkommt Pöllmann, Simon. — (Mark)Neukirchen. 1688. 1696 Der Name dieses Geigenmachers soll schon 1688 vor- kommen. Er war Bürger und »Defensioner«, da er aber in seiner Jugend nicht die übliche Lehrzeit durchge- macht hatte, wollte ihn die Neukirchener Geigen- macherzunft nicht aufnehmen. Er wandte sich schließ- lich an den Rat der Stadt und wurde durch dessen Ver- mitdung am 24. Juni 1796 als Mitmeister zugelassen. In Urkunden liest man auch Pöhlmann und PoUmann. :h Boli !) (Vgl. auct Pölzl, Bernhard, Markneukirchen, ist noch tätig Pöpel, Johann Adam. — Brück. 1664 In einer Geige im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg findet sich sein Zettel. Der Wohnort Brück kann nur jenes kleine Dorf (Gemeinde Neudorf) im Gerichtsbezirk Wildstein bei Eger sein, aus dem eine Anzahl von Familien über die Grenze nach dem nahe- gelegenen Markneukirchen ausgewandert ist. — Die Jahreszahl könnte auch 1604 gelesen werden. Geigenzettel: Johann Adam Pöpel , in Brück 1664 (gedruckt). Pöpel (Popel), Johann Adam. — (Mark)Neu- kirchen. 1677 Vermutlich mit dem 1664 noch in Brück vorkommen- den gleichnamigen Geigenmacher identisch. Pöpel (Böpel), Johann Gottfried. — (Mark)- Neukirchen. 1678 Wahrscheinlich ein Bruder von Johann Adam P. Er ist nur dem Namen nach bekannt geworden. 390 Pöpel - Pollastn Pöpel (Böpel, Bopel), Johann Gottlieb. — (Mark)Neukirchen. 1690 Bei der häufigen Verwechslung der Namen Gottfried und Gottlieb ist es nicht ausgeschlossen, daß Johann Gottfried und Johann Gottlieb P. identisch sind. Pötscher s. Pötzscher Pötzl Egerländische Geigenmacherfamilie, deren Mitglieder, wenn es nicht anders angegeben ist, in Schönbach an- sässig waren oder sind : Pötzl, Anton. — Geb. um 1805, f 1881 Pötzl, Franz, lebt in Fleissen, wo er 1888 sein Geschäft begründete Pötzl, Hermann, lebte in Unter-Schönbach, war Geigen- und Baßmacher und f 1910 Pötzl, Johann I und Johann II, sind noch tätig, ebenso: Pötzl, Jozef. — Warschau. 1877 ist mir nur nach seinem Zettel bekannt geworden; auch ein Wilh. P. war in Warschau ansässig. Geigenzettel : Jozef Pötzl / J + P / w Warszawie / 1877 No. 49 (gedruckt). Pötzl, Karl Pötzl, Rudolf ^ lebt in Steingrub Pötzl, Wenzel, arbeitet noch Pötzscher, Carl Gottlob. — Zwota. Geb. 19. Febr. 1784 in Zwota, f nach 1830 Er war der Sohn eines aus Schöneck stammenden Lein- wandhändlers und scheint seinen Wohnsitz in seinen letzten Lebensjahren verlassen zu haben. In den Ma- trikelbüchern, die damals von der Pfarrei in Schöneck geführt wurden, wird er Geigenmacher oder Violin- macher genannt. Seine Arbe'ten entsprechen den gleich- zeitigen vogtländischen. Geigenzettel: Carl Gotdob Pötscher / musikalischer Instrumenten Macher / aus Zwota. Pötzscher (Pötzschner), Johann Karl. — Klin- genthal. 1782 Nur aus den Innungslisten dem Namen nach bekannt. Pötzschner, Friedrich. 1897. 1901 Markneukirch en. Leiter der Schülerwerkstatt an der Fachschule in Mark- neukirchen. Diese Schule bezweckt in der Hauptsache die theoretische und musikalische Ausbildung ihrer Schüler; seit einigen Jahren ist auch eine Werkstatt- abteilung eingerichtet worden mit fakultativem, wö- chentlich zweistündigem Unterricht für Saiteninstru- mentenmacher. Pohl, H. U., lebt als Geigenmacher in Kansas City Poiron, s. Porion Poiron. — Mirecourt. 1889 Ein tüchtiger Geigenmacher, der jedoch nicht selb- ständig aufgetreten ist, sondern als erster Arbeiter bei Laberte Humbert freres angestellt war. Poirot, Louis. — Mirecourt. 1777. 1789 Sein Name fand sich in einer Violine von gewöhnlicher französischer Arbeit. Auch in Brunis Inventaire wird er erwähnt. Aus seiner Familie waren auch Demenge Poirot (1772) und Leopold P. (1789) Geigenmacher.' Poirot aine. — Mirecourt. 18./19. Jahrhundert Gewöhnliche Arbeit, mittelmäßiges Holz, brauner Lack. Brandmarke mit dem Namen. Poirson, Elophe. — Lyon. Geb. 6. Sept. 1840 in Landaville (Vosges) Ein Liebhaber, der es ohne eigentlichen Lehrer zu anerkennenswerter Geschicklichkeit im Geigenmachen gebracht hat, so daß von ihm gemachte Instrumente z. B. in englischen Verzeichnissen mit guten Preisen angesetzt werden. Er hat bereits über 200 Geigen, auch Bratschen und Violoncelli gemacht und sich viel mit der Frage des Geigenlacks beschäftigt. Er stellt seit 1898 einen ätherischen Lack her, der im Aussehen manche Ähnlichkeit mit dem Cremoneser hat. P. ver- spricht, jedes neue Instrument, das er neu lackiert (nachdem er es vorher abgewaschen), im Ton wesentlich zu verbessern (?). Er besitzt bereits mehrere Medaillen und hat 1900 eine solche abgelehnt, da er nicht Berufs- geigenmacher, sondern Chef des Zentral-Telephon- Bureaus in Lyon ist. Geigenzettel: Abb. 613. Poirson, Justin. — Paris. Geb. 1851 in Mire- court Geschickter Bogenmacher, der einer alten Geigen- macherfamilie zugehört. (Ein Pierre P. wird schon 1732 bis 1742 genannt.) Justin P. war Schüler von Nicolas Maire, bei dem er 1865 in die Lehre trat. Nachdem er als Gehilfe bei J. B. Vuillaume und Gand & Bernardel gearbeitet hatte, machte er sich 1879 in Paris selbstän- dig. Seine Bogen tragen die Marke »Poirson ä Paris«. Poli, Giovanni. — Mailand. 1850. 1882 Italienischer Geigen- und Mandolinenmacher, der nur wenig Kunstfertigkeit besaß. Polis, Luca (de). — Cremona. 1751 Seme Arbeit erinnert zwar in den Umrissen an die A. Amatis, ist aber wenig schön in den Einzelheiten. Pollastri, Antonio. — Modena. Geb. 1765. 1800 Sohn oder Bruder von Giuseppe Pollastri. Erwar eigent- lich Musiklehrer und hat einige recht gute Violen gemacht. Auch bei Valdrighi (2477) wird er erwähnt. Generalauditeur a. D. Anton Ritter v. Knözinger in München besitzt eine edel klingende und durchaus PoUastri once 391 (selbst am Hals) rot lackierte Viola mit dem hand- schriftlichen Zettel: Antonio Pollastri / fecit Mutinae 1765. Prächtiges, engjähriges Deckenholz, derbe Ein- lage und unschöne, aber eigenartige F-Löcher. Wenn es nicht zwei gleichnamige Pollastri gegeben hat, müßte nach der Jahreszahl auf dem Zettel das bisher angegebene Geburtsjahr wohl um 20 — 30 Jahre zu- rückgesetzt werden. Pollastri, Augusto. — Bologna. 1900. 1910 Schüler von Raffaele Fiorini. Ein talentvoller und ge- schickter Geigenmacher, der nach Stradivari arbeitet und einen roten Lack verwendet, der in der Farbe an Pressenda erinnert. Er versteht es vorzüglich, die äußere Erscheinung alter Geigen nachzuahmen. Pollastri, Giuseppe. — Modena. 1764. 1783 Man kennt Violen und Gitarren von ihm, doch sind diese nicht sehr lobenswert in ihrer Arbeit. Poller, Anton. — Wien. Geb. 4. Febr. 1873 in Fleissen Lernte bei Josef Ringer in Absroth, ging dann zu seiner weiteren Ausbildung nach Markneukirchen und arbeitete als Gehilfe in den ersten Werkstätten in Leip- zig, Dresden, Berlin, Amsterdam, Prag und zuletzt in Wien bei Lutz und Stübiger. Wohl vorbereitet, im Neubau und im Wiederherstellen alter Geigen erfahren, machte er sich im Jahre 1904 in Wien selbständig. Seine Arbeit ist sauber, er verwendet schönes Holz und macht seine Geigen in allen Teilen selbst, meist nach Stradivari, und verwendet einen rötlichgelben Ollack. Geigenzettel : Abb. 622. Poller (Boller), Anton. — Mitten wald. Geb. 12. Jan. 1766 Sohn von Michael Poller. Wenn er auch die gewöhn- liche Geschicklichkeit seiner Orts- und Zeitgenossen besaß, so gehört er doch zu den weniger guten Ver- tretern seiner Schule. Geigenzettel: Antoni Boller Gei- / genmacher in Midten- / waldt an der Issar 17 . . (gedruckt). Poller, Johann. — Mitten wald. 1761. 1769 Gewöhnliche Arbeit im Geschmack der Klotz-Schule, gutes Holz, brauner Lack. Manchmal sind seine F- Löcher und Schnecken recht schön. Seinen Namen schreibt er, wie fast alle seine Verwandten, bald mit P., bald mit B. Poller (Boller), Korbinian. — Mittenwald. 1 779 Gute Klotz-Schule; saubere Arbeit und weicher Ton machen seine Geigen bemerkenswert. Poller (Boller), Michael I. 1741. 1803 Mittenwald a. I. Ähnlich wie Korbinian P. und stellenweise noch besser. Er verwendet einen braungelben Lack. Seine wert- vollsten Geigen stammen aus den Jahren 1765 — 1782. Diese zeichnen sich durch gefällige Form und hübsche F-Löcher aus und klingen recht gut. Der Lack ist von der gleichen Beschaffenheit wie bei den meisten Mit- tenwaldern seiner Zeit. Geigenzettel : Abb. 607. Poller, Michael II. — Mittenwald. 1846 Wenn er auch seinen tüchtigeren Vorfahren nicht gleichkommt und nicht mehr alles an seinen Geigen allein gemacht hat, so besaß er doch eine nicht zu unter- schätzende Geschicklichkeit. Sein Modell zeigt an- nähernd die Umrisse einer A. Amati-Geige; der Lack ist rotbraun. Poller. Ulrich. — Mittenwald. 1783 Ahnlich wie Michael I P., ohne ihn ganz zu erreichen. Geigenzettel: Ulrich Poller von / Mittenwald 1783 (gedruckt). Polli(?), Francesco. — Guastalla. 1616 Ein Geigenmacher, dessen Namen Valdrighi (4361) veröffentlicht; doch ist es nicht einmal sicher, daß der Name richtig gelesen ist. PoUmann s. Pöllmann PoUusca (PoUuska), Antonio. — Rom. 1750. 1754 Dem Namen nach ein Böhme und auch seiner Arbeit nach mit der Prager Schule verwandt, wenn er auch unter Tecchlers Einfluß stand. Er ist nur wenig be- kannt, gehörte aber jedenfalls zu den besseren römi- schen Geigenmachern seiner Zeit. Polverino, Rinaldo, gen. dal Chitarrino. — Ferrara. 1467 Vielleicht identisch mit dem von Valdrighi erwähnten Dal Chitarrino. Ob er Lautenspieler oder Lautenmacher war, wird nirgends gesagt, doch macht der Beiname beides wahrscheinlich. Der gelehrte ferraresische Ge- schichtsforscher Boschini führt ihn in seinem Manu- skript (Biblioteca Comunale) nur mit dem Namen an : »1467 — Rinaldo Polverino, detto dal chitarrino.« Pommersbach, Clays von. — Köln. 16. Jahrh. Ein seiner Zeit berühmter Lautenmacher. Baron er- wähnt ihn in seiner »Untersuchung des Instruments der Lauten« mit den Worten: »Clayß von Pommers- bach zu Collen, wie er sich geschrieben, ist auch einer mit von denen besten und ältesten ; seine Arbeit ist vortrefflich, und mag man sich gratuhren etwas davon zu haben«. Ponce, Jean-Fran^ois. — Mons. 1740 In einem Violoncello in italienischem Stil fand sich der unten wiedergegebene Zettel. Es wäre möglich, daß dieser Ponce zur Familie Pons gehörte. C. C. Snoeck besaß eine Geige, auf deren halb verwischtem Zettel er Fonce 1751 lesen wollte. Wahrscheinlich sollte es Ponce heißen. Geigenzettel : Joannes franciscus / Ponce monsensis / me fecit anno / 1740 (gedruckt). 392 Pens — Posch Pons, Cesar. — Grenoble. 1750. 1808 Tolbecque besaß von ihm eine sehr schöne >>vielle or- ganisee«. Eine Lyra-Gitarre von 1808 von ihm befindet sich in der Sammlung W. Galpin (Hatfield). Seine Geigen haben ein breites, hochgewölbtes Modell und sind von guter Arbeit. Geigenzettel : Abb. 589. Pons, Louis. — Grenoble. 1798. 1827 Jüngerer Sohn von Cesar P., den er aber nicht erreicht. Gutes leistete er eigentlich nur als Gitarrenmacher. Zu seinen Geigen soll er viele Mirecourter »Schachteln« verarbeitet und nebenbei auch Harfen und Klaviere gemacht haben. Eine violinförmige Taschengeige von ihm vom Jahre 1798 besitzt das Bachhaus in Eisenach. Auf dem Zettel bezeichnet er sich ausdrücklich als »fils cadet*. Eine sauber mit Bein und Perlmutter ein- gelegte Gitarre besaß Felix Herrmann. Geigenzettel : Fait par pons / fis (sie) cade (sie) ä / Grenoble 1 798 (gedruckt) und Abb. 592. Pons. — Paris (?). 1788. 1800 Wahrscheinlich der ältere Sohn von Cesar P. Seine Geigen sind handwerksmäßig gemacht, dagegen war er als Gitarrenmacher bekannt und geschätzt. Seine Gitarren sind leicht daran zu erkennen, daß sie kürzer, aber breiter als die gewöhnlichen sind. Er verwendete eine Brandmarke: Pons / ä Paris. Pontiggio, Vittorio. — Como. 1853 Sein Name findet sich nur selten in Geigen, und nach diesen konnte er nur bescheidenen Ansprüchen ge- nügen. Ponze s. Penzl Ponzi, Giulio. — Mailand. 1850 Wenn auch kein großer Künstler, so doch immer ein Geigenmacher, der den alten Mailändern ehrlich nach- strebte. Popel s. Pöpel Popella Dieser Name kommt in Schuberts Lexikon als der eines älteren, hervorragenden Geigenmachers vor und wird in gleicher Weise auch in anderen Werken ge- nannt. Weder Valdrighi und de Piccolellis noch Vidal, Hart u. a. kennen einen Meister dieses Namens. Man hat es, wenn überhaupt dem Namen etwas zugrunde liegt, vermutlich mit einem Mitgliede der Familie Pöpel zu tun. Poppe, Reinhold. — Mainz. 1896 Zettel in einer sauber gearbeiteten Geige: Reinhold E Poppe / Mainz 1896 F R (gedruckt). Poppenberger, Johann. — Preßnitz i. B. 1851. 1893 Machte hauptsächlich Gitarren und Harfen, Porgt, Ludwig. — Regensburg. 1525 Er war Lautenmacher und »Lautenschlager« und ge- hörte zu den berühmteren deutschen Meistern seiner Zeit. Porion (Poiron), Charles. — Paris (?). 1707 Wahrscheinlich ein Mirecourter, der richtig Poiron hieß. Nach Fetis war er Hoflautenmacher unter Lud- wig XIV. Eine ihm zugeschriebene Pandore besitzt das Museum des Konservatoriums in Brüssel (Nr. 257). Porlon s. Borion Porta s. Dalla Porta Portoghese, Francesco. — Rom. 1616 Er stammte aus Sizilien und war in der via dei liutarei als Lautenmacher in Rom ansässig. Mehr ist vorläufig nicht über ihn bekannt. Wien. Geb. 1677, Posch (Bosch), Antony. t 10. April 1742 Seinem Namen nach dürfte er aus Vils stammen '^). Nach Wien gekommen, heiratete er die Witwe des Math. Fux, wohnte im Kärntner Viertel und legte am 20. Juni 1707 den Bürgereid ab. Er war ein tüchtiger Meister, der m großem Ansehen stand, Hoflauten- macher wurde und als solcher auch in den österreichi- schen Hof- und Staatsschematismen von 1721 — 1739 aufgeführt erscheint. Seine Arbeit ist recht sauber, die Schnecke kunstvoll, nur arbeitete er Boden und Decke gegen die Ränder zu dünn aus, so daß heute bei fast allen seinen Instrumenten die Einlagen durchgebrochen sind. Der Ton ist gut, aber nicht besonders edel. Die Geigen seiner ersten Zeit erscheinen jetzt meistens ganz schwarz, da er sie vor dem Lackieren gebeizt hatte. Da aber das Deckenholz durch das Beizen leicht fleckig wird, lackierte er später die Decken ungeheizt, infolge- dessen kommen viele Geigen von ihm vor, die eine lichte Decke haben, während alle übrigen Teile schwarzbraun nachgedunkelt sind. Es gibt aber auch Geigen von ihm, die er glücklicherweise gar nicht ge- beizt hat, so besitzt die kaiserliche Hofkapelle m Wien fünf Violinen von ihm aus den Jahren 1723 — 1725, die einen schönen rötlichgelben Lack zeigen. Eine gute Viola von 1702 befindet sich im Stift St. Florian in Oberösterreich, eine Viola mit der Jahreszahl 1701 (1707?) und einen Kontrabaß von 1730 besitzt Fürst Lobkowitz auf Schloß Raudnitz, eine siebensaitige Viola da Gamba mit Mohrenkopf von 1736 das Mu- seum der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. — Man kennt zweierlei Zettel von ihm, der ältere ist ohne den Adler, den er erst gebrauchte, seit er Hoflauten- macher war, die Schrift jedoch auf beiden Zetteln die gleiche. Geigenzettel: Abb. 617. Posch (Bosch), Anton Stephan. 1701. t 3. Sept. 1749 Wien. Geb. Sohn von Antony P., wohl auch dessen Schüler, wie er von 1746 an sein Nachlolger als Hoflautenmacher ') Eine ApoUonia Bosch heiratete in Vils im Jahre 1664 einen Georg Schonger. Posch — Poulto 393 gewesen ist, nachdem er vorher schon von 1729 an im Hofschematismus als sem Adjunkt bezeichnet wurde. Arbeit und Lack sind wie bei seinem Vater, an dessen Geigen er ja schon seit den zwanziger Jahren mitge- arbeitet hatte. Sein Modell ist hochgewölbt. Er wohnte, wie sein Vater, im Kärntner Viertel und legte am 3. Juni 1733 den Bürgereid ab. In den Steuerbüchern kommt er bis zu seinem Tode vor. Eine neunspänige Bastardlaute von ihm (Nr. 3) mit sechs einfachen Saiten aus dem Jahre 1749 besitzt die Musikinstru- mentensammlung des Bachhauses in Eisenach. Geigenzettel : Antonius Stephanus Posch / Kais. Kön. Hoflautenmacher in Wien 1746 (gedruckt). — Anto- nius Stephanus / Posch Kayserlich-Kö- mglicher Hof- lauten- macher in Wien / Anno 1749. [in der Mitte der österr. Adler] (gedruckt). drighi dagegen findet seine Arbeit gewöhnlich. Er liebt ein flaches Modell und verwendet rotgelben oder rot- braunen Lack. Außer Geigen hat er auch Gitarren ge- macht und war als Reparateur nicht ungeschickt. Im Jahre 1824 schreibt er in eine Geige »Opus 214*. Geigenzettel: Andrea Postacchini Amici filius Fecit Firmi, anno 1810 opus . . (gedruckt). Postacchlnl.Andreall. — Fermo. 1810. 1857 Sohn des Andrea I und jedenfalls auch dessen Schüler. In seinen älteren Zetteln beruft er sich ausdrücklich auf seinen Vater (»Andreae filius«). Er hatte das Laden- schild: »Zum Erzengel Raphael«. Von seinen Geigen, deren Umrisse an Amati erinnern, gilt dasselbe wie von denen seines Vaters. Geigenzettel : Abb. 584. Postel, Otto. — Erfurt Geigenmacher der Gegenwart. Posch (Bosch, Boss), Laux. — Schongau. 1 550. 1564 Zweifellos einer der berühmtesten Lautenmacher sei- ner Zeit, der wohl aus Füssen oder Fils eingewandert war. Da die Magistratsakten in Schongau nicht bis 1350 zurückgehen, war etwas Näheres über ihn nicht zu ermitteln. Wohl aber ist es bekannt, daß er für den bayrischen Hof und andere große Herren seiner Zeit viel zu tun hatte. Eine ganze Reihe von Arbeiten von ihm befand sich in Raymund Fuggers Musikkammer. Das erhaltene Verzeichnis aus dem Jahre 1566 zählt die folgenden auf : *No. 66 eine Lauten von Flader von Laux Bosch zu Schongau. No. 68 Ein Baß von Fladerholz von Laux Bosch zu Schongau, No. 69 Ein Diskäntle von Fladerholz, roth, von gedachtem Meister No. 70 eine alte Lauten mit einem grünen Bärtle von L. Bosch. No. 71 Ein Diskant von rothem Flader, von Gedachtem No. 78 Eine Baß von Cypreßen von Pott S. Bott Schongau . . . No. 82 Ein Baß von Eibenholz von Schon- gau, No. 83 Eine Lauten, halb Elfenbein und halb Pouget (pere et flls) Neapel. Geb. H.Juli Postiglione, Vincenzo. 1835 In Neapel Kam mit 12 Jahren zu Vincenzo Jorio in die Lehre, blieb dort 5 Jahre lang und gilt jetzt als einer der be- sten neueren Geigenmacher Neapels. Seine Nach- ahmungen Guarneris und Stradivaris sind recht gut. Es wird behauptet, daß es auch im 18. Jahrhundert schon einen Vincentius Postiglione gegeben haben soll, doch ist dies durch nichts erweisbar. Geigenzettel : [Initialen und Kreuz im Kreis] Vincetius (sic)Pottiglione [undeutbares Zeichen] Me fecit Neapoli Anno / 1873 (gedruckt). Ardente bei Chateau- Sandl, 1 Baß von Schongau.« Vgl. Stockbauer, Kunst- bestr. unter Albrecht V. und Wilh. V. S. 83. — In den bayrischen Hofrechnungen unter Albrecht V. vom Jahre 1564 heißt es: »Laux Possen, dem Lautenmacher von Schongau, von wegen 3 trüchel (Trögel) die er gemacht .... 405 fl.« (Vgl. Westenrieder Beitr. III. S. 75.) Schon 1554 erhielt er für vier Elfenbein-Lauten 101 Gulden 1 Seh. Vgl. A. Sandberger, Beitr. z. Gesch. d. Bayr. Hofkapelle S. 2. Poss (Boss), Wolf, lebte als Lautenmacher in Prag. 1592. 1593 Geigenzettel: 1666, 1. setembre in Millano / da capo dl contrada Larga / ne la botega di Cristofaro Posta (geschrieben). Posta, Cristofaro. — Mailand. 1666 Seine Arbeit erinnert an die Brescianer Schule, so daß u. a. ein Violoncello von ihm lange Zeit für eine Arbeit G. da Salös galt. Postacchini, Andrea I. — Fermo. Geb. Ende des 18. Jahrhunderts, lebte noch 1824 Sohn des Amico P. Seine Arbeiten sind sehr ver- schieden in ihrem Werte; Folegatti lobt ihn sehr, Val- roux. 1866 Ich kenne nur Bauernleiern von gewöhnlicher Arbeit von ihnen. Geigenzettel: Pouget pere et fils / fabncants d'instru- ments , Ardente pres Chateauroux / 1er Mars 1866 (gedruckt). Pouille, Joseph. — Lille. 1865. 1879 Ein Geigenmacher, der mir nur als Reparateur bekannt wurde. Geigenzettel: Repare ä Lille / par Pouille, luthier/ rue Basse, en 1879 (gedruckt). Poulsen, Hans. — Kopenhagen. Geb. 2. März 1861 in Ullerslev auf Fyen Nachdem er ausgelernt hatte, ging er auf die Wander- schaft und vervollkommnete sein Können in Deutsch- land und gilt jetzt als sehr tüchtiger dänischer Geigen- macher. Er arbeitet recht sauber und geschmackvoll und besitzt bereits mehrere Medaillen. Poulton, R. — HuU. 1827 Er handelte mit Musikinstrumenten aller Art, wie auch die seinen Zettel umgebende Zeichnung andeutet. Es 394 Pouxa — Praga erscheint deshalb fraghch, ob die Gitarren, in die er seinen Zettel klebte, auch seine eigene Arbeit sind. Geigenzettel : R. Poulton / Musical Instrument / Maker & Repairer / Chapel Lane / Hüll / 1 827 (gedruckt). Pouxa, Jacques. — Paris. 1802 Ein von Fetis erwähnter Luthier, von dem man bis- her nur eine Streichzither kennt. Der Name sowohl als das Instrument lassen vermuten, daß er kein Fran- zose war. Powell, Royal I. — London. 1787. 1800 Von ihm gilt dasselbe wie von seinem Bruder Thomas I. Powell, Thomas I. — London. 1780. 1808 Ein geschickter Geigenmacher, der viel für William Forster & Sohn arbeitete. J. T. Chapman besitzt eine von ihm im Jahre 1 780 gebaute Violine. Geigenzettel : Made by Thomas / Powell. No. 18 Clemens / Lane, clare Market / 1793 (gedruckt). Powell, Thomas II und Royal II. — London. 1800 Die beiden Söhne von Thomas I P. ; sie waren Gei- genmacher und wohnten um 1800 in St. Jones Square St. Lukes. Näheres über sie ist nicht bekannt. Powers, Clark. — Boston. Geb. m Vermont (V.St.Am.) 1856 Nachdem er 25 Jahre als Gehilfe gearbeitet, darunter zwei Jahre lang in England, Deutschland und Oster- reich, ließ er sich im Jahre 1888 als Geigenmacher in Boston nieder. Er arbeitet nach Cremoneser Vorbil- dern und nach einem eigenen Modell, wobei er einen Nachdruck auf das Gleichgewicht legt. Er verwendet Ol- und Spirituslack. Viele seiner Geigen scheinen je- doch Markneukirchener Fabrikat zu sein. Geigenzettel : No. . . . The Equipoise / Clark Powers, Maker, Boston. / Pat. No. 625 058, May 16, 1899 (gedruckt). Pozzlni (Pazzmi), Caspare. — Brescia. 1691. 1699 Die ihm zugeschriebenen Geigen haben einige Ähn- lichkeiten mit denen Magginis. Er dürfte ein Sohn Giovanni Gaet. Pazzinis gewesen sein. Valdnghi be- vorzugt die Schreibweise Pozzini. Pozzmi, Giov. Gaet. s. Pazzmi Prachatschek, .... — Graz. 1864 Er soll in Prag gelernt haben, ließ sich um 1860 in Graz nieder und war ein geschickter Reparateur, der an Ferdinand Rothmüller einen tüchtigen Werkführer hatte. Pradl(?), Leonhard. — München. Ende des 17. Jahrhunderts Eine Laute mit diesem Namen befindet sich im bay- rischen Nationalmuseum in München. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß der Zettel verstümmelt und »Pradl-< identisch ist mit dem Prager Meister Leonhard Pradter. Pradter, Josef. — Prag. 1714. 1736 Vermutlich ein Sohn von Math. P. Er heiratete am 25. April 1714 im Pfarrsprengel St. Egidi, zu dem auch Math. P. gehörte. Eine Viola von ihm mit flachem Boden besitzt die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aus dem Jahre 1727, ferner ein Violoncello von 1722 Med. Dr. E. Schnapka in Oderberg und ein solches von 1736 Fabrikant Hostomsky in Pelhi'imov. Geigenzettel : Joseph Protter / Lauten- und Geigen- macher / in der königl. Alten-Stadt Prag / 1727 (ge- druckt). Pradter, Leonhard. — Prag (Kleinseite). 1 675. f vor 1692 Er stammte aus Tirol, wahrscheinlich aus der Nähe vonVils^), wurde 1675 Bürger zu Prag (Kleinseite), heiratete im selben Jahre die 1654 geborene Tochter Anna Barbara des Geigenmachers Andr. Ott und er- langte am 21. November 1675 das Bürgerrecht. In den Urkunden wird sein Name meist Brater geschrieben, auch Broder, Prodter; sogar Prantner (Brantner) kommt vor; er selbst schrieb den Namen »Pradter«. Er war ein vielbeschäftigter Meister, der u. a. von 1682 bis 1684 eine ganze Reihe von Instrumenten für den Chor der Prager Lorettokirche machte. Eine theor- bierte Laute (863 mm lang, 300 mm breit) befindet sich in den kunsthistorischen Sammlungen (Sammlung alter Musikinstrumente) in Wien mit der Inschrift: Leonhardt Pradter ,' Prag 1 689. Rücken aus 9 schwarz- lackierten Holzrippen mit Elfenbeinreifchen, 1 1 Doppel- und 2 Einzelsaiten. Eine Laute im Münchner National- museum trägt einen Zettel, auf dem »Leonhart Pradl« gelesen wird. Wenn meine Vermutung richtig ist, so ist es ein Werk unseres L. Pradter, der demnach, bevor er nach Prag ging, in München gearbeitet hätte. Pradter, Mathias s. Mathäus Prather Pradter (Pratis, Fratis), Stephan. — Prag. 1674. 1695 Vielleicht ein Bruder von Leonhardt Pr., da die Form »Pratis« oder »Fratis« nicht richtig ist. Er wohnte als Lautenmacher in dem Pfarrsprengel Maria de Lacu. Aus den Kirchenbüchern geht nur hervor, daß seine Frau Ludmilla hieß, und daß er am 21 . Dezember 1675 eine Tochter auf den Namen Eva Ludmila taufen ließ. Praga, Eugenio. — Genua. Geb. in Casale Monferato H.April 1847 Schüler von Nicolö Bianchi und seit 1869 dessen Nach- folger. Er macht neue Geigen nach jener Guarneri, die als Geige Paganinis in Genua aufbewahrt wird, aber auch nach Stradivari. Er verwendet ätherischen und Spirituslack und ist ein gesuchter Reparateur und ge- schickter Bogenmacher. Er besitzt eine bronzene und drei goldene Medaillen. Geigenzettel: Eugenio Praga fece / Genua Anno .... (gedruckt). ') Der Name Prader oder Brader kommt heute noch mehrfach in Tirol, namentlich in der Gegend von Meran vor. Prager — Presbler 395 Prager, Gustav Oskar. — Geb. 30. Mal 1866, und Prager, Max. — Geb. 4. Juli 1872, leben als Geigenmacher in Markneukirchen Prager, Wilhelm Heinrich. — Frankenberg i.S. Geb. 13. März 1840 Ein tüchtiger Musiker, der in Neustadt a. O. gelernt hat und seit 1877 in Frankenberg ansässig ist. Aus Liebhaberei studierte er die Geigenmacherei und hat seit etwa 1880 eine Anzahl von Violinen und Violen gemacht, die alle in festen Händen sind und wegen ihres guten Tons gelobt werden. Pranger, Melchior. — Leipzig. 1569 Ein Lautenmacher aus Landsberg, der 1 569 zum Leip- ziger Bürger angenommen wurde. PratasinI, Giovanni. — Turin. 1780 Bisher nur als geschickter Mandolinenmacher bekannt. Grillet kennt eine wunderschöne kleine Mandoline von ihm. Prather (Proder, Pratter, Prodr, Protr), Ma- thäus. — Prag. Geb. in Miland bei Brixen, getauft 6. Sept. 1657 in Brixen, f 2. Dez. 1697 in Prag Sohn des Taglöhners Bartholomäus Fr. und der Maria, geb. Hofer. Vielleicht ein Verwandter von Leonhard und Stephan Pradter. Am 28. August 1681 wurde er Prager Bürger in der Altstadt. Seine Frau, von der er zwei Kinder hatte, hieß Regine. Er liegt in der Teiner Marienkirche in Prag begraben. Pratis s. Pradter Prediger, Friedrich Sigmund. — Ansbach. Geb. 1 . Jan. 1 700 in Ansbach, f daselbst 1 765 Ein seinerzeit weitberühmter Meister, der alle Instru- mente für die markgräfliche Kammermusik anfertigte, hauptsächlich aber war er Orgelbauer. Er entstammte einer alten, angesehenen Buchhändler- und Buchbin- derfamilie Ansbachs, war für einen gelehrten Beruf bestimmt und setzte es nur mit großer Mühe durch. Instrumentenmacher werden zu dürfen. Er begann ohne eigentlichen Lehrer heimlich eine Orgel zu bauen, machte rasche Fortschritte und brachte es schließlich zu vielseitiger Kunstfertigkeit. Die Markgräfin Chri- stine Charlotte ernannte ihn zum Hof-, Stadt- und Land-Orgel macher. Es gibt einige gute Lauten mit seinem Namen, bei denen allerdings die Jahreszahlen, wenn sie richtig gelesen wurden, falsch sein müssen. Vgl. Dr. Meyer, Onoldina II, S. 33 34. (Ansbach 1909.) Prell, Hermann. — Markneukirchen. 1920 Bestand im Jahre 1 920 als Geigenmacher die Meister- prüfung. Prell, Hermann W. — Markneukirchen. Geb. 29.JuH 1875 zu Brambach Sehr geschickter Bogenmacher; Schüler von Heinrich Hoyer. Als Gehilfe arbeitete er bei den besten Mark- neukirchener Meistern und begab sich dann zur wei- terer Vervollkommnung im Jahre 1895 nach Berlin und 1897 nach Paris zu Eugene Sartory, wo er seine Aus- bildung abschloß. Nach seiner Rückkehr eröffnete er im Jahre 1898 seine eigene Werkstatt und gehört jetzt zu den angesehensten Bogenmachern. Preller, Andreas. — Geroldsgrün, Hof. Geb. 1845 in Hof Ein emerit. evangel. Pfarrer, der als Autodidakt zu einem eigenen System des Geigenbaus gekommen ist, das er in einer kleinen lesenswerten Schrift »Hofer- Geigen« mitteilt, und das in der strengsten Vermei- dung jeder Spannung, die das freie Schwingen der Töne verhindert, besteht. Das bedingt eine veränderte Reihenfolge in der Fertigstellung der einzelnen Teile und eine besondere Bearbeitung des Stimmstocks und des Baßbalkens. Seine Geigen klingen tatsächlich sehr gut. Presbler (Plesber, Plesbler), Francesco. — Mailand. 1730. 1773 Dem Namen nach wohl ein Deutscher. Sein Zettel scheint öfter gefälscht worden zu sein, oder er selbst hat es mit der Rechtschreibung seines Namens nicht genau genommen, so daß allerlei Lesarten möglich sind, Valdrighi liest sogar Presbleel (Nr. 2512). Ende der siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts arbeitete er gemeinsam mit seinem Sohne Giuseppe, wie der erste Zettel einer reich mit Elfenbein, Ebenholz, Schildpatt und Perlmutter verzierten Mandoline in der Sammlung Robert Leibbrand in Berlin ausweist. Er scheint haupt- sächlich Mandoren, Pandurinen und Mandolinen ge- macht zu haben, letztere gewöhnlich mit fünf Doppel- saiten und neun Bünden. Eine Pandurina in der Crosby Brown-Sammlung in New York, als deren Verfertiger der Katalog »Plisbel, Mailand 1715« nennt, dürfte von einem Plesber herrühren. In der Instrumenten- sammlung des böhm. Landesmuseums in Prag befindet sich eine Mandoline mit dem folgenden zweiten Zettel. Geigenzettel : Francesco Plesber, e Giuseppe figlio / in Milano ' nella Contrada della Dogana al Segno del Sole 177.. (gedruckt). — Francesco Plesber in Milano / nella contrada dclla Dogana ' al segno del Sole 1773 (gedruckt). Presbler (Plesber), Giuseppe. 1760. 1801 Mailand. Sohn von Francesco P. und sein Nachfolger. Er wohnte in der gleichen Straße und führte den gleichen Schild wie dieser, und auch bei ihm schwankt die Schreibart des Namens. Seine Lauten zeichnen sich durch kunst- volle Verzierungen, gravierte Elfenbeinrippen und der- gleichen aus. Eine von ihm gemachte Mandore von 1778 besaß Scheurleer. Eine Mandoline von 1801 aus der Sammlung Snoeck befindet sich in Berlin, eine 396 Pressenda — Proder aus der Kollektion Lery stammende siebenchörige Man- dora von ihm von 1796 besitzt W. Heyers Musikhisto- risches Museum in Köln (Nr. 526). Valdrighi setzt seine Zeit 1595 — i597(!) und erwähnt eine Hsaitige Laute dieses Meisters. Geigenzettel : Giuseppe Presbler ,' in Milane / nella contrada della dogana / all insegne del sole 1796 (ge- druckt). Pressenda, magnola Gianfrancesco. — Alba, Car- später Turin. Geb. in Sequio Berra oder Turin 1777, f daselbst 1854 Sohn des Wandermusikanten, Raffaello Pr., der ihn im Geigenspiel unterrichtete. Gianfrancesco kam nach Cremona und wurde hier Schüler von L. Sto- rioni. 1814 ließ er sich in Alba, wo auch sein Vater wohnte, als Kunstschreiner und Geigenmacher nieder. Für kurze Zeit siedelte er nach Carmagnola über und ging von hier 1820 nach Turin, wo sich der Hofmusik- direktor Polledro seiner besonders annahm. Er ist einer der wenigen Geigenmacher des 19. Jahrhunderts, deren Arbeiten schon heute nachgeahmt werden. Seine Vio- linen stehen mit Recht hoch im Preise und sind meist nach Stradivari gemacht, nur die Zargen nimmt er gerne etwas höher. Mit Ausnahme der Schnecke sind alle Einzelheiten vorzüglich durchgeführt, und ganz besonders ist sein schöner dunkelroter, ins Braune spielender oder braungelber Lack hervorzuheben. Er legte großen Wert auf die Wahl des Holzes, auf das er sich vorzüglich verstand, und erzielte einen wunder- vollen Ton, der auch seinen gewöhnlicher durchge- führten Violinen nachgerühmt werden muß. Eine 1814 gebaute Dreiviertelgeige von ihm besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln (mit geschriebenem Zettel). Geigenzettel : Abb. 608. Pressenda, Raffaello. — Turin.(?) 1790 Nach der Erzählung seines Sohnes hat er gleichfalls Geigen gemacht, doch ist mir nie eine Arbeit von ihm in die Hand gekommen. Preston, John. — London. 1774. 1800 Er wohnte Strand No. 105, später Nr. 97. Seine Arbeit ist namentlich bei Geigen sehr mittelmäßig; auch zum Boden nahm er Tannenholz und verwandte rotbraunen Spirituslack. Eine kleine Gitarre von ihm besaß Snoeck. Ob der Londoner Preston mit dem in York identisch ist, steht nicht fest, ist aber unwahrscheinlich. Er hat sich zuletzt nur mehr auf den Musikverlag und Handel verlegt und seinen Zettel in fremde Arbeiten geklebt. Im Jahre 1800 übergab er sein Geschäft seinem Sohne Thomas P. Geigenzettel : Abb. 61 1 . Preston, John. — York. 1789 Manchmal nicht ungeschickt, wie ein von ihm 1800 gemachtes Instrument im Museum in Kopenhagen be- weist. Geigenzettel: John Preston, York ; 1791 Fecit (ge- druckt) und Abb. 618. Pretts, A. — London. 1851 Ein Geigenmacher, der etwa mit Sim. A. Forster auf gleicher Stufe steht. Er arbeitete mit Sorgfalt und er- zielte einen vollen Ton. Er besaß mehrere Ausstellungs- medaiUen. Prevot (Prevost), P.Charles. — Paris. 1775. 1788 Wahrscheinlich wie die Familie La Prevotte aus Mire- court. Er wohnte Rue de la Verrerie Nr. 102 und hatte das Ladenschild »Au Dieu Apollon«. Seine Geigen sind recht mittelmäßig. Geigenzettel : Repare par Prevost / rue de la Verrerie ä Paris en 1786 (gedruckt). Prevotte s. La Prevotte Priestley, A. W., lebte im 19. Jahrhundert in Leeds Priestnall, John. — Rochdale. Geb. um 1819, t nach 1899 Seine Geigen sind im ganzen gut gearbeitet, ohne daß bestimmte Modelle nachgeahmt erscheinen. Sie haben auch einen hübschen Ollack. Prieur, Claude-Edm.-Jean. — Paris. 1775. 1789 Er wohnte erst Rue de la Pelleterie, später (1779 bis 1 789) Rue de la Calandre und scheint nur wenige Geigen gemacht zu haben. Primenus Fingierter Name, den man in vogtländischen Geigen finden kann, die von einem Klingenthaler oder Neu- kirchener herstammen. Der gedruckte Zettel lautet: Carl Ferdinand Primerius ' musikalischer Instrumen- tenmacher in / Italia. v. P. A. N. Anno 1774. Vielleicht sollen die Buchstaben P. A. N. auf den Verfertiger deuten; N bedeutet dann wohl Neukirchen? Printen, C., hat ein Geigengeschäft in Chicago Probst, Georg Christian. — Hamburg Ein Instrumentenmacher, der am 1. Juni 1798 Bürger wurde. Prochazka (Prochaska), Johann. — Prag. Geb. 28. Dez. 1818 in Prag, f daselbst B.Dez. 1880 Er war ein Schüler Joh. Bubeniks. Seine ältesten Ar- beiten gehen bis 1836 zurück. Im Jahre 1841 erwarb er das Bürgerrecht und wohnte zuerst Altstadt Nr. 856 und von 1859 an Nr. 604. Er besaß eine gewisse Ge- schicklichkeit, kam aber doch nicht recht vorwärts, so daß er die Stelle eines Kirchendieners in der Tein- kirche annahm. Proder s. Pradter Prokop — Psennef 397 Prokop, Anton. — Hlinsko. Geb. 9. Okt. 1777 in Hlinsko, t daselbst 21 . Aug. 1862 Er besaß sowohl als Geigenmacher wie als Klavier- macher einen guten Ruf und soll selbst Sohn eines Geigenmachers gewesen sein. Doch war es mir nicht möglich, etwas Sicheres hierüber zu erfahren. Prokop, Dominik Franz Seraf Matheus. — Hlinsko. Geb. 4. Okt. 1803, t 19. Dez. 1862 in Hlinsko Nachdem er bei seinem Vater Anton Pr. ausgelernt, ging er zu seiner Vervollkommnung nach Wien, ar- beitete dort jahrelang bei Staufer, ging dann für 6 Jahre nach Budapest und machte sich zuletzt in seiner Vaterstadt selbständig. Seine Instrumente zeichnen sich nicht nur durch guten Ton, sondern auch durch gediegene Ausarbeitung und meist auch durch reiche Einlagen und künstlerische Dekoration aus. Auf der Londoner Ausstellung erhielt er die goldene Medaille. Seine Instrumente werden jetzt gut bezahlt. Einige schöne Arbeiten von ihm bewahrt das böhmische Lan- desmuseum. Er hatte drei Söhne, von denen nur Ladi- slav das väterliche Kunsthandwerk ergriff. Die Klavier- virtuosin Cermäk in Kgl. Weinberge bei Prag besaß eine schöne, reich mit Perlmutter (auch an Zargen und Hals) eingelegte Geige von ihm. Geigenzettel: Franz Dominik / Prokop / verfertigt alle Arten / von / Streichinstrumenten , in Hlinsko (ge- druckt) und Abb. 624. Prokop, Ladislav Fr. — Chrudlm in Böhmen. Geb. 15. Aug. 1843 in Hlinsko Schüler seines Vaters Dom. Franz Pr., arbeitete von 1862 — 1864 bei Hofinstrumentenmacher David Bittner, ließ sich 1870 in Hlinsko als Geigenmacher und Nach- folger seines Vaters nieder und verlegte seinen Wohn- sitz 1875 nach Chrudim, wo er auch ein großes Musik- instrumentengeschäft begründete. Er arbeitet nach Stainer, Amati und Stradivari, sowie nach einem eigenen Modell, welches dem Stainerschen ähnlich ist, aber der modernen Spielweise mehr entspricht, und hat außer- dem Verbesserungen am Halse sowie am Wirbelkasten der Violine angebracht, um das Lockern des Halses und das Nachgeben der Wirbel zu verhindern. Er ver- wendet Spirituslack und hat mehrfach Medaillen er- halten. Geigenzettel : Ladislav F. Prokop Hotovitel / hudebnich nästroju v Chrudimi (gedruckt). Prott, Fran^ols. — Mirecourt. 1775 Nur von A. Jacquot genannt. Protter s. Pradter Prudhomme, Jean-Pierre. — Paris. 1753 Dieser Name ist mir bisher nur durch die Erwähnung bei Grillet bekannt geworden. Geigenzettel : Fait par Jean Pierre Pru- dhomme l'annee 1753 / ä Paris (gedruckt). PrüUer. — Schönbach b. E. Eine Familie, der folgende Geigenmacher angehören: Prüller, Anton. 1825 Er erlernte in Wien und Budapest das Gitarrenmachen und war einer der ersten, der dieses nach Schönbach verpflanzte. PrüUer, Franz, kommt 1826 als Meister vor Prüller, Johann, lebt in Wien und überrascht seine Kunden durch die Schnellig- keit, mit der er eine neue Geige herzustellen imstande ist. Man sagt, daß er schon einmal in 48 Stunden eine Violine fix und fertig machte. Prüller, Karl. — Geb. 23. Mai 1859 Schüler von Carl Loos, betreibt seit 1877 in seiner Ge- burtsstadt das Geigenmachergewerbe selbständig. Prüller, Lorenz, gehörte der Zunft um 1826 bereits an Prüller, Wenzl. - Geb. um 1800, f 1880 Pruggner, ein von Trautmann genannter Lautenmacher des 16. Jahrhunderts Psenner, Johann Georg I. — Innsbruck. Geb. um 1680 in Bozen, f 25. Okt. 1762 in Inns- bruck Was sich über sein und seines Sohnes Leben mitteilen läßt, verdankt man den verdienstvollen Forschungen Dr. Fr. Waldners. (Ferdinand. Ztschr. III. F. Heft 55.) Diese ergeben, daß Psenner schon 1703 beim chur- bayrischen Einfall in der Scharnitz und im Achentale Kriegsdienste leistete und dann noch 20 Jahre lang bei der Landmiliz diente. Am 9. Februar 1722 heiratete er in Innsbruck Maria Baumgartner, aber erst im Jahre 1732 wendet er sich an den Magistrat, um als Einwoh- ner und Lautenmacher zugelassen zu werden. Das Ge- such wurde am 9. September genehmigt. Im Jahre 1 753 erwirkte er außerdem seine Zulassung als Saitenmacher, und nebenbei betrieb er noch eine Kramerei mit Bän- dern und Spitzen (»Flor- und Fleckkrämerei«). Am 23. September 1743 ging er eine zweite Ehe mit Marie Mayr aus Bruneck ein. — Wo und wann er das Geigen- und Lautenmachen erlernt hat, steht nicht fest; er galt als tüchtiger Meister, Arbeiten von ihm sind mir aber bisher nicht bekannt geworden. Psenner, Johann Georg II. — Innsbruck. Geb. 17. Febr. 1747 in Innsbruck, f nach 1798 Sohn zweiter Ehe des Joh. Gg. I Ps. Schüler von Georg Kl^tz in Mittenwald, bei dem er seil 1761 fünf Jahre lang lernte, worauf er noch l\ , Jahre bei Se- bastian Klotz als Gehilfe arbeitete. Da starb seine Mut- ter, die die Saitenmacherei ihres verstorbenen Mannes fortgesetzt hatte, so daß der junge Joh. Georg Ps. nach Hause eilen mußte, um das väterliche Geschäft zu übernehmen. Er erhielt die obrigkeitliche Bewilligung 398 Puechler uzzini dazu im Jahre 1768 und heiratete am 21. Oktober 1771 Maria Witting, die aber schon nach drei Jahren starb. Am 3. Oktober 1775 ging er eme zweite Ehe mit Maria Kerschdorf aus Schwaz und nach deren Tod im Ok- tober 1794 eine dritte mit Barbara Paufler ein. Er hatte bei Georg und Sebastian Klotz etwas Tüchtiges ge- lernt ; um den Wettbewerb mit den Mittenwaldern aus- halten zu können, mußte er wohl auch billige Geigen machen, und das erklärt, daß es neben sehr schönen, tadellos ausgeführten Geigen auch solche gibt, bei denen Holz, Lack und Arbeit nur bescheideneren Ansprüchen genügen. Sein Modell schwankt zwischen Stainer und Amati, bei seinen guten Arbeiten ist der Lack hell- braun. Das Ferdinandeum besitzt von ihm außer einem Violoncello und einer Geige auch eine sehr schön mit Perlmutter eingelegte Mandoline; eine Viola von ihm befindet sich auf dem Pfarrchor in Bozen. Geigenzettel: Joan. Georg. Psenner, Lauten- ' Geigen- und Saitenmacher in Ins-/ brück. An. 1789. (Mit Rand- verzierung, gedruckt.) Puechler (Puchler), Marzell. — Salzburg. 1 601 Er ist wahrscheinlich aus dem salzburgischen Land- gebiet in die Stadt gekommen und war vielleicht der Vater Marzell Pichlers (s. d.), der sich in Hallein niedergelassen hat, wo sich das nötige Holz wohl leich- ter beschaffen ließ. Eine große Viola von ihm, an die Brescianer Schule erinnernd, hochgewölbt mit gelb- braunem Lack, befindet sich in Prag. Geigenzettel : Marcellus Puchler in / Saltzburg Fecit Ao. 1601 (geschrieben). Pürckl, Christ. — Regensburg Er wird von Mettenleiter als »Instrumenten- und Or- gelmacher« bezeichnet; ob er aber auch Geigen und rurdey S. Button Lauten gemacht hat, konnte ich nicht ermitteln. zu machen, und zwar, wie behauptet wird, mit solchem Erfolge, daß die ersten Künstler und Kenner, wie Ca- millo Sivori, der Herzog von Campo Seiice, Johann Wolf, Marco Sarti u. v. a. seinen Geigen die trefflichsten Eigenschaften nachrühmen, sie den Cremonesern so- wohl in bezug auf den Adel des Tons als auf den herr- lichen Lack gleichstellen und sie, was die Tonstärke anbelangt, sogar vorziehen sollen (?). Er hat ein eigenes Modell, das dem des Stradivari ziemlich ähnlich ist. Pupunat, Franq:oIs-MarIe. — Lausanne. 1837. t vor 1870 Er war ursprünglich Tischler und entwickelte sich zu einem geschickten Geigenmacher. Sehr saubere Ar- beit, dunkelgelber Spintuslack, verschiedene Modelle. Außer seinem Zettel verwendete er auch einen Brand- stempel mit seinem Monogramm. Eine gute Geige von ihm befindet sich im Museum des Pariser Konser- vatoriums (Nr. 1014). Eine Geige von ihm nach Stradivari besaß Jul. H. Zimmermann in St. Peters- burg. Saubere Arbeit, etwas zu flache Wölbung. Geigenzettel : Franciscus Maria Pupunatus / fecit Lau- sannae anno 1844 / F. M. P. (gedruckt). — Franciscus Maria Pupunatus / Fecit. / Lausannae Anno 1837 [und Monogramm] (gedruckt). Purdy. — London. 1851 Er soll eine Zeitlang mit Fendt zusammen gearbeitet haben. In einem Kontrabaß fand ich auch die Firma Purdy & Fendt. 1851 erhielt er eine Ausstellungsme- daille. Seine Arbeit wird gelobt; er verwendete einen guten Kopallack. Pürtzel (Pirtzl, Bürzel, Perzl, Perczl), Adam. — Prag, Kleinseite. Geb. in Schlaggenwald in Böhmen 1663 (getauft am 31. Aug. 1663), tum 1699 Er war der Sohn von Adam und Margarete Pürtzl, dürfte gegen 1690 nach Prag gekommen sein, erlangte zwischen 1692 — 1696 das Bürgerrecht und war seit 1696 mit Anna Marie Schweller aus Aussig verheiratet. Da seine Witwe schon am 6. Juni 1700 den Lauten- und Geigenmacher Seb. Rauch heiratete, dürfte er 1699 gestorben sein. Pugh, Johannes. — Altona. 1905 Erfinder eines Streichquartetts (Tischgeigen), das er unter dem Namen 1 . Diskant-Violinett, 2. Alt-Vioh- nett, 3. Tenor-Violinett und 4. Baß-Violinett in den Handel brachte. Er macht auch Zithern. Puppati, Dr. Francesco. — Udine. Geb. 31. Okt. 1838 In Udine Er ist von Beruf Jurist (Notar) und als Dilettant Vir- tuose auf der Geige. Ein begeisterter Verehrer der klas- sischen Meisterwerke der Cremoneser Schule, begann er nach gründlichen Vorstudien um 1880 selbst Geigen Purkholtzer (Burkholtzer), Hans. — Füssen. 1589. 1612 Er stammte aus Trauchgau, heiratete die Tochter des Lautenmachers Magnus Helmer und erlangte dadurch im Jahre 1589 das Bürgerrecht in Füssen. Er gehörte zu den Begründern der Lautenmacherzunft und er- scheint 1612 noch als Mitunterzeichner der Beschwerde gegen den Verkauf des besten, von den Lautenmachern gebrauchten Eibenholzes ins Ausland, an dem übrigens sein eigener Schwager beteiligt war. In der Wiener Sammlung alter Musikinstrumente befindet sich eine theorbierte Laute von ihm, die auf dem Rücken 21 Elfenbeinrippen zeigt. Das Griffbrett ist 330 mm lang, 75 — 107 mm breit, mit acht mobilen Saitenbünden, 1 1 doppelchöngen Saiten und zwei Sangsaiten. An der Untersaite der Griffbrettes befindet sich ein durch- brochenes Rankenwerk aus Elfenbein mit dem Mono- gramm M W (eines Besitzers? vielleicht M. Welsers?). Dis Gesamthöhe beträgt 874 mm. Im Innern zwei Zet- tel : der des Verfertigers und der Thom. Edlingers, der die Laute im Jahre 1705 ausgebessert hat. Geigenzettel: Hanns Burkholtzer Luaten / maher in Fiessen 1596 (geschrieben). Puzzini, Benedetto. Mandolinenmacher. R om. 1876 Pycroft — Radeck 399 Pycroft, Ernest. — Manchester. 1874 Gute Orchestergeigen tragen seinen Namen. Pyne, George. — London. 1891 Guter englischer Geigenbauer der Gegenwart. Qualzatta s. Gualzatta Quarmandi s. Guarmandi Quenoll, Charles. — Paris. Geb. 8. April 1878 in Mirecourt Ein geschickter Geigenmacher, der sich in Paris nieder- gelassen hat. Geigenzettel: CHARLES QVENOIL / No . . . / 8. Faub. St. Denis 8 — Paris: 19 . . (gedruckt). Quinerius, Hieronimus In einigen älteren Geigen findet man den Zettel mit dem Namen: »Hieronimus Quinerius Cremona Anno 1692«, — ein Beweis, daß der Geigenschwindel auch früher schon in plumpester Form im Schwange war, denn Amati und Guarneri mußten m diesem Falle bei der Erfindung des Zettels Gevatter stehen. Von Quinerius zu »Primerius« war dann nur noch ein Schritt. Quinot, Dominique. — Mirecourt. 1689 Wahrscheinlich ein naher Verwandter des in Paris tätigen Jacques Qu. Quinot, Jacques. — Paris. 1670. 1680 Richelet bezeichnet ihn als einen der geschicktesten und am meisten geschätzten Pariser Geigenmacher. In der Sammlung Loup befand sich eine lange, rebekartige Taschengeige mit geschnitztem Köpfchen und gelbem Lack von 1670. Der Name fand sich auch eingebrannt. Geigenzettel : Jacques Quinot / ä Paris 1 670 (gedruckt). Quintal, Antonio. — Funchal (Madeira). 19. Jahrhundert Vater und Sohn, nur als Mandolinenmacher erwähnens- wert. Geigenzettel : Antonio Quintal / Fabricante de Instru- mentes / de corda / Rua dos Tanueiros / Funchal (ge- druckt). R. C. F. s. C. F. R. Raab, Anton. — Schönbach. Geb. vor 1850, t 1898 in Schönbach Ich kenne Geigen von ihm mit der Jahreszahl 1870. Gute Schönbacher Arbeit. Raab, Hans. — München. Geb. 1855 in einem Pfarrdorf bei Nürnberg Schüler von Enzensberger in Wien, bei dem er seit 1868 durch 7 Jahre lernte. Von 1875—1884 arbeitete er bei Xaver Thumhart in München und später 1 ^i. Jahre in Salzburg. 1885 machte er sich in München selbständig. Er ist ein geschickter Geigenmacher, verlegte sich aber in der letzten Zeit mit Erfolg auf das Gitarrenmachen. Raab, Johann jun., lebt noch in Schönbach, wo seine Werkstatt seit 1865 besteht Raab, Karl. — Zombor (Bacska). 1885. 1903 Besserer ungarischer Musikinstrumentenmacher und -händler der Gegenwart, der außer Streichinstru- menten auch Schlag- und Blasinstrumente anfertigt. Geigenzettel: Jävitotta / Raab Karoly / mühegedü- keszitö. Zombor (gedruckt). Rabaglietti, Antonio. — Verona. 1652 Ein Geigen- und Lautenmacher, der in Valdrighis Ver- zeichnis (3870) vorkommt. Rabatta, Carlantonio. — 1 707 Er soll Geigenmacher gewesen sein; Valdrighi (4371) erwähnt ihn ohne Ortsangabe. Rabe, Johann Volkmann. — Nordhausen. 1742 Ein tüchtiger Harfenmacher, der wahrscheinlich auch Lauten gebaut hat. Eine hübsche chromatische Harfe, ein Schwesterstück zu der im Katalog des Musik- historischen Museums in Kopenhagen unter Nr. 262 aufgeführten Harfe, befindet sich in der Sammlung Robert Leibbrands in Berlin. Racceris (?), Nicolo (?). — Mantua. 1670 Ein auch von Vidal erwähnter Geigenmacher, dessen Name übrigens nicht feststeht. Manche glauben statt Racceris »Raineri* lesen zu müssen. Seine Geigen erinnern an die Arbeiten der Gagliani ; mit einem der- selben soll er zusammen gearbeitet haben. Auch Stra- divari ahmte er gelegentlich nach. Er scheint eine Vor- liebe für kleine Modelle gehabt zu haben. Merkwür- digerweise wird sein Name auf gefälschten Zetteln in allerlei alten, aber sicher nicht italienischen Geigen ge- funden und zwar mit Jahreszahlen, die bis 1839 reichen. Rachete, Franfois. — ? 1762 Ein französischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts, dessen Zettel Grillet mitteilt. Geigenzettel : Franfois Rachete / annee 1762 (geschr.). Radeck (Radek), Johannes. — Wien. 1778. 1797 Er wohnte wie Philipp Wurm und später Jak. Fux im Tiefen Graben Nr. 369 und legte am 18. September 1779 den Bürgereid ab. In den Steuerbüchern kommt er bis 1787 vor. Nach einer Viola und einem kräftig klingenden Violoncello zu urteilen, war er zwar nicht ungeschickt, aber auch nicht hervorragend. Auch in Graz war ein Radeck ansässig. Geigenzettel: Johannes Radeck, bürgerl. Lau- / ten- und Geigenmacher in , Wien 1793 (gedruckt). — Jo- hann Radeck bürgerl. / Lauten- und Geigenmacher / fecit. Vienne 1789 (gedruckt). 400 Radel Rallich Radel, Philippe. Bogenmacher. Mirecourt. 1778 V. Radivanowsky. — St. Petersburg. 1885 Ein kaiserl. russischer Oberst und Adjutant des Zaren, der sich Verdienste um die Erforschung des altita- lienischen Geigenlacks erworben hat. Radler, Emil, war im 19. Jahrhundert in Schäßburg (Segesvär) ansässig Radrizzoni, Angelo. — La Tour de Peilz bei Vevey. 1914 Er gilt als geschickter Geigenmacher, ebenso sein Sohn Carlo. Rae, John. — London (Battersea). Geb. 31. Oktober 1847 Durch Versuche und eifriges Studium kam er zu einem eigenen Modell, dem Meredith-Morris in »The Strad« (1900, 128) besondere Vorzüge nachrühmt. Geigenzettel: No. 19 /JOHN RAE, Maker / London 1899. (gedruckt). Raeburn, Geo R. — West Calder. Geb. 1846 Bruder von John R. Seine Geigen sind nach Cremoneser Muster und nach eigenen Ausmessungen gebaut. Auch sein Bruder Alex. R. in Leven Fife soll gute Geigen gemacht haben. Raeburn, John. — St. Andrews. Geb. 1833 in »Bungs of Cassingrae« (Schottland) Ein Großneffe des berühmten schottischen Malers Henri Raeburn und selbst ein geschickter Maler und Dichter usw. neben seinem Beruf als Geigenmacher. Er war der Sohn eines Bergmanns und begann auch als solcher seine Laufbahn. Sein Vater war aber nebenbei ein tüchtiger Geiger und unterrichtete ihn frühzeitig im Vioiinspiel. So kam es bald, daß er sich für das Geigenmachen interessierte. Von Liebhabern er- muntert, wagte er seine ersten Versuche, und im Anfang der 60er Jahre machte er seine ersten Geigen. Eifriges Studium und eine angeborene Geschicklichkeit halfen ihm dabei ; jetzt gilt er als einer der besten schottischen Geigenmacher und erhielt mehrere Ausstellungs- medaillen. Er benutzt verschiedene Modelle, haupt- sächlich aber die des Stradivari und des Guarneri. Er arbeitet sorgfältig, macht im Jahre nur fünf Geigen und verwendet braunen oder goldgelben Ollack. Seine Bio- graphie findet sich in »The Strad«, ferner in The Peoples Journal (16. Aug. 1902) usw. Geigenzettel : John Raeburn / Maker / Largoward, St. Andrews / 1 902. (gedruckt). Raetzen, Daniel. — Hamburg. 1732 Eine Altviola aus der Boersschen Sammlung im Rijks- museum in Amsterdam trägt diesen Namen. In Ham- burg ließ sich ein Geigen- und Lautenmacher D. Raetzen nicht nachweisen. Gleichwohl gehört er zu den besten Hamburger Meistern und kommt den Italienern sehr nahe. Lack und Arbeit sind sehr schön. Geigenzettel : Daniel Raetzen / Fecit, Hamburg Anno 1 732 (gedruckt). Raffaele s. Ravanelli Raffy, J.— Avignon. 1893 Ist mir nur als Reparateur bekannt geworden. Geigenzettel: Repare par J. Raffy ;' Avignon 1893 (ge- druckt). Ragona, Pietro. — Palermo. 1840 Siebensaitige Gitarren von ihm sind nicht schlecht ge- arbeitet, wenn sie auch keine bemerkenswerte Meister- schaft bekunden. Ragus (Rogus?), Antoine. — Nantes. 1749 Der Name auf seinem Zettel in einer Violine war nicht sicher zu lesen. Geigenzettel: Antoine Ragus a Nantes, 1749. (ge- druckt). Rahm, Heinrich Hermann. Geb. 29. März 1846, lebte als Geigenmacher in Markneu- kirchen Rahn, Wf". — Minneapolis (Minn.). Geb. 1859 in Friedrichroda Schon als Kind erlernte er von seinem Vater, der ein Böttchermeister war und aus Liebhaberei die sog. Thüringer Waldzither anfertigte, das Zithermachen. Seit seinem achten Lebensjahre wurde er als Geiger ausgebildet und versuchte sich wiederholt als Geigen- macher, wobei ihm der sachkundige Beistand eines Markneukircheners nicht fehlte. 1882 ging er als Musiker nach Amerika: 1885 nahm er das Geigen- machen wieder auf und gilt jetzt als tüchtiger Repa- rateur. Er macht auch Harfen und betreibt einen Handel mit alten Geigen. 1900 besuchte er Deutsch- land wieder und kam dabei mit zahlreichen Geigen- machern in Beziehung. Railich, Giovanni (Zuane). — Padua. 1672 1678 Er war der Lehrer von Mathias Klotz und jedenfalls ein Verwandter (vermutlich der Sohn) von Pietro R. Auf dem Lehrbrief unterschreibt er sich »Zuane Railihe«. Auch er führte das Ladenschild »al Santo«. Von ihm dürfte ein Calascione in der Sammlung Correr in Venedig herrühren. Geigenzettel : Abb. 656. Railich (Relich), Matteo. — Brescla. Geb. um 1614, lebte noch 1655 Er war der Sohn eines Andrea R. und von deutscher Herkunft. In seiner Steuererklärung von 1655 nennt er sich *>cittadino et habitante in Brescia, con l'essercitio di far liuti e chitare« und glbi seine Wohnung an in der »contrata della Palada«. Auch erwähnt er, daß er seinem Bruder, dem Lautenmacher Pietro R. in Venedig, 250 L. schuldig sei. Railich — Rance 401 Railich, Pietro. — Venedig, Padua. 1644. 1670 Sohn des Andrea R. und Bruder von Matteo R. Er lebte bis ]655 in Venedig und später in Padua. Eine Laute von ihm, aus Venedig datiert (später [1695] von Matth. Hummel »zugericht«), besitzt das Germanische Museum in Nürnberg; eine andere (aus Padua) be- findet sich im großh. Museum in Darmstadt (Nr. 482); eine hübsch eingelegte Gitarre besitzt die Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (Nr. 35) und eine Taschengeige mit der vielleicht falsch ge- lesenen Jahreszahl 1690 T. W. Taphouse. Geigenzettel: Pietro Railich / alla Givia Venetia 1644 (gedruckt). — Pietro Railich / AI Santo in Padova 1655 (gedruckt). Raimondi s. Dr. G. Young Raison, Ferry. — Mirecourt. 1770 Bogen mache r. Raistrick, John W. — Bradford. 1810 Geigenmacher und Reparateur. Rakeman, Nicolas. — Brügge. 1449. 1515 Er wird in den Archivalien als »maistre Nicolas Rake- man lutemakere« bezeichnet. Rakowski, A. — Paris, Grenoble. 1834. 1856 Ein polnischer Violoncellist, der 1834 in Paris und später in Grenoble als Lehrer seiner Kunst ansässig war. Er hat allerlei Erfindungen gemacht, u. a. Violin- und Violoncellobogen, die er wohl auch berufsmäßig herstellte. A. Sowinski bezeichnet ihn ausdrücklich als »luthier*. Rambaux, Claude -Victor. — Paris. Geb. in Darney (Vogesen) am 25. Februar 1806, t am 25. Juni 1871 in Mirecourt Einer alten Geigenmacherfamilie entstammend, kam er mit seinen Eltern bald nach seiner Geburt nach Mire- court, wo er im Alter von 14 Jahren bei L. Moitessier in die Lehre trat. Von 1824 — 1827 arbeitete er bei Thibout in Caen, wendete sich dann nach Paris und trat am 22. August 1827 bei Gand (Vater) ein. Bei diesem reifte er zum Künstler heran, so daß er bald erster Gehilfe wurde. Er blieb bei Gand bis 1838 und eröffnete am 7. Juni 1838 im Faubourg Poissonniere Nr. 18 seine eigene Werkstatt. Daß er neben Lupot, Pique, Gand, Bernardel und Vuillaume schnell zu großem Ansehen gelangte, beweist am besten die Vor- züge seiner Kunst. Im Jahre 1857 gab er sein Geschäft in Paris auf und zog sich nach Mirecourt zurück, aber immer noch aus Liebhaberei fleißig schaffend. Die Nachricht, daß sein jüngerer Sohn bei Beifort gefallen sei, brach dem sonst noch so rüstigen Manne das Herz, und er überlebte den schweren Schlag nicht lange. Er war eine echte Künstlernatur, ein feiner Kenner und von nimmermüder Arbeitslust. Im Neubau leistete er Hervorragendes, doch hat er nicht allzu viele Geigen ge- macht, da er hauptsschlich als Reparateur beschäftigt wurde. Sein Lack war zu dick und hat wenig Leucht- kraft. Ein besonderes Geschick besaß er in der Ver- V. Lii t ge n d o rf f , Geig-en- und Lautenmacher. Bd. II kleinerung (»recoupage«) zu großer alter Violoncelli und Bässe. Weniger glücklich war er mit seinen Ver- suchen, die Wölbung, die Zargen und selbst die äußere Form der Geigen zu ändern. Erfolglos bemühte er sich auch, ein Verfahren zu erfinden, um das Holz künstlich alt zu machen, die Wölbung durch Biegen über dem Feuer herzustellen und den Ton durch Einsetzen eines doppelten Bodens zu erhöhen. Sein ihn überlebender Sohn ist nicht Geigenmacher geworden, Geigenzettel : Abb. 646. Ramftler, Franz. — München. Geb. 23. Mai 1834 in München Schüler von Andreas Engleder, bei dem er auch, nach- dem er ausgelernt hatte, noch verblieb. Nach kurzem Aufenthalt in Karlsruhe gründete er 1 864 sein Geschäft in München und wurde bald zum Hofinstrumenten- macher ernannt. Er verlegte sich zunächst auf Repa- raturen und den Handel mit italienischen Instrumenten und reiste alljährlich zweimal zu diesem Zwecke nach Italien. Im Jahre 1889 setzte er sich zur Ruhe, und erst von da an machte er mit größerem Eifer neue Geigen nach Stradivari, die er mit einem von ihm erfundenen, seit 40 Jahren erprobten Lack lackiert, dem er es hauptsächlich zuschreibt, daß seine Geigen sofort gut klingen und leichte Ansprache haben. Für seine Geigen, sehr gute Orchesterviolinen mit schönem Holz, Lack und Ton, erhielt er schon 1873 in Wien ein An- erkennungsdiplom. Auch ein Wilhelm R. war 1882 in München tätig. Geigenzettel : Franz Ramftler / Hofgeigenmacher (ge- druckt). Ramolo, Giovanni. — Rom. 1626 Er stammte aus Genua und war in Rom als Lauten- macher in der Nähe der Kirche S. Lorenzo ansässig. Ramsay, William. — Biggar. Geb. 16. Januar 1869 in Biggar Ein Liebhaber, der eine Anzahl guter Violinen nach Stradivari gemacht hat. Er verwendet Ollack. Geigenzettel: W. Ramsay / Biggar / 1897 (gedruckt). Ramusio, Giovanni. — Turin. 1779 Selten vorkommender Lautenmacher. Eine Mandoline von ihm besitzt das Landesgewerbemuseum in Stutt- gart (Nr. 9, 19). Ranaldi, Antonio. — Neapel. 1898 Er sowohl als sein Sohn gelten als gute Mandolinen- macher. Rance, Thomas. — Brüssel. 1681 Verschiedene Schriftsteller erwähnen, aus der gleichen Quelle schöpfend, diesen Namen, der sich auf einem geschriebenen Zettel in einer Geige befunden haben soll. Es war mir jedoch unmöglich, irgendwelche Doku- mente für die Existenz dieses Geigenmachers zu ver- schaffen. Auch Vidal und de Piccolellis kennen ihn nicht. 26 402 Ranta — Ra Ranta, Pietro. — Brescia. 1733 Im Anfang des 1 9. Jahrhunderts gehörte er noch zu den von Geigern bevorzugten italienischen Meistern. Seine Geigen müssen durch das Alter statt gewonnen, ver- loren haben, da es sonst nicht begreiflich wäre, daß man gerade ihn einmal besonders schätzte ; denn er war nur ein schwächlicher Amatinachahmer. Rantzeler, Balthasar. — Hamburg. 1690 Der Name dieses Instrumentenmachers kommt im Hamburger Retardenbuch am 14. November 1690 vor. Raphael. — Brescia. 19. Jahrhundert Nach Valdrighi (2558) ein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorkommender Geigenmacher. Raphanelli s. Ravanelli Rapolt, Georg. — Regensburg. 1 603 In Urkunden wird er »Leuermacher« genannt. Ob er Leiern oder Lauten gemacht hat, ließ sich bis jetzt nicht feststellen. Rasche, Hermann, lebte im 19. Jahrhundert in Hannover Rasmussen, Anders. — Aarhus, Kopenhagen. Geb. 25. Januar 1862 Schüler von F. W. Hansen in Randers. Er ließ sich als Geigenmacher erst in Gandlöse (Viksö), im Jahre 1888 in Aarhus und zuletzt in Kopenhagen nieder; er arbeitet hauptsächlich nach Stradivari und verwendet einen Lack von eigener Zubereitung. Seine Geigen tragen nachfolgenden Brandstempel. Er gilt als einer der besseren dänischen Geigenmacher der Gegenwart. Brandstempel: Anders Rasmussen / Aarhus 1888. Rastelli (Pastelli?). — Genua. 1822 Ein braver Geigenmacher, aber kein Künstler, dessen Arbeiten indessen durch das Alter ein wenig gewonnen haben. Rasura, Vincenzo. — Lugo. 1 785 Vidal, Valdrighi (2560), Grillet usw. kennen ihn nur dem Namen nach, und auch mir war es nicht möglich, Arbeiten von ihm ausfindig zu machen. Rau, August. — Markneukirchen. Geb. 26. Juni 1866 m Siebenbrunn Er lernte von 1880 — 1884 das Bogen machen und setzte seine Studien noch als Gehilfe fleißig fort, so daß er bei Wilhelm Knopf in Dresden Aufnahme fand, wo er sich zu einem vollkommenen Künstler in seinem Fache aus- bilden konnte. Er arbeitete dann noch bei A. R. Weichold und eröffnete im Jahre 1890 in Markneu- kirchen seine eigene Werkstatt. Da er zur Herstellung seiner Bogen nur das allerbeste Material verwendet, eine seltene Handfertigkeit besitzt und ein genauer Kenner der Tourteschen Schule ist, verstand er es bald, sich in Musikerkreisen einen großen Ruf zu verschaffen. und darf heute als einer der tüchtigsten Bogenmacher nicht nur Markneukirchens, sondern ganz Deutschlands betrachtet werden. Gleich seinen Violinbogen sind auch seine Violoncellobogen ausgezeichnet, sie be- stehen aus einem Stück echten Pernambukholz, das sich spalten läßt, mit harten, genau durch die Mitte der Stange laufenden Jahren, und wiegen trotz ihrer un- übertrefflichen Festigkeit doch nur 74 — 75 g. Seine Bogen kommen den besten französischen gleich. Sem talentvoller Sohn Charles (geb. 7. September 1891) erlernte bei ihm das Bogenmachen, arbeitete dann in Amsterdam und war als ein hervorragender Künstler in seinem Fache angesehen. Als der Krieg ausbrach, folgte er freudig dem Ruf zu den Fahnen und ist leider auf dem Felde der Ehre gefallen. Rau, Johann Friedrich. — Nürnberg. Geb. 13. August 1820, f 29. Oktober 1902 Er war ursprünglich Paternostermacher (Beinknopf- drechsler) und lernte als solcher in Wien einen Geigen- macher kennen, von dem er die ersten Anleitungen im Bau von Musikinstrumenten erhielt. Durch eifrige Studien vervollkommnete er sich darin so, daß er, als er nach Nürnberg zurückkam und sich verheiratete, im- stande war, sich 1 848 als Geigenmacher niederzulassen. Seine sorgfältige und gediegene Arbeit verschaffte ihm bald einen festen Kundenkreis, bei dem er in hohem Ansehen stand. Doch war er ein schlichter, ehr- licher Mann, der jeder Ruhmredigkeit abhold war, so daß sein Ruhm nicht in weitere Kreise drang. Er hat im ganzen etwa 160 neue Geigen, 48 Violen und etwa 40 Violoncelli gemacht. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts machte er auch viele Zithern, die sehr gelobt werden. In der Wiederherstellung alter Geigen war er seiner Zeit hochgeschätzt; er war ein gewiegter Kenner alter Instrumente und hat u. a. zwei Harfen des Germanischen Museums so genau kopiert, daß man sie mit den Originalen verwechseln konnte. Diese Harfen kamen in das Brüsseler Museum. Er hat auch allerlei wertvolle Erfindungen gemacht, so eine Beinknopf- maschine, einen Specksteinbrenner für Gaslampen usw. — Für seine Geigen erhielt er 90 — 200 Mk., in einzelnen Fällen jedoch auch 500 Mk. Manche davon sollen jetzt mit italienischen Zetteln versehen im Handel vorkommen und hohe Preise erreichen. ■ — Ein recht gutes Violoncello von ihm besitzt sein Sohn Georg Rau, Solocellist und Mitglied des Bühnenfestspiel- Orchesters in Bayreuth. Rau, Karl. — Nürnberg. Geb. 28. Oktober 1870 in Nürnberg Sohn und Schüler von Joh. Friedr. R. Nachdem er schon seit 1893 der väterlichen Werkstatt vorgestanden, wurde er 1896 der Nachfolger seines Vaters, nach dessen strengen Grundsätzen er mit Geschick weiter arbeitet. Er hat bisher 30 neue Violinen, 8 Violen, 12 Violoncelli und 11 Viole d'amore gemacht; er ahmt die alten Italiener sorgfältig nach, bereitet seinen Lack (Mastix und Spirituslack) selbst und gibt ihm goldgelbe oder braune Färbung. Seine Kopien alter Liebesgeigen sind von lobenswerter Treue und Klangschönheit. Er ist ein ausgezeichneter Geiger und spielte schon seit seinem 15. Jahre im jetzigen Bruchschen Orchester R au Rauch 4Ö3 (früher Winderstein) in allen Konzerten mit, was ihm Rauch, Johannes. — Komotau (Böhmen) als Geigenmacher sehr zum Vorteil gereicht. Seine Arbeit ist bei Musikern sehr beliebt. Geigenzettel: Carl Rau • Nürnberg / Lauten- u. Geigenmacher, (gedruckt). Rau, Paul. - Nürnberg. Geb. 1857, f 1882 in Nürnberg Sohn und Schüler von Joh. Friedr. R. Er berechtigte zu schönen Hoffnungen und hat etwa 12 neue Geigen selbständig gebaut, die in jeder Beziehung vollendet waren, doch erlag er schon in jungen Jahren einem Gehirnleiden. Rauch, Christoph Johann. — Komotau. Geb. H.März 1728. t nach 1792 Sohn des Johannes R. und wahrscheinlich auch sein Schüler. Er war seit 23. Februar 1749 in erster Ehe mit Maria Kath. Fr. Schmidt verheiratet, von der er drei Söhne und drei Töchter hatte. Seine zweite Frau hieß Magdalena; von dieser hatte er auch einen Sohn. Seine Arbeit ist oft originell, der Lack braunrot. Das Stift Ossegg besitzt eine Viola d'amore von ihm aus dem Jahre 1747 (Kat. Nr. 20). Geigenzettel: Christoph Rauch Lauten- und Gei- (geschrieben). — 1720. 1760 Vielleicht Sohn des Prager Sebastian R. Er verhei- ratete sich am 13. Januar 1739 mit Anna Kath. Webs in Komotau und hatte drei Söhne und drei Töchter. Seine Geigen sind nach der Form gemacht, die Wölbung nach Stainer, der Öllack von gelbbrauner Farbe, der Ton ansprechend und gut. Das Stift Ossegg besitzt eine Geige von ihm (Kat. Nr. 28.), eine Taschengeige das Kopenhagener Museum (Nr. 413). Geigenzettel: Johannes Rauch Violin und / Lauten- macher in Commotau Ao. 1760 (gedruckt). — Johannes Rauch Geigen- und Lauten / Macher in Comothau / Anno 1742 (gedruckt) und Abb. 644. Rauch, Johannes. — Kirchberghausen, Mitter.- wald Ein schwer leserlicher Zettel aus einer mittelmäßigen Geige, der der Schrift nach dem 18. Jahrhundert ange- hört, lautet : Johannes v. Kirchberghausen / Rauch (in ?) Mittenwald. In Mittenwald ist dieser Rauch bisher nicht nachzuweisen gewesen. Ob er mit dem Komo- tauer Meister in Verbindung gebracht werden kann, wage ich nicht zu behaupten, doch wäre es denkbar. genmacher in Co.r.othau 1764 ,^ . ■ \y Christoph Rauch, Lauten- u. / Geigenmacher in Com- Rauch, Johann Sebastian. — Komotau. 1 738. 759 motttau ; 1 747 (gedruckt). Rauch,Jakob.Bruck(imPinzgau?). 1713. 1715 Er stand wahrscheinlich in f ürstbischöfl. salzburgischen Diensten und soll auch in Salzburg selbst tätig gewesen sein. Eine Geige von ihm befindet sich im städtischen Museum Carolino-Augusteum in Salzburg. Ob er mit dem gleichnamigen Mannheimer Meister identisch ist, was der Zeit nach nicht unmöglich wäre, will ich nicht entscheiden. Geigenzettel : Jacob Rauch, Hof- und bürgl. / Geigen- macher in Brugg 1715 (gedruckt). Rauch, Jakob. — Mannheim. 1720. 1763 Er stand in Mannheim, wo er seit mindestens 1 723 Hof- Lauten- und Geigenmacher war, in einem gewissen An- sehen; seine Liebesgeigen mögen auch recht gut ge- wesen sein ; besondere Sorgfalt auf die Wahl des Holzes verwendete er jedenfalls nicht, und seine Violinen und Bratschen zeigen recht gewöhnliche Arbeit. Das meist breite Modell erinnert an die schwäbische Schule ; hohe Wölbung, unschöne F-Löcher, Hals und Schnecke oft aus Birnbaum, trüber, braungelber Lack. In den Hof- kalendern und Hof Orchesterbesoldung ;listen kommt er 1723, 1734 und 1745 vor; 1747, 1748 und noch 1759 wird er auch als >>Calcant<> bezeichnet. In Geigen findet man noch die Jahreszahl 1763. Das Mannheimer Theaterorchester besaß im Jahre 1820 noch eine Alt- viola und zwei Violinen von ihm aus den Jahren 1 746 und 1756 und ein Violcncello von 1734. Der Mann- heimer Altertumsverein besitzt ein Violoncello von ihm vom Jahre 1740. Geigenzettel: Jacob Rauch, Geigenmacher / in Mann- heim Anno 1763 (geschrieben). — Jacob Rauch Hoff- Lauten- und Geigen- / macher in Mannheim. Anno 1740 (gedruckt). Sohn von Johannes R.? Er war mit einer Maria Kath. verheiratet und hatte einen Sohn und eine Tochter. Geigenzettel : Sebast. Rauch / feci Komotau / ano 1759 (gedruckt). Rauch, Josef. — Würzburg. Geb. 19. März 1701 in Prag, lebte noch nach 1760 Ältester Sohn von Sebastian Rauch und wohl auch dessen Schüler, Bruder von Th. Rauch in Breslau, dem er in vieler Hinsicht gleichkommt. Rauch, Josef I Johann. — Komotau. Geb. I.November 1722, t nach 1795 Sohn und Schüler von Johannes R., den er nachahmte aber nicht erreichte. Seine erste Frau, die er am 18. Januar 1744 heiratete, hieß Anna Kath. Dobrauer (t 1769). Er hatte zwei Söhne und zwei Töchter. Er arbeitete nach der Form und verwendete einen dunkel- braunen Spirituslack. Eine Geige von ihm aus dem Jahre 1762 besitzt das Benediktinerstift St. Margareth bei Prag, eine von 1776 die St. Thomaskirche in Prag. Geigenzettel: Joseph Rauch Lauthen- und Geigen- / macher in Commothau. 1795 (gedruckt) und Abb. 641. Rauch, Josef II. — Komotau. 1834 Wahrscheinlich ein Sohn von Jos. R. I. In der fürstlich Lobkowitzschen Sammlung auf Schloß Roudnic be- finden sich drei Violinen von ihm aus dem Jahre 1834. Geigenzettel : Joseph Rauch me fecit / Comotovii anno 1834 (gedruckt). 26* 404 Rauch — Rauer Rauch, Sebastian. — Prag. 1700. 1724 Er soll aus dem Augsburgischen stammen und nach Prag gekommen sem, nachdem er vorher bei Schelle in Nürnberg gearbeitet hatte. Er wohnte auf der Klein- seite und erlangte am 7. September 1700 das Bürger- recht, nachdem er schon am 6. Juni desselben Jahres Anna Marie, die Witwe des Geigenmachers Pürtzel, geheiratet hatte. Er kam bald zu großem Ansehen und war ein sehr tüchtiger Meister. Er hatte zwei Söhne: Joseph und Thomas. Seme Tätigkeit läßt sich in Prag bis 1724 verfolgen; er scheint dann gestorben zu sein, wenn man nicht annehmen will, daß er ausgewandert ist, wozu er keinen erkennbaren Grund gehabt hätte. Immerhin kommen Geigen vor, die 1725 von einem Sebastian Rauch in Hamburg gefertigt sein sollen. Dort aber läßt sich ein Seb. Rauch urkundlich nicht nachweisen. Da der Name Sebastian Rauch oben- drein von mehreren Geigenmachern geführt wurde, könnte, selbst wenn ein solcher Nachweis gelänge, die Identität mit dem Prager Meister nicht leicht fest- gestellt werden. Seine Arbeit ist manchmal unschön in der Form, immerhin aber sehr sorgfältig und originell; auch nahm er die Wölbung häufig flacher als seine Zeit- genossen ; besonders schön ist jedoch sein gelber Lack, und den Ton verstand er zweifellos vortrefflich zu be- rechnen. Eine Geige von ihm aus dem Jahre 1714 be- sitzt das Stift Ossegg, eine andere war auf der Prager ethnographischen Ausstellung von 1895 zu sehen. Einen Kontrabaß von 1713 besitzt die Prager Kreuz- herrenkirche, eine Violine von 1713 besaß die Aller- heiligenkirche in Prag. Geigenzettel : Abb. 635 und 642. Rauch, Sebastian. — Breslau. 1730. 1779 Wahrscheinlich ein Sohn von Thomas und Enkel von Sebastian Rauch, jedoch nicht identisch mit dem später in Leitmeritz ansässigen Seb. Rauch. Auch er hatte ein eigenes, hochgewölbtes Modell und arbeitete nicht schlecht; nur nahm er das Holz meist viel zu dünn. Sein Lack ist fast ganz schwarz. Eine Viola und ein Violoncello von ihm besitzt K. Friedrich in Posen. Geigenzettel : Sebastian Rauch / fecit Wratislawiae 1 779 (gedruckt). — Sebastianus Rauch me / fecit / Wratis- laviae 1 753 (gedruckt). Rauch, Sebastian. — Komotau, Leitmeritz. Getauft 1 . Dezember 1711 in Prag, f 28. No- vember 1801 Sohn des gleichnamigen Prager Meisters, daher keinesfalls mit ihm identisch, wie manche glauben wollen. Er heiratete m Komotau am 3. Februar 1739 Anna Kath. geb. Lessig und scheint wiederholt in Komotau gearbeitet zu haben, wie eine von dort im Jahre 1761 datierte Violine vermuten läßt. Am 1 1. Jan. 1774 ging er in Leitmeritz eine zweite Ehe mit Josefa Beck ein. Im Jahre 1744 kaufte er in der Vorstadt Dubina ein Haus, erlangte am 13. Mai 1755 das Bürgerrecht in Leitmeritz und war seit 1770 Eigen- tümer des Hauses Nr. 1 46 in der Rauchfangkehrergasse. In den Urkunden wird er »fidifex« und »fidenifex« ge- nannt. Er arbeitete nach der Form und hatte ein ei- genes, dem Stainerschen ähnliches, hochgewölbtes Modell. Seine Arbeit ist sehr sauber, der (Spiritus)- Lack meist schwarzbraun, seltener goldgelb. Der Ton ist weich, trägt jedoch nicht, so daß seine Instrumente im Orchester wenig Wert haben. Geigenzettel : Sebastian Rauch, Lauten- und/ Geigen- macher in Leitmeritz 1 780 (gedruckt). Rauch, Thomas. — Breslau. Geb. 17. Dez. 1 702 in Prag, lebte noch nach 1 746 Sohn von Seb. Rauch in Prag und vielleicht ein Schüler seines Taufpaten Thomas Edlinger, an den seine besseren Arbeiten erinnern. Er hatte ein eigenes, hoch- gewölbtes Modell und verwendete einen jetzt sehr dunkel aussehenden Lack. Arbeit, Holz und Ton sind recht gut. In Breslau ist er schon 1737 nachzuweisen. Eine sehr schöne, an Tielkes Arbeiten erinnernde Viola d'amore mit geschnitztem Köpfchen befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln. Geigenzettel : Abb. 639. Rauch. — Hamburg In vielen Verzeichnissen wird ein Rauch als Hamburger Geigenmacher angeführt. Hart nennt ihn Sebastian und gibt das Jahr 1725 an. Es wäre ja möglich, daß der Prager Meister, der dort nur bis 1724 nachweisbar ist, nach Hamburg übersiedelte, aber nachweisen läßt sich das. nicht. Vielleicht ist der Hamburger Rauch jedoch dadurch entstanden, daß der Engländer Burney, der 1772 nach Antwerpen kam, erzählt, er habe dort im Hause der hanseatischen Kaufleute (der Osterlinge) eine Sammlung von 30 — 40 teilweise ungewöhnlich großen Flöten (Schalmeien) aus älterer Zeit gesehen, die in »Hamburg angefertigt« gewesen wären und den Namen Caspar Rauchs Scrattenbach trugen. Es waren wahr- scheinlich große Pommern, die von Hamburger Kauf- leuten dorthin gebracht wurden; ihr Verfertiger aber lebte nicht in Hamburg, sondern in Schrattenbach (zwischen Kaufbeuren und Kempten), wo noch andere Mitglieder der Familie in gleichem Berufe tätig waren (so Hans Rauch, von dem eine Baß-Pommer im Münchener National-Museum sich befindet). Aus dem Burneyschen Buch ging der Name Rauchs als eines Hamburger Meisters wohl in andere Schriften über; allmählich verwandelte er sich dabei in einen Geigen- macher, und Fetis gab ihm sogar den Namen Gaspard Rancho. Es wäre immerhin — so unwahrscheinlich es an sich ist — möglich, daß Caspar R. auch Lauten- instrumente gemacht haben könnte; möglich ist ferner, daß Sebastian Rauch, der ja aus dem »Augsburgischen« (ein weiter Begriff) nach Prag gekommen sein soll, aus Schrattenbach stammte. Rauche, Michael. — London. 1762. 1770 Ein Lautenmacher, dessen Name sich in einer mit Elfenbein eingelegten Theorbe im South Kensington Museum findet. Eine Zither von ihm stellte A. F. Hill in der Londoner Music Loan Exhibition 1904 aus. Geigenzettel: Rauche in Chandos Street / London, 1 762 (gedruckt). Rauer, Georg. — Wien. 'Geb. 1879 in Wien Schüler von Carl Haudek, bei dem er im Jahre 1893 in die Lehre trat und nach beendigter Lehrzeit noch zwei Rauser — Ravenna 405 Jahre lang als Gehilfe blieb. Er arbeitete dann von 1898 bis 1899 in Budapest und war darauf sieben Jahre lang bei W. Th. Jaura tätig. Im Januar 1907 machte er sich in Wien selbständig und begründete ein Zweiggeschäft in Karlsbad, das er jedoch wieder aufgab, um seine ganze Kraft seinem nun vergrößerten Hauptgeschäft m Wien widmen zu können. Er ist ein talentvoller Geigen- macher und geschickter Reparateur. Am 1. Juni 1910 kaufte er das Geschäft von C. H. Voigt und verlegte es in die Friedrichstraße Nr. 4. Geigenzettel : Abb. 629. Rauser (Rauscher), Sebastian. — Verona. 1590. 1605 Baron nennt ihn in seiner Untersuchung der Instr. des Lauten irrtümlich »Rausgier«, und seitdem fmdet man ihn überall in dieser Schreibart angeführt. Baron schreibt : »Sebastian Rausgier, der Anno 1 594 (wo aber, ist mir nicht bekannt) gelebt, hat gute Lauten mit breiten Spanen gemacht.« Wahrscheinlich stammte er aus Füssen oder Vils, wo der Name Rauscher heimisch ist. so war Katharina, die Mutter des Geigenmachers Anton Rief eine geborene Rauscher. — Eine Laute von ihm befindet sich in der Kunst- und Altertümer- sammlung auf der Veste Koburg. Geigenzettel: Sebastian rauser in Verona 1605 (gedr.). Raut, Jean. — Rennes (Bretagne). Geb. um 1719, t 1791 Nicht ungeschickt; die wenigen Geigen, die man von ihm kennt, zeigen zwar gutes Holz, gute Arbeit und roten Lack, sind aber plump In der Form und haben einen näselnden Ton. Rautmann, Carl. — Braunschweig. Geb. 7. Oktober 1818, t 16. September 1895 Er ließ sich 1845 als Geigenmacher in Braunschweig nieder, wo er später zum herzogl. Hofinstrumenten- macher ernannt wurde. 1873 erhielt er auf der Wiener Weltausstellung ein Anerkennungsdiplom. Rautmann, Gustav. — Braunschweig. Geb. 1849 zu Braunschweig, f 21. Januar 1917 Schüler seines Vaters Carl R. (von 1863 — 1869) und seit 1895 dessen Geschäftsnachfolger. Er dehnte das Geschäft weiter aus und arbeitet hauptsächlich nach Stradivari, aber auch nach anderen Modellen, und wendete sowohl Ol- als Spintuslack an. Geigenzettel: C. Rautmann, / Hofinstrumenten- macher / Braunschweig (gedruckt). Rautmann, Hermann. — Magdeburg. Geb. 1853 m Braunschweig Schüler seines Vaters Carl R. Im Jahre 1877 übernahm er die Werkstatt Ferd. Haases und gilt heute als der beste Magdeburger Geigenmacher. Er arbeitet nach guten italienischen Vorbildern, ist sorgfältig in der Ausführung und setzt seinen Lack nach eigenem Re- zept zusammen. Als Reparateur wird er sehr gelobt. Geigenzettel : fecit / Hermann Rautmann , Magdeburg 18 . . (gedruckt). Rauwolf (Rauchwolf f), Sixtus. — Augsburg, Geb. um 1556, t nach 1619 Zufolge des Augsburger Hochzeitsprotokolls erhielt der Lautenmacher Sixt Rauwolf am 27. Januar 1577 den obrigkeitlichen Konsens, sich zu verheiraten. Der Ein- trag lautet: »Six Rauwolf und Margreth Schlaurin, weyland Sturms Lauttenmachers, seligen, nachge- lassne Wittib, bede Burgere; seyn Beystand Ulrich Rauwolf, Handelsmann, uff ihre saitten (d. i. ihr Bei- stand) Jcremias Sturm, Kistler«. Wahrscheinlich war er Geselle bei dem Augsburger Lautenmacher Sturm und hat nach dessen Tode die Witwe geheiratet. In einem Meisterregister von 1619 wird er noch angeführt und sein Alter auf 63 Jahre angegeben. Danach wäre er um 1556 geboren. Er dürfte ein Verwandter des gleich- zeitig lebenden bedeutenden Arztes, Botanikers und Orientreisenden Leonhard Rauwolf von Augsburg ge- wesen sein. Er war ein sehr angesehener Meister und stand auch in Diensten der Fugger, für die er auf dem Schloß Kirchberg bei Ulm tätig war. Eine Laute mit dem Fuggerschen Wappen im Schalloch und mit der Umschrift »Her Jacob Fugger Her zu Kirchberg und Weissenhorn 1577« befindet sich im Besitze des Fürsten von Fugger-Babenhausen in Augsburg (1,18 lang, 0,32 breit). Auch Claudius in Kopenhagen be- sitzt eine Laute mit sechs doppelten und vier einfachen Saiten von ihm. Eine andereLaute (von 1 593) kam aus der Sammlung Galpin nach Boston. Nicht mehr vorhanden sind die beiden Lauten, die das Inventar der Stutt- garter Hofkapelle aus den Jahren 1589 — 1594 aufzählt. Die eine hatte 16 Saiten, braunen Kragen und Steg, die andere war aus Eibenholz »mit Filetlein eingelegt«, und hatte gleichfalls 16 Saiten. Ebenso weiß man nicht, wohin die Baß-, Mittel- und Oktav-Lauten hinge- kommen sind, die für 23 fl. 48 kr. im Jahre 1585 bei ihm gekauft wurden und die im Jahre 1610 von ihm er- worbene »Pandura«. Geigenzettel: Sixtus Ravwolf / Avgvstanvs ann. 1598 (gedruckt). — Sixtus Ravwolf / Augustanjus (sie !) 1 599 (gedruckt). — Sixt. Rauchwolff / in Kirchberg 1577 (gedruckt). Ravanelli (Raphanelli) (?). — Brescia. 1652. 1700 Sein Name steht nicht fest; Vidal nennt ihn ohne weitere Angaben Raffaele Nella, andere kurz Raffaele oder Della Raffaele. In Brescia war nur eine Familie Ravanelli nachzuweisen, der u.a. der 1436 vorkom- mende Architekt G. B. Ravanelli angehört, weshalb es vielleicht erlaubt ist, anzunehmen, daß aus dem schlecht gelesenen Namen durch Trennung der Silben der sonderbare Rafa(el) Nella entstanden ist. Echte Geigen von ihm konnte ich nirgends erfragen, doch heißt es, daß er Maggini nachgeahmt, seine Arbeiten oft reich eingelegt und braun lackiert habe. Es wäre wünschenswert, einen unbezweifelbaren Zettel von ihm k ennenzulernen. Ravenna, Gio. Battista, lebte als Geigen- macher im 19. Jahrhundert in Lavagna 406 Ra Rebh, an Rawlins, Henry. — London. 1775. 1781 Ein mittelmäßiger Violinenmacher und Reparateur, den jedoch Giardim, der Kapellmeister der italienischen Oper in London, begünstigt zu haben scheint. Geigenzettel : Henricus Rawlins , Londini 1 779. (ge- druckt). — Restauratus Henricus Rawlins / auspicio Giardini Londini 1781 (gedruckt). Ray (Rech, Recht), Christophe. — St. Avold, Geb. um 1710 (?) lebte noch 1775 Dem Namen nach scheint er kein Franzose gewesen zu sein. A. Jacquot hat mit Sorgfalt alle Urkunden nach ihm durchforscht. Die Schreibweise seines Namens ist ebenso schwankend, als die Bezeichnung seines Berufs. Er kommt bald als Luthier und Musikinstrumenten- macher, und bald als Drechsler vor. Im Jahre 1751 starb ihm eine achtzehnjährige Tochter in Nancy. Ray, Jacques. — Mirecourt. f 1748 Vielleicht ein Bruder von Christophe R. — A. Jacquot ermittelte über ihn nur, daß er im Jahre 1 744 geheiratet hatte. Lond ondon. 1620. Raymann (Rayman), Jakob. 1657 Er soll um 1620 in England eingewandert sein; ob wirk- lich aus Tirol, wie man annimmt, ist jedoch ungewiß. Tatsache ist nur, daß seine Geigen deutsche Schule verraten, manchmal auch an die Arbeiten Marianis in Pesaro erinnern und sich sehr von den damals in Eng- land gemachten unterscheiden. Sein Modell steht im allgemeinen zwischen der Stainer- und Brescianer- schule, ist aber wenig elegant in der Form. Dagegen ist der schöne, gelbbraune Lack, der oft einen feinen Stich ins Rötliche hat, sehr zu loben ; auch im Ton sind seine Arbeiten gut, so daß er die Wertschätzung, die er heute noch findet, vollauf verdient. Er ist einer der ersten, die in England Violinen gemacht haben; bei diesen sind die F-Löcher sehr klein, ebenso die Schnecke, die jedoch gut ausgestochen ist, während die übrige Arbeit weniger sorgfältig ist. Eine im Jahre 1657 von ihm gebaute Violine besitzt P. T. Chapman. Verschiedene Arbeiten von ihm waren in der Wiener Musikausstellung zu sehen. Seine Zettel geben seine Wohnungen an. Geigenzettel : Jacob Rayman Dwelling in Blackman , Street Long Southwark ' 1691 (gedruckt). — Jacob Rayman, at ye Bell / Yard in Southwarke / London 1648 (gedruckt) und Abb. 647. Raynaldi, Antonio, gen. Simonetta. — Langres, Rom. 1517 Ein Lautenmacher, den auch Valdrighi (3872) erwähnt- Razenzo, Carole. — Barcelona. 1690 Ein am Ende des 17. Jahrhunderts m Barcelona an- sässiger Lauten- und Geigenmacher, der dorthin aus Italien eingewandert sein soll. Razzoli, Feiice. —Villa Minozza (Modena). 1 880 Beim Wiederherstellen alter Geigen bewies er eine ge- schickte Hand und Verständnis, so daß man glauben kann, daß auch seine neuen Geigen gut waren. Realli, Cosmo Battista. — Parma. 1667 Sein Name findet sich in einer Taschengeige (Pochette) mit fünfeckigem Boden und braunem Lack in der Sammlung Snoeck (Nr. 420) (jetzt in Berlin). Geigenzettel: Cosmo Battista Realli / in Parma 1667 (gedruckt). Reber, Franz Hermann. — Bremen. Geb. 5. März 1880 m Wernesgrün bei Auerbach im Vogtl. Am 15. Mai 1894 trat er bei dem Geigenmacher-Ober- meister W. Julius Kretzschmann in die Lehre. Nach dem schon im Oktober des gleichen Jahres erfolgten Tode W. J. Kr. 's setzte er seine Lehrzeit bei dem Sohne C. Rieh. Kr. fort. Aber auch dieser starb, 35 Jahre alt, schon im November 1895, so daß Reber sich noch nach einem dritten Lehrmeister umsehen mußte. Er lernte dann bei Hans Jaeger aus, bei dem er auch als Gehilfe blieb, bis er seiner Militärpflicht Genüge leisten mußte. Hierauf arbeitete er noch bei J. H. Schult in Lübeck, Winterling in Hamburg und machte sich am 1 . August 1904 in Bremen selbständig. Er arbeitet nach Stradivarl und nach einem eigenen Modell und verwendet einen schönen goldbraunen oder roten Lack. Seine Arbeit ist sorgfältig. Reber (Röber), Pankratius. — Düsseldorf, Mainz. 1716 (?). 1765 Er scheint nur ganz kurze Zeit in Düsseldorf gearbeitet zu haben und stand als Musiker in Chur-Trierischen Diensten. Er war als Geigen- und Lautenmacher nicht ungeschickt, verwendete einen guten, goldgelben Lack und soll um 1765 in Mainz gelebt haben. Wenn man der Inschrift der Viola, die Dr. Knappe in Leipzig be- sitzt, Glauben schenken will, hat er in Mainz noch im Jahre 1784 gearbeitet. Man muß jedoch annehmen, daß die allzuweit nach rückwärts hegenden Jahreszahlen in seinen Geigen unsicher gelesen oder unecht sind, sonst müßte Reber ein ungewöhnlich hohes Alter erreicht haben. Eine Altviola von ihm besaß nach dem 1820 auf- gestellten Verzeichnis das Theaterorchester in Mann- heim. Eine vom Jahre 1 733 aus Mainz datierte Geige von ihm besitzt C. Stoeber in Würzburg. Eine andere, von 1763 (?). nach Stainer gearbeitet, besitzt Ernst Geisser. Geigenzettel: Pancratius Reber fecit / Moguntii Ao. 1763. (gedruckt). — Pancratius Reber / Chur Trie- rischer Musicus Anno 1 722 (gedruckt) und .Abb. 662. Rebhan, Otto. — Stembach bei Sonneberg (Thüringen). Geb. M.Mai 1869 in Stein- bach Er ist von Beruf Porzellan-(Puppenkopf-)Maler und beschäftigt sich aus Liebhaberei mit dem Geigen- machen, das er autodidaktisch erlernt hat. Er ver- wendet primitive Werkzeuge (Taschenmesser, Raspel usw.) und benutzt als Lack braune Politur. Seine ersten Geigen waren aus gewöhnlichem Holz (Tannen und Buchen) und zu dünn ; später machte er Fortschritte, baute Geigen , die recht gut aussehen und einen weichen Ton haben. Rechardini Reichel 407 Rechardini (Recardini), Pietro. — Venedig. 1617 Ich habe nur eine einzige Geige mit diesem Namen bei einem Geigenmacher gesehen. Sie war ziemlich hoch gewölbt, die Umrisse nach Amati, gutes Holz, präch- tiger, goldroter Lack. Die Schnecke war weniger schön, der Ton weich und ansprechend. Es soll übrigens auch im 19. Jahrhundert einen Pietro Recardini gegeben haben, der noch um 1867 lebte. Rechardini, Zuane (d. i. Giovanni). — Vene- dig. 1605. 1609 Man kennt sowohl Lauten als Geigen von ihm. Die Arbeit ist gut, wenn auch nicht außergewöhnlich. Die staatl. Sammlung in Berlin besitzt eine reich eingelegte italienische Gitarre von 1609 und eine romanische Theorbe dieses Meisters. De Piccolelhs und Vidal schreiben Rechiardini und setzen irrtümlich das 18. Jahrhundert als seine Lebenszeit an; andere lasen gar Bechardini. In einem Terzino di Contrabasso (Baryton) der Sammlung Correr in Venedig findet sich der nachfolgende Zettel. Andere lesen übrigens »del bosco«, statt del Basso. Geigenzettel: Zuane Rechardini di Venezia / all' insegna del Basso 1605 (gedruckt). Recio, Jose. — Cadix. 1854 Mittelmäßiger, spanischer Lautenmacher des 19. Jahr- hunderts Reegan. — Llmerick. 1806 Em Irländer, der wohl nur aus Liebhaberei Geigen ge- macht hat, sich aber auf den Ton verstand. Er ver- wendete geschriebene Zettel. Regenspurger, Matthias. — Wien. 1680. 1731 Er wurde am 16. Mai 1681 Bürger und wird als »Lauten- und Geigenmacher« bezeichnet. Eine Viola von ihm auf den Kgl. Weinbergen bei Prag trägt den Zettel : Matthias Regenspurger Lauten / vnd Geigen- macher in Wienn Anno 1690 (gedruckt). Reggianl, Francesco. — S. Martine d'Este (Modena). 1836. 1837 Nach Valdrighi (2183) hat er Geigen und Gitarren ge- macht. Rehbock, Johannes. — Oldenburg. 1921 Ein Instrumentenmacher, der eine neue Laute (Gitarre) erfunden hat, an deren Hals mehrere federnde Tasten angebracht sind, die von rückwärts mit dem Daumen gespielt werden. Bei einfachster Handhabung ermög- licht die Erfindung das Spielen aller Tonarten. Regnault (Regnault) s. Renault Rehm s. Rem Reichel. — Markneukirchen Name einer weitverzweigten vogtländischen Geigen- macherfamihe, der in älterer Zeit auch Reichelt und Reicholt geschrieben wurde. Geigenmacher aus dieser Familie sind: Reichel, August Anton. — Geb. 20. Februar 1841 in Markneukirchen Sohn von Friedrich August II R. Nachdem er die Schule als Erster in seiner Klasse verlassen hatte, kam er zunächst zu seinem Oheim Wilhelm Voigt in die Lehre, bei dem er das Gitarrenmachen erlernte. 1859 trat er bei seinem Vater ein, wurde nun noch zum Geigenmacher ausgebildet und kam dann zu dem Hof- geigenmacher R. Weichold nach Dresden, wo er bis 1863 blieb, um dann seiner Militärpflicht zu genügen. Die damals üblichen längeren Urlaubsfristen verbrachte er teils bei seinem Vater, teils bei Weichold. 1866 mußte er mit in den Krieg, machte u. a. die Schlacht bei Königgrätz mit und kam schließlich bis Wien, von wo er nach dem Friedensschluß wieder heimkehrte. Am 9. Januar 1868 verheiratete er sich mit Auguste Chri- stine Geipel aus Fleissen bei Eger, wurde Bürger und Meister und begründete seine eigene Geigenmacher- werkstatt. Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs wurde er wieder eingezogen und kam, von einer Verletzung der großen Zehe abgesehen, in allen Schlachten glücklich durch. Zurückgekehrt, arbeitete er gemeinsam mit seinem Vater und hat viel für R. Weichold — auch Gitarren und Baßbogen — ange- fertigt. Seine Geigen sind sauber und sorgfältig in allen Teilen ausgeführt; er fand viel Zuspruch und konnte sich 1875 ein Haus in der Neuen Straße kaufen, das er noch bewohnt. Auch seine beiden Söhne August Otto R. und Max Hugo R. sind Geigenmacher geworden. Daß er ein tüchtiger Lehrer ist, beweist die große Zahl geschickter Geigenmacher, die seine Schüler gewesen sind. Reichel, August Ferdinand. — Geb. 13. März 1806, t 6. November 1866 Reichel, August Otto. — Geb. 24. September 1873 Sohn von August Anton R.; verheiratet mit Marie Voigt. Ein talentvoller Geigenmacher, der die Instru- mentenmacher-Fachschule in Markneukirchen mit Auszeichnung besucht hat. Reichel, Carl August. — Geb. 27. November 1835, 1-29. Februar 1858 Reichel, Carl Friedrich. — 1768. 1769 Er wurde nach Erfüllung aller Vorschriften und nach- dem er das übliche Meisterstück verfertigt, am 7. Aug. 1769 als Meister in die Zunft aufgenommen. Da sein Name in den Pfarrbüchern zu Markneukirchen fehlt, scheint er dort weder geboren, noch gestorben zu sein. Reichel, Carl Gottlob. — Geb. 5. März 1800, t 29. April 1865 Reichel, Carl Hermann. — Geb. 6. Februar 1837, t in Erlbach 16. Oktober 1885 Reichel (Reicholt), Christian I. — 1677. f um 1697 Ein Exulant aus Graslitz; er gilt als der erste Geigen- macher, der sich in Neukirchen niedergelassen hat, und 408 Relchel, Christian war 1678 und 1688 im Zunftrate. Im Zunftbuche wird er unter den Gründern der Neukirchener Geigen- macherzunft an erster Stelle genannt. Sein Name kommt irrig auch als Reinhardt vor, er soll einer der ersten in Deutschland gewesen sem, die bei ihren Violen den da- mals noch vorherrschend üblichen flachen Boden auf- gegeben haben. Geigenzettel : Christianus Reicholt / anno 1695 in Neu- kirchen (geschrieben). Reichel, Christian II. — 1697. f vor 1749 Sohn des Johann Caspar R. Nachdem er seine Lehr- und Gesellenjahre regelrecht abgedient hatte, wurde er »wegen Gebrechlichkeit« von der Pflicht, ein Jahr lang auf die Wanderschaft zu gehen, befreit und am 31 . Mai 1697 als Meister aufgenommen. Er kommt mehrfach im Zunftrate vor, so von 1715 — 1732. Er wird 1738 und 1744 noch erwähnt, war aber 1749 schon tot. Er soll ein geschickter Geigenmacher gewesen sein. Relchel, Christian III. — Geb. um 1718 Sohn und Schüler von Johann Caspar II R. Er wurde am 29. Juni 1 738 als Meister in die Zunft aufgenommen. Reichel, Christian Friedrich I. — Geb. 22. März 1729, t 9. Juni 1814 Er gehört zu den besseren vogtländischen Meistern seiner Zeit. In den Umrissen nähert er sich italienischen Vorbildern. Der Lack ist dünn und über einer Beize aufgetragen, das Deckenholz gut, der Baßbalken ge- wöhnlich mit der Decke aus einem Stück. Weniger schön ist das Holz zum Boden. Die Schnecke ist gut geschnitten, hat aber wenig Schwung. Reichel, Christian Friedrich II. — Geb. 16. Januar 1788, f 1 1 . November 1837 in Pr.-Münden Seme Geigen sehen so verschieden aus, daß sein per- sönlicher Anteil daran nur gering sein kann. Er hat vermutlich viele Gehilfen gehabt, die er selbständig arbeiten ließ, und selbst mehr den Handel betrieben. Reichel, Christian Gottlob I. — Geb. 23. Juni 1771, t 11. September 1835. Sohn von Johann Gottfried I R. Reichel, Christian Gottlob II. — Geb. 19. Mai 1785, t im Dezember 1835. Sohn von Johann Gottfried HR, Reichel, Ernst August. — Geb. 27. Februar 1829, t ? in Dresden Reichel, Ernst Friedrich. — Geb. 1857 Enkel von Carl Gottlob R. Schüler von Ludwig Gläsel sen. Als Gehilfe arbeitete er bei Heinrich Theodor Heberlein und machte sich 1879 selbständig. Er gehört zu den wenigen Geigenmachern seines Wohnorts, die keine »Schachteln« verarbeiten. Er ahmt die Modelle von italienischen Meistern nach und verwendet Spiri- tuslack in allen Farben. — Reichel, Johann II, Reichel, Friedrich August I. — Geb. 28. April 1804, t Dezember 1872 Reichel, Friedrich August II. — Geb. 28. Febr. 1815 Sohn von Johann Gottlob R. Nachdem er in seiner Heimat das Geigenmachen erlernt und in einigen größeren Werkstätten gearbeitet hatte, wurde er 1838 Meister und konnte somit 1888 sein goldenes Meister- jubiläum feiern. Er war mit Christiane Caroline, geb. Voigt (t 1 . Dezember 1868) verheiratet. Er lebte zuletzt bei seinem Sohne Aug. Anton R. und arbeitete noch rüstig als Geigenmacher. Reichel, Friedrich Wilhelm. — Geb. 22. Juni 1784, t 14. März 1872 Ein Bruder von Johann Adam R. und wohl aus der gleichen Schule hervorgegangen. Es scheint auch, daß er eine Zeitlang mit seinem Bruder gemeinschaftlich gearbeitet hat. Reichel (Reicholt), Georg. 1682. 1729 Sohn und Schüler von Christian R. Er scheint noch in Giaslitz geboren und schließlich anderwärts ge- storben zu sem, da sein Name in den Pfarrbüchern fehlt. Dagegen kommt er in den Zunftakten oft vor; er wurde am 23. November 1682 Meister und war seit 1709 mehr als achtmal im Zunftrate und u. a. im Jahre 1722 einziger Obermeister. Reichel, Georg Adam. — 1/12 Sohn und Schüler von Johann Caspar I R. Er wurde am 5. Juni 1712 unter Befreiung von der sog. Mutung als Sohn des ehem. Vormeisters sofort als Meister auf- genommen. Er dürfte, wie sein Vater, in Grashtz ge- boren sein und ist vielleicht auf einer Reise gestorben, wodurch sich das Fehlen seines Namens in den Pfarr- büchern zu Markneukirchen leicht erklären ließe. Reichel, Heinrich Adolf. — Geb. 1 1 . Sept. 1841 Reichel, Johann I. — 1697. 1740 Er war ein Sohn von Christian I R. und dürfte auch dessen Schüler gewesen sein. Nach dem Tode seines Vaters übernahm er dessen Werkstatt und Haus und wurde, »da seine Mutter ohne seine Beihilfe nicht haus- halten könnte«, unter Befreiung von der zweijährigen Wanderpflicht am 3. Mai 1697 als Meister in die Zunft aufgenommen. Er war u. a. im Jahre 1722 »Schlüssel- meister«, 1734 »Vormeister« und saß 1740 noch im Zunftrat. Seine Arbeit ist nicht schlecht, das Modell aber wenig schön und der Lack ohne Glanz und Feuer. Er wird mehrfach im Zunftbuch erwähnt. Reichel (Reicholt), Johann II. — 1708 Ältester Sohn von Georg R. Auf sein an den Landes- herrn gerichtetes Gesuch erhielt er 1 708 eine »Gnaden- stelle« als Mitmeister der (Mark) Neukirchner Geigen- macherzunft, d. h. er wurde gebührenfrei aufge- nommen. Reichel, Johann III. — Reichel, Johann Friedrich III. 409 Reichel, Johann III. - Geb. 1697, f 27. Dez. 1751 Vielleicht ein Sohn von Johann Caspar I R. Er erreichte ein Alter von 54 Jahren 8 Monaten und 7 Tagen. Reichel, Johann IV. — Geb. um 1 704, f 27. Fe- bruar 1761 Älterer Sohn und Schüler von Johann I R. Er wurde am 3 1 . Juli 1 724 Meister. Seine Geigen sehen äußerlich oft besser aus als die seines Vaters, sind aber im Innern weniger sorgfältig gemacht. Er ließ die Eckklötzchen gerne fehlen und machte die Decke und den Baßbalken aus emem Stück. Reichel, Johann Adam I. — Geb. um 1710. 1734 Zweiter Sohn von Johann I R. Er wurde, nachdem er seine Gesellenzeit ordentlich abgedient, am 20. Mai 1734 als Meister in die Zunft aufgenommen. Rech- nungsrat K. Friedrich in Posen besitzt ein Violoncello von kleinem Patron mit dem Namen Johann Adam Reichel und der Jahreszahl 172! . Wenn die Jahreszahl richtig gelesen ist, müßte es noch einen älteren gleich- namigen, bisher nicht nachweisbaren Geigenmacher gegeben haben. Vielleicht war der als Johann I be- zeichnete Reichel schon nach seinem Taufschein be- rechtigt, die Namen Johann Adam zu führen. Reichel, Johann Adam II. — Geb. 6. Januar 1782, t 25. November 1836 Einer der besten und fleißigsten Geigenmacher aus seiner Familie. Wie viele seiner Zeitgenossen brachte er auf seinen Zetteln in sinnlosem Latein das Wort »Cremona« neben seinem Namen an oder gab Italien für seine Heimat aus. Am besten sind meist seine zier- lichen Violoncelli. Er verwendete auch eine Brand- marke: I. A. R. Ein Violoncello von ihm mit sehr kleinem Korpus und langem Hals besitzt K. Friedrich in Posen. Geigenzettel: Abb. 651 . Reichel, Johann (Hans) Caspar I. — 1677, t 8. Februar 1706 Bruder von Christian R. Er kam als Emigrant aus Graslitz nach Neukirchen, wurde dort Bürger und 1688, 1696—1704 Mitglied des Zunftrats. Von ihm er- zählt die Chronik: »Hans Caspar Reichelt, Geigen- macher, hatte einen guten Fürniss gekocht, und da er solchen vom Feuer aufhub, ihn auff den kalten Erd- Boden satzte, sprengte die Gewalt der siedenden Materie die oben übergebundene Rindsblasen auf, fuhr in heftigkeit zusammen heraus, entzindete sich in Feuer und breitete sich aus, daß es über ihn und zwey nebenstehende Personen sich ergoss, welche die Kleider vom leibe mit der Haut des Fleisches jämmer- lich weggebrand, daß Er nach erlittenen heftigen Schmerzen abends 9 Uhr, weil auch inwendig Zunge, Mund und Halz ganz verbrand war, seinen Geist auf- gab.« 8. Febr. 1706. Reichel (Reicholt), Johann Caspar II. — Geb. 1693, t 21. August 1755 Sohn von Johann Caspar I R. Er wurde schon am 8. Juni 1 708 — also im Alter von 1 5 Jahren — Meister und hat dafür als Meistersohn die halben Gebühren bezahlt. »Ist demnach dieser gleich andern vor einen ehrlichen Zunftverwandten und Meister zu estimiren« heißt es im Zunftbuch, wohl mit besonderer Beziehung auf das jugendliche Alter. Er kam bald zu Ansehen und saß von 1740 — 1743 im Zunftrat. Seine Geigen sind schwach im Holz, schmal und hochgewölbt, sprechen aber gut an. Geigenzettel : Johann Caspar Reichel Violin- / macher in Neukirchen, Ao. 1 729 (gedruckt). Reichel, Johann Christian. — Geb. 5. August 1764, t 15. Januar 1836 Sohn von Johann Gottfried I R. Nicht ungeschickt, aber namentlich in seiner letzten Zeit sehr handwerks- mäßig arbeitend. Reichel (Reichelt), Johann Conrad I. — Geb. um 1715. 1762 Dritter Sohn von Johann I R. Er wurde am 13. Nov. 1 737 als Meister in die Zunft aufgenommen. Reichel (Reichelt), Johann Conrad II. — Geb. um 1738. 1760 Vielleicht ein Sohn von Johann Conrad I R. Er wurde am 28. Mai 1760 als Meisterssohn in die Zunft auf- genommen und bezahlte 8Taler 6 Gr. für das ihm ver- liehene Meisterrecht. Reichel (Reichelt), Johann Friedrich I. — Geb, 1724,1 18. Juni 1792 Jüngster Sohn von Peter R. — Er wurde am 1 1 . Juni 1745 als Meister in die Zunft aufgenommen und galt als geschickter Geigenmacher. Er starb im Alter von 68 Jahren 4 Monaten und 6 Tagen. Reichel (Reichelt), Johann Friedrich II. — Geb. 1745, t 19. März 1826 Sohn und Schüler von Johann IV R. Da er die Werk- statt seines Vaters, der 1761 starb, übernehmen mußte, wurde er schon mit 16 Jahren Meister und als solcher am 27. August 1762 von der Zunft aufgenommen. Er war der erste, bei dem es im Zunftbuch heißt, daß er außer den üblichen Gebühren für die Aufnahme auch 12 Groschen für Pfeifen und Tabak ausgeben mußte. Er war sehr geschickt, wenn auch nicht eigenartig, arbeitete bis in sein hohes Alter und starb mit 80 Jahren 9 Monaten 1 Tag. Reichel, Johann Friedrich III. — Geb. 14. No- vember 1751, t 9. Januar 1820 Sohn von Georg II R. Er soll viel auf Reisen gewesen sein und mit seinen Geigen die Märkte bezogen haben. Ich sah eine Geige mit seinem Namen aus dem Jahre 1819, die ihm aber wenig Ehre machen konnte. 410 Reichel — Reinzer Reichel (Reichelt), Johann Georg I. — 1722 Jüngster Sohn von Georg R., der am 2. Januar 1722 als Meister in die Zunft aufgenommen wurde. Es ist schwer, die Arbeiten der verschiedenen Joh. Gg. R. auseinanderzuhalten . Reiche!, Johann (Hans) Georg II. — Geb. 1717, t 5. April 1744 Vierter Sohn von Johann I R. Er wurde am 13. Nov. 1738 als Meister in die Zunft aufgenommen. Er war fleißig und geschickt. Die Chronik nennt ihn gelegent- lich des Berichts, daß am 15. Juli 1750 sein vierjähriges Töchterchen in den Bach fiel und ertrank. Er erreichte ein Alter von 56 Jahren 6 Monaten und 23 Tagen. Reichel (Reichelt), Johann Georg III. — Geb. um 1720 Ältester Sohn von Peter R. Er wurde am 4. Februar 1740 als Meister in die Zunft aufgenommen. Reiche!, Johann Georg IV. — Geb. 1725, t 9. September 1787 Sohn von Joh. Adam R. Wegen der Gleichnamigkeit sind seine Arbeiten von denen seiner Namensvettern schlecht zu unterscheiden ; mit einiger Sicherheit können ihm nur solche aus den Jahren 1 775 — 1 787 zugeschrieben werden. Er wurde 62 Jahre 2 Monate weniger 7Tage alt. Reiche! (Reichelt), Johann (Hans) Georg V. — Geb. um 1740. 1762 Sohn und Schüler von Johann Conrad I R. Er wurde am 2. Juni 1762 als Meister in die Zunft aufgenommen. Reiche!, Johann Georg VI. — Geb. um 1750. 1771 Sohn von Johann Adam 1 R. Er war Geigen- und Baß- machergeselle, als er sich im Jahre 1770 um Aufnahme in die Zunft bewarb. Nach Erfüllung der Vorschrift und Anfertigung einer eingelegten Baßgeige als Meister- stück wurde er am 22. Mai 1771 Meister. Von den In- strumenten, die seinen Namen tragen, können ihm nur die Bässe mit einiger Sicherheit zugeschrieben werden. Reichel, Johann Georg VII. — Geb. 27. Dez. 1768, t I.März 1839. Sohn. von Johann Gottfried I R. Reiche! (Reichelt), Johann Gottfried I. — Geb. um 1735. 1770 Er wurde am 22. Februar 1751 Meister und wird als Meisterssohn bezeichnet. Vielleicht der beste Geigen- macher aus seiner Familie. Er schrieb in seine Geigen, daß sie von »Jacob Stainer erfunden« seien, doch kannte er schwerlich eine Originalarbeit. Reicheis Geigen können daher nur als sehr oberflächliche Stainernach- ahmungen gelten; sie haben einen mageren gelb- oder rotbraunen Lack, klingen aber meistens sehr gut. Geigenzettel : Johann Gottfried Reichel / arfunden von Jacob Stainer in Apsam (gedruckt). Reiche!, Johann Gottfried II. — Geb. 5. Dez. 1759, t 30. Sept. 1819. Sohn von Johann Gottfried I R. Geigenzettel : lohann Gottfried Reichel / Cremonien Hieronimi Fili / Antoni Nepos 1780 (gedruckt). Reiche!, Johann Gottfried III. — Geb. 3. Febr. 1773, t ? Reiche!, Johann Gottlob. — Geb. 30. Nov. 1753, t 23. Oktober 1831 Sohn von Johann Georg II. — Er war einer der ersten im Vogtland, die sich ausschließlich auf das Bogen- machen verlegten. Reiche!, Max Hugo. — Geb. 21 . Juni 1876 Sohn von August Anton R. Nach beendeter Militärzeit verheiratete er sich mit Sophie Martin und ist recht tüchtig in seinem Fache. Reiche!, Peter. — 1713 Als Sohn eines Meisters und Emigranten aus Graslitz wurde er am 16. Juni 1713 in Neukirchen von der Geigenmacherzunft als Meister aufgenommen, soll aber in der Fremde gestorben sein. Reiche!, Wilhelm Ludwig. — Geb. 28. Juli 1859 Reif. — Meiningen, f um 1890 Ein Kammermusiker, der sich mit der Wiederher- stellung alter Geigen beschäftigte und es darin im Laufe der Zeit zu einer gewissen Geschicklichkeit ge- bracht hatte. Reina, Giacomo. — 1708 Der Name findet sich ohne Ortsangabe in einem italienischen Violoncello. Reinhart, Ulrich. — Salzburg. 1680 Obwohl er nach seinem Zettel im Dienste des Salz- burger Erzbischofs stand, ist es mir nicht gelungen. Näheres über ihn zu erfahren oder eine Arbeit von ihm nachzuweisen. Geigenzettel: Ulrich Reinhart Hof-Lauten- / u. Gei- genmacher in Saltzburg / 1680 (gedruckt). Reinhold, Heinrich. — Kassel. Geb. 17. Dez. 1859 in Kassel Schüler von Josef Schonger. Am 1 . Oktober 1 877 machte er sich selbständig und befaßt sich jetzt haupt- sächlich mit dem Handel und mit der Reparatur alter Streichinstrumente. Für zwei Streichquartette nach Stradivari und Guarneri erhielt er im Jahre 1905 in Kassel die silberne Medaille. Reinzer, Anton. — Prag. 1829 Geigenzettel: Ant. Reinzer / in Prag Anno 1829 (ge- druckt). Reisinger — Remondini 41 Reisinger, Ludwig. — Wien. Geb. 15. Juli 1863 in Wien Schüler von Ig. Joh. Bucher sen., bei dem er von 1877 bis 1887 tätig war. Im letztgenannten Jahre begründete er sodann sein eigenes 'Geschäft, das bald einen guten Ruf erwarb. Er macht auch sehr gute Zithern und Gitarren . Gamba von Vinc. Ruggeri schnitzt. Daß er ein ebenso gewandter Geiger und Violoncellist wie Lautenspieler ist, kommt ihm für seine Arbeit sehr zustatten. — Vorzüglich ist auch das von ihm hergestellte Kolo- phonium. Im Jahre 1906 erhielt er in Nürnberg die silberne Medaille. Geigenzettel: Johann Reiter / Streichinstrumenten- macher/' Mittenwald 1889 (gedruckt). Reisse, Jean-Fran^ois. — Straßburg i. E. 1 776. 1802 Sein Name findet sich auf Reparaturzetteln in vielen Geigen. Er war Musiker und wird auch im Bevöl- kerungsregister von 1796 als »musicien« mit dem Zu- satz aufgeführt, daß er sich seit 1776 in Straßburg be- finde. Neue Geigen dürfte er schwerlich gemacht haben. Reiter, Johann Baptist. — Mittenwald. Geb. 19. Mai 1834, t 22. Januar 1899 in Mitten- wald Er war der jüngste Sohn des Mühlenbesitzers .Mois R- in M. und schon mit 12 Jahren Waise. Sein Vormund, der Instrumentenverleger Joh. Baader, brachte ihn zu Jais in die Lehre. Tüchtig vorgebildet kam er dann zu Jean Vauchel nach Würzburg, der später von König Max II. eine besondere Gratifikation erhielt, damit er den jungen Reiter in alle seine Geheimnisse einweihte. Reiter führte nach Vauchels Tode noch iVo Jahre dessen Geschäft fort, erwarb dann von Vauchels Erben die ganzen Werkzeuge des Meisters und ging 1857, nun ein Meister in seiner Kunst und auch musikalisch ge- schult^), nach Mittenwald zurück. Hier wurde ihm die Leitung der Wanderschule für junge Geigenbauer übertragen, die bis 1865 bestand. 1867 erhielt er in Rem, Jeremias. Reltle?, Andreas. — 1740 Romer in Freiburg hat ein sehr großes, hochgewölbtes Violoncello (Korpus 78,5 cm) zur Wiederherstellung bekommen, in dem sich ein geschriebener Zettel fand, auf dem der Wohnort leider nicht mehr leserlich war : Andreas Eltier Lauten- , und Geigenmacher in / . . . . anno 1 740. Ich vermute, daß der Name nach rückwärts gelesen werden muß. Dem schwäbischen Klang des Namens widersprach die Arbeit nicht. Rellstab. — Berlin Das Musikhistorische Museum in Stockholm bewahrt ein Violoncello und eine Violine von ihm aus dem Be- sitze der Landesuniversität. Hauptsächlich scheint er Händler gewesen zu sein, und so wird er in den Akten des kgl. preuß. Staatsarchivs, die seine Zollbefreiung in den Jahren 1792—1796 behandeln, auch nur als >:>musikalischer Instrumentenhändler« bezeichnet. Rem, Hans. — Füssen. 1606 Wohl ein Nachkomme des im Jahre 1529 aus Musau in Füssen eingewanderten Jakob Rem. — Er stand, in hohem Ansehen und war i. J. 1606 Fürgesetzter (Aeltermann) der Füssener Lautenmacherzunft. Fü ussen. 1621. t vor 1666 Paris ein Anerkennungsdiplom, 1873 in Wien ein Ehrendiplom, 1896 in Nürnberg die silberne Medaille. In seinem Sohne erzog er sich einen tüchtigen Schüler und Nachfolger. Er machte auch sehr gute Bogen nach Tourteschen Originalmodellen. Sein Grab schmückt eine herrliche Marmorplatte mit seinem Bildnis in Bronze und der Inschrift: Dem Meister der Geigen- baukunst von seinen auswärtigen Freunden. Sept. 1899. Seine Biographie findet sich in De Wits Zeitschrift f. Instr. 1899, Nr. 15. Reiter, Johann. — Mittenwald. Geb. 7. März 1879 in Mittenwald Sohn, Schüler und seit 1899 Nachfolger von J. B. Reiter. Er ist gegenwärtig fast der einzige selbständig arbeitende Geigenmacher in Mittenwald, da alle übrigen für die beiden großen Fabriken tätig sind. Seine Arbeit ist tadellos; die von seinem Vater und Vauchel gesammelten Modelle und Zeichnungen ver- steht er gut zu benutzen; auch seine Bogen ver- dienen Lob. Er bereitet sich seinen Lack selbst und verwendet außer seinem Zettel manchmal auch eine Brandmarke: J. REITER. Sehr gelobt werden seine Reparaturen. Außer Geigen baut er auch gute Lauten, wobei er in letzter Zeit den Kopf nach einer ^) Am Kirchenchor in Mittenwald wirkte Reiter als ständiger Violoncellist. Er wurde am 3. Oktober 1621 als Meister in die Lauten- macherzunft aufgenommen und wohnte im ersten (vor- nehmsten) Stadtviertel. Seine Witwe setzte nach seinem Tode sein Geigen- und Lautenmachergeschäft fort. Remenyi, Mihäly (Michael). — Budapest. Geb. in Budapest 1867 Schüler von Georg Tänczer. Begründete, nachdem er in sieben Jahren bei verschiedenen Meistern seine Aus- bildung vollendet hatte, im Jahre 1890 sein eigenes Geschäft. Er besitzt bereits eine Anzahl von Aus- stellungsmedaillen und Anerkennungsschreiben. Seine Geigen macht er nach J. Guarneri und Stradivari. Bei neuen Geigen verwendet er Ol-, bei Reparaturen Spirituslack. Seine Arbeit ist auch an dem Baßbalken, dem er eine etwas veränderte Form und eine vom ge- wöhnlichen abweichende Lage gibt (»hangfokozo gerenda«) zu erkennen, wobei er auf »Einteilung der Spannkraft« besonderes Gewicht legt. Seine Erfindung sind die Geigenkästen aus Aluminium. Geigenzettel: Remenyi Mihäly /mü-hegedii keszi't'i / Budapest 18... Opus (Auf Pergamentpapier). Remondini, Andrea. — Bologna. 1720. 1723 Wenn auch nur wenig begabt, gehörte er doch einer guten Schule an, so daß ihm einzelne Violinen recht gut gelangen. 412 Remy — Re Remy, Claude I le Vleux. — Mirecourt. 1733. 1764 Nach A. Jacquot heiratete er im Jahre 1733. Sein Sohn Claude II, le Jeune, kommt 1743 — 1761 vor. Remy, Claude III. — Mirecourt. 1750. 1789 Er war 1761 erwählter Zunftmeister. Remy, Dominique. — Mirecourt. 1776. 1785 Er schemt zumeist für die größeren Werkstätten ge- arbeitet zu haben. Remy, Hippolyte. — Paris. 1837. f um 1869 Altester Sohn von Jean Math. R., der stets im Ge- schäfte semes Vaters tätig war und daher wenig hervor- getreten ist. Remy, Jean-Mathurin. — Paris. Geb. in Paris (Rue Tiquetonne). 1770. f 1854 Sohn, Schüler und Nachfolger von Math. Franz R. Im Jahre 1817 verlegte er seine Werkstatt in die Rue de Grenelle-Saint-Honore Nr. 30. Seinen Vater übertraf er in mancher Hinsicht : er war sorgfältiger in der Wahl des Holzes; auch sein Lack ist besser. Seine beiden Söhne wurden Geigenmacher. Paris. Geb. in Paris 1813, Remy, Jules. f 1876 Sohn und Schüler von Jean-Mathurin R., dessen Ge- schäft er fortsetzte und aus der Passage Brady um 1 872 in die Rue du Faubourg-Saint-Denis Nr. 60 verlegte. Er machte aus Liebhaberei viele Taschengeigen, die seinen Namen eingebrannt zeigen; auch verwandelte er gerne alte Leiern (Viellen) in eigenartige Lauten und Theor'cen, die von Nichtkennern gern gekauft wurden. Aus Liebhaberei beschäftigte er sich ferner auch mit der Anfertigung von Oboen. Remy, Jules-Hippolite. — Paris. 1894 Bis jetzt der letzte aus der Familie Remy, der sich dem Geigenmachen widmet. Remy, Mathurin -Fran^ois. — Paris. 1760. 1800 Ein nicht ungeschickter Geigenmacher, der sich 1760 in Paris, Rue Sainte-Marguerite-Saint-Antoine nieder- ließ und später nach der Rue Tiquetonne zog. Er arbeitete ziemlich handwerksmäßig im Geschmacke der Guersan, Saint -Paul und Gavinies, doch ver- wendete er meist gelben Öllack. Am besten sind seine Gitarren und Harfen; auch seine Bogen waren gut. Eine Pochette von ihm ist im Besitz von C. J. Read (England). Er ist der Begründer der Geigenmacher- familie, die anderthalb Jahrhunderte in Paris ansässig war. Geigenzettel: Abb. 655. Remy, Nicolas. — Mirecourt Der Stammvater der Familie. 1689. Remmy (Remy). — London. 1840 Ein in England ansässiger Franzose, der zwar gute Geigen machen konnte, diese aber dadurch verdarb, daß er das Holz künstlich alt machte und seinen Lack nach- träglich zerstörte, damit auch dieser recht alt aussah. Renaudin, Christophe. — Mirecourt. 1689 Bisher nur von A. Jacquot erwähnt. Renaudin (Regnaudin), Fran^ois. — Mire- court. 1682 Als Instrumentenmacher das älteste Mitglied der Familie. Renaudm, Leopold. — Gent, Paris. Geb. 1 . März 1 756 (nach anderen 1 749) in Mire- court, f 7. Mai 1795 Wenn die Ziffern auf seinem Zettel richtig sind, dann ist er um 1 775 nach Paris gekommen, wo er Geigen- macher der kgl. Musikakademie wurde. Auf seinen Zetteln war die von einer Gloriole umgebene Lilie der Bourbonen und ein Schiff angebracht. Er scheint also damals sehr königstreu gewesen zu sein. Während der Revolution schlug er jedoch ganz in das Gegenteil um. Er gehörte zu den blutdürstigsten Mitgliedern des Tribunals Fouquier-Tinville und wurde auch zugleich mit Fouquier und 15 anderen am 7. Mai 1795 selbst guillotiniert. Näheres hierüber findet sich in Dr. H. M. Schletterers '>Geschichte der Spielmannszunft in Frankreich« im Nachtrag S. 147. — Es ist erwiesen, daß ein Geigenmacher Leopold Renaudin um 1781 in Gent ansässig war. Die ältesten Instrumente aus Paris von ihm mit zweifellos echten Jahreszahlen sind von 1783. Wenn man nicht annehmen will, daß er einen gleich- namigen Vetter gehabt hat, so muß man vermuten, daß er entweder erst nach 1781 in Paris eingetroffen ist, oder daß er seinen Pariser Aufenthalt für einige Zeit unterbrochen hatte. Als Geigenmacher war er zweiten Ranges; die Arbeit ist nicht schlecht, das Modell aber unfein, die Wölbung ziemlich hoch und die Schnecke plump; am schlechtesten ist sein jetzt oft rissiger Lack von schmutzig rot-gelber oder fast schwarzer Farbe. Er hatte eine hübsche Geschäftskarte (Abb. II. S. 577) und benutzte verschiedene Zettel. Geigenzettel : Abb. 658. Renault, Didier. — Mirecourt. f Vor 1612 Nur dem Namen nach bekannt. Renault, Henry. — Mirecourt. 1728. 1758 Vielleicht mit dem später in Paris tätigen Geigenmacher identisch. Renault, Henry. — Paris. 1761. 1779 Wahrscheinlich aus Mirecourt stammend. Arbeiten von ihm sind mir nicht bekannt geworden. Renault (Regnault, Regnaut), Jacques. — Paris. 1666. 1684 Wahrscheinlich ein Enkel, wenn nicht ein Sohn von Nicolas R., dessen Nachfolger er war. Man kennt bisher Renault — Retourna 413 nur Taschengeigen von ihm. Eine davon hat sehr breite Einlagen, eine andere von 1682, im Besitz von Blondm in Choisy-le-Roy, hat silberne Rippen. Eine dritte mit einem Negerköpfchen am Wirbelkasten besitzt die staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin aus der Sammlung Snoeck (Nr. 427). Auch Generalkonsul J. Jahnson in Stockholm besitzt eine hübsche Taschen- geige von ihm. Geigenzettel: Jacques Regnaut / k Paris 1666 (ge- druckt). — Jacques Regnault / Paris 1 684 (geschrieben). Renault, Nicolas. — Nancy, Paris? Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts Der Stammvater der Familie, angeblich Schüler von »Tywersus« in Nancy. Renault, Sebastien B. — Paris. 1765. 1804 Er war Teilhaber der Firma »Renault et Chatelain«, hat aber auch allein gearbeitet. Seine Geigen sind nach einem hübschen Modell gut gearbeitet und haben gelben Lack. Häufiger als diese kommen Theorben, Zithern und Harfen von ihm vor. Beispiele dafür im Museum des Pariser Konservatoriums (Theorbe und interessante Zither), in W. Heyers Musikhist. Museum in Köln (hübsche Pedalharfe von 1802) und in Berlin (Pedalharfe). Geigenzettel : S. -B.Renault, Luthier / rue Sainte Avoy vis-avis / celle de Braque au marais / Paris 1804 (gedr.)- Renault et Chatelain. — Paris. 1772. 181 1 Eine Firma, die fast 40 Jahre bestand. Teilhaber waren F. Chatelain und S. B. Renault. Sie machten außer guten Geigen auch Lauten, Zithern und Harfen usw. Eine sehr schöne Theorbe mit prachtvollem dunkel- orange Lack von 1781 befindet sich in der Sammlung F. Wildhagen in Haiensee bei Berlin. Bemerkenswert ist an diesem Instrument auch die glückliche Lösung des Halsproblems mit den beiden Wirbelkästen. Geigenzettel : A la renome rue de Braque, au marais, / Renault et Chatelain, luthiers / fönt et vendent, louent achetent / et raccommodent toutes sortes / d Instru- ments de musique etc. / ä Paris (gedruckt) und Abb. 663. Renisto. — Cremona In vielen Büchern wird ein Cremoneser namens »Renisto« aufgeführt ; er wird als Schüler C. Bergonzis ausgegeben und in das Jahr 1738 gesetzt. Es ist leicht einzusehen, daß dieser »Renisto« aus dem mißver- standenen Wort »reuisto« (revisto, d. i. nachgesehen) entstanden ist, mit dem die Italienischen Geigen- macher ihre Reparaturzettel zu beginnen pflegten. Rens. — Gent. 1860 Verfertigte eine. Violine aus Kupfer. (Sammlung C. C. Snoeck.) Renz, August Albin. — Geb. 31. JuH 1871 in Tetschen, arbeitet als Geigenmacher in Markneukirchen Resch, Ch. — Frankfurt a. M. 1880. 1881 Er bezeichnete sich als Saiteninstrumentenfabrikant. Als Geigenmacher war er nicht bedeutend, doch hat er ganz gute Gitarren und Zithern gemacht und auch eine zusammenlegbare Zither erfunden. Resche, Peter Im Altonaer Museum befindet sich eine durch ein Rad anzustreichende Gitarre (»Guitarre en vielle«, vgl. Dict, raisonn. des sciences, Planches Vol. V. Lutherie p. V. Fig. IV). Das Instrument stammt aus der Gegend von Neumünster und hat die Inschrift: »Allen zu ge- fallen ist unmöglich. / Peter Resche.« / (Ohne Ort und Jahreszahl.) Resle, Andreas. — Füssen. 1720. f 2. April 1756 Einer der besten Füssener Meister seiner Zeit. Er scheint auch bei G. Aman in Augsburg gearbeitet zu haben ; wenigstens sagtPiegendorfer, daß seine Arbeiten denen Amans zum Verwechseln ähnlich sehen. Seine Geigen sind in allen Teilen meisterhaft durchgeführt; der Ton ist einschmeichelnd und der Lack von schöner, rotbrauner Farbe, nur manchmal sehr nach- gedunkelt. Das Deckenholz ist immer sehr schön. Eine prachtvolle Geige von ihm befindet sich in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (aus der Sammlung Snoeck), eine Viola d'amore von 1743 im Landesgewerbemuseum in Stuttgart (Nr. 9, 30). Eine gute Viola von ihm besitze ich selbst. Geigenzettel : Andreas Resle in / Fuessen me fecit 1 727 (gedruckt). — Andreas Resle / fecit Fiessae / 1740 (ge- druckt).— Andreas Reßle Lauten- und / Geigenmacher in Fiessen 1 745 (gedruckt). Resle, Johann Baptist. — Füssen (?). 1793 Vielleicht ein Sohn von Andreas, dessen Name ohne Ortsangabe sich in einer Viola vorfand. Resuche, Charles. — Lyon, Bordeaux. Geb. in Mirecourt 1 1 . Dezember 1858 Schüler von Didion und später von Gand & Bernardel. Im Jahre 1890 begründete er mit Justin Diter zu- sammen eine Werkstatt in Lyon in der Passage de l'Argue. Später wohnte er in der Rue de l'Hötel de ville 69. Die beiden Genossen trennten sich nach 1897 wieder; Diter ging nach Marseille und Resuche nach Bordeaux, wo er 1899 F. Meynieus Firma übernahm. Er kommt in seiner Arbeit seinen Lehrern sehr nahe und wird von Kennern geschätzt. Er arbeitet haupt- sächlich nach Stradivari, Guarneri und Amati und ge- braucht einen hübschen Ollack. Geigenzettel : Abb. 648 und 649. Retfi, lebt als Geigenmacher in Chartres Retourna, Emile. — Mirecourt. Geb. zu Bequecourt 24. Oktober 1856 Schüler von Victor Durand. Er trat bei der Firma Laberte ein und wurde da artistischer Direktor. Er konstruierte eine '/>, Violine, die Beifall fand, und be- sitzt allerlei Auszeichnungen. 414 Reubusch — Richter Reubusch, Johann. — Boskovic (Boskowitz) Ein mittelmäßiger Geigenmacher aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Arbeit, Lack und Modell sind unschön. Geigenzettel : Johann Renbusch Bürger & / Instru- mentenmacher m / Poskowitz (gedruckt). Reum. — Bleicherode. 1778. 1791 Ein Stadtmusikus, der auch alte Geigen mit mäßigem Geschick zusammenfhckte. Eine von ihm reparierte Geige von »Ignatio Penze« (Penzl) besitzt Juhus Rommel in Ehsenhof bei Wemeuchen. Revalo s. Ohlhaver Revolti s. Rivolta Reynaud, Andre. — Tarascon. 1755. 1766 Die wenigen Geigen, die man von ihm kennt, sind nicht besonders gut ; dagegen müssen seine Violoncelli gelobt werden, eines davon wird geradezu als meisterhaft be- zeichnet. Aus seinem Zettel geht hervor, daß er ehe- mals Geistlicher gewesen ist. Geigenzettel: Andreas Reynaud olim / Canonicus y Terascone in gallo Provincia 1766 (gedruckt). Rez, Antoine. — Mirecourt. 1734 Arbeiten von ihm scheinen sich nicht erhalten zu haben. Ribarits (Ribancs), Johann. — Steinamanger. Geb. um 1840 In Ödenburg, f 1900 Schüler von Gründler und von Karl Brandl; ge- schickter Geigenmacher, der auch als Reparateur viel beschäftigt wurde. — Ein Josef Ribarits ist noch jetzt in Steinamanger als Geigenmacher tätig. Ribarits, Stefan. — Steinamanger. 1880 Sohn und Schüler von Johann R. Ein talentvoller Geigenmacher, der nur leider schon in seinem 30. Le- bensjahre starb. Riber, Johann. — Wien. 1836 P. de Wit veröffentlicht zwar einen Geigenzettel mit diesem Namen, ein Johann Riber läßt sich jedoch in Wien als Geigenmacher nicht nachweisen. Ricci, Luigi. — Neapel. 1898 Seine Mandohnen werden gerne gespielt. Ricevuti, Aurelio. — Florenz. 1650 Ein Instrumentenmacher, der als Sohn des ApoUonio bezeichnet und von Valdnghi (2612) aufgeführt wird. Richard, Robert. — Paris. 1756 Geschworner Zunftmeister für 1 756. Sonst ist vor- läufig nichts über ihn bekannt. Valdrighi nennt ihn einen Reparateur. Es soll auch einen Geigenmacher Fran(;:ois Richard gegeben haben, der noch im 19. Jahr- hundert gelebt hat. Richards, Edwin. — London. Geb. 1859, t 1894 Ein sehr geschickter Geigenmacher, der sowohl prak- tische als theoretische Kenntnisse in hervorragendem Maße besaß und bei Kennern in hoher Achtung stand. Auch sein Vater soll schon Geigenmacher ge- wesen sein. Richards, John. — Llanrwst (Wales). Mitte des 18. Jahrhunderts Ein walisischer Harfen- und Lautenmacher, von dem sich eine Harfe in der Sammlung Galpin (Hatfield) be- findet. Richardson, George. — Nottingham. 1899 Seinen Geigen wird ein schöner Ton nachgerühmt, doch sollen ihm Violen am besten gelingen. Richelme, Antoine-Manus. — Marseille. Geb. 1832, t 1896 Schüler von Yong in Marseille; arbeitete bei Coviaux, Lippy und Daniel und machte sich 1867 selbständig. Ein talentvoller Geigenmacher, der das Heil seiner Kunst dann erblickte, daß man zur alten Violenform zurückkehre. Er machte verschiedene Geigen und Bratschen nach diesen Prinzipien, die sich durch vollen Klang auszeichnen, und gab 1868 eine Schrift unter dem Titel : »Etudes et observations sur la lutherie ancienne et moderne« heraus. Sein Nachfolger wurde Diter. Richer, O. H. — Montreal. 1886 Vielleicht mit Thomas Richer-Francis verwandt. Besserer kanadischer Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Richer-Francis, Thomas, englischer Geigen- macher dritten Ranges, der nach 1880 vor- kommt Richter, Casp. Wilh. Christian. — Hamburg Ein Instrumentenmacher, der am 19. Mai 1797 Bürger von Hamburg wurde. Richter, Christian. — Borstendorf. Geb. 1680, t 8. April 1755 Er soll zur vogtländischen Familie semes Namens ge- hören oder diese zur Borstendorfer. Richter, Christian Adam. — Klingenthal. 1724 Einer der älteren Klingenthaler, der schon 1724 im Geigenmacher-Kassenbuch als Meister bezeichnet wird. Er ist vermutlich mit dem Christoph Adam R., der 1708 in Markneukirchen in die Innung aufge- nommen wurde, identisch. Eine Verwechslung von Christian mit Christoph findet sich in den damaligen Urkunden ebenso häufig wie von Gottfried und Gott- lieb usw. Richter, Christian Friedrich. — Klingenthal. 1736 Sohn von Christoph Adam R. Wie sein Vater nur aus den Innungslisten bekannt. Richter — Riechers 415 Richter, Christoph Adam. — (Mark) Neu- kirchen. Geb. um 1685. 1708 In den Innungsbüchern heißt es von ihm am 8. Juni 1708: »Weiln dann dieser (Christoph Adam Richter, Geigenmachers Geselle) keines Meisters Sohn noch weniger seine zwey Wanderjahre nicht verwandert. Er vielmehr bei Ihre Hochfürstl. Durchl. unterthänigst angesuchet, ohne Wanderung (ihm) zu einem Mit- meister auff- und anzunehmen, (hat er) auch dafür 10 Thaler Hochfürstl. Cammer abtragen müssen . . .« Er war vermutlich ein Eingewanderter und scheint dann auswärts gestorben zu sein — vielleicht in Klingenthal — , da sein Name in den Markneukirchner Pfarrbüchern nicht vorkommt. Von ihm ist vielleicht die sechssaitige Tenor- Viola di Gamba in der Samm- lung Claudius in Kopenhagen, auf deren Zettel man f reihch nur den Namen Richter mit der Jahreszahl 1712 entziffern kann. Er scheint identisch zu sein mit dem bereits 1 705 in den Zunftbüchern erwähnten Christian Adam R. Richter, Johann Georg. — Borstendorf. Geb. 1692, t 16. April 1732 Vielleicht ein Bruder von Christian R. Man weiß von ihm nur, daß er bei Hans Vogel und Christian Richter gelernt hat. Richter, Karl, hat In Wien eine Werkstatt und beschäftigt einen Gehilfen als Reparateur für Geigen Richter. — Modena. 1808 Ein Deutscher, der sich am Anfang des 19. Jahr- hunderts als Gitarrenmacher in Modena niederließ. Er soll jedoch auch Geigen gemacht haben. Auch bei Valdrighi (2617) wird er erwähnt. Richter & Jühllng s. Jühllng Rlcolazl, Ludovlco. — Cremona. 1729 Ich kann diesen Namen nur auf Vidals Autorität hin hier anführen. Irgendwelche Belege, daß ein Geigen- machei L. Ricolazi wirklich in Cremona gelebt habe, waren nicht aufzufinden. Dagegen wurde von einem Davide Ricolazi in Cremona, Via lunga 1 74 . . . vor einigen Jahren in London eine Violine zum Verkaufe angeboten. Rlcozali, Nicolo. — Civitavecchla. 1759 Hofsekretär A. Gerschey in Lissabon besaß eine hoch- gewölbte Violine mit breiter, aus vier Holzfasern be- stehender Einlage dieses Geigenmachers, in der Arbeit an die Art Giglis erinnernd. Der Boden bestand aus einem Stück, die F-Löcher waren schön, der Lack gelblich und der Ton zwar etwas hohl, aber doch gut. Auf dem geschriebenen Zettel war der Name Ricozali zu lesen. Er gehörte wohl zu derselben Familie wie Ricolazi, — welche Lesart ist richtig? Rlcordl, Giovanni. — Mailand Eine Geige ohne Datum mit der Inschrift : »Giovanni Ricordi Milano« befindet sich im Mathiasdom zu Ofen (Budapest). Der Zettel deutet wohl den Verkäufer (Musikalienhändler), nicht aber den Verfertiger an. Ricque, Henri. — Brüssel? 1459. 1460 Ein Brabanter Meister, dessen Name urkundlich nach- zuweisen ist. Vgl. »Archives des Arts« (Brüssel). Riechers. — Hannover. 1835. 1848 Der Vater von August Riechers. Der letztere schreibt von ihm : »Schon als Knabe lauschte ich gern den Er- zählungen meines Vaters, der als Musiker in Hannover lebte und nebenbei als Autodidakt die Geigenmacherei betrieb ... Er erwähnte es stets als ein besonderes Er- eignis und betrachtete es als eine große ihm zuteil ge- wordene .Auszeichnung, daß er die Guarnerigeige Paganinis öffnen und reparieren durfte. Obgleich der große Künstler die .Arbeit lobte und durch die Repa- ratur vollständig zufriedengestellt war, iand er doch die angesetzte Rechnung von 3 Talern zu hoch, so daß sich dieser darüber sehr ärgerte und den Italiener samt seiner Geige verwünschte . . .<< Riechers, Albert. — Wiesbaden, London, Toronto, San Francisco. 1880. 1893 Ältester Sohn von August Riechers und dessen Schüler. Er wurde auch als Geiger ausgebildet, arbeitete in ver- schiedenen Städten und wanderte 1892 nach Amerika aus. Riechers, August. — Hannover, Berlin. Geb. 8. März 1836 in Hannover, f 4. Januar 1893 in Berlin Als Sohn eines Musikers, der sich auch mit dem .Aus- bessern alter Geigen beschäftigte, hat er schon mit 1 2 Jahren eine Geige selbständig zu machen versucht, kam aber trotzdem, sehr gegen seinen Willen, zu einem Klaviermacher in die Lehre. Hier hielt er es nicht lange aus; nun erst setzte er es durch, nach Markneukirchen geschickt zu werden, wo Carl Friedrich Ficker, genannt »Fickerhansl", sein Lehrer wurde ^). Als Gehilfe arbeitete er hauptsächlich bei L. Bausch. Wenn er beiden Meistern auch viel verdankte, so hat er es doch erst durch rastloses Selbststudium zu jener Voll- kommenheit gebracht, die ihn vor anderen Geigen- machern auszeichnete. 1862 ließ er sich in seiner Vater- stadt Hannover, Bübelingenstr. Nr. 1 1 , nieder und hatte das Glück, daß Joachim auf ihn aufmerksam wurde, ihn förderte und ihn schließlich im Jahre 1872 veranlaßte, seine Werkstatt nach Berlin zu verlegen. Er arbeitete fast ausschließlich nach den Modellen von Stradivari, wobei er immer wieder neue Versuche anstellte, und daher kommt es auch, daß seine ältesten Geigen zu dick im Holz sind, während seine späteren oft zu dünn erscheinen. Gut aber sind sie alle; nur unter den Gelgen aus seiner allerletzten Zelt, an denen er wenig selbst gearbeitet hat, und die nicht immer von ge- schickten Gehilfen herrührten, findet man solche, die minderwertig genannt werden dürfen. Er arbeitete un- gemein gewissenhaft und sorgfältig und verstand sich gut auf das Holz, wenn auch seine Ansicht, daß das ^) Im Gegensatz zu Riechers' eigener Angabe soll, wie in Markneukirchen erzählt wird, nicht Ficker-Hansel, sondern Carl Wilhelm Aug. Ficker, geboren 1818, f 1868 sein Lehrer gewesen sein. 416 Riede RIedl en Holz, wenn es fünf Jahre lang zugeschnitten gelagert habe, fertig zum Geigenmachen sei, nicht allgemein geteilt wird. Gewöhnlich verwendete er Spirituslack mit einem kleinen Zusatz von Terpentinöl. Im ganzen hat er über 1600 neue Geigen gemacht, und es wird kaum einen Geigenmachcr in Deutschland geben, der mehr italienische Meisterinstrumente repariert hat a's er; darunter sollen mindestens 300 »echte Stradivari« gewesen sein. Daher konnte man seine Werkstatt auch als eine Hochschule für junge Geigenmacher ansehen ; denn eine bessere Gelegenheit, sich zu vervollkommnen, als bei Meister Riechers, gab es damals nirgends. Er war ein wirklicher Kenner und hat auch eine kleine Schrift »Die Geige und ihr Bau« (4. Aufl. Berlin 1 91 2) hinterlassen. Auch als Bogenmacher war er ausgezeich- net, kurz, ein echter Künstler, der auch schon in der äußeren Erscheinung für sich einnahm. Gussow hat ihn in seiner Werkstatt gemalt. Ein sehr gutes Violoncello von ihm besaß Prof. Hausmann in Berlin. Geigenzettel : Abb. 654. Riedel, Joseph Alexander. — Braetz, Meserltz, Danzig. Geb. am 1 5 . September 1810 in Weissig (Kreis Steinau in Schlesien), f 1866 in Danzig an an der Cholera Einer der besseren deutschen Geigenmacher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er erlernte ursprünglich in Glogau das Tischlerhandwerk und ließ sich als Tischlermeister 1832 in Braetz (Kreis Meseritz) nieder, wo er am 23. Dezember 1834 auch das Bürgerrecht erwarb. Schon als Knabe wollte er immer Geigen- macher werden, und als ihm in den vierziger Jahren der Meseritzer Kreisphysikus Dr. Keßler eine Geige zur Reparatur anvertraute, erwachte seine alte Leidenschaft wieder. Er führte nicht nur die Reparatur zu allseitiger Zufriedenheit durch, sondern fertigte auch eine über Erwarten gelungene Kopie der Geige an. Er fand nun an Dr. Keßler einen warmen Freund und Gönner, der ihm alle Lehrbücher des Geigenbaus verschaffte und ihm in jeder Weise an die Hand ging. Er suchte die besten Instrumente, deren er habhaft werden konnte, zu kopieren, studierte ihre Vorzüge mit Eifer und wissenschaftlichem Ernste, und unterstützt von einer seltenen Handgeschicklichkeit brachte er es bald zur vollen Meisterschaft. Als 1850 Riedels Frau starb, gab [er seine Tischlerei ganz auf und verlegte sich von da an ausschließlich auf das Geigenmachen. Schon in den ersten Jahren seiner Kunstübung hatte er die Genug- tuung, daß ihm von einem polnischen Grafen eine Geige gezeigt wurde, die dieser als echte Stradivari ge- kauft hatte, die Riedel aber sofort als seine eigene Arbeit erkannte. Im Jahre 1854 wurde er vom kgl. preuß. Handelsministerium durch eine Geldprämie von 100 Talern ausgezeichnet und verlegte am 30. De- zember 1855 seinen Wohnsitz in die Kreishauptstadt Meseritz. Dort arbeitete er, fleißig studierend, weiter und baute von 1859 — 1863 auch Orgeln. In letzt- genanntem Jahre siedelte er nach Danzig über, wo er leider schon nach drei Jahren der Choleraepidemie zum Opfer fieP). Im Anfang betrieb er das Geigenmachen ^) Seinen Nachlaß kaufte Hofinstrumentenmacher Grimm in Berlin. ganz wie die alten Tiroler Meister, indem er im Winter jährlich etwa 15 Geigen machte, mit denen er dann im Sommer auf Reisen ging; immer aber arbeitete er mit der größten Sorgfalt, so daß er, da er jedes Instrument von Grund aus selbst machte, im Jahre selten über 20 Instrumente (Violinen, Bratschen und Violoncelli) fertigstellte. So ist die Arbeit an allen seinen Geigen bis ins kleinste außen und innen tadellos ; er war ein feiner Holzkenner und verarbeitete nur das allerbeste Holz, das sich zu verschaffen, er kein Opfer scheute; weniger gut ist sein Lack, der (meist goldgelb) nicht das Feuer der italienischen Geigen besitzt. Er bevorzugte das Guarnerimodell, arbeitete aber auch nach Stradivari. Im Anfange schrieb er seine Zettel; später verwendete er auch gedruckte Zettel mit handschriftlich hinzu- gefügter Nummer, oder er kopierte den Zettel des Originalinstruments, das ihm als Vorlage diente, und setzte geschrieben oder gedruckt darunter: »Josephus Riedel in Meseritz (Danzig) imitabat Anno 18 . .« Eine Geige, die nicht so gut war, wie er es verlangte, zer- brach er lieber, ehe er sie aus den Händen gab. Leider hatte er nur wenig materiellen Erfolg, so daß sein Idealismus um so höher anzuschlagen ist, da er sich nie dazu hergab, Fabrikware herzustellen. Heute werden seine Arbeiten bereits teuer bezahlt. Eine sehr gute Violine von ihm besitzt Konzertmeister Willy Gehreken. Geigenzettel : Abb. 634. Riedele, Mathias. — Augsburg. 1760. f vor 1802 Seiner Arbeit nach muß er ein Schüler von G. F. Wenger gewesen sein, den er mit bestem Erfolge nach- ahmte. Er machte besonders vorzügliche Bässe, aber auch viele Geigen von kleinstem Umfang, Taschen- geigen u. dgl. Da er im Adreßkalender von 1792 noch, in dem von 1802 aber nicht mehr vorkommt, dürfte er in der Zwischenzeit gestorben sein. Geigenzettel : Mathias Riedele / Lauten- u. Geigen- Macher / in Augsburg fecit 1 767 (gedruckt). Riedl, Joseph. — Schönbach (?). 1793 In einer Violine von gutem Schöhnbacher Aussehen fand ich seinen geschriebenen Zettel, auf dem der Wohnort (wie es schien, absichtlich) unleserlich ge- macht war. Riedl, Wenzl. — Oberschönbach b. E. Geb. 1854 m Oberschönbach Schüler von Joseph Siebenhüner, bei dem er seit 1869 lernte. Bis 1893 arbeitete er in verschiedenen Werk- stätten und machte sich 1894 selbständig. Er ist nicht identisch mit Wenzl Riedl, der um 1884 in Stockerau als Geigenmacher tätig war. Ein anderer Riedl war im 1 9. Jahrhundert in Preßburg ansässig. Riedlen, Gottlieb Friedrich. — Bonn. Geb. 1749 in Tuttlingen. 1785 Ein Mechaniker und Instrumentenmacher, der allerlei Musikinstrumente mit Klaviaturen erfand, unter anderen ein solches, das die -Wirkung eines Streich- quartetts mit Flöten hervorgebracht haben soll. Er kam 1782 nach Bonn, doch hat er mit seinen Erfindungen keinen nachhaltigen Erfolg erzielt. Rief — Rieger 417 Rief, Anton. — Vils. Geb. 22. Februar 1694 in Vils, t daselbst 25. August 1766 Was über die Mitglieder der Familie Rief in den Vilser Pfarrmatrikeln, die bis 1688 zurückreichen, zu er- mitteln war, hat Dr. Fr. Waldner in seinen Nachrichten über Tiroler Geigen- und Lautenmacher (Ferdmand. Zeitschr. III F. 55. Heft) veröffentlicht. Anton Rief war der Sohn des Conrad R. und der Katharma Rauscher und vermählte sich am 13. September 1719 mit Maria Elisabeth Wörl. Seine Geigen sind von guter Tiroler Arbeit und haben zumeist schönes Deckenholz. Der Lack ist braun. Geigenzettel: Anton Rief in Vils / im Tyroll / 1725 (gedruckt). Rief, Antoni. — Vils. 1810 Ein von Dr. Fr. Waldner nicht erwähntes Mitglied der Familie Rief, von dem ich jedoch zwei Geigen, beide mit der Jahreszahl 1810, in Händen gehabt habe. Die Arbeit kam den besseren Mittenwaldern jener Zeit sehr nahe, nur der Lack war recht dürftig. Geigenzettel: Antoni Rief in Vils / 1810 (gedruckt). Rief, Dominicus. — Vils. Geb. am 13. Januar 1759 in Vils, t das. 3. Dezember 1814 Sohn und wohl auch Schüler von Matthäus R. Er heiratete am 24. Februar 1 787 Maria Franziska Schon- ger und war vielleicht der beste Geigenmacher aus seiner Familie und sicher einer der besten seines Wohn- sitzes. Seine Arbeit ist sehr sorgfältig, das Holz gut ge- wählt und der Ton groß, nur manchmal etwas näselnd. Sein Lack hat stark nachgedunkelt. Er verwendete ge- schriebene und gedruckte Zettel. Eine Violine von ihm besitzt Konzertmeister Fr.Eibl in Innsbruck, eine große Viola mit Perlmuttereinlagen am Griffbrett und ein Violoncello das Ferdinandeum. Geigenzettel: Dominicus Rief / in Vils in Tyroll 1810 (gedruckt) und Abb. 652. Rief, Johann Georg. — Vils. Geb. 1 . April 1765 in Vils, t daselbst 1 . Januar 1848 Sohn des Matthäus R. und jüngerer Bruder von Domi- nicus R. Er heiratete am 18. April 1798 Magdalena Heng und war Geigenmacher und Sakristan der Vilser Stadtpfarrkirche. Seine Arbeit ist der der übrigen Mit- glieder seiner Familie sehr ähnlich; nur scheint er eine etwas höhere Wölbung bevorzugt zu haben. Sein Lack ist braun. Eine sauber gearbeitete Violine von ihm be- sitzt K. Frei in Göppingen, eine Viola die Kirche in Vils. Geigenzettel: Joh. Georg Rief in Vils / in Tyrol 1797 (gedruckt). Rief, Joseph Matthäus I. — Vils. Geb. 6. Sept. 1799 in Vils, t daselbst 10. Juni 1848 Sohn des Dominicus R. Verheiratet war er seit dem 19. April 1830 mit Marianne Sandbiller. Seine Arbeit weicht in Nebensachen von der der übrigen Mitglieder seiner Familie etwas ab: vielleicht hat er nicht in Vils gelernt, da er erst 15 Jahre alt war, als sein Vater starb. Er hatte einen hellbraunen Lack, arbeitete sauber; die V. Lü t g-e n d o rf f , Geig-en- und Lautenmacher. Bd. II Backen des Wirbelkastens machte er breit ; die Schnecke ist gut gestochen und die F-Löcher verraten eine ge- wisse Eigenart. Er soll sich viel mit allerlei Versuchen abgeplagt haben. So befindet sich eine Violine mit doppeltem Boden in W. He)-ers Musikhistorischem Museum in Köln. Seine Arbeiten sind von denen seines nur um zwei Jahre jüngeren, gleichnamigen Vetters da- durch zu unterscheiden, daß er sich auf seinen Zetteln kurzweg Joseph Rief nennt, während jener beide Vor- namen anwendete. Geigenzettel : Joseph Rief Lauten- / macher in Vils 1829 (geschrieben) und Abb. 640. Rief, Joseph Matthäus II. — Vils. Geb. 2. Januar 1801 in Vils, f daselbst 2. März 1879 Sohn von Johann Georg R. und wohl auch dessen Schüler. Am 17. Juli 1826 heiratete er in erster Ehe Regina Balbina Erd, in zweiter am 25. September 1844 Maria Anna Hartmann. Er arbeitete ähnlich wie Joseph Matth. I und sauber, nur manchmal etwas plump in der Form. Er war der letzte Geigenmacher in der Familie. Der Großbetrieb in Mittenwald machte der Geigen- macherei in Vils den Garaus, und in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens soll sich Jos. Matth. !I R. nur noch selten mit dem Geigenbau beschäftigt haben. Seine beiden noch lebenden Söhne besitzen eine Violine von ihm. Geigenzettel: Joseph Matthäus Rief / Geigenmacher zu Vils / 1857 (geschrieben). Rief, Makarius? — Vils. 1789 Wenn der schwer leserliche Zettel nicht doch dem Matthäus zuzuweisen ist, wie ich glauben möchte, hätten wir noch ein bisher nicht bekanntes Mitglied der Familie zu verzeichnen. Rief, Matthäus. — Vils. Geb. in Vils am 19. September 1728, f daselbst 27. März 1794 Sohn und wahrscheinlich auch Schüler von Anton R. Er war seit dem 10. Januar 1757 mit Maria Schwarz verheiratet. Er gehört zu den besseren Meistern aus seiner Familie; seine Geigen sind sauber gearbeitet und klingen gut. Eine recht wohlgelungene Violine von ihm mit ziemlich flacher Wölbung und länglichem Modell besitzt C. Stoeber m Würzburg. Geigenzettel: Matthäus Rief in / Vils im Tyrol 1789 (gedruckt). Rieger, Andreas I. — München. Geb. 1836 in Mittenwald Sohn von Josef Rieger ; Schüler seines Vetters Johann R. Von 1852 — 1859 arbeitete er bei Bauer in Stuttgart, nach seiner Militärzeit bei Tiefenbrunner in München und gründete dort 1870 sein eigenes Geschäft. Er ver- legte sich hauptsächlich auf das Ausbessern alter Geigen und den Handel und machte zu diesem Zwecke größere Reisen. Als sein Schwiegersohn Fiorini in das 27 418 Rieger Rieller Geschäft eintrat, änderte er die Firma in »Rieger und Fiorini«, zog sich 1896 in das Privatleben zurück und kehrte in seinen Geburtsort heim, wo er noch zum Ver- gnügen als Geigenmacher tätig war, bis es ihm das hohe Alter unmöglich machte. Er war mit Wally, geb. Frey, vermähltd 3. Februar 1901). Rieger, Andreas II (»Anderl«). — Mittenwald. Geb. 1852, t 1899 Ein Vetter von Andreas I R. Er arbeitete nur im Wmter als Geigenmacher für die Verleger; im Sommer war er immer in den Bergen und galt auch als zuverlässiger Führer. Rieger, Anton. — Mittenwald. 1780 Einer der besten Geigenmacher aus seiner Familie. Rieger, Caspar. — Mittenwald. Geb. 7. Januar 1766. 1790 Sohn von Joh. R. Ihm dürfte eine mittelmäßige Violme zuzuschreiben sein, die den Zettel trug: K. Rieger, Geigen- / macher in Mittenwaldt / 1 790 (gedruckt). Rieger, Franz Jonas. — Füssen (?). 1683 Der Name ist nicht ganz sicher zu lesen und auch der Ort nicht deutlich. Manche wollen Neyß lesen. In Neiße war nie ein Rieger ansässig, dagegen war am Ende des 17. Jahrhunderts der Familienname Rieger in Füssen heimisch, und es liegt nahe, daß die Mitten- walder Rieger aus Füssen eingewandert sind. Ob die Vermutung, daß die Ruger (Rugger) in Cremona in einem Füssener Rieger ihren Stammvater erblicken müssen, mehr als eine Vermutung ist, wird schwer fest- zustellen sein. Eine Geige von ihm besitzt das Ger- manische Museum in Nürnberg. Geigenzettel: Franciscus Jonas Rieger (?) / renovavit / musicus instrumentalis/Vyess.Ao. Do. 1683 (gedruckt) Rieger, Georg. — Mittenwald. 1760. 1791 Seine Geigen unterscheiden sich in mancher Beziehung von den übrigen Mittenwaldern. Er arbeitete nach einem eigenen Modell, das am ehesten an Ruggeri erinnert und war auch ein sehr geschickter Baßmacher. Holz und Arbelt sind stets gut, nur der Lack ist manch- mal zu dunkel. Gelgenzettel : Abb. 632. Rieger, Johann I. — Mittenwald. Geb. um 1735, t nach 1768 Es kommen nur wenige Arbeiten mit seinem Namen vor, und diese sind nicht bemerkenswert. Im Jahre 1 761 war er schon verheiratet. Er darf als der Stammvater der jetzt noch blühenden Familie betrachtet werden. Noch gegenwärtig arbeiten 10—12 Geigenmacher namens Rieger für die großen Mittenwalder Fabriken. Rieger, Johann II. — Mittenwald. 1860 Seine Geigen zeigen ein volles Modell, haben lange spitze Ecken, schöne F-Löcher und einen rotbraunen Lack. Die Schnecken scheint er nicht selbst geschnitten zu haben. Da er meistens für die Verleger tätig war, kommen Geigen mit seinem Zettel verhältnismäßig selten vor. Gelgenzettel: Johann Rieger Mittenwald 1860 (ge- schrieben). Rieger, Johann Nikolaus. — Mittenwald. Geb. 29. Januar 1764 Sohn von Johann R., scheint jung gestorben zu sein. Rieger, Joseph. — Mittenwald. 1792. \ 1837 Sohn und Schüler von Philipp J. R. Ein sehr fleißiger Gelgenmacher, der, ohne gerade ein Künstler zu sein, doch recht gute Gelgen gemacht hat. Auch seine Gitarren sind brave Arbeiten. Eine solche von 1792 besitzt das Historische Museum in Basel. Geigenzettel: Joseph Rieger Geigen- und / Violon- m.acher in Mittenwald / an der Isser 1827 (geschrieben). — Joseph Rieger Geigen- ,' macher in Mittenwald an / der Iser 17.. (gedruckt). — Joseph Rieger / Instru- mentenmacher in Mittenwald/ an der Isar. 1830 (ge- druckt). Rieger, Korbinian I. — Mittenwald, fum 1880 Ein talentvoller, sorgfältig arbeitender Gelgenmacher, der aber fast ausschließlich für die Mittenwalder Ver- leger tätig war. Rieger, Korbinian II. — Mittenwald, f um 1916 Er galt zu seiner Zelt als der beste Violoncellobauer in Mittenwald. Rieger, Mathlas. — Mittenwald. 1760. 1767 Ähnlich wie die Jais arbeitend, verwendete er einen sehr mageren, farblosen Lack. Dagegen sind seine Schnecken sehr hübsch geschnitzt. Rieger, Mathias Alois. — Mittenwald. Geb. 14. September 1768 Sohn von Georg R. Gelgen von ihm sind mir nicht be- kannt geworden. Rieger, Philipp Jacob. — Mittenwald. Geb. I.Mai 1768. 1801 Sohn von Joh. Rieger. Seine Geigen können als gute Mittenwalder Durchschnittsarbeit bezeichnet werden. Geigenzettel: Philip Rieger in / Mittenwald 1801 (ge- druckt). Rieger & Fiorini. — München. 1892 Gelgen- und Zithermacherfirma im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, die Andreas Rieger mit seinem Schwiegersohne Fiorini begründete. Rieller, Johann. — Mittenwald. 1804 Wenig bekannter Gelgenmacher der Mittenwalder Schule. Gelgenzettel: Johann Rieller Geig. / in Miettenwald, an der Isar 1804 (gedruckt). Riemann Rinaldi 419 Riemann, Carl. — Posen, Ende des 19. Jahr- hunderts Ein Zahnarzt und Zahntechniker, der sich aus Lieb- haberei mit dem Geigenbau beschäftigte und emige Geigen (unter anderem mit Löwenköpfchen am Wirbelkasten) gemacht hat. Riemer, J.G. — Würzen. 1882. 1891 Häufiger als Geigen, die er selbst gemacht hat, kommen Wiederherstellungsarbeiten von ihm vor. Geigenzettel: Repar: / von J.G.Riemer. / Würzen 1882 (gedruckt). Riemeyer, Albert. — Zürich. 1920 Nachdem er durch Liebhaberei zum Geigenbau ge- kommen war und sich durch Selbststudium allerlei Handgeschicklichkeit erworben hatte, machte er noch eine regelrechte Lehrzeit bei Jos. Hofmann durch und imitiert jetzt mit Erfolg alte Geigen nach einem Ver- fahren, von dem er überzeugt ist, daß in diesem das sog. Geheimnis der großen Cremoneser bestand. Riesenberg, J. H. — Hamburg. 1834 Er wohnte Kurze Straße Nr. 204 und war ein tüchtiger Meister, der sehr flache Geigen nach Stradivari ge- baut hat. Geigenzettel : J. H. Riesenberg / Hamburg Ao. 1834 / den 14en Dec. (gedruckt). w len. 1820. Bamberg. Geb. um 1720, Rieß, Andreas. t 1777 Wahrscheinlich ein Sohn und Schüler von Joseph R., mit dem er wohl auch verwechselt wird. Er gehört zu den wenigen deutschen Geigenmachern des 18. Jahr- hunderts, die schon bei Lebzeiten einen gewissen Ruf besessen haben, wobei ihm freilich zugute kam, daß Joseph R. sein Vorgänger gewesen ist. Andreas R. war schon 1750 Hofgeigenmacher, und daß er auch ein tüchtiger Musiker war, geht daraus hervor, daß er zum Rector chon am Dom ernannt wurde. Auch als Orgel- bauer hat er sich betätigt. Er bezog ein Gehalt von 80 fl. jährlich, wurde aber für besondere Dienste be- sonders belohnt. So heißt es in den Hofkammer- Rechnungen: »1751, Febr. 4. Andreas Rieß, Hof- geigenmacher (erhält) für einen nach Hof gefertigten großen Violen 24 fl. Ferner 1753, März 3. Andreas Rieß Hofgeigenmacher und Musico für dessen Be- mühung bey aussuch und Liberirung der Hofmusi- kalien 12 fl.« (Vgl. E. Frhrr. v. Marschalk, Die Bam- berger Hofmusik unter den drei letzten Fürstbischöfen. Bambg. 1885.) Seinen Geigen, die hochgewölbt sind, wird ein ansprechender Ton nachgerühmt. Rieß (Ris), Joseph. — Bamberg. 1719. Soll 1737 noch gelebt haben Arbeiten von ihm kommen noch mehrfach vor; seine Geigen schließen sich an das Stainermodell an und sind recht gut gemacht. Leider fehlt sein Name in den Hof- kammer-Rechnungen usw. Eine Arbeit von ihm aus dem Jahre 1719 besitzt das Museum in Kopenhagen. Rieß (Ries), Nikolaus Georg. 1843 Er wohnte als Lauten- und Geigenmacher auf der Landstraße (111. Bezirk) Nr. 106, legte am 21. März 1823 den Bürgereid ab und war im Jahre 1843 Mitvor- steher der Geigenmacherinnung. Eine besondere Ge- schicklichkeit bewies er als Gitarrenmacher. Seine Zettel versah er mit einem Siegelabdruck seines Pet- schafts. Geigenzettel : Nicolaus Ries / Guitar u. Geigenmacher / in Wien 1820 (in Geigen) (gedruckt). — Nach dem Modell des / Luigi Legnani / (L. S.) (Emblem) / Nikolaus Georg Ries / in Wien (in Gitarren) (gedruckt). Riez, du s. Du Riez Rifry, Johannes. — Freiburg i. Schweiz. 1632 Nach Grillets Mitteilung sind von ihm Violoncelli und Bässe bekannt geworden. Bedot in Genf besitzt die Zargen und den Wirbelkasten eines Instruments von ihm. Da er wahrscheinlich kein Bürger war, fehlt sein Name in den Freiburger Bürgerbüchern ; auch sonst kommt sein Name in den Akten des Freiburger Archivs nicht vor. Auch der St. Lukasbrüderschaft gehörte ein Rifry nicht an, so daß es leider nicht gelang, mehr über ihn zu erfahren, als was Grillet meldet. Righi, Antonio. — • Modena. 1817 Sohn des Ambrosio R. Er war seines Zeichens ein Färber, der, vielleicht nur als Dilettant, Bässe von ge- wöhnlicher Arbeit gemacht hat. Geigenzettel: Antonius Righi tinctor, / filius Ambrosii, fecit Mutinae, anno 1817 (gedruckt). Rlgondeau, Theodore. — La Rochelle. 1840. 1860 Ein tüchtiger Geigenmacher, der sich später mit seinem jüngeren Bruder, der hauptsächlich Klavier-, Har- monium- und Orgelmacher war, zu der Firma Rigon- deau freres verband. Am 1. April 1874 wurde ihr Schüler E. Ferrand ihr Nachfolger. Beide Brüder sind bereits vor 1899 gestorben. Geigenzettel : Abb. 631 . Riley, Henry. — Liverpool Er wird als geschickter Geigenbauer bezeichnet. Rinaldi, Celeste. — Modena. 1878 Er wohnte als Geigenmacher in der Vorstadt La Ma- donnina in Modena. (Valdnghi 2631). Rinaldi, Gioffredo Benedetto. — Turin. 1850. t 1888 Lieblingsschüler von Pressenda; ein geschickter Gei- genmacher, dessen Violoncelli sehr geschätzt sind. Auch als Kenner alter Geigen und als Händler war er bekannt. Er stand in Verbindung mit Tarisio und war nach dessen Tod einer der geschicktesten Entdecker alter Instrumente in Italien. Er gab in Turin 1873 eine Schrift heraus unter dem Titel : Classica fabbricazione di violini in Piemonte, in der das Ausführlichste über Pressenda berichtet wird. 27* 420 Rinaldi Ritti 'g Rinaldi, Lodovlco. — Rimlni. 1804 Gitarren und Mandolinen, die ihm zugeschrieben werden, verraten keine sehr geschickte Hand. Rinaldi s. Marengo-Rinaldi Ringer, Josef. — Absroth. Geb. 21. Februar 1844 in Absroth Schüler von Johann Werner. Im Jahre 1878 machte er sich in Leibitschgrund selbständig und stellte gute, billige Geigen her. Rinne, Friedrich Wilhelm. — Hamburg Ein Instrumentenmacher, der am 27. April 1798 das Bürgerrecht erwarb. Rinozz, Mattheo, J. — 1799 Eine dunkel lackierte Violine nach Amati mit diesem (wohl falsch gelesenen) Namen bot Withers zum Kauf an. Rlppel, Christian. — Glatz. 1765 Eine interessante Viola, ohne Einlage, trägt den ge- schriebenen Zettel: Christian Rippel / Geigenmacher, Glatz/ 1765 (gedruckt). Riß s. Rieß Ristonni, Gianfrancesco. — Florenz. 1678 Sohn des Giovanni R. Ein Lautenmacher, den Val- drighi (2636) anführt. Rltchle, Archibald. — Dundee. Geb. 3. Okt. 1833 in Woodend, Banchory, f vor 1904 Er war lange Jahre im Eisenbahnbau tätig und hat alle seine freie Zeit darauf verwendet, die Geigenmacherei zu studieren; er begann damit schon als Knabe. Ernst- hafter beschäftigte er sich damit seit 1863 und hat über 150 Violinen gemacht, die alle recht gut sind und eine geschickte Hand verraten. Seine älteren Geigen sind nach Stradivan gemacht und haben Spirituslack, die späteren nach Guarneri mit OUack. Er verwendet auch einen Brandstempel mit seinem Namen. Geigenzettel : A. Ritchie / Maker / No. 1 1 3 Dundee 1895 (gedruckt). Ritmüller (Rittmüller), Gottlieb Wilhelm. — Göttingen. Geb. um 1 770 im Eichsfelde (?), t vor 1830 Er wurde am 17. November 1794 als Eingewanderter zum Bürger angenommen, und legte am 5. August 1795 den Bürgereid ab. Ursprünglich machte er Lauten, Gitarren und Harfen; später verlegte er sich haupt- sächlich auf den Bau von Klavichorden und Klavieren und wurde der Gründer der heute noch bestehenden berühmten Klavierfabrik, die somit jetzt die älteste in ganz Deutschland ist. In den Kirchenbüchern wird er stets »Instrumentenmacher« genannt; bei wem er ge- lernt hat, steht nicht fest; sein Vater war Weißbinder- meister in Göttingen. Am 12. Oktober 1800 heiratete er Dorothea Schenterlein, von der er mehrere Söhne hatte; zwei davon, der am 26. Juni 1802 geb. Johann Wilhelm und der am 12. Dezember 1803 geb. Johann Martin, wurden gleichfalls Musikinstrumentenmacher und setzten das väterliche Geschäft fort. Ob er jemals Geigen gemacht hat, ließ sich nicht ermitteln; es ist aber wahrscheinlich. Seine Gitarren waren seiner Zeit sehr gesucht ; eine solche befindet sich in der städtischen Altertümersammlung in Göttingen. Auf einigen wenigen Zetteln, die in lateinischer Sprache ge- schrieben waren, übersetzte er den Namen Gottlieb in »Theophilus«; im übrigen verwendete er nur den folgenden gedruckten Zettel: G. W. Rittmüller / in / Göttingen / verfertigt Piano, Forte in Flügel / und aufrecht stehender Form / Clavichorden, Pedal Har- / fen u. Guitarren. — Sein Bruder, der Vater des Kari- katurenzeichners, war ebenfalls Lautenmacher, Ar- beiten von ihm sind in der Städtischen Altertums- sammlung in Göttingen erhalten. Rittberg (Riesenberg?). — Hamburg Angeblich ein im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts in Hamburg tätiger Geigenmacher. Ritter s. Melsinger Ritter, Franz Richard. — Markneukirchen, Gunzen. Geb. in Schöneck am 10. Mai 1857 Schüler seines Schwagers Wenzel Himmer. Nach Be- endigung seiner Militärzeit arbeitete er als erster Ge- hilfe in größeren Werkstätten und machte sich 1883 in Markneukirchen selbständig, siedelte aber 1889 nach Gunzen bei Zwota über, wo er auch das Amt eines Gemeindedieners versehen soll. Ritter, Hermann. — Würzburg. Geb. 16. Sept. 1849 in Wismar Der Erfinder der Viola alta, des dreifüßigen Stegs, der fünfsaitigen Viola, eines neuen Streichquartetts usw.^) Ein ausgezeichneter Geiger und Virtuose auf seiner Viola alta sowie tüchtiger Musikgelehrter und Musik- schriftsteller. Er lebt als Professor in Würzburg. Ritter, Paul. — Schöneck 1. S. Geb. in Schöneck 1867 Schüler von W. Neumärker, seit 1887 selbständig, macht nach den Modellen italienischer Meister Vio- linen, Violen, Violoncelli, Bässe usw. und erfand eine Reform-Gitarre, bei der das Greifen der linken Hand in Wegfall kommt. Er klebt teils eigene Zettel, teils solche mit den Namen der Meister, deren Modelle er nachahmt, ein. Rittig (oder Rlttio, vielleicht Raillch ?), Christo- farus. — Genua. 1680. 1692 Ein Violoncello in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln (Nr. 923) trägt diesen Namen. Die F-Löcher sind auffallend groß, sonst ist die Arbeit gut. Geigenzettel: Christopharus Rittig fe- / cit Genuoe anno 1680 (gedruckt). 1) Vgl. Keller, Phil, und Hörlein. Ri Roclii 421 Riva, Giovanni. — Piacenza. 1884 Es gibt Geigen mit diesem Namen, die jedoch wenig bemerkenswerte Eigenschaften haben. Rivolta, Giacomo. — Malland. 1800. 1834 Er führte das Ladenschild »all' insegna de! S'^° Re Davide«. In der Arbeit und dem Lack ein geschickter Nachahmer der Gaghani und wahrscheinlich aus deren Schule hervorgegangen. Besser als seine Violinen sind seine Violoncelli, am besten jedoch seine Gitarren. Sein goldgelber Lack ist sehr schön. Ein Kontrabaß von ihm aus dem Jahre 1834 (Gesamtlänge 184,5 cm) befindet sich im Mailänder Konservatorium. Geigenzettel : Jacobus Rivolta / fecit Mediolani 1821 (gedruckt). — Giacomo Rivolta ' fece Milano 1828 (gedruckt). — Giacomo Rivolta fece, 1834 / Premiato dl medaglia d'argento indi diquella d'oro ' per aver fatto risorgere la scuola del celebre Stradivari (gedr.). Rizzottl, Nicola. — Novellara (Modena). 1880 Obwohl er sich nur autodidaktisch zum Geigenmacher ausbildete, hat er doch gute Violinen und Violoncelli gemacht. Roberts, R. C, ist seit 1880 als Geigenmacher in Bolton ansässig Roberts s. Cope Robertson, John H. — Calperum (Süd-Austr.). 1908 Ein Liebhaber, der gute Geigen zu bauen versteht; nur sein Lack läßt zu wünschen übrig. Robinson. — Manchester. 1885. 1889 Englischer Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Robinson, Robert. — Boston. Geb. 12. Sept. 1 85 1 m Sandusk}^ (Ohio, Amerika) Nachdem er von 1871 — 1877 in Des Meines, Iowa, von 1882—1884 in Denver Colorado, New York, von 1885 bis 1891 wieder in Des Moines, von 1891—1892 in Salt Lake, Utah, von 1893 — 1894 in Chicago und von 1897 — 1898 in San Francisco gearbeitet hatte, machte er sich 1899 in Boston als Geigenmacher selbständig. Er macht neue Geigen nach Stradivari und Guarneri und hat ein eigenes Modell, das zwischen beiden liegt. Er verwendet einen Spintuslack eigener Zusammen- setzung von bernsteingelber bis dunkelroter Farbe. Geigenzettel : Abb. 633. Robson, A. Guter schottischer Geigenmacher. Rocca. — Genua. 1762 In den Umrissen ahmte er Joseph Guarneri nach. Sein Modell ist flach gewölbt, die Schnecke sehr eigentüm- lich in der Form. Ich kenne nur geschriebene Zettel von ihm. Rocca, Enrico. — Genua. 1887. I9I4 Geschickter Geigen- und Mandolinenmacher, Sohn und Nachfolger von Giuseppe R. Seine Arbeiten sind auch in England beliebt. Rocca, Giovanni Domenico. — Turin. 1809 In einer nach Guarneri gebauten Violine fand sich ein Zettel mit dem Namen dieses sonst nicht bekannten Mitglieds der Familie Rocca. Geigenzettel: Joh. Domin. Rocca / Taurini 1809 (ge- schrieben). Rocca, Giuseppe. — Genua. 1854 Der Vater Enricos und nicht identisch mit dem gleich- namigen Turiner Meister. Er arbeitete recht gut nach Guarneri. Rocca, Giuseppe Antonio. — Turin, Genua Geb. um 1 8 1 0 in Alba (Piemont), f nach 1 868 Bis zu seinem 20. Jahre arbeitete er bei seinem Vater als Bäcker, fing dann aus Liebhaberei an, Geigen zu machen, und wurde später Schüler von Pressenda, in dessen Art er arbeitete, und dem er sehr nahekam; nur sein Lack ist weniger gut und oft zu dick, am besten der von rotbrauner Farbe. Er wählte schönes Holz, machte den Boden gern aus einem Stück und erzielte einen großen, edlen Ton. Von ihm gibt es sehr gute Kopien nach den alten Meistern (Stradivari, Maggini, Guar- neri usw.). Er besaß Medaillen von den Ausstellungen in Paris, London, Genua und Turin. Er verwendete verschiedene Zettel und brachte in der Mitte der Innen- seite der Decke und über dem Hals beim Eingang in den Wirbelkasten und oft noch an mehreren anderen Stellen gleichzeitig die Brandmarke G.R an. Leider ergab er sich in seinen letzten Lebensjahren dem Trünke und fand zuletzt im Rausche durch einen Un- glücksfall seinen Tod. Den Namen Rotta zu lesen und dann Rota daraus zu machen, ist falsch. Eine gute Violine von ihm besitzt Ingenieur Richard Renner in Tutzing. — In neuerer Zeit tauchen sehr viele Fäl- schunsen seiner Arbeit auf, und fast alle tragen die Jahreszahl 1831! Geigenzettel : Josephus Rocca, Taurini 1830 (gedruckt). — T G R Joseph Rocca fecit , Taurini anno Domini 1 843 (gedruckt). — Joseph Rocca fecit 0 R (ur d Kreuz) / Premiato di Medaglie alle Esposizione , di Torino, Genova, Londra e Pangi / Taurini anno Domini 18 . . ' I H S (gedruckt) und Abb. 665. Roche, Nicolas. — Mirecourt. f 6. April 1785 Er war mindestens seit 1 757 tätig. Roche. — Marseille. 1908 Erfinder eines lyraförmigen Saiteninstruments, das er »La Vega« nennt. Rochi, Christofilo. — Padua. 1620 Baron (1727) erwähnt ihn mit folgenden Worten: »Christofilo Rochi und Sebastian Rochi haben beyde Anno 1620 florirt; der erste lebte zu Padua, der andere aber zu Venedig*. 422 Rochi — Röselmüller Rochi, Sebastiane. — Venedig. 1620 Ein Lautenmacher, den Baron (1727) hervorhebt, der mir aber sonst nicht bekannt wurde. Rockwell, N.-Boston. — 19. Jahrhundert Einer der vielen, die sich vergebHch mit der »Ver- besserung« der Geige abgeplagt haben. Er vergrößerte den Umfang und kam schließlich zu ganz falschen Proportionen. Rodiani (Rudiani), Giovita. — Brescla, Bo- logna. Geb. um 1545, t nach 1624 Die Namen dieses Meisters kommen in der Literatur in unglaublichen Entstellungen vor; Fetis nannte ihn Javietta (auch Juvento) Budiani und Vidal Francesco B., und es ist ein Verdienst Valdrighis, die Namen richtig- gestellt zu haben. Giovita war der Sohn Giovanni Francesco Rudianis und hielt sich um 1572 wohl nur vorübergehend in Bologna auf. In Urkunden kommt er vor als »Ser Jovita R. che fa violini in Bressia«oder als »fabricator a violinis«. Er wohnte in der Contrada della Tresanda di Sto. Rocco. Die Geigen Rodianis ent- sprechen dem Stile G. d. Salös, bei dem er viel- leicht als Gehilfe gearbeitet hat, später auch denen Magginis, und haben gelben Bernsteinlack. Er erreichte ein Alter von etwa 80 Jahren. Eine prachtvolle Geige von ihm besitzt Abt Sales Bauer in Rein (Steiermark). Geigenzettel : Giouita Rodiani in Brescia (gedruckt). RodilH, Lulgi. — Nancy. 1511 Er wird als Musikinstrumentenmacher erwähnt und dürfte aus Italien eingewandert gewesen sein. Rodriguez, Antonio Maria. — Lissabon. 1896 Portugiesischer Gitarren- und Mandolinenmacher vom Ende des 19. Jahrhunderts. Röber s. Reber Roediger, Aug. — Aschersleben, Magdeburg. 1890. 1900 Von Hause aus Musiker, verlegte er sich erst später auf das Geigenmachen und unterhält jetzt eine Reparatur- werkstatt in Magdeburg. Geigenzettel : Reparirt August Roediger / Aschersleben 1892 (gedruckt). Roediger, Fr. — Halberstadt. 1921 Ein Geigengeschäft mit Instrumentenbau- und Repa- raturwerkstatt. Röllig, G. — 1801 Baute Streichklaviere. Röpcke, Johann Friedrich. — Wismar. 1845. 1874 Er erwarb am 18. Dezember 1845 als Instrumenten- macher das Bürgerrecht und erscheint zuletzt 1874 im Wismarer Adreßbuch. Es gibt einige ganz gute Geigen von ihm, die in ihrer Arbeit erkennen lassen, daß er bei genügender Förderung ein tüchtiger Meister geworden wäre. Er hatte aber schwer zu kämpfen und verarbeitete gewöhnlich nur minderwertiges Holz. Sein Patron ist lang und schmal. — Leider haben die Geigenmacher in Wismar wie an manchen anderen Orten das greuliche Wort Instrumentenmacher für klangvoller gehalten. Was für Instrumente sie gemacht haben, wird dadurch so verschleiert, daß man von den in den Wismarer Bürgerbüchern vorkommenden Instrumentenmachern Joachim David Christian Heyl (1828, 22. November), Christian Heinr. Ludw. Erhardt (1829, 16. Juni), Wilh. Karl Jak. Schröder (1831, 9. Juli), Friedr. Wilh. Lemmert (1832, 14. Juli), Karl Heinr. Vöge (1840, 20. Februar) und Heinr. Alb. Döring (1840, 14. Mai) nicht sagen kann, ob sie als Vorgänger Röpckes in Be- tracht kommen. Geigenzettel : Reparirt / von / Johann Friderich Röpcke Instrumentenmacher/ in Wismar Anno 18.. (gedruckt). Rösch, Andreas. — Mittenwald. 1796 Vielleicht der geschickteste aus seiner Familie. Geigenzettel : Andreaß Rösch in / Mittenwald an der Is. afio 1796 (geschrieben in Druckschrift, mit kalligr. Verzierungen). Rösch, Johann Joseph. — Mittenwald. Geb. 12. November 1763. 1790 Sohn von Jos. R. Eine mit sehr farblosem Lack über- zogene Violine von nicht ganz richtiger Mensur trug einen Zettel, auf dem nur zu entziffern war: »Johann Rö waldt 1790«, die ich dem Sohne von Jos. Rösch zuschreiben möchte. Rösch, Joseph. — Mittenwald. 1750. 1767 Er gehört, wie alle seine Zeit- und Ortsgenossen, zur Klotzschule, und demgemäß sind seine Geigen nach M. Klotz und Jakob Stainer gebaut. Sie sind alle sehr hoch gewölbt und braun lackiert. In den Kirchen- büchern kommt er zuerst 1760 und zuletzt 1767 vor, scheint aber noch nach 1780 gelebt zu haben. Bremen. 1865. f um Röscher, C.H.W. 1880 Er war von Hause aus Tischler und hat sich frühzeitig mit der Wiederherstellung alter Musikinstrumente be- faßt. Er hatte dabei ein gewisses Geschick, und so sind auch die Geigen, die er selbst gemacht hat, wenn sie auch nicht als Kunstwerke gelten können, ganz gut gelungen. Es gibt allerdings auch verschiedene Geigen, die seinen Zettel tragen, die aber so vogtländisch aus- sehen, daß es sehr zweifelhaft erscheint, ob sie wirk- lich von ihm gemacht worden sind. Röselmüller, August Hermann. — Kreuznach, Königsberg i. Pr., Markneukirchen, Dessau. Geb. 10. November 1855 in Markneu- kirchen Schüler von Chr. W. Seidel, arbeitete als Gehilfe bei Hampe in Amsterdam und J. Diehl in Hamburg. Nach einem vierjährigen Aufenthalt in Kreuznach, wo er die Geigenbauwerkstätte der Gebr. Wolff einrichtete und leitete, ließ er sich in Königsberg nieder und blieb hier Rösendahl Roismann 423 fünf Jahre lang. Um 1890 kehrte er In seine Vaterstadt zurück. Im Jahre 1900 wurde er veranlaßt, seine Werk- statt nach Dessau zu verlegen, und brachte es dort zu besonderem Ansehen und wird als tüchtiger gewissen- hafter Meister allgemein geschätzt. Er arbeitet sorg- fältig nach Stradivari und ist auch ein vielbeschäftigter Reparateur. Schon 1885 erhielt er in Königsberg für ein von ihm gebautes Quartett eine silberne Medaille und seitdem noch manche andere .Auszeichnung. Rösendahl s. Weber Roeser, Johann. — Würzburg. 1872. 1878 Er begründete 1872 sein Geschäft in Würzburg und machte nach seiner eigenen Anzeige »Violinen in Cre- moneser Manier«. Daß er die »Cremoneser Manier« gut getroffen habe, will ich nicht behaupten. Roger, G. — Montpellier. 1820 Seme Geigen sehen wie mittelmäßige Mirecourter Fabrikware aus und sind unsauber in der Arbeit. Er soll allerdings auch bessere gemacht haben, doch sind sie mir nie vorgekommen. Rogeri^), Giovanni Battista. — Brescia. Geb. um 1650. 1730 Er stammte aus Bologna und kam zu Nikolaus Amati in Cremona, wo er ein Mitschüler Stradivans wurde. Beide waren von großem Einfluß auf seine Entwicklung, und so verwendete er auch mit Vorliebe ein amati- siertes Stradivarimodell. Seine Arbeit ist in allen Teilen vortrefflich, der Lack sehr schön und von goldroter oder hellrötlicher Farbe, die Schnecke zierlich, aber von edlem Schwünge. Die F-Löcher erinnern an N. Amati. Besonders klangvoll sind seine Violoncelli. Auf seinem Zettel gibt er nach seinem Namen auch in Abkürzung seine Heimat an. Dieses »Bon(oniensis)« wurde oft mißverstanden und ihm der Beiname »il Bon« ge- geben ! Seine Zettel sind schwarz oder rotgedruckt. Geigenzettel: Jo: Baptista Rugerius Nicolai Amati / Cremonae alumnus Brixiae fecit anno 1709 (gedruckt) und Abb. 645. Rogen, Pietro Giacomo. — Brescia. Geb. um 1680, t nach 1730 Sohn von Giambattista R., dessen Schüler er wahr- scheinlich gewesen ist. Er ahmte seinen Vater nach, ohne ihn ganz zu erreichen; auch ist sein Modell schlanker. Er war sehr fleißig und hat alle Arten von Geigen gemacht. Am besten gelangen ihm Violen und Violoncelli. Holz und Lack sind recht gut. Geigenzettel : Petrus Jacobus Ruggerius de Nicolai / .Amati Cremonensis Fecit Brixiae 1700 (gedruckt). — Petrus Jacobus Rogeri / fecit Brixiae 1710 (gedruckt). ^) Nicht zu verwechseln mit der Familie Rugeri. Es ist ein Verdienst de PiccoUelis', den Nachweis erbracht zu haben, daß zwei verschiedene Familien in Betracht kommen, die selbst, um bei der Namenähnhchkeit einer Verwechslung vorzubeugen, Zusätze gemacht haben. Giov. B. Rogeri gab seine Heimat >>Bon.« an, und die Rugeri fügten »detto il Per« hinzu. In bezug auf die Ortho- graphie ihrer Namen verschuldeten übrigens beide Familien selbst die häufigen Verwechslungen, da sie sich bald mit 0 und bald mit U schrieben. Rogierl, Domenico. — San Valentino, Cre- mona (?). Um 1750 Semem Zettel nach stammt er aus Reggio. Ob er in irgendeiner Beziehung zu den Familien Rogeri oder Ruggien stand, ist nicht nachzuweisen. Er ahmt ein Amatimodell nach, und wenn er zeigen wollte, was er konnte, arbeitete er recht sorgfältig, verwendete einen guten, goldgelben Lack, machte doppelte Einlagen und erzielte auch einen sehr guten Ton. Er scheint sich je- doch frühzeitig auf die Herstellung ganz billiger Geigen verlegt zu haben; bei diesen läßt er die Einlagen ge- wöhnlich fehlen und verwendet das nächstbeste Holz, dem er dann durch aufgemalte Flammen ein besseres Aussehen zu geben versucht. Solche Geigen gleichen den sog. »Bauern-Testore«. Es gibt Zettel von ihm mit dem Wohnort »Cremona". Wenn dabei aber Jahreszahlen, die gewöhnlich um ein Jahrhundert zu früh angesetzt erscheinen, zu finden sind, halte ich die Zettel für un- echt, und wahrscheinlich sind dann auch die Geigen selbst unecht, denn in einer wirklich guten Violine von ihm, die Franz Hagemann in Köln-Kalk besitzt, liest man ausdrücklich 1746. Es soll übrigens auch unechte Zettel mit seinem Namen und dem Wohnort Brescia geben. — Vermutlich war Domenico Ronchetti sein Nachfolger und vielleicht auch der Verfertiger der un- echten Geigen mit Rogieris Namen. C. Schmidl in Tnest besitzt eine gute Dreiviertelgeige mit dunkel- rotem Lack von ihm mit der allerdings fragwürdigen Jahreszahl 1689. Rohrmann, Ludwig. — Krauschwitz bei Muskau (O.-L.). 1875. 1898 »Tonwarenfabrik von Apparaten und Gefäßen für chemische Zwecke«. Er machte interessante akustische Versuche und stellte in der Berl. Mus.-Ausst. 1898 Geigen aus Ton im Gewichte von 600 — 700 g aus. Das Patron bestand aus einem Gemisch verschiedener Ton- matenalien und Infusorienerde, hart gebrannt, porös, und hatte ]e nach Notwendigkeit der Klangwirkung eine verschiedenartige Wandstärke von 1 — 2 mm (Modell Stradivanus). Alle übrigen Teile waren wie bei den Violinen aus Holz. Der Klang ist stärker, aber weniger ansprechend als bei Holzgeigen. Zwei solche Geigen sind in Berlin in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente, Nr. 908 und 909. Roht (Roth), Johann. — Nürnberg. 1672 Ein selten vorkommender Nürnberger Meister, von dem Sekretär G. Endres in Fürth eine sehr schöne Viola besitzt. Geigenzettel: Johann Roht / 16 Nürnberg 72 (gedr.). München. Geb. in München Roider, Ignaz. 1866 Schüler von Hans Wach. Nach einer Lehr- und Wandet zeit von 1884 — 1901 übernahm er von Josef Lederer Xaver Thumharts Werkstatt, die er jetzt fortführt. Er machte hauptsächlich Zithern, aber auch Violinen. Roismann, Johannes. — Breslau. 1630. 1680 In seiner Arbeit erinnert er in bezug auf die prächtigen Einlagen an Joachim Tielke. Eine reichverzierte. 424 Rolß — Romer wahrscheinlich der Kapelle Ludwigs XIV. ent- stammende Geige befindet sich im Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 5). Roiß, Maximilian. — Wien. 1763. 1767 Er war der Schwiegersohn von Andre Nikolaus Parti und folglich Mich. Andr. P.s Schwager. Da der letztere schon seit 1728 seine eigene Werkstatt hatte, ist es be- greiflich, daß Roiß, der am 3. März 1764 den Bürgereid ablegte, das Geschäft seines Schwiegervaters übernahm. Er läßt sich in Wien nur bis 1767 verfolgen und wird in diesem Jahre als »abwesend« bezeichnet. Rol. -Paris. 1753 Wenig gekannter, aber sehr geschickter Geigenmacher, der im »Cour Saint-Denis de la Chartre« wohnte. Eine hübsche, große Pochette von ihm besitzt das Pariser Konservatorium (Nr. 120). Rolin. — Paris. 18. Jahrhundert Er nannte sich einen Schüler von Cousineau. In Geigen von gewöhnlicher Arbeit findet sich der Zettel: Rolin luthier de Paris (gedruckt). Häufiger kommen sog. stumme Geigen von ihm vor. Rolin, Charles. — Nancy. 1848 Er stammte aus Mirecourt und war einer der besten Mitarbeiter von Charles Jacquot, starb aber schon in jungen Jahren. Rolini, Giambattista. — Pesaro. 1471 Ein nur dem Namen nach bekannter Lautenmacher. Wenn Valdrighi von ihm (Nr. 3558) behauptet, daß er schon Violinen gemacht habe, so ist das durch nichts zu beweisen und wird durch die Geschichte der Violine hinlänglich widerlegt. Rolle, Caspar. — Wien ? Ein aus dem 18. Jahrhundert stammendes Violoncello mit diesem fragwürdigen Namen besaß ein Dr. Samter in Posen, der später nach Berlin verzogen ist. Romagnoli, Francesco. — Bologna. 1821 Ein Gitarren- und Mandolinenmacher gewöhnlichen Schlages. Romani, Giulio Cesare. — Rom. 18. Jahr- hundert Er wird gelegentlich auch »Giulio Romano« genannt; ob er sich selbst so genannt hat, oder wie sein wirk- licher Name lautete, war nicht zu ermitteln. Romanmi, Antonio. — Cremona. 1705. 1740 Wenig hervortretender Cremoneser Meister, von dem es u. a. auch gute Violen d'amore gibt. Vidal liest irrig Romafini. Ein anderer Romanini soll noch 1808 tätig gewesen sein. Geigenzettel: Abb. 661 . Romano, Pietro. — Pavia Ein dem 18. Jahrhundert angehörender Geigenmacher, dessen Zettel Vidal mitteilt. Geigenzettel : 1 7 . . / Pietro Romano in Borgo di Pavia (gedruckt). Romarius, Antonius. — Cremona. 1703 Das Stockholmer musikhistorische Museum besitzt eine Viola d'amore mit einem gedruckten Zettel, der diesen sonst nie gehörten Namen trägt. Der Zettel wird um so verdächtiger, als deutlich zu erkennen ist, daß er über einen andern geklebt ist, der vielleicht den wirklichen Verfertiger des Instruments nennt. Rombouts, Pieter. — Amsterdam. Geb. 1674, t nach 1735 Er erwarb als »Fiolenmaker« im Jahre 1707 in seiner Vaterstadt das Bürgerrecht und wohnte auf dem Bootermarkt. Er war ein sehr tüchtiger Meister, der bei H. Jacobsz gelernt hat und alle Arten von Geigen machte. Seine Arbeit ist sorgfältig, nur sein Lack bei aller Leuchtkraft etwas zu dick. Zur Einlage nahm er gern Fischbein. In jüngeren Jahren nannte man ihn wohl Pieter, Jacobsz Schüler, daraus entstand dann ein »Pieter Jacobsz«, der auch bei Vidal noch vorkommt. Es gibt kein einziges echtes Instrument mit diesem Namen, der daher in das Reich der Fabel gehört. Eine Violine von 1712 war in der Sammlung Scheurleer, eine Kniegeige von 1708 besitzt Berlin; das Sei- hof sehe Auktionsverzeichnis (1759) weist drei Knie- geigen von ihm aus den Jahren 1 703, 1719 und 1 720 auf. Eine Diskant-Gamba von 1 729 besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Gamben und Nonnengeigen von ihm sind ferner im Museum des Liceo filarm. in Bologna und eine Nonnengeige im gleichen Museum in Neapel. Ein Violoncello von 1 720 besitzt E. A. Sandeman. Geigenzettel : Pieter Rombouts / Amsterdam 1 708 (ge- druckt). Romer, Adolf. — Freiburg i. Br. Geb. 29. Juni 1863 in Ettenheim Einer der geschicktesten deutschen Geigenmacher der Gegenwart. Er kam als Kind mit seinen Eltern nach Freiburg, wo seine Vorliebe für das Geigenspiel früh- zeitig zutage trat. Da er keine Geige besaß, machte er schon als sechsjähriger Knabe den Versuch, sich selbst eine solche zusammenzuzimmern. Er setzte diese Ver- suche jahrelang fort und schließlich mit solchem Er- folg, daß der kgl. Chordirigent Joh. Diebold auf den damals 12 jährigen Knaben aufmerksam wurde und sich erbot, ihn unentgeltlich im Violinspiel zu unterrichten. Auch hierin machte er schnelle Fortschritte, und so war es ganz natürlich , daß er, nachdem er die Schule verlassen hatte, in die Musiklehre kam. Je vertrauter er mit seinem Instrument wurde, desto leb- hafter interessierte ihn dasselbe auch in seinem Bau. Er war aber zunächst Musiker geworden und lernte von 1880 — 1887 Künstlers Erdenwallen im Guten und Bösen kennen. Er kam in ganz Deutschland und der Schweiz herum, und überall, wo er Gelegenheit fand, von Geigenmachern etwas zu lernen, tat er es, wenn er auch seine Absicht, bei einem solchen m die Lehre zu treten, zunächst nicht verwirklichen konnte. Endlich aber ward es ihm möglich, bei Schünemann m Schwerin einzutreten. Freilich blieb er dort nicht lange, weil er Gelegenheit fand, zu Hörlein nach Würzburg zu kom- men. Da er mit guten Vorkenntnissen und einer ange- borenen Handgeschickhchkeit ausgerüstet war und Romieux - Roß 425 sehr fleißig arbeitete, wurde er schon nach zwei Jahren Gehilfe, arbeitete als solcher in verschiedenen besseren Geigenmacherwerkstätten und vervollkommnete sich mehr und mehr. Im Jahre 1892 machte er sich in Frei- burg selbständig. Er fing sehr klein an ; da er jedoch ein echter Künstler ist, äußerst sorgfältig arbeitet und alles an seinen Geigen selbst macht, ja sogar auf die Mit- arbeit eines Gehilfen verzichtet, um kerne fremde Hand an seine Werke zu bringen, gelang es ihm bald, die An- erkennung der berufensten Kenner zu erwerben, so daß er jetzt fortdauernd mit Bestellungen überhäuft ist, und als Frucht seines rastlosen Fleißes ein hübsches Landgut besitzt, wo er ferne dem Getriebe der Stadt in stiller Werkstatt emsig schafft. Er besitzt mehrere Me- daillen und ist, denn er dürfte der einzige Schüler Hörleins sein, jetzt wohl am besten in den Bau der »Ritterbratschen« (Viola alta) eingeweiht. Er besitzt tüchtige theoretische Kenntnisse, ahmt die Modelle Stradivaris und Guarneris nach und verwendet schönstes Holz und Öllack. Im Jahre 1904 erfand er einen sehr zweckmäßigen neuen Saitenwirbel für Streichinstrumente, der wohl bald den bisher üblichen verdrängen wird. Auch seine Violen für kleine Hände sind wegen ihrer Tonfülle eine wertvolle Neuerung. Im Jahre 1909 wurde er zum fürstl. Fürstenbergischen Hofgeigenmacher ernannt. Geigenzettel: Adolf Romer / (Wappen) Hof-Geigen- macher / Freiburg i. B. / No. 92 faciebat anno 1911 (gedruckt) und Abb. 650. Romieux & Berney. — Genf Musikinstrumentenfabrik, deren einer Inhaber Schüler von Pupunat war. Die Firma wurde unter dem Titel »Union artistique« 1893 gegründet und besitzt für ihre guten Leistungen bereits fünf Weltausstellungs- und sechs Schweizer AusstellungsmedaiUen. Geigenzettel: (Fabrikmarke) Union Artistique / Lu- therie soignee / reparations. (Adresse) Geneve (ge- druckt). Romney, George. — London. 1830 Vielleicht ein Sohn oder Enkel des berühmten gleich- namigen Malers (f 1802). Arbeiten von ihm kommen selten vor. Eine von ihm im Jahre 1830 gebaute Violine stellte Mrs. C. Prodgers in der Londoner Music Loan Exhibition 1904 aus. Ronchettl, Domenico. — S. Valentino Reggio. 1760. 1769 Angeblich der Nachfolger von Domenico Rogieri und vielleicht auch der Verfertiger vieler unechter Geigen mit dessen Namen. Ein Geigenmacher dritten Ranges. Die leichte Ansprache seiner Instrumente ist wohl hauptsächlich eine natürliche Folge ihres Alters. Ronchini, Raffaello. — Fano. 1851 Ein Geigen- und Bogenmacher des 19. Jahrhunderts, der nach Stradivari, etwa in der Art des C. G. Testore, gearbeitet hat. Er verwendete kleingeflammles Holz und trug seinen braungelben Lack ohne jeden Unter- grund auf. Hauptsächlich besaß er als Reparateur einen gewissen Ruf. Geigenzettel : Abb. 653. Rondanl, Ernesto. — Turin. 1884 Seine Geigen sind ohne Eigenart und ohne besondere Vorzüge. Rook, Joseph. — London (Carlysse). 1 777. 1 830 Vielleicht ein Schüler der Forster, an deren Arbeit seine Geigen erinnern. Roos. — Straßburg. 1868 Erfinder einer Verbesserung am Baßbalken. Ropiquet. — Paris. 1815 Orchestermitglied der Pariser Oper und Vater der Tänzerin Ropiquet, der aus Liebhaberei einige Geigen machte und mit seinem Namen bezeichnete. Rosa, Agostmo. — Rom. 1795 Sohn des Nicola Rosa in Neapel. Ein Mandolinen- macher gleichen Namens kommt 1 791 auch in Rieti vor. Geigenzettel: Agostino Rosa figlio ' di Nicola Napo- litano l'anno 1795 / Roma (gedruckt). Rosa, Nicola. — Neapel. 1680. 1720 Ein neapolitanischer Lautenmacher, von dem sich nur wenige Arbeiten erhalten haben dürften. Er soll übrigens ein Verwandter des Malers, Dichters und Musikers Salvator Rosa gewesen sein. Rosa. — Lissabon. 1899 Teilhaber der Firma Caldeira & Rosa, die Mandolinen und Gitarren herstellt. Rosano, P. und Sohn. — Catania. 1898 In guten Mandolinen findet sich diese Firma. Rose, John s. Roß Roselli, Antonio. — Sassuolo (Modena). Geb. 17. Januar 1798, f 22. Februar 1870 Seine Geigen sowie seine Reparaturen sind nicht be- sonders gut. Er war ein Mensch, der alles mögliche ver- suchte : so war er Blasinstrumentenmacher, Maler, ein ganz guter Musiker und sogar Barbier usw. Trotz alle- dem starb er doch im tiefsten Elend und mußte betteln, um sein Leben zu fristen. Rosenwald, lebt als Nachfolger G. E. Bergs In Kopenhagen Rosiero, Rocco. — Cremona. 1 730 Arbeiten von ihm kommen selten vor, sind jedoch nicht schlecht, so daß die Vermutung nahe liegt, daß viele seiner Geigen jetzt unter berühmteren Namen im Ver- kehr sind. Rosio, Paolo. — Verolanova. 1857 Er ist nur als Baßmacher bekannt. Roß, Donald. — Edinburgh. Geb. 1 . Februar 1817 in Ederton, Rossshire Ein Inspektor des Edinburgher Wasserwerks, der aus Liebhaberei über 50 Violinen, hauptsächlich nach Maggini, gemeicht hat. 426 Roß — Rossini Roß (Rose, Rosa), John. — London (Bnde- well). 1562. 1599 Berühmter altenglischer Lautenmacher, dem Hawkms die Erfindung der Pandore (emer Zitherart, die im 1 7. Jahrhundert in Aufnahme kam) zuschreibt. Bei John Mace in seinen »Musicks Monument« (erschienen London 1676) wird er neben Bolles als einer der besten Lautenmacher gepriesen. R. North in seinen »Me- moirs of Music« (London 1846) macht auf eine Anzeige in John Carrs Ariensammlung »Tripla concordia« (er- schienen 1667) aufmerksam, durch welche eine Viola von J. Roß vom Jahre 1598 ausgeboten wird. Auch das Selhofsche Auktionsverzeichnis (Haag 1 759) führt eine Gamba von John Rose Brattwell 1599 auf. Das als »Laute der Königin Elisabeth« bekannte Zithennstru- ment trägt den Zettel : Joannes Rosa Londini / fecit in Bridwell, / the 27th of July 1580 (gedruckt). Eine Viola mit Vogelahornboden und dunklem Lack und mit der Jahreszahl 1598 von ihm besitzt der Landschaftsmaler Wildhagen in Haiensee. Am Wirbelkasten befindet sich ein Frauenkopf. Roßbach, Adam. — (Mark) Neukirchen. Geb. 1732, t 4. April 1800 Sohn eines gleichnamigen Bürgers und Sägenschmiede- meisters. Nachdem er ordentlich gelernt hatte und Geigenmachergeselle gewesen war, wurde er am 24. Januar 1752 Meister und erreichte ein Alter von 68 Jahren 1 Monat und 2 Tagen. Roßbach, Adam Friedrich. — (Mark) Neu- kirchen. Geb. 23. Sept. 1 766, 1 20. Sept. 1 836 Sohn, Schüler und Nachfolger von Adam R., den er an Geschicklichkeit übertraf. Er ist mütterlicherseits der Großvater von Ernst Friedrich Reichel. Roßbach, August Herrmann. — Markneu- kirchen. Geb. 23. März 1833, f 22. April 1894 Da er meist für Wiederverkäufer beschäftigt war, hat er seine Geigen selten bezeichnet und hauptsächlich Handelswaren hergestellt. Roßbach, Christian Gotthilf. — (Mark) Neu- kirchen. Geb. 1776, t 4. März 1843 Jüngerer Sohn von Adam R. Er arbeitete nicht un- sauber, benutzte aber die von anderen vorgearbeiteten Bestandteile und hatte einen unschönen, harten Spiri- tuslack. Als er starb, war er 67 Jahre 5 Monate und 14 Tage alt. Roßbach, Friedrich Gotthilf. — Markneu- kirchen. Geb. 1. Juni 1801, f 26. Dezember 1860 Angeblich Schüler von Christian Gotthilf R., an den seine Geigen auch erinnern. Ein Heinrich Roßbach, geb. 24. Juli 1864, lebt noch als Geigenmacher in Mark- neukirchen. Er soll lange in Holland, so in Tilburg usw. gearbeitet haben und galt als recht tüchtig. Rossi, Enrico. — Pavia. Geb. im März 1848 m Pavia Sohn und Schüler von Giovanni Rossi, bei dem er sich seit seinem siebenten Jahre mit dem Geigenmachen beschäftigte. Er arbeitet nach den Modellen von Guameri, Stradivari, Guadagnini und Testore. Seine Arbeit ist gut, ebenso der Lack, den er selbst bereitet. Im Jahre 1877 erhielt er eine Medaille. Sein Sohn Villelmo ist gleichfalls Geigenmacher und jetzt Teil- haber der Firma Enrico Rossi & Figlio. Geigenzettel: (Med. 1877) Enrico Rossi / Fabbricante d'istrumenti a / corde / Pavia, Piazza del Carmine / 1 888 (gedruckt). Rossi, Ferdmando. — Modena. 1880 Er galt als geschickter Wiederhersteller alter Geigen;, seine neuen sind dagegen nicht besonders lobenswert. Rossi, Gaetano. — Mailand. 1 9. Jahrhundert Vielleicht ein Sohn und Schüler von Nicola R. Ein in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tätiger, tüchtiger Baßmacher, doch machte er auch alle anderen Streichinstrumente. Seine Geigen sind weniger gut als seine Violoncelli; aber er war als sorgfältiger Repara- teur berühmt. Sein Lack war dünn und rötlich. Statt eines Zettels verwendete er öfters eine Brandmarke: »Rossi, G., Milano«, die er mehrfach einbrannte. Ein großes Violoncello von ihm besitzt das Mailänder Kon- servatorium. Rossi, Giovanni. — Pavia. 1847. 1858 Es gibt gute Kontrabässe und einige Violinen von ihm. Er soll Schüler von Pallota in Perugia gewesen sein und dort schon um 1821 gearbeitet haben. Auch in Rom war im 19. Jahrhundert ein Giovanni Rossi in der Via dei Serviti tätig. Rossi, Giuseppe. — Triest. 1851 Ein Geigenmacher, der mir bisher nur durch seinen Reparaturzettel in einer Amatigeige bekannt wurde. Rossi, Nicola. — Mailand. 1842. 1844 Seine Arbeit ist gut, der Lack drachenblutrot. Einen Kontrabaß von ihm besitzt das Mailänder Konser- vatorium. Geigenzettel: Nicola Rossi / Fabbricatore e ristau- ratore / d'istrumenti a corde armoniche / Abita in Milano / Contrada S. Mattia alla Moneta / al civico 3137 / Fece nell Febraio del / 1844 (gedruckt). Rossi, Villelmo. — Pavia. Geb. um 1875 Sohn von Enrico Rossi und jetzt sein Teilhaber. Er erhielt auf der Turiner Ausstellung bereits eine Aus- zeichnung. Rossini, Giovanni Maria. — Ravenna. 1775. 1766 Ein wenig bekannter Geigenmacher, von dem Ober- förster R. Thiermann in Wolfsgrün i. Erzgeb. seit langen Jahren eine sehr gute, flachgewölbte Violine be- sitzt, die sich durch prächtigen Lack und einen vollen und doch weichen Ton auszeichnet. Auf dem Boden Rossio Rottenburgh 427 findet sich zweimal ein runder Brandstempel, der vielleicht seine Taufnamen angibt, oder, wenn der erste Buchstabe als S gelesen werden muß, als »Santa Maria« gedeutet werden kann. Das dritte Zeichen ist undeutlich, kann ebensogut als 4 wie als R gelesen werden. Am Wirbelkasten ist ein hübsch geschnitztes Löwenköpfchen — was bei italienischen Geigen aller- dings als Ausnahme betrachtet werden muß. Da Ravenna nicht allzuweit von Pesaro liegt, könnte der Geigenmacher immerhin ein Vorfahre des »Schwans Von Pesaro« gewesen sein. Geigenzettel : lohannes Maria Rossini fecit / Ravenna A. D. 1775 (gedruckt). (Die Jahreszahl ist undeutlich.) Rossio, Giovanni, lebt als Saiteninstrumenten- macher in Rom Rota, Giovanni. — Cremona. 1795. 1810 Seine Arbeit zeigt deutlich den Verfall der Kunst In Cremona. Seine Geigen sind roh gearbeitet, die Einlage liederlich gemacht, das Holz unschön, der gelbe Lack unscheinbar. Einige wenige bessere Geigen mit röt- lichem, fettem Lack zeigen jedoch, daß er immerhin aus einer guten Schule hervorgegangen war. Vidal ver- mutet, daß er schon 1703 gelebt habe, was aber falsch ist; es kann nur 1805 in Frage kommen. Geigenzettel : Joannes Rota fecit / Cremonese Anno 1808 (gedruckt). — Joannes Rota fecit / Cremone anno 1805 (gedruckt). Rotella, Bernardino. — Spoleto. 1827 Ein Geigenmacher, der nur bescheidenen Ansprüchen genügen konnte. Roth, Albert. — Würzburg. Geb. 7. April 1887 in Markneukirchen Sohn des Lautenmachers Gustav Adolf R. Nachdem er in seiner Vaterstadt seine Ausbildung vollendet hatte, arbeitete er mehrere Jahre hindurch als Gehilfe und hat sich im Jahre 1919 in Würzburg niedergelassen und als Lautenmacher selbständig gemacht. Roth, Christian. — (Angeblich Augsburg oder Nürnberg, auch Prag 1 675) Es gibt Lauten undTheorben mit seinem Namen. Hart, Sandys und Forster erwähnen ihn, doch war es mir nicht möglich, in Augsburg etwas über ihn zu finden. Ebenso unbekannt ist er in Prag. Er war vielleicht ein vogtländischer, wahrscheinlich (Mark) Neukirchener Geigenmacher, der von Markt zu Markt zog. Vgl. Roht. Geigenzettel: Christian Roth Violin und / Lauten- macher aus Prag Ao 17.. (gedruckt). Roth, Ernst Heinrich. — Markneukirchen. Geb. 3. April 1877 Sohn von Gustav Robert R. Er ist gelernter Geigen- macher und trat 1900 als persönlich haftender Gesell- schafter in die Firma Gustav Roth ein. Roth, Gustav. — Markneukirchen. Geb. 29. Mai 1852 Schüler von Bausch. Im Jahre 1870 begründete er sein Geschäft, dessen Firma seit 10. September 1900 Gustav Roth & Co. lautet, nachdem der Sohn Teilhaber ge- worden war. Er erhielt 1897 in Leipzig eine silberne Medaille. Sein Bruder Gustav Robert R. war Bogen- macher. Roth, Johann. — Darmstadt? 1675. (Vogt- länder?) Er wird als Darmstädter Meister bezeichnet, im Groß- herzoglichen Haus- und Staatsarchiv waren jedoch Nachforschungen nach ihm ohne Erfolg. Roth, Otto. — Markneukirchen. 1905 Wurde durch seine Riesenbaßgeige (4,20 m hoch vom Hals bis zum Stachel, Korpus 2,10 m), die er für das Orchester der Oper in Chicago gebaut hat, bekannt. — Auch Carl Wilhelm Roth, geb. 7. Oktober 1876, ist Geigenmacher geworden. Roth. - Straßburg. 1856 Er hatte um die Mitte des 19. Jahrhunderts seine Werk- statt in Straßburg und führte ziemlich viele Repara- turen aus. Geigen von ihm habe ich nicht gesehen. Er hielt sich gute Gehilfen, und so hat auch Simoutre bei ihm gearbeitet. Vielleicht ist er identisch mit jenem Roth, der in Paris in der Rue Geoffroy-Marie eine Werkstatt hatte. Rothmüller, Ferdinand. — Graz. 1887. Geb. 1851 in Wien Er hatte in Wien gelernt, kam im Jahre 1879 als Gehilfe nach Graz zu Prachatschek und machte sich 1887 selbständig. Er war im Ausbessern und Wiederher- stellen alter Geigen recht tüchtig und hat auch neue Geigen gebaut. Rothy(?), Georg Friedrich. — 18. Jahrhundert Eine vogtländische Geige im Besitz von Ernst Geißer trägt diesen (wahrscheinlich fingierten) Namen, der wohl aus »Roth« entstanden sein dürfte. Geigenzettel : George Friedrich Rothy , fec. v. p. Jacob Stainer in Apsam oenipuntum Ao. 17.. (gedruckt). Rotta, Gius. Ant. s. Rocca Rottenburgh, Jan Hyacinth Joseph. — Brüssel. 1743. 1745 Eine weitverzweigte Musikerfamilie^), von der einige Mitglieder auch als Instrumentenmacher, und zwar hauptsächlich als Blasinstrumentenmacher vorkommen, (Vgl. V. d. Straeten, B. V. S. 180 ff.) Jan Hyacinth war Hofgeiger und hat auch einige Instrumente gemacht, die eher an die Tiroler Schule als an Amati erinnern. Sein Lack ist rotbraun. Geigenzettel: Joannes Hyacinthus Josephus / Rotten- burgh Aul. violonisius / me fecit Bruxelles 1743 (ge- druckt) und Abb. 659. ') Der Name wird in der Literatur in unglaublichen Entstellungen (Rottembrouck usw.) wiedergegeben. 428 Rottenburgh, Jean Hyacint (major). 1752. 1753 Ähnlich wie J. H. J. Rottenburgh und möghcherweise mit ihm identisch. Geigenzettel : Abb. 660. Rottenburgh — Ruddiman Roudhloff, D. und A. — London. 1 . Hälfte des 19. Jahrhunderts Französische Geigenmacher, die in der Charles Street, Fitzroy Square Nr. 81 wohnten. Brüssel. Royer, Alexis. — Mirecourt. 1768 Nur von A. Jacquot erwähnt. Roze. — Orleans. 1701. 1760 Seine Arbeit ist sorgfältig und erinnert an die Schule von Mirecourt; das Modell ist hübsch und der Lack von gelber Farbe. Die F-Löcher, die in der Mitte sehr weit sind, zeigen trotzdem guten Schnitt, dagegen ist die Schnecke ziemlich plump. Geigenzettel : Abb. 666. Roudhlof-Nauchand, F. — Paris. Anfang des 19. Jahrhunderts Guter Gitarrenmacher, der schönes Rosenholz ver- arbeitete. Er klebte geschriebene und gedruckte Zettel ein, manchmal beide zugleich. Eine Lyra-Gitarre von ihm befindet sich im Museum des Konservatoriums in Brüssel (Nr. 266). Roumen, J. — Amsterdam. 1860 Sohn und Nachfolger von L. W. Roumen und diesem in der Arbeit ähnlich. »Un vieux luthier et tres-estlme connaisseur en instruments de jadis« sagt v. d. Straeten von ihm. Roumen, L. W. — Amsterdam. 1829 Seine Geigen sind kräftig gebaut, haben braunroten Lack und klingen nicht schlecht. Rouse (Rouze), J. — Oakham, Rutland. 1807 Seine Geigen erinnern an das Stainermodeil ; am besten gelangen ihm Violoncelli. Rousselot. — Marseille. 1830 Neue Geigen hat er schwerlich gemacht, doch kommt sein Reparaturzettel öfter vor. Geigenzettel: Repare par Rousselot / ä Marseille en 1830 (geschrieben). Rousselot. — Valence. 1900 Vielleicht aus Marseille stammend. Em Geigenmacher, der kurze Zeit in Valence ansässig war und später nach Avignon verzog, ohne sich jedoch dort dauernd nieder- zulassen. Rovati, Christof oro. — Bazzano. 1789 Handwerksmäßige Arbeit und verständnislose Holz- wahl sind die hervorstechenden Eigenschaften seiner übrigens selten vorkommenden Geigen. Rovetta (Rovelta), Antonio. — Bergamo. 1 840. 1884 Ein nicht ungeschickter Nachahmer der alten Meister. Er stellte 1 864 in Brescia eine gute Violine aus und soll später auch in Mailand gearbeitet haben. Rowlnsky, W., war im 19. Jahrhundert In London ansässig Rozet. — Paris. Um 1691 Vidal zitiert aus Du Pradels »Livre commode«: »Le sieur Rozet est renomme pour les Instruments de musique de la garde-robe du roi ; il demeure rue Neuve- Saint-Eustache.« Rozet war kein Geigenmacher, sondern Blasinstrumentenmacher. Geigen von ihm sind nie bekannt geworden, wohl aber Blasinstrumente, so eines im Museum des Konservatoriums in Paris (No. 497). Rub (1, ini?), Aug. (oder Ang.) de. — Viterbo. Ein Dilettant, der schöne Geigen gemacht hat, die auch im Ton nicht schlecht sind. Geigenzettel : Aug.de Rub. ad animi delectationem / Fecit Viterbi 1763 (gedruckt). Rublnl. — Bologna Ein Gitarrenmacher des 19. Jahrhunderts. Rubino, Gennaro. — Neapel. 1899 Gilt als guter Mandolinenmacher. Ruch s. Ruth Ruchsgewand, Zacharlas. — Nürnberg. 1587 Ein Lautenmacher, von dem die Stuttgarter Hofkapelle Saiten bezog. Rucklinski (Ruchlinski), Johann Anton. — ? 17. oder 18. Jahrhundert Dem Namen nach ein Pole, vielleicht in Ungarn an- sässig gewesen. Eine vierchörige Laute mit der am Halse eingravierten Inschrift: Fecit / loan: Ant: / Rucklinsky befindet sich im ungarischen National- museum in Budapest. Ruddiman, Joseph. — Aberdeen. Geb. in Aberdeen 1733, f 25. Februar 1810 daselbst Er war der Sohn eines Zimmermanns und hat wahr- scheinlich in seiner Jugend dasselbe Handwerk gelernt, sich aber frühzeitig dem Geigenbau zugewandt und war vor Matthew Hardie der beste schottische Geigen- macher. Seine ersten Geigen sind nach Stainer ge- macht; später ahmte er ein großes Stradivarimodell frei nach. Sein Holz war gut, aber der Lack schlecht; er sieht jetzt dunkelgrau oder fast schwarz aus und läßt das Holz nicht mehr durchschimmern. In den Holz- stärken weicht er von italienischen Vorbildern oft ab, aber die Arbeit ist recht gut und der Ton gewöhnlich schön. Ruddiman hat außer Violinen und Violen auch Rudert — Ruggeri 429 Violoncelli, Zithern und Gitarren gemacht. Sein Geigenzettel ist von einer Rokokoumrahmung mit Musikinstrumenten umgeben. In Gitarren pflegte er nur die Buchstaben J. R. F A. (J. Rudiman Fecit Aberd.) anzubrmgen. Geigenzettel: Ruddiman / Maker / 17 Aberdeen 69 (gedruckt). — Rudiman / Abdn Dg. (gedruckt). Rudert, David. — (Mark) Neukirchen. 1677 Unter den Emigranten aus Graslitz, die sich in Neu- kirchen als Geigenmacher niedergelassen haben, wird auch sein Name genannt. Rudert, Henryk. — Warschau. 1844. 1847 Vermutlich der Sohn von Jan R. Seine Arbeiten smd origineller und schöner als die Jans. Er ahmte das Stradivarimodell nach und gebrauchte einen rotgelben Lack. Eine von ihm reparierte Stainergeige besitzt Rechnungsrat Friedrich in Posen. Geigenzettel: Henryk Rudert ,' Zrobil w Warszawie r. 1846 (gedruckt). — Henricus Rudertus / correxit Varsoviae anno 1 847 (gedruckt). Rudert, Jan. — Warschau. 1840 Dem Namen nach stammt er aus dem Vogtlande ; auch seine Geigen widersprechen dieser Annahme nicht. Rudert, J. G. (?) — (Mark) Neukirchen. 1750 Eine Geige von geringem Wert und wenig schöner Form enthielt einen sehr verblaßten Zettel, auf dem die Buchstaben der Taufnamen und die Jahreszahl nur noch geraten werden konnten. K orneuburg, Rudert, Johann Michael. ■ Wien. 1809. 1837 Dem Namen nach dürfte er aus dem Vogtlande stammen, doch schloß er sich an die Wiener Meister an. Gutes Holz und dunkler ÖUack sind Kennzeichen seiner im übrigen gewöhnlichen Arbeit. Im Einrei- chungsprotokoU der Stadt Komeuburg kornmt er 1809 zum ersten Male vor, 1812 bittet er um Überlassung eines Gewölbes (Verkaufsladens) im Rathause, aber schon 1813 legt er seine Geigenmacherbefugnis in Korneuburg nieder und bittet um seine Entlassung. Er siedelte wohl von da direkt nach Wien über, wo er je- doch nicht hervortrat. Geigenzettel : Johann Michael Rudert / fecit Komeu- burg 1809 (gedruckt). — Johann Michael Rubert (sie) / fecit Viennae 1837 (gedruckt). — Johann Michael Rudert / bürgerl. Lauten und Geigen- Macher A. 1810 (gedruckt) und Abb. 636 und 638. Rudert, P. — Warschau. 1856 Ein Instrumentenmacher, der (nach A. Sowinski) in der Krakauer Vorstadt zu Warschau em Geschäft besaß. Rudger s. Ruggeri Rudolf. — Augsburg. 1412 Man kennt wahrscheinlich nur den Taufnamen, der mit der Bezeichnung »Lautenmacher* im Augsburger Steuerregister von 1412 vorkommt. Rudolph, Johann. — Wien. 1770. 1780 Ein zwar geschickter, aber wenig bekannter Wiener Geigenmacher des 18. Jahrhunderts, den ich weder in den Steuer- noch in den Bürgerlisten finden konnte. Geigenzettel: Abb. 637. Rückbeil, Job. Heinr. — Sondershausen. 1863 Seinen Namen fand ich nur auf einem Reparaturzettel. Rückers (Rückaerts), Andreas d. A. — Ant- werpen. 1579. 1615 Sohn von Hans R. d. Ä., wurde am 30. Aug. 1579 ge- tauft. Die Mitglieder dieser Familie haben fast aus- schließlich klavierartige Instrumente gemacht und sind nur dafür berühmt, doch machten sie viele Harfen, und die Möglichkeit, daß sie auch einige Lauten angefertigt haben, ist daher nicht ausgeschlossen. Rückers, Hans d. J. — Antwerpen Sohn von Hans R. d. Ä., wurde am 15. Januar 1578 getauft. Rückers, Jan (Hans), genannt der Altere. — Antwerpen. Geb. um 1555, f 1641 (?) Er wurde 1579 in die Gilde aufgenommen und war der bedeutendste Antwerpener Clavecinmacher. Er lebte noch 1623 — wahrscheinlich bis 1641 —und war mit Adrienne Knaeps verheiratet. Er hatte vier Söhne: Franz (geb. 1576), Hans (1578), Anders (1579) und Anton (1581). Rüdiger, M. — Frankfurt a. M. 1820 Ist mir bisher nur durch einen Reparaturzettel bekannt geworden. Rüdiger, Moritz. — Brieg. 1886. 1890 Er war hauptsächlich Klavierhändler, beschäftigte sich aber viel mit dem Geigenmachen und machte allerlei Versuche und Erfindungen. So schlug er 1886 in De Wits Zeitschrift die Verwendung von Stegen aus Tannenholz vor und erfand mit Carl Bögel »Spannungs- rippen für die Resonanzböden der Geigen«, — eine Er- findung, die sich in keiner Weise bewähren konnte. Ebenso erging es seiner Übungsgeige (mit gedämpftem Ton), an der er namentlich die F-Löcher veränderte. Ruelle, Pierre. — Paris. 1754 Sein Name ist nur dadurch bekannt, daß er geschwo- rener Meister der Pariser Lautenmacherzunft für 1 754 war. Ruffini. — Neapel. 19. Jahrhundert Ein neapolitanisches Musikinstrumentengeschäft,dessen Besitzer jetzt A. Colle ist. Die Firma, die verschiedene Ausstellungen beschickte, führt ihre Gründung bis 1744 zurtick und hat auch in Rom Niederlagen. Ruggeri (Rugieri, Ruggieri, Rugier, Ruger, Rudger) Es ist schon bei Erwähnung der Brescianer Rogerl darauf aufmerksam gemacht worden, daß die Familien Rogeri und Ruggeri nicht verwechselt werden dürfen. 430 Ruggieri — Ruppert Die Ruggeri sind übrigens auch sonst in der Musik- geschichte hervorgetreten. Ein Antonio Ruggeri war um 1640 ein berühmter Sänger und Giovanni Maria Rügen ein bekannter venetianischer Tondichter, von dem unter anderem 1696 »Marianne*, 1698 »Miltiade«, 1702 »Amor por Vendetta«, 1709 »Arato in Sparta« und 1710 »Armida abandonata« erschien. Ruggien, Antonio. — Cremona. 1723 Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie, dessen Zettel P. de Wit veröffentlicht. Hiernach war er ein Sohn von Giacinto. Geigenzettel: Antonio Ruggieri figlio , del fu Giacinto fece / in Cremona. 1 723 (gedruckt). Ruggeri, Domenico s. Rogieri — Cremona. Ruggeri (Rugien), Francesco. 1645. 1700 Der älteste und bedeutendste Geigenmacher der Familie. Er wohnte in der Contrada Coltellai Nr. 7 und war ein Schüler Nicola Amatis, den er nachahmte. Nur seine F-Löcher sind kürzer und weiter, die Wölbung etwas höher und das Modell ein wenig breiter; die Um- risse sind schwungvoll, die Einlage breit und der Lack, der leuchtend und durchsichtig wirkt, ist meist von dunkelgelbroter oder hellgelbroter Farbe. Das Holz ist in der Regel vortrefflich und oft auch schön geflammt. Häufiger als seine Violinen kommen Violoncelli von ihm vor, deren Modell allerdings ein wenig zu lang erscheint ; auch verwendete er bei diesen manchmal zu Zargen und Boden geringere Holzarten, immer aber verstand er, einen edlen vollen und schönen Ton zu erzielen. Ein echtes Violoncello von ihm ist heute nur zu sehr hohem Preis zu haben, doch besitzt der Violon- cellist Bertie Withers ein solches aus dem Jahre 1679. Auf dem Zettel der von Ole Bull gekauften Geige Schlossers (aus dem Jahre 1665) nennt er sich Fran- cisco Ruger, und auch auf späteren Zetteln kehrt diese Schreibweise des Namens wieder, ebenso auch : Rugier, Ruggieri und Ruggeri. Eine sehr schöne Geige von ihm besitzt Th. Hämmerle in Wien. Geigenzettel : Abb. 664. Ruggeri (Rugieri), Giacinto Gio. Battista. — Cremona. 1666. 1696 Sohn von Francesco R. und dessen Schüler. Auf seinen älteren Zetteln nennt er sich Gio. Battista, später aber nur Giacinto, und beruft sich dabei darauf, ein Sohn Francescos zu sein. Seine Arbeit entspricht seiner Schule; auch er machte hauptsächlich Violoncelli und verwendete allerlei Holzarten. Sein Model! ist breit, ziemlich gewölbt, der Ton sehr gut und der Lack von dunkelbrauner Farbe. Er kommt seinem Vater zwar nicht ganz gleich, ist aber doch sein würdiger Schüler. Eine Violine von ihm besitzt Carl Stoeber in Würzburg. Geigenzettel: Gio Battista Rugier detto il per / fecit Cremonae Anno 1666/7 (gedruckt). — Giacinto filio di Francesco / Rugier detto il per 1692 (gedruckt). — Giacinto filio di Francesco / Ruggerie detto il Per 1696 (gedruckt). Ruggeri (Rugieri), Guido. — Cremona. 1720 Ein Meister dieses Namens wird mehrfach erwähnt, doch kenne ich weder Arbeiten noch Zettel von ihm, und wenn Bagatella einen »Giannuario Ruggier« lob- preist, so scheint er wohl Giacinto zu meinen. Noch zweifelhafter ist ein Giorgio R., doch gibt es tiroler Geigen mit dem schlecht gefälschten Zettel »Georgius Ruscheri 1680«, an denen höchstens das gut geschnitzte Löwenköpfchen einen gewissen Reiz hat. Ruggeri, Pietro Giacomo s. Rogeri Ruggeri (Rugieri), Vincenzo, detto il Per. — Cremona. 1690. 1735 Sohn des Francesco R. Wenn auch weniger bedeutend als der Vater, dessen Beinamen er gleichfalls annahm, so hat er doch einige sehr schöne Geigen, hauptsächlich aber Violoncelli gemacht. Sein Holz ist gut, der Lack gelbbraun. Eine prachtvolle Viola da Gamba von ihm aus dem Jahre 1702, die merkwürdigerweise schon einen gewölbten Boden hat, besitzt die staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 838). Im allge- meinen ist seine Arbeit weniger sorgfältig durchgeführt als die der übrigen Mitglieder der Familie. Beethoven besaß bekanntlich eine Viola von ihm (von 1690), ein Geschenk des Fürsten Lichnowsky. Geigenzettel : Vicenzo Rugier detto il Per / In Cremona 1714(gedruckt)und Abb. 657. Rummelhoff s. R. Hansen Ruperti, W. — Wismar, f nach 1860 in Wismar Die älteste Arbeit, die mir von ihm bekannt wurde, stammte aus dem Jahre 1847. Er machte neue Geigen und war als Reparateur tätig, scheint aber das Bürger- recht in Wismar nicht erworben zu haben. Geigenzettel : Repariert von W. Ruperti / Wismar d. 20. Nov. 1848 (gedruckt). Ruperti. — Hamburg. 18 . . Mittelmäßiger Geigenmacher, der um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Hamburg tätig war. Ruppert, Franz. — Erfurt. 1800. 1809 Vielleicht ein Sohn oder Enkel von Joh. H. R. Ein fleißiger, aber sehr handwerksmäßig arbeitender Gei- genmacher. Seine Instrumente sind flach gewölbt und stark im Ton. Man rühmte sie wegen ihrer »Leichtig- keit«; diese stammt aber daher, daß er die Zargen nicht bereifte, die Klötzchen in den Ecken fehlen ließ usw. Er wechselte übrigens Patron und Wölbung sehr oft. Sein Lack ist von schwarzbrauner Farbe. Ruppert, Joh. Heinrich. — Erfurt. 1719. 1736 Seme Geigen sind meist flach gewölbt, manchmal sogar zu flach, doch gibt es auch solche, die dem Stainer- modell sich nähern. Die Köpfchen, die er gern am Wirbelkasten anbringt, zeigen eine geschickte Hand. In besonderem Ansehen stand er als Gambenmacher. [, Ein »Violoncello piccolo« von ihm vom Jahre 1724 mit Rupf — Rymwid-Mickiewicz 431 fünf Saiten, und zwei Violinen (eine von 1736) besaß nach dem Inventar vom 9. Dezember 1773 die ehe- malige Köthener Hofkapelle. Geigenzettel: Johann Heinrich Ruppert anno 1719 in Erfurt (gedruckt). — Johann Heinrich Ruppert , in Erfurt 1728 (gedruckt). Rupf (Rief?), Euphroslus. — Vils. 1783 Diesen Namen liest man auf einem sehr ungelenk ge schriebenen Geigenzettel. Ich glaube, der Schreiber wollte Rief schreiben, und es ist nur gegen seme Absicht »Rupf* daraus geworden. Ruprecht, Wilhelm.— Wien. 1839. f 4. Febr. 1862 Er war ein sehr talentvoller und geschickter Geigen- macher. Er ahmte vorzugsweise Guarneri del Gesü nach, baute aber auch in künstlerischer Weise nach Brescianer Vorbildern. Geigen dieser Art zeigen ver- schiedenartiges Bodenholz und doppelte Einlagen; viele haben außerdem auf dem Boden einen sog. Drudenfuß eingelegt. Er hatte einmal Gelegenheit, einen Ahornbaum zu kaufen, dessen Holz ganz mit schwarzen Adern durchzogen war, und dieses Holz findet man auf fast allen Geigen, die er gebaut hat. Manche seiner Kopien der alten Brescianer werden als Originale verkauft. Seine Geigen galten schon zu seiner Zeit etwa 350 M. In der Ausstellung, auf die er sich mit seinem Zettel beruft, war er mit einem Violoncello und drei Geigen vertreten, von denen eine mit Buchsbaum und Ebenholz eingelegt war. Er wohnte 1839 Land- straße Nr. 102 und 1856 auf der Wieden Nr. 767. Geigenzettel : (f W R) Wilhelm Rupprecht / fecit Vienne (gedruckt) und Abb. 630. Russo, Domenico. — 16. Jahrhundert (?) Das Innsbrucker Ferdinandeum besitzt nach einer freundlichen Mitteilung Dr. Waldners seit kurzer Zeit eine interessante alte und reichverzierte Gambe mit fünf Saiten von besonders breitem Bau. Der 600 mm lange Schallkörper ist unten 410 mm, in der Brust zwischen den spitz ausladenden )( 220 mm und oben 350 mm breit. Auf dem 280 mm langen Hals sitzt ein auf allen Seiten mit erhabenen Verzierungen ver- sehener 190 mm langer Wirbelkasten, der mit einem nach vorn gestreckten, fein geschnitzten Faunkopf endigt. Die Zargen sind nach alter Brescianer Weise mit einem Holzstreifen belegt, unten 140 mm, in der Mitte 130 mm und oben 130 mm hoch. Der Boden aus Kastanienholz ist flach, oben abgedacht, die breit- jährige Decke schwach gewölbt. Die Schallöcher sind breit, C-förmig mit ausgezacktem Innenrand; unter dem Griffbrett befindet sich ein schön gegitterter Dach- stern. Griffbrett und Saitenhalter sind mit Festons usw. in Buchsbaum-Intarsia verziert. Die Decke ist rund- herum mit zehn quadratischen Feldern aus verschieden- farbigem Elfenbein in Florentiner Mosaik eingelegt, ein elftes gleiches Quadrat sitzt in der Mitte zwischen Griffbrett und Saitenhalter. Der Lack ist dunkelbraun. Auf einem schmalen Papierstreifen liest man: Domi- nico Rvsso. Nach der ganzen Bauart und nach dem Schnitt der Schallöcher gehört das Instrument noch dem 16. Jahrhundert an, nur das verhältnismäßig schmale Griffbrett mit seinen Intarsien und der Saiten- nalter stammen aus einer späteren Zeit und dürf- ten bei einer Reparatur erst nachträglich hinzugefügt worden sein. Könnte dieser Dominico Russo nicht mit Joannes Dominico oder mit Dominico da Pesaro in Be- ziehung gebracht werden? Ruth (Ruch), Longinus. — Neuenbürg. 1747 Er besaß einen gewissen Ruf und scheint wohl als Hausierer mit seinen Geigen weit herumgekommen zu sein. Arbeiten von ihm kommen ziemlich oft vor, und doch ist weder sein Name noch sein Wohnort einwand- frei festzustellen. .Auf der Mehrzahl seiner Zettel, von denen einzelne rot gedruckt sind, liest man Ruth, auf anderen aber ausdrücklich Ruch, so daß man geneigt sein könnte, diesen Longinus der Familie Rauch zuzu- zählen. Als Wohnort kommt wohl Nellenburg unwei- von Stockach in Baden, an der Landstraße gegen Radolfzell am Unter-(Boden-)See in Betracht. Dort liegen auf einem Ausläufer der Liptinger Höhen die Reste der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Feste Nellenburg^). Die ehemalige Grafschaft Nellenburg kam 1465 an Österreich, 1805 an Württemberg und 1810 an Baden. In seiner Arbeit ist R. nicht hervor- ragend. Die Wölbung ist gewöhnlich sehr hoch, die F-Löcher sind weit offen, die Schnecke unschön, der Lack mager. Die Einlagen fehlen gewöhnlich, dagegen ist der Ton nicht schlecht. Von ihm besitzt das Ger- manische Nationalmuseum in Nürnberg eine Diskant- geige, das Benediktinerstift St. Margareth bei Prag eine Violine, eine andere Dir. Paul Müller in St. Gallen (mit dem Namen Ruch). Geigenzettel: Longinus Ruch in / Nellenburg. (ge- druckt). — Longinus Ruth / in Nellenburg, Tyrol 1 747 (gedruckt). Rutherford, John. — London. 1905 Wird mir als guter Geigenmacher bezeichnet. Rutsch, Fr. — Beuthen, O.-S. 1885 Wurde mir nur durch einen Reparaturzettel bekannt. Ruzicka, Josef. — Troppau. 1914 Ein Troppauer, der in Prag lernte, als Gehilfe bis nach Braunschweig kam und sich 1903 in seiner Vaterstadt selbständig machte. Er stimmt Boden und Decke har- monisch ab, baut nach Stradivari und Guarneri und wird von Kennern gelobt. Eine gute Violine von ihm besitzt Vinc. Prießnltz in Gräfenberg. Ruzout 1795 Paris. Grillet teilt folgenden Zettel mit: Mis en etat par Ruzout , rue de Grenelle Honore ä Paris 1 795 (geschr.). Od essa. Geb. Rymwid-Mickiewicz, Joseph. in Preli-Witebsk 1869 Schüler von Wladimir W. Ivanoff in St. Petersburg, arbeitete von 1891 — 1897 zusammen mit A. Didelot als ^) Leider ist das Stockacher Archiv im 18. Jahrhundert größtenteils ein Raub der Flammen geworden, so daß auch dort nichts zu finden war. 432 Saby — Salier Gehilfe bei E. Geißer und machte sich 1897 in Odessa als Geigen- und Bogenmacher selbständig. Er arbeitet nach Guarneri del Gesü und nach eigenen Modellen, bevorzugt große Formate und eine sehr flache Wöl- bung. Sein Lack ist gelblich oder rotgelb, aber dünn und erinnert an gew. Politur. Der Ton seiner Geigen ist kräftig, nur die G-Saite fällt etwas ab. Auch als Repa- rateur besitzt er in Südrußland einen sehr guten Ruf. Er erhielt schon 1894 auf der Antwerpener Weltaus- stellung ein Ehrendiplom. Geigenzettel: Abb. 643. Saby. H. H. — Kapstadt. 1910. 1911 Hauptsächlich Händler, der auch eine Reparaturwerk- statt unterhält. Sacchinl, Sabbattino (Sebastiano). — Pesaro. 1670. 1686 Ein Schüler oder guter Nachahmer Marianis. Er machte außer Violinen von kleinem Patron auch zierliche Taschengeigen. Ein Instrument von ihm besitzt Val- drighi. Geigenzettel : Sebastiano Sacchini / da Pesaro l'anno 16 . . (gedruckt). — Sabbattino Sacchini / da Pesaro, 1686 (gedruckt). Sacconi, B. — 1911 Italienischer Geigenmacher unserer Zeit, dessen Arbeit dem ^uten Durchschnitt entspricht, wenn auch der Lack zu wünschen übrigläßt. Sacquin. — Paris. Geb. um 1811. 1860 Angeblich ein Schüler von Aldric. Er war seiner Zeit ein geschätzter Geigenmacher und besonders wegen seiner Bässe beliebt. Er kopierte Stradivari und wen- dete Ollack an. Ein Brandstempel im Innern findet sich neben seinem gedruckten Zettel. Dr. W. Trapp in Ber- lin besitzt eine recht gute Violine von ihm. Sacquin, Philippe. — Mirecourt. 1770. 1790 Arbeiten von ihm sind nicht bekannt. Er war wahr- scheinlich der Großvater des Pariser Geigenmaehers gleichen Namens und der Vater des um 1 775 in Mire- court vorkommenden Meisters Nicolas Sacquin. Sadtler, Josef Anton. — Linz a. D. — Geb. 12. April 1820 zu Ahornswald (Heinrichs- grün i. Erzgeb.), f 8. März 1908 in Linz Er war Professor der Physik und begann in seinem 38. Lebensjahre aus Liebhaberei Geigen zu machen, nachdem er vorher die einschlägige Literatur sorgsam studiert hatte. Er besuchte die Geigenmacher in Wien, Prag, München, Graslitz, Klingenthal, Schönbach und Mittenwald und erlernte die nötigen Handwerkskennt- nisse bei Ignaz Hofmayr in Steyr. Immerhin ist Sadtler nicht als Geigenmacher, sondern als forschender Phy- siker anzusehen, da die einzelnen von ihm gebauten Instrumente ihm nur als Prüfer seiner auf wissenschaft- lichem Wege gefundenen Grundsätze des Geigenbaus galten. Im Ton sind die noch erhaltenen Arbeiten von ihm ausgezeichnet. Weniger ist das Äußere zu rüh- men ; er bevorzugte eine kleine Mensur und verwendete einen Spintuslack. Obwohl er sehr fleißig war, sind seine Geigen selten geworden, da er alle früheren Ar- beiten, die er seiner Zeit verschenkt hatte, oft mit gro- ßen Opfern zurückkaufte und dann vernichtete, weil sie seinen fortschreitenden Forschungsergebnissen nicht mehr entsprachen. In Franz Fuchs fand er einen treff- lichen Schüler, der nun als der Erbe der Lebensarbeit des trefflichen Gelehrten in seinem Sinne weiterbaut. S. verwendete nur geschriebene Zettel: J. A. Sadtler, Linz. Sälcher, Hans. — Augsburg. 1483. 1484 Ein Lautenmacher, der im Augsburger Steuerregister erwähnt wird. Sagliocca, Ed. & Co., eine noch bestehende Saiteninstrumentenfirma in Neapel Sagmayr, Wolfgang. — Graz. 1 690. f vor 1 702 Einer der ältesten, nachweisbaren Geigen- und Lauten- macher in Steyermark. Als seine Tochter Eva Rosina im Jahre 1702 den Geigenmacher Joh. Michael Alban heiratete, wird er im Trauungsbuch bereits als »Ehren- vester vndt khunstreicher gewester Burger und Lauten- vndt Geigenmacher seelig« bezeichnet, war damals also schon gestorben. Er war ein geschickter Merster. Seine Arbeit erinnert an die von Hanns Khögl, bei ihm findet man dieselben langen Mittelbügel und dieselben F- Löcher. Am häufigsten kommen Violen von ihm vor. Einen flach gewölbten Violaboden von ihm besitzt Gymn.-Prof. Anton Mayr in Wien (44^/, cm lang, 20^/, und 24', ., cm breit, in der Brust 1 5 cm, Länge der )( 13 cm). Eine hübsche Laute vom Jahre 1700 von ihm befindet sich im Kärntner Landesmuseum in Kla- genfurt. Geigenzettel: Abb. 717. Sailer (Seiler), Anton. — Mittenwald. Geb. 11. Juni 1767. lebte noch 1840 Sohn und Schüler von Joh. S. Seine Arbeit zeigt gute Mittenwalder Schule. Auf seinem Zettel fehlt oft die Ortsangabe. Sailer, Johann. — Mittenwald. 1757. 1770 In seiner Arbeit steht er Knilling nahe; sein Modell nähert sich der Amatischule. Er ist wahrscheinlich mit dem schon 1746 vorkommenden Johann Joseph S. identisch. Sailer, Joseph, Mittenwald. 1756 Guter Mittenwa'der Durchschnitt. Sailer (Seiler), Math. — Mittenwald. 1820 Wahrscheinlich ein Sohn von Johann S., den er jedoch nicht ganz erreicht. Geigenzettel : Math. Seiler Geigenmacher in / Mitten- wald an der Isar 1820 No. 124 (geschrieben). Sainprae — Salle 433 Sainprae (Sainpra), Jakob. — Berlin. 1 7. Jahr- hundert In Berlin war nichts über ihn zu ermitteln; sein Name wurde nur dadurch bekannt, daß eine Viola di Bordone (»Baryton«) von ihm, die aus dem Besitze von Quantz stammen soll, im South Kens. Museum 1872 ausge- stellt war. Das Instrument samt Bogen ist Eigentum des Viktoria- und Albert-Museums in London. (Richtig geschrieben dürfte der Name Saintpre, Paintprex oder Saint-Preux gelautet haben.) Geigenzettel: Jaques Sainprae A Berlin (gedruckt). Sainsione, Giovanni. — Rom. 1725 Ein auch von Valdrighi (2772) erwähnter, geschickter Lautenmacher, der reich mit Bein und Schildpatt em- gelegte Mandolinen gemacht haben soll. Vielleicht ein Nachkomme des venetianischen Lautenmachers »Ma- stro Sanson«, oder des aus Sizilien stammenden Musi- kers Batt. Sansone, der im 16. Jahrhundert in Rom lebte, wenn man nicht lieber annehmen will, wozu ich am ehesten geneigt bin, daß Valdrighi oder sein Ge- währsmann den Namen falsch gelesen hat. Es dürfte eine Verwechslung mit Giovanni Smorzone (s. d.) vor- liegen. Saint-Clair (Salnt-Clas, Sinclas), Jean-Bap- tlste. — Mlrecourt. 1765. 1790 Er wurde 1767 in die Zunft aufgenommen und 1776 Meister. Saint-George, George. 1911 London, Kew. 1908. Ein trefflicher Musiker, Virtuose auf der Viola d'amore, die er auch sehr gut zu bauen versteht und über die er wertvolle Abhandlungen veröffentlicht hat. Saint-Jean, Jean-Claude genannt. — Mirecourt. 1768 Nur von A. Jacquot erwähnt. Salnt-Paul. — Paris. 1640? Fetis erwähnt einen Geigenmacher Saint-Paul in Paris, der um 1640 gelebt haben soll. Weder Vidal noch andere haben über diesen St. P. etwas finden können. Er soll das Amatimodell ähnlich wie Boquay kopiert, dunkel- roten Lack angewendet und Bässe von schönem Ton gemacht haben. Saint-Paul, Antoine. — Paris. 1768. 1789 Wahrscheinlich ein Sohn von Pierre St.-P. Er war der Schwiegersohn und Nachfolger von Guersan und hatte seinen Laden mit dem Schild »Au luth royal« in der Rue des Fosses Saint-Germain-des-Pres. Er betrieb einen ausgedehnten Musikinstrumentenhandel, war aber als Geigenmacher nicht hervorragend. Er ver- suchte es auch wiederholt, Boquay zu kopieren, er- reichte ihn aber nie. Sein Lack ist schlecht und von blaßgelber Farbe. Ob die geschnitzten Köpfchen, die er am Wirbelkasten gerne anbrachte, seine eigene Ar- V. Lütgendorff, Geigfen- und Lautenmacher. Bd. II beit waren, erscheint zweifelhaft. Er war geschworener Meister der Pariser Geigenmacherzunft für 1768. Geigenzettel : Antonius Saint-Paul, prope Comoediam / Gallicam Lutetiae, anno 1772 (gedruckt). Saint-Paul, Pierre. — Paris. 1740. 1743 Seine Geigen haben kleines Patron und bei aller Roheit der Ausführung einen ziemlich guten Ton, aber immer einen schlechten, gelbgrauen Lack. Besser sind seine Quintone durchgeführt. Er wohnte erst in der Rue de la Comedie franfaise, seit 1 772 in der Rue St. Andre des Arts und führte das Ladenschild: A la lyre d'Apol- lon. Eine Arbeit von ihm wird in Brunis Inventaire erwähnt ; auch war er auf der belgischen retrospektiven Ausstellung von 1878 vertreten. Geigenzettel: Abb. 677 und 714. Sajot. — Paris. 1720. 1734 Unbedeutend und handwerksmäßig ; seine Violen haben platten Boden und gelbbraunen Lack. Geigenzettel: Abb. 704. Sales, Ambroise. — Caen. 1768. 1785 Ein Drechsler, der auch Geigen gemacht hat. Sales-fils, Jacques. — Caen. 1778. 1790 Wahrscheinlich ein Sohn von Ambroise S. Sein ge- schriebener Reparaturzettel fand sich in einer Geige; wahrscheinlich war er nur Händler, worauf das M*^ Lu- thier (Marchand Luthier) zu deuten scheint, es sei denn, daß die Abkürzung M^ (Maitre) gelesen werden muß. Geigenzettel : Raccommode par Sales f ils / M^^ Luthier a Caen / rue Saint-Etienne 1 784 (geschrieben). Sales, Pierre. — Caen. 1768. 1790 Vermutlich der Vater oder Bruder von Ambroise S . Auch er war Drechsler und Geigenmacher und arbeitete allein in einem kleinen Verkaufsladen. Salf. — Mirecourt. Um 1850 Ein Mirecourter Geigenmacher, der besonders wegen seiner Geschicklichkeit im Wiederherstellen alter Gei- gen einen guten Ruf besaß. Da er den Werkstattnamen «ä la ville de Venise« führte, kann man ihn vielleicht für den Nachfolger von Dominique Didelot halten. Geigenzettel : Repare par / Salf, a Mirecourt (Vosges) (gedruckt). Salino, Giov. Batt. — Rom. 1760 Seine Geigen haben sehr wenig von dem italienischen Stil seiner Zeitgenossen; sie sind hochgewölbt, der Lack ist braun, ins Schwärzliche spielend, und die Arbeit ungenau. Geigenzettel: J. B. Salino ,' fecit Roma anno 1760 (gedruckt). Salle, le Pere. — Paris. 1825. 1850 Tüchtiger Reparateur und feiner, anerkannter Kenner, der einen ausgedehnten Handel mit italienischen In- strumenten trieb. Einige wenige Geigen soll er jedoch selbst nach dem Guarnerimodell gemacht haben, die als gut gelungen bezeichnet werden dürfen. 28 434 Salo — Sandberg Salo, Caspare da s. Bertolotti Salomon. — Reims. 1745. 1755 Eine Geige von ihm aus dem Jahre 1745 stellte Em. Mennesson 1895 in der retrospektiven Ausstellung zu Reims aus. Geigenzettel : Abb. 669. Salomon, Jean- Baptist -Deshayes. — Paris. 1740. tum 1772 Er soll aus Reims um das Ende der dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts nach Paris gekommen sein und war vermutlich ein Sohn oder Bruder des m Reims tätigen Salomon. Er führte das Ladenschild »A Ste Cecille«, wohnte erst Rue de l'arbre sec und dann Place de lEcole, wo seine Witwe von 1772 an das Geschäft unter Namys Leitung fortführte. Sie verlegte dasselbe später nach dem Quai de la Megisserle und behielt es bis 1789. Salomon war ein ziemlich talentvoller Gei- genmacher, den auch seine Kollegen schätzten, die ihn 1 760 zum geschworenen Zunftmeister erwählten. Seme Arbeit erinnert an die Chappuys, sein gelbbrauner Spi- rituslack dagegen mehr an Guersan. Das Holz zu den Decken nahm er stets, wie er es gerade hatte; den Boden hielt er ziemlich flach; so gibt es recht gute, aber auch sehr mittelmäßige Violinen von ihm. Besser sind seine Violoncelli und seine Liebesgeigen. Eine solche von 1740 befindet sich in der Sammlung Savoye in Paris, eine andere mit hübsch geschnitztem Köpf- chen besitzt das Pariser Konservatorium (Nr. 1 56), eine ähnliche das Konservatorium in Brüssel, eine Violine ist aus der Sammlung Snoeck nach Berlin gekommen. Auch als Harfenmacher wurde er gelobt. Er gebrauchte verschiedene Zettel sowie gelegentlich auch den Brand- stempel SALOMON, den er außen am Boden an- brachte. Geigenzettel: du Salomon / de paris 1740 (gedruckt). — Parisiis apud Salomonem ad insign. / St* Caeciha Scolae Palatio 1752 (gedruckt) und Abb. 700, 709, 766. Saltinari, Giacomo. — Marano sul Panaro (Modena). 1880 Nur als Reparateur von einigem Wert. Salvador!, Giuseppe. — Pistoja. 1861. 1863 Geigen- und Gitarrenmacher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ohne bemerkenswerte Vorzüge. Geigenzettel: Abb. 689. Salvaterra, Francesco. — Mailand. 1609 Ein Liebhaber, dem es in trüben Stunden zum Trost gereichte. Lauten zu bauen, oder der andere damit trösten wollte. Der treffliche Maler Prof. Otto Seltz in München besaß eine Mandoline von ihm mit dem Zettel: Franciscus Salvaterra civis Mediolani / pro Solatio fecit Anno 1609 (gedruckt). Salviati, Francesco Salzard, Ernest- Andre. — St. Petersburg, Moskau. Geb. 24. Juni 1842 in Mirecourt, t 9. September 1897 Schüler seiner Vaters Frangois S. Im Jahre 1858 kam er nach Paris, ging 1860 auf drei Jahre nach St. Peters- burg und ließ sich dann in Moskau als Geigenmacher nieder, wo er schon ein Jahr später zum Geigenmacher des Konservatoriums ernannt wurde. Er war in ganz Rußland als tüchtiger Meister und Kenner der alten Italiener anerkannt und ebnete seinen französischen Kunstgenossen den Weg nach Rußland. Sein Nach- folger wurde Spidlen. Mirecourt. Geb. 1808, Nc itali her Ge euerer italienischer L>eigenmacher Salzard, Fran^ois. t 1874 Er soll eine Zeitlang in Paris gearbeitet haben und er- öffnete 1836 in Mirecourt seine Werkstatt. Seine Arbeit erinnert an Chappuy ; nur ist sein Lack noch schlechter. Sein Modell dagegen wird, wenn auch ohne ersicht- lichen Grund, heute noch nachgeahmt. Auch sein Va- ter dürfte schon Gelgenmacher gewesen sein, und die- sem müßten die mittelmäßigen Geigen, die im Innern einen Brandstempel: »D. Salzar« tragen, zugeschrieben werden. (Der Buchstabe 1 dieses Stempels scheint ver- letzt gewesen zu sein, so daß man beinahe »Saizar« lesen könnte.) Geigenzettel: Abb. 693. Salzard, Jean. — Mirecourt. 1780. 1790 Bogenmacher. Salzedo (Salsedo), Luigi Man kennt eine sehr schöne, in spanischem Stil ge- arbeitete Mandoline mit diesem Namen. Salzer (Saltzer), Johann. — Prag. 1602 Er gehörte mit Merkle und Faust zu den älteren Lauten- und Geigenmachern Prags und stammte aus der Herr- schaft Burgau im Bistum Augsburg, also aus derselben Gegend, wie die meisten in Prag eingewanderten Gei- genmacher. Er erlangte am 10. Juli 1602 das Bürger- recht der Prager Altstadt. Sichere Arbeiten von ihm sind mir noch nicht bekannt geworden. Samuel, Jean -Claude. — Mirecourt. 1757. 1760 Bogenmacher. Sanchez, Juan. — Linares. 19./20. Jahrh. Hauptsächlich Mandolinen- und Gitarrenmacher. Sanctia s. Ormthio Sanctis, Giovanni de. — Rom. 1884 Ein Mandolinen- und Gitarrenmacher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sandberg, Erik. — Stockholm. 1770. 1800? Sein Lehrmeister ist unbekannt; im Jahre 1770 arbei- tete er bei Johann Öhberg. Drei Jahre später hatte er Sander — Sandner 435 bereits seine eigene Werkstatt und baute sowohl Violen, wie Violoncelli, Harfen und Zithern. Er war sehr flei- ßig und ließ im Jahre 1778 bereits seine 268. Viola abstempeln. Ein Violoncello von ihm vom Jahre 1776 besitzt Generalkonsul Claudius in Kopenhagen. Geigenzettel: Erik Sandberg / Stockholm 1776 (ge- druckt). Sander. — Kaiserslautern. 1880 Musiker gaben ihm das Zeugnis anerkennenswerter Geschicklichkeit. Sandherr, Adolf. — Laupheim i. Wtbg. Geb. 29. Mai 1846, t 8. März 1916 Er trat mit 15 Jahren in die Lehre bei Jos. Anton Haff sen., bei dem er noch weitere fünf Jahre verblieb. Nachdem er bei L. Kriner in Stuttgart und Lud. Neuner in Berlin gearbeitet hatte, übernahm er im Jahre 1871 das Geschäft seines Vaters, in dem haupt- sächlich Zithern gemacht wurden. Als Reparateur von Geigen hat er wegen seines Geschicks und seiner Sorg- falt das beste Andenken im ganzen württembergischen Oberland hinterlassen. Seine drei Söhne sind Geigen- macher geworden. Sandherr, Josef. — Dresden. Geb. 22. Nov. 1883 zu Laupheim i. Wttbg. Sohn und Schüler von Adolf S. Er vollendete seine Lehrzeit bei G. Fiorini in München, bei dem er fünf Jahre lang blieb. Er arbeitete dann bei Nöbe, kurze Zeit in Brüssel und dann bei Möckel in Berlin und in Dresden, wo er die Filiale leitete. Bei Ausbruch des Krieges wurde er zu den Fahnen gerufen. Im Jahre 1920 aus französischer Gefangenschaft zurückgekehrt, eröffnete er sein eigenes Geschäft in Dresden und be- schäftigt sich vorzugsweise mit dem Neubau von Vio- linen nach den besten Modellen alter Meister. Schon während seiner Tätigkeit bei Möckel hatte er sich das Vertrauen der Dresdener Künstler erworben, das ihm auch treu blieb, seit er sich selbständig machte. Be- sonders geschätzt ist er auch als feinsinniger Repara- teur. Sandherr, Karl. — Geb. 2. Januar 1900 in Laupheim Jüngster Sohn von Adolf S. Schüler von Otto Möckel, bei dem er in Dresden seine Lehrzeit begann und in Berlin vollendete. Nachdem er dann noch bei Pilar gearbeitet hatte, ging er nach Norwegen, wo er noch tätig ist. Sandherr, Markus. — Berlin. Geb. 26. April 1890 zu Laupheim i. Wttbg. Schüler seines Vaters Adolf S. Als Gehilfe arbeitete er dann bei Fiorini in München, Max Möckel, Plive- rics (Hornsteiners Nachf.) in Berlin und erwarb am 1. Juli 1920 das angesehene Geschäft von K. Lüde- mann, das er mit großem Erfolg fortführt. Er hat ein schönes Lager alter Meistergeigen und erfreut sich des besten Rufs als besonders begabter Wiederhersteller feiner Streichinstrumente. Sandner. — Schönbach b. E. Aus dieser Familie gingen a's Geigenmacher hervor: Sandner. Alexander. — 1840. 1860 Obwohl er gelernter Geigenmacher war, beschränkte er sich doch darauf, Geigenhälse zu schneiden. Sandner, Andreas, arbeitet noch Sandner Anton, desgl. Sandner, Egid. — Geb. 1851 in Oberschönbach Schüler von A. Schäfer. Im Jahre 1875 errichtete er sein eigenes Geschäft, in dem hauptsächlich Stamer- Geigen nachgeahmt werden. Er verwendet sog. eng- lischen Geigenlack. Da seine Geigen besonders für den Export bestimmt sind, tragen sie die Marke : Copy of / Jakobus Stainer / Made in Austria (gedruckt). Sandner, Ferdinand. — 1772. 1775 Wahrscheinlich ein Sohn von Johann I S. Einer der besseren Schönbacher Meister seiner Zeit. Er wohnte Haus Nr. 165. Vermutlich sein Sohn war der 1826 als Meister genannte : Sandner, Georg Sandner, Ignaz, lebt noch Sandner, Johann I, wird 1742 erwähnt und war nicht ungeschickt Sandner, Johann IL — 1826. 1869 Obwohl er handwerksmäßig arbeitete, nie aus seinem Heimatsorte hinausgekommen war und kaum je eine wirklich gute Geige gesehen hat, kann er doch wegen seiner Geschicklichkeit neben den Brüdern Lutz und Anton Fischer als einer der besten Schönbacher Mei- ster seiner Zeit gelten. Auch hat er sich als tüchtiger Lehrmeister bewährt. Geigenzettel: Johann Sandner / in Schönbach 1843 (geschrieben). Sandner, Johann Georg. — 1774. 1826 Er wohnte Haus Nr. 43 und galt als geschickter Geigen- macher. Sandner, Johann Mathias. 1740. 1745 Bis jetzt der älteste bekannte Geigenmacher seiner Familie. Sandner, Josef, arbeitete in Absroth Sandner, Josef. — Geb. 1845 Schüler seines Vaters Alexander S. Nach der Lehrzeit begab er sich auf die Wanderschaft und arbeitete in Österreich, Ungarn, Bosnien, in der Schweiz, in Tirol, Frankreich und in Deutschland, bis er sich 1870 selb- ständig machte. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit der Herstellung von Bestandteilen (Hälsen und Schnek- ken) für Streichinstrumente und hat es dann zu an- erkannter Meisterschaft gebracht. Er gilt als gewiegter Holzkenner und besitzt Medaille und Ehrendiplom der Wiener Weltausstellung von 1873. 28* 436 Sandner — Santini Sandner, Karl, lebt noch als Nachfolger von Johann II. S. Sandner, Ignaz. — Prag. Geb. in Schönbach (Nr. 125) 24. Dezember 1822, f 31. Mai 1847 in Schönbach Sohn des Fleischhauers Wenzel S. Er kam zuerst zu einem unbedeutenden Geigenmacher in die Lehre, dann zu Anton Lutz in Schönbach und ging hierauf nach Prag zu dem gelehrten Michael Weber, der ihm sein ganzes Vermögen hinterließ (1844). Seine Werk- statt befand sich 1847 in der Ferdinandstraße Nr. 147; damals hatte er auch einen Laden in der Husova tfida Nr. 230. Er hatte ein eigenes Modell, das er oft hochgewölbt ausführte. Sein Nachfolger wurde J. B. Dvof'äk. Sandner, Johann. — Absroth bei Schönbach. 1852 In der Arbeit dem gleichnamigen Schönbacher Geigen- macher sehr ähnlich. Seine Geigen haben ein etwas breites Modell, aber vollen Ton, und sind mit Hand- werksgeschicklichkeit gemacht. Geigenzettel: Johann Sandner / in Absroth 1852 (ge- druckt). Sandner, Johann Josef. — Stein (Böhmen). 1794 Er stammte wahrscheinlich aus Schönbach und dürfte hauptsächlich dort vorgearbeitete Schachteln fertig ge- macht haben. Sein Holz ist mittelmäßig und sein Spi- rituslack schlecht. Geigenzettel : Johann Joseph Sandner / Violin Macher in Stein A: 1794 (geschrieben). — Josef Sandner / Violinmacher in Stein / 1794 (gedruckt). Sandner, Venzeslaus (Wenzel). — Budapest. 1875. 1900 Arbeitete bei J. W. Schunda und hat sich in Budapest niedergelassen und dort eine »Multiplicator'- genannte Erfindung zur Tonverbesserung an Streichinstrumen- ten gemacht, die allerdings dem Vernehmen nach ihren Zweck nicht erfüllt. — Aus Schönbach stammte wie er wohl auch der Geigenmacher Sandner, der 1897 noch in Hannover ansässig war. Geigenzettel : V. Sandner. / Musik- Instrumenten-Ver- fertiger / Ecke der Ungar- und Zuckergasse / Pest 1878 (gedruckt). Sangelia (?), Lorenzo. — Florenz. 1777 Wenn er auch kein bedeutender Vertreter der Floren- tiner Schule war, so zeigen seine freilich sehr selten vorkommenden Geigen doch eine geschickte Hand. Sanguino, Francisco. — Sevilla. 1759 Ein spanischer Lautenmacher, dessen Gitarren usw. reich mit Perlmutter eingelegt und durch ihre beson- dere Dicke bemerkenswert sind. Sangliez, Diego. — Madrid. 1821 Geschickter Lauten- und Gitarrenmacher, der seine Arbeiten mit Perlmutter und Ebenholz reizvoll zu ver- zieren verstand. Geigenzettel: Compuesto , Por Diego Sangliez / Ma- drid 1821 (gedruckt). Sanhudo, Sebastiäo. — Porto. 1860 Ein sehr handwerksmäßig arbeitender Portugiese, der einen schlechten Spirituslack verwendet und viele gute Geigen zu Tode repariert hat. Sanoni, Giovanni Battista. — Verona. 1 680 ( ?). 1740 Einer der wenigen Geigenmacher seiner Zeit, die sich von den großen Meistern nicht beeinflussen ließen. Er arbeitete nach einem eigenen, hochgewölbten Modell und gebrauchte einen rötlichen Lack. Seine Arbeit ist gut. Sanson (»Mastro«). — Venedig Ein von Valdrighi (3987) ohne Quellenangabe genann- ter Lautenmacher des 15. Jahrhunderts. — Em Mae- stro Battista Sansone aus Sizilien lebte als Musiker um 1540 in Rom. Santagiuliana, Gaetano. — Vicenza. 1804 A. Dölling in Erfurt besitzt ein prachtvoll klingendes und vorzüglich gearbeitetes Violoncello von ihm mit feurigem dunkelbraunen Lack. Der Boden ist zwei- teilig und die Schnecke prächtig gestochen. Geigenzettel: Cajectanus / Santagiuliana fecit. / Vicen- tiae Anno 1 804 (gedruckt). — Cajectanus Santagiuliana / Fecit Vicentiae (gedruckt). Santagiuliana, Giacinto. — Vicenza, Venedig. 1770. 1830 Nachdem er anfangs in Vicenza gearbeitet hatte, ließ er sich nach 1780 in Venedig nieder, wo er in hohem Alter starb. Er soll jedoch in der Zwischenzeit mehr- fach nach Vicenza zurückgekehrt sein und dort ge- arbeitet haben. Seine Geigen sind nicht besonders gut. Geigenzettel : Jacintus Santagiuliana , fecit Venetia, anno 1830 (gedruckt) — und Abb. 683. Sante. — Pesaro. 1670 Ein von Vidal ohne Quellenangabe mitgeteilter Name. Sante (Santo), Giuseppe. — Rom. 1778 Unbedeutender Geigenmacher, dessen beste Arbeiten sich nicht über die Mittelmäßigkeit erheben. Sein Modell ist meistens unschön in den Umrissen und ziem- lich hoch gewölbt. Santi, Cristoforo. — Sestino. 1748 Die einzige Violine, die ich mit seinem schlecht leser- lichen Zettel zu sehen bekam, erinnerte an die Schule von Pesaro, ohne im übrigen bemerkenswert zu sein. Santini, Gebrüder. — Castelnuovo di Vicenza. 1898 Gute Mandolinenmacher. Santo di Bartolomeo — Sattler 437 Santo di Bartolomeo. — Venedig. 1536 Ein von Valdrighi (3984) aufgezählter Lautenmacher. Santo (auch Santi), Giovanni. — Neapel. 1 700. 1740 Er ahmte Nie. Amati nach ; seine Violinen haben klei- nes Modell und roten Lack und sind nur von geringer Schönheit. Santo (Sanzo, Sanzio), Santino. — Mailand. 1684. 1700 In seinen besten Arbeiten kommt er Grancino nahe, an dessen Modell das seine auch erinnert. Vida! schreibt SSntino. Santo s. Seraphin Santos, Antonio. — Coimbra. 1867 Portugiesicher Gitarrenmacher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Santos, Augusto Nuues dos. — Coimbra. 1 896 Wahrscheinlich Sohn von .Antonio S. und wie dieser Gitarren- und Mandolinenmacher. Sapino (Serpino, Sarpino) Vgl. auch Acero. — Sapino heißt Tannenholz; auf der Innenseite einer Decke fand man das mit Bleistift ge- schriebene Wort, das der Finder nicht verstand und für einen Namen hielt. Bald wurde dieser Sapino einer Schule zugewiesen und in die Mitte des 16. Jahrhun- derts gesetzt: schließlich wurde er zum Schüler von Cappa ernannt, Saluzzo zu seiner Heimat gemacht, und es dauerte nicht lange, da fand man bei Händlern so- gar verschiedene diesem Sapino zugeschriebene Violen und Violinen, selbstverständlich mit Zettel ! Daß se'bst Vidal, der doch die Wortbedeutung von Acero und Sa- pino kannte und mitteilte, diesen fingierten Meister noch aufzählt, entbehrt nicht eines gewissen komischen Beigeschmacks. - Fl orenz. Saracini (Saraceni), Domenico. 1655 Sohn des Mariotto S. Ein seiner Zeit geschätzter Lau- ten- und Geigenmacher, der gleichwohl diese Wert- schätzung nicht sonderlich verdiente. Saracini, Giambattista. — Florenz. 1667 Sohn des Domenico S. und dessen Schüler. Als Lauten- macher war er ganz gut; seine Geigen dagegen sind minderwertig. Saraillac, Fran^ois. — Lyon. 1670. 1711 Man kennt sehr wenig von ihm. Eine Taschengeige von 1678 und eine sechssaitige (früher siebensaitige) Baßviola aus der Sammlung Snoeck (No. 489) be- finden sich in Berlin. Die Baßviola ist braun lackiert. Geigenzettel: Fran<;ois SaraiUac / ä Lion 1711 (ge- schrieben). Saratelli, Carlo Antonio. — Modena. 1913 Italienischer Geigenmacher unserer Zeit. Sarazzino, Antonio. — Brescia. 1674 Vielleicht der Sohn eines Mariotto Saracini. Ein bis- her nicht bekannter, auch von G. Livi nicht erwähnter Brescianer, dessen nicht ganz einwandfreier Zettel lautet : Antonius Sarazzinus / in Brescia f e- , cit anno 1674 (gedruckt). Sardi. — Venedig. 1649 Nur als mittelmäßiger Violenmacher bekannt. Eine Arbeit von ihm war 1881 in Mailand ausgestellt. Sardini, Carlo. — Madrid. 1733 Wahrscheinlich ein Neapolitaner, der um 1708 nach Spanien gekommen ist. Seine Geigen haben großes Modell und eine flache Wölbung, die fast ganz ohne Hohlkehle aufsteigt. Der orangegelbe Lack erinnert noch an italienische Vorbilder. Geigenzettel : Carolus Sardini Madriti ,' feci Anno 1 733 (gedruckt). Sarini, F. — Mailand. 1763 Eine schmucklose, konisch gemachte Gitarre von ihm befindet sich in Berlin in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente (Nr. 652). Sarle, T., hat in London ein Geigengeschäft Sartori. — Bar-le-Duc (?). 18. Jahrhundert Eine Gitarre der Sammlung Scheurleer trägt diesen Namen. Die Ortsbezeichnung las der Besitzer de Bar oder Debar; es dürfte also Bar-le-Duc gemeint sein, das ja auch kurzweg »Le Bar« genannt wird. Sartory, Eugene. — Paris. Geb. in Mirecourt 22. September 1871 Sehr guter Bogenmacher. Schüler seines Vaters, der bei einem Bogenmacher gelernt hatte. Im Jahre 1890 ging er nach Paris zu Charles Peccatte, dann zu Alfred Lamy und machte sich 1893 am Boulevard Nouvelle selbständig. Seine Bogen tragen die Brandmarke »Sar- tory«. Sassi, Alessio. — Mailand? 1784 Ein italienischer Geigenmacher ohne künstlerische Eigenschaften. Auf seinen Zetteln fehlt gewöhnlich der Wohnort; auch Valdrighi (281 1) weiß diesen nicht an- zugeben. Am besten sollen noch die Violoncelli Sassis sein. Sassi, Ettore, lebt in Pistoja Satchell & Forschle. — London. 1794.(1744?) Eine englische Firma, die von Sandys und Forster ohne nähere Angaben erwähnt wird. Vermutlich eine Händ- lerfirma, die bei verschiedenen Geigenmachern ar- beiten ließ. Sattler, David. 1836 Silberbach. Geb. 31 . Januar Sohn und Schüler von Ignaz II S. Er arbeitete seine besseren Geigen nach Wiener Modellen, im übrigen viel für Händler. Seit sich sein Sohn selbständig machte, arbeitet er bei diesem. 438 Sattl er 3avick Sattler, Ignaz I. — Silberbach b. Graslitz. Geb. 1773, t 20. Juli 1840 Einer alten Geigenmacherfamilie aus Graslitz entstam- mend. Da er in seine Geigen nur sehr selten Zettel ein- klebte, dürfte es schwer fallen, Arbeiten von ihm nach- zuweisen. Sattler, Ignaz II. — Silberbach. Geb. 2. Febr. 1797, t 6. Januar 1866 Sohn und Schüler von Ignaz 1 S. Er galt als ein ge- schickter Geigenmacher, arbeitete aber fast ausschließ- lich für Händler. Sattler, Josef. — Silberbach b. Graslitz. Geb. 1866 in Graslitz Schüler seines Vaters David S. Er arbeitet viel für den Handel, aber nur in die von ihm selbst nach einem Modell von Math. Thir gemachten Geigen klebt er seinen Zettel. Er verwendet Spiritus- und OUack. Sauke, Julius J. C. — Hamburg. Geb. 1800, t 1856 Ein für seine Zeit nicht untüchtiger Instrumenten- macher, der namentlich recht gute Gitarren gemacht hat und noch 1854 in München ein schönes Violon- cello ausstellte. Seine Violinen sind stark im Holz, zeigen eine geschickte Hand und klingen voll. Der Lack ist gelb oder gelbbraun. Er bevorzugte ein großes Stra- divari-Modell, von dem er nur abwich, wenn er für Cellier arbeitete. Geigenzettel: Rep. v. J. Sauke / Hamburg 1840 (ge- druckt). — J. Sauke / Instfumentenmacher / Hamburg (gedruckt) und Abb. 726. Sauli, Natale. — Alessandria. 1689 Ein Geigenmacher, der sich bei Valdrighi (4404) ver- zeichnet findet. Saunders, S. — London (Twickenham). Geb. 27. April 1840 in Winterbourne Ein Liebhaber, der recht gute Geigen baut, für die er bereits mehrfach Ausstellungsmedaillen erhalten hat. Er klebt keine Zettel ein und verwendet nur eine Brand- marke. Saunier. — Mirecourt. 1 740 Nach A. Jacquot war er und nicht, wie Fetis annimmt, Edmond S. Schüler des Tischlers und Instrumenten- machers Lambert in Nancy. Saunier, Edmond. — Bordeaux, Paris. Geb. um 1730, t nach 1783 Vielleicht ein Sohn des Mirecourter Meisters seines Namens. 1754 — 1764 war er in Bordeaux, um 1770 aber in Paris, wo er erst in der Rue Tiquetonne und von 1775 — 1783 in der Rue des Prouvaires wohnte. Er hat recht gute Geigen gemacht, doch ist er be- rühmter als Mandolinen- und Gitarrenmacher gewe- sen. Piete und Fourier (Nicolas) waren seine Schüler. Am Boden außen findet man oftmals seinen Brand- stempel: SAUNIER. Geigenzettel : Saunier / ä Bordeaux . 1 754 (gedruckt) Sa vage, Henry. — 1610 Ein englischer Gambenmacher vom Anfange des 17. Jahrhunderts soll diesen Namen geführt haben. Savani (Scavani), Giuseppe. — Carpi. 1809 Ein Dilettant, der als Baßmacher nicht ungeschickt war. Savart, Felix. — Paris. Geb. in Mezieres 30. Juni 1791, t in Paris 1841 Ein ausgezeichneter Physiker, der sich viel mit den Gesetzen der Akustik beschäftigte und wertvolle Unter- suchungen der Geige vornahm, wozu ihm Vuillaume die kostbarsten italienischen Geigen zur Verfügung stellte. Eine Frucht seiner Studien ist: »Memoire sur la construction des instruments a cordes et ä archet« (1819). Schließlich erfand er auch eine Geige in der Form eines Trapezoids, die er 1819 der Akademie der Wissenschaften in Paris vorlegte, und veranlaßte auch den Bau mehrerer Geigen von trapezförmiger oder zy- lindrischer und von vierkantiger Gestalt. Beispiele da- für finden sich sowohl aus der Sammlung Snoeck in Berlin als auch im Museum des Pariser Konservato- riums. Wenn diese Versuche auch wenig Erfolg haben konnten, so hat S. sich doch durch seine wissenschaft- lichen Arbeiten um den Geigenbau verdient gemacht. Savicki (Sawitzki), Carl Nikolaus. — Wien. Geb. 1792 in Lemberg, f 13. Oktober 1850 in Wien Er entstammte einem polnischen Adelsgeschlecht und war ursprünglich für den geistlichen Beruf bestimmt. Als er das Gymnasium besuchte, wohnte er bei einem Geigenmacher, und ohne Vorwissen seines Vaters, der Schulvorstand war, erlernte er den Geigenbau. Er scheint dann lange gewandert zu haben. Als er nach Wien kam, mußte er, da er nicht in Wien gelernt hatte, erst um die Bewilligung zur Niederlassung ansuchen. Im Jahre 1824 erscheint er dann als »befugter Gelgen- macher« eingetragen. Er war einer der allerbesten Wie- ner Geigenmacher und arbeitete nach einem großen, breiten Stradivari-Modell und verwendete das schönste Holz. Ränder und Schnecke hielt er ziemlich kräftig, sein Lack ist bräunlich bis rotgelb. Er hat auch einige Kopien nach Guarneri del Gesü gebaut und unter an- deren eine so getreue Kopie von Paganinis Geige an- gefertigt, daß der große Geiger selbst ganz entzückt war und Savicki in einem Zeugnis vom 10. August 1828 für ein »außerordentliches Genie« erklärte »sowohl in der Verfertigung neuer Violinen als in der unübertreff- lichen Art, alle Streichinstrumente zu reparieren«. Der Ton seiner Geigen ist voll und sehr kräftig. Eine reich mit Perlmutter eingelegte Violine mit dem Zettel: Smae. C. R. Apostolica Malestati / Ferdinando 1"^° Austrias imperatori / dedicavit in signum Venerationis et submissionis / Carol. Nicol. Sawicki Leopolitanus Sayher — Schäfer 439 Viennae A. 1837. aus Gabriel Lemböcks Besitz erwarb W. Th. Jaura, durch den sie In die Sammlung von Pater Eugen Haas, Kämmerer im Stifte Herzogenburg, kam. Zwei vollständige Quartette nach Stradivarl be- saß der oldenburgische Hofkapellmeister Aug. Pott, der in Graz seine letzten Jahre verlebte, das eine Quar- tett rot, das andere gelb lackiert. Besonders schön waren die rote erste Violine und die Viola und das gelbe Vio- loncello. Seine .Arbeiten sind m festen Händen und kommen daher im Handel nur selten vor. Seme Geigen werden jetzt recht hoch bezahlt. Wie sehr er schon zu Lebzeiten geschätzt wurde, geht aus zahlreichen, über ihn veröffentlichten Aufsätzen hervor. Auch im 16. Bändchen von Ordepps großem Instrumental- und Vokalkonzert (Stuttgart 1841) wird ihm ein Loblied gesungen. Geigenzettel : C. Nicolaus Savicki / reparabit anno 1824 Viennae (gedruckt). — Nicolaus Sawitzki Leopolitanus/ fecit Viennae Anno 1834 (gedruckt) und Abb. 736 und 765. Sayher s. Socher Sayller s. Syller Sbordoni, Giacomo. — Brescia. 1857 Erfinder einer Gitarrenlaute. Scappia, Francesco Neuerer italienischer Geigenmacher. Scarabelli, Agostino. — Mont'Orso (Modena). 1884. 1894 Seiner Arbeit nach zu urteilen, dürfte er das Geigen- machen nur als Liebhaberei betrieben haben. Scarampella, Angelo. — Brescia. Geb. 2. Juni 1852 in Brescia Sohn von Paolo Sc. Ursprünglich wie sein Vater ge- lernter Zimmermann, verlegte er sich später mit Er- . folg auf das Gitarrenmachen. Scarampella, Giuseppe. — Paris und Florenz. Geb. 25. August 1838 in Brescia, f in Varese nach 1885 Sohn von Paolo Sc. Schüler von Niccolö Bianchi aus Genua, ging dann nach Paris wie sein Lehrer und blieb dort bis 1866. Hierauf zog er nach Florenz und trat als Gehilfe bei Luigi Castellani ein; nach dessen Tode machte er sich selbständig und wurde Konservator der Sammlung des Florentiner Konservatoriums. De Picco- lellis erklärte ihn für den besten Reparateur seiner Zeit, wobei er ihn allerdings sehr überschätzt hat. Seine neuen Geigen waren ohne jede Eigenart, wenn auch sauber gemacht, und hatten rötlichen Lack. Gelgenzettel : Giuseppe Scarampella / Fece in FIrenze anno 1885 (gedruckt). Scarampella, Paolo. — Brescia. Geb. 25. Sept. 1803, t 7. April 1870 Obwohl seines Zeichens ein einfacher Zimmermann, machte er doch viele Violinen, Violoncelli, Gitarren und Mandollnen mit beachtenswertem Geschick in der Art von Palotta in Perugia. Am besten gelangen ihm seine Violoncelli. Scarampella, Stefano. — Mantua. Geb. 17. März 1843 Sohn von Paolo Sc, der begabteste aus seiner Familie. Schüler seines Bruders Giuseppe; tüchtiger Geigen- macher, der viele Violinen gemacht hat, die ein wenig an Balestrieri erinnern. Leider ist sein Lack sehr man- gelhaft. Drei Geigen von ihm finden sich in der Samm- lung Pasifti in Brescia. Geigenzettel: Abb. 675 und 710. Scardigli, Ettore. — Siena. 1889 Ein Musikinstrumentenmacher, der auch Geigen an- gefertigt oder doch ausgebessert haben soll. Schaar, Timotheus. — Lübeck. 1647. 1650 Er wird in den Kirchenbüchern Instrumenten- und Violenmacher, aber auch »Schulmeister« genannt, ließ zwei Töchter taufen und wohnte in sei. M. Andreas Poelekes Haus In der Kurzen Königsstraße. Schachinger(Schächinger), Hans. — München. 1551 Franz Trautmann sagt von ihm: »In das 18. Jahrhun- dert herüber war In Streichinstrumenten jeder Art auch Hans Schächinger berühmt.« (Die Altmünchener Mei- ster, Jahrd. f. Münch. Gesch. I. S. 63.) Er war auch Organist. In den Rechnungen der Münchener Hof- kapelle liest man u. a.: »Item d. 25. August 1551 be- zahlt dem usw. Hans Schächinger für Macherlohn etlicher Instrument 19 Gulden 6 Seh. 20 D.« Mark neu- Schädlich, Christian Gottlob. kirchen. 1830 Wahrscheinlich identisch mit Christ. Gotd. II Sche- telig. Die Geigen mit seinem Zettel sind von gewöhn- licher Vogdänder Arbelt und haben einen dürftigen braunen Lack. Geigenzettel: Christian Gottlob Schädlich / Neu- kirchen 1830 (geschrieben). Schädlich, Hermann. — Schönbach b. E. t 1907 Er war Violoncellomacher und als solcher nicht un- geschickt. — Die Familien Schädlich Im Egerlande und Schetelig im Vogtlande sind zweifellos eines Stammes. Schäfer, Andreas. — Schönbach b. Eger. 1 826 Er gehörte 1826 bereits der GeigenmacherInnung an, scheint jedoch nicht viele seiner Gelgen mit Zetteln versehen zu haben. Schäfer, Anton. 1896 Gottesgab (Böhmen). 1 860. Weniger als Geigenmacher als dadurch für Schönbach bedeutend, daß er in Znaim das Zithermachen erlernte 440 ScKäfer — Schaller und dann der erste Zithermacher im Schönbacher Be- zirk wurde. Er galt auch als guter Lehrmeister. Em anderer Anton Schäfer arbeitet in Steingrub b. E. als Geigenmacher. Schäfer, Anton. — Schönbach b. E. Geb. 1 834 Er besitzt viel Handgeschicklichkeit, hat aber fast zeit- lebens für fremde Rechnung gearbeitet. Schäfer, Anton Josef. — Schönbach b. E. Geb. 1860 in Schönbach Sohn von Anton Seh.; Schüler von ifis. Schuster. Nach beendeter Lehr- und Wanderzeit machte er sich in seiner Vaterstadt selbständig und macht Violinen und Violoncelli »nach der Form« nach italienischen Modellen, die er auch im Lack nachahmt. Die Zettel klebt er »nach dem Modell« ein. Schäfer, Josef. — Schönbach b. E. 1826 Seine Violinen wären nicht schlecht, wenn er ein bes- seres Modell gehabt hätte und weniger sorglos in der Wahl des Holzes gewesen wäre. — Ein Josef Karl Schäfer arbeitet noch jetzt in Schönbach. Schäfer, Michael. — Schönbach b. E. 1826 Einer der geschicktesten Geigenmacher aus seiner Fa- milie, von dem heute besonders gute Bratschen ge- schätzt werden. Schäffler, Joseph I. — Scharnitz. 1748. t 16. August 1758 Er war (nach Dr. F. Waldners Ermittelungen) ein Sohn des Mathias Seh. und der Maria Gaugg, die mit ihm aus Mittenwald, wo er wohl auch geboren sein und gelernt haben wird, in die Scharnitz übersiedelten. Seme Frau hieß Theresia Doli. Er gehörte zur Klotz- schule und es soll auch Geigen von ihm geben, die aus Mittenwald datiert sind. Sein Lack ist etwas dürf- tig und das Holz der Decke oft zu engjähng; er ver- wendete meist Lärchen- statt Fichtenholz. Geigenzettel : Josephus Schäffler in / der Scharnitz 1756. (gedruckt). Schäffler, Joseph II. — Scharnitz. Geb. 21 .Mai 1759, t nach 1792 Sohn des Josef I Seh. Von ihm sah ich eine Geige, die mehr an das Amati- als an das Klotzmodell erinnerte, mit folgendem Zettel : Geigenzettel: Joseph Schäffler Geigenmacher/ in der Scharnitz bei Mittenwaldt / A. 1 792 (gedruckt). Schaffner, Max. — Markneukirchen, Hamburg. Geb. 1870 in Markneukirchen Nachdem er bei seinem Stiefvater das Bogenmachen regelrecht erlernt hatte, ging er noch zu seinem Oheim C. Dreier nach Leipzig, um sich auch als Geigenmacher auszubilden. Als Gehilfe arbeitete er bei H. Philipp und Julius Heberlein und nach seiner Militärzeit bei R. Heberlein in Nürnberg. Im Jahre 1896 machte er sich in Markneukirchen selbständig und ging 1906 nach Hamburg, wo er jetzt als Geigen- und Bogenmacher seine Werkstatt hat und auch als Reparateur viel be- schäftigt ist. Schaendl s. Schandl Schafroth, Bernhard. — Wien. 1801. 1809 Er wohnte als Lauten- und Geigenmacher Stadt Nr.l 50 und legte am 17. Juli 1801 den Bürgereid ab. Geigen von ihm kommen selten vor; sie sind, ohne besonders gut zu sein, nicht schlecht in der Arbeit; nur ist der Lack zu spröde und jetzt oft stark abgesprungen. Schaller, Adalbert. — Prag. Geb. 20. April 1793 in Prag, t 12. August 1866 Von seinem Leben ist nur bekannt, daß er als Sohn der Schuhmacherseheleute Johann und Magdalena Seh. in Prag Nr. 395/1 geboren wurde und im Jahre 1817 Marie Simäc'ek (f 1855) heiratete. Er wechselte seine Wohnung ziemlich oft und wohnte vielleicht am längsten in der Neustadt, »Stepanska ulice Nr. 653, wo er nach 1828 zu finden war. Er scheint sich haupt- sächlich mit dem Ausbessern alter Geigen beschäftigt und selten Zettel in seine neuen Geigen geklebt zu haben. Geigenzettel : Adalbert Schaller / Geigen und Guitar- macher / auf der Neustadt Stephans- / gaße N. C. 653 / in / Prag, (gedruckt). Schaller, Anton. — Schönbach b. E. Geb. 1849 Sohn und Schüler von Josef II Seh., bei dem er im Geigenbau gründlich ausgebildet wurde. Als Gehilfe arbeitete er eine Zeitlang in Markneukirchen und be- gründete 1875 sein eigenes Geschäft. Er befaßt sich jetzt nur mit der Anfertigung von sog. Violin- und Violoncelloschachteln und -körpern und wird als tüch- tiger Meister geschätzt. Schaller, Christian Traugott. — Markneu- kirchen. Geb. 9. Februar 1816 in Brunn- döbra, t H.Mai 1889 Er war Geigenmachermeister, arbeitete meistens für die Handelshäuser seiner Heimat und verarbeitete die von anderen angefertigten Bestandteile. Einige wenige Geigen, die er zu seinem eigenen Vergnügen gemacht hat, beweisen gleichwohl seine Geschicklichkeit. Schaller, Friedrich Wilhelm I. — Markneu- kirchen. Geb. m Brunndöbra bei Klingen- thal. 1835 Er kam frühzeitig nach Markneukirchen und hat dort in einem arbeitsreichen Leben zahlreiche Geigen ge- macht, freilich fast immer für fremde Rechnung, und arbeitet heute noch. Sein Sohn Friedrich Wilhelm II, geb. 7. November 1865, arbeitet gleichfalls als Geigen- macher. Schaller, Heinrich Reinhold. — Löbtau bei Dresden. Geb. 22. März 1859 in Markneu- kirchen Schüler seines Vaters Fr. Wilh. Seh. Ließ sich 1896 in Chemnitz nieder und verlegte 1898 seinen Wohn- Schaller — Schandl 441 sitz nach Löbtau. Er kopiert Stradivari, Amati und Stainer und verwendet meistens einen gelbbraunen Spiritus-, manchmal auch Öllack. Geigenmacher: Reinhold Schaller /' Geigenbauer m Chemnitz Anno 1897 (gedruckt). — Reinhold Schal- ler, Geigenbauer / in Löbtau bei Dresden. Anno 1899 (gedruckt). Schaller, Ignaz. 1830 Schönbach b. E. 1820. angewandte Grundierung, die er alten Vorbildern nach- ahmt, und der er große tonbildende Kraft zuschreibt. Er ist ein Urenkel Friedr. Aug. Gläseis. Geigenzettel : Abb. 692. B rux i. B. Geb. Als Geigenmacher nur ein geschickter Handwerker ohne jede Eigenart, was wohl daher kam, daß er von anderen angefertigte Bestandteile zusammensetzte. Zu- letzt soll er sich ganz darauf verlegt haben, Geigen für fremde Geigenmacher vorzuarbeiten. Schaller, Johann I. — Schönbach b. E. 1826 Sein Modell weicht von dem bei den meisten Schön- bacher Geigenmachern seiner Zeit gebräuchlichen so sehr ab, daß es wahrscheinlich ist, daß er längere Zeit auswärts, vielleicht in Prag bei Adalbert Seh., gearbeitet hat. Schaller, Johann II. — Schönbach b. E. Geb. in Schönbach. 1863 Sohn von Josef II Seh., bei dem er auch als Korpus- macher gelernt hat. Nach dem Tode des Vaters ar- beitete er bei seinem Bruder Anton und ist jetzt als geschickter Korpusmacher geschätzt. Auch handelt er mit Geigenholz. Schaller, Johann III. — Schönbach. Geb. 1878 Sohn von Anton Schaller, bei dem er als »Korpus- macher« ausgebildet wurde. Er arbeitet jetzt selb- ständig. Schaller, Josef I. — Schönbach b. E. Geb. um 1806, t 1876 Er gehörte 1826 bereits der Geigenmacherinnung an und soll recht tüchtig gewesen sein. Schaller, Josef II. — Schönbach b. E. Geb. in Schönbach 1821 , t 28. August 1882 Schüler seines Vaters Ignaz Schaller. Er verstand das Geigenmachen von Grund aus, war als Fachmann und Kenner angesehen und wurde viel von fremden Geigen- machern aufgesucht — so auch von Schünemann — ; aber die Verhältnisse brachten es mit sich, daß er sich fast sein ganzes Leben hindurch darauf beschränken mußte, nur Geigenbestandteile anzufertigen. Schaller, Oswald. — Frankfurt a. 0. Geb. am 6. September 1857 in Markneukirchen Schüler seines Vaters Fr. W. Seh. Bevor er sich im Jahre 1881 in Frankfurt a. 0. als Geigenmacher und Reparateur niederließ, arbeitete er bei Louis Otto in Düsseldorf. Seine Geigen sind nach italienischen Mo- dellengemacht und mit einem selbstverfertigten, durch- sichtigen Öllack (meist rötliehgelb oder mahagonifarbig) überzogen. Eigentümlich ist ihm eine innen und außen Schallowetz, Franz. ■ 13. Oktober 1858 Im Jahre 1884 begründete er in Brüx ein Musikinstru- mentengeschäft und befaßt sich auch mit der Anferti- gung von Streichinstrumenten und deren Wiederher- stellung. Schandl (Schändl), Anton. — Mittenwald. 1750. 1799 Jedenfalls ein Sohn von Michael Seh., an den seine Arbelt sehr erinnert. Er scheint einen gleichnamigen Sohn gehabt zu haben, der noch um 1830 arbeitete und den gleichen gedruckten Zettel gebrauchte. Geigenzettel: Antony Schändl, Geigenmacher / in Müttenwald 1774 (geschrieben) und Abb. 670. Schandl, Johann. — Mittenwald. 1762. 1763 Der Unbedeutendste aus der Familie; trotzdem kom- men vereinzelt Gelgen von ihm vor, die denen der Hornsteiner usw. nicht nachstehen. Schandl, Johann. — Stuttgart. 1880 Er erlernte zwar in Mittenwald die Geigenmacherei, verlegte sieh aber frühzeitig fast ausschließlich auf das Zithermachen. In seinen Anzeigen bezeichnete er je- doch seine Werkstatt ausdrücklich als beste »Repara- tur-Werkstatt für Violinen etc.«. Schandl, Karl. — Mittenwald. 1914. 1919 Er gilt als guter Lautenmacher, verlegte sich aber ganz auf den Holzhandel und die Landwirtschaft. — Ein Andreas Schandl ist Geigenwirbelmacher. Schandl, Michael. — Mittenwald. 1730. t 8. Dezember 1749 Einer der besseren Meister seiner Heimat, dessen Gel- gen manche originelle Züge aufweisen, wenn sie auch noch auf das Stalnermodell zurückgehen. Er nimmt die Wölbung ziemlich steil ansteigend und in der Mitte flach. In der Regel ist die Decke schöner gearbeitet und weniger gewölbt als der Boden, der aus engge- flammtem Holz besteht. Auffällig ist die tiefe Hohl- kehle. Die F-Löcher sind Klotz nachgeahmt, und die Sehnecke ist stark gesehweift. Die Einlage ist 4' ^ mm vom Rande entfernt, der Lack dünn und ohne Feuer. Seine Violinen haben folgende Maße: Länge 355 mm, obere Breite 165 mm, mittlere Breite 107 mm, untere Breite 205 mm, Zargenhöhe oben 32 mm, unten 33 mm. — Die Scharnitz, auf die er sieh auf seinem Zettel bezieht, ist der bekannte befestigte Engpaß, der noch den Franzoren w'iederholt zu schaffen machte. Geigenzettel: Michael Schandel, Lautenmacher in Mittenwaldt in der Grafschaft Werden- / fels im Tyro- lisehen Gebürgs gelegen / nächst an der Sehörmz 1735 (gedruckt). 442 Seh, anner Schelle Schanner, Michael. — Graz. 1856 Es gibt einige gute Gitarren von ihm. Daß er auch Geigen gemacht hat, erscheint fraglich. Schantz, Johann. — Wien. 1780—1790 Er nannte sich »Bürgerl. Orgel und Instrument Macher« und hat u. a. vielleicht auch Gitarren und Harfen ge- macht; einen Namen hatte er jedoch nur als Klavier- fabrikant ; als solcher war er neben Anton Walter der bedeutendste seiner Zeit. Schanz, Gustav, arbeitet als Geigenmacher in Brambach Schedlich s. Schetelig Schefferna, Johann Nepomuk. — Kaschau. Geb. 1823 zu Budapest, f nach 1871 Schüler von Teufelsdorfer, den er mit Geschick nach- ahmte. Bevor er sich in Kaschau niederließ, soll er auch bei Schweitzer gearbeitet haben. Geigenzettel: Kaschau. / Johann Nep. Schefferna, Schüler des / G. Teufelsdorfer in Persh. 1846 (ge- druckt). — Schefferna Jänos, hegedukeszitö / Peströl, lakik Kassan 1870 (gedruckt). Schefferna, Karl. — Kaschau. Geb. 1860 Schüler von Nemessänyi. Schefferna, Koloman. — Kaschau. Geb. 1869 Sohn von Joh. Nep. Seh. Scheffernä, Robert J. — Kaschau. 1879 Soll hauptsächlich als Reparateur tätig gewesen sein. Scheffler, Louis, bezeichnet sich als »Musik- warenfabrikant« und hat sein Geschäft in Bukarest Scheib, Franz. — Szabadka. 1865 Er stammte aus Budapest und war ein Schüler von Schweitzer. Scheinert, Christoph. — Berlin. 1895 Erfinder eines Vibrierhammers für Streichinstrumente. Scheinlein, Georg Michael. — Langenfeld bei Neustadt an der Aisch. 1820 Wahrscheinlich ein Sohn von Joh. Mich. Seh. Eine Geige von ihm mit gedrucktem Zettel besitzt C. Stoe- ber in Würzburg. Geigenzettel : Georg Michael Scheinlein / in Langen- feld prope Nürnberg 1820 (gedruckt). Scheinlein, Johann Michael. — Langenfeld bei Neustadt an der Aisch. Geb. 1 75 1 , f n. 1 794 Dritter Sohn und Schüler von Matthäus Friedr. Seh., der ihn schon im zwölften Jahre streng zur Arbeit an- hielt, auf seinen Reisen nach Tirol usw. mitnahm und in die besten Geigenmacherwerkstätten führte, damit er dort noch etwas Neues lernen konnte. Er übertraf seinen Vater sowohl in der Genauigkeit seiner Arbeit, als auch an Verständnis und arbeitete seit 1 780 nach dem größten Stainermodell. Er nahm die Wölbung jedoch etwas flacher und erzielte einen vollen und an- genehmen Ton. Er war schon bei Lebzeiten sehr ge- schätzt und erhielt für eine Violine vier Louisdor. Vgl. die von ihm selbst herrührenden Angaben in Gerbers Lexikon. Geigenzettel : J. M. Scheinlein fecit Langenfeld / prope Nürnberg Ao 1780 (gedruckt). Scheinlein, Matthäus Friedrich. — Langen- feld bei Neustadt an der Aisch. Geb. 1710, I 1771 Er war ursprünglich Musiker, tüchtiger Violinist und Harfenspieler und begann zunächst mit der Herstel- lung von Harfen. Seine sog. Davidsharfen waren bald sehr behebt. Da er gleichzeitig einen Geigenhandel be- trieb, kam es von selbst, daß man ihm auch Geigen zur Reparatur brachte. Er wagte sich daran, und als ihm einmal gelungen war, einer alten Geige eine neue Decke zu machen, fand er Geschmack an der Geigen- macherei ; er reiste nach Mittenwald, um einzukaufen und bei dieser Gelegenheit den dortigen Meistern ihre Kunst »abzusehen«. Er mußte jedoch mehrmals die Reise wiederholen, ehe es ihm gelang, ein zufrieden- stellendes Instrument zu machen. Erinnern seine ersten Instrumente noch an seine Tiroler Vorbilder, so zeigen seine späteren und besseren Geigen ein originelles Mo- dell. Der Ton seiner Geigen ist gut und in der Höhe scharf; nur hat er sie im ganzen zu schwach gemacht. Er hinterließ sechs Kinder, von denen nur sein dritter Sohn die väterliche Kunst fortsetzte. Eine gute Violine von ihm besitzt K. Friedrieh in Posen. Geigenzettel: Abb. 671. Schelle (Schell), Sebastian. — Nürnberg. 1 700. 1745 Schüler und vielleicht Schwiegersohn von Math. Hum- mel; der bedeutendste Nürnberger Lauten- und Gei- genmacher seiner Zeit. Baron sagt von ihm in seiner Untersuchung des Instruments der Lauten (S. 97): »M. Hummel ist ein Lehrmeister des . . . Schelle ge- wesen, welcher bey ihm so viel gutes profitirt, dass er sich mit seiner bewährten Arbeit so wohl in Italien, Frankreich, Ober- undNieder-Teutsehland und andern cultivirten Theilen von Europa schon sehr signalisiret hat. Seine Lauten sind öffters so wohl gerathen, dass diejenigen Meister, welche sie von ihm um einen bil- ligen Preiss bekommen, schon bissweilen das Glück gehabt haben, wenn sie dieselben vorhero ein wenig ausgespielt, an Kenner und Liebhaber theils vor hun- dert theils vor sechtzig biss siebentzig Reiehsthaler wieder anzubringen. Seine Instrumente sind von mit- telmässigen Stock, fast vor Jedermanns Faust, haben eine schöne und accurate Proportion am Gebäude und Saitenlage, sind flach, breitspänicht, länglicht und werf- fen den Thon weit in die Ferne. Er hat einen grossen Vorrath von allerley raren, ' trueknen und schönen Holtze, das sich zu Instrumenten am besten schickt und kann man sich seiner mit guten Suecess bedienen.« — Eine Arbeit von ihm besitzt das städtische Museum Schelmayer cherzer 443 Carolino-Augusteum in Salzburg (von 1719), einetheoi- bierte Laute (von 1727) das Museum des Pariser Kon- servatoriums (Nr. 218), eine 24saitige Theorbe von 1721 R. Leibbrand in Berlin, eine sehr ähnliche Laute von 1 744 das Germanische Museum in Nürnberg. In der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin sind mehrere Instrumente, die er repariert hat. In London bei Withers befindet sich eine hochgewölbte Violine von ihm mit dem geschriebenen Zettel: »Se- bastianus Schelle Cremona 1701«. Wenn der Zettel echt ist, hätte man anzunehmen, daß er in semen Wan- derjahren in Cremona gearbeitet habe, was nicht gerade unglaubwürdig erscheint. Geigenzettel : Sebastian Schelle, Lauten und / Geigen- macher in Nürnberg, zugericht, 1737 (gedruckt). — Sebastian Schelle / Lauten und Geigenmacher / in Nürnberg Hummels ,' Erben. .'Xn. 1744 (gedruckt). Schelmayer, Christian. — Köln. Um 1750 Seine .'\rbeit steht etwa mit der seiner vogtländischen Zeitgenossen auf einer Stufe. Am besten sind seine Violen. Eine Taschengeige von ihm aus der Samm- lung Snoeck befindet sich in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin. Geigenzettel: Christian Schellmayer / Musik-lnstru- mentenmacher in der / Blmdgasse zu Köln No. 6022 (gedruckt). — Christian Schelmayer / Musik instru- menten macher in Köln no 602 . . (gedruckt). Scheltma, Maxim, arbeitet als »Luthier« in Brest Schembera (Sembera, Schombera), Karl. — Prag. Geb. 6. November 1781 in Bezejovic, I 6. November 1821 Sohn eines Müllers. Schüler von Kaspar Stmad, mit dem er verwandt gewesen sein könnte, da seine Mutter Katharina eine geborene Strnad war. Karl S. ließ sich in Prag nieder, wo er am 4. Juni 1806 das Bürgerrecht erlangte und einen Monat später die Hausbesitzers- tochter Josepha Koläfik (geb. 1782) heiratete, wobei Kaspar Strnad sein Trauzeuge war. Er hatte seine Werkstatt am Annaplatz Nr. 210 (Altst.). Seiner Ehe entsprossen vier Söhne. Außer Geigen machte er auch Gitarren. Im allgemeinen folgte er seinem Meister Strnad. Der Name kommt auch »Schombera« ge- schrieben vor. Richtig wäre nach der jetzt gültigen Orthographie die Schreibweise h^embera. Geigenzettel: Carolus Schombera / fecit Pragae 1806 (gedruckt). Schemmel. — Berhn. 1861 Ein fast vergessener Geigenmacher, der in den sechzi- ger Jahren seine Werkstatt auf dem Molkenmarkt hatte. Schemmerling, Jos. Christoph. — (Mark)- Neukirchen. 1748. Geb. um 1720 in Dürpersdorf Er hat nicht in (Mark)Neukirchen gelernt, kam aber als Geselle dorthin und wurde am 27. Juni 1748 als Meister in die Zunft aufgenommen. Er heiratete die älteste Tochter des Geigenmachers Gottfr. Pilz. Schenk, Friedrich. — Wien. 1839. 1850 Schüler von Joh. Georg Staufer. Wie sein Lehrer ver- legte auch er sich mehr und mehr auf das Gitarren- machen und war namentlich wegen seiner schönen Lyragitarren berühmt. Auf der Wiener Ausstellung von 1839 war er mit einer Terzgitarre von eigentüm- licher Form vertreten. Geigenzettel : Friedrich Schenk / Instrumentenmacher/ Wien, Margarethen, Grohgasse No 179 (gedruckt). Scherlein, A. — Augsburg. Geb. 8. Juni 1826 in Pfaffenhofen a. d. lim, f nach 1882 Musiker und Geigenmacher. Er übernahm die Werk- statt Haffs und wurde namentlich als sorgfältiger Wie- derhersteller alter Geigen geschätzt. Sein Nachfolger war Piegendorfer. Scherr, Emelius N. ' Eine dem 19. Jahrhundert angehörende Gitarre der Sammlung Crosby Brown in New York trägt den Zettel : Emelius N. Scherr, / 84 Harbour street (gedruckt). Schertel, Christian. — Bayreuth. Geb. 7. Nov. 1865 in Ramsenthai b. Bayreuth Ursprünglich Musiker, diente er mehrere Jahre als Hoboist im 7. Bayr. Inf. -Regiment und widmete sich dann dem Instrumentenbau, den er in Markneukirchen, Siebenbrunn i. S., Graslitz, Schönbach, Steingrub i. B., Mittenwald und Mirecourt gründlich erlernte. Er macht hauptsächlich Streichquartette und wird von den Mitgliedern des Bayreuther Festspielorchesters seiner Tüchtigkeit wegen gelobt. Scherzer, August Theodor. — Markneu- kirchen. Geb. 10. September 1851, f 1910 Schüler von Heinrich Gläsel und derMarkneukirchener Fachschule. Im Jahre 1875 begründete er sein eigenes Geschäft und war Obermeister der Streichinstrumen- tenmacherinnung. Er kopierte alle Meister, wenn es verlangt wurde, und arbeitete hauptsächlich für die großen Versandtgeschäfte, so daß nur wenige Gelgen seinen Namen tragen ; die meisten erhielten jene Zettel, die die bestellenden Händler vorschrieben. Er war auch ein tüchtiger Musiker und wurde als Lehrer geschätzt. Scherzer, Johann Gottfried. — Wien. 1843. t M.Januar 1870 Wahrscheinlich aus dem Vogtlande eingewandert. Er war zwar »Lauten- und Geigenmacher«, verlegte sich jedoch mehr auf die Herstellung von Gitarren ; er soll die Ferrarische zehnsaitige Gitarre in Osterreich ein- geführt und besonders gute Gitarren mit 13 Saiten ge- macht haben. Er stellte selbst allerlei Versuche an und verkehrte viel mit Physikern und Gelehrten, auf deren Gedanken er gerne einging. So baute er auch die Petz- valsche Githarfe. Eine solche befindet sich in der Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Er wohnte erst Hundsturmstraße 65, später Marga- rethen 99. Geigenzettel: Erfindung von Josef Petzval 1862 / aus- geführt von J. Scherzer. Wien (gedruckt). 444 Scherzer — Schetelig Scherzer, Julius Walter. — Markneukirchen. Geb. Dezember 1 869 in Schöneck, f um 1 901 Einer der vielen Geigenmacher seiner Heimat, die, im Dienste der Händler stehend, nur für den Tag ge- schaffen haben. Scherzer, Moritz. — Schöneck i. S. Geb. 28. Juni 1870 Schüler von Oswald Schilbach. Von 1887 an arbeitete er sieben Jahre lang als Gehilfe und begründete 1894 ein eigenes Geschäft, arbeitete dann aber wieder für andere Meister. Sches, Beernaert. — Brügge. 1650 In der jetzt in Berlin befindlichen Sammlung Snoeck wird eine Taschengeige von ihm aufbewahrt, die im ganzen nicht schlecht gearbeitet ist. Geigenzettel: Beernaert Sches tot Brugghe 1650 (ge- druckt). Schetelig. — Markneukirchen Dieser Familie gehören als Geigenmacher an : Schetelig, Christian Gottlob I. — Geb. 4. Jan. 1767, t 19. Dezember 1821 Sechster Sohn von Johann Gottfr. Seh. Er verheiratete sich am 29. Oktober 1789 mit Eva Regine Lippold (geb. 1766, t 1830) und hinterließ sechs Kinder. Er war ein talentvoller Geigenmacher, dessen Geigen ziem- lich flach gearbeitet und nur am Rande, von wo aus die Wölbung sofort beginnt, etwas vertieft sind. Die F- Löcher stehen ein wenig zu steil. Geigenzettel: Christian Gottlob Schedlich / Musika- lischer Instrumentenmacher / in Neukirchen Anno 1792 (gedruckt). Schetelig, Christian Gottlob II. — Geb. 19. Juni 1791. t 31. August 1862 Sohn und Schüler von Christian Gottlob 1 Seh. In seinen Geigen macht sich die Verwendung vorgearbei- teter Bestandteile stark bemerkbar, und der Lack läßt viel zu wünschen übrig. Daß nur wenige Geigen mit seinem Zettel vorkommen, hat vielleicht seinen Grund dann, daß er seinen Namen auch »Schädlich« schrieb. Er heiratete 1815 Christine Erdmuthe Woller (f 1860). imstande, Geigen herzustellen, die besser sind, als der Markneukirchener Durchschnitt. Zu einer Viola d'a- more hat er sich selbst ein Modell konstruiert. Geigen, in die er seinen Zettel klebt, sind m allen Teilen seine eigene Arbeit. Schetelig, Heinrich Wilhelm. — Geb. 1 . Febr. 1835 Sohn und Schüler von Johann Georg II Seh. Er gab das Geigenmachen jedoch wieder auf, wanderte nach Amerika aus, wo er sich in Baltimore als Messmgblas- instrumentenmacher niederließ und jetzt Henry W. Schetlich nennt. Schetelig, Johann Christian (Christoph). — Geb. um 1706, t nach 1756 Er wurde am 4. Januar 1 729 Meister ; da er sowohl als seine Frau, die Tochter eines Geigenmachers, im Jahre 1 756 noch lebten, ist seine Lebenszeit einigermaßen zu bestimmen. Er scheint übrigens in Markneukirchen weder geboren noch gestorben zu sein, darf aber als der Stammvater der noch heute bestehenden, wahr- scheinlich aus Böhmen^) eingewanderten Familie be- trachtet werden. Schetelig, Johann Christian Gottfried. — Geb. 10. Januar 1732, f 12. Dezember 1782 Einziger Sohn von Joh. Christof Seh. und seiner Frau Anna Rosine. Ein geschickter Geigenmacher, der am 22. Februar 1751 Meister wurde und am 18. November 1755 Johanna Rosine Meinel heiratete, mit der er neun Kinder hatte. Geigen von ihm kommen schon vor 1751 vor. Es gibt auch Zettel, auf denen er Innsbruck als Ursprungsort angibt ; ob er jemals dort gearbeitet hat, oder nur, wie seine Zeitgenossen, einen beliebigen Ort fingierte, konnte nicht festgestellt werden. Vielleicht war er, wie Dr. Fr. Waldner vermutet, während der Minderjährigkeit von J. G. Psenners Sohn bei der Witwe als Geschäftsführer tätig. Geigenzettel : Christian Gottfried Schedelich / Violin- macher in Inspruck Ao. 17 (gedruckt). Schetelig, Christian Wilhelm. 1795, t23.JuH 1856 In seinen jüngeren Jahren hat er einige bessere Geigen gemacht, wenn er auch kein gutes Modell gekannt zu haben scheint. Später arbeitete er hauptsächlich für Händler und beschränkte sich darauf, billige Ware her- zustellen. Schetelig, Ernst. — Geb. 12. JuH 1864 Schüler von Ad. Paulus (Bausch Nachf.). Von 1883 bis 1890 arbeitete er als Gehilfe und machte sich dann in seiner Vaterstadt selbständig. Da er gute Vorbilder studiert und eine gute Lehre durchgemacht hat, ist er Schetelig, Johann Georg I. — Geb. 8. Juli 1 764, t 18. Dezember 1837 Fünfter Sohn von Johann Gottfried Seh. Er heiratete 1788 Eva Regine Wild (geb. 1767, f 1823) und hinter- ließ sechs Kinder. In seinen Arbeiten erkennt man Geb. /. April noch die Schule der Ficker, Pfretzschner usw.; das Holz ist bei ihm meist schöner, die innere Ausarbeitung jedoch oberflächlicher. Schetelig, Johann Georg II. — Geb. 14. Aug. 1791, t 29. November 1854 Zweiter Sohn von Johann Georg I Seh. Er heiratete 1815 Regine Sophie Heberlein und hinterließ neun Kinder. Seine Geigen sind mit wenigen Ausnahmen nicht besser als gewöhnliche Fabrikarbeit. ') In Schönbach, Graslitz usw. findet man noch heute die Schädlich usw. Schetelig Schiller 445 Schetelig, Johann Gottfried. — Geb. 5. Dez. 1815, t 3. März 1871 Obwohl Geigenmacherssohn, war er doch der Unbe- deutendste aus der Familie. Seine Arbeitszeit fällt in die Jahre, in denen die Markneukirchener Geigenmdu- strie nicht mehr auf der alten Höhe stand und der neue Aufschwung sich erst vorbereitete. Scheverle (Schäferle, Schefferle), Johann. — Prag. 1731. t nach 1769 Er scheint, wie die meisten älteren Prager Geigen- macher, aus Augsburg eingewandert zu sein und war wahrscheinlich ein Mitschüler Joh. Georg Hellmers. Er wurde am 4. Juni 1 73 1 Altstädter Bürger und wohnte 1733 Altstadt Kailovä ul. »beim weißen Rößlein« Nr. 168, von 1741—1743 »beim goldenen Hecht« Nr. 180 und 1752 »u Klusä«. Von seiner Frau Antonie Marie A. hatte er sechs Kinder, als deren Taufzeugen Joh. G. Hellmer, Thomas Edlinger und Frau Johanna Hellmer vorkommen. Er war ein seiner Zeit geschätzter Virtuose auf der Laute und schrieb für sein Instrument mehrere Kompositionen, die lange im Stift Strahow bewahrt wurden. Daß er 1769 noch lebte, beweist ein Violoncello auf dem Chore der Stiftskirche in Braunau (Böhmen) mit dem untenstehenden Zettel. Seine Arbe.t erinnert an Edlinger. Seinen Namen schrieb er auch Schewerle, selbst Schewrtle. Eine Viola von 1751 und ein Violoncello von 1773 befindet sich bei St. Jakob in Prag. Geigenzettel : Joannes Scheverle fa-/ ciebat Pragae 1 769 (gedruckt) und Abb. 694. Schicht, Theo, war im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in Rochester (New York) ansässig Schiefler, Erasmus. — Hannover. 1837. 1868 Um 1837 hat er sich in Hannover selbständig gemacht und dann mit seinem Bruder Sebastian verbunden zu der Firma »Gebrüder Schiefler«. Erasm. Seh. war Kon- servator des Violinkabinetts des bekannten Geigen- kenners und Sammlers Major E. A. B. von Magius in Hannover und wurde von diesem für einen der treff- lichsten Geigenmacher seiner Zeit erklärt. Jedenfalls kam es Schiefler sehr zustatten, daß Magius ihm alle seine Zeichnungen und Berechnungen nach italieni- schen Meisterwerken übergab, die er in mehr als 40 Jahren eifrig gesammelt hatte. Geigenzettel : Erasmus Schiefler Instrumentenmacher Hannover. 1868 [Initialen und Lyra im Kreis] (ge- druckt). Schiefler, Sebastian. — Hannover. 1847 Teilhaber der Firma Gebrüder Schiefler; ein Mann von bedeutender technischer Geschicklichkeit. Schifferl, Anton. — Straubing. 1863. f um 1868 m Landau Er lernte bei Peter Schulz, dessen zweiter Lehrling er war, und machte sehr schöne Geigen im Stile seines Lehrmeisters. Seine Geigen gehen jetzt fast ausnahms- los unter dem Namen von Peter Schulz, .außerdem war er ein vorzüglicher Musiker, namentlich Geiger, und wendete sich schließlich, nachdem er nur kurze Zeit in Straubing ansässig war, ganz der Musik zu. Schifner, Rudolf. — Düsseldorf. 1898. 1903 Ein Geigenhändler, der sich als Autodidakt im Geigen- machen versucht haben soll. Schilbach, Oswald. — Schöneck i. S., New York. 1880. 1898 Schüler von E. Wilhelm Neumärker. Nachdem er einige Zeit bereits selbständig in Schöneck gearbeitet hatte, siedelte er 1887 nach Amerika über. Schiller. — Koburg. 1873. 1880 Er betrieb ein Musikinstrumentengeschäft und hielt eine Reparaturwerkstatt. Sein Nachfolger ist Galdert. Schiller. — London Ein gutes Violoncello trug seinen Namen. Schiller. — Markneukirchen Dieser Familie gehören als Geigenmacher an: Schiller, Anton Josef; er kam aus Grün in Böhmen und f 7. November 1899 Schiller, Carl Friedrich. — Geb. 29. März 1812, t 27. Juni 1876. Sohn von Johann Georg Seh. Schiller, Ernst Hermann. — Geb. 12. Januar 1868 Schiller, Ernst Richard. — Geb. 20. März 1861 Schiller, Heinrich Wilhelm. — Geb. 21 . März 1828, t 10. Dezember 1885. Sohn von Carl Friedrich Seh. Schiller, Johann Georg. — Geb. 1 783, 1 1 9 März 1839. Er wurde 55 Jahre 11 Monate und 3 Tage alt Seine Violinen sind von guter vogtländer Arbeit, be- sonders aber sind seine gut klingenden Violen zu loben. Schiller, Johann Nikolaus, der Stammvater der Familie; er wird schon 1748 erwähnt. Sein Sohn war : Schiller, William Max. — Geb. 17. August 1872, Bruder von Ernst Richard Seh. Schiller, Albin. — Schöneck. f 1917 Ein geschickter Geigenbauer, der als Landsturmmann auf dem Felde der Ehre gefallen ist. 446 Schilter — Schmelz Schilter, Franz Meinrad. — Am Sattel (Kanton Schwyz). 1829 Wahrscheinlich ein Autodidakt, dessen Geigen jedoch ganz gut sind. Er verwendete gutes Holz und einen gelbroten Lack. Sein Patron erinnert an das große Guarnerimodell; die Wölbung ist ziemlich hoch und eigenartig, man könnte sagen »geschwollen«, der Rand ist ebenfalls hoch und die Einlage sauber ge- macht. Seine Geigen klingen gut. Geigenzettel: Franz Meinrad Schilter / am Satte! / 1829 / Kanton Schwyz (gedruckt). Schimansky s. Szimanski Schlegel, Elias. — Altenburg. 1730 Ein Instrumentenmacher, der außer Lauten auch Har- fen und Tasteninstrumente gemacht hat. Schlicht, O., lebt in Chicago Schlick, W. — Dresden. 1830. 1860 Ein tüchtiger Musiker (kgl. Kammermusikus), der sich aus Liebhaberei dem Geigenmachen zuwandte und es darin zu großer Fertigkeit brachte. Auch er suchte un- ablässig das »Geheimnis des italienischen Geigenlacks« zu ergründen und durchforschte zu diesem Zwecke die Italienischen Archive, ohne jedoch zu einem Ergebnis zu kommen. Glücklicher war er in der Auffindung von gutem Holz. Er betrieb das Geigenmachen als Kunst, und als ihm ein reicher Mann das Geld zur Begründung einer Geigenfabrik anbot, lehnte er ab, weil man »Kunstwerke« nicht fabrikmäßig herstellen könne. Geigenzettel: Abb. 720. Schlimbach, Johann Kaspar. — Königshofen im Grabfelde. Geb. 3. Januar 1820 Em Orgelbauer, der in seinen Mußestunden auch Gitarren gemacht hat. Eine solche besitzt die staatl. Sammlung in Berlin (Nr. 656). — Näheres über die Orgelbauerfamilie Schlimbach teilt Georg Kinsky in seinem trefflichen Katalog des Kölner Musikhisto- rischen Museums mit (Bd. I S. 261). Schlosser, Carl, lebt als Geigenmacher in Zwota i. S. Vor 1900 waren dort auch ein Ferdinand und ein Fnedr. Schlosser an- sässig. Ein Chr. Fr. Schlosser lebte von 1856—1864 in Mittenwalde Schlosser, Emil. — Rehna i. Mecklenburg. 1880 Ein Uhrmacher, der Geigen »flickte«; seine Arbeit ist dilettantisch. Schlosser, Hermann. — Erlbach Die Londoner Firma G. Foucher brachte seit ungefähr 1895 seine Geigen in den englischen Handel. Schlosser, Klingenthal Dieser Familie gehören an: Schlosser, Eduard, arbeitet noch als Geigen- macher Schlosser, Ferdinand, war um 1830 — 1845 tätig und tüchtig in seinem Fache Schlosser, Friedrich, wird nach 1750 und noch 1754 als Geigenmacher erwähnt Schlosser, Johann Christian. — 1738. 1773 Fleißiger Geigenmacher, der bei einem Hopf oder Pfretzschner gelernt zu haben scheint. Er verwandte meist recht gutes Holz; die Einlage ist sauber, die Ecken sind sehr spitz, die F-Löcher ein wenig steif. Geigenzettel: lohann Christian Schlosser, violin / macher in Klingenthal. 1738 (gedruckt). Schlosser, Johann Georg Er wird 1 761 erwähnt und war wahrscheinlich der Sohn und Nachfolger Johann Christ. Schis, und vielleicht der Besitzer des Brandstempels ; st^ I >|< G >]< S >tc Die Geigen mit dieser Marke sind denen von Johann Christ. Schi, sehr ähnlich. Geigenzettel : lohann Georg Schlosser, Violin- / macher in Klingenthal. 17 . . (gedruckt). Schlüter. — Barntrupp. 1840. 1890 Eine Geigenmacherfamilie, die durch drei Generatio- nen ihrem Berufe treu blieb und für ihre Geigen im ganzen Lippeschen Kreis stets dankbare Abnehmer fand. Schmahl, Carl. — Regensburg, f 1815 Er wird von Mettenleiter in seiner Musikgeschichte der Stadt Regensburg als »Orgel- und Instrumenten- macher« bezeichnet. Sein Reparaturzettel findet sich manchmal in Streichinstrumenten, es ist aber ungewiß, ob er auch neue Geigen gemacht hat. Er war unver- heiratet und scheint in jungen Jahren gestorben zu sein. Schmalzried, Paul. — Ulm. Geb. 12. August 1872 in Welzheim (Württemberg) Ein bekannter Maler und Professor, der sich lange mit der Theorie des Geigenbaus beschäftigt hat, aber erst in seinem 40. Lebensjahre begann, selbst Geigen zu machen. Seitdem hat er über 30 Violinen in allen Teilen eigenhändig und mit selbst angefertigten Werkzeugen gebaut, die sowohl durch ihren edlen vollen Ton als leichte Ansprache überraschen. Er arbeitet nach einem eigenen, an Stradivari erinnernden Modell unter be- sonderer Berücksichtigung des spezifischen Gewichts von Decke und Boden. Er verwendet einen nach eige- nem Rezept hergestellten Ollack in allen Schattierun- gen, der alle Merkmale eines guten Geigenlacks auf- weist. Außer seinem Zettel verwendet er eine Brand- marke auf dem Zäpfchen mit seinem Monogramm. Geigenzettel: P. Schmalzried / Ulm a/D 19 . . Schmelz, Otto, lebt in Ingolstadt und ist dort Stegmaiers Nachfolger Schmerler — Schmidt 447 Schmerler, Rob., hatte im 1 9. Jahrhundert seine Werkstatt in Zwota Schmid. — Landshut. 1820 Er dürfte jung gestorben sein, wodurch es sich erklärt, daß Arbeiten von ihm schwer nachzuweisen sind. Seine Witwe heiratete 1829 den Geigenmacher Lorenz Kriner. Schmid (alias Kresser), Michel. —Stuttgart (?) 1572. 1597 Von ihm wird berichtet, daß er eine Tenorgeige für die Stuttgarter Hofkapelle wiederhergestellt und dem Herzog Ludwig von Württemberg im Jahre 1572 ein Clavichordion zum Geschenk gemacht habe. Schmidbauer, Jakob. — Regensburg. 1837 Vorzugsweise mit dem Ausbessern alter Geigen be- schäftigt, hat er in der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit nur wenige selbständige Arbeiten hinterlassen. Er machte einige ganz hübsche Geigen und namentlich gute Bässe und war nebenbei auch ein guter Geiger. Nur hatte er wenig Arbeitslust und vernachlässigte schließlich seine Werkstatt. Geigenzettel: Jacob Schmidbauer / fecit Ratisbonae 1837 (geschrieben). Schmied (Schmidt), J. G. — Leipzig Ein Lautenmacher, der 1714 (nach Baron) ein Schüler von Joh. Christian Hoffmann gewesen sein soll. Schmidt, C. — Bützow. 1841 Ein Mann, der seiner Zeit manche gute Geige verdorben hat, indem er sie auseinandernahm und innen und außen beizte. Eine solche Geige, an der allerdings nicht viel zu verderben war (mit schlechtem Löwenkopf, Beinbereifung, Buchenholzgriffbrett und schlechtem Holz) trug den Zettel: Repariert und im Ton / veredelt von C. Schmidt in Bützow 1841 (gedruckt). Schmidt, Carl Franz. t 1875 Wien. Geb. 1839, Sohn von Franz Schmidt. In der Imitation alter Mei- stergeigen war er nicht ungeschickt. Besonders gut ge- langen ihm Kopien nach Maggini ; auch seine übrigen Arbeiten verraten eine kunstgeübte Hand. 1873 er- hielt er auf der Wiener Weltausstellung ein Anerken- nungsdiplom. Da er auch theoretisch gebildet war, wurde er als Lehrmeister geschätzt. Geigenzettel: Carl Franz Schmidt / bürgl. Instrumen- tenmacher / in Wien restauravit anno 1862 / Stadt Klostergasse No. 4 (gedruckt) und Abb. 722. Schmidt, Franz. — Wien. Geb. 1814, t6. Februar 1870 Ein aus Labs. Kostelec in Böhmen gebürtiger und von dort eingewanderter Geigen- und Gitarrenmacher, der im allgemeinen recht sauber arbeitete, wenn er auch nicht gerade als Künstler angesehen werden kann. Er war hauptsächlich Reparateur und hat nur wenig neue Geigen gemacht. Sein Neffe Wenzel Schmidt arbeitete mit Dvo! äk und Bina bei Patzelt. Geigenzettel: Schmi-t in Wien /Anno 1838/(zub2iden Seiten eine Geige) und Abb 746. Schmidt, G. A. — Königsberg, Volkach. 1 859. 1884 Ein Musiker, der Geigen reparierte und zuletzt Stadt- musikus in Volkach war. Schmidt, Heinrich. — Goldberg i. Schi. 1840. t um 1885 m Liegnitz Ein Tischlermeister, der Musikinstrumente, darunter auch Geigen, »ausbesserte«. Schmidt, Johannes. — Kassel. 1834 In der Kasseler Bürgerrolle wird im Jahre 1834 die Aufnahme des Schreiners und Instrumentenmachers Johannes Schmidt verzeichnet. Es wird zwar gesagt, daß er aus Kassel gebürtig war, doch fehlt leider die Jahreszahl. Es läßt sich daher nur vermuten, daß er ein Sohn des J. G. Schmidt gewesen sei, wenn man nicht annehmen will, daß J. G. Schmidt selbst m alten Tagen noch das Bürgerrecht erworben habe. Schmidt, J.Christoph. — Fürth. Geb. 1853, f 8. Febr. 1918 Er begründete 1886 sein Geschäft als Saiteninstrumen- tenmacher und machte u. a. Versuche, die Form der Geige zu ändern, indem er die Zargen gebogen und nach außen gewölbt anbrachte. Schmidt, Johann Georg. — Ellwangen. 1740 bis 1770 Da die Ellwanger Familienregister erst 1808 beginnen, war nichts Näheres über ihn zu ermitteln. Er war wahr- scheinlich ein Schüler von Benedikt Wagner, nach des- sen flachem Modell er arbeitete ; die Schnecke ist eigen- artig steil. Er verwendete gutes Tonholz und guten, gelbbraunen Lack ; die Zargen sind ziemlich hoch und die Einlage fehlt gewöhnlich, der Ton aber ist nicht schlecht. Geigenzettel: Johann Georg / Schmidt in EUwang / Anno 17.. (gedruckt). Schmidt, J(ohann?) G(ottfried?). — Kassel. 1790. 1825 Unter den Geigenmachern, die den Namen Schmidt führen, wohl der bedeutendste; er soll in Leipzig ge- lernt und auch dort gearbeitet haben. In Kassel ist er mindestens seit 1 800 nachweisbar, doch scheint er das Bürgerrecht nicht erworben zu haben. Es wird be- hauptet, daß er hübsche Violen mit Engelsköpfchen am Wirbelkasten gemacht habe, doch sind mir solche nicht bekannt geworden. In seinen Violinen ahmte er mit Erfolg italienische Vorbilder, besonders Stradi- vari, nach, doch machte er die Ecken breiter als dieser; nur in der Holzwahl war er nicht immer glücklich; die Decke zeigt abwechselnd feinjähriges und grob- jähriges Holz, der Boden ist nur selten schön geflammt, und auch die Dicke von Boden und Decke nimmt 448 Schmidt — Schmit er willkürlich oder nach einem jetzt nicht mehr erkenn- baren Grundsatz. Am Rand ließ er die Hohlkehle fast ganz fehlen ; die Einlage nahm er 6 — 7 mm vom Rand und die Zargen überall gleich hoch. F-Löcher und Schnecke lassen den rechten Schwung vermissen; die letztere ist tief ausgestochen. Auch der Lack läßt zu wünschen übrig und ist oft spröde oder durch einfache Politur ersetzt. Schmidt, Johann Martin. — Preßburg. 1805. 1809 Vermutlich ein Sohn von Karl Schmidt aus Köthen. Seine Geigen sind denen des nach ihm lebenden Ham- berger ähnlicher als denen seines Zeitgenossen Leeb. Ein Violoncello von ihm befindet sich auf dem Preß- burger Domchor. Geigenzettel : Johann Martin Schmidt / Pressburg 1805 (gedruckt) und Abb. 738. Schmidt, Karl. — Preßburg. Geb. Ende des 18. Jahrhunderts in Köthen Ein Mechaniker und Instrumentenmacher, der als Er- finder eines »Polyplektron« (eines sog. Geigenklaviers) einen gewissen Ruf besaß. Schmidt. — Markneukirchen Dieser Familie gehören an : Schmidt, Albin Theodor. — Geb. 12. Nov. 1864 Schmidt, Anton Otto. — Geb. 25. Februar 1874. Schüler von Theodor Scherzer und seit 1895 selbständig Schmidt, August Hermann. — Geb. 27. Jan. 1871. Schüler von Wilhelm Ficker und seit 1895 selbständig Schmidt, Christian Paul. — Geb. 25. Dez. 1 877. Sohn von Anton Schmidt und Schüler von Theodor Scherzer Schmidt, Ernst Albin. — Geb. 21 . März 1863 Schüler von August Anton Reichel. Er besuchte auch mit Auszeichnung die Markneukirchener Fachschule und ging später nach Holland (Amsterdam). Schmidt, Ernst Reinhold. — Geb. 1 . Januar 1857 Schüler von Jul. Kratzschmann. Als Gehilfe arbeitete er bei 0. Bausch, Emde, H. Hammig und von 1874 bis 1877 bei Riechers. Im September 1880 gründete er die Fabrik E. R. Schmidt & Co., die sich sehr aus- dehnte, und stand ihr bis 1902 vor. Am 1 . Januar 1903 liquidierte diese Firma, und S. führte die Fabrik von nun an unter der Firma E. Reinhold Schmidt (ohne den Zusatz »& Co.<') weiter. Seit 1920 ist sein Sohn und Schüler der Geigenbaumeister Remhold Willy Schm. (geb. 26. Okt.^1885) Mitinhaber der Firma und seinem Vater vollkommen ebenbürtig. Ihre sorg- fältig gearbeiteten Streichinstrumente genießen als »Schmidts Standard« im Handel einen Weltruf und wurden schon 1892 in Wien und 1913 in Leipzig mit goldenen Medaillen ausgezeichnet. Sie ver- wenden Ol- und Spirituslack; die Zettel tragen den Namen der Firma, die im Laufe der Jahre einen großen Umfang annahm und jetzt auch treffliche Lauten und Mandolinen herstellt. Schmidt, Friedrich Hermann. — Geb. 31 . Okt. 1862, ist nach Amerika ausgewandert Schmidt, Moritz Eduard. — Geb. 24. Juli 1832, t 23. Oktober 1899, war Besitzer der Firma »Moritz Schmidt jun.« Schmidt, Richard Ludwig. — Geb. 23. Dez. 1866, Bruder von Ernst Albin Schmidt Schmidt, Wenzl. — Schönbach b. E. Geb. 1865 Schüler von Josef Neudörfer. Als Gehilfe arbeitete er mehrere Jahre lang in Leipzig bei Bausch, in Dresden bei Heckel, in Breslau bei Liebich usw. Nach beendeter Militärdienstzeit kehrte er im Jahre 1889 nach Schön- bach zurück und gilt jetzt als geschickter Geigenmacher und Reparateur. Schmied, Josef. — Preßburg. 1811 Er soll nach Dr. Geyer ein Schüler von Geissenhof gewesen sein und ihn nachgeahmt haben. Geigenzettel: Josef Schmied /Preßburg 181 1 (gedruckt). Schmied, Soma. 1896 Ein ungarischer Geigenmacher, der auf der Budapester Ausstellung im Jahre 1896 mit einer reichverzierten Violine vertreten war. Schmirler, Josef. — Schönbach. Geb. 1818, t 1857 Schüler von Karl Werner in Schönbach. Obwohl er nie aus Schönbach, wo er das Haus Nr. 195 bewohnte, fortkam, entwickelte er sich doch zu bemerkenswerter Meisterschaft. Seine Arbeit war tadellos, sein Lack, den er selbst bereitete, meist von rotgelber oder rotbrauner Farbe. Bausch in Leipzig war einer seiner Hauptab- nehmer, der ihm für eine unlackierte Geige 5 — 12 Taler bezahlte. Da er viel für Händler arbeitete, kommen Arbeiten mit seinem Namen sehr selten vor. Schmit, Johann. — Karlsbad. Geb. um 1776 in Schneidmühl bei Karlsbad, f 12. Oktober 1853 in Karlsbad Frühzeitig zum Musiker bestimmt, kam er schon als 11 jähriger Knabe mit einer Musikkapelle nach Ham- burg, bald darauf nach Hannover, wo der Herzog von Cambridge den vielseitig begabten Jüngling in seine Dienste nahm, um mit ihm Violine zu spielen. In Han- nover vervollkommnete er seine Ausbildung, und als Schnabl — Schnettner 449 er 1806 nach Karlsbad kam, wurde er dort der Refor- mator des ganzen Musikwesens der Badeanstalt und hat sich unvergessene Verdienste erworben. Er leitete die Brunnenmusik als Direktor, bis 1833, da ihn Krank- heit nötigte, sein Amt niederzulegen. Als Geigenmacher war er Autodidakt. Schon mit 14 Jahren begann er Geigen zu reparieren, und im Jahre 1819 machte er seine erste neue Violine. Von da an beschäftigte er sich eifrig mit dem Geigenmachen und hat mehr als 250 neue Geigen gemacht, von denen die meisten nach Norddeutschland gingen. Seine Arbeit ist im ganzen recht gut, der Ton weich und voll; selbst Paganini lobte Joh. Schmits Geigen. Vgl. D. Rudolf Mannl : Karlsbad in medizinischer, topographischer und gesell- schaftlicher Beziehung. 3. Aufl. Karlsbad 1857. In der Sterbematrikel wird sein Name Schmied geschrieben; er selbst schrieb sich jedoch stets Schmit. Geigenzettel: Abb. 725. Schnabl, Eduard. — Gossengrün i. B. 1900 Geigenmacher der Gegenwart. Geigenzettel : Eduard Schnabl / Streichinstrumenten- macher / Gossengrün b. Falkenau i, B. (blau gedruckt). Schnabel, Josef und Simon, arbeiten beide als Geigenmacher in Schönbach b. E. Schnarchendorff, Daniel. — Berlin. 1848 Einer der unbedeutendsten Berliner Instrumenten- macher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Geigenzettel: Daniel Schnarchendorff/ Instrumenten- macher / in Berlin 1848 (gedruckt). Schnebele (Schnebler), Jacob. — Landshut. 1568. 1573 Ein Lautenmacher aus dem Gefolge des musiklieben- den Prinzen, nachmaligen Herzogs Wilhelm V. von Bayern, der mit seiner jungen Gattin Renata von Lothringen auf der Trausnitz bei Landshut Hof hielt. Die Hofzahlamtsrechnung von 1573 führt auf: »Dem Jacob, Lautemacher hier, so die Laute Ihrer fürstl. Gnaden (Herzogin Renata) gebessert, so der Bär in des Welschen Christels^) Kammer zerbrochen. Macher- lohn 1 fl. 30 kr.« Weiter heißt es in dieser Rechnung: »Jacob Schnebler (am anderen Ort: »Jakob Schnebele Lautenmacher«) erhält für Arbeit 1 fl. 20 X r., ferner 30 X r.« Als Wilhelms Hofhaltung 1579 auf der Traus- nitz aufhörte, dürfte Schnebele auch Landshut ver- lassen haben. Das Landshuter Museum besitzt ein klei- nes Kupferbild des »Testut- und Baßchordenmaisters Jakobus Schnebele A. D. 1573«. Schneidenbach, Georg Adam. — Klingenthal. 1787. 1799 Wenig bekannter, aber sehr sorgfältiger Geigenmacher, der der Innung als Meister angehörte. In W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln befindet sich eine braungelb lackierte Doppelvioline von ihm mit einem gemeinsamen Boden (Nr. 895). ^) Wohl ein Franzose oder Lothringer des Gefolges, V. Lütgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II Schneider, Anton Joseph, — (Mark-)Neu- kirchen. 1810 Vermutlich aus Klingenthal stammend. Seine Arbeiten zeigten das »Hopfmodell«. Schneider, Christian Friedrich. — Klingenthal. 1769 Sohn von Johann Caspar Sehn. Es gibt gute Orchester- geigen von ihm; seine Zettel klebte er gewöhnlich an versteckte Stellen an den Zargen, die nur gesehen wer- den können, wenn die Decke abgenommen wird. Schneider, Christoph Carl. — Klingenthal. 1769. 1789 Bruder von Christian Friedr. Sehn., mit dem er die Werkstatt geteilt zu haben scheint. Sein Modell er- innert an die Arbeiten der »Hopf«; äußerlich sehen seine Geigen gut aus, sind aber im Innern sehr unsauber durchgeführt, ohne Bereifung, oft auch ohne Eckklötz- chen. Geigenzettel: Carl Schneider, Violin- / macher in Klingenthal 1777 (gedruckt). Schneider, F. Edmund. — Stockholm Ein Musiker, der alte Gelgen ausbesserte und sich 1894 als Instrumentenmacher in Stockholm niederließ. Schneider, Johann Caspar. — Klingenthal. 1748 Geigen von ihm sollen noch vorkommen. Es wird von ihm erzählt, daß er nur im Winter Geigen gemacht habe, die er dann im Sommer von Markt zu Markt ziehend verkaufte. Schneider, Johann Michael. — Schreit (?) Aus der Sammlung Snoeck befindet sich in Berlin eine Quinteme (Nr. 330). Als Wohnort gibt Snoecks Ka- talog Schreit an; der Ort ist auf der Karte nicht zu finden und dürfte wohl falsch gelesen sein. Schneider, N. — Klingenthal. 1880. 1890 Ihm verdankt Klingenthal zum guten Teil das Wieder- aufblühen seiner Geigenindustrie, die im Laufe des 19. Jahrhunderts durch die Fabrikation anderer Musik- instrumente sehr gelitten hatte. Schnell, Bonifacius. — 1782 (?) In einer nicht ungeschickt gemachten Geige fand sich der nicht mehr ganz leserliche Zettel, der der Schrift nach dem Anfang des 19. Jahrhunderts angehören könnte. Vermutlich war die Geige die Arbeit eines Mönchs. Geigenzettel: . . . Bonifacius Schnell, Prof . . . / in Monasterio Theres. me fec(it) / . . 82 58. . . . (geschrieben). Schnettner, Oskar Max. — Markneukirchen. Geb. 3. Oktober 1870 Ein Geigenmacher, der nur kurze Zeit in Markneu- kirchen ansässig war. 29 450 Schniep - Schönfelder Schniep, Ulrich. — München. 1558. 1578 Vielleicht ein Sohn des Holzblasinstrumentenmachers (Pfeifenmachers) Hans Schniep in Wiesensteig. Ein vielseitiger Mann, der sich sowohl als Uhrmacher wie als Musikinstrumentenmacher betätigte und auch vom Hof als solcher wiederholt beschäftigt und schon 1558 mit Instrumenten nach Heidelberg geschickt wurde. Schödler, Simon. — Passau. 1750. 1785 Er hat wahrscheinlich in Augsburg oder Mittenwald gelernt und vielleicht bei D. A. Stadimann als Geselle gearbeitet. Seine Violinen erinnern an die Josef Horn- steiners. Er bevorzugte ein Stainermodell mit zarten Ecken und scharfkantigem, aufgeworfenem Rand. Sein Lack ist gelb- oder orangebraun und oft etwas trübe. In manchen seiner Arbeiten kommt er dem Prager Ed- linger sehr nahe; sehr sauber sind auch seine geschnitz- ten Hälse, durchbrochenen Schnecken usw. ausgeführt. Obwohl er »Hochfürstl. Hof-Lauten- und Geigen- macher« war, gelang es mir doch nicht, irgend etwas aus Archiven über ihn zu erfahren. Eine Violine und eine zur Viola umgearbeitete Viola d'amore befindet sich in der Sammlung Eugen Haas in Herzogenburg. Eine Laute von 1762 mit fünf Doppelsaiten, eingeleg- tem Griffbrett und einem Dachstern mit dem bay- rischen Weckenschild besitzt C. Claudius in Kopen- hagen. Eine prächtig ausgeführte »Viola Baryton« von ihm befindet sich im Musikhistorischen Museum W. Heyers in Köln. Vgl. über diese P. de Wit: »Ein sel- tenes Streichinstrument von einem vergessenen deut- schen Meister«. Zeitschr. für Instr. B. 20. Nr. 8. Ein ähnliches, im Jahre 1 782 gebautes Instrument von ein- facherer Ausstattung bewahrt die Wiener Sammlung alter Musikmstrumente. Geigenzettel: Abb. 695. Schölnast. — Preßburg. 19. Jahrhundert Ein Blasinstrumentenmacher, der sich gelegentlich mit dem Geigenbau beschäftigt haben soll. Schöner, Johann. — Schönbach b. Eger. 1826 Er gehörte schon 1 826 der Geigenmacherinnung an und soll selbst ein Geigenmachersohn gewesen sein. Schönfeld, Nikolaus. — Bologna. 16. Jahrh. Er wird gewöhnlich als Nicola Sconvelt angeführt und mag auch seinen Namen selbst so geschrieben haben. Im Verzeichnis von Raymund Fuggers Musikkammer aus dem Jahre 1 566 heißt es sowohl unter Nr. 60 als Nr. 63 ausdrücklich: »Eine alte Lauten von Nicola Schönfeld«. — Nr. 64: »Eine dergleichen Lauten von Gedachtem«. (Vgl. Stockbauer, Kunstbestr. unter Alb. V. und Wilh. V. S. 83.) Er dürfte ein Schüler oder Gehilfe von Laux Maler gewesen sein. Schönfelder. — Markneukirchen Eine um die Geigenindustrie Markneukirchens sehr verdiente Familie. Der Name kommt in älterer Zeit vereinzelt auch kurz »Schönfeld« geschrieben vor. Die aus dieser Familie hervorgegangenen Geigenmacher sind: Schönfelder, August Ferdinand. — Geb. 8. Dez. 1838, t in Adorf 6. Aug. 1879, Bruder von : Schönfelder, Carl August. — Geb. 6. Aug. 1828, t 26. Aug. 1887 Schönfelder, Carl Gotdob. — Geb. 14. Nov. 1789, t 4. Okt. 1876 In seinen besten Jahren hat er recht gute Geigen ge- macht, die eine gewisse Eigenart besitzen. Er hatte ein ziemlich flaches Modell; die Wölbung von Decke und Boden beginnt sofort nach der Hohlkehle am Rand und wird gegen die Mitte zu flach. Die F-Löcher stehen etwas gerade; die Schnecke ist nach Amati geschnitten. S. stand auch als Lehrmeister in Ansehen; einer seiner Schüler war Joh. Gottl. Heberlein. Geigenzettel: Carl Gottlob Schoenfelder / in Neu- kirchen bey Adorf / Fecit 1814 (gedruckt). Schönfelder, Caspar (Joh. Georg Caspar), wird 1677 und noch 1714 erwähnt Er war ein Exulant aus Graslitz, gehörte 1677 zu den Gründern der Geigenmacherzunft und saß 1710 und 1713 im Zunftrate und war bis 1690 Vormeister. Nebenbei betrieb er auch die Bäckerei. Seine Frau wurde am 8. Februar 1706 in Hans Caspar Reichelts Haus geholt, um dort einen frisch gekochten, trefflich gelungenen Geigenlack zu bewundern. Der Lack ent- zündete sich, und sie erlitt dabei solche Brandwunden, daß sie elf Tage später, am 19. Februar, starb. Schönfelder, Christ. Gottfried. — Geb. 1736, t 3. Juni 1806 Sohn und Schüler des Geigenmachers und Bürgers Georg Simon Seh.; wurde am 10. Januar 1755 Meister. Seine Geigen sind sauber gemacht, wenn auch weder im Modell noch im Holz besonders schön. Er wurde am 6. Juli 1806 »unter freiem Himmel, und zwar hinter dem Berge neben einem Stadtfelde tot gefunden; wahrscheinlich war er am .Friesel' gestorben«. Er er- reichte ein Alter von 69 Jahren 7 Monaten und 1 1 Tagen. Schönfelder, Christian Gottlob. — Geb. H.Sept. 1797, t 21. März 1872 In seinen jüngeren Jahren folgte er noch den Werkstatt- überlieferungen seiner Familie; später bemühte er sich, italienische Vorbilder nachzuahmen, und soll das »Alt- machen« gut verstanden haben. Schönfelder, Conrad Adam. — 1 704. 1 743 Jüngerer Sohn von Simon Seh. Er wurde am 19. Mai 1 704 Meister und saß 1 732 im Zunftrate und war 1 743 Vormeister. Schönfelder, Friedrich Wilhelm. — Geb. 24. Oktober 1803, t 21-. September 1869 Bruder von Christian Gottlob Seh. und teilweise auch dessen Schüler. Schönfelder — Scholtz 451 Schönfelder, Georg Simon — Geb. 1707, t 6. September 1 762 Vermutlich Sohn und Schüler von Simon Seh. Er wurde am 5. Juni 1727 Meister und erreichte ein Alter von 55 Jahren weniger 2 Monate und 2 Tage. Schönfelder, Johann I Ein Exulant aus Graslitz, der im Jahre 1677 zu den Gründern der Markneukirchener Geigenmacherzunft gehörte. Schönfelder, Johann II. — Geb. um 1675, t vor 1729 Er war ein Sohn von Simon Seh. und wurde, nachdem er vorschriftsmäßig gelernt und als Geselle gearbeitet hatte, unter Befreiung von der Wanderpflicht am 31. Mai 1697 als Zunftmeister angenommen. Schönfelder, Johann III. — Geb. um 1705 Sohn von Johann I Seh. Er wurde 1729 Meister, scheint aber in Neukirchen weder geboren noch ge- storben zu sem. Schönfelder, Johann (Hans) Adam^). — Geb. 1707, t 21. Januar 1763, 56 Jahre weniger 5 Monate alt Sohn von Johann II Seh. Er wurde am 3. Januar 1729 als Meister in die Zunft aufgenommen und im gleichen Jahre als Bürger bezeichnet. Seine Arbeit ist recht gut, ebenso das Holz, der Lack gelbbraun oder rotbraun. Auch ergab wiederholt »Tirol« als Ursprungsland sei- ner Geigen an, obwohl sie nichts weniger als tirolisch aussehen. Eine gute Geige von ihm aus dem Jahre 1752 besitzt das Gothenburger Museum. Geigenzettel: Johann Adam Schönfelder Violin- / macher in Neukirchen Ao 1752 (gedruckt). Schönfelder, Johann Christian. — Geb. 3. Okt. 1775, t 28. August 1821 War ein Bruder von Johann Georg II Seh. und ge- hörte zu den Neukirchenem, die mit ihren Geigen von Markt zu Markt zogen. Geigenzettel : Johann Christian Schönfelder, / Violin- macher aus Markt Neukirchen (gedruckt). Schönfelder (Schönfeld), Johann Georg I, wird zuerst 1677 erwähnt. 1712 Er kam als Exulant aus Graslitz nach dem Vogtlande und darf als der Stammvater der heute noch blühenden Familie betrachtet werden. Er gilt als der Vater Simon Schs. Auf dem Boden seiner Geigen brachte er auch die Brandmarke: I. G. S. an. Eine Geige von ihm be- sitzt Ragsch in Schweidnitz. Geigenzettel : Joannes Georgius Schönfelder / probe Violino in Cremona / 1712 (gedruckt). ^) Einen Johann August Seh. gab es nicht. Schönfelder, Johann Georg II. — Geb. 1750, t 26. Dezember 1824 Er war Landrekrut, als er am 7. August 1769 mit Er- laubnis seines Hauptmanns in die Zunft aufgenommen und Meister wurde. Doch mußte er geloben, sein Mei- sterrecht nicht als Grund zu einer Dienstbefreiung ver- wenden zu wollen. Er war einer der besten Geigen- macher aus seiner Familie ; er hatte ein großes Modell und im Gegensatz zu vielen Vogtländern einen mehr gelben als braunen Lack. Außer seinen Zetteln, auf denen oft Cremona als Ursprungsort angegeben erscheint, verwendete er auch die Brandmarke: ■^ I T-r G T-c S TK . Er stand in großem Ansehen, war seit 1810 Stadtvogt und wurde 74 Jahre und 12 Tage alt. Geigenzettel: lohann Georg Schoenfelder / Lauten- und Geigenmacher in Neukir- / chen bey Adorf 1 794 (gedruckt) und Abb. 747. Schönfelder, Johann Georg III. — Geb. 16. November 1771, f 19. Januar 1844 Nur die aus den letzten 20 Jahren seines Lebens stam- menden Geigen können ihm mit Sicherheit zugeschrie- ben werden. Schönfelder, Johann (Hans) Martin. — Geb. uml680,t vor 1739 Sohn von Caspar Seh. Er wurde am 29. Februar 1704 Meister; da er die Handwerksgebühren nicht gleich bezahlte, bürgte Johann Reichel (Reichelt) für ihn. Er hatte keine Söhne; seine jüngste Tochter heiratete 1739 den Geigenmacher Hans Georg I Kretzschmann. Schönfelder, Simon, kommt 1677 und noch 1723 vor Er kam mit seinem Vater Johann als Exulant aus Gras- litz, war der erste Jungmeister der Zunft und saß 1677, 1678, 1709, 1710, 1712, 1719 und 1722 im Zunftrate und war 1723 Vormeister. Schöttl, Peter. — Mittenwald. 1906. 1919 Er wohnt Haus Nr. 63 und war 1906 auf der Nürn- berger Ausstellung vertreten und ist jetzt auch Schul- hausmeister. Scholes, A. L. — Northampton (Rushden). 1906. 1913 Geschätzter englischer Geigenmacher und vielbeschäf- tigter Reparateur. Schollin, Mathias. — Novy Hradec. 1754 Seme Arbeit ist eigenartig; er hatte ein längliches Mo- dell und bräunlichen Lack. Geigenzettel: Mathias Schollin, Instrument: / fecit Neo-Hradecii, 1 754 (gedruckt). Scholtz, Daniel. — Guhrau i. Schi. 1789 Die Geige, in der sich sein Zettel fand, war aus ge- wöhnlichem Holz, ohne Einlage und von unschönem 29* 452 Schonger — Schorndorfer Modell. In Guhrau war über einen Geigenmacher die- ses Namens nichts zu erfragen. Geigenzettel : Daniel Scholtz / Guhrau Ano 1 789 (ge- schrieben). Schonger, Carl. - Erfurt. 1776. 1820 Ältester Sohn und Schüler seines Vaters Franz Seh., dessen Geschäftsnachfolger er in verhältnismäßig jun- gen Jahren wurde. Schonger, Franz. — Erfurt. 1750. 1776 Schüler seines Vaters Georg S. ; er hat jedoch im Gegen- satz zu diesem nicht nach eigenem, sondern nach italie- nischen Modellen gearbeitet und war ein gesuchter Re- parateur. Er liebte hohe Wölbung und breite Brust; da er die Decke etwas zu dünn machte, haben viele seiner Geigen einen schreienden Ton, sind im übrigen jedoch gut. Es gibt auch einige recht gute Violoncelli von ihm. Er verwendete braunen Lack. Von seinen drei Söhnen wurde nur der älteste Geigenmacher; von den beiden anderen starb der eine als Domherr zu Breslau, der andere als Polizeirat zu Erfurt. Geigenzettel: Franz Schonger / Lauden& Violinmach- er in Erfurt Ano 1769 (geschrieben). Schonger, Georg. — Erfurt (?). Geb. um 1666, tum 1740 Der Stammvater der Familie. Er ist jedenfalls in Vils geboren und wird dort auch gelernt haben. Auf der Wanderschaft dürfte er nach Italien gekommen sein, wo sein Name in damals üblicher Weise verwälscht wurde, so daß der Famihentradition, er habe »Scong- neri« geheißen, etwas Tatsächliches zugrunde liegen kann. In Vils ist die Familie Schonger heimisch ge- wesen; schon 1638 wurde dort ein Georg Schonger geboren, wie mir Dr. Waldner mitteilt, ferner 1654 ein Johann Georg Seh. Im Jahre 1666 wurde am 17. März ein Johann Georg (Eltern Martin und Maria Seh.) und am 5. Dezember desselben Jahres ein Georg Nikolaus Seh. geboren, dessen Eltern Georg Seh. und ApoUonia Bosch seit 1664 vermählt waren. Dieser Georg Niko- laus ist vielleicht mit dem Stammvater der Erfurter Familie identisch. — Ob unter den älteren Mitgliedern der Familie Schonger in Vils schon Geigenmacher wa- ren, kann ich noch nicht beweisen, halte es aber für sehr wahrscheinlich. Die Mütter J. U. Eberles und Georg Amans sowohl, als die Frau des Dom. Rief waren geborene Schonger. Schonger, Joseph. — Kassel. Geb. m Erfurt 1. Februar 1812, f in Kassel 15. Mai 1888 Ursprünglich zum Priester bestimmt, gab er doch bald die gelehrten Studien auf und wurde Schüler seines Vaters Carl Seh. Nachdem er ausgelernt hatte, blieb er noch bis 1838 in Erfurt und kam im Mai des ge- nannten Jahres besuchsweise nach Kassel, wo ihn Spohr veranlaßte seinen bleibenden Wohnsitz aufzuschlagen, im Anfange seines Kasseler Aufenthaltes machte er noch viele Geigen, die denen seines Vaters ähnlich waren ; da sich sein Ruf als Reparateur aber immer mehr ausbreitete, verlegte er sich schließlich ganz auf die Ausbesserung alter Instrumente und trieb bloß mit neuen Tiroler und Vogtländer Streichinstrumenten Handel. Er arbeitete bis an seine letzten Lebenstage fleißig und war von großer Begeisterung für seine Kunst erfüllt. Nur in seiner Anfangszeit klebte er Reparatur- zettel in die von ihm wiederhergestellten Instrumente; später unterließ er es, da er für schlechte, nach ihm an den Instrumenten vorgenommene Reparaturen nicht seinen Namen hergeben mochte. Er erfand auch einen jetzt vielverbreiteten Kinnhalter. Schorn, Johann Joseph. — Salzburg. 1716. 1726 Ein Sohn oder Bruder von Johann Paul Seh., der viel- fach mit diesem verwechselt wird. Geigenzettel : loannes losephus Schorn / fecit Salis- burgi, anno 1726 (gedruckt). Schorn, Johann Paul. — Innsbruck, Salzburg. 1680. 1716 Er war Musiker und Lautenmacher, stammte wahr- scheinlich aus Füssen, und war bis 1696 in Innsbruck ansässig. Er trat dann in die Dienste des Erzbischofs von Salzburg und wohnte in der Vorstadt Mülln bei Salzburg. Im Archiv der Landesregierung in Salz- burg wird er zuletzt im Jahre 1713 erwähnt. Seine Arbeit ist der von Alban nahestehend, sein Modell ist hochgewölbt, hat schwungvolle Ecken, sein Lack ist sehr gut. Die staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin bewahrt von ihm eine sog. Brettlgeige, die als die Geige, auf der Mozart als Kind spielte, über- liefert worden ist. Am Wirbelkasten befindet sich ein schön geschnitzter Löwenkopf. Eine kleine, wunderbar erhaltene Viola d'amore von 1701 mit 6 Spiel- und 6 Aliquotsaiten, goldgelb lackiert und mit einem En- gelskopf am Wirbelkasten ist in der Sammlung Fritz Wildhagens in Haiensee bei Berlin. Eine schöne Vio- line von ihm aus dem Jahre 1692 besitzt die Stifts- kirche in Laufen, eine vorzügliche Viola d'amore von 1716 und eine polnische Zither die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, eine Viola d'amore von 1700, eine Violine von 1703, eine von Schorn 1700 repa- rierte Violine und eine polnische Zither von 1700 das Kärntener Landesmuseum in Klagenfurt und eine Viola d'amore das städtische Museum Carolino- Augusteum in Salzburg. — Wenn J. Hart einen Jakob und einen Johann Schorn unterscheidet, so scheint ihm eine Verwechslung mit Jakob Schrot untergelaufen zu sein. Da Schorn die meisten Zettel schrieb, haben sie einen oft wechselnden Wortlaut. Die beiden Vor- namen scheint er erst angewandt zu haben, seit auch Johann Joseph Schorn in Salzburg arbeitete. Geigenzettel: Johannes Schorn fecit in / Milln prope Salisburg 1689 (geschrieben). — Joannes Schorn Salis- burgensis 1701 (geschrieben). — Joannes Schorn / Salisburgi 1700 (geschrieben). — Joannes Schorn / reparavit 1703 (geschrieben) und Abb. 672 und 744. Schorndorfer, Daniel. — Stuttgart. 1580. Be- graben 4. April 1602 •' Sohn eines gleichnamigen Vaters. Er war in der würt- tembergischen Hofkapelle als Instrumentenmacher mit Schott — Schrott 453 dem Gehalt eines Sängers angestellt und hatte für sämtliche Instrumente, auch Pfeifen, zu sorgen. Ob er ein Schüler seines Vaters oder seines Stiefvaters Hans Thanner war, ist ungewiß. Er heiratete am 9. Novem- ber 1589 Anna, die Tochter des Jörg Steck. Schott, Carl Friedr. — Hamburg Wurde als Instrumentenmacher am 1 1 . Dezember 1789 Bürger. Schott, Konrad. — Stuttgart. 1584. 1636 Er arbeitete für die Hofkapelle, die im Jahre 1504 vier Zithern von ihm erwarb. Auch für den Herzog Fried- rich von Württemberg mußte er eine Zither anfertigen, für die ihm 6 fl bezahlt wurden. Er hat also zweifels- ohne Saiteninstrumente gebaut ; in den Urkunden wird er aber gewöhnlich nur als der »blinde Orgelmacher« bezeichnet und erhielt als solcher wiederholt ein Leib- geding von 20 — 44 Gulden. Schott, Martin. — Prag. 1680. 1682 Seiner Arbeit nach scheint er in seinen Wanderjahren auch in Italien gewesen zu sein; namentlich werden seine Theorben, die er nach römischen Vorbildern machte, geschätzt. Baron hebt ihn in semer Unter- suchung des Instruments des Lauten (S. 96) besonders hervor : »Doch ist . . . auch daselbst (in Prag) einer, Martin Schott genannt, wegen der Romanischen Theor- ben, die er vortrefflich nachgemacht, sehr berühmt ge- wesen.« Schovanek, Wenzel. — Geb. um 1859, Schüler von Jos. Metelka, f 1879 als Soldat während der Okkupation der Herzegowma Schrader.G. Adolf L.- Bremen. 1870. 1902 Ein nicht ungeschickter Geigenmacher und tüchtiger Wiederhersteller alter Geigen, der von 1870 — 1901 als Leiter der Geigenmacherwerkstatt der Instrumenten- fabrik A. E. Fischer in Bremen angestellt war. Er hat dort viele Violinen, Violen und Violoncelli gemacht und schwierige Reparaturen ausgeführt, so an Prof. Davidoffs kostbarem Stradivari-Violoncell. Er lebt jetzt von einer Invalidenrente. Schräge, Theodor. — Berlin. 1913. 1920 Er war als vortrefflicher Reparateur lange bei Aug. Hermann & Söhne tätig, fand aber auch mit seinen neuen Geigen, die er gerne nach Vuillaume baut, viel- seitige Anerkennung. Er gilt als vorzüglicher Kenner der alten Meister. Schramm, Johann Gott(fried?). — Gotha. 1805. tum 1850 Da er als Geigenmacher sein Auskommen nicht fand, wurde er — Theaterdiener. Er war nicht ungeschickt und als Reparateur vielbeschäftigt. Seine neuen Geigen sind freilich nur mittelmäßig, doch erfreute er sich als Bogenmacher eines besonderen Rufes. Ein Schramm- scher Bogen wurde s. Z. mit einem Dukaten bezahlt. Geigenzettel: Joh: Gott. Schramm ' Anno 1809 in Gotha (geschrieben). Schrammen? (Schramm), em von Trautmann erwähnter Münchener Lautenmacher des 16. Jahrhunderts Schreck, Rudolph. — BerHn. 1725 Einer der ältesten nachweisbaren Geigenmacher Ber- lins. Arbeiten von ihm habe ich nicht erfragen können. Geigenzettel : Rudolf Schreck Violin- / macher in Ber- lin 1725 (gedruckt). Schree (Schnee?), J. G. — Leipzig Eine Gitarre mit Wirbelbrett in Lyraform mit diesem Namen besitzt die staatl. Sammlung alter Musikinstru- mente in Berlin. Schreiber, Anton. — Hamburg. Geb. am 6. September 1891 zu Schönbach b. Eger Schüler von Anton Hoyer, arbeitete als Gehilfe in Han- nover, dann bei Louis in Saarbrücken und G. Winter- ling in Hamburg. Hierauf ging er nach Wien zu Dr. To- mastick und von da nach Budapest zu Robert Lau- mann. Der Krieg unterbrach seine Tätigkeit, er machte den Feldzug mit und arbeitete auch nach dem Friedens- schluß wieder bei Laumann, bis er Gelegenheit fand, gemeinsam mit dem Geigenbaumeister Anton Lugert das in bestem Ruf stehende Geschäft von G. Winter- ling in Hamburg zu kaufen, das beide am 1 . November 1920 übernahmen, und beide haben durch gediegene Arbeit sich als die berufensten Nachfolger ihres frü- heren Meisters erwiesen. Schreiber, Philipp. — Antwerpen. 1903 Schüler (und Schwager) von Holm Viertel. Als Gehilfe arbeitete er u. a. drei Jahre lang bei J. W. Briggs in Glasgow und ließ sich 1902 in Antwerpen nieder. Geigenzettel: Fait par Ph. Schreiber . Anvers. L'an 19.. (gedruckt). Schroeder, J. G. — New York. Geb. 1870 in Neuhaus (Hannover) Er ging, tüchtig vorgebildet, erst in reiferen Jahren zum Geigenbau über, suchte bei den besten amerikanischen Meistern Unterweisung und eignete sich im Laufe der Zeit eine besondere Handfertigkeit an. Nachdem er mit allen tauglichen amerikanischen Hölzern interessante Versuche gemacht hatte, kam er doch zu der Über- zeugung, daß diese nicht geeignet seien, die tiroler Fichte und ungarischen Ahorn zu ersetzen, geschweige denn zu verdrängen. Als Virtuose auf der Gitarre legte er auch großen Wert auf die Vervollkommnung dieses Instruments, und seine Gitarren und Mandolinen zeichnen sich ebenso durch schöne Arbeit als vollen Klang aus. Schröder, J. H. — St. Petersburg. 1820 Ein Lautenmacher, der namentlich gute Gitarren baute. Er wohnte Gartenstraße Nr. 21. Schrott (Schrot), Jakob. — Innsbruck. Geb. 1805 in Innsbruck, f das. 3. JuH 1843 Er war gelernter Tischler. Da er seine Zulassung als Meister nicht durchsetzen konnte, verlegte er sich auf 454 Schubert - Schulz den Bau von Musikinstrumenten (Kontrabässen usw.) und wurde dann im Jahre 1835 als Musikinstrumenten- macher aufgenommen und heiratete Maria Tiefen- brunner und erwirkte 1838 die Erlaubnis, auch die Kunsttischlerei ausüben zu dürfen. Außer Bässen hat er auch Gitarren, Zithern und Bauernharfen gemacht, schwerlich aber Violinen. Die Sammlung des Brüs- seler Konservatoriums besitzt eine von ihm ausgebes- serte Gitarrelaute. In Geigen sind mir nur Reparatur- zettel von ihm vorgekommen. Geigenzettel : Jakob Schrot reparirt / in Innsbruck 1838 (gedruckt). — Jakob Schrott / Instrumentenmacher / in Innsbruck 1835 (gedruckt). Schubert, Anton. — Görlitz. 1885 Stellte 1885 in Görlitz Geigen aus, für die er die sil- berne Medaille erhielt. Schubert, F. — Eilenburg. 1867 Ist mir nur durch einen geschriebenen Reparaturzettel bekannt geworden. Schubert. — Epinal. 1830. 1835 Wahrscheinlich nur ein Händler, der auch Repara- turen übernahm. Geigenzettel: Repare chez Schubert, Epinal, 1831 (gedruckt). Schuberth, August Richard, eröffnete 1899 sein Geschäft in Markneukirchen Schüller, Ernst, arbeitet als Geigenmacher in Markneukirchen Schünemann, Otto. — Schwerin, Hamburg. Geb. 17. Dezember 1837 in Dargun i. M., t 15. Mai 1914 Nachdem er von Musikdirektor Carl Schulz in Rostock zum Geiger ausgebildet worden war, kam er nach Dresden, Leipzig usw. und dann mit Dr. Wirsing nach Prag, wo er seine ersten Versuche im Geigenbau machte. Er hatte so viel Freude daran, daß er sich ent- schloß, sich ganz auf diese Kunst zu verlegen. Zu- nächst ging er nach Hamburg als erster Geiger und verwendete jede freie Minute zum Geigenmachen, bis er nach neunjährigen eifrigen Studien seine Arbeiten der Öffentlichkeit übergab. Brodsky, Halir, Heermann und Sarasate spielten in Konzerten auf seinen Geigen ; er fand allseitige Anerkennung und wurde 1887 nach Schwerin berufen, wo er mit ministerieller Unter- stützung (aus dem sog. Industriefonds) eine deutsche Geigenmacherschule ins Leben rief, die dort am 2. No- vember 1887 unter dem Protektorat des Großherzogs ins Leben trat. Trotz des guten Erfolges der Schule fand er in Schwerin auf die Dauer doch nicht den ge- wünschten Wirkungskreis und siedelte daher 1898 wie- der nach Hamburg über, wo er als geschätzter und viel- beschäftigter Geigenmacher tätig war, bis er sich in das Privatleben zurückzog. Geigenzettel: Abb. 719. Schütze, Wilh. — Forst, Guben. Geb. 25. Okt. 1836 in Magdeburg, f nach 1890 Ein Musikinstrumentenmacher und bescheidener Gei- genreparateur. Er war zuerst in Forst (N.-L.) ansässig und verlegte später seinen Wohnsitz nach Guben, wo er in recht dürftigen Verhältnissen nur sein Dasein fristen konnte. Schuldt, Johann. — Lübeck. 1647. 1649 Ein Lautenmacher, der 1647 Bürger wurde und 1649 in zweiter Ehe Katharina Lüders heiratete. Schult, Ernst Fried. Ludw. Dav. — Lübeck. Geb. 16. September 1897 in Lübeck Sohn und Schüler von J. H. Seh. Nach Absolvierung der Oberrealschule trat er bei seinem Vater in die Lehre und hatte eben seine Gesellenprüfung mit ausgezeich- netem Erfolge bestanden, als er zu den Waffen gerufen wurde. Er machte den Krieg als Einjährig-Freiwilliger mit, wurde schwer verwundet und geriet in Gefangen- schaft. Er kam dann in die Schweiz und arbeitete unter Leitung seines Schicksalsgenossen, des tüchtigen Gei- genmachers Jos. Hofmann, bei Stemblowski in Engel- berg hei Luzern, wo er Gelegenheit hatte, sein Kön- nen zu vertiefen. Nach Friedensschluß durfte er in die Heimat zurückkehren und arbeitet jetzt bei seinem Vater und zeichnet sich durch Talent und große Ge- schicklichkeit aus. Schult, J. H. — Lübeck. Geb. 24. April 1866 in Bliefensdorf bei Neustadt i. M. Schüler von Otto Schünemann. Nachdem er in Rostock, Hamburg usw. als Gehilfe gearbeitet hatte, ließ er sich 1896 in Lübeck als Geigenmacher nieder und fand durch seine ungewöhnliche Kunstfertigkeit bald einen ausgedehnten Kundenkreis und vielseitige Anerken- nung. 1907 wurde er zum großherzoglich-mecklenbur- gischen Hofgeigenmacher ernannt und erhielt in Schwerin und Turin 191 1 Medaillen usw. Er ist jetzt einer der besten deutschen Geigenmacher, ebenso tüchtig im Neubau wie in der Wiederherstellung alter Geigen, verarbeitet prachtvolles, altes Holz und be- reitet sich einen Lack eigener Zusammensetzung von vortrefflichen Eigenschaften. Er gehört zu den wenigen Geigenmachern, die alles an ihren Arbeiten selbst an- fertigen. Seine Geigen und Violoncelli sind tadellos und zeichnen sich ganz besonders durch Schönheit und Fülle ihres Tones aus. Außer seinem Zettel gebraucht er auch eine Brandmarke. Sein jüngerer Bruder und Schüler hat sich in Hannover selbständig gemacht. Geigenzettel: (Lübecker Wappen), J. H. Schult / Streich-Instrumentenmacher / Lübeck, Anno 190 (JHS und Kreuz im Kreis) und Abb. 708. Schultz, Jürgen Wilhelm. — Hamburg Ein Instrumentenmacher, von dem man nur weiß, daß er am 25. August 1797 Bürger wurde. Schulz, August. — Nürnberg. Geb. 12. Sept. 1871 Er lernte bei Aug. Roth in Markneukirchen und machte sich im Jahre 1902 in Nürnberg selbständig. Seine Schulz — Schumacher 455 Violinen baut er nach Stradivari und verwendet mei- stens Öllack. Er macht außerdem Lauten, Mandolinen, Gitarren und Zithern und ist seit langer Zeit wieder der erste Lautenmacher, der in Nürnberg arbeitet. Seine Instrumente sind sorgfältig durchgeführt und sowohl im Ton wie in der äußeren Form recht gut. S. besitzt daher auch eine ganze Reihe von Auszeich- nungen und Anerkennungen. Er verwendet auch einen Brandstempel mit seinem Namen und der Nummer. Geigenzettel : Preisgekrönt Stuttgart 1 908 ( 1 906 Gold . Medaille) August Schulz (1905 Silb. Medaille) / Kunst- werkstätte für Instrumentenbau / Nürnberg / Feinstes Spezialgeschäft / für Gitarren, Lauten, Zithern und Saiten. (Weiße Schiift auf schwarzem Grund (gedr.). Schulz, Friedr. Wüh. — Magdeburg. 1895 Er hat bei einem Blechinstrumentenmacher gelernt und sich später auch mit Geigenreparaturen beschäf- tigt. Schulz, Petrus. — Regensburg. Geb. 17. Juli 1808 in Regensburg, f 2. April 1871 Schüler von Jos. Fischer. Er arbeitete bei Vauchel in Würzburg, Bausch in Dessau und in Rotterdam (wahr- scheinlich bei den Brüdern Coenen), wurde der Nach- folger seines Lehrmeisters im Geschäfte und führte dieses im gleichen Hause (Pfarrergasse E. 149 II) wei- ter, so daß die Geigenmacherei hier 73 Jahre lang un- unterbrochen betrieben wurde. Schulz gehört zu den hervorragenden deutschen Geigenmachern, und seine besten Instrumente, die sich noch im Besitze seines Schülers und Nachfolgers Kerschensteiner befanden und jetzt auf dessen Sohn übergingen, sind Meister- werke ersten Ranges. Er arbeitete vorzugsweise nach Stradivari, Guarneri und Maggini und wendete fetten Öllack an. Außerdem galt er auch für einen der besten Gitarren- und Zithernmacher. Prachtvolles Holz und tadellose Arbeit sind Kennzeichen seiner Geigen. Er verband sich 1865 mit seinem Schüler X. Kerschen- steiner und erhielt von 1854—1869 viele Medaillen. Geigenzettel : Reparavit Petrus Schulz Ratis- / bonae anno 1861 (gedruckt) und Abb. 699, 715. Schulze, Carl. — Berlin. 1896. 1903 Er macht seine Geigen, wie er ankündigt, »nach phy- sikalischen Gesetzen, nach den bisher geheimen, von mir erforschten Grundsätzen der alten Cremoneser Schule«. Als klassische Vorbilder dienen, wie er sagt, die Werke von Stradivari aus den Jahren 1700 — 1725. Er bemüht sich, auf Grund der physikalischen Gesetze der Intervalle »ein gewissermaßen typisches Stradi- varimodell« herauszubilden. Bei seinem Modell teilt der Stegpunkt die Grundlänge im Verhältnis von 6 : 5, entsprechend dem Intervall der kleinen Terz. Die Länge des Oberteils ist zu der des Mittelteils wie 5 : 4, der großen Terz entsprechend. Das Verhältnis des Unter- teils zum Mittelteil 3 : 2 gibt die Quinte. Der Stand der Stimme teilt die innere Länge in zwei Teile im Verhältnis von 4:3 gleich dem Intervall der Quarte; das Intervall der Oktave 2 : 1 findet sich in der Teilung des Luftraums durch den Stand der Stimme. Als Ver- such führte er eine Geige ohne Zargen aus, deren Längen- und Querschnitte Ellipsen bilden. Zweck die- ses Versuchs war, festzustellen, ob sich Bogen und Wöl- bungen in Ellipsenform oder reine Zirkelbogen besser für das Geigenmachen eignen. Der Ton der Geige war besser als man vermuten sollte, aber es zeigte sich doch, daß die Zirkelbogen für den Geigenbau günstiger sind als Ellipsen, Parabel und Hyperbel. Seit dem Bestehen der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente zu Berlin repariert er für diese die Streich- und Rupfinstrumente. Er schrieb das Buch: »Stradivaris Geheimnis. Ein aus- führliches Lehrbuch des Geigenbaues« (Fussingers Buchhandlung. Berlin W. 35), in welchem er auf Grund mühevoller Untersuchungen zu manchen neuen Ge- sichtspunkten kommt. Er maß die Teile der Geige von innen und fand, daß die alten Meister sich bemühten, Interferenzen der Schwingungen zu vermeiden, und daß die Längenmaße den Verhältniszahlen der Kon- sonanzen, die Breitenmaße denen der Dissonanzen in der Musik entsprechen. In bezug auf die Eigentöne von Decke und Boden kommt Schulze übrigens un- gefähr zu denselben Ergebnissen wie Dr. Großmann. Schulze bestimmt auch hier die arithmetischen Ver- hältnisse für die freischwingenden Flächen, als inner- halb des Zargenkranzes, während Dr. Großmann die überstehenden Ränder und die aufgeleimten Teile ganz unberücksichtigt läßt. Geigenzettel: Gef. Carl Schulze in Berlin 18 . . . / No (gedruckt). Schulze, Joachim. — Flensburg. Geb. 3. Jan. 1861 in Ziepel (Altmark) Als Sohn eines Landmanns besuchte er die Dorfschule und sollte Landmann werden. Da er eine besondere Begabung für die Musik verriet, erhielt er Musikunter- richt und bezog 1879 das Konservatorium in Magde- burg. Er trat dann Sls Hoboist in Militärdienste, bis er eine Zivilanstellung erhielt. Schon seit 1887 be- schäftigte er sich mit dem Geigenbau, den er durch Selbststudium erlernte und eröffnete, nachdem er sich pensionieren ließ, 1893 eine Geigenmacherwerk- statt. Er stimmt seine Decken ab und hat auch einen Lack erfunden, dem er die höchsten Vorzüge nachrühmt und mit dem er jede Geige verbessern zu können überzeugt ist. Schumacher, Anton. — Laufen. 1906. f 1916 Ursprünglich Lehrer, bildete er sich autodidaktisch zum Geigenmacher aus. Er stimmte Decke und Boden akustisch zueinander und berechnete auch das vom Korpus eingeschlossene Volumen der Luft dazu. Das Ahornholz bezog er aus Böhmen, das Deckenholz aus dem Schweizer Alpengebiet. Seine Geigen lackierte er nach dem Verfahren von Wilhelm Christ in Basel ^) — Brandmarke innen auf dem Boden: siehe Brand- marke Nr. 6. Geigenzettel: Anton Schumacher in Laufen / Wilhelm Christ in Basel / gebaut anno (gedruckO- 1) Nach Schumachers Tod veröffentlichte W. Christ in einer kleinen Schrift sein Verfahren. Er nimmt an, daß die alten Italiener ihre Geigen zuerst mit reiner Tem- pera grundierten. 456 Schunda — Schuster Schunda, Franz. — Budapest. 1850. 1871 Schüler seines Bruders Josef, bei dem er um 1850 in die Lehre trat. Er wurde Teilhaber der Firma und trat 1871 aus dieser aus. Schunda, Josef. — Budapest. Geb. In Sibrin in Böhmen 1818, f nach 1871 Er kam um 1842 nach Budapest zu J. Nagy, dessen Werkstatt er später übernahm, und wurde dann Grün- der der am 16. Januar 1848 errichteten und noch heute bestehenden großen Musikmstrumentenfabrik. Geigenzettel: Josef Schunda / Instrumentenmacher Pest / fecit ad formam Strad. (gedruckt). Schunda, Wenzel Josef. — Budapest. Geb. am 19. Mai 1845 in Duber in Böhmen Schüler seines Bruders Josef, der ihn, da er selbst kin- derlos war, 1856 bei sich aufnahm. Nach siebenjähriger Lehrzeit wurde er Geselle; drei Jahre ging er zu seiner Vervollkommnung auf Reisen, wurde 1868 Teilhaber und 1871 alleiniger Inhaber der Firma, die zwar auch sehr gute Streichinstrumente herstellt, ihr Hauptver- dienst aber auf dem Gebiete des Cymbalbaues hat. 1900 war S. Mitglied der Ausstellungsjury in Paris. Schuster, Andreas, arbeitete im letzten Jahr- zehnt des 19. Jahrhunderts als Geigen- macher m Schönbach b. E. Schuster, Bartelmo. — Augsburg. 1 499 — 1 5 1 6 Lauten- und Hackbrettmacher. Dieser Meister kommt bald allein mit dem Taufnamen, bald mit beiden Namen in den Augsburger Steuerregistern vor. Schuster, Carl August. — Markneukirchen. Geb. 19. April 1818, t 10. April 1851 Sohn von Carl Friedrich Seh. Wenn auch kein hervor- ragender, so doch ein geschickter Meister, der freilich hauptsächlich billige Geigen machte. Schuster, Carl Friedrich. — Markneukirchen. Geb. 25. April 1788, f 2. Dezember 1864 Sohn von Joh. Christ. Seh. Er arbeitete von 1812 bis 1860 als Geigenmacher und gehörte zu den besten vogt- ländischen Geigenmachern seiner Zeit. Schuster, C. G. jun. (Carl Gottlob). — Mark- neukirchen. Musikinstrumenten-Manufak- tur, gegr. 1824 Eine der angesehensten Firmen ihres Ortes. Die jetzi- gen Inhaber Raimund und Ulrich Schuster, die vor- her nach ihren Modellen und Angaben bei verschie- denen Meistern arbeiten ließen, errichteten 1895 eine eigene Geigenbauwerkstätte, in der u. a. musterhaft gearbeitete Geigen und Violoncelli nach physikalischen Gesetzen mit abgestimmten Resonanzplatten hergestellt werden. Geigenzettel: Gebaut nach physikalischen Gesetzen / mit abgestimmten Resonanzplatten / von Carl Gottlob Schuster jun. / Markneukirchen, im Jahre .... (ge- druckt). Schuster, Friedrich Wilhelm . — Stößen . 1 845 . 1888 Ein Musiker, der 1845 die Preismedaille der Berliner Akademie erhielt, dann Hornist war und später nach Amerika ging. Er glaubte den »Amati-Lack« erfunden zu haben und ließ sich 1888, nach seiner Rückkehr aus Amerika, als Geigenreparateur in Stößen nieder. Schuster, Georg I. — (Mark)Neukirchen. Geb. 1685, t 12. Juli 1759 im Alter von 74 Jahren und 6 Monaten Er ist wahrscheinlich der Stammvater der heute noch blühenden Familie, gehörte jedoch der Neukirchener Zunft nicht als Meister an. Vermutlich wohnte er nicht in (Mark)Neukirchen selbst, auch soll er fast immer auf Reisen gewesen sein. Schuster, Georg II. — (Mark)Neukirchen. Geb. 1718, t 19. Juni 1807 in Markneu- kirchen Sohn und Erbe der Werkstatt von Georg I Seh. Er war Bürger und Geigenmachergeselle, als er sich im Jahre 1748 um die Aufnahme in die Zunft bewarb. Nachdem er allen Vorschriften entsprochen hatte, wurde er am 10. April 1749 gegen Erlegung von 25 Talern als Meister angenommen ; er galt also nicht als Meisters- sohn. Er stand in einem gewissen Ansehen und starb im Alter von 88 Jahren 6 Monaten und 1 5 Tagen. Mark arkneu- Schuster, Heinrich Moritz. - kirchen Jüngerer Bruder von Hermann Seh. Ein Musikinstru- mentenhändler, der sein Geschäft im Jahre 1871 be- gründete, nachdem er vorher jahrelang in Rußland und Frankreich gewesen und den Krieg 1870/71 als Frei- williger mitgemacht hatte. Nach vielfältigen Versuchen gelang es ihm im Jahre 1909, ein Verfahren zu erfinden, um das Geigenholz auf natürlichem Wege klangvoller zu machen, was verhindern soll, daß neue Geigen rauh und holzig klingen. Er ist überzeugt, daß die alten Geigenmacher das gleiche Verfahren angewendet haben und tatsächlich sind die mit diesem Holz hergestellten Geigen, die er »M. S. -Violinen« nennt, von einer Reihe von Fachleuten als recht gut klingend anerkannt wor- den. Schuster, Hermann. — Warschau. Geb. um 1830 in Markneukirchen, lebte noch 1870 Sohn eines Lohgerbers, der das alte Stammhaus der im Vogtlande weitverzweigten Familie Schuster innehatte. Er schrieb seinen Namen auch in polnischer Recht- schreibung: »Hermann Szuster«. Seine Arbeit sieht der der Vogtländer seiner Zeit sehr ähnlich. Er trieb auch einen ausgedehnten Handel mit altitalienischen Geigen. Schuster, Johann. — Wien. 1710. 1758 Ein Geigenmacher dieses Namens wird mehrfach er- wähnt; doch scheint er das Bürgerrecht in Wien nicht erworben zu haben, und auch in den Steuerbüchern kommt er nicht vor, Vielleicht ein Vogtländer? Schuster — Schwalm 457 Schuster, Johann, arbeitet als Gelgenmacher in Schönbach b. E. Schuster, Johann Christian. — (Mark)Neu- klrchen. Geb. 13. Dezember 1753. j 13. Aug. 1820 Sohn von Georg II Seh. Seine Geigen waren nicht schlecht ; doch hielt auch er es für nötig, seinen Wohn- ort unrichtig anzugeben und sich als einen Violin- macher »aus Prag« zu bezeichnen. Geigenzettel : Johann Christ. Schuster / Violinmacher aus Prag 17 . . (gedruckt). Schuster, Joseph I. — Schönbach b. E. 1766. 1790 Seine .Arbeit ist sauber; er bevorzugte große Modelle und verwendete einen nußbraunen Lack. Die Ränder legte er öfter mit Beinstreifen ein. Er wohnte in dem Hause Nr. 53 und ließ auch bei anderen Schönbachern für sich arbeiten. In solchen nicht von ihm selbst ge- machten Geigen soll er Zettel angebracht haben mit seinem Namen und dem Zusatz »Musikinstrumenten- fabrik«. Geigenzettel: Joseph Schuster Geigen und / Instru- mentenmacher in Schön- / bach 1790. (gedruckt). — Joseph Schuster ,' bürgerl. Lau- ,' ten u. Geigenmacher a Correspon- / dent a Cremona Anno 17.. (gedruckt). Schuster, Josef II. — Schönbach. Geb. 1851 Schüler von Emanuel Hoyer. Nachdem er in verschie- denen Werkstätten als Gehilfe gearbeitet hatte, machte er sich 1877 selbständig. Schuster, Joseph Anton. — Schönbach. 1778. 1780 Einer der besten Schönbacher Geigenmacher seiner Zeit. Seine Geigen haben vollen Ton, sind gut gemacht; nur das Holz läßt manchmal zu wünschen übrig. Geigenzettel : Abb. 697. Schuster, Josef Ignaz. — Fleißen i. B. Geb. 22. April 1865 Schüler seines Oheims, des Bogenmachers Emanuel Schuster. Schon im Jahre 1882 machte er sich selb- ständig und brachte es durch Fleiß bald zu gutem Rufe. 1894 siedelte er nach Fleißen über und gilt jetzt für einen der besten österreichischen Bogenmacher. Er besitzt etwa 10 Medaillen usw. Schuster, Josef Johann. — Fleißen Erhielt für seine Bogen auf der Teplitzer Ausstellung eine silberne Medaille. Schuster, Kurt. — Leipzig. Geb. I.Oktober 1878 in Markneukirchen Nachdem er bei Ernst Gläsel die .Anfangsgründe des Geigenbaues erlernt hatte, kam er nach München zu Aug. Fiorini, als dessen Schüler er sich betrachtet. Er arbeitete bei ihm zwei Jahre lang, ging dann auf ein Jahr zu E. Gärtner und nach Beendigung seiner Militär- dienstzeit zu Meinel in Basel, später zu Hjorth & Söner nach Kopenhagen. Er bereiste noch Holland, England und Frankreich und ließ sich dann in Leipzig nieder, wo er sich 1908 selbständig machte. Seine Arbeit ist tadellos und wird von Kennern sehr gelobt, ebenso sein goldgelber Ollack. Schuster, Mathias. — (Mark)Neuklrchen. 1820 Vermutlich aus Schönbach eingewandert, weshalb sein Name auch in den Kirchenbüchern nicht vorkommt. Seine Geigen sind gute Vogtländer Arbeit; sein Lack erscheint heller als der von den übrigen Neukirchenern gebrauchte. Schuster, Michael. — (Mark)Neukirchen. 1820 Vielleicht ein Bruder von Mathias. Er liebte ein flaches Hopfmodell, braunen Lack und erzielte einen guten Ton. Schuster, Michael, jun. — Markneukirchen. 1862. 1890 Eine Fabriksfirma, die ihr Bestehen bis 1817 zurück- führte und um 1890 erloschen sein soll. Hauptsächlich aber erzeugte sie Blechinstrumente und brachte un- gewöhnlich billige Geigen in den Handel. Eine ähn- liche Firma hieß »Brüder Schuster«. Schuster, Rudolf, hat sich 1 900 als Saiten- und Instrumentenmacher In Düsseldorf nieder- gelassen, sich jedoch bald darauf ins Ausland begeben Schutte, Hans. — Hamburg. 1718 Er wird ausdrücklich als Violenmacher bezeichnet und erlangte am 6. Mai 1718 das Bürgerrecht. Schwab, Ernst. — Hohendorf 1. S. 1910 Guter Bogenmacher. Schwalcher, Leopold. — Florldsdorf b. Wien. 1770. 1813 Seine Geigen sind denen von Dalinger und Gaissenhof nahestehend, wenn auch weder im Holz noch im Lack besonders schön. Geigenzettel : Leopold Schwaicher Lauten- / und Gei- genmacher in Florisdorf nächst Wien (geschrieben). — Leopold Schwaicher , Lauten und Geigenmacher / 18 Floridsdorf nächst Wien 13 (gedruckt). Schwalgl s. Schweigl Schwalm, Alexander Augustowitsch. — St. Petersburg. 1896. 1911 Schüler von Ernst Geißer. Um 1895 machte er sich selbständig und wurde bald Geigenmacher der kaiserl. Theater in St. Petersburg. Seine Arbelt ist ungemein sauber. Er arbeitet hauptsächlich nach einem Stradi- varimodell von 1718, doch ist er in der Wahl des Holzes 458 Schwartz — - Schwarzmann nicht sorgfältig genug, auch sind seine Schnecken in der Regel zu klein. Am besten sind seine Violoncelli, gleichfalls nach Stradivari, die einen großen Ton haben. Er verwendet einen von ihm selbst zusammengesetzten Lack. Schwartz, Antonius. — Breslau. 1758 Sein Modell ist sehr hochgewölbt und geht auf Stainer zurück, der Lack gelbbraun, die Arbeit im ganzen nicht hervorragend. Geigenzettel: Antoni Schwartz Laut / und Geigen- macher in / Bresslau. 1758 (gedruckt). Schwartz (Schwarz), Bernhard. — Straßburg i. E. Geb. um 1744 in Königsberg i. Pr., t 1822 Solange in Straßburg die Zunftverfassung bestand (d. 1. bis 1 789), wurden die Lauten- und Geigenmacher dort zu den Schreinern gezählt, und so wurde auch B. Schwartz i. J. 1780 als »Schreiner« in die Zimmer- leutezunft aufgenommen. Im Bevölkerungsregister von 1796 wird er als »luthier« bezeichnet, wohnhaft Fin- kenweiler (Straße) Nr. 69, 52 Jahre alt, Vater von einem Sohn und vier Töchtern. In seiner Arbeit schloß er sich bald der französischen Schule an und machte so- wohl Violinen als Violoncelli von guter Arbeit. Geigenzettel: Repare par Schwartz/ ä Strasbourg. 1817 (gedruckt). Schwartz, Georg Friedrich. — Straßburg. Geb. 7. April 1785, t 29. Dezember 1849 Sohn und Schüler von Bernhard Schwartz, dessen Ge- schäft er mit seinem Bruder Theophil Wilhelm von 1821 an fortsetzte. Er verlegte sich vorzugsweise auf die Bogenmacherei und benutzte hierzu den Brand- stempel: Schwartz, Strassbourg. Seine Bogen sind sehr gesucht, wenn sie auch für den heutigen Geschmack etwas zu schwer erscheinen. Geigenzettel : Repare par Schwartz / ä Strasbourg 1823 (gedruckt). Schwartz, Theophil Wilhelm I. — Straßburg i. E. Geb. 13. Oktober 1797, f 29. JuH 1861 Sohn und Schüler von Bernh. Schw., dessen Geschäft er mit seinem Bruder übernahm und fortsetzte. Er hat an 100 Violinen und etwa 30 Violoncelli gemacht, unter denen recht gut klingende sich befinden. Auch als Händler mit alten Geigen hatte er Bedeutung. Die Brüder bedienten sich anfangs der gleichen Zettel wie ihr Vater. Geigenzettel: Freres Schwartz / ä Strasbourg 1835 / No. 18 (gedruckt). Schwartz, Theophil Wilhelm II. — Straß- burg i. E. Geb. 3. September 1821 Sohn und Schüler von Theoph. Wilh. I Schw.; über- nahm 1852 das väterliche Geschäft. Er hat sich haupt- sächlich auf das Ausbessern verlegt und nur wenige neue Geigen gemacht, die den Zettel tragen : Schwartz / ä Strasbourg 18 . . (gedruckt). Schwarz, Giovanni. — Venedig. 1899 Neffe und Schüler von Eugenio Deganl, bei dem er 7 Jahre lang arbeitete. Schwarz, Heinrich. — Leipzig. 1894 Am Ende des 19. Jahrhunderts tätig. Mir ist nur eine Violine mit seinem Zettel bekannt geworden, die sich nicht wesentlich von Markneukirchener Fabrikswaren unterschied, nur das Griffbrett war eigenartig. — Er soll einen guten Absatz nach England gehabt haben. Schwarz, Lorenz. — Obersontheim. 1870 Vermutlich ein Dilettant, der jedoch nicht ungeschickt war. Geigenzettel : Lorenz Schwarz in / Obersontheim 1 8, 3 70 (geschrieben). Schwarz, Simon, lebte im 19. Jahrhundert in Fleißen Schwarz, Thomas. — Schwäbisch-Hall. 1592. 1600 Er wird ausdrücklich als Geigenmacher bezeichnet und wie die Rechnungen ausweisen, lieferte er für den württembergischen Hof u. a. eine Diskant- und eine Tenorgeige für 8 Gulden 42 Kr., ferner eine »Hand- geige* und einen Baß, sowie auch Geigenbögen, die er das Stück zu 3 Batzen (34 Pfennige) anfertigte. Schwarzbach, Franz Elias. — Löbau i. S. Geb. 6. April 1791 zu Seitendorf (Zittauer Anteil), t 4. April 1850 in Löbau Bei dem Stadtmusiker in Görlitz erlernte er »kunst- mäßig« die Musik, heiratete 1813 in Langenau Marie, geb. Fest aus Kolitz und kam um 1816 als Musiker nach Löbau, wo er das Amt eines Türmers und Feuer- wächters erhielt. Solange er diese Stelle bekleidete, wohnte er auf dem Turme der Nikolaikirche. Er war ein vielseitiger Mann, denn er war auch Leinenweber- meister und beschäftigte sich außerdem mit der Gei- genmacherei. Als Musiker entfaltete er »auf allen nöti- gen Instrumenten« eine rühmliche Tätigkeit. Daß er auch neue Geigen gemacht hat, ist nicht bekannt ge- worden; wohl aber hat er mit großem Geschick viele alte Geigen ausgebessert. Er erlag einem Schlaganfall und hinterließ 5 Kinder (von 13), von denen mehrere sich der Musik gewidmet haben. Geigenzettel: Aptirt Löbau 1844 / F. E. Schwarz- bach (gedruckt). Schwarzer, Franz. — Washington (Missouri). Ende des 19. Jahrhunderts Bekannt durch seine große 42saitige Salon-Harfen- Zither (der Harfen-Laute von Light verwcindt). Schwarzmann, Anton Ein Vogtländer des 18. Jahrhunderts, der sich auf sei- nen Zetteln Musikant und Geigenmacher nennt und »Mittetwald (sie) in Tirol« als Ursprungsort nennt. Schwehrer — Secchi 459 Schwehrer (Schwerer), Anton. — Fünfkirchen. Geb. um 1855, tum 1895 Schüler von W. J. Schunda; ein talentvoller Geigen- macher, der leider kaum 40 Jahre alt starb. Schweiger (Schweigger), Jos. — Stadtamhof bei Regensburg. 1798. 1830 Er war Kunstschreiner, Orgelbauer und Harfenmacher, der unter anderem sehr gute Lyragitarren machte. Eine vortreffliche, mit schönen Schnitzereien versehene Ha- kenharfe von ihm befindet sich in W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln, eine ähnliche im Bach- haus zu Eisenach und eine Lyragitarre von eleganter Ausführung bei Rob. Leibbrand in Berlin. Es soll Arbeiten von ihm geben, die das durch Umstellen der Buchstaben entstandene Pseudonym Schwerig (Schwe- rigg) tragen. Geigenzettel : Joseph Schweiger / Instrumentenmacher/ in Stadtamhof , ' bey Regensburg 18.. (gedruckt). Schweig] (Schwaigl), Franz Xaver. — Wien. Geb. 1804, t 9. Oktober 1834 Schüler von Martin Stoß. — Jedenfalls ein naher Ver- wandter jenes Ignaz Schweigl, der 1785 eine Violin- schule herausgab, die 1 794 in zweiter Auflage erschien^). Er wohnte als Lauten- und Geigenmacher in der Vor- stadt St. Ulrich Nr. 70 und legte am 4. August 1831 den Bürgereid ab. Da er nur 30 Jahre alt wurde und nur drei Jahre selbständig war, hat er nicht allzuviel Arbeiten hinterlassen können. Besonders tüchtig war er als Violoncellomacher; er kam darin seinem Lehr- meister so nahe, daß die meisten seiner Violoncelli heute als Arbeiten von M. Stoß verkauft werden. Nach seinem Tode wurde sein Zettel von Hofmann, Ham- berger usw. in allerlei minderwertige Geigen geklebt, weshalb sein Name unverdienterweise alle Geltung verloren hat. Geigenzettel : Franciscus Xav. Schweigl / fecit Viennae Anno 1831 (gedruckt). Schweins, Johann. — Darmstadt. Anfang des 19. Jahrhunderts Lauten- und Klaviermacher. Gitarren kommen noch oft von ihm vor, ebenso große Lauten. Geigenzettel : Johann Schweins / in Darmstadt / ver- fertigt alle Arten von Guitarren / aufrechtstehende Flü- gel, Fortepiano (gedruckt). Schweitzer, Johann Baptist. — Budapest. Geb. um 1790 in Wien, f 1865 in Budapest Schüler von Franz Geissenhof. Im Jahre 1825 ließ er sich In Pest nieder, wo er bald als der beste Meister seines Faches galt und namentlich als Violoncello- macher berühmt wurde. Er kam seinem Lehrer sehr nahe, verstand es trefflich, die Italiener zu kopieren, und ahmte vornehmlich das Amatimodell nach. Seme Arbeit Ist in allen Teilen sorgfältig, das Holz sehr ^) Bemerkenswert durch eine darin enthaltene Anlei- tung, mit Flageolettönen zu spielen. schön ; nur sein Lack Ist weniger gut, obwohl er sich sein Leben lang mit Versuchen plagte, den italienischen Lack herauszubringen. In seiner Villa am Schwaben- berge hatte er sich ein ganzes Laboratorium eingerich- tet und verbrachte dort alle seine Mußestunden. In frischem Zustande soll der Lack ganz gut ausgesehen haben, er verblaßte aber mit der Zeit und nur unter Griffbrett und Saitenhalter sieht man noch die ur- sprüngliche rotbraune Farbe. Seine Arbeiten sind heute ihres guten Tones wegen so gesucht, daß in Markneu- kirchen seine Arbeit nachgeahmt und mit semem Zettel versehen (meist mit der unsinnigen Jahreszahl 1813) ausgeboten wird. Er verwendete sehr verschiedene Zet- tel; viele davon tragen den Vermerk: »fecit ad formam HIeronymi Amati* oder »ad formam Antonii Stradi- varii«. Seine Violoncelli sind meist nach Santo Sera- phin gebaut. W. Th. Jaura entdeckte auch das Original, das ihm zum Muster diente, in dem noch jetzt zu lesen ist: »Dieses Cello ist Eigentum von Ladislaus Freiherrn von PIrkher, Erzbischof von Erlau. Repariert von Joh. Bapt. Schweitzer in Pesth 1829>. Sehr verdienstvoll war er auch als Lehrmeister; zu seinen besten Schülern gehören Gab. Lemböck und Anton Sitt. Sein lang- jähriger Gehilfe Thomas Zach wurde sein Nachfolger, der das Geschäft nach 15 Jahren an J. Schunda ver- kaufte. Geigenzettel : Abb. 730 und 759. Schwerigg s. Schweiger Sconvelt s. Schönfeld Scoppio, Francesco. — Ende des 19. Jahrh. Italienischer Geigenmacher unserer Zeit. Scoti, Antonio. — Mailand. 1733. 1747 Eine Mandoline von ihm aus dem Jahre 1723 befindet sich im städtischen Museum in Braunschweig; eine große Mandora (Griff mit Elfenbein und Perlmutter ausgelegt) besitzt die Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Geigenzettel: Antonio Scoti / Mllano 1747 (gedruckt). Scott, Joseph. — Newmarket. 19. Jahrhundert Seine Gelgen sind sauber gearbeitet. Scotto. — Verona. 1511 Ein Geigen- und Violenmacher, den Valdrighl (2909) erwähnt. Scrinarms s. F. E. S. Scrosati s. Serasati Sebastian, Carl. — Hamburg Am 26. Januar 1798 wurde er als »Instrumenten- macher« Bürger von Hamburg. Secchi, Eliseo. — Carate-Brianza. 1891 Mandolen- und Mandolinenmacher vom Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Cistre von ihm befand sich in der Sammlung C. C. Snoecks. 460 Seckendorf — Segher Seckendorf, Paul Richard. — Markneukirchen. Geb. 28. Oktober 1887 in Markneukirchen Schüler von M. Schmidt, 0. B. Helnel und Robert Penzel in Markneukirchen. Um sich weiter zu vervoll- kommnen, arbeitete er in Mittenwald, dann bei Stößel in Köln, C. Schuster in Leipzig, C. Lüdemann und O. Seifert (»Neu-Cremona«) in Berlin, ferner bei Ten- nucci in Zürich, Gustave Bazin In Mirecourt, C. Glae- sel in Brüssel und R. Brückner in London. Nachdem er so eine allseitige Ausbildung erlangt und einen gründ- lichen Einblick in die Arbeitsweise der Geigenbauer im In- und Ausland gewonnen hatte, machte er sich im Jahre 1914 in seiner Vaterstadt selbständig und gilt als trefflicher Meister. Secker, H. — Hyde. 1910 Geigenmacher und Reparateur. Seeger, Alfred. — St. Gallen. Atelier für Geigenbau. 1910 Seelandt (auch Sehling), Martin. — Lübeck. 1633. 1656 Er besaß seit 1636 das Haus Nr. 905 (jetzt 50) in der Mühlenstraße am Klingenberg und war Instrumenten- macher. Er war zweimal verheiratet, zuerst mit einer Katharina, dann mit einer Wendula. In Hamburger Privatbesitz sollen sich eine gute Laute und eine Viola, beide mit der Jahreszahl 1633 befunden haben, über deren Verbleib sich nichts ermitteln ließ. Seelandt, Martin d. J. — Lübeck. Geb. um 1600, t Juli 1663 Sohn erster Ehe von Martin S. ; in jungen Jahren ging er mit Cathanna Wichmann eine richtige Liebesheirat ein, denn sie brachte ihm außer einigem Hausrat nichts in die Ehe. Nach längerem Witwerstand heiratete er dann 1657 Anna von Buhren; damals wohnte er am Klingenberg im Hause seines Vaters. Er errichtete am 20. November 1662 sein Testament, das am 17. Juli 1663 eröffnet wurde. In diesem vermachte er nach Ab- zug der gesetzmäßigen Legate alles seiner zweiten Frau, die sich aber sehr schnell getröstet und nach Ablauf des Trauerjahrs wieder geheiratet hat. Schon Im Jahre 1665 ließ der zweite Gatte der Witwe, der Kaufmann Joh. Bakhusen, einen Sohn taufen. Das noch erhaltene Te- stament nennt nichts, was auf seine Tätigkeit bezug hat, doch wird er In allen Urkunden ausdrücklich als Instrumentenmacher bezeichnet und dürfte als solcher der Schüler seines Vaters gewesen sein. Seelos (Seilos, Seluß, Seelauß), Georg I. — Innsbruck. 1647. f zwischen 1668—1672 Am 9. August 1 647 erteilte Ihm der Erzherzog Ferdinand Karl einen »Freybrieff« das »erlernte« Lauten- und Geigenmacherhandwerk unbehindert ausüben zu dür- fen. Außerdem war er vom Jahre 1647 — 1662 Leib- trabant des Erzherzogs. Im Jahre 1647 heiratete er die Uhrmacherstochter Anatolla Saurwein (vgl. Dr. Fr. Waldners Nachrichten über Tiroler Lauten- und Gei- genmacher). Als Lauten- und Geigenmacher stand er In Ansehen, doch sind nur wenige Arbeiten von ihm erhalten geblieben. Er scheint auch Beziehungen zu Jakob Stainer gehabt und die Saltenmacherel betrieben zu haben, wenigstens Ist bekannt, daß Stainer von dem Hofuhrmacher Andreas Seelos (der wahrscheinlich Georgs Bruder war) für 24 fl. Saiten gekauft hat. Der Name Seelos Ist in Füssen heimisch, Ich halte es daher für wahrscheinlich, daß Georg S. aus Füssen stammt, und nehme diese Füssener Heimat und eine Verwandt- schaft zwischen dem Innsbrucker Meister und den in Venedig tätigen Seilas um so eher an, als auch ein Georgius Sellas vorkommt. Eine Viola von Georg I Seelos besitzt Konzertmeister Elbl In Innsbruck, eine kleine Viola da Gamba war auf der von der holländi- schen Gesellschaft »Pulchrl studio« im Jahre 1893 ver- anstalteten Ausstellung zu sehen. Gelgenzettel: Georg Seelos In / Innspruck 1662. (Mit got. Lettern gedruckt.) Seelos, Georg IL — Innsbruck. Geb. um 1650 in Innsbruck, f nach 1682 Sohn und wahrscheinlich Schüler von Georg I S. Nach dem Tode des Vaters scheint die V/Itwe mit den beiden Söhnen, die Geigen- und Lautenmacher geworden waren, das Geschäft zunächst fortgeführt zu haben. Als Michel Straub aus Venedig sich In Innsbruck nieder- ließ, war sie es, die dagegen Einspruch erhob. Erst 1681 bewarb sich Georg II S. um einen kaiserlichen Frei- brief, den er am 5. Mal 1681 auch erhielt. Mehr konnte Dr. F. Waldner über ihn nicht ermitteln. Eine gute Violine von Ihm befindet sich auf dem Chor der Ser- vitenkirche in Innsbruck Abb. 705. Seelos, Johannes. — Linz a. D. Geb. am 20. Juli 1654 in Innsbruck. 1712 Sohn und Schüler von Georg I S. Er soll in Salzburg gearbeitet haben und um 1684 In Linz eingewandert sein; da er aber dort das Bürgerrecht nicht erworben hat, fehlen persönliche Nachrichten über Ihn. Er war jedoch ein angesehener Lauten- und Gelgenmacher, dessen Instrumente sich großer Beliebtheit erfreuten. Wenn sie sich auch Im äußeren nicht sonderlich aus- zeichnen, so haben sie doch durchwegs einen edlen Ton. Eine Viola d'amore und eine Viola dl Baryten besitzt das Museum Francisco-Carolinum In Linz, eine Laute von einfacher Arbeit aus dem Jahre 1699 das Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 216)'), ferner eine Laute von 1710 das Kärntner Landes- museum in Klagenfurt. Geigenzettel : Joannes Seelos in Linz 1684 (geschrieben). — Joann Seelos 1712 (gedruckt). — Joan. Seelos In Lintz A . . . (gedruckt). Segher, Girolamo. — Cremona. Geb. 1646. 1682 Ein Schüler Amatls, der von 1680 — 1682 bei ihm ge- arbeitet hat. Möglicherweise gehört er zu derselben Familie wie Stegher; s. d. ') Chouquet liest Irrig: »Seclos«. Segizo Seifert 461 Segizo (Seglsso), Girolamo Maria. — Modena, Geb. 1503, t 15. November 1553 Ein modenesischer Instrumentenmacher, der wahr- scheinlich auch Lauten gemacht hat. Er starb durch einen Sturz vom Pferde. (Valdrighi 2916.) Seidel. — Markneukirchen Als Geigenmacher gehören dieser Familie an: Seidel, Carl Friedrich Wilh. Bernhard. — Geb. 21 . Juli 1868, hat eine Zeitlang in Hannover gearbeitet Seidel, Christian Friedrich. — Klingenthal. Geb. um 1817. 1840 Wahrscheinlich Sohn von Joh. Gottlob S. Er ließ sich in Klingenthal nieder und arbeitete nicht ungeschickt nach einem flachgewölbten Modell. Seine Böden sind meist aus einem Stück, manchmal auch die Decke. Die F- Löcher lassen zu wünschen übrig; die Schnecke scheint S., wie seine meisten Zeitgenossen im Vogt- land, nicht selbst gemacht zu haben. Geigenzettel : Christian Friedrich Seidel / in Klingen- thal 1840 (geschrieben). Seidel, Christian Wilhelm. 1815 Geb. 10. April Seidel, Johann Gottlob. — Geb. 26. Januar 1788, t H.Februar 1868 Schüler seines Vaters Johann Georg S. In seinen jün- geren Jahren arbeitete er nach dem üblichen Vogtländer Modell ; später ist das Bestreben erkennbar, italienische Vorbilder nachzuahmen. Wenn er auch keine Meister- werke schuf, gehören seine Geigen doch in der Regel zu den besseren. Einen Zettel hat er nur selten einge- klebt. Seidel (Seydel), Johann Michael I. — Geb. 1702, t 28. November 1754 Er wurde am 23. November 1723 Meister und Bürger, war ein fleißiger Geigenmacher und hatte manchmal einen ziemlich guten Lack von gelblicher Farbe, unter dem das Holz nur sehr wenig gebeizt erscheint. Er erreichte ein Alter von 52 Jahren 7 Monaten und 19 Tagen. Seidel, Johann Michael II. — Geb. 1731, t 28. Februar 1810 Jüngerer Sohn und Schüler seines gleichnamigen Va- ters. Er wurde am 13. Juni 1753 Meister, übernahm schon im darauffolgenden Jahre die Werkstatt seines Vaters und arbeitete ganz in dessen Art weiter. Er wurde 79 Jahre weniger 3 Monate und 4 Tage alt. Sohn und Schüler Joh. Gottlob Seidels. Seine Lehr- und Studienjahre währten von 1829 — 1844. Im letzt- genannten Jahre machte er sich in seiner Vaterstadt selbständig, indem er das väterliche Geschäft über- nahm. Er arbeitete nach verschiedenen italienischen und deutschen Modellen und ward namentlich durch sein eigenes Modell »Seidels Geigen« bekannt. Diese Geigen haben gutes Holz, guten, meist gelben Lack, ansprechende Form, hübsche Schnecke und infolge der sauberen Arbeit auch guten Ton. Auf dem Boden findet sich die Brandmarke: i-i Seidel -:•--. Er setzte sich 1889 zur Ruhe und feierte 1898 in voller körperlicher Frische sein 60jähriges Bürgerjubiläum. Seidel, Heinrich Alexander. — Geb. 8. Januar 1852 Seidel, Heinrich Robert. - Geb. 29. Dez. 1859 Schüler seines Vetters Christian Wilhelm S., bei dem er am 2. April 1873 in die Lehre trat. Nachdem er in mehreren Werkstätten als Gehilfe gearbeitet hatte, machte er sich im März 1884 selbständig und trat ein Jahr später in die Innung ein. Er arbeitet unter anderem nach dem Seidelmodell. Auch sein Sohn wurde Geigen- macher. Seidel, Johann Georg. — Geb. 26. Februar 1760, t 22. Dezember 1813 Sohn und Schüler von Johann Michael II S. Seine Gei- gen, die die Brandmarke I. G. S. tragen, kommen nicht gerade selten vor. Er hat viele gewöhnliche Schul- geigen, aber auch einzelne bessere Instrumente gemacht. Seidel, Ehrhard. t 1893 Oldenburg i. Gr. 1850. Ein Instrumentenmacher, der sich auch mit der Her- stellung von Geigen beschäftigte, ohne darin Beson- deres zu leisten. Seidel, Paul. — Berlin, f 1 . Juni 1915 Ein talentvoller Geigenmacher, der als treuer Mitarbei- ter bei Emil Pliverics Gelegenheit hatte, seine Ge- schicklichkeit zu beweisen. Sein Heldentod auf einem russischen Schlachtfeld entriß ihn vorzeitig seiner Kunst. Seifert (Seiffert), Georg. — Marburg (Hessen). 1850. 1880 Er stammte aus Gersfeld und arbeitete sauber nach Guarneri. Er war vielleicht ein Schüler von Kaudetzky. Apoth. E. Meisner in München-Nymphenburg besitzt eine gute Viola von ihm mit braunem Lack und doppel- ter Einlage. Die Schnecke ist etwas flach, aber sauber gearbeitet. In einer seiner Geigen liest man : In usum Dom. Wolff Music. Dir. Univers. lit. / fecit Georgius Seifert, Gersfeldensis / Marpurgi anno 1877 (gedruckt). Seifert, Otto. — Berlin. Geb. 23. Dezember 1866 zu Markneukirchen i. S. Im Jahre 1880 trat er bei Albin Brückner in die Lehre, arbeitete dann als Gehilfe bei Heckel in Dresden und von 1885—1886 bei David Bittner in Wien, 1887 bei Rieger in München. Später arbeitete er noch in Frank- furt a. 0. und Berlin usw., machte sich Ende 1896 in Berlin selbständig und betreibt als Spezialität den Ba 462 Seil eiler Seil as von Streichinstrumenten nach Dr. Großmanns Theorie wobei er insofern mit dem Erfinder zusammen ar- beitete, als dieser Seifertsche Geigen nachprüfte und einen dementsprechenden Vermerk in die Geigen ein- trug. Seine ersten Geigen zeigten im Äußeren manche Übereinstimmung mit den Werken der alten deutschen Schule. In neuerer Zeit verband er sich mit Dr. Groß- mann u. a. zur Gründung der Geigenfirma »Neu Cre- mona«. Geigenzettel : Gebaut nach Dr. Grossmann's Theorie / mit im Quintverhältniss abgestimmten Re- / sonanz- platten von / Otto Seifert in Berlin 1899 (gedruckt) Seiler s. Sailer Seitz, Georg. — Bayreuth. 1843. 1853 Nur als Reparateur bekannt. Geigenzettel : Reparirt Georg Seitz / in Bayreuth 1 853 (gedruckt). Seiz (Seitz), Anton. — Mittenwald. Lebte um 1842 Obwohl er sehr kränklich war, baute er seiner Zeit in Mittenwald die schönsten Geigen nach Stradivari, die auch durch ihren leuchtenden Ollack hervorragen. Da er aber fast ausschließlich für M. Neuner (Nr. 94) ar- beitete, ist er beinahe ganz unbekannt geblieben. Mittenwald. 1750. Seiz (Seitz), Bernhardus. 1793 Seine Arbeit ist im ganzen recht gut, wenn er auch unter den Mittenwaldern nur als Meister zweiten Ranges gilt. Seinen Taufnamen schreibt er manchmal auch »Pernhardtus«. Geigenzettel : Bernhardus Seitz, in Mitten / Waldt 1 750 (gedruckt). Seitz, Ferdinand. — Mittenwald. 1841 Angeblich ein Bruder von Anton S., dem er sehr nahe- kam. Seiz, Franz. — Mittenwald 1 760. 1 768 Ein guter Mittenwalder Meister, wenn auch keiner der hervorragenden. Seiz, Franz Xaver. 12. Februar 1761. Mittenwald. Geb. 799 Sohn von Franz Seiz. Ihm dürfte eine recht gute Bratsche, mehr an Stainer als an Klotz erinnernd, zu- zuschreiben sein, die den Zettel trug: Fr. Seitz Geigen Macher / in Midtenwalt an der Iser / 1799 (geschr.). Seitz, Johann. — Mittenwald. 1919 Arbeitet als Geigenmacher für die Verleger. Seiz (Seitz), Johannes. — Mittenwald. 1771 Vermutlich ein Bruder von Franz S. Geigenzettel: Johannes Seitz in / Mittenwald, a. 1771 (geschrieben). in jungen Seiz, Johann Georg. — Mittenwald. Geb. 26. Februar 1768 Sohn von Franz S. und wohl auch dessen Schüler. Seiz, Joseph. — Mittenwald. 1763. 1790 Vielleicht der beste Geigenmacher aus seiner Familie. Er arbeitete sauber nach dem Klotzmodell und soll viel für die sog. Verleger gemacht haben. Eine Altviola von ihm aus dem Jahre 1 790 befindet sich in der Samm- lung Savoye in Paris. — Ein noch jetzt lebender Joseph S. ist als guter Schneckenmacher geschätzt. Seiz, Martin. — Mittenwald. Geb. 28. Dez. 1767. 1800 Sohn von Joseph S. Die einzige Geige, die ich von ihm sah, war recht mittelmäßig. Seiz, Mathias Ignaz. — Mittenwald. Geb. 31.JuH 1758, t ? Schüler seines Vaters Bernhard S. Er soll Jahren gestorben sein. Seiz (Seitz), Michael. — Mittenwald. 1845 Ein braver Geigenmacher, der hauptsächlich für die Verleger seines Heimatortes arbeitete und daher seinen Namen gewöhnlich nur mit Bleistift auf die Innenseite der Decke schrieb. Sein Lack ist rot, aber dürftig. Geigenzettel: Michael Seitz / Geigenmacher / in / Mittenwald 1845 (gedruckt). Seiz (Seitz), Nikolaus I. — Mittenwald. 1791 . 1799 In einer Viola und einer wohl dazugehörigen Kniegeige fand ich nur den Namen Nikolaus Seitz. Die Arbeit hatte Mittenwalder Charakter, so daß wohl anzuneh- men ist, daß er ein Mitglied der dortigen Familie seines Namens war. Geigenzettel: Nikolaus Seitz in / Mitten Walt 1799 (geschrieben). Seitz, Nikolaus II. — Mittenwald. 1919 Als Violoncellomacher für die Verleger tätig. Selis. — Groningen Ein holländischer Geigenmacher, der nach einen eige- nen Modell gearbeitet hat, über den jedoch nichts Näheres bekannt ist. Sellas, Georgius. — Venedig. 1624. 1627 Wahrscheinlich ein Angehöriger der Familie Seelos (s. d.) und, wie ich vermute, ein Deutscher, der viel- leicht aus Füssen oder Innsbruck nach Venedig ein- gewandert war. Er führte das Ladenschild »alla Stella«, wie aus der Bemerkung bei Baron (1727) hervorgeht, wo es kurz heißt: »Georgius sella alla Stella lebte Anno 1624 in Venedig«. — Wenn hier kein Irrtum bezüglich des Wohnortes^) mit unterlaufen ist, dann haben wir vielleicht einen Bruder von IVlatteo Sellas (»alla Co- rona«) vor uns. Der Vater oder der Sohn würde das ^) Venedig statt Innsbruck. Sella Seraphi 463 Werkstattschild nicht geändert haben. Georgius S. wird übrigens auch von Valdrighi (N. 2918) angeführt. Ar- beiten mit seinem Namen tauchen mehrfach auf, so wurde eine prachtvoll eingelegte Laute von ihm im Dezember 1909 bei Puttik & Simpson in London ver- steigert. Sellas, Matteo. — Venedig. 1600. 1639 Der bedeutendste venezianische Lautenmacher neben Magnus Tieffenbrucker, der vielleicht sem Lehrer war. Von ihm haben sich noch viele treffliche Arbeiten er- halten. Er führte das Ladenschild »alla Corona«, das er auch als Brandmarke verwendete oder durch eine Krone andeutete. Das Liceo comunale dl musica in Bologna besitzt eine große Gitarre von 1639 von ihm, im South Kensington-Museum war 1872 eine Baßlaute ausgestellt, im Museum des Pariser Konservatoriums befinden sich zwei Lauten (Nr. 230, 231), im Brüsseler Konservatorium ein Chitarone und eme Laute bei Claudius in Kopenhagen von ihm. Das Musikhisto- rische Museum von W. Heyer in Köln enthält eine Mandoline, eine Gitarre und eine Theorbe und die Sammlung Correr in Venedig mehrere Calascionen dieses Meisters. Brandmarke: Alla Corona (oder Krone darunter M. S.) Geigenzettel : Matteo Sellas / alla Corona in Venezia (gedruckt). Seile, Hans. — Czarnlkau (Posen). 1900. 1901 Ein Dilettant, der sich mit Geigenausbesserungen be- schäftigte, auch lackierte und vorher die Instrumente mit Saffran grundierte. Seile, Louis. — Mühl hausen, Erfurt. 1861. 1865 Er wohnte 1861 noch in Mühlhausen und 1863 und noch 1865 in Erfurt. Ich kenne ihn nur aus Reparatur- zetteln. Selling, 0. F. — Stockholm. 1851 Als Wiederhersteller alter Instrumente nicht unge- schickt. Sellos s. Seelos Sembera s. Schembera Semola s. Simone dal Liuto Seni, Francesco. — Florenz. 1634 Sohn des Vincenzo S. Ein wenig bekannter Lauten- und Geigenmacher. Sennewald, Carl. — Rudolstadt, Berhn. Geb. 23. Mal 1888 in Aachen Er wollte ursprünglich Elektrotechniker werden und bereitete sich dazu durch den Besuch des Kaiser- Wilhelm-Gymnasiums in Aachen und der Oberreal- schule in Magdeburg vor. Sein Interesse am Geigenbau bestimmte ihn aber, diese Absicht aufzugeben. Nach- dem er sich durch Selbststudium und praktische Arbeit genügend vorgebildet hatte, trat er bei einer Markneu- kirchener Geigenfirma als Volontär ein und machte da so rasche Fortschritte, daß ihm sein Lehrherr schließ- lich ein glänzendes Zeugnis ausstellte. Bereits im Jahre 1905 machte er in München seine ersten Geigen. Er stimmt Decke und Boden harmonisch ab, ahmt die Modelle von Stradivan und Guarnen nach und ver- wendet altgoldgelben, rötlichen oder altbraunen Lack. Er bezeichnet jede seiner Geigen mit einem weiblichen Vornamen, klebt einen handschriftlichen Zettel ein und bringt im Innern einen Monogrammstempel an. Von 1907 — 1910 war er in Rudolstadt ansässig und über- siedelte im Januar 1911 nach Berhn. Seine Arbeiten werden von hervorragenden Geigern gelobt. Senta, Felicio (oder Fabrizio). — Turm. An- fang des 18. Jahrhunderts Wenig hervortretender Lauten- und Geigenmacher, der auch in Florenz gearbeitet haben soll. Eine Diskant- viola dl Gamba von ihm ist in Kopenhagen, eine gute Viola d'amore in Florenz. Auch im Verzeichnis der Musikinstrumente des Herzogs von Florenz, das Cristo- fori 1716 angefertigt hat, wird er erwähnt: Nr. 40 »Un bassetto di Fabrizio Senta, di Tunno ...<<. Sentchordi, Hermanos. (-Gebrüder). — Valencia. 19. Jahrhundert Ihre Gitarren und Bordonen waren recht gut. Ob die Geigen, die in ihrem Geschäfte verkauft wurden, von ihnen selbst gebaut waren, konnte ich nicht fest- stellen. Serangeli. — Paris. 1773 Er soll ein geborener Römer und Schüler eines nicht nachweisbaren Pariser Meisters David gewesen sein. Nach seinem Zettel wohnte er in der Rue Jean Jacques Rousseau, Maison Bouillon. Seraphin, Giorgio. — Venedig. 1742. 1747 Enkel oder Neffe von Santo Seraphin, von dem er je- doch nur wenig mehr als den Namen erbte. Die Arbeit, das Holz und der Lack sind gut ; auch die Schnecke ist hübsch geschnitzt; nur der Ton ist zu schwach. Er verwendete auch eine Brandmarke. Geigenzettel: Georgius Seraphin, Sancti nepos / fecit Venetiis 1747 (gedruckt). Seraphin, Santo. — Udine, Venedig. 1678 1737 Seiner eigenen Angabe nach war er ein Schüler von Nicolaus Amati; seine älteren Instrumente lassen je- doch eher darauf schließen, daß er bei einem Tiroler Meister gelernt hat. Er stammte aus Udine, wo er in den ersten 10 oder 20 Jahren seiner Tätigkeit nach- weisbar ist. Es ist ja immerhin möglich, daß er ur- sprünglich bei einem Tiroler gelernt hat und dann als Gehilfe zu Amati gekommen ist. In seinen reifen Wer- ken steht er ebenso unter dem Einfluß Amatis als Fran- cesco Ruggens. Er ist seit mindestens 1710 in Venedig ansässig gewesen und darf unbestritten als der bedeu- tendste venezianische Geigenmacher betrachtet wer- den. In bezug auf die Sorgfalt der Ausführung wird er nur von Stradivari übertroffen. Die F-Löcher und die Schnecke machte er zeitlebens nach Stainer; auch die Wölbung der Decke, die er ziemlich hoch nimmt, hat Anklänge an Stainers Modelle behalten. Der Boden ist 464 Serapine — Sgarbi dagegen wesentlich flacher, die Ecken treten kräftig hervor. Das Holz der Decke ist sehr schön, der Boden meist klein geflammt; von nicht minder hervorragen- der Beschaffenheit ist auch sein rötlicher oder gelb- brauner Lack. Wie nicht anders zu erwarten, ist der Ton wundervoll klar, gleichmäßig und edel, so daß es begreiflich erscheint, wenn für seine Violinen große Summen bezahlt werden. Ebenso trefflich und ebenso gesucht sind seine Violoncelli und seine Bässe. Auf seinen älteren, aus Udine datierten Zetteln nennt er sich einen Amatischüler; seine Venezianer Zettel haben die auf Zettel 674 abgebildete bekannte Umrah- mung. Außerdem brannte er auch seinen Namen in seine Instrumente ein, wobei die Schrift hell auf dunk- lem Grunde erscheint. Gewöhnlich liest man oberhalb des Knopfes Santo und unterhalb Seraphin. Wenn Vidal auf einem älteren Zettel die Jahreszahl 1648 liest, so ist die Zahl entweder gefälscht oder muß 1678 gelesen werden. Eine schöne Violine von ihm besitzt unter anderen Theodor Hämmerle in Wien. Geigenzettel: Abb. 674 und 71 1 . Serapine, G. — Neapel Ein Mandolinenmacher vom Ende des 19. Jahrhun- derts. Serasati (Scrosati?), Domenico. — Neapel. 1710. 1775 Obwohl er bei Lebzeiten einen gewissen Ruf besaß, gelang es mir nicht, eine zweifellos echte Arbeit von ihm kennenzulernen. Er scheint später nach Mailand übergesiedelt zu sein. G. Siefert in Leipzig besitzt von ihm eine Viola von unbedeutender Arbeit, aber guter Wölbung, der Lack stark braungelb, mit dem ge- schriebenen Zettel : GioH' Domenico Scrosati / Fece in Milano al Segno / del Colosso 1775. Dennoch steht nicht einmal der Name einwandfrei fest, oder es gab zwei Meister mit gleichem Taufnamen und ähnlich klingenden Familiennamen. Serdet, Paul. — Paris. Geb. 10. Januar 1858 in Mirecourt Schüler von Gaillard und Derazey, arbeitete von 1877 bis 1883 in Lyon bei H. C. Silvestre, siedelte mit ihm nach Paris über und blieb weiter bei ihm bis 1894, in welchem Jahre er seine eigene Werkstatt eröffnete. Seine Arbeit ist künstlerisch; er arbeitet nach Stradi- vari und Guarnen und verwendet Ollack. Nachdem er schon 1889 eine silberne Mitarbeitermedaille erhalten hatte, wurde er 1900 in Paris für seine Geigen mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Geigenzettel : Abb. 688. Serelnicki, Alexander. — 1791 Ein polnischer Lautenmacher, von dem Fritz Wild- hagen in Haiensee bei Berlin in seiner Sammlung eine mit Perlmutter eingelegte Cister mit konvexer Rosette besitzt. Serri, Piero. — Florenz. 1730 Eine kleine florentiner Mandoline im Kölner Musik- historischen Museum trägt einen geschriebenen Zettel mit diesem sonst nicht bekannten Namen. Settani, Pasquale, lebt in Brooklyn Setzer, August. — Budapest. Geb. 1859, t 6. Dezember 1896 Schüler von Engleder. Als Geselle arbeitete er bei W. J. Schunda, ferner in Wien, Dresden und Stuttgart usw. und machte sich 1887 selbständig. Solange er gesund war, galt er als ein recht geschickter Geigenmacher; langandauernde Krankheit aber verhinderte es, daß er zur eigentlichen Vollendung kam. Sexton, John. — London. 1720 Sem Name findet sich in einer Violine im Besitz von J. T. Chapman. Seyd, Ernest August. — London. Geb. 28. Juni 1866 in London Sohn eines Londoner Hotelbesitzers deutscher Ab- stammung '). Er hat eine gediegene musikalische Aus- bildung erhalten, spielt alle Instrumente und ist ein Virtuose auf dem Saxophon. Das Geigenmachen be- treibt er zwar nur aus Liebhaberei, aber mit großem Ernst und schönem Erfolg. Er studierte die alten Mei- ster und fertigte mehrere Kopien nach Stradivari an, hat aber schließlich sein eigenes Modell gefunden, das auch in den Umrißlinien manche Abweichungen von den italienischen Vorbildern aufweist. Geigenzettel: Ernest August Seyd. fecit / Londini. Anno Domini MDCCCXC (gedruckt). Seymour. — Leamington. 1889 Eine gut gebaute Violine mit seinem Namen ließ eine geschickte Hand erkennen. Sgarabotto, Cavaliere Gaetano. — Mailand. Vicenza, S. Feiice. 1910. 1920 Ein geschickter Geigenbauer, der schon auf der Turiner Ausstellung eine silberne Medaille erhielt und sich seit- her sehr vervollkommnet hat, so daß er jetzt als einer der besten unter den lebenden italienischen Geigen- bauern gilt. Auch als Kenner alter Instrumente ist er sehr geschätzt. Sgarbi, Antonio, ein im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in Rom ansässiger Instru- mentenmacher. Daselbst bestand auch eine Firma: Gius. Sgarbi & Figli Sgarbi, Giuseppe, gen. Jarino. — Finale nell' Emilia (Modena) 1841. 1887 Ein geschickter Geigenmacher, der für seine Violinen, Violen, Violoncelli und Bässe mehrfach Medaillen er- hielt. Er bevorzugte ein flaches Modell. Sein Lack ist nicht schlecht ; namentlich der rote besitzt gute Eigen- schaften. Im Jahre 1894 wurde Messori sein Nach- folger. ^) Vgl. Genealogisches Handbuch bürgerlicher Fami- lien. Bd. II (Charlottenburg 1889, Mähler). Sliackleton — Siebenhünef 465 Shackleton, Daniel. — Bedford. 1888 Besser als Violinen gelangen ihm Violen. Shaw, John. — London. 1655. 1698 Eine Anzahl recht guter Violen trägt seinen Zettel mit der Angabe seines Ladenschilds und seiner Wohnung. Er wurde zum Hofgeigenmacher ernannt. Geigenzettel: John Shaw att the Goulden harp / and Hoboy nere the May pole / in the Strand 1656 (ge- druckt). — lohn Shaw at the golden Harp and Ho- / Boy, next door to the Fountain Tavern / in the Strand near the Savoy London / 1 688 (gedruckt). Shaw, Thomas. — Cove. Geb. 13. März 1864 Ein Liebhaber, der etwa ein Dutzend Violinen nach Stradivari gemacht hat und roten Bernsteinlack ver- wendet. Geigenzettel: Tom Shaw / Cove / Dumbartonshire. (geschrieben). Shrimpton, ein australischer Geigenmacher, der seit mehr als 20 Jahren in West Geelong (Victoria) ansässig ist Shrosbee, Henry James. — Adelaide Seine Geic:en gelten als recht gut und sein Lack wird gelobt, auch hat er einen neuen Steg erfunden. Siani, Valentine. — Florenz. 1630. 1640 Zierliche Geigen und gute Violen mit hübschem, gelb- braunem Lack tragen seinen Namen. Geigenzettel: Valentine Siani / Florent. 16 . . (gedr.). Siciliano (Ciciliano), Antonio. — Venedig 1630. 1660 Arbeiten von ihm sind mehrfach erhalten, die ihn als tüchtigen Meister erkennen lassen. Er stammte aus Bo- logna und nannte sich daher zeitweise auch kurzweg »Antonius Bononiensis*, z. B. auf dem Zettel einer Gamba mit abgerundeten Ecken im Museum des Lyceo filarmonico in Bologna. In einer Baßviola da Gamba (in derselben Sammlung) schreibt er seinen Namen Ciciliano. Vidal macht drei verschiedene Mei- ster daraus: 1. Ant. Ciciliano, 2. Ant. Siciliano und 3. Ant. Bononiensis. Ein Chitarrone (rom. Theorbe) besitzt die staatl. Sammlung in Berlin mit geschmack- voller Rose (Nr. 722). In der Sammlung des Grafen Correr in Venedig befindet sich eine Viola da Gamba von ihm. Eine Theorbe mit doppeltem Wirbelkasten bewahrt das städtische historische Museum in Frank- furt a. M. (1,95 m lang). Eine ganz aus Elfenbein ge- baute Laute mit fünf Doppelsalten und hübschem mit Maßwerk durchbrochenem Dachstern besitzt C. Clau- dius In Kopenhagen. Ein vollständiges Gambenterzett findet sich in der Wiener Sammlung alter Musikinstru- mente. De Piccolellis führt nur den Namen Siciliano ohne weitere Bemerkungen an. Geigenzettel: Abb. 681. Siciliano, Gioacchino. — Venedig, 1670. 1680 Sohn des Antonio S. Nach anderen lautet sein Tauf- name Giov. Battista, und so wird sein Name auch in dem Katalog der Sammlung Correr in Venedig an- gegeben, wo eine Gamba von ihm aufbewahrt ist. V. Lütg'eiidoiff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II Sidtler (Sidler, Sittler), Gregor. — München. 1762. 1800 Schüler von Seb. Wolfram in München. Zu seiner weiteren Ausbildung ging er nach Wien und wurde nach Kämbls Tod nach München berufen als »Geigen- und Lautenmacher der Hofinusik«. Er folgte diesem Rufe und kaufte das Geschäft seines Lehrmeisters Wolfram. Obwohl er ein geschickter Meister war, ver- stand er es doch nicht, sich mit den Herren bei Hof gut zu stellen, und als Claudius Boiteux sich 1786 in München niederließ, war es diesem nicht schwer, ihn völlig zu verdrängen. Erst nach dem Wegzug des Boi- teux von München um 1 799 erhielt er wieder Aufträge von der Intendanz. Geigenzettel : Gregorius Sidtler fesit / Monachij Anno 1791 [Initialen im Kreis] (gedruckt). Sidvab, Svalsecnew s. Baudis Siebenhüner, Anton. — New York, Zürich. Geb. 1851 in Schönbach Schüler von Gabriel Lemböck in Wien. Als Gehilfe arbeitete er zunächst zwei Jahre in Budapest bei A. Eng- leder und ging dann zu dessen Bruder Andreas E. nach München und dann wieder nach Wien zu Th. Zach. Nach kürzerem Aufenthalt in Leipzig und Berlin trat er 1872 als erster Mitarbeiter bei Georg Gemünder in New York ein, machte sich z.vei Jahre später dort selb- ständig. Im Jahre 1876 erhielt er auf der internationalen Ausstellung in Philadelphia den ersten Preis, kehrte aber 1878 krankheitshalber wieder nach Europa zu- rück und begründete in Zürich sein heute noch blü- hendes Geschäft. Er arbeitet sehr sorgfältig nach Stra- divari, hat gutes, altes Tonholz und verwendet einen feurigen, meist roten Lack, der sich sehr gut bewährt hat. Auch als Reparateur und Bogenmacher erfreut er sich des besten Rufs. Im Jahre 1915 nahm er seinen jüngsten Sohn als Teilhaber in das Geschäft auf, des- sen Firma jetzt A. Siebenhüner & Sohn heißt. Auch seine Tochter ist seine gelehrige Schülerin und arbeitet fleißig mit. Geigenzettel: Anton Siebenhüner/ Zürich Anno 19 . . [Initialen und Kreuz, in einem Kreis] (gedruckt). — Anton Siebenhüner / Zürich Anno 18 . . [Initialen und Ki'euz, in einem Kreis] (gedruckt). Siebenhüner, Bernhard. — Schönbach b.Eger, 1778. 1826 Er wohnte Haus Nr. 208 und war in seiner Weise nicht ungeschickt. Seine Geigen haben zwar kein be- sonders schönes Modell, klingen aber meist recht gut. Siebenhüner, Josef. — Schönbach b. Eger. 1826 Wahrscheinlich ein Sohn von Bernhard S. und diesem in der Arbeit sehr ähnlich. Siebenhüner, Karl. — Zürich. Geb. 1885 in Zürich Jüngster Sohn und Schüler von Anton S. Seine Aus blldung schloß er bei Thibouville-Lamy in Mirecour ab, wo er dann auch in anderen Werkstätten arbeitete. 30 466 Siebenhüner — Silva Nach vierjährigem Aufenthalte kehrte er 1906 nach Zürich zurück, wo er seine vielfachen Erfahrungen zum Vorteil der väterlichen Werkstatt verwendete, die er sehr gut zu vergrößern verstand. Er ist ebenso geschickt und begabt wie sein Vater und hat auch die seit vielen Jahren angelegte Sammlung alter Meistergeigen in wertvoller Weise zu bereichern gewußt. Siebenhüner, Martin. — Schönbach b. Eger. 1826 Vielleicht Josef S.s Bruder. Auch seine Geigen sind denen von Bernhard S. ähnlich. Siebert, Fr. — Berlin. 1895 Bis 1895 Inhaber der Firma Carl Grimm. Siefert, Christian Heinrich. — Eisenach, Leipzig. Geb. 23. Januar 1831 zu Eisenach, t 18. Juni 1889 in Leipzig Er war ursprünglich Besitzer eines Schneidergeschäfts und dabei als Dilettant ein ziemlich guter Geiger. Im Jahre 1861 kam er durch Zufall in den Besitz einer echten Stradivangeige, und seitdem begann er sich auch für das Geigenmachen zu interessieren ; schließ- lich machte er mit den einfachsten Werkzeugen den Versuch, selbst Geigen herzustellen, was ihm bei seiner besonderen Veranlagung über alles Erwarten gelang. Tüchtige Musiker wurden auf ihn aufmerksam und ermunterten ihn, sich ganz dem Geigenmachen zu widmen, was er zuletzt auch tat. Er vervollkommnete sich in dieser Kunst immer mehr und erwarb sich bald einen Namen. Im Jahre 1875 siedelte er nach Leipzig über und brachte es durch fortgesetztes Studium da- hin, daß er zu den geschicktesten deutschen Meistern seiner Zeit gerechnet werden kann. Er war Autodidakt, studierte aber unablässig die Werke Stradivans und besonders die in seinem Besitze befindliche Geige, die er sich zum Vorbild genommen hatte. In der Arbeit war er ungemein gewissenhaft ; das Holz wählte er so sorgfältig als nur möglich und bildete sich schließlich ein eigenes Modell (drei verschiedene Patrone). Übri- gens fertigte er zu jeder Geige eine eigene Zeichnung an. Bratschen und Violoncelli hat er nur selten gemacht. Seine Violinen tragen einen handschriftlichen Zettel, und solche, an denen fremde Hände mitgearbeitet haben, sind ausdrücklich als »Schülergeigen« bezeich- net. Sein Lack ist schön und wirkt nur deshalb zu hell, weil er das Holz vorher zu beizen oder zu färben ver- schmähte. Der Ton ist edel, die Ansprache weich, und seine Violinen gehören zu denen, die versprechen, von Jahr zu Jahr besser zu werden. Daß er bei der Gewissen- haftigkeit, die ihn auszeichnete, auch ein trefflicher Wiederhersteller alter Geigen war, ist kaum besonders zu erwähnen. Siefert, Gustav. — Leipzig. Geb. 23. März 1856 Sohn, Schüler und Nachfolger von C. Heinrich S. dessen Werkstatt er 1889 übernahm, nachdem er vor- her schon seit 18 Jahren der Gehilfe seines Vaters ge- wesen war. Seine Arbeit kommt der seines Vaters gleich und ist in bezug auf Holz und Lack tadellos. Er be- sitzt viele Anerkennungen erster Meister und wohl- verdiente Auszeichnungen. Siegert, Franz. — Schönbach b. E. 1826 Unter den Meistern, die 1826 der Innung angehörten, findet sich auch dieser Name. Siemenroth, A. F. — Küstrin. 1870 Ob die neuen Geigen mit seinem Zettel in allen Teilen von ihm selbst gemacht sind, will ich nicht entscheiden ; dagegen scheint er im Ausbessern und Wiederherstellen Sorgfalt und Geschicklichkeit besessen zu haben. Geigenzettel : .Aptirt und Reparirt von , A. F. Siemen- roth / in Cüstrin 1870 (gedruckt). Sienkievicz. — Reczyca. Anfang des 19. Jahr- hunderts Seine Geigen sind nicht schlecht gearbeitet, kommen jedoch selten vor. Geigenzettel : Sienkievicz / in Reczyca. (geschrieben). Siercks, Martin. — Lübeck. 1712. 1714 Ein Instrumenten- und Klaviermacher, der im An- fange des 18. Jahrhunderts in Lübeck mehrfach er- wähnt wird. Sigismondo, Mastro. — Venedig. 1514 Ein deutscher Lautenmacher, der jedenfalls mit Sigis- mund Maler (s. dort) identisch ist. Signorini, Serafino, arbeitete seit etwa 1875 in Florenz als Geigenmacher Sikora s. Sykora Silier vgl. Syller Silier, Johann. — ? Eine dunkel lackierte Violine trug einen schwer leser- lichen Zettel; die Jahreszahl fehlte, und der Ort war nicht zu entziffern. Vielleicht gehört er derselben Fa- milie wie Veit Syller an. Silliwanow. — Zarewokokschaisk (Gouv. Kasan, Rußland). 1900 Russischer Streichinstrumentenmacher der Gegenwart. Silva s. auch Vieira Silva, Joäo Maria da. — Lissabon. 1887. 1897 Portugiesischer Gitarren- und Mandolinenmacher, der auf der Lissaboner Ausstellung 1888 den ersten Preis für das beste nationale Musikinstrument erhielt. Seine Gitarren zeichnen sich durch guten Ton, schöne Ein- legearbeit und öfters auch durch hübsch geschnitzte Köpfchen am Wirbelkasten aus. Silva, Julio Thomas da. — Porto. 1899 Wie die meisten Instrumentenmacher der Gegenwart in Portugal macht auch dieser nur Gitarren und Man- dolinen. Silvestfe — Simon 467 Silvestre, Hippolyte. — Lyon. Geb. 14. Dez 1808 in Saint-Nicolas-de-Port, f in Sommer- villers 3. Dezember 1879 Jüngerer Sohn von jenem Pierre S., der bis 1790 m Luneville Benediktinermönch gewesen ist, und durch die Stürme der Revolution aus seinem Kloster getrie- ben und Lehrer in Mirecourt geworden war. Hippo- lyte war acht Jahre alt, sein Bruder fünfzehn, als der Vater starb und die Familie mittellos hinterließ. Beide mußten es daher für ein Glück ansehen, daß Meister Blaise sie in die Lehre nahm. Hippolyte ging später noch zu J. B. Vuillaume nach Paris, wo er seine Aus- bildung abschloß. Im Jahre 1831 trat er als Teilhaber in das Geschäft seines Bruders Pierre ein, wo er bis 1848 blieb. Später zog er sich nach Sommervillers zu- rück. Nach dem Tode seines Bruders übernahm er 1859 die Werkstatt wieder und behielt sie bis 1865. Er ging dann abermals nach Sommervillers, wo er auch starb. Seine Arbeit war künstlerisch und sicherte ihm einen dauernden Nachruhm. Silvestre, Hipp C. ('Silvestre neveu«), s. Chretien Silvestre, Pierre. — Lyon. Geb. 9. August 1801 in Sommervillers (Meurthe), f 1859 in Lyon Schüler von Blaise in Mirecourt. Als Gehilfe arbeitete er bei Lupot und Gand-Vater in Paris und vollendete bei diesen seine künstlerische Ausbildung. Im Jahre 1829 eröffnete er in Lyon seine eigene Werkstatt, die er von 1831 an in Gemeinschaft mit seinem Bruder Hippolyte führte, der jedoch nur bis 1848 bei ihm blieb. Pierre Silvestre arbeitete dann allem weiter und kam zu hohem Ansehen. Er war ein geschickter Mei- ster, dessen Arbeiten nicht nur im Ton, sondern auch in der äußeren Durchführung tadellos sind. Er schnitzte auch gern Frauenköpfchen, Porträts u. dgl. am Wirbel- kasten und folgte im allgemeinen dem Stradivanmodell. Er hat an 350 Violinen und Violoncelli gemacht und wird seinem Bruder Hippolyte entschieden vorgezogen. Nach seinem Tode kam seine Werkstatt an seinen Bru- der zurück und ging von diesem auf Pichon über, von dem sie Hippolyte Chretien, Neffe der Brüder Sil- vestre, übernahm. Eine Violine von tadelloser Arbeit und wundervollem Lack von ihm vom Jahre 1854 be- sitzt Universitätsprofessor Dr. Disselhorst in Halle a.S. Leider hat das Instrument wenig Ton, da das Holz gebacken ist. Demnach scheint auch er mißglückte Ver- suche mit künstlich alt gemachtem Holze vorgenom- men zu haben. Im allgemeinen aber sind gerade seine Violinen wegen ihres edlen, gesangreichen Tons denen seines jüngeren Bruders vorzuziehen. Geigenzettel: Abb. 685, 703, 761. Silvestre & Maucotel. — Paris Im Jahre 1900 vollzogene Vereinigung von Hipp. C. Silvestre und Ernest Maucotel. Geigenzettel: Abb. 707. Silvestri, Francesco. — Verona. 1808 Er soll auch an anderen Orten gearbeitet haben, ist aber nur als Gitarrenmacher bekannt geworden. Simbalcli, Giuseppe. — Rimini. 1741 Einen Geigenmacher dieses Namens führt Valdrighi (4416) an. Ich vermute, daß der Name richtig Sinibaldi lauten muß. Simcock, John. — Bath. 1700 Von ihm ist ein »Bellharp« genanntes Psalterium, des- sen Korpus den Umriß einer Glocke zeigt, bekannt. Simensen, M. — Fredrikshald. 1840 (?) Ein ncweg. Artillerist, der sich aus Liebhaberei mit dem Geigenbau beschäftigte. Geigenzettel : Repareret af Artillerist / M. Simensen / 1 F-Hald 18 (unleserlich) (geschrieben). Simmann (Simann), Franz. — (Mittenwald) 1838 Seiner Arbeit nach zweifellos ein Mittenwalder, wenn er auch seinen Wohnort auf seinen Zetteln nicht angibt. Geigenzettel : Franz Simann / Geigenmacher in Tirol / 1838 (lith.). Simman, Georg. — Mittenv^ald. 18. Jahr- hundert Sein Name ist in der Literatur merkwürdigen Entstel- lungen ausgesetzt. Während einige Simon lesen, lesen wieder andere Stimmann, Valdrighi gar Umman, und doch gehört gerade Georg Simman zu den besseren Mittenwaldern, und hat namentlich auch schöne Violen (auch d amore) gemacht. Simman, Johann Michael. — Mittenwald. 1765. 1785 Ein tüchtiger Meister, von dem einzelne Geigen den besten Arbeiten der Familie Klotz gleichkommen. Eine mit Elfenbein eingelegte Gitarre von ihm aus dem Jahre 1780 besitzt W. Heyers Musikhistorisches Mu- seum in Köln. Geigenzettel: Johann Michael Simman Geigen / macher in Mittenwald an der Isar / 1765 (gedruckt) und Abb. 741. Simman, Matthias. — Mitten wald. 1919 Guter Lauten- und Gitarrenmacher. Simo Gabor. — Marosväsärhely. 1913 Ein Lehrer, der aus Liebhaberei originelle Geigen baut, die er ohne Einlagen läßt und auch nicht lackiert, die aber trotzdem nicht schlecht klingen sollen. Simon. — Lyon. 1568. 1573 Dieser Lautenmacher kommt merkwürdigerweise in den Urkunden nur mit seinem Vornamen vor — die Stelle für seinen Familiennamen ist in den Schrift- stücken freigelassen — ; er wird dabei als »joueur et faiseur de luths« bezeichnet und wohnte im Quartier St. Paul, Rue de la Pomme-Rouge. Vgl. Coutagne, Duiffop. 30* 468 Simon Simon. — Brüssel. 1757. 1772 Am bekanntesten durch seine an der Harfe angebrach- ten Verbesserungen. Simon. — Paris. 1801 Wenig bekannter Reparateur. Vielleicht mit Claude Simon verwandt. Simon, Claude. — Paris. 1783. 1800 Er war wahrscheinlich der Sohn der *Witwe Simon«, deren Geigen 1785 sich eines gewissen Rufes erfreuten. Er selbst wohnte Rue de Grenelle-Saint-Honore und dürfte mit seiner Mutter aus Mirecourt nach Paris ge- kommen sein ; seine Arbeit zeigt stets den Mirecourter Stil seiner Zeit. Simon, Fran^ois. — Mirecourt. 1785 Bis jetzt der älteste bekannte Geigenmacher seiner Familie. Simon, Franz. — Salzburg. Geb. 1757 in Mittenwald, f im Juni 1803 (1804?) in Salz- burg Er dürfte zur Familie Simman gehören und erhielt 1 791 das [Bürgerrecht in Salzburg. Er war fürstbischöfl. Hof- Lauten- und Geigenmacher und verfertigte alle Arten von Geigen und Lauten. Seine Arbeit ist gut und steht der Klotzschule nahe. Er hat, wahrscheinlich als Ton- versuche, auch Geigen gemacht, bei denen sowohl Decke als Boden aus Fichtenholz sind. Das städtische Museum Carolino-Augusteum in Salzburg besitzt sechs Instrumente von ihm. Er ist der einzige Geigenmacher, der in Benedikt Pillweins Salzburger Künstlerlexikon (1823) erwähnt wird, und zwar mit Ausdrücken höch- sten Lobes. Pillwein schöpft dabei aus einem Manu- skript des Historikers Hübner und gibt 1803 als Todes- jahr an. Im Archiv der k. k. Landesregierung in Salz- burg wird aber der Geigenmacher »Franz Simoni« noch 1804 erwähnt. Geigenzettel: Franz Simon. Hof- und bürgerl./ Lauten- und Geigenmacher zu / Salzburg 1 795 (gedruckt) und Abb. 734. Simon, Hermann. — Essen. Geb. um 1859 Er ist städtischer Kirchhofsgärtner und Totengräber und baut seit 1887 aus Liebhaberei Geigen. Zum Vor- bild nahm er sich eine Magginigeige vom Jahre 1647, nimmt aber die Wölbung flacher. Sein Holz kauft er in Markneukirchen und hat es schließlich ohne Lehr- meister zu einer gewissen Geschicklichkeit gebracht. Simon (Siman), Ignaz. — Haidhausen (bei München). Geb. 15. Februar 1789 in Mittenwald, f 16. März 1866 in München Nach G. Kinskys Ermittlungen war er ursprünglich Ziegelarbeiter, der es durch unablässigen Fleiß und besondere Begabung dazu brachte, seiner Zeit der beste Münchener Zithermacher zu werden. Er stand bei Herzog Max in besonderer Gunst und hat diese auch verdient Ich kenne nur Zithern von ihm, die älteste mit der Jahreszahl 1810, doch gibt es auch Zettel von ihm, auf denen er sich ausdrücklich als Geigen- macher bezeichnet. Ein solcher findet sich in einer 1844 gebauten Schlagzither im Kölner Musikhistonschen Museum (Nr. 450), das noch vier gleiche Instrumente von ihm aus den Jahren 1842 — 1851 besitzt. Eine bay- rische Zither von ihm ist m der staatl. Sammlung in Ber- lin (Nr. 623), je eine gleiche im Museum zu Landsberg und bei C. Claudius in Kopenhapgen. Seine Werkstatt übernahm sein Pflegesohn Johann Haslwanter, der dieser schon seit etwa 1851 vorstand. Geigenzettel: Ignatz Simon Zittermacher / in Haid- hausen 1839 (gedruckt). — Repariert / Ignaz Siman / Saiten u. Instrumentenmacher / in Haidhausen / bei München 1850 (gedruckt). Simon, Johann. — Großwardein Von Dr. J. Geiger erwähnter Geigenmacher unserer Zeit. Simon, Johann. — Mittenwald. 1812 Seine Gelgen sehen etwas unbeholfen gemacht aus, sind aber nicht uninteressant. Sein Lack ist hellbraun. Simon, Johann Baptist. — Mittenwald. 1786 Vielleicht ein Schüler eines Hornsteiner. Geigenzettel : Johann Babtist Simon in / Mittenwald ao 1786 (geschrieben). Simon, P. — Paris. Geb. 1808 in Mirecourt, f Paris Dezember 1882 Sehr guter Bogenmacher, der 1838 nach Paris kam und hier ein Schüler vonD.Peccatte wurde, dessen Geschäft er 1847 kaufte, nachdem er vorher jahrelang bei Vuil- laume gearbeitet hatte und seit 1846 selbständig war. Von 1848 — 1851 arbeitete er mit Henry zusammen, seitdem aber immer eillein. — Marke: Simon, Paris. Simon, Rene. — Auch (Dep. Gers). Geb. 1844 in Castera-Verduzan (Dep. Gers) Sein Vater war ein reisender Musikinstrumentenhänd- 1er und brachte ihn 1860 nach Mirecourt zu Fran^ois Salzard in die Lehre, wo er auch mit Joseph Hei ein dauerndes Freundschaftsbündnis schloß. Er arbeitete dann nacheinander bei Lab. Humbert, Grandjon, Ni- colas Vuillaume und August Darte, 1866 bei Guerin in Marseille und 1867 bei Gautrot in Paris. Im Jahre 1873 machte er sich in Auch selbständig; ursprüng- lich wollte er da nur vorübergehend arbeiten, schließ- lich blieb er aber dauernd da. Seit 1880 verwendet er einen trefflichen Ollack, den er selbst zubereitet. Seine Arbeit ist sehr schön ; er pflegt die Überlieferungen der Vuillaumeschen Werkstatt, in der zehn Jahre lang ge- arbeitet hat, und besitzt mehrere Ausstellungsmedaillen. Simon, Thomas Stani. 1870 Mittenwald. 1820. Wahrscheinlich ein Verwandter von Franz S. und wie dieser wohl ein Abkömmling der Familie Simman. Er war Gitarrenmacher und verkaufte seine Arbeiten als Hausierer. Um seinen Konkurrenten sein Absatzgebiet nicht zu verraten, spielte er gewöhnlich abends im Gasthaus zur Post Karten, machte sich dann nach Simone — Simpson 469 10 Uhr auf den Weg nach Innsbruck und war, ohne daß seine Abwesenheit bemerkt worden war, am anderen Abend rechtzeitig wieder bei seiner Kartenpartie. Er legte so einen Weg von etwa 70 km zu Fuß zurück, und das noch in einem Alter von 60 Jahren. Simone dal Liuto. — Brescia. 1580. 1592 Er wird mehrfach als Verkäufer von Lauten und Gei- gen erwähnt, die er wohl auch selbst angefertigt haben dürfte. Es liegt nahe, ihn mit jenem Simone Semola zu identifizieren, von dem Sekretär G. Endres in Fürth eine Geige besitzt mit dem Zettel: Simone Semola fecit Bresciae 1 592 / De onore tutti II Sannti (gedruckt). Simonet, Etienne. — Mons. 1730 Ein wenig bekannter belgischer Gelgenmacher, von dem sich ein Violoncello aus der Snoeckschen Samm- lung In Berlin befindet. Gelgenzettel : Falt par Etienne Simonet / ä Mons, 1 730 (gedruckt). Simonetta s. Raynaldi Simonin, Charles. — Mirecourt, Genf, Tou- louse. Geb. um 1815 in Mirecourt, lebte noch 1875 Vielleicht der Sohn eines gleichnamigen MIrecourter Meisters und Enkel eines 1750—1766 vorkommenden Michel S. Schüler von J. B. Vulllaume und später einer von dessen geschicktesten Gehilfen. Nachdem er sich verheiratet hatte, arbeitete er eine Zeidang für sich In Mirecourt, begründete 1841 sein Geschäft In Genf und siedelte 1849 Im September nach Toulouse über. Er gehört zu den besseren MIrecourtern, arbeitete u. a. nach GIus. Guarnerl und wurde auf allen von Ihm be- schickten Ausstellungen ausgezeichnet. Der Lack Ist gewöhnlich von rötlicher Farbe, das Holz gut, wenn auch nicht Immer besonders schön. Gelgenzettel: Repare par Gh. Simonin / luthler ä Tou- louse / eleve de M. Veuillaume (sie) de Paris (gedruckt). — Charles Simonin / ä Mirecourt (gedruckt). Simonis, Loretto (Soretto oder Dorello?). — Mantua. 1800 Der Zettel, namentlich der Vorname, Ist schwer zu entziffern. E. Gärtner besitzt eine Violine mit diesem Namen, im Modell an Andreas Guarnerl erinnernd, mit tiefgestochener Schnecke und kastanienbraunem Lack. Die Violine, die Im Aussehen In der Mitte zwi- schen den Arbeiten der Klotzschule und der Cremo- neser Schule liegt, stammt aus einer württembergischen Kirche. Simoutre, Nicolas. — Mirecourt, Metz. Geb. 1788 in Mirecourt, t 1870 in Metz Schüler von Nicolas Lupot in Paris. Im Jahre 1817 begründete er seine Werkstatt In Mirecourt. Da er ein tüchtiger Meister war, hatte er bald einen Zulauf der talentvollsten Gehilfen , von denen die Brüder Vulllaume und Mougenot hervorgehoben werden müssen. In den ersten Jahren seiner Selbständigkeit machte er meist Gitarren für Pariser und ausländische Häuser, seit 1 838 aber nur mehr Violinen. Anfangs der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts siedelte er nach Metz über, wo er während der Belagerung starb. Er war ungemein fleißig und hat an tausend Violinen und Violoncelli gemacht. Er bevorzugte ein großes Patron und kopierte alle Meister, hauptsächlich aber Stradivari und Guar- nerl. Sein Holz Ist gut, aber selten schön; auch sein Spirituslack Ist nicht besonders zu loben. Gelgenzettel: Abb. 679. Simoutre, Nicolas Eugene. — Basel, Paris. Geb. in Mirecourt 19. April 1839, f im Januar 1 908 in Genf Sohn und Schüler von Nicolas S. Nachdem er 1852 bei Darche, 1856 bei Roth In Straßburg gearbeitet hatte, zog er 1859 nach Basel, wo er unter der Protektion von His-Burkhardt seine eigene Werkstatt eröffnete und um 1862, unter der Leitung seines Bruders ein Zweig- geschäft In Mülhausen, das jedoch nicht allzulange be- stand. Er wurde bald In weiten Kreisen als tüchtiger Meister geschätzt. Im Jahre 1890 siedelte er nach Paris über und wohnte erst In der Rue de l'EchiquIer Nr. 38. Er machte allerlei Erfindungen, die er auch In kleinen Broschüren beschrieb. Die hauptsächlichste davon be- steht übrigens nur in dem Ausfüttern zu schwach ge- machter Gelgen; als Neuerung konnte man lediglich den Umstand bezeichnen, daß er zur Bodenfütterung Fichtenholz verwendet und die Unterlaghölzer nicht nach den Jahren einsetzt, sondern sich kreuzen läßt. Er nennt dies »harmonisches Unterlagholz«. Er Ist ein gebildeter und denkender Künstler, der mehrfach lite- rarisch aufgetreten Ist und.u. a. zu Ritters Erfindung der Viola alta (In Le Monde musical) Stellung nahm. Jetzt Ist sein Sohn Schüler und Erbe seines Geschäfts. GelgenzettehAbb. 686, 712, 713. Simpson, J(ames ?). — London. 1790 Sohn von John Simpson und Teilhaber des Ge.;chäftes seines Vaters. Simpson, J(ohn?). — London. 1785. 1794 Ursprünglich führte er sein Geschäft allein, später zu- sammen mit seinem Sohne J(ames?). Es ist fraglich, ob die Geigen, die Ihren Zettel tragen und meist sehr fabrikmäßig hergestellt sind, wirklich von Ihnen ge- macht wurden. In der Arbelt sind Ihre Gelgen gut und erinnern an deutschen Stil oder erinnern an ein Amatl- modell; die Schnecke Ist dünn und armselig, die Ein- lage fehlt und der Lack ist dunkelorangegelb. Sie hießen James und John, wie aber der Vater und wie der Sohn? Eine viersaltige Altviola dl Gamba von Ihnen besitzt C. Claudius In Kopenhagen. Geigenzettel- J. & J. Simpson / Musical Instrument Makers / At the Bass VIol & Flute / In Sweeting's Allye/ Opposite the East Door of the Royal Exchange / Lon- don (gedruckt). Simpson, Thomas. — Birmingham. 1909. 1912 Guter Reparateur und Bogenmacher. 470 Sl nclair Skc Sinclair, William. — New-Pltsligo. Geb. in New-Pitsligo. 1836 Wahrscheinlich französischer Abstammung. Er hat etwa 40 Geigen nach Guarneri gemacht und die ersten mit Spiritus-, die späteren mit rotem OUack versehen. Bekannt wurde er durch seine eigenartigen Versuche. Er hat dreieckige Viohnen mit mitschwingenden Saiten, ferner Geigen mit zwei spielbaren Saitenbezügen über- einander usw. »erfunden«. Geigenzettel : William Sinclair / New Pitsligo / Aber- deenshire N.B. / 1892 (gedruckt). Slntner s. Sulttner Sir, Leo. — Marmande. Geb. 18. August 1881 in Bordeaux Sein Vater Leon S. betrieb das Geigenmachen aus Liebhaberei mit großem Eifer und schönen Erfolgen und konnte daher seinem Sohne die ersten Anleitun- gen geben. Von 1901 — 1902 arbeitete Leo Sir zu seiner letzten Ausbildung bei Brugere. Er gilt als recht talent- voll und ist jetzt im Geschäfte seiner Mutter, die früher in Langon ansässig war, tätig. Sein Modell ist originell und steht zwischen Stradivari und Amati, doch erklärt er selbst, daß er dasselbe, wenn es ihm nötig scheinen sollte, noch verändern würde. Sein besonderes Augen- merk verwendet er auf einen schönen Öllack. Er ist dabei schon zu günstigen Resultaten gekommen, wenn auch sein Lack (von goldroter Farbe) noch den Fehler hat, m das Holz einzudringen. Geigenzettel: Sir ä Marmande / Anne? 1901 No. . . . (handschriftlich). Sirifan, A. — London. 1790 In altem Familienbesitz befindet sich in Freiburg i. Br. eine Violine, in der sich ein geschriebener Zettel be- findet, den der Eigentümer »A Sirifan a / London Ao. 1790« liest. Vielleicht müßte »Sirjean" gelesen werden ? Sirjean, Charles. — Mirecourt. Geb. um 1730, t 6. April 1785 Er gehörte zu derselben Familie, wie Jean I und Jean II S. und Louis S., die alle ungefähr gleichzeitig tätig waren. Sirjean, Henry. — Mirecourt. 1778. 1789 Geigen von ihm kommen noch manchmal vor. Sie zeigen Mirecourter Stil und tragen eine Brandmarke mit seinem Namen. Sirjean. — Paris. 1818 Er hatte seine Werkstatt Rue de l'Ecole Nr. 31, war aber nur als Bogenmacher von Bedeutung. Sirottl, Nicola. — Spilamberto. 19. Jahr- hundert Valdrighi (2989) erwähnt Ihn als »Geigenmacher«, er war aber nur ein Dilettant und seines Zeichens ein Schuster, nebenbei auch Musiker, Sisty, Joseph. — Mirecourt. 1757. 1764 Vielleicht ein Enkel von Nicolas S. Slsty, Nicolas. — Mirecourt. 1698 Er wird als »facteur de violons« bezeichnet und soll nicht ungeschickt gewesen sein. Sltt, Anton. — Prag. Geb. 5. Februar 1819 In Val (Ungarn, Stuhlwelßenburger Komitat), t 19. November 1878 zu Prag Sohn des Gärtners Sitt und seiner Frau Franziska aus Tabajd. Von 1834—1840 war er Schüler von Joh. Schweitzer in Budapest, bis 1843 dessen Gehilfe, später bei A. Hoffmann In Wien, Bausch in Leipzig, dann bei Mich. Weber. 1848 kam er zu Kulik nach Prag, dessen Tochter Sophie er noch im selben Jahre heiratete, mit der er drei Söhne, darunter den 1850 geborenen Kom- ponisten und Kapellmeister Hans Sitt, und drei Töch- ter hatte. Seine Werkstatt befand sich 1848 In der Vel. Karl ul. Nr. 184 und 185, von 1857—1859 auf dem Altstädter Kleinen Ring Nr. 144 und von 1860 an In der Anenskä ul. Nr. 8. Er arbeitete nach Stradivari und Guarneri; seine Geigen sind dick im Holz und von vorzüglichster Durchführung. Infolge der zu starken Spannung des Baßbalkens ist der Ton seiner Gelgen jedoch nicht sehr edel und nicht in allen Lagen gleich ansprechend. Seine Violoncelli haben einen großen und vollen Ton. In seiner Handfertigkeit war er unübertreff- lich und ein vollendeter Künstler und fand schon bei Lebzeiten vielfache Anerkennung; auch Schebek und Hajdecki waren seines Lobes voll. Daß er einer der genialsten Reparateure war, sei schließlich nebenbei er- wähnt, wenn er auch hier im Ton nicht das Höchste erreichte. Ein prachtvolles Quartett von ihm nach Jos. Guarneri del Gesü sowie eine Geige nach Petrus Guarneri und eine Bratsche nach Amati (aus dem Jahre 1847) besitzt sein Sohn Prof. Hans Sitt. Geigenzettel : Antonius Sitt / ad formam Petrus Guar- nerii fecit Pragae 1863 [Initialen mit Kreuz im Kreis] (gedruckt). — Antonius Sitt , ad formam Stradivari fecit Pragae 1862 [Initialen mit Kreuz im Kreis] (ge- druckt). Skefflngton, William Kirkland. — Glasgow. Geb. in Ayr 1845 Unter den vielen Schotten, die das Gelgenmachen aus Liebhaberei betreiben, gehört er zu den talentvolleren. Die erste Anleitung schöpfte er aus Ottos bekannter kleiner Schrift. Geigenzettel: Wm. K. Skefflngton / Glasgow 1895 (gedruckt). Skomal. Nikolaus Georg. — Graz. 1 790. 1 820 Ein guter Lauten- und Gelgenmacher, von dem es auch verschiedenerlei Gitarren gibt. Seine Arbelt er- innert hier und da an die Prager Schule. Die Gelgen seiner ersten Zeit sind flach, haben weit vorstehende Ecken, dünne Ränder und dunklen Lack. Später machte er die Ränder dicker und verwendete einen schönen gelbbraunen Lack. Das Deckenholz ist Immer gut, dagegen ist der Ahornboden häufig wurmstichig ge- Skopal - - Smith 471 worden. Da er sich auf einzelnen Zetteln nur Niklas Sk. schrieb, wollen manche einen älteren Gelgenmacher Georg Sk. annehmen, was aber irrig ist. Im Kommerz- und Zivilschema des Herzogtums Steiermark für 1803 wird Niklas Sk. als »Violinen- und Lautenmacher in Postamtsgasse No. 426* genannt. Auf seinen Zetteln nach 1800 befindet sich in der Mitte ein kleiner .Adler. Seine Geigen werden als gute Orchesterinstrumente geschätzt und dementsprechend auch bezahlt. Em Violon von ihm in verjüngtem Maßstabe besitzt die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, eine Violine Jos. Müller in Schönbach. Geigenzettel: .'\bb. 762. Skopal lebte im 19. Jahrhundert in Raab Skotschofsky, Johannes Georg. — Darm- stadt (?). 1715 Ein tüchtiger Geigenbauer deutscher Schule, dessen Wohnort ich noch nicht sicher feststellen konnte. Geigenzettel : Abb. 678. Skoula, Joh. — Dresden, f um 1892 Er hatte seine Werkstatt Wallstraße 16 und arbeitete früher bei Joh. Dvofäk in Prag. Slaghmeulen s. Van der Slagmeulen Smart, John. — London um 1700 Einer der ältesten englischen Baßmacher, der Oxford Road wohnte, und wohl auch Violen und Violinen ge- baut haben dürfte. Seine Bässe haben flachen Boden und violenartige Umrisse. Smid, Erhard. — Peißenberg (Bayern). 1433 Ein Instrumentenmacher, der alle Arten von Musik- instrumenten anfertigte, vornehmlich aber als Orgel- bauer berühmt war. Vom Herzog Ernst von Bayern wurde ihm seiner Kunstfertigkeit wegen Steuerfreiheit gewährt. Er baute unter anderen die Orgel in der alten Marienkirche in München. (Vgl. Öfele, Script, rer. boic. Bd. II, S. 318.) Vielleicht ist die E. S. gezeichnete Cister Dr. K. VoUs in München eine Arbeit E. Smids. Smillie, Alexander. — Glasgow. Geb. 25. Jan. 1847 In Hallside Er bildete sich ohne Lehrer zum Geigenbauer aus, ahmt hauptsächlich das Stradivarimodell, gelegentlich auch Guameri nach und verwendet Whitelaws Bern- steinlack von rötlichgelber oder dunkelorange Farbe. Seine Arbeit ist sorgfältig, das Holz gut und die Einlage sauber. Er hatte bereits 1890 über 130 Violinen, ver- schiedene Violen und ein Dutzend Violoncelli gemacht. Seine Biographie veröffentlichte Meredith-Morris in »The Strad« 1900, Nr. 126. Geigenzette! : .Mex. Smillie, Fecit Crosshill, Glasgow. No.^105 1897 (lith. in Schreibschrift). Smit (Smith), Domenico. — Mantua. 1647 Vermutlich ein naher Verwandter von Giovanni S. Die öfter vorkommende Schreibweise des Namens mit th könnte vielleicht auf einen Engländer schließen lassen, wahrscheinlicher aber war er ein in Mantua ansässiger deutscher Lautenmacher. (Bei Bertolotti S. 104 erwähnt.) Smit (Smith), Giovanni. — Mailand. 1646 In der Wiener Sammlung alter Musikinstrumente be- finden sich zwei kleine Chltarre battenti (Terzgitarren) mit gewölbtem Boden aus schwarzen Spänen und Elfenbeinrippen, die Decke mit Perlmuttereinlagen, Hals und Griffbrett mit Gravierungen. Statt des Zettels ein Elfenbeinplättchen unten am Korpus : »Giovanni • Smit Milano 1646«. Im Stift Ossegg befindet sich eine Gitarre mit der Inschrift: »Giovanni Smith in Milano« ohne Jahreszahl. Smith. — Whitchurch (Shropshire). 1694 Ein geschickter Geigenmacher, der ein .Amatimodell zum Vorbild nahm und sich auch auf den Ton ver- stand. Er soll seine besten Abnehmer in Liverpool ge- funden haben. Smith, Alexander Howland. — Edinburgh. Geb. im März 1859 in Edinburgh Es gibt über 50 Violinen nach Stradivari und Guameri und mehrere Violoncelli von ihm. Er verwendet Bern- steinlack. Geigenzettel: Alexander Howland Smith / Edinensis, hoc fecit, 1897 (geschrieben). Smith, Henry. — London. 1629. 1633 Berühmter Violenmacher, den Thom. Mace (1676) zu den allerbesten zählt. InCarrs »Tripla concordia*(1667) befindet sich eine .Anzeige über einen Kasten mit Vi- olen »made by Mr. Henry Smith who formerly lived over against Hatton house in Holboum containmg 2 trebles, 2 tenors, 2 basses, the ehest was made in the year 1633«. Smith, John. — Falkirk. Geb. 26. April 1859 in Fauldhouse Er war der Sohn eines Maschinenbauers und erlernte regelrecht die Tischlerei. Im Jahre 1891 begann er sich auf das Geigenmachen zu verlegen und wurde ein ein Schüler John Carrs. Er verarbeitet schönes altes Holz und nimmt zu den Klötzen Zedemholz. Er ahmt im allgemeinen Stradivari nach und verwendet rot- gelben Bernsteinlack. Geigenzettel : Made by / John Smith / Falkirk ' No 1893 (gedruckO. — John Smith Maker/ Falkirk. 1896 (gedruckt). Smith, Thomas. — London. 1750. 1799 Schüler von Peter Wamsley, an dessen Arbeiten seine Instrumente auch in den Umrissen erinnern; nur sind sie stärker im Holz und werden, wenigstens in England, geschätzt. Ob er jemals Violinen gemacht hat, ist min- destens zweifelhaft; dagegen gibt es viele größere Streichinstrumente von ihm. Er ahmte das Stainer- modell nach, etwa in der Art John Johnsons. Die Arbeit ist gut, aber nicht hervorragend, der Ton ansprechend. 472 Smith — Socchi aber nicht groß, und der Lack mager, von schwacher, braungelber Farbe. Seine Zettel gleichen so sehr denen von Wamsley, daß Sandys und Forster annehmen, er sei auch der Geschäftsnachfolger seines Meisters ge- wesen. Er soll einen Sohn namens John gehabt haben. Geigenzettel: Abb. 729. Smith, William. — London, Hedon (York- shire). 1770. 1786 Wenig bekannter Geigenmacher, der später nach He- don übersiedelte. Sandys und Forster geben die Mög- lichkeit zu, daß es zwei Personen dieses Namens, die Geigen machten, gegeben habe. Geigenzettel : William Smith / Violin Maker / Hedon 1 786 (gedruckt). — Wni Smith / Real Maker / London 1771 (gedruckt). Smith, W. E. — Wetherby. 1905. 1906 Er hat vielleicht in Leeds gelernt, baute im Jahre 1905 seine erste Violine, im Jahre 1906 bereits die dreiund- zwanzigste und hat seitdem noch schöne Fortschritte gemacht. Smith & Tilton (Amerikaner) haben einen Baßbalken erfunden, bekannt in Europa unter dem Namen '^Withers-Balken«, da E. Withers & Co. diesen Balken in England zuerst eingeführt haben Smolka, Francesco. — Rom. 1849 Begründete 1849 sein Geschäft, dessen Firma jetzt Smolka Fratelli lautet. Smorzone (Smorsone), Giovanni. — Rom. 1720. 1724 (vgl. Sainsione) Ein Lautenniacher, den Valdrighi (3000) erwähnt. Von ihm besitzt C. Claudius in Kopenhagen eine Mandoline und W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln eine kleine Oktavlaute (Pandurina). Geigenzettel: Giovanni Smorzone / In Roma 1724 (ge- druckt). Sneider, Joseph. — Pavia. 1701 . 1718 Ein Schüler Nicola Amatis und wahrscheinlich, wie sein älterer Mitschüler Leopold »Tedesco«, von deut- scher Abstammung. Er ahmte seinen Meister nach, arbeitete sehr schön, hatte einen guten, durchsichtigen Lack von gelber oder hellbrauner Farbe. Die Wölbung nahm er mäßig hoch, schnitt schön geschwungene F- Löcher und eine hübsche Schnecke. Geigenzettel : Abb. 668. Snip s. Knipp Snoeck (Schnoeck), Egidius. — Brüssel. 1 700. 1730 Einer schon im 16. Jahrhundert vorkommenden In- slrumentenmacher-(Orgelbauer-)Familie entstammend und ein Vorfahr des vielverdienten Instrumentensamm- lers C. Snoeck. Egidius Snoeck darf mit Recht für einen Schüler und Nachfolger Peeter Borbons gelten; ihre Arbeiten sind sich sehr ähnlich, und die Jahreszahlen sprechen nicht dagegen. S. war Hof- Lautenmacher; in seinen Geigen, die recht lobenswerte Arbeit zeigen, nähert er sich dem Amatimodell. Sein Lack ist rotbraun und von guter Beschaffenheit. Eine Geige von ihm be- sitzt Mahillon, und ein halbes Violoncello befindet sich aus der Sammlung Snoeck, in der auch zwei Violinen von ihm waren, jetzt in Berlin. Geigenzettel: Egidius Snoeck tot Brüssel 1714 (gedr.). — Egidius Snoek a Bruxelles. 1727 (gedruckt). Snoeck, Henri -Augustin. — Brüssel. 1762. 1764 Sohn und Schüler von Marc. Snoeck. Nach dem Tode seines Vaters wurde er zum Hof-Geigenmacher ernannt. Als aber 1764 seine Ernennung zum ersten Violinisten der Hofkapelle erfolgte, übertrug er seine bisherigen Funktionen auf Michiels und Neumanns, um sich aus- schließlich dem Berufe als Musiker hinzugeben. Geigen von ihm smd mir nicht bekannt. Snoeck (alias Brochet oder Broche), Marc. — Brüssel. 1720. t zwischen 27.— 3 I.März 1762 Wahrscheinlich ein Sohn von Egidius Snoeck und dessen Nachfolger als Hof-Lautenmacher. Schon 1 726 erscheint er in den Listen als »faiseur repetitieur et directeur des instruments« und gleichzeitig unter sei- nem Pseudonym Brochet oder Broche als Ballettmeister und Komponist. Seine Arbeiten verdienen alles Lob; em schönes Violoncello von ihm findet sich aus der Snoeckschen Sammlung in Berlin und ebenda ein in Nordfrankreich entdeckter Baß, der sein Pseudonym und das Ladenschild »au roy David« auf dem Zettel nennt. Eine originelle Inschrift aus einem von ihm ausgebesserten Instrument teilt van der Straeten mit: Cette Bas : Par Marc. Snoeck repare povr faier voier a ces envieuz. Mon adresse est pres l'eglise de S. Gery a Brvxelles ancien luthieu. 74. Ein im Jahre 1720 von ihm gebautes Violoncello befindet sich aus der Samm- lung Galpin jetzt in Boston. Geigenzettel: Marcus Broche a Bruxelles / Au roy David, l'an 17 . . (gedruckt). Soboll (Sobol), Franz. — Olmütz. Geb. 1794, f 5. Dezember 1837 Einer der besten Olmützer Geigenmacher, der jedoch nur selten Zettel in seine Arbeiten klebte, weshalb es heute schwer ist, Geigen von ihm nachzuweisen ; allzu viele hat er wohl auch nicht gemacht, da er noch im besten Lebensalter einem Schlagflusse erlag. Socchi, Vincenzo. — Bologna. 1661 Das Museum des Pariser Konservatoriums besitzt eine Taschengeige von eigenartiger Form, die diesen Ver- fertigernamen trägt (Nr. 1 10). Socher Sommer 473 Socher (Soher, Sayher), Hans. — Füssen. 1 606. f im Januar 1614 Einer aus Burggen stammenden Familie angehörend. Er war ein sehr angesehener Meister, dessen Arbeiten sich durch geschmackvolle Verzierungen auszeichnen. Im Jahre 1612 war er »Fürgesetzter* (Altermann) der Füssener Lautenmacherzunft. Socher, Lukas. — Füssen. 1666 Ein geschickter Lautenmacher, der in der Füssener Vorstadt wohnte. Socol, Pio. — Genua Ein Geigenmacher des 1 9. Jahrhunderts, der wenig Ruf besaß. Socquet, Louis. — Paris. 1750—1800 Ein Geigenmacher zweiten Ranges aus Mirecourt, der das Ladenschild : »Au Genie de THarmonie* führte und 1775 — 1779 Place du Louvre wohnte. Er arbeitete fabriksmäßig, wenn auch nicht unsauber. Vidal erzählt, daß die Mirecourter, wenn sie eine recht gewöhnliche Geige in die Hand bekämen, geringschätzend sagten: »Das ist eine Socquet«, und daß diese Redensart sich als Sprichwort bis heute erhalten habe. Seine Violon- celli haben kleines Patron. Sein Lack Ist schmutzig gelb. Seine älteren Arbeiten sind durchaus vorzuziehen, er scheint übrigens erst in der zweiten Hälfte seines Le- bens zur handwerksmäßigen Arbeit herabgesunken zu sein. Man hat daher schon die Behauptung aufgestellt, daß es zweiSocquets gegeben haben müsse, einen guten und einen schlechten, wofür aber jeder Beweis fehlt. Geigenzettel: Abb. 698. Socquet vgl. auch Coquet Soffrittl, Ettore. — Ferrara. 1885. 1911 Italienischer Geigenmacher der Gegenwart, der auf der Turiner Ausstellung 191 1 eine goldene Medaille erhielt. Soher s. Socher Sohet. — Lüttich. 1805 Er arbeitete nur handwerksmäßig und ist wenig be- kannt. Eine Violine von ihm besaß C. C. Snoeck. Geigenzettel: Abb. 690. Sohn (?), Walter. — Wien Eine Gitarre in der Snoeckschen Sammlung in Berlin, die wohl aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts stam- men dürfte, trägt den untenstehenden Zettel : »Walter Sohn / in Wien.« Da über diesen Meister in Wien nichts zu erfahren war, kann ich nur der Vermutung G. Kinskys beipflichten, der es für wahrscheinlich hält, daß der Sohn des trefflichen Klavierfabrikanten Anton Walter der Verfertiger der obengenannten Gitarre ist. Die Firma hieß bekanntlich Anton Walter & Sohn. Soldato s. Guadagnini, Gius. I Soliani, Angelo. — Modena. Geb. 1752 (1772?), lebte noch 1810 Zuerst soll er in Mantua ansässig gewesen sein. Seine Arbeit ist recht gut und erinnert manchmal an Gua- dagnini ; er hat ein sehr flaches, langgestrecktes Modell bevorzugt, machte aber auch gelegentlich höhere Wöl- bungen. Besonders zu loben ist sein bernsteingelber oder orangeroter feuriger Lack. Die Schnecke ist klein, schwungvoll und tief ausgestochen. Das Holz ist meistens recht schön. Seme Geigen sind gute, hell- klingende Orchesterinstrumente. Außer seinem Zettel verwendete er auch Brandmarken, unter anderen eine auf seinen Namen anspielende Sonne, die er auch auf seinen Zetteln gerne anbrachte. Geigenzettel: Angelus Soliani Fecit / Mutinae 1792 [mit Sonne] (gedruckt). Sollner, Franz Josef. — Tachau i. B. Geb. 1848 in Tachau Neffe von W. J. Schunda, Schüler von Gabriel Lem- böck. Nach Beendigung seiner vierjährigen Lehrzeit arbeitete er als Gehilfe in Wien und Budapest und er- öffnete 1876 in seiner Vaterstadt seine eigene Werk- statt. Im Jahre 1888 folgte er einem Rufe nach London, ging 1890 nach Budapest zu seinem Oheim auf zwei Jahre als Werkführer und kehrte dann nach Tachau zurück. Er arbeitet meist nach den ModeHen von Stradivari, Guarneri und Maggini und verwendet einen schönen Spintuslack eigener Zusammensetzung. Seine Arbeit ist lobenswert, der Ton weich und das Holz recht gut. Auch im Wiederherstellen alter Geigen er- weist er sich als würdiger Schüler seines trefflichen Meisters. Geigenzettel: Franz Jos. Sollner, Tachau 1901 (gedr.). . — Reparirt: Franz Jos. Sollner/ Tachau 1901 (gedr.). Solmann, Friedrich. — .Augsburg. 1802 Ist mir nur nach seinem Zettel bekannt geworden. Geigenzettel : Friedrich Solman, Lauten, / und Geigen- macher, in Augs- . bürg. Anno 1802 (gedruckt). Somer, Nicolas. — Paris. 1725. f vor 1776 Er gehörte einer bekannten Orgelbauerfamilie an und ist mir selbst auch nur als Orgelbauer bekannt. Doch war er geschworener Meister der Lautenmacherzunft für 1 749 und später Syndikus ; auch finde ich Geigen von ihm in englischen Händlerverzeichnissen ausge- boten. Seine Witwe, die Pont au Change wohnte, führte das Geschäft von 1776 — 1783 fort. Somerauer s. Sumerauer Somers, Laurentius. — Antwerpen. 1781 Ein mittelmäßiger Geigenmacher, von dem nur selten Arbeiten vorkommen. Geigenzettel: Laurentius Somers tot Antwerpen 1781 (gedruckt). Sommer, Egyd. — Absroth, Schönbach b. E. 1896. 1900 Ein Baß- und Violoncellomacher, der in Eger und Aussig silberne Medaillen erhielt. Es sollen noch meh- rere Mitglieder dieser Familie als Geigenmacher tätig gewesen sein, so ein Hermann Sommer, der am 13. Juli 1870 in Wien starb. 474 Sommer — Speirs Sommer, Hermann. — Wien. Geb. um 1660, t 1720 Selten vorkommender Alt- Wiener Meister. Sommerset s. Strong Soncini, Luigi. — Mont' Orso und San Mar- tine d'Este. 1831 Ein von Valdrighi (3022) erwähnter Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. Soriot. — Mirecourt. 19. Jahrhundert Da er sich »Soriot fils« bezeichnete, scheint auch der Vater Geigenmacher gewesen zu sein. Zu irgendeiner Bedeutung hat es aber keiner von beiden gebracht. Sorsana, Spirito. — Com. 1714. 1736 Seine Geigen erinnern in einzelnen Teilen an die Cappas und stehen unter dem Einfluß der Amati- schule. Geigenzettel : Abb. 691 . Sostegni, Salvatore. — Florenz. 1704 Sohn des .Antonio S. Ein florentinischer Lautenmacher ohne Ruf. Sottler (Sattler?), Josef Karl. — Graslitz. Geb. um 1800, tum 1840 Vermutlich ein Vorfahre der heute noch blühenden Familie Sattler. Seine Geigen entsprechen denen der Schönbacher Meister seiner Zeit. Geigenzettel : Joseph Karl Sottler, Gei- / genmacher in Graßlitz (gedruckt). Soukup, Wenzel. — Wien. Um 1850 Er hat wahrscheinlich bei Nik. G. Rieß gelernt oder längere Zeit bei ihm gearbeitet. Wie dieser machte er hauptsächlich Gitarren. Als Geigenmacher war er nicht bedeutend. Geigenzettel : .-Xbb. 757. Soulier. — Paris. 1830 Sein Name findet sich ab und zu in Geigen, die nicht schlecht sind ; doch scheint er wenig bekannt geworden zu sein, da nicht einmal seine Landsleute Vidal, Grillet usw. ihn erwähnen. Mirecourt. 1785. Sourd, le s. Nicolas Sourdot, Jean-Fran^ois. 1787 Auch A. Jacquot kann nur seinen Namen mitteilen. Souza (Sousa), Joäo Joze de. — Lissabon. 18. Jahrhundert Einer der besten portugiesischen Instrumentenmacher seiner Zeit, der bei französischen Geigenmachern ge- arbeitet zu haben scheint, wofür bis zu einem gewissen Grade auch sein Zettel spricht, auf dem er »französi- sche Violen« empfiehlt. Eine flandrische Gitarre von ihm besitzt das Museum des Konservatoriums in Brüssel (Nr. 260). — Im Anfang des 19. Jahrhunderts soll auch ein Antonio Jose de Sousa gelebt haben, von dem Alfr. Keil in Lissabon eine Gitarre besitzt. Geigenzettel : Joao Joze de Souza / artista de / Violas francesas e Liras, Rabecas e / Rabecoes ; vende cordas para osmesmos instru- / mentos em Lisboa na calcada dos Caldas / No. 86 (gedruckt). Spadari, Francesco. — Pesaro. 1603. 1670 Em Geigen- und Lautenmacher, den u. a. auch Val- drighi (3891) erwähnt. Grillet liest den Namen wohl unrichtig: '>Spedoni«. Spadari, Giovanni Battista. — Pesaro. 1721 Sohn oder Enkel von Francesco Sp. und wahrscheinlich auch dessen Schüler. Eine zur Viola umgearbeitete Viola d'amore von ihm verrät eine geschickte F'and und gute Holzwahl. Neiß, e. Spadaro, Bertuccio, lebt in Messina Spalner (Spölner), Johannes Caspar. 1733 Eine Violine von ihm vom Jahre 1734 besitzt die alte kath. Pfarr- und Kreuzkirche in Neiße i. Schi. Sein Name ist mir sonst nur auf dem Reparaturzettel einer Geige im Germanischen Museum m Nürnberg vor- gekommen. Geigenzettel: renov. Joanes Casparus / Spalner Nissa in Silesia Ao. 1733 (gedruckt). — Johan Caspar SpöUner / Lautten and Geägen / macher in Neyß Ao 1734 (geschrieben). Spannbauer, Alexander. — Wien. 1876. 1910 Er war ursprünglich Uhrkastentischler, verlegte sich später auf das Zithermachen und begründete im Jahre 1876 sein Musikinstrumentengeschäft, in dem auch Streichinstrumente repariert werden. Er hat auch einige wenige neue Geigen gemacht. Spat, Franz. — Regensburg, f 23. Juli 1786 Er wird mehrfach als »Instrumentenmacher* erwähnt, es gelang mir jedoch nicht, Arbeiten von ihm zu er- fragen. Spedoni s. Spadari Speiler Hart erwähnt ihn als Tiroler Meister. Bei anderen wird er kurzweg als Deutscher des 18. Jahrhunderts bezeich- net. Arbeiten von ihm habe ich nie zu Gesicht be- kommen. Übrigens glaube ich, daß der Name falsch gelesen ist. Speirs, Stewart. — Ayr. 1860. 1864 Ein tüchtiger Musiker, der aus Liebhaberei Geigen nach Ottos Anweisung gemacht hat. Die ersten ge- rieten etwas zu dünn im Holz; später aber vervoll- kommnete er sich und fand sogar ein eigenes Modell. Geigenzettel: Stewart Speirs / Maker, Ayr / 1862 (ge- druckt). Spells — Sprenger 475 Spells, Johan. — Styra. 1825 Ein skandinavischer Geigenmacher, dessen Violinen manchmal nicht schlecht sind. Spengler, Georg, kommt 1678 In (Mark-)Neu- kirchen vor Spetel (Spedel, Spöttl), Matthias. — Füssen. 1625. 1626 Seine Familie dürfte ihren Namen von dem Hofe Spöttl, der zwischen Weißensee und Gunzenberg liegt, ab- geleitet haben. Matthias Sp. wurde am20. August 1625 in die Lautenmacherzunft aufgenommen; er muß einen guten Ruf gehabt haben, da er selbst die Stuttgarter Hofkapelle zu seinen Kunden zählte. Spicer, John. — London. 1667 Wenig hervorragender Lauten- und Violenmacher, der Russell Street, Crown Court wohnte, und von dem bisher nur eine Arbeit bekannt geworden ist. Vielleicht ein in London eingewanderter Holländer (Spyker); noch um 1824 soll ein William Spicer gelebt haben, von dem man Violoncelli kennt. Geigenzettel : John Spicer. In Crown Court In Rvssell Street 1667 — His / Half Penny [mit Krone] (gedruckt). Spldlen, Franz. — Moskau, Prag. Geb. 1867 in Böhmen Talentvoller Schüler von Metelka und Vitäcek. Im Jahre 1894 ließ er sich in Kiew in Rußland als Geigen- macher nieder. Nach E. Salzards Tode übernahm er dessen Werkstatt in Moskau, wo er Geigenmacher des Konservatoriums w^ar. Im Jahre 1909 siedelte er aus Gesundheitsrücksichten nach Prag über. Er arbeitet sehr sauber; besonders schön ist immer der Boden seiner Geigen. Seine Moskauer Werkstatt übernahm sein Neffe Vitäcek. Er besitzt bereits verschiedene Aus- stellungsmedaillen, darunter solche aus Prag 1895, Kiew 1897 und Paris 1900. Er ahmt das Stradivari- und Guarnerimodell nach, verwendet einen bräunlichen ÖUack und bringt auf dem Boden seiner .arbeiten seinen Namen durch Brandstempel an. Spiegel, Johann. — Budapest. Geb. 1876 in Ödenburg Schüler von Pilät, später von W. J. Schunda. Er hat sich 1898 selbständig gemacht und bevorzugt das Guarnerimodell . Geigenzettel: Spiegel Janos ' Budapest 1912 (geschr.). Spilman, Dorigo. — Padua 1591 Ein Llnarolo nahestehender Meister wahrscheinlich deutscher .Abstammung. Prof. Dr. Julius v. Schlosser teilt In seinem ausgezeichneten Katalog der Wiener Sammlung alter Musikinstrumente aus dem hand- schriftlichen Inventar der Ambrasersammlung des trefflichen Primlsser von 1788 (Vol. III, 1333, Nr. 8) die Beschreibung einer leider verlorengegangenen Taschengeige von Dorigo Spilman mit: »Ein gar hüb- sches Tanzmeistergerglein mit einem schlanken Leibe von braunem Holz mit vergoldeten Strichen nebst einem Bogen von Doncus Spllmann in Padova 1591,« Damit wird erfreulicherweise die Zeit und der Wohn- ort dieses alten Meisters festgestellt, von dem ich doch noch annehme, daß er auch in Venedig tätig war. Er- halten ist von ihm außer dem Bogen der Taschengeige nur ein sehr frühes Violoncello in der Wiener Samm- lung (C. 111). Ob >>Spilman« der angestammte Fa- milienname oder aus der Berufsbezeichnung Spiel- mann (= Musiker) entstanden ist, lasse ich dahin- gestellt. Geigenzettel: Dorigo Spilman (geschrieben). Spiß, Johann. — Zell a. Ziller (Tirol). Geb. um 1805, t nach 1861 Von Hause aus Tischler und Drechsler, kam er durch seine Musikliebe dazu, sich mit dem Bau von Musik- instrumenten zu beschäftigen. Er hatte Geschick zu allerlei Hantierungen und brachte es durch Fleiß und fortgesetztes Studieren guter Geigen dazu. Beachtens- wertes auch als Geigenmacher zu leisten. Dr. Fr. Wald- ner erzählt von Ihm in seinen Nachrichten über Tiroler Lauten- und Geigenbauer, daß er seiner Liebe für den Musikinstrumentenbau — er machte außer Geigen auch Zithern, Gitarren und selbst Flöten und Klan- netten — seine wirtschaftliche Existenz zum Opfer brachte und schließlich als Schleifer durch das Land zog. Eine schöne Geige von ihm von 1847 besitzt das Kloster Fiecht, eine minder gute aus dem Beginn seiner Tätigkeit als Gelgenbauer das Innsbrucker Museum. Gelgenzettel : Johann Spiß zu Zell am Ziller / in Tiroll 1847 (geschrieben). Spöllner s. Spalner Sprague, Arnos D., hat ein Geigengeschäft m Chicago Spranger, Carl Wilhelm. — Khngenthal. 1 772 Vielleicht ein Sohn von Johann Gabriel Spr. Einer der weniger bekannten vogtländlschen Meister seiner Zeit. Spranger, Johann Gabriel. — Schöneck, Klingenthal. 1734. 1764 Der 1764 in Klingenthal vorkommende Meister lebte nach dem gedruckten Zettel einer gut gewölbten, gelb lackierten Geige (im Besitze von G. Siefert in Leipzig) 1734 in Schöneck. Geigenzettel : Johann Gabriel Spranger / Violinmacher In Schoeneck me fecit Anno 1734 (gedruckt). Sprenger, Adolf. — Stuttgart. Geb. 24. Nov. 1872 in Neu-Ulm (Bayern) Schüler seines Vaters .Anton Spr., ging nach beendigter Lehrzelt erst für ein Jahr zu Zach nach Wien (1892), von da nach New York, arbeitete in Philadelphia vom Jahre 1893 an bei Charles F. Albert und 1896 in Chicago. Nach seiner Rückkehr übernahm er (1897) das Geschäft seines Vaters, das er in gleicher Weise fortführt; auch er macht neue Geigen und Violoncelli 476 Sprenger nach Stradivari, Guarneri usw., wendet einen fetten Spirituslack und seit einigen Jahren einen ätherischen Öllack an. Im Jahre 1896 erhielt er in Stuttgart eine goldene Medaille. Am 24. Januar 1900 wurde er zum Hof-Instrumentenmacher ernannt und ist Lieferant des Kgl. Konservatoriums. Wie sein Vater befaßt er sich auch mit der Herstellung quintenreiner Saiten. Geigenzettel : [Württemberger Wappen] Adolf Sprenger fecit / Stuttgart anno [Griech. Kreuz in einem Kreis, unter dem Querbalken A S| (gedruckt). — Adolf Sprenger / Königl. Hofinstr.-Macher / Fee. Stuttgart (gedruckt). Sprenger, Anton I. — Mittenwald, Würzburg. 1820 Em sehr geschickter Meister, der als Gehilfe zu Vauchel gekommen war und seit etwa 1820 m Würzburg selb- ständig arbeitete. Arnold Voigt in Markneukirchen be- sitzt eme wundervolle, rotlackierte Viola von ihm. Sprenger, Anton II. — Biberach, Ulm a. D.' Stuttgart. Geb. S.April 1833 in Mitten- wald, t das. 27. Oktober 1900 Schüler von Gg. Tiefenbrunner, ging zu seiner weite- ren Ausbildung nach Augsburg, Passau, Linz und Wien, machte sich zunächst in Biberach selbständig, zog dann nach Ulm und verlegte 1870 sein Geschäft nach Stutt- gart, wo er Nachfolger Martin Baurs und später Hof- instrumentenmacher wurde. Er befaßte sich vorzugs- weise mit dem Neubau von Geigen und Violoncelli nach Stradivari und Guarneri und verwendete Bern- stein-, Ol- und auch Spirituslack. Seinen Instrumenten wird edler Ton und saubere Arbeit nachgerühmt; er besaß zahlreiche Ausstellungsmedaillen und Ehren- diplome und ist der Erfinder der bekannten Ton- schraube. Diese besteht aus einem Klangstabe, der vom Hals bis zum Knöpfchen durch das Instrument geführt wird und die natürliche Spannung der Saiten künstlich erhöhen und die Vibration dem Körper des Instruments gleichmäßiger mitteilen soll. Schlechte, tonarme In- strumente können durch die Tonschraube verbessert werden, für eine gute Geige aber ist sie nicht zu emp- fehlen. Wird die Tonschraube angespannt, sitzt der Stimmstock zu locker, will man den Stimmstock aber nicht stören, darf die Schraube nicht angezogen wer- den. Sprenger erfand ferner den sogenannten Paganini- Kinnhalter und beschäftigte sich mit der Herstellung quintenreiner Saiten. Im Jahre 1897 übergab er sein Geschäft seinem Sohne. Eine von ihm im Jahre 1881 gebaute Violine befindet sich in W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln. Geigenzettel: [Württemberger Wappen] AntonSprenger fecit / Stuttgart anno 18 . . [Griech. Kreuz in einem Kreis, unter dem Querbalken A S] (gedruckt). Sprenger, Augustin. 1848, t 1896 Nürnberg. Geb. um Sohn und Schüler seines Vaters Carl Spr., in dessen Art er arbeitete. Er begründete um 1878 ein neues Ge- schäft, das aber, da keiner seiner Söhne Geigenmacher geworden ist, nach seinem Tode wieder aufgelöst wurde. Sprenger, Carl Bonifacius. — Nürnberg. Geb. in Mittenwald 1805, f 1875 zu Nürnberg Erlernte in Mittenwald das Geigenmachen und arbeite- te später mit Vauchel zusammen. Namentlich seine Violoncelli waren beliebt und sind heute noch geschätzt. Er verwendete selbstbereiteten Öllack, manchmal auch Spirituslack. Sprenger, Eugen. — Frankfurt a. M. Geb. 7. Januar 1882 in Stuttgart Sohn und Schüler von Anton II Spr. Nachdem er in Stuttgart die Oberrealschule bis zur Obersekunda be- sucht hatte, ging er nach Mittenwald zu seinem Vater, arbeitete dann noch ein Jahr lang bei seinem Bruder Adolf Spr., um sich auch in der Wiederherstellung alter Geigen zu vervollkommnen, und begab sich nach dem Tode seines Vaters in die Fremde, arbeitete in München, in der Schweiz, Frankreich und England bei den ersten Meistern und lernte da als Gehilfe Geigenmachers Freuden und Leiden in vollem Um- fange kennen. Im Jahre 1907 ließ er sich in Frankfurt nieder und brachte es durch seine Geschicklichkeit bald zu verdientem Ansehen. Mit dem Ausbruch des Krieges zu den Fahnen gerufen, mußte er seine Werk- statt schließen, die er erst im Jahre 1919 wieder eröff- nen konnte. Er ist ein ideal veranlagter vielseitiger Meister, der außer Geigen auch treffliche Lauten baut. Geigenzettel : Eugen Sprenger / Lauten- und / Geigen- macher in Frankfurt a. M. — Eugen Sprenger . Fecit / Frankfurt a. M. Anno 19 . . und Monogramm (ge- druckt). Sprenger, Fritz. — St. Gallen, Geb. 1879 m Arbon am Bodensee Nachdem er 13 Jahre als erster Gehilfe bei Züst in Zürich gearbeitet hatte, eröffnete er im Jahre 1917 seine eigene Werkstatt in St. Gallen. Er baut seine Geigen nach Maggini, Guarneri und Stradivari von Grund auf eigenhändig und verwendet einen selbst- bereiteten goldgelben, gelbbraunen oder rotbraunen Öllack. Er arbeitet sehr sauber und erfreut sich be- reits eines wohlverdienten Rufs. Charakteristisch für seine Geigen ist der besonders schön herausgearbeitete Rand mit einer leichten Einsenkung der Einlage beim Bodenplättchen. Auch als Wiederherhersteller alter Meisterwerke wird er sehr gelobt, namentlich als einer der Wenigen, die die schwierige Arbeit des manchmal unvermeidlichen Fütterns in künstlerischer Weise verstehen. Sprenger, Johann. — Mittenwald. 1879 'Arbeitete hauptsächlich für die Firma Neuner & Horn- steiner, schrieb aber seinen Namen und die Jahreszahl mit Bleistift auf die Innenseite der Decke, wo er ge- funden werden kann, wenn die Violine geöffnet wird. Sprenger, Josef Ferdmand. — Nürnberg. Geb. in Nürnberg am 15. Juni 1846 Schüler seines Vaters Carl Sprenger und von Vauchel. Nach dem Tode seines Vaters übernahm er dessen Geschäft (1873) und befaßte sich seitdem mit dem Sprenger Stadimann 477 Neubau aller Streichinstrumente (Geigen, Violen, Violoncelli, Kontrabässe, Philomelen, Streichmelo- dions), sowie auch mit dem Bau von Konzertzithern, Gitarren und Bogen. Er arbeitete nach Stradivari, Guarneri, Amati, Maggini usw., zieht im allgemeinen jedoch großes Patron und flache Wölbung vor. Den Lack (Öl und Spritus) bereitet er sich nach seines Vaters und Vauchels Vorgang selbst; er ist ein guter Holzkenner und arbeitet seine Instrumente sehr sorg- fältig aus. Er betreibt auch die Saitenspinnerei für alle Instrumente. Geigenzettel : Ferd. Sprenger / vormals / Carl Spren- ger / Saiteninstrumentenmacher, Nürnberg (Bayern) (gedruckt). Sprenger, Matthias. — Karlsruhe, New York. 1840. 1850 Ein tüchtiger, wahrscheinlich aus Mittenwald stam- mender Geigenmacher, der eine Zeitlang in Karlsruhe ansässig war, und am 19. August 1846 nach Amerika auswanderte. Eine sehr gute Violine von ihm besitzt Professor Billing in Karlsruhe. Geigenzettel: Matteo Sprenger / fece a Carlsruhe 1841 (geschrieben). Spyker, Jakobus. — ? Ein vlämischer Geigenmacher, der nach Amati arbeitete. Squler, J. B., lebt in Boston, und V. C. Squier in Battle Creek (Mich.) Ssemenow. — St. Petersburg. 1 9. Jahrhundert Ein Russe, der als Geigenmacher einen gewissen Na- men hat. Stadler, Caspar. — München. 1705. 1735 Er stammte wahrscheinlich aus Füssen, wo sein Fa- milienname heimisch ist. Seine selten vorkommenden Geigen sind gut gemacht, haben dunklen Lack und hohe Wölbung. Er scheint auch Musiker gewesen zu sein und gehörte als solcher wohl einer Kapelle als »Trabant« an. Eine Viola d'amore von ihm besitzt das Germani- sche Museum in Nürnberg. Geigenzettel : Caspar Stadler Traban(t ?) / in München Ao 1714 (gedruckt). — Kaspar Stadler Lauten- / und Geigenmacher in München / 1 735 (gedruckt). Stadler, Jakob. — 18. Jahrhundert Eine dem 1 8. Jahrhundert angehörige, reich verzierte und sauber gearbeitete Gitarre besitzt die Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Mu- seums in Wien. Auf einem Elfenbeinplättchen graviert: »Giacobus Stadler Ft.« Stadimann, Antoni. — Wien (?). 1730. 1783 In einer Geige von gewöhnlicher Arbeit fand sich der untenstehende gedruckte Zettel. Wenn keine Fälschung vorliegt, was ich für wahrscheinlich halte, hätte man es da mit einem sonst nicht bekannten Mitgliede der Fa- milie zu tun. Jedenfalls hat ein Antoni Stadimann weder das Bürgerrecht in Wien erworben, noch findet man ihn in den dortigen Steuerbüchern. Einen noch weniger glaubwürdigen (geschriebenen) Zettel trägt eine im Jahre 1842 von X. Thumhordt in Ingolstadt reparierte, gelb lackierte und im übrigen gute Geige, die Pfarrer W. Schmerl in München besitzt. Vielleicht hat ein Vogtländer oder Böhme nach bekanntem Vor- bild den Wiener Namen, den er nur von Hörensagen kannte, mißbraucht. Geigenzettel: Antoni Stadimann / Von Wien, 1783 (ge- druckt). — Andoni Starkmann Lauten und / Instru- mentenmacher in Wien / ao 1730 (geschrieben). Stadimann, Daniel Achatius. — Wien. Geb. um 1680, t 27. Oktober 1744 Er legte am 5. August 1707 den Bürgereid ab und wohnte im sog. Stubenviertel und war mit Heinrich Kermers Tochter verheiratet. Er gehört zu den tüch- tigsten Wiener Geigenmachern und galt als der beste Nachahmer Stainers. Sein Holz ist vortrefflich; nur arbeitete er die Decke ein wenig zu dünn aus. Auch sein Lack von hochgelber Farbe (wahrscheinlich Bernstein- lack) ist sehr schön, so daß man annehmen kann, daß St. auf seiner Wanderschaft bis nach Italien gekommen ist und dort manches gelernt hat. Dafür spricht auch, daß er gerne doppelte Einlagen, wie die Brescianer sie liebten, anwendete. Er arbeitete seine Geigen über die Form und nahm die Wölbung der Decke höher als die des Bodens (der mitunter aus Vogelahorn besteht). Er war ein fleifjiger, vielbeschäftigter Meister, und man findet Geigen von ihm in vielen Sammlungen und Orchestern. Die Kgl. Sammlung in Berlin bewahrt eine Viola di Bordone mit eigenartigen Schallöchern und schön geschnitzter Rose von ihm (Nr. 843). Die Braunauer Stiftskirche besitzt eine Geige von ihm aus dem Jahre 1724. Eine Geige mit dem gleichen Zettel aus dem gleichen Jahr besitzt auch das Benediktiner- stift St. Margareth b. Prag, eine Viola Baryton das Musikhistorische Museum W. Heyers in Köln. Geigenzettel: Abb. 731 und 740. w len. Geb. Stadimann, Johann Joseph. 1720, t 27. November 1781 Sohn von Dan. Ach. St. und dessen Nachfolger. Am 15. Dezember 1745 legte er den Bürgereid ab, wohnte im sog. »Wübmer-VierteU< und kommt bis zu seinem Tode in den Steuerlisten vor. Im k. k. Hof- und Staats- schematismus wird er von 1750 — 1781 als Hoflauten- macher angeführt (in den letzten 1 1 Jahren mit den falschen Vornamen Franz Joseph, statt Johann Joseph). Von 1781—1786 führte seine Witwe das Geschäft fort; ihr Mann scheint ihr nichts hinterlassen zu haben, denn ein Vermerk im Steuerbuch sagt von ihr: »ist sehr arm, wird von ihrer Schwester erhalten«. — Und doch war Joh. Jos. St. ein Künstler ; er arbeitete wie sein Vater sehr sorgfältig nach der Form, ahmte das Stainermodell nach, nur daß er die Wölbung oft noch höher nahm. Der Ton ist recht gut; weniger ist dies bei seinem braunen Lacke der Fall, der jetzt oft schwarz erscheint. Merkwürdigerweise war aber gerade dieser Lack bei den Wiener Meistern des 18. Jahrhunderts sehr beliebt, und man findet ihn auch bei Michael Ignaz Stadimann, wie bei den Partls und Thirs immer wieder. Einzelne Instrumente von ihm haben Boden und Zargen sehr dunkelbraun, während die ungebeizt-lackierte Decke jetzt hellrotgelb erscheint. Zwei solche Violoncelli von 1 755 und 1 758 besitzt die ehemalige Hof kapelle in Wien. 478 Stadl mann Stainei* Eine Viola di Bordone von 1750 besitzt Fürst Eszter- hazy in Eisenstadt (Ungarn), eine Viola d'amore von 1756 mit einem Frauenköpfchen am Wirbelkasten die Staat). Sammlung in Berlin (Nr. 869). Geigenzettel : Abb. 732. Stadimann, Joseph. — 1807 Einen Beweis für den guten Klang des Namens Stadi- mann liefern die vielen Geigenzettel mit fmgierten Vor- namen (wie Antoni, Joseph usw.), die sich in zwar alten, aber gewöhnlich wertlosen Instrumenten finden. Stadimann, Michael Ignaz. — Wien. Geb. um 1756^), t 10. März 1813 m Wien Sohn von Joh. Jos. St. Er legte am 9. Mai 1772 den Bürgereid ab, hatte seine Werkstatt im »großen Preuer- haus in der Dorotheergasse* und kommt in den Steuer- listen bis 1787 vor. Er war gleichfalls, wie sein Vater, Hoflautenmacher, und zwar seit 1784; \orher war er schon seit 1776 Adjunkt und wird als solcher im Hof- und Staatsschematismus bis 1781 geführt"). Er kommt seinem Vater und Großvater nicht nur gleich, sondern übertrifft sie in einzelnen Fällen. Er hat das Stainer- niodell aufgegeben und schon bald die Vorzüge einer flachen Wölbung erkannt und Stradivari zum Vorbild genommen. Er arbeitete sehr sorgfältig, und durch seinen durchsichtigen, rotbraunen Lack schimmert das Holz mit schönem Goldglanz. Zwei prächtige Geigen und eine Viola von 1 787 (die den besten Arbeiten von Geissenhof gleichwertig sind) besitzt die ehemal. Hof- kapelle in Wien, eine Gitarre die Gesellschaft der Musikfreunde. Ferner sind gute Arbeiten im Ferdi- nandeum in Innsbruck; auch waren solche in Wien ge- legentlich der Musikausstellung zu sehen. S. war ein tüchtiger Musiker und von 1799 — 1813 als Violinist Mitglied der Kaiserl. Hofkapelle. Seine Werkzeuge und Ladeneinrichtung vermachte er seinem Gehilfen Math. Daum. Geigenzettel : Abb. 673 und 748. Stadimayer, Georg und Simon. — Regensburg. 1603 Beide werden in dem Verzeichnis der 12 Rotten »Muß- gattierer und Schützen« der Regensburger Bürgerwehr als »Zithermacher* aufgeführt. Stäger. — Willisau (Luzern). 1910 Erfinder eines Stimmstocks, der sich von dem üblichen nur dadurch unterscheidet, daß er zweimal horizontal durchbohrt ist. Staenz, lebt als »Luthier« in Chambery Stainer, Andreas. — Absam. 1660. 1690 Ein urkundlich nicht nachweisbares Mitglied der Familie des berühmten Meisters. Man will eine Viola dl Baryton von ihm kennen. •") Wenn der Katalog der Sammlung Crosby Brown in New York die Jahreszahl 1 733 bei einer von Mich. Ign. St. verfertigten Viola d'amore angibt, so muß der Zettel ent- weder gefälscht oder die Jahreszahl falsch gelesen sein. ^) Auf den älteren Zetteln findet sich daher auch an Stelle des Schnörkels das Wort Adjunkt. Stainer, Jakob. — Absam (Tirol). Geb. 1 4. Juli 1621 in Absam, f Ende 1683 Sohn des Martin Stainer und der Sabina geb. Gra- finger. Der größte Meister der deutschen Schule und ein Künstler, der, wenn er auch andere Wege einschlug, nur in Amati und Stradivari seinesgleichen findet. Es ist unbekannt, wessen Schüler er war; die Behauptung, daß er bei dem berühmten Orgelbauer Daniel Herz in dem seinem Geburtsorte nahen Wilten zuerst in der Lehre gewesen sei, erscheint schon deshalb hinfällig, weil Herz in der Jugendzeit Stainers noch gar nicht in Wilten lebte. Wahrscheinlicher ist es, daß er bei irgend- einem Absamer Bauern, der, wie viele andere in Tirol, im Winter sich mit der Bildschnitzerei und dem Geigen- machen beschäftigte, die erste Anleitung erhielt. In seiner frühesten Jugend wird er auch eine Zeitlang Hirtenknabe gewesen sein, und seine ersten Versuche, sich eine Fiedel zu schnitzen, mag er damals unter Gottes freiem Himmel gemacht haben. Eine immer wiederkehrende Sage macht ihn zu einem Amatischüler. Ein urkundlicher Beweis dafür fehlt aber leider. Die Möglichkeit, daß er in jungen Jahren nach Cremona ge- kommen sei, muß ohne weiteres zugegeben werden. Er könnte dort noch bei Antonius Amati gelernt haben, der erst nach 1640 starb, also zu einer Zeit, da Stainer das 19. Jahr erreicht hatte. Wahrscheinlicher ist, daß er während der üblichen Wanderjahre seiner Gesellenzeit auch in Cremona — vielleicht bei Nicolaus Amati — gearbeitet hat. Diese Annahme wird durch einen neuen Fund in überraschender Weise unterstützt. Der Gei- genliebhaber Theodor Hämmerle in Wien erwarb von C. H. Voigt eine aus VuiUaumes Besitz stammende Violine mit einem Zettel der Brüder Amati. Trotz des italienischen Aussehens und des Zettels sprach doch so viel an dem Instrument für die Hand Stainers, daß Voigt die Geige von vornherein nur als eine Arbeit Stainers gelten lassen wollte. Zum Zwecke der Repa- ratur mußte sie geöffnet werden, und bei dieser Ge- legenheit fand sich unter dem Hals am Klotz versteckt ein zweiter Zettel (in der ganzen Höhe der Zargen). [Siehe die Abbildung!] Leider ist die Jahreszahl ver- wischt. Der Zettel scheint echt zu sein. Dies voraus- gesetzt, darf man annehmen, daß Stainer bei den Brüd<;rn Amati als Gehilfe gearbeitet hat, und da er als solcher in eine in der Werkstatt der Amati und für diese gebaute Geige seinen Zettel nicht öffentlich anbringen durfte, brachte er ihn an einer Stelle an, wo ihn nie- mand sehen konnte. Glauben wir, daß er in Cremona bei den Brüdern Amati war, dann ist auch die Frage, wo er hinter das Geheimnis des italienischen Lacks ge- kommen ist und wo er seine alle andern deutschen Geigenmacher übertreffende letzte Ausbildung er- fahren hat, leicht beantwortet. Er war aber viel zu sehr Künstler, als daß er ein bloßer Nachahmer hätte werden können. Er ging seine eigenen Wege, nahm die Wölbung höher und bevorzugte die deutsche Form der F-Löcher und der Schnecke; lediglich den Lack behielt er bei. Man muß seine Abweichung von seinen italienischen Vorbildern als das Ergebnis künstlerischer Erwägung ansehen, denn er entsprach mit seinem Modell tatsäch- lich den Anforderungen der damaligen Geiger besser als die Amati. Daß er seine Kunst gut verstand, hat er sein Leben lang bewiesen ; er muß aber auch eine ver- hältnismäßig gute Schulbildung genossen haben. Stainer 479 Außerdem war er ein vorzüglicher Geiger und soll sogar als Mechaniker durch merkwürdige Kenntnisse be- rühmt gewesen sein. Es wird stets erzählt, daß er schon 1639 seine ersten Geigen auf den Markt in Hall ge- bracht habe, was durchaus glaubwürdig ist. Im Jahre 1643 kam er nach Salzburg, mußte dort, wie das Zahl- meister-Kassejournal ausweist, »etliche Geigen bei der hochfürsd. Instrumentenstube<' ausbessern und ver- kaufte eine schöne Viola. Weiter weiß man von ihm, daß er niit der blutarmen Kleinbürgerstochter Mar- garethe Holzhammer (geb. 1624, f 1693) ein Liebes- verhältnis hatte, das nicht ohne Folgen blieb. Sobald er aber großjährig geworden war, heiratete er Margarethe am 26. November 1645. Im darauffolgenden Jahre finden wir ihn in Venedig, wo er sich aufhielt, um Ma- terialien einzukaufen, und im gleichen Jahre überreichte er seinem Fürsten eine Bittschrift mit dem .Anerbieten, die Instrumente für die Hofkapelle machen zu wollen, wobei er sich großherzig erbot, damit eine Schuld von 412 fl. seines Schwiegervaters Georg Holzhammer, »gewesten Bergmeisters bei dem Salzberg«, an das Pfannhausamt abtragen zu wollen. Der Erzherzog Ferdinand Karl willfahrte dieser Bitte ' ). Auf den Haller Märkten kam er mit allerlei Handelsleuten zusammen : dort mag er auch den jüdischen Händler Salomon Huebmer aus Kirchdorf in Oberösterreich kennen ge- lernt haben, der ihn überredete, mit nach Kirch- dorf zu kommen. Huebmer wird ihm wohl goldene Berge versprochen haben, denn es ist nicht einzusehen, was einen Geigenmacher gerade nach diesem Orte hätte locken können. Stainer blieb bis zum Frühjahr 1648 in Kirchdorf und wohnte bei Salomon Huebmer. Er mußte gewiß sehr fleißig arbeiten, den Verdienst aber wird wohl der Händler eingesteckt haben, denn als Stainer wieder abreisen wollte, stellte sich bei der Ab- rechnung heraus, daß er nicht nur gar nichts erhielt, sondern noch 24 Gulden für Miete aufgerechnet bekam, die er schuldig bleiben mußte. Als er wieder nach Hause kam, mußte er sofort seiner Verpflichtung, die Instru- mente der Hofkapelle instand zu halten, nachkommen, und damals hat er wohl den Erzherzog Ferdinand Karl und dessen Frau Anna, Großherzogin von Toskana, zu- erst persönlich kennen gelernt. Der Erzherzog, dem Stainers seelenvolles Geigenspiel ungemein gefallen hatte, ließ ihn mehrfach nach Innsbruck kommen, was viel heißen will, denn am erzherzoglichen Hofe standen fortwährend italienische Virtuosen im Sold, aber auch bei diesen erfreute sich Stainer großer Wertschätzung; trotzdem währte es noch zehn Jahre, bis ihm der Landesfürst am 29. Oktober 1658 den Titel eines Hof- musikers und erzfürstlichen Dieners verlieh, womit das Recht verbunden war, mit »ehrsamer und fürnehmer Herr« angeredet zu werden. Leider starb Ferdinand Karl schon 1662 und sein Bruder löste die italienische Hofkapelle auf, starb aber auch schon am 24. Juni 1 665. Tirol kam nun an Kaiser Leopold, und an diesen richtete Stainer 1668 ein Gesuch um Bestätigung seines Titels. Der Vizekanzler Dr. Paul Hocher befürwortete dieses Gesuch wärmstens, und der Kaiser erttsprach ^) Näheres hierüber und über den Hofmusiker J. Chr. Hegele, der schließlich die Restforderung an Stainer vom erzherzoglichen Hofe erbettelte, findet man in Dr. Fr. Waldners mehrfach erwähnter, trefflicher Schrift über die tirolischen Geigenmacher. ihm auch laut Diplom vom 9. Januar 1669. Stainer hatte damals seine künstlerische Höhe erreicht und war bereits zu Ruf und Ansehen gekommen. Er war viel- beschäftigt, seine Violinen wurden ihm schon mit 40 fl. bezahlt und er hatte sonach die besten Aussichten, einen gewissen Wohlstand zu erreichen. Schon am 12. November 1666 hatte er von seinem Schwager Paul Holzhammer das Haus W. 39 in Absam gekauft, das, von hohen Linden umgeben, dem Krippschen Herren- sitze gegenüber liegt. Und doch hatte er damals schon mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen. 1667 erhielt er plötzlich vom Landgericht in Thaur eine Vorladung, und es wurde ihm mitgeteilt, daß der Jude Huebmer seine alte Forderung für die Mieteschuld eingeklagt hätte. Stainer hat die Berechtigung dieser Forderung wohl nie wirklich anerkannt, aber er zahlte zunächst 15 fl. und erklärte sich bereit, den Rest von 9 fl. ge- legentlich des nächsten Haller Marktes zu bezahlen. Er unterließ dies jedoch und so wurde er 1669 gericht- lich gemahnt, und zwar, was ein eigentümliches Licht auf die Person des Gläubigers wirft, nochmals um die ganze Summe, ohne Anrechnung der bereits geleisteten Zahlung. Als Stainer sich dazu nicht verstand, ging Huebmer an das Gericht in Kirchdorf, welches der Stadt Hall die Eintreibung gebot. Es half ihm nichts, er mußte nochmals bezahlen, und vergeblich wandte er sich noch 1677 an den Kaiser, um das ihm widerrecht- lich Abgenommene zurückzuerhalten. Mag er damit auch viel Ärger gehabt haben, das Unglück seines Lebens war sein Konflikt mit dem fürsterzbischöflichen Konsistorium in Brixen. Es war die böse Zeit der Gegenreformation, und Stainer wurde im Januar 1669 beschuldigt, gemeinschafdich mit dem Schneider Jakob Meringer (Mehringer) lutherische Schriften gelesen und sogar ketzerische Redensarten geführt zu haben. Ob die Klage überhaupt berechtigt war, kann heute kaum entschieden werden, genug, das geistliche Gericht verurteilte beide. Sie sollten im Büßergewande mit Geißel und brennender Kerze in den Händen öffendich abschwören, während die Bücher verbrannt wurden. Beide legten Berufung ein, und es spricht sehr für das, selbst von katholischem Standpunkt aus betrachtet, geringe Verschulden beider, daß das wehliche Gericht sie nach Möglichkeit in Schutz nahm, so daß die Geist- lichkeit auf Geißel und Kerzen verzichten mußte. Die Bücher wurden verbrannt, aber Stainer sowohl als Meringer weigerten sich hartnäckig, abzuschwören. Nun zog das Konsistorium die Saiten straffer an und verlangte die Verhaftung beider, die leider wirklich ver- fügt wurde. Stainer fügte sich auch diesem Gewaltakt lieber, als daß er etwas gegen seine Überzeugung getan hätte; er bat nur um Aufschub gegen Bürgschaft, da er noch Geigen für das Kloster Rothenbuech in Bayern fertigzumachen hatte; man gestattete ihm aber nur, daß er diese im Gefängnis vollende. Er wurde ein halbes Jahr lang gefangengehalten und hat sich dabei wohl den Grund zu der Krankheit geholt, der er später erlag. Als man ihm die Freiheit wiedergab, war er ein gebroche- ner Mann, sein Vermögen war in Verfall geraten, und er konnte sich nicht mehr emporarbeiten. Er saß wohl noch fleißig in seiner Werkstatt, da er aber alles mit der größten Gewissenhaftigkeit ausführte und keine fremde Hilfe an seinen Werken duldete, arbeitete er nur sehr langsam und die Einnahmen standen dann in keinem Verhältnis dazu. Er hatte eine große Familie zu er- 48Ü St ainef nähren^), und so erdrückten ihn dieSorgen schließlich, daß er in Geistesnacht verfiel. Sein Todestag ist unbe- kannt '), aber sein Andenken ist lebendig geblieben, und 1898 wurde ihm ein würdiges Denkmal gesetzt. Wie Stradivari war er vielseitig in seiner Kunst, und es gibt kaum ein zu seiner Zeit gebräuchliches Streichinstru- ment, das er nicht gemacht hätte. Er schlug neue Wege ein, wenn er sich auch dem Einflüsse der Amatischule nicht entziehen konnte. Doch nahm er, wie schon be- merkt, nur an, was seinen Absichten entgegenkam. Er veränderte die Umrisse, die Stärkenverhältnisse des Holzes und die Wölbung, bei der auffällt, daß er die Decke höher als den Boden machte. Seine Geigen er- hielten dadurch jene eigentümliche, fast mehr an den Flöten- als an den Geigenton erinnernde Klangfarbe, die noch durch das ganze 18. Jahrhundert das Ent- zücken aller Musiker war. Das individuelle Gepräge aller Arbeiten Stainers fällt sofort in die Augen. Auch seine kurzen F-Löcher mit ihren kreisrunden Endi- gungen sind charakteristisch. Daß er manchmal unter dem Griffbrett noch ein rundes oder öfters ein stern- förmiges Schalloch und am Wirbelkasten gerne Löwen- köpfchen u. dgl. angebracht hat, sei nur nebenbei er- wähnt, da das auch andere unter seinen Zeitgenossen taten. Sein Lack ist sehr schön und kommt dem italienischen sehr nahe. Wenn er in Venedig »Mate- rialien einkaufte«, so wird der Lack dabei sicher eine Hauptrolle gespielt haben, da er gewiß Holz, wie er es brauchte, in seiner Heimat selbst haben konnte '). In der Farbe ist der Lack gelbrot gewesen, zeigt aber jetzt oft einen an Mahagoni erinnernden Ton. Er hatte drei verschiedene Modelle, ein kleines, ein mittleres und ein großes. Die technische Vollendung seiner Geigen blieb allen seinen Nachahmern unerreichbar, aber auch er dürfte von einem Grundgedanken ausgegangen sein, den er als Geheimnis mit ins Grab genommen hat. Man nennt u. a. Klotz und Alban seine Schüler; sie waren sehr geschickt, aber an den Meister reichten sie nicht heran. Bald nach dem Tode Stainers wurde sein Name so berühmt, seine Geigen so gesucht, daß -zahlreiche Fälschungen vorkamen, und selbst Klotz soll m seinen besten Geigen den Namen Stainers angebracht haben. In Deutschland und England wurde er von den Geigen- inachern zum alleinigen Vorbild genommen; auch in Frankreich fälschte man seine Arbeit, wie eine zweifel- los französische Geige im Museum des Konser- vatoriums in Brüssel beweist, in der sich der unsinnige, gedruckte Zettel befindet: »Jacobus Staainer Films, in absam prope omni pontum 1558«. Selbst in Italien wurde sein Modell nachgeahmt, ganz abgesehen von ^) Er hatte acht Töchter und einen Sohn Jakob, der starb, ehe er ein Jahr alt wurde. ') Der im Jahre 1842 von Seb. Ruf errichtete Grabstein fingierte nur ein wahrscheinliches Datum : »Freitag nach Aegidi vor Sunnenaufgang«. ^) Es wird erzählt, daß er sich tagelang in Wäldern auf- gehalten habe, um die Stämme abzuklopfen und auszu- suchen, die er zum Geigenbau brauchen konnte. Weniger glaubwürdig ist die Erzählung, daß er in Italien das Holz eines abgebrochenen Altars gekauft und 7 Geigen daraus gemacht habe, die er den 7 Kurfürsten zum Geschenk machte, die dann unter dem Namen Kurfürstengeigen als seine besten Arbeiten gegolten haben sollen. dem Einfluß seiner Arbeit auf D. Tecchler und die Schule von Rom. Ja, der Glanz seines Ruhmes hat im achtzehnten Jahrhundert in allen germanischen Län- dern die größten italienischen Meister überstrahlt. Erst die erhöhten Anforderungen an die Geige und die Kraft ihres Tons im neunzehnten Jahrhundert, denen die Stalnergeigen nicht ganz zu entsprechen vermögen, brachten es mit sich, daß man jetzt die Cremoneser überall bevorzugt. Ihren Sammelwert behalten die Stalnergeigen aber für alle Zeit, und so kommt eine echte Arbeit von ihm fast noch seltener im Handel zum Vorschein als eine echte Stradivari. Die schönsten Stainergeigen befinden sich in englischem Besitz; was in Deutschland noch vorkommt, ist nicht immer zweifellos echt. In echten Arbeiten fanden sich bisher nur handschriftliche Zettel, so daß es fraglich erscheint, ob er jemals gedruckte verwendet hat. Es wäre wün- schenswert, daß einmal ein Verzeichnis der wirklich echten Stainergeigen und ihrer Besitzer zusammen- gestellt würde. Von größeren Sammlungen seien hier nur die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, das Museum des Pariser Konservatoriums, die staatl. Samm- lung in Berlin, die fürstl. Lobkowitzsche Sammlung auf Schloß Raudnitz m Böhmen (ein Kontrabaß von 1677, Violinen von 1652, 1653, 1657. 1661 und 1667) erwähnt. Eine Viola und drei Violinen, darunter eine, die zu Stainers schönsten Arbeiten gehört, besitzt Hämmerle in Wien, eine ähnliche Prof. Anzoletti in Mailand (ein Erbstück seiner aus Bozen stammenden Künstlerfamilie), ferner eine Violin» aus dem Jahre 1675 Dr. A. Heusch in Aachen. Eine Violine von 1660 ist in der Kirche am Strahov, eine von 1676 in der Prager Kreuzherrenkirche, einen Kontrabaß besitzt der Kirchenchor in Murnau am Staffelsee. Auch einige bayrische und österreichische Klöster dürften noch im Besitz echter Arbeiten Stainers sein. So glauben das Chorherrenstift Neustift bei Brixen in Tirol zwei Geigen von 1655 und 1661, das Stift St. Florian (O.-Ö.) eine Violine von 1670 und die Dechantei des Marktes Obervellach (Kärnten) eine ähnliche ihr eigen zu nennen. Eine sehr schöne Stainergeige, leider ohne Zettel, bc sitzt ferner Prof. Gust. Holländer in Berlin, eine Viola da Gamba von 1667 W. E. Currey und eine Viola d'amore das Museum Carolino Augusteum in Salzburg, ein Violoncello Max Eisenberg in Hamburg, eincTenor- gamba, die ihrer prachtvollen Arbeit halber, trotz des gedruckten (statt geschriebenen) Zettels für echt gelten kann, Fritz Wildhagen in Haiensee b. Berlin, eine Bratsche Rechnungsrat Friedrich in Posen. Eine in allen Teilen im ursprünglichen Zustand erhaltene Vio- line erbte das Kloster Niedermünster in Regensburg von dem Kirchenkomponisten HuUer. Stainers Leben wurde wiederholt zum Gegenstand novellistischer Ar- beiten gemacht^); eine wirklich wertvolle Biographie schrieb der verdienstvolle Kaplan des Irrenhauses in Hall Seb. Ruf (geb. 1802, f 1877). Nach ihm sind nur noch zwei Funde von dem Archivbeamten Klaar ge- ') Z.B. von J. Schuler (abgedruckt in Schulers Werken, Innsbruck 1861 bei Wagner) und in »Jakob Stainer, Der Geigenmacher von Absam in Geschichte und Dichtung«, (wo auch Herm. v. Gilms Gedicht »J. Stainer« Aufnahme fand), ferner H. Jäger: »Der Geiger von Absam oder der klingende Baum«, abgedr. in »Des Knaben Lust und Lehre«, Glogau bei Fleming usw. 2i St ainer Stark 481 macht worden, die uns einen genaueren Einblick in Stainers Schicksale gestatten. Vgl. Prof. Dr. F. Lent- ners »Jakob Stainers Lebenslauf im Lichte archivali- scher Forschung«. Geigenzettel : Abb. 667, 721 . Stainer, Karl.-? 1735 P. de Wit veröffentlicht einen Reparaturzettel eines sonst nicht bekannten (vielleicht in Italien tätigen) Carlo Stainer : Rivisto e ristaurato da me / Carlo Stainer. A. 1735 (gedruckt). Stainer, Marcus. — Absam, Kufstein, Laufen a. Traun. Geb. um 1619, f nach 1680 Jakob Stainer hatte zwei ältere Brüder, Paul und Marcus. Paul wurde Tischler, Marcus war vielleicht ein Schüler desselben Meisters, bei dem Jakob St. lernte. Er ließ sich zuerst in Kufstein als bürgerlicher Lauten- und Geigenmacher nieder, wo er im Jahre 1647 schon und 1 659 noch ansässig war. Dann zog er nach Ober- österreich, wo er in dem Marktflecken Laufen seine Werkstatt aufschlug. Sein Leben scheint ohne be- merkenswerte Ereignisse verflossen zu sein ; m Archi- valien fand sich bisher nichts über ihn. So fehlt auch jeder Beweis dafür, daß er Klosterbruder geworden sei, wie behauptet wurde. Kam er auch seinem Bruder an Talent und Können nicht gleich, so war er doch recht geschickt und soll Jakobs Arbeiten mit Erfolg nachge- ahmt haben. Daß er seinen Namen mißbraucht hat, ist nicht anzunehmen, wohl aber, daß andere seine Arbeiten mit gefälschten Zetteln versehen haben. Die ihm zu- geschriebenen Geigen haben schönes, großes Modell, rötlichgelben oder rotbraunen Lack und sind m allen Einzelheiten tadellos ausgeführt. Am Wirbelkasten brachte auch er gerne geschnitzte Köpfchen an. Namentlich seine Gamben und Violen sollen gut sem. App.-Ger.-Rat v. Renner besitzt eine Geige von ihm, eine andere (vom Jahre 1677) das Ferdinandeum in Innsbruck. Eine Tenorgamba, die jetzt einen ge- schriebenen unechten Zettel von Jacobus Stainer trägt, früher aber, nach Piegendorfers Bericht, einen echten von Marcus Stainer mit der Jahreszahl 1665 aufwies, besitzt Fritz Wildhagen in Haiensee. Sie zeichnet sich durch schöne Arbeit, gelbbraunen Lack, Ro- sette und prachtvolles Löwenköpfchen am Wirbel- kasten aus. Geigenzettel: Marcus Stainer Burger u. / Geigen- macher in Kuefstein / anno 1 659 (gedruckt). — Marcus Stainer / bürgerl. Lautten- und / Geigenmacher in Kufstein / in TyroU 1 647 (gedruckt). St aininger s. Steininger Stamer, J. — Heilbronn. 1884 Ein Tanzlehrer, der einen kleinen Geigenhandel be- trieb und auch eine Reparaturwerkstatt einrichtete, in der er Mittenwalder oder Markneukirchner Gesellen beschäftigte. Die Werkstatt ging jedoch schon sehr bald wieder em. Geigenzettel: J. Stamer fecit / Heilbronn, 1884 (ge- schrieben). V. Lütg-endorf f , Geigen- und Lautenmacher. Bd. II Stamm, F. E. — Estebrügge, Hamburg. 1884. 1895 Ein Musiker und Färbermeister, der sich als leiden- schaftlicher Geigenfreund frühzeitig dem Geigenbau zuwendete. Da er sich die Druckstöcke für seine Färberei stets selbst geschnitten hatte, brachte er eine gewisse Handfertigkeit mit, als er die ersten Versuche machte. Durch eifriges Studium erlangte er dann eine recht anerkennenswerte Geschicklichkeit, und solange er in Estebrügge blieb, hat er sehr viele recht sauber durchgeführte Geigen gebaut, an denen alles seine eigene Arbeit war, bis auf die Schnecken, die er von Sauke in Hamburg kaufte. Als er sein Ladengeschäft in Hamburg eröffnet hatte, fehlte ihm die Muße zu eigenem Schaffen ; er bezog Geigen von den bekannten Fabriken, die er dann nur überarbeitete und durch Ausschachteln zum guten Teil verdarb. Er war auch vielfach als Reparateur tätig. Geigenzettel : Reparirt / von F. E. Stamm / in Ham- burg / 1 895 (gedruckt). — Reparirt / von / F. E. Stamm / Estebrügge. / 1884 (gedruckt). Stampfer, Sebastian. — Wien. Geb. 1792, t 23. März 1822 Am 15. Dezember 1820 legte er den Bürgereid ab und hatte in der Aisergasse Nr. 72 seine Werkstatt. Wenn auch nicht ungeschickt, hatte er doch wenig Gelegen- heit, sich auszureifen, da er ja erst fünf Vierteljahre selbständig war, als er starb. Stangel, Alois. — Mittenwald. 1792 Er war nur ein Handwerker. Seine Geigen von ge- wöhnlicher Arbeit sind flach gebaut, haben unschein- baren dunkelbraunen Lack und dumpfen Ton. Geigenzette! : Alois Stangel / in Mittenwaldt 1 792 (ge- schrieben). Stanza, Gmseppe. — Venedig. Geb. um 1663 Man weiß von ihm nur, daß er 168! und 1683 Schüler von Nie. Amati war und aus Venedig stamn^te. Starck, Johann. — Brück (?). 1 723 Eine zierliche Geige mit rötlichem, durchsichtigem Lack und hübsch gearbeiteter Schnecke, von mittlerer Wölbung und mit erhabenen Rändern trägt einen Zettel mit dem Namen »Johann Starck aus Prug«. Es könnte auch Prag gelesen werden. In Prag ist aber kein Geigen- macher dieses Namens nachzuweisen. Brück liegt bei Wildstein in Böhmen, 6 Kilometer von Markneu- kirchen entfernt, und war der Wohnsitz mehrerer Geigenmacherfamilien, die später in Markneukirchen vorkommen. Sollte aber wirklich Prag gelesen werden müssen, dann war Starck vielleicht ein Markneu- kirchener, der, wie manche andere, den Ursprungsort seiner Arbeiten verschleierte. Stark, August. — Straßburg i. E. Geb. 6. Jan. 1871 zu Rohrbach bei Brambach i. S. Schüler seines Bruders Hermann St., arbeitete fast vier Jahre als Gehilfe bei Meinel-Grunwald in Basel und eröffnete am I . Oktober 1899 in Straßburg seine eigene Werkstatt als Geigenmacher und Reparateur. Er 31 482 Stark — Stauffer ist als Geigenbaumeister »Meislerbeisitzer« in der Handwerkskammer für Elsaß-Lotbringen und Vor- sitzender der Gehilfenprüfungen für Musikinstru- mentenmacher. Er ahmt das Stradivari- und Guar- nerimodell nach und verwendet einen Lack eigener Zu- sammensetzung. Auf seinem Zettel führt er das Wappen von Cremona als Schutzmarke. Geigenzettel: (Wappen von Cremona.) A Stark, / Saiteninstrumentenbauer / Strassburg i./E. Anno .... (gedruckt). Stark, Heinrich Albin. — Geb. 20. März 1871 in Erlbach, arbeitet als Geigenmacher in Markneuki rchen Stark, Gustav. — Rohrbach b. Brambach. Geb. 1. September 1861 Bruder von Hermann St., mit dem er zusammen arbeitet. Er war ursprünglich Bogenmacher und hat nachträglich bei seinem Bruder das Geigenmachen erlernt. Stark, Hermann. — Rohrbach b. Brambach. Geb. in Rohrbach 14. August 1865 Schüler von August Voigt. Nachdem er bei H. Hammig als Gehilfe gearbeitet hatte, übernahm er schon 1885 das Geschäft von Jul. Theod. St. ; er macht nach den Modellen der besten alten Meister gute, billige Geigen und bevorzugt Ollack. Sein noch lebender Vater ist Geigenhändler. Stark, Walter. — Markneukirchen. 1920 Mandolinen- und Lautenfabrik, die früher in Erlbach war. Statler, Andree. — Genua. 1715 Er soll ein Schüler von Hier. Amati, dem Sohne des Nicola, gewesen sein. Der Name ist übrigens unsicher gelesen, und manche lesen ».'\nderl Statlle«, was jedoch falsch zu sein scheint. Stauber. Anton. — Köln. Geb. 24. Juli 1850 Schüler von Georg Tiefenbrunner. Er machte sich 1874 selbständig und ließ sich in Köln als Geigenmacher nieder. Seine Arbeit ist recht gut. Sein Sohn Heinrich St., der ebenfalls Geigenmacher wurde, ist hauptsäch- lich als Reparateur tätig. Staudinger (Stautinger), Mathaeus Wenzes- laus. — Würzburg. 1745. 1775 Einer der besten deutschen Meister seiner Zeit in Franken, von dem noch hübsche Lauten und Geigen aller Art vorkommen. Zwei hübsche Lauten von ihm (eine aus der Sammlung Snoeck) sind in der Berliner ehemal. Kgl. Sammlung (Nr. 704). Der eine Vorname kommt auf Zetteln auch Winceslaus und der Familien- name Stautinger geschrieben vor. Eine Geige von 1774 und eine Viola aus dem gleichen Jahre von ihm besitzt C. Stoeber in Würzburg. Auch einige gute Violoncelli von ihm sind mir bekannt geworden. Geigenzettel: Mathaeus Wenceslaus / Staudinger me fecit / Wirceburgi 1757 (gedruckt) und Abb. 724. Stauffer (Staufer), Joh. Anton. — Wien (Kaschau). Geb. um 1805, f nach 1843 Sohn, Schüler und Gehilfe von Joh. Georg St., mit dem er, selbständig geworden, eine Zeitlang, mindestens von 1840 — 1843, gemeinsem arbeitete und dem er auch nach Kaschau folgte. In den Wiener Bürger- und Steuerbüchern kommt sein Name nicht vor. Geigen, die seinen Zettel tragen, sind denen seines Vaters sehr ähnlich, haben aber Ecken und Ränder von zierlicherer Ausführung. Eine Gitarre von ihm ist aus der Samm- lung Snoeck nach Berlin gekommen (Nr. 352). Geigenzettel : Abb. 682 und 723. Stauffer (Staufer), Johann Georg. — Wien (Kaschau). Geb. 1778, f 24. Januar 1853 Ursprünglich Kunsttischler, verlegte er sich bald aus Liebe zur Musik auf den Bau von Gitarren und be- nutzte jede Gelegenheit, auch die Anfertigung von Streichinstrumenten zu erlernen. Natürliche Anlage, Handfertigkeit und ein gewisser Forschertrieb kamen ihm dabei zu Hilfe, so daß er, als er am 20. Juni 1800 den Bürgereid ablegte, bereits als Lauten- und Geigen- macher bezeichnet wurde. Er hatte seine Werkstatt Stadt Nr. 150 und beschränkte sich anfangs darauf, Gitarren zu bauen, die nicht nur sehr gut im Ton waren, sondern auch äußerlich hübsch ausgestattet, auf der Decke, um das Schalloch und den Saitenhalter mit aus schwarzem Holz geschnittenen Blumen usw. ver- ziert waren. Seine Gitarren waren sehr beliebt und wurden ihm mit 32 fl. C. M. bezahlt^), ein für jene Zeit sehr hoher Preis, der begreiflich erscheint, wenn man weiß, daß Stauffer unbestritten als der beste Wiener Gitarrenmacher seiner Zeit galt. Er erfand unter anderen 1821 die »Guitarre d'amour«, die ähnlich wie ein Violoncello mit dem Bogen gespielt wurde. Auch nach den Modellen anderer fertigte er Gitarren; eine solche besitzt das Musikhistorische Museum in Stock- holm (Nr. 29). Als die Gitarre mehr und mehr aus der Mode kam, zum Teil auch durch die von Ant. Kiendl verbesserte Zither verdrängt wurde, begann Stauffer sich mehr auf den Bau von Streichinstrumenten zu ver- legen. Seine Arbeit ist auch hier von peinlichster Sauberkeit. Er verarbeitete nur das allerschönste Holz, kopierte nicht nur Stainer und die Italiener recht gut, sondern auch den Engländer William Forster. Da er große, flachgewölbte Modelle bevorzugte, arbeitete er zumeist nach Guarneri oder »ad normam Antonii Stra- duarii« (sie), wie er ausdrücklich auf seinen Zetteln angibt, die er in den ersten vierziger Jahren des 1 9. Jahr- hunderts gebrauchte, als er sich mit seinem Sohne J. Anton St. vorübergehend in Kaschau in Ungarn auf- hielt"). Besonders schön sind immer seine Schnecken, die »wie gegossen« erscheinen. Sein Lack ist gelb, ^) Wie ein Kalender für 1821, den Stauffer als Ein- schreibebuch benutzte (jetzt im Besitz von W.Th. Jaura), ausweist. Als Käufer erscheint hier der seinerzeit berühmte Prof. Schimansky. -) Vermutlich leitete der Sohn die Kaschauer Werk- statt, während der Vater in Wien weiter arbeitete. Dafür spricht auch eine von 1841 datierte Stradivarikopie, die er zusammen mit dem Klaviermacher Fr. Wolff herstellte. Stautinger — Steger 483 seltener rotbraun, aber glasig und hart. Trotz ihrer vielen guten Eigenschaften fehlt seinen Geigen das, was sie erst zum echten Kunstwerk erheben würde. Sie lassen daher den Kenner kalt, und das erklärt auch, warum Stauffer von seinen Berufsgenossen lange nicht für voll angesehen wurde. Der Ton seiner Geigen ist kräftig, aber ohne Schmelz. Er selbst fühlte recht gut, daß seine Streichinstrumente seinen Gitarren nicht gleichkamen. Er war daher unablässig bemüht, Verbesserungen zu erfinden, von denen sich freilich keine bewährt hat; einerseits wollte er den Ton veredeln, anderseits die Widerstandsfähigkeit erhöhen. So baute er Geigen mit zweifachem Boden, damit der Ton nicht durch das An- liegen der Hand oder des Körpers gedämpft werde, oder er belegte die Zargen innen statt der Bereifung ganz mit Ahorn. Im Jahre 1832 baute er Violinen von einem schmalen, aber sehr langen Modell, aber auch dadurch erreichte er die erhoffte Tonveredlung nicht. Bei zu dünn ausgearbeiteten Decken suchte er den Ton dadurch zu verbessern, daß er im Innern von einem Klotz zum andern einen runden Holzstab einfügte, öfters auch eine Stahlstange (wie bei den Kontra- gitarren). Das Beispiel von Chanot veranlaßte ihn, Geigen ohne Ecken zu bauen, wobei er den Saiten- halter auf der Decke befestigte. Eine solche Geige ist in Berlin in derstaatl. Sammlung (Nr. 906). Man sieht, daß eine ganze Reihe von Erfindungen, die in den letzten Jahren aufgetaucht sind, durchaus nicht als neu gelten darf. Erst in neuerer Zeit erreichen Stauffers Geigen bessere Preise; er selbst brachte es jedoch zu keinem Wohlstand und starb im Bürgerversorgungshaus. Eine sechssaitige Gitarre von ihm besitzt C. Claudius in Kopenhagen. Geigenzettel : Joannes Georgius Staufer / fecit Viennae anno 1812 (gedruckt). — 126 / Georg Stauffer / Wien / im Schulhof No. 448 (gedruckt). — Nach dem Modell / des Luigi Legnani 1565 / Johann Georg Staufer / Anno 838 Wien N^ 480 (gedruckt). (In der Mitte eine Lyra mit Blumen, an der Seite ein Siegel mit dem öster- reichischen Adler) und Abb. 682, 735. Stautinger s. Staudinger Stecher, Josef. — Salzburg. Geb. in Salzburg 1828. 1884 Schüler von Johann Stöhr. Nachdem er längere Zeit bei Lemböck in Wien gearbeitet hatte, machte er sich in seiner Vaterstadt selbständig und erhielt bereits 1873 eine silberne Verdienstmedaille für eine Geige, deren schönes Modell, gelungene Ausführung und ita- lienischer Ton besonders gelobt wurden. Er ist ein sehr fleißiger und kenntnisreicher Meister, und daher auch als beeideter Schatzmeister angestellt, und besitzt ver- schiedene Auszeichnungen. Eine von ihm im Jahre 1884 gebaute Violine ist in der Sammlung des Museums Carolino-Augusteum in Salzburg. Ste.d..m(Stehelln?),Jonas.— Straßburg. 1596 Eine Laute in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln trägt den fast ganz unleserlich gewordenen ge- schriebenen Zettel: 1596 / Jonas Ste . d . . m (?) / Argent.; darunter der geschriebene Reparaturzettel: Johann Adolph Böningk / in Böltingen, habe die lauthe / renoviret. (Siehe Jonas Stehelin. S. 484.) Steffanini (Stephanini), Carlo. — Mantua. 1764. 1790 Ein Lauten- und Mandolinenmacher, der große Sorg- falt auf die äußere Ausstattung seiner Arbeiten legte. Eine Mandoline von ihm besitzt die staatl. Sammlung in Berlin (Nr. 743), eine Pandurina die Crosby-Brown- Sammlung in New York (Nr. 2229). Gustav Hering in München besaß eine Mandoline von ihm mit kürbis- förmigem Körper, kurzem Hals und zwölf Wirbeln vom Jahre 1785, 53 cm lang. Geigenzettel : Carlo Steffanini / fece in Mantova L'anno 1785 (gedruckt). Steffens, E. — Magdeburg. 1878 Nach einer ungeschickt gemachten Geige von häßlichem Modell, kümmerlichen F-Löchern, magerem Spiritus- lack und steiler Schnecke zu urteilen, war er sicherlich kein gelernter Geigenmacher. Geigenzettel : E. Steffens / Instrumentenmacher / Magdeburg. 1878 (gedruckt). Stegemann, Ernest. — Berlin. 1920 Erfinder einer neuen Geige, deren Körper nicht aus Holz hergestellt ist. Steger, Franz. — Hermannstadt. 1890 — 1895 Ein Geigenmacher, der zuletzt im Hermannstädter Adreßbuch für das Jahr 1895 genannt wird. Steger, Lorenz. — Salzburg. 1576 Er wird im Salzburger Bürgerbuch als Lautenmacher aus »Gintzpurg (Günzburg) im AUgey« aufgeführt. Er ist vielleicht der Vater Magnus Steghers in Venedig. Die Familie Steger (Stegher) war in Schwaben ziemlich verbreitet, ein Georg St. »Dürlauinganus« studierte im Jahre 1625 in Dillingen. Steger, N.Franz. — Ofen (Budapest). 1796 Seine Arbeiten erinnern in mancher Beziehung an Leeb. Eine Geige von ihm aus dem Jahre 1796 befindet sich im Math. -Dom zu Budapest (Ofen). Geigenzettel: Franciscus Steger / in Ofen 1796 (ge- druckt). Steger (Stegher), Magnus. — Venedig. 17.Jahr- hundert Vermutlich ein Sohn oder Bruder von Lorenz St., wo- für auch der im Allgäu sehr beliebte Taufname Magnus zu sprechen scheint. Da er der Aussprache zuliebe seinem Namen ein h einschob, lasen manche seinen Namen Stegner, und daraus entstanden im Laufe der Zeit noch weitere Entstellungen. Ein Chitarrone in der Sammlung Galpin (Hatfield) läßt deutlich »Steger« lesen. Mit h geschrieben, also Stegher, findet sich der Name in einem Chitarrone der Sammlung Wild- hagen (Korpus 68 cm, ganze Länge 192 cm), sowie in einer Mandola in Berlin (ehem. Kgl. Sammlung Nr. 73 1 ) und in einer Laute im Liceo commun. di Musica in Bologna. Er machte außer Lauten auch gute Baßviolen, arbeitete sehr sauber und schnitt die Dachsterne gerne in Kleeblattform aus dem Deckenholz. 31* 484 Stegmaiei - Steiner Stegmaier, F. — Ingolstadt. 1852 Er war Bisch- und Streichinstrumentenmacher und Händler und hat wohl nur Reparaturen ausgeführt. Sein Nachfolger ist 0. Schmelz, Stehelin, Bernhard. — Füssen. Um 1580 Ein aus den Jahren 1589 — 1594 stammendes Ver- zeichnis der Musikinstrumente der Stuttgarter Hof- kapelle führt eine von ihm gekaufte dreiundzwanzig- saitige Laute aus Ahornholz an. Stehelin (Stehele), Hans. — Füssen. 1603. 1612. t 17. Mai 1655 (?) Er war Bürger, heiratete am 21. Juli 1603 die Maiia Brait und war Mitglied der Lautenmacherzunft. Ob er mit dem im Jahre 1655 verstorbenen Träger seines Namens identisch ist, kann nicht sicher behauptet werden. Stehelin, Jakob. —Straßburg, Um 1594 Vielleicht ein Bruder von Jonas St. Er ist nur durch eine im Inventar der Stuttgarter Hofkapelle aufge- zählte »Laute mit 15 Saiten von Pflaumenbäumen Holz mit weißen Reifen« bekannt. Stehelin, Jonas. — Straßburg. 1582. 1602 Er war aus Füssen eingewandert, erwarb nach dem im Straßburger Stadtarchiv aufbewahrten Bürgerbuch (III. 378) am 3. Januar 1582 das Straßburger Bürger- recht und mußte, da die Lautenmacher dort keine eigene Zunft hatten, sich der Zimmerleutezunft anschließen. Er scheint sich in Straßburg verheiratet zu haben, doch läßt sich das nicht feststellen, da das Kirchenbuch für die in Betracht kommenden Jahre bei den Heiraten eine Lücke aufweist. Man weiß daher nur, daß die Frau den Namen Ursula führte. In den Taufbüchern der Neuen Kirche sind in den Jahren 1594 — 1602 fünf Kinder von ihm eingetragen, und noch heute kommt der Name Stehelin im Elsaß vor. Die Zunftbücher können auch keinen näheren Aufschluß über ihn geben, da die ältesten erhaltenen erst viel später beginnen. Arbeiten von ihm kommen noch mehrfach vor und beweisen, daß er ein sehr tüchtiger Meister war. Eine gute Knickhals- laute aus 1 7 Elfenbeinspänen vom Jahre 1594 besitzt Fritz Wildhagen in Haiensee b. Berlin, eine andere aus Ebenholz und Elfenbein befindet sich im Kölner Musikhistorischen Museum (Nr. 494). Geigenzettel: Jonas Stehelin / in Argentina 1594 (ge- schrieben). Stehelin, Mathias. — Hausen an der Fils, 1 585 Vielleicht der Vater von Bernhard und Jonas St. Er verkaufte im Jahre 1585 Lautenmacherwerkzeug, darunter »Hohlnepper« (Bohrer) an Baisch nach Stutt- gart und hat damals vermutlich seine Werkstatt auf- gegeben, um nach Füssen zurückzukehren. Stehle, J. — Odessa. 1870 Auf seinen Zetteln nennt er sich Geigenmacher, doch scheint er nur als Reparateur tätig gewesen zu sein. Geigenzettel : J. Stehle / Geigenmacher / Odessa. 1 870 / (gedruckt). Stehlik, Johann. — Budapest. 1915 Arbeiten von ihm sind mir noch nicht bekannt ge- worden. Stehlik, Ludwig. — Budapest. 1908 Er wohnte Joszef-Körüt 71 und empfahl sich als Re- parateur und Geigenhändler. Steif, Martin, arbeitet als Geigenmacher in Steingrub b, E, Stein. — Markneukirchen, 1845. 1852 Ein kleiner, aber geschickter Geigenmacher, der freilich nur billige Geigen gemacht hat. Stein, Heinrich. — Preßburg Er stammte aus Augsburg und erwarb am 2. Oktober 1810 als Saiten- und Blasinstrumentenmacher das Bürgerrecht auf dem Preßburger Schloßgrund. Es soll gute Gitarren von ihm geben. Stein, Johann Georg. — Berlstedt (Sachs. - Weim.) ? 1753 In einer Laute mit diesem Namen, der vielleicht unvoll- ständig ist und Steiner heißen dürfte, ist der Wohnort »Berlstaedt« zu lesen. Andere wollen »Bernstadt« lesen. In Bernstadt in Sachsen kommt jedoch zwischen 1750 bis 1760 der Name gar nicht vor, und in Bernstadt in Schlesien ist um die genannte Zeit nur ein Erbmüller Johann Christian Stein, aber kein Lautenmacher nach- zuweisen. Welcher Ort kann also mit Berlstaedt allen- falls noch gemeint sein? Sftinbrinck, Joh. Andr. Ant. — Hamburg. 1792 Ein Instrumentenmacher, der am 27. April 1792 Bürger wurde. Steiner, Johannes Anton. — (Mark-)Neu- kirchen? 1760. 1773 Sehr gewöhnliche Vogtländer Arbeit und unschönes Modell; trotzdem wird auf den Zetteln Cremona als Ursprungsort fingiert. Geigenzettel: Johannes Anton Steiner / Musikus-In- strumentalis / Caresp. Cremona 1 760 (geschrieben). Steiner, Johann Georg Joseph. — 1604 Th. Kurth besitzt eine gute Violine, derer Umrisse, F-Löcher und Schnecke sowie die Wölbung dem be- kannten Modell Jak. Stainers entsprechen, mit dem geschriebenen Zettel: Johann Georg Joseph Steiner/ Violin et Lauden Mager / Anno 1 604. Wenn die Violine von Tiroler Herkunft ist — wofür der Zettel nicht gerade spricht — , könnte man in diesem Steiner einen Verwandten Jakob Stainers vermuten, wahrscheinlich gehört er aber zu derselben Familie wie Johann Georg Stein (s. diesen). Steiner, Johann Joseph. — (Mark-)Neu- kirchen? 1774. 1792 ' Wahrscheinlich ein Sohn von Johannes Anton St. Seine Arbeit ist ebenso wertlos. Er gibt Mittenwald — oder. Stelner — Stelninger 485 wie er schreibt, Mittenbald — als Wohnort an, obwohl der Vogtländer Ursprung unverkennbar ist. Auch ein Ludwig St. kommt vor mit dem Zettel: Ludwig Steiner in Absam a / Tyrol fecit me. Anno 17 . . (ge- druckt). Geigenzettel : Joseph Steiner in Mittenbald / Anno 1 792 (gedruckt). Stelner, Josef. — Lengberg b. Nikolsdorf (Tirol). Geb. am 27. Februar 1862 auf dem Schlosse Lengberg, t daselbst 18. November 1908 Er war der Sohn des Tischlermeisters Jos. St. und er- lernte zunächst das Tischlerhandwerk bei seinem Vater, ging aber bald zur Geigenmacherei über. Da er haupt- sächlich auf schöne Form und sorgfältige Arbeit Wert legte, hätte er es darin vielleicht zu etwas bringen können. Da glaubte er plötzlich den Beruf eines Malers in sich zu spüren und ging nach München, wo' er mit Unterbrechung sieben Jahre lang die Kunstakademie besuchte. In der Zwischenzeit (1888) arbeitete er in Mittenwald als Geigenmacher und machte immer wieder Geigen und Zithern. Eine recht gute Zither von ihm be- saß Prof. Fr. v. Defregger. Steiner war jedoch weder mit seinen Erfolgen als Geigenmacher noch als Maler zufrieden, und so tauchte er plötzlich wieder in seiner Heimat auf und arbeitete auf dem Felde mit Haue und Spaten und erklärte, sein eigentlicher Beruf sei doch nur die richtige Bauernarbeit. Lange hielt er es aber nicht aus, er ging wieder nach München, wo es ihm zuletzt so schlecht ging, daß er in seiner Heimat die Stelle eines Kirchenmeßners annahm. Er verlegte sich nun- mehr auf das Erfinden. Erst wollte er die alte Fresko- maltechnik wieder erfinden und dann den alten Cre- moneser Geigenlack. Er verschrieb sich dazu die Be- standteile, namentlich Kopal, aus allen Weltteilen und tat Wochen- und monatelang nichts anderes als Lack sieden. Ganz aufgegeben hat er das Geigenmachen nie, wenn er auch zeitweise wieder zur Palette griff und Bildnisse malte, oder zum Hobel. Das Erfindenwollen war bei ihm zur Manie geworden, die vielen Ent- täuschungen untergruben seine Gesundheit, und auch da wollte er das Heilmittel gegen seine Krankheit selbst erfinden. Er aß fast nichts mehr und mischte irgendeine Wurzel in alle seine Speisen. Aber das Kraut gegen den Tod hat er nicht gefunden. Er war im übrigen ein liebenswürdiger humorvoller Mensch, sang recht hübsch und hat einige sehr sauber durchgeführte Geigen gemacht, bei denen freilich der Ton nicht ganz dem schönen Äußeren entspricht. Der Bruder Jos. Steiners besitzt noch sieben oder acht unvollendete Geigen von ihm. Geigenzettel : Jos. Steiner, Lengberg (Lienz) / fecit me. Anno 1890 NH 8 (gedruckt). — Joseph Stainer / fecit me Anno 1897 / N' 24 / Lengberg Lienz (Tirol) (ge- druckt). Steiner, Peter. — Graz. 1918 Ein städtischer Wachmann, der sich in seinen Frei- stunden sehr fleißig mit dem Geigenbau beschäftigt und es darin zu anerkennenswerter Geschicklichkeit gebracht hat. Steinert, Jacob. — ? 18. Jahrhundert Eine in meiner Sammlung befindliche vogtländische Geige mit weitjähriger Decke, Buchenholzboden, gelbem Lack, ohne Einlagen, die aus dem Besitze des Dichters Mathias Claudius stammt, trägt den folgenden geschriebenen Zettel. Ob ein Jacob Steinert wirklich gelebt hat, oder ob Jacob Stainer der Taufpate der Geige war, will ich nicht entscheiden. Geigenzettel : Jacob Steinert / ad modum Cremonens. fecit (gedruckt). Steinheibl (Steinhäubl), Georg (Jörg). — Füssen. 1606. 1612 Er dürfte von dem nördlich bei Lechbruck liegenden Hofe Steinhäubl nach Füssen gekommen sein. Er war Bürger und muß in besonderem Ansehen gestanden haben, da er im Jahre 1612 »Fürgesetzter« (Älter- mann) der Lautenmacherzunft war. Steininger, Franz Xaver (Fran^ois). — Darm- stadt, Frankfurt a. M., Paris, St. Petersburg. Geb. in Mainz 3. Juni 1778, f um 1850 Sohn und Schüler von Jakob St. Als sein Vater von Frankfurt nach Aschaffenburg berufen wurde, ging er auf die Wanderschaft, arbeitete hauptsächlich in Linz und Wien und kam vermutlich bis nach Paris. Im Jahre 1800 war er wieder in .^Echaffenburg und erhielt einen Ruf als Hofgeigenmacher nach Darmstadt. Dort scheint er jedoch keine ausreichende Beschäftigung gefunden zu haben, denn schon 1801 siedelte er nach Frankfurt über, wo er seine Lehrzeit zugebracht hatte und wo ein Geigenmacher sehr nötig war. Er fand bald einen großen Kundenkreis, und als er sich 1802 um das Bürgerrecht bewarb, konnte er eine Reihe glänzender Zeugnisse vorlegen. Gegen die Verpflichtung, nur von ihm gemachte Gelgen zu verkaufen und die Instru- mente der städtischen Kapelle an der Katharinenkirche lebenslänglich unentgeltlich zu unterhalten, wurde ihm und seiner Frau, einer geborenen Bemritter aus Aschaffenburg, 1803 das Bürgerrecht erteilt. Nun kamen aber schlechte Zeiten und schwere Schicksals- schläge für ihn. 1805 starb seine Frau, die Kriegsjahre von 1806 an brachten ihn in seinem Erwerb zurück, die unerschwinglichen Kriegslasten ruinierten ihn vollends, so daß er sich entschloß, eine Kunstreise zu unterneh- men. Er ließ seinen jüngeren Bruder in der Frankfurter Werkstatt zurück und ging nach St. Petersburg, wo er bald so reichliche Anerkennung und lohnende Arbeit fand, daß er seinen Bruder, der ohne ihn nicht leben zu können angab, nachkommen ließ. Vorher war er wohl wieder in Paris ; auch In London scheint er sich aufge- halten zu haben, wie auch in Berlin und Warschau. Erst im Jahre 1818 kehrte er, nur ungern in St. Peters- burg entlassen, nach Frankfurt zurück und erhielt das Bürgerrecht wieder. Sein Gesuch darurn wurde von den ersten Musikern, darunter von Louis Spohr, der damals Operndlrektor in Frankfurt war, wärmstens unterstützt. Im Jahre 1819 heiratete er Elisabeth Kauth aus Bensheim und blieb jetzt mit kurzen Unter- brechungen bis 1835 in Frankfurt ; nur von 1827—1828 arbeitete er in Paris. Die Frankfurter Gewerbekalender 486 Steininger — Stelzner führen ihn bis 1835 als »streichenden Instrumenten- macher in der Meisengasse wohnhaft« auf. Die Frank- furter Adreßbücher von 1832 — 1852 nennen ihn als auswärts wohnenden Bürger, und zwar als Geigen- macher in St. Petersburg. Von 1853 ab fehlt sein Name ; er scheint also um diese Zeit schon gestorben gewesen zu sein. Er war ein feiner Künstler, der auch Verbesse- rungen am Baßbalken anbrachte, die sich bewährt haben. Seine Arbeiten beweisen, daß er die Italiener studiert hat; die französische Schule ist ebenfalls nicht ohne Emfluß auf ihn gewesen, ja, die Franzosen rech- nen ihn kurzweg zu den Pariser Meistern. Besonders schön sind seine Violoncelli, von denen eines von 1828 auf einer Pariser Auktion schon 1887 mit 650 Fr. bezahlt wurde. Er nahm nur sehr schönes Holz und war auch im Lack nicht schlecht. Geigenzettel: F. Steininger / Paris 1827 (geschrieben). Steininger, Jakob. — Passau, Mainz, Frank- furt a. M., Aschaffenburg. 1775. 1818 Er scheint aus der Gegend von Füssen zu stammen und war möglicherweise der Sohn eines gleichnamigen Vaters. Nach 1 775 kam er vermutlich aus Passau nach Mainz, wo er der Schwiegersohn des Geigenmachers Nikolaus Döpfer wurde und den Titel eines kurfürstl. mainzischen Hofgeigenmachers erhielt. Um 1790 war er in Frankfurt a. M. ansässig und siedelte gegen 1800, einem ehrenvollen Rufe Folge leistend, nach Aschaffen- burg über, wo er noch 1818 lebte. Seine Frau Katharine starb nach den Matrikeln der Agathe-Pfarrei am 24. Juni 1809, hat ihn also nicht überlebt, wie mehrfach behauptet wurde. Über Steininger selbst ist in den Matrikeln nichts zu finden. Er hinterließ zwei Söhne, die gleichfalls Geigenmacher waren. Eine ''^ -Geige von ihm besitzt Edward Speyer in England. — Wenn Valdrighi 1 705 liest, so scheint er eine Geige von 1 795 gesehen zu haben. Eine Viola d'amore aus dem Jahre 1777 befmdet sich aus der Sammlung Snoeck in Berlin. Geigenzettel : Abb. 752. Steininger, J. — Prag, St. Petersburg- Geb, um 1785. tum 1835 Jüngerer Sohn von Jakob St. Schüler seines Vaters und Bruders, dem er nach Petersburg folgte, wo er auch starb, nachdem er angeblich um 1810 in Prag tätig war. Er blieb dann zeitlebens der Gehilfe seines Bruders und ist nicht mehr selbständig aufgetreten. In seiner letzten Zeit war er fast ausschließlich Reparateur. Die wenigen Geigen, die er (namentlich in Prag) gemacht hat, sind sehr schön, wenn man von den Schnecken absieht. Das Modell ist breit, die F-Löcher nach Stradivari, die Ecken schmal und elegant. Der Lack ist dunkelrot- braun. Steininger, Martin. — Aschaffenburg, St. Petersburg. Geb. um 1780. Lebte noch um 1830 Wahrscheinlich der ältere Sohn von Jak. St. Er arbeitete bis 1809 in Aschaffenburg und ging dann nach Rußland, wo er, wie sein Bruder Franz, es zu großem Ansehen brachte. Geigenzettel ; Abb. 749. Steltzer (?), Vlncenzo. — Brescla. 1619 In einer hochgewölbten, ursprünglich goldgelb lackierten Violine mit flacher, kleiner Schnecke fand sich der Zettel : Vincenzo Steitzer / feci (sie) in Brescia anno 1619. Vermutlich ein Deutscher (Füssener?), der in Brescia gearbeitet hat. Stelzel, Ludwig Conrad. — Geb. 17. Februar 1864, Ist in Markneukirchen als Gelgen- macher ansässig Stelzner, Alfred, Dr. phll. — Dresden, f 1 4. Juli 1906 »Auf die Gefahr hin, Anstoß zu erregen« — schrieb Dr. Stelzner in de Wits Zeitschr. für Instr.-Bau am 1 . Oktober 1895 — , »behaupte ich, künftig noch für die erste Autorität auf dem Gebiete des Streichinstru- mentenbaues gewürdigt zu werden, in wörtlichem Sinne als Urheber der endgültigen Form der Resonanz- körper der Streichinstrumente.« — Es läßt sich nicht leugnen, daß unter den neueren Versuchen, das Geigen- machen zu reformieren.die Stelzners die interessantesten sind, weil er immerhin zu nicht zu unterschätzenden Resultaten gelangt ist. Sein Bestreben war darauf ge- richtet, die Energie der im Geigenkörper schwingenden Luftmoleküle zu erhöhen, was ihn zu einer Änderung der Umrißlinien der Geigen veranlaßte. Er führte die Umrißlinien und Wölbungen zurück auf die Kegel- schnitte der Ellipse und Parabel und die Flächen, die sich ergeben, wenn man diese Kurven sich um ihre Achsen gedreht denkt. Künstler wie Ysaye, Wilhelm], Massenet und viele andere haben über die Stelzner- Instrumente glänzende Zeugnisse ausgestellt. Eine glückliche Schöpfung Dr. Stelzners ist jedenfalls die Violotta, eine Armgeige von der Länge (42 cm Korpus- länge) und Mensur einer mittelgroßen Bratsche mit vier Saiten in Quinten gestimmt, eine Oktave tiefer stehend als die Violine und in einem neuen G-Schlüssel, dem umgekehrten Violinschlüssel notiert. In der bisherigen Besetzung des Streichquartetts sind die vier ver- schiedenen Stimmen nur durch drei verschiedene Ton- werkzeuge vertreten. Die Violotta füllt nach Tonum- fang und Klangfarbe diese bereits von Händel, Gretry, Spohr und anderen empfundene Lücke zwischen Viola und Cello aus und ist Repräsentant der Tenorstimme. Auch ein Cellone hat Dr. Stelzner erfunden, eine Knie- geige, kaum merklich größer (nur 2 cm länger im Korpus) als das Violoncell, mit vier Saiten in Quinten, und zwar eine Oktave tiefer als die Violotta, also zwei Oktaven tiefer als die Violine gestimmt und im Baß- schlüssel notiert, wie die Töne klingen. Die Streich- instrumentenfamilie sollte also nach Dr. Stelzner außer dem Kontrabaß, dem mächtigen, unersetzbaren Funda- ment des Orchesters, bestehen aus drei G-Geigen, der Violine, der Violotta und dem Cellone, je um eine Oktave in der Stimmung verschieden und den da- zwischen stehenden, bisherigen zwei C-Geigen, der Viola und dem Violoncell. Es gibt bereits eine kleine Literatur für »Stelzner- Instrumente«. Unter anderen schrieb A. E. Gerspacher ein Streichquartett für Vio- line, Viola, Violotta und Cello; Felix Draeseke ein Streichquintett mit Violotta, und Arnold Krug, Fd. Behm, Otto Kaletzsch und andere Streichsextette mit Stembersky — Stjepusin 487 Violotta und Cellone. Im Orchester verwendete zuerst Max Schillings die Violotta, und zwar als Soloinstru- ment in seiner vielerorts aufgeführten Oper »Der Pfeifertag«, und in zwei Opernwerken Stelzners, dem im Dresdner Hoftheater 1902 zuerst aufgeführten »Rübe- zahl« sowie in dem Musikdrama »Swatowits Ende«, das seine Erstaufführung 1903 im Hoftheater zu Kassel erlebte, sind vom Verfasser die Violotta und das Cellone durchgehends als »gleichberechtigt und gleichbe- pflichtet« mit den übrigen Streichinstrumenten notiert und in mehrfacher Besetzung erfolgreich zur Ver- wendung gelangt. Geigenzettel: Abb. 733. Stembersky s. Stembersky Stemplowsky, Alexius. — Engelberg, Ob- walden (Schweiz). 1920 Ursprünglich Maler und dabei ein tüchtiger Musiker, der auch als Konzertmeister tätig ist, brachte ihn seine Geigenliebhaberei frühzeitig dazu, sich mit dem Geigenbau zu beschäftigen. Er verwendete ein fünf- jähriges Studium darauf, und da er nicht darauf ange- wiesen war, aus seiner Liebhaberei vorzeitig einen Ver- dienst zu machen, konnte er seine Ausbildung als Gei- genmacher allseitig vollenden. Ein eingehendes Er- forschen der Arbeitsweise der größten alten Meister und vielfältige Versuche wurden schließlich von schönem Erfolge gekrönt. Seine Violinen wurden im Vergleichsspiel mit einer echten Guarnen und als dieser vollkommen ebenbürtig anerkannt. St. arbeitet haupt- sächlich nach Guarnen, verwendet auserlesenes Holz und einen schönen OUack. Stener, Jacobus. — 1827 Eine Violine mit diesem (vielleicht schlecht gelesenen) Namen besitzt die Sammlung Savoye in Paris. Stenger, Willibald C. — Topeka, Chicago. Geb. 1877 bei Roanoke (Illinois) von deutschen Eltern Hat sich durch Selbststudium zu einem tüchtigen Geigenbauer ausgebildet und machte sich im Jahre 1 903 zuerst in Topeka (Kansas) selbständig und siedelte 1909 nach Chicago über. Er baut nach einem eigenen, an Stradivan erinnernden Modell, verwendet einen gold- braunen Lack und geschriebene Zettel. Der Ton seiner Geigen wird von Fachleuten ebenso gelobt als die Arbeit. Stenkjöndalen, Knut Ellefsen. — Bo. 1897. 1900 Er stammt aus Stenkjöndabn und nahm den Orts- namen als Familiennamen an. Er ist ein geschickter Geigenmacher und macht hauptsächlich sog. Har- dangergeigen. Stentor.ein Mirecourter aus Vuillaumes Schule Stentzel, August. — Breslau. 1765 Hauptsächlich Harfenmacher. Eine Pedalharfe von ihm aus dem Jahre 1765 besitzt das Schlesische Museum für Kunstgewerbe in Breslau (Nr. 8352). Stenzel, Carl Albin, geb. 9. November 1858, und sein Bruder Carl August Stenzel, geb. 24. September 1860, arbeiten in Markneu- kirchen als Geigenmacher Stephaninus, Carolus s. Steffanini Stephannis, gen. Nepos. — Cremona. 1507 Ein von Valdnghi (3066) erwähnter Cremoneser Lautenmacher aus der vorklassischen Zeit. Stephenson, M. — Leeds 1887 Vielleicht ein Liebhaber, der sich eine gewisse Ge- schicklichkeit angeeignet hat. Sternberg, Hinrich Franz. — Lüneburg. 1729 P. de Wit veröffentlicht zwei Zettel dieses mir sonst nicht bekannt gewordenen Geigenmachers. Geigenzettel : Hinrich Frantz Sternberg / fecit. Lüne- burg. 1729 (gedruckt). Stembersky (Stembersky), Hans Heinrich. — Prag. 1725. Wahrscheinlich ein Sohn von Heinrich St. Über ihn ist bisher nur bekannt, was er selbst auf seinem Zettel, der sich in einer Violine befand, sagt : Hans Heinrich Stem- bersky / Bass- und Geigenmacher in der Altstadt Prag 1 725 (gedruckt). Stembersky (Stembersky), Heinrich. — Prag. Geb. nach 1600, f 17. April 1697 Sein Name ist nur dadurch bekannt, daß Andreas Ott im Jahre 1659 eine Beschwerde gegen ihn bei der Hof- kanzlei einreichte. Er starb im Pfarrsprengel Maria de Lacu und wurde über 90 Jahre alt. Sterzin. — Erfurt. 1653 In einer gut gearbeiteten Gamba befand sich der schlecht leserliche Name dieses Lauten- und Geigen- machers. Leider war in Erfurt über ihn nichts zu ermitteln. Nivelles (Belgien). Stevens, Pierre- Joseph. 1738 Seine Violinen zeichnen sich namentlich durch gutes Holz aus und haben eine kleine Schnecke. (Snoeck las den Namen irrtümlich Steveny.) Stevens. — Leyden. 1743 Eine größere Geige von ihm wird im Selhofschen Ver- steigerungsverzeichnis erv.'ähnt. Stewart, S. S. — Philadelphia. 1884. 1885 Banjomacher, Lehrer des Banjospieles, Verfasser einer Banjoschule und Herausgeber von S. S. Stewarts Banjo- und Gitarrejournal. Stjepusin, Janko. — Sissek Kroatischer Tamburitzenmacher der Gegenwart. 488 Stinbcrg — Stöhr Stinberg(?) (Steinberg?), Jakob. — Weimar. 1679 Eine interessante sechssaitige Viola da Gamba mit Dachstern und geschnitztem Kopf am Wirbelkasten besitzt die Musikinstrumentensammlung des Bach- Hauses in Eisenach (Nr. 40). In Weimar war über ihn nichts zu ermitteln. Geigenzettel : Jacob Stin Berg / In Weimar 1 674 (ge- druckt). Stingl, Johann, arbeitet als Geigenmacher in Schönbach Stingl, Josef. — Schönbach b. Eger. 1826 Seine Geigen zeigen eine geschickte Hand, wenn auch wenig Künstlerschaft. Die F-Löcher sind weit, die Zargen hoch und der Lack dunkelbraun. Er gehörte 1826 bereits der Innung als Meister an. Stingl, Martin. — Schönbach. 1860. f um 1890 Er kam als Geigenmacher nach Wien, wo er das Zither- machen erlernte. Heimgekehrt war er einer der ersten von denen, die die Zithermacherei nach Schönbach verpflanzten. Stirrat (nicht Stirbat), David. — Edinburgh. 1810. tum 1820 Schüler von Matthew Hardie, ein talentvoller Geigen- macher, der sicher seinen Lehrmeister übertroffen hätte, wenn er nicht vorzeitig gestorben wäre. Seine Arbeit erinnert sehr an die Hardies, besitzt aber trotz- dem viele eigene Züge. Er hatte einen gelben Spiritus- lack. Er läßt sich von 1810—1820 in Edinburgh nach- weisen. Eine prachtvoll gearbeitete Violine von ihm vom Jahre 181 1 besitzt Dr. Geo. Young in New York. Geigenzettel: D. Stirrat Fecit / Edinb. 1811 (mit Blei- stift auf den Boden geschrieben). Stirtzer s, Stürtzer Stobeil (Strobel?), Cunradt. — Wien. 1661 Das Historische Museum in Basel besitzt einen Kontra- baß von 1661 dieses sonst nicht bekannten Wiener Meisters. Stoeek, Wenzel. — Prag. Geb. 1849 in Vel. Barchov,t 25. Oktober 1880 Er wohnte in Nuslc Nr. 109 und starb im Allg. Krankenhause in Prag. Stock, Christoph. — Stuttgart. 1593 Die württembergische Hofkapelle kaufte bei ihm u. a. eine »Diskantgeige«, 10 Geigenstege und Zinkenmund- stücke; er war also ein vielseitiger Mann, der sowohl ..•treich- als Blasinstrumente machte. Wenn er außer- dem als »Schreiner« bezeichnet wird, so dürfte das nur insofern seinen Beruf bezeichnen, als er wahrscheinlich Mitglied der Schreinerzunft werden mußte, da die Lauten- und Geigenmacher in Stuttgart sich dieser anschließen mußten. Stöckl, Tobias. — Aschach. 1872 Ein Dilettant, der sich mit Ausbesserungen alter Geigen beschäftigte. Geigenzettel : Rep. von Tobias Stöckl / in Aschach 1 872 (gedruckt). Stöckelmaler, Franz. — Kempten. 1861 Ein Musiker, der Gelgen geflickt und Schachteln recht dilettantisch lackiert hat. Stöger, Anton. — Salzburg. 1865 Ein Geigenmacher von handwerksmäßiger Geschick- lichkeit. Am besten sollen seine Zithern gewesen sein. Geigenzettel : Anton Stöger / Geigenmacher in Salz- burg / 1865 (gedruckt). Stöhr, Anton. — St. Polten. Geh um 1800. 1850 Vielleicht ein Sohn von Jakob St. Er erwarb 1828 das Bürgerrecht als Geigenmacher, scheint aber nur wenige neue Geigen gemacht zu haben. Stöhr, Jakob. — Schwechat, St. Polten. 1798. 1829 Wahrscheinlich der Stammvater der St. Pöltener Familie und der beste Geigenmacher aus dieser. Sein Modell geht in den Umrissen auf Stradivari zurück, nur nimmt er die Wölbung höher. Die Ränder sind kräftig und die Ecken treten weit über die Zargen hervor. Das Holz ist gut, wenn er auch kein geflammtes Ahornholz gehabt zu haben scheint. Der Boden ist fast immer aus einem Stück. Die Schnecke wirkt durch ihre tiefe Aus- höhlung und das starke Hervortreten der Ohren recht originell. Sein Lack ist immer lichtbraun. Um 1827 siedelte er von Schwechat nach St. Polten über, wo er zu gutem Rufe als Geigenmacher kam. Ein Quartett von ihm aus dem Jahre 1826 besaß W. Th. Jaura; ein sehr guter Kontrabaß befindet sich in der Kirche zu Schwechat. Geigenzettel : Jakob Stöhr in St. Polten / a. d. Traissen bei Herzogenburg (gedruckt). — Jakob Stöhr / bürgl. Lauten- und Geigenma- / eher in St. Polten 1829 (ge- druckt) und Abb. 755. Stöhr, Johann. — Salzburg. 1831. f nach 1840 Wahrscheinlich aus St. Polten stammend. Sein Ge- schäft wurde noch 1845 von der Witwe fortgesetzt. Geigenzettel : Johann Stöhr / Geigenmacher in Salz- burg 1837 (gedruckt). Stöhr, Johann, arbeitet als Geigenmacher in Steingrub b. E. Stöhr, Karl. — St. Polten. Geb. 1825, 130. September 1909 Enkel von Jakob St. Er erwarb 1860 das Bürgerrecht, galt als geschickter Meister ynd war auch Saiten- niacher. In seinen jüngeren Jahren hat er ganz gute Geigen gemacht, wenn er hierin auch seinen Großvater nicht erreichte. 1 StöKr — Storck 489 Stöhr, Karl. - Graz. I9I0 Schüler von Joh. Stübiger und Nachfolger von G. Hansch. Er arbeitete sorgfältig nach Stradivari und hätte es sicher zu gutem Ruf gebracht, wenn er nicht schon, kaum 30 Jahre alt, gestorben wäre. Stoß, Andreas. — Mittenwald. 1786 Geschickter Geigenmacher der Klotzschule, wahr- scheinlich zur Familie Stoß gehörend. Geigenzettel : Andreas Stöss in Mittenwaldt 1 786 (ge- schrieben). Stössel, Georg. — Köln a. Rh. Geb. 1 . Mal 1867 In Würzburg Die ersten Anleitungen im Geigenbau erhielt er von Fr. Wittstadt in Würzburg. Er kam dann zu David Bittner und Ignaz Bucher, hauptsächlich zu Jos. Ham- f berger nach Wien, denen er seine künstlerische Aus- bildung im Geigenbau verdankt. Hierauf arbeitete er in Budapest und Agram und begab sich im Jahre 1889 nach Italien, besuchte Cremona und alle Glanzstätten des italienischen Geigenbaues. Nachdem er dann noch in Zürich und Mittenwald seine Kenntnisse bereichert, berief ihn Hörlein nach Würzburg, bei dem er vorzugs- weise Ritterbratschen baute. Im Jahre 1900 machte er sich in Köln selbständig. Seine Arbeit ist ungemein sorgfältig; er ist ein Meister in der Imitation und in der Wiederherstellung alter Geigen. Eine sehr interessante Arbeit von ihm ist eine prachtvoll ausgeführte Gambe, die als Schoßgeige gespielt. Im Orchester an Stelle des Violoncellos treten kann. Das Instrument, das er für seinen eigenen Gebrauch gebaut hat, hat eine Mensur von 57^/o cm und eine schwingende Länge von 40 cm ; obere Deckenbreite 31 cm, Zargenhöhe 82 mm, Boden, Zargen und Schnecke sind aus schönem Rosenholz ge- arbeitet, reich eingelegt mit Bein, Ebenholz und Messing. Unter dem Griffbrett befinden sich 12 Ali- quotsaiten. Der Ton des Instruments, das auch das Fa- milienwappen des Erbauers trägt, ist gesangreich und voll und hat eine an das Harmonium erinnernde Klang- farbe. Geigenzettel: Abb. 716. Stolzenberg (Stoltzenberg), H. B. — Lüne- burg. 1699. 1715 Ein tüchtiger Meister, der in Hamburg gelernt haben könnte. Eine Taschengeige mit Löwenköpfchen von ihm besitzt das dänische Volksmuseum in Kopenhagen. Storch, Georg. — Danzlg. Anfang des 18. Jahrh. P. de WIt veröffentlicht seinen Zettel, von dem die obere Hälfte zu fehlen scheint. Arbeiten von Ihm kenne ich nicht. Geigenzettel : Georgen Storch zu Dantzigk (gedruckt). Storch, Gregor s. Karg Storch, Ignaz. — Wolfersdorf. 1868 Wenn die Geige, I^i der sich sein geschriebener Zettel befand, nicht Vogdänder Arbeit war, wie Ich vermute, besaß er eine gewisse Handgeschicklichkeit. Gelgenzettel: Ignaz Storch in / Wolfersdorf 1868 (ge- schrieben). Storch, Stefan. — Mertendorf 1. B. Geb. 21 . Januar 1868 Schüler von Bernhard Pötzl. Er ist Streich- und Blas- instrumentenmacher und begründete 1895 sein Ge- schäft. Storck, Georg Dietrich. — Straßburg I.E. Geb. um 1742, t nach 1800 Er wurde 1 770 In die Zunft aufgenommen und war mit Salome Schnitzler verheiratet. Im Bevölkerungsregister von 1796 heißt es von ihm, daß er 54 Jahre alt und Vater von zwei Söhnen und einer Tochter sei. Seine Gelgen sind von sehr gewöhnlicher Arbeit. Geigenzettel: Abb. 680. Storck, Johannes Friedrich. — Augsburg. 1750. 1780 Er dürfte aus Straßburg stammen und ist nach Piegen- dorfer von 1750 — 1780 In Augsburg nachweisbar. Er arbeitete nach dem Stalnermodell und verwendete gutes Holz und verschiedenartigen Lack. Am besten gelangen ihm Violen, deren Ton recht gut ist, während seine Violinen in dieser Beziehung zu wünschen übrig- lassen. Sein Reparaturzettel von 1764 findet sich In der Fuggerschen Laute von SIxtus Rauwolf. Geigenzettel: Abb. 737. Storck, Johann Friedrich. — Slraßburg i. E. 1766 Ein Lauten- und Gelgenmacher dieses Namens wurde 1766 In die Zunft aufgenommen, ist aber nicht weiter nachweisbar. Es wird angenommen, daß er fortgezogen oder bald gestorben sein müsse. — Meiner Ansicht nach liegt es am nächsten, ihn für einen Bruder Georg Dietrich und Johann Reinhart St.s zu halten und mit dem Augsburger Meister zu Identifizieren. Die Brüder mögen ihn veranlaßt haben, helmzukehren, doch die Überzeugung, In Augsburg ein besseres Feld der Tätig- keit zu besitzen, bestimmte Ihn dann bald, dorthin zurückzuwandern . Storck, Johann Reinhart. — Straßburg. 1766. tum 1785 Wohl ein Enkel Johann Valentin St.s. Er hatte das Ladenschild *Au concert de clgognes« und wohnte bei der Rabenbrücke. Er nannte sich »facteur d'Instru- ments de musique« und veröffentlichte 1784 ein Preis- verzeichnis, das jetzt als ein wertvolles Dokument für die damaligen Preise der Musikinstrumente gelten darf. Er wurde 1 766 in die Zunft aufgenommen und gehörte ihr bis 1785 an. Sein Zettel Ist dem von Georg Dietrich St., dessen Vater oder Bruder er gewesen sein dürfte, ähnlich. Storck, Johann Valentin. — Straßburg I.E. 1686 Schwiegersohn von Joh. Kasp. Wolff ; im Jahre 1686 wurde er in die Zunft aufgenommen und war ein ge- schickter Lautenmacher. 490 Stori no Stoß Storino, Giovanni. — Lucca? 1725 Eine hübsche Theorbe im Konservatorium zu Brüssel (Nr. 254) trägt einen Zettel mit diesem Namen; auf dem Griffbrett liest man außerdem »11 pellegnno*. Möglicherweise ist »Storino<< der Familienname des 1689 vorkommenden »Peregnnio«. Geigenzettel : Joannes Storino fecit Anno Domini 1 725 (gedruckt). Storionl. Carlo. — ? 1888 Der Erbe des Namens, aber nicht der Kunst Lorenzos. Es soll übrigens noch einen älteren Carlo Storioni ge- geben haben, der in Cremona lebte; wenigstens kommen Violinen vor mit dem Zettel : Carolus Storioni- Fecit Cremonae 1805 (gedruckt), die nach dem großen Stradivarimodell gebaut sind, deren Schnecke mit weit- ausladenden Ohren aber eher an Bergonzis Art er- innert. DerTon ist gut, weniger der rotbraune Spintus- lack. Storionl, Lorenzo. — Cremona, Turin. Geb. 1751, t nach 1801 Er wird mit Recht als der letzte große Cremoneser be- zeichnet, wenn man auch in vielen seiner Werke unver- kennbar den Niedergang der Schule von Cremona er- kennt. Er pflegte noch die Überlieferungen seiner be- deutenderen Vorgänger, hat aber sicher dadurch mit dazu beigetragen, daß das »Geheimnis des Lacks* ver- loren gehen konnte, daß er nach einem neuen Lack suchte und den rotbraunen Lack der Neapolitaner vor- zugsweise anwendete und schließlich die Lackierung so vernachlässigte, daß seine letzten Arbeiten weniger Wert haben. Dabei fällt auf, daß er den Boden oft heller lackierte als die Decke. Auch legte er nur auf den Ton- wert des Holzes Gewicht und achtete die Schönheit der >'Flammen« usw. oft gering. Er scheint außerdem vielerlei Versuche angestellt zu haben ; daher ist er in der Arbeit wie in der Wahl des Holzes sehr ungleich, und die F-Löcher brachte er mitunter an den sonder- barsten Stellen an. Seine Schnecken sind kraftvoll in der Linie, aber nicht sonderlich elegant, die Einlagen oft geradezu roh behandelt. Seine besten Arbeiten zeigen ein großes, an Guarneri erinnerndes Modell, er erzielte fast immer einen sehr edlen Ton. Deshalb spielte z. B. auch Vieuxtemps jahrelang auf einer »Storioni«, die er allen ihm bekannten Geigen vorzog. Geigen aus St. 's Blütezeit, die in die Jahre 1775 — 1795 fällt, werden sehr hoch bewertet. Auch seine Bässe sind sehr gut. Er war recht fleißig und wohnte in der Via Coltellai Nr. 3 beim Dominicusplatz. Eine schöne Violine von ihm besitzt Theodor Hämmerle in Wien, eine Viola von 1776 Kammervirtuose A. Spitzner in Dresden, eine Viola von 1786 A. Botzenhardt in München, zwei schöne Violinen A. Wecker in Heil- bronn, eine ebensolche Karel Azynman in s'Hertogen- bosch. — Außer seinen Zetteln gebrauchte er auch manchmal die Brandmarke L S. Geigenzettel: Laurentius Storioni restauravit / Cre- monae 1770 (gedruckt). — Laurentius Storioni Cre- monensis / fecit Anno 17.. (gedruckt) Abb. 702. Stoß, Alois s. Joseph Alois Stoß Stoß, Benedikt. — Hermannstadt. 1803 Vielleicht ein Sohn von Eustachius St. .»Ms Geselle mag er zu Leeb und von da weiter durch Ungarn bis nach Siebenbürgen gekommen sein, wo er sitzen blieb. Geigenzettel: Benedict Stoß Geigenmacher / in Her- mannstadt 1803 (gedruckt). Stoß, Bernhard s. Plus Bernhard Anton Stoß Stoß, Eustachius. — St. Polten. Geb. In Füssen 20. Dezember 1752, f um 1820 Sohn des Geigenmachers Jos. Ant. St. und der Regina Lutz und Vetter von Martin St. in Wien. Da seine .Arbeit an die Füssener Schule erinnert, dürfte er wohl auch dort gelernt haben. Er war recht tüchtig in seinem Fache und erwarb 1786 das Bürgerrecht in St. Polten, kam aber auf keinen grünen Zweig, so daß er von Martin St. oft unterstützt und mit Arbeitsmaterial be- schenkt wurde. Geigenzettel : Abb. 743 und 764. Stoß, Florian. — St. Polten. 1810. 1825 Wahrscheinlich ein Sohn und der Arbeit nach sicher ein Schüler von Eustachius St. Sein Lack ist rotbraun, das Model! in den Umrissen frei nach Stradivari. Geigenzettel : Florian Stos, Lauten- und , Geigenmach, in St. Polten 1815 (gedruckt). Stoß, Franz. — Klosterneuburg. 1826 Er scheint nur kurze Zeit in Klosterneuburg gelebt zu haben. Sein Verwandtschaftsverhältnis zu den übrigen Mitgliedern der Familie seines Namens konnte ich noch nicht feststellen. Vielleicht war er ein Sohn von Martin Stoß in Wien, dem er in seiner Arbeit sehr nahe steht; nur der gelbbraune Lack läßt zu wünschen übrig. Eine gute Viola von ihm befindet sich in der Sammlung von Pater Haas in Herzogenburg. Geigenzettel: Franz Stoß / Klosterneuburg 1826 (ge- druckt). Stoß, Franz Antoni. — Füssen a. L. Geb. in Füssen am 6. Mal 1737, f 3. Februar 1814 Sohn des Jos. Ant. St. und der Regina Lutz. Er hei- ratete 1766 Juliana Klotz und in zweiter Ehe Maria Elis. Greisel aus Nesselwang. Als Trauzeugen werden Michael Maldoner und Matthias Geisenhof genannt. Er hatte drei Söhne: Magnus Benedikt, geb. 9. Nov. 1 770, Franz Joseph, geb. 25. Sept. 1 778, und Pius Bern- hard Anton, geb. 10. März 1784. Er war eingeschickter, fleißiger Meister, der im Hause Nr. 30 wohnte, wahr- scheinlich Italienische Arbeiten gekannt und selbst allerlei Versuche gemacht hat. Daher wendet er auch verschiedene Modelle an, deren Umrisse übrigens schlanker als bei den anderen Füssener Geigenmachern sind ; auch bevorzugte er eine flachere Wölbung. Das Holz läßt er stark und erzielt einen weichen Ton. Nur der Lack ist nicht einwandfrei. Er verwendete ver- schiedene, auch geschriebene Zettel. Geigenzettel : Franz Antoni Stoss / in Füessen am Türoll / 1801 (gedruckt) und Abb. 727 ')• ^) Aus dem Musikhistorischen Museum des Herrn Fr. Nicolas Manskopf in Frankfurt a. M. Stoß, Franz Urbin — Stoß, Magnus Stephan 491 Stoß, Franz Urban. — Füssen. Geb. 25. Mai 1711, tum 1798 Sohn des Herrn. Jos. St. und der Marie Stadler. Er wird als Chelifex bezeichnet, heiratete am 12. Aus:. 1736 Katharina Heel (Hell) und hatte einen Sohn Magnus Jeremias (geb. 10. Mai 1738), und einen zweiten Sohn Franz Engelbert^), der im Jahre 1774 sechsundzwanzig Jahre alt war. Stoß, Hermann Joseph. — Füssen. Geb. um 1680. 1741 Wohl ein später Nachkomme des 1373 aus Burgleiten (bei Stöken am Auerberg) in Füssen eingewanderten Heinz Stoß. In den Füssener Umlageregistern von 1737 und 1741 wird er noch als Lautenmacher aufgeführt. Am 23. November 1705 heiratete er Marie Stadler und ging am 19. Oktober 1716 eine zweite Ehe mit Mag- dalena Miller ein. Eine Geige mit der Bezeichnung »H. J. Stoß, Tirol« führt das N. Selhofsche Auktions- verzeichnis auf. Stoß, Ignaz. — St. Polten. 1813 Jedenfalls Sohn und Schüler von Eustachius St., von dem seine Arbeit nur durch den hellen rödichen Lack zu unterscheiden ist. Geigen scheint er nur selten ge- macht zu haben, dagegen kommen merkwürdigerweise ziemlich häufig 'VrVioloncelli von ihm vor. Geigenzettel : Abb. 705. Stoß, Joh. Bapt. — Prag. Geb. in Füssen (Nr. 25) am 18. Februar 1784, f 8. Juli 1850 in Prag an der Cholera Sohn und Schüler seines Vaters Magnus Stephan St. Seit er in Prag ansässig war, arbeitete er 1816 in der Altstadt, Dominik, ul.- (jetzt Husovä tf.-) Nr. 227, im Jahre 1824 Nr. 229, 1826 in Nr. 230, von 1827-1831 wieder in Nr. 227, von 1831—1846 wieder Nr. 230, 1847 in der Mala Karlova ul. Nr. 147 und zuletzt wieder Husova ti\ Nr. 352. Seine Frau hieß Theresia (geb. 1 790) und starb fünf Tage später wie er, gleich- falls an der Cholera. Er war in den Jahren 1836 — 1842 beeideter Sachverständiger und war einer der schwäch- sten Vertreter der Prager Schule, wenn er auch sehr gute Gitarren machte, die von tadelloser Arbeit sind. Eine solche mit prächtigem, orangegelbem Lack besitzt das böhmische Landesmuseum in Prag, eine andere die Gesellschaft der Musikfreunde In Wien, eine Violine von 1845 die Teinkirche in Prag. Gelgenzettel: Johann Stoß / Gelgen- und Guitarren- macher ' Altstadt Dominikanergasse No 227 Prag (ge- druckt) und Abb. 728, 751, 758. Stoß, Joseph. — Günzburg. 1718 Ist mir nur durch den von P. de Wit veröffentlichten Zettel dem Namen nach bekannt geworden. In Günz- burg konnte ich nichts über dieses Mitglied der Füssener Familie erfahren. Geigenzettel: Joseph Stoß landen , vnd geig. Macher In / Günzsburg äo 1718 (geschrieben). ^) Im Füssener Umlageregister für 1741 wird der Sohn kurzweg »Franz« genannt. Stoß, Joseph Alois. — Füssen. Geb. 5. Nov. 1787, lebte noch 1826 Sohn des Magnus Stephan und der Victoria Claas. Er war in erster Ehe mit Creszenzia Neff, in zweiter Ehe mit Karoline Schweiger verheiratet und wohnte als Geigenmacher im Haus Nr. 25. Seine Geigen haben dunkelbraunen Lack, klingen gut und lassen durch die Arbeit die Vermutung aufkommen, daß er in Mitten- wald gelernt hat. Geigenzettel : Allois Stoß Geigenmacher/ Füssen 1826 (geschrieben). Stoß, Joseph Anton. — Füssen. Geb. m Füssen am 13. Februar 1707. 1780 Sohn von Herrn. Jos. St. und Marie Stadler. Er hei- ratete am 20. Juni 1735 Anna Maria Regina Lutz. Im Füssener Umlageregister von 1 737 wird er aufgezählt mit einem einjährigen Sohne Joseph Hermann und dem vierjährigen Sohne Franz Anton. Im Jahre 1741 fehlt Joseph Hermann, dagegen kommt das \\, jährige Söhn- chen Mang Stephan dazu'). Er arbeitete nach ita- lienischen Vorbildern und hatte ein Modell, das auf Guarneri zurückzugehen scheint. Seine Arbeit ist sehr gut, ebenso sein Lack. Nach einem seiner Zettel muß man annehmen, daß er auch in Padua gearbeitet hat, wodurch die Anklänge an die italienische Schule in seinen Geigen eine einfache Erklärung finden. Er könnte allerdings auch Passau (Castra Batava) gemeint haben. Geigenzettel: Josephus Antonius Stoss / Fecit Patavii 1729 (gedruckO. — Jofeph Antoni / Stofs Füeffen 17 . . (geschrieben). Stoß, Magnus (Mang) Stephan. — Füssen. Geb. 11. Dezember 1748. 1820 Sohn und Schüler von Joseph Anton St., doch scheint er auch in Mitten wald als Geselle gearbeitet zu haben. Er wohnte im Hause Nr. 25 und war seit 1777 mit Viktoria Claas (Trauzeugen : Thomas Claas und Anton Geisenhof), seit 1 782 mit Maria Anna Fichtl verheiratet. Er hatte sieben Söhne, aus der ersten Ehe: Johann Martin, geb. 12. Sept. 1778, Joseph Anton, geb. 10. Okt. 1779, und Johann Kaspar, geb. 3. Jan. 1781 ; aus der 2. Ehe: Johann Bapt., geb. 18. Febr. 1784, Joseph Alois, geb. 5. April 1787, Magnus Benedikt, geb. 11. Nov. 1794, und Simon Anton, geb. 1 1 . Mai 1799. Er scheint in Mittenwald seine letzte Ausbildung erhalten zu haben, wofür sowohl der Umstand spricht, daß seine Geigen nach Joseph Klotz ge- macht sind, als auch, daß seine Frau wahrschein- lich eine Mittenwalderin war. Er bevorzugte eine flache Wölbung. Geigenzettel : Mang. Stephanus Stoss / Geigenmacher in Füssen 1792 (gedruckt). — Stäffan Stoss Geigen- macher / in Fuessen anno 1810 (geschrieben). ') Im Jahre 1774 werden als seine Söhne Bernhard, geb 1752, Stephan, geb. 1753, und E;ustach, geb. 1756, genannt. Die Geburtsdaten stimmen hier nicht mit den Kirchenbüchern überein. 492 Stoß ~ Stradi ivari Stoß, Martin (Johann Martin). — Wien. Geb. 12. Sept. 1778 in Füssen, f 9. August 1838 Sohn von Magnus Stoß in Füssen. Er Heß sich früh- zeitig in Wien nieder und war mit Anna Dangl aus Wien (geb. 1781, f 1854) verheiratet. Er wohnte bei St. Ulrich Nr. 4 und hatte zuerst seine Werkstatt in Lerchenfeld. Dort wurde er im Jahre 1809 von den Franzosen völlig ausgeplündert, und er selbst erzählte noch oft, daß man ihm selbst die schwarze Halsbinde weggenommen hatte. Im Jahre 1810 zog er dann in die obere Bräunergasse Nr. 1 209 (jetzt Habsburger Gasse 4) in das Liharziksche Haus. Am 25. Juli 181 1 legte er den Bürgereid ab. Er gilt als einer der besten Wiener Gei- genmacher, und im Bau von Violoncelli wurde er kaum von einem deutschen Meister übertroffen. Er wählte sein Modell nach Stradivari, machte die Ränder sehr kräftig und arbeitete ungemein sauber. Die Violoncelli seiner ersten Zeit sind dunkelbraun, da er das Holz vor dem Lackieren gebeizt hatte. Aber schon von 1810 an gab er dieses Verfahren auf und verwendete einen gelben, später einen sehr durchsichtigen roten Lack, den er sich selbst aus in Leinöl gelöstem Bernstein (Agtstein) bereitete^). Den goldgelben Untergrund trug er mit Saffran und Leim auf, den roten Farbstoff zog er aus Fernambukholz. Die rotlackierten Violon- celli haben fast immer sehr schönes breitgeflammtes Ahomholz, die Böden sind meistens aus einem Stück. Für die Decke nahm er gern Fichtenholz mit sog. Vogeltritten. Er verkaufte seine Violoncelli durch- schnitdich für 60 fl. C. M., heute s'nd sie nur noch um schweres Geld zu hab n. Seine Geigen und Violen reichen zwar an seine Violoncelli nicht heran, da sie meistens zu massiv sind, aber sie sind doch immer die Werke eines Meisters und werden auch stets als solche bewertet. Er befaßte sich viel mit Versuchen, den Stimm- stock zu verändern. Um die Spannung auszugleichen, wollte er einen Stimmstock erfinden, den man im Innern nach Belieben verlängern oder verkürzen könnte. Bei seinen Violoncelli machte er den Hals immer zum Abschrauben. Er stand in hohem Ansehen, war Hofgeigenmacher und beeideter Schätzmeister. Nach seinem Tode hieß die Firma »Stoß & Hof mann«, bis Anton Hofmann am 1 7. Oktober 1844 das Geschäft durch Kauf erwarb. Geigenzettel : Martin Stoß / in der obern Breuner- / Straße No. 1 209 / in Wien 1817 (gedr.) und Abb. 676, 739, 754, 760. Stoß, Pius Bernhard Anton. — Wien. Geb. 10. März 1784 in Füssen, f 1. Mai 1854 Jüngster Sohn des Franz Anton St. und der Juliana Klotz" . Im .Anfang des 19. Jahrhunderts kam er nach ■*) Wegen der Feuergefährlichkeit durfte er seinen Lack nicht im Hause kochen, sondern mußte seinen Herd auf der »Schmelz« (jetzt Exerzierplatz) aufstellen. Er bediente sich dabei einer hermetisch verschließbaren Kupfer- flasche, die W. Th. Jaura noch jetzt als Reliquie auf- bewahrt. -') Er wird öfters als Sohn von Magnus Steph. St. aus- gegeben. Dieser aber hatte keinen Sohn namens Bernhard, sondern nur einen Bruder, den am 18. August 1746 ge- borenen Magnus Bernhard. Wien und wohnte wie Martin St. bei St. Ulrich Nr. 4. Seine Werkstatt hatte er in der Grünangergasse. Am 21. Oktober 1813 legte er den Bürgereid ab. (Im Bürgerbuch wird der Vorname irrtümlich Peter ge- schrieben, er selbst nannte sich stets kurzweg Bernhard St.) Er ist seinem Vetter Martin in der Arbeit voll- kommen ebenbürtig, wenn er ihn auch in seinen Violon- celli nicht völlig erreicht. Seine Geigen haben ein schönes Stradivarimodell und einen prächtigen gelben oder roten Lack. Sie sind ungemein sorgfältig gemacht und sicher denen aus Geissenhofs bester Zeit gleich- wertig. Charakteristisch für ihn ist, daß er zu seinen Decken immer breitjähriges Holz verwendet. Seine Geigen werden jetzt gut bezahlt. Eine schöne Vio- line von 1835 besitzt Val. Walter in Grulich i. B. Eine Violine mit gitarrenähnlichem Körper (vom Jahre 1821) ist im Museum der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Geigenzettel : Abb. 742. Stoß, Stephan s. Magnus Stephan Stoß Stott, George T. — Liverpool. 191 1 Geigenmacher und Händler. Stourdza, Fürst Gregor. • — Wien usw. 1873 Auch einer von den vielen, die über Stradivari hinaus- wollten und zwecklose Erfindungen machten. Er kon- struierte Geigen nach einem »neuen Prinzip«, die von dem Wiener Geigenfabrikanten Zach nach den An- gaben des Fürsten hergestellt wurden. Der Grund- gedanke der Konstruktion beruhte darauf, daß der wesentlich vergrößerte Schallkörper der Geige mög- lichst der Ellipse genähert wird. Die beiden Hälften des Instruments rechts und links neben den Saiten sind ungleich, wodurch das Ganze verschoben aussieht. Der Ton war stark, aber rauh und schnarrend, und selbst so ausgezeichnete Künstler wie Hellmesberger und Popper konnten den Instrumenten nichts abschmeicheln. Er nannte seine Instrumente: »Violino arpa«, »Violino chitarra« usw. Mehrere der von ihm erfundenen Geigen, die jetzt im Museum des Pariser Konser- vatoriums aufbewahrt werden, waren 1873 in Wien auf der Weltausstellung zu sehen. Stowasser, Johann. — Budapest. Geb. 1846 Ein trefflicher, aus Böhmen stammender Blasinstru- mentenmacher, der seit 1867 in Budapest lebt und sich gelegentlich auch als Geigenmacher versucht hat. Stradivari, Antonio. — Cremona. Geb. zwischen 1640—1650, f 18. oder 19. Dez. 1 737 in Cremona Schüler von Nicolas Amati. Der Meister aller Meister der Geigenmacherei, ein genialer Künstler, der nicht mehr erreicht und noch weniger übertroffen werden konnte. Obwohl er schon zu Lebzeiten in hohem An- sehen stand, sind doch nur spärliche Nachrichten über sein Leben auf uns gekommen; die wenigen zuver- lässigen Angaben verdankt man hauptsächlich den Forschungen Paolo Lombardinis, Sacchis und Man- dellis, der seine Forschungen den Brüdern Hill über- ließ. Desto mehr aber erzählen uns seine herrlichen Stradi ivan 493 BS c c < c o n3 c TD C rg tO o (A (A — o ^— c < CS _ ü 60 10 CS 00 \0 (3 "^ U u ^ C -4- '^ 'S- oO -^- 1 ^ ^ 3 N ■Q c . — I >31 CO 1- c N 60 o tA J_l 3 N o - S >~ -^ o ._ ^-' — 0\ \d _Q -1— ü 60 2 ^ «^ -a — r^ — r^ ^O •< . c^ 60 t: u- 3 60 u- — . -Q -1- 60 (L) %-• • U, ^ r-4 ^; -Q T N IS C JU UJ a E ' — r^ 60 r ra r^ C c^ t^ o rf-t c N < :r3 2 ü OO > O sO _. i^ r-> 'Zr 1 ' — r^ ^ _ o « J5 ^S J* C-) ^ cu — , — (U ^^ — 60 Ei' u-2 60 w •■s — { ü 4-1 ■S 60 « 3 > c c r^ <- - N .- u tO ■ O ^ <^ _Z f^ ON , o Oh 60 O - o — C . 1) o . — al^oo c. — . u) -Ja: ^ 30 O 60 cn 60 >: cd O -13 -O C/) "i 3 2S . _ü - OS 1) 60 4) 60 CO — •- t-N. VO c t^ — •4-* > •< 60 N -X3 g^ c tu OO _Q -^^ 60 N CO _ C CO . *" CA n UJ N — o Da -C OO 0^ OO tO t^ ^ 60 u D. (O C p; rg 0^ o « , r^ 3 > o oz "3 CQ vd od d . > C8 3S .5 00 o- - c %. 1 — , — 60 «^ _ c — 1) 60 O o 00 00 00 0 0 Cv) <-^ aöö 0 — — CA 3 .a 0 a 60 o ■ CS u r-. 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Der Baßbalken ist schwach und hat den .Anforderungen, die zu den Zeiten des Meisters an eine Geige gestellt wurden, auf das beste ent- sprochen, muß aber freilich heutzutage durch einen stärkeren ersetzt werden. Die F- Löcher, deren untere Lappen stets ausgestochen erscheinen, sind in ihrem edlen Schwung unübertrefflich; die Hohlkehle ist 4 mm vom Rand entfernt und flach. Die Schnecke ist voll in der Form und nicht mehr so tief ausgestochen wie in der zweiten Periode. Am Boden befindet sich oben und unten ein .Ahornstift, der zur Hälfte in die Einlage gebohrt ist, um den Boden auf die Form zu heften. Der goldgelbe Grundlack ist mit einem hell- roten Lack überzogen und wirkt jetzt etwas bräunlich. Er ist von schönstem Feuer, weich und elastisch und hat die Eigentümlichkeit, daß er heute noch, wenn man den Finger länger darauf ruhen läßt, den Eindruck der Hautlinien zeigt. Das Gesamtgewicht einer Stradivari- violine beträgt ohne Wirbel, Griffbrett und Saiten- halter 260 — 275 g. In der Hauptsache zeichnet sich das Modell durch die Verbreiterung des unteren Teiles und eine relative Verengerung des mittleren Teiles aus, was dem Ganzen ein elegantes Aussehen verleiht. Die Um- risse sind am Ansatz des Halses und beim Saitenhalter nur wenig gekrümmt und scheinen in der Mitte der )( fast ganz gerade; die Ecken sind vorspringend und breit. Die F-Löcher, die ihre Abstammung von Amati noch erkennen lassen, sind klein und fein geschnitten und stehen etwas geneigt, um den Raum zwischen den oberen runden Enden zu verringern. Diese Beschrei- bung kann aber, wie gesagt, nur in der Hauptsache stimmen, denn im einzelnen gestattete er sich noch immer kleine .Abweichungen, die wohl durch die Eigen- schaften des ihm jeweils zu Gebote stehenden Materials veranlaßt und diesem angepaßt wurden. Stradivari ent- wickelte eine unglaubliche Fruchtbarkeit; aber selbst wenn er jede Woche nur eine Geige fertiggebracht hätte, so gibt das bei seiner sechzigjährigen Arbeits- dauer immerhin etwa 3000 Geigen. Er erhielt für eine Geige 10 — 15 Zcchir.en oder 5 — 8 Pistolen, was aber bei der damaligen Kaufkraft des Geldes schon einen ziemlich hohen Preis darstellt")- Es ist daher ^) War die Decke höher, dann nahm er den Boden flacher, um die Gesamthöhe von 60 mm zu erreichen. ^) Sechzig Jahre nach seinem Tode hatte sich der Wert einer Stradivari violine bereits verdreifacht. Im Jahre 1824 zahlte Habeneck 2400 Frs., und allmählich stiegen die Preise weiter bis 5000 Frs. Gegen 1870 schnellten die Preise wesentlich in die Höhe. 1875 wurde eine Stradi- varius von 1714 für 7900 Frs., eine von 1716 für 15 000 Frs. 496 Stradivari, Antonio sicher, daß seine Geigen von allem Anfang an von Ihren Besitzern als wertvolle Kunstwerke behandelt und als solche vererbt wurden, und so könnte die An- nahme Hills, daß sich etwa 1000 bis in unsere Zelt erhalten haben, vielleicht das Richtige treffen. Wenn man aber die zweifellos echten Werke zusammenzählt, so wird man schwerlich einige 100 herausbekommen. Die Brüder Hill haben versucht, eine vollständige Liste der noch nachweisbaren Geigen Strad.'s aufzustellen, haben die Arbeit aber unausführbar gefunden. Es ge- lang ihnen jedoch, 540 Geigen, 12 Bratschen und 50 Violoncelli nachzuweisen. Stradivan war peinlich genau in der Arbeit, und als echter Künstler hat er nur in Geigen, die tatsächlich aus seiner Hand hervor- gegangen waren, seinen Zettel geklebt. Von Gehilfen ließ er sich nur die untergeordneten Vorarbeiten machen und in Geigen, die zwar in seiner Werkstatt, aber nicht von ihm selbst fertiggemacht wurden, be- merkte er ausdrücklich »sub disciplina« oder »sotto la disciplina di Antonio Stradivari« usw.^). Wenn gleich- wohl einige echte Werke von ihm vorkommen, die nicht ganz auf seiner sonstigen Höhe stehen, so ist das darauf zurückzuführen, daß die Söhne des Meisters nach seinem Tode auch die unvollendeten Geigen und die- jenigen, die er nur zu Versuchszwecken gemacht hat, mit seinen Zetteln versahen und verkauften. Er selbst gab solche Arbeiten nicht aus den Händen, und Tat- verkauft, und die letztere erzielte einen Monat später bereits 20 000 Frs. Die »Messias« von 1716 kaufte Allard noch für 25 000 Frs. Die Violine Prof. Waldemar Meyers aus dem Jahre 1716 (lange eine der schönsten Arbeiten des Meisters in deutschem Besitz), die angeblich für König Georg I. von England angefertigt worden war, kaufte Riechers im Jahre 1889 für 20 000 M. und verkaufte sie bald darauf für 25 000 M. weiter. ^) Bei einigen Geigen, die noch den ursprünglichen Hals besitzen, findet man an diesem die Buchstaben P. S., die man mit Paolo Stradivari — dem Namen des jüngsten Sohnes des Meisters ^deutet. Es fragt sich allerdings sehr, ob diese Deutung zulässig ist. Es ist durch nichts erwiesen, daß Paolo Str., der ja Tuchhändler wurde, jemals versucht hat, eine Geige zu machen. Auch sind die bis jetzt be- kannten sechs Geigen mit diesen rätselhaften Buchstaben so schön, daß kein Grund vorhanden ist, die Mitarbeit einer fremden Hand anzunehmen. Möglicherweise ist P. S. die Marke des Halsschnitzers, was wieder beweisen würde, daß Stradivari selbst bei Nebensachen darauf hielt, daß das,was er in einzelnen Fällen nicht eigenhändig ge- macht hat, gekennzeichnet wird. Sollte P. S. aber wirklich auf Paolo Str. hinweisen, so sind die Buchstaben wahr- scheinlich nur ein Eigentumsvermerk. Ein hübsches Bei- spiel hierfür ist die erst seit 1896 bekannte »Brancaccio« (Besitzer: Brancaccio — Hamma — Vormbaum — Bernardel — Rehfuos — Hammig — Carl Flesch). Die Violine trägt die Jahreszahl 1725 und am Originalhals P. S. (vgl. die Abb. in Hills Buch). Die Geigen, die den Zettel »sotto la disciplina« tragen, weichen oft auffällig von den üblichen Stradivarimodellen ab, er scheint also seinen Schülern, wenn sie etwas Ordentliches gelernt hatten, ziemlich freien Spielraum gelassen zu haben. Eine solche Violine eines Stradivarischülers von trefflicher Arbeit, mit großem schönen Ton, aber von dem Meister stark ab- weichendem Modell besitzt Major Zieckwolf in München. Sache ist es, daß aus den Jahren 1670 — 1690, also aus der Zeit, in der er an der Herausbildung seines eigenen Modells arbeitete, nur sehr wenig Geigen vorhanden sind. Die Zahl der ehrlichen Stradivarinachahmer ist Legion; bei den Preisen, die die Stradivarigeigen jetzt erreichen, ist es auch bis zu einem gewissen Grade er- klärlich, daß die Zahl der unehrlichen Nachahmer und Fälscher nicht minder groß ist. Unter 15 000 M. war schon vordem Kriege keine »Stradivari« mehr zu haben ; jetzt sind die Preise In Mark zwanzigmal höher anzu- setzen, für die besterhaltene Geige des Meisters, die sog. »Messias«^), zahlten Hill & Sons 1893 die Summe von 50 000 Frs. ; die »Herkules «, im Besitze Ysayes in Brüssel, wurde um 26000 Frs. gekauft. In welcher Weise die Preise stiegen, ersieht man aus der Tatsache, daß die aus demBesItze desStahlfederfabrlkantenGIllot stammende, »der Kaiser« (the Emperor) genannte Geige 1872 Lei Christie für 5800 M. verkauft wurde, 1904 schon 20 000 M. kostete und dann für 93 000 M. in den Besitz Jan Kubellks übergegangen ist. Das Violoncello von 1714, das Alex. Batta besaß — eines der herrlichsten Werke des großen Meisters — , erwarb er 1836 für 7500 Frs.. und Hill kaufte es 1893 für 80 000 Frs. Nicht die beste, aber eine der interessantesten Violinen soll das Haus Salabue besitzen, die eine Angabe des Alters Stradivaris neben der Jahreszahl 1736 von dessen eigener Hand enthält. Ein Jahr nach der Vollendung dieser Violine starb er. Schon im Jahre 1729 kaufte er sich in der 1869 abgebrochenen Kirche San Domenico ein Familiengrab, an dem er die Inschrift »Sepolcro di Antonio Stradivari e suoi Eredi An. 1729« anbringen Heß. Der Stein wird jetzt Im Rathause zu Cremona auf- bewahrt, aber die Gebeine des Meisters wurden beim Abbruch der Kirche achtlos in ein Massengrab ge- worfen. — Was eine Künstlerhand im Geigenmachen zu leisten vermag, Stradivari hat es geleistet. Das Holz ist so vortrefflich und so schön, als es sein kann, der Lack nicht minder, und den Wohllaut, den Glanz und die Kraft des Tons zu beschreiben, wäre ein vergeb- liches Unterfangen. Auch seine Vielseitigkeit muß Be- wunderung erregen, denn man kennt alle Arten von den zu seiner Zeit üblichen Streichinstrumenten, also außer Violinen auch Violen, Violoncelli, Gamben usw. und Bässe, auch Taschengeigen, selbst allerlei Lauten und Harfen von ihm. Sogar mit dem Ausbessern alter In- strumente hat er sich gelegentlich beschäftigt, wie der Zettel In einer Viola beweist, auf dem man liest: »Cor- retto da rhe Antonio Stradivari«. Für seine Violoncelli hatte er zwei Modelle, ein großes und ein kleines "). Geigenzettel: Abb. 687, 701, 767, 768. ^) So genannt, weil der Sammler Tarisio, der sie besaß, immer von ihr sprach und sie doch nie nach Paris brachte, so daß man dort auf sie wartete wie die Juden auf den Messias. ") Eine Reihe von Besitzern echter Stradivarigeigen zählt Hill in seinem Life etc. of Strad. (1902) auf. Auch bei J Niederheitmann »Cremona« S. 94 sind verschiedene genannt. Diesen Verzeichnissen könnte hinzugefügt werden, daß die herrliche Violine von 1714 aus dem Be- sitz von Fran^ols van Hai nach dessen Tod von Prof. Jenö Hubay erworben wurde. Sarasate besaß zwei Violinen von Stradivari, eine gelbe mit auffällig weitjährigem Decken- holz und eine rötliche, ungleich wertvollere, doch zog er Stradivari - Straub 497 Stradivari, Francesco. — Cremona. Geb. I.Februar 1671, f 1 1 . Mai 1743 Sohn und Schüler von Antonio Stradivari. Nach dem Tode seines Vaters arbeitete er eine Zeitlang mit seinem Bruder Omobono zusammen. Zettel mit seinem Namen klebte er in seine Arbeiten erst nach dem Tode seines Vaters ein. Seine Geigen haben noch das Gepräge des Stradivarischen Geistes und sind herrlich im Ton, aber bei weitem weniger sorgfältig ausgeführt als die seines Vaters, den er so wenig erreichte, als er seinen besseren Mitschülern gleichkam. Der Lack ist bräunhch- orangegelb und die Schnecke recht hübsch. Eme wundervolle Geige von ihm aus dem Jahre 1735 besitzt Hofkonzertmeister Prof. Karl Prill in Wien. Geigenzettel: Franciscus Stradivarius sub disciplina / A. Stradivarli 1700 (gedruckt) und Abb. 684. Stradivari, Omobono. — Cremona. Geb. 14. November 1679, f 8./9. Juni 1742 Jüngster Sohn erster Ehe von Antonio Str., unter dessen Leitung er auch, nachdem er ausgelernt hatte, arbeitete. Nach dem Tode des Vaters teilte er die Werk- statt mit seinem Bruder Francesco. Er erbte nur wenig von der Kunst seines Vaters, und mit ihm verschwindet der Name Stradivari aus der Geschichte des Geigen- baues, da sich seitdem kein Nachkomme des Meisters mehr der Kunst des großen Ahnherrn zugewendet hat. Omobono gebrauchte zierlich geschriebene Zettel, die aber erst nach Antonlos Tod nachzu- weisen sind. Geigenzettel: Homobonus Stradivarius / sub dis- ciplina A. Stradivari 1725 (gedruckt) und Abb. 718. Strangewood, F. E. — Melbourne. 1888. 1900 Australischer Geigenmacher der Gegenwart, der die Holzarten seiner Heimat zum Geigenmachen wieder- holt mit Erfolg verwendet hat. Strati, Michael (?). — Verona (?). 1792 Kammermusiker Salzwedel besitzt eine gute Violine mit dem untenstehenden Zettel. Die Umnßlinien gehen auf Guarneri zurück; die Ränder sind scharf ge- schnitten, die F- Löcher nach innen abgeschrägt; die Arbeit erinnert an französische Schule, ist sehr sauber, wenn auch beide Hälften nicht ganz symmetrisch er- scheinen. Das Holz ist recht gut, der Lack gelb und der Ton weich, wenn auch nicht groß. Die Schnecke scheint nicht von gleicher Hand herzurühren. Einen Geigenmacher namens Strati hat es in Verona nicht ge- geben. In den Registern der Geborenen und Ge- storbenen der Stadt Verona kommt während des ganzen 18. Jahrhunderts der Name »Strati« nicht vor; auch andere alte Register wurden vergebens durch- forscht, so daß mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden kann, daß ein Geigenmacher dieses Namens nicht ge- lebt habe. Da der gleiche Zettel trotzdem in mehreren Geigen gefunden wurde, so kann nur angenommen werden, daß man es mit einem fingierten Namen zu tun hat, der vielleicht dadurch entstanden ist, daß dem Verfertiger eine Inschrift vorschwebte, die wie unten- stehender Zettel aussah. Die untere Zeile konnte dann leicht in Verona verwandelt werden. Geigenzettel : Michael Strati / Verona 1 792 (gedruckt). — Stradi- / var. Ano 17 . . (gedruckt). Stratton. — Leipzig-Gohlis Eine längst eingegangene Gelgenfabrik, die erst an Ehrlich, dann an die Fabrik Leipziger Musikwerke überging, und deren Räume 1888 von einem Stickerei- fabrikbesitzer gekauft wurden. Straub, Andreas. — Budapest, f 1872 Ein wenig bedeutender Geigen- und Saitenmacher. Straub, Balthasar. - Graz. 1790. 1828 Solider Geigenmacher, der vielleicht als Gehilfe bei Mich. Ign. Stadimann gearbeitet hat, wodurch es sich erklären ließe, daß seine Arbeit der von Math. Daum so ähnlich sieht. Seine Geigen haben kräftige Ränder und rotgelben Lack. Dem Namen nach stammt er viel- leicht aus dem Schwarzwald. Diese Annahme wird da- durch unterstützt, daß um die Mitte des 19. Jahr- hunderts ein Sohn des 1854 gestorbenen Joh. Gg. Str. aus Löff Ingen auswanderte, »um zu seinem Oheim nach Steiermark zu gehen«. Straub, Franz. — Fnedenweiler. 1696 Vielleicht der Vater von Marx, Matthias und Simon Str., die wohl alle drei seine Schüler waren. Er dürfte aus Füssen nach Friedenweiler gekommen sein. Eine violenförmige Taschengeige von ihm besitzt das Historische Museum in Basel. Geigenzettel : Frantz Straub / zue Friedenweiler 1 696 (gedruckt). die gelbe weitaus vor. Eine Violine von 1693 besitzt Dr. Fried. Hegar in Zürich, eine von 1700 Prof. Henri Petri in Dresden, eine von 1707 Franz Schörg in Brüssel, eine von 1709 und eine von 1717 Theodor Hämmerle in Wien, eine von 1719 Direktor W. Kux in Wien, eine von 1725, wie schon erwähnt, Flesch in Berlin, eine von 1734 der König von Sachsen. Ein Violoncello von 1724 besaß Prof. Rob. Hausmann in Berlin. Bekannter ist das Violoncello, das in den 70er Jahren von dem verstorbenen Cellisten Krumb- holz in Stuttgart für 7000 M. gekauft wurde. Nach dessen Tod erwarb es der Frankfurter Kaufmann Kaiser für die gleiche Summe. Von ihm kam es an C. G. Meier aus London, der es für 10 000 M. dem Geheimrat E. Laden- burg verkaufte, von dem es dann Robert von Mendelssohn in Berlin für 40 000 M. erwarb — 1890 noch ein sehr hoher Preis — obwohl Boden und Zargen der Schönheit der Decke nicht ganz entsprechen und das Violoncello außerdem ein Futter hat. Der Preis hat sich also in kaum zwei Jahrzehnten fast versechsfacht. Bei der zunehmenden o, i r' /!•• \ C- M^"IC Seltenheit einwandfrei echter Arbeiten Stradivaris ist der Straub, Georg (Jorg). - hussen. 1623 Wert auch noch immer im Steigen begriffen, ganz abge- Wahrscheinlich ein Bruder von Sebastian Str. Er sehen von der Preissteigerung, die die geringe Kaufkraft wurde, wie dieser, am 20. August 1625 als Meister in unserer Mark im Gefolge hat. die Lautenmacherzunft aufgenommen. v. Lütge n d o r ff , Geig-en- und Lauterimaclier. Bd. II 32 498 Straub, Johann — Straub, Sebastian Straub, Johann. — Friedenweiler. 1704 Wenn die Jahreszahl richtig gelesen ist und nicht 1 764 gelesen werden muß, vielleicht ein Bruder von Franz Str. und wie dieser aus Füssen in den Schwarzwald gekommen. Straub, Johannes. — Röthenbach b. Neu- stadt (Schwarzwald). Geb. um 1760, t 1847 Er stammte aus Rudenberg bei Friedenweiler und ver- mählte sich am 19. Mai 1786 mit Magdalena Schäfer. Von ihm stammen 1 1 Kinder, darunter Johann Georg Str. Seine Geigen, wie auch die der übrigen Mitglieder der Familie Straub, stehen auf ziemlich gleicher Stufe mit denen von Rief in Vils. Meist unscheinbar im Äußern, handwerksmäßig in der .'\rbeit, aber ziemlich gut im Ton. Was er im Winter fertigbrachte, verkaufte er im Sommer, auf Märkten unherziehend. Er ge- brauchte verschiedene (geschriebene und gedruckte) Zettel. Geigenzettel: Johann Straub Geigen- / macher in Röthenbach bei Neu / Stadt im Schwarzwald 1 833 (ge- schrieben). — • Johannes Straub Geigenmacher nächst bey Neustadt in Röthenbach auff dem / Schwarzwald 1 799 1) (gedruckt). Straub, Johann Georg. — Röthenbach und Löffingen (Schwarzwald). Geb. 31. März 1798, f 17. Mai 1854 Er war ein talentvoller Geigenmacher und sehr tüch- tiger Geiger und hieß im Volksmund nur der »Geigen- hannes«. In seinen reiferen Jahren vernachlässigte er jedoch das Geigenmachen und zog als Musiker umher, seine Kunst auf der Straße und in Wirtshäusern zum besten gebend. Löffingen war damals ein Knotenpunkt für den Schwarzwaldhandel, besaß einen großen Korn- markt, und so fand der fröhliche Geiger stets eine ge- neigte Zuhörerschaft, die ihn mehr mit Getränken frei- hielt, als ihm gut war. Er ward dadurch zum Trinker, was ihn als Geigenmacher wie als Musiker sehr zurück- brachte. Seine Geigen sind manchmal recht gut, oft aber sehr roh gearbeitet. Geigenzettel: Johann Straub / Geigenmacher in Röthenbach (lith.). Straub, Josef. — Röthenbach. 1783. 1811 Vielleicht ein Sohn von Simon II Str., dessen Arbeit mit der seinen übereinstimmt. Sein Modell ist von mittlerer Größe, sein Lack dunkel. Auf seinen Zetteln, die in gleichem Wortlaut geschrieben und gedruckt vor- kommen, fehlt oft die Jahreszahl. Geigenzettel : Joseph Straub Geigenmacher / bey Neu-: statt in Röthenbach (geschrieben). — Jos. Straub / Geigenmacher bey / Neustatt in Röthenbach 1 807 (ge- druckt). ^) Die gedruckte Jahreszahl erscheint auf späteren Geigen durchstrichen und durch die neue (z. B. 1805) handschriftlich ersetzt. Straub, Markus (Mar.x) I. — Friedenweiler. 1751 Vielleicht ein Sohn von Franz Str. und wahrscheinlich dessen Schüler. Er war nicht ungeschickt, wenn er auch nur handwerksmäßig arbeitete. Geigenzettel: Abb. 756. Straub, Markus (Marx) II. — Röthenbach und Löffingen (Schwarzwald). 1770. 1777 Einer der besseren Schwarzwälder Geigenmacher, viel- leicht Sohn oder Neffe von Marx Str. in Friedenweiler. Er war mit Katharina Faller verheiratet und hatte nur eine 1777 geborene Tochter. Im Kirchenbuche wird er ausdrücklich als »Geigenmacher* bezeichnet. Er hatte ein eigenes, an die Tiro!er Bauart erinnerndes Modell und ist nicht unsauber in der Arbeit. Geigenzettel : Marx Straub Geigen- / Macher in Stadt Löf fingen auf / dem Schwarzwald 1 770 (gedruckt). Straub, Martin. — Urach. 18. Jahrhundert Seine Geigen sind sehr handwerksmäßig gemacht, haben keinen Kunstwert und sind weder im Holz noch im Ton gut. Musikdirektor P. Müller in St. Gallen be- sitzt eine Violine von ihm. Geigenzettel : Martin Straub geigen- / macher in Vrach im / schwartz waldt bei neustadt (geschrieben). Straub, Matthias. — Friedenweiler. 1750 Fleißiger Geigenmacher, der auch gedruckte Zettel verwendete. Gutes Deckenholz, meist ordinärer Boden, ohne Einlagen, trüber Lack, aber ziemlich guter Ton. Geigenzettel: Mathias Straub zu Fnedenwiller / auf dem Schwartzwald anno 17.. (gedruckt). Straub, Michel I. — Füssen. 1615. 1616 Er wurde am Sonntag Lätare 1616 als Meister in die Füssener Lautenmacherzunft aufgenommen, nachdem er schon im Jahre vorher die Susanna Gast geheiratet hatte. — Da es vielfach üblich war, dem Enkel den Taufnamen des Großvaters zu geben, darf man ihn vielleicht für den Großvater von Michel II Str. halten. Straub^), Michel II. — Venedig, Innsbruck. 1677. 1680 Ein deutscher, wahrscheinlich aus Füssen stammender Meister, der erst in Venedig ansässig war und sich um 1677 in Innsbruck niederließ, wo er Geigen und Lauten verkaufte. Da er damit in die verbrieften Rechte des jüngeren Georg Seelos eingriff, wurde er im April 1677 ausgewiesen und scheint dann wieder nach Venedig zu- rückgekehrt zu sein, da es von dort datierte Arbeiten von ihm mit der Jahreszahl 1680 gibt, so z. B. eine Taschengeige in Form eines Rebeks im Konserva- torium in Brüssel. — Vielleicht war er ein Bruder von Franz Str., der ja auch Taschengeigen baute. Straub, Sebastian (Bastian). — Füssen. 1628 Er wurde am 20. August 1625 in die Lautenmacher- zunft aufgenommen. Es wurde ihm aufgegeben, die ^) Manche wollen »Straus« lesen. Straub — Strobl 499 Lauten und Theorben, die er anfertigte, zuerst der Zunft zum Kaufe anzubieten. Falls diese sie aber nicht kaufen konnte oder wollte, war es ihm freigestellt, sie einem »Ausländischen« (d. h. nicht in Füssen seß- haften) Käufer zu überlassen. Straub, Simon I. — Friedenweiler. 1706 Der beste Meister aus der Familie. Eine Viola Bastarda von hübscher Arbeit befindet sich aus der Sammlung Snoeck (Nr. 491) in Berlin. Geigenzettel: Simon Straub von / Friedenweiler 1706 (gedruckt). Straub.Simonll. — Röthenbach. 1766. 1780 Er war mit Katharina Winterhalter verheiratet und hatte drei Kinder: Josef, Marie und Andreas; in den Kirchenbüchern wird er bald »Musicarius«, bald »operarius« genannt. Seine Geigen haben oft gutes Deckenholz, Birnbaumschnecken und Buchengnff- brett, sind in der Form nicht besonders schön, Decke und Boden ungleich gewölbt, klingen aber manchmal recht gut. Geigenzettel: Simon Straub Geigen / Macher in Rethenbach 1780 (geschrieben). Straube, Johann Augustin. — Berlin. Geb. 15. Mai 1725 zu Alt-Brandenburg, f in Berlin am 18. April 1802^) Er war »musikalischer Instrumentenmacher« und er- warb als solcher im Jahre 1 764 das Berliner Bürgerrecht (Berl. Bürgerbuch B. 28, VIll., S. 611); er hat, wie auch J. A. Otto erwähnt, Geigen gebaut und repariert. Nach glaubwürdigem Ausspruch war er ein geschickter Meister. Es war mir aber nicht möglich, einer Geige von ihm habhaft zu werden. Auch über sein Leben und seine Persönlichkeit war nichts zu erfahren; selbst in Ledeburs Tonkünstlerlexikon Berlins wird er mit zwei Zeilen abgetan. Er soll die Italiener gekannt und Bern- steinlack angewandt haben. Größere Bedeutung hatte er jedenfalls als Klavierbauer. Strauch (Straucho), Matteo. — Modena. 1640 Ein deutscher Lautenmacher, der mehrfach als »Matteo Straucho (Strauchio), Tedesco, Liotare« in Urkunden erwähnt wird und für den Hof beschäftigt war. Be- sonders wird er als Verfertiger von Colascionen (drei- saitigen, langhalsigen Lauten) angeführt. Straus, Michel s. Straub Strauss, Joseph. — Neustadt. 1750. 1775 Mehrfach kommen mittelmäßige Geigen mit diesem Namen und der Ortsangabe vor, doch ließ sich nicht feststellen, welches Neustadt gemeint ist. Ich vermute aber mit gutem Grund, daß es sich um das schwarz- wäldische Neustadt handelt und daß der Name richtiger Straub gelesen werden muß. Streetz (Stretz) s. Strotz ^) Georg Kinsky ist es gelungen diese Daten zu er- mitteln, die er in seinem trefflichen Katalog des Musikhist. Museums in Köln veröffentlichte. Stregner s. Stegher Stritzke (Stritzko), Christoph. — Breslau. 1710. 1711 Ein Musikinstrumentenmacher, der auch Geigen und Lauten repariert, schwerlich aber selbst gebaut hat. Er scheint hauptsächlich Blasinstrumente gemacht zu haben. In der handschriftlichen, um 1720 geschriebenen Breslographia von Kretschener (Stadtbibl. Breslau, Ztschr. R. 595, fol. 159) wird ein zwischen der Drechs- lerzunft und Christoph Stritzke ergangener »Bescheid« erwähnt, demzufolge dem Stritzke die Anfertigung von »Flöten, Hautebois und Bassons« untersagt, die von Waldhörnern und Trompeten aber gestattet wurde. Geigenzettel : Christ. Stritzko repar. / Wratislawiae Aö. 1710 (gedruckt). Strnad, Caspar. — Prag. Geb. 6. Januar 1752 in Prag, f 13. November 1823 (am Blutsturz) Schon bei seiner Taufe finden wir den Geigenmacher Joh. Hellmer als Zeugen. Er wurde Schüler von Thomas Hulinzky und heiratete am 13. September 1787 Margarethe Chalipar aus Strakonic (geb. 13. Juli 1758); 1791 erwarb er das Bürgerrecht, wohnte auf der Neustadt Nr. 761 G^tzt Jungmannovo näm.) und war von 181 1 — 1823 Obervorsteher der Geigenmacherzunft und beeideter Sachverständiger. Er arbeitete sehr genau nach Stradivari (großes Format, aber nicht nach der Form, flachgewölbte Decke, starkes Holz, oft wunder- barer roter ÖUack, der nur manchmal nicht durch- sichtig genug ist, großer, edler Ton, hübsche, kleine F-Löcher). C. Strnad war einer der ersten Prager Geigenmacher, die das hochgewölbte Stainermodell aufgaben und sich den klassischen Italienern zu- wandten. Vor ihm haben nur Krieg und Hulinzky in wenigen Fällen eine flache Wölbung angewendet; er machte auch treffliche Gitarren. Neben seinen guten Geigen kommen auch minderwertige vor, deren Ton immerhin noch recht gut ist. Er verwendete ver- schiedene Zettel mit allerlei Emblemen; manchmal tragen die Zettel auch Nummern, die aber nicht durch- laufend zu verstehen sind, sondern nur für das jeweilige Jahr gelten. Geigen von ihm kommen in Böhmen noch häufig vor; der Komotauer Kirchenchor besitzt eine Violine von 1 775, die Braunauer Stiftskirche eine solche aus dem Jahre 1791, eine Violine aus dem gleichen Jahre das Kloster Strahov, eine andere die Teinkirche, eine Viola von 1822 das Prager Konservatorium; eine Viola von 1800 und einen Kontrabaß von 1799 aus der Kirche in Bfeznic sind in Privatbesitz übergegangen. Geigenzettel : Caspar Strnad / Fecit Pragae Anno 1 793 (gedruckt). — Caspar Strnad / Pragae 1801 Nr. 4 (ge- druckt) und .^bb. 750, 753, 763. Strobel, Cunradt s. Stobell Strobl, Johann I. — Hallein. Geb. um 1645, t 20. Januar 1 700, 55 Jahre alt Er wird ausdrücklich als Geigenmacher in den Ma- trikeln geführt und war wahrscheinlich der Bruder von Elias Str., der als Stadtgeiger bezeichnet wird und wohl auch Geigen gebaut hat. 32* 500 Strobl — Strotzinger Strobl, Johann II. — Hallein. Geb. um 1657, t 15. September 1717 in Hallein, 60 Jahre alt Er scheint kein eingeborener Halleiner gewesen zu sein, da sich in den dortigen Matrikeln weder sein Tauf- noch sein Trauschein eingetragen findet. Es könnte daher naheliegen anzunehmen, daß er aus Füssen ein- gewandert war, wo der Familienname Strobl heimisch ist. Man müßte dann allerdings auch seinen Vater Elias Str., der als Stadtgeiger im Alter von 48 Jahren am 1 1 . Juni 1 678 in Hallein starb, schon für einen Füssener halten. Er erfreute sich als Geigenmacher eines ge- wissen Ansehens. Das Deckenholz ist meist gut, die Einlage fehlt oft, die Wölbung ist ziemlich hoch, die F-Löcher sauber geschnitten, aber unschön in der Linie. Bei größeren Geigen liebt er Köpfchen statt der Schnecken. Der Lack ist glanzlos und gewöhnlich. Auf seinem Zettel erscheint der Name infolge eines Druck- fehlers auch Srtobl gedruckt. Geigenzettel: Abb. 696. Strobl, Johann III. — Olmütz. Geb. in Hallein 16. September 1700, f um 1753 Sohn des Johann Strobl und dessen Frau Ursula. Wahrscheinlich ein Schüler seines Vaters; er kam aus Wels in Oberösterreich, doch dürfte er auch in Prag gearbeitet haben. Abgesehen davon, daß seine Geigen denen von J. G. Hellmer ähnlich sehen, spricht auch der Umstand dafür, daß auf seinem Zettel in der Mitte derselbe Greif mit der Laute erscheint, den Hulinzkys Zettel zeigt. Er soll seit 1724 selbständig in Olmütz gearbeitet haben und brachte es zu einigem Wohlstand, so daß er am S.Mai 1731 mit seiner Ehefrau Anna Regina das Stadthaus Nr. 281 in der Wassergasse (jetzt Elisabethstr. Nr. 28) um 670 Gulden rhein. kaufen konnte. Die Stadt sah es offenbar gerne, daß er sich dauernd seßhaft machte, denn sie schenkte ihm zur Aufrichtung seines Hausschildes 2000 Ziegel, aber sie verlangte auch von ihm, daß er sich der Ordnung halber in die Olmützer Bildhauerzunft aufnehmen ließe, was er denn auch tat. Als Meisterstück fertigte er eine Viola d'amore und eine doppelte Harfe an. Seine Mitbürger wußten ihn zu schätzen; neben andern Ehren- ämtern erhielt er im Jahre 1741 auch die Ernennung zum Stadtquartiermeister mit einem Gehalte von wöchentlich einem Gulden rhein. Sem Haus wurde am 1. Juli 1753 um 11 74 Gulden rhein. an einen Müller verkauft. Er scheint vorzugsweise Violen gemacht zu haben. Diese sind ungewöhnlich groß, flachgewölbt und hellgelb oder rotbraun lackiert. In seinen letzten Lebensjahren soll er in Prag gelebt und im dortigen Musikleben eine Rolle gespielt haben. Geigenzettel: Johann Strobl / Lauten und Geigen- / macher in Olmütz 1741 (gedruckt). Strobl, Michael. — Berlin. Geb. 1867 Schüler der Mittenwalder Geigenmacherschule. Er arbeitete jahrelang bei J. J. Held in Beuel, dann in ver- schiedenen Städten als Gehilfe un 1 machte sich 1894 in Berlin selbständig. Er Ist ein gesch'ckter Meister, dessen Geigen vor einigen Jahren bei dem Geigenwettstreit in Paris als die am besten klingenden deutschen Instru- mente bezeichnet wurden. Geigenzettel: Repariert / Michael Strobl / Berlin 19 (gedruckt). — Michael Strobl , Berlin / fecit anno 19 (gedruckt). Strobl, Tobias. — Krems. 1726. Geb. 1670, t 12. Juni 1763 in Krems Er war der Vorgänger von M. A. Fichtl und baute sehr gute Violen ; seine Violinen sind hochgewölbt, sorglos in der Wahl des Holzes, aber doch mit einem gewissen Geschick gemacht. Er war dreimal verheiratet, hinter- ließ jedoch keine Nachkommen. Auch irdische Glücks- güter hat er nicht erwerben können, und so starb er als Greis von 93 Jahren im Armenhause zu Krems. Geigenzettel: Tobias Strobl / Geigenma- / eher in Crembs. 1 736 (gedruckt). Ström. — Helsingborg. 1895. f 7. April 1907 Einige ganz brav gearbeitete Violinen tragen seinen Zettel. Geigenzettel: Ström, Helsingborg 1895 (geschrieben). Strötz, Franz, arbeitet als Geigenmacher in Schönbach b. E. Strötz (Stretz), Josef. — (Mark-)Neukirchen. Geb. (in Bayern) 1715, f 17. September 1760 (nicht 1790!) Er war von Hause aus Tischler und Musiker und wanderte in Markneukirchen ein, wo er der erste wurde, der die Bogenmacherei dort betrieb. Vorher be- zogen die Markneukirchner ihre Bogen angeblich aus Schmalkalden ^). Strötz starb schon mit 45 Jahren und 6 Monaten ; nach seinem Tode vervollkommneten der Stadtmusiker Schulz und der Tischler Otto die Bogen- macherei in ihrem Orte mehr und mehr. Streng, John. — Somerset. Um 1640 Eine Viola von ihm war 1872 in South Kensington aus- gestellt. Er war vielleicht von den Brescianern beein- flußt, verwendete doppelte Einlagen und hatte eigene Modelle. Er dürfte auch der Verfertiger der angeblich von Lord Sommerset erfundenen achtsaitigen Baß- gamba gewesen sein, die Prinz 1649 erwähnt. Geigenzettel : John Strong Sommerset 16.. (ge- druckt). Strotzinger, Rudolf. — Linz a. D. Geb. 1822, t 25. Mai 1872 Schüler von Engleder in München. Er hatte seine Werkstatt Hofberg Nr. 12 und war ein tüchtiger, wenn auch nicht hervorragender Meister. ^) Die Wahrheit dieser oft wiederholten Angabe ur- kundlich festzulegen, ist mir trotz sorgfältiger Nach- forschungen nicht gelungen. Strupf — Sturm 501 Strupf, Geo. M., eine Händlerfirma in Wild- stein b. E., die 1861 begründet wurde, nach dem Tode des Inhabers aber wieder er- loschen ist Struve, Heinrich N. — Arendsee. 1904 Soll sich hauptsächlich als Reparateur betätigt haben. Geigenzettel: Heinr. N. Struve / fecit Arendsee 1901 (Name gedruckt). Stüber, Johann. — 's Gravenhage. 1921 Von Geburt ein Schwabe, kam er m jungen Jahren zu Oswald Braun nach Markneukirchen und arbeitete dann als Gehilfe in Berlin, Zürich und St. Gallen und kam im Jahre 1912 zu Eugen Gärtner, der von größtem Ein- fluß auf seine Arbeit war, so daß St. Ihn als seinen eigentlichen Lehrmeister verehrt. Zwei Jahre später kam er zu van der Meer nach .Amsterdam, doch wurde er bald zu den Fahnen gerufen, um den Krieg mitzu- machen. Nach seiner Entlassung arbeitete er wieder bis 1 920 bei Eugen Gärtner und ging dann neuerdings nach Holland, wo er zuletzt bei Vedral tätig war. .Am 4. .-Xpril 1921 machte er sich im Haag selbständig. Er ist ein ernst strebender, gebildeter und ideal veranlagter Geigenmacher, von dem man noch viel Schönes er- warten kann. Stüblger, Adam. — Fleissen. Geb. in Flelssen 18. Dezember 1859 Schüler von Jos. Lutz in Schönbach. Im Jahre 1884 machte er sich in seinem Geburtsorte selbständig und gilt als geschickter Geigenmacher. Stübiger, Johann. — Wien. 1891. 1910 Geboren in Fleissen, ein Verwandter von .-Xdam St., bei dem er längere Zeit als Gehilfe gearbeitet hat. Er kam dann nach Wien zu Thomas Zach, bei dem er mehrere Jahre blieb, und begründete 1891 sein eigenes Geschäft. Er arbeitet sauber nach Stradivari und verwendet einen roten Lack. Seine Geigen erinnern an die seines Meisters Th. Zach. Seit 1910 ist er handelsgerichtlich beeideter Schätzmeister. Stümpel, C. H. — Minden. 1830. f 1861 Ein Instrumentenmacher von besonderer Handge- schicklichkeit, der aber hauptsächlich Blasinstrumente machte. Stümpel, H. C. — Minden i. W. Geb. 1 2. Nov. 1838 in Minden Schüler und seit 1861 Nachfolger seines Vaters. Ein sehr fleißiger Geigenmacher, der sich ein besonderes System ausgearbeitet und nach diesem verschiedene Modelle konstruiert hat, die er »Fa^on Bagatella« (hochgewölbt), '>Guarnerius«, »Stradivarius«, »Faust« (sehr flach), »Joachim« (mittlere Wölbung) und »Sara- sate« nennt. Auch er ließ sich seinerzeit bestimmen, das Holz der Balsamfichte zu verwenden, kam aber sehr schnell davon ab. Er hat billige und teure Geigen ge- macht, und darunter sind solche, die sehr gelobt werden. Seit etwa 1900 machte er keine Violinen mehr. Er hat u. a. auch zwei Tasterzirkel für Geigenmacher er- funden, um die Holzstärken zu messen; der eine ermöglicht dieses Messen auch, wenn die Geige nicht geöffnet ist. Er verwandte verschiedene Zettel, auf manchen fehlt, dem Wunsche seiner Abnehmer ent- sprechend, sein Name. Geigenzettel: (Schematisch dargestellte Geige) M. i. W. ; 1893./Fagon Pablo de Sarasate (gedruckt). Stürtzer, Johann Michael I. — Breslau vor 1725. 1729 Baron sagt von ihm : »Die Breslauer Lauten sind auch nicht zu verachten, und hat daselbst Michael Stürtzer sowohl auf die Zierlichkeit als Wohl-Klang gesehen.« (Hist.-theor. u. prakt. Untersuchung des Instr. der Lauten, S. 97.) Eine Laute von ihm aus dem Jahre 1729 bewahrt das Schlesische Museum für Kunstgewerbe in Breslau auf (No. 97, 07). Stürtzer (Stirtzer), Johann Michael II. — Breslau. 1748. 1760 Wenn die Jahreszahlen richtig gelesen sind, vielleicht ein Sohn von Johann Michael I St. Besser als seine Violinen sind seine Violoncelli und seine Kontrabässe. Sein Modell erinnert an die Stainerschule. Bei den Bässen brachte auch er gerne statt der Schnecke ge- schnitzte Köpfe am Wirbelkasten an. In einer Laute des Schlesischen Museums für Kunstgewerbe und Altertümer findet sich sein Reparaturzettel. Mirzer statt Stürzer (Stirtzer) zu lesen, ist falsch. Geigenzettel: Johann Michael Stirtzer / Lauten und Geigenmacher ; in Breslau 1 748 (gedruckt). — Jean Mic. Stürzer / m'at reparre (gedruckt) Stützer, Leonhard. — Heilbronn a. N. 1864 Ein Klaviermacher, der sich auf dem Reparaturzettel in einer Schlagzither, im Besitz des Kölner Musik- historischen Museum, als »Instrumentenmacher« be- zeichnet. Stüwe, Conrad Hinnch. — Hamburg. 1726 Man weiß von ihm bisher nur, daß er am 8. November 1 726 als Instrumentenmacher Bürger wurde. Stuiber, H. — Magdeburg. 1900 Sturge, H. — Bristol, Huddersfleld. 181 1 .1853 Sein Name ist mir nur in Geigen, die er ausgebessert hat, begegnet. Sturm, Nikolaus. ■ hundert Man wollte ihn für einen Sohn des Augsburger Lauten- machers St. halten; es ist aber wahrscheinlicher, daß er ein Sohn oder Enkel des um 1 572 noch lebenden Orgel- machers Caspar Sturm war und auch selbst haupt- sächlich Orgeln gemacht hat. Sturm. — Augsburg, f vor 1577 Ein angesehener Lautenmacher, dessen Witwe Mar- gareth, eine »geborene Schlaurin«, 1577 den nachmals berühmten Lautenmacher S. Rauwolf heiratete. München. 17. Jahr- 502 Stymovicz — Sundberg Stymovicz, Anton Kazimir. — Iserlohn, f um 1906 Mitglied des Geigenbauerverbandes. Er erfand 1903 einen neuen Baßbalken. Sualis Narano, Antonio. — Constantia (Se- villa). 1888 Ein spanischer Gitarrenmacher, der namentlich wegen seiner schönen Einlegearbeit geschätzt wird. Succo, Johann Relnhold. — Riga. Geb. 30. November 1842 zu Wugarten bei Friede- berg i. N., t 8. (21 .) Juni 1908 in Riga Schüler von A. Freytag. Als Sohn eines Pfarrers hatte er eine gute wissenschaftliche und musikalische Vor- bildung, arbeitete in mehreren besseren Werkstätten und siedelte im Herbst 1864 nach Riga über. Er machte sowohl neue Geigen, als er auch alte wiederherstellte, und erfreute sich bei russischen Geigern besonderer Wertschätzung. Süss, Johann Christian. — Markneukirchen. Geb. 6. Dezember 1829 in Mühlhausen bei Bad Elster, f 12. Oktober 1900 In seiner Jugend machte er nur Bogen aus Buchenholz, die als billige Marktware Absatz fanden. Später kam er zu Christ. Knopf nach Dresden, erlernte dort erst das Bogenmachen von Gi und aus und brachte es darin zu bemerkenswerter Künstlerschaft. Er machte sich dann in Markneukirchen selbständig und war nicht nur der beste Bogenmacher seines Wohnortes, sondern einer der besten in ganz Deutschland. Er arbeitete vor- wiegend nach Tourte und kommt Voirin gleich. Be- dauerlicherweise hat er wohl keinen seiner Bogen be- zeichnet. Süß, Johann Georg. — Adorf i. V. 18. Jahr- hundert In den Adorfer Kirchenbüchern wird er »Musicus instrumentalis« genannt. Es gibt auch Geigen mit seinem Namen. Wahrscheinlich aber war er haupt- sächlich Händler, der mit den Arbeiten anderer herum- reiste. Sütterlln, J. Friedrich. — Straßburg 1. E., Wiesbaden. Geb. in Egisholz-Wollbach 1846, tum 1893 Ein echter Künstler, der mit beinahe unerreichbarer Sauberkeit arbeitete und jede Einzelheit an seinen, meist nach Stradivari gebauten Geigen eigenhändig machte, wie er auch treffliche Schnecken zu schneiden verstand. Der Lack, den er selbst zubereitete, hatte recht gute Eigenschaften, kam in Farbe und Glanz dem der Cremoneser nahe, nur mußte er wenigstens ein halbes Jahr lang trocknen und war oft auch dann noch klebrig. Anfangs 1883 siedelte S. auf Veranlassung Prof. Wilhelmjs nach Wiesbaden über. Er machte auch Versuche mit der Balsamfichte, kam aber sehr bald davon ab ; auch einen Baßbalken aus diesem Holze, den er in eine Geige Wilhelmjs setzen mußte, entfernte er wieder, da er sich nicht bewährt hatte. In seiner letzten Zeit konnte er nur wenige neue Geigen machen, da er schwer leidend war und wiederholt einen Blutsturz bekam. Suittner (Suitner), Johann. — Mittenwald. Geb. 1822. t 1907 Er hat zwar das Geigenmachen erlernt und begann sehr vielversprechend, begründete jedoch 1855 sein Ge- schäft als Zithermacher, nachdem er vorher bei Tiefen- brunner in München gearbeitet hatte. Er galt als tüchtiger Lehrmeister, seine Geigen sind sehr schön gebaut, haben roten, dicken Lack, und auch seine Gi- tarren zeigen liebevolle Arbeit. Suittner, Joseph. — Mittenwald. 1788 Tüchtiger Meister, der sehr sauber nach Stainer ar- beitete. Er verwendete gutes Holz und einen weichen gelblichen Lack. Seine Schnecken sind zierlich, die F-Löcher getreu nach Stainer geschnitten und auch die Einlagen mit großem Geschick angebracht. Den Boden hat er mit Vorliebe aus einem Stück gemacht. — Manche lesen den Namen Sintner, doch scheint nach dem Zettel Suittner richtiger zu sein. Geigenzettel: Joseph Suittner / in Mittenwald. 1788 (geschrieben). Sulot, Nicolas. — Dijon. 1829. 1839 Ob die Geigen, die er gemacht hat, gut waren, konnte ich nicht ermitteln. Er hat allerlei Versuche zur Ton- verstärkung angestellt und ließ sich mehrere Erfin- dungen, so z. B. wellenförmige Böden und dreifache Resonanzplatten patentieren. Bewährt haben sich diese Erfindungen so wenig wie alle anderen ähnlichen. Sulz, A. &Co. — Wien. 1873 Eine Firma, die auf der Wiener Weltausstellung ver- treten war und eine Verdienstmedaille für Geigen erhielt, deren guter, starker Ton gelobt wurde. Sumerauer (Summerauer), Georg. — Wien. 1575 Im Jahre 1575 wurde er als Lautenmacher Wiener Bürger. Sumerauer, Hans. — Salzburg. 1557 Im Salzburger Bürgerbuch wird em Lautenmacher dieses Namens, der im Jahre 1557 das Bürgerrecht erhielt, aufgeführt. Er war vielleicht der Vater von Georg und Reinhart S. Sumerauer, Reinhart. — Wien. 1578 Wohl ein Bruder von Georg S. Er wurde 1578 Bürger von w len. Sundberg, Carl Erik. — Stockholm. 1804 Ein schwedischer Lauten- und Klaviermacher, der sich der Tischlerzunft anschloß und als Meisterstück eine Pedalharfe anfertigte. Er darf nicht mit P. Lundborg verwechselt werden. Suover — Syvarth 503 Suover, Giovanni. — Florenz. 1637 Sohn des Giovanni S. Ein Lautenmacher, wahrschein- lich von deutscher Abstammung, den ich nur bei Valdrighi (3099) aufgeführt finde. Sup s. Epp Surow, E. F.— Moskau. 1881 Russischer Gitarrenmacher des 19. Jahrhunderts. Sursano s. Sorsana Suter, Aloys. — Nieder-Urnen, Brunnen, Näfels. 1842. 1870 Ein Schweizer Geigenmacher, der wahrscheinlich Autodidakt war, aber sich eine gewisse Handfertigkeit angeeignet hat. Er bevorzugte em großes Modell von plumpen Umrissen. Sehr fein smd stets seine Einlagen gearbeitet, während seine Schnecken aussehen, als ob sie von oben her zerdrückt wären. Das Deckenholz ist feinjährig, der Ahornboden nach der Schwarte ge- schnitten. Am schlechtesten fand er sich mit dem Lackieren zurecht. Er grundierte seine Geigen mit Nußbaumbeize und überstrich sie dann mit dunklem Schellack. Trotzdem klingen seine Geigen oft recht gut. Geigenzettel : Repparirt von / Alois Sutter in Brunnen / anno 1 842 (geschrieben). — Alois Suter ' Instrumenten- mehr. / 1860 / Brunnen Ct. Schwyz (schabloniert). Sutor (Suttor), Johann Martin. — Wien. Geb. um 1684, t 25. April 1758 In den Wiener Steuerbüchern, wo sein Name mehrfach Suder geschrieben erscheint, kommt er von 1 749 — 1 758 vor. Seiner Witwe wurde im Jahre 1 759 »wegen Armut" die Steuer nachgelassen. Seme Geigen sind gut und kommen in der Arbeit denen des Wieners Fichtl nahe, sind aber schlechter lackiert. Er scheint sich erst um 1 749 selbständig gemacht zu haben, wodurch sich das seltene Vorkommen seiner Arbeiten leicht erklärt. Geigenzettel: Abb. 745. Suzuki, Masakichi. — Nagoya (Japan). 1893. 1902 Ein Japaner, der auf der .Ausstellung in Chicago 1893 mehrere Geigen, die gut im Ton und von guter Arbeit waren, ausgestellt hatte. Er soll auch schon recht gute Violoncelli gebaut haben. Svanström, Anders. — Strengnäs. Geb. 1766 in Strengnäs, f 26. Oktober 1833 daselbst Er war der Sohn eines Bürgers, erlernte die Geigen- macherei wahrscheinlich in Stockholm und heiratete .Anna Brita Stenholm, die ihm einen Hof in Strengnäs in die Ehe brachte. Er wird ausdrücklich als Geigen- macher bezeichnet, kam aber in seinen Verhältnissen doch so zurück, daß er schließlich im städtischen Armenhause starb. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1797 besitzt das Nordische Museum in Stock- holm, eine von ihm 1799 ausgebesserte Geige das Gothenburger Museum. Geigenzettel : Förfärdigad af / A. Svanström / i Streng- näs 1798 (geschrieben). Swarts, Job. — Amsterdam. 1643 Eine Viola von ihm (mit Löwenköpfchen) befindet sich in der Scheurleerschen Sammlung. Swosil, Johann. — Wien, f vor 1900 Ein Gitarrenmacher, der auch Geigen reparierte; schwierigere .Arbeiten ließ er jedoch von Vinz. Pathan ausführen. Seine Witwe Theresia führte das Geschäft nach 1900 noch fort. .Auch ein Josef Sw. war m Wien ansässig. Syde, Willem van der. — Amsterdam. 1702 Er arbeitete recht brav im Stile von H. Jacobsz nach Amati. Eine Geige von ihm besitzt der ehem. Sekretär der südafrikanischen Republik Dr. Leyds. Geigenzettel: Willem van der Syde ,' Me fecit in Amsterdam / 1702 (gedruckt). Sykora, Mathias. — Trebitsch. 1829. 1852 Er war Geigen- und Gitarrenmacher und galt als be- sonders geschickter Meister. Er war nach den Amts- akten der Stadt Trebitsch bereits seit den zwanziger Jahren selbständig und ist um 1852 oder 1853 nach Wien übergesiedelt und angeblich dort verschollen. Syller (Sayller), Veit. — Bollingen. 1678 In der .Arbeit erinnert er an die Füssener Meister. Von ihm ist eine gut gemachte Viola im Museum Franzisco- Carolinum in Linz a. D., die den untenstehenden, ge- schriebenen Zettel trägt. Ein Bollingen gehörte seiner- zeit zum Ulmer Land. Wenn auch im Ulmer .Archiv nichts zu finden war, so glaube ich doch, daß nur dieses Bollingen in Betracht kommt, um so mehr, als der Name Sayller in Ulm heimisch ist ^). Geigenzettel: Veith Syller Geiger / Unnd Geigen- macher in / Bollingen A. 1678 (gedruckt). Syrbius, Otto. — Hannover. 1885. 1891 .Auf der Norddeutschen Gewerbe- und Industrie-Aus- stellung in Bremen 1890 war er gut vertreten. Er arbeitete nach alten Meistern und eigenen Modellen. Syrovy, Wenzel, arbeitete 1839 bei Lc-hner, später bei Skopal Syvarth, Conrad Heinrich. — Oldenburg i. Gr. 1823. 1838 Im Juni 1823 wurde er als Bürger aufgenommen und , lebte noch 1838. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Geigenmachen, machte aber auch Harfen und Gitarren. Syvarth, Ferdinand. — Oldenburg i. Gr. 1 866. t 1896 Sohn oder Enkel von C. H. Syvarth. Er war Instru- mentenmacher und Harmoniumbauer und hat nur nebenbei Ausbesserungen an Streichinstrumenten vor- genommen. ') Um 1650 lebte in Ulm u. a. der ausgezeichnete Uhr- macher Johann Sayller. 504 Szag — Tacke Szag. Georg. — Leipzig. 1885. 1887 Ein Geigenmacher, der am I.Oktober 1885 seine Werkstatt eröffnete, aber 1887 nach Amerika aus- wanderte. Szalay. Julius (Gyula). — 1880 Schüler von K. Zach. Er soll angeblich aus Ungarn nach Rußland ausgewandert sein, wo er verschollen ist. Szalay, Stefan (Istvan). — Szekes Fehervär (Stuhlweißenburg). 1880. f 1907 in Stuhl- weißenburg Bruder von Julius Sz. Schüler von Engleder. Nemes- sänyi und dann von Karl Zach in Wien. Um 1880 ließ er sich in Stuhlweißenburg nieder und war namentlich als Reparateur geschätzt. Geigenzettel: Javitotta Szalay Istvän / Szekesfehervär 1883 (geschrieben). Szentessy, Koloman (Kälmän). — Budapest, tum 1859 Ein Schüler von Thomas Zach. Er war hauptsächlich für die Firma Schunda tätig und starb in jungen Jahren. Szepessy, Bela (Adalbert). — London. Geb. 1856 m Budapest Schüler von Samuel Nemessanyi, bei dem er von 1868 bis 1874 lernte. Er arbeitete hierauf fünf Jahre lang bei Zach in Wien, von 1879—1881 in München und ging dann nach London, wo er seine eigene Werkstatt er- öffnete. Er arbeitet hauptsächlich nach Stradivari, zu- weilen auch nach Guarneri und nur in vereinzelten Fällen nach Nie. Amati. Er nimmt die Decke jedoch am oberen und unteren Klotz stärker im Holz und ver- wendet einen selbstverfertigten, weichen Öllack, zu dem er Harz, goldgelbe Farbe und ein durchsichtiges Rot mischt. Bis 1900 hatte er 160 Geigen, 5 Violen und 3 Violoncelli hergestellt. Für seine Geigen erzielt er durchschnittlich gute Preise. Auszeichnungen und Medaillen, die man ihm mehrfach angeboten hat, lehnte er ab. Bei aller Hochachtung für die alten Meister, die er eingehend studierte, ist er doch der Überzeugung, daß eine aus gutem und gesundem Holz gemachte neue Geige einer alten im Tone gleichkommen und ihr vor- gezogen werden muß. Geigenzettel: Szepessy Bela No (Dcppelkreuz) 146 London 1899 (gedruckt). Szimanski (Schimansky), Heinrich. — Berlin. Geb. 14. November 1867 in Cölleda Ursprünglich für den Beruf eines Orgelbauers be- stimmt, kam er zunächst bei dem Hoftischlermeister Müller in Rudolstadt in die Lehre, wo er sich die nötige Handfertigkeit und gründliche Holzkenntnisse an- eignete. Er vervollkommnete sich dann noch als Gehilfe in verschiedenen feinen Werkstätten, trieb musi- kalische Studien und brachte es namentlich als Zither- spieler zu einer bemerkenswerten Geschicklichkeit. So war auch das erste Musikinstrument, das er herstellte, eine Konzertzither. Im weiteren Verlauf baute er Gi- tarren, die so viel Anklang fanden, daß er sich im Jahre 1 897 als Musikinstrumentenmacher selbständig machen konnte. Von 1902 an verlegte er sich dann auch auf den Geigenbau, den er jetzt fast ausschließlich betreibt. Seine theoretischen Kenntnisse schöpfte er aus dem Werke von Appian-Bennewitz und benutzte jede Ge- legenheit, sich praktisch zu vervollkommnen. Seine Arbeiten werden von Musikern sowohl wegen ihres Tones als auch wegen ihres Aussehens gelobt und sind peinlich sauber gearbeitet. Außer nach seinem eigenen Modell arbeitet er auch nach italienischen Vorbildern. Er macht alle Teile seiner Geigen selbst und ebenso seine Bogen. Gewöhnlich verwendet er einen selbst- bereiteten Ollack. Seine neuesten Geigen tragen neben dem Zettel auch seine Brandmarke mit der Jahreszahl, wie auch seine Bogen seinen Namen eingepreßt zeigen. Auch seme Söhne sind tüchtige Geigenmacher ge- worden, der älteste, Johannes, geb. in Rixdorf (Neu- kölln) am 2. September 1894, der zweite, Paul, geb. am 3. April 1896 in Berlin, der dritte, Franz, geb. 15. Febr. 1903 in Berlin. Alle drei arbeiten mit dem Vater, auch der vierte Sohn hat Ostern 1920 als Geigenmacher aus- gelernt und ist jetzt in der väterlichen Werkstatt be- schäftigt. Geigenzettel : Heinrich Schimansky ' Berlin O. Frank- furter Allee No. 100 Atelier für Kunst-Geigen, Cello- bau ' und Reparatur , sowie feinster Künstler-Bogen (gedruckt). Taborsky, Franz. — Wien. 191 1 Inhaber eines Streichinstrumentengeschäfts im II I.Wie- ner Bezirk. Tacconi, Enrico. — Rom. 1884 Ein Mandolinenmacher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Tachmardi. — Cremona. 1690 Vidal ist der erste, der diesen Namen erwähnt. Arbeiten von ihm sind nirgends nachweisbar, so daß der Ver- dacht aufkommen kann, daß der Name aus Taningard (Tanigardi) entstanden ist und der Wohnort willkürlich angenommen wurde. Tacke, Anton sen. — Düsseldorf. 1816. 1846(?) Eine dem Hamburgischen Museum für Kunst und Ge- werbe angebotene Laute von Dalla Porta trug den Re- paraturzettel : ».Ausgebeßert von Anton Tacke / Senior in Düßeldorf 1816.« Wenn es keinen Anton T. jun. gegeben hat, dann ist wohl Wilhelm T. als der Sohn von Anton T. anzusehen. Tacke, Wilhelm. — Düsseldorf. 1840. 1850 Nur als Reparateur bekannt; vielleicht mit T. K. Gra- bensee identisch. Er wusch gerne den alten Lack ab und ersetzte ihn durch einen spröden Spirituslack. (Aus der Wohnungsangabe: »Grabenstr.« scheint »Gra- bensee« entstanden zu sein.) Geigenzettel: Reparirt von Wilhelm Tacke in Düssel- dorf auf der Casernenstr. N^ 1098 (gedruckt). — Reparirt von Wilh. Tacke in Düsseldorf / auf der Grabenstrasse No. 1135 (gedruckt). Tadolini — Tarasconi 505 Tadolini, Giuseppe. — Modena, Bologna. Geb. in Bologna (?) um 1796, f um 1870 Er war ursprünglich Lehrer des Violoncello- und Baß- spiels am Hofe zu Modena und verlegte sich später auf die Herstellung von Bogeninstrumenten. Tadolini, Ignazio. — Modena. Geb. 1797, t 1873 Bruder von Giuseppe T. Er machte nicht nur Gitarren, sondern auch Klaviere, war aber am besten als Bogen- macher. Tängel (oder Tengel, auch Dengel), Job. — (Mark-)Neukirchen. Angeblich geb. um 1657, t nach 1704 Ein aus Danzig eingewanderter Geigenmacher, der die Witwe des Joh. Friedr. Dörfel heiratete und sich in Neukirchen oder Klingentha! dauernd niederließ und unter Berücksichtigung dieses Umstandes am 25. No- vember 1701 als Meister in die Neukirchener Geigen- macherzunft aufgenommen wurde. Es wird erzählt, daß er den Neukirchener Geigenmachern eine neue Art der Lackbereitung gelehrt habe, die angeblich viel zum Aufschwünge der jungen Geigenindustrie des Vogt- landes beitrug. Da die ältesten sicheren Vogtländer Geigen eine Beize unter der sonst mageren Lackschicht zeigen, scheint Tängels Verfahren weniger im Lackie- ren als im Beizen bestanden zu haben. — In Danzig kommt ein gleichnamiger Geigenmacher noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. vor. Tängel, Johannes. — Danzig. 1763 In einer leidlich guten Geige, von mittlerer Wölbung und etwas breitem Modell, fand sich dieser Name. Auch ein Händler in Nürnberg besitzt eine solche. Tängel (Dengel), Johann Friedrich. — 1780. 1784 Ein Vogtländer, vermutlich ein Nachkomme von Joh. Tängel, von dem Ernst Geißer eine gelblackierte Geige besitzt. Häufiger kommen Violoncelli von ihm vor. Geigenzettel : lohann Friedrich Dengel erfunden von lakobus Stainer. , 1 784 (gedruckt). Taffelli, Alessandro. — Mantua. 1619 Ein Lautenmacher aus Rom. der 1619 in Mantua das Privilegium erhielt, die Kunst, »Saiten für die Laute zu machen«, auszuüben. Taffmi s. Tassmi Talhnger s. Dahnger Tanczer, Georg. — Budapest, Debreczen. Geb. m Kecskemet (Ungarn). 1855 Schüler von Samuel Nemessänyi und Adolf Mönmg von 1869 — 1873. arbeitete dann bei W. J.Schunda, machte sich 1882 in Budapest selbständig und beschäf- tigte sich hauptsächlich mit Reparaturen. Beim Neubau imitiert er Stradivan und Jos. Guarneri und verwendet emen gelblichroten Bernsteinlack. Er führte eine Ver- besserung am Baßbalken ein, die sich bewährt haben soll. Um 1 899 war er in Debreczen ansässig und arbeitet jetzt für die Firma Stowasser. Geigenzettel : Georg Tanczer / Kunstgeigenmacher / Budapest. (Seine Zettel sind handschriftlich; oder der- selbe Text ungarisch.) Tanegia, Carlo Antonio. — Mailand. 1725. 1731 Ein Mailänder zweiten Ranges, der nur wenige Geigen gemacht hat und ein Nachahmer Grancinos war. Geigenzettel : Carolus Antonius Tanegia fecit in Via Lata Medio ,' lani .Anno 1 725 (gedruckt). Tanhager, Paul. — Freydenstein, Oberwallsee (Oberösterreich). 1755 Eine Viola im Mus. Franc. -Card, in Linz trägt den Zettel : Paul Tanhager , Geigenmacher zu ; Freyden- stein , Oberwallsee , 1755 (geschrieben). Taningard, Gio. Giorgio. — Rom. 1735. 1750 Er wird gewöhnlich Tanigardi genannt, einer seiner Zettel gibt den Namen jedoch ausdrücklich »Tanin- gard« an, so daß man an einen verwelschten deutschen Namen (Tannengart?) denken kann. Er steht wie die meisten Römer Tecchler nahe und verwendet braun- roten Lack. Seine Violoncelli sind recht gut. Geigenzettel : Giorgius Tanigardus fecit Romae anno 1735 (gedruckt). — Giorgio Tanigardi / fecit Romae anno 1745 (gedruckt) und Abb. 779. Tantino, Constantino. — Modena. 15. Jahr- hundert Ist mir nur als Lehrmeister seines Sohnes Giovanni bekannt. Tantmo, Giovanni. — Modena. 1475 Schüler seines Vaters Constantino T. Em Instrumen- tenmacher, den Valdrighi (4435) erwähnt. Tantino, Sesto. — Modena. 1461. 1490 Vermutlich ein Sohn oder Bruder von Giov. T. Ein von Valdrighi (3120) erwähnter Instrumentenmacher, von dem mir nur bekannt ist, daß er Cimbeln machte. Tarasconi, Carlo. — Rom. 1903 Vielleicht ein Verwandter von Giuseppe T. Direktor O. Hiß in Brunn besitzt eine Geige von ihm ; die Arbeit sieht dilettantisch aus, das Holz ist ohne Sorgfalt ge- wählt, der L=ick armselig gelb. Geigenzettel . Carolus Tarasconi / No 36 fecit Romae 1903 (gedruckt). Tarasconi, Giuseppe. — Mailand. 1888. 1908 Von Beruf Kontrabassist, verlegte er sich nebenbei auf den Handel mit alten Geigen, die er selbst reparierte. Allmählich ging er dann dazu über, sich auch im Neu- bau von Geigen zu versuchen. Seine .Arbeit ist ohne künstlerischen Wert. 506 Tardieu — Tecchler Tardieu. — Tarascon. 1705 Ein Geistlicher, dem man irrtümlich nachrühmte, daß er um 1705 dem Violoncello seine heutige Einrichtung gab; sein Violoncello hatte fünf Saiten; erfunden hat er das Instrument jedoch ganz sicher nicht, da es schon dem Praetorius bekannt war. Das Wort Violoncello ist ein Diminutiv von Violone (Baß), und sonderbar ist es, daß es gebräuchlich wurde, die Diminutivendung allein ( — cello) für das ganze Instrument zu brauchen. Targhetta Beiname der Familie di Virchi, besonders des Giovanni Paolo di Virchi (s. daselbst). Tarotanus, Antonius. — Novara (?). 1623 Eine gute Violine im Besitz des Reg. -Rates Thorade in Osnabrück von italienischem .Aussehen, auf dem Boden ornamentiert mit den bourbonischen Lilien, trägt den etwas rätselhaften Zettel: *S. Salvator Novara / F. An- tonius Tarotanus faciebat A. D. 1623 << Ein Geigen- inacher dieses Namens ist in Novara bisher völlig un- bekannt. Tarr, William. — Manchester. Geb. 1809, t 1892 Er machte recht gute Geigen, doch erwarb er sich liauptsächlich durch seine Kontrabässe einen gewissen Ruf. Ende der fünfziger Jahre gab er eine Zeitlang das Geigenmachen auf und war Photograph geworden, kehrte später aber wieder zu seinem eigentlichen Be- rufe zurück. Einen sehr schönen Baß von ihm besitzt F. Garret. Ein J. Tarr lebte in Sheffield, und ein James T. ist noch jetzt in Brooklyn ansässig. Tartaglia (Tartoglio), Francesco. — Strop- piana. Biella (Novara). 1883 Mittelmäßiger Geigenmacher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Tartrot, Jean. — Mirecourt. 1761. 1773 Mehr Händler als Geigenmacher. Tassini, Bartolommeo. — Venedig. 1740. 1756 Er scheint aus der Schule von Testore hervorgegangen zu sein, doch erreicht er ihn nicht, wenn er auch besse- res Holz nahm. Den Boden machte er gerne aus einem Stück und verwendete hübschen goldgelben Lack. Nach unverbürgten Quellen soll er auch in Rom ge- arbeitet haben. Geigenzettel: Abb. 783. Tauber, Andreas. — Preßburg. 1820. 1830 Er dürfte in Wien, vielleicht bei Geissenhof, gelernt haben und erlangte im Jahre 1829 das Preßburger Bürgerrecht. Seine Geigen ahmen ein großes, breites Stradivarimodell nach, haben flache Wölbung und dicke, stark abgerundete Ränder. Die Schnecke ist, wie bei allen Preßburger Meistern, groß und beinahe plump. Er verarbeitete gutes Holz, machte den Boden gerne aus einem Stück und trug seinen braunen Lack, der jetzt sehr hart ist, ganz gleichmäßig auf. Seine Arbeiten sind wegen ihres kräftigen Tons sehr beliebt und wer- den jetzt oft recht gut bezahlt. Eine Violine von ihm (ohne Ort und Datum) besitzt der Preßburger Domchor. Sein Zettel gleicht bis ins einzelne dem von Karolus Ertl, so daß man fast annehmen kann, daß für beide die gleiche Kupferplatte nach Änderung des Namens gedient habe. Tauber, Ludwig. — Graz. 1846 Angeblich ein Sohn von Andreas T. Er arbeitete bei G. Kürschner, dessen Geschäft er später übernahm. Er ist übrigens nur als Zithermacher bekannt ge- worden. Taus, Andreas. — Siena. 1621 Vermutlich ein Deutscher, von dem sich eine Chitar- rone im South Kensington Museum befindet. Tauscher, Eduard. — Erlbach b. Markneu- kirchen. Geb. 26. Februar 1867 Schüler von Wilhelm Meisel. Er begründete 1890 unter der Firma Ed. Tauscher & Co. sein eigenes Geschäft und hatte einen netten Erfolg mit seinen Geigen, deren Decken aus Jahrhunderte alten Dachschindeln hergestellt waren. Tausend, Fr. — Straßburg-Schiltigheim Einer der vif^len Erfinder, die glauben, hinter das Ge- heimnis der alten Meister gekommen zu sein. Im Jahre 1913 kündigte er »Viktonageigen'' an, von denen er behauptet, daß sie ebensogut seien wie die von Stradivari usw. Decke und Boden seien harmonisch auf den Eigenton des Holzes abgestimmt, das aber könne nur der von ihm beschäftigle Meister zustande bringen. Taylor, Nathan Sleeper. — Lewiston (Maine, V.St.v.A.). Geb. 11. April 1841 in Le- wiston Nachdem er die Schule verlassen hatte, kam er in mannigfache Beziehung zu den musikalischen Kreisen seiner Vaterstadt, und bald vertiefte er sich in das Studium des Geigenmachens. Seine erste Geige machte er 1865. Er brachte es im Laufe der Zeit zu anerken- nenswerter Geschicklichkeit und ahmt vorzugsweise Joseph Guarnen nach. Er verwendet einen guten Ollack und schnitzt recht hübsche Schnecken. Taylor, William. — London. Geb. vor 1750, lebte noch 1820 Angeblich ein Schüler von V. Panormo. Es kommen gutklingende flachgewölbte Violen und Violinen von ihm vor. Am besten aber sind seine Bässe. Er wohnte Princess Street, Drury Lane und war als sorgfältiger Wiederhersteller alter Geigen sehr geschätzt. Ein James Taylor eröffnete 1867 in Aberdeen ein Geigen- geschäft. Geigenzettel : Gulielmus Taylor 1 798 (gedruckt). Tecchler (Thecler), Andreas, — Rom, 1748 Vielleicht ein Sohn oder jüngerer Bruder von David T., an den seine Arbeit erinnert. Josef Vedral in s'Graven- hage besitzt ein sehr sauber gearbeitetes Violoncello I Tecchler — Tentzel 507 von ihm mit dickem, goldgelbem Lack. Das Instrument ist 76,4 cm lang, die obere Breite beträgt 34 cm, die mittlere 24 cm und die untere 43 cm. Der Boden ist schön geflammt, und alle Teile sind noch in ursprüng- lichem Zustand. Tecchler (Tekler), Anton Hieronymus. — Rom(?). 1735 Er nennt sich einen »Nepos« von David T. Das könnte wohl Enkel heißen, wird aber nach dem vorherrschen- den Gebrauch des Wortes (Nipote) in Italien wohl mit Neffe übersetzt werden müssen. Er war wohl auch Schüler von David T. Eine Violine von sehr schöner Arbeit von ihm besitzt die Lorettokirche in Prag mit dem Zettel : »Antonius Hieronymus Tekler / Davidis Nepos Lautaro fecit 1735 (gedruckt). Tecchler (Tekler), David. — Salzburg, Vene- dig, Rom. Geb. 1666, t nach 1743 Der Name kommt auch Techler, Tekler, Deckler, Dechler usw. geschrieben vor. Seine ältesten, wahr- scheinlich noch in Salzburg gemachten Geigen zeigen unverkennbar der Stainerschen Stal. Um 1705 nach Rom gegangen, schließt er sich mehr den Italienern an und erreicht hier seine höchste Vollendung. Er ist der bedeutendste Geigenmacher Roms, kommt N. Amati sehr nahe und zeichnet sich sowohl durch prachtvolle Arbelt als auch durch Tonfülle seiner Gelgen aus. Er wählte meist große Modelle, nahm wundervolles Holz, das er freilich in der Dicke nicht allzu genau berechnete, und besaß einen reichen Lack von gelbrötlicher Farbe. Charakteristisch für ihn ist die Verlängerung der Ecken, die breiten etwas schräg stehenden und oft zu weit geöffneten F-Löcher und der schwache Wirbelkasten. Außer Violinen machte er auch hervorragend schöne Violoncelli, von denen man über 50 kennt, und Bässe, die allerdings sehr breit ausfielen, aber nur sehr wenige Violen, deren Modell, wie auch die Abbildung zeigt, sich in den Umrissen von seinen Violinen wesentlich unterscheiden. Seine Schnecken sind eigenartig, die Einlagen breit und schwungvoll. Von seinem Leben ist wenig bekannt, es wird nur erzählt, daß er in Venedig von den Einheimischen Geigenmachern sehr angefein- det wurde und deshalb nach Rom übersiedelte, wo er u. a. eine Zeitlang in die Schweizer Garde des Papstes eingereiht gewesen sein soll. Ein Violoncello von ihm besitzt das kgl. Hoforchester In München, eine Violine von 1 703 C. Stoeber In Würzburg, eine Viola d'amore von 1684 und eine Laute mit sechs Doppelsaiten von 1734^) C. Claudius in Kopenhagen. Gelgenzettel: David Techler fecit / an. Dni 1743 / aetatis suae 77 (gedruckt). — David Dechler /' fecit Rom 1710 (gedruckt). — David Tecchler Liutaro fecit / Romae Anno 1703 und Abb. 792. Tedesco (Todesco), Leopoldo il. — Rom. Geb. um 1625. 1658 Von 1652 — 1654 arbeitete er In Cremona bei Nie. Amatl. Dann ging er nach Rom, wo er noch 1658 vor- kommt. Er arbeitet nach dem Amatimodell, ist aber nicht besonders sauber in der Ausführung, dagegen hat sein Lack lobenswerte Eigenschaften. In Brunis In- ventar (S. 5) wird eine Violine von ihm aus dem Be- sitze des Marquis Chabert de Cogolin (f 1805) auf- geführt, deren Zettel BrunI sichtlich nicht lesen konnte; er las: »Leopoldo per rebere tedesco alievo di Nicolas Amatls Cremone 1750«. Abgesehen von der falschen Jahreszahl und Schreibfehlern ist das unverständliche »per rebere« — wenn es nicht peregre (d. h. In der Fremde) geheißen — •, vielleicht der eigentliche Fa- milienname oder die Heimatsbezeichnung gewesen, da »11 Tedesco« doch nur ein Beiname war. Teixeira (?). — Porto (Oporto). 1817 Ich sah von ihm eine Laute mit vier Doppel- und zwei Baßsaiten. Der Zettel war nur unsicher leserlich. Geigenzettel : Teixeira .... rua Nova / d'Almada. Porto. Anno 1817 (geschrieben). Teixeira, M. C. — Lissabon. 1895. 1898 Portugiesischer Gitarren- und Mandolinenmacher vom Ende des 19. Jahrhunderts. Tempis, Joseph v. — Znaim. 1805 Vielleicht ein Schüler von Wassermann, an den seine Arbeit erinnert. Seine Geigen sind nach einem guten, flachgewölbten Modell gebaut und haben nach Stradi- varl geschnittene F-Löcher. Das Holz Ist gut, der Boden schön geflammt, nur die Ecken und die Ränder sind etwas ungeschickt und dilettantisch gemacht. Der Lack Ist rotbraun. A. Kreuzinger In Znaim besitzt seinen Zettel, den P. de Wit veröffentlicht hat. Geigenzettel: Von mir Jos. von Tempis / Znaim 1805 (handschriftlich). Tennant, James. — Lesmahagow. Geb. um 1 790, lebte noch 1860 Ein tüchtiger schottischer Gelger, der auch Violen und Violoncelli gemacht hat. Tentzel (Denzel), Benedikt. — Neapel (?). 1717 In einer Violine von gutem Mittenwalder Aussehen fand sich ein stark verletzter Zettel mit diesem Namen, von dessen Ortsangabe nur noch . . . pol . . mit einiger Sicherheit zu lesen war. Ich möchte dies auf Neapel deuten und werde durch die rätselhafte Inschrift in Brunis Inventalre (S. 18) aus einer Geige des Grafen Choiseul-Gouff ier darin bestärkt. Dort heißt es : »Ben den Chaus d'Alclante, Napolitain«. Der unverstandene und schlecht gelesene Zettel dürfte gelautet haben: »Ben. Denzel aus d. Alblande*. Die Richtigkeit dieser Konjunktur angenommen, könnte dieser aus dem Alpenlande stammende Geigenmacher der Mitten- walder Familie zugezählt werden. Tentzel (Dänzel), Johann. 1716. 1723 Mittenwald. ') Repariert 1755 von Job. Ud. Eberle In Prag. Er wird in den .'Xktcn als Lautenmacher bezeichnet und nennt sich auch selbst so. Seine Gelgen sehen den 508 Tentzel — Testore Klotzschen sehr ähnlich, so daß er als direkter Klotz- schüler betrachtet werden kann. Auch er soll jedoch in die meisten seiner Arbeiten Stainers Namen geklebt haben. Geigenzettel : Abb. 785. Tentzel (Dänzel), Paul. — Mittenwald. 1740 Sohn und Schüler von Joh. T., den er in jeder Be- ziehung nachahmte. Tenucci, Eugen. — Zürich. Geb. 1874 Schüler von Züst, bei dem er sieben Jahre gearbeitet hat. Seit 1899 Leiter der Geigenbauwerkstatt der Firma Hug & Co. Seine Geigen sind nach Stradivari und Guarneri gebaut, und seine Reparaturen werden gelobt. Er verwendet Spiritus- und Ollack. Auf der Schweizer Landesausstellung erhielt er die höchste Auszeichnung, den »Grand Prix«. Geigenzettel Abb. 777. Teoditi, Gerolamo. — Rom. 1711 In einer Viola, die vielleicht noch dem 17. Jahrhundert angehört hat, fand sich der schwer leserliche Name Hieronymus Teoditi ohne Ortsangabe, in einer Violine liest man jedoch deutlich Rom 171 1. Er war vielleicht ein Verwandter Giovannis. Teoditi, Giovanni. — Rom Ein Geigen- und Lautenmacher des 17. Jahrhunderts, den Vidal ohne Quellenangabe erwähnt. Seine Geigen sollen an Tecchler, noch mehr aber an Tiroler Meister erinnern. gen. Napalden. — S. Agata Terapatini (?), Lugo. 1879 Bei Valdrighi (3140) wird er als Verfertiger von Violon- cellen erwähnt. Terasconi s. Tarasconi Termanini (Ternianini), Giuseppe. — Modena 1755. 1773 Er war eigentlich Priester, worauf auch das D. (Don) deutet. Seine Violinen haben guten, goldgelben Lack und weichen Ton. Sie sind nicht immer eingelegt und gleichen denen Pietro Ts., sind aber in der Arbeit weniger sorgfältig gemacht. Geigenzettel : D. Joseph Termanini / fecit Mutinae a : 1755. opus No 5 (gedruckt). Termanini, Pietro. — Modena. 1755. 1773 Gleichzeitig mit Don Giuseppe T. kommt Pietro T. vor. Beide waren vielleicht Brüder. Ihre Geigen sind schwer zu unterscheiden, doch war Pietro der bessere. Seine Geigen sind originell in der Form, von schönem Holz und prachtvoll goldgelb lackiert, nur die Einlagen fehlen meistens. Der Ton ist ziemlich gut. T. machte auch Lauten und namentlich Klavizimbeln. Termont. — Gent. 1859 Mittelmäßiger Streichinstrumentenmacher des 1 9. Jahr- hunderts. Terne, C. — Leipzig. 1852 Zwei Geigen, die ich mit seinem Zettel gesehen habe, waren entweder in Markneukirchen ganz hergestellt oder doch dort vorgearbeitet. Er soll hauptsächlich Handel getrieben und nur eine Werkstatt für kleine Ausbesserungen unterhalten haben. Geigenzettel: C. Terne / Leipzig 1852 (gedruckt). Teschner, Hermann. — Fürsten walde bei Berlin. 1880 Ein Klaviermacher, der mit allen Instrumenten han- delte und alle vorkommenden Falles auch geflickt hat, sich schwerlich aber in der Neuherstellung von Geigen versucht hat. Testator il Vecchio. — Mailand Der Name ist wahrscheinlich eine Bildung, die auf das Wort »Testudo« zurückgehen soll. Ein Meister, von dem weder eine Arbeit noch sonst etwas bekannt ist, von dem nicht einmal der Nachweis erbracht ist, daß er je gelebt hat. Trotzdem wurde ihm mit einer ge- wissen Hartnäckigkeit die Erfindung der Violine zu- geschrieben. Fürst Jussupoff sagt in seiner Lutho- monographie (Frankfurt 1856), er sei der erste gewesen, der die Idee hatte, die Viola zu verkleinern und ihr den Namen Violine zu geben. Nun scheint aber die Violine gar keine Verkleinerung der Viola zu sein und ist wahr- scheinlich, wie Hajdecki glaubwürdig nachzuweisen sucht, aus der Lyra hervorgegangen. Testore, Carlo Antonio. — Mailand. Geb. um 1688, lebte noch 1764 Alterer Sohn und Schüler von Carlo G. T. Er arbeitete nach Nie. Amati, Guarneri und Stradivari, verwendete meist sehr gutes Holz und einen goldgelben, ins Bräun- liche spielenden Lack, der nur zu dick ist und wenig Feuer hat. Er wohnte in der Contrada Larga ijnd hatte wie sein Vater den Ladenschild »all' aquila«, weshalb er auch auf dem Boden innen über dem Zettel und außen auf dem Bodenzäpfchen eine Brandmarke an- brachte, auf der sich in einem Kreis über den Buch- staben C. A. T. ein Doppeladler zeigt. Diese Brand- marke findet man manchmal auch mehrfach, (oft vier- mal) symmetrisch um den Zettel eingebrannt, nament- lich in seinen größeren Geigen, Violoncelli usw. In seinen letzten Jahren arbeitete er gemeinsam mit seinem Sohne Giovanni. Ihre Geigen zeichnen sich durch Tonfülle aus. Geigenzettel: Abb. 790 und 795. Testore, Carlo Giuseppe. — Mailand. Geb. in Novara um 1660, f vor 1710 Ein Schüler Giov. Grancinos und vielleicht auch Cappas, ließ sich 1687 in Mailand nieder, wo er in der Contrada larga wohnte und den Ladenschild »all' aquila« hatte. Da auf dem Zettel seines Sohnes vom Jahre 1710 von ihm als einem schon Verstorbenen die Rede ist, kann er nicht nach 1770, wie oft behauptet wird, noch gelebt haben. Er war der Bedeutendste aus seiner Familie, doch kommen nicht viele Geigen von ihm vor. Entweder hat er nur wenige gemacht oder es gehen jetzt viele unter dem Namen Grancinos oder gar Testore - Thannet* 509 Cappas, in welch letzterem Falle es nicht schwer ist, ihm seine Arbeit zurückzugeben. Er arbeitete nach verschiedenen Modellen und nahm vortreffliches, aber nicht immer schönes Holz. Der Lack ist braungelb oder gelb mit rotbrauner Schattierung, die Schnecke oft etwas flach, wenn auch von hübschem Schwung. Der Ton meist edel und weittragend. Seme Violoncelli und Bässe sind gleichfalls recht gut, obwohl er den Boden meist aus Birnbaumholz hergestellt hat. Die Rückseite seiner Schnecken zeigt oft eine etwa einen Finger breite, flache Stelle, über der die Hohlkehlen zu beiden Seiten plötzlich beginnen. Bei seinen Violoncelli findet man die Brandmarke (einen Adler) gewöhnlich mehr- fach eingebrannt. Daß er auch in Cremona gearbeitet hat, ist unerwiesen. Zwei Violinen von ihm (von 1692 und 1708) besitzt das Mailänder Konservatorium. Die von 1 708 hat eine Gesamtlänge von 58,8 cm, Korpus 35,5, Breite zwischen den )( 7,9, Zargenhöhe 2,9 cm. Seine Violoncelli waren gewöhnlich 72,5 cm lang. Eine %-Geige befindet sich in der Sammlung C. Claudius in Kopenhagen. Viele seiner Geigen haben folgende Maße: Länge: 35,6 cm, obere Breite: 16,8 cm, mittlere Breite: 11 cm, untere Breite: 20,5 cm, obere Zarge: 2,9 cm, untere Zarge: 2,9 cm, Länge der Schnecke: 10,5 cm. Geigenzettel : Carlo Giuseppe Testore, allievo / di Gio Grancino in contrada / Larga di Milano 1690 (gedr.). — Carlo Giuseppe Testore in Con / trada larga di Milano al / segno dell' aquila 1700 (gedruckt) und Abb. 794. Testore, Gennaro (?). — Mailand. 1767 Stadtrat Blessig in Riga besaß eine sehr gutklingende Viola mit dem Zettel : ». . . . aro Testor f iglio / del f u Paolo 1767*. Demnach wäre der Verfertiger ein Sohn von Paolo Antonio T. gewesen. Die Arbeit entspricht auch tatsächlich den Werkstattsgewohnheiten Paolos und ist im ganzen nachlässig, das Holz unschön, der Boden Pappelholz, hohe Zargen und dunkelbrauner Lack. Auffällig ist der geschnitzte Beinknopf am Kopf des Wirbelkastens. Der Ton aber ist gesangreich und tragend. Das ganze Instrument ist 69 cm lang, Korpus 42,5, obere Breite 19,5, untere Breite 23,5, zwischen den )( 13,5, Zargenhöhe unten 4,3, oben 4,1 cm. Testore, Giovanni. — Mailand. 1764 Das jüngste Mitglied der Familie, Sohn von Carlo Antonio T. und dessen Geschäftsteilhaber, wie eine Geige (Guamerimodell) aus der Sammlung Snoeck (Nr. 5 1 1 ) in Berlin beweist. Kann er auch den Vergleich mit seinem Großvater nicht aushalten, hat er doch die Traditionen seines Hauses sorgsam gepflegt und ein- zelne sehr gute Geigen gemacht. Geigenzettel: Carlo Antonio e Giovanni Padre e f iglio / Testori, il quäl Carlo e figlio Maggiore / del fu Carlo Giuseppe Testore, abitanti / in Contrada larga al segno deir aquila / Milano 1764 (gedruckt). Testore, Paolo Antonio. — Mailand. Geb. um 1690, t nach 1760 Jüngerer Sohn von Carlo Gius. T. Bis 1710 arbeitete er mit seinem Bruder zusammen und von da an allein ; er war sehr fleißig, hat sich jedoch mehr auf das Lauten - und Gitarrenmachen verlegt, weshalb nur wenige Geigen von ihm vorkommen. Als Geigenmacher er- reicht er seinen Vater nicht. Er läßt die Einlagen gern fehlen oder bringt sie nur an den Geigendecken an, während sie auf dem Boden durch schwarze Linien ersetzt sind. Bei gut erhaltenen Arbeiten von ihm ist der Lack manchmal nicht schlecht, oft aber recht mangelhaft und von blaßgelber Farbe. Er ahmte das Guarnenmodell nicht ungeschickt nach, nahm aber meist armseliges Holz (ohne Flammen usw.). Den Adler benutzte auch er als Brandmarke. Ein gutes Violoncello von ihm aus dem Jahre 1732 besitzt Van- denbrinck in Godesberg. Die Gesamtarbeit daran ist allerdings ziemlich grob, das Deckenholz geradezu häßlich, mit vielen Asten durchsetzt, dagegen sind die Zargen aus schönem Spiegelholz und der Boden von hübscher Wölbung. Der Wirbelkasten ist groß, nur hat die Schnecke selbst auffallend kleine Ohren. Der gelb- braune Lack ist von guter Beschaffenheit. Eine hübsche Taschengeige mit goldgelbem Lack aus dem Jahre 1 738 besaß Valdrighi. Geigenzettel: Abb. 786. Teubner, Otto. — Magdeburg. 1900 Aus Markneukirchen stammend, beschränkt sich haupt- sächlich auf den Handel mit Musikinstrumenten. Teufelsdorfer, Peter. — (Buda-)Pesth. Geb. 1784, t 1845 In seinen jungen Jahren arbeitete er in Wien bei Geissenhof, als dessen Schüler er gelten kann. Er war ein angesehener und vielbeschäftigter Meister, der auch als Lehrer verdienstvoll wirkte und um 1837 Ober- vorsteher der Innung wurde. In seiner Arbeit steht er den gleichzeitigen Wienern sehr nahe. Er arbeitete nach Stradivari, doch kenne ich auch zwei sehr gut gelungene Magginikopien von ihm. Er verwendete schönes Holz und einen rotgelben Lack. Ein vortreff- liches Quartett von ihm stellte A. Poller auf dem Ber- liner Geigenmachertag 1910 aus. In der Budapester Servitenkirche befindet sich ein trefflicher großer Baß von ihm. Geigenzettel : Peter Teufelsdorfer in Pesth / fecit Ao. 1828. (geschrieben). — Petrus Teufelsdorfer / fecit Pestini 1836 (geschrieben). Teuf fei. — Breslau. 18. Jahrhundert Derselben Schule wie Joh. Casp. Goebler zuzuzählen; er arbeitete nach ähnlichen Modellen und verwandte den gleichen Lack. Thanner (Danner), Johann (Hans). — Stutt- gart. 1573. t 1581 Ein vielseitiger und geschickter Musikinstrumenten- macher, der auch ein besonders tüchtiger Musiker war und als solcher in der Hofkapelle angestellt war. Er bezog einen auskömmlichen Gehalt vom Hofe (während andere nur 30 f 1. und weniger erhielten). Um die Kapelle von den auswärtigen Instrumentenmachern unabhängig zu machen, gründete er 1578 mit Christof Frey »als Laboratorium« eine eigene Musikinstrumentenwerk- statt, in der alle Arten von Instrumenten hergestellt 51Ö TKe Thibouville wurden, selbst Waffen zu musikaliscfien Aufführungen. Die Werkzeuge kaufte er bei Ulrich Schniepp in Mün- chen. Das Inventar der Stuttgarter Hofkapelle von 1589 weist eine Harfe von ihm auf. Theeuwes (Teeus), Jakob. — Antwerpen. 1558 Urkundlich als Clavecin- und Lautenmacher nach- weisbar. Arbeiten von ihm scheinen nicht erhalten zu sein. Theeuwes (Teeus), Lodewyck. — Antwerpen. 1558 Wahrscheinlich ein jüngerer Bruder oder Sohn von Jacob Th. Therese, Fran^ois. — Mirecourt. 1761 Vielleicht der Großvater von Charles Th. London. 1840. Theress (Therese), Charles. 1850 Geboren in Mirecourt, kam er als Gehilfe zu seinem Landsmanne Maucotel nach London und machte sich später dort selbständig. Er wohnte King Street, Soho. In Aachen befindet sich von ihm eine große schöne Viola, die gut nach Amati kopiert ist. Sein Zettel be- weist, daß er das Englische nicht tadellos schreiben konnte. Geigenzettel : Abb. 788. Therlot (Thlerriot), Jean-Baptiste. — Paris, 1783 Wahrscheinlich ein Sohn von Prud. Thierriot; s. d. Thibout, Aune-Justin. — Caen. Geb. Februar 1808. t 1868 in Nizza Jüngerer Sohn des Jacques-Pierre Th. Seine Geigen sind meistens von gewöhnlicher Arbeit und haben dann wenig Wert. Er war der Lehrmeister von Victor Ram- baux. Thibout, Albert. — Paris. Geb. 28. April 1839, f 25. Dezember 1865 Sohn von Gabriel -Adolphe und Nachfolger seines Oheims Gabriel-Eugene als »luthier de l'Opera«. Sein frühzeitiger Tod verhinderte, daß er sich voll ent- wickelte. Seine Nachfolger waren die Brüder Gand Thibout, Antoine. — Caen. 1790 Von Armand Benet in seinen Notes sur les Artists Caennais du XVIII^'"« siecle (1899) erwähnt. Thibout, fils. — Caen. 1774 Da er sich Thibout fils nannte liegt die Vermutung nahe, daß auch sein Vater Geigenmacher war, wofür aber ein Beweis fehlt. Er war kein besonders geschickter Meister, scheint sich mehr mit Flickarbeit als mit dem Neubau beschäftigt zu haben und war hauptsächlich Händler. Thibout fils ist das älteste nachweisbare Mit- glied der Familie. Geigenzettel: Racommode par Thibout fils / Md luthier rue Saint-Jean k Caen / 1 774 (gedruckt). Thibout, Gabriel -Adolphe. — Paris. Geb. 1804 in Paris, f daselbst H.Juni 1858 Sohn und Schüler von Jacques Pierre Th., dessen lang- jähriger Gehilfe er war, bis er 1838 die väterliche Werk- statt übernahm. Er benutzte hauptsächlich die Modelle seines Vaters, den er jedoch nicht erreichte, und ver- wendete rotbraunen Lack ; den Boden machte er meist aus einem Stück. Thibout, Gabriel -Eugene. — Paris. Geb. 11. Juni 1825. 1861 Sohn von Jacques Pierre Th. und Schüler seines Bru- ders Gabriel -Adolphe, dessen Nachfolger er 1858 wurde, doch zog er sich schon im Jahre 1861 von dem Geschäfte zurück und siedelte nach Boulogne-sur-Mer über. Thibout, Hector. — Calais. Geb. 1856 Sohn von Gabriel-Eugene Th. Er ist »Musikinstrumen- tenmacher«, ob er auch Geigen baut, konnte ich nicht erfragen. Thibout, Jacques -Pierre. — Paris. Geb. 16. September 1779 zu Caen, f 4. Dezember 1856zuSt. Mande Wahrscheinlich ein Sohn von »Thibout fils«. Er kam 1796 nach Paris, wo er bei Koliker arbeitete. Er ver- heiratete sich 1800 und eröffnete 1807 in der Rue Mont- martre Nr. 24 seine eigene Werkstatt, die er 1810 in die Rue Rameau Nr. 8 verlegte, wo er den Ladenschild »Au Roi David« führte. Er war der bedeutendste Geigenmacher seiner Familie und hatte sich bei Koliker zu einem sehr feinen Kenner entwickelt. Er bildete sich ein eigenes Modell; seine Arbeit ist ungemein sauber und schön, der Lack (Bernstein auf rötlichem Grund) vortrefflich und der Ton fast den Italienern gleich, so daß seine Violinen schon jetzt fast wie seine alten Vorbilder bezahlt werden. Auch als Stegschnitzer war er seinerzeit berühmt. Er besaß viele Medaillen und Auszeichnungen und war »luthier de l'Academie royale de musique«. Ein ganz vorzügliches Instrument von ihm besitzt das Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 45.) Geigenzettel: Au roi David / Thibout, / Luthier de l'Academie / Royale de Musique, Rue Rameau, / No. 8, ä Paris (gedruckt) und Abb. 778, 789. 796. Thibout, Pierre-Louis. — Caen. 1768. 1790 Ein geschickter Meister, über den sich einige Angaben in Benets »Notes sur les Artists Caennais duXVIII^'"^ siecle« finden. Vielleicht der Vater von Jacques-Pierre Th. Thibouville. 1825 Moullns-sur- Alller. 1800. I I Man weiß von ihm nur, daß er der Lehrer und Vor- gänger Nicolas Bigourats war. 4 I Tliibouville — Tnir 51 Thlbouvllle-Lamy, Louis - Emile -Jerome. — Mirecourt und Paris (Grennelle und La Couture). Geb. in Mouettes 1 . Februar 1833 Besitzer einer der ältesten (gegr. 1 790) und jetzt wohl der bedeutendsten Musikinstrumentenfabrik Mire- courts, die alle Sorten Instrumente, selbst Drehorgeln, Automaten und Saiten, herstellt, darunter jährlich an 30—40 000 Geigen nach allen gangbaren Modellen. Die Fabrik, die früher die Firma Thibouville & Co. usw. führte, beschäftigt 600 Arbeiter und besitzt von allen großen Ausstellungen seit 1862 Medaillen. J. Thi- bouville-Lamys Teilhaber ist Alfred Acoulon, ferner Blondelet. Die Geigen zeigen eine Brandmarke : T.& L. Gelgenzettel: Abb. 770. Thielemann (Thielmann), J. G. — Berlin. , 1800. t März 1821 Er soll außer Gitarren und Lauten auch Tasteninstru- mente gemacht haben. Sein Nachfolger war J. A. Ma- thes. Eine hübsche Lyragitarre von ihm war auf der Berliner Gewerbeausstellung 1896 zu sehen. Gitarren von ihm befinden sich in der Sammlung Fritz Wild- hagen in Haiensee, in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln und in anderen Museen. Geigenzettel : J. G. Thielemann, / Academischer Künst- ler / zu Berlin / 1813 (gedruckt). Thier s. Thir Thierriot, Prudent. — Paris. 1772. 1775 Er wohnte Rue Dauphine, war geschworener Meister der Lautenmacherzunft für 1772 und ein ausgezeich- neter Holzblasinstrumentenmacher ; seine Arbeiten be- zeichnete er kurzweg nur mit seinem Vornamen Pru- dent. Sein Sohn setzte das Geschäft bis 1830 fort. In einem amerikanischen Händlerverzeichnis werden aller- lei Geigen mit seinem Namen und der Jahreszahl 1 772 ausgeboten. Es liegt aller Wahrscheinlichkeit ein Miß- brauch des Namens vor. Thiery In einem Kindervioloncello von echtem Mirecourter Aussehen (19. Jahrhundert) findet sich der Zettel: »Thiery ä Paris«. Thiphanon s. Tiphanon Thir (Thier, Thirr), Andreas. — Preßburg. Geb. in Preßburg am 1 1 . August 1765, fnach 1798 Sein Vater war Anton Th., seine Mutter Barbara geb. Denn. Der Beruf des Vaters ist in der lateinischen Taufmatrikel abgekürzt angegeben, es steht bloß: »Lau«, was sicher mit Lautarius zu ergänzen ist^). Schon mit 21 Jahren heiratete Andreas Thir die fast gleichalterlge ApoUonia Michaeli. Die Matrikel enthält hierüber folgenden Eintrag: »Sponsus: Coelebs An- dreas Thier, Civis, Instrumentorum musicorum Con- ^) Im Taufschein seines jüngeren Sohnes Anton II wird er dagegen ausdrücklich als »fidifex« bezeichnet. fector, Sponsa: Apollonia Michaelia annorum 21«. Er schrieb seinen Namen mit schwankender Orthographie, meist aber Thirr. Das Bürgerrecht erwarb er am 30. Dezember 1785. Er war ein sehr talentvoller Meister, der vielleicht bei Job. G. Leeb gelernt hat, er war jedenfalls einer der besten Geigenmacher Ungarns seiner Zeit. Er arbeitete nach demselben Amatimodell wie Leeb und nahm die gleiche flache Wölbung, nur machte er die Ecken nicht so übertrieben klein. Die F-Löcher sind sehr elegant geschnitten, und die Schnecke, wenn auch noch an die Preßburger Schule erinnernd, ist doch besser als bei Leeb. Geigen, die noch den Originallack zeigen, sind von besonderer Schönheit und jetzt sehr schwer zu haben. Eine hübsche Amatikopie von ihm aus dem Jahre 1798 be- sitzt Gymnasialprofessor Winkler in Wien. Im Mathias- Dom in Ofen (Budapest) befinden sich Violoncelli, Violen und Bässe von ihm, alle aus dem Jahre 1790. Geigenzettel: Andreas Thirr / in Preßburg 1798 (ge- schrieben). Thir(Dirr),AntonI. — Preßburg. 1750. 1790 Er stammte aus Steingaden in Bayern (in der Nähe von Füssen) und scheint zuerst bei seinen Verwandten in Wien gearbeitet zu haben. Um 1750 hat er sich in Preßburg niedergelassen, erlangte dort das Bürgerrecht am 27. Mai 1757 und war mit Barbara Denn (Dähn) verheiratet. Nach 1790 ist er in Preßburg nicht mehr nachweisbar, er dürfte also um diese Zeit gestorben sein. Er ahmte ein hochgewölbtes Stainermodell nach, erinnert manchmal in der Arbeit an Leidolff und hatte einen feurig rotbraunen Lack; nur in seinen jungen Jahren lackierte er seine Geigen fast schwarz. Die Schnecke ist derb, das Holz fast immer sehr schön, der Ton gut, so daß seine Arbeiten mit Recht geschätzt sind. Eine prächtige Violine von i 754 besitzt die ehem. kais. Hofkapelle in Wien. Geigenzettel: /\ntonius Thir Lauten / und Geigen- macher / in Prespurg .Anno 1762 (gedruckt). Thir, Anton II. — Preßburg. Geb. 6. Oktober 1767 in Preßburg, fnach 1799 Zweiter Sohn von Anton 1 Th. Er scheint lange in Schönbach als Geselle gearbeitet zu haben, wo er sich die dortige Arbeitsweise so angewöhnte, daß seine Arbeiten ganz wie die der gleichzeitigen Egerländer aussehen. Vielleicht verarbeitete er auch Schönbacher Schachteln. Da er die Zettel seines gleichnamigen, ungleich geschickteren Vaters verwendete, hat er dem Nachruf des Vaters durch seine oft vorkommenden minderwertigen Arbeiten sehr geschadet, obwohl die Arbeiten beider leicht auseinanderzuhalten sind. Thir (Thier), Anton I. — Wien. Geb. um 1765, f 29. Dezember 1837 Sohn des Mathias Th. Er scheint bei seinem Vater gearbeitet und dessen Geschäft fortgeführt zu haben. Am 22. April 1790 wurde er Wiener Bürger. Er schrieb seinen Namen ThlCr; die ältesten Arbeiten mit seinem eigenen Zettel stammen aus den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts. Seine Geigen sind flach gewölbt, nach einem hübschen Stradivarimodell mit ziemlich 512 Thir - Th oma starken Rändern gebaut und dunkelweichselbraun lackiert. Die Arbeit ist sehr sauber, der Ton recht gut. Eine Gitarre von ihm aus türkischem Haselnußholz mit elf Metallsaiten vom Jahre 1795 besitzt die Gesell- schaft der Musikfreunde in Wien (Nr. 36). Thir (Tirr), Anton II. — Wien. Geb. um 1783, t B.November 1848 Er wohnte im Jahre 1826 in der Stadt Nr. 897, war beeidigter Sachverständiger und schrieb seinen Namen zum Unterschied von Anton 1 T. immer Tirr. Seine Geigen gehen auf ein Stradivarimodell zurück, erinnern an Geißenhofs Arbeiten; die Wölbung ist tadellos, die Schnecke viel schöner als die der anderen Mitglieder der Familie Th. Die Ränder sind seit 1815 zart, Boden, Decke und Zargen auffallend glatt, das Holz sehr schön, der Lack gelbbraun oder oft auch rot auf goldigem Grund. Arbeiten von ihm kommen ziemlich selten vor. Geigenzettel: Antonius Tirr / fecit Viennae 1815 (ge- druckt). Thir (Thier), Johann Georg. — Wien. 1738. fnach 1781 Er legte am 1 . September 1 738 den Bürgereid ab und wohnte bis etwa 1776 im sog. Wübmer Viertel, dann heißt es im Steuerbuch von ihm: »der Thir ist in der Stadt behaust«. Einer der besten Wiener Geigen- macher. Seine Geigen haben langes schmales Patron und hohe (Stainer-)Wölbung. Die F-Löcher stehen enge (45 mm) beisammen ; die Zargen sind 32 — 33 mm hoch. Die Schnecke ist groß und schön. Bei seinen Violoncelli bevorzugt er ein großes Patron. Wie die meisten Wiener Geigenmacher beizte auch Joh. G. Th. in seiner ersten Zeit seine .'\rbeiten sehr dunkel vor dem Lackieren. Von 1750 — 1760 an bevorzugt er dagegen einen goldigen Grund, den er dann mit einem schönen, durchsichtigen Lack überzog. Seine Geigen sind jetzt sehr beliebt und werden je nach ihrer Schönheit und ihrem Lack (schwarz, weichselbraun oder rot) sehr gut bezahlt. Da er sehr fleißig war, sind seine Arbeiten nicht selten. Zwei gute Geigen von ihm aus den Jahren 1768 und 1773 besitzt das Schottenstift in Wien. Im Jahre 1 781 wurde Fr. Geißenhof sein Nachfolger; dieser scheint die von J. G. Thir unvollendet hinterlassenen Geigen allmählich fertig gemacht und noch nachträg- lich mit Thirs Zettel versehen zu haben, da es noch Geigen mit Thirs Namen und der Jahreszahl 1791 gibt Geigenzettel: Abb. 771, 775, 776. Thir, Josef. — Wien Ein alter Mann, der 1885 in Wien als achtzigjähriger Greis starb, gab sich als ehemaligen Geigenmacher und letzten Nachkommen der Familie Th. aus. War das erstere schon unwahrscheinlich, trotz einiger Werk- zeuge, die er aus Staufers Nachlaß besaß, so kann das zweite schon deshalb nicht richtig sein, da er in Wirk- lichkeit nicht Thir oder Thier sondern Jos. Tühr hieß. Thir (Thier, Tihr. Dier), Mathias. — Wien. 1770. 1795 Bruder von Joh. Gg. Th., berühmter Lauten- und Geigenmacher, der im sog. Kärntnerviertel in der Himmelpfortgasse (im Bader-Haus) wohnte und am 17. März 1770 den Bürgereid ablegte. Er ist wohl der bekannteste von allen älteren Wiener Geigen- machern. Da seine Geigen gut aussahen und gut klangen und er trotzdem nur 4 fl. für das Stück ver- langte, hatte er so großen Zulauf, daß er oft ein Dutzend Gesellen beschäftigen konnte. Arbeiten von ihm sind daher auch heute noch überall in Osterreich anzutreffen und selbst im Ausland weit verbreitet. Daß er seine Laufbahn in Preßburg begonnen hat, wie man annimmt, konnte ich bisher nicht feststellen. Seine Geigen sind sauber nach der Form gearbeitet, haben ziemlich hohe Wölbung und sehr guten Ton ; auch sein brauner oder dunkelrotbrauner Ollack ist recht gut. Zwei Geigen von ihm aus den Jahren 1 774 und 1 796 besitzt das Schottenstift in Wien, eine Geige von 1 772 der Mathias- Dom in Ofen, eine Violine von 1771 der Preßburger Dom, eine Viola d'amore von 1 779 die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Geigenzettel: Abb. 773 und 774. Thir, Thomas. — Trevi (?). 1692 Wahrscheinlich ein Deutscher, der sich in Trevi (lat. Trebia) vorübergehend aufgehalten oder niedergelassen hat und kein geborener Trevianer, wie er sich wohl nur in mangelhafter Sprachkenntnis bezeichnet. Er dürfte der Ahnherr der Familie Thir sein. Eine Viola von ihm befindet sich im Stift St. Florian in Oberösterreich. Geigenzettel: Thomas Thir Trebiano / in Italia 1692 (gedruckt). Thiriot (Tiriot), Joseph. — Mirecourt. Geb. um 1750, 120. März 1786 Er fertigte nur gewöhnliche Mirecourter Geigen nach einem eigenen breiten Modell an, verwendete einen braunen Lack und den Brandstempel: »TIRIOT / A PARIS«. Sein Bruder Nicolas Th. war Bogenmacher und lebte noch 1789. Thoma, Jakob. — Wien. 1880. 1892 Er war ursprünglich Uhrmacher. Als seine Tochter unter Prof. Grün am Wiener Konservatorium zur Violinspielerin ausgebildet wurde, erwachte auch sein Interesse für die Geige und ihren Bau, und er begann schließlich als Dilettant selbst Geigen zu machen. Mit Fleiß und Sorgfalt brachte er es schließlich darin so weit, daß er die Anerkennung einiger Professoren fand, auf deren Gutachten hin ihm auf sein Ansuchen der Gewerbeschein als Geigenmacher ausgestellt wurde. Seine Instrumente sind nicht ungeschickt gemacht. Als seine Tochter nach Amerika heiratete, folgte er ihr dorthin. Geigenmacher: Jacobus Thoma / fecit Viennae anno 1880 (gedruckt). Thomä, Adolf. — Hohendorf b. Brambach i. S. Geb. 28. März 1872 in Bärendorf Ein sehr tüchtiger Bogenmacher, Schüler von Herm. Thomä. Er macht Bogen riach allen Modellen und zeichnet sich durch besondere Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt in seiner Arbeit aus. i Thornä — Thouvenel 513 — Schönberg i. S. Geb. Thornä, Hermann. um 1861 Geschickter und fleißiger Bogenmacher Thomann, Eduard. — Baden (Schweiz). Geb. 1869 Von Beruf Ingenieur, führte ihn seine Liebe zur Musik zum Geigenbau. Er kam in Beziehung zu G. Fiormi in Zürich, unter dessen Anleitung er dann eine Anzahl Violinen nach Stradivari baute. Seine beruflichen Kenntnisse kamen ihm dabei sehr zustatten, und man darf noch schöne Arbeiten von ihm erwarten. Geigenzettel : E. Thomann ,' Baden (Schweiz) (geschr.). Thomas. — Verviers Ein Alto in der Sammlung Snoeck trug den Namen »Thomas ä Verviers« ohne Jahreszahl. Thomassin. — Paris. Geb. um 1788. 1852 Einer der besten Gehilfen Clements, der in der Zeit Thonet, Gebrüder. Thompson, Robert. — London. 1749. 1764 Seine Arbeit ist gut; er arbeitete, wie seine meisten Zeitgenossen in England, nach dem Stainermodell. Um 1764 betrieb er sein Geschäft mit einem seiner Söhne gemeinschaftlich, wohl mit Charles, der der älteste gewesen zu sein scheint. Geigenzettel : Made by / Thompson & Son at the Bass Violin , the Westend of / St. Pauls Church Yard / London 1 764 (gedruckt). — Robert Thompson att the Bass Violin , In Pauls AUy St. pauls church yard / London 1749 (gedruckt). Thompson, Samuel. — London. 1775. 1794 Sohn von Robert Th. Er arbeitete zuerst mit Charles Th . und dann mit Peter Th. zusammen. Thomson, James. — Berwick-on-Tweed. 1 848 Ein geschickter schottischer Dilettant. Wien. 1892 von 1825 — 1845 auch eine Reihe von ziemlich guten Geigen gemacht hat, die er mit seinem eigenen Namen zeichnete. Paris. Geb. 1855 in Bekannte Fabriksfirma, deren Möbel aus gebogenem Holz viel verbreitet sind, und die Versuche mit Geigen- decken aus gebogenem (gepreßtem) Holz machte, die sich jedoch ebensowenig bewährten wie ähnliche Ver- suche von Hagspiel oder von Mirecourter Fabriken. Die Zargen wurden samt Bereifung und Klötzen aus einem Stücke hergestellt. Thomassm, Louis. Mirecourt Guter Bogenmacher, Schüler von Charles Bazin. Im Jahre 1872 ging er nach Paris zu F. N. Voirin und blieb nach dessen Tod noch fünf Jahre lang bei der Witwe Thorley, N. — Manchester. 1840 alsGehilfe, bis er sich 1891 auf dem Boulevard Roche- £;^ braver Geigenmacher, dessen Arbeit ehrliches chouart selbständig machte. Seine Bogen tragen die Streben verrät. Marke »L. Thomassin«. Thomastik, Dr. Franz. — Wien. 1912. 1921 Thorley, Thomas. — Failsworth bei Man- Ein Anthrcposoph und Erfinder aus Holleschau i.M-, dessen Geigen in neuartigem Toncharakter eine ver- dreifachte Klangfülle erreichen sollen. Er veranlaßt auch den Boden mitzuschwingen und die im Körper vorhandene Luftmenge an der Tonerzeugung maß- gebend mitzuwirken. Auch will er die harmonische Abstimmung aller Teile der Geige durchgeführt wissen. Ein von ihm 1920 im Vortragssaal des Ost. Museums in Wien ausgestelltes Quartett hat tatsächlich Beifall ge- funden. Thompson, Charles. — London. 1775. 1785 Er arbeitete zusammen mit seinem Bruder Samuel Thompson und war vielleicht der älteste und erst- verstorbene Sohn von Rob. Th. In der .'\rbeit steht er seinem Vater nahe. Geigenzettel: Made and Sold by / Chas and Saml Thompson / in St. Pauls Church Yard (gedruckt). ehester. 1890. 1895 Ein Enkel von N. Thorley, der durch Selbstunterricht zum Geigenmacher wurde. Thorn, William. — South Molton. 19. Jahr- hundert Er hat u. a. einige gutklingende Violoncelli gebaut. Thorowgood, Henry. — London. 18. Jahr- hundert Sandys & Forster kennen von ihm nur die Kopie seines gedruckten Zettels, und wo er sonst erwähnt wird, geschieht dies lediglich nach diesem Zettel. Geigenzettel : Made and Sold by , Henry Thorowgood / at the Violin & Guitar under the / North Piazza of the Royal Exchange / 17.. London (gedruckt). Thompson, E. A., arbeitet als Geigenmacher in Thouvenel, Charles. — Mirecourt, Luneville. Mmneapolis Thompson, Peter. — London. 1794 Ein Sohn von Robert Th., der mit Samuel Th. zu- sammen arbeitete. Geigenzettel: Samuel and Peter Thompson / Instru- ment Makers and Music Seilers / No 75 St. Pauls Church Yard (gedruckt). V. Lütgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II 1786. 1788 Er war zuerst in Mirecourt ansässig und eröffnete am 21. Oktober 1788 seine Werkstatt in Luneville. Thouvenel, Henry. — Mirecourt. 1850. 1869 Schüler von Colson. Seine Violinen sind im Mire- courter Stil nach dem Stradivarimodell gemacht und 33 514 Thouvenel — Thumhart meist hell lackiert. Er verlegte sich übrigens mehr auf die Herstellung von Gitarren und Radleiern. Eine solche besitzt die Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 1003); auch in der Sammlung Hammer (Stockholm) befand sich eine solche. Thouvenel pere. — Mirecourt, Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts Vielleicht der Vater von Henry Th. Eine Bauernleier in Gitarrenform mit geschnitztem Kopf besaß C. C. Snoeck. Thouvenin, Charles. — Mirecourt. 1 780. 1 781 Bisher nur von A. Jacquot erwähnt. Thürer, H. — Biberach. 1895 Er besserte alte Geigen aus und trieb auch einen klemen Handel mit Musikinstrumenten, hat aber schwerlich selbst Geigen gemacht. Thumhardt, Gottlieb Alois. — Straubing. 1817. 1830 Sohn und Schüler von Stephan Th., dessen Nachfolger er im April 1817 wurde. In den Magistratsakten heißt es: »i/4 1817 erscheinen Stephan Dumhardt und sem Sohn Alois D. und erklären, daß der Vater sein bisher exerziertes Geigen- und Saitenmachergewerbe abtrete und letzterer dieses Gewerbe fortsetzen zu dürfen bitte. Das Anwesen sei bereits dem Sohne übergeben und für Erhaltung des Vaters gesorgt. Alois D. sei des Gewerbes vollends kundig und nur deswegen hierauf nicht gewandert, weil er seinem Vater zum Gewerbe- betrieb zu Hause immer unentbehrlich gewesen sei.« Am 10. April 1817 erhielt Alois Th. die Konzession, und in der Entschließung heißt es, daß Alois Th. die Geigen- und Saitenmacherkunst bei seinem Vater als einem diesfalls bewährten Meister und Künstler ordent- lich erlernt und auch schon die empfehlendsten Proben abgelegt habe. Er scheint jedoch schon 1830 gestorben zu sein und hinterließ nur zwei Töchter, die später verarmt — die eine im Spitale, die andere in der Deggendorfer Krcisirrenanstalt — gestorben sind. Er folgte nach dem Vorgange seines Vaters der Art Buch- städters und hat einige gutklingende Geigen gemacht, die aber recht mittelmäßig in der Arbeit und armselig in ihrem trüb-braungelben Lack aussehen. Geigenzettel : Gottlieb Alois Thumhart / Guitarre- und Geigenmacher / in Straubing 18 . . (gedruckt). Thumhart, Johann. — Ingolstadt. 1723 Wohl der Stammvater der Familie und vielleicht der Vater von Johann Georg Th. Er hatte ein längliches Modell von mittlerer Wölbung und hellbraun-rötlichem Lack. Arbeiten von ihm kommen selten vor. Thumhardt.Joh. Georg. —Amberg. 1740. 1784 Den Münchener und Regensburger Geigenmachern nahestehend, ist er einer der Tüchtigsten aus seiner Familie. Er verwandte schönes Holz und braunen Lack und verstand sich gut auf den Ton. Er war viel be- schäftigt, da seinerzeit in Amberg am Hofe die Musik eifrig gepflegt wurde. Geigenzettel : lohann Georg Thumhart / Lauten- und Geigenmacher / in Amberg, anno 1 784 (gedruckt). Thumhart, (Johann) Stephan. — München. 1835. 1860 Aus Amberg nach München gekommen, brachte er es durch eine gewisse Geschicklichkeit bald zu Anerken- nung und wurde Hofgeigenmacher, scheint aber nur wenig Geigen gemacht zu haben. Geigenzettel: Stephan Thumhart / in München 18 . . (gedruckt). — Stephan Thumhart / Kön. Hof u. bürgerl. Geigenmacher / in München Anno 18 . . [in der Mitte Bayrisches Wappen] (gedruckt). Thumhardt, Joh. Stephan. — Straubmg. Geb. 1749, t 26. Dezember 1817 Nach dem Straubinger Gewerbekataster machte er sich dort im Jahre 1 769 als Geigen- und Saitenmacher an- sässig, verheiratete sich 1 773 und übergab seine Werk- statt und sein Anwesen seinem Sohne Alois Im Jahre 1817. Er war vielleicht ein Schüler von Buchstädter, dessen Arbeit er ziemlich genau nachahmte. Seine besseren Geigen zeigen ein charakteristisches schmales Modell mit in die Länge gezogenen Mittelbügeln und klingen recht gut; sein braungelber oder brauner Lack ist jedoch meist glanzlos geworden. Sein Grabstein steht noch auf dem Straubinger St. -Peters-Friedhofe, und darauf liest man : »Von seinen Mitbürgern ward er geschätzt und in seinen Kunstwerken wird ihn die Nachwelt noch rühmen. R. J. P.« Als seine besten Geigen werden jene zwölf bezeichnet, die er angeblich für einen reichen Kenner und Sonderling anfertigte. Für die erste erhielt er einen Dukaten, was ihm zu wenig schien, doch schwieg er, als er sofort den Auftrag bekam, eine zweite, noch bessere zu machen. Der Be- steller zahlte dann zwei Dukaten dafür und verlangte noch eine bessere, für die er drei Dukaten und so fort bis zu zwölf Dukaten gab. Wegen Ihrer Zwölfzahl werden diese Geigen »Apostelgeigen« genannt, eine davon (vom Jahre 1793) besitzt heute noch Land- gerlchtsrat F. Ebner in Straubing. Im gleichen Besitz ist eine Viola von 1782; eine solche von 1809 hat Musiker Schmid in Straubing. Auf dem dortigen Kirchenchor zu St. Jakob sind auch noch zwei Violinen von 1814 und 1815, woselbst sich auch ein besonders schöner Baß (1815) von Stephan Th. befindet. Für seine Gelgen wurden schon recht gute Preise, für seine Bässe noch höhere bezahlt. Geigenzettel: Stephan Thumhard / Geigenmacher in Straubing / 1800 (gedruck) und Abb. 781. Thumhardt. Josef. — Amberg. 1780. 1834 Sohn und Nachfolger von Johann Georg Th. Er ist nicht ganz so gut wie der Vater, besaß aber viel Hand- fertigkeit und bevorzugte ein hochgewölbtes Modell. Thumhart, Joseph. — München. Geb. 16. Februar 1846 in Ingolstadt, f 24. Juli 1888 m München Schüler seines Vaters Xaver Th., der 1847 nach München übersiedelte. In den siebziger Jahren über- nahm er selbst die alte Firma (Xaver Th.) und verlegte sich hauptsächlich auf den Bau von Zithern. Er wurde Hoflieferant und erlag einem Schlaganfall. Nach seinem Tode ging das Geschäft zunächst auf die Witwe über. ThumKärt — Tieffenbrucker 515 Thumhart, Xaver I. — Ingolstadt, München Begründete im Jahre 1839 sein Geschäft in Ingolstadt und verlegte es 1847 nach München. Er hat nur wenige Geigen gebaut, dagegen hatte er einen guten Ruf als Zither- und Gitarrenmacher. Geigenzettel: Xaver Thumhart / Instrumentenmacher in / Ingolstadt 1842 (geschrieben). Thumhart.Xaver II. — München. 1888. 1920 Der letzte Instrumentenmacher der Familie, der das alte 1839 begründete Geschäft von Joseph Th. 1888 übernahm und 1901 in Ignaz Roider einen Nachfolger fand. Geigenzettel : Reparirt / Xaver Thumhardt / München / Schäfflergasse No. 16 (gedruckt). Tibbets, Mrs. Jas H. — Brunswick (Maine). Geb. 1821 Eine amerikanische Dilettantm, die mit unzulänglichen Werkzeugen (Taschenmesser, Glas usw.), nachdem sie fast 78 Jahre alt geworden war, begann, einige Geigen zu machen, von denen in Amerika viel Aufhebens ge- macht wurde. - M ire- Tiblemont (Thiblemont), Charles, court. 1724. 1733 Wenig bekannter Mirecourter Meister. Tiblemont, Mansuy. — Mlrecourt. 1 743. 1 774 Obwohl er anfangs mit Not zu kämpfen hatte, arbeitete er sich allmählich empor und kam zu einem gewissen Ansehen, wobei es ihm vielleicht dienlich war, daß er in nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Familien Harmand und VuiUaume stand. Tiburtius s. Centuno Tichy, Johann. — Olmütz. Geb. zu Klein- Pentschltz 1809, f 2. Februar 1871 nach 13 jähriger Ehe Schüler von Franz Soboll. Er ist der letzte Olmützer Geigenmacher, der selbständig neue Geigen gemacht hat. Er erfand eine große Bratsche, die mit C-G-D-.A- Saiten bespannt war, um die Violoncellopartien mit einem Violinspieler besetzen zu können. Das Instru- ment war trotz seiner Größe handlich und leicht spiel- bar. Seine Violinen sind von sehr schönem Aussehen und klingen namentlich auf den A- und E-Saiten hell und edel, während D-G schwächer und dumpf daneben klingen. Sein Geschäftsnachfolger war Peter Koutny. Auch ein Wenzel T. war um 1850 in 0. ansässig. Tieffenbrucker, Caspar. — Lyon. Geb. 1514 in »Pruck«, f 16. Dezember (?) 1570 oder 1571 in Lyon Besser bekannt in der verwelschten Form seines Na- mens als Gaspard Duiffoprugcar. Er stammte nach der Angabe eines Verzeichnisses der Füssener Bürger- aufnahmen ^) aus »Pruck«, worunter man wohl am besten Tiefenbruck bei Roßhaupten versteht. Er er- langte durch die Verheiratung mit einer Bürgerstochter am 22. April 1544 das Bürgerrecht in Füssen. In seinen Wanderjahren mag er schon weit umhergekommen sein, da wurde es ihm in der Heimat zu eng und er zog wieder hinaus in die Fremde und kehrte nach Lyon zurück, wo er schon im Jahre 1 533 nachweisbar ist. Ob er seine junge Frau mit genommen hat, oder ob ihr Tod den Anlaß zu seiner Auswanderung gab, läßt sich nicht feststellen. Daß er zuerst in Bologna ansässig war, wird zwar mehrfach behauptet, beruht aber jedenfalls auf einer Verwechslung mit Wendelin T. — Urkundlich nachweisbar ist er später nur in Lyon, und gleich auf dem ältesten Schriftstück vom 23. November 1553, in dem er vorkommt, wird er als Deutscher bezeichnet. Seinen Namen schreibt er da: »Duiffobrocard«; eine andere Urkunde (vom 4. November 1 555) unter- zeichnet er »Gaspard Duiffoprougar«. Von seinem Leben ist wenig bekannt. Seine Heimat und das Ge- burtsjahr 1514 erfährt man aus einem Dekret Hein- richs II. vom Januar 1558, durch welches Caspar zum französischen Bürger aufgenommen wird. Das Geburts- jahr bestätigt auch Pierre Woeriots Porträt des Meisters, das ihn im Alter von 48 Jahren zeigt. Das wenige, was über ihn festzustellen war, verdankt man dem treff- lichen Dr. Henry Coutagne (f 1896), der in seiner inter- essanten Schrift (Paris 1893) die Ergebnisse seiner Forschungen mitteilt und dadurch alle früher von J. B. B. Roquefort-Flamericourt, Fetis u. a. aufge- stellten Behauptungen zu Fall brachte. Auf welchem Umweg Caspar Tieffenbrucker nach Lyon gekommen ist, ließ sich bisher noch nicht ermitteln. Im Jahre 1533 wohnte er dort in der Nähe der Franziskanerkirche. Er scheint sehr fleißig und sparsam gewesen zu sein und kam zu einigem Vermögen, so daß er im Jahre 1556 einen Weinberg »a la cöte Saint Sebastian« kaufen konnte, auf dem er sich ein Wohnhaus mit Hof und Garten erbaute. Acht Jahre lebte er da mit den Seinen in Ruhe und Frieden, da wurde aber die Errichtung einer Zitadelle beschlossen, und da nach ihrer Voll- endung Tieffenbruckers Haus im Festungsgraben lag, verfiel es der Expropriation. Der Wert des Besitztums wurde auf 9245 Lires 14 Sols und 4 Deniers festgesetzt, und Tieffenbrucker mußte ausziehen. Vergeblich hoffte er, die versprochene Entschädigungssumme zu erhalten; er geriet in Not und starb schließlich in bitterster Armut und hint-erließ seine Frau Barbe; geb Homeau, und seine Kinder in größtem Elend. Auch die Witwe konnte die Auszahlung des Geldes für ihr Haus nicht durchsetzen und mußte schließlich froh sein, wenigstens eine lebenslängliche, kleine Rente zu erhalten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß C. Tieffen- brucker ein sehr angesehener Meister war. Die ihm mit einiger Wahrscheinlichkeit zugeschriebenen Ar- beiten zeichnen sich vornehmlich durch ihre reiche Ver- zierung aus, und es ist nicht gut einzusehen, warum man gerade ihn zum Erfinder der heutigen Violine »machen« wollte. Man kann nur annehmen, daß er verschiedene Lyren gemacht hat, und die Ähnlichkeit der Lyra mit der Violine hat dazu geführt, die Mei- ^) Handschrift in der fürstl. Öttingenschen Bibliothek in Maihingen. Sign. I. 3. Fol. 12. 33* 516 Tiefenbrucker, JacKomo — Tieffenbrucker, Magnus nung aufkommen zu lassen, er habe auch die ersten Violinen hergestellt. Man kennt auch tatsächlich sechs Violinen, die als seine Arbeit galten, aber alle sechs haben sich als Fälschungen neueren Datums erwiesen und sind wahrscheinlich in ihrer Art geniale Mach- werke, z. B. Vuillaumes^). Als Fälschungen erweisen sie sich auch durch ihre Zettel mit Jahreszahlen, die lange vor der Geburt Caspars liegen oder Bologna als Wohnsitz angeben. In Italien hat Caspar schwerlich ge- arbeitet; mehr Wahrscheinlichkeit hat die Vermutung Jacquots, daß er sich um 1560 am Hofe des Herzogs Carl III. von Lothringen in Nancy aufgehalten habe. Es wird sogar behauptet, daß Caspar T. ursprünglich Mosaikarbeiter gewesen sei; ob dies der Fall ist, fällt nicht ins Gewicht; die übrigen Erzählungen aber, die davon berichten, daß er für König Franz I. gearbeitet habe usw., erweisen sich schon durch das Geburtsdatum Tieffenbruckers als falsch. Den Geburtsort liest Cou- tagne in der Bürgerrechtsurkunde »Fressm ville imperi- ale enAllemagne« und meint, damit könne nur Freising bei München gemeint sein. Offenbar liegt hier ein Lese- fehler vor, in der Urkunde muß Fuessin stehen. In Füssen war die Familie Tieffenbrucker von alters her ansässig, und noch heute leben mehrere Tief fenbrugger in der Füssener Gegend. Bemerkenswert ist auch, daß der gleichzeitig in Lyon ansässige Johann Helmer ebenfalls einer Füssener Familie angehört haben dürfte. Sichere Arbeiten von ihm sind kaum bekannt, wenig- stens haben sich bisher die meisten seinen Zettel tragenden Instrumente als Fälschungen, oder als Werke anderer Meister erwiesen. Echt ist vielleicht eine Viola da Gamba von 1550 in der Sammlung Donaldson. Ein reich eingelegtes Instrument mit seinem Namen befindet sich in der Sammlung des Abtes Sales Bauer in Rein (Steiermark) usw. Geigenzettel : Gaspard Duiffopruggar a la coste Saint Sebastien ä Lyon (?) (gedruckt) und Abb. 793. Tiefenbrucker, Jachomo. — Mailand. 1 S.Jahr- hundert In der ehemaligen Sammlung Artigoni in Mailand soll ein »Arciliuto* diesen Namen getragen haben. Tieffenbrucker (Duiffoprucart), Johann. — Lyon. 1585 Es ist Coutagne gelungen, einen Sohn Gaspards nach- zuweisen, der ausdrücklich als »falseur de luth« be- zeichnet wird, also das väterliche Geschäft fortgesetzt hat. Günstigen Falles sind manche Instrumente, die heute dem Gaspard zugeschrieben werden, von dem Sohne gebaut, der möglicherweise auch die Zettel seines Vaters verwendet hat. Tieffenbrucker, Leonhard (Leonardo) l. — Padua(?). 16. Jahrhundert Ein Geigenmacher, von dem nur der Name bekannt ist ; E. G. Baron rühmt ihn (1727) wegen seiner gar feinen Arbeit, und sein Sohn Wendelin nennt ihn auf seinen Zetteln. Man hat diesen Leonardo für einen Sohn Caspars halten wollen, und solange Caspar in die Zeit von 1480 — 1539 gesetzt wurde, wäre dies auch glaub- würdig gewesen. Nun ist aber Caspar erst 1514 ge- boren, und Wendelin war ein jüngerer Zeitgenosse Caspars. Ich möchte daher eher annehmen, daß Leonardo sowohl der Vater Caspars als auch Wendelins gewesen sei, der mit seinen Söhnen aus Füssen nach Italien eingewandert ist. Caspar verwelschte erst in Frankreich die Schreibweise seines Familiennamens ; Leonardo und Wendehn behielten die heimische Ortho- graphie bei. Tieffenbrucker, Leonhard IL — Venedig. 1590 Vermutlich ein Sohn von Wendelin T. Er ist bisher nur durch die Stelle bei Baron, wo er Härtung als den Schüler des »gantz jüngeren Leonhard T.* welcher auch »gar feine Arbeit gemacht«, bezeichnet, bekannt. Er könnte also der Enkel des »älteren« Leonhard gewesen sein. Tieffenbrucker, Magnus. 1621 (?) Venedig. 1557. Vielleicht ein näherer Verwandter Caspar T.s, da er allein unter den Mitgliedern seiner Familie seinen Namen in ähnlich verwelschter Form schrieb (»Dieffo- pruchar«, »Dieffoprughar«usw.). Die weit auseinander- liegenden Jahreszahlen können die Vermutung auf- kommen lassen, daß man es mit zwei gleichnamigen Meistern, vielleicht Vater und Sohn, zu tun hat, wenn die letzten Ziffern sich als einwandfrei erweisen sollten. Zuerst finde ich ihn in einer in Modena aufbewahrten Urkunde vom 7. April 1557 als »Magnifico Mastro Magno, leutaro«, also ebenso auszeichnend wie seinen Vorgänger Siglsmund Maler, erwähnt. Er kann damals nicht mehr ganz jung gewesen sein; denn in dem 1566 angefertigten Verzeichnis der Raymund Fuggerschen Kunstkammer werden seine Arbeiten ausdrücklich schon als »alte« bezeichnet^). Er muß auch ein sehr hohes Alter erreicht haben — oder es gab zwei gleich- namige Meister in Venedig — , denn in einer Mandola, die die staatl. Sammlung in Berlin besitzt, liest man aie Jahreszahl 1621. Er stand in hohem Ansehen und war ein vorzüglicher Lautenmacher, von dem auch heute noch treffliche Arbeiten in verschiedenen Sammlungen zu finden sind. Eine Laute von 1560 bewahrt das Schlesische Museum für Kunstgewerbe und Altertümer in Breslau, eine Mandola von 1607 die Sammlung des Fürsten Lobkowitz auf Schloß Raudnitz, eine große Laute von 1608 das Donaldson-Museum (Royal College of Music) in London, eine Laute von 1609 (rep. von Andr. Jauck in Dresden 1 746) der Landschaftsmaler Fr. Wildhagen in Haiensee, eine Theorbe das Museum Modena, eine Archilaute von 1610 das Muslkhistonsche Museum W. Heyer in Köln und eine gleiche aus dem- ^) Vuillaume machte schon 1827 nach einer Gamba von Caspar eine derartige Violine. ^) Eine alte Lauten vom Meister Mang. Dieffen- prugger. Nr. 72. Eine alte rothe Lauten von Mang. Dief fenprugger. (Auch hier mache ich darauf aufmerksam, daß die Form Mangnus für Magnus eigentlich nur in Füssen vorkommt.) Nr. 75. Eine Lauten von Ebano von M. Dieffenprugger. Vgl. Stockbauer, Die Kunstbe- strebungen usw. unter Albert V. und Wilhelm V. Wien 1874. i Tiefenbrucker — Tiefenbrunner 517 selben Jahre Berlin aus der Sammlung Snoeck. Auf der Brust der Mandola von 1607 findet sich das neben- stehende Meisterzeichen: MIH das nicht ganz zu deuten möglich ist. EineTheorbe mit 7 doppelten und 4einzelnen Saiten von 1 584 (repariert 1741 vonJoh.Chr. Hoffmann in Leipzig) besitzt C. Claudius in Kopen- hagen. .Abt Sales Bauer in Rein (Steiermark) besitzt eine vom Jahre 1606 datierte Arbeit von ihm ; ein 21 späniger Chitarrone mit drei Dachstemen und doppeltem Kragen findet sich in der Wiener Sammlung alter Musikinstrumente. Tiefenbrucker, Moises. — Venedig. 18. Jahr- hundert Das Museum des Pariser Konservatoriums besitzt eine Chitarra von diesem sonst nicht bekannten Mitgliede der Familie. Der Krieg machte es mir unmöglich, mich zu überzeugen, ob der Vorname richtig gelesen ist, denn ich vermute, daß statt Moises »Magnus« zu lesen sein wird. Tiefenbrucker, Ulrich (Uldrich). — Venedig, Bologna (?). 1521 Das Selhofsche .Auktionsverzeichnis führt eine Elfen- beinlaute mit 13 Saiten von »Ulrich Dieffenprugkher in Venezia« auf. Nach W. J. v. Wasielewski, der als Uldrich Tiefenbruckers Wohnsitz Bologna angibt, be- sitzt die Familie Heimsoeth in Bonn eine Laute von Uldrich T., deren Wölbung des Resonanzkastens aus Elfenbeinspänen gebildet ist. Tieffenbrucker, Wendelin. — Padua. 1572. 1611 Wenn die Deutung seines Zettels richtig ist, ein Sohn des Leonardo T. Er nennt sich darauf »Vendelinus« oder häufiger Wendelino Venere de Leonardo usw. »Venere« dürfte identisch sein mit »Genere". Häufig verwendete er nur die obere Hälfte seines Zettels, so daß nur »Wendelio Venere« mit Ort und Jahreszahl blieb, was dazu führte, daß seit Baron ein Lauten- macher »W. Venere in Padua« als besonderer Meister aufgeführt wird. Auf den halbierten Zetteln kann man öfters noch aus den Buchstabenresten der abgetrennten zweiten Zeile diese selbst rekonstruieren, so in einer Laute des Kaiserl. Hofmuseums in Wien. Die Gründe für diese Art der Zettelbenutzung lassen sich heute freilich nicht mehr erkennen; aber seit etwa 1595 scheint er mit Vorliebe die halben Zettel eingeklebt zu haben. Außerdem verwendete er auch gerne eine Brand- marke, die sich am Halsrande zu finden pflegt und aus einem Anker mit den Buchstaben V und T oder W E be- steht. Von ihm und Magnus T. sagt Baron in seiner Untersuchung des Instruments der Lauten : »Magnus und Vendelino Tieffenbrucher und Vendelino Venere, welche sehr berühmt und alt, haben an ihrer Arbeit viele Proportion proprete bewiesen, und nach der neuesten und am meisten aestimirten Art, nemhch länglicht oder etwas flach gearbeitet. Was die Tieffen- bruckerische .Arbeit anlanget, so schätzt man sie weit höher als die Füssner und sind selten zu bekommen. Diese jetzt angeführte Meister haben meistentheils in Venedig zwischen Anno 15 und 1600 gelebt.« — Arbeiten von Wendelin T. finden sich noch oft in Samm- lungen, so eine Laute von 1572 in der Sammlung Snoeck G^tzt in Berlin), eine von 1 578 im Städtischen Museum zu Braunschweig, eine von 1582 und ein Lyrone im ehemaligen Museum Modena in Wien, eine Laute von 1587 in der Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, eine von 1592 im Museum zu Darmstadt, eine Laute mit umgeschlagenem Kragen in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln, eine von Seb. Schelle zur Theorbe umge- arbeitete Archilaute mit drei schönen, kleeblattartig angeordneten Dachsternen (Rosetten) in der Wartburg (Gesamtlänge 143 cm, Korpus 65 cm lang, 38 cm breit); eine von Jos. J. Edlinger und G. .A. G. Otto reparierte Laute mit 14 Wirbeln besitzt Prof. Streicher in Köthen ; auch Th. Körners Laute (jetzt im Körner- Museum in Dresden) ist eine Arbeit Wendelins. Ein Violoncello ! mit seinem Namen besitzt Rat Friedrich in Posen. Die Wiener Sammlung alter Musikinstrumente besitzt von ihm zwei Diskantlauten, eine elf spänige Oktavlaute, eine theorbierte Laute von 1595, eine paduanische Theorbe von 1611, sowie eine (vielleicht von ihm erfundene) 42 saitige Harfenzister und eine eigenartige Lira da Gamba. Geigenzettel: In Padua Vendelinus Tieffenbrucker (gedruckt). — In Padoua / Vvendelio Venere / de Leonardo Tiefembrucker 1582 (gedruckt). — 1595 / In Padova Vvendelio Venere (gedruckt) (die untere Hälfte des Zettels abgetrennt) und Abb. 769. Tiefenbrunner, Adolf. — München. Geb. 5. Mai 1865 in München, f 14. Februar 1900 Sohn zweiter Ehe von Georg T. Nachdem er das Gymnasium (»Holland. Inst.«) absolviert und bereits die Universität besucht hatte, wurde er von seiner Vorliebe für das Instrumentenmachen und durch Geschäfts- interesse veranlaßt, am 23. April 1891 das väterliche Geschäft zu übernehmen. Da ihn der Vater stets im Instrumentenmachen unterwiesen hatte, brachte er die besten Vorkenntnisse mit. Auch er verlegte sich fast ausschließlich auf die Zitherfabrikation, wie er auch ein trefflicher Zitherspieler war. Er besaß viele Aus- stellungspreise und erlag den Folgen der Influenza. Seine Witwe setzte das Geschäft fort: der jetzige In- haber der Firma ist der Instrumentenmacher Heinz Raab. Tiefenbrunner, Balthasar. — Mittenwald. 1825. 1855 In bezug auf handwerksmäßige Geschicklichkeit ist er seinen Mittenwalder Zeitgenossen ebenbürtig, hat aber ebensowenig wie diese hervorstechende persönliche Eigenschaften. Seine besten Arbeiten fallen in die Jahre 1830—1850. Tiefenbrunner, Georg. — München. Geb. 1812 in Mittenwald, f 10. Oktober 1880 in München Schüler von Kriner in Landshut. Mit einem Taler in der Tasche kam er zu Fuß nach München und ward Gehilfe bei Engleder, bei dem er seine Ausbildung als Geigenmacher vollendete, worauf er in Augsburg die 518 Tiefenbrunner — Tielkc Meisterprüfung ablegte. Er heiratete die Tochter des Zithermachers Krenn, dessen Geschäft in der Send- hngergasse er 1842 übernahm. Dadurch wurde er ver- anlaßt, sich mehr und mehr dem Zitherbau zuzu- wenden, und es gelang ihm, aus dem damals noch recht armseligen Volksinstrument ein höheren musikalischen Ansprüchen genügendes Tonwerkzeug zu schaffen, so daß ihn der Komponist Franz d. P. Ott geradezu den Vater der heutigen Zither nennt. Dazwischen machte er jedoch vereinzelt auch Geigen und war seiner sorg- fältigen Ausbesserungen wegen recht beliebt. Er brachte sein Geschäft in Blüte und wurde zum Hof- instrumentenmacher ernannt, zog sich aber schon 1875 vom Geschäft zurück, das seine Frau bis 1881 weiter- führte und dann ihrem Sohne Adolf übergab. Geigen Zettel : Reparirt / Georg Tiefenbrunner / in München 1 856 (gedruckt). — Georg Tiefenbrunner. / Saiten-Instrumentenmacher in München 1847 (ge- druckt). Tiefenbrunner, Georg. — Mittenwald. Geb. 1854 in München Sohn (I.Ehe) und Schüler von Gg. Tiefenbrunner. Er machte sich 1876 in München selbständig und ver- legte sein Geschäft 1880 nach Mittenwald, wo er seit- dem ausschließlich die Fabrikation von Zithern und eine Saitenspinnerei betreibt. Er besitzt mehrere Me- daillen und ist nassauischer Hoflieferant. Tiefenbrunner, Georg Ferdinand. — Mitten- wald. Geb. 19. Oktober 1757. 1780 Sohn und wahrscheinlich auch Schüler von Joh. Casp. T., mit dem und für den er fast ausschließlich ge- arbeitet haben soll. Tiefenbrunner, Johann Caspar. — Mitten- wald. 1750. 1769 Der beste Geigenmacher aus seiner Familie. Seine Arbeit ist recht gut ; er hat hauptsächlich Violinen und Violen gemacht, doch soll es auch einzelne Bässe mit seinem Zettel geben. Er schrieb seinen Namen häufig mit ff. Geigenzettel ; Johann Caspar Tieffenbrunner, Lauten- und Gei- / genmacher von Mittenwald an der Jser 1 768 (geschrieben). Tiefenbrunner, Korbinian. — Altötting. Geb. U.Dezember 1836 in Mittenwald, f ? Mitte der sechziger Jahre ließ er sich in Altötting nieder und hat dort hauptsächlich Zithern, aber nur wenige Geigen gemacht. Da er keine ausreichende Be- schäftigung fand, kehrte er in seinen Geburtsort zurück und arbeitete meist für die dortigen großen Händler. Geigenzettel : Korbinian Tiefenbrunner / aus Mitten- wald / Saiteninstrumentenmachcr / in / Altötting Rep. 1866 (gedruckt). Tiefenbrunner, Martin. — Mittenwald. Geb. I 1687. 1720 Angeblich Sohn des Joachim T. (dessen Beruf nicht feststeht). Sein Taufpate war (6. November 1 687) Math. Klotz, und er dürfte auch dessen Schüler ge- wesen sein. Eine ihm zugeschriebene Viola war recht gut, doch fehlte ihr die alte Schnecke, und da sie auch neu lackiert war, kann sie zur Beurteilung nicht gut herangezogen werden. Dagegen besitzt Gymnasial- direktor Dr. Schmitt in Neumünster eine Viola von ihm, gutes Klotzmodell, mit dem Zettel: Martin Dieffenbrunner / Mittenwaldt aö 17 . . (gedruckt). Martin T. darf als der erste Geigenmacher der Familie gelten. Tiefenbrunner, Matthias. — Mittenwald. 1832 Ein geschickter Geigenmacher, der einen schönen gelben Lack verwendete. Da er hauptsächlich für die Verleger arbeitete, schrieb er seinen Namen, Wohnort, Tag und Jahr gewöhnlich nur mit Bleistift auf den Boden und die Decke. Tiefenbrunner, Sebastian. — Mittenwald. 1808. 1830 Ein geschickter Geigenmacher, der aber nur wenig hervorgetreten ist. Tiefenbrunner, Simon. — Mittenwald. Geb. um 1810, t 26. Dezember 1883 1 Ein tüchtiger Geigenmacher, der zwar im Sommer hauptsächlich als Landwirt tätig war, im Winter aber um so fleißiger Geigen machte, wobei er das Stainer- modell am liebsten zum Vorbild nahm. Tielke (Thielke), Gottfried. — Königsberg. 1653. 1671 Eine Geige von ihm führt schon der .Auktionskatalog der Selhofschen Sammlung auf. In W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln befindet sich ein sehr großer fünfsaitiger Violone, ein Frachtinstrument im Geschmack Magginis mit der etwas unklaren Inschrift auf der Rückseite : Santo Maggini Brescia ! • / Gott- fried Thielke : • / Me fecit. .^nno 1662 : ■ Hat Tielke den Vjolone bei Santo Maggini gemacht? Das anzu- nehmen läge am nächsten. Oder soll die Inschrift an- deuten, daß der Kontrabaß nach einem Vorbilde von Maggini gebaut ist? Gottfr. T. dürfte ein Bruder oder der Vater Johanns gewesen sein. Für die Verwandt- schaft mit Joachim spricht auch der Umstand, daß Joachims ältester Sohn (geb. 1668) gleichfalls Gottfried getauft wurde. Geigenzettel: Gotfrid Tielke/ In Königsberg 1671 (ge- schrieben). Tielke, Joachim. — Hamburg. Geb. 14. Okt. 1641, t 19. Sept. 1719 in Hamburg Einer der berühmtesten deutschen Lauten- und Geigenmacher seiner Zeit, der namentlich in der künst- lerischen Ausschmückung das Höchste leistete, was überhaupt je geleistet worden ist. Er war der Sohn von Johann T., mit dem er schon in jungen Jahren nach Hamburg eingewandert war. Er entstammte zweifellos einer alten Lautenmacherfamilie, deren Heimat sich noch nicht feststellen ließ. Der Name ist von ausge- sprochen norddeutschem Klang, also dürfte der" Stammsitz der Familie Tielke viel eher in Königsberg Ticlkc. Johann - - Ticikc, Willicln. 519 als in München zu suchen sein. Auf seinen Wander- fahrten scheint Joachim T. auch nach Itahen ge- kommen zu sein, wofür sowohl seine Arbeit als auch der Umstand spricht, daß sich in der Sammlung Hammer in Stockholm eine reich eingelegte Laute von glockenförmigem Umriß mit der Inschrift: »Joachim Tielke in Fiorenza fecit«^) befand. Im Jahre 1669, am 9. Juli, erwarb er das Bürgerrecht, wobei er die Gebühr für solche, die keine Bürgerssöhne waren, bezahlte. Im selben Jahre, am 7. September, heiratete er Katharina Fleischer (geb. 10. April 1646, f 7. Dezember 1724), die wohl auch einer Lautenmacherfamilie entstammte. Joachim Tielke kam zu großem Ansehen und übte seine Kunst als Freimeister aus, da die Lautenmacher in Hamburg keiner Zunft zugeteilt waren. Er wurde von nah und fern mit Aufträgen überhäuft, arbeitete für Fürstenhöfe und wurde von den bedeutendsten Künstlern aufgesucht. Baron, der ihn noch selbst ge- kannt haben könnte, schreibt in seiner »Untersuchung des Instruments der Lauten«: »Unter denen neuen Meistern, welche in Teutschland viel Renommee er- worben, ist besonders Herr Joachim Tielke, welcher im Hamburg gelebet, zu remarquiren. Man hat Lauten von ihm gesehen, da das Corpus von lauter Elfenbein und Ebenholtz verfertiget, der Hals aber sehr künstlich mit allerlei Gold, Silber und Perlen-Mutter ausgelegt gewesen. In der Holtz-Arbeit ist er auch glücklich ge- wesen, und klingen seine Instrumente nicht gar be- sonders stark, doch ganz delicat und angenehm. << Die reiche Einlage mag den Ton manchmal abgeschwächt haben, im übrigen aber hat er sicher treffliche Kennt- nisse der Gesetze der Akustik besessen. In den Um- rissen wich er von den Cremonesern ab, in der Schön- heit der .Arbeit ist er ihnen ebenbürtig, deshalb sind seine Arbeiten auch heute noch in fast allen bedeu- tenden Museen als kostbare Prunkstücke zu finden. Ein Verzeichnis einer größeren Anzahl Tielkescher Instrumente gibt De Wit ") in seiner Zeitschrift (Jahrg. 1899/1900). Nach dem Zeugnis Conrads von Uffen- bach'O erhielt Tielke für eine Laute »hundert Mark oder fünfzig Gulden schweren Geldes", ein Preis, der auch 1790 von Lautenisten noch gerne bezahlt wurde. Er hatte sieben Kinder, drei Töchter und vier Söhne, von denen keiner Lautenmacher wurde; wohl aber scheinen sie ihm behilflich gewesen zu sein, seine Lauten mit Schnitzereien und Einlagen zu verzieren ^). Joachim T. feierte am 7. September 1717 noch in voller Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit, und einen Beleg für das Ansehen, dessen er sich erfreute, gibt eine ^) Die im Katalog angegebene Jahreszahl 1547 kann nur auf einem Lesefehler beruhen. ") Der selbst eine Laute, eine Quinterne, zwei Gamben und eine Viole von J. Tielke besaß. (Jetzt in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln.) Ein weiteres chronologisches Verzeichnis Tielkescher Werke enthält G. Kinskys trefflicher Katalog S. 275, 276 und 645, 646. *) Merkwürdige Reisen durch Niedersachsen. Ulm 1753. S. 80 u. 88. *) Gottfried T., geb. 1668, stand im Dienste des Land- grafen von Hessen -Kassel, Joachim, geb. 1673, war Sekre- tär der verwitweten Herzogin von Mecklenburg, Martin Gabriel, geb. 1685, war Kaufherr und Oberalter der Kauf- mannschaft, Christoff er, geb. 1670, starb 1706. Festschrift, die damals erschien und manche wertvolle Beiträge zur Biographie des Meislers enthält, die um so willkommener sind, als Tielke gerade in Hamburg im 19. Jahrhundert einer unverdienten Vergessenheit anheimfiel. Eine Anfrage, die ich im Interesse des vor- liegenden Werkes an das Hamburger Archiv richtete, gab den Anlaß zu Dr. H. Nirmheims Aufsatz in den Mitteilungen des Vereins für Hamburgischc Geschichte (Bd. VII, Heft 1, Nr. 7): »Zur Geschichte des Musik- instrumentenbaues in Hamburg*, welcher alles enthält, was sich im Archiv über Tielke ausfindig machen ließ. Im Jahre 1897 (14. Dezember) war bereits ein Aufsatz über Tielke von Julius Thias im Hamburger Fremden- blatt erschienen, im selben Jahre (20. Dezember) ein gleicher, der schon früher geschrieben war, von Dr. J. Heckscher im Hamburger Korrespondenten, und von demselben Verfasser, der die Festschrift zur goldenen Hochzeit Tielkes auffand, ein weiterer Aufsatz in den Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, der die biographische und genealogische Ausbeute dieser Festschrift enthält. Aus der H. v. Bülow- Stiftung kaufte das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe in den letzten Jahren einige hübsche Arbeiten Tielkes ; eine gute Laute besitzt das Lübecker Museum, eine Taschengeige das Städtische Museum in Budweis, eine Tenorgamba von 1695 mit gewölbtem Boden, rot- braunem Lack und dem typischen Frauenkopf am Wirbelkasten die Sammlung Fritz Wildhagen in Haien- see bei Berlin, eine reicheingelegte, sechssaitige Viola da Gamba das Historische Museum in Basel; andere Arbeiten sind im Münchener Nationalmuseum, im Städtischen Museum in Braunschweig, m Stockholm, bei Claudius in Kopenhagen usw. Im übrigen sei auf. das schon genannte Verzeichnis in P. de Wits Zeit- schrift hingewiesen, das die schönsten erhaltenen Ar- beiten nennt. Außer seinen Zetteln findet man auch manchmal in den Elfenbeinbelag graviert: Tielke in Hamburg fecit (1700). Geigenzettel: Joachim Tielke / in Hamburg An. 1672 (gedruckt). — Joachim Tielke / in Hamburg Afio 1 703 (gedruckt). — Tielke in Hamburg / fecit 1 700 (gedruckt) und Abb. 772. Tielke, Johann. — Hamburg. 1635 Der Vater Joachims. Er wanderte mit seinem Sohn in Hamburg ein'^), da er aber das Bürgerrecht nicht er- warb und auswärts gestorben zu sein scheint, kommt sein Name in den Archivalien nicht vor. Ein eigen- artiges Streichinstrument mit vier Darm- und drei Aliquotsaiten mit seinem Namen war auf der Wiener Musik- und Theaterausstellung zu sehen. (Dasselbe soll in Kottbus aufbewahrt werden.) Ein C. Tielke soll in Hamburg schon um 1551 vorkommen, was mir un- glaubwürdig erscheint. Tielke, Wilhelm. — München. 1 7. Jahrhundert In welcher Beziehung er zur Hamburger Familie steht, ist nicht klar. Franz Trautmann sagt von ihm (»Die ^) Daß auch Joachim nicht in Hamburg geboren ist, geht aus einem Gedichte seines Enkels in der Festschrift zur goldenen Hochzeit hervor, in welcher es unter anderem heißt: »...Wen Gott / wie Abraham / aus seinem Land hieß ziehen / Und schickt ihn in ein Land / da er ein Fremdling war« usw. usw. 520 Tietgen — Tobiä Altmünchener Meister.« Jahrb. f. Münch. Gesch. I., S. 63): »Wilhelm Tielke machte treffliche Geigen und reichverzierte Viole di Gamba.« Ich kenne einen Wilhelm Tielke nur aus dieser Quelle und fürchte fast, daß Trautmann durch die im Münchener National- museum befmdlichen, für den bayrischen Herzog ge- fertigten Prachtarbeiten Joachims verführt wurde, an einen Münchener Meister namens Tielke zu glauben. Tietgen, Hans. — Itzehoe, Hamburg, New York. Geb. 29. April 1857 in Stolpe In ländlicher Umgebung aufgev^'achsen, mußte er als kleiner Junge Gänse hüten. Um sich die Zeit zu ver- treiben, begann er Peitschenstiele aus gewundenem Weidenholz zu schnitzen, womit er sich ab und zu einen Groschen verdiente, im Winter schnitzte er Spazier- stöcke, doch war es sein einziger Wunsch, Musiker zu werden. Den ersten Geigenunterricht gab ihm der Stol- per Schulmeister, nach seiner Konfirmation kam er dann zu einem Stadtkapellmeister nach Neumünster, wo er eine fünfjährige Lehrzeit durchmachen mußte und auf allen Streich- und Blasinstrumenten spielen lernte. Er kam dann nach Holzminden und als Soldat nach Span- dau. Als nach längerer Zeit seine musikalischen Fähig- keiten bemerkt wurden, reihte man ihn in die Regi- mentskapelle ein. Nach beendigter Militärzeit lernte er Künstlers Erdenwallen recht genau kennen, so daß er sehr froh sein mußte, in Itzehoe eine dauernde Stelle als Musiker zu erhalten. Er hatte immer fleißig allerlei kunstvolle Schnitzereien angefertigt und es machte sich dabei ganz von selbst, daß er auch anfing Musikinstru- mente auszubessern. Bald verlegte er sich mit Feuer- eifer auf den Geigenbau, eignete sich vieles durch Selbststudium an und holte sich bei G. Chr. Adam in Berlin die ihm bisher fehlende Unterweisung. So wurde er in Itzehoe, wo er auch seine Frau kennen lernte, zum Geigenmacher und ging dann mit seiner Familie im Jahre 1886 nach Amerika. Anfangs machte er haupt- sächlich Bässe und trieb einen Handel mit Geigen, die er selbst mit zunehmendem Erfolg baute. Er versuchte vieles und sammelte reiche Erfahrungen, aber so sehr er auch Anerkennung fand, war er doch nie zufrieden, und als er seine 350. Geige gebaut hatte, wollte er den Geigenbau überhaupt aufgeben und sich ausschließlich auf den Handel verlegen. Er reiste mehrmals nach Europa, bereiste ganz Italien und brachte eine stattliche Anzahl wertvoller Meistergeigen mit nach Amerika. Im Verkehr mit dem Maler Tr de Haven, der selbst ein tüchtiger Gelgenbauer ist, und mit Dr. George Young fühlte er sich zu neuem Schaffen angeregt; jetzt begann seine eigentliche Blütezeit, und er wird jetzt von Kennern als der beste New Yorker Geigenmacher geschätzt, obwohl er keinerlei Reklame macht und nach wie vor sehr zurückgezogen lebt. Er hat die alten Mei- ster gründlich studiert, kopiert sie aber nicht, sondern bildete sich ein eigenes Modell aus, das eher an die Brescianer als an die Cremoneser Schule erinnert, und verwendet am liebsten einen leuchtenden roten Lack. Er besitzt eine seltene Handgeschicklichkeit und erzielt einen wundervollen Ton. Er ist eine echte Künstler- natur von einer herzgewinnenden Bescheidenheit. Bis- her hat er über 400 Geigen gebaut. Geigenzettel: Hans Tietgen / XIII / New York, 1913 [und Monogramm HT.] (gedruckt). Tilley, Thomas. — London. 1774 Bisher ist nur sein Name bekannt geworden. Tilmann, Abraham. — Antwerpen. 1602 Eine Laute mit flachem Boden, reich mit Perlmutter eingelegt und mit bemalter Decke, befindet sich in der Sammlung des Kunstgewerbe-Museums in Berlin. Der Name Tilmans fehlt In den Verzeichnissen der Ant- werpener Gilde; er scheint also ausschließlich Lauten und vielleicht auch Geigen, aber keine klavierartigen Instrumente gemacht zu haben. Tiphanon (Thiphanon), Jean - Fran?ois. — Paris. 1775. 1800 Er wohnte in der Rue St. Honore du Louvre und dann Rue St. Thomas du Louvre und ist durch allerlei Er- findungen ohne nachhaltigen Erfolg bekannt gewesen. Besser als seine Geigen sind seine Lauten. Geigenzettel : Tiphanon rue St. Thomas- / du-Louvre ä Paris, 1 780 (gedruckt). Tiriot s. Thiriot Tirler, Carlo. — Bologna. 17. Jahrhundert Dem Namen nach jedenfalls ein Deutscher. In einer wahrscheinlich dem 17. Jahrhundert angehörenden Laute, im Privatbesitz in Bologna, findet sich sein Zettel ohne Jahreszahl. Geigenzettel: Carlo Tirler, Leutar / in Bologna fece (gedruckt). Tischenant (Tismant), Franz. — Budapest. 1843. 1854 Um 1843 kam er aus seinem Geburtsorte Erlau nach Budapest, arbeitete bei P. Teufelsdorfer und übernahm dann die Werkstatt seines Oheims Fr. Hackhofer. Ein fleißiger Geigenmacher, dessen Arbeiten wegen ihres glänzenden dunklen, oft schwarzen Lackes bei den Zigeunerkapellen noch jetzt sehr beliebt sind. Eine gute, flachgewölbte Violine von ihm besitzt Demuth in Lübeck. Geigenzettel: Tischenant Ferentz / Hegedü keszito Pesten 18... (gedruckt). Tissier, Pierre. — Jenzat. 1895 Ehemaliger Gehilfe von J. B. Pajot und wie dieser aus- schließlich mit der Herstellung von Bauernleiern be- schäftigt. Tivoli, Augusto. — Triest. 1873. 1883 Wenig bekannter Geigenmacher, der übrigens auch an anderen Orten gearbeitet haben soll. Tkalrir. — Agram. 1903 Kroatischer Lauten-(Tamburitza-)macher der Gegen- wart, der mit Tomay zusammen arbeitet. Tobias, Willem. — ? 1670 Ein alter, holländischer Geigenmacher, über den nichts Näheres bekannt ist. ♦ TobI Tor 521 Tobin, Richard. — London. 1790. f um 1836 in Shoreditch Er war in Dublin geboren und war ein Schüler von Perry. Da er viel für John Betts arbeitete, kommen nur wenige Geigen mit seinem Zettel vor. Er besaß eine außerordentliche Handgeschicklichkeit und erkannte auch frühzeitig die Vorzüge der Stradivari- und Guarnenmodelle, die er ausschließlich nachahmte. Be- sonders schön sind seine Schnecken ausgeführt; auch im Ton sind seine Geigen sehr gut, und seine Violon- celli gehören zu den besten, die in England gemacht wurden. Trotzdem starb er in größter Armut. Tobin. — London. 1844 Sohn und Schüler von Richard T. ; er hat fast nur für fremde Geigenmacher und Händler gearbeitet. Todini, Michele. — Rom. Geb. m Saluzzo 1625. 1676 Ein piemontesischer »Tausendkünstler«. Er kam aus Saluzzo nach Rom, wo er nächst dem Arco della Ciam- bella sein Haus hatte, und war mehr Mechaniker als Geigenmacher, vor allem aber ein tüchtiger Musiker. Er soll der erste gewesen sein, der im römischen Streichorchester den Kontrabaß eingeführt hat'). Er versuchte sich in allerlei Erfindungen an Lauten und Geigen, baute Orgeln und kustvolle Uhren und gab eine kleine Schrift heraus unter dem Titel: Dichiaratione della galleria armonica eretta nella sua habitatione posta all' arco della Ciambella. (In Roma, per Francesco Tirroni 1676. 12 . 12S.) Vgl. auch A. Bertolotti: »Un musico mecanico« (Artisti subalpini in Roma [1877/79.] S.56ff.). Todini, Pietro. ^ — Rom. 1675 Vielleicht ein Sohn Micheles. Er machte Lauten, be- sonders aber schöne Harfen und Zimbeln. Todt, Heinr. Hermann. — Markneukirchen. Geb. 29. Dezember 1862 Nachdem er 1877 bei seinem Oheim in Erlbach das Bogenmachen erlernt hatte, ging er zum Geigenbau über und trat nochmals in die Lehre bei Wilh. Schaller, der gleichfalls sein Oheim war. Nach vollendeter Lehr- zeit arbeitete er dann bei (seinem jetzigen Schwager) Carl Rieh. Ficker, ferner in Budapest usw. und machte sich bereits im Jahre 1882 selbständig und arbeitete zu- nächst für die Markneukirchener Händler, 1890 be- gründete er sein Geschäft, dem er bald einen sehr guten Ruf verschaffte. Er handelt auch mit alten Geigen. Tolbecque, Auguste. — Paris, Niort. Geb. 30. März 1830 in Paris Sohn des Hofballmusikdircktors Isidor Tolbecque, ein trefflicher Violoncellist, der als solcher 1849 den ersten Preis des Konservatoriums in Paris erhielt. Von be- sonderer Neigung getrieben, verlegte er sich auf das Geigenmachen, lernte bei Rambaux, hat eine Anzahl ^) Man hat ihm sogar die Erfindung des Kontrabasses zuschreiben wollen, was schon deshalb unrichtig erscheint, weil dieser schon 1619 bei Praetorius abgebildet zu finden ist. trefflicher Kopien nach alten Meistern gemacht und sich auch als Reparateur große Geschicklichkeit er- worben. Im Jahre 1858 ließ er sich in Niort, Deux Sevres, nieder, wo er sich auch mit Erfolg als Orgel- bauer versuchte. Seine wertvolle Sammlung alter Musikinstrumente kaufte 1879 das Brüsseler Konser- vatorium. Seine Zettel zeigen ein merkwürdiges Sprachengemisch: A'^. Tolbeque fils fecit / Parigi, anno 1852 (gedruckt). ToUa, Nicola s. Nelli Tomaschew, Daniel. — Moskau. 1906. 1911 Er gilt als der beste Schüler von Paul A. Chilinski, bei dem er auch noch als Gehilfe gearbeitet hat. In gleicher Eigenschaft war er vier Jahre lang bei E. Geißer in St. Petersburg und machte sich dann 1906 in Moskau selbständig. Er baut alle Streichinstrumente und wird als Reparateur geschätzt. Er nimmt die Decke etwas zu stark im Holz, was die Schönheit des Tons beein- trächtigt. Er trägt seinen braunroten Lack gleichmäßig auf. Tomasi, Carlo Gasparo. — Modena. 17. oder 18. Jahrhundert Valdrighi (3610) kennt nur eine prachtvoll lackierte Viola d'amore von ihm, deren Stil dem des 17. — 18. Jahr- hunderts entspricht. Tomasowski, K. F. s. K. Ferenczy-Toma- sowski Tomay. — Agram. 1900 Kroatischer Lautenmacher der Gegenwart, der mit Tkalcic zusammen arbeitet und hauptsächlich dieTam- buritza herstellt. Eine .Arbeit von beiden befindet sich in der Sammlung Crosby Brown in New York (Nr. 1 027). Geigenzettel : Tomay i TkalciC / Zagreb (gedruckt). Tonna. — Lavaletta (Malta). 1851 . f n. 1860 Auf der Insel Malta hat es nach der Auskunft des dortigen Gouverneurs niemals berufsmäßige Geigen- macher gegeben, wohl aber Leute, die Musikinstru- mente ausbesserten, oder Dilettanten, die Geigen machten. Ein solcher war auch Tonna, der immerhin eine gewisse Geschicklichkeit besaß und für einen Kontrabaß aus Vogelahorn mit abgerundeten Ecken in London 1851 eine ehrenvolle Erwähnung erhielt. Tononi, Carlo. — Bologna. 1689. 1717 Sohn von Feiice T. Er bevorzugt ein großes, mäßig ge- wölbtes Patron. Seine Arbeit ist sehr gut, der Lack gelb und der Ton groß und edel. Eine zierlich eingelegte Taschengeige von 1698 war 1881 in Mailand ausge- stellt ; eine Geige besitzt das Museum des Liceo f ilar- monico in Bologna (aus dem Jahre 1717). Geigenzettel : Carolo Tononus fecit Bononiae / in Platea Castaelionis, anno Domini 1698 (gedruckt). — Carolus Tononi fecit / Bononiae anno 1717 (gedruckt) — Carolus Tononi fecit Bononie in Via / Sancti Ma- mantis sub Signo Sancte Caecilie Anno Domini 1716 (gedruckt). — Fornito di me Carlo Tononi in Bo- logna / in S. Mamolo all' Insegna di S. Cecilia. / Anno 1717 (gedruckt). 522 To Töth Tononl, Carlo (Antonio). — Venedig (auch Rom?). 1721. 1768 Wahrscheinlich ein Sohn von Carlo T. Man hat die Be- hauptung aufgestellt, daß der Bologneser und der Venezianer Carlo T. ein und dieselbe Person seien, da beide das gleiche Ladenschild »zur heil. Cäcilie* führten. Abgesehen davon, daß man ihm dann ein Lebensalter von mindestens 100 Jahren zubilligen müßte, unterscheidet sich auch die Arbeit des Vene- zianers sehr von der des in Bologna arbeitenden Meisters. Carlo Antonio T. ist wesentlich schwächer; er arbeitet nach Nie. Amati, erinnert aber auch an Stainer, dessen hohe Wölbung er wenigstens in der Decke nachgeahmt zu haben scheint; sein Orangelack ist dem von Serafino Santo, der wahrscheinlich sein Lehrer war, ähnlich; selbst die Brandmarke, die die Buchstaben hell auf dunklem Grunde erscheinen läßt, ist nach dem Vorbild Serafinos angefertigt, das Holz sehr verschieden, manchmal prachtvoll und oft recht gewöhnlich. Er brannte seinen Namen auch am Knopf des Saitenhalters ein. Gallay teilt einen Zettel von der zweiten Art aus dem Jahre 1768 mit, der den Zusatz enthält: »e dal 1728 defini di far prove e gl' istrumenti principio«. Ernst Löwenfeld in Wien besitzt eine ■ Violine von ihm vom Jahre 1726 mit dem beim Knopf des Saitenhalters eingebrannten Namen »Carlo Tonon«. Arbeit und Ton sind sehr gut. Geigenzettel: Carolus de Tononis / fecit Venetiis 17 . . (gedruckt). — Carolus Tononi Bonon, fecit / Venetus sub titulo S. Ceciliae / anno 1 739 (gedruckt) und Abb. 791 und 797. Tononl, Felice. — Bologna. 1670. 1710 In seinen späteren Jahren arbeitete er mit seinem Sohne Giovanni (nach anderen: Guido) gemeinsam. Ge- diegene Arbeit, hochgewölbtes Modell, sehr guter, hell- gelber oder gelbbrauner Lack. Besonders gut im Ton sind seine Violoncelli. Daß er auch in Rom gearbeitet hat, ist nicht erwiesen. Geigenzettel : Tononi di Bologna / fecit, anno 1670 (ge- druckt). — Tononi di Bologna / fece anno 1681 (ge- druckt). Tononi (»de Tunonis«), Giovanni. — Bologna (auch Venedig? Rom?). 1689. 1740 Sohn von Felice T., den er aber in jeder Beziehung übertraf. Er arbeitete nach verschiedenen Modellen, besonders nach Nie. Amati ; nur vergrößerte er das Patron. Am besten sind seine Violen und Violoncelli. Sein Lack ist meist hell braunrot oder gelb, aber immer sehr schön. In St. Petersburg befinden sich zwei voll- kommen übereinstimmende Violoncelli von ihm aus den Jahren 1698 und 1699 (Korpuslänge 77.5 cm). Geigenzettel: Joannes de Tononis / fecit Venetiis 17 . . (gedruckt). — loannes de Tononis Fecit Bononiae / in Via Mamuli Anno 1699 (gedruckt) und Abb. 780. Tononi, Guido. — Bologna und Rom. 1690. 1760 Wenn er wirklich existiert hat, dürfte er ein Bruder von Giovanni T. gewesen sein. Er soll nach Nie. Amati ge- arbeitet haben. Tononi, Pietro. — Bologna. 1713 Ein Mitglied der Familie mit dem Vornamen Pietro wird zwar in der Literatur mehrfach erwähnt, es gelang mir jedoch nicht, eine echte Arbeit von ihm zu er- mitteln. Geigenzettel: Pietro Tononi / me fecit Bologna 1713 (gedruckt). Toppani (Tappani), (Michel) Angelo (de). — Rom. 1735. 1750 Einer der besseren römischen Geigenmacher seiner Zeit. Er verwendet ein hochgewölbtes Modell von stark geschwungenen Umrißlinien und steht im ganzen David Tecchler nahe. Sein Lack ist goldgelb, der Ton einschmeichelnd. Geigenzettel : .Abb. 787. Toralba. — Florenz (?). 13. Jahrhundert Ein Lauten- und Zithemmacher, den ich bisher nur bei Valdrighi (4444) erwähnt gefunden habe. Torelli. — Verona. 1625 Bei Vidal wird ein Geigen- oder Lautenmacher dieses Namens ohne nähere Angaben erwähnt. Da die Familie Torelli im i 7. Jahrhundert in Verona ansässig war (wo 1667 der bekannte Maler Felice Torelli geboren wurde), ist wohl nicht zu zweifeln, daß Vidal den Namen richtig gelesen hatte. Toring (Torring). — London. — Anfang des 19. Jahrhunderts Ein Violinspieler, der auch Geigen machte und namentlich .Ausbesserungen vornahm. Torossi, Cesare. — Novara. 1841. 1846 Wenig bekannter Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. Geigenzettel: Cesare Torossi / in Novara, l'anno 1841 (gedruckt). Torrano. — Turin. 1700 Er wird auch bei Valdrighi (3196 »Torranus«) erwähnt, ist aber wenig hervorgetreten. Torres, Jesus Maria. — Bogota (Südamerika) Mandolinen- und Gitarrenmacher des 1 9. Jahrhunderts. Torresan, Antonio. — Crespano. Geb. 20. Sept. 1802, t 16. Sept. 1872 In Anbetracht der billigen Preise, die er verlangte, sind seine Geigen recht gut zu nennen. Tortobello, Francesco. — Rom. 1680 Dem Anscheine nach stand er unter dem Einflüsse der Schule von Brescia. Toth, Janos (Johann). — Szolnok, Budapest. Geb. 26. Mai 1875 in Magyarkanizsa Er machte seine Lehrjahre bei Budapester Geigen- machern durch, bei denen er sich die nötige Hand- geschicklichkeit aneignete. Hervorragende Begabung Tolh — Toussaint 523 und unablässiges Studium ließen ihn eine ungewöhn- liche Meisterschaft erreichen. Im Jahre 1910 machte er sich selbständig und verlegte sich besonders auf den Neubau. Heute gilt er als der beste ungarische Geigen- macher. Er arbeitet nach Stradivari und Guarnen del Gesü und verwendet einen gelbroten Lack. Seine Geigen werden von E. v. Hubay, A. Gobby usw. sehr gelobt, und Karl Bodo v. Szelefarmos, Leiter der Szol- noker Musikschule, hat einen ."Xufsatz über ihn ver- öffentlicht. Seine Geigen tragen seinen Namen in Gold- buchstaben und das Zeichen JHS. und eine Nummer. Er ist auch literarisch tätig und hat verschiedene Ar- beiten über die Geige veröffentlicht, die auch in fremde Sprachen übersetzt wurden. Sein Geschäftsteilhaber ist Komäromi. Toth, Sandor (Alexander) jun. — Szegedin. Geb. 1 868 in Szegedin Sohn eines Saitenmachers ; Schüler von W. J. Schunda, bei dem er von 1880—1887 war. Er arbeitete als Gehilfe bei Voigt und Lemböck in Wien, darauf von 1891 bis 1 894 bei Riechers in Berlin, ferner in Prag und Budapest und machte sich um 1895 in seiner Vaterstadt selb- ständig. Im Jahre 1900 wurde er von der Regierung zum Studium der Weltausstellung nach Paris geschickt. Er ist einer der besten unter den jüngeren ungarischen Geigenmachern. Touet s. Jouet Touly, Claude. — LuneviUe, 1752 Vielleicht ein Sohn oder Bruder von Jean T. Er bevor- zugte eine hohe Wölbung und gelben Lack und machte sowohl Geigen im Stile Guersans, als Lauten. Eine fünfsaitige Bratsche befindet sich aus der Snoeckschen Sammlung in Berlin, eine Laute im Konservatormm m Brüssel. Außer seinem Zettel verwendete er auch eine Brandmarke: »C. Touly«. Geigenzettel: Par Claude Touly / ä Luneville 1732 (gedruckt). Touly, Jean (Bapt.). — Nancy. 1730. 1747 Nach den wenigen von ihm bekannt gewordenen Ar- beiten zu urteilen, nur ein mittelmäßiger Geigen- macher. Er war mit Fran<;oise Gerard verheiratet; seine Tochter Marie wurde am 28. Oktober 1754 die Gattin von Fran?ois Lupot. Geigenzettel: Fait par moy Jean / Touly, a Nancy / 1 747 (gedruckt). Tournier, Jos. Alexis. — Geb. in Huningue 6. November 1842 Fabrikant aller Sorten von Musikinstrumenten. Tourte. — Paris. 1740. 1780 Einer der ersten Lautenmacher, die das Bogenmachen zum Lebensberufe erwählten. Vater von X. und F. Tourte. Er arbeitete von etwa 1740 — 1775 zusammen mit seinem ältesten Sohne und hat sich gewiß große Verdienste um die Verbesserung des Bogens. nament- lich seines Kopfes, erworben, wenn auch nicht nach- gewiesen ist, daß er wirklich, wie behauptet wird, an Stelle der früher üblichen Zahnstange die Schraube des Bogens erfunden hat. Seine Bogen sind schon von ganz ansprechender Gestalt, haben kannelierte Stangen und sind auch ziemlich leicht, aber die meisten sind aus mittelmäßigem Holze geschnitten, die Stangen zu dünn und zu gerade und die Spitze von schlechter Form; des- halb entsprechen sie auch nicht mehr ganz den heutigen Anforderungen. Tourte, Fran^ois. — Paris. Geb. zwischen 1747 und 1750, t April 1835 Der Stradivari in der Kunst des Bogenmachens. Er war ursprünglich Uhrmacher und trat erst, nachdem er acht Jahre als solcher gearbeitet hatte, in die Werkstatt seines Vaters und Bruders ein. Eine ganz eigentümliche Begabung und die peinliche Genauigkeit, die er bei der Uhrmacherei erlernt hatte, brachten es dahin, daß er eine vorher nie dagewesene und auch jetzt noch kaum wieder erreichte Meisterschaft erlangte. Anfangs nahm er das Holz von Zuckerfässern zu seinen Bogen, die er dann für 20 — 30 Sous verkaufte. Bald erkannte er aber, woraufesbeieinemgutenBogenhauptsächlichankommt, und nun versuchte er alle verwendbaren Holzsorten, bis er das Femambukholz fand. Das mag um 1775 bis 1780 gewesen sein. Er war unablässig bemüht, seine Bogen zu verbessern, und schließlich gab er dem Bogen seine heutige Gestalt und stellte die Maße fest. Er ward sehr bald berühmt und erhielt gerne für seine Bogen bis zu 1 5 Louisdor ; aber er zerbrach jeden fertigen Bogen, wenn das Geringste daran auszusetzen war. Die Stange schnitt er nicht bogenförmig, sondern gerade aus dem Holze und bog sie über dem Knie, nachdem er sie über gelindem Kohlenfeuer erhitzt hatte. Er hat auch seine Stangen nie lackiert, sondern nur mit Öl und Bimstein geschliffen. Er war sich seiner Künstlerschaft bewußt, obwohl er nicht einmal lesen und schreiben gekonnt haben soll. Bekannt ist, daß er auch Stege wundervoll zu schnitzen verstand. Er war sehr fleißig und machte noch in seinem 77. Jahre treff- liche Arbeiten. Seine Tochter soll seine treue Gehilfin gewesen sein. Zum Unterschied von seinem Bruder X. wurde er auch »Tourte le jeune« genannt. Manche seiner Bogen tragen eine Etikette, wie z. B. : Cette archet ä ete fait par ,' Tourte en 1823 age de 76. Mehr über ihn berichtet nach Vuillaumes Erzählung Fetis in seinem Buche über Stradivari (S. 118 — 128). Tourte, Xavier. — Paris. 1770. 1786 Ältester Sohn des Geigen- und Bogenmachers T. ; ge- wöhnlich »Tourte l'aine« zum Unterschied von seinem genialen Bruder Fr. T. »le jeune<< genannt. Auch er hat sich Verdienste um die Verbesserung des Bogens er- worben. Seine älteren, von 1770 — 1780 stammenden Stangen sind zwar sehr leicht, aber nicht immer aus gutem Holz hergestellt. Später aber hat er bemerkens- wert schöne Bogen nach dem Modell seines Vaters ge- macht, dem er völlig gleichkam. Toussaint, Emil. — Gumbinnen, Berlin. Geb. 1845. 1908 Er soll von Hause aus Kaufmann (Lederhändler) ge- wesen sein und begründete 1878 in Gumbinnen eine 524 Toussaint — Tresselt Geigenmacherwerkstatt. 1897 siedelte er nacK Berlin über. In De Wits Zeitschrift veröffentlichte er einen Aufsatz »Über das Geheimnis der Cremoneser Geigen« (1897) und nennt sich »Entdecker des Verfahrens der alten italienischen Geigenbauer«. Toussaint, Jean. — Hamburg. 1716 Als »Instrumentenmacher« ist er am 21. Februar 1716 Bürger geworden. Trapanl, Raffaele. — Neapel. 1800. 1826 Er suchte nach einem neuen Modell, ohne daß es ihm gelungen wäre, etwas Besseres als seine Vorgänger zu finden. Die F-Löcher, die er spitz verlaufen läßt, sind geradezu häßlich. Die Arbeit ist im übrigen gut, das Patron groß, mit stark hervortretenden Ecken und guter Einlage. Der Lack ist ziemlich dick und von rotbrauner Farbe. Die Schnecke erinnert an die Brescianer Schule. Am besten sind vielleicht seine Violoncelli. Eine ge- nauere Beschreibung einer Geige von ihm ist bei Vidal zu finden. F. S. Kandier schreibt von ihm in seinem. Aufsatz über »Neapel im Jahre 1826« (Ztschr. f. d. musik. Welt, Bd. VI. Heft 24):» Meister Trappani (Strada S. Arniello) ist ein geschickter Mechaniker, der aber gegenwärtig seine ganze Aufmerksamkeit auf die Vervollkommnung eines erfundenen Mobile perpetuum gerichtet hat.« Geigenzettel : Raffaele Trapani / Napoli No . . (ge- druckt). Trapp, Hermann. — Wildstem b. Eger. Geb. 27. April 1855 in Neukirchen b. Eger (Böhmen) Im Jahre 1880 begründete er seine Musikinstrumenten- firma, der er als tüchtiger Kaufmann eine große Aus- dehnung zu verschaffen wußte. Ti-asny, Josef. — Schönbach b. E. Geb. 19. April 1825 Schüler von Josef Flacht und seit 1850 als Geigen- macher in Schönbach selbständig. Seine Arbeit wird gelobt. Trautner, Hans. — Ansbach. Geb. 27. März 1870 in Hof Er lebt seit 1892 in Ansbach, wo er bis 1907 als Barbier tätig war. Selbst Geiger, interessierte er sich frühzeitig für den Geigenbau und begann im Jahre 1898 als Auto- didakt Geigen zu machen. Er ging dann auf 14 Tage nach Markneukirchen, um sich dort einige Handgriffe zeigen zu lassen. Er arbeitete rastlos weiter und hatte bis 1906 bereits 65 Violinen, 2 Violoncelli, mehrere Violen und einen Kontrabaß gebaut. Im Jahre 1907 gab er sein Barbiergeschäft auf und verlegte sich ganz auf den Geigenbau. In Nürnberg hatte er 1 906 verschiedene Violinen, Violen und Violoncelli ausgestellt. Er baut nach keinem bestimmten Modell, entwirft sich die Um- risse selbst und wählt die Größe und die Wölbung nach eigenem Gutdünken. Travniczek, Franz. — Brunn. Geb. 9. Sept. 1877 in Iglau Nachdem er seine Lehrzeit bei der Firma Gabr. Beer Söhne, wo er von den Gelgenmachern Johann Prüller und Aug. Röselmüller ausgebildet wurde, abge- schlossen hatte, arbeitete er ein Jahr lang als Gehilfe bei dem Nachfolger Jacob Kliments. Hierauf genügte er seiner Militärpflicht, arbeitete dann noch in Wien und machte sich im Jahre 1902 in Brunn selbständig und übernahm zwei Jahre später Jos. Kliments Werkstatt. Er arbeitet nach Stradlvari, Guarneri und Maggini und verwendet einen langsam trocknenden feurigen Öllack (rot und gelb) von guten Eigenschaften. Seine Arbeit sowohl im Neubau wie in der Wiederherstellung wird sehr gelobt, und 1907 und 1908 erhielt er in Wien und in Paris Ausstellungspreise. Geigenzettel : Franciscus Trawniczek / fecit Brunensis Anno 19. . [in verzierter Umrahmung] (gedruckt). Tregellar, T. H. — Melbourne. 1888 Em Hufschmied, der in Melbourne eine von ihm aus Zinn verfertigte Geige ausgestellt hat. Treiber, Kaspar. — Mittenwald. Geb. 1863 Sohn von Ludwig Tr. Ein sehr geschickter Lauten- und Gitarrenmacher. Er arbeitete mehrere Jahre in Rio de Janeiro, dann von 1900 — 1910 in Mittenwald und ging dann wieder in die Fremde. Treiber, Ludwig. — Mittenwald. 1830. 1874 Ein mittelmäßiger Geigenmacher, dessen Arbeiten dunkel lackiert sind. Er wanderte von Ort zu Ort und flickte alte Geigen. Trentin, Gregono. — Padua. — Geb. 1768 in Conselve (bei Padua), f 1854 in Padua Er war Cembalist und Instrumentenmacher. Er fing mit Gitarren, Lauten und Harfen an, ging aber früh- zeitig zum Klavierbau über und erlangte erst auf diesem Gebiete seine eigentliche Bedeutung. Tresselt, Hans Adam. — (Groß-)Breitenbach. 1730 Vater von Wolfgang Nikolaus Tr. und wohl auch dessen Lehrer. Tresselt, Johann Balthasar. — Großbreiten- bach. 1739. 1750 .Arbeiten von ihm kommen mehrfach vor und verraten eine geschickte Hand. Tresselt, Johann Nikolaus. — Großbreiten- bach. Geb. 8. Oktober 1702, f 1779 Sohn von Theodor Tr. und von dessen Frau Elisabeth. Wahrscheinlich Schüler seines Vaters, dem er nahekam. Von seinem Leben ist nur bekannt, daß er mit Rebekka Rißland verheiratet war. Tresselt — Troszczyiiski 525 Tresselt, Lorenz. — (Groß-)Breitenbach. 1 774 Wahrscheinlich der Sohn von Joh. Balth. Tr., dem er in der Arbeit ähnlich ist. Geigenzettel: Lorentz Tresselt / a Breitenbach 1774 (geschrieben). Tresselt, Theodor. — Groß-Breitenbach. Geb. um 1675, lebte noch 1740 Soweit bis jetzt bekannt, der älteste Geigenmacher der Familie. Das Selhofsche Versteigerungsverzeichnis führt eine Viola d^ Braccio von »Th. Tresselt Bachbreis 1739« an. »Bachbreis« wird ein Druckfehler für Breit- bach sein. Es spricht zweifellos für seme Geschicklich- keit wie für sein Ansehen, daß ein so gewiegter Kenner wie Seihof eine Arbeit von ihm besaß. Tresselt, Wilhelm Jakob. — Großbreitenbach. Geb. 17. Februar 1751, f 21. Februar 1825 Sohn von Johann Nikolaus Tr. Nach seinem Tode haben noch mehrere Mitglieder dieser Familie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Nebenbeschäf- tigung das Geigenmachen betrieben ; der letzte Geigen- macher namens Tresselt soll um 1850 nach Amerika ausgewandert sein. Tresselt, Wolfgang Nikolaus. — (Groß-) Breitenbach. Geb. 27. März 1 732, f 1 7. April 1778 Vielleicht ein Bruder von Lorent Tr. Seine Geigen sind gut gemacht, doch scheint er sich kein schönes Holz zu verschaffen gewußt zu haben ; auch sein Lack war dürftig. Geigenzettel: Wolffg. Nicol. Treßelt / in Breitenbach 1778 (geschrieben). Trevlllot, Claudel. — Mlrecourt. 1697. 1698 Einer der älteren Mirecourter Geigenmacher, der in Diensten des Herzogs Leopold von Lothringen stand, und der Stammvater einer zahlreichen Geigenmacher- familie. A. Jacquot zählt aus dieser die folgenden auf: Gerard Tr. 1643, 1677. Charles 1 Tr. Sohn des vorigen, geb. 1645, t vor 1718. Claude 11 Tr. 1682, 1715, dessen Sohn Jean-Dominique Tr., geb. 10. Nov. 1684. Joseph I t vor 1735, heiratete Barbe Medard, von der er 1714 einen Sohn Joseph II hatte, der sein Schüler war. Jean Tr., Geigenmacher und Organist, f 2. Mai 1 703. Jean 1 1 Tr., t vor 1726, hatte einen gleichnamigen Sohn Jean 111, der 1 738 noch lebte. Fran?ois Tr. 1726, 1729. Jean IV Tr. 1 703. Jean V Tr. 1 704, 1 749. Charles 1 1 Tr. 1703, 1739. Claude -Philippe Tr., geb. I.Mai 1728, lebte noch 1756, und Pierre, der noch 1761 und 1762 in Urkunden erwähnt wird. So viele Geigenmacher aus dieser Familie auch hervorgingen, es gelang mir noch nicht, die Arbeit auch nur eines einzigen davon kennen- zulernen. Treyer, Jean-Baptiste (nach anderen : Joseph), gen. L'Empereur. — 1750. 1770 Er war hauptsächlich Klaviermacher, hat aber auch eine Anzahl geschätzter Saiten- und Streichinstrumente ge- macht. Im Jahre 1750 war er geschworener Zunft- meister der Pariser Lautenmacher. Ob er einer ur- sprünglich deutschen Familie oder vielleicht der in Brescia ansässig gewesenen Orgelmacherfamilie Trajer entstammt, ist nicht festzustellen. Trieber (?). — Mittenwald. 1813 Die Sammlung Crosby Brown in New York besitzt eine Taschengeige, die auf dem Zettel des Verfertigers diesen Namen tragen soll, der zwar in Füssen heimisch ist, in Mittenwald aber nicht vorkommt. Wahrschein- lich muß Treiber gelesen werden. TrmeUi, Giovanni. — Scandiano. Geb. m Vlllalunga, Regglo Em., f um 1815 Ein modenesischer Geigenmacher, der sich, wenn er auch nicht sehr sorgfältig arbeitete, immerhin sehr gut darauf verstand, seinen Geigen einen runden, vollen Ton zu verleihen. Er liebte großes Format und ließ das Holz dick, so daß seine Geigen heute gern ge- kauft werden. Geigenzettel: Johannes Trinelli. 1810 (gedruckt). Trioli, Giacomo Eine Mandoline aus dem Jahre 1 768 mit diesem Namen befand sich in der Sammlung Loup. Trocard, Jean. — Mlrecourt. 1 75 1 . 1 789 Sohn von Christophe Tr. Er war nicht ungeschickt und gebrauchte eine Brandmarke mit einer heraldischen Lilie und zwei Heizen, darunter den Namen Trocard. Trolanl, Francesco. — Rom Mittelmäßiger Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. Tromlltz, H. — Buer 1. W. 1892 In einer nicht sehr glücklich wiederhergestellten Geige fand sich der Zettel: Repar. v. H. Tromlitz, Bueri.W. 1892 (geschrieben). Tron(Trond)-Issaksen. — Fladebö(y). 1758. 1768 Sohn des Isak Nielssen und wahrscheinlich auch dessen Schüler. Eine Hardangergeige von ihm in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln hat Bein- und Ebenholzeinlagen. Geigenzettel: Tron Issaksen / Fladeby 1768 (gedruckt) und .Abb. 782. Trost, E. — Heidelberg. 1875 Geigenzettel: Repariert , E. Trost , Heidelberg 1875 (gedruckt). Trost, Georg Martin. — Hamburg. 1795 Ein Instrumentenmacher, der am 17. April 1795 das Bürgerrecht erwarb. Troszczynskl, Karol. — Warschau. 1830 Vielleicht Sohn von Szymon Tr. Ihre .Arbeiten sehen sich ähnlich. Troszczynskl, Szymon. — Warschau. 1830 Mittelmäßiger, polnischer Geigenmacher. 526 Trotto — Tye Trotte, Gioacchino. — ? 1 792 Eine sechssaitige sog. spanische Gitarre, die sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln be- findet (Nr. 555), enthält diesen Namen. Geigenzettel: Gioacchino Trotto fecit / Anno 1792 accosto le / Grade di S. Demetno (gedruckt, in Um- rahmung). Trucco, Girolamo. — Savona. 1839. 1840 Ein geschickter Handwerker, der recht gute Geigen, Gitarren und auch Harfen machte. Geigenzettel: Abb. 784. Trusiano Wahrscheinlich der ursprüngliche Familienname des unter dem Namen Panormo berühmt gewordenen Geigenmachers. Siehe Panormo. Truska, Simon Joseph. — Strahow. Geb. 5. April 1 734 in Roudnic (Böhmen), f 14. Jan. 1809 im Stifte Strahow Er trat am 8. Dezember 1 758 in das Prämonstratenser- stift Strahow (Prag) ein, wurde am 1 . Januar 1761 zum Priester geweiht und war ein tüchtiger Musiker und Komponist, der mit großer Geschicklichkeit allerlei Musikinstrumente, Klaviere, Violinen, Violen aller Art und Baßgeigen, gemacht hat. Trussardi, Paolo, lebt als Geigenmacher in Arqua-Polesine (Rovigo) Tschernow, Dmitri Konstantinowitsch. — St. Petersburg. 1908. 1911 Ein Professor der Metallurgie, der aus Liebhaberei Streichinstrumente verfertigt, die in den Umrissen nach Stradivari gebaut sind. Die Stärke von Decke und Boden bestimmt er jedoch auf Grund seiner eigenen Berechnungen. Seine Instrumente sind bereits wieder- holt bei Streichquartettaufführungen öffentlich ge- spielt worden. Tubbs. — London Eine Familie, die bereits durch vier Generationen treffliche Bogenmacher aufzuweisen hat. Die Firma heißt jetzt: James Tubbs & Son und hat ihren Sitz in der Wardour Str. 94. Tubbs, E., lebt als Geigenmacher in New York Tuccio lebt als Gitarrenmacher in Palermo Türcke-Bebie, W. — Schloß Salenstein bei Mannebach (Thurgau). Geb. 12. Januar 1888 in Bologna Sohn eines Schweizer Ingenieurs. Er kam im Alter von 14 Jahren in die Schweiz und erwarb 1910 das eidge- nössische Diplom als Architekt; seine Neigung führte ihn jedoch zum Geigenbau; und er begann 1914 durch Selbstunterricht vorbereitet seine erste Violine zu bauen. Um sich weiter zu vervollkommnen, trat er im Jahre 1916 in Zürich mit G. Fiorini in Verbindung, der ihn nun fachmännisch anleitete und bald dahin brachte, wirklich Gediegenes zu leisten. Er baut mit Vorliebe nach Guarneri del Gesü. Sein echt künstlerisches Streben verspricht noch bemerkenswerte Fortschritte. Er gebraucht außer seinem Zettel auch eine Brand- marke. Geigenzettel : W. Türcke-Bebie / Salenstein (gedruckt). Turchi, Gian Martino. — Pisa, Rom. 1606 Ein Pisaner Lautenmacher, der um 1606 auch in Rom arbeitete und dort in der Klagesache des Giovanni di Enrico vernommen wurde. Turnbull, William. — Dundee. 1876 Arbeitete recht gut nach Guarneri. Turner. — London. Anfang des 19. Jahr- hunderts Mehr Händler als Geigenmacher. Er bezog aus Mitten- wald und Markneukirchen Schachteln (unfertige Geigen) in großer Zahl mit Löwenköpfchen usw. am Wirbelkasten. Er machte die Geigen dann fertig, lackierte sie, versah sie mit allerlei unechten Zetteln und machte dann ein leidlich gutes Geschäft damit. — Ein John Alvey Turner machte auch japanische Fiedeln. Turner, William. — London. 1650 In einer sehr schönen Viola di Bordone der Sammlung Gautier fand sich der folgende Zettel : William Turner at ye / Hand and crown in / gravelle lane neare / Aldgate London 1650 (gedruckt). Turtur, Nicola, lebt in Bitonto (Bari) Tury, Julius (Gyula). — Budapest. Geb. 1866 in Czegled Ein bekannter ungarischer Maler, der aus Liebhaberei mit großem Geschick nach einem eigenen Modell Geigen baut. Geigenzettel : Julius Tury pictor hungarus / fecit secun- dum ipsius formam / Budapestini 1912 (gedruckt). I Tweedale, Charles L. 1908. 1911 Weston, Warfedale. Guter, englischer Geigenmacher der Gegenwart »of Otley«, der sehr sauber nach Guarneri usw. arbeitet. Er benennt seine einzelnen Violinen nach berühmten Musikern usw. Tye, J. — London. Mitte des 19. Jahrhunderts Englischer Geigenmacher, der im Stadtteil Lambeth wohnte. Seine Violinen sind nicht ungeschickt gemacht, ohne durch besondere Vorzüge aufzufallen. Auch in Liverpool war ein gleichnamiger Geigenmacher an- sässig und vielleicht mit dem Londoner identisch. Geigenzettel : J. Tye, Maker / 37 Agnes-Street York Road / Lambeth (gedruckt). Tywersus — Uhlschmidt 527 Tywersus. — Nancy (Lothringen). 16. Jahr- hundert Er war nach J. A. Gallay u. A. Geigenmacher der Herzöge von Lothringen am Anfange des 16. Jahr- hunderts. Auch Hart und Vidal wissen nichts Näheres zu sagen. Alle Angaben über ihn sollen übrigens auf einer Erzählung Nie. Lupots beruhen, der sich vielleicht auf eine alte Familientradition berufen konnte, den Namen aber jedenfalls nicht mehr richtig überliefert erhielt. Trotzdem gilt Tywersus in Frankreich als einer der ältesten französischen Geigenmacher; man hat ihn sogar schon zu einem Gründer der Mirecourter Geigen- industrie machen wollen. Arbeiten von ihm sind bisher nicht bekannt geworden. Alfred Keil in Lissabon be- sitzt allerdings ein Trumscheit (Nonnengeige), das diesem Tywersus zugeschrieben wird, mit der Jahres- zahl 1 530. Die Malereien auf dem Instrument stammen aber aus dem Jahre 1627, in diese Zeit wird daher wohl auch die Entstehung der ganzen Nonnengeige zu setzen sein. A. Jacquot hat alle Archive vergebens nach diesem Tywersus durchforscht, wohl aber fand er den Namen Tridemus. Es wäre ja nicht unmöglich, daß em Tri- demus Geigenmacher war und daß sein Name sich m der Überlieferung allmählich in Tywersus verwandelt hätte. Ubermann, Ludwig. — Stuttgart. 1616. 1626 Er wird mehrfach als Johann Mayers Nachfolger er- wähnt und war wie dieser für die Hof kapeile tätig. Schon 1616 fertigte er für Joh. Price eine von diesem erfundene Viola an, wofür er 240 fl. erhielt. Im Jahre 1618 baute er für die Damen des württembergischen Hofs, oder, wie man damals sagte »für das fürstliche Frauenzimmer« ein neues Clavichord. Uebel (Übel), Johann Andreas. — Klingenthal. 1748. 1752 Wahrscheinlich ein Bruder von Johann Christian Ue. Seine Geigen entsprechen im .Aussehen und im Ton- wert denen der meisten seiner Klingenthaler Zeit- genossen. Uebel, Johann Christian. — Klingenthal. Geb. um 1710, t nach 1782 Er scheint in Markneukirchen geboren zu sein und dort gelernt zu haben. Er wurde auch dort 1 729 Meister und kommt erst seit 1731 in den Innungslisten der Klingenthaler Geigenmacher vor. Er gilt als der Stamm- vater der noch blühenden Familie und ist einer der besten Geigenmacher aus dieser gewesen. Eine Violine von ihm besitzt das Musikhistorische Museum in Stockholm. Geigenzettel : Johann Christian Uebel / Violinmacher in KÜngenthal 1750 (gedruckt). Uebel, Johann Michael. — Klingenthal. 1753 Sohn und Schüler von Johann Christian Ue., dem er nachstrebte, ohne ihn zu erreichen, da er meist schlechteres Holz verwendete. Uebel, Max. — Klingenthal. Geb. 3. Juni 1866 Ein Nachkomme der alten Familie, der noch jetzt in seinem Heimatsorte als Geigenmacher ansässig ist. Uebel. — Markneukirchen Dieser Familie gehören als Geigenmacher an : Uebel, August Moritz. — Geb. 19. Dezember 1860 in Erlbach, f 7. August 1894 Uebel, Karl Friedrich Wilhelm, hatte im 19. Jahrhundert seine Werkstatt Zimmer- loh 290 Uebel, W., begründete 1868 sein noch be- stehendes Geschäft Uffel, Frans van. — Antwerpen. 1606 Obwohl urkundlich von ihm nur feststeht, daß er 1606 als »Clavecinmacher« in die Gilde aufgenommen wurde, ist er doch hier aufzuführen, da er jedenfalls der Ver- fertiger einer Theorbe ist, in der man nur noch den Namen »Uffel« entziffern konnte. Ugar, Crescenzio. — Rom. 1788. 1790 Wahrscheinlich ein Deutscher, der vielleicht Ungar oder Unger hieß. Seine Arbeit hat ein deutsches Aus- sehen, ebenso sein brauner Lack. Geigenzettel : Crescentius Vgar , fecit romae anno / 1790 (gedruckt). Ugar, Pietro. — Arezzo. 1800. 1804 Möglicherweise ein Sohn von Crescenzio U. Es soll Gitarren und Mandolinen von ihm geben, doch scheint er sich mehr mit dem .Ausbessern als mit dem An- fertigen von Geigen beschäftigt zu haben. Er wird auch bei Valdrighi (3252) erwähnt. Uhlen (Ulen), Nicolaus, G. — New York, Chicago. 1887. 1900 Erst in New York ansässig, scheint er um 1893 nach Chicago übergesiedelt zu sein. Er bezeichnet sich als Streichinstrumentenmacher und erfreut sich eines ge- wissen Rufes. Uhlig s. Olert Uhlschmidt, Anton. — Schönbach. Geb. 1883 Schüler seines Vaters Balthasar U. und der Schön- bacher Fachschule für Geigenbau. Er baut nach den besten Meistern, und seine .Arbeit wird sowohl in der Ausführung als im Ton sehr gelobt. Der Krieg, an dem er teilgenommen, hat zwar seine Tätigkeit jahrelang unterbrochen, doch gelanges ihm schnell, nach seiner Rückkehr seine Werkstatt wieder in Gang zu bringen. Wie sein Vater besitzt er eine besondere Geschicklich- keit im Schnitzen der Schnecken und Hälse, die er auch für viele auswärtige Geigenbauer herstellt. 528 Uhlsclimiclt - Unseld Uhlschmidt, Balthasar. — Schönbach. Geb. 1854 Nachdem er als Geigenmacher regelrecht ausgelernt hatte, verlegte er sich frühzeitig auf das Schnitzen von Hälsen und Schnecken, worin er es zu einer nicht ge- wöhnlichen Fertigkeit gebracht hat. Uhlschmidt, Franz. — Schönbach Jüngster Sohn von Balthasar U. Schüler seines Vaters, der ihn zum Geigenbauer ausgebildet hat. Als Gehilfe arbeitete er m den besten Werkstätten m Brunn, Wien, St. Gallen und Danzig, dann bei E. Gärtner in Stutt- gart und zuletzt bei Keller in Würzburg. Uhrmacher, Peter. — Pfaffendorf. Um 1800 bis 1830 Joh. Stüber im Haag besitzt eine gute Violine mit mäßig hoher Wölbung, in der sich der untenstehende geschriebene Zettel befindet. Die Arbeit erinnert an Schwarzwälder Geigen und an die Mittenwalder Schule. Es war nicht zu ermitteln, weiches Pfaffendorf in Frage kommt, schließlich erscheint auch der Fa- milienname bis zu einem gewissen Grade seltsam, so daß man vielleicht annehmen könnte, daß der eigent- liche Familienname »Peter« war, und daß der Mann gleichzeitig Uhrmacher und Geigenmacher war. Geigenzettel: Peter Uhrmacher / Geigenmacher zu Pfaffendorf 18(3 .. (?) (geschrieben). ? (San Vito?) Uitenus (Vitenus), Nicolas. 1650 Eine Baßgeige (oder Violoncello) mit dem möglicher- weise falsch gelesenen Namen: »Nicolas Uitenus, 1650« weist das Verzeichnis der Selhofschen Sammlung (ver- steigert im Haag 1 759) auf. Ullmann, Georg. — Mailand, Zürich. Geb. 9. September 1879 in Bad Elster Er kam als Lehrling zu Reinhold Schmidt in Markneu- kirchen und besuchte dort drei Jahre lang die Fach- schule für Instrumentenbau. Er arbeitete als Gehilfe bei Kurth und bei 0. Möckel in Berlin, später bei Dvofäk in Prag und ging dann zu Degani nach Venedig. Im Jahre 1901 siedelte er nach Mailand über und machte sich dort selbständig. Durch den Krieg war er gezwungen, Italien wieder zu verlassen, weshalb er seine Werkstatt nach Zürich verlegte. Er ist sehr ge- schickt und arbeitet sauber nach Stradivari. Geigenzettel: Georgius Ullmann / fecit / Mediolani 1909 (gedruckt in Umrahmung). Ulrich, Diederich. — Lübeck, Hamburg. Geb. um 1740 Er soll ein Nachkomme von Olert (Olrichges) gewesen sein, was nicht unmöglich wäre. Er hatte seine Werk- statt zuerst in seiner Vaterstadt und ging im Jahre 1 771 nach Hamburg, wozu ihn aber, wie es scheint, nicht sein Beruf als Geigenmacher veranlaßt hat. Im Lü- becker Staatsarchiv wird nämlich noch ein Schreiben des geistlichen Konsistoriums an den Rat der Stadt Hamburg aufbewahrt, in dem dieser ersucht wird, die geplante Ehe des Lübecker Bürgers und Violenmachers Dietrich Ulrich, jetzt bei Caspar Wegener in der Spital- straße sich aufhaltend, zu verhindern, da Ulrich in Lübeck verheiratet sei und drei Kinder habe, die er böswillig verlassen hätte. In dem Schreiben heißt es: »Sie wollen großgonstig geruhen, solche Bigamiam nicht vorgehen zu lassen, sondern dieselbe durch zu- längliche Mittel nicht allem zu behindern, sondern auch diesen Dieterich Ulrich alda wegschaffen und wieder- umb anhero zu seinem Weibe und Kindern verweisen zu lassen.« Seine Geigen erinnern in den Umrissen und den F-Löchern an die Brescianer Schule. Die Einlagen fehlen gewöhnlich, der Lack ist meistens gelb, und statt der Schnecken liebt er Löwenköpfchen am Wirbel- kasten anzubringen. Geigenzettel: Abb. 798. Unbehaven (Unbehauen, Unbehagen), Hen- rich. — Halle a.S. ?, Erfurt. 1687 Er gehört vielleicht einer alten Familie aus Schwä- bisch-Hall an, wo der Name schon 1396 vorkommt und noch 1578 ein David Unphaben, Sohn des Kaspar U., geboren wurde. Der Name ist allerdings auch in Volkstädt a. S. heimisch, wo bekanntlich Schiller bei dem Kantor und Schulmeister Unbehaun wohnte. U. soll lange in Erfurt und Halle gearbeitet haben, doch konnte ich über seinen Aufenthalt in beiden Städten nichts ermitteln Nur in J. Ph. Eiseis Musicus (/.rTnhlhay.To; (Erfurt 1738) wird er ausdrücklich als Erfurter bezeichnet bei der Aufzählung der besten Gambenmacher. Seine Arbeiten sind oft reich eingelegt und erinnern in dieser Beziehung an Tielke. Doch scheint er auch die Italiener gekannt zu haben, denn im Modell hatte er wohl die Absicht, N. .^mati nachzu- ahmen. Geigenzettel : Henrich Unbehaven / Hall. Anno 1 687. (gedruckt). Undeutsch, Ernst, ein Musiker, der eine Geigenwerkstatt in Hannover hat Ungarini (Ungherini), Antonio. — Fabriano. 1762 Ein Violenmacher, der behauptete, aus der Schule Stradivaris hervorgegangen zu sein. Ungarini, Raynaldo. — Fabbriano. 1800. 1806 Sohn von Antonio U. In Fabbriano weiß man nur von einem im 18. Jahrhundert vorkommenden Maler seines Namens. Seine Kunst war sehr bescheiden; vielleicht ist er mit dem Geigenmacher identisch. Geigenzettel : Reynaldus Ungarini Fabrianensis / An- tonii filius ; De Stradivarii Schola perfecit / Anno 1800 (gedruckt). Unseld (Ansold), Georg. — Ulm. 1609 Vielleicht ein Sohn von Christian Ansold. Von ihm bezog die Stuttgarter Hofkapelle seit 1609 Saiten. Er soll als Lautenmacher sehr geschätzt gewesen sein. Unverdorben — Vaillant 529 Unverdorben, Marx (Max). — Venedig. 1515 Ein Deutscher, der wahrscheinlich aus Schwäbisch- Hall stammte^), wo der Name heimisch ist. Wenn man ihn, wie das geschieht, schon In das Jahr 1415 setzt, vergreift man sich sicher um hundert Jahre. In Ray- mund Fuggers Kunstkammer befand sich im Jahre 1 566 laut Nr. 65 des Verzeichnisses >^Eine große alte Lauten von Max Unverdorben -). In der Fürstl. Lob- kowitzschen Sammlung auf Schloß Raudnitz, früher in Eisenberg in Böhmen, befindet sich noch jetzt eine schöne, leider schlecht erhaltene Laute mit dem unten- stehenden Zettel. .Auch in Trient kommt der Name im 16. Jahrhundert vor. Geigenzettel: Marx Unverdorben a. Venetia (ge- druckt). Upmann, F., begründete 1854 sein in Celle noch bestehendes Geigengeschäft, mit dem eine Musikinstrumenten- und Pianohand- lung verbunden ist Urban, Joseph. — Prag, New York, S. Fran- cisco. Geb. 1821 inCernucb. Welwarni.B., t 25. Dezember 1893 in S. Francisco Schüler von Em. A. Homolka, bei dem er auch musi aber gute Violinen nach Stradivari gemacht. Besonders schön ist der von ihm selbst zubereitete Ollack. Geigenzettel: Donald Urquhart Tain N. B. 1896 (geschrieben). Urquhart (Urquehart), Thomas. — London Geb. 1625. 1666 Dem Namen nach muß er aus Schottland stammen. Er dürfte aus derselben Schule wie Jakob Rayman hervor- gegangen und der Lehrer Edw. Pamphllons gewesen sein. Er hatte ein großes und ein kleines Modell, beide sehr hochgewölbt, mit ziemlich stumpfen Ecken. Seine Arbeit ist recht gut; der Lack von gelbbrauner oder rötlichbrauner Farbe ist überraschend schön. Auch im Ton sind seine Geigen vorzüglich, die von Nicht- kennem schon oft für echte Stainer oder gar Gasp. da Sal6 genommen wurden. Arbeiten von ihm waren u. a. auf der Wiener Musik- und Theater-Ausstellung zu sehen. (Vgl. Katalog, England. S. 18.) Ursim, 0. — Rom. 1635 In Böhmen ist eine Laute von ihm erhalten, der Name ist mir jedoch sonst nicht vorgekommen. Utili, Nicola. — Castel Bolognese. Geb. 1888 Ein talentvoller Geigenmacher, dem nur leider eine gute Schule fehlt.. kaiisch ausgebildet wurde. Nach beendigter Lehrzeit ging er nach Wien und Oedenburg, 1847 New Yo^rk und Yaelbej^g (Valbeke), Lodewyk van. — Brüssel. 1294. 1312 1852 nach Kalifornien, wo er 1 1 Jahre blieb. 1863 kam er nach Prag zurück und eröffnete hier am Jungmanns- platz Nr. 764 seine Werkstatt. Er hielt es nicht lange aus und ging wieder nach S. Francisco, wo er auch starb. Da er in Europa nur wenig selbständig arbeitete, kommen Geigen von ihm äußerst selten vor; er war je- doch nicht ungeschickt, und wenn er wollte, konnte er sehr sauber arbeiten. Geigenzettel : Joseph Urban Violin and Guitar Maker San Francisco 1860 (gedruckt). Urblch. — Löbau. Nach 1870 Ein Stadtmusiker, der sich auch als Geigenmacher ver- suchte. Rud. Koeppel in Pyrmont besitzt eine flache, unbeholfen gemachte Violine von Ihm mit dem Zettel : Urblch musicus urbis , me fecit Lobauiae anno 1 87 . . No 1 (gedruckt). Uri, Fran^ols. — Mirecourt. 1748 Nur von A. Jacquot erwähnt. Urquhart, Alex. — Invergordon. Geb. 1867 Er hat einige gute Geigen gebaut. Urquhart, Donald. — Tain. Geb. 17. August 1859 Baiblair Er hat aus Liebhaberei zwar nur eine kleine Anzahl, ^) Ein Michel Unverdorben (geb. 1574) war Bürger Vaillant, und Prokurator der Reichsstadt Schwäblsch-Hall (f 27. Mai 1627). -') Vgl. Stockbauer, Die Kunstbestr. unter Albrecht V. und Wilhelm V. V. Lütgcndorff, Gcig-cn- und Lautenmacher. Bd. II »VIollst & luthier.« Ein berühmter Brabanter Saiten- Instrumentenmacher und Spielmannskönig (»rol des menestrels«) des 13. Jahrhunderts, von dem bekannt Ist, daß er Fiedeln, Rebeksund Leiern verfertigte. Jean de Boendale setzt seinen Tod in das Jahr 1312; nacf anderen soll er bis 1358 gelebt haben, was übrigens un wahrscheinlich Ist. In einer Urkunde von 1307 wird ei als »Magister Ludovicus de Valbeke, viellator« be- zeichnet. Vaillant, Claude Joseph. — Mirecourt. 1778 1790 Ein Verwandter des Pariser Meisters, für den er auch gearbeitet haben soll. Vaillant, Fran?ois. — Paris. 1736. 1783 Die gewöhnlich vorkommenden Gelgen mit seinem Namen stehen selten über der Mittelmäßigkeit und sind schlecht lackiert. Da aber einzelne seiner Arbeiten denen von Boquay und Pierray nahekommen, so Ist anzunehmen, daß die erstgenannten nur Werkstatt- arbeiten sind. Er wohnte zuerst Rue de la Julverle und wenigstens von 1775 an In der Rue N.-D.-de Bonne Nouvelle. Gelgenzettel: Fran^ois Vaillant rue de la Julverle i ä Paris 1738(gedruckO. 19. Jahr- Nicolas. — Bordeaux. hundert, f um 1880 Auch Nicolas de Bordeaux genannt. Er arbeitete sehr gut, hatte aber ein plumpes, großes Patron bei seinen 34 530 Vainert — Vande Geigen. Die Schnecke ist dagegen sehr schön aus- gestochen, sein roter Lack durchsichtig und dick. Seine Violoncelli sind seinen Violinen gleichwertig. Sein Vor- gänger soll Lutzemberger geheißen haben, sein Nach- folger Delannoy. Vainert s. Weinert Valdastri. — Modena. 1805 Bisher kennt man von ihm nur einige Taschengeigen, die eine geschickte Hand verraten. Valente. Raffaele. — Rom. 1898 Gilt als guter Mandolinenmacher. Valentin (Valantin). — Angouleme. 1900 Er war »Luthier«; sein Nachfolger ist Javelland-Labbe. Valentin, Rudolf. — Berlin. Geb. 1 1 . Juli 1 870 in Berlin Ursprünglich Feinmechaniker, wendete er sich als tüchtiger Geiger durch Selbststudium vorgebildet dem Geigenbau zu, und da er ein guter Zeichner ist und große Handgeschicklichkeit besitzt, fielen schon seine ersten Versuche über alles Erwarten gut aus. Dieser Erfolg ermunterte ihn zu weiterem Streben, und da ihm auch die Zusammensetzung eines guten Lacks ge- lang, ließ er sich bestimmen, den Geigenbau zu seinem Berufe zu machen. Im Jahre 1909 eröffnete er seine Werkstatt, und es fehlt ihm nicht an wertvollen .'Aner- kennungen; treffliche Geiger loben seine Arbeit. Geigenzettel: Rudolf Valentin Berlin angefertigt Anno 19 . . (geschrieben). Valenzano (Valenciano), Giovanni Maria. — Valenza, Rom. Trlest. 1771. 1825 Er stammte aus .Asti, zog viel umher und soll (nach Valdrighi) (3268) auch in Neapel, nach anderen inPadua gearbeitet haben. Seine Arbeit ist handwerksmäßig, und sein Modell schwankt zwischen dem der Mailänder und dem der Neapolitaner Schule. Auf vielen seiner gedruckten Zettel füllte er den jeweiligen Ort seines Aufenthalts handschriftlich aus. Er ist jedenfalls auch identisch mit jenem Valenzane, der um 1813 in Mont- pellier Geigen ausbesserte. Geigenzettel: Joannes Maria Valenzano astensis fecit Romae 1825 (Ortsname und Jahreszahl geschrieben). Joannes Maria Valenzano astensis in Valentia fecit 1804 (Ortsname und Jahreszahl geschrieben). Valetianus, (Valletianus) Joannes. — Madrid. 1799 Der französischen Schule sehr nahestehend; flaches Modell, ähnlich dem des J. B. Guadagnini. Seine Violinen sind besonders gut im Ton; das bestätigte schon Spohr, als er im Juni 1828 in der Musikalischen Zeitung mitteilte, daß er gebeten sei, eine Geige dieses Meisters zu verkaufen, und hinzufügte, daß sie »einer besseren Stradivari ebenbürtig« sei. Geigenzettel : Joannes Valletianus fecit Matrito anno 1799 (gedruckt). Valle, Nicolas del. — Granada Alterer spanischer Lautenmacher. Vallejo, D. Rafael. — Baza (Spanien). 1789 Das D. vor dem Taufnamen wird man vielleicht »Don« lesen müssen, dann wäre dieser Lautenmacher als ein Ordensgeistlicher anzusehen. Er war nicht ungeschickt und hat recht hübsche, eingelegte Lauten angefertigt. Geigenzettel : D. Rafael Vallejo me hizo en baza, 1789 (gedruckt). Vallentine, William. — London. 1870. f um 1877 Er hatte seine Werkstatt in der Wardourstreet und soll einige gute Kontrabässe gemacht haben. Valier. — Marseille. 1683. 1700 Er wird zwar in der Literatur, so bei Hart u. a., mehr- fach, aber stets ohne nähere .Angaben erwähnt. Es war mir aber weder in Marseille noch überhaupt in Frank- reich möglich, etwas über diesen Geigenmacher oder seine Werke zu erfahren. Vallier, lebt als 'Luthier« in Le Havre Vallini, Giulio. — Cremona. 18. Jahrhundert Ein Cremoneser Geigenmacher, den ich nur bei Val- drighi (3909) erwähnt gefunden habe. Valoncini, Frederic, ein Geigenhändler in Nizza, der auch eine Reparaturwerkstatt unterhält Valonini, Zanoli (Gianolo?). — Venedig. 1765. 1783 Obwohl Geigen mit seinem Zettel nicht gerade selten vorkommen, gelang es mir doch noch nicht, festzu- stellen, wie er wirklich geheißen hat. Vgl. Zanoli. Valte, Dominique. — Mirecourt. 1734. 1743 Ein nur von A. Jacquot erwähnter Geigenmacher. Valtrin, Didier. — Mirecourt. f vor 1698 Von A. Jacquot nachgewiesener Geigenmacher. Es gab auch noch einen Jean-Dominique 1 Valtrin um 1677, einen Jean-Dominique II von 1698 — 1707, ferner zwei Jean-Joseph V. von 1714—1757 und von 1740—1749. Der Name kommt auch Vaultrin geschrieben vor, und ein Joseph Vautrin, der im 19. Jahrhundert in Mire- court tätig war, gehört jedenfalls in diese Familie. Auch die Jean -Joseph Watrin (1744) bezeichnete Violine der Sammlung Snoeck rührte jedenfalls von einem Mit- glied dieser Geigenmacherfamilie her. Vandelli, Giovanni. — Fiorano (Modena). Geb. 1796, t 1839 Seine Geigen sind recht sauber gearbeitet, haben jedoch keinen großen Ton und zeichnen sich auch sonst nicht aus, so daß sie trotz ihres guten .Aussehens nicht hoch geschätzt werden. Vanderhaeoen — Varotti 531 Vanderhaegen, A., lebte im 19. Jahrhundert in Gent Van der Heyden. — Brüssel (?). 1888 Ein Belgier, der 1888 in Brüssel einen Fortschrittspreis für einen fünfsaitigen Kontrabaß erhielt. Van der Linden, Jan. — Antwerpen. 18. Jahr- hundert Eine Violine von ihm in deutschem Stil, mit langen, steilen F-Löchern besaß Cl. Snoeck. Geigenzettel: Joannes Vanderlinden tot .Antwerpen , 17 . . (gedruckt). Van der Linden, Lorenz. — Brüssel. 1618. 1621 Hoflautenmacher; der Stammvater einer ganzen Mu- sikerfamilie und jedenfalls der Vater des Lautenisten Lorenzino \ . d. L., — wenn nicht dieser selbst. Vanderlist. — Paris. 1788. 1801 Vermutlich besaß er eine Geige von Guadagninil, die er sowohl im Modell als im Lack nachzuahmen sich be- mühte. Seine Arbeiten sind gute Durchschnittsware ; am besten waren noch seine Harfen. Er besaß auch eine Brandmarke mit seinem Namen. Auf anderen Zetteln ist auch »Paris« angegeben. Geigenzettel : Abb. 806. Van der Meulen, Antonius Mattheus Con- radus. — s' Hertogenbosch. Getauft 26. Nov. 1793 (in der kath. Kirche St. Jans St. Pieter in Hertogenbosch), f 1 0. Okt. 1 872 in Drunen Sohn des Pieter Frans V. d. M. und der Cornelia Pauline Spykers; ein Nordbrabanter Geigenhändler, der sich auch als Instrumentenmacher bezeichnete, aber wahrscheinlich nur fremde Arbeiten mit seinem Zettel versehen hat, den er oft einfach über den Zettel des wirklichen Verfertigers klebte. Geigenzettel : Gerepareert door / A. M. C. van der Meulen. , 's Hertogenbosch 1858 (gedruckt). — A. M. C. van der Meulen Muziek-Instrumentmaker in de Kerkstraat, E 36 te 's Bosch (gedruckt). Van der Slaghmeulen, Joh. Bapt. — Ant- werpen. 1660. 1679 Der Lukasgilde gehörte er nicht an ; eine Geige von ihm führt das Selhofsche Verzeichnis (1 759) auf. Ein Violon- cello aus dem Jahre 1672 stellte Willmotte 1878 m Paris aus. Gute Arbeit, mattbrauner Lack, schöne, aber große F-Löcher, hübsche Einlage mit Goldverzierung, an die Brescianer Schule erinnernd. Wenn der folgende Zettel, den Grillet mitteilt, echt ist, dann müßte der Name allerdings Van der Staghmeulen gelesen werden. Geigenzettel : .Abb. 809. Van der Syde (Zeyden) s. Syde Vandewiele. — Gent. 19. Jahrh. Wahrscheinlich ein Dilettant, der sich als Erfinder ver- suchte. Vandey, Gust. fils, begründete 1886 ein Ge- schäft in Cannes Vangelisti (Evangelisti), Pier Lorenzo. — Florenz. 1700. 1745 Ein Geifeenmacher dritten Ranges, von dem es jedoch einige recht gute Violinen und namentlich gute Bässe gibt. Er hatte kein ausgesprochenes Modell und ar- beitete im Stile Gabriellis; nur seine im oberen Teile scharf gebogenen F-Löcher sind eigenartig. Eine Violine von ihm befindet sich in W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln, eine andere besitzt Oskar Mez in Freiburg i. Br. Er gebrauchte ver- schiedene Zettel, was darauf schließen läßt, daß er fleißig gearbeitet hat. Es muß daher auffallen, daß seine Geigen jetzt ziemlich selten vorkommen. Sie sind ent- weder einem raschen Verfall ausgesetzt gewesen oder aber von Händlern mit berühmteren Namen versehen worden. Geigenzettel : Abb. 612. Vanhese. — Gent. 1820 Seiner .Arbeit nach hat er in Mirecourt gelernt oder Mirecourter Schachteln verwendet. Eine Violine von ihm besaß C. C. Snoeck. Vannucchi, Nicolo. — Florenz. 1703 Sohn des Domenico V. Er war vorzugsweise Lauten- macher und scheint überhaupt keine Geigen gemacht zu haben. Va-ou-il-me-plait, Fran^ois. — Mirecourt. 1 789 Mit diesem etwas sonderbaren Namen findet sich in den Akten seines Heimatortes ein Bogenmacher ver- zeichnet. Varagnoli, Petruccio. — Venedig Italienischer Geigenmacher unserer Zeit. Varjü, Karl. — Budapest. 1888 Ursprünglich Tischler, später Cymbalmacher wie sein Bruder Stefan V., begründete ein Musikinstrumenten- geschäft und beschäftigte sich dann auch mit Bau und Reparatur von Geigen. 1888 verband er sich mit Stefan Horvath, der das Geschäft später allem fortsetzte. Varotti, Giovanni. — Bologna. 1786. 1815 Er scheint aus der ländlichen Umgebung (aus .Argile?) Bolognas zu stammen und aus keiner besseren Schule hervorgegangen zu sein. Seine älteren Geigen sind da- her auch mehr eigenartig als schön in der Form, klingen aber nicht schlecht und erreichen deshalb gute Preise. Im Laufe der Zeit vervollkommnete er sich aber, und es gibt Geigen von ihm, die noch höher bewertet werden. Eine schöne, goldgelb lackierte Violine von großem weittragenden Ton von ihm besitzt Eman. Ed. Homolka. Die Schnecke und die doppelte Einlage er- innert an die Schule von Brescia, die F-Löcher sind dagegen nach Andreas Guarneri geschnitten. Eine prächtig klingende Violine von 1792 besitzt Studien- rat Dr. Freund in Breslau. Geigenzettel: Abb. 814. 34* 532 Varquain — Vauchel Varqualn (Varquin). — Paris. 1742. 1751 Er wohnte an der Ecke der Rue deBussy und hat haupt- sächlich Leiern gemacht. Eine solche (Vielle) war im South Kens. Mus. 1872 ausgestellt, doch soll er auch Geigen verfertigt haben. Geigenzettel: Varquain, Carrefour de Busy Faubg St. Germain, Paris 1750 (geschrieben). Vasallo, Giov., ein Schüler von Grancino, lebte in Mailand Vasi, Marco. — Ravenna. 1830 Nur als Umarbeiter einer Baßviola da Gamba im Kölner Musikhistorischen Museum bekannt geworden. Vasväry, Istvän, lebte 1887 als Geigenmacher in Arad und f um 1894 Vauboam s. Voboam Vauchel, Jean Com. — Offenbach a. M., Mainz, Würzburg, Damm. Geb. 9. März 1 782 zu Offenbach a. M.^), f 1 0. Januar 1 856 in Damm bei Aschaffenburg Sein eigentlicher Name soll Vauchelle ") gewesen sem; er war der Sohn eines Franzosen, der als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen war und da sein Brot als Graveur zu verdienen suchte. Im Tauf- protokoll der ehemaligen deutsch-reformierten Kirchen- gemeinde Offenbach a. M. steht (1782, S. 280): "Im Jahre Christi Siebzehnhundert und zwemndachtzig. Nachts um 1 1 Uhr wurde dem Bijouterie-Arbeiter Joseph Vauchel, röm.-kath. von seiner Ehefrau Char- lotta Amalia geb. Schmidt, ein Sohn geboren und Sonn- tags den 10. März getauft, wobei er die Namen Johannes Cornelius erhielt. Gevatterinnen waren: 1. Johanna Vauchel, Grossmutter des Kindes, hinterlassene Wittwe des weiland Weinhändlers zu Paris, Pierre Vauchel, welche bei der Taufe durch Johann Hemrich Pruere, Sohn des verstorbenen Fabrikanten Peter Pruere und seiner Ehefrau Cornelia geb. Schmidt, vertreten wurde, und 2. die genannte Cornelia Pruere geb. Schmidt, Schwester der Mutter des Kindes.« Nach dem Aus- bruch der Revolution kehrte der Vater mit semer Fa- milie wieder nach Paris zurück, wo Jean V. das Geigen- machen erlernte und auch bei Tourte, mit dem er be- freundet war, arbeitete. Er scheint dann um 1809 allein nach Deutschland gegangen zu sein und zwar zunächst in seine Geburtsstadt, wo er sich niederließ, und, wie eine im Münchener Privatbesitz befindliche Violine durch ihre Inschrift beweist, Hofgeigenmacher des immer lustigen Königs Jfrome von Westfalen wurde. Wann er nach Würzburg kam, ließ sich nicht feststellen ; da er sich aber in einem Gesuch vom 7. April 1823, in dem er um eine neue Wohnung bittet, darauf beruft, daß er schon seit 12 Jahren Hofgeigenmacher sei, muß ^) Der Geburtstag wird auch in einem erhaltenen Briefe von der Großmutter des Geigenmachers so ange- geben. ^) Auch in den Würzburger Adreßbüchern wird Jean V. in den Jahren 1838 — 1841 Vauchelle genannt. er schon unter dem Großherzog Ferdinand (1806 bis 1814) nach Würzburg gekommen sem. Dieses Gesuch sowie der ganze handschriftliche Nachlaß Vauchels, der interessante Aufschlüsse über sein Leben gibt, befindet sich als treubehütetes Erbstück bei I. Reiter in Mitten- wald. Ob Vauchel vor seiner Niederlassung in Würz- burg in Mainz gearbeitet hat, wie behauptet wird, konnte ich nicht ermitteln. Der Vater blieb jedenfalls in Frankreich, denn in einem Schreiben Vauchels heißt es : "Mein Vater Joseph Maria Vauchel entflieht am 27. Dezember 1827.« Er scheint also zu den Feinden des Ministeriums Karls X. gehört zu haben und dürfte seinen Lebensabend bei seinem Sohne beschlossen haben. — Jean Vauchel, der es schnell zu Ansehen und wohlverdienter Anerkennung gebracht hatte, wohnte zuerst bei J. Röder, dann im Johannitergebäude, 1838 in der Teufelstorgasse bei Christoph Pfaff und dann seit 1841 in der Hofstraße im sog. Katzenwicker, wo jetzt ein Realgymnasium (»Maxschule«) steht. Als der Katzenwicker im Jahre 1853 abgebrochen wurde, ver- ließ Vauchel, der stets als sonderbarer Kauz geschildert wird, im Verdruß darüber Würzburg und zog nach dem Dorfe Schweinheiin bei Aschaffenburg. Dort ver- wendete er seine ganze freie Zeit auf die Taubenzucht. Als aber die Schweinheimer Burschen auf seine Tauben schössen, zog er nach Damm und wohnte dort zuerst in der jetzigen Haidstraße Nr. 8 und dann in der jetzigen Mühlstraße Nr. 61 (früher lit. A Nr. 7). In einem Nebengebäude richtete er sich eine Werkstatt ein, in der er mit seinem Gesellen I. Reiter aus Mittenwald, der auch in Schweinheim bei ihm war, fleißig arbeitete. Er vermied selbst mit den nächsten Nachbarn jeden Umgang und verkehrte nur hie und da mit einem Franzosen namens Regnier (oder Renier), der in der Dammer Porzellanfabrik in Stellung war. Auch mit seiner Tochter Katharina hatte er sich überworfen, als diese sich mit einem Musiker namens Kraft nach Stutt- gart verheiratete. Seine Frau scheint frühzeitig ge- storben zu sein; nach Damm brachte er eine Haus- hälterin (Babette Schneider) mit, die einen dreijährigen Sohn besaß, als dessen Vater Vauchel bezeichnet wurde. Personen, die sich des Meisters noch erinnern, schildern ihn als einen großen, hageren Mann, der, wenn er aus- ging, stets einen braunen Zylinder und einen bis tief unter die Knie reichenden, langen Rock trug. Er war sich seines Wertes v/ohlbewußt und ließ von dem Preise, den er für seine Geigen forderte, keinen Pfennig ab. Als ein Händler einst eine Geige bei ihm bestellte und nachträglich zu feilschen begann, ergriff der leicht zum Zorne gereizte Vauchel seine Arbeit und zerschlug sie in tausend Stücke. Seme Geigen wurden ihm gut bezahlt; Spohr und Paganinl schätzten ihn als einen der besten Geigenmacher der Welt, und er konnte be- haglich leben. In Damm umgab er sich mit allerlei Geflügel und hatte eine schön eingerichtete Wohnung, in der es mancherlei kostbare Altertümer u. dgl. zu sehen gab. — Seinem letzten Wunsche entsprechend wurde er nicht in Damm, sondern (am 13. Januar 1856) auf dem Friedhofe in Aschaffenburg begraben. Sechs Männer trugen ihn von Damm zum Kapuziner- oder Karlstor nach Aschaffenburg, und von dort begleiteten ihn drei Geistliche zu seiner letzten Ruhestätte. So an- gesehen Vauchel auch in Künstlerkreisen war, so lebendig sein Andenken in seinen Werken blieb, sein Vaiiltrin — Velvarsky 533 Grab wurde doch bald vergessen, und erst Herr Dr. Julius Krieg hat das Verdienst, die Stelle wieder er- mittelt zu haben. Im Beerdigungs- oder Lagerbuch für die Jahre 1836—1856 findet sich, daß »Vauschel, Johann, k. b. Hofgeigenmacher aus Würtzburg«, im Jahre 1 856 am 1 3. Januar im ältesten Teil des Aschaffen- burger Friedhofs beerdigt worden ist und zwar im 2. Quadrat 25. Reihe, 18. Grab. Der Grabstein war schon 25 Jahre nach Vauchels Tod bei der Neu- planierung beseitigt worden und in dem Grabe wurden 1882 ein Mann und bald darauf ein Kind beigesetzt, bei welcher Gelegenheit die Gebeine Vauchels jedoch nicht aus dem Grabe genommen wurden. Als Dr. J. Krieg er- fuhr, daß die Neuplanierung dieses Grabes wieder bevorstand, erwirkte er, daß man davon Abstand nahm. Der Magistrat stellte ihm einen großen Grabstein von einem alten Grabe zur Verfügung, auf dem er die In- schrift anbringen ließ: Hier ruht Jean Vauchel , emer der berühmtesten Geigenmacher der Welt. / Geb. 9. März 1782 zu Offenbach a. M., gest. 10. Januar 1856 in Damm, , begraben 13. Januar 1856 an dieser Stelle. Neu errichtet im Januar 1911 V.J.Krieg. So erhielt der treffliche Meister ein würdiges Denkmal; gleichzeitig hat Dr. Krieg erwirkt, daß das Grab in die Liste derjenigen aufgenommen wurde, die auch in Zu- kunft Neuplanierungen nicht unterworfen werden sollen. Herr Stöber in Würzburg besitzt eine Violine von iiim mit dem Zettel: J. Vauchel d'Offenbach fecit et / von J. Reiter, dessen Eleven aus Mittenwald a. Isar , vollendet in Damm bei Aschaffenburg , anno 1857. Bei der Ausbesserung dieser Violine kam ein zweiter Zettel an der oberen Zarge im Innern zum Vorschein mit dem Wortlaut: »J. Vauchel starb d. 1 1 . Januar 1856 in Damm bei Aschaffenburg, und ich, J. Reiter, dessen Eleve aus Mittenwald a. d. Isar machte seine Arbeiten vollends fertig anno 1856 — 1857 in Damm bei Aschaffenburg.« Auf der Rückseite liest man noch: »Er machte 48 Stück, wovon 4 Cello, 6 Violen, die übrigen Violinen sind.« Diese Angabe scheint sich lediglich auf den Nachlaß zu beziehen und unter »Er« ist wohl nicht Vauchel, sondern J. Reiter zu verstehen. — In seinen jungen Jahren nahm er das Holz manch- mal zu dünn und machte Versuche mit einer allzu- flachen Wölbung. Er fand aber bald den richtigen Weg und erhob sich zu echter Meisterschaft. Es wäre wert- voll, die Besitzer aller Arbeiten Vauchels zu kennen, denn er war ein Meister, wie wenige seiner Zeit- genossen, kurz, eine echte Künstlernatur, bei der Wollen und Können sich die Wage hielt. Er arbeitete mit tadelloser Sorgfalt und besaß feines Empfinden und wertvolle Kenntnisse der akustischen Gesetze. Der Ton seiner Geigen kommt in der Tat dem echter italie- nischer sehr nahe. Sein Schüler I. B. Reiter erwarb von den Erben Vauchels Werkzeuge und viele persönliche .Andenken an den von ihm über alles geschätzten Meister. Geigenzettel: Jean Vauchel d'Offenbach , fecit 1851 (gedruckt). Vaultrln (Vautrin) s. Valtnn Vecchi, Orazio. — Modena. 1880 Er stammte aus Scandiano und hat verschiedene Bässe von kleinem Patron gemacht. Vedral, Josef. — Haag. 1908 Geigenmacher der Gegenwart. Veichtner, Johann Georg. — Regensburg. 1 760 Ein braver Meister, der, ohne Hervorragendes zu leisten, bei seinen Instrumenten eine geschickte Hand verrät. Er ist wahrscheinlich identisch mit dem an- geblich schon 1603 vorkommenden Johann Beichtner. Geigenzettel : Johann Georg Veichtner, ' Lauten- und Geigenmacher in Regenspurg, Anno 1760 (gedruckt). Veinar, Anton. — Hoiovlc, Wien. 1856. 1860 Er kam 1860 aus Hof ovic nach Wien, scheint aber sehr bald gestorben zu sein. Arbeiten von ihm kommen fast gar nicht vor. Geigenzettel : Anton Veinar fecit Viennae Anno 1860 (gedruckt). — Anton Weinar ' Geigen & Guitare- macher Wien / Wieden Preßgasse No. 4 (gedruckt). Veinar, Franz. — Hoiovic, Kiew, Moskau Sohn von Ant. V. Er ist auch Musiker, lebte 1873 bis 1875 in Ho'" ovic und jetzt in Moskau. Geigenzettel : Frant. Veinar / 18 B, 10 73 (geschrieben). Veith, Alois. — Glatz. Geb. um 1803 zu Köchendorf, f nach 1835 Er erlangte als Instrumentenmacher am 15. September 1 827 das Bürgerrecht in Glatz und besaß dort das Haus Nr. 81. Velondio. — Athen. 1867 Griechischer Mandolinen- und Gitarrenmacher. Veltcm, Jacobus van. — ? Ein belgischer Meister des 18. Jahrhunderts, der u. a. eine Taschengeige, deren Form an die französische gigue des Mittelalters erinnert, gemacht hat, die sich jetzt in der Sammlung des Konservatoriums in Brüssel (Nr. 232) befindet. Velvarsky von V«^tsin, Heinrich Felix (böh- misch: lindiich Stästny). — Kutnä Hora- Kuttenberg. 1620. f 28. März 1624 Er gehörte einer um die Mitte des 16. Jahrhunderts in den böhmischen Adelstand erhobenen Familie an, die sich in die Zweige Velvarsky und Kourzlmsky von Wietschin (böhmisch: z Vttsina) teilte. Dem Namen nach .scheint er aus Welwarn zu stammen und war Musiker und Lautenmacher. Er war vermögend und ur- sprünglich Protestant, trat aber zur Zeit der Gegen- reformation zum Katholizismus über, was ihm inso- ferne einen Vorteil brachte, als ihn der Oberstmünz- meister Wilhelm von Wreschowitz am 9. Mai 1622 zum ersten Schöffen erwählte. Sein Zeitgenosse, der böhmische Chronist Nicolas Dai'icky von Heslova, schreibt (1622) darüber: »Und es wurde zum ersten Schöffen ein gewisser Heinrich Welwarsky, welcher sich erst unlängst in Kuttenberg ansässig machte und früher ein Geigenmusiker war. Dadurch wurde das Amt herabgesetzt.« (!) — Er starb am Donnerstag Abend des 28. März 1624, wurde in der St. Barbara- 534 V, enere Ve Kirche in Kuttenberg begraben und hinterließ eine Witwe namens Johanna, wahrscheinlich aber keine Kinder. Da er ausdrücklich als Geiger bezeichnet wird, dürfte er auch Geigen gemacht haben. Eine gute Laute von ihm besitzt Bohuslav Lantner in Prag. Geigenzettel: Iindiich Velwarsky z Vt'tsina Mus. Instrumental' 1620 , na Horäch Kutnych (gedruckt). Venere, Vendelio s. Tieffenbrucker Veneziano s. Alessandro Venios, Em., ein Saiteninstrumentenmacher, der in Konstantinopel lebt Ventapane (Ventupane), Lorenzo. — Neapel. 1809. 1828 Er arbeitete oft recht gut im Stil der Gagliani und ahmte das Stradivarimodell nach, doch nahm er die Brust gerne breiter. Das Holz ist gewöhnlich schön, der Lack orangegelb, aber häufig nachgedunkelt. Der Ton seiner Geigen ist groß, wenn auch nicht weich genug. Auch seine Violoncelli sind gut. Seine Arbeiten stehen jetzt ziemlich hoch im Preise. Im Jahre 1828 wohnte ei in der Strada Donnaregina Nr. 2. Auch ein Gius. V. kommt vor. Geigenzettel : Lorenzo Ventapane Fabbricante di Strumenti armonici Strada Donnaregina No 33 Napoli 1809 (gedruckt). Ventapane, Pasquale. — Neapel. 18. Jahr- hundert Vielleicht der Vater oder Bruder Vincenzo V.s, dem er in der Arbeit nahekommt. Er scheint vorzugsweise Violoncelli gemacht zu haben. Ventapane, Vincenzo. — Neapel. 1750. 1799 Gute Gaglianoschule. Er ahmt das Stradivarimodell (mittlere Größe) nach und hat einen gelben oder gelb- braunen Lack. Der Ton ist gut. In manchen Arbeiten erinnert er an Tomaso Eberle. Ventura, Annibale. — Viadana. 1740 Vielleicht ein Sohn oder Enkel von Giovanni V. Wenn er auch sorgfältiger arbeitete als dieser, so gehört er doch nur zu den Geigenmachern dritten Ranges. Er soll auch in Mailand gearbeitet haben. Ventura, Giovanni. — Parma (?). 1622 Angeblich stammte er aus Viadana. Bisher sind nur rohe Arbeiten seiner Hand bekannt geworden. Venturi, Leonello (Lenelli) In einigen Geigen, die an sich nicht schlecht sind, im günstigsten Falle aber vom Ende des 18. Jahrhunderts stammen, findet sich der gedruckte Zettel: Lenelli Venturi fecit Venetiis An. 15 . . Der Zettel ist eine plumpe Fälschung; selbstverständlich ist Ventura Linarolo damit gemeint. Venzi, Andrea. — Florenz. 1636 Er wird als Sohn eines Simone V. bezeichnet und als Geigenmacher von Vidal erwähnt. Verbeek, Gisbert. — Amsterdam. 1671 Eine Geige von ihm führt das Verzeichnis der 1759 im Haag versteigerten Selhofschen Sammlung auf. Verbrugghe. — Ostende C. C. Snoeck besaß eine Viola von ihm. Verbruggen, Theodor. — Antwerpen. 1641 Lautenmacher und Musiker. Er hat 1641 einen Baß für den Kirchenchor angefertigt. Verini, Andrea. — Modena (?). 1884 Wahrscheinlich Sohn Serafino V.s. .Auch er beschäf- tigte sich mit dem Geigenmachen. Verini, Serafino. — Arceto, Cascogno (Mo- dena). Geb. 1799, t 1868 zu Montebonello bei Frignano Sohn des Bcrnardino V. Ein tüchtiger Feldmesser, der sich als Dilettant auf den Bau von Geigen und Bässen verlegte, ohne es dann sonderlich weit zu bringen. Bessere Erfolge hatte er — als Bienenzüchter. Verle, Franz. — Padua. Um 1590—1600 Wahrscheinlich ein Tiroler oder Schwabe; vgl. Werle, Wöhrl, auch Vörle. Geigenzettel : In Padova Francesco Verle (gedruckt). Vermare (Vermarre) lebt als »Luthier« in Lyon Vermesch (Vermersch), Pater. — Beaumont s.Oise. 1781. 1812 Ein Minontenmönch. der ohne besondere Kenntnisse Geigen von sehr hoher Wölbung und schlechten Ver- hältnissen machte. Ebenso mangelhaft wie seine Arbeit ist auch sein trüber Lack. Geigenzettel : Fait par le P. Vermesch rel. minime ä Beaumont-sur-Oise / 1781 (gedruckt). Vernon. — London. 1823 Ein Neffe von John Betts, in dessen Geschäft er als Ladendiener half. Nach dem Tode seines Oheims er- öffnete er 1823 ein eigenes Geschäft, und es gibt Geigen, die seinen Namen tragen. Er hat aber nie in seinem Leben eine Geige selbst gemacht noch je eine solche repariert. Verny (Vernier) s. Verpy Veron, Antolne. — Paris. 1720. 1750 Seme Geigen kommen denen von Pierray manchmal nahe. Eine fünfsaitige Viola von ihm befindet sich im Museum des Pariser Konservatoriums (Nr. 139). Geigenzettel: Abb. 813. Veron (Verron), Pierre- Andre. — Paris, 1711. 1750 Seme Geigen verraten zwar das Bestreben, italienische Vorbilder nachzuahmen, docli geschieht dies ohne Sorgfalt und ohne Erfolg. Trotzdem soll er seinerzeit ein gewisses Ansehen besessen haben. Verona — VieKveib 535 Verona, Pietro. — Corregglo. 1606 Ein Geigenmacher, den ich bisher nur bei Valdnghi (4459) erwähnt gefunden habe. Veronesi, Camillo. — Bologna Musikinstrumentenmacher des 19. Jahrhunderts. Verpy, Jean-Baptiste. — Mirecourt. 1767. 1789 Ein Geigen- und Bogenmacher, den A. Jacquot erwähnt, der aber wahrscheinHch richtig Verny (Vernier) hieß. Verpy. — Blois. 1801 Vielleicht mit dem Vorigen identisch. Er ist übrigens nur als Reparateur bekannt. Verzella, Francesco. — Konstantinopel. 1890 Ein Neapolitaner, der sich in Konstantinopel nieder- ließ und dort Gitarren und Mandolinen herstellte, aber hauptsächlich Händler war. Vetorazzo (Vettorazzo), Giovanni. — Vicenza. 1793 Eine ihm zugeschriebene Baßgeige zeigte gutes Holz und leidlich saubere .Arbeit: bekannter ist er als Harfenbauer. Näheres über ihn war nicht zu erfahren. Vetrlni (Vettrinl), Battista. — Brescla. 1629. 1630 Einer der besseren, wenn auch weniger bekannten Meister der Brescianer Schule. Er bevorzugte ein ziem- lich kleines Modell, verarbeitete schönes Holz und einen guten, gelben Lack. Vetter, Georg. — Straßburg. 1672 Vermutlich der Vater oder wahrscheinlicher Großvater von Joh. Chr. I.V. Das Musikwissenschaftliche Semi- nar der Universität Freiburg i. Br. besitzt eine Viola di Gamba von ihm. Auf seinem Zettel übersetzt er, wie später öfter auch Joh. Chr. I. V. seinen Namen ins Französische. Geigenzettel : George Cousin ä Straßbourg Georg Vetter in Straßburg 1672 (gedruckt). Vetter, Johann Christoph I. — Straßburg i. E. Geb. um 1693, t 3. März 1761 Er war ein tüchtiger Lauten- und Geigenmacher und wurde 1722 in die Zunft aufgenommen. Ein von ihm reparierter Kontrabaß befindet sich aus der Sammlung Snoeck in Berlin. .Auf seinen Zetteln übersetzte er ge- legentlich Tauf- und Familiennamen in »Jean Chri- stophe Cousin« und verwendete zweisprachige Zettel. Geigenzettel : Jean Christophe Vetter / Strasbourg 1 744 (gedruckt). Vetter, Johann Christoph II. — Straßburg i. E. Geb. um 1738, t 3. Juni 1761 Sohn und Schüler von Joh. Christ. I V. Er soll recht talentvoll gewesen sein ; da er aber schon mit 23 Jahren an der Schwindsucht ein Vierteljahr nach dem Tode seines Vaters starb, hatte er keine Gelegenheit, sich als selbständiger Meister zu betätigen. Vezzelli (Verzeih), Pietro. — Bologna. 1888 Ein Blasinstrumentenmacher, der auch mit Geigen ge- handelt haben soll. Vian, Giovanni Battista. — 1868 Eine Zither von ihm besitzt das Ferdinandeum in Innsbruck. Viard, Jean Claude. — Mirecourt. 1741 Vielleicht der Vater von Nicolas V. Viard. Nicolas. — Versailles. 1760. 1790 Wenig bedeutender französischer Geigenmacher aus der zweiten Hälfte des 18, Jahrhunderts. Seinen Zettel teih Vidal mit. Geigenzettel: Fait par Nicolas Viard, ä Versailles 1 790 (gedruckt). Vibert,J.B. — Paris. 1775. 1783 Er wohnte Rue de Seine und wird als »Luthier« be- zeichnet. Ich kenne jedoch nur Sackpfeifen von ihm. Vlbrecht (Wiebrecht), Gysbert. — Amster- dam. 1700. 1710 Vidal u. a. zählen einen Geigenmacher dieses Namens auf. — Sollte hier nicht eine Verwechslung mit dem schon 1671 vorkommenden Gisbert Verbeek vorliegen ? Vicenzo (Vicentius). — Prato. 1610. 1612 Es soll Lauten mit seinem Namen geben: mir sind nur cymbalartige Instrumente von ihm bekannt geworden Vichtelt s. Fichtold Vidudez, Alfred. — Genf Neuerer schweizer Geigenmacher. Viedenhofer (Wiedenhofer), Bernhard. — Pesth (Budapest). 1790. 1812 Schüler von Andr. Hueber: er gehört zu den besseren ungarischen Geigenmachern und kommt Leeb sehr nahe. Seine Arbeit ist sehr genau und das Holz gut; das Modell geht auf italienische Meister zurück. Em Münchener Hofmusiker besaß zwei Violinen von ihm, die beide nach Maggini gebaut waren. Eine ähnliche wurde im Dezember 1907 bei Puttick und Simpson in London versteigert. Sein Lack ist sehr dunkel und oft rissig. Geigenzettel: Bernaid Viedenhofer in Pesth 1791 (gedruckt). Vieira, Augusto. — Lissabon. 1896 Portugiesischer Gitarren- und Mandolinenmacher vom Ende des 19. Jahrhunderts. Vieira da Silva, Joann. — Lissabon. 1700 Von ihm ist mir nur eine mit Elfenbein und Schildpatt eingelegte Zither bekannt geworden. Vielweib, Alois. — Burghausen. Geb. um 1 756 in Ried, f 8. Januar 1 82 1 in Burghausen Er war der Sohn eines Kunstschleifers und selbst seines Zeichens Schleifer und Stadtmusikant ; auch zwei von 536 Viertel — Vi seinen Söhnen, die ihn (von ]0 Kindern) überlebten, waren Kunstschleifer. Er machte also nur als Dilettant Geigen, wenn er sich auch »Geigenmacher« nannte. Seine Arbeit erinnert an Mittenwalder Vorbilder; er war nicht ungeschickt, wenn man ihm auch die unge- schulte Hand ansah. Geigenzettel : Alois Vielweib, Stadtmusikant / und Geigenmacher in Burghausen 1804 (gedruckt). Geb. 1865 in Aachen. Viertel, Holm. Zwickau Mit vier Jahren verwaist, kam er zu dem Gitarren- macher Gütter nach Markneukirchen. Durch Moritz G., den einzigen Sohn seines Pflegevaters, wurde in ihm die Lust erweckt, Geigenmacher zu werden; er trat bei Reinhold Paulus (jetzt in Firma Weichold) in die Lehre, ging 1884 nach Dresden und im selben Jahre noch zu A. Riechers nach Berlin, bei dem er drei Jahre lang blieb. 1888 machte er sich In Markneukirchen selbständig, siedelte aber im August 1896 nach Aachen über, wo seit dem Tode Darches kein Geigenmacher mehr ansässig war. Er ist ein tüchtiger Künstler; bei seinen neuen Geigen kopiert er Stradivari und wendet den Riechers sehen Lack (Spirituslack mit etwas Ter- pentinöl) an. Den Baßbalken setzt er erst nach dem Lackieren ein, wodurch er den Ton der neuen Geigen zu veredeln sucht. Er gilt als ein talentvoller Schüler von Riechers und zeichnet sich durch tadellos saubere Arbeit aus. Geigenzettel: Holm Viertel .Aachen- Anno 19 (gedr.). Viganzio, Lodovico. — Rom. 1623 Ein nur von Valdrighi (3913) erwähnter Lautenmacher. Vignali, Giuseppe. — Veruchio. 191 1 Strebsamer italienischer Geigenmacher der Gegenwart. Vigneron, Joseph-Arthur. — Paris. Geb. 1851 in Mirecourt Trefflicher Bogenmacher, Schüler von Charles Husson. Im Jahre 1880 ging er nach Paris zu Gand & Bernardel, wo er acht Jahre lang blieb, worauf ersieh in der Rue de Clery selbständig machte. Seine Bogen sind sehr schön gearbeitet und tragen die Marke *A. Vigneron' ä Paris. Vigoni, A. — Pavia Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. Villano d'Ascoli s. Odoardi Villars, Paul. — Paris. 1741. f vor 1776 Schüler von Gh. Bizey. Er wohnte 1 769 Rue des Fosses- St.-Germain-des-Pres und war Holzblasinstrumenten- macher. Ob die Geigen, die jetzt im Handel mit seinem Namen vorkommen, echt sind, erscheint mir sehr frag- lich. Wahrscheinlich verwechselt man ihn mit Theo- phile Villars. Villars, Theophile. — Cusset (AUier). 1865. t 1880 Seines Zeichens ein Buchdrucker, der von seinem Oheim Montgilbert in der Geigenmacherei unterrichtet wurde und wie dieser als Dilettant Geigen machte. Villaume et Giron. — Troyes. 1791 Teilhaber dieser Firma waren (nach Kinskys Ermitt- lungen) Alexis Villaume und Claude Giron. .Alexis Villaume wurde 1766 in Mirecourt geboren und starb am 31 . Dezember 1842 in Troyes. Er arbeitete 1 788 mit Giron als Gehilfe bei Claude Aubert, machte sich 1789 selbständig und erwarb mit Giron im Jahre 1791 Auberts Werkstatt, die beide unter ihrer neuen Firma fortführten. Wie lange sie gemeinsam arbeiteten, läßt sich schwer nachweisen, da die Zettel meistens fingierte Jahreszahlen von 1710 an aufweisen. Mit einer Jahres- zahl nach 1800 ist mir keine Arbeit von ihnen vorge- kommen. Ihre Geigen sind übrigens nicht schlecht, auch ihre Gitarren klingen gut. Sie handelten mit aller- lei Musikinstrumenten und hatten auch eine Saiten- macherei. Geigenzettel: .Abb. 810. Vimercati, Gaspare. — Mailand. 1790 Es gibt nur wenige Geigen, die seinen Zettel tragen, und bei diesen wenigen erscheint es noch fraglich, ob sie Arbeiten seiner Hand sind. Dagegen war er ein ge- schickter Lautenmacher und trefflicher Mandolinen- spieler. Eine gute Mandoline von ihm besitzt A. Gautier in Nizza. Geigenzettel : Gaspare Vimercati / nella contrada della Dogana di Milano, all segno ' della Luna (gedruckt). Vimercati, Paolo. — Venedig. 1660. 1710 Sohn des Pietro V. Lernte bei Giovanni Tononi in Venedig, den er jedoch übertraf. Er arbeitete nach Ant. und Hier. Amatis kleinem Modell und verwendete gelben Lack. Auch Brescianer Vorbilder ahmte er nach. Geigenzettel : Paolo Vimercati / fece in Venezia A. 17... (gedruckt). Vimercati, Pietro. — Venedig. 1640. 1660 Nach den ihm zugeschriebenen Geigen schloß er sich der Brescianer Bauweise an, ohne seine Vorbilder voll- kommen zu erreichen. Besser gelang ihm dies bei seinen Nachahmungen Amatis. Angeblich hat Jakob Stainer bei ihm gearbeitet, wofür indessen jeder Beweis fehlt. Vinaccia, Antonio I. — Neapel. 1734. 1781 Er wird als der Stammvater der heute noch blühenden Familie betrachtet, ist aber vielleicht ein Sohn von Nicolo V. und kann als ein Nachahmer von Gagliano gelten. Er machte jedoch nur wenige Streichinstrumente und verlegte sich frühzeitig auf die Herstellung von Mandohnen, worin er es zu hoher Vollkommenheit brachte. Im Museo Spagnuolo in Neapel (Palazzo degli Studi) sind Arbeiten von ihm. die er für Carl 111. von Bourbon anfertigte, erhalten, die seine Geschicklichkeit glänzend erweisen. Gennaro und Gaetano waren seine Söhne. Geigenzettel : Antonius Vinaccia fecit Neap. , In via Constantii 1734. / (1764 Strada Rua Catalana.) (gedr.). Vinaccia, Antonio II. — Neapel. 1763. 1798 Sohn von Januarius V (Gennaro). Auch er kopierte Gagliano und verwendete schönes Holz und gelb- braunen Lack. Häufiger als seine Geigen kommen seine Vinaccia — Vincent 537 reicheingelegten Mandolinen usw. vor. In seiner letzten Zeit scheint er in die Via Constantii gezogen zu sein. Eine Mandoline von ihm aus Palisander- und Ebenholz usw. besitzt das Nordböhm. Gewerbemuseum in Reichenberg. Geigenzettel : Antonius Vinaccia Hllus Januarii feclt Neapoli / alla Strada, Rua Catalana 1 763 (gedruckt) und Abb. 811. Vinaccia, Domenico. — Neapel. 1780 Gleichfalls nur als Mandolinenmacher bekannt. Vinaccia, Gaetano. — Neapel. 1779. 1800 Sohn von Antonio I V. Er wohnte in der Strada Rua Catalana Nr. 85 wohl mit seinem Bruder zusammen in der väterlichen Werkstatt und ist hauptsächlich Gi- tarren- und Mandolinenmacher gewesen. Geigen von ihm sind mir nie vorgekommen. Geschickt wie alle Mitglieder seiner Familie. Geigenzettel: Gaietanus Vinaccia fecit / napoli 1795. Nella Rua Catalana (gedruckt). — Gaietanus Vinaccia Neapoli feclt Strada Rua , Catalana No 85 anno 1 779 (gedruckO und Abb. 802. Vinaccia, Gennaro. — Neapel. 1755. 1778 Sohn von Antonio I V. Von den Mitgliedern der Familie Vinaccia ist er es, der neben schönen Man- dolinen, die am häufigsten vorkommen, auch zahlreiche und gute Geigen gemacht hat. Er arbeitete in der Art der Gagliani, hatte ein schönes Modell von mittlerer Größe und dunkelgelben oder braunen Lack. Daß er sich als Geigenmacher betrachtet wissen wollte, geht schon daraus hervor, daß er '>sub slgno Cremonae« arbeitete. Mandolinen von ihm sind in verschiedenen Sammlungen zu finden, so in W. Heyers Musikhisto- rischem Museum in Köln. Seine Geigen werden jetzt durchwegs recht gut bewertet. Er wohnte, wie sein Bruder, Strada Rua Catalana, wo auch der Vater ge- wohnt hatte. Geigenzettel: Januarius Vinaccia fecit Napoli / sub Slgno Cremonae anno Domini 1757 (gedruckt). Vinaccia, Giovanni. — Neapel. 1767. 1777 Sohn von Gennaro und wie dieser hauptsächlich Man- dolinen- und Lautenmacher. Auf seinen gedruckten Zetteln, auf denen für die Jahreszahl die Ziffern 176 vorgedruckt sind, erscheint sein Name mit o am Schlüsse. Er verwendete diese für die sechziger Jahre des 18. Jahrhunderts bestimmten Zettel auch in den siebziger Jahren noch lange.^wie die im Städtischen Museum in Braunschweig (Nr. 54) aufbewahrte Man- doline beweist, wo über die Zahl 6 die Jahreszahl 77 mit der Hand geschrieben erscheint. Es gibt auch Zettel, auf denen er sich »Vinaccio« oder »Joannes Vinaces« schreibt, so in einer Mandoline von 1773 in der Samm- lung Rob. Leibbrand in Berlin und in einer reizend ge- arbeiteten Pandurlna in der Sammlung Fritz Wildhagen in Haiensee. Geigenzettel: Joannes Vinaccio Filius Januarii fecit ; Neapoli alla strada della Rua Catalana .'X.DI 777 (ge- druckt). Vinaccia, Nicolo. — Neapel. 1715(?) Die Jahreszahl auf seinem Zettel, der sich m einer Mandure im Germanischen Nationalmuseum in Nürn- berg befindet, Ist schwer leserlich. Der Arbelt nach wäre 1715 sehr wahrscheinlich; in diesem Falle dürfte er als der Stammvater der Familie gelten. Geigenzettel : Nicolaus Vinaccia fecit / Neapoli m Rua Catalana 17(15)? 17(75)? (gedruckt). Vinaccia, Mariano. — Neapel. 1796 Sohn von Antonio V. Hauptsächlich Mandolinen- macher. Eine Arbeit von ihm befindet sich im Museum des Konservatoriums in Brüssel (Nr. 250). Geigenzettel: Marianus Vinaccia qu. Antonii / fecit anno 1796 in via Costantll no 18 Neapoli (gedruckt). Vinaccia, Pasquale. — Neapel. Geb. 20. Juni 1806, t zwischen 1881 und 1885 Sohn von Gaetano V. Ein tüchtiger Mandolinenmacher, der besonders als Erfinder der Stahlsaiten, die die früher gebräuchlichen Darm- und Messingsaiten der Mandoline fast ganz verdrängten, bekannt ist. Er galt als der beste, heute noch nicht übertroffene Mando- linenmacher seiner Zeit, besaß viele Medaillen und war Hoflieferant usw. Eine Lyragitarre von ihm besitzt C. Claudius in Kopenhagen. Vinaccia, Vincenzo. — Neapel. 1769. 1785 (1800) Er bezeichnet sich als Sohn von Gennaro und wohnte Calata de l'Ospedaletto Nr. 20. Seine Geigen sind nach Joseph Guarnerius gemacht. Seine Mandolinen und Gitarren zeichnen sich durch schöne Schildpatt-, Elfenbein- und Perlmuttereinlagen aus. Geigenzettel: Vlncentlus Vinaccio fecit Neapoli, / Sito Nelfa Calata de Spitaletto AD 1785. (gedruckt). — Vlncentlus Vinaccia , filius Januarii ,/ fecit Neapoli alla rua Catalana ,' A. D. 1 775 (gedruckt). Vinaccia, Fratelll, Gennaro e AchiUe (fu Pas- quale). — Neapel. (Strada S. Maria la Nova 25.) Sehr angesehene Mandollnenfabnk, die auch einen regen Handel ins Ausland betreibt, und Vinaccia, Giuseppe. — Neapel. (Via Man- cinelli 45) Mandolinenmacher, sind die jetzigen Vertreter der Familie. Vinahlek s. Wmahlek Vinatte, Andre. — Lyon. 1568. f 1572 Er war »faiseur de vloles" und wurde als Protestant in der Bartholomäusnacht ermordet. Vgl. Coutagne, Duiffopruggar. Vincent. — Mirecourt Eine Geigenmacherfamille, von der Claude V. von 1770—1788, Jean V. schon 1753 und Pierre-Nicolas V. von 1733 — 1770 genannt werden. 538 Vincent — Virchi Vincent, Dionisius. — Paris. 1752 Wahrscheinlich aus Mirecourt stammend. Es gibt Geigen und Lauten von ihm, die ihn jedoch auch unter seinen Pariser Zeitgenossen nur als Meister dritten Ranges erscheinen lassen. Vincentl, M. — Florenz. Erste Hälfte des 19. Jahrhunderts Em Geigenmacher, der als Erfinder einer Geige, die 18 Saiten hatte und mit zwei Bogen gespielt werden mußte, bekannt wurde. Er wollte mit diesem sonder- baren Instrumente, das er »Violon-General« nannte, die Klangwirkung der Violine, der Viola, des Violon- cells und des Basses gleichzeitig erzielen. Vincentinus, Don Ascensio. — Madrid. 1775. 1790. S. Ascensio Geigenzettel : Vincentinus, Ascensio. Presb. / Matti. anno Domini 1775 (gedruckt). Vincenzi, Luigi. — Carpi. Geb. in San Gio- vanni Concordiese 1775, f nach 1818 Er hat nur wenige Geigen, dagegen verschiedene Bässe gemacht. Seine Arbeit ist gut, der Lack bernsteinfarbig und der Ton nicht schlecht. Es kommen übrigens Geigen mit seinem Namen — namentlich in England — im Handel vor, mit Jahreszahlen, die weit vor seiner Geburt liegen und sich schon dadurch als Fälschungen erweisen. Geigenzettel: Aloysius Vincenzi Carpensis 1811 (ge- druckt). Vincolini (Fincolini ?), Giovanni Battista. 1 777 Unbekannter italienischer Geigenmacher des 18. Jahr- hunderts, von dem mir nur der im Namen nicht einmal sicher lesbare Zettel vorlag : Fece Gio : Batt" Vincolini nel 1777 (gedruckt). Violcete? (Violcetra, Violente), G. Giov. Casp. — Cremona. 1685 Ein sehr zweifelhafter Name, der mir auf geschriebenen und gedruckten Zetteln vorgekommen ist. Die Geigen erinnern mehr an Brescianer als an Cremoneser Ar- beiten. Vielleicht ist in »Casp.<' der eigentliche abge- kürzte Familienname zu suchen. Jul. Heinr. Zimmer- mann in St. Petersburg besitzt eine Violine mit dem Zettel: G. Giov. Casp Violcete Cremonen. Ann. 1655 (gedruckt). Violi s. Bertolotti Vionllo s. Fiorillo Virchi, Battista di. — Brescia. Geb. 1521, fnach 1588 Bruder von Girolamo di V. Bisher ist nur eine Intarsia- arbeit von ihm mit der Unterschrift »Batista Virchi Brissiano — 1 553" in San Francesco in Brescia bekannt ; es ist aber wahrscheinlich, daß er, wie seine Brüder, auch Bildschnitzer und Lautenmacher war, und die Vermutung, daß er der Verfertiger der Taschengeige mit der Bezeichnung Baptista Bressano (s. d.) ist, hat die größte Wahrscheinlichkeit für sich. Wie sich Giro- lamo lateinisch »Hieronymus Brixiensis« bezeichnete, könnte Battista sich italienisch »Baptista Bressano« ge- nannt haben. Es scheint ihm übrigens nicht besonders gut gegangen zu sein und zuletzt verlegte er sich auf das Schnitzen von Holzschuhen. Virchi, Benedetto di. — Brescia. Geb. um 1520, lebte noch 1568 Sohn des Bernardino und Bruder Gerolamos. Nach seiner Steuererklärung von 1568 war er Lautenmacher (citeraro), wie sein Bruder, außerdem aber auch Bild- schnitzer und »Intarsiator", und eine Dornenkrönung in Intarsiaarbeit in San Francesco zu Brescia trägt noch jetzt (nach G. Livi) die Inschrift : Benedictus de Virchis me fecit 1548. — Sein Sohn Bernardino wurde ein trefflicher Orgelbauer. Virchi (Virghi, lat. di Virchis, Virchinus, Virga usw.), Gerolamo di. — Brescia. Geb. um 1523, lebte noch 1573 Sohn des Maestro Bernardino di V. In seiner Steuer- erklärung von 1563 nennt er sich selbst »Maestro de instrumenti de Musica«, in der von 1568 »citeraro«. Er war der Freund und vielleicht der Lehrer Gasparo da Salos, dem er am 23. März 1 565 den erstgeborenen Sohn Francesco aus der Taufe hob. Auch im Taufbuche wird er »Hyeronimus de Virchis« genannt, und doch glaube ich, daß sein eigentlicher Familienname Geraldi war, wenn ich dafür auch nur eine Tatsache als Grund angeben kann. Im alten Inventar der Ambrasersamm- lung von 1596 wird bereits eine noch vorhandene Zitherlaute ^) aufgeführt: »Ain Ziter, am Kragen die Lucretia Romana geschnitten ... 12 Metallsaiten, wo- von je zwei dicht nebeneinander gezogen sind. Alles mit schöner Schnitzarbeit verziert, zum Theil gemalt und vergoldet . . . Am Griffblatte der Name Hieronimus Brixiensis. Auf der Rückseite das tyrolische und erz- herzogliche Wappen.« -) An anderer Stelle wird dann ) Diese sechschönge Zither trägt die Inventarnummer 4059 und ist das berühmteste Stück der Sammlung. Sie ist aus Palisanderholz, hat einen goldbraunen Bernsteinlack und ein durchbrochenes, bemaltes und vergoldetes Schall- loch. Am Ansatz des Griffbrettes nackte weibliche Figür- chen, Mascarons und Ornamente. Auf der Rückseite das Wappen des Erzherzogs Ferdinand von Tirol. Der Kragen ist nach rückwärts in eine langnasige Fratze geschnitten, das vordere Ende bildet das Brustbild der sich tötenden Lucrezia, mit Perlenohrgehängen. Auf dem Griffbrett die eingebrannte Marke: in einem Kreis ein geteiltes Wappen, oben ein Adler (?), unten drei schwarze Rechtschrägen, ringsherum als Legende :»Hieroni(mus) Brixiensis. «Rechts und links vom Wappen I V (vielleicht Jerolamo Virchi?). Länge 735 mm. — Die hier beschriebene Zither sieht einem gleichen Instrument von G. P. Maggini im Museo Modena sehr ähnlich. -) Das auf Bestellung des Erzherzogs gemalte Tiroler Wappen auf dem Boden der Lautenzither ist schuld, daß F. Trautmann und andere die Bezeichnung »Brixiensis« mit »aus Brixen (in Tirol)« deuten zu müssen glaubten; komisch aber wirkt es, wenn Miß Stainer die Ortsangabe »Bresa« (im Deutsch des 16. Jahrhunderts »Pressa«) mit »Bresa in Silesia« deutet und dabei wohl an Breslau denkt. Virchi - Vivenet 539 berichtet, wo oder bei wem die Instrumente gekauft sind. Unter den wenigen angegebenen Namen fmdet sich ein Hieronymus Geraldi. Im ganzen 16. Jahr- hundert gab es aber m Brescia außer Hieronymus de Virchis keinen zweiten Lautenmacher mit diesem Tauf- namen. Es liegt daher gewiß nahe, Hieronymus Brixiensis, Geraldi und di Virchi für ein und dieselbe Person zu halten. Vidal teilt den Zettel: Hieronimo di vir in Bresa mit; auch das Instrument, aus dem dieser Zettel stammt, muß eine Arbeit Gerolamo di Virchis gewesen sein. — G. Livi konnte feststellen, daß ver- schiedene Mitglieder der Familie Virchi vor und nach Gerolamo auch den Beinamen Targhetta geführt haben. Von Gerolamo seilest liegt jedoch dafür kein Beleg vor. Virchi, Giovanni Paolo, gen. Targhetta. — Brescia, Ferrara, Mantua. Geb. 1552. 1612 Sohn von Gerolamo V. und vielleicht der Pate Magginis. Er wurde als trefflicher Lautenspieler, Organist und Komponist von Madrigalen bekannt, stand nachein- ander in Diensten der Höfe von Ferrara und Mantua und soll wie sein Vater vorzügliche Lauten gemacht haben, wenigstens sagt Ottavio Rossi in seinem 1620 erschienenen Buch über die berühmten Brescianer von ihm : >>Non fu mai toccata la cetra con maggiore dolcezza quanto fu dal nostro Targhetta, che con Celeste armonia le dava spirito, voce ed effetto angelicamente umano. Ma non tanto era citaredo perfetto, quanto perfettissimo artefice di questo strumento." Vgl. auch Fenaroli, Dizionano degli Artisti Bresciani, wo nur nach Cozando berichtet wird und von dem Mantuaner Aufenthalt G. P. dl Virchi-Targhettas nicht einmal die Rede ist. Vielleicht kann man in dem Kontrabaß von 1595 der Sammlung Wildhagen eine Arbeit von ihm erblicken. — Giovanni Paolos Sohn Fulvio zeichnete sich gleichfalls als Musiker aus. Vischer (Fischer), Johann Georg. — Jena. I 753 Vermutlich ein Sohn Joh. Sim. Vischers. Sem Repa- raturzettel findet sich in einer Laute (Nr. 1) der Musik- instrumentensammlung des Bachhauses in Eisenach. Geigenzettel : Rebanret von Johann Georg Fisher Musicalischer in strumentenmacher in Jena 1753 (geschrieben). Vischer (Fischer), Johann Simon. — Jena. 1687. 1693 Er bezeichnete sich als: »Bildhauer, Lauten-, Harpen- und Instrument-Macher« und wurde im Jahre 1687 als Bürger der Stadt Jena verpflichtet. Eine Flügelharfe, die er 1693 gemacht hat, befindet sich in Berlin aus der Sammlung Snoeck (Nr. 387). Vischi. — Spilamberto. 1880 Ein Dilettant, der von Raffaele Fiorini unterwiesen wurde und in seiner Jugend einige Violinen gemacht hat. Visco, Bruto. — Piperno, Rom. 1600. 1608 Er nennt sich Visco da Piperno, wohnte 1608 in Rom in der Via dei leutari und soll auch ein guter Lautenspieler gewesen sein. Er sagt jedoch von sich in einer Urkunde vom 14. September 1606 nur: »Jo faccio l'esercitio de leuti et chitarre.« Visconti, Gaetano. — Bologna. 1809 Bisher nur als Gitarrenmacher bekannt. Vissenalre I. — Lyon. 1830. 1869 Er soll in Mirecourt gelernt haben, war haupt- sächlich Händler und Gitarrenmacher und hat auch einige Geigen gemacht. Geigenzettel: Repare par Vissenaire M^ luthier ä Lyon Place Confort N° 16 (gedruckt). Vissenaire II. — Lyon. 1870. f um 1878 Alterer Sohn und Schüler von V. I und später Gehilfe bei Bernardel. Er arbeitete meist mit seinem Bruder Louis-Nicolas V. zusammen und erfand eine gute Kolo- phoniummischung. Geigenzettel : Abb. 804. Vissenaire, Louis -Nicolas. — Lyon. 1865. t 1891 Jüngerer Sohn, Schüler und Nachfolger von V. I. Ein tüchtiger Geiger und als solcher Mitglied des Theater- orchesters. Seine Geigen sind recht sauber ausgear- beitet, wenn auch oft zu dick im Holz. Geigenzettel: Abb. 807 und 808. Vitäcek, Eugen. — Moskau. 1908. 1913 (Vielleicht der Sohn von Franz V.) Neffe von Franz Spidlen, dessen Moskauer Werkstatt er übernommen hat. Er arbeitet ungemein sauber und nimmt die Wöl- bung sehr flach, nur macht er die Decken etwas zu dick. Er ist als Reparateur sehr geschätzt. Vitäcek, Franz. — Sklenähce-Glasersdorf i. B. Geb. um 1854 Böhmischer Geigenmacher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er war ein Schüler von Jos. Metelka. 1884 stellte er in Pfibram eine Geige aus. Geigenzettel : FrantiSek Vitärek , hotovitel hudebnich nästrojll ve Sklenäficich u Vysokehe 1881 (gedruckt). Vitelli. — ? ? Neuerer italienischer Geigenmacher, dessen Namen ich in einem guten Violoncello fand. Vitor s. De Vitor Vitry, Jean Claude. — Mirecourt. 1740. 1748 Bisher nur dem Namen nach bekannt. Vivenet (Vivinet). — Landau. 18. 19. Jahr- hundert Wahrscheinlich ein Franzose, der in Mirecourt gelernt und sich dann in der Pfalz niedergelassen hat. Das Ver- zeichnis der Orchesterinstrumente des Mannheimer Theaters von 1820 (Stadt. Arch. Mannheim) führt eine .Altviole von »Vifme« auf. Der Name erscheint dann be- richtigt »Vivenet«. Aber auch diese Berichtigung scheint nicht ganz sicher zu sein, denn Prof. Tiedemann in Wiesbaden kennt eine Violine mit dem Brandstempel »Vivinet ä Landau«, deren Ton derrj einer Viola nahe- kam. Musiklehrer Karl Wolf in Düsseldorf besitzt eine 540 VI Voael Altviola von ihm von gewöhnlicher Arbeit, dunkel- braunem, glanzlosem Lack und dem Brandstempel: »Vivenet ä Landau* außen unter dem Halse . Eine bessere Viola nach Stradivari mit dickem, kirschrotem, aber gleichfalls glanzlosem Lack befindet sich in Weimar in Privatbesitz. Auch hier zeigt der Brandstempel die Schreibwelse Vivenet. Vivoli, Giovanni. — Florenz. 1642 Sohn des Andrea V. Ein Lautenmacher, den Vidal er- wähnt. Baßviola im Pariser Museum des Arts-et-Metiers mit dem geschriebenen Zettel einem Sohne oder Enkel der Genannten zuzuschreiben. Geigenzettel : Voboam 1 730 (geschrieben). Voel, E. — Mainz. 1840 Er arbeitete nach Stradivari, wurde aber von Jak. V. übertroffen. Vlaminck, Edmond de, Prof. — Paris. 1890. 1893 Erfinder einer Tastenvorrichtung für Streichinstru- mente, die unter dem Titel »Melatetrophone- fabriks- mäßig ausgebeutet wurde. Beschrieben und abgebildet in De Wits Zeitschr. Jahrg. 13 (1893), Nr. 15. Vlk, Franz. — Geb. 1863 Böhmischer Geigenmacher, Schüler von Jos. Metelka. Er endete durch Selbstmord. Voboam, Alexandre, le Jeune. — Paris. 1661. 1683 Jedenfalls der Sohn eines älteren Voboam, der jedoch noch nicht sicher nachgewiesen werden konnte. Nach Du Pradels »Livre commode« für 1682, worin nur seine Kastagnetten hervorgehoben werden, wohnte ein Alexandre Voboam Rue des Assis. Ein Instrument von Ihm führt Brunis Inventalre auf, nämlich eine Gitarre von »Alexandre Vogeant (sie) le jeune faite en 1664« (S. 201). Eine reich mit Elfenbein eingelegte fran- zösische Gitarre von 1682 besitzt das Pariser Konser- vatorium des Arts-et-Metiers (Nr. 7006). Eine zur Laute umgebaute, reich mit Elfenbein eingelegte Theorbe befindet sich in Caternberg bei Essen in Privatbesitz, diese trägt am Kopf eine viereckige Elfen- beinplatte mit der fein gravierten Inschrift : Alexandre Voboam / ä Paris / 1661. Der Name kommt in allen möglichen Schreibweisen vor : Vauboam, Vogeant, auch oft nur kurz Alexandre le Jeune. Geigen von ihm sind nicht bekannt, dagegen außer sehr schönen Gitarren auch zu Gitarren umgearbeitete Theorben. Besonders interessant ist eine Zwillingsgitarre von ihm in der Wiener Sammlung alter Musikinstrumente, eine Ver- einigung einer Prim- mit einer kleinen Terzgitarre, die zusammen wie »Mutter und Kind« aussehen. Voboam, Jean. — Paris. 1676. 1699 Wahrscheinlich ein Sohn von Alex. V. le J. Von ihm sind zwei schöne Gitarren, angeblich aus dem Besitze des Frl. v. Nantes (Tochter Ludwigs XIV.) stammend, von 1676 und 1687 bekannt. Im Museum des Pariser Konservatoriums ist eine ungemein reich eingelegte Gitarre von 1693; auch die Gitarre mit kunstvoller Rose von 1699 in der staatlichen Sammlung, Berlin, dürfte ihm zuzuschreiben sein. Voboam. — Paris. 1730 Wenn man nicht annehmen will, daß Alex, oder Jean V. ein .Alter von fast 100 Jahren erreicht hat, so ist eine Voel. Jakob. 1840 Mainz, Frankfurt a. M. 1837. (Sohn von E. Voel?) Er arbeitete recht sauber nach Stradivari; nur die F-Löcher sind zu breit ausge- schnitten ; die Schnecke ist dagegen recht hübsch ; auch sein rötlichgelber oder rötlichbrauner Lack wäre nicht übel, wenn er ihn besser geschliffen hätte. Geigenzettel: J: Voel / in , Mainz , 1837 (gedruckt). H annover. 1873. Völker, Carl August. 1901 Er ist gelernter Uhrmacher und hat sich seit 1873 auch auf das Gelgenmachen verlegt. Er kopierte u. a. eine Geige Duiffopruggars und hat sich viel mit der Theorie des Gelgenbaues beschäftigt. In P. de Wits Zeitschrift veröffentlichte er mehrere Aufsätze über »das Geheim- nis der Cremoneser Geigen«, *den altitalienischen Gelgenlack« usw. Das Geigenmachen soll er bei Diehl erlernt haben. Völler, Johann Heinrich. — Kassel. Geb. 7. März 1768 zu Angersbach bei Gießen, lebte noch nach 1826 Er war der Sohn eines unbemittelten Ackersmanns und wurde 180! zum Hofmusikinstrumentenmacher m Kassel ernannt. Er ist hauptsächlich durch einige Er- findungen an Tasteninstrumenten, u. a. einer »Apol- lonlum« genannten Zimbel sowie eines Doppel- klaviers, das mit einem Flötenwerk verbunden war, be- kannt geworden; er soll auch Lauten und Gitarren ge- macht haben, Geigen von ihm sind mir jedoch nicht vorgekommen. Seine kurzgefaßte Biographie gab Caspar Nödlng im Jahre 1823 heraus; er starb vor 1828. Vörle s. Wörle Vogel, Christoph. — Borstendorf. Geb. mi November 1699, f 23. Dezember 1732 Sohn und Schüler von Hans V., den er nur um wenige Jahre überlebt hat. Arbeiten von Ihm habe ich noch nicht gesehen. Vogel, Hans. — Borstendorf. + 15. April! 725 Geb. 1673, Bis jetzt der älteste bekannte Gelgenmacher seines Ortes. Er soll auch der Lehrmeister der Richter und Wagner usw. gewesen sein -und sich durch ehrliches Streben um den Aufschwung der Geigen macherei in Borstendorf verdient gemacht haben. Vogel — Voigt 541 Vogel (Vogl), Hanns. — Nürnberg. 1563. 1580 Obwohl er niclit ungeschickt war, wie ein Kontrabaß von ihm im Germanischen Nationalmuseum in Nürn- berg noch jetzt beweist, so scheint er doch in Nürnberg selbst in keinem großen Ansehen gestanden zu haben, da er in den einschlägigen Werken, auch denen nürn- bergischen Ursprungs, nirgends erwähnt wird. Dagegen scheint er auswärts besser geschätzt worden zu sein ; wenigstens wurde er von der württembergischen Hof- kapelle viel beschäftigt und mit seinem gleichnamigen Sohne wiederholt nach Stuttgart berufen, wo er allerlei Instrumente instand setzen mußte. Auch kaufte die Hofkapelle von ihm u. a. eine große Viola für 50 fl., ein Klavichord für 5 fl. und ein anderes Instrument sogar für 130 fl., also wohl eine Orgel, und im Verzeichnis der genannten Hofkapelle von 1589 — 1594 wird noch ein Doppelbaß von ihm aufgezählt. Er scheint also ein viel- seitiger Meister gewesen zu sein. Vogel, Michael. — Nürnberg. 1756 Vielleicht ein Enkel von Wolf V. und vermutlich der Sohn jenes .'Xnton, der seinen Namen auch »Vogler« schrieb. Arbeiten von ihm kenne ich noch nicht, doch findet sich laut freundlicher Mitteilung in einem Tauf- büchlein des Nürnberger Stadtarchivs der Eintrag vom 18. März 1756: »Michael Vogel, Lauten- und Geigen- macher und seiner Ehewirtin Anna ein Sohn Johann Christoph getauft. Gevatter: Johann Christoph Uhle, Handlungs-Bedienter. « Vogel, Viktor. — Riga. Geb. 1 1 . 23. Dez, 1855 in Pilten (Kurland) Ein russischer Staatsrat und Direktor des statistischen Regierungsbureaus m Riga (der Erfinder der bekannten Rechenmaschine »Spira«), der als Autodidakt seit 1903 etwa ein Dutzend Violinen gebaut hat, wobei ihm Frau und Kinder eifrige Gehilfen waren. Vogel, Wolf (Wolfgang). — Nürnberg, t 18. Februar 1650 Vielleicht ein Sohn von Hanns V. Andreas Gulden sagt (1660) in seiner Fortsetzung zu Neudörffers Nach- richten von Wolf Vogel: »War ein berühmter Instru- mentenmacher, und bey den Liebhabern der Musik sehr in Ansehen. Er starb den 18. Febr. .Ao. 1650.« In *>Norischcr Christen Freydhöfe Gedächtniß", Nürn- berg 1682, ist die Abschrift seines Epitaphs mitgeteilt, Th. 1 S. 1 14 Nr. 813: »Misericordias Domini cantabo in Aeternum. — Hier liegt begraben der Erbar Wolf- gang Vogel, verschied — und Elisabethe, eine geborne Wahlm, sein eheliche Haußfrau, verschied den — auch ihrer Leibes-Erben, denen GOtt genaden wolle. Amen". (Vgl. auch Neudörffers Nachrichten, ferner Doppel- mayr S. 298.) Er machte Musikinstrumente aller Art, doch soll er besonders gute Blasinstrumente gemacht haben. Vogelhuber, Thomas. t 1732 Kremsmünster. 1693. Er erscheint zuerst 1693 und war viel für die Bene- diktinerabtei beschäftigt. Im Jahre 1714 nennt er sich '>Tischler und Geigenmacher*. Vogl, Joh. Christ. — Eppendorf. Ende des 17. Jahrhunderts. Eine Lautentheorbe von ihm besitzt das Münchener Nationalmuseum. Ob das sächsische Eppendorf oder der gleichnamige Hamburger Vorort usw. gemeint ist, läßt sich nicht feststellen. Vogler, Anton. -- Nürnberg. 1705 Es wird zwar vermutet, daß er ein älterer Bruder Joh. Georg V.s in Würzburg gewesen sei, doch ist es wahr- scheinlich, daß er der Vater des 1756 vorkommenden Michael Vogel (s. d.) gewesen ist. Geigenzettel : ."Xnton Vogler me fecit Nürnberg I 705 (gedruckt). Vogler, Johann Georg. — Würzburg. Geb. 22. April 1692 in Hopferau bei Füssen, f in Würzburg nach 1 750 Zweiter Sohn des Müllers Marquard V. Er kam in das nahegelegene Füssen zu einem der besten Geigen - macher in die Lehre und erlernte dort außer dem Geigenmachen auch das Geigen- und Violoncellospiel so gut, daß er als Musiker und Geigenmacher in die fürstbischöfliche Kapelle in Würzburg eintreten konnte und Hofgeigenmacher wurde. Er wohnte in der Vor- stadt Pleichach, besaß sein eigenes Grundstück und war Würzburger Bürger; das jüngste von seinen neun Kindern war der nachmals so berühmte Abbe Vogler (geb. 1749, f 1814). Joh. G. V.s Geigen sind von guter Arbeit, wenn auch manchmal plump in der Form. Eine .'\rbeit von ihm aus dem Jahre 1745 besitzt das Darm- städter Museum (Inv. 1857 98 Nr. 22). Ein Violoncello von ihm aus dem Jahre 1731 besaß noch 1820 das Mannheimer Theaterorchester. Eine von Ed. Em. Homolka reparierte Geige von 1751 befindet sich in Segesvär. Geigenzettel: .Abb. 818 und 819. Vogt, Albert. — Mannheim, Frankfurt a. M. Geb. 18. September 1845 in Fredeberg (Westfalen) Er begründete im Jahre 1875 sein Geschäft in Mann- heim, von wo er 1885 nach Frankfurt a. M. über- siedelte. Seine Werkstatt ist 1907 in den Besitz von Alban Dick, geb. am 31 . Oktober 1876 zu Wohlhausen, übergegangen und wird unter der Firma Albert Vogt Nachf. weitergeführt. Der jetzige Besitzer lernte bei .Albin Wilfer und kam 1899 als Gehilfe zu seinem Ge- schäftsvorgänger. Vogt, Jakob. — Freiburg i. Schw. 1467 Er stammte aus Luzern, wurde als Saitenmacher zum Bürger aufgenommen und hat wohl auch Lauten ge- macht. Vgl. das Freiburger Bürgerbuch S. 85 b (Per- gamentband im Fr. Staatsarchiv). Voigt (Voight), Martin. — Hamburg. 1726 Vielleicht ein Schüler von J. Tielke, in dessen Stil er arbeitete. Ich kenne von ihm nur eine reich mit Elfen- 542 Voigt, Adam I. — Voigt, Johann Christian II. bein eingelegte Viola da Gamba, die 1872 im S. Kens.- Mus. in London ausgestellt war, und die noch dadurch auffiel, daß auf dem Boden Apollo, Venus, Merkur und Diana abgebildet erschienen. Geigenzettel : Martin Voigt in Hamburgo , me f ecit Anno 1 726 (gedruckt). Voigt. — Markneukirchen In älterer Zeit wird der Name auch Vogt geschrieben. Dieser Familie entstammen die folgenden Geigen- macher : Voigt, Adam I. — 1699. t nach 1730 Er wurde am 9. August 1699 in die Geigenmacherzunft aufgenommen und dürfte als der Stammvater der heute noch blühenden Familie anzusehen sein. Voigt, Adam II. — Geb. um 1708 Sohn von Adam I V. Er wurde am 6. Februar 1730 als Meister in die Zunft aufgenommen als »Adam Voigt der Jüngere*. Voigt, Arnold. — Markneukirchen. Geb. Mai 1864 m Markneukirchen Schüler von Heinr. Th. Heberlein, bei dem er sechs Jahre lang blieb. Nach beendeter Militärdienstzeit ging er zu Schünemann nach Hamburg und 1887 mit ihm nach Schwerin. 1888 begab er sich nach London, wo er neue Geigen anfertigte, die in allen Teilen seine eigene Arbeit waren und auch unter seinem Namen durch seinen Bruder (Firma .Alban Voigt & Co. in London) in den Handel kamen. 1890 machte er sich dann in Mark- neukirchen selbständig. Seine Arbeit wird sehr ge- schätzt ; er kopiert mit vielem Geschick alle italienischen Meister, mit Vorliebe jedoch Stradivari, und weicht nur in einigen Nebensachen von seinem Vorbild ab. Er ver- wendet je nach der Zeitdauer seiner Aufträge Ol- oder Spirituslack. Mit dem verdienstvollen Appian-Benne- witz war er in Freundschaft verbunden, und dieser ver- dankte ihm wertvolle Beihilfe bei seinem Werke über die Geige. Geigenzettel : Arnold Voigt Geigenbauer / Markneu- kirchen, Sachsen 1905 (gedruckt). Voigt, August Albin. — Geb. 10. Dezember 1845, t 22. März 1918 in Markneukirchen Voigt, August Ernst. — Geb. 6. Mai 1874 Voigt, August Moritz. — Geb. 6. März 1868 Bruder von Louis Gottwalt V. — Er soll eine Zeitlang in Wohlhausen gearbeitet haben. Voigt, Carl Hermann. — Wien. Geb. 24. März 1850 in Markneukirchen Sohn des Gitarrenmachers Carl Ferdinand V. Bis zu seinem 17. Jahre war er hauptsächlich Bogenmacher, 1867 kam er zu Bausch und 1868 zu Nemessanyi, der sein eigentlicher Lehrer im Geigenbau wurde. Später arbeitete er in Budapest auch bei Mönnig und bei Eng- leder, bis er 1871 bei Gabriel Lemböck in Wien eintrat, bei dem er schon in kurzer Zeit Geschäftsführer wurde. Im Jahre 1876 übernahm er in Wien das Geschäft von Schmidt )un. in der Klostergasse und eröffnete seine eigene Werkstatt. Er brachte es durch besondere Tüchtigkeit bald zu einem immer wachsenden Ansehen. Seine Violinen sind nach Stradivaris sog. »Dolphin« gearbeitet und haben goldroten Ollack. Hervorragendes leistete er in der Wiederherstellung alter Geigen und galt zugleich als ein Kenner ersten Ranges. Er war da- her als Reparateur so viel beschäftigt, daß er nur sehr selten dazu kam, neue Geigen zu bauen. Er hat große Reisen gemacht und dabei jede Gelegenheit benutzt, die besten Geigen durch eigene Anschauung kennen zu lernen und zu studieren. Er war u. a. Vorsteher der Wiener Streichinstrumentenmacher - Genossenschaft und hat am 1 . Juni 1910 sein Geschäft an Georg Rauer verkauft. Voigt, Christian Heinrich. — Geb. 2. Mai 1813, t 22. Oktober 1855 In seiner Weise war er recht geschickt. Voigt, Emil Robert. — Geb. H.November 1873 Voigt, Georg Adam . — Geb . 1 738 , f 1 5 . Januar 1824 Sohn und Schüler von Simeon V. Ein fleißiger und tüchtiger Geigenmacher, der, nachdem er mehrere Jahre in der Fremde war, am 28. Mai 1 760 gleichzeitig mit seinem Bruder Joh. Christian V. Meister wurde. Er erreichte ein Alter von 85 Jahren 10 Monaten und 22 Tagen . Geigenzettel: Georg Adam Voigt Violinmacher in Neukirchen. 1793 (gedruckt). Voigt, Heinrich August. — Geb. 20. Januar 1837, arbeitet noch als Geigenmacher Voigt, Johann Adam. — Geb. um 1710. 1740 Er scheint nicht in Markneukirchen selbst geboren zu sein, wurde dort aber 1730 Meister. Voigt, Johann Carl Wilhelm. — Geb. 1779, t 14. Juni 1857 Okt. Auf seinem Zettel nennt er sich meist nur Johann Wilhelm Voigt. Voigt, Johann Christian I. — 1760. 1780. Sohn von Simeon V. Wurde am 28. Mai 1760 Meister. Voigt, Johann Christian II. — Geb. 15. April 1766, t 13. Februar 1846 Sohn und Schüler von Johann Friedr. V. Er soll mit seinen Geigen viel umhergereist sein und war ein fleißiger Meister, dem übrigens am besten die Violen gelungen sind. Auf seinem Zettel gab er sich für einen Geigenmacher aus Prag aus und verwendete auch eine Brandmarke mit seinen Anfangsbuchstaben und der Jahreszahl, z.B.: I.e. V./J 796. Geigenzettel: 5^ J. C. V. f Aus Prag / 1788 (ge- druckt) und Abb. 820. Voigt — Voirin 543 Voigt, Johann Christian III. — Geb. 2. Okt. 1781, t 16. Okt. 1849 Voigt, Johann Friedrich I. — Geb. 1732, f 28. Juli 1818 Er wurde am 5. Oktober 1751 Meister und hat in seinem langen Leben sehr viele Geigen gemacht, von denen einzelne recht lobenswerte Eigenschaften be- sitzen. Er wurde 85 Jahre 9 Monate und 4 Tage alt. .Auch er schrieb gerne auf seine Zettel »aus Prag". Geigenzettel: lohann Friedrich Voigt aus Prag 1769 (gedruckt). Voigt, Johann Friedrich II. — Geb. 17. Dez. 1778, t 4. Okt. 1840 Voigt, Johann Georg I. — Geb. 1 748, f 27. Mai 1802 Sohn und Schüler von Johann Adam V. Er wurde am 1 . Mai 1 769 Meister und gehörte zu den Besten seiner Familie. .Auf seinem Zettel erscheint der sonst übliche lateinische Unsinn in den deutschen Text emgesprengt. Er verwendete auch eine Brandmarke: I. G. V. Geigenzettel: lohann Georg Voigt Brobe Violm- inacher in Neukirchen bey Adorf im Voigtlande, Correspontent / Cremona 1 798 (gedruckt). — lohann Georg Voigt brobe Violinmacher in Neu- kirchen bei Adorf im Voigdand (gedruckt). Voigt, Johann Georg II. — Geb. 14. Februar 1752, t 16. September 1842 Sohn von Simeon V. Neben Reichel und Hamm der erste Geigenmacher, der sich in Neukirchen ausschließ- lich der Bogenmacherei zuwendete. Die Geigen, die er in jüngeren Jahren machte, sind höher gewölbt als die von Johann Georg 1 V. Geigenzettel: lohann Georg Voigt, erfunden von Jacob Stainer in / Absam brobe ocnibuntum. 1775 (gedruckt). Voigt, Johann Georg III. — Geb. 13. April 1776, t 25. Januar 1829 Weniger geschickt als Johann Georg I V. Geigenzettel: Johann Georg Voigt Violinmacher in Neukirchen 1 796 (gedruckt). Voigt, Johann Georg IV. — Geb. 14. Oktober 1785, t 5. Januar 1851 Nachdem er die Geigenmacherei erlernt hatte, mußte er Soldat werden und machte am 5. und 6. Juli 1809 die Schlacht bei Wasram mit, wo er verwundet wurde. Er war mit einer geborenen Roth (f 1866) verheiratet und bezog eine kleine Pension als ausgedienter Soldat. Er machte sowohl Geigen als auch Gitarren und galt als tüchtiger Meister. Voigt, Johann Gottfried. — Geb. 1748, t 6. März 1812 Dritter Sohn und Schüler von Simeon V. Er wurde am 10. Juni 1772 Meister und starb in einem Alter von 64 Jahren 1 Monat und 2 Tagen. Voigt, Louis Gottwalt. — Geb. 3. Juli 1866 Voigt, Paul. — Manchester. 1910 Guter Reparateur und Händler. Voigt, Richard August. — Geb. 6. April 1876 Schüler von R. 0. Glier, bei dem er von 1890—1894 war. Am 26. November 1894 trat er bei G. R. Schmidt & Co. ein, wo er 1897 Werkführer wurde. Am 4. Okt. 1902 machte er sich selbständig und eröffnete seine eigene Werkstatt. Voigt, Simeon (Simon). — Geb. 1710, t8. Jan. 1781 Vermutlich der Sohn Adam I V.s. Er wurde am 16. April 1732 Meister und war sehr fleißig und geschickt. Seine Geigen gelten als gute Orchesterinstrumente. .Auch seine Söhne erzog er zu tüchtigen Geigenmachern. Er erreichte ein .Alter von 70 Jahren 7 Monaten und 1 0 Tagen . Geigenzettel: Simon Voigt, Violinmacher , in Neu- kirchen. .Ao. 1770 (gedruckt). Voigt, Wilhelm. — Geb. um 1815, f nach 1860 Sohn und Schüler von Johann Georg IV V. Er verlegte sich später ausschließlich auf das Gitarrenmachen. Voigt. — Quittenbach. 18. Jahrhundert Seine Geigen zeigen gewöhnliche Vogtländer .Arbeit; das Holz ist weder schön noch schlecht, der Lack, über einer Beize aufgetragen, ohne Durchsichtigkeit. Der Ton weich, aber klein. Geigenzettel: Voigt Violinmacher in Quiddenbach (geschrieben). Voirin, Fran^ois-Nicolas. — Paris. Geb. 1 .Okt. 1833 in Mirecourt, f 4. Juni 1885 in Paris Bruder von Joseph V. Nachdem er in seiner Heimat das Geigenmachen erlernt hatte, kam er 1855 zu J. B. Vuillaume nach Paris und blieb bei diesem über 15 Jahre. Hier vervollkommnete er sich namentlich als Bogenmacher und eröffnete als solcher 1870 in der Rue du Bouloi seine eigene Werkstatt. Er war nach Tourte der beste Bogenmacher Frankreichs, und wenn man ihn mit der Bezeichnung 'Tourte moderne« ehrte, so hat er dies vollauf verdient. Englische Händler und Geigen- bauer sollen ihm glänzende Anerbietungen gemacht haben, wenn er in ihren Dienst treten wollte, er lehnte aber ab mit der Bemerkung, daß seine .Arbeit seinem Lande gehöre. Als er eben ein neues Meisterwerk ab- liefern wollte, traf ihn auf der Straße ein Schlaganfall, an dessen Folgen er, noch nicht 52 Jahre alt, verschied. Seine Bogen tragen den Brandstempel: »F. N. Voirin«, den allerdings auch seine Witwe noch benutzen ließ. Sein Schüler ist .A. Lamy. Voirin, Josef. — Paris, Chäteau-Thierry. Geb. 1830 in Mirecourt Er erlernte das Bogenmachen in seiner Vaterstadt und arbeitete einige Jahre in Paris als Gehilfe, bevor er sich 1855 in der Rue Sainte Marguerite selbständig machte. 544 Voinot-Gaulard Vrer Im Jahre 1867 ging er dann als Geschäftsleiter nach Chäteau-Thierry zu Gautrot. Obwohl er zu den ge- schicktesten Bogenmachern gehört, ist sein Name doch wenig bekannt, da die meisten aus seiner Hand hervor- gegangenen Bogen nicht seinen Namen tragen. Voiriot-Gaulard, ein 'Luthier«, der in Troyes sein Geschäft betreibt Voiry, Nicolas. — Mirecourt. 1748 Nur dem Namen nach bekannt. Voit, Carl Hat sich in Bromberg als Streichinstrumentenhändler niedergelassen und beschäftigte Geigenmachergehilfen. doch ist das Geschäft schon vor 1913 wieder einge- gangen. Voit, C. A. — Gera. 1904 Wurde mir bisher nur durch seinen Reparaturzettel bekannt. Geigenzettcl : Rep. C. A. Voit Gera R. j. L. 1904 (geschrieben). Voit, J. Var. (Ivar?). — Mirecourt Nach A. Jacquot ein Geigenmacher, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Mirecourt tätig war. Volkmann. — Schönbach b. E. Dieser Familie gehören die folgenden Geigenmacher an: Volkmann, Anton, ist Geigenmacher und Musiker, hat aber seit etwa 6 Jahren seine Werkstatt aufgegeben Volkmann, Christoph, begründete 1858 sein Geschäft und fertigte hauptsächlich Violon- cello und Bässe an, für die er 1892 in Eger eine Medaille erhielt. Geigenzettel : Christoph Volkmann / Instrumenten- macher in Schönbach 1 867 (gedruckt). Sem Nachfolger ist : Volkmann, Heinrich, der noch jetzt tätig ist Volkmann, Wenzl, hat eine Streichinstru- mentenfabrik Volkmann, F. — Glogau. 19. Jahrhundert Handschriftlich vermerkter Name eines Reparateurs in einer älteren Vogtland ischen Geige. Die Arbeit ent- sprach der eines Musikers, der sich mit Reparaturen beschäftigt. Volkmar, Johann Tobias. — (Vogtland?) Wenig bekannter Geigenmacher des 18. Jahrhunderts, der Tirol als Heimat angab. Voller, William. — London. Geb. 1860 Guter Kopist. Vollrat, Hans. — Wien. 1424. 1436 Einer der ältesten Lautenmacher Wiens, der wenigstens dem Namen nach bekannt ist. Volps, Marco. — Spilamberto. 1820. f 1839 Er machte Violinen, Violen und Gitarren und soll bei der Arbeit von einer sprichwörtlich gewordenen Lang- samkeit gewesen sein. Sein Name findet sich auch bei Valdrighi (3395), ist aber in Spilamberto selbst unbe- kannt. V, oney s DeV oney Vorerg, Alexander. — Eperjes. Um 1850 Mittelmäßiger Geigenmacher, der einen häßlichen schwarzen Lack verwendete. Geigenzettel ■- Alexander Vorerg Instrumentenmacher wohnt im Eperjes im Kreszyter / Haus No 120 (ge- druckt). Vornenbergh, Peter. — Antwerpen. 1542. 1552 Der Name wird auch Vorenbergh und Vorenborch ge- schrieben. Er stammte aus Köln und war der Sohn eines gleichnamigen Vaters. Im Jahre 1542 wurde er Bürger von Antwerpen und wird als Klavichordmacher bezeichnet. Nach einer Privatmitteilung soll es auch Lauten von ihm geben. Vosgien, P. — Lüttich. 1840 Eine Violine von ihm befand sich in der Sammlung C. C. Snoeck. Voß, Arthur. — Charlottenburg b. Berlin Geb. ll.JuH 1886 in Hamburg Schüler von August Diehl. Als Gehilfe arbeitete er in Lübeck, .Magdeburg, Bremen und Altona und zuletzt durch acht Jahre bei Oswald Möckel in Charlottenburg. Im Jahre 1915 machte er sich selbständig. Er hat sich sowohl im Neubau wie in der Wiederherstellung treff- lich bewährt und darf heute als der beste Wiederher- steller musikgeschichtlich wertvoller alter Streich- und Zupfinstrumente gelten, die er wie kein zweiter studiert und erforscht hat und zu ergänzen oder zu kopieren versieht. Dabei stellt er auch die dazu ge- hörenden Löwen- und Frauenköpfchen usw. und sonstigen Schnitzereien nach mustergültigen Vor- bildern selbst her. In Anerkennung seiner hervor- ragenden Tüchtigkeit auf diesem Gebiete wurde ihm auch die Instandhaltung der ehemaligen Kgl. Samm- lung alter Musikinstrumente in Berlin übertragen, wie er auch für die Sammlungen Wildhagen, Leibbrand u.a. fortgesetzt tätig ist. Geigenzettel : Arthur Voss / 19 fecit 1 7 / Charlottenburg (oval umrahmt, gedruckt). Vrenz, J. — Rotterdam, 1792 Eine Violine mit diesem Namen war sauber gearbeitet und klang auch voll und weich. Vrle Vuilla 545 Vries, Dirck de. — Antwerpen, f um 1628 Er war Clavecinmacher ; da aber die meisten seiner Fachgenossen auch Lauten usw. gemacht haben, mag er hier erwähnt werden. Vrint, P. — London, f um 1898 Ein Holländer, der 1884 sein Geigengeschäft in London begründete. Er war auch ein guter Geiger und Violon- cellist. Sein Sohn Peter, geb. um 1868, ist sein Nach- folger und als Reparateur, namentlich für Bögen, sehr geschätzt. Vuidard. — Paris. 1838 Schüler von Nicolas Simoutre in Mirecourt. Er hatte seit 1838 eine Werkstatt in der Rue Greneta N°. 9 in Paris und war hauptsächlich als Gitarrenmacher ge- schätzt. Geigen von ihm kommen nur selten vor. Geigenzettel: Repare par Vuidard ; luthier et m^ de corde / rue Greneta N° 9 , ä Paris (gedruckt). Vuillaume. — Mirecourt Hervorragende lothringische Geigenmacherfamilie, von der A. Jacquot eine ganze Reihe bisher wenig oder gar nicht bekannter Mitglieder ermittelt hat. Vuillaume, Anthoine. — Mirecourt. 1677 Er wird ausdrücklich als Geigenmacher bezeichnet. Arbeiten von ihm lassen sich nicht nachweisen, ebenso von dem 1677 — 1699 nachweisbaren und mit Margue- rite Braux verheirateten Vuillaume, Charles I. Vuillaume, Charles II, war ein Sohn von Anthoine V. lebte noch 1690 Vuillaume, Charles III, warder um 1730 ge- borene Sohn von Jean-Fran^ois V. und der Frangoise Geomier (Jomier) Vuillaume, Charles-Fran^ois I. — 1721. 1730 Von ihm weiß man nur, daß er mit Barbe Harmand ver- heiratet war. M ire- Vuillaumes, Charles - Fran(;;ois II. court. 1770. 1797 Charles-Fran?ois II V. lebte noch 1797 und war ein Sohn von Glaude-Fran^ois I V. Sein Enkel war Jean Bapt. V. Sohn von Claude-Fran^ois. Er war mit Marguerite Besson verheiratet. Vuillaume, Claude I. — Mirecourt (Nancy?). 1625 Er erscheint als Pate einer Tochter von Frangois II Medard in Nancy. Als seine Heimat wird Mirecourt ausdrücklich bezeichnet. Dies und der Umstand, daß er einem Lautenmacher den Liebesdienst erweist, be- rechtigt wohl zu der Vermutung, daß auch er gleichen Berufs gewesen ist. Er ist also der älteste bis jetzt be- kannte Ahnherr der Familie. Seine Frau Beatrice wird schon 1605 und 1608 erwähnt. V. Lütgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II Vuillaume, Claude-Fran^ois I. — Mirecourt. Geb. um 1730, lebte noch nach 1760 Sohn eines gleichnamigen Vaters, der jedoch einem andern Beruf angehörte. Er selbst aber war Luthier. Seine Arbeit zeigt den gewöhnlichen Mirecourter Stil seiner Zeit, sein Lack ist dunkel . Ein Claude-Fran?ois 1 1 , sein Sohn war 1751 geboren; er hatte einen gleich- namigenEnkel Claude-Fran<;oisI 1 1 , der noch 1 770 lebte. Claude-Fran?ois IV V. (f vor 1802) war Luthier und Drehorgelmacher. Sein am 20.Dezember 1 776 geborener Sohn Claude-Fran?ois VI. V. war sein Nachfolger. Vuillaume, Claude-Frangois V. — Mirecourt. Geb. 1772. t 26. März 1834 Er war ein Sohn von Charles-Fran^ois V.und der Mar- guerite Besson. Er war in erster Ehe mit der Spitzen- klöpplerin Anne Ledere verheiratet. Die Söhne dieses Paares haben dem Namen Vuillaume den höchsten Glanz verliehen. In zweiter Ehe war er mit Marie Anne Gand (Caud?) verheiratet. Vuillaume, Claude-Fran^ois VII. — Mirecourt Geb. 23. März 1807. 1862 Fünfter Sohn und Schüler seines Vaters Claude Fran?ois V. Er gab das Geigenmachen frühzeitig auf und wurde Kirchenorgelbauer; seinen Sohn Sebastian ließ er dagegen wieder Geigenmacher werden. Vuillaume, Fran?ois I. — Mirecourt. 1714 Sohn von Charles I V. und Schwiegersohn von Claude Trevillot. — Fran?ois II V. war am 9. Juli 1727 ge-. boren. Vuillaume, Jean I. — Mirecourt. f 1700 Vielleicht der Vater und wohl auch der Lehrer von Jean II V., der mit Elisabeth Urion verheiratet war. Vuillaume, Jean III. — Mirecourt. 1702. t 7. März 1752 Man hat ihn fälschlich für einen Schüler von Stradivari ausgegeben. Vidal sah eine Geige von ihm, deren Aus- sehen es wahrscheinlich macht, daß er nicht einmal eine Arbeit von Stradivari auch nur gesehen hat ; sie erinnerte am ehesten nochandasMagglnimodell. Diese Geige war von gewöhnlichster Arbeit, die Reifchen durch einen gemalten Strich ersetzt; auch die F-Löcher waren häßlich und schlecht geschnitten. Der Lack war gelb, die Zargen bemalt und zu niedrig, dagegen die Schnecke hübsch geschnitzt. Übrigens läßt sich nicht feststellen, von welchem der drei Jean Vuillaume diese Geige her- rührte. Geigenzettel : Fait par moy, Jean Vuillaume, / ä Mire- court 1 738 (geschrieben). Vuillaume, Jean -Baptiste. — Paris. Geb. 7. Oktober 1798 in Mirecourt, f 19. März 1875 in Paris Sohn und Schüler von Claude Fran^ois V V. und der Anne Leclerc. Ihm verdankt die Familie Vuillaume ihren Ruhm. Er war kaum 19 jährig, als er in die Letesche Werkstatt nach Paris berufen wurde, um dort für 35 546 Vuillaume, Jean-Fian^ois — Vuillaume, Joseph-Fran<;ois F. Chanot Geigen nach dessen neukonstruiertem Mo- dell anzufertigen. Im Jahre 1819 traf er in Paris ein und arbeitete zunächst zwei Jahre lang für Chanot. Der Verkehr mit diesem hochgebildeten und geistreichen Manne hat jedenfalls nach mehr als einer Richtung hin befruchtend auf den angehenden Künstler eingewirkt. Lete war eigentlich Orgelbauer, aber als Schwiegersohn ^iques betrieb er auch einen Geigenhandel ; Vuillaume ; der kurze Zeit allein in der Rue Croix des Pet. Champs Nr. 30 gearbeitet hatte, wurde 1825 sein Geschäfts- teilhaber, und die Firma lautete dann Lete et Vuillaume, 1828 aber trennte er sich von ihm, heiratete und er- öffnete in der Rue des Petits Champs Nr. 46 seine Werkstatt, die er erst 1860 nach der Rue Demours Nr. 3 verlegte. Er v/ar verheiratet mit Adele Guesnet aus Clermont, einer feingebildeten Frau, die seinen Ar- beiten das vollste Verständnis entgegenbrachte. Auch er hatte anfangs unter dem weitverbreiteten Vorurteil gegen neue Geigen schwer zu leiden, und so kam er frühzeitig darauf, alte Meisterwerke, vornehmlich von Stradivari ^), nachzuahmen. Er brachte es nach rastlosen Versuchen dann zu einer unübertroffenen Meister- schaft, so daß heutzutage gewiß viele »Stradivari« von beschworener Echtheit Arbeiten Vuillaumes sein dürften. So sind auch fast alle Duiffopruggarschen Violinen, die heute gezeigt werden, von ihm hergestellt worden. Die Sorgfalt seiner Ausführung erstreckte sich bis in die kleinsten Einzelheiten ; sein Holz suchte er auf weiten Reisen zusammen : er durchstöberte alte Kirchen , Trödlerbuden, und fand er einen alten Balken, ein altes Möbelstück, das brauchbares Holz enthielt, so war ihm kein Preis zu hoch. Er war ein feinsinniger Kenner, der sich jedoch nicht auf das Gefühl allein verließ. Er hatte die Vorzüge und Eigentümlichkeiten aller Meister auf das eingehendste studiert und war stets bereit, Forschern die Mittel zu weiteren Studien an die Hand zu geben; so hätte z. B. Savart seine scharfsinnigen Untersuchungen ohne Vuillaumes Beihilfe gar nicht anstellen können. Er war freilich auch ein ebenso ge- riebener Kaufmann als genialer Künstler und brachte es zu großem Reichtum. Auch dem Lackieren wendete er sein Leben lang die peinlichste Sorgfalt zu, und er ist zweifellos der einzige Geigenmacher des 19. Jahr- hunderts, der dann den alten Italienern wenigstens im Aussehen der Lackierung gleichkam; aber er hielt sein Verfahren geheim und nahm sein Wissen mit ins Grab. Eine Zeitlang trocknete er sein Holz in einem be- sonderen Ofen, was er aber unterließ, als er erfahren mußte, daß die Geigen aus künstlich getrocknetem Holz sehr bald ihre Tonfülle verloren. Er war fabelhaft fleißig und hat an 3000 Instrumente gemacht, abge- sehen von anderen Versuchen und Erfindungen (z. B. dem »Oktobaß«, dem »Kontralto« usw.). Auch als Bogenmacher war er ein Meister ersten Ranges. Was den Gelehrten bisher nicht gelungen war. vollbrachte hier der Künstler: die Aufstellung eines bestimmten Gesetzes für die Konstruktion des Tourte-Bogens. Seine Theorie ist aus einer Zeichnung ersichtlich, auf der die mathematisch berechnete allmähliche Ver- minderung des Umfanges der Stange die genaue Be- ^) Über die bis zur Täuschung ähnliche Kopie von Paganinis Guarneri del Gesü vgl. »die Geige von Camillo Sivori- in De Wits Zeitschr. 1894, Nr. 32.' Stimmung der Form eines Tourte-Bogens ermöglicht. Im Jahre 1834 beschäftigte er sich mit der Herstellung von Bögen aus Stahl. Später erfand er einen Bogen mit feststehendem Frosch, in dessen Innerem eine Ma- schinerie aus Messing angebracht war, um die Span- nung der Stange zu ermöglichen. Wenn er mit diesen Versuchen auch keinen Erfolg hatte und selbst davon abkam, so beweisen sie doch, daß er auch als Bogen- macher ein schöpferischer Künstler war. Seine Bögen sind jetzt nicht minder gesucht wie seine Geigen. Er war nicht nur ein tüchtiger Lehrer im Geigenbau, sondern hatte auch als Bogenmacher zahlreiche, später zu Ehren gekommene Schüler. In seinem erfolgreichen Leben wurden ihm zahlreiche Auszeichnungen zuteil, und in der einschlägigen Literatur wird er überall aus- führlich behandelt. Er gebrauchte verschiedene Zettel, manchmal auch Brandmarken. Seine Arbeiten sind jetzt meist in festen Händen. Carl Flesch in Amsterdam besitzt eine Violine mit rotem Lack (ä la Lupot) von 1825. — Eine schöne Kopie der »Messias« (von 1865) hat der frühere Hofsekretär A. Gerschey in Lissabon und eine vorzüglich gelungene Kopie nach Guarneri Valentin Walter in Grulich. Obwohl er sehr fleißig war — eine Violine von 1864 trägt schon die Nummer 2537 — steigen seine Arbeiten fortwährend im Preise, und es ist deshalb kein Wunder, daß seine Zettel auch in Mirecourter Fabriksgeigen usw. zu finden sind. Meist verwenden die Fälscher Zettel mit unrichtigen Jahreszahlen, sehr gerne 1844 mit der Adresse 3 rue Demours-Ternes, obwohl Vuillaume erst im Jahre 1860 dorthin gezogen ist. Eine prachtvolle Violine von ihm besitzt Konzertmeister Benno Walter in Köln. Die Echtheit seiner Arbeiten läßt sich bei den meisten seiner bisher noch nicht geöffneten Geigen auch da- durch feststellen, daß sie innen sowohl an der Decke als am Boden (durch die F-Löcher unsichtbar) seinen Namenszug und in der Mitte des Bodens eine Nummer tragen. Die Geigen, die er von seinen Leuten ausführen ließ, trugen den Zettel: Abb. 816. Geigenzettel: J. B. Vuillaume No. 26 Rue Croix des Petits Champs No. 30 , ä Paris en 1825 (geschrieben). — J. B. Vuillaume A Paris 3 Rue Demours aux Ternes Cl-devant rue Croix des Petits Champs (ge- druckt) und ,^bb. 799, 800, 801, 805, 816. Vuillaume, Jean-Frangois. — Mirecourt. Geb. 1720 Sohn von Fran(;ois IV. Von ihm weiß man nur, daß er sich schon mit 18 Jahren mit Marie Claussier ver- heiratete. Vuillaume, Joseph-Fran^ois. — Lyon. Geb. 1804, t 9. Juni 1856 Em Sohn von Claude Fran(;ois IV V., der sich in Lyon niederließ. — Er war der Schwager von Charles Jacquot . als Geigenmacher jedoch nicht hervorragend. Geigenzettel: Rue du Palais-Grillet N" 14 au 2"^« Luthier Vuillaume Loue et Vend toutes sortes d In- struments ä Cordes, les raccommode ainsi que les serinettes ä Lyon Tient un assortiment de cordes (gedruckt). Vu illaume Wacke 547 Vuillaume, Nicolas I. — Mirecourt. 1698. 1739 Von ihm weiß man nur, daß er Luthier war. Nicolas 11 V. war ein Sohn von Claude-Fran?ois V. und starb am 6. April 1755 (?). Ein Nicolas III V. kommt in den Jahren 1759 — 1761 vor und war mit .Anne Chevner verheiratet. Vuillaume, Nicolas IV. — Mirecourt. Geb. in Mirecourt 21. Mai 1800 (»am Tage Ascen- sion«), t um 1871 Dritter Sohn und Schüler von Claude-Frangois V V. Er arbeitete von 1832 — 1842 bei seinem Bruder Jean- Baptiste V. in Paris, ging dann nach Mirecourt zurück und verlegte sich auf die fabriksmäßige Herstellung von Geigen. Nach seinem eigenen Modell machte er Geigen, denen er den Namen »Violons stentor<' gab. Seine Geigen tragen die Brandmarke >'N. Vuillaume«. Er erhielt 1855 eine Bronzemedaille. Sein Sohn Antoine, der bei ihm lernte, starb schon mit 21 Jahren. Eine dunkelrot lackierte Geige von ihm besaß C. C. Snoeck. Geigenzettel ; N. Vuillaume (Autograph) und Abb. 817- Vuillaume, Nicolas- Franc^ois. — Brüssel. Geb. in Mirecourt am 13. Mai 1802, f 16. Januar 1876 in Brabant Vierter Sohn und Schüler von Claude Fran^ois V V. Er arbeitete bis 1828 bei seinem Bruder J. B. V. in Paris und ließ sich dann in Brüssel nieder. Er kommt seinem Bruder sehr nahe, machte ausgezeichnete Geigen nach Stradivari u. a. und erhielt zahlreiche Medaillen sowie den Leopolds-Orden. Auch seine Bogen sind sehr gut. Geigenzettel : Abb. 815. Vuillaume, Sebastien. — Paris. Geb. um 1835, t 17. November 1875 in Paris (kinderlos) Sohn von Claude-Frangois VI V., Neffe von Jean Bapt.V. Ein tüchtiger Geigen- undBogenmacher '), der seine Werkstatt Boulevard Bonne-Nouvelle Nr. 17 hatte und der »letzte Vuillaume« in Paris war. Erhielt 1867 und 1868 Medaillen und kam in seinen besten .Arbeiten seinem Oheim manchmal nahe. Sein Gehilfe Nestor-Dominique Audinot wurde sein Nachfolger. Geigenzettel: Abb. 803. Vuillemm, Jean-Didier. — Mirecourt. 1705 Wenig bekannter Geigenmacher. Vuillemin, Claude-Joseph. — Mirecourt. Geb. um 1750 in Poussay bei Mirecourt, f 25. April 1833 Obwohl er ein sehr hohes Alter erreichte, ist ei" doch nur wenig hervorgetreten. Wach, Hans. — München. Geb. in Mitten- wald, t 1901 in München In seiner Heimat erlernte er das Geigenmachen, doch verlegte er sich, seit er in München ansässig war, fast ausschließlich auf die Herstellung von Zithern und war namentlich wegen seiner Streichzithern (»Streich- melodion«) geschätzt. Im Jahre 1897 erlitt er einen Schlaganfall und war seitdem bis an sein Ende bett- lägerig. Ein Michael Wach lebt in München gleichfalls als Zither-, Gitarren- und Lautenmacher. Wacha, Albert. — Preßburg. 1822 Am 19. April 1822 erwarb er als Saiten- und Blas- instrumentenmacher das Bürgerrecht auf dem Preß- burger Schloßgrund. Er dürfte der Nachfolger Heinrich Steins gewesen sein und hat wohl nur Gitarren, aber keine Geigen gemacht. Wächter, Anton. — Faulenbach b. Füssen. 1769. 1781 Besserer Geigenmacher der Füssener (Tiroler) Schule, von dem noch einzelne, durch gutes Deckenholz und guten Ton bemerkenswerte Violinen erhalten sind. Der Lack ist dunkelbraun, die F-Löcher nach Stainer ge- schnitten. Geigenzettel: Abb. 827. Wächter, Ferdinand. — Augsburg. 1812 Ein wenig bekannter Geigenmacher, der vielleicht ein Sohn von Anton W. war und sich wohl nur vorüber- gehend in Augsburg aufgehalten hat. In Rotterdam be- findet sich in Privatbesitz eine Geige von ihm von großem Patron mit hohen Zargen und orangegelbem Lack. Die Geige ist dick im Holz und hat den Baßbalken aus einem Stücke mit der Decke. Geigenzettel: Ferdinand Wächter Geigenmacher in Augsburg 1812 (geschrieben). Wächter, Lorenz. — Bonn. 18. Jahrhundert Mir ist eine Violine mit seinem Namen und Ort (ohne Jahreszahl) vorgekommen. Die Arbeit war recht gut, der Lack ähnlich wie bei den Füssener Meistern, die Wölbung ziemlich hoch. Das Instrument dürfte in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Lorenz W. soll Kurfürstlich Mainzischer Hoflauten- und Geigen- macher gewesen sein; er dürfte sich nur vorübergehend in Bonn aufgehalten haben, denn sein Name kommt weder in den Kirchenbüchern noch in den Akten und Registern des Bonner Stadtarchivs oder der Bibliothek vor. J. J. Held in Köln besaß ein ziemlich hochge- wölbtes, gut klingendes Violoncello mit gelbbraunem Lack und langgestreckten F-Löchern von ihm. Auch dieses Instrument erinnerte an die Arbeiten der Tiroler Schule. Wackerl ^), Ägidius. — Mittenwald. 1 757. 1 760 Besserer Vertreter der Klotzschule, von dem jedoch Geigen verhältnismäßig selten vorkommen. ^) Er besaß die von J. B. Vuillaume kurz vor seinem Tod erfundene Bogenschneidemaschine. ') Nicht Weckerl, wie manchmal irrig gelesen wird. 35* 548 Wackerl — Wasner Wackerl, Johann. — Mittenwald. 1759. 1760 Vielleicht ein Bruder von Agidius, dem er auch in der Arbeit nahesteht. Wackerl, Johann Chrysostomus. — Mitten- wald. Geb. 27. Januar 1757. 1797 Sohn von Agid. W. In einer »Johann Wackerl <■ be- zeichneten Geige, die sich mehr italienischen Vor- bildern nähert als die Arbeiten von Agidius und Johann W. (s. d.), vermutet man ein Werk dieses sonst nicht näher bekannten Sohnes von Agidius. Wackerl (Wackherle), Joseph. — Mittenwald. 1790 Seine Geigen kommen öfter vor und sind sauber ge- arbeitet, ohne hervorragende Eigenschaften zu verraten. Geigenzettel : Joseph Wackherle / in Müttenwald. 1 790 (geschrieben). Wackerl, Mattheus. — Mittenwald. 1856 Geschickter Geigenbauer, der sauber nach Stradivari arbeitete. Sein rotbrauner Lack erscheint jetzt oft gerissen, ist aber nicht schlecht. Semen Namen schrieb er im Innern mit Bleistift an die Decke. Wackerl, Thomas. — Mittenwald. Geb. B.Dezember 1758. 1780 Sohn von Agidius W. Auch über diesen Geigenmacher ist nichts Sicheres bekannt. In einer mittelmäßigen Geige von 1 780 mit schwer leserlichem Zettel liest man Th. Wackerl, — wenn es nicht Job. Wackerl heißen soll. Wackher, Wolf, ein Wiener Lautenmacher, der 1 577 das Bürgerrecht erwarb Wäckerle, Lorenz. — Mittenwald. 1803 Vielleicht gehört er zur Familie Wackerl, obwohl er seinen Namen deutlich Wäkerlc schreibt. Seine Geigen sind sauber gemacht, aber schlecht lackiert. Geigenzettel: Lorenz Wäkerle in / Mittenwalt ab 1803 (geschrieben). Wade, Joseph. — Leeds. 1884. 1900 Seine Geigen gelten als gute Orchesterinstrumente. Waemsley s. Wamsley Wagener, Fritz. — Bielitz (Ö.-Schl.). Geb. in Hessen-Kassel am 12. Januar 1867 Schüler von Heinr. Reinhold und Fnedr. Sütterlin. Als Gehilfe arbeitete er in Magdeburg, Würzburg, Linz a. D. und Wien und ließ sich 1891 in Bielitz nieder. Er macht neue Geigen nach Stradivari und verwendet Spiritus- lack. Eigentümlich ist ihm eine besondere Bearbeitung des Baßbalkens. Geigenzettel: Fritz Wagener, ' Geigenmacher & Repa- rateur in Bielitz / Anno 189 (gedruckt). Wagner, Benedict. — Dürrwangen, Ellwangen. 1720. 1796 Em tüchtiger Meister, der anfangs in Dürrwangen bei Dinkelsbühl ansässig war und dann im Dienste des ge- fürsteten Propstes von Ellwangen stand. Leider ent- halten die Ellwanger Kirchenbücher keinerlei Nach- richt über ihn^). Er soll 1720 geboren sein und muß 1 796 noch gelebt haben, da eine Häuser-Numerierungs- liste aus diesem Jahre, die der Geschichts- und Alter- tumsverein Ellwangen kürzlich erworben hat, den Ein- trag enthält: Nr. 199 (zwischen dem Adelmannschen Palast und dem Wirtshaus zur Kanne) Benedikt Wagner, Geigenmacher. Seine Geigen haben meist hohe Wölbung und sind groß, doch scheint er auch Italienische Vorbilder gekannt zu haben, nach denen er flache und zierlich durchgeführte Instrumente machte. Sein Lack ist gelbbraun, dunkelbraun oder rot, der Ton, namentlich bei den flachgewölbten Geigen, hell und glänzend. Außer seinem Zettel verwendete er auch Brandmarken: den Namen »Wagner* brannte er auf dem Boden nächst der Halsplatte ein, auf den Zargen unter dem Saitenhalterknopf die Ortsbezeichnung »EU- wang*. Man unterscheidet bei ihm drei verschiedene Modelle; zwei davon beschreibt Piegendorfer in seiner trefflichen kleinen Schrift über die schwäbischen Geigenmacher, das dritte hat flache Wölbung und einen längeren Korpus (ähnlich wie Buchstädter). Die Schnecke ist oft derbkräftig, aber immer originell. Arbeiten von ihm aus den Jahren 1764 und 1775 sowie eine Violine mit dem Zettel ; Benedict Wagner Geigen- und / Lautenmacher in Dirrwang 1751 besitzt die Stiftskirche in Ellwangen, eine Geige von ihm von 1731 das Benediktinerstift Metten in Bayern. Geigenzettel : Benedict Wagner, Hochfürstlicher / Hof Lauten und Geigenmacher / m Ellwangen Anno 1768 (gedruckt). Wagner, Christian. — Borstendorf. Geb. 1690, t 11. Februar 1771 Schüler von Hans Vogel. Er soll ein vielbeschäftigter, geschätzter Meister gewesen sein. Wagner, Christian Salomon. — Medingen^). 1786. 1800 Arbeiten von ihm kommen recht häufig vor; er machte alle Arten von Musikinstrumenten, doch war etwas Näheres über ihn nicht zu erfahren. Wagner (Wangen?), Chioggia. 1725 D omini ik Caspar. — Auf dem allem erhaltenen Boden einer Geige von eigenartigen Umrissen fand sich ein stark verblaßter Zettel. Der Name konnte auch Wangen gelesen werden, hieß aber vielleicht noch ganz anders. ^) Da Dürrwangen erst seit 1833 — 1834 Pfarrei ist, waren auch dort die Nachforschungen vergeblich. ) Es gibt ein Alt- und ein Kloster Medingen im Lüne- burgischen. Wagner — Wainert 549 Wagner, Ernst Victor. — f 1903 in Lissabon Er besaß eine Gelgenmacherwerkstatt; sein Sohn Daniel (f 7. Januar 1905) war sein Nachfolger. Der jetzige Inhaber des Geschäftes, Daniels Bruder Hermann W., verlegte sich hauptsächlich auf den Handel mit Klavieren. Wagner, Henri. — Paris. 1911. 1914 Er nennt sich »Violinist-Luthier«. Die Geigen mit seinem Namen zeigen dunkelroten Lack und klingen gut. Wagner, Johann. — Borstendorf. Geb. 1703, t3. Mal 1762 Schüler seines Bruders Christian W. Eine fünfsaitige Kniegeige im Museum zu Lübeck von ihm hat folgende Maße : Korpus 48 cm, Gesamtlänge 77 cm, Zargenhöhe mit Boden und Decke gemessen 9 cm. Der Lack ist glanzlos, dagegen das Holz recht gut. Geigenzettel: Johann Wagner / in Borstendorff (ge- druckt). Wagner, Josef. — München. 1730 Er scheint nicht immer Zettel eingeklebt zu haben, und wenn er es tat, ließ er die Angabe des Wohnorts meistens fehlen; daher kommt es auch, daß man nur wenig von ihm kennt und auch nicht weiß, wie lange er in München gearbeitet hat, oder wo er sonst noch lebte. Wagner, Joseph. — Konstanz. Geb. 1729 (1735?). tum 1781 Wahrscheinlich ein Sohn von Thomas Wagner aus Oberammergau, der sich 1 728 in Konstanz verheiratete, im Konstanzer Zählungsregister von 1774 heißt es von ihm: »Josephus Wagner virtuosus in cheli (sie) und Geigenmacher, lebet hiervon, das Haus ist eigen, Alter: 46 Jahre. Ehefrau : Maria Josepha, geb. Hauberin, alt : 38 Jahre.« Sein Haus hat er nach dem Grundbuch im Jahre 1774 gekauft, wo es am 14. Juni heißt: »Jobs. Hotz verkauft dem Joseph Wagner fürstl. Musico und Beisassen sein Haus in der Neugasse zu Konstanz.^' Seine Violinen und Violen erinnern an die Tiroler Schule, doch soll er eine .Amatigeige besessen haben, die er zum Vorbild nahm. Seine .Arbeit ist gut und das Holz mit Verständnis gewählt. Charakteristisch für ihn ist, daß er, wie allerdings viele seiner Zeitgenossen, die Schnecke seiner sämtlichen Geigen aus Birnbaumholz schnitzte. Daran kann man seine Arbeiten sicher er- kennen, auch wenn gewissenlose Händler seinen Zettel durch einen »klangvolleren*' ersetzt haben. — Da ich keine Violinen von ihm kenne, die eine Jahreszahl nach 1781 tragen, und am 22. März 1781 sein Haus in der Neugasse gerichtlich verkauft wurde, ist anzunehmen, daß er vor dem März dieses Jahres gestorben ist. Eine Violine, deren Umrisse im Rokokogeschmack ange- ordnet sind, besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Geigenzettel: Me Fecit Joseph Wagner Constantiae 1768 (gedruckO und Abb. 828. Wagner, Sebastian. — Meersburg a. B. 1788. 1799 Bruder von Jos. W. in Konstanz. Seine Geigen sind weniger gut, klingen ein wenig dumpf und sind ober- flächlicher in der Arbeit als die seines Bruders. Sie erinnern an die gleichzeitigen Mittenwalder, der Lack ist braungelb und nicht schlecht, die F-Löcher kurz, nach Stainer geschnitten, die Schnecke etwas schwerfällig, meist aus Birnbaumholz. .Außer einem Brandstempel mit seinem Namen, den er am Boden anbrachte, findet man auch öfters an den Unterzargen Mörsburg eingebrannt. Eine Geige von ihm besitzt Stadtrat Leiner in Konstanz. Gelgenzettel : Abb. 842. Wagner, Xaverl. — Ellwangen. 1802. 1822 Wahrscheinlich Sohn, Schüler und Nachfolger von Benedict W. Es ist anzunehmen, daß er nicht in Ell- wangen geboren und gestorben ist, da die dortigen Kirchenbücher keinen auf ihn bezüglichen Eintrag ent halten sollen. Gelgenzettel: Abb. 843. Wahl, Eugen. — Karlsruhe 1. B. Geb. 18. Dez. 1877 zu Heilbronn a. N. Er erlernte in seiner Vaterstadt die Holzbildhauerei, arbeitete in Zürich usw. und besuchte von 1896 — 1902 das Missionsseminar in Basel und war dann bis 1909 als Stadtmissionar In Karlsruhe tätig. Als tüchtiger Geiger hatte er frühzeitig großes Interesse für den Geigenbau, im Jahre 1908 begann er dann selbst Geigen zu bauen, wobei ihm seine Kunstfertigkeit als Holzbildhauer sehr zustatten kam. Durch eifriges Studium der einschlägigen Literatur und Ihm zugäng- licher Meisterwerke vervollkommnete er sich bald so, daß er Anfang 1910 eine Geigenmacherwerkstatt er- öffnen konnte. Er hat bisher über 30 neue Geigen ge- baut, denen große Vorzüge nachgerühmt werden. Er arbeitet nach Stradivari, Guarneri und nach einem eigenen Modell, verwendet Spiritus- und Ollack und sehr schönes Holz. Er stimmt nach einem selbst- erfundenen System Decke und Boden ab. Gewöhnlich braucht er zur Herstellung einer Geige, an der er alles, mit der bei einem Holzbildhauer bemerkenswerten Ausnahme der Schnecke, selbst macht, 1 4 Tage. Geigenzettel: Op. (Handelszeichen) Eugen Wahl / fec. Karlsruhe, B. 1910 (gedruckt). Wainert (Weinert, Valnert), Antoni. schau. 1806 War- Wahrscheinlich ein Sohn des in jungen Jahren aus Böhmen nach Polen eingewanderten Kapellmeisters, Komponisten und Professors Anton Weinert, der im Jahre 1850 hundertjährig starb und 16 Kinder hinter- ließ, von denen einige als Sänger, Virtuosen usw. her- vorgetreten sind. Der Instrumenteninacher .Antoni Weinert scheint schon in jungen Jahren gestorben zu sein. Er schrieb seinen Namen manchmal auch in polnischer Schreibweise mit V. Seine Arbeit war unge- mein sauber. Leider war in Warschau nichts über ihn 550 ^aldenberger — Wannek zu ermitteln. Eine schöne zisterförmige Gitarre (Guitar- nno) von ihm befindet sich im Musikhistorischen Museum von W. Heyer in Köln. Geigenzettel : Fecit .'\ntoni Wainert Instrument- Macher in Warschau 1806 (gedruckt). Waldenberger, Georg. — Tübingen. 1616. 1617 Er wird nur als Orgelbauer bezeichnet, hat aber wahr- scheinlich, wie die meisten schwäbischen Orgelbauer seiner Zeit, auch Lauten und andere Musikinstrumente gemacht. Waldter, Daniel Adalbert. — Postelberg. 1 695 Ein Basselto von ihm aus dem Jahre 1695 besitzt das Stift Ossegg (Kat. Nr. 5). Vgl. auch S. 566 D. A. Wolz. Walker, Adam. — London. 1772. 1800 Eine Harfentheorbe von ihm befindet sich im South Kens. Museum. Er war unter anderem der Erfinder der »Celestina«, eines geigenartig klingenden Klaviers. Walker, St. J. — Whitby. 1905 Seine Geigen sollen sauber gearbeitet sein. Waller, Benedikt. — Amberg. 1883 Em Orgelbauer, der auch mit Mittenwalder Geigen handelte und Geigen ausbesserte. Geigenzettel: Benedikt Waller Orgelbauer und In- strumentenmacher 1883 Amberg 1883 (gedruckt). Walmsley s. Wam.sley Walter, Georg Philipp. — Turnau. 1847 Nur als Reparateur bekannt. Walter, Hans Jürgtn. — Lübeck. 1685 Em Lautenmacher; er heiratete 1685 Elisabeth Möller; die Hochzeit fand in Bürgermeister Marquardts Hause in der Königstraße statt. Walter, Jean. — Paris. 1775. 1799 Er wohnte erst Rue Coquilliere, von 1776 — 77 Rue St. Denis, gegenüber der Rue Mauconseil, 1779 in der Rue Qumcampoix und von 1783 — 1799 in der Rue Bourbon, ist aber sonst wenig bek.nnnt. Vgl. auch Wolters. Walther, Jean Baptist. — Haag. 1 727 Eine Geige von ihm führt das Versteigerungsverzeich- nis des Nachlasses des Musikalienhändlers Nicolas Seihof auf. (Die Versteigerung fand 1 759 statt.) Walton, William. — Preston. Geb. in Lonetcn 7. August 1860 Em Eisenbahnbeamter, der aus Liebhaberei Geigen- macher geworden ist und es zu besonderer Geschick- lichkeit gebracht hat. Auch hat er vielfältige Lackver- suche gemacht. Seine Biographie (mit Bild) hat Mere- dith-Morris in -TheStrad« 1901 Nr. 132 veröffentlicht. Geigenzettel: William Walton / Maker Longton, Preston ; A. D. 1900 No 12 (gedruckt). WambslerCr*), Michael. — Mittenwald. 1772 -Auf einem schwer leserlichen Zettel einer sehr guten Mittenwalder Geige ergab sich als wahrscheinlichste Lesart der Name Wambsler. Über einen Geigenmacher dieses Namens war jedoch nichts zu erfahren. In Mittenwald kommt nur eine Familie Wanner vor. Wamsley (Walmsley, Waemsley), Peter. — London (Piccadilly). Geb. 1715. 1751 Ursprünglich führte er das Schild »at ye golden Harp« und vertauschte es später gegen »at the Harp and Haut- boy«. Seinerzeit stand er bei seinen Landsleuten in hohem Ansehen, und der Ton seiner Arbeiten wurde sehr gerühmt. Da er diesen aber nur durch ein meiit übermäßiges .Ausschachteln der Decke erzielte, haben seine Geigen mit der Zeit sehr verloren. Er ahmte eine Art Stainermodell nach, die Verhältnisse sind jedoch unrichtig und die F-Löcher sehr häßlich. Statt der Ein- lage zog er gewöhnlich nur eine Linie mit Tinte, und Vidal sagt daher mit Recht : »En somme : lutherie tres mediocre.<' Am besten ist noch sein dunkelroter oder rotbrauner Lack, und die dunkler lackierten Geigen von ihm werden für wertvoller gehalten. Einige wenige Violinen und Violoncelli hat er aber doch gebaut, die ihm Ehre machen, und recht gut sind seine Bässe. Er verwendete verschiedene, meist gedruckte Zettel : Made by Peter Wamsley at ye Golden Harp in Picka- dilly London 1 727 (gedruckt). — Peter Wamsley Maker at the Harp ' & Hautboy in Picadilly 17 Lon- don 51 (gedruckt). — Made by Peter Wamsley at the Harp and Hautboy in Pickadilly 1740 (gedruckt). Wandinge, Carl Johan Ludwig. — Kopen- hagen, Vordingborg, Naestved. Geb. I.Jan. 1777 in Kopenhagen, f im Juli 1848 in Naestved Jim Kunstdrechsler, der sich viel mit dem Geigen- machen beschäftigte. Er war zuerst in Kopenhagen ansässig, ließ sich dann um 1821 in Vordingborg als Mechaniker nieder und zog 1832 nach Naestved, wo noch heute sein .Sohn als Drechslermeister lebt. Die Holzarbeit verstand er recht gut, aber die von ihm ge- machten oder ausgebesserten Geigen verraten überall den Dilettanten. Er scheint das Hauptgewicht darauf gelegt zu haben, die Geigen recht fest zu machen; so versah er den Baßbalken noch mit zwei Querbalken usw. Geigenzettel : Reparert af Wandinge i Wording- borg 1830 (gedruckt). V. Wangenheim. — Gotha. 1854 Em Rittmeister, der sich aus Liebhaberei mit dem Geigenmachen beschäftigte und teilweise das Chanot- sche Modell nachahmte. Wanke, Karl. — Brunn. 1816 Im Brünner Bürgerbuch wird er im Jahre 1816 fol. 37 als »Instrumentenmacher« eingetragen, doch ist es fraglich, ob er Geigen- und Lautenmacher war. Wannek (Vanok) lebte im 19. Jahrhundert m Bukarest Wanner — Waßl berger 551 Wanner, Michael. — Mittenwald. Um 1860 Einer der wenigen Mittenwalder seiner Zeit, der nicht ausschließlich für die großen »Verleger<' arbeitete. Geigenzettel: Michael Wanner Geigenmacher Mittenwald, Oberbayern (gedruckt). Wanssura, Alois. — Prag Ein geschickter Instrumentenmacher vom .-Xnfang des 19. Jahrhunderts. Er schemt übrigens nur Lauten und Gitarren gemacht zu haben. Eine solid gebaute Gitarre von ihm besitzt E. E. Homolka. Ward. — Dublin Inscher Geigenmacher ohne besondere Eigenart. Warnecke, L. Georges. — Nancy. 1826. 1827 Wahrscheinlich aus Deutschland stammend. Seine Geigen sind recht sauber gemacht. Er brachte seinen Brandstempel mit Monogramm zwischen den F- Löchern unter dem Steg an. Er erfand auch ein »Gitanebasson« genanntes Instrument. Eine gute Violine von ihm besitzt Massen in Paris. Brandmarke siehe: Nr. 79. Warrik, A. — Leeds. 1889. 1906 Nachdem er acht Jahre bei Chanot gearbeitet hatte, eröffnete er 1889 seine eigene Werkstatt, arbeitete nach einem Stradivarimodell und erhielt auf der Inter- nationalen Ausstellung in Leeds 1893 eine goldene Medaille. Waser. — Zürich. Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts Wahrscheinlich ein Musiker, der aus Liebhaberei Geigenmacher wurde. Seine Geigen und Violoncelli sind zwar zu flach gewölbt, im übrigen jedoch nicht schlecht, von gutem Holz und sauber eingelegt. Wasner (Waßner), Joh. Benedict 1. 1716 B runn. Über seine Persönlichkeit war in Brunn nichts zu er- fahren, doch kommen mehrfach .Arbeiten von ihm vor, die entweder keine Jahreszahl tragen oder nicht über 1716 hinausgehen. Entweder ist er bald nach dieser Zeit gestorben oder von Brunn weggezogen und hat sich vielleicht in Passau niedergelassen. Seine Geigen haben manche Verwandtschaft mit Tiroler .Arbeiten, sind hochgewölbt, aber derb lackiert, und haben nur kleinen Ton. 1793 erbat eine derselben die Erlaubnis, das Geschäft verkaufen zu dürfen (Kgl. Kreisarchiv Landshut). Eine Viola d'amore von ihm befindet sich im Bay- rischen Nationalmuseum in München. Wasserer, Franz Joseph. — Füssen. 1737. t 9. November 1764 Er wird im Füssener Umlageregister für 1 737 als Lautenmacher aufgeführt. Wasserer (Wässerer), Johann Joseph . — Füssen . 1737 Vielleicht der Bruder von Franz Joseph W. Im Füssener Umlageregister für 1737 kommt er als Lautenmacher mit einem 15 jährigen Sohne Christian vor. Wassermann, Joseph. — Znaim. 1785. 1814 Ein tüchtiger und fleißiger Meister, dessen Arbeiten noch ziemlich häufig vorkommen und wegen ihrer guten Eigenschaften gern gekauft werden. Er scheint italienische Vorbilder gekannt zu haben und ver- wendete einen gelbbraunen oder orangebraunen Lack. Musikdirektor Fiby besitzt eine Viola von ihm von eleganter, großer Form und edlem Ton. W. war der Lehrer von M. Daum. Geigenzettel : Josephus Wassermann Lauten- und Geigenmacher in Znavm 1785 (geschrieben) und Abb. 830 und 835. Wasslberger (Wäßlsberger), Antonj. — Hallein 1719 Vielleicht ein Bruder von Bernhard W. Im ganzen sind seine .Arbeiten nicht besonders sorgfältig ausgeführt, hochgewölbt, aber doch oft originell, auch scheint er meist recht gutes Deckenholz verwendet zu haben. Bei Violen bevorzugte er große Formate, wobei es be- merkenswert ist, daß er in seinem Orte als einer der ersten das alte Violenmodell mit flachem Boden auf- gegeben hat. Geigenzettel: Abb. 836. Wasslberger (Wasselsberger, Waßlberger), Bernhard. — Hallein. 1714 Wenn er auch häufig die Einlagen fehlen ließ und minderwertige Hölzer verarbeitete, sind seine Geigen in der Regel doch recht gut. Sie sind hochgewölbt und braun lackiert. Wasner, Johann Benedict II. 1759 assau Waßlberger (Waßlperg), Christoph I. — Hal- lein. Geb. um 1688, t 20. November 1718 Er wird als Geigenmacher in den Matrikeln geführt, da er aber nur ein Alter von 30 Jahren erreicht hat, dürften f vor wenige seiner Arbeiten auf die Nachwelt gekommen sein. Er war Fürstlicher Hofmusikus und Geigenmacher und vielleicht ein Sohn des Brünner Meisters, wenn nicht identisch mit diesem, was ich für sehr wahrscheinlich halte. Seine Töchter »M. A.« und "C.« erbaten im Jahre 1 759 das Recht, die Geigenmacherei ausüben zu dürfen (also wohl das väterliche Geschäft fortzusetzen). Waßlberger (Waslberger), Christoph II. — Hallein. Geb. um 1690, f 22. November 1724 Er war Geigenmacher, erreichte aber auch nur ein Alter von 34 Jahren. 552 Wasslberger — Weber Wasslberger (Waßlsberger), Christoph III. — Hallein. Geb. um 1730, | 13. Oktober 1779, 49 Jahre alt Besonders tüchtiger Meister, dessen Violinen von Kennern und Geigern gleich hoch geschätzt werden; er scheint italienische Geigen gekannt zu haben und nahm die Wölbung daher oft flacher als die übrigen Halleiner Geigenmacher. Geigenzettel : Christoph Waßlberger, Geigen- / und Lautenmacher in Halle . . . ; 1 763 (gedruckt). Waßlberger (Waßlberger), Dominikus. — Hallein. Geb. um 1716, f 1 . Februar 1780 Er scheint der letzte Sprößling der Familie gewesen zu sein, der das Geigenmachen als Beruf ausübte. Wasslberger (Waißlberger), Michael I. — Hallein. Geb. um 1666, f I.Juli 1736 Er wohnte »bei St. Georgen«, wird als '>Geigenmacher und Spielmann« bezeichnet und darf seiner braven Arbeit nach zur Tiroler Schule gerechnet werden. Waßlberger (Waißlberger), Michael II. — Hallein. Geb. um 1680, f 2. Juli 1736 Er wird als »Geigenmacher und Gleizimeister« be- zeichnet und starb merkwürdigerweise einen Tag nach seinem etwa 1 5 Jahre älteren gleichnamigen Ver- wandten. Waßlberger (Waßlberger), Philipp. — Hallein. Geb. 1703, t 15. Januar 1743 Seine Geigen sind recht gut gemacht, kommen aber selten vor, da auch er im besten Mannesalter starb. Watkins, 0. — 1846 Englischer Geigenmacher aus der Mitte des 19. Jahr- hunderts. Watrin s. Valtrin Watson, Frank. — Rochdale. 1905. 1910 Fleißiger englischer Geigen- und Bogenmacher der Gegenwart; eine Violine von ihm vom Jahre 1905 trug bereits die Nummer 67. Watson, John (Reverend). — Lerwick (Shet- land). 1905 Er macht Geigen nach einem eigenen Modell. Watt, Alexander Stocks. — Edmburgh, Inver- keithmg. Geb. 17. August 1859 m Edm- burgh Em Photograph und Erfinder wertvoller photo- graphischer Apparate, der, selbst ein tüchtiger Geiger, von Dr. George Dickson um 1875 zuerst veranlaßt wurde, sich dem Geigenmachen zuzuwenden. Er hat seitdem über 50 Violinen gemacht, die teils Stradivari, teils Guarnen nachgeahmt und mit Ollack versehen sind. Geisenzettel : Alexander Watt Made at Inverkeithing, / Edinburgh, 1893 (gedruckt). — Mr. Alex. S. Watt. / Made in ye olde Burgh of Inverkeithing A. D. 1895 (gedruckt). Watts, Walter. — Glasgow. 1886 Erhielt 1886 in Edinburgh für seine Geigen eine ehren- volle Erwähnung. .'\uf der Glasgower Ausstellung hatte er Geigen ausgestellt, die nach Stradivari gebaut waren und zu denen er Holz vom alten »Glasgow College« verwendete. Wauschek, C. — Krems. 1870. 1900 Vater und Sohn, die als Geigenmacher und Reparateure geschätzt sind und 1886 eine silberne Medaille in Wels für vier Violinen erhielten. Waylett, Henry. — London. 1765 Er wohnte Exeter Exchange, Strand, und war sauber und genau in seiner Arbeit. Sein Modell schwankt zwischen Stainer und Amati. Weaver, Samuel. — London. 18. — 19. Jahr- hundert Mehr als er auf seinem Zettel von sich mitteilt, war über ihn nicht zu erfahren. Geigenzettel : .AU Sorts of , Musical Instruments, Made and Sold by , Sam' Weaver / on London Bridge (ge- druckt). Weber, G. W. — Kingston (Ontario). 1886 Em im letzten Drittel des 1 9. Jahrhunderts in Kanada täliger Geigenmacher, vermutlich deutscher Ab- stammung. Weber (gen. Rösendahl), Hemr. Eduard. — Möllenbeck b. Rinteln. 1820. f 7. August 1885 Ein tüchtiger Meister, der schätzenswerte theoretische Kenntnisse besaß und eine Reihe von recht guten Geigen gemacht hat, von denen einzelne schon jetzt sehr gut bezahlt werden. Einer seiner Schüler ist O. Bernhard in Stadthagen. Weber, Michael. — Prag. Geb. 7. Oktober 1 787 in Oberneustift Nr. 248 Pfarre Schot- tenfeld (Wien), t 18. Februar 1844 in Prag Sohn des .'\dam W. und der Barbara geb. Schweint. Er erlernte seine Kunst in Wien, arbeitete dann in Prag bei Casp. Strnad und ließ sich in der böhmischen Hauptstadt bleibend nieder, wo er 1818 das Bürger- recht erwarb und erst in der Karlsgasse, dann in der Brenntegasse, zuletzt m der Ferdinandstr. Nr. 116 wohnte. Weber war ein hervorragender Theoretiker, hatte zu vielen Prager Gelehrten persönliche Be- ziehungen und besaß eine reichhaltige Bibliothek. Webers Geigen sind auf das sorgfältigste ausgearbeitet, I Weemann — Weidlich 353 durchweg stark im Holze und dabei doch von schönem Ton. Auch seine Gitarren waren gut. Sein Erbe war Ignaz Sandner. Auf seinem Zettel ist eine Fledermaus abgebildet. Auf seinem Reparaturzettel liest man statt ■>me fecit« — »me reparavit*. Geigenzettel: Michael Weber ' me fecit Pragae 1843 (gedruckt). Weemann, 0., hat seit etwa 1884 ein Geigen- geschäft in Boston Weel, Cornells. — Utrecht. Geb. um 1809 in Hensbroek (Nordholland), f 13. Dez. 1871 Geigen, die er selbst gemacht hat, kommen selten vor. Einige Reparaturen, die ich von ihm kennen lernte, legen für seine Geschicklichkeit kein besonders gutes Zeugnis ab. Eine Geige von ihm besitzt Frl. Nordwyn in 's Gravenhage. Geigenzettel : Cornelis Weel / Utrecht 1853 (gedruckt). Wegner, Friedrich. — Wels. 1589 Im Handwerkerbuch für 1545—1660 (im Welser Stadt- archiv) findet sich : »Friedrich Wegner, Instrumenten- macher aus Saalfelden in Sachsen« am 17. November 1589 »zum Handwerk angemeldet*. Wehn, C. — Göttingcn. Geb. 1793 in Köln Bei wem und wo er gelernt hat, ist unbekannt; wahr- scheinlich war er als Geselle zu A. L. Breiling nach Göttingen gekommen, wo er am 12. Juni 1829 das Bürgerrecht erwarb. Gitarren und Lauten verstand er zu machen, Geigen besserte er aus; ob er sich auch selbst als Geigenmacher versucht hat, ließ sich nicht feststellen. Geigenzettel : C. Wehn in ' Göttingen. Verfertigt alle Arten geschmackvoller Guitarren nach der neuen Angabe / des Luigi Legnani (gedruckt). Wehrle s. Wörle Weibeier s. Welnbiller Weichold, August. — Dresden. Geb. 1800, t 1862 Obwohl er kein gelernter Geigenmacher war, be- schäftigte er sich viel mit Wiederherstellungen alter Geigen und begründete 1834 ein Geschäft, das sein Sohn später zu Ansehen brachte. Weichold, Richard. — Hamburg, Dresden. Geb. 1823, t 8. Januar 1902 Sohn von August W. Schüler von Pfretzschner in Mark- neukirchen. Nach einigen Wanderjahren machte er sich in Hamburg selbständig, zog aber nach Jahresfrist von dort wieder fort, ging nach Dresden zurück und ver- heiratete sich mit Christiane Engst aus Dahlen. Er fand bald einen weiten Kundenkreis, wurde Lieferant des Hoftheaters, der katholischen Kirche usw. und be- kam den Hoftitel. Er verfertigte alle .Arten von Geigen, ferner Gitarren und Zithern und war ein gewiegter Kenner. 1860 erfand er ein neues Verfahren, um quintenreine Saiten herzustellen, und machte auch recht gute Bogen. Weniger Erfolg hatte er mit seinen Versuchen, das Geigenholz künstlich alt zu machen. (Vgl. seinen .Aufsatz in De Wits Zeitschr. 1894, Nr. 33: '>Ein neues Präparationsverfahren zum Altmachen von Tonhölzern <-.) Wegen zunehmender Schwerhörigkeit verkaufte er 1881 sein Geschäft an Liebhold Meyer, arbeitete aber noch fort und stellte viele Versuche an ; auch mit der Lackfrage beschäftigte er sich (vgl. »Zur Geigenlackfrage«, De Wits Zeitschr. 1894. Nr. 7). An- fangs der neunziger Jahre zog er sich dann ganz in das Privatleben zurück. Seine Ehe war kinderlos geblieben, das Geschäft besteht jedoch noch fort und ist auf .August Paulus übergegangen, der seit 1902 Hof- lieferant ist. S. Paulus. .■Xug. Weickert. — Halle a. S. Um 1800 Er wird bei Hart als Geigenmacher erwähnt. Nach anderen soll er der »Erfinder* des Verfahrens, Geigen mit einer Mischung von in Terpentin aufgelöstem Kolophonium zu tränken, sein. Dadurch sollten die »verschwundenen Harzteile« im Holz ersetzt werden ! — In Halle a. S. konnte ich diesen Weickert urkundlich nicht nachweisen. Vielleicht ist Hall oder Hallein sein Wohnort und sein Name Weigert gewesen? Weidemann, Richard. — Wiesbaden. 1887. 1904 Ein früherer Gehilfe Sütterllns, der 1887 sein Geschäft begründete und seine Geigen nach Stradivari und Guarnerl macht. Er arbeitet sehr schön, verwendet aus- gezeichnetes Holz und einen vorzüglichen, durch-- sichtigen ÖUack, dem er verschiedene Färbungen zu geben vermag. Für die Güte seiner .Arbeit spricht, daß seine Geigen auch in England gern gekauft werden. Im Jahre 1916 hat er ein neues Modell mit neuen Schall- löchern nach eigenen Berechnungen entworfen; die danach gebauten Gelgen werden als besonders klang- schön und leicht ansprechend gerühmt. Weidinger.J.A. — Nürnberg. 1885. 1904 Handelsfirma, die eine Werkstatt unterhält, die seiner- zeit von Richard Heberlein eingerichtet wurde. Der Sohn des Inhabers soll jetzt das Geigenmachen regel- recht erlernt haben. Weidlich, Anton, lebte im 19. Jahrhundert in Aussig (Böhmen) Weidlich, Friedrich August. — Brunndöbra. Geb. um 1820 Im Jahre 1847 wurde er Gelgen machermeister und hat In einem langen, arbeitsreichen Leben ziemlich viele Geigen gemacht. 1897 konnte er seine goldene Hoch- zeit feiern. Weidlich, Oswald. — Budapest. Geb. 1863 in Markneukirchen Sohn eines Blechinstrumentenmachers, Schüler von Heinrich Gläsel. Nachdem er bei Otto in Düsseldorf gearbeitet hatte, siedelte er um 1886 nach Budapest 534 Weis Weiß über, wo er sich mit seinem Bruder Anton (Holzblas- instrumentenmacher) verband und selbständig machte. Er besitzt mehrere goldene Medaillen und war auf de- Pariser Weltausstellung 1900 mit einem Streich- quartett nach Stradivari gut vertreten. Weigel, Daniel. — Glatz. Geb. um 1824 in Glatz, t daselbst nach 1860 Er erlangte im Jahre 1848 in Glatz als Instrumenten- macher das Bürgerrecht. Weigert (Weigerth), Johann Blasius. — Linz a.D. 1717. 1755 Obwohl er schon seit 1717 in Linz nachweisbar ist, erlangte er die Geigenmachergerechtigkeit und das Bürgerrecht doch erst 1755. Er war ein fleißiger und vielbeschäftigter Meister, von dem sich u. a. viele Liebesgeigen erhalten haben. Zwei solche befinden sich im Museum Francisco-Carolinum in Linz, je eine im Stift St. Florian (Oberösterreich), in der Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und im städtischen Museum Carohno-Augusteum in Salzburg. Das genannte Stift besitzt ferner einen guten Baß von seiner Hand aus dem Jahre 1 726. Daß er auch ein ge- suchter Reparateur war, beweist seine 1 732 erfolgte Be- rufung nach Kremsmünster, wo er eine Mandora und 26 Violinen ausbesserte. Geigenzettel : Joannes Blasius Weigert in Linz Anno 1717 (gedruckt). — Joann Blasius Weigert Lauden und Geigenma- eher in Linz, Anno 1724 (gedruckt) und .^bb. 834. Weigl, Franz. — Salzburg. 1867. 1895 In seiner Gesellenzeit soll er zwar bei verschiedenen Geigenmachern gearbeitet haben, hat sich aber fast aus- schließlich auf das Zithermachen verlegt. Weil, Christian. — Neuwied. Geb. 1804, t5. Mai 1888 in Neuwied Er war eigentlich Orgelbauer und als solcher Schüler seines gleichfalls in Neuwied ansässigen Vaters. Selbst ein vorzüglicher Geiger, hat er sich viel mit dem Gei- genbau beschäftigt und viele Geigen repariert, schwer- lich aber versucht, neue Geigen zu machen. Geigenzettel : Reparirt von Christian Weil — in Neuwied 1832 (gedruckt). Weinbiller (Weibeler), Georg (Jerg). — Füssen. 1625 Er wurde am 20. August 1625 als Meister in die Lauten- macherzunft aufgenommen. Dabei wurde ihm zur Pflicht gemacht, daß er die "Lauten und Trochen«, die er anfertigte, zuerst der Zunft zum Kauf anbieten solle. Wenn diese die Arbeiten nicht kaufe, dann sollte es ihm freistehen, sie einem »Ausländischen" zu überlassen. Weineisen, Mathias. — Mittenwald. Geb. 1860 Sehr tüchtiger, sorgfältig arbeitender Mittenwalder Geigenmacher, dessen Geigen sowohl wegen ihres guten Tons als ihres goldgelben Lacks sehr gelobi werden. Er läßt, wie das in älterer Zeit vielfach üblich war, seine fertigen Decken und Böden vor dem Lackieren in der Sonne hangen und hält die Farbe, die das Holz dabei annimmt, als den besten Grund für den Lack. Weis, Cajetan. — 17. 18. Jahrhundert Vinzenz Prießnitz in Gräfenberg besitzt eine gute Violine von ihm. Der schwer leserliche Zettel zeigt außer dem Namen usw. einen Wappenadler. Weis, Carl Mettus. — Kopenhagen. Geb. 1806, t 1872 Ein hoher dänischer Beamter (Departementsdirektor im Kultusministerium), der als Liebhaber sehr gute Geigen gemacht hat. Sein Berater war der Geigen- macher E. Hjorth und seine Frau Angelika seine eifrige Gehilfin. Mehrere Geigen mit Widmungsinschriften werden im Instrumenten-Museum in Kopenhagen auf- bewahrt. Er schrieb auch »Oin Violiner og deres Bygning«. Kopenhagen 1861. Geigenzettel : C. Weis fec. E. Hjorth cor. / Havnise (geschrieben). — Weis adjuvante / Angelica uxore 8 (geschrieben). - — Auribus, non oculis Havniae. C.Weis 1867 (gedruckt). Weis, Markus. — Köln (?) Eine Laute des Darmstädter Museums (Nr. 484) trägt neben anderen kölnischen Namen auch den Namen Markus Weis. Weishaupt, Johann Caspar. — (?) 1829 (?) Die staatliche Sammlung m Berlin besitzt eine derb gemachte Viola da Gamba, die auf der Hinterseite des Schallkastens eine Inschrift mit diesem Namen und nicht ganz verständlichen Jahreszahlen aufgemalt trägt. Geigenzettel: 1726 Johann Casp. Weishaupt 1829 (ge- druckt). Weiß, Claus. — Füssen. 1581 Als Lautenmacher und Bürger erwähnt. (Vgl. Geiger, Arch. Zeitschr. N. F. 18, 1911, S. 282, Nr. 118.) Weiß, Eugenio. — Triest. 1880 Ein tüchtiger Geiger und Violinlehrer, der sich seit 1880 auf das Geigenmachen verlegte und namentlich in bezug auf den Ton sehr beachtenswerte Ergebnisse erzielte. Sein Lack ist goldgelb. Weiß, Jakob. — Salzburg. 1714. 1740 Ein fleißiger und geschickter Meister, von dem zwar nur selten noch Violinen vorkommen, dagegen ziemlich häufig Violen und Lauten. Seine Arbeit ist sorgfältig und der Lack gut. Am Wirbelkasten brachte er gerne Engelsköpfchen u. dgl. an. Eine Viola d'amore von ihm besitzt das Ferdinandeum in Innsbruck, eine Laute von 1714 das Stift Kremsmünster. Eine siebensaitige Viola mit geflügelten Engelsköpfen am Wirbelkasten befindet sich im Bach-Haus zu Eisenach. Eine sehr große, treff- liche Bratsche (Armgeige) mit dunkelrotbraunem Lack und charaktervollem Löwenköpf am Wirbelkasten be- sitzt Fritz Wildhagen in Haiensee bei Berlin. Geigenzettel: Abb. 826. Weiß - Werner 555 Weiß (Weisz), Johann Ambrosius. — Basel. 1585. 1621 Er ist nach Leus Schweizer Lex. im Jahre 1585 aus Füssen nach Basel gekommen und hat dort das Bürger- recht erworben. Eine Laute m Berlm aus der Sammlung Snoeck trägt den hier mitgeteilten Zettel. Das Badische Museum für .Mtertum in Karlsruhe besitzt eine deutsche Laute von ihm (67 cm lang), die von Chr. Holländer 1754 umgearbeitet worden ist. Geigenzettel: Johan Ambrosius Weisz in Basel 1621 (gedruckt). Weiß, Joseph. — Füssen. 1625 Er wurde am 20. August 1625 als Meister in die Lautenmacherzunft aufgenommen. Welcker, Heinrich. — Frankfurt a. M., Darnn- stadt. Geb. in Gontershausen (Hessen) 1811, t 15. Juni 1873 in Darmstadt Nach seinem Geburtsort schrieb er sich »Welcker von Gontershausen" und nannte sich einen Verfertiger musikalischer Tonwerkzeuge. In einer Reihe von theoretischen Schriften über den Instrumentenbau be- schäftigte er sich auch näher mit dem Geigenmachen. Weller, Carl August Wilhelm. — Markneu- kirchen. Geb. 9. März 1850 Schüler seines Vaters Carl Wilhelm W. Im Jahre 1879 begründete er unter der Firma August Weller junior sein eigenes Geschäft und war 1888 Mitglied des Ge- sellen- und Lehrlingsausschusses. Weller, Carl Wilhelm. — Markneukirchen. Geb. 16. Dezember 1822, f 30. August 1889 Schüler von Wilhelm Reichel. Wenn er auch haupt- sächlich billigere Geigen machen mußte, so besaß er doch schätzenswerte Kenntnisse und war seinen Schülern ein tüchtiger Lehrer. Weller, Hermann. — Odessa. 1895 Nachdem er in Deutschland und Ungarn als Geigen- machergehilfe tätig gewesen war, ließ er sich in Odessa nieder. Weller, Friedrich Wilhelm. — Markneu- kirchen. Geb. I.Juni 1854 Bruder von Carl Aug. W., als Geigenmacher ein Mann von ehrlichem Können. Er begründete seine Werkstatt 1881. Wendtner s. Wöndner Wenger^), Gregori Ferdinand. — Augsburg. Geb. vor 1680, t nach 1757 Er stammte aus Wien und heiratete am 23. Oktober 1701 die Witwe des Augsburger Lautenmachers Jakob Fichtl. Ob er in Wien gelernt oder gearbeitet hat, läßt ^) Bei Valdrighi findet sich der Name entstellt in Vinzer und sogar Singer ! sich nicht feststellen. Auf der Wanderschaft scheint er bis Venedig gekommen zu sein ; daß er aber in Salzburg gelebt hat, wie so oft behauptet wird, erscheint ganz ausgeschlossen, da noch nie eine Arbeit von ihm, die von dort aus datiert wäre, zum Vorschein kam. Er ge- hört zu den besten Augsburger Meistern ; sein Modell erinnert an Stainer und Alban, ist aber originell in den Umrissen und den Einzelheiten. Die Halbkreislinien sind beim Hals und beim Klotz gerade abgeplattet, die Einlagen sind 3'^ mm vom Rand abstehend, die Hohlkehle ist tief und die Wölbung ziemlich hoch, das Holz ist gut gewählt, der Boden meist nach der Schwarte geschnitten, der Lack wechselt ab von hell- roter bis dunkelbrauner Farbe. Die Schnecke ist klein und hat einen gestreckten Wirbelkasten, doch finden sich hier häufig Engels- oder Tierköpfchen (Löwen, Bären usw.). Die Maße teilt Piegendorfer mit. Im Ton sind seine Violen und Violoncelli am besten. Arbeiten von ihm besitzen u. a. das Nationalmuseum in Mün- chen, das Germanische Museum in Nürnberg (Violine von 1754), Berlin aus der Sammlung Snoeck (Zither von 1750), W. Heyer usw. Er machte auch viele Lauten und Thcorben. Geigen von ihm kommen ziemlich häufig vor. Eine Viola von 1715 besitzt C. Stoeber in Würzburg. Zwei sechschönge Knickhals- lauten von 1 744 und 1 752 mit hübschen, aus der Decke geschnittenen Rosetten besitzt Fritz Wildhagen in Haiensee b. Berlin. Geigenzettel: Gregori Ferdinand Wenger Lauten- und Geigen-macher / fecit Augustae 1 757 (gedruckt). — Gregori Ferdinand Wenger / Lauten- und Geigen- Macher in Augspurg 1738 (gedruckt) und Abb. 833 und 840. Wenger (!). — Padua Aus dem älteren Katalog der Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, in dem eine Theorbe von »Benn Dellio Wenger inPadua 1622" (unter Nr. 31) auf- geführt wird, ging der Name Wenger als der eines padnanischen Lautenmachers in die Literatur über. Gemeint ist natürlich Wendelin Tieffenbrucker (s. d.), von dem es halbe Zettel gibt, auf denen nur >>Vvendelio Venere* zu lesen ist. Wcntzhüller (?), Johann. — Graslitz. 1791 Ein Geigenmacher, dessen Name sich bei Valdrighi (4474) findet. Es ist jedenfalls ein Johann Wenzl Hüller gemeint. Wentzki (Wentzke), Hans. — Leipzig. 1645. 1680 Der älteste noch nachweisbare Leipziger Geigen- macher, der als solcher 1645 das Leipziger Bürgerrecht erwarb. Er stammte aus Röthgen. Geigenzettel: Hannß Wentzki in Leipzig. 1674 (ge- schrieben). Werl s. Wörl Werner, Anton Ulrich Carl. — Frankfurt a. M. t 5. Februar 1852 Er war Schreinermeister und beschäftigte sich auch mit der Herstellung von Musikinstrumenten und machte namentlich Gitarren, die recht gut gewesen sein sollen. 556 Werner — Whitaker Werner. Franz. — Wien. 1813. 1825 Ein Schüler von Geißenhof, der in der Stadt Nr. 869 seine Werkstatt hatte und am 8. Juh 1813 den Bürger- eid ablegte. Seinem Lehrmeister, den er nachahmte, steht er nach, ist aber nicht ungeschickt gewesen. Seine Geigen sind sauber nach Stradivari gebaut, aber etwas massiger als die von Geißenhof, während die Decken etwas zu dünn gehalten sind. Sein Lack ist braungelb und von schönem Feuer, der Ton gut, weshalb Arbeiten von ihm gut bewertet werden. Werner, Franz Emanuel. — Wien. 1909. Geb. in Schönbach, f das. 29. Juni 1910 Nachdem er viele Jahre bei dem Instrumentenhändler Richter in Wien als Gehilfe tätig war, machte er sich im Jahre 1909 selbständig und arbeitete nach Stradivari. Seine Violinen sind sorgfältig durchgeführt und gleich- mäßig rotgelb lackiert. (Mit Franz Werner war er nicht verwandt.) Werner, Josef. — Brunn. Geb. 29. September 1869 zu Schönbach Er lernte in seinem Heimatsorte bei Vincenz Lutz, kam während seiner Gehilfenjahre zu Lidl nach Brunn und machte sich 1910 selbständig. Er arbeitet sauber nach Guarneri und verwendet einen tiefroten Lack. Geigenzettel : Josef Werner / Spezialist für Geigenbau / Brunn, Elisabethstraße 7 (gedruckt). Werner. — Schönbach b. E. Eine egerländische Geigenmacherfamilie. Ihr gehören an: Werner, Emanuel, arbeitet in Steingrub Werner, Franz Josef, lebt noch Werner, Ignaz, war auch in Absroth tätig Werner, Karl, wird unter den Innungsmeistern von 1826 schon aufgeführt Werner, Johann, von 1858—1890 Werner, Josef I, war schon 1826 in der Innung Werner, Josef II, arbeitete um 1895 in Leibitschgrund Werrot, Henry. — Markneukirchen. 1920 Er bestand im Sommer 1920 die Meisterprüfung. Westerhoff, August Heinrich. — Hamburg. 1842 Ein geschickter Meister, der mitunter ganz vorzügliche Geigen nach Stradivari baute. Geigenzettel: In formam Stradivarii ' Aug. Heinrich Westerhoff / Fecit Hamburg Anno 1842 (gedruckt). Westerholm. — Sundsvall, Vesternorrlandslän (Schweden). 1897 Von Beruf Schuhmacher, beschäftigt er sich in seinen Muf3estunden mit der Geigenmacherei und hat 1897 in Stockholm einige Violen ausgestellt. Weston, Arthur T. — Minneapolis. Geb. 1 6. Deze mber 1 858 in Lake City (Minnesota) Erst im Jahre 1892 verlegte er sich ausschließlich auf das Geigenmachen und brachte es seitdem zu einer gewissen Geschicklichkeit. Er bevorzugt das Modell von Guarneri del Gesü, ohne es sklavisch zu kopieren. Geigenzettel: A. T. Weston, / Maker, / Minneapolis, Minn. , Nr A. D (gedruckt). Wettengel, Georg Victor Alexander. — Mark- neukirchen. Geb. 28. Mai 1855 Geigenmacher, Sohn von G. V. E. W. und Mitbesitzer der väterlichen Fabrik. Wettengel, Georg Victor Emanuel. — Mark- neukirchen. Geb. 1838, t 18. November 1898 im Alter von 60 Jahren 8 Monaten 14 Tagen Sohn von G. A. Wettengel. Er war gelernter Tischler und Mandolinenmacher und beschäftigte sich wie sein Vater mit theoretischen Studien. Er war Lehrer an der Fachschule für Instrumentenmacher in Markneu- kirchen und veröffentlichte u. a. in dem Berichte der Fachschule 1883 eine lOOteilige Konstruktion des Geigenkörpers'). Er begründete 1854 eine von den Söhnen fortgeführte Fabrik, deren Haupterzeugnisse Gitarren und Mandolinen sind. Wettengel, Gustav Adolf. — (Mark)Neu- kirchen. 1820. 1830 Von Hause aus war er Geigenmacher und hatte eine gute Schulbildung genossen, die ihn befähigte, ein um- fassendes Lehrbuch für Geigenmacher herauszugeben, das lange als das beste in seiner Art gelten durfte und heute noch Wert hat. Er verlegte sich jedoch schon frühzeitig ausschließlich auf das Bogenmachen und soll auch eine Saitenfabrik besessen haben. Wetterhan. —Erfurt. Um 1850 Nur als Reparateur bekannt. Wey, N. — Besanfon. 19. Jahrhundert Ein Dilettant, der einige Geigen gemacht hat. Weynmann (Weymann, Weyemann), Cornelis. — Amsterdam. 1682 Obwohl er unter den holländischen Geigenmachern einen gewissen Ruf hat und oft genannt wird, war es mir nicht möglich, sichere Arbeiten von ihm kennenzu- lernen oder nachzuweisen. Whitaker (Whittaker). — London. 1811. 1829 Eine Zeitlang war er mit Button verbunden; die Firma hieß damals Button & Whittaker. Beide scheinen haupt- sächlich Händler gewesen zu sein, die andere für sich arbeiten ließen. Die Violinen und Violoncelli, die Whitakers Namen tragen, sind trotzdem nur mittel- mäßig. Die Einlage fehlt gewöhnlich, der Lack ist von rotbrauner Farbe. ') Auch H. Fischer, Professor am Polyt. in Dresden, gab eine lOOteilige Konstruktion heraus. Whitcomb 557 Whitcomb, W. B., lebt in Milwaukee Whitelaw, James. — Glasgow. Geb. um 1850 in Johnstone Zwar kein Geigenmacher, aber der Hersteller eines sehr guten, in England viel angewendeten Geigenlacks. Whiteside, Henry. — Liverpool. 1749. 1824 Seine Geigen sind nach Slradivari gebaut, nur die F-Löcher schnitt er nach Stainer. Whitmarsh, E. — London. 1883. 1910 Geigenmacher und -händler der Gegenwart, der schon 1885 für seine Geigen und Bratschen eine Bronze- medaille erhielt. Die Firma heißt jetzt E. Whitmarsh & Son. B^ rn. 18. Jahr Wichy (Wicky), Joseph, hundert Eine Zither mit zwei einzelnen und vier doppelten Stahlsaiten von ihm befindet sich im Musikhistorischen Museum in Stockholm. Wickström, Daniel. — Stockholm. Geb. um 1753, t 8. März 1821 Er trat im Jahre 1771 bei dem Tischlermeister Necter- gahl in die Lehre und kam zwei Jahre später als Lehr- ling zu Erik Sandberg und arbeitete später als Geselle bei Johan 1 1 Öhberg, bis er um 1 780 selbständig wurde. Das Bürgerrecht erlangte er 1789. In zweiter Ehe war er mit Johanna Elisabeth Wahlbrecht (f 1820) ver- heiratet. Im Musikhistorischen Museum in Stockholm befindet sich als Geschenk von Generalkonsul Carl Claudius in Kopenhagen ein Violoncell von ihm aus dem Jahre 1782, ferner eine Viola von 1805. Andere Arbeiten von ihm besitzen Lektor D. Fryklund in Sundsvall, Albin Gneis und V. Berg in Stockholm, Direktor B. O. Ekman in Gothenburg usw. usw. Geigenzettel: Forfärdigad af D. Wickstrom , Instru- mentmakare i Stockholm 1799 (gedruckt). Widemann, Johann. — Wien. 1804 Es gibt einige größere Gitarren mit seinem Namen, die er jedoch nicht selbst gemacht haben soll. Er war »bürgerlicher Tischlermeister und Harfenmacher ^', wohnte in der Leopoldstadt, Haupt- oder Taborstraße Nr. 296, und machte Harfen »mit den von Wolfenau erfundenen Verbesserungen*. Widhalm, Gallus Ignatius. — Nürnberg. Geb. 19. März 1752, f 29. September 1822 Zweiter Sohn und Schüler von Leopold W. Nach dem im Jahre 1781 erfolgten Tode seiner Mutter scheint er gemeinsam mit seinem Bruder M. Leopold W. die väterliche Werkstatt übernommen zu haben. Dafür spricht, daß er in diesem Jahre am 24. Oktober den zur Geschäftsübernahme notwendig gewordenen Bürger- schutz erwarb. Vorher soll er auf der Wanderschaft bis nach Italien gekommen sein. Er war zweimal ver- heiratet. Von seiner ersten Frau (geb. 1764?) sind nur die Vornamen Maria Anna bekannt. Sie starb am 18. Mai 1804. Seine zweite Frau Maria Theresia, geb. Meier, soll aus Erlangen gewesen sein. Er besaß ein Haus in der Vorstadt Gostenhof Nr. 16 üetzt Haupt- straße Nr. 1 ), das er bewohnte, sowie ein Haus in Würz- burg (im IV. Distrikt Nr. 70) mit großem Weinkeller, das dem Kloster St. Stephan zins- und lehenspflichtig war. Er hatte neun Kinder und starb als wohlhabender, hochangesehener Mann, der verschiedene Ehrenämter bekleidete, Stiftungspfleger usw. war. Seine Sterbe- urkunde lautet: "Auf Grund pfarramtlicher Sterbe- matrikel vom Jahre 1822 pag. 290 wird hiermit bezeugt, daß Widhalm, Gallus Ignaz, Stiftungspfleger und Lauten- und Geigenmacher, wohnhaft in Gostenhof, am 29. Sept. 1822 »am Schleimschlag* in einem .Alter von 69 '; I /) Jahren gestorben und am 2. Oct. desselben Jahres auf dem St. Rochus-Friedhofe durch Herrn Stadtpfarrer Ulrich Kügel nach katholischem Ritus beerdigt worden ist.« Der Erbleilungsplan vom 5. November 1825, in dem seine Instrumente mit Nummern angegeben sind, ist noch vorhanden; auch sein Grab ist noch erhalten, der Grabstein stammt aus dem 16. Jahrhundert und gehörte ursprünglich dem Weißbierbrauer Ammon und seiner Frau. — Ign. Gallus W. soll namentlich mit Amsterdam in reger Ge- schäftsverbindung gestanden haben. Sein Sohn Leopold schreibt: »Die Instrumente meines Vaters waren weit und breit berühmt und deshalb viel begehrt. Sie wurden nach aller Herren Länder verschickt, z. B. nach Frankreich, Rußland, England, Spanien und Amerika.« Auffällig ist nur. daß weder mir, noch anderen Geigenforschern je eine Geige mit dem Namen Gallus Ignatius W. vorgekommen ist. Er scheint also auch nach dem Tode seines Bruders die alte, berühmt gewordene Firma Leopold W. beibehalten zu haben, um sie seinem Sohne J. M. Leopold W. zu vererben. Ihm können daher nur die Geigen mit dem Namen »Leopold W.* und Jahreszahlen von 1806 — 1822 mit einiger Sicherheit zugeschrieben werden, eine seiner letzten Arbeiten dürfte ein meisterhaft ausgeführtes, an Guadagnini erinnerndes Violoncello mit schönem roten Lack von 1822 gewesen sein, das Gustav Siefert besaß. Er hat das Stainermodell aufgegeben, seine F-Löcher ähneln denen Stradivaris, nur seine Schnecken und Löwenköpfe (meist aus Birnbaumholz) sind noch ganz im Stile seines Vaters gehalten, der Lack ist der gleiche wie bei seinem Bruder. Von ihm ist jedenfalls auch die Violine vom Jahre 1807, die das Germanische National- museum in Nürnberg besitzt. Widhalm, Johann Martin Leopold. — Nürn- berg. Geb. 20. Oktober 1799 in Nürnberg, fnach 1825 Sohn erster Ehe und Schüler von Gallus Ign. W. und dessen Nachfolger. Er übernahm 23 Jahre alt die väter- liche Werkstatt und wurde am 15. Mai 1823 Schutz- bürger. Im Jahre 1825 heiratete er die 1793 geborene Aloysla Wagner aus Wildeneppenried. Die Ehe scheint kinderlos geblieben zu sein, auch ließ sich sein Todes- jahr bisher nicht ermitteln, doch scheint er schon in jungen Jahren gestorben zu sein. ^) Genauer : 69 Jahre 6 Monate und 9 Tage — er starb vorm. 1 1 Uhr. 558 Widhalm, Johann Veit — Widhalm, Martin Leopold Widhalm (Withalm), Johann Veit. — Wien, Nürnberg. 1768 (?). 1773 Vermutlich ein Neffe von Leopold W. Er meldete am 14. Juni 1773 bei dem Pfarramt Wöhrd (Nürnberg) ein illegitimes, totgeborenes Kind an und wird als Geigen- macher aus Wien bezeichnet. Von ihm ist vielleicht eine Violine in der Sammlung Friedrich in Posen, ziemlich hochgewölbt, F-Löcher nach Stainer, schönes, eng- jähriges Deckenholz, Boden zweiteilig, geflammt, gelber, stellenweise rötlicher Lack, tiefausgestochene, mittelgroße Schnecke, Zettel von Arabesken umrahmt. Geigenzettel: I. Withalm in Nürnberg me fecit 1768 (gedruckt). Widhalm (Wiedhalm), Joseph. — Nürnberg. 1737 In einer zweifellos alten, sonst aber sehr mittelmäßigen Geige, deren Lack geradezu schlecht war, fand sich ein Zettel mit diesem Namen, doch könnte die Echtheit des Zettels angezweifelt werden. Irgendein urkundlicher Beleg für die Existenz dieses Widhalm ließ sich bisher nicht auffinden. Widhalm, Leopold. — Nürnberg. Geb. 2. Okt. 1722, t 10. Juni 1776 in Nürnberg (Gosten- hof) Sein Geburtstag ergibt sich mit einiger Sicherheit aus seiner Sterbeurkunde. Er war vermutlich ein Schüler und wohl auch Schwiegersohn des Seb. Schelle oder der Mann seiner Witwe. Im Juli 1746 heiratete er Barbara Sibylla Schelle') und eröffnete im gleichen Jahre in der Vorstadt Gostenhof seine Werkstatt. Er war einer der allerbesten deutschen Lauten- und Geigenmacher seiner Zeit. Er nahm sich zwar Stainer zum Vorbild, doch wußte er dabei seine Originalität zu wahren und bevorzugte ein großes Modell. Die Wöl- bung ist elegant, das Holz sehr gut gewählt, die Ein- lagen sind breit und sehr sauber angebracht, die Schnecken oder Köpfchen (meist aus Birnbaum) sind tadellos in ihrer Ausführung. Sein Lack beweist einer- seits, daß er italienische Vorbilder gekannt hat, ander- seits, daß er bemüht war, ihn immer mehr zu ver- bessern ; so zeigen die .Arbeiten aus seinem letzten Jahr- zehnt entschieden einen besseren Lack als die früheren. Ich halte es für wahrscheinlich, daß er bei den regen Handelsbeziehungen Nürnbergs zu Italien den Lack, oder mindestens die Bestandteile dazu, von dorther bezog. Im allgemeinen bevorzugte er hierbei eine rot- braune Farbe, die er heller oder dunkler wählte, je nachdem es ihm besser gefiel, wie er auch den Lack dünner oder dicker auftrug, was in jedem Fall seine Ursachen gehabt haben wird, wenn wir diese auch nicht erraten können. Immer aber ist sein Lack von hohem Glanz. Bei seinen Violen behielt er das alte Modell mit flachem Boden bei. Er war ein vielseitiger Meister und hat außer Geigen auch alle Arten von Lauten gemacht und selbst Harfen, die sehr gut gewesen sein sollen. Er besaß einen weit über Nürnberg hinausgehenden Ruf und soll namentlich alle Klöster in der näheren und weiteren Umgebung zur Kundschaft gehabt haben. Er ') Geb. 3. Dezember 1719, f 26. März 1781. war ungemein fleißig, und deshalb kommen .Arbeiten von ihm noch ziemlich häufig vor, allerdings oft mit Jahreszahlen, die bis 1720 zurückgehen. Will man diese nicht ohne weiteres für Fälschungen erklären, so müßte man annehmen, daß er einen gleichnamigen Vorgänger (Vater?) gehabt hat, für den freilich bisher jeder urkundliche Beleg fehlt. Eher zu erklären sind seine Zettel mit Jahreszahlen, die bis 1825 reichen, da von seinen sechs Kindern drei Söhne, die ihn über- lebten '), Geigenmacher wurden und der älteste gleich- falls den Namen Leopold trug, ebenso ein Enkel. Die Söhne behielten kluger Weise die berühmte Firma bei, was sie mit um so größerem Rechte tun durften, als sie ja sicher zu Lebzeiten des Vaters als Gehilfen ihren nicht zu unterschätzenden Anteil an den Arbeiten der väterlichen Werkstatt gehabt haben werden. Außer seinen verschiedenen Zetteln verwendete W. auch eine Brandmarke L. W., der manchmal ein Reichsadler bei- gefügt erscheint. Eine Violine von ihm mit Elfenbein- rand vom Jahre 1763 und eine Viola von 1783 besitzt C. Stoeber in Würzburg. Im Germanischen National- museum in Nürnberg befinden sich von ihm eine Violine von 1769, eine Theorbe von 1757 und eine Bratsche aus demselben Jahre "). Eine sehr schöne Violine von 1769 besitzt Mr. Boullee in L'Isle sur Serein (Yonne). Karl Rau hatte zwei sehr große Kontra- bässe von ihm, die er als das Schönste und Beste be- zeichnet, was er je an Bässen gesehen hat. W. wurde am 14. Juni 1776 bei St. Rochus begraben. Vgl. Gh. Boullee: Leopold Widhalm, Luthier allemand, in "L'.Actualite musicale^' (15. Juli 1910), ferner Meusels Künstlerlexikon usw. usw. Der Familie zu Ehren ist eine Straße in Nürnberg Widhalmstraße genannt. Leopold W.s Nachkommen leben in den Familien Fuchs und Krauß heute noch fort. Geigenzettel: Abb. 823, 831, 838. Widhalm, Martin Leopold. — Nürnberg. Geb. 3. Juni 1747 in Nürnberg (Gostenhof)^), fdas. 16. März 1806 Altester Sohn und Schüler von Leopold W. Er über- nahm nach dem Tode seines Vaters die Werkstatt und nannte sich in seinen .Arbeiten kurzweg wie der Vater "Leopold Widhalm". Ihm müßten daher die Geigen usw. mit den Jahreszahlen 1776 — 1806 zugeschrieben werden. Er ist dem Vater durchaus ebenbürtig, nur im Lack steht er ihm manchmal nach; seine besten Ar- beiten haben prächtigen granatroten Lack, für billigere Geigen scheint er in Spiritus gelöste Harze verwendet und eine braune Farbe bevorzugt zu haben. Seine Schnecken haben gewöhnlich etwas breitere Ohren als die seines Vaters. Ein schöner großer Alto von 1 777 be- findet sich aus der Sammlung Snoeck in Berlin. W. starb unverheiratet und liegt bei St. Johannis begraben. Geigenzettel: Abb. 821. ) Drei starben schon in früher Kindheit. .Aus den Taufscheinen der Kinder geht hervor, daß Leopold W. u. a. Korporal der Bürgergarde war. ") Eine weitere Geige mit seinem Namen läßt die Jahreszahl nicht mehr erkennen. ') Sein Taufpate war der bekannte Kunsthändler Martin Tyroff. Widha Wilde 359 Widhalm (Withalm), Mathias. — Salzburg, Nürnberg. 1716 Vielleicht ein älterer Bruder von Leopold W., wenn nicht dessen Vater. Da sich in der Familie Widhalm lange die Sage erhalten hat, daß ihr Ahnherr durch Religionsverfolgungen gezwungen aus dem Süden nach Nürnberg gekommen sei, wäre es denkbar, daß er zu den vertriebenen Protestanten gehörte. Sein Salzburger Aufenthalt ist freilich nicht einwandfrei belegt. Ich fand bisher nur ein einziges aus Salzburg datieites Instrument, ein Violoncello, das aber eher an die böhmische, als an die tiroler Schule erinnerte. Der kgl. Opernsänger Gustav Sjöberg in Stockholm be- sitzt eine sauber gearbeitete, mittelhoch gewölbte Violine von ihm mit gelbbraunem Lack und edlem, festem und doch weichem Ton. Die Schnecke erinnert an die .Amatischule, die F-Löcher mehr an Stainer. Gutes Deckenholz, der wenig geflammte Boden ist aus einem Stück. Körperlänge 335 mm, obere Breite 162 mm, untere 204 mm, zwischen den )( 1 1 1 mm, Zargenhöhe überall 28 mm. Der Zettel sieht seiner Schrift nach nicht unecht aus, aber daß das Wort Salz- burg nicht mit tz gedruckt ist, was im 18. Jahrhundert sehr gebräuchlich war, ist auffällig. Geigenzettel: Mathias Withalm, Hof Lau- ten und Geigenmacher in Salzburg 171 6 (gedruckt). — Mathias Withalm Lauten- und Geigenmacher in Nürnberg .A. 1739 (gedruckt). Widhalm, Veit Anton. — Nürnberg, Stadt- amhof bei Regensburg. Geb. 16. Januar 1756, t nach 1788 Dritter Sohn von Leopold W. und wohl auch dessen Schüler. Sicheres über Ihn ist nicht bekannt und in Nürnberg ist nur seine Geburtsurkunde zu finden. Es liegt daher nahe, ihn mit dem Stadtamhofer Meister zu identifizieren. Er scheint bei Buchstetter gearbeitet zu haben und ließ sich nach dem Tode Buchstetters in Stadtamhof nieder. In der Arbeit steht er diesem Meister nahe und gehört wie dieser zu den besseren deutschen Geigenmachern seiner Zeit. Sein Modell ist elegant in der Form und gut im Holz; er ahmte das mittlere Stainermodell, aber auch Stradivari nach, und namentlich die Geigen der letzteren .Art gehören zu seinen Meisterwerken. Auffällig an seinen Geigen, die stark im Holz sind, ist es, daß er manchmal die Zargen höher nahm, als üblich. Wie schon Buchstetter beizte er seine Geigen vor dem Lackieren ; sein Lack ist dick aufgetragen, meist dunkelrot, durchsichtig und hat sehr lobenswerte Eigenschaften. Viele seiner Arbeiten dürften jetzt als echte »Stainer« im Handel vorkommen. Geigenzettel : Antonius Widhalm fecit Pedepont' prope Ratisbonam 1781 (gedruckt). — Antonius Wied- halm fecit ad Pedem Pontis Ratisbonensis 1784 (ge- druckt). Widmann, Conrad. — Nürnberg. 1459 Ein urkundlich nachweisbarer Lautenmacher (Kreis- archiv Nürnberg). Wiedemann, A. — Halle. 1880 Er soll eine Fabrik für billige Geigen und Gitarren be- sessen haben. Wiedenhofer s. Viedenhofer Wigand. — Lübeck. 1312. f vor 1348 Ein Verfertiger der Rotte, also des harfen- oder psalter- artigen Instruments, das im Mittelalter bei den Spiel- leuten so beliebt war. Er wird in den Urkunden aus- drücklich Wigandus Rottenmaker (Rotten mekere) ge- nannt und kaufte im Jahre 1312 ein beim Rosengarten des Johannis-Jungfrauenklosters gelegenes Haus. Da seine Frau im Jahre 1348 als Witwe bezeichnet wird, war er damals bereits verstorben. Wightman, George — London. 1761 Ein in der Wood Street wohnhaft gewesener, wenig be- kannter Geigenmacher. Wilberger, Karl. — Mittenwald Ein Geigenmacher, der sich wohl nur vorübergehend in Mittenwald aufgehalten hat und mir nur durch seinen Zettel bekannt geworden ist. Geigenzettel: Karl Wilberger / in Mittenwald (ge- druckt). Wilczek, Rudolf, lebt als Streichmstrumenten- macher m Wien Wild, Franz Anton. — Brunn. 1790. 1832 Seine Geigen sind ziemlich hochgewölbt, mit tiefer Hohlkehle, sonst sauber gearbeitet, aber sie klingen ziemlich hart. Der braungelbe Lack ist über einem Leimgrund aufgetragen und daher wenig haltbar. F. A. Wild soll auch in Markneukirchen gelebt haben, doch fehlt dafür jeder Beweis, auch in den Kirchen- büchern wird er dort nie genannt. Geigenzettel: Franz .Anton Wild, Bürgerl. Lauten- und Geigenmacher Brunn anno 1832 (gedruckt). Wild, Heinrich Adolf. — Markneukirchen. Geb. 15. März 1843 Seine Arbeit wird gelobt, dasselbe gilt von: Geb. Wild, Heinrich Robert. — Erlbach. 2. Oktober 1845 in Markneukirchen Wild, Johann Georg. — Markneukirchen. Geb. 15. Januar 1780, f 25. Januar 1840 Ein Vogtländer wie viele andere, ohne hervortretende Eigenschaften. Wild, Karl. — Markneukirchen. Geb. 1818, t 26. Januar 1897, machte auch Gitarren Wild, Ignaz. — Brunn. 1801 Wahrscheinlich der Sohn von Franz .A. W. Er erlangte im Jahre 1801 das Bürgerrecht in Brunn als Geigen- macher, doch gelang es mir nicht, Arbeiten von ihm zu sehen. Wilde, Johann. — St. Petersburg. Geb. in Bayern.- 1741, f 1770 Seit 1741 kais. russ. Kammermusiker, 1764 alters- halber pensioniert ; ein trefflicher Geigenspieler, der als 560 Wildr Will er Dilettant verschiedene Instrumente und allerlei Er- findungen gemacht hat, so einen Dämpfer, der mit dem Kinn regiert wurde, eine Geige, deren Boden aus Per- gament hergestellt war, ein sehr kleines, zusammenleg- bares Cello; auch die sog. Nagelgeige und die sog. Stockgeige (verlängerte Pochette) usw. usw. hat er er- funden. Wildmann, L. P. (oder L. T.), betreibt ein Geigen- und Klaviergeschäft in Danbury (Conn. Am.) Wiifer, Albin. — Leipzig. Geb. 15. Januar 1870 in Bad Elster Schüler von Friedrich Weller in Markneukirchen. Er arbeitete als Gehilfe bei Carl Wilh. Weller, Hans Jäger und Wilh. Ficker, dann bei Liebich in Breslau und A. Hermer in Leipzig, bis er 1891 in Markneukirchen sein eigenes Geschäft gründete. Im Oktober 1897 über- nahm er die erste Meisterstelle bei Jul. Heinr. Zimmer- mann in Moskau, kehrte aber nach einem Jahre wieder zurück, da er sich in Rußland nicht behaglich fühlte, und ließ sich in Leipzig nieder, wo er am 1 . Oktober 1898 sein Geschäft eröffnete. Er macht seine Streich- instrumente sowohl nach italienischem als nach eigenem Modell und verwendet Spiritus- und Ollack. Vater, Großvater und Urgroßvater stammten aus Nordböhmen und waren gelernte Geigenmacher, übten aber die Kunst nicht aus. Außer seinem Zettel ver- wendet er auch einen Brandstempel : -,\i A. TfC- W. ■;};■ Er hat auch einen neuen Saitenmesser erfunden. Geigenzettel : Albin Wilfer / Geigenbauer in Leipzig / 1899 (gedruckt) und Abb. 839. Wilfer. — Schönbach b. E. Eine nordböhmische Geigenmacherfamilie; zu ihr ge- hören : Wilfer, Johann, arbeitet noch Wilfer, Joseph. — Absroth Erhielt für seine Geigenbogen auf der Teplitzer Aus- stellung eine goldene Medaille. Wilfer, Joseph Carl. — Geb. 5. Oktober 1855 in Absroth, arbeitet jetzt in Markneukirchen Wilfer, Karl I, war recht geschickt und 1826 schon Meister Wilfer, Karl II, lebt noch Wilfer, Vitus, arbeitete um 1865 in Theusing Wilfer, Wenzel (Wenzl), war 1826 Mitglied der Geigenmacherinnung Wilkinson. — Dublm. 1820 Teilhaber der Firma Perry and Wilkinson. In Leeds hat noch 1890 ein S. B. Wilkinson Geigen gemacht. Will, Josef. — Eckweißbach (unweit von Gers- feld). 1809. 1825 Ein handwerksmäßig arbeitender, aber nicht unge- schickter Geigenmacher aus der Röhn, von dem Carl Stoeber in Würzburg eine flachgewölbte Viola besitzt. Geigenzettel : Josef Will Geigenmacher / Lechweißbach 1825 (geschrieben). Will, Leopold. — Genf. 1880 Es steht nur fest, daß er mit Geigen gehandelt hat ; ob er selbst Geigenmacher war, wie behauptet wird, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Willems, Hendrick I. — Gent. 1651. 1698 Vielbeschäftigter Geigen- und Lautenmacher des 17. Jahrhunderts. Sein Modell erinnert ebenso an Stainer wie an die Brescianer Schule: hohe Wölbung, scharf hervortretende Ecken, steife und steile F-Löcher. Die Arbeit ist sehr sauber, das Holz der Decke immer sehr gut; nur zum Boden, der bei den Violen häufig flach ist, nimmt er das Holz ohne Wahl, bald Ahorn, bald Buche, Linde oder Nußbaum. Der Lack ist ge- wöhnlich zu spröde. Am Wirbelkasten bringt er gerne Löwen- oder Frauenköpfchen an. Arbeiten von ihm sind in der Kathedrale von Gent. Aus der Sammlung Snoeck ist eine fünf kantige Pochette von 1679 nach Berlin gekommen. Geigenzettel : Hendrick Willems Tot Ghendt 1679 (ge- druckt). Willems, Hendrick (Heyndrick) II. — Gent. 1717. 1743 Wahrscheinlich Sohn oder Neffe von Hendrick I W., von ihm sind verschiedene sorgfältig gemachte Geigen und Violoncelli bekannt. Er folgt mehr dem Amati- modell. Ein J.B.Willems — wohl der Sohn Hend- ncks — , der noch 1760 vorkommt und wahrscheinlich Musiker, vielleicht auch Blasinstrumentenmacher war, heiratete eine Rottenbourg. Es soll allerdings auch Geigen von ihm geben. Geigenzettel: Heyndrick Willems tot Ghendt 1717 (ge- druckt). Willems, Jooris (Georg). — Gent. 1634. 1642 Wahrscheinlich ein Bruder von Hendrick I W. Er war Kornetbläser und Geigenmacher. Seine Arbeit ist sehr sorgfältig und erinnert im Modell an die Amatischule; nur die Ecken sind wesentlich weniger hervorspringend und der Lack spröde und fahl. Sein Sohn Nicolas war Violist an der Genter Kathedrale. Eine Baßviola aus der Sammlung Snoeck ist in Berlin. Geigenzettel: Jooris Willems tot Ghendt, 1642 (ge- druckt). Willer, Johann Franz. — Prag. Geb. 18. Mai 1781 in Prag, f 6. September 1865 Schüler seines Vaters Joh. Mich. W.; arbeitete von 1812—1813 in der Bartholom. ul. Nr. 305, später, wie auch früher schon, im väterlichen Hause, in der Zlata ul. Nr. 274. Er war sehr wohlhabend, besaß eine schöne Instrumentensammhing und machte mancherlei Versuche, so auch in der Anwendung neuer Schall- öffnungen statt der F-Löcher. Von 1831 — 1834 war er Willer WinHisch 561 Obervorsteher seiner Zunft und 1836 beeideter Schätzer für Geigen usw. Bei einigen seiner Zettel be- nutzte er dieselben Embleme wie sein Vater. Geigenzettel: Johann Franc Willer / musickalischer Geigenmacher Prag 1817 (gedruckt). — Johann Franz Willer / Bürger!, und Musickalischer Instrumenten- macher / Pragae 1818 (gedruckt). — Joannes Fr. Willer Reparavit Pragae / Anno 1829 (geschrieben). Willer, Johannes Michael. — Prag. Geb. 25. August 1753 in Vils, t 7. Oktober 1826 in Prag Sohn des Sebastian W. und der Maria Anna, geb. Wörle. Er wurde am 2. Mai 1780 Bürger der Prager Altstadt und heiratete Eva Stokanek, mit der er drei Söhne und zwei Töchter hatte. Seine Werkstätte befand sich 1781 Husovä tf-. Nr. 227/1, im Jahre 1786 Retezova ul. Nr. 224, von 1789—1792 Nr. 222 und von 1805 an in der Goldenen Gasse Nr. 274. 1825—1826 war er Vorsteher der Geigenmacherzunft. Er arbeitete anfangs nach Stainer und ging dann zu dem Stradivanmodell über. Auch die Brescianer Meister ahmte er sehr ge- schickt nach. Seine Geigen sind nach der Form ge- macht, haben gelben Spirituslack oder schönen Ollack und recht guten Ton. Es gibt aber auch minderwertige, einfach weiß polierte Geigen mit seinem Namen, jeden- falls Fälschungen, da Willer ein gewissenhafter und vorzüglicher Meister war. Es ist bekannt, daß Jos. Slavik in seinen Jugendjahren auf einer Willergeige von 1804 spielte. In Prag finden sich noch eine Viola von 1782 bei H. Castulus und ein Kontrabaß bei St. Thomas von 1797. Fritz Wildhagen in Haiensee bei Berlin besitzt eine Zither von ihm aus dem Jahre 1803. Geigenzettel : Tonum Reparavit Michael Willer Pragae 1805 (gedruckt). — Johann Michael Willer / Musicka- lischer Instrumentenmacher in Prag / Anno 1806 (In der Mitte als Emblem ein Apollo) (gedruckt) und Abb. 825. Williams, Alfred. — Cheltenham. Geb. 1840 Er benutzt italienische Vorbilder und arbeitet nicht ungeschickt. Aberavon (Wales). Williams, Benjamm. 1768. 1839 Er hat vielleicht bei Duke gearbeitet. Seine Violinen sind nach Amati gebaut. Williamson, J. — Fjeldmg, Monawatu (Neu- seeland). 1902. 1908 Er hat mit Geschick und Erfolg Neuseeländische Hölzer für seine Geigen verwendet, u. a. Kauriholz für die Böden. Arbeit und Ton verdienen Anerkennung. Wilmet, F. J. — Antwerpen. 1774 Eine Geige der Sammlung Snoeck (jetzt in Berlin) trägt seinen Zettel (mit Cartouchenumrahmung). Andere Arbeiten von ihm kenne ich nicht. Geigenzettel: F. J. Wilmet, / ä Anvers, 1 774 (gedruckt). V. Lütgendorff, Geigen- und Lautenmacher, bd. II Wilschan (Willschan), A. F. — Moskau. 1881 Stellte 1881 Violinen aus, für die er ein »Ehrenzerti- fikat« erhielt. Wilson, Gavm. — Edmburgh. 1813 Er war ein Bootmacher, der ein Lederverhärtungsver- fahren erfunden und, nach »Gentlemans Magazine<' Bd. 13 (1813), aus gehärtetem Leder eine Flöte und eine Geige verfertigt hat, die verhältnismäßig gut ge- klungen haben sollen. Wilson, James L. — Greenock. Geb. 13. April 1847 \n Galston Er begann 1887 Geigen zu machen und wurde dann von John A. Mann unterwiesen. Er arbeitet sehr sauber, erhielt 1893 eine goldene Medaille und ahmt die Mo- delle von Stradivari, Guarneri und Gasp. da Salö nach. Statt einen Zettel einzukleben, schreibt er in seine Geigen: Made by / James L. Wilson 18 98 No 16. Wimmer, Franz Xaver. — Mittenwald. 1743 Selten vorkommender Meister der Klotzschule. Geigenzettel: No. 3 / Franz Xaver Wimmer, Geigen- / macher in Mittenwald an der Iser / Anno 1743 (ge- druckt). Winahlek (Vyhnälek), Franz. — Hermann- stadt. 1895. 1901 Schüler von W. J. Schunda. Er galt als geschickter ^ Geigenmache rund hat sich später nach Temesvar be- geben, wo er gestorben sein soll. Winderling, Anton, arbeitet als Geigenmacher in Stemgrub bei Eger Windisch, Gustav. — Gyömrö (bei Budapest). 19. Jahrhundert Schüler von W. J. Schunda, ein befähigter Geigen- macher. Windisch, Gustav. — Markneukirchen. 1920 Er baut u. a. Mandolinen mit acht verschieden ge- stimmten Saiten. Windisch, Otto. — Schilbach-Schöneck. Geb. 3. Januar 1866 in Schilbach (Sachsen) Schüler von Himmer in Schöneck. Als Gehilfe arbeitete er bei Gläsel und Herwig und begründete 1886 sein eigenes Geschäft, das er, da er auch musikalisch ge- bildet ist, bald in die Höhe brachte, so daß er jetzt durchschnittlich mit 40 Hilfskräften arbeitet und dem- nach eine der größten Streichinstrumentenfabriken Deutschlands besitzt. Außer der Massenfabrikation — es wurden bei ihm bereits Bestellungen auf 10 000 Stück ausgeführt — widmet er sich mit besonderer Sorgfalt der Herstellung von Künstlergeigen und erzielte sehr schöne Erfolge. Vielfache Anerkennung finden auch seine meist nach Stradivari gebauten Violoncelli, die in allen Lagen leicht ansprechen und frei von den oft so störenden Poltertönen sind. Viel Verbreitung fanden seine sog. »Tielkelauten«. Im Oktober 1903 wurde eine 36 562 Windisch — Withers Filiale der Fabrik mit Kontor und Lager in Schöneck eröffnet. Auf der sächs.-thür. Ausstellung 1897 erhielt er die silberne Medaille und auf der Internationalen Industrieausstellung in Marseille 1898 die goldene Medaille mit Ehrenkreuz, ebenso 1899 in Nizza, und die große goldene Medaille in Leipzig 1901. Windisch, Paul. — Schllbach-Schöneck. Geb. 1876 Bruder von Otto Windisch und seit August 1898 Teil- haber der Firma Otto Windisch; Schüler seines Bruders. Er ging mit 17 Jahren als Reparateur nach Leipzig, wo er sich in einer vierjährigen Tätigkeit sehr vervollkommnete. Gleichzeitig benutzte er dort die Gelegenheit, sich kaufmännisch auszubilden, und trieb eifrige Musikstudien. Im Oktober 1903 übernahm er die Leitung der Schönecker Filiale der Fabrik (mit Kontor und Lager) und hat durch seine geschäftliche Tüchtigkeit viel zu dem Aufschwünge der Firma bei- getragen. Windt, Jörg. — Füssen. 1625 Er wurde am 20. August 1 625 als Meister in die Lauten- macherzunft aufgenommen. Winter, Josef. — Linz. Geb. 20. Dezember 1869 in Linz Sohn des Blechblasinstrumentenmachers Jos. W. Schüler von August Anton Reichel in Markneukirchen, wo er von 1884 — 1887 auch die Fachschule besuchte. Schon als Lehrling erhielt er auf der Linzer Kunst- und Gewerbeausstellung 1887 die große silberne Medaille. Als Gehilfe arbeitete er ein Jahr bei Hammig in Leipzig, vier Jahre bei Voigt in Wien und weitere vier Jahre in der Fabrik von Hamma & Co. in Stuttgart. Seit dem Jahre 1896 ist er in Linz selbständig und gilt als tüch- tiger Meister. Winter. - Wakefield. 1852 Ist mir nur durch einen Reparaturzettel bekannt ge- worden. Auch in Hüll war um 1883 ein Geigenmacher dieses Namens tätig. Winter. — Schönbach b. E. Dieser Familie gehören als Geigenmacher an : Winter. Ignaz. — 1890. f 1899 War Schüler von Andreas Heinrich und machte sich 1890 selbständig. Winter, Johann, ist schon seit etwa 1880 tätig Winter, Josef. — t 1910 Winter, Stanlslaus, gehörte schon 1826 der Innung an Winterling, Georg. — Hamburg. Geb. 21 . Dez. 1859 in Watzkenreuth Nachdem er bei Benedict Klier, der als besonders tüchtiger Lehrmeister gelobt wird, ausgelernt hatte, arbeitete er in Frankfurt a. M., Dresden und Wien als Gehilfe, kam dann zu Pfab nach Hamburg, bei dem er nahezu fünf Jahre lang blieb. Im Jahre 1889 erhielt er ein Mitarbeiterdiplom der Hamburger Ausstellung und machte sich 1900 selbständig. Seine neuen Geigen fanden Beifall, sie sind sorgfältig gearbeitet, haben einen guten Lack und klingen gut. Auch als Reparateur fand er allseitige Anerkennung. Er unterhielt stets ein ansehnliches Lager alter Streichinstrumente. Er hat s(ch jetzt in Krailling bei Planegg in der Nähe Mün- chens niedergelassen. Seine langjährigen Gehilfen An- ton Schreiber und Anton Lugert wurden seine Ge- schäftsnachfolger. Wirnitzer, Peter Sebastian. — Bozen. 1693 Dem Namen nach ein Steyrer oder Kärntner, der vorübergehend in Bozen ansässig war, wo er vielleicht als Gehilfe bei M. Alban gearbeitet hatte. In Bozen war nichts über ihn zu ermitteln. Seiner Arbeit nach dürfte er auch in Italien gewesen sein. Dr. med. Phil. Hilde- brand in Duisburg- Wanheimerort besitzt eine schöne Violine von ihm nach einem amatisierten Stradivari- modell von kleinem Patron mit prächtigem, gelbröt- lichem Lack und edlem Ton. Geigenzettel : Peter Sebastian Wirnitzer / in Bulsani in Tiroli Anno 1693 (gedruckt). Wise, Christopher. — London. 1650. 1661 Die wenigen Violinen und Violen, die man von ihm kennt, sind gut gemacht, haben kleines Patron, gute Umrißlinien, mittlere Wölbung und gelbbraunen Lack. Geigenzettel : Christopher Wise, in Half Moon Alley, / without Bishops-gate London 1656 (gedruckt). Wiseman. — Coventry. 1793 Ein mittelmäßiger englischer Geigenmacher, der kaum die Vogtländer seiner Zeit erreicht. Wisser, Johann Anton. — Waldshut. 1751 Vielleicht der Sohn und wohl auch der Schüler von Peter W. Das bayrische Nationalmuseum in München besitzt eine fünfchörige Zither mit seinem Namen. Wisser, Peter. — Waldshut? 1708 Eine Cister aus der Sammlung Galpin von ihm be- findet sich im Bostoner Museum. Witaczek s. Vitäcek Withalm s. Widhalm Withers, Edward L — London. 1808. 1875 Ein tüchtiger Geigenmacher, der William Davis' Nach- folger wurde und Coventry Street No. 31 wohnte. Er arbeitete nach Stradivari und verwendete einen Ollack. Sein Sohn besitzt noch heute ein von ihm gebautes Quartett, das er für das schönste hält, das je in England entstanden ist. Withers, Edward II. — London, Geb. 22. Okt. 1844 Ältester Sohn und Schüler yon Edw. I W, und von John Lott (»Jack Lott«). Er wurde der Nachfolger seines Vaters und verlegte seine Werkstatt in die Wardour Street Nr. 22, wo sie sich noch befindet. Er With. ers w. orl 563 arbeitet nach Stradivari und Guarneri, und da er sehr sorgfältig ist, stellt er monatlich nur eine Geige fertig, die er in allen Teilen allein ausführt und mit Bernstein- lack (in verschiedenen Farben) lackiert. Auch als Bogenmacher ist er geschätzt. Drei seiner Söhne sind gleichfalls Geigenmacher geworden und arbeiteten in der väterlichen Werkstatt: Edward Sidney Munns, geb. 30. August 1870, Sidney Bernard, geb. 22. Oktober 1873 und Douglas Sidney, geb. 10. August 1879. Geigenzettel : Edward Withers, / 22 Wardour Street, / London (gedruckt). Withers, George. — London. 1886. 1902 Nachfolger von Edward I W. und Besitzer der Firma Geo Withers & Co., die ihre Gründung auf Norris & Barnes (1765) zurückführt und jetzt Withers, Sons & Co. heißt. Er arbeitet nach Stradivari und verwendet vorzugsweise emen gelben Ollack. Seine Geigen sind kräftig im Holz und haben guten Ton, der sich durch das Alter noch verbessern wird. Geigenzettel : George Withers. / London (gedruckt). Withers, Guarnenus. — London. 1910 Älterer Sohn und Teilhaber der Geigenfirma George Withers & Sons. Er erlernte den Geigenbau in Mire- court. Withers. J. — London. 1879. 1901 Er eröffnete seine Werkstatt im Jahre 1879 und gilt als recht geschickt. Withers, Walter George. — London. 1910 Jüngerer Sohn von George W. und Teilhaber des väterlichen Geschäfts. Er erhielt seine Ausbildung als Geigenmacher in Mirecourt. Witte, Caspar. — Lübeck. 1625 Der Name kommt auch Wilte, sogar Wietenbil ge- schrieben vor. Er war Bürger und mit der Berechtigung zur Ausübung seiner Kunst als Lautenmacher vom Rat der Stadt Lübeck verlehnt. Witting, Johann Georg. — Mittenwald. 1754. 1775 Arbeiten von ihm kommen ziemlich häufig vor und ver- raten eine kunstgeübte Hand. Das Modell geht auf Klotz zurück; das Holz ist häufig recht gut. Geigenzettel : Abb. 824. Witting, Joseph. — Mittenwald. 1788. 1795 Vermutlich der Sohn von Johann Georg W. Geigenzettel: Joseph Witting / in Mittenwald 1795 (gedruckt). Wittmann, Anton. — Wien. Geb. 2. Dezember 1878 in Wien Nachdem er von 1892 — 1896 seine Lehrzeit bei Ed. Heidegger in Linz beendet hatte, arbeitete er bei Stowasser und J. Jobst in Graz und ging von da m seine Vaterstadt zurück, wo er durch vier Jahre bei Johann Stübiger tätig war, um dann bei C. H. Voigt einzu- treten, bei dem er bis Februar 1910 blieb, worauf er sich selbständig machte. Seine Arbelt wird sehr gelobt; er verwendet einen guten Ollack und befaßt sich ebenso mit dem Neubau wie mit der Wiederherstellung alter Meisterwerke. Er hat den Krieg mitgemacht und ist dabei in russische Gefangenschaft geraten. Geigenzettel : Abb. 837. Wittor, Emanuel. — Kattowitz. 1920 Erhielt 1920 ein Gebrauchsmuster für eine von ihm erfundene Geigengitarre. Wittstadt, Friedrich. — Würzburg Er hatte im 19. Jahrhundert ein Geigengeschäft in Würzburg; es gibt auch Geigen mit seinem Zettel, doch ist es fraglich, ob diese seine eigene Arbeit waren. Sein Nachfolger Ist J. Kriner. Wjetschin s. Velvarsky Wöginger, Clemens. — Hallein. Geb. um 1596, t 13.JuH 1682 (86 Jahre alt) In der Sterbematrikel wird er als »Stadtgeiger* be- zeichnet. Er dürfte als solcher der Nachfolger von Elias Strobl gewesen sein und war vielleicht einer der ältesten Geigenmacher in Hallein, da die Stadtgeiger seiner Zeit und in seiner Gegend immer auch Geigenmacher waren. Wöhrlin s. Wörle Wöller, Anton. — Schönbach b. E. Er wird schon 1826 als Innungsmeister erwähnt. Ein Johann W. kommt 1795 vor, und ein Joseph Wöller arbeitet noch heute als Geigenmacher in Schönbach. Geigenzettel : Johann Wöller in / Schoenbach 1 765 (ge- druckt). Woellern, Georg s. Wörle Wöndner (Wendtner), Hans. — Regensburg. 1657. t 17. April 1670 Er wird ausdrücklich als >>Geigenmacher« bezeichnet. Violen und Violinen von ihm kommen auch heute noch vor; sie haben ein langes, flaches Patron und flache Wölbung. In der Bauart erinnern sie am ehesten an die Brescianer Schule; nur der Lack ist zu glanzlos und braun. Geigenzettel : Hansz Wöndner / Geigen- / macher in Regenspurg 1657 (gedruckt). Wörl (Wöhrl, Wörll), Conrad. — Wien. Geb. 1696, t 30. März 1771 Er wohnte im sog. Wübner Viertel und legte am 8. März 1 728 den Bürgereid ab. In den Steuerbüchern kommt er bis zu seinem Tode vor. Er gehört wahr- scheinlich zu der Vllser, Augsburger oder Mitten- walder Familie des gleichen Namens. Seme Geigen und Violoncelli sind groß, hochgewölbt und etwas schwer- fällig in der Form, der Lack dunkelbraun. Sie erreichen recht gute Preise. Sein Nachfolger woirde sein Sohn Johann W. Geigenzettel: Conrad Wörll Lauten und Geigen- macher / Wien 1733 (gedruckt). 36* 364 Wörl Wörnle Wörl (Wöhrl, Wehrll. Werl), Johann. — Wien. 1756. 1785 Sohn und Nachfolger von Conrad W. Er wohnte an- fangs im Stubenviertel und legte am 23. Dezember 1 768 den Bürgereid ab. Er kam aber sehr zurück, und schon 1 776 heißt es im Steuerbuch von ihm : »Treibet Ar- muths wegen kein Gewerb«, weshalb er auch der Wiener Geigenmacherzunft nicht bis zu seinem Tode angehörte. Er war nicht ungeschickt, und seine Geigen sind denen von Christ. Parti ziemlich ähnlich. Nur wenige davon sind als gute Orchesterinstrumente höheren Wertes. Geigenzettel : Johann Werll Lauten und Gei gen- macher in Wien 1 756 (gedruckt). Wörle (Vörle, Wörlin, Woellern), Georg. — Augsburg. Geb. um 1620 in Vils, f nach 1674 Seine Lehrzeit dürfte er in der Heimat durchgemacht haben; er ließ sich in Augsburg nieder, wo er die »Krämergerechtigkeit" erwarb und am 7. Juli 1647 die Catharina Negier heiratete. Im Hochzeitsamts-Proto- koll heißt es darüber: »Georg Wöhrlin von Fils, Lauten- macher, hat die Cramergerechtigkeit, & Catharina Negerleiin von Wettenweiler unter Gotteshauß Wetten- hausen, bede ledig« usw. usw. Er war ein geschickter Meister, der außer Lauten u. a. auch recht hübsche Taschengeigen gemacht hat. Eine solche von 1672 be- sitzt das Musikhistorische Museum von W. Heyer in Köln (hier lautet der Name, den er sehr verschieden schrieb, «Woltern«), eine andere, von 1674, bewahrt das Germanische Museum in Nürnberg. Geigenzettel: Georgius Vörle Lauten- und Geigen- macher in .Augsburg 1674 (gedruckt). Wörle, Johann Paul. — Nürnberg, Preßburg, Tyrnau. 1799. 1827 Er war erst in Nürnberg ansässig, dann taucht er in Tyrnau auf und ließ sich zuletzt in Preßburg nieder. Seine Arbeit steht zwischen der Wiener und Prager Schule. Er ist nicht ungeschickt gewesen und ver- wendete gutes Holz, gelben Lack und bevorzugte eine flache Wölbung. Geigenzettel: Joh. Paul Wörle Lauten- , und Geigen- macher in Tyrnau 1804 (gedruckt). — Joh. Paul Wörle/ Lautten und (Greif mit Laute) Geigenmacher / in Nürnberg A 1799 (geschrieben) und Abb. 822. Wörle (Vörle, Wöhrlin), Mathias (Matthäus). — Augsburg. Geb. um 1650, f vor 1695 Er stammt wie Georg Wörle (Vörle) aus Vils und hei- ratete am 3. Mai 1 676 Ursula Schnitzler von Augsburg ; im Hochzeitsprotokoll wird er ausdrücklich als Lauten- macher bezeichnet. Nach Dr. Waldners freundlicher Mitteilung wurden in Vils um die angegebene Zeit zwei Mathias W. geboren. Einer am 3. Februar 1649 als Sohn des Jakob und der Maria W., der andere am 15. Februar 1651 als Sohn von Adam und Maria W. Mit einem dieser beiden müßte der Augsburger Meister identisch sein. Daß er vor 1695 schon gestorben sein muß, geht daraus hervor, daß in diesem Jahre am 13. Februar seine Witwe den Geigenmacher Gg. Aman aus Vils (geb. 28. März 1671) heiratete. Eine Taschen- geige von ihm ist in Berlin aus der Sammlung Snoeck (Nr. 429). Geigenzettel : Mathias Wörle , .•Xugspurg 1689 (ge- druckt). Wörnle, Anton. — München. Geb. 1858 m Mittenwald, f 1906 Sohn von Matthias W., Schüler von Johann Kriner. Von 1871 an besuchte er durch drei Jahre die Geigen- bauschule in Mittenwald und arbeitete dann bis 1897 für die großen Mittenwalder »Verleger«. Um sich zu vervollkommnen, ging er hierauf m die Fremde, arbeitete bei Geißer in Petersburg und trat 1899 als Gehilfe bei 0. Möckel (Berlin-Charlottenburg) ein, wo er Gelegenheit hatte, sich vorzüglich auszubilden. Er blieb hier vier Jahre lang und machte sich 1903 in München selbständig. Seine Arbeit fand Anerkennung, da er sowohl im Neubau als auch in der Wiederher- stellung alter Geigen sehr tüchtig war. Er ahmte die Modelle von Stradivari und Guarneri nach und ver- wendete einen Ollack. Geigenzettel : Anton Wörnle Geigenmacher in München 19 . . (gedruckt). Wörnle, Christoph. — Mittenwald. Geb. 1784, t 1876 Ein braver Geigenmacher, der hauptsächlich für die großen Mittenwalder Verleger tätig war, aber auch bessere Geigen machte, die er mit seinem handschrift- lichen Zettel versah. Auch sein Vater und Großvater waren schon Geigenmacher. Wörnle (Werndle,Werendle), Franz. — Mitten- wald, Freising. 1751. 1760 Die Mittenwalder Familie Wörnle scheint eigentlich Wörle geheißen zu haben ; doch herrscht die Schreibart Wörnle so sehr vor, daß sie zuletzt allein Geltung er- langte. Franz W. war ein angesehener, wohlhabender Mann, der später nach Freising zog und dort zum Bürgermeister erwählt wurde. Seine Geigen haben mittlere und flache Wölbung, gelben Lack und sind recht gut ausgearbeitet. Bei solchen mit hoher Wölbung bemerkte er ausdrücklich auf dem Zettel, daß sie nach Jacob Stainer gemacht seien. Wörnle (Wörnlein, Wörle), Franz Sales. — Mittenwald. Geb. 17. August 1758, lebte noch 1819 Sohn von Georg W. Es gibt gute, aber auch sehr flüchtig gearbeitete Geigen von ihm. Geigenzettel : Franz Wörnlein / Mittenwald ao 1 796 (geschrieben) und Abb. 841. Wörnle, Georg. — Mittenwald. 1757. 1770 Ein guter Mittenwalder Meister der Klotzschule. Geigenzettel : Georgius Wörnle in Mitten- / Wald .An der Isar Ao 1 758 (gedruckt). Wörnle Wolff 565 Wörnle, Matthias I. — Mittenwald. Geb. 1816, t 1881 Sohn und Schüler von Christoph W. und wie dieser hauptsächlich für die Verleger tätig. Wörnle, Matthias II. — Mittenwald. 1919 Ein sehr geschickter Geigenmacher, der den Feldzug mitgemacht hat und jetzt selbständig arbeitet. Wörnle, (N.?). — Mittenwald. 1720 Der Name kommt auch »Wörle^ geschrieben vor. Er verwendete ein flaches Modell von origineller Form und gelben Lack. Wohlenberg, Wilhelm. — Güstrow I. M. Geb. 1853 in Ohof bei Meinersen (Hannover) Er war ursprünglich Musiker (Geiger) und als solcher in Baden-Baden, in KroUs Etablissement in Berlin, in Bad Homburg usw. engagiert. Aus lebhaftem Interesse für sein Instrument erlernte er von Wunderlich das Geigenmachen und vervollkommnete sich durch Selbst- studium noch weiter. Im Jahre 1898 gründete er in Güstrow seine Werkstatt für Geigenbau, verbunden mit einer Musikalien- und Instrumentenhandlung. Geigenzettel : Wilh. Wohlenberg, Güstrow. / Fecit 189 . (gedruckt). Wohner, Johann. — Schönbach b. E. Unter den Meistern von 1826 findet sich auch sein Name. Ein Vincenz Wohner arbeitet noch jetzt als Geigenmacher in Schönbach. Woldemar, Michel. — Orleans. Geb. 1750 Komponist, Violinist und Schriftsteller, Erfinder der •>Violine- Viola«, einer Violine mit fünf Saiten. Wie in unseren Tagen Ritter der Viola noch eine E-Saite hin- zufügte, so ergänzte Woldemar die Besaitung der Violine durch eine C-Saite. Wolf, E., lebte als Geigenmacher m Halle; 1900 erscheint Elise Wolf als Inhaberm semes Geschäfts Wolf, Gustav. 1889 Straßburg I.E. Geb. 17. März Sohn eines Musikalien- und Klavierhändleis. Von 1906 an war er Schüler von Caressa & Fran^ais in Paris. Durch den Tod seines Vaters wurde er Ende 1908 veranlaßt, in die Vaterstadt zurückzukehren, wo er in dem bereits vom Großvater im Jahre 1825 begründeten Geschäft seine Geigenmacherwerkstatt eröffnete. Auf seinem Zettel führt er den Namen der Firma, also S. Wolf. Er arbeitet nach Lupot und verwendet einen gelblichroten Lack. Er befaßt sich besonders mit der Reparatur alter Saiteninstrumente. Geigenzettel: Monogramm S. Wolf, Strassburg i. E. 24, Meisengasse 24 / Kunstgeigenbauer. — Luthier d'Art. / Schüler von / Caressa & Franpais vorm. Gustave Bernardel, Paris (gedruckt). Wolf, Jörg. — Füssen. 1493 Bis jetzt der älteste nachweisbare Füssener Lauten- macher, der im Jahre 1493 das Bürgerrecht erwarb. Sein Bürge war Hans Kegel (Kögl), den man wohl als seinen Zunftbruder ansehen darf. (Vgl. Baumann. Ge- schichte des Allgäus.) Wolf, Johann Wolfgang. - 1798 Mit diesem Namen befindet sich in W. Heyers Musik- historischem Museum in Köln eine fünfchörige thüringische Volkszither. Wolf, Josef. — Wien. 1860 Ein Klaviermacher, der auch einige Geigen und Violon- celli von mittelmäßiger Arbeit gemacht hat. Wolf, Karl, lebt als Streichinstrumenten- macher m Neuhaus bei Budweis Wolf, Raimund, lebt als Geigenmacher und Händler in Heidelberg Wolf, S. s. Gustav Wolf Wolfaert, Eewont (Eduard). — Antwerpen. 1588 Gehörte als Clavecinmacher der Lukasgilde an. Ver- mutlich hat er auch Lauten gemacht. Wolff, Carl. — Berlin. Geb. 28. Juli 1795 zu Bernstadt In Schlesien, f 2. Januar 1854 in Berlin War anfangs Militärmusiker, wurde von Straube zum Reparieren und zum Bau neuer Streichinstrumente angeleitet und brachte es darin zu einer gewissen Fertigkeit. Seine Streichinstrumente, die alle sehr stark im Holz sind, finden im Orchester gute Ver- wendung, sind aber oft roh ausgeführt und wenig elegant in der Form. .^Xuch sein Holz und sein dunkler Lack lassen zu wünschen übrig. — Sein Sohn, der noch 1861 lebte, war sein Nachfolger. Wolff, Friedrich Phlhpp. — Wien. 1839. 1841 Er soll Klaviermacher gewesen sein und hat sich ge- legentlich auch als Geigenmacher versucht. Als solcher nannte er sich einen Schüler von J. G. Stauffer. Wenn er ohne Mithilfe arbeitete, brachte er nur dilettantische Instrumente zustande. Geigenzettel : Einem Originale des Antonio Straduarit (sie) in Cremona genau nachgefertigt , von J. G. Stauffer, und Fried: Wolff, , in Wien Anno 1841 (ge- schrieben). Wolff, Gebrüder. — Kreuznach. 1879. 1900 Streichinstrumenten-undSaitenfabrik, die seinerzeitvon Hermann RöselmüUer eingerichtet und von ihm durch mehrere Jahre geleitet wurde. Erfinder einer verwend- baren stummen Violine. Teilhaber und Chef war Leopold Wolff, seit 1876 Kapellmeister des Kur- orchesters in Bad Münster am Stein. Der spätere In- haber Julius Wolff wurde 1918 für tot erklärt. Das Ge- schäft ging auf die Witwe über. 566 Wolff - Woß Wolff , Johann Kaspar. — Straßburg i. E. 1 680 Ein jetzt wenig bekannter, seinerzeit jedoch ange- sehener Lautenmacher, der Schwiegervater von Johann Valentin Storck, der wahrscheinlich seine Werkstatt übernahm. Wolfram (Wolfrum), Sebastian. — München. t vor 1762 Hoflautenmacher. War als tüchtiger Meister geschätzt, so daß der kurfürstliche Hof auch nach seinem Tode der Witwe Maria W., die das Geschäft bis 1780 fort- führte, allerlei Arbeiten (Neuanfertigung und Repa- raturen, so 1 772 um 111 fl.) übertrug. Er war der Lehrer von Greg. Sidtler, der später das Geschäft von der Witwe kaufte. Geigenzettel: Sebastian Wolfram Chur / fstl. Camer und Bürgl.-Lautten und Geigenma / eher in München 1760 (gedruckt). Wollenhaupt, Bruno Emil. — New York Ein Professor, der eine Violine erfand. Er wollte die Tonfülle und Tonstärke der Violine dadurch ver- größern, daß er im Körper des Instruments Saiten an- brachte, welche beim Anstreichen einer der vier Saiten auf dem Griffbrett harmonisch mitklingen sollen. Es waren 12 solcher Hilfssaiten vorhanden, welche von c bis b oder von g bis fis in Halbtönen von außen mittels Schlüssels gestimmt werden konnten. Durch eine durch das Kinn zu bewegende Dämpferleiste können die Hilfssaiten abgedämpft werden. Die Hilfssaiten können auch durch einen Stahlkamm mit Zungen- stimmen ersetzt werden. Die erste Violine nach diesem System wurde von G. Gemünder sen. in Astoria ge- macht. Bei seiner Reise durch Europa hat Prof. Wollen- haupt auf seinem Instrument vor Prof. Joachim in Berlin und anderen Autoritäten gespielt. Wolters, Jean-Mathias. — Paris. 1740. 1777 Geschickter Geigenmacher deutscher Abstammung, von dem Vidal eine gute Viola d'amore mit gelbem Lack bekannt wurde. In der Sammlung Savoye befand sich eine kleine, sechssaitige Viola von schöner Arbeit, doppelt eingelegt, ebenfalls mit gelbem Lack. Von ihm dürfte auch die Harfe in der Sammlung Fritz Wild- hagen in Haiensee b. Berlin mit der Inschrift: Wolter porte S. Denis / ä Paris stammen. Geigenzettel: J. M. Wolters fecit Lut^etiae / parisiorum, aux Faubourg / St. Antoine a paris 1 749 (geschrieben). Wolz (Woß), Daniel Adalbert. — Postelberg. Nach 1680 Frau Josefa Theuerle auf den Kgl. Weinbergen bei Prag besitzt eine Viola mit dem untenstehenden Zettel, der mir nur in einer Abschrift bekannt wurde. Das Stift Ossegg bewahrt ein Bassetto von einem Daniel Adalbert Waldter in Postelberg. Durch die Übereinstimmung der beiden Vornamen und des Wohnorts könnte man annehmen, daß es sich um einen und denselben Geigen- macher handelt. Vermutlich ist der Name Waldter (Wolter) abgekürzt geschrieben, so daß man allenfalls Wolz lesen kann. Geigenzettel: Daniel Adalbert Wolz Inn Postelberg 168 . . (geschrieben). Wood, G. F. — London. 1905 In einer guten Geige fand ich seinen Namen. Wood, T. — Blindley Head (Surrey). f 1890 Ein guter Geigenmacher, der besonders wegen seiner Kunst zu lackieren ein gewisses Ansehen besaß. Woodlad soll der Name eines von 1820 — 1840 vorkommenden englischen Gelgenmachers gewesen sein, der ein flaches Modell hatte und sauber arbeitete Woodney, H. — Manchester. 18./19. Jahr- hundert Am besten als Violenbauer. Worcken (?), Georg. — 1636 In zwei Taschengeigen, die ich nicht selbst gesehen habe, soll dieser Name gelesen worden sein. Worden, James. — Preston. Geb. 25. August 1839 zu Leyland Er ist gelernter Orgelbauer und Klaviermacher, macht aber auch recht gute Violinen, die er nach verschie- denen Vorbildern sorgfältig baute. Er verwendet Whiteiaws und Watsons Lack. Auf seinem Zettel ist neben dem Namen das Osterlamm abgebildet. Er pflegte jede seiner Geigen einem andern Heiligen zu widmen. Als gut geschulter Musiker hat er sich auch besondere Verdienste um die Hebung des Musik- lebens in Preston erworben. Seine Biographie ver- öffentlichte Meredith-Morris in »The Strad« 1901 Nr. 133. Geigenzettel: (Osterlamm, darunter: P.P.) James Worden Maker/ Preston 1909/ Sub Titulo St (ge- druckt). London. Geb. 1742, Wornum, Robert. t 1815 Ursprünglich Musikalienhändler, versuchte er sich auch im Instrumentenbau und machte hauptsächlich Gitarren, aber auch Geigen und Violoncelli. Er wohnte Wigmore Street Nr. 42. Sein Sohn (oder Neffe) Rob. Wornum (Store Street Beiford Square, London), 1780 bis 1852, ist der Erfinder des »Piano-Buffets«, das er in den Jahren 1813 — 1827 fabrizierte. Worschel, Antonio. — Malland, 1697 Em Deutscher, der wohl als Gehilfe nach Italien ge- kommen und dort seßhaft geworden war. Seine Arbeit, in der nur noch wenige Anklänge an die deutsche Schule zu merken sind, ist sehr sorgfältig, das Holz gut ge- wählt, der Lack braun. Am besten gelangen ihm die Schnecken. Eine gute Violine von ihm besitzt Max Schaffner in Hamburg. Geigenzettel: Antonio Worschel / fecit Milano 1697 (gedruckt). Woß s. Wolz Wotruba — Wunderlich 567 Wotruba (Otruba), Josef, lebte um 1877—1881 In Nieder-Georgenthal Wouldhave, John. — North Shields. 1859. 1865 Saubere, aber unkünstlerische Arbeit, mittelmäßiger Spirituslack. Wrlght, Daniel. — London. 1743. 1745 Von ihm ist nur bekannt, daß er eine Zeitlang in Hol- bom wohnte, und auch dies nur nach seinem Zettel : Made by Daniel Wright in Holborn London (ge- druckt). Ein J. Wright war noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts tätig. Wrozina, Ignaz. — Perth. 1886 Erhielt 1886 auf der Edinburgher Ausstellung für das schöne Modell und den guten Ton einer Geige die silberne Medaille. Wurf fei (Würfel), Jeremias. — Greifswald. 1686. f 1725 Er dürfte ein Sohn des Johannes W. und ein Enkel eines gleichnamigen Hofmusikus des Königs Gustav Adolf gewesen sein. Er war 1686 bereits Stadt- und Univer- sitätsmusikus und verheiratet mit der Witwe des Stadt- musikers Henning Bolte (f 1676). Er fertigte auch Lauten und Geigen an, und von ihm dürfte die mit J. Wurffei, Musicus I(nstrumentalis) bezeichnete sechssaitige Altviole in der Berliner staatl. Sammlung herrühren. Sie ist von auffälliger Bauart; der Unter- körper des Schallkastens ist nochmals eingekerbt, auch die Schallöcher sind eigenartig und die Zargen sehr hoch. Decke und Boden mit Kreuzblumen eingelegt, und am Wirbelkasten befindet sich ein hübsch ge- schnitzter Löwenkopf. Sein gleichnamiger Sohn (geb. 1682, t 1766), war Organist an allen drei Greifswalder Kirchen ; ob er auch Geigen gemacht hat, ist unbekannt. Würffei, Johannes. — Greifswald. 1663 Eine schöne Viola di Gamba mit einem vergoldeten Frauenkopf am Wirbelkasten, die 1883 auf der von der hell. Gesellschaft »Pulchri Studio« veranstalteten Aus- stellung zu sehen war, trug diesen Namen und Jahres- zahl. Johannes W. war vermutlich ein Sohn jenes Jeremias W., der schwed. Hofmusiker war und nach 1632 in Stettin gelebt haben soll, aber auch in Greifs- wald nachweisbar ist. Johannes W. ist wohl auch der Vater des 1678 geborenen nachmaligen Theol. -Pro- fessors Johann Ludwig Würfel, der auch Organist an der Nikolaikirche, Regimentsprediger Karls XII. und Pastor an St. Marien war und 1719 starb. Vgl. Kirch- hoff, Der Stadtkure- in Greifswald S. 23. Württemberg, Wenzeslaus. — 1770 Eine Violine mit diesem sonst nicht bekannten Namen bot vor mehreren Jahren Harr>- Dykes für 17' 2 Pfund Sterling zum Kaufe an. Wulff, B. — Kopenhagen. 1 794 Ein Deutscher, wahrscheinlich ein Musiker, der auch Geigen machte. Wunderlich, Albin. — Berlin-Charlottenburg. Geb. 10. Juni 1873 in Wernitzgrün i. S. Nachdem er seine Lehrzeit in seiner Heimat durch- gemacht, arbeitete er in verschiedenen größeren Werk- stätten, kam im Jahre 1901 nach Berlin und war hier bei den besten Meistern tätig, bis er sich 1912 selb- ständig machte. Durch äußerst saubere Arbeit, schönen Ton und vorzüglichen Lack gelang es ihm, die unge- teilte Anerkennung von Musikern und Kennern zu verdienen. Geigenzettel : Albin Wunderlich/ gebaut [Monogramm] Berlin 19 . . (gedruckt). Wunderlich, Friedrich. — Leipzig. Geb. 15. Juni 1878 in Zwota 1. S. Nachdem er das Bogenmachen gründlich erlernt hatte, kam er zu Albert Nürnberger als Gehilfe und blieb dort mehrere Jahre lang, bis er sich im Jahre 1898 In Mark- neuklrchen selbständig machte. Später verlegte er seinen Wohnsitz nach Leipzig. Er macht alle Teile seiner Bogen selbst, arbeitet hauptsächlich nach Tourte und poliert die Stangen wie dieser ohne Schellack- harz usw., so daß sie mit .'\lkohol gereinigt werden können, ohne den Glanz zu verlieren. Er imitiert auch alle andern Meister des Bogenbaus und betreibt dies als Spezialität. Der Frosch ist bei ihm dadurch besonders haltbar konstruiert, daß er den sog. Froschring ver- bessert hat, auch den Kopf macht er kräftiger, so daß der Bogen beim Neubehaaren keinen Schaden leiden kann. Da er sich auch auf das Holz sehr gut versteht, sind seine Bogen wirklich tadellos. Wunderlich, Friedrich Albin. — Markneu- kirchen. Geb. 24. Dezember 1864, f 1910 in Eubabrunn Bruder von Wilhelm August W. Schüler von Hermann Dölling sen. Seit 1882 arbeitete er selbständig und war Vormeister der Gelgenmacherinnung ; er galt als ebenso geschickt in der Neuherstellung wie in der Wieder- herstellung alter Geigen. Wunderlich, Gustav. — Leipzig, Berlin. Geb. am 4. JuH 1872 in Hennebach-Landwüst (Kr. Zwickau) Schüler von Karl Köhler in Schönbach. Nachdem er von 1890—1897 in Markneukirchen, Dresden, Mün- chen und Leipzig als Gehilfe gearbeitet hatte, machte er sich im letztgenannten Jahre in Leipzig selbständig und verlegte später seinen Wohnsitz nach Berlin. Er arbeitet sehr sorgfältig, und seine Geigen werden von den besten Kennern sehr gelobt. Er hat sich auch durch allerlei Erfindungen verdient gemacht und stellt sehr • gute übersponnene Saiten her. Er hat u. a. auch das »kleinste Streichquartett der Welt«' gebaut. Gelgenzettel : Gustav Wunderlich / Leipzig (gedruckt). Wunderlich, Otto Felix. — Moskau. Geb. 1873 in Markneukirchen Schüler von C. Richard Mönnig in Markneukirchen. Arbeitete seit 1891 als Geigenmacher in Köln a. Rh.. 568 Wunde Amstei dam, Karlsruhe usw. und kam 1 896 nach Moskau, wo er sich 1898 selbständig machte und bald einen guten Ruf als Geigenmacher erwarb. .Aiuch seine Bogen werden gelobt. Wunderlich, Wilhelm. — Markneukirchen. Geb. 1818, t 1901 Er erlernte zwar das Geigenmachen, wurde aber sehr frühzeitig Gitarrenmacher. Wunderlich, Wilhelm August. — Markneu- kirchen. Geb. 19. März 1863 Geigenmacher und seit Th. Scherzers Tod Ober- meister der Markneukirchener Saiteninstrumenten- machermnung. Er hat als solcher die alten Meister- bücher in Verwahrung, die eine Fundgrube für die Geschichte des Geigenbaues im Vogtlande sind. Wurlizer, Hans Adam. — (Mark-)Neukirchen. 1732. 1748 Er wurde am 2. Januar 1732 als Meister in die Zunft aufgenommen. Er war ein Fremder und versprach die Tochter eines Geigenmachermeisters zu heiraten. Er wird in den Kirchenbüchern noch 1748 erwähnt; weitere Nachrichten fehlen. Ein C. Rudolf W. lebt noch als Saiteninstrumentenmacher in Cincinnati. Wurm, Anton.— Aussig i.B. 1850 f um 1880 Er war gelernter Tischler und soll einige Zeit in einer Vogtländer Instrumentenfabrik gearbeitet haben. Er besaß eine gewisse Handgeschicklichkeit und hat ziem- lich viele Geigen leidlich gut repariert; einige wenige hat er neu gebaut. Als Gitarrenmacher war er wesent- lich geschickter. Sein Sohn August war Gitarrenmacher. Wurm (Wurmb), Philipp Jakob. — Wien. 1771. fnach 1787 Er war der Nachfolger von Johann Georg Huber und legte am 9. Mai 1772 den Bürgereid ab. Er wohnte im »Tiefen Graben« Nr. 369 und kommt von 1772 — 1775 in den Steuerbüchern vor; von 1775 — 1787 ist er »in der Bürgerlaad« (Bürgerlade). Im Jahre 1787 wird Jakob Fux sein Nachfolger, dem er das Geschäft wohl noch bei Lebzeiten abgetreten hat. Da aber noch Geigen mit der Jahreszahl 1803 vorkommen, so scheint er noch als Privatmann weitergearbeitet zu haben. Seine Geigen sehen denen von Jos. Ferd. Leidolff sehr ähnlich, sind nach Stainer gebaut, hoch gewölbt und haben zarte Ecken, auch die Schnecke ist zierlich. Der Boden zeigt gewöhnlich klein geflammtes Ahornholz. Der Lack ist dunkelbraun und durchsichtig. Geigenzettel : Philippus Jacobus Wurm fecit Viennae, 1778 (gedruckt). Wurmer, Antonius. — Garmisch. 1767 Seine Arbeit entspricht der Klotzschule; er war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mittenwalder, da auch der 1830 in Garmisch als Forstwart gestorbene Cölestin Wurmer — vielleicht ein Bruder unseres Geigenmachers — am 6. August 1773 in Mittenwald geboren war. Geigenzettel: Antonius Wurmer, in ' Garmisch, .Anno 1 767 (gedruckt). Wutzlhofer (Wutzelhofer), Bernhard. — Brunn. Geb. um 1785, tum 1865 Sohn von Sebastian W. und wohl auch dessen Schüler. Er wurde im Jahre 1809 Bürger und stand der väter- lichen Werkstatt jahrelang als Werkführer seiner Mutter vor. Im Jahre 1853 erscheint er als Besitzer des Hauses, das schon sein Vater von der Witwe des Geigenmachers Hentschl erworben hatte. Er war ge- schickt und hat recht gute Violinen gemacht, die als lobenswerte Kopien nach Stradivari gelten können. Die Firma bestand noch nach 1880. Sein Nachfolger ist Josef Kliment. Geigenzettel : Abb. 829. Wutzelhofer, Sebastian. — Brunn. 1 782. f vor 1827 Er wurde als »incorporierter Lauten- und Geigen- macher« am 3. Mai 1 782 Bürger von Brunn und wohnte in der hinteren Rathausgasse Nr. 228 (jetzt Schwert- gasse Nr. 8), und zwar noch 1806. Das Haus gehörte ursprünglich der Witwe des Geigenmachers Hentschl. Im Jahre 1827 ist Sebastians Witwe Anna Besitzerin des Hauses. Wutzelhofer war demnach der Nachfolger Hentschls und vielleicht auch dessen Schüler. Er steht als tüchtiger Meister in gutem Andenken. Geigenzettel: Sebastian Wurzelhofer Fecit Brün .Anno 1795 (gedruckt) und Abb. 832. Wyemann s. Weynmann Xeneumont, Alexandre. — Lüttich. 181 1 Mittelmäßiger Geigenmacher, der ein großes Patron hatte und große F-Löcher schnitt. Yates, Richard. — Ardwick. Geb. 22. Nov. 1863 in Salford Ein guter englischer Geigenmacher, der, durch das Büchlein von August Riechers angeregt, sich durch Selbststudium entwickelt hat. Er arbeitet nach Amati und Stradivari. Seine Biographie hat Meredith-Morris in »The Strad« 12, 138 mitgeteilt. Geigenzettel : Richard Yates No . . . 39 Rylance Street Ardwick 1900 (gedruckt). Yeats, Henry. — London. 1905 Wird als geschickter Geigenmacher bezeichnet. Yong. — Marseille. 1845. 1852 Er wohnte Rue de Noailles und war nur Händler und von Hause aus gelernter Holzblasinstrumentenmacher, doch hielt er eine Reparaturwerkstatt und beschäftigte in derselben auch Geigenmacher. Yoole, William. — • St. Andrews. Geb. 1806 in Ceres (Fifshire), f 1868 Em schottischer Rechtsgelehrter und vorzüglicher Geiger, der von Matthew Hardie und seinem Sohn im Geigenmachen unterwiesen wurde und eine Anzahl guter Geigen (Violinen, Violen und Violoncelli) ge- macht hat. York — Zach 569 York, Gillis. — Northampton. 1610 Das Selhofsche Auktionsverzeichnis führt zwei Gam- ben auf, die erste mit: »Jorks dvelling Northamshire 1610* und die zweite »Gillis York, Northamshire«. Daß »dveUing« das erstemal als Familienname ver- standen wurde, kann man mehrfach finden. Young, C, lebt in Indianapolis als Geigen- macher Young, Dr. Geo. — New York. 1914 Ein begeisterter Geigenfreund, der in seinen Muße- stunden recht gute Geigen baut. Er verdankt die beste .Anleitung dem trefflichen Hans Tietgen, der seine Freude an diesem Schüler haben kann. In seme Geigen klebt er einen Zettel mit dem Namen »Raimondi« (den Familiennamen seiner Mutter, einer Itahenerm), den er als Pseudonym gewählt hat, nebst einem Dreieck mit den Initialen seines eigenen Namens. Young, James. — Montrose Neuerer schottischer Geigenmacher. Young, John. — London. 1724 Sein Sohn Talbot Young war Violinspieler. Von beiden ist nur der Name überliefert. Sie wohnten in St. Pauls Church Yard und führten das Ladenschild : »at the Dolphin & Crown". Von ihm sagt Purcell: »You scrapers that want a good fiddle well strung, You must go to the man that is old while he's Young. But if the same fiddle you fain would play bold, You must go to his son, who eil be Young when he's old. There s old Young and young Young, both men of renrwn. Old sells, and young plays, the best fiddles in town ; Young and old live together, and may they live long, Young to play an old fiddle, old to seil a new song. « Young, John. — Aberdeen. Geb. um 1812 in Montrose, f 1866 in Aberdeen Ursprünglich ein Tabaksdosendrechsler; er verlegte sich später ganz auf das Geigenmachen und ahmte die Umrisse des Stradivarimodells nach, nahm aber die Wölbung ziemlich hoch. Er verwendete einen gelb- rötlichen Spirituslack. Statt des Zettels pflegte er meist nur eine Brandmarke: »Young Abdn.« anzubringen. Geigenzettel : J. Yong Maker / Aberdeen (gedruckt). Young, W. — London. 1728 Er soll in St. Pauls Churchyard gewohnt haben. Mehr ist über ihn nicht bekannt. Youngman, M. —Halifax. 1903 Seine Geigen werden von Musikern gelobt. Er arbeitet nach guten Vorbildern und verwendet Whitelaws Lack, gemischt mit Coffyn-Lack. Aabel, August. — Tangermünde. 1812 Wahrscheinlich der Sohn von Gottfried Z. und wie dieser ziemlich unbedeutend. Zabel, Gottfried. — Tangermünde. 1 792. 1 803 Wahrscheinlich ein Schüler von Hildebrand. Im übrigen war er nur ein mittelmäßiger Geigenmacher. Zach, Carl. — Wien, Budapest, Mannheim. Darmstadt usw. 1886. 1900 Sohn von Thomas Zach und dessen Nachfolger. 1897 hieß die Firma Carl Zach & Co., Kommanditgesell- schaft, griech. Hoflieferanten, Patentinhaber usw. Die Gesellschaft löste sich noch im Jahre 1897 wieder auf, und J. Lutz übernahm den Instrumentenvorrat. Zach imprägnierte das Holz mit Harz, um ihm »Nahrung zu- zuführen«, erzielte jedoch, wie viele andere, damit keinen Erfolg. Er verließ Wien und versuchte dann an verschiedenen Orten seßhaft zu werden, was ihm nur teilweise gelang. Die Geigen, die während des Be- stehens der Kommanditgesellschaft hergestellt wurden, tragen Zettel mit dem Namen des Prof. Ernst Fleischer. Geigenzettel : (Links und rechts von der Spitze eines gleichschenkeligen Dreircks die Initialen G Z, im Dreieck selbst Kreuz, über den Initialen T Z.) Carl Zach, Geigenmacher, Sohn des Thomas Zach Ge- macht In Wien 1888 (gedruckt). Zach, Franz. — Bukarest. 1872. f 1890 Er ließ sich als Saiteninstrumentenmacher in Rumänien nieder und war ein Bruder und Schüler von Thomas Zach. Geigenzettel : Franciscu Zach Elevu fratele lui Toma Bucuresci 1881 , Reparat (gedruckt). Zach, Thomas. — Budapest, Szabadka, Fünf- kirchen, Bukarest, Wien. Geb. 25. Okt. 1812inMale-Zi?ianyi.B.. t I.Jan. 1892 in Wien Er war ursprünglich Müllergeselle und lernte erst in späteren Jahren das Geigenmachen bei J. B. Dvoiäk und Sitt in Prag. Er kam dann zu Joh. B. Schweitzer nach Budapest, bei dem er viele Jahre tätig war und dessen Nachfolger er später wurde. Natürliche Ver- anlagung und ernstes Streben ließen ihn zu einem be- sonders tüchtigen Meister heranreifen. Nachdem er 15 Jahre seiner Werkstatt vorgestanden, verkaufte er diese an J. Schunda und fing eine Kaffeewirtschaft an. Diese Tätigkeit befriedigte ihn aber doch nicht ; nach- dem er von 1863—1864 in Szabadka, von 1864—1865 in Fünfkirchen, von 1865 — 1872 in Bukarest gelebt hatte, wo er von dem Fürsten Sturdza viel beschäftigt wurde, siedelte er nach Wien über und kam hier bald zu Ruf und Ansehen. Auf der Wiener Wehaussteliung 1873 erhielt er die Fortschrittsmedaille für ein Streich- quartett nach Guarneri, das unbestritten als das beste erklärt wurde. Eine Neuerung fand sich am Saiten- halter, wo die Saiten durch vier der Saitenlage ent- sprechende Röhrchen geführt und durch Knöpfchen befestigt wurden, was die Vibration regelmäßiger machen sollte. (Etwas .Ähnliches hat übrigens schon Spohr versucht.) Verheiratet war er mit Marie Swoboda aus Plänic. Er war ohne Zweifel einer der besten 570 Zachar i.aiser Geigenmacher seiner Zeit; seine Geigen sind nach Stradivari und Guarneri gebaut, das Holz ist gut ge- wählt, der Lack schön, wenn auch etwas wachsartig und nicht sehr haltbar. Geigenzettel : Abb. 846. Zachar (Zachat, Zacher), Maxlmihan. — Breslau. 1730. 1770 Er verwendete ein großes, hochgewölbtes Modell mit tiefer Hohlkehle und meistens gelben Lack. Eine sehr große Viola d'amore mit acht Spiel- und acht Aliquot- saiten (Korpuslänge 43 cm, 27,8 cm Breite) von muster- hafter Arbeit und mit einem Frauenköpfchen am Wirbel- kasten besitzt Fritz Wildhagen in Haiensee b. Berlin. Eine gute Viola von ihm aus dem Jahre 1 735 besitzt Rob. Leibbrand in Berlin. Eine Viola d'amore aus dem Jahre 1730 mit hübsch geschnitztem Knabenkopf am Wirbelkasten befindet sich in Berlin in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente (Nr. 864), ein gleiches Instrument von 1745 im Schi. Museum für Kunstgewerbe in Breslau (Nr. 124: 05). Eine jetzt auf vier Saiten reduzierte Viola d'amore von ihm besitzt Rechnungsrat Friederich in Posen, eine Viola von 1737 Pfarrer Greulich in derselben Stadt. Geigenzettel: Maxmilian Zachat fecit / Vratisl. 17. (gedruckt) und Abb. 853. Zacher, Antonius. — Eichstätt. 1706. 1726 Sohn von Franz Z. Die Familie Zacher ist in den Kirchenbüchern von Eichstätt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nachweisbar ; der Name Anton kommt jedoch nicht vor. Er kann daher in Eichstätt weder ge- boren noch gestorben sein. Nur daß er in dem Pfarr- bezirk St. Wallburg wohnte, geht daraus hervor, daß in der Trauungsmatrikel dieser Pfarrei seine m Rennerts- hofen bei Neuburg a. D. am 20. Oktober 1722 voll- zogene Trauung eingetragen ist. Rennertshofen war der Wohnort seiner Braut Margarethe Pfister, deren Vater als Schreiber und Goldschmied bezeichnet erscheint^). Zacher war damals Witwer. Auch seine erste Frau Sybilla Vogel heiratete er in Rennertshofen am 29. Oktober 1706. In der Matrikel wird er ausdrücklich als Sohn des Franz Z., »chelista« in Ingolstadt, be- zeichnet. In den Magistratsakten wird er dagegen 1720 ausdrücklich als Geigen- und Lautenmacher erwähnt. Ein Altquinton rnit einer Schnecke statt Köpfchen am Wirbelkasten besitzt die staatl. Sammlung alter Musik- instrumente in Berlin (Nr. 874). Eine Viola, die am Wirbelkasten das Köpfchen der Justitia zeigte und 100 cm lang war, wurde 1890 durch Heberle in Köln versteigert. Geigenzettel: Antonj Zacher Hochfürstl / Hoflauten- . und Geigenmacher ; in Eichstätt Ao. 1 725 (gedruckt). Zacher, Franz. — Ingolstadt. 1700. 1706 Der Vater von Antonius Z. Seine Geigen haben hohe Wölbung, stark ausladende Ecken und meistens dunkel- roten oder rotbraunen Lack. Die Arbeit ist ziemlich sauber, das Holz oft recht gut. Eine große, hochge- wölbte Viola von ihm aus dem Jahre 1700mit originellen. ^) Mitteilung von Prof. Romstoeck in Eichstätt. an Stainer erinnernden F-Löchern, rotbraunem Lack und gemalten Linien statt der Einlage besitzt X. Ker- schensteiner in Regensburg. Sie hat einen geschrie- benen Zettel : Franz Zacher Lauttenmacher / in Ingol- statt 1 700 (geschrieben). — Frantz Zacher / Lauthen- / macher in ingolstatt / 1 706 (gedruckt). Zaenker s. Zenker Zafferrl. — ? 1784 Kammermusikus Rudel in Berlin besitzt eine vorzüg- liche Violine mit dem geschriebenen Zettel: Zafferri Physicus perfecit / legibus artis anno 1784. Arbeiten dieses Zafferri, der sich einen Physikus nennt, sind mir sonst nicht vorgekommen. Die Geige verrät eine kunst- geübte Hand und ist sorgfältig durchgeführt; auch die Zargen sind eingelegt. Die F-Löcher sind klein und eigenartig, der Lack hellgelb, der Ton voll und edel. Zaiser, Eugen. — Bregenz. Geb. 27. Mai 1868 in Bregenz Als Stiefsohn des städtischen Musikdirektors A. Jaksch erhielt er eine gründliche musikalische Ausbildung im Geigen- und Klavierspiel und ist auch schon als Kom- ponist mit Erfolg aufgetreten. Er beschäftigte sich sehr frühzeitig mit dem Geigenbau und wurde dann im Jahre 1892 von Joseph A. Haff, der damals in Lindau wohnte, unterrichtet. Bis 1909 hatte er 55 Violinen ge- baut. Während er anfangs das Stainermodell nach- ahmte, baut er jetzt fast ausschließlich nach Stradivari. Seine besten Arbeiten sind die, die eine Nummer von 55 an tragen. Besondere Sorgfalt verwendet er auf das Lackieren, und es ist ihm nach 18 Jahre langen Ver- suchen wirklich gelungen, einen Lack herzustellen, der viele Eigenschaften des alten Cremoneser Lackes auf- weist, den er nach Belieben auch so weich machen kann, daß ein Fingerabdruck darauf sichtbar wird. Er wählt die Farbe je nach dem Holze, das er verarbeitet. Zwei Violinen, die ich von ihm in Händen hatte, ent- sprachen sowohl im Ton wie im Aussehen hochge- spannten Anforderungen, was auch von verschiedenen Professoren der Konservatorien in Basel und Zürich beim Vergleichsspiel mit echten, alten Instrumenten anerkannt wurde. Als weitere Anerkennung seiner künstlerischen Leistungen darf er die Tatsache be- trachten, daß die Akademie für Musik in Wien seine Stiftung einer Konzertgeige, die jährlich dem ersten, mit dem Staatspreis ausgezeichneten Violinisten ver- liehen werden sollte, angenommen wurde, da hierbei Voraussetzung war, daß es sich um ein wirkliches Meisterinstrument handeln müsse, da nur ein solches als Praemium verliehen werden kann. Nach jahrelangen Versuchen ist es ihm auch gelungen, ein neues Geigen- modell zu konstruieren, das die heute so gesteigerten Anforderungen der Violintechnik wesentlich erleichtert und zugleich die Tonschönheit erhöht. Da er alles an seinen Geigen selbst macht und jede Mitarbeit von Gehilfen ablehnt, sind sie einheidich durchgeführte Kunstwerke von ausgesprochener Eigenart. — Daß Zaiser ein erfindungsreicher Kopf ist und allerlei wert- volle Erfindungen auch auf anderen Gebieten gemacht hat, sei nur nebenbei erwähnt. Geigenzettel: Eugen Zaiser, Bregenz. / No. 55. 1909 (gedruckt). Zaller — Zanotti 571 Zaller, Johann. — Brunn. 1806. 1808 Ein Lautenmacher, der 1808 das Bürgerrecht erwarb. Im Protokoll der Tischlerzunft heißt es von ihm am 30. März 1806: »Johann Zaller, gebürtig von Brunn als Instrumenten Baumelster bey der hiesigen Zunft gegen dem inkorporirt worden, das er keine weitere Tischler- arbeit als bloße Instrumenten verfertigen könne, und das ihm die Gesellen nach gebührendem Range zuge- lassen werden, hat erlegt 15 fl.« Zanabon. Diesen Namen findet man ohne weitere Angaben bei Valdrighi (3483) Zander. — Stockholm. 1782 Ein schwedischer Hofmusiker, der sich mit dem Aus- bessern alter Geigen beschäftigte. Geigenzettel: Reparerad af Kongl. Hof- / Musicus Zander 1 782 (gedruckt). Zanetto, Pietro. — Brescia. Soll 1686(?) noch gelebt haben Mir sind mehrere Violinen mit dem Zettel: Pietro Zanetto di Brescia bekannt geworden. Die Zettel sind nicht immer einwandfrei gewesen, aber die Instrumente waren im Brescianer Stil gehalten und erinnerten an Maggini. Eine Familie Zanetto ist aber in Brescia nicht nachweisbar. Es wäre möglich, daß dieser Pietro Zanetto (= Gianetto, Koseform von Giovanni), wenn er überhaupt gelebt hat, identisch mit dem mutmaß- lichen Nachfolger Magginis Pietro Santo (Sanetto? Maggini) sein könnte, ich halte es aber für wahrschein- licher, daß Pietro Zanetto m Treviso der Taufpate aller '>Zanetto«-Geigen ist. Mit Zanetto Michelis oder Peregrmo di Zanetto kann dieser Pietro Zanetto nicht in Verbindung gebracht werden. — Eine gute Geige von ihm mit doppelter Einlage besitzt u. a. Lehrer K. Kuhn in Reichenberg. — Vgl. auch Zanura. Zanetto s. Michelis Zanfi,Giacomo. — Modena. Geb. 1756, f 1822 Er war Musiklehrer, was er auch auf seinen Zetteln betont. Seiner Arbeit nach, die nicht schlecht ist, dürfte er sich Cassini zum Vorbild genommen haben. Er machte Geigen aller Art und verwendete einen dunkel- gelben Lack. Zwei Kontrabässe von ihm befanden sich in der Sammlung Valdrighi. Geigenzettel : Jakobus Zanf i Musicae professor / fecit Mutinae 1809 / et restauravit 1822 [G Z / M in einem Kreis stehend] (gedruckt). Zani, Francesco. — Reggio (Emilia). 1724. 1765 Seine Violinen sind gewöhnliche Handwerksarbeit ohne Stil und Kunstwert, klingen aber manchmal nicht übel. In seinen geschriebenen Zetteln ahmt er gedruckte Buchstaben nach. Zanoll (Zaniol), Giacomo. — Venedig, Padua, Verona. 1740. 1757 Sohn des Giov. Batt. Z. Anfangs arbeitete er in Venedig und war 1740/41 in Padua. Er kehrte jedenfalls nach dem Tode seines Vaters nach Verona zurück, wo er die ererbte Werkstatt übernahm. Seine Arbeit ist meistens ohne höheren Kunstwert, doch hat er auch einzelne sehr schöne Violinen gebaut, eine solche besitzt Hugo Seling. Die Wölbung nimmt Z. gerne nach Guarneri und bevorzugt einen braunrötlichen Lack. Seinen Venezianer Zettel scheint er sich selbst gesetzt und ge- druckt zu haben. Geigenzettel: Abb. 845 und 847. Zanoll (Zanola), Giov. Battista. — Verona. 1760. 1757 Sehr ungleich arbeitender Geigenmacher, der viele billige Geigen von roher Arbeit hergestellt hat, die wenig Italienisches an sich haben. Er wendet ein ziem- lich flaches Modell an und hat oft einen schlechten Lack. Auch seine besseren Geigen haben keine schönen Umrisse und auffallend kleine F-Löcher. Aber man sieht doch, daß er, wenn er wollte, ganz gut arbeiten konnte und sich auf das Holz verstand. Sein Modell ist nicht ohne Eigenart: obere Breite 162 mm, untere 198, Abstand der Ecken voneinander oben nur 142 mm, unten 1 65 mm, Höhe der Wölbung samt Zargen 67 mm . Die Schnecke ist oval. Geigenzettel: Joannes Baptisla Zano- / li in Verona 17 . . (gedruckt). — Joannes Baptista Zanola / Verona 17 . . (gedruckt). — Joannes Baptista Zanoll / Verone fecit 17 . . (gedruckt). (Auf anderen Zetteln vor der Jahreszahl : anno.) Zanoll, Valentino (?). — Venedig. 1733(?).. 1783 Vielleicht ist Zanoli (= Gianole) die Koseform des Taufnamens, und statt Valentino »Valonini« zu lesen. Die Geige, die ich von ihm in Händen hatte, trug einen kaum mehr lesbaren Zettel, war von mittlerer Größe und erinnerte an deutsche Arbeit. Der Ton war leidlich gut. Sollte er doch zur Familie Zanoli gehören, könnte er ein Sohn von Giovanni Battista gewesen sein. Zanotti, Antonio. — Mantua. 1709. 1740 Er stammte aus Lodi und war ein tüchtiger Meister, dessen Arbeit an Pietro Guarneri, manchmal auch an Guadagnini erinnert. Er gebrauchte ein flaches Modell, braungelben Lack und verschiedene Zettel. Zwei Violinen von ihm besitzt Prof. Cav. Fr. Pasini in Brescia. Eine sehr schön klingende Violine von ihm besitzt Stefi Geyer. Geigenzettel : Antonius Zanotus Lodegianus / Mantua 1 709 (gedruckt). — Antonius Zanotus fecit / Mantuae anno 17 . . (gedruckt). — Antonius Zanottus Lodegia- nus / fecit Mantuae, sub Titulo Fortunae ' 1727 (ge- druckt). Zanotti (Zannotti), Christofano. — Modena. 1685 Er wird als Bogenmacher in einer Urkunde von 1685 erwähnt (Valdrighi S. 283), war aber wohl Geigen- und Lautenmacher, da damals die Bogenmacherei für sich schwerlich betrieben wurde. 572 Zanotti — Zenker Zanotti, Giuseppe. — Placenza. Um ]700 Ein Meister dritten Ranges, der vielleicht Brescianer und Cremoneser Geigen gekannt hat, aber nicht nach- zuahmen verstand - — wenn die Geigen mit seinem Namen überhaupt echt waren. Zanti, Alessandro. — Mantua. 1765. 1819 Er arbeitete nach den Modellen von Stradivari und Pet. Guarneri. Seine Arbeit ist gut, ebenso der Ton, nur sein Lack ist geradezu schlecht zu nennen, .^uch ein Domenico Zanti kommt in Mantua vor. Geigenzettel: Abb. 852. Zanura (Zanure), Pletro. — Brescia. ? 1509(?) Eine Viola mit rundem Schalloch, nicht viel breiter als eine Pochette, die den Übergang vom Rebec zur Geige illustriert, mit Zanuras Namen besitzt George H. M. Muntz in Birmingham; sie war 1872 unter Nr. 106 im Kensington-Museum in London ausgestellt. Der Name »Pietro Zanura« kommt in Brescia nicht vor, so wenig wie ein »Pietro Zanetto«, wohl aber, wie Livi nach- weist, eine Familie Zamara, in dieser aber auch kein Pietro. Wenn es wirklich einen Geigenmacher Zanura gegeben hat, dann lebte er sicher nicht m Brescia, und wenn die Ortsangabe nicht fingiert ist, käme vielleicht Brixen als Wohnort in Frage. Geigenzettel: Petrus Zanura Bnxiae (gedruckt). Zara, Caspare. — Pontremoli. 1896. 1902 Im Besitz eines Lehrers in Capodistria sah ich zwei gutgearbeitete Violinen mit seinem Namen. Zarski, Tol.mir. — Warschau. 1892. f in Prag Zeiz um 1900 Ein Maschinentechniker, der sich aus Liebhaberei mit dem Geigenmachen beschäftigte und wohl nur geringe Vorkenntnisse besaß. Er strebte eine Tonverbesserung an, die ihm freilich nicht gelang, obwohl er behauptete, je nach Wunsch Stradivari- oder Guarnen-Ton (?) herstellen zu können. 1894 stellte er in Lemberg eine Viola, ein Violoncell usw. aus und hat sich hierauf ganz auf das Geigenmachen verlegt. Eine Zeitlang hielt er sich in Wien auf; in Prag wohnte er Haus Nr. 475 I. Zaubitzer, A. — Köln, f 1903 Die Geigen, die mit seinem Namen vorkommen, soll er nicht selbst gemacht haben. Zecherkopf, Ariossi (?). — Eichstätt. 1718 Ein Nürnberger Händler besaß eine Viola da Gamba, die angeblich einen Zettel mit diesen sonderbaren Namen enthielt, der wohl durch schlechtes Lesen aus »Antoni Zacher hochf(ürstl. Lautenmacher)« ent- standen sein wird. Zeffirmi.Onofrio. — Cortona. f 7. August 1580 Ein seinerzeit berühmter Orgelbauer, der auch allerlei Saiteninstrumente und Lauten gemacht hat. Auch sein Sohn und seine Enkel usw. sollen als Orgelbauer tüchtig gewesen sein, so Lorenzo, der Sohn Giacomos, Francesco, der Sohn Andreas (im 16. Jahrhundert) und Luca. der Sohn Bernardinos (im 17. Jahrhundert). Zehnch (Zihnch), Anton. — Chemnitz. 1842 Eine sehr dilettantisch gebaute Violine trug seinen schwer leserlichen Namen. In Chemnitz ist er in den Meldebüchern usw. nicht zu finden gewesen. Geigenzettel: Anton Zehrich aus Kemnitz 1842 (ge- schrieben). Zeidler. — 18. Jahrhundert In einer nach Stainer gearbeiteten, braunlackierten Violine ohne Einlagen, mit Buchenholzschnecke (die noch das beste an dem ganzen Instrument war), mit Buchsbaumwirbeln und einem mit Ebenholz furnierten Griffbrett fand sich der folgende geschriebene Zettel, auf dem der Vorname nicht mehr lesbar war (Ferdi- nand?) In Hirschberg i. Schi, selbst war eine Familie Zeidler nie ansässig. Geigenzettel : . . . . nd Zeidler / Instrumentenmacher bey Hirschberg (gedruckt). Zeihe, Heinrich Louis. — Leipzig Er war bis etwa 1896 in Leipzig ansässig, machte seine Geigen aus gutem, Jahrhunderte altem Holze und war nicht untüchtig in seiner Arbeit. Zeitler, Carl Adolf. — Geb. 19. Juh 1871, lebt als Geigenmacher in Markneukirchen Zeltler, Fr. — Braunschweig. 1835 Er machte Geigen und Klaviere. Vermutlich waren seine Klaviere besser als seine Geigen, an denen wenig zu loben ist. Name auf seinem Reparaturzettel ohne Orts- und Zeit- angabe. Zelas, Michel. — Genua Er gehört wahrscheinlich dem 18. Jahrhundert an und war vielleicht verwandt mit M. Sellas in Venedig. Eine Theorbe im Konservatorium zu Brüssel (Nr. 544) zeigt gute Arbeit. Geigenzettel : Michel Zelas in Genova (gedruckt). Zelle, Christian. — Hamburg Ein Instrumentenmacher, der am H.August 1722 Bürger wurde. Zenatto, Pietro. — Treviso. 1680. 1694. (Nach anderen schon 1634 oder 1641 ?) Obwohl er in gewissem Ansehen stand, ist er bisher doch nur als wenig hervorragender Violenmacher be- kannt geworden. Eine Viola da spalla, eine sechssaitige Gamba, sechs Violoncelli und drei Bässe (darunter einer von ungewöhnlicher Größe) von ihm besitzt die Sammlung Correr in Venedig, eine Baßviola Alfred Keil in Lissabon. Geigenzettel : Petrus Zenattus fecit laurvisi anno 16 . . (gedruckt) und .Abb. 850. Zenker, Gottfried. — Rumburg. 1813 Seine Geigen haben eine ziemlich hohe Wölbung, die Umrisse erinnern an Stainer und Amati. Er verwendete Zencker — Zimmer 573 gutes, engjähriges Deckenholz, v/enig geflammtes Ahornholz und gelbbraunen Lack. Der Boden ist m der Regel zweiteilig. Geigenzettel: Gottfried Zenker ; Geigenmacher / Rumburg i. Böhmen / 1813 (geschrieben). Zencker, Heinrich Gottlob. — Schreiberhau i. Schi. Anfang des 19. Jahrhunderts Seinen Zettel veröffentlicht P. de Wit. Im Gemeinde- archiv in Schreiberhau findet sich kein Eintrag, der über ihn Auskunft geben könnte. Geigen von ihm habe ich nicht kennengelernt. Geigenzettel : Heinrich Gottlob Zencker / Geigen und Instrumentmacher / in Schreiberhau (gedruckt). Zenker, Johann Christian. — Hermsdorf. 1 745 Ein nicht ungeschickter Geigenmacher, vielleicht der Vater der beiden vorhergenannten. Eine gute Viola von ihm besitzt Hr. v. Stäben in Hirschberg i. Schi. Geigenzettel : Johann Christian Zänker Lautten- und Instrumentenmacher in Hermsdorf unterm Kynast. 1745 (gedruckt). Zentis, Girolamo (Hieronymus)de. — Viterbo, Rom. 1633. 1680 Ein berühmter Zembalomacher, der außer Klavi- zimbeln auch Lauten gebaut hat. Eine Theorbe von ihm besaß Dvoi'ak in Prag. Er ist, wie G. Kinsky ver- mutet, identisch mit Gerolamo de Leutis. Zerboni, Antonio. — Mailand. 1829 Gust. Siefert besitzt eine kleine Viola von ihm, gut im Ton, rötlich lackiert, mit dem gedruckten Zettel: Antonio Zerboni / a Milano 1829 (gedruckt). Zesserini soll der Name eines am Anfang des 19. Jahrhunderts geschätzten italienischen Geigenmachers gewesen sein, bei dem u. a. auch Lorenz Küntzel gelernt haben will Zettler. — (Füssen?). 17. 18. Jahrhundert Eine sechssaitige Diskantlaute aus Wurzelahorn besitzt E. Löwenfeld in Wien. Sie trägt einen verstümmelten Zettel mit dem Namen: 'Zettler . . . Der Arbeit na:h rührt sie von einem Meister der Füssener Schule des 18. Jahrhunderts her. Die Zettler waren jedoch in Füssen selbst nicht einheimisch, wohl aber in der Kemptener Gegend, wo sich der Name bis in den An- fang des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen läßt. Zettler, Andreas. — Wien. 1837 Er wird in Schuberts Lexikon als tüchtiger Geigen- macher hervorgehoben: auch in J. G. Albrechtsbergers sämtlichen Schriften über Generalbaß, Harmonielehre und Tonsetzkunst (Wien 1837) wird er in der Reihe der damals in Wien arbeitenden Geigenmacher aufgezählt; doch gelang es mir nicht, eine Geige von ihm aufzu- treiben. Seinem Zettel nach war er auch nicht Geigen-, sondern Gitarrenmacher, er wird also wahrscheinlich Geigen nur repariert haben. Geigenzettel: Abb. 851 (Kupferstich). Zeyden, van der, siehe v. d. Syde Zharski, Ignatz. — Lemberg. 1847 Ist mir nur durch einen Reparaturzettel bekannt ge- worden. Geigenzettel: Ignatius Zharski repa- , ravit Leopoli 1847 (gedruckt). Zlanni, Pietro. —Bologna. 1748. 1750 Er hatte ein schmales und flaches Patron, verarbeitete gutes Holz, war aber kein großer Künstler. Dr. Lieber- son in Charlottenburg besitzt eine Violine von ihm. Geigenzettel : Petrus Zianni fecit / Bononiae anno 1 750 (gedruckt). — Pietro Zianni , Bologna 1748 (gedruckt). Zidrich, Jakob. — Brunn. 1824 Ein wenig bekannter Instrumentenmacher, der 1824 das Bürgerrecht erwarb. Ziegner, Herold. — Berhn. 1906. 1920 Guter Geigenmacher der Gegenwart, der bei Ernst Keßler gearbeitet hat und auf der Weltausstellung 1911 in Turin gut vertreten war. Er verwendet geschriebene Zettel und macht seine Geigen in allen Teilen eigen- händig. Er baut sie über Form und gebraucht aus- schließlich Öllack. Ziernicki. — Krakau Ein von A. Grabowski erwähnter Instrumentenmacher, der eine Art Hackbrett erfunden hat. Zielinski, Polikarp. — Warschau. 1850 Vermutlich aus Rudka stammend. Der Arbeit nach könnte er ein Schüler Kanigowskis gewesen sein. Be- kannter ist sein Bruder Michael Z., der ursprünglich Musiker war, 1833 nach Frankreich ging, um Geigen- macher zu werden, und schließlich Klavierbauer wurde. Zillioli, Domenico. — Parma. 1792 Es gibt einige gute Geigen mit diesem Namen, den auch Valdrighi (4478) aufzählt. Zimbelmann, Fihppo. — Florenz. 1661 Sohn des Pietro Z. Ein Deutscher, der, wie zu seiner Zeit viele, in Italien als Geigen- und Lautenmacher- gehilfe einwanderte, wo er ang- blich erst in Florenz bei Giovanni Suover arbeitete und sich dann selbständig machte. Zimmer, Karl. — Erlbach i. S. Geb. 1848, . t 1882 Em talentvoller Geigenmacher, der als Gehilfe m den ersten deutschen Werkstätten gearbeitet hat. Da er nur wenige Jahre selbständig war und jung starb, hat er nicht sehr viel Geigen gemacht ; die wenigen, die seinen Namen tragen, werden jedoch sowohl wegen ihrer .Arbeit als wegen ihres Tons geschätzt. Zimmer, K. Otto. — Budapest. Geb. 20. Dez. 1865 in Erlbach i. S. Schüler seines Bruders Karl Z. Zu seiner weiteren Aus- bildung ging er zunächst nach Dresden, wo er bei 574 Zimmer Zöphel Jühling und Weichhold arbeitete, später nach Leipzig und Ostpreußen, von wo er 1892 nach Budapest be- rufen wurde. Schon in Dresden machte er 1887 selb- ständig eigene Geigen, die von Kennern gelobt wurden, so daß er nichts unversucht ließ, was ihm die Möglich- keit gewährte, seine Fähigkeiten besser zu entwickeln. Im Jahre 1896 eröffnete er in Budapest seine eigene Werkstatt und macht, zumeist nach Stradivari, sowohl Geigen als Violoncelli. Besondere Sorgfalt verwendet er auf die Ausarbeitung seiner Instrumente, die er rot, gelb oder braun lackiert mit einem von ihm selbst her- gestellten BernsteinöUack, der sich bewährt hat. Er hat auf der Millenniums-Ausstellung in Budapest schon als Gehilfe einen ersten Preis, auf der Pariser Weltaus- stellung 1900 die silberne Medaille erhalten. Geigenzettel: Abb. 844. Zimmer, Max. — Nürnberg. Geb. 29. März l874inGroßzöbern(Vogtl.) Zuerst Schüler seines Bruders, des Zithermachers Otto Z., arbeitete dann in Worms und in der Schweiz, zu- letzt bei Haslwanter in München, und machte sich im Jahre 1898 in seinem väterlichen Hause in Roßbach bei Adorf selbständig. Er verlegte 1906 seine Werkstatt nach Nürnberg und begann außer Zithern auch Lauten und Geigen zu bauen. Er studierte die besten alten und neuen Vorbilder und erwarb sich durch saubere Arbeit und durch die Tonschönheit seiner Instrumente sehr bald Anerkennung in weiten Kreisen. Seit er 1918 aus dem Weltkrieg heimkehrte, hat er vorzugsweise Geigen nach Stradivari und Guarneri gebaut, die er zumeist mit Ollack versieht. Seine Arbeiten tragen in der Mitte des Bodens die Buchstaben »M. Z. N.« als Brandmarke und seinen Zettel. Er besitzt die goldene Medaille der Nürnberger Ausstellung. Geigenzettel: Max Zimmer / Instrumentenbauer / Nürnberg [mit Vignette: Lautenspieler und Jahres- zahl] (gedruckt). Zimmer, Oskar, genannt Färber. — Geb. 1 1 . Mai 1870 m Markneukirchen Schüler von Gustav Roth und der Fachschule seiner Vaterstadt, die er mit Auszeichnung absolvierte. Seine Ausbildung schloß er als Gehilfe bei Hans Jaeger, Emil Hjorth in Kopenhagen und Piegendorfer in Augsburg ab. Heimgekehrt eröffnete er seine eigene Werkstatt, die sich bereits des besten Rufs erfreut. Er betätigt sich als sorgfältig arbeitender Reparateur und zeichnet sich auch im Neubau von Streichinstrumenten und Lauten aus. Er verwendet Spiritus- und Öllack und versieht seine neuen Instrumente auf dem Boden mit dem Brandstempel: »Färber«. Zimmermann. — Justingen (O.-A. Mün- singen, Württemberg). 1850. 1860 Ein Schullehrer, der aus Liebhaberei Geigen nicht ungeschickt machte und zu guten Preisen verkauft hat. Zimmermann, Julius Heinrich. — Petersburg, Moskau, Leipzig, Berlin, Riga und London. Geb. in Sternberg i. M. 1851 Fabrikant von Musikinstrumenten (Saiten-, Blech- und Holzinstrumenten); errichtete sein Geschäft 1876 in Petersburg, 1882 in Moskau, 1886 in Leipzig und 1905 in Riga; beschäftigt in den genannten Städten als Werk- stattleiter tüchtige Fachleute wie Robert Hammig, Reichel, Roth, Bohlig, Fischer und Paulowitsch. In seinen neu eingerichteten Werkstätten werden jetzt auch Luxuslauten und Gitarren in künstlerischer Vollendung angefertigt. Auch unterhält er ein reich- haltiges Lager alter Saiteninstrumente. Geigenzettel: Jul. Heinr. Zimmermann. / Leipzig, 18 . . . No. . . . (gedruckt). — Jul. Heinr. Zimmer- mann / St. Petersburg, 18 . . . No. . . . (gedruckt). — Jul. Heinr. Zimmermann / Moskau, 18... No. . . . (gedruckt) Jul. Heinr. / Zimmermann / Leipzig- Berlin 19 . . (gedruckt). Zimmermann, Matias. — St. Polten Ein Geigenmacher, der 1677 Bürger der Stadt St. Polten wurde, von dem mir jedoch bisher keinerlei Arbeiten zu Gesicht gekommen sind. Zimmermann, W. W., hat ein Geigengeschäft in Riga ZIpres (?) in Schongau Ein von Trautmann erwähnter Lautenmacher des 16. Jahrhunderts. Da im Schongauer Stadtarchiv an- scheinend keinerlei Akten erhalten sind, die sich auf die einst dort ansässigen tüchtigen Lautenmacher be- ziehen, ist es mir vorläufig nicht möglich, zu erraten, wie der Name wirklich gelautet haben muß, den Traut- mann sicher schlecht gelesen hat. (Vielleicht Ziprer, Zipperer?) Zobel, Wenzeslaus. — Budapest. 1786 Seiner Arbeit nach dürfte er aus der gleichen Schule wie Sebastian Dalinger in Wien hervorgegangen sein, wenn er nicht selbst ein Dalingerschüler war. Seine Geigen erinnern so an die frühen Arbeiten Dalingers, daß diese Annahme gerechtfertigt erscheint. Geigenzettel : Abb. 848. Zöccoli, Pietro. — Modena. 1753 Er war nach einer unverbürgten Angabe ein Schüler von Domenico Bonardi. Seine Geigen haben gutes Holz, kleine Schnecke und weite F-Löcher. Der Ton ist unbedeutend. Zölch, Julius, arbeitete im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts als Geigenmacher in Fleißen Zöphel, Adolf. — Magdeburg. Geb. 1874 in Gürth bei Bad Elster Er lernte drei Jahre lang in Markneukirchen bei E. Hermann Petzold und kam 1 893 zu Faßmann nach Zofahl — Zunterer 575 Magdeburg, 1897 leitete er selbständig eine Geigen- macherwerkstatt und begründete 1899 sein eigenes Ge- schäft, in dem er vielen Zuspruch findet. Er bereitet seinen Lack selbst und baut Geigen und Violoncelli, hauptsächlich aber beschäftigt er sich mit Reparaturen. Er besitzt mehrere Medaillen und andere Aner- kennungen. Zofahl (Zofall), Georg. — Budapest. 1837 Mittelmäßiger Geigenmacher. Zofahl, Rudolf. — Budapest. Um 1850 Vielleicht der Sohn von Georg Z. und mit diesem gleichvi'ertig. Zolfanelli, Giuseppe. — Florenz. 1690. 1697 Sohn des Francesco Z. Er machte allerlei Musik- instrumente, hat aber auf keinem Gebiete etwas Her- vorragendes geleistet. Zoller, Oswald. — Innsbruck. Geb. 1774, t 28. Dezember 1816 Er war Instrumentenmacher. Da der Magistrat von dem sich um die Zulassung als Instrumentenmacher an Stelle Zollers bewerbenden Joh. Fritz die selbständige Anfertigung einer neuen Geige verlangte, so ist anzu- nehmen, daß auch dieser sich als Geigenmacher be- tätigte. Arbeiten von ihm kenne ich jedoch nicht. Zollner (Zöllner), Salomon. — ? 1791 Eine achtsaitige Laute von ihm findet sich in der Sammlung Henri Gosselins. Zorzi s. De Zorzi Zublrch (Zubisch?), Johann Friedrich. — Breslau. 1778 Ziemlich selten vorkommender Geigenmacher, dessen Arbeit nicht ungeschickt ist. Geigenzettel : Johann Friedrich Zubirch / Lauten- und Geigenmacher / in Breslau a. 1778 (geschrieben). Zucchi, Giovanni. — Finale-Emilia (Modena). 1890 Sohn des Carlo Z. Er ist mir nur als Mandohnen- und Gitarrenmacher bekannt geworden; auch Valdrighi (4481) erwähnt ihn. Zudeck (?), Christoph. — (Schwarzwald). 1 701 In einer Viola, die an Füssener Vorbilder erinnert, mit hohen Zargen, innen ohne Reifchen, aber gut lackiert, findet sich der im Namen nicht sicher lesbare (Ludeck?) Zettel: Christoph Zudeck, Viol Schnützer / von Schwartzwaldt Anno 1701 (geschrieben). Züst, J. E. — Zürich. Geb. 1864 in St. Gallen Schüler von Wilhelm Marks in München, arbeitete als Gehilfe in Linz a. D., Straßburg i. E., Wiesbaden, Kreuznach und Hildesheim, machte sich 1886 in St. Gallen, wo sein Vater, ein tüchtiger Organist und Orgelbauer, seit 1840 einen Instrumentenhandel be- treibt, selbständig und siedelte 1893 nach Zürich über. Er hat sich nicht nur durch seine selbstgebauten Vio- linen, Violen und Violoncelli, bei denen er die Jos. Guarnerimodelle bevorzugt, einen guten Namen ge- macht, sondern besitzt auch einen ausgezeichneten Ruf als Reparateur. Von Bedeutung sind seine Erfolge in der Nachahmung alter italienischer Lackierungen. Für seine Streichinstrumente hat er verschiedene erste Preise erhalten; er arbeitet mit vier Gehilfen und handelt auch mit alten Meisterinstrumenten. Geigenzettel : Abb. 849. Brandmarke: Nr. 17. Zugolo, Pietro. — Udine. f 1888 Geschätzter Geigenmacher. Vielleicht zur Familie Zoccoli gehörig. Auch ein Federico Z. lebte im 19. Jahrhundert in Udine. Zunterer, Anton. — München. Geb. 1858 in Mittenwald a. I., f 1917 Erhielt seine Ausbildung in der Geigenbauschule zu Mittenwald, arbeitete dann bei A. Sprenger in Stutt- gart und G. Lemböck in Wien sowie bei F. Ranftler in München, dessen Nachfolger er 1888 wurde. Er machte neue Geigen nach den Modellen von Stradivari und Guarneri und verwendete je nach Bedarf Ol- oder Spirituslack; er war Hoflieferant und beeideter Sachver- ständiger für alte Musikinstrumente. Sein gleich- namiger Sohn, der gleichfalls Instrumentenmacher ist, und seine Geschwister führen mit der Witwe das Ge- schäft fort. Geigenzettel : Anton Zunterer ,' München (gedruckt). Zunterer, Conrad. — Seefeld (Tirol). Geb. 17. Dezember 1717, f 12. Februar 1778 Er war (nach Dr. Fr. Waldner) der Sohn eines Schrei- ners und hat hauptsächlich Bässe gemacht. Solche be- finden sich auf dem Chor der Servitenkirche m Inns- bruck und auf dem Chor der Pfarrkirche in Sterzing. Geigenzettel: Konradt Zunterer / Seefeld Ao. 1775 (geschrieben). Zunterer, Leopold. — Seefeld i. T. Geb. H.November 1722, f I3.juh 1792 Bruder von Conrad Z. Er wird, wie Dr. Fr. Waldner mitteilt, als Geigenmacher und Spielmann bezeichnet. — Arbeiten von ihm kenne ich nicht. Zunterer (Zunzerer), Pancraz. — Seefeld (Tirol). 1749 Der Name Zunterer war in Seefeld sehr verbreitet, ein Pancraz kommt jedoch in den Kirchenbüchern nicht vor. Seine Existenz beweist aber eine Geige mit unten- stehendem Zettel. Der Tiroler Stil ist unverkennbar, wenn auch die Arbeit nur mittelmäßig genannt werden kann. Geigenzettel : Poncraz Zunzerer zu / Seefeld in Tyrol 1749 (gedruckt). 576 Zuzulas Zytomierzki Zuzulas, Spiridion. — Athen. 1888 Ein griechischer Lauten(Mandolinen-)macher, der auf schöne Ausstattung seiner Instrumente Wert legte. Z Vetsina s. Velwarsky Zwerger, Anton. — Mlttenwald. 1750. 1793 Vielleicht der Vater des gleichnamigen Passauer Meisters. Seine Arbeit ist gut und der Klotzschule nahe- stehend. Geigenzettel : Antoni Zwerger Geigenma- / eher in Mittenwald an der Iser / An. 1 790 (gedruckt). Zwerger, Anton. — Passau, Salzburg. 1788. 1823 Wahrscheinlich aus Mittenwald, wofür auch seine Geigen sprechen, die ganz den Stil und Lack der Klotz- schule aufweisen. Die Decke ist meist von sehr gutem Holz, der Lack rotgelb und der Ton ansprechend. Er war in Passau bischöflicher Hoflauten- und Geigen- macher und hat auch eine Zeitlang in Salzburg ge- arbeitet. Eine Geige von ihm besitzt das städt. Museum Carolino-Augusteum in Salzburg. Geigenzettel : Anton Zwerger kurfürst. Hof- und bürgl / Geigenmacher in Salzburg 1804 , reparavit. (gedruckt). — Antoni Zwerger Hof Lauthen- und Geigenmacher Passau anno 1 790 (gedruckt). Zwerger, Blasius. — Mittenwald. Geb. 3. Februar 1768 Sohn von Ignaz Z. Eine Mittenwalder Geige mit ge- schriebenem, schwer leserlichem Zettel und der Jahres- zahl 1790 könnte von ihm herrühren, doch steht nicht einmal fest, ob dieser Sohn von Ignaz Z. auch wirklich Geigenmacher wurde. Zwerger, Franz Xaver. — Neuburg a. D. Geb. 5. Juli 1763 in Mittenwald, f um 1830 Wahrscheinlich ein Sohn von Ignaz Z. Er ließ sich nach Hollmayrs Tod in Neuburg nieder und erbat 1795 die Aufnahme unter die dortigen Gewerbetreibenden. Er arbeitete nach Stainer, wählte die Wölbung jedoch flacher und ließ die Hohlkehle beinahe ganz fehlen. Sein Holz ist gut, aber jetzt meist dem Wurmfraß ver- fallen. Die Schnecke ist sauber gearbeitet, aber plump in der Form, und der Lack spröde (meist zitronengelb), dagegen ist der Ton oft recht edel. Geigenzettel : Franz Xaver Zwerger Geigenmacher in Neuburg / 1812 a/D. (gedruckt). Zwerger, Ignaz. — Mittenwald, Neuburg a. D. 1755. 1770 Tüchtiger Meister, der nach Neuburg übergesiedelt sein soll. Belege dafür sind nicht aufzutreiben gewesen, und das Bürgerrecht in Neuburg scheint er auch nicht erworben zu haben. Geigenzettel: Ignati Zwerger, Geigenma- / eher in Mittenwald. 1755 (gedruckt). Zwerger. — Neuburg a. D. Mitte des 1 9. Jahr- hunderts Sohn von Franz X. Zwerger und wahrscheinlich auch dessen Schüler, mit ihm aber in keiner Weise zu ver- gleichen. Zwiebelmann, C. J. J. F. H. — Lübeck, f 1897 Ein Musiker, der für untergeordnete Instrumenten- händler Reparaturen in mangelhafter Weise ausführte. Zymbrecht (?). — Füssen. 161 1 Eine sehr schadhafte Gamba, die ich auf dem Chore einer Kirche im Allgäu gesehen habe, trug diesen Namen. Es war wohl nur der Taufname (= Simbrecht oder Simbert), der ja in Füssen sehr gebräuchlich war. Zytomierzki, Kasimir. — Warschau. 1860 Em Zollbeamter, der aus Liebhaberei eigenartige ßogeninstrumente gemacht hat. DIE BEKANNTESTEN BOGENMACHER WERKSTATTNAMEN UND LADENSCHILDER oxS/z.'Z" Qyz/na/cuf'^ I.utlucr delAcadeime de. Mii/lqiie lUtc ^ Öonorc au com de celU Uean c/' uDenzjLJ FaU /au/EJ j'oricj d'/nj/rumerrj ^i- Jiii^u/i/e. lej räccomade. Ica rfcoupe fiiand tAj Jif/ir c/me/v/vne inrp yrandc-:> cy-~^ A PARIS DIE BEKANNTESTEN BOGENMACHER UND EINIGE SOLCHE GEIGENMACHER, DIE AUCH GUTE BOGEN GEMACHT HABEN Acton, William J. * 1848. London, WooKvich. Adam, Jean. 1790. 1820. Mirecourt. Adam, Jean Dominique. * 1795, f 1864. Mirecourt. Adam (Grandadam). * 1823, f 1869. Mirecourt. Alban. Matth. *1621, f 1712. Bozen. .Aubry, Fran?. 1757. 1767. Mirecourt. Audi not, Nest. Dom. * 1842. Bailly, Antoine. 1763. 1785. Mirecourt. Barnes, Rob. 1765. 1794. London. Baroux, Charles. 1772. Mirecourt. Baroux, Charles. 1830. Paris. Baur, Martin. 1793. f 1875. Stuttgart. Bausch, L. CA. * 1805. f 1871. Dresden, Dessau, Leipzig usw. Bausch, Ludw.d.J. * 1829, t 1871. Leipzig. Bausch, Otto. * 1841, t 1875. Leipzig. Bazin, Charles. * 1847. Mirecourt. Bazin, Louis. *I881. Mirecourt. Bazin, Gustave. * 1871. Mirecourt. Bernard, Jacques. 1780. Mirecourt. Bichet. Mansuy. 1780. Mirecourt. Bienfait, Paul Emile. * 1857. Paris. Bohmann, Jos. * 1848. Chicago. Bontemps, Dom. 1764. Mirecourt. Braglia. Ant. 1790. f um 1820. Modena. Breton, Fran?. * 1760, f 1830. Mirecourt. Brown, James jun. * 1786, f 1860. London. Cabasse (Gabasse), Jean. 1778. Mirecourt. Cabley, Jean Claude. 1762. 1782. Mirecourt. Chanot, G. * 1855. Manchester. Claine, Jean. 1780. Mirecourt. Claude, Vincent. 1779. Mirecourt. Claudot, Charles. 1775. Mirecourt. Colas, Prcsper. * 1842. Paris. Colin, Louis. 1770. Mirecourt. Colin, Nie. 1765. 1789. Mirecourt. Collona. 1897. 1900. Paris. Corsby. 1789-1830. London. Cuniot- Hury, Eug. *1861. Mirecourt (Fabrik). Darbey, G. 1882. 1900. Bristol. Dassigny, Jacques. 1775. Mirecourt. Delaine, Jean. 1788. Mirecourt. Delette, Charles. 1775. Mirecourt. Didelin, Nie. Henry. 1770. Mirecourt. Diehl, August. * 1852. Hamburg. Diter, Paul. * 1879. Marseille. Dodd, Edw. 1705. f 1810. London. Dodd, James sen. 1835. London. Dodd, J: 1851. Dodd, John Kew. 1752. fl839. London. Dodd, Thom. sen. 1786. 1820. London. Dollenz, Giov. 1800. i 1850. Triest. Duchene, Nie. L 1780. Mirecourt. Duchene, Nie. IL 1783. Mirecourt. Duff, Will. * 1810, t 1882. Dunkeid. Dupont, Fran?. f 1780. Mirecourt. Eisele s. Heisele. Eury, Frang. 1755. Mirecourt. Eury. 1810. 1830. Paris. Faßmann, Gust. 1858. 11893. Magdeburg. Fischer. 1910. Brambach. Fonclauze, Jos. * 1800, f 1864. Paris. Forster, William IIL * 1764, f 1824. London. Fran9ois(?). Paris. Friedrich, John. * 1858. New York. Gand & Bernardel. 1890. Paris. Gaudet, Joseph. Mirecourt. XIX. Jahrh. Gaudre, Nie. 1780. Mirecourt. Gaulard. 1835. Troyes. Gautrot (Fabrik). 1879. Chateau-Thierry. Genin, Jos. 1778. Mirecourt. Gläsel, Ernst. * 1849. Markneukirchen. Gläsel, Oskar. * 1850. Markneukirchen. Glaß, Franz Joh. * 1847. Leipzig. Grandadam s. Adam. Günther, Franz. * 1857. Halle, Potsdam, Berlin.1 Gütter, Wilh. Ernst. * 1840, f 1897. Markneukirchen. Guinot, Claude Nie. 1760. 1780. Mirecourt. Guinot, Jean. 1772. Mirecourt. Harlott, Franf. 1757. 1772. Mirecourt. Harmand. 1830. 1870. Mirecourt. Havas, Stefan. * 1872. Budapest. Heisele (Eisele), Jakob. 1614. 1629. Modena. Henry, J. * 1823, f 1870. Paris. Husson. Charles Claude I. 1850. 1870. Mirecourt. Husson, Charles Claude II. * 1847. Paris. Jacobsen, Thomas. 1810. f 1853. Kopenhagen. Jacquot, Nie. II. * 1750, t 1841. Mirecourt. Jühling, Franz. * 1838. Dresden. Jühling, Walter. * 1880. Dresden. Ivanoff, Wl.Wass. 1885. f nach 1890. St. Petersburg. Kabinger, Jakob. 1840. 1857. Budapest, f 1876 in Kiew. Kanigowski, Fried. 1840. 1850. Warschau. Keiler, Jos. 1910. Dürngrün bei Schönbach. Keßler, Ernst. * 1856. Berlin (Charlottenburg). Kittel. Nik. 1839. 1870. St. Petersburg. 37* 580 Die bekanntesten Bogenmacher Knopf, Christ. Fried. Wilh. * 1815, f 1897. Dresden. Knopf, Christ. Wilh. * 1767, f 1837. Markneukirchen. Knopf, Heinr. * 1839, f 1875. Berlin. Knopf. 1873. 1837. Berlin. Knopf, Hcn.y Rieh. * 1860. New York. Knopf, Joh. Wlh. * 1835. Dresden. Knopf, Karl Wilh. * 18J3, f 1860. Markneukirchen. Köhler, Ludw. * 1859. Budapest. Kowansky, Werzel. XVIII. (Böhmen.) Kreul. 1910. Brambach i. S. Künzel, Ernst. 1910. Hohendorf i. S. Krolle, Jean Bapt. 1785. Mirecourl. Lafleur, Jacques. * 1760, f 1832. Paris. Lafleur, Jos. Rene. * 1812, f 1874. Paris. Lagarde, Ant. * 1798. 1840. Mirecourt. Lamy, Alfr. Jos. * 1850. Paris. Leeb, Andreas Carl. 1784. 1813. (Preßburg) Wien. Lefevre, Touss. Nie. G. 1762. 1789. Paris. Leicht, Max. 1910. Hohendorf. Leman, Anatol. * 1859. St. Petersburg. Lenoble, Auguste. * 1828. f 1895. Paris. Leykom. 1910. B ambach. LhuUier, Jos. 1765. Mirecourt. Lhullier, Jos. Phil. 1762. Mirecourt. Lund, Niels Jensen. 1784. 1858. Kopenhagen. Lupot, Fran^ois. * 1774, f 1837. Paris. Maire, Michel. 1760. Mirecourt. Maire, Nie. * 1800, f 1878, Paris. Mal ine. Um 1850. Mircrourt. Marchand, Jacques. 1784. Mirecourt. Marchand, Jos. 1745. 1770. Mirecourt. Martin, Wilh. Ernst. * 1862. Markneukirchen. Massen, Claude Fran^. Mirecourt. Mathieu, Fran^. 1774. Mirecourt. Maury, Fran^. 1763. Mirecourt. Meer, E. van der. 1906. Amsterdam. Mentiply, Andrew. A. * 1858. Ladybank. Merz. Aug. * 1851, t 1910. Altenburg i. S.-A. Miquel, Claude. 1765. Mirecourt. Miquel, Emile. * 1851. f 1911. Mirecourt. Miquel, Jean Nie. 1780. Mirecourt. Miquel, Nie. 1765. Mirecourt. Miremont, Claud.Aug. * 1827, f 1887. Paris. Möckel, Osw. * 1843, t 1902. Berlin. Möller, Max. * 1875. Amsterdam. Moinel, Barthelemy. 1789. Mirecourt. Montefiori, Erminio. 1860. Genua. Mousset, Jean Bapt. 1788. Mirecourt. Nicolas, Jean. Mirecourt. Norris, John. * 1739, f 1818. London. .Nürnberger, Adolph. 1890. 1900. Markneukirchen. Nürnberger, Franz Albert I. * 1826, f 1895. Mark- neukirchen. Nürnberger, Franz Albert II. * 1854. Markneukirchen. Nürnberger, Joh. Christoph. * 1839, f 1899. Mark- neukirchen. Nürnberger, Karl Albert. 1908. Markneukirchen. Nürnberger, Karl Gottlob. * 1793, f 1868. Mark- neukirchen. Nürnberger, Phil. Paul. * 1882. Markneukirchen. Pacherel, Nie. 1762. Mirecourt. Pageot (Pajeot). * 1791, f 1849. Mirecourt. Pageos, L.Simon. 1780. 1795. Mirecourt. Palfner, Alois. * 1884. Graz. Panormo, Georg Louis. 1774. 1842. London. Panormo, Joseph. 1773. 1825. London. Paquotte, Jean Bapt. * 1827, f 1900. Paulus, Joh. Gge. 1790. Potsdam. Peacock, John. 1880. 1900. Melbourne. Peccate, Charles. * 1850. Paris. Peccate, Dom. * 1810, f 1874. Paris. Peccatte, Fran?ois (Jeune). * 1820, f 1855. Paris. Pellegri, XIX. Parma. Persois. 1820. 1850. Paris. Pfretzschner, Herm. Rieh. * 1857. Markneukirchen. Pfretzschner, Rieh. * 1832, f 1893. Markneukirchen. Pfretzschner, Wilh. Aug. 1905 (Fabrik). Markneu- kirchen. Pfuntmichel, Joh. 1808. Mittelwalde. Philbert, Jos. 1770. Mirecourt. Piat, Jean. 1760. 1780. Mirecourt. Pieron, Jos. 1788. Mirecourt. Pieron, Nie. 1789. Mirecourt. Poirson, Justin. * 1851. Paris. Praga, Eugenio. * 1847. Genua. Prell, H. W. Markneukirchen. * 1875. Radel, Philipp. 1778. Mirecourt. Raison, Ferry. 1770. Mirecourt. Rakowsky, A. 1834. 1856. Paris, Grenoble. Rau, Aug. * 1866. Markneukirchen. Rau, Charles. * 1891. Markneukirchen. Reichel, Aug. Anton. *1841. Markneukirchen. Reiche!, Joh. Gottlob. *1753, tl831. Markneukirchen. Reiter, Joh. Bapt. * 1834, f 1899. Mittenwald. Remy, Mathurin Fran?. 1760. 1800. Paris. Riechers, Aug. * 1836, f 1893. Hannover, Berlin. Ronchini, Raffaello. 1851. Fano. Roth, Gust. * 1852. Markneukirchen. Rymwid- Mickiewicz, Jos. * 1869. Odessa. Salzard, Jean. 1870. Mirecourt. Samuel, J. Claude. 1760. Mirecourt. Sartory, Eugene. *1871. Paris. Schaffner, Max. * 1870. Markneukirchen, Hamburg. Schramm, Joh. G. 1805. f 1850. Gotha. Schubert, Christ. Wilhelm. 1877. Markneukirchen. Schubert, Wilhelm. 1876. Markneukirchen. Schult, J. H. * 1866. Lübeck. Schuster, Jos. Ig. * 1865. Fleißen. Die bekanntesten Bogenmacher — Werkstattnamen und Ladenschilder 581 Schuster, Jos. Joh. 1890. Fleißen. Schuster, Wilhelm. 1876. Markneukirchen. Schwab, Ernst. 1910. Hohendorf i. S. Schwartz, Georg Fried. * 1785, f 1849. Straßburg. Simon, P. *1808, tl882. Paris. Simpson, Thom. 1910. Birmingham. Sirjean. 1818. Paris. Sitt, A. * 1819. t 1878. Prag. Stark, Gust. * 1861. Rohrbach bei Brambach. Strotz, Jos. * 1715, t 1760. Markneukirchen. Süß, Joh. Christ. * 1829, t 1900. Markneukirchen. Szimansky, Heinr. * 1867. Berlin. Tadolini, Ignazio. * 1797, f 1873. Modena. Teufelsdorfer, Peter. * 1784, f 1845. Budapest. Tielke, Joachim. * 1641, f 1719. Hamburg. Theriot, Nie. (Thiriot, Tiriot). 1780. Mirecourt. Thomä, Adolf. *1872. Hohendorf i. S. Thomä, Hermann. * um 1861. Schönberg i. S. Thomassin, Louis. * 1855. Paris. Todt, Heinr. * 1862. Markneukirchen. Tourte. 1740. 1786. Paris. Tourte, Fran^ois. * 1747. f 1835. Paris. Tourte, Xavier. 1770. 1786. Paris. Tubbs (Familie, jetzt James Tubbs & Co.). London. Va-ou-il-me-plait, Fran^. 1789. Mirecourt. Verny (Vemier), Jean Bapt. 1777. Mirecourt. (Verpy, J. B. 1767. 1773.) Vigneron, Jos. Arthur. * 1851. Paris. Vivaldi, Ant. XVIII. (Verbesserte den Bogen.) Voigt, Carl Hermann. * 1850. Wien. Voigt, Joh. Gg. II. * 1752, t 1842. Markneukirchen. Voirin, Franf.Nic. * 1833, f 1885. Paris. Voirin, Joseph. * 1830. Paris. Chateau-Thierry. Vuillaume, Jean Bapt. * 1798, f 1875. Paris. Vuillaume. Nie. Fran?. * 1802, | 1876. Brüssel. Vuillaume, Sebast. * 1835, f 1875. Paris. Watson, F. 1910. Rochdale. Weichold, Richard. * 1823, f 1902. Hamburg, Dresden. Wettengel. Gust. Ad. 1820. 1830. Markneukirchen. Wild. Wilhelm. 1877. Markneukirchen. Wilfer, Josef. 1820. Absroth. Wunderlich, Friedr. * 1878. Leipzig. Wunderlich, Heinrich Wilh. * 1841, f 1917. Wunderlich, Otto Felix. * 1873. Moskau. Zanotti, Cristofano. 1685. Modena. Züst, J. E. * 1864. Zürich. WERKSTATTNAMEN UND LADENSCHILDER Ä l'accord parfait. Decombe. Paris. 1789. 1800. .Accord, Au tendre. .Antoine Lecomte. Paris. 1775. 1800. .Accords, Aux tendres. Ch. M. Gand. Versailles. 1748. t 1820. .Amateurs, Aux. L. Renaudin. Paris. 1749. 1795. .Angele, AI segno del. Pietro Giov. Mantegazza u. Brüder. 1750. 1790. Antonio da Padua. AI segno di, S. P. .A. Bellone. 1691. ApoUon, Au dieu. P. F. Grosset. Paris. 1744. 1762. .Apollon, Au Dieu. Prevost. Paris. 1775 — 88. Aquila, AI segno dell. Carlo G. Testore 1687 — 1720. C. A. Testore 1 730—1 764. P. Ant. Testore 1 690—1 760 '). Aquila d'oro, AU' insegna dell. Christ. Cocks in Venedig. .Aquila. Neil'. G. F. Leoriporri. Mailand 1758. Basso (Bosco), Dell'. Zuane Rechardini. Venedig. 1650. 1609. Bass-Viol, At the. B.Norman. London. 1688. 1740. Bass-Viol, .At the. Gross und Norman in London. 1715. 1751. Bass violin, At the. Rob. Thompson. London 1749 bis 1764. ') Die Familie Testore brannte auch das Bild eines • Adlers ein. Cecile, .A Sainte. Mougenot. Rouen. 1713. 1766. Cecile, A St^. Mennesson. Reims. Geb. 1842. Cecile, St., de Thermes. J. Bapt. Vuillaumes Werk- statt. XIX. Ceciliae, Sub titulo S. Carlo H. Tononi. Venedia 1728. 1768. CeciUe, Ä St^ Salomon. Paris 1740. 1771. Chatdore, Au. Le Duc. G. Paris. 1646. Cigognes, Auconcert de. Joh.Reinh. Storck. Straßburg. 1766. 1785. Citern, At the. Miller. London 1750. CoUosso. AI segno del. Giov. Domenico Serasati in Mailand. 1775. Corelli's Head, At. Sam. Collier. London. 1750. 1755. Corona, AUa. M. Sellas. Venedig. 1600. 1639. Corona, .AI segno della. Andrea Grancino. 1646. Auch die übrigen Grancini in Mailand, ferner von 1737 an Ferdinande Alberti. Corone, AI segno delle due. Giov. I. Grancino 1645. Cremona, AI insegna di. Matteo Gofriller. 1690. 1742. Cremonae, Sub signo. Gennaro Vinaccia. Neapel 1755. 1778. Cremonae, Sub signo. Dom. Montagnana. 1690. 1750. Cremone, A la ville de. Charotte- Millot. Mirecourt 1810—48. auch N. Florentin. 582 Werkstattnamen und Ladenschilder Cremone, A la ville de. Dld. Nicolas l'aine. Mire- court. 1757 fl833. Cremone, Ä la ville de. Nie. Duchene. 1742. 1774 Cremone, A la ville de. Louis Lagetto. Paris 1753. Dominique Didelot. Mirecourt 1820, auch Domi- nique II. Didelot. Cremone, Au violon de. Gerard Deleplanque. Lille 1790. Cremoneser, Zum (a Cremonaihoz). A. Bergmann. Budapest 1898. Cytre allemand. Au. Laurent. Paris 1774. 1789. David, Au roi. Claude Vuillaume und Söhne m Mirecourt. David, Au roi. Jacques Pierre Thibout. Paris 1779 bis 1856. David, Au roi. L. Harmand. Mirecourt. XVIII. David, Au roy. J. R. Bertet. Paris 1754. David, Au roy. Marc. Snoeck (Broche). Brüssel. 1726. tl762. Davide, All msegna del Santo Re. . . Giac. Rivolta. Mailand 1800. 1834. Dolphin and Crown, At the. John Young. London 1724. Duc dore. Au (au chat dore). Leduc. Paris 1647. Fortunae, Sab titulo. Ant. Zanotti. Mantua 1709. 1738. Fortune, Ä la. E J. Ch. ve. Paris 1770. Geigen, Hey den drey. Thom. Edlinger. Prag 1662. tl729. Genie de l'harmonie. Au. Jacquet. Paris 1765. Giglio, AI isegno del. Carcassi in Florenz 1738. 1737. Givia, Alla (?). Pietro Railich. Venedig 1644. Guitarre des Dames de France, de la. Didelin. Nancy 1720—65. Guitarre royale, A la. Claude Boivin. Paris 1730. 1754. Hand and crov^n, At. ye William Turner. London 1650. Harmonie, Au Dieu del'. J. Ch. L. Jeune. Paris 1776 bis 1822. Harmonie, Au gerne del". Louis Socquet 1740 bis 1799 (vgl. Jacquet). Harp and Crown, At the. Ed. Dickinson. London 1750. 1790. Harp and Crown, At the. John Barret, Piccadilly. Harp and Crown, At the. John Johnson. London 1753. Harp and Flute. Joseph Hill, f 1784. Harp and Hautboy, At the. Thom. Smith 1756—1799. Auch Jos. Hill hatte um 1740 das gleiche Schild. Harp and Hautboy, At the. P. Wamsley. London 1727. 1751. Harp, At the goulden. John Shaw, London 1655. 1698. Harp, At ye golden. Peter Wamsley. London 1727. 1751. Harpe Royale, A la. Fran^. Le Jeune. Paris 1755 — 89. Luna, Sub segno della. Caspare Vimercati. Mailand 1790. Luth, A la. Des Rousseaux. Verdun 1755. Luth royal. Au. Antoine Saint-Paul. Paris 1768. 1789. Luth royal. Au. Antoine D'Hespont. Paris 1634. Lyon, At the black.John Browne. London 1680. 1743. Lyre d'Apollon, A la. Pierre Saint-Paul. Paris 1740 bis 1743. Madonna del Ricci, Dalla. Lor. Carcassi. Florenz 1738. ■1757. Melodie, Ä la. J. P. Michelot. Paris 1790. Monteverdi, Claudio, sub signo Claudii Monteviridi. Aristide Cavalli 1856—1901. Musette de Colin, Ä la. Gaffino. Paris 1734. 1780. Pallada, Alla. Gaetano Pasta. Brescia 1710. 1760. Pasquino, AI. A. Lauro. Rom 1608. 1610. Pierre, Ä l'Image de St. Jean Hurel. Paris 1686. 1717. Prelude espagnol. Au, Deshayes. Paris 1775. 1825. Raphaelis archang, Sub titulo. S. A. Postacchini. Fermo 1810. 1854.^ Renomme. A la. Renault et Chatelain. Paris 1772. 1811. Roi des instruments. Au. Henri Huel. Paris 1770 bis 1783. Santo, AI. P. Railich. Padua 1655. Giovanni Railich 1678. Scala, Alla. Fr. Bresa. Mailand 1708. Sirena, AI segno della. C. F. Landolfi und Sohn Pietro. Mailand 1750. 1779. Sole, AI insegno del. Francesc u. Gius. Presbler. Mai- land 1730. 1801. Spectacles, Golden. Collingwood. London 1760. Stella, Alla. Georgius Sellas. Venedig 1624. Trinitä, Alla. Giovanni Maestro (di Enrico?). Rom 1590. Victoire, A la. P. J. Cousineau. Paris 1770. Venise, A la ville de, Salf. Mirecourt, um 1850 (und wahrscheinlich auch Dom. Didelot). Vi eile bourbonnaise, A la. Cailhe-Decante. Charroux XIX, auch Pimpard-Cousin XIX/XX. Vielle royale, A Ja. Jean Louvet (II). Paris 1750. 1789. Vi eile royale, A la. Pierre Louvet. Paris 1747. Vielleuse, Ä la belle. Melling. Paris 1753. Viol and flute, At ye. J. Hare. London. XVIII. Violin, Ye. Joseph Hill II. "London 1715-1784. BRANDMARKEN UND GEIGENZETTEL Brandmarken Nr. 1 — 25 585 8 9 10 12 13 14 15 17 18 19 20 21 22 23 24 25 AHH. AL. Alla Corona A|S W|C A. W. oder * A * W. * BB. * C * F ^c- M ■ C ^:- G * K. DAS D. B. D. B-M. Collen. .Arnold Bernhardt, Markneukirchen. * 1874. .'\ntonio Gragnani. Livorno. 1741. 1800. Andreas Hansen Hjorth. Kopenhagen 1759. 1834. Andreas Qrl Leeb. Wien 1784. 1805. Matteo Sellas. Venedig 1600. 1639. .Anton Schumacher & W. Christ. Augustin Claudot, Mirecourt. 1840. 1850. Albin Wilfer. Leipzig. * 1870. Benjamin Banks. Salisbury 1727 — 1795. Carlo Antonio Testore. * um 16S8. 1764. Christ. Fried. Meinel. (Mark-)Neukirchen 1730. Christian Gottfried Kretzschmann. Markneukirchen 1773. 1842. (?) (Diese Brandmarke mit : »Disciplina AntoniiStradivarii« zu deuten, scheint mir in Anbetracht der Geigen in denen sie sich fand, etwas gewagt.) David Bittner. Wien 1845. f 1887. Dierich Bochem. Köln um 1673. Eugen Gärtner, Stuttgart. * 1864. E. J. Züst. Zürich, geb. 1864. Oskar Zimmer, Markneukirchen. * 1870. Fried. Aug. Gläsel. (Mark.)Neukirchen. XVllI. Jahrh. Franz Feilnreiter. * um 1785. t 1866. Franz Geissenhof. Wien. * 1754. f 1821. Fran?. Marie Pupunat. 1837. 1870. Georg Adam 111. Gütter 1761—1829. Giorgio Bairhoff (?). 1757. 1786. Giov. Balt. Ceruti, Cremona. * um 1755, f nach 1817. 586 Brandmarken Nr. 26 — 54 25 27 23 29 30 31 I. A. R. 32 J. B. 33 I. B. G. 34 35 A I * C -;r F A * I * C * H * 35 I. C. V. 37 I. C V. / S ^i;- P * K * A * G / 1796 38 39 I E P V I * G * F V 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 G C. G. F. G. L. G R (im Kreis). Cra/u) a. emn d. I G.S. * I * G * S -:K- * I * G ¥ S * I. G. S. X I X G X V X * J X X K * I. K. J. K. I. 0. B., darüber drei Kronen. I. V. J. V. S. 1799. iT L. G. L K (im Kreis) Giuseppe Cerutti. Cremona 1787 — 1860. Gottfried Fischer in Wien, f um 1888. Gabriel Lemböck. * 1814. f 1892. Giuseppe Rocca. Turin 1800. 1865. J. B. Grand-Gerard, Mirecourt 1771. 1820 ohann Adam Reichel. 1782 — 1836. Markneukirchen. ohn Blair. Edinburgh 1790. 1820. Giov. Batt. Gabbrielli. Florenz 1710. 1740. oh. Christ. II. Ficker. * um 1735. 1780 Markneu kirchen. oh. Christ. Hammig. Markneukirchen 1732. f 1816. ohann Christian II. Voigt. (Mark-)Neukirchen 1796. Derselbe. ean Etienne Pierre, Mirecourt. f 1760. ohann Gottfr. Fischer. (Mark-)Neukirchen 1770. 1825. (Auch Joh. Gottl. Ficker.) oh. Gottfr. Hamm. (Mark-)Neukirchen 1744. 11817. oh. Gg. I. Schönfelder. Markneukirchen. 1677 — 1712. oh. Georg II. Schönfelder. Markntukirchen. * 1750. f 1824. ohann Georg Schlosser (?). Klingenthal 1761. ohann Georg Seidel. (Mark-)Neukirchen 1760—1813. ohann Georg I. Voigt. (Mark-)Neukirchen 1748. 1802. ohann Georg Karner. Enns. 1810. 1830. oseph II. Keffer. Goisern 1739—1813. OS. Klimits. Wien 1783. 1866 (selten gebraucht), ohann Öhberg. Stockholm. 1723. f 1779.' erolamo di Virchl. Brescia. * um 1523. 1573. Brandmarke emer norwegischen Hummel.) ohann Keffer. Goisern, Ischl 1790. 1810. L.Garceux. Paris 1797. 1809 (?). Lorenz Kriner * 1838. Stuttgart. New York. Brandmarken Nr. 55—79 587 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 L (Reichs- IV /r adler.) ^^^ I \Y/ (Reichs- Maggini, Gio. Paolo. Name als Umschrift im Kreis, darin drei Sterne und darunter Schnecke. Marquis de l'air d'oiseau MEINEL (Krone darüber). M. L. MÖRSBURG M. S. (Krone darüber) M J^ H MZN N|C I N C. N. v^ ■4f^ ^4c R Nico LAS AjNE J. Nicolas Fils 'A^A W. E., dic/Mjdt'JfM. PEROU -M: Seidel ^ S. N. (Sonne) T. B. V. T. & L. dazwischen em Anker W. T. Leonhard Maussiel. Nürnberg 1708. 1757. Leopold Widhalm. * 1722. f 1776 in Nürnberg. Gio. Paolo Maggini Charles Claudot, Mirecourt. * 1794. t 1876. Fried. Wilh. Meinel. f 1802. Mangno Longo. Padua 1599. Sebastian Wagner. 1788. 1799. Meersburg a. B. Matteo Sellas. Venedig 1600. 1639. Magnus Tieffenbrucker. Venedig 1557. 1621 (?). iMax Zimmer, Nürnberg. * 1874. Nathaniel Gross. London 1700. 1751. Couturieux. Toulon 1842. 1850. Nicolas Lupot, Paris. * 1758. f 1824. Siehe Abbildung auf dem Abteilungstitel Brand- marken und Geigenzettel Didier Nicolas, l'Aine. Mirecourt 1757. 1833. Joseph, Nicolas. Mirecourt 1796. 1864. Paul Claudot. Mirecourt, * 1890. f 1886. Nicolas Perou, Paris 1775. 1790. Christian Wilhelm Seidel. Markneukirchen. * 1815. Simpert Niggel. Füssen 1739. 1780. Angele, Soliani. Modena. 1772. 1810. Thomas de Bome. Versailles 1788 — 1803. Thibouville Lamy. Mirecourt. * 1833. Wendelin Tielfenbrucker. I Padua 1572. 1611. Wendelin Tieffenbrucker. I L. Georges Warnecke, Nancy. 1826. 1827. 588 Geigenzettel A Abbildung 1—16 MICHAF meFeat BAJVliJ grcecy A7 IwwilTfBtJJSM MATTHIAS ALBANUS fccit BulfaniinTyrolii^9^. 10 HARLESF ALBERT '^^^ PHILAJJELPHIA |cFaJ FECIT ANNO IS guter. I SSi (^ Petrus Ambrosi Fecit Sl 0 Brhdae ij/^^ [} t^^ s^^ %^^ \^^^ \^^^ s^^ ^ 0 o >„x »«• V—"' >-^ «^ 11 Sub difciplina Nicolai Am^ti in eiusOflidnaCremonz.'iCi'^ ^ Hue (£c bussy , N° 3o. F.aub. St.-Gcrmain, ^ pres larue de Seine, a faris. ALDRIC, Lathier, ^ Fait Violon , Alto, Violencelle et Guit^re. J^ 12 C. Nicolaus Amati fecit Bonomse i7-> 13 Afox/Vwe ' ANOARD Luthier- ^ Paria Rue de Seine , N° 71, prcsceäc de Bu. ALDRIC, Luthier ä Paris . an 18^ 14 -/^i^i? N. AXJDINOT 17, Boulevard Bonne-Nouvelle JL U-riM I E R V FLE"VE de VUlLLAUIVtE . \ ; i^ Geigenzettel A / Abbildung 17 — 23 589 P^it 'psffi'ÄmSrc^ ^h m^m ■%! . I fl. 1 I 17 Paulus Alletffee fecit Monachii. 18 19 ^ntonlus, Sc Hteronymus Fr. Aman Cremonen. Andreae fil. F. I 630 20 HieroiiimusAmati Cremonensis Pecit Anno Salutis l6^^ 21 Nicolaus Amatus Cremon^il Hieronymi fibi fecit .An r^i-/ 22 '.f»,J3C!--^ . ■-rfvm-w^* '"W-.-,«* a-ti^n Adams tjiiver, 23 590 Geigenzettel A— B / Abbildung 24—32 />''/Antoniaz2r Romeo Tjr^fQof^^e '^ 24 ^ lN.r:V >' "U 25 J/auten uricfGejgm^ machtr inJftumnJeri^ o 1 3o 11 *&«?"« 26 28 ^J Jacques bOquay \ *t: Rvi v'Anor/r/rVJi, A Pah,, 17 29 '<'i«<'ini!arh*< «aifc— .^^fc ■Jt.*>,..,iKj>i.. -- -"i -n -1 ^ ^^ -i. - CaroivS ColVmBVS ßi\vno /'Ct. • FeCIT AÜGVSlAE TXvriNorVm ^:^,i- \ Anno Do/v\'iN! 4^/po ^C ! s^ 33 Albertus Blanchi filius d'Agostini fecit Nicaea ^. '^' HEPARE PAR o p BIAKCHI NICOLO, 't * Luthier decore. ■» .|a ^/^ ,s^> 39 34 ^ k ävid •ßuchr^etcerVXamten-^' v/Und 0eigenmacheip^'pedcpoiitj pro^i - 40 p *i i' j ", I -- 35 TOS f, F'H }30 .'{ ' ] A \ \ «»"" '*55 s^jHsjsjj. Manufacttircr " :-""*'"!!Lüf^ QiS#>^ -^S^P CHICAGO -/'--v'^ q^j^nm^aSmayi/t 41 '^•'^JYro 46 ,>■■■ L\> I ; s J^ii- = = ;.,-, i/wüidsfa '< 182& 47 NICOLAS BÖNAFON, yi F2 49 ^^^te^^^äf^P^S^^^^ÄM^^Sl Geigenzettel B Abbildung 51—56 593 lO Mödallles Or, Vermell, Argent et Bronze A Paris, Sydney, Melbourne, etc LUTHIF.R Ancien feleve d« J. B. VUll.LAUME, de Pans /(9 7. rve de Grenelle t'ARlS Annee igocf 52 Thoma5 BaFcftiieri Cfcndoc^cnfij Fa^j£ Mj^hcu«. Anno. 17 •y/' 53 lAnfelmus Bellofius Fecit ^ Venetiis 17 ^^ 54 \e::'^ic.TniC^((^ 55 Fclice Beretta alievo di Giufeppe Guadagnino fece in Como TAnno 177^ 56 V. Lütet-ndoiff , Geigen- und Lautenmacher. Ed. II 38 594 Geigenzettel B Abbildung 57 — 63 GUSTAVE BERNARDEL Luthier du Conservatoire de Musique ZHpZ _ ^JUitü) ^"^^ß 57 htON BERNARDEL, Luthier 40^5 Faub? Poissonniere 58 .ClB CARLO BRVNO ^^. fß^oeanno 190 m Torino 60 LEANDRO BISIACH della Scuola Cremonese fece in Milapo \% ^ Ö Pi^za cicl Dugmo 61 Bne Vncon, A?y, MABSElLLFy. — :;\^ 62 63 Gelgenzettel B , Abbildung 64—59 595 JOSEPH MSSÖTTf-wihkfT Tir-Tj' I* j;i'Xf.TV.-1gn 64 11 Rue duFaub Poissomuere 11 PARIS: 1900 ^ 65 Claude B oivin ^a Paris iJ/J^y 66 Claude Boivin rue de^renclle STMonore a Paris. 1/5^ 67 38* 596 Geigenzettel B / Abbildung 70—74 h^ ^'^c Gei^ien u.GuitarmiaclieriiiWieii tSt. Ulrich, Ro/ranaactsse ytif lX^. 70 F Brelon brevtte M»^* M. 0UCHBSSB de S. A. R- DA^GOULEME 71 !S A PARIS -/5:5s£555ik> ncronymusBrenfm.': Bonon. 89 Adolph Baur fecit Stuttgart annoi8^iGi7 r?r 21, Hue de Navariii, Paris. -An19 99 102 Geigenzettel C Abbildung 103— 1 16 599 Chardon Pere & Fils ^t Luthiers Paris ,-.^^ lg 0 0 A LA VILLE DE CREMONE. TusEPH CHAROTTE-MILLOT. (gjg(g@[£il3ag(ö) 0101111(3©® SISl IS IiaElE!H3Ba®©ül®0 f- . . E) Ren E ChajvTP ro N , rue &: con\ | |aei"EchellediiTerople,a Paris, 175 | @i2gii5](ö]g0£diEEi(ö)Eiöia(3j£ö|gj©g(2i®@iHj(ai2jiiusaa® 104 Felix Mori Costa. ^. |r Fecit Parmae fO) 110 ;0 Antonius Gomuni fecit Placentiae Anno iQ'2C III N.E.CltfrpItel a P^ris l6 Fauboufj^ p^>is30ßüifcre li^2 112 anno 180^ ((i m^B. 105 HC. SILYESTRE neveu 113 66 CHAROTTE-MILLOT, 'S} ^ ELEVE D'ALDRIC, DE PARIS, ® m iabricQut ö' Instruments ^ ;;|^0R.^ E TOM.° CARCASSI^ 5 In Firenze ijell' Anno 1745 I Airinfegna delGlglio. i A raiRECOURT (VOSCESj. V^^ 114 ^i Ä^;? 107 r? "'.?; ,Pe trus Antonius CatiFlorentiniKTv Joannes FrancifcusCelontiatus fecitTauriniAnno 17? >^ a^/££ ^fuit ( aMtUt 109 116 600 Geigenzettel C Abbildung 1 1 7— 127 W ¥ -■ r - : Ch.J.B.COLLIN-MEZIN f '; t" ^ Lulhier a Paris Riie du Faub^Poissonniere, N?29 117 J. CHARLES, Maitre Luthier de 1 j£ Paris, Neveu du fieur Guerfan, rue^ St. Ferr^ol, ä c6td du Cafe DupaiJ ;ij|l A Marfeille 178 ... '| C^OtT , tixthief 4e la Reine, *Äul^KoyaleriiföcrraHl'es j 1777 ™ '73^r'- 123 118 tm^\ i i-::t Taurim Anno ly^^" ^ |a1T PAR ^AB#Ä^^ 124 Fait par Jean -Robert Chibon , "" JVIaitre LjutMer , rue de la Sourdiere , au coin de la rue Saint Honorc. A Parts f i"}' ^ / 120 ] fall sous la Direction de Chardon & FllsLuthiers 6 Rue du Faub^ Poissonniere 6 Paris 10 oo 125 ^^ TOMM A50 CARCASSI «$ 121 ,26 lacotos PMippus Oordanus fecic Genux. Anno &1 17 7-^ 127 Geigenzettel C Abbildung 128—134 601 ^ Andre Cailagncri Faira Paris ^ ^ a THöccI de SoilTons 1733.^ 128 ^^ulus Caftello Cqq. y Genua? Anno 17^8 1 129 3o$cpk iLhiWÖon ii]^ixvxi^ 130 ^Js^liWS^'-t-^ t«j* • ' s.*< -<5^ •" •^*' r%, fl loretizoCarcam^in Borge?' San Fririiano «j^ 131 r^ 132 Georges CUNAULT r-- / . r \ L U T H I E R ^Vj^'i"^,l^ue Clauzel, 6, PARIS — An 18^3 133 <4 •4 OvO « EO^j MADE BY G. A.CH ANOT, ViOLIN, VIOLA, VIOLONCELLO & BOWMAKER & RESTORER, 'ot-"*^^ MANCH ESTER. A D. 18^- '°°'"* N?/^^., Model of J4>rx^<:. ^^>^ ;^TTTTTTTTTTTTTTTTyTyVTTTTTTTTTTTTTTTTTTTt\ 134 602 Geigenzettel C Abbildung 135—143 CLAUDCT LUTHIERä DIJON VAN 1898 N? 67 11 Jo: Baptista Ceruti Cremonensis •' J^ fecit Cremon^ An. 180-^ /Gg\ ^ 136 t ANDREA CASTAGNERI nell tr \ Pallazzo dl Soeffone,PariPPi 174^ l 137 Marcus , Antonius, Ceriii , Alumnus Anfelmii , Belofii , Fecit Vcnctiae An . i.Jß 4- W1 ib 141 143 I Geigenzettel C—D Abbildung 144— 152 603 i:fi.ricu%^,Ceru! '. .< 145 Cfi^öiise^ aDHG^ r^(yB»-F. C«o X-- Anioaio Cafial 146 148 Fecer.> Cremoaa .«laoo tS 147 M A K £ R: 4 149 @ettiiTiiiTrnri»[imn»fniriitr]iiBTi[iirr-jri- DEGäNI EÜGENIO ^ FECe I VENHZI A - ANInO ISiJ 159 Seb,afti:aii Dalinger. Viennss Anno 1 80 5^ 154 Anno // 160 -Ji*»" Miudn Dih], Chiiti Mgynzifeher Lau- 161 i 155 '; J. B, Dwofäk f I ■..-.-iL ■■.'■' ^^ feeit Pragae 18 .^- ^«sM 162 156 M ä rt i n Dornen Wien 4716. -" -*-!-'•»"§?""?»- -5; INSTKUMi^TEKMA;CJaER 157 163 WT" 158 104 Geigenzettel D ' Abbildung 165 — 178 603 ü i^jldyUd-' iy4 165 /-^i^^ t{{imel-de-Vill',^I,i.Ve,i.7y^ ■p3=^-:SJESS=s:f^^ S. A. Denoux 16,Rue Geoffnoy -Manie N?//y Paris 189^ 172 166 m 173 Pietro Antonio dalla Cofta fece in Trevifo Anno 174/ 167 An 18 SS:. 174 168 lllfilH Vf\ (He a Paris KuausT \HAMikc fecii Anno 1911 175 169 176 z^^;^ du C/^ AlesBandruB d'Espine Ficit.'t Taurini anno Domini 1^8.^ 177 170 • • -.4.) Nlcolau« \Dudos fec^ ch I4 ij^^äl^j- ladel df 3^rcellorma^'^^imo >,'^^d,-^C^ 171 178 606 Gelgenzettel D— E Abbildung 179-1 91 f i Robert Duncan Maker, Aberdeen, 1740 179 MICAEL DECONET Tecit Venctiis 1 754 180 Jö5tin DI TER L u t h L e r y\ n a C c xsT •" Giuseppe dali' Al'Üo Fecit Mantue 17^^? 181 182 Frjincifcus de Emilianis fecit Roma: Anno Diii i72 8 183 187 Chriftoph Eberl Vblin und Lau- tenmacher in Prag An. I> ^^ 188 NcAp 1775" 189 *■ 190 185 ITHOMAS EDLINGER y^Latiten-und Geigemnacher. 186 5 Joannes Udalricus Eberle, § § fecit Pragse, 17 | ^ v«!?^^«^ <«s«^ 5tf»^ «<:?^ ^ic^ «^ «tfpj <^?>«<»^?4^Wyi xe^.^'as^ 191 Gelgenzettel E Abbildung 192—200 607 "^^ h Joh. €o]^ i Ergele , Lauten - und u^eji- M '\ maclie?, fmt. Friburgi BrfsgoviaeV ^ •jk^'^ |«o^^^^^? 192 ■■^^■^fe:-> m JonasElö Jienovauit X732 ~^ '/ ^ /■■■.y/ '//<^'>/f>:-a'^//.v////- / 197 193 burolLauten initl. Geiueiuuatlier in WIEX Aiuu) J82 195 tV' 199 "^^^^^^^i J o li/ N'ä j? 0% u € ]'- f^ r j< g e ] e t ,^^ 200 196 608 Geigenzettel E— F / Abbildung 201—207 in ^trosbur^i^ 71' '■•■ «* . fedi yH*«5iG Ann« i9 201 202 ^^e-c4/pj^^ \ 203 ^/ s - Li lio)' feSSZXE 204 ^plob,Ffc-kefV VilliiD ^-1 .^Ä^ Höfiasni jä3«T •'' 5^ / V. /?, Iritzsche ! - ■■''' 1, A . 8. Jlof'In .s trumeni- ' \ . mucftdr. . Antnii f'ibcli" t,' 207 «1 Geigenzettel F Abbildung 208—216 609 2uö /T^ÜTfANW C'HWSTÖfisr HKEK, --SAUDEN- UNl^^^rxEIGENMACHERk 209 k. ^Sfef^- -''3^^^^.;- > \ d-rimia'.- 210 '^<^^// /^^^^ äO - V ,TK <- ^^^:i^ /.- 211 aRartinuö SRat^ia^ gid^«, Me Pedt in ^Xtm, hxi. VJ 212 ■■^ G.FILLION Violia Malier Soiiolar of W.Hiil&Soas 214 Mart LMLu? Mathias Ti^hd, fec: Yierwixe 1 7 ^^ 215 iwr-ry^"-,' u- M ■%ww._Mi ., 299 CAJVD f RkRi:s,ltttliiePs de la Musique de l'Empereur ctduCoiuervatoiFe Imperial deMnsiqae JT .1^- 300 GAND &BERNARDEL F««« LulLieps de la Musique de IRmpereur et du Conservatoire Jl". ^w \S 301 GAND&BERNARDEL E^E^ Lxilliiers duCoiisei'A'atoire de Musique 3Xr ^^JUxi." i$ 302 GAND aBERNARDEL Luthiers du Conservatoire de Musique ?!,". iCv..^ ..__ id. 303 ■618 Geigenz:ttel G Abb;ldung 304—312 ^ \ 304 GAND Luthier duConservatoiro de Musique 305 GAXD. Luthier de la Musique du Roi pt du Conservatoire de Musique, - ue Croix d es Petits Champs, NT 24 . Paris. l8 306 Andreas Gaarnerfns fecic Crcmon^ fub ciculo IV73 Sandlsc Tcrcfi« 307 308 I 309 I Nküf Guse ff« Bcyenlrnci aCxemena ^Jl% 311 ' ^eAviNiE^;--jue; -'•>? S riiomas da Lon vre- ,ä Puo|%\, X/l^ ^ 310 312 Geigenzettel G— H Abbildung 313—324 619 fc'.^w*^*tÄ,.:.iüi-5:-^»JE5J''7-**T?»'^-- --'-oitsmts^^r^m^iigtft^ ^r'uiSa^--^ Fl l,y J-V-j-J' -i^- t III Mlllll II Wl !!■ k^ ■> I llll II I «I I Uli I I ■ -^.— ~^„. , .~ ^j-— .^ ^^^ _^_ ^ ^^ -• SMOV' - :• .i^^ ^ ^öotf in; ^iMötfönbe -ysi- 313 317 r riiiiiiii iMiiiiif iiinwi ■l—lliWWHIIIh Hill ■ - "> ^ X 314 318 P *: Franciscils Gaissenhof, fedt Vieniiae. Anno m'^P ' 315 (Fälschung) 319 316 Jis^p-.' 4- •- '- — 320 «^^?9 kai[!(ön.fiof-,v^ Geigenmacher 1 N W 1 E N ^ ^ > -^ f?} ( ''■ 321 32 79 "T- '-v. Xo. r ^*.\ntjox.kow, f 2«ßVK?Sfi,TOW CAXJSEWAY ■ - -t^-f — •.; 323 ^TADE BY MA;T. HARDIE & SON, EDIS^BURCH. 1 8 ^7 324 620 Geigenzettel H / Abbildung 325—336 \ t F r a 11 c i s c ti s H e r z 1 1 e b g S feclt Griecii anno ^«^. '^ ^ CARL HAIJDEK 331 325 {•: 326 327 JlRapar,' Aa-^;i . '^^.v^^ | 333 328 ! ■Stöe-i" 334 ,.^.*^ t (!|lle^o(i^fta^g^J)urff 329 % g&. 335 » .. 'Mathias Hoftifteiner , ©etgCtDlia^ert- W '^4 ^of(c&miet> in 5]RH(e^tt5alt) an 6et 3^.S ift . ■ Anno 1803. - ~v ^ ^ 330 5^^^ jofephtloren J^in Mittenwaid 336 Gelgenzettel H / Abbildung 337—343 62 f Heinrich Th. Heb erleintr. Markneukirchea /"Sy?, Imitation.- Antonius Stradiuarius . 337 •üaiijiiiiiiiri II i' •'•'• TT' iir - " r i i — 338 -J I loseph I-If)iii!)erger in Wien 18 __ I Copie nach losepfs Guarnerius 1HS~1 339 Thomas Earle Hesketh Manchester Fecit 1'? 340 Ferflmandns Aul^ Homolka /-p-^-^N 342 jl^SBSntiiwsBSMBSi; t'*>r^?' 343 622 Geigenzettel H / Abbildung 344 — 353 cf\. t- - '^^ "^tt^^ •:^r%. /i- V f . i 344 Heitiricb Tb, Heberkin ]uii i^^/ fecit Marktieukircb'sm Anno iBf^ 345 CV J // -.4(> >5a CkrMinn IMmrich Hittbel^ •'2> -.-' './ie^ä^-^^- :iajaECK. 1 8 347 j4ö Ferdinand llaniborj^er, ^ Geigonmachcr in Pressburg. Anno 1 8 ^^^ ,1 9Zeuetr^?:i %^:'mm^ täcf 351 » ■' ■^.. Emü Hjortli i KjöbeBhc ivn 'Anno 18 |fcMia«M»M1::,*^feiA --C -c-3 M A K E Fl S , ^--<^e— ^ SS/Wardour Street, W 13 • LONDON -^ jJoannesGeoigius Huber | fecit Vienn«,! 16\ 357 <^_t-^ 368 369 ^ — 18^ — ^370 \, r 371 Eugene HENRY Luthier RuE STMartin, 151, Paris. ANIMEE 18, 372 Made S^ S old by JOS. HiLL atj^ Violin iwAn^eX Court 77 C^ö^esl/yiinj-ter. jT/ 373 JOSEPH HILL & SONS MAKERS, at the HARP and FLUTE, in the Ha> Market. London 1771 374 Bolo! W.VD(JA- 376~ Geigenzettel H Abbildung 377—381 625 'i?J ^^. JS82 oii^Ois\s-^/eiS>?^i!>^t/gi^c^fQ 378 379 38a ,_e,^^^.i^\ Joseph HEIL ^y Luthier ä LILLE-19 381 V. L ü tg-en d o r f f , Geigen- und Lautenmacher. BJ II. 40 626 Gelgenzettel J Abbildung 382—393 Paul Jombar Luthier 20 Rue Rochechouart Paris 382 FaiL sous la Direct 1 lo n de Pa UL JOMBAR , L uthier 20, Rue Rochechouart ä PARIS 383 42; Rue de l'EcKiquicr, a PARIS ^%}^ 384 HEWRl JAIEIN LONDON ICCC 385 HtENDRIK JaCOJ5 ME FECIT IN aUSTBjsJ>AH ^^J)^ 386 3i.u.R.16of - ^^^S^ ^«s '^n^ <9/?iS^> ^cit J9 387 Joannes Jauck fecft , . .^iratcii. Anno 1735 388 389 ^1 Joannes Jais meTecitlg^ iBulfani in TyrolijTji % 390 Wilhelm Thomas Jaura in Wien feclt AnnolS 391 Carl tidger, Geigenmacher HILDESEEIM 18..... 392 Anton jirowsky ü eigen in ach er Wien \Mg 393 Geigenzettel J-K / Abbildung 394—402 627 UVTHJER lÖ.XueGambcUci.iO NANCY ! ,» 394 ^ms^ßm^F^m '^-?rtuf*rA7u*-j'' 393 Anfon in Wien /^-"^^v Jarasch Anno 18 /^ ._J ^'2S( 396 fei r JACQüot NANCY. 397 398 "tf ij-f'^'-yg^^gir' >flg3^.T' 1 A "u g u f i A Leip'zig Petersrrafse No. ii6. :>yy Antonius Kulhawj, fecit Viennae la^A il Joannes <:^aioius Kncl)baum, i fe.icVieiiiiic, \j y^O 401 Ö \Aigtdim KloZj in Alttten m ^U'vald ari der Ißr, / 7// ^ 400 402 40* 628 Geigenzettel K / Abbildung 403—413 f!old(Mie Modaillo. W> tAug. JCesslerjr. Geigenbauer J)/t atitt ft e i m. ■« Ooldene Medaille. 403 M>ii<£aHiilVri[i'iiriii -'UfoMiMii i|ii"i5iiiiii iiim?ii SgJB^paiiiTjhlffr iiii,iiiiiaii|6iiiaii^;a 4Ü4 4uy £^ - > - 1^, -'TV- . / ^- ■ '-'' ' '^■u^' ' ~'* I-'' ' "I %ß^ AJ3. ^ug.'^esstet *^t, Geigenbauer^.^^^ 405 "•j. ^ ..>> '^. » 410 IJ«1?5i3<-' ftumf'v^ ^>>^rirC\ 406 '%Sif Miuibf iiüliäilj I MjDJCiir-LlJJjgl'JiiiLL L» mt»»»» ICTi-Bi''—, f t'i-* G^ör^ Klozj in Mitten-^ fwuald an der 1 (er, lYT^^ j-^^^^aM-a-gyr;-:?: 1—w ■ — iwn»7;i-^ ^ ■py»»>ii j 407 412 408 Geigenzettel K Abbildung 414 — 425 629 >'.i'^ 414 421 1^- ©eigen tmtr^ttfttarenmac^er :| Anno 18 r~ 422 Frnnz loSeph Kistfchrr.aan, ; ^ itachcr-, 5Ti' 'S ras 423 417 ^V—:^S^^^ir^:*-~''^ ■ XEdmuiiä ITünsißiVm Jena 424 Ainfterdam, i68 "Mfis&eft; 41ö -f_j 630 Geigenzettel K , Abbildung 426 — 427 Ldus t)ßo .4di. To THa^iiio ,T6^7^.Tdd0ud..^ 7 ;_*T.ttcslo to sollofcrito con mio Giiintmento d cnr-im'luc W nd, corwa \ ^^&f^'' dMdU\ACloz Jid^lliinMih hd. seruvio jjer Gdrdione ctoecKO/ieJtd miaj . -^^ ^otte3dai I^uldTo 4t 5diilö ucowo dUTini SÄt con iiitta/jonotwiotez'" f ^^ ' Sd.^J«delt.4.^//9<.d " ,- , ..'S \ ■ iX^'-i—^ Jr7*-iy7^ -^^ ^^ -Y ^*^ -4^ i4^ '^ 'V 'Y^ »^ V ;^^ I /Egülins Kloz m Mitten |^ 4 i/^/z/r/ r/// der Ifer / /^^ ^^ 433 ^4.4. ^.^^^.Hr r^.4^4^ 4-^ -^-^ -«»>; I Matthias K/oz in Mitten \ ^i*^ yS. S^ >V «*»* «Ar ><^ VV s^ A/V v«v »»«.>** =>'y >« >i ^^ dj. '|l /,i /,l ,,< /.i. /,. y,V /|V /,v y,v >jv /A ^> /,v ^" 434 '^.-y '' ft*!^ Y^lSebafiian KAfz^Wi 439 mitm^ 440 441 632 Geigenzettel K Abbildung 442 — 456 ^ /Egidim Kbzj in MittenM ^i^vald an der Jfer. i VCO^ g| 442 Mathias KIoz, i'mitmUUJCÖn? inM/ttcßvvaJdt, Anno 17 9 443 K FRIEDRICH KÖCHENDÖRFER "^ t GEIGENMACHER - STUTTGART I896 . 444 Bmhol. Kamer in Mit-f \tenwald an der Ifer 1 y ) 445 M. G. S. Kellermann Hofinstrumentenmacher Zerbst (Anhalt) l8 9* ?;: 446 Q eorg- Adam Krausch \ Ge%en und LautenmacKer \ in AJWen xl^l Ernst Kessler Berlin feclt anno 19 No. 448 450 !®)K FRIEDRICH KOCHENDÖRFER ATELIER FÜR GEIGENBAU. STUTTGART 190/ 451 matt^ia;6 3oanne0 KoI^j9, Hauten» u. CBeigenmac^er in 452 Jakob Krampera, bürgl. Instnimentenmacher in Znaim i8^^ 453 ios £>K««i»»JtB>JHiMi^T^^^ . Kriner, nrma: Fr. Wittstadt, Saiten- Instnxmentenmacher WÜrZbUrg, (Bayern ) I8 454 PM5- Ernst Kessler E. K. fecit BERLIN 18^/ Johann ^ünzl, Instrumentenmacher in Znaim. Anno I8^y 449 ä: Anno 18 ^y t. 456 Geigenzettel L Abbildung 437 — 470 633 BOHUSLAV FECIT PiUGUE LANTNER ^ ANNO *3iXx^c^dbOb«JbtJb«-ÄJtA3 J. N. Le ClERC , Luthier , aux Quinze vingt A PARIS, ly 69 ^«^V^^V^ry^ r^<^(j^fW^*y ryBr^fftT^ry»«^^ Sdjönbnrfi (iBöt)intMi). 464 /ose/Ja^dcr// 465 (Xe^ "V- r raagois \ e J eune nie de la \ Juivene/a Paris . Annee 175a ^-Ä — Llym,\Ai>^\yC'^\j 'W^ 459 Carlo Ferdinando Landolfi nella Contrada di Santa Margarita al Segno della Sirena.Milano 1 7^^ :)^: 466 S> LAÜMAIflf ROBERT Budapest. 18. _ 460 467 Nicolas Lupot LutKier rue de Granimout; a Paris Vsin^J^tii^ ^■~ —^ N. LUPOT Fils, Luthier, nie d'liliers , a Orlean s, 1 'An /70 0 it — t ji 461 dgenmaitec in Sien, 17 462 Jos. Rudolf Lenhart Geigen- und Zitherbauer Leitmeritz Anno /^O-f 463 468 469 fephus Laskeßouten unb ®«0cn- ma£()cr in ^rag 17 470 634 Geigenzettel L Abbildung 471—482 471 -irr^ '/\ '^ra. ■y /v ^.y^ i tS^-r. "'(■''■> ^:r:-^..^y. • > --^^:__ ' / , CßtoUlJ» - J^ULLlisJ 477 -I- — ' ■ Fkancisco Lupoxfccii If In Orlcnno, cinno 1775 Ü2 Irfhann Qeforge Lippold , ® mosikalisÄherlpstrinBcntanajacheE in ^ '%ya Neukirchea bey., Adbrf, igo^'^ 473 (L|t— [^JiSiSi^ 478 Pietro Antonio figfio di Carlo Ferdinando Landolfi in Milano al Segne delJa Seren aTAnno I77ß 479 G. B. De-Lorenzi ^, , ^ .. .^ .> . , . /^ .. 5«coIau^ £eiborfF / ßjuttm^imö Fece in Vicenza anno 1 8 ^^ ©rigenmofber in SBierttu 1700. 474 480 M /j "'^\ J. N.LAMBERT, ( rue Micnel-Ie Comte. .Pari Santino Lauazia fece in Milano in Contrada Larga lyj ^ 481 475 Revifta da Carlo Ferdinando LandoM T Anno 17 4^1 r ■ ■ ^ "'AHaTOJlift /lewaH-b ß-b C.-rieTepßyprt. | 476 482 Geigenzettel L Abbildung 483-489 635 483 Louis LUTZ, luthier N.° 64 17, Riie des Fo.ntaines, 17, PARIS i^O / 484 N. Lupot Luthier de la Musiqne du Roi et de 1 Ecole Rojale de Musiqiie Paris. 182 <> (S^ 485 2---^rm' iqiQ Bergonzi lecit i^^ay^ ^^^ . 4^ 486 / > tcrrc It-A r. yfiUeuo ddfh) £ahba^c S'~Qcnnain eJ: Pari^ \)^^ * 487 Francois le Jeune rue dela Juiverie a Paris ännee v^sl 488 jr? liETE, Luthier K^S 489 636 Gelgenzettel L Abbildung 490—503 Nicolas lupot.LuiKierrue Croix des pelits- CKamps. ä Paris,] an/c^// 490 Carolus Ferdinandus Landalphus fecit Mediolani inViaS.Nfar gantae anno ij^^ B-i*Arfi'ij^SSi 497 491 gewann e^riftopff gfibolff Saufen . unb ß^etscnmacöer in2Dtcnn/ 17 J" 7. JVf a r 1 1 n L 1 p p 498 492 ~T " •-, liTHliii :^urjf (&fi^^umarBrr. ;?^p.lg^i^«^®rie«H#. 499 493 Üü»»'" 'C I C • •*-^ ' ■» " ^ ' 4 I 4 w 500 ..■^■•-***.t\5S'' -l^c :5^.r' Joannes Ciiriftophof US j Leidolff. fecit Vien- 1 i.*' "*'-•- -3>i 494 501 ^^#y *: Ar ia ^^mtkwf^ a J!=-';:==.^rrr^^ ^^^ħ|lliLl|-^%. j:j fy^ -**;^-;ta.. ^- 495 __:-?i*a '^J' Francisco Lupdt fecit. ||j In Ojleano j anno 177/^ t 502 -t% 503 'S Geigenzettel L— M Abbildung 504—515 637 :!jVlarseille , chez LIPPl , Lutliicr et Mci. de Müsique ,^ Sur le Port, pres.la Loge , N.^ 2. ,^ v;-'-',ifc«;'<4-''-««(n* 304 i 'liht^'cfeKrilB»-. ^S) ofef f?cit ftnntj 103 Oabiiel Lembock fVcit secueduiu Fi" -a- •" 1 -i nr« ' /^ , ■■■■ ^ ijoscplii GiiainPti fromonrnsis ori- aeimm 1 *7 * 506 i?-^ ;uue Ajiuo. lfe>iJIIS 510 ■> 511 1(1/ mon -' :- ^"^^^ f^ *^i^ 512 508 Jofephus Antonius Laske ,, fecitPiagae, Anno 17^/ "Apud Franciscum Ic Piicur , lyetcri ^aVano Panfits, 'i IT ) 509 Carolus Maucotekis^ ' fecit Londini 185 f (fS^ 514 515 :*r. v)i^^ 638 Geigenzettel M Abbildung 516—523 3 JI*(SJ.|»,!(#.- •,,>., ^«, Le onha r d u s M au s s i e|l 517 f [■■* V^it»^' ife g 1 1 =# I I; «»■>• ■•* .^._0- ^wy;.* E rie^riQ^ ^ .^oaryrJeJ' Q/osej^^bU^ tiJfCuJQßf^ 520 .^^.,™.™^....:.,..,=,.:r^ j EMILE MEHNESSON da GUARIN:! Adolphüs Möfiflig .fecit Pestini 18^; L uthier c\ ri'Tec . i e ä Äf/MS 521 Geigenzettel M Abbildung 324 — 538 639 } 524 551 ma^er in Dc&ent>urfl 27 - raiiBiaitiK^f w^.1- ,>ii.i|i rfi — ' ^omnes Antonios Martldt,, TecU Bononi« Anno 17^6 532 > xJu th i e r , ?Ä> ^ I^ u c (3 e Tr e v i s c ./ y- ■■ Paris. 186^ 526 J. P. Miclielot ruc S^HonorePi^cs SHlocli AlaAIelodie a Paris.1^60 K MOUGENOT, 5 ^ A SaINTE CEC ILE» ^ rucGantcrie,äRoU€ii, w 533 "■^ 527 534 H^ Johannes Antonius Marchi "^ jS fecit Bonoai2e Anno /^{i^ 535 «U'Jf. -rrrjT fcttns Antonui.«} MaTvöltl:>; JElorent. fecit Anno- tj Ö 4^ 536 Petrus Joannes Manlegatia itfXX. Mc. diolani in Via S. Margarilae 178^ Morglato Moreda fece in Veiiecia \6(^ 529 537 530 Gelgenmaoher — h o u el a i Iglau. • Jlblava. 538 640 Geigenzettel M Abbildung 539—551 l^^^^r^ 540 1- 546 PIETRO MESSORI iioof:va faUo l' Av/no 19 ■^«!= 541 ■V.V ;J?t -ManUßalia Mediahui inlia S-Maraarite anno KAKEL VAN DER MEEB. Luthier du Conservatoire. AMSTERDAM 190 544 550 Antonio Mariani Pefaro 167^ Dominicus Montagnana Sub Si- gunum Cremon^e^netüs 17^0 545 551 (Fälschung) Geigenzettel M Abbildung 552—538 641 ^äcerUM-t a./zp..cr " ] ^ üirf eil I O'd" lac e ,^ A^ Anno T^.AT. ^~C^ .y - ^ t/.//^.^ A% T'.ARIS. 44-- ye^/e 7^ a fTTe^ . ^^ 552 .»^ ^^z- 553 Carolus Meriotte , ab extremo Pontis fax^i, juxta Forum - Argentarium fecit , Lugduni anno 175^ 554 Georges Mougenot, luthier du ^nservatoire Royal, Bruxelles i^f 555 Marengo • Romanus - Rinaldi, Albensis, fecit Taurini Anno 189 557 tSSSSA 558 V. Lütffendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II. 41 642 Geigenzettel M— N Abbildung 559—567 /^AAXC^v/vayy'AA A>v\xv-\y\yw^ ■ ' ^^^f ■ * ^.^k/^^AAX/^/^/^^r '■-■■■■ -^'y':^ ■•■:^%t. "■■■ . ■ 582 583 Bonolamio'Obfci in Verona 16^81 580 louis Otto fecit Düsseldorf aamo 18^/ loannes Pcrcgrjnius oqppUCPO CtPOCPOoaUL)UULHJLMX>UUUUUCO^OOUC>WH;W;UL'L*A*JOOUA.w®ii oiiiv Makeifot '^•Ti::? — MichäelPlatner fecit Romat Anno 17,^7' • ^s»? A-i '-^"?«?:;3 ^ Auguliiniis de Plani^ fecit Germ« 1750 V }^2i^ii^4 ^efi^ i^ .J^oui/um ^/n.- ^/o /^ ü^r^i^] S 596 590 David Pizzurnus fecit Genue Ann. 176J 597 591 »■^iiiMiiwtitiiiirliftVi^l« am^i:^m^x^m^^««<ö«^^^mi^^i^«#»^^ L. pors^s FiLs, L U T H I E R 'A G R E N O B L E , ^ •t , • Fait toutes sortes d' Instrumens de musique. •'^vy/^^yAVvy/wy/^(vv,y/y/y/y/\^'i!^'WW•WAOA^^^ ^1 Johann Padewet fecit Karlsruhe anno 18 (p) 598 ^^^ ©eiöen^unöSnllrumenti» madber in @d)6nbadb / 17^/ 592 rtTgvmriTr irj-xi-rf i'i-i»i»ir>' »rütkTi'jvtr rrrjftTCria j er PI ROT c^/ znT^arürnti* 599 Paulus Pilal fecit Budapestini anno 18 600 © 593 PAQUOTTE Fröres Luthiers 99, Boulevard St-Germaiil PARIS annee \<^oO 11 ir -^ I (Richard Weichold cpaulus Dresden 601 594 646 Geigenzettel P Abbildung 602 — 612 L-TiSs^irf^Lv^ia::;;^^^ i 602 Pique ^ rue de (Jrenelle St Honore, au com de Celle cUs 2 Ecus ; ä Paris, l8 Joannes Franciscui Pre^senda^q. Ka|k1l&ti fecit Taurioi anno Domin'i |840 '^ 608 603 Giovan GaeUann I'azzini. allicno d>l! Maggini di Brixise. Fecit Firenze ^ -^uno 1 QoO CLAUDE PIERRAY , rue des Foffes Saint Germain-des-Pre'z a Paris, 1714- 604 609 ^ Jacob Petz Violin-und Lau- •'tenmacherin Wien An. iS--^ 605 610 Antonius Pandolfi Venetiis fecit Anno I'JJLq 606 ' ^■frffjm^'^ -^ ty/'laAerrJ 611 5(MietenWäldan'(rÄller/-¥'y QM. 'f^^<^^^' Panormo, rue de lArbre-Sec, '^ '^/'^^^^^^ 607 612 Geigenzettel P Abbildung 613—623 647 ia' Beiijainlu Fatocka, Geigeamacher in Jiöin 189 ■ <) jjravil BEISldAiVIlN PATOÖKA- houslaf 614 619 i^ Jjaj'ep t .^ä ul i in 613 m 620 Antoni Pauli Muficus Inflrumentalis itlSagau Anno 17 616 HOFF ^MACHER m |5gS^Jte«-«-HIB I jöfepbus. Pauli nie fecit Lind 17 ^^ 621 •Posch! ^Ä Antonius Poller L.AUTl-IEN,.i ic^i5 Facieböf" f^^ viennse ^1. Pia 622 JoHnJreston, York. ^ 618 Ö5. "Biet^f ndiorff r 648 Geigenzettel P— R Abbildung 624—632 ^ 3 ti f t r \i m c n t m a m i w- ii ic ilter tu f] Itnfkc»^ .|4 i?ei1crtu]t alte arlcn ^citrn jirttmmeitte. «St,v 624 R \w Mnccir/. l'jitban Ticniui^ ütWH) 18 Sf -1 625 626 ^hann Gottlob Pfretzfchner, ■ j prope Violino car Ketpontent ' Roinani cremona. Jl a a ^ ^^l^^tl-'-^;-_:-,^u /H^ iMte 627 628 /, ^sJeiqenrAticKer ir. Wien /4r\r\ü 10 j^ 629 §^. ■ RIGONDEäTJ, ^W.L.- 631 IX WIEK AN.VO ia*f|^. lu-nicih luil ii-■.■ 039 i>34 e*— -- .* :i. .Jim 635 r JOa MICHA ELRUDERX fedt Kornneubure igT/ ^-^«^. . — -^jtt;^ T ■»■ - ~i"»T^^1 641 :;*^iirt 'ohann 642 OJ/ 3o0attn "Mic^aet ^ubnf , Sauten^ unb ©eigen ?'3Äac^er ~ 638 riTCi'.'zialiäBarir. ".aganvroggggg r^ Jozef Rvmwid Mickiewicz ? [BotilwOdessieR.l^l 643 644 650 Geigenzettel R Abbildung 645—658 lo: Bapt. Rogerius Boiv. Nicolai Amati deCremo- na alumnus ßrixias fecit Auno Domiui, i/-o 5 645 ! Ciaode Victor Aarabaax ♦!♦ Srevetc a Faris 1846. f.YR. 646 Jacob Raymann, at ye Bell Yard, in Southwark London, {6So ^omlnirtuf 5tief in QJIfö im ^proll. 7'tO>/ 652 ÄaLta.e/« Ro^iY-^f rt6. Face 653 Auqust Riechers fecit Berlin ^^ 3^6.^ 654 647 F.MEYNIEU, Luthier. BORDEAUX Charles RIsryche Eleve de Gand e\ Bernardel Fecit Anno N? .^. .«■■^1-^ 1 1 iTnihTBi^ R E M Y, 'JiuthUr , & J'fiHeur dt Harne , l i . _^ . , ■_ . ^ F AP AK i-U ».WHi- ■.■»■• t*- 648 655 Charles Resuche Eleve de Gand etBernardddßRiris N ^ Lyon 18 649 Giovanni Railich Xaüfaro in Padova i 'Ö ..^^^^N. Adolf Romer f Freiburg i. B. 650 656 ee «9 <* 9S 40 OO «3 i^ 09 09 ce CO * Vicenzo Ruger detto il Per . * \ InCremona 1735 \ w ao CO •• «o «^ «o «00 «1 ««• 657 T*:^ d^^aij.. Fait par leopold TJcnaudia -Lutliiej'dc 1 Academie Koyaleae €#, Islulique aParis il hM^ ■ ^^ 651 658 Geigenzettel R— S Abbildung 659—670 651 639 fftator^ ^c cV ^ /^-^^^.C-^^ ^'^Xl 660 Antoiüio Romanini fecit Cremonensis anno 1740 661 w '&B-k ^'^'UK^^-.<^^z dt- c:^ ob d^ t^ jtcX- A^ ^ Renault & Chatelai.v , rue de ßraque,au G* iÖ com de la rue Sie Avoje. A Paris, i/^tJ (^ 663 667 vf Jofiph Sneider Papis , ^ CrerftWsei Mit Anno i7(?^ Francesco Ruggieri detto il per Cremoiia lu 7^ 664 JosfiPH Anton rus Bocca fficit Taiirini anno Doiniui j85f 663 ^ R O Z E , nie Sainte !f^ ^^ Catherine, ä Orleans, '-^'il ^'l pres leMartroy. 1756 '*•? W%S?7Xr 7/?Cr T/Kr TJiilr 7Xr i,^f V -/rv.^ t^v- r,^ -p 666 ^ i*3 t«e fi« J WW ««* "^«W «» J «M «H «» Mt^ ^ ? Fd/7 ii 'Reims ^ ^ ^ TarSALOMoiJj 175^5" ^ * e*: fr* 5fr9 Jti i^ ' e«^ i^e-: «tK- *5 «W (** Wr ? 669 i!!;^^^^>^^>Ä^^ ^ m Anton Sch^udl, Geigenmacherfj] Mi^iVIittenwald An, 1750 llj 668 670 652 Geigenzettel S Abbildung 671—680 I gelb tiiSL^s!^i£i^i^^ftüiiSd^ iMatthaeus Frideric |ScheinIein fecity^ i^ p.angcn£ekit: 175^ 671 Martin. '■e/^^M ^ in Wien. Stoss 0/ / 676 JOANN PAUL SCHORN , H. F. Muficus auch Lauten und Geigeiimacher in Salz- burg, c. /VT/ (Tl. 672 macAi y. U'niun,n. 673 677 Johannes Georgias Skotschofsky fccit in Heffen-Dannftatt 678 Nicolaüs Siinoutre Lupot Nicolai discipulus Bivoduri fecit 18 679 ::'*i^. STEFANO S&ARAMPELLA rftBrescial; Fratello ed allievo di Giuseppe "■ -\^ f6ce in.cMxfjM.ir4X.r..A^.iiiii....'^9j?' 4 675 680 Geigenzettel S Abbildung 68! — 696 653 5\nt(»nia ^cilianoin Omftia Giuseppe SalvOfiorl in PJsioja 18^^ : 681 689 I Joannes Georgius et Antonius filnls Staufer '. fecerurtt Vtennäe finno'IsVS.^^!^^^// 1 ad normam' Antonü Straditarii. - l ' _^,. - ■•■■■■--- ^ - - ^ Ji- ^Ä*. lohet ijegit Ledait^i8ö5. ^f"^' *SÄ*«r-*'Ä*Ä 682 J ^i^ClINTUS SANTAGIULIANA FECIT \ "^ViCETlAE^ Anno"^"! 6 / -J^ ; 690 e-^- ,A. ^(S 683 FrancifcnsStradivariusCremoDenUs Filies AutoDülacicbac Anno ly^o 684 2 Spiritus Sorfana ^ ^ fecit Cunei 1736 u 691 Oswald Schaller fecit Frankfurt a. 0., anno 18 692 T Petrus et Hipolitns Frairei SÜveStre FeceruiilLllodlini..\iiiio 185* S^j£$ %,"B=A"-Vi.-»V«i"A«.VtVt^ -: S Ss I» 2 ) r. Fr.A.NCois SAI7.AIUJ I., «ÄaÄ?-?ÄWJ 685 ^^° N. E. SIMOUTRE reparavit Lutetiae Parisiorum A. D. i8q 686 iftae A niöhö^v -»■ 693 Joannes Scheverle fecit, Prags An. 17;' 694 . -^ i-. >_t(^v: ?^'-^&liuJ 687 695 t^AUL S ERDET .Xycct/u^^ Oy Xa ^uJ .^g 688 . .5^_^^_. ■•.lohann Sfl-obrGeigenmach'er 696 654 Geigenzettel S Abbildung 697—703 gj machfrinS<:lid Pierre Silveslre a Lyon i8-^tf | 703 697 704 698 Petrus Schulz Chiltar- und Gei- genmacher in Regensburg anno 18 699 705 SALOMON ^Jb rArbre-fecaSce. Cecille ^ W&!^ä^mW^!^m'^^ mmmmmmmmmmm^ 706 700 Antonius Stradiuarius Cremonenfis Faciebat Anno \z 16 f^j Silvestre et MauCotel Paris, ip N"" 701 707 Laurencius Scorioni F^^iiJ Creme na- VJS\ J. H. ScKult Streich -JnstrumentenmacKer Lübeck. Ar\Kt, .^:5■::f Fece in- (^vsJUttJ ^^^y*''^ (900 Ji 710 Sanftus Seraphinus Nicolai Amati CremouenfisAllumnusfaciebat. Udin^ A: i6^i) 711 jVe £• 8IMOUTBE ^t Fils, lutbiers ä PAKIS 21, Fautiourg Poissonniöre Pres du Conservatoir© d© Musique 712 N» I¥. E SimOUTRE Inventeur brevete des Supports harmoniques et de la Barre semi-adh^rente, 38, )-ue dt l'Echiquirr ä PARIS. — Annee 189 713 714 Petrus Schulz Ratisbonensis faciebat anno i8 WolffgangSagmayr, Lauttcn-vnd Geigenmacher in Graz, Anno 17 717 715 /^ep. von Gp. Sbösael oficit 6oloniadnnoJ^0 iJmcbonu« StraAuartus/mlü Antoruj Crtmont Tccit^Anno 17 4a; als. 718 716 656 Geigenzettel S Abbildung 719—729 ^ @tiö gdjünemann. Mathaeus Wenceslaus Stautinger, mefecit, Wirceburgi 177^ Geigenzettel S ' Abbildung 730—743 657 Joh. Bapt. Schweitzer DisCipulu^ F. G-. . Pestini 18 Joannes Friderici Storck / ^ Lauten - und Geigen - Mächet! Föcit A4aguftx. _ j7^-<*' *^ 730 737 IJ^UT f M' UND GE[GEKMäCHER::.k (( 3ü^ann martm (Bd)mm, 731 ■■'r L 3 i ^i Li i bauten? unt) ©ciöiftunac^er 738 y n ri ^ f rm ff p .' 732 ■^ ^ ^'Y' /# c 739 tauten undlGcigenmacKeir in 733 740 Franz Simon, Hof- und bürgerl. Lauten - und Geigenmacher 2u Salzburg ^1^ Cl v% %\ 734 3o^ann ^icf)aer Simman ©eigen» macl^er in fDlittenmüld an ber 3far. 17 741 fÄ* Joannes Georgias' ^taufet 4 Ircü Viennae. aniio 18>2^^* Bernardus Stoss fecit Viennae 18 735 mfa r/c/yj 736 743 V. Lütg-endorf f , Geigen- und Lautenmacher. Bd. II. 42 653 Geigenzettel S Abbildung 744 — 755 1 r^rg " I iW ^ i" ' " ' B"'!!! •TS«,, 744 750 •' ÄN^ CJ^VJ V^hcgeri;^ ^,mmm-^mWßm % nie i^cir' Präge An, n ^k§j^:^ 743 751 746 ,..■'■>'« A.^ -^ ^^.J ^^^^•'^■^■'4^^ I ■>_ ■ - -|.^.j-ia»«^w...^.. ^ -vd^vo^ti^**^^ E^4-a^*-.*t «>3«wo moenreiöerl lorianrt'Geo Probe V'lolino.Co)*esc*I ^^rem^na- i 747 /TJ tr. inWürh/rmAl 748 //////^ > W>/) r/i 7'YV' f'Av// :- 111 \\ j eil 754 749 755 Geigenzettel S / Abbildung l%~lbb 659 ^^yC^y^ rf^iV^^^% c\y<^^^'i/t^>- V -^Z 756 " '—■ J-rrT • — -. ^v.--. — — — «-Jr 761 762 757 763 duflac^ittl ^tof m et ^\i\% 764 /to |J^ *s^Aiv;;Sips^> -«aic^»!^ [ Reparirt bey Blarlin Stofs ';.lv. IlotVeigen .. ajacfeer seeligen Wiltwe iß Wien anao 184 ^„ Sa l o M ön 7öO 766 42* 660 Geigenzettel S— T / Abbildung Ibl—llA f'--^^^;:zrTT-~~^ 4 . I ^#f 767 Antonius Stradiuarius Cremoi^fisJ Faciebat Anno 17 i 9 i^^ i 768 ,JSj^ ^__-.l In PadouaVvendelio Venere de Leonardo Tiefembructej 7ö9 d'apres A. Stradi va riu s I iW V^t(^^ Thti .4-: . ^;'-\jr .. //:> 771 _ _ ^ __ JOACHIM TIELKE pathias T^i|* f«it| 772 "■• Geigenzettel T Abbildung llo — 788 661 .^^dtttt ©eora Sffr/ SatifeH^ \ 775 /ÖZ Joannes Georgius Thir ,fecit Viennse , Anno 1791 . t-& r-: '. ^v:,^'-. •-:1fe^;j>4t.'ifei, -i-r--- -^ V 783 (D][ä][g[D][ä][£]0[ä][n]0[ä][ö][ä]0[i][£][D][£][D][ä][£][ö][5][ä]00 IciROLAMO TRUCCO I I ü Ä i GEBAUT VON E. TENUCCI 0 h FabbrLcame " Y\ IM GEIGENBAU-ATELIER 0 i % 0 HUG & Co., ZÜRICH /^- 0 |ChitaTTe,Arpee Violini I [c] 0 f in Savona i^/^Q f 777 7ö4 Nouveau procedc approu{?e parVIngituL TuiBOUT, Luthier, rue Rameau,/ N". 8, a Paris, l835 JVa Joh.T^ntielXautenmacher, in Mittenvvald, fecit* ijz 0 783 778 Gio Giorgio Taningard fecit . Romee Anno 1745 779 Paolo Antonio Teftorefiglio di Carlo Giufeppe Teflore inConiradaLarea di Mila- no a] Segne dell Acquila. 786 I r=y Cannes Tunonas kcit Bononiz in Piatea Pauaglioms. ^ Anoo Doinim.i(:;8^ 733 Johan^: Steplmn Thuin3ia|^ tautfen-und'Gejgenraac*' ' 781 4/bcLci bu c^cJAer^ss 4^ ^ 788 662 Geigenzettel T Abbildung 789—795 ^ Au Roi D.4riD. '& § Thibout , Luthior de TAcaclcmie Royalc de Musique , ^ Ilue Rameau, N". 8, ä Paris, i 789 arlo Antonio Teftorc figlio maggiore del fu Carlo Giufeppe in Contrada larga al fegno deirÄquila . ^740 790 CArlo Tononi ßcrfogncicj Fece in Voieziä i^::i t2^ 791 David Tecchler Fecit Rom f Anno Diii 172/ 792 FAIT PAR DVirrOPRVOCAR Ah 1 cofle faind Sebaftien Ä Lyon 793 Cirlo Giuftppe TtAcreinCon erada Larg di Milai^o Segne deli' AquiU iCao 794 Carlo Antonio Teflore figüo maggiore del fü Carlo Giufeppe in Contradal&r ga al fegno deH'Aquila Milano 17*0 795 Geigenzettel T— V Abbildung 796—802 663 .V 797 79o Diederich Ulrich^ •^ombarg/ Anno 17. 798 J ß 799 Jean Baptiste Vuillaume a Paris 3, rue Demours -Ternes tS 800 jean Baptlstc Vuillaume ä Paris 3, rucDemours^ Ternes X. GAETAKcJ* VINA€CIA-Mt Napoli Rua Catafana N.°.^6. i8l " 802 664 Gelgenzettel V Abbildung 803—810 Sebasticn Vuiihume a Paris 2 Z Boulevard Bonne Nouveiie v^^i V' 803 Vissenairo £vevo:r> . Lulhier.s FoTii-nisseiirs du Conservatoire ( /^•i^^ K^J Place des JarobiiisLyün.l an^/g^^ ■^ 8U4 Jean ßaptiste Vuillaume a Paris Rue Croixdes Fetits Champs ( 805 7f^ 806 Nicola? \i^s4^naire , Lulliier, des Jacotins, ä hy^, l'an ce 807 L N. \ isseiiaipe , Lulhier r oiirni.sseui' du Conservatoire Pioi-e des •Jae<)bius,Lyon,lan /^^^ 808 Joannes ßaptiftaVänder Stagh. Meulen , tot Andwerpen i&>0 o^A-U. I 809 «.^^^a^^^Ä fi VILLAUME & GIRON,, Luthiers ä Troyes. 2 7 70 • '^T^'rrr^Xi^f 'i^^rJ^rrr- 810 ,1 Geigenzettel V— W Abbildung 811—821 665 Antonius Vinaccia Fecit Neapoli Anno 1/80 81: Tece r Anno i T^-^rn^Fireiite . 812 iTilliier Giifonservatüire lloyal de ^tusique, ; Jiue de VEveque ,}^? ZO , 815 816 /? rae ck la. Tu/verie //^^ 6 13 JBonolii3a Anno ijf^\ 814 4^ Nicolas Vuillauine nKTjV' fecil a Mirecoiirt a ?in J'iö 817 3o^ann (Seorg t>ogIer, ilautens unt) (Geigenbauer in Wiiv3burg ITyo 818 Joannes Geoigiiis Voglci^iil me fecir, Wirccburgi 17 819 •jT-^ cm-'i^ 820 edpold ::-,-.-iiiiiici]ei?sa Nürnberg, ftcit A, x?- i^ ■ ■rfi«iä,.-^-.*n:i;.. -, 666 Geigenzettel W / Abbildung 822—835 Norimberg^ 822 jk > 4. 7%. 823 97) ^üe^ i^^^^ /r/-^^ 824 I loannes Michael Willer Cv.' >h 825 'i-r MJ ■■■ ' 826 ,«=' :—(-%:■' im Saulenbac^ bn; Süßen 17/2 827 * Tecit Jofeph Wagner, Sereniff. Princip. Camr. Muficus l/Tff^« Co TißantUt^ ^.-^■•^ e Bernardus Wutzlhofer , | I fcclt Bmn« Anno xg /^ @ oöoa j«. 30 .T» ao 00 00 ■ iie» oiJj^iäSJjg§5JS^^^ FcwtSebaft. W^agner, Hofmudcui in Mecr^ bürg igo^ 842 Xaveri Wagner, Hochrürftlichee Hof Laucen und Geigenmacher in Ellwangen Anno iSCfi 843 839 1 ZIMMER K. OTTO | ITii tiangszer Iceszitö = = Budapest, VI., Terez-körut 4. sz. = l)ti!=mi=ini=iiii=iiii=ii!i=tHi=iiii=iiii=iiii=iiii=iiii=iiii== 844 Thomas ^ZacK fecit adforA.S. vtennoo 1869 ^ Fj\to in Verona ^ di Giacomo Zanoli g 175/ f 845 846 »lacomo 2«5ai IQJ tttfta^^U^i^aeai^^;: 847 ^ä;-^- ■!::• SPeßiiir :t ■X ■i^^'i 848 668 Geigenzettel Z Abbildung 849—533 fccrt anno 1<) (fiSi Zuricl)- J 849 PIETRO ZENATTO TEGE W 859 ■*----- -^ *'.-¥>:, 851 Alexander Zanti fecir 1 lantux Anna t^-| i^J^:^S2?=^5 852 SÖiaytmUion 3^cl)et; ?autcn*tin6 ©cigenmacl^er . Anno 17^; 853 INHALTSVERZEICHNIS DES ZWEITEN BANDES Alphabetisches Verzeichnis der Geigen- und Lautenmacher ... 7 Die bekanntesten Bogenmacher • • - - - ■ 579 Werkstattnamen und Ladenschilder . • . • . • • 581 Brandmarken (Nr. 1—79) = 585 Faksimiles von Geigenzetteln (Nr. 1 — 853) 588 Abbildungen Auf S3ite 5: Dar Lautenmacli^r. Holzschnitt von Jost Amman 1568; auf Saite 577: Geschäftskarte von L. Renaudin, Paris; auf Seite 583: Brandmarke von L. Georges Warnecke, Nincy. INHALTSVERZEICHNIS DES ERSTEN BANDES Vorwort zur dritten Auflage • • • • 5 Überblick über die Geschichte des Geigen- und Lautenbaus • . . 17 Einleitung 17 Füssen 20 Italien 28 Frankreich 93 Großbritannien und Irland 127 Spanien und Portugal . . , . . ■■ . . 147 Holland und die Niederlande 150 Tirol, Salzburg, Bayern 158 Südwestdeutschland und die Rheinlande 199 Osterreich und Ungarn 220 Böhmen und Sachsen 245 670 Inhaltsverzeichnis des I. Bandes (Fortsetzung) Mitteldeutschland 276 Norddeutschland .... . . . . ' 286 Schlesien und Mähren . 306 Polen und Rußland 3)4 Skandinavien und Dänemark 324 Die Schweiz . . . 33) Griechenland und die Türkei 335 Amerika und Australien . . 336 Die Geigen- und Lautenmacher nach den Wohnsitzen geordnet . , 343 Literarischer Quellennachweis 403 Verzeichnis der Abbildungen im Text und auf Tafeln 421 Anhang: Tafel 1—98 / Einige F-Löcher (neben Tafel 1) 3 LJaLLs, . 5 Lütgendorff, Willibald Leo, DATE DUE t -Ü^B 536289 BRANOEIS UNIVERSITY UBRARY