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DEUTSCHE
REICHSTAGSAKTEN
JÜNGERE REIHE
ERSTER BAND
AUF VERANLASSUNG
SEINER MA.TESTÄT DES KÖNIGS VON BAYERN
HERAUSGEGEBEN DURCH DIE HISTORISCHE KOMMISSION
BEI DEK
KÖNIGLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
GOTHA
FRIEDRICH ANDREAS PERTHES 1893
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DEUTSCHE
REIOHSTAGSAKTEN
UNTER
KAISER KARL V.
ERSTER BAND
BEARBEITET VON
AUGUST KLUOKHOHN
AUF VERANLASSUNG
SEINER MAJESTÄT DES KÖNICxS VON BAYERN
HERAUSGEGEBEN DURCH DIE HISTORISCHE KOMMISSION
BEI DER
KÖNIGLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
GOTHA
FRIEDRICH ANDREAS PERTHES 1893
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A - f
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Vorrede.
Nachdem es sich herausgestelU hatte, daß die Herausgabe der Reichs- tagsakten aus den Zeiten Friedrichs III. und Maximilians I. noch eine Ifinge Reihe von Jahren in Anspruch nehmen wiirde, beschloß die histo- rische Kommission im Herbst 1886, gleichzeitig mit dieser eine jüfigere Serie der Reichstagsakten unter Kaiser Karl V. in Angriff zu nehmen. Unter H. von Sybels fortdauernder Oberleitung tvurde Professor Kluch- höhn in Oöttingen mit der Direktion der Herausgal)e betraut. Als erster Mitarlmter trat I)r. W. Friedensburg, bisher Privatdocfnt in Marlmrg, ein, der aber bereits im Herbst 1888 Göttingen uneder verließ und als erster Assistent an dus neugegründete preußiscJte historische Institut nadi Itom ging. Unter seiner Leitung arbeitete vom 1. April 1887 an Ihr, Wrede, der bis jetzt dauernd bei dem Unternehmen beschäftigt ge- wesen ist. Andere jüngere Mitarbeiter ivechselten: Dr. Redlich war einundeinhalbes Jahr, Dr. Erdmann nur vier Monate, Dr. Merx und Dr. Saftien loaren zwei Jahre lang bei den Reichstagsakten thätig.
Es tourde damit begonnen, .sich eine Übersicht über die gedruckte Lit- teratur und über die in Frage kommenden Bestände der Archive, zu- nächst für die Jahre 1519 — 1530, eu verschaffen. In längeren Reisen bestickte Professor Kluckhohn selbst während der Frühjahrs- und Herbstferien die größeren und kleineren Archive, vornehmlich in Süd- deutschland, der Schweiz und Österreich: AUenburg, Arolsen, Ba^sel, Bamberg, Bern, Biberach, Darmstadt, Dinkelsbühl, Donaueschingen, Do- nauwörth, Eßlingen, Frankfurt, Gera, Gotha, Ha^enau, Hannover, Heilbronn, Hohenlohe, Innsbruck, Isny, Karlsruhe, Koburg, Konstant!, Ijeutkirch, Lieh, Luzem, Meiningen, Memmingen, Münster, Oldenburg, Osnabrück, KörcUingen, Nürnberg, Ravensburg, Reutlingen, Rothenburg, Rottiveil, Sahburg, Schaffhausen, Schwab. Hall, Schweinfurt, Speier, Stutt- gart, Überlingen, Ulm, Wallerstein, Wangen, Werfheim, Wien, Wies-
Roiehstagsakten d. R.-Z. Bd. I. I
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n Vorrede.
baden, Windsheim, Wolfenbüttel, Würzburg, Zürich. Dr. Friedens- bürg bereiste die Archive von Berlin (Geh. St. A.), Coblenz, Dresden, Düsseldorf, Erfmi, Köln, Magdeburg, Marburg, Schwerin, Weimar, Zerbst, und Dr. Redlich war in Trier, Metss und den elsässischen Ar- chiven von Cdmar, Mühlhausen, Oberehnheim, Rosheim, Schlettstadt und Straßburg. Die Ausbeute, welche so zahlreiche und verschiedenartige Archive gewährten, blieb sehr häufig hinter den gehegten Erwartungen zutück, nicht selten untrden diese aber auch iibertroffen, und oft waren es gerade kleine reichsstädtische Archive, welche wertvolle Beiträge lieferten.
Gleichzeitig wurde in Göttingen, wohin die meisten Archive bereit- tmllig ihre Akten versandten, und wo Professor Kluckhohn durch die GiUe des Oberbibliothekars Herrn Professor Deiatzko ein Zimmer in der Bibliothek zur Benutzung eingeräumt worden war, mit der Zusam- 9nenstellung des Materials für die Jahre 1519 — 1526 begonnen. In an- deren Archiven, deren Bestimmungen die Versendung von Archivaren nicht gestatteten, wurde die Arbeit an Ort und Stelle gemacht; so durch Dr. Friedensburg in Dresden und Weimar, durch Dr. Wrede in München und durch Dr. Redlich in Ulm. In Wien hat sich Herr Dr. G. Winter besonderes Verdienst um d/is Unteimehm^n dadurch envorben, daß er unter seiner Leitung Abschriften aus dem ehemaligen Erzkunzlerarchiv anfeHigen ließ und überhaupt in jeder Weise die Ar- beiten forderte. In Venexlig und Rom hol Dr. Friedensburg na^h seinem Fortgange von Göttingen für die Reichstagsakten die Archive durchforscht. — Bei der Behandlung der deutschen Texte ivurden im wesentlichen die von Weizsäcker aufgestellten Grundsatze befolgt, nur fand hei der Vereinfachung der Konsonantenhäufung, wobei Weiz- säcker die Tenuis vor der Media bevorzugt, eine größere Annäherung an dir moderne Schreibweise statt; man schrieb also land für landt (nicM wie Weizsäcker: lant^. Bei den französischen Texten umrden zur Erleichterung des Verständnisses, soweit es möglich war, mode^me Accente und Apostrophe gesdzt.
Bei der Durcharbeitung des Materials ergab sich so viel neuer urul interessanter Stoff i'd>er die Wahl Karls V., daß auf den Antrag Kluck- hohn s die Kommission genehmigte, den hier vorliegenden ersten Band voTlMändig diesem weltgeschichtlichen Ereignisse, gemssermaßen ah Ein- leitung zu den dann folgenden Reichstagen, zu tvidmen. Dalier umrde softrt damit begonrun, das Material nach allen Seiten hin zu vfrvoll- ständigen. Dr. Wrede (r streckte zu diejiem Zwexik seine Forschungen auf die Archive von Dresden, Marlmrg, Magdeburg, Wolfenhüttel und nammtUeh auf das königliche Hausarchiv zu Berlin, wehluis reiche Atis-
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Vorrede. UI
beute an bisJier ganz unbekannten Akten lieferte. Dr. Merx bearbeitete die Wahlakten in Weimar und München. Sehr erwünscht war es, daß Dr. J. Bemays ai4S Leipzig y der im Herbst 1891 durch Frankreich nach Madrid zu reisen beabsichtigte, sich bereit erklärte, in Paris, lAUe und Brüssel für die Reickntagsakten und speziell für die Wahl Karls V. ihätig zu sein. Während da^s Archiv zu Brüssel nur geringe Atisbeute ergab, tcar das Besultcd seiner Arbeiten in Paris und Lille sehr günstig. Durch die Sammlung der Pariser Akten ist es zum erstenmal möglich, die Angaben Mignets (Bivalite de Fran<;ois L et de Charles- Qui^d), auf dem bisher unsere ganze Kenntnis hio-von beruhte, zu prüfen und be- deuiend zu ergänzen. Der Hinblick, den man in das Getriebe der fran- zösischen Wahlpolitik thun kann, wird ein ganz anderer. Aus Lille, wo sich die niederländischen Archivcdien aus der Zeit Margaretas be- finden, hatten bereits Mone, Gachurd und Le Glay zahlreiche Akten zur Wahl veröffentlicht, trotzdem aber konnte 7)i-. Bemays hierzu noch sehr wertvolle und interessante Ergänzungen beibringen.
Durch das reiche Material, welches in dem vorliegenden Bande be- nutzt worden ist, konnte natürlich eine FüUe von Einzelheiten berichtigt werden. Aber auch die Stellung der einzelnen Kurfürsten in dem Wahl- kampfe erscheint stark verändert und in anderer Beleuchtung. Von einem beständigen Handeln der einzelnen und einem Versj/rechen an den, der gerade am meisten bietet, kann nicht mehr die Rede sein; es zeigt sich überall fast von Anfang an ein planmäßiges Vorgehen. Auch die Beteiligung der meisten deutschen Fürsten an dem Wahlkamjjfe, ihre Parteinahme für und gegen Frankreich, tritt klarer hervor, als man sie bisher erkannt h4xtte.
So weit hatte Kluckhohn die Ausgabe geführt : der Text des ersten Bandes war festgestellt und großetUeils schon gedruckt; es fehlte nur nocfi Titel, Vorrede und Register. Mitte Mai reiste er nach München, wn der historischen Kommission Bericht über den Stand seiner Ar- beiten zu erstatten: da ergriff ihn die tückische Krankheit, die nach ivenigen Tagen seinem irdischen Wirken ein unvermutetes Ziel setzte. Es war ein schwerer Verlust für die historische Kommission, zunächst für das von ihm begonnene Unternehmen, für die ihn hoch verehrenden Mitarbeiter daran, vor edlem für den Veranlasser und Leiter desselben, der seit mehr als dreißig Jahren mit dem Geschiedenen in der vertrau- testen, niemals getrübten Freundscliaß verbündest gewesen, Kluckhohn gehörte jedenfalls zu deft besten der jetzigen Historiker, ein Forscher
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IV Vorrode.
V091 unermüdlicher GründlicMeit und sicherer Kritik, geistreich in der Auffassung jedes Gegenstandes, von gebildetem Schönheitssinne in seinen darstellenden Schriften. Dabei ein Charakter von seltener Beinheü, Zu- verlässigkeit uml Humanität, in allen diesen Beziehungen dem verarm gegangenen Frfnmde Weizsäcker gleichwertig, — Über die Wahl seines Nachfolgers in der Herausgabe der ReicJistagsakten wird die Kommission in ihrer nächsten Plenarsitzung, Pfingsten 1894, Beschluß fassen; bis dahin ist der Abschluß des ersten und die Redakti^m des zweiten Ban- des Kluckhohns treuestem und bewährtestem Mitarbeiter, Dr. Wrede, also den besten Händen, anvertraut
Es würde noch erübrigen, ein Wort über die Grundsätze zu saugen, nach tvelcJien die Texte der Reichstagsakten aus der Zeit Karls V. aus- gewählt, festgestellt und erlätäert werden sötten. Es liegt zutage, daß hier das von Weizsäcker für das 15, Jahrhundert so erfolgreich ange- tvandte Verfahren, erhebliche Modifikationen y teils nach der Natur des Stoffes, teils nach der kolossal anwachsenden Masse des Materials, er- fahren mtiß. Indessen erheben sich hier mannigfaltige Fragen, zum Teil von sehr bedeutender Tragweite, über deren Entscheidung Kluckhohn keine Äußerung hinterlassen hat. Sie werden also tveiter erwogen, und das Ergebnis in der Einleitung zum ziveiten Bande mitgeteilt werden,
Berlin, Juli 1893.
H. von SybeL
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Einleitiing.
Die
Wahlverhandlungen bis zum Tode Maximilians L
Keiehstagsaktea d. R.-Z. Bd. I.
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Einleitung.
I.
Maxünilian L und Heinrich VIII.
Die hesteix Kenner der Geschichte Maximilians I. und Karls V. Maxi- sind darüber nicht im Zweifel, daß ersterer in Beziehung auf die Nach- "",.j^J^ folge im Reich keinen anderen Wunsch gehegt habe als den, seinem P^ne Enkel, dem Könige von Spanien, die Kaiserkrone zuzuivenden, Baum- ^jl^ach-^
ö garten^) betrachtet es geradezu als geiciß , daß Maximilian nie etwas folge, anderes beabsichtigt habe, als die Wahl auf seinen Enkel zu lenken, und Vlmann *) bezeichnet es nicht allein als den früh gehegten und immer festgehaltenen Lieblingsgedank^n des Kaisers, dem Könige Karl die Nachfolge bei Zeiten zu sich&rn, sondern hält es auch für ausgemacht,
\od<^ die Schritte, die er in anderen Richtungen unternahm, nur aus der Spekulation auf momentane Vo^-teile hervorgingen, wobei die rö- mische Königskrone als Köder diente.
Für die Richtigkeit dieser Auffassung sprechen giäe Chiinde. Nicht allein, daß die beivundenrngswürdige Energie, die der alternde Kaiser
15 tn den letzten Monaten seines Lebens im Interesse seines Enkels enttvickelte, mit früheren oß wiederholtest Äiißenitigen, von denen die Überlieferung weiß % im besten Einklänge stellen, daß die Natur der Dinge selbst dtm für die (Tröße seines Hauses Begeisterten kaum einen anderrn Wunsch gest^ittete: auch die Art, tvie Maximilian jene zum Teil sehr phanta-
20 0 Geschichte Karls V. I 107.
') KaiseT Maximilian I. II 695.
') Henne, Histoire du regne de Cluirles - Quint II 257, sayt ohne eine Quelle
anzuführen, daß Maximilian bereits 1508 und 1512 diese Absicht ausgespi'ochen
habe, — Das dort angeführte Schwanken des Kaisers zmschen Karl und Ferdi-
25iiandf ist zu wenig beglaubigt. (Vgl. auch Droysen, Geschichte der Preußischen
Politik 11^ 100.)
1*
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4 Eioleitung.
stischen Pläne, die er in Beziehung auf die Nachfolge anderer hegte oder zu hegen vorgab, ausgestaltete und diplomatisch vericeHete, läßt die Aufrichtigkeit derselben in sehr zweifelhafteni Lichte erscheinen "). GleichwoJd dürfte ßs der Mühe lohnen, wenigstens die Verhandlungen, die Maximilian wiederholt mit dem Könige von England geführt hat, 5 einer netten Prüfung zu unterziehen und dabei von bisher unbekannten Akten, die sich aus dem Jahre 1617 in deutschm Archiven trhalten haben, Gebrauch zu machen.
Dem Könige Heinrich VI IL hai Maximilian, soviel uHr wissen, zum ersten Male im Herbst des Jahres 15L3, als sie mit einander \0 gegen Frankreich zu Felde zogen, angeboten, ihn nicht allein zum Könige von Frankreich, sondern auch zum römisclien Könige und zum Vikar des Reiches machen zu wollen *). Das eine wie das andere wäre schon durch den Gang des Krieges und durch die Gestaltung der europäiseJien Angelegenheiten unmöglich geworden, aber dcifl der König den Gedanken 'i^ von vornherein zurückgewiesen, läßt sich niclU sagen. Die Sache scheint vielmehr tiefem Eindruck auf ihn gemacht zu haben.
Was dagegen Maximilian betrifft, so würde an der Unaufrichtig- keit der Gesinnung, aus der seine damaligen Versprechungen hei'vor- gingen, kein Zweifel bestehen, tvenn die angebliche Ihaisache besser &e-20 glaubigt wäre^ daß er in demselben Jahre 1613, ga/nz erfüllt von dem Wunsche, die römische Krone seinem Enkel Karl zuzuwenden, darüber geradezu mit den Kurfürsten, mindestens mit den vier rheinischen, unterhandelt habe % So hat der Kurfürst Friedrich IL von der Pfalz
*) Das gilt unbestreitbar von dem Spiele, das der Kaiser mit Ludwig, dem im- 25 garischen Thronerben, trieb. Im JaJire 1515 adoptierte er ihn, ernannte ihn zum Oeneralvikar des Reiches und zu seinem Nachfolger nach seinem Tode und ver- sprach, die Kurfürsten ersuchen zu wollen, huius modi constitutionem, electionem, translationem zu billigen und Ludwig später zum römischen Könige zu wöMen, — Urk. f. 20. Juli ir)l5 bei J. J. Müller, EntdecJUes Staats-Cabinet 12 ff.; Spalatins^ Nachlaß herausgegeben v. Neudecker und PreUer 153ff. u. s. — Vgl. Liske, For- schungen z d. G. VII 491 ff. — Maximilian hat nie versucht, diesen Plan zu ver- wirklichen, wenn er dies auch später versicherte (s. u.),
^) Vgl. Ulmann, Maximilian II 494; Brewer, Letters and papers I nr. 5105. Nach Brewer II nr. 1398 hielten Heinrich VIII. und der englische Rat den Plan 35 nicht für geeignet.
") 8. zu dem Folgenden den Bericht Veltwyks bei Druffel, Briefe und Akten I 672 f., dem u. a. Uhnann entscimdendes Gewicht beilegt, wahrend schon Druffel vorsichtig bemerkt hat, dafi die Mitteilung des Pfalzgrafen vom Jahre 1551 die Tendenz hatte, von der Wahl Philipps abzuraten, und daher nicht unbedingt zu- 40 verlässig ist.
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1. Maximilian I. und Heinrich VIII. 5
im Jahre 1551 behauptet, als im Auftrage Karls V. Veltwpk mit ihm über die Nachfolge Philipps verJtandeUe. Er erzählte dem kaiserlichen Diplomaten von einem Tage in Wesel^ auf dem Maximilian im Jahre 1513 die vier rheinischen Kurfürsten für die Wahl seines Enkels ver-
bgebens eu gewinnen versucht habe. Aber abgesehen davon, daß wir von einem solchen Tage, der sehr wohl gehalten sein könnte, bis jetzt nichts wissen, ist es auffallend, daß in den Akten des Jahres 1517, die über eingehende Gespräche Albrechts von Maine und Joachims von Branden- burg mit dem Kaiser in der uingelegenheit der Nachfolge berichten, sich
\^^ keinerlei Eritmerung an Verhandlungen des Jahres 1513 findet. Noch a^faUender ist es, daß Friedrich der Weise, als er im Herbst des Jahres 1517 um die Wahl des Königs von Sjyanien angegangen vourde, dem kaiserlichen Rate Remter vorhalten lassen konnte, daß er, so oft auch der Kaiser mit ihm Ober viele geheime Angelegenheiten im Ver-
\b trauen verhandelt, doch niemals von einer solchen Absicht etums ver- nommen habe ^).
Es scheint uns femer ziveifelhaft, ob sich das Zeugnis des Pfalz- grafen Friedrich auch nur für die Behauptung verwerten läßt, daß McLcimilian im Jahre 1513 schon ganz von dem Wunsche, die Nach-
'20 folge seinem Enkel zu sichern, erfüllt gewesen sein müsse. Zwar kommt in der von VeUwyks Bericht in der Hauptsa^ihe sehr abweichenden Er- zatdung, die der Biograph Friedrichs IL, Hubertus Thomas Leodius, Über das ztcischen seinem damals noch jugendlichen Herrn und dem Kaiser geführte Gespräch bietet^), die Überzeugung zum Ausdruck,
25 (i^ Maximilian im Grunde seines Herzens nur die Nachfolge ^ seines Enkels gewollt habe: aber die mündlichen Versicherungen des Kaisers, die zu charakteristisch sind, als daß sie dem InhaUe nach erfun- den sein könnten, lauten ganz anders, und es könnte sehr wohl sein, d4iß der fürstliche Zuhörer erst später, als der Kaiser seinen Eifer für
^die Wahl Karls so glänzend bethätigt hatte, den früheren Reeden des- selben einen a/ndem Sinn untergelegt hat Wie aber ließ sich der Kaiser nach dem Berichte des Leodius vemehnien?
Bei Tisch, so erzählt er, kam der Kaiser darauf zu sprechen, wer von den deutschen Fürsten iiach ihm den KaiseHhron besteigen tvürde.
'^Er wußte keinen andern zu nennen, als ettva Friedrich von Sachsen oder Herzog Wilhelm von Baiern. Ich wiißte, sagte Friedrich darauf.
*) S. ttnUn IV der Einleitung,
') Annalium de vita et rebus gestis iütutrissimi principis Friderici IL eleo^ ioris Ptdatini libri XIV. (Frankfurt 16ü4) 47 f.
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ß Einleitimg.
toohl einen, der würdig dazu und fähig wäre, auch noch größere Txisten auf sich zu nehmen. Und ak der Kaiser ihn drängte, den Namen jenes Mannes zu nennen, entgegnete er: Karl von Österreich, den ruhm- reichen Sproß Philipps, euern Enkel, der würdig ist, nicht bloß das rö- mische Reich, sondern den ganzen Erdkreis zu beherrschen. Er wollte 5 noch mehr hinzufügen, aber der Kaiser unterbrach ihn mit finsterem Gesichte und sprach: „Jetzt weiß ich, daß ihr weder mir }ioch meinem Enkel Gtites gömü. Wenn das wirklich euere Meinung ist, so wünscht ihr, daß u/nser Haus gänzlich zu Orunde gehe. Nach euerem Rate soll mein Enkel diese Last auf sich fiehmen, der ich fast erlegen bin!'' Er 10 irrbreitete sich dann länger darüber, wie die Krone ihm und seifiem Hause mehr Schaden als Nutzen gebracht habe, und wie die Macht der kaiserlicheti Majestät, die vielen so glänzend erscheine, nur ein SclutMen sei, — Wenn Leodius weiter herichM, dcLß der Pfalzgraf Friedrich schicieg, aber überzeugt war, der Kaiser sei nicht über seinen Vorschlag, sondern Uy nur darüber so verdrießlich, daß seines Herzens Wunsch erroiten worden sei, so wird man darauf einen großen Wert nicht legen wollen. Da- gegen verdient hervorgehoben zu werden, daß die Äußerungen McLci-. milians über sein ufvdamkbares kaiserliehes Amt, ebenso tvie die Versiche- rufig, daß er mit demselben seinen Enkel verschont wissen möchte, dem 20 Inhalt und zum Teil den Worten nach in den Akten des Jahres 1517, als er ernstlich für England warb, wiederkehren. Und hatte Maximilian nach den vieljährigen bösen Erfahrungen, die er mit dem Reiche und desse^i Stäiiden gemacht, nicht Grund genug, von der kaiserlichen Würde gering zu denken und in Momenten der Erregung wegwerfend davon zu '2b sprechen ? Was die römische Kaiserkrone auf dem Haupte eines an sich schon mächtigen Monarchen immer iioch zu bedetäen hatte, kann ihm sehr tvold erst zu der Zeit vollständig klar getvorden sein, als der fran- zösische Rivale sie mit düen Mitteln dem habsburgischen Hause für die Zukunft zu entreißen suchte. Einstweilen mochte er sie in seiner' leicht M) erregbaren, selbst phantastischen Plänen zugänglicJien Weise ohne be- wußte Unredliehkeit zum Gegenstande haltlose Spekulationen machen. Maxi' ifn Jahre 1516 tauchte zum zweiten Male das Projekt auf Hein-
undHein'^^^^ VUL durch die Aussicht auf die Nachfol<je im Reiche an die ^^h VIII. Sache Maximilians zu fesseln. Das durch den Sieg bei Marignano^ (Sept. 1515) bedingte Übergemcht der Franzosen hatte die alten Gegner Frankreichs von neuem zusammengefühi. England und der Kaiser zogen im Frühjahr 1516 gegen Mailand zu Felde *). Jetzt, wo Maximilian
') Vgl Ulmann, Maximilian II 66^ ff. und Pauli, Aufsätze zur eftgl Gesch. 60 ff.
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1. Maximilian I. und Heinrich Vm. 7
ein festes Einvernehmen mit England sehr am Herzen liegen mußte, iam er auf seine frühere Unterredung mit Heinrich VIII. eurilck i0id ließ ihm aufs neue die Krone anbieten *).
Und tcenige Monate später, als das kaiserliche Heei' sich aufgelöst
öliatte, und als Maximilian mehr denn je englischer Suhsidieti bedurße, um abermals zur Vertreibung der Franzosen nach Italien ziehen zu können*), gab er seinen Vorschlägen in einetn Gesprciche mit detn eng- lischen Gesandten, Robert Wifigfield, eine bestimmtere Gestalt: Hein- rich VIIL solle mit einefn Heere von 2000 Reitern und 4000 Bogen-
\0 schützen über Toumay und Luxemburg nach Trier hommcn. Dort tcill der Kaiser ihn ertcarten, er tinU auf die Krone verzichten, Heinrich von den Kurfürsten wählen lassen und ihn mit Mailand belehnen. Gemein- sam wollen dann beide Fürsten über Chur und domo nach Rom ziehen und dort die Krönung vornehmen lassen.
15 Wingfidd, Uind in seiner Verehrung für Maximilian, hidt den
VorseMag für aufrichtig ^) ufnd uHmschte, beim Empfang seines Briefes zugegen sein zu können, um alle Mißdeutungen zu verhindern^). Der nüchterne, scharfsinnige, auch mißtrauische Face, der zteeite englische Ge- sandte t4nd der eigentliche Vertraute seiner Regierung, welcher den Brief
•20 Wmgfields gelesen hatte, warnte dagegen dringend vor solchen Luß- seUössem, wodurch man dem Könige nur Geld entlocken wolle. Wahr- scheinlich werden auch, so meinte er, die Kurfürsten nie zugAen^ daß die Krone der detUschen Nation genommen vnrd; der Kaiser kennt ihre Gesinnung in dieser Hinsicht gar nicht. Der König aber geieinnt dabei
"iö nichts; er kann England nicht auf lange Zeit verladen, und während er nach der deutschen Krone ausschaut, verliert er vielleicht die englische, die heute geachteter ist, als die Krone des Kaisers und sein ganzes Reich ^y Und wenige Tage später schrieb er: Es ist früh genug, über die Resignation des Kaisers zu verhandeln, wenn die gegenwärtige Un-
2f)temehmung glücklich beendigt ist, dann mag er mit Zustimmung der Kurfürsten der Krone entsagen und die Urkunde darüber an Heinrich senden. Der König kann dann selbst Abmachungen mit dem Papste über die Krönung treffen und braucht nicht durch einen derartigen Zug
*) Wingfield an Wolsey (10. Jan. 1516). Bremer II nr. 1398. 35 ') Ulmann, MaximiUan II 679.
^ Daran hielt er auch noch später fegt. Wingfield an Heinrich VIII (10. Juli). Brewer nr. 2154.
*) Wingfield an Heinrich VIIL (Tnent, 17. Mai 1516). Brewer II nr. 1902.
^) Face am Wolsey (l^rient, 21. Mai) Breioer II nr. 1923, vgl. auch .nr. 1878 AO(Pace an Wolsey, 12. Mai).
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8 Einleitung.
nfich Rom, wie ihn der Kaiser toünscht, sein Reich und seine Person in Gefahr zu bringen *).
Face hat jedenfalls den ganzen Plan nidd ernst genommen; er scheint Um auch nickt so unbedingt geheim gehalten zu haben, als dies nötig geivesen wäre, wenn er an eine Verwirklichung desselben geglaubt 5 häUe «).
THe Antwort, weklie Heinrich VIIL Wingfield auf den VorsckUig Maximilians erteilte, war aber nicJU ablehnend. Zwar wies der König den Gedunken, jetzt selbst nach Rom zu ziehen, zurück, dazu sei es in diesem Jahre zu spät und es fehle auch an den nötigen Vorbereitungen ;liy ebenso tvünschte er eine Mitteilung an den Papst verschoben zu sehen, bis die Unternehmung gegen Frankreich im Herzogtume Mailand ge- sichert sei. Aber der Gesandte soll docli erklären, daß Heinrich selbst mit allen Kräften für seine Erhebung wirken werde *). Es dauerte denn auch nicht lange, so ließ ei'ne andere Gestaltung der internationalen Be- 15 Ziehungen das Projekt von neuem erstehen.
Im Sommer des Jahres 1516 vollzog sich nämlich am Hofe des jungen Königs Karl von Spanien unter dem Einfluß des leitenden Mi- nisters Chievres eine Annäherung an Frankreich. Sie führte im Augtist zu dem Abschliß des Vertrages von Noyon. Maximilian mißbilligte den"^ Vertrag; er hatte schon frülier erklärt, daß jene Verhandlungen nur an- geknüpft seien, um ihn mit England' zu veruneinigen. Schon icar auch das Mißtrauten gegen ihn am englischen Hofe so groß, daß man im Juni 1516 alle fernere Unterstützung einstellte. Eine kurze Zeit beobachtete nun der Kaiser eine Politik der Zurückhaltung, dann suchte er sich 2b England von neuem zu nälwm. Im Oktober 1516 sandte er den Kar- dinal von Sitten nach London. Da lautete einer der Aufträge, die ihm Maximilian erteilte, dahin, mit Hilfe Ecbert Wingfields König Heinrich zu bewegen, daß er die ihm angebotene kaiserliche Krone an- nehme *). Und noch aus dem December finden sich Na^chrichten, wonach 30
>) Face an WoUey (Trient, 23. Mai) Bretoer II nr. 1931.
*) Der Kardinal von Sitten, Matthäus Schinner, klagt darüber in eignem Briefe an Heinrich VIIL (14. Juni). Brewer II nr. 2044 u. 2045, vgl. auch nr. 2114 u. nr. 2310.
=) Heinrich VIIL an Wingfield (16. Juli). Brewer II nr. 2176. Leider t«f 35 die letzte entscheidende Stelle stark verstümmelt. Roeshr, die KaiserwaM Karls V. 17, hat das Schreiben ganz übersehen. Auch Höfler (Sitzungsberichte der kais. Akad. d. M^ss. zu Wien. Bd. 74 S. 18) übergeht den Schluß des Briefes.
^) Heads of the treaty to be signed by the emperor and the king of England. Bretoer nr 2463. 40
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1517.
1. Maximilian I. and Heinrich YIII. 9
beide, der Kaiser smmhl als auch der König von England, die Angdegeti- heit nicht aus den Augen verloren und sie zum Gegenstande ihrer Ver- handhmgen nuuiUen ^).
In ein weiteres Stadium trai endlich der ganze Plan im Frühling Maxi-
bdes Jahres 1517, als Maximilian in den Niederlanden weilte, und (^'^^inJ Hehi englische Gesandtscliaft, der Graf von Worcester und Cuthbert Tunstal',rich VITI. zu seiner Begrüßung erschien. Wenn jemals so hat der KaiMr von nun an und zuxir Monate lang daran gedacht, das Projekt, das er früher vielleicht nur als Lockmittel behandelt hat, um reichliche
10 Gddunterstützung und andere numientane Vorteile zu erlangen, der VerwirJdichung entgegenzuführen. Wir schließen das nicht aus den fragmentarischen NachridUen, die uns über Gespräche vorliegen, die teils der Kardinal von Sitten, teils der Kaiser selbst mit den englisdien I}iplom(Uen über den Gegenstand geführt *), als vielmehr aus den Eröff-
Innungen, die Maanmilian im Laufe des Sommers mehreren deutschen
*) In der Instruktion für Worcester und Knight hei ihrer Sendung zum Kaiser (December 1516) heißt es: The lord chamberlain is to communicate apart with the cardinal to discover the emperor's pieasure touching the crown imperial. Bre- wer II nr, 2713. — Vgl. den leider sehr arg verstümmelten Brief Sions (Bittens)
2C> — von Brewer zu Beceniber 1516 gesetzt, aber nach seinem Eingange wohl erst Mitte Januar 1517 fallend — Brewer wr. 2722. Das wenigstens läßt sich aus dem Briefe in seiner unvollständigen Gestalt mit Sicherheit erkefinen\ daß der Kaiser dem Könige aufs neue versichern ließ, daß er ihm die Krone verschaffen locHle, und daß er iJin bat, dieselbe ar^zunehmen. Auch über starke französische Umtriebe
'^öfür die Wahl Franz' I. weiß der Kardinal bereits zu berichten.
') Vgl. Tunstal an Heinrich VIII. , Brewer nr. 2911 (12. Febi\). Tunstal ging, als der Kardinal von Sitten auf die Angelegenheit kam, gar nicht weiter darauf ein, sprach sich aber dem Könige gegetiüber über die UnausfüJirbarkeit aus. — Vgl. ferner Worcester an Heinrich VIII. (19. April). Brewer nr. 3144.
iiOEs heifit: At the king's coming (dcts kann sich nur auf Heinrich, nicJU auf Karl [Höfler 25 f.] beziehen) he (Max.) would speak of the matters propoeed by cardinal Gnrk resign the empire, and he to be king of the Romans still, and after his death one of his sons made king of the Romans. — Vgl. endlich das Gespräch, das der Kaiser am 23. April mit Worcester führte. Er sagte, er habe zu Gunsten
^^ Karls auf die Krone verzichten wolkfi, aber dieser habe aus Furcht vor FVanz, der selbst darnach strebe, sich dagegen erJdärt. Er wünsche daher, daß Heinrich Kaiser oder König werde, denn ihm liege nichts mehr daran; die Kurfürsten unirden sdum zufrieden sein, wenn Ferdinand König von Osterreich werde. Er werde ihn außerdem zum Marschall des Beiches machen. Auf einen Einwand Worcesters er-
AOtoiderie er, daß er sich längst hätte zum Kaiser krönen lassen können, aber daran sei ihm nichts gelegen. Schon immer habe er den Titel : Kaiser von Const<mtinopel, der ihm rechtmäßig gebühre, annehmen wollen. Worcester an Heinrich VIIL (26. April). Brewer nr. 3174. Der Text beiPauli, Forschungen 1417 ist genauer
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10 Einleitung.
Kurfürsten gemcicM hat, uml die sich unmöglich als Schachzüge in einetn zu Gunsten Karls entworfenen Plane deuten lassen.
Ehe wir aber den Schritten Maximilians folgen, wollen tvir mit einigen Worten die schwierige Frage berühren, was während des monate- langen niederländischen Aufenthaltes zmscJien ihm und seinem Enkel 5 über die Wahlangelegenheit verhatideU worden sein mag, und inwiefern der erstere für Heinrich VIIL als Thronka^ididaten eintreten kontUe, ohne zu dem Willen und den Interessen des Königs von Spanien, wie dieser selbst sie faßte, in Gegensatz zu treten. Nach einer Äußerung Maximilians ^) Mtte Karl selbst aus FurcJit vor Frankreich es abgelehnt, lo für sich um die Krone werben zu lassen; 'nach einer Na^chricht des Kardinals von Sitten scheint es, als ob im Gegenteil der König von Sjjanien zwar im eigenen Interesse mit einer auf die Nachfolge im Reich gerichteten Bitte sich an den Kaiser gewandt, dieser aber wegen seiner früheren VerJiandlungen mit England die Sache hinatisgeschdben habe*). 15 Fest steht nur, daß beide, wie an sich sclu/n selbstverständlich, die vnch- tige Frage mit einander unter Zuziehung der angesehensten Bäte ein- gehend besprochen haben '), aber ebenso auch, daß Karl seinem Groß- vater selbst bei dessen Abreise aus den Niederlanden noch nicht den festen Entschluß ausge^oclien hat, sich um die Nachfolge zu bewerben. Es 20
als der Auszug hei Brewer, aus dem sich übrigens nicht ergiebt, daß der Kaiser die Ku/r für Sien der Wahl wegen (Pauli) nach Mainz berufen habe. — Hof- Urs Darstellung (S. 26) ist auch hier nicht richtig.
') He had intended to resign the empire to thc king of Castile and gel Henry made king of the Romans; bat the king Catholic wonld not agree for fear of25 Francis, who prefers a claim to the empire. Breioer II nr. 3174.
') In dem oben angeführten Briefe (Bretoer nr. 2722) lautet die allerdings stark verstümmelte Stelle: ideoque filius rex Catholicus variis insistere precibus et
pa rimis quod in se potius hoc munus amplitudinem imperialem coUoca-
tum iri melius at hie caesar non nescius oblatorum regiae Majestät!^ sed et 30
imperii sacri revoluti librando minus suflicere, aut malis imminentibus prae-
cavendis huius modi commutat — noscens quodammodo precibus filii et
instantiae factae annuere, tamen rem in dilationem d — modum insolitum
fingere. — Vgl. dazu Sion an Wblsey (15. Sept. 1517). Brewer nr. 3685, wo gesagt
wird, daß Karl oder vielmehr seine Batgeber idem reum sibi et Catho- 35
lico imperio provenire peteb adeo ut non änderet rem eandem cum regia Maje-
state inferius concludere et convenire, statim autem eodem rege Ca-
tholico in Hispaniis existente reventiones et oblata, promissaque ezsolvere.
-') Daß Karl in das englische Projekt eingeweiht worden ist, wagen wir nicht zu behaupten. Die Instruktion für ViUvnger vom August 1517 spricht von Wahlin- 4<) triguen anderer Mächte in Ausdrücken, die vermuten lassen^ daß Karl erst jetzt von dem vollen Umfange derselben Kenntnis erlangt hatte.
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1. Maximilian I. und Heinrich YIIl. 11
datierte vielmehr bis zt*m August äes Jahres, ehe Karl aus MUMdhurg, nachdem er sechs Wochen daselbst vergä^ens auf günstigmi Wind für die Abfahrt naeh Spanien gehofft hatte, Maximilian durch eine beson- dere Botschaft vortragen Ueß, dctß er sich seit ihrer Trennung mehr und 5 mehr von der Wichtigkeit, welche die Kaiserkrone für ihn haben werde, viber zeugt habe. Das schließt doch wohl aus, daß sich Karl schon im Frühjahr mit seinem Großvater über seine Kandidatur verständigt haben kann, und schließt ferner aus, daß die Krankheit, vtm der Majcimiliun im Aprü ergriffen wurde, den Eintritt in die Betcerbung um die römische
\0 Königskrone entschieden hai^). Ja, hätte Karl nicht wochenlang in Middetburg auf günstigen Wind warten müssen, so iväre er n(2ch Spa- nien abgesegelt, und Maximilian hätte noch viel länger für die Kandi- datur Heinrichs VIIL wirken können, ohne sich einer Schuld gegen den König von Spanien bewußt zu sein.
15 Es ist, wie schon angedeutet, sehr wenig, was wir von den Ver- handlungen wissen, die Maximilian und sein vertrauter Rat, der Kar- dinal von Sitten, mit den englischen Diplomaten in den Niederlanden geführt haben, aber das ivenige läßt erkennen, daß die Britten nicht allein mit Zurückhaltung, sondern mit großem Mißtrauen dabei vor-
20 gingen.
Wie Heinrich VIIL die Mitteilungen seiner Gesandten aufge- nommen und wie er sie beantwortet hat, wissen tcir nicht; aber daß er den Kaiser in seinem Plane melmehr bestärkt, als unsicher gemacht hat, erffiebt sich aus den geheimen Verhandlungeti, die Maximilian im Juni
2b 1517 mit einzelnen Kurfürsten eröffnete.
Wir ßndefi ihn um diese Zeit auf der Rückreise von den Nieder- Verhand- landen; er zog rheinaufwärts , wie man meinte nach Mainz; dorthin ^ Mainz hatte er einen Reichstag berufen, um Hilfe gegen die trotzigen Friedens- *tnd tmd Rechtsbrüche Siekingens und des Herzogs Ulrich von Württemberg j^^^g
dOßu erlangen. Aber ohne Mainz zu berühren, begab er sich am 18. Juni tmch Frarikfuyi *) ; wenige Tage später trafen dori auch Joachim von Brandenburg und sein Bruder, der Erzbischof, von Mainz aus ein. Mit beiden unterhandelte der Kaiser zu Frankfurt einige Tage lang „ganz fröhlich", suchte aber seinen Zweck nicht allein durch Güte, son-
35 dem auch mit Drohungen zu erreichen ^).
') Beides nimmt ülmann (Maximilian II 690 u. 693 ff.) an. *) Frankfurts Reichsco^respondenz II 903. Ma^milian blieb bis zum 21. Juni in Frankfurt,
•) Ä wnten Ä 15 die Briefe des sächsischen Gesandten Berlepsch vom 14. und A020. Juni,
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12 Einleitung.
Wohin des Kaisers Absichten damals gifigefi, erfaJiren wir aus den Brafidetiburger Akten. Am ausführlichsten verbreitet sich über die Frankfurter Verhandlungen eine Denkschrift Joachims aus dem Jahre 1520, die bestimmt war, das ganze Verhalten, das der Kurfürst in der Wahlfrage beobachtet JuUte, vor Karl bei seiner Ankunft in Deutsch- 5 land zu rechtfertigen. Die Denkschrift hat die Form einer Werbung, die durch Mainz an den Kmig Karl gebracht tverden sollte '). An sich nicht unverdächtig, verdient das Schriftstück doch an dieser Stelle Glau- ben, indem die Thaisachen, die es berichtet, anderweitig urkundlich be- stätigt werden. - 10
Demnach hat Maximilian in Frankfurt a. M. unter Hintceis auf sein Alter und seine Gesundheit den festen Erdschluß ausgesprochen, einen römischen König wählen zu lassen, und die beiden Kurfürsten aus dem brandenbtirgischen Hause aufgefordoi , ihm einen dazu xxissetiden Fürst^ in Vorschlag zu bringen. Als sie sich dessen weigerten und in den Kaiser baten, selbst Vorschläge zu machen, über welche sie sich dann äußern würden, erklärte er: ir. Mt. wustc, das kein erzherzog zu Osterreich oder Bui^undi darzu duz oder dinstlich were, es solt auch mit irer Mt. rath und willen irer sonn keiner nimermehr werden, aber (oder) darnach steen noch trachten, sonder ir Mt. hett gedacht, 2<l das der konig von Engelant, Beheim oder sonst noch zAven Deutsche fursten, die dozumall von seiner Mt. erclert sein worden, darzu nutz und gutt sein solten. Nach stattgefundener Besjrrechung hohen dann die Kurfürsten von Mainz und Bramlenbury geantwortet, sie wilßten keinen der vorgeschlage^ien Fürsten zu „ta^Jeln'^; gleichwohl <iber bäten 2b sie, Maximilian möge von denselben absehen und für seinen Enkel Karl thätig sein, sie selbst wollten sich für denselben mit allem ihren Ver- mögen bewerben und auch alle ihre Mitkurfürsten für ihn zu getvinnen suchen. Maximilian Mt aber diese Bitte „ nach manichfäUigen gethanen Vorschlägen und Persuasionen zum dritten Mal endlich abgeschlagen^' 'A\i und darauf bestanden, daß kein Mitglied seinem Hauses mit seinem Wissen und Willen nach der römischen Krone trachten solle. Infolge- dessen haben sie ihn gebeten, er möge ihres Haies uml ihrer Bitte ein- gedenk sein, „es begebe sich in zukünftiger Zeit mit der Wahl eines römischen Königs, welcher Gestalt es wolle", 35
Diese Mitteilungen finden ihre Bestätigtmg durch Aktcnsti\cke , die über Verhandlungen vorliegest, welche Maximilian mit Joachim im No- vember 1517 durch Casimir rmi Brandenburg führen ließ, um den Kur-
0 Sie wird unter den Akten des Jahres 15fiO zum Abdruck komtnen.
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1. Maximilian I. und Heinrich VIII. 18
fursten nun für Karl von Spanien zu gewinnen. Da erinnert er in der Instruktion, die er dem Unterhändler ausstellt, mit klaren Worten an das, was er „ am jüngsten zu FrankfuH mündlich zu erkennen gegeben habe'^ *), und zwar damals zu Gunsten der Wahl des Königs van Eng-
5 fanrf. Deutlicher noch heißt es in der Antwort, die Joachim dem Mark- greifen Casimir schriftlieh erteüte: mir ist aber unvergessen, was kei. Mt. mein allergnedigster Herr mit meinem heim und bruder, auch mir zu Frankfurt am Meyn geredt und gehandelt hat, das ich in seinen wirden laß. Widenunb bin ich auch trostliches verhoifens,
loirer Mt. sei auch in gutem gedechtnus, was mein herr und bruder und ich dozumal irer kai. Mt. treulich gerathen undertheniglich und mit höchstem vleis gebeten und auch mit der that zu erfolgen erbotten haben, das doch alles die zeit von kai. Mt, hindan gesatzt und one alle mittel abgeslagen wart, und wiewol wir im beslus irer kai. Mt.
15 nochmals erinnerten und underteniglich baten, unsers treuen raths auch gutwilligen erbietens, so von uns gescheen, zukunftiglich eingedenk zu sein etc., sein doch ir Mt. entlich uf irer meinung beruhet *).
Die beiden Brandenburger sclieinen die einzigen Kurfürsten gewesen zu sein, denen der Kaiser damals sein Projekt der Erhebung d^ Königs
2() von England anvertraute. Von dem Kölner hören wir nur, daß er sich gegenüber dem Gesandten des Kurfürsten Friedrich von SacJisen, ab das kaiserliche Hoflager sich zu Bonn befand, dahin vernehmen ließ, er halte dafür, daß auf dem Reichstage (zu Mainz) etwas Großes gehan- ddt werden solle, weshalb gut sein würde, wenn alle Kurfürsten dort
25 wären '). Nach Frankfurt umrde ebensowenig der Kölner wie der Trierer entboten. Von dem mit dem Kaif^er verfeindeten pfälzischen
') Vgl die spater amuführende InstrukHan für Markgraf Casimir vom 20. No- vember 1517.
*) Vgl weiter itnten die Antwort Joachims auf die Werhtmg des Mark-
30 grafen Casimir. — Man vergleiche auch das, was der Kardinal von Sitten in einem (aüerdings stark verstümmelten) Briefe vom 20. Juli 1517 über die Frankfurter Verhandlungen schrieb (Brewerlinr. 3496). Es heißt dort: Revelavit mihi quidam
magnuB p(ater), quod dum caesar electores alloqueretur, qui ubi non vo-
tis alladerent, in ira comminatum foisse in iaciem eorum, quod postquam et ex
35 — ni gallizarent, se etiam in eorum deepectum alium imperatorem consti-
tuturum — cessnrum Imperium. — In einem (nicht erhaltenen) Schreiben
vom 17. Juli li^ der Kaiser durch Sitten den Kardinal Wolsey von den Frank- furter Verhandlungen in Kenntnis setzen. Vgl Sion an Wolsey, 15. Sept. Brt- wer II nr, 3685.
40 ') Vgl den gleich anzuführenden Brief des sächsischen Gesandten Berlqtseh vom 7. Juni.
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14 Einleitung.
Kurfürsten konnte vollends Iceine Rede sein. Auch Friedrich von Sachsen stand bis dahin in einem so wenig freundlichen VerhäÜnis zu Maximilian, daß dieser erst nach Monosen mit seinem Plane vorsichtig an ihn herantrat Verhand' Als der Kaiser von den Niederlanden rheinaufujärts zog, befanden 5
^Sxchsen, ^^ nämlich in seiner Umgebung ein kursächsischer und ein herzoglich säcJisischer Gesandter, welche in Köln zugleich im Namen Friedrichs, seines Bruders Johann und seines Vetters Georg eine Werbung vorzu- tragen haUen, die den Kaiser mit schlecht verhohlenem Unwillen er- füllte. Denn weit entfernt die dringend begehrte KreishiUfe gegen 10 Sickingen zu leisten^), verwandten sich die sächsischen Fürsten zu Gunsten des dem Landfrieden hartnäckig hohnsprechenden Sickingen. MaoArnüiun aber, statt den Gesandten Bescheid zu erteilen und sie nach Hause abzufertigen, ließ mehr als einmal a/uf der Weiterreise auch in Gegenwart Anderer harte Reden über Friedrich fallen und beklagte 15 sich mit beivegten Worten, daß der Kurfürst zusehe, icie man ihm Hände und Fiiße abbreche. „Ich habe", so sagt er, „mein BhU und Gut zu dem Manne wollen setzen, und widerfährt mir nun das!"^)
*) Ulmann, Sickingen 63.
*) Hans von Berlepsch an Kurfürst Friedrich, Bonn, am Tage Trinitaiis 20 (7. Juni). Da der Kurfürst, sein Bruder und sein Vetter ihm (Berlepsch) und dem Doctor Werter eine Instruktion bezüglich Entzenbergs und Sickingens zu einer Werhimg heim Kaiser zugesandt haben, so sind die beiden gestern zu Maximilian gegangen und haben die Instruktion zu seiner Kenntnis gebracht. Der Kaiser aber befahl ihnen, ihm nach Bonn zu folgen, und als er abends von ihnen wieder 2b um Antwort angegangen wurde, sa^te er, sie müßten weiter mit ihm reisen. Und under anderm gesagt: dein herr hat mir min begern abgeschlagen, williches ich mich in kein weck versehen hedt. Und wiewohl Berlepsch den Kaiser wiederum bat, ihn abzufertigen, so erhielt er keine andere Antioort, als die, daß er ihm folgen solle. Auch Benner, welchen er an demselben Abend zweimal zum Kaiser sandte, 30 kownte keinen andern Bescheid erlangen. Als nu ir Mt. zu nacht gessen hat, do ist ir Mt. bi dem bischof von Coln und ir Mt. hoffmeister gestanden und hait ir Mt. mir auch gerüffen und gesagt: din her ist auch einer, der mich stecken wil laissen; und darnach von dem kunig von Frankreich zu reden angefangen, also es hab ir Mt derselb dis jar zwen eid geschworn, wie ich gesehen hab, und ist un-35 der andern reden wider an e. cf. g. komen und mit villen ernstlichen bewegten Worten gesagt: e. cf. g. segen zu, das man im hend und fues abbrech, es wer- den aber noch e. cf. g. ieren jamer an ir Mt. und an e. cf. g. sehen, mit an- dern merem werten; und wiewol ich e. cf. g. uf suliich red nach alle minen vormugen in aller underdenigkeit hab vorantwort, so hait doch kai. Mt. mich 40 haissen hinweck gehen und gesagt, ich hab ir Mt. alweg vil gucz vorgesagt, ir Mt. befin je aber keins. Als ich non hinweck gangen bin, hait ir Mt. zu dem bi- schof von Coln und hoffmeister gesagt: ich hab min blut und gut zu dem man
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1. Maximilian I. und Heinrich VIU. 15
Aach in Koblenz wurde der sächsische Gesandte Berlepsch nicht abgefertigt; er sötte, ließ ihm Maximilian sagen, nach Mainz reiten und dort auf ihn warten; oder wenn der Kurfürst von Mainz früher zu ihniy dem Kaiser, kommen toürde, mit demselben bei ihm eintreffen ^).
5 In Frankfurt, wohin Berlepsch dieser Weisung gemäß von Mainz
aus dem Kurfürsten Albrecht folgte % erfuhr er, obwohl er vom Kaiser selbst mit nickten eingeweiht tcurde, von den geheimen Verhandlungen Maximilians mit Brandenburg und Mainz Über die Königswahl mehr, rds er der Feder anzuvertrauen wagte; endlich abgefertigt, wiU er dem
\0 Kurfürsien mündlich berichten^). Die Aufträge, die er an seinen kur-
wuln setzen und wiederfert mir non das; und darnach lang von der sachen mit den zweien geredt. Herzog Wühehn und "Markgraf Casimir und andere Grafen und Herren sind auch hierbei zugegen gewesen; und wirdet von vil leuten allerlei davon geredt, in snnderheit glich als ob e. cf. g. kai. Mt den zog wendig machen
15 wQolt. MaaEimüian habe ihm darnach noch einmal ernstlich gesagt , er soUe bei ihm bleiben, und durch Benner habe er ihm sagen lassen, daß er zu Koblenz ihn ab fertigen vjoUe; deshalb wolle er dorthin folgen, — In einer Nachschrift heißt es: Es zeucht auch kei. Mt. und die chorforsten am Rein alle in eigener person von stund an uf den richstag; es hait auch der bbchof von Coln in sunderheit mit
20 mir des richstags halben geredt, das sin g. darvor halt, das uf dem tag etwas gros gehandelt werden sult, dammb deucht s. g. gut, das die chorfursten alle da wem. — Orig, Weimar, Beg, C.
') Obgleich Berlepsch, wie er Dienstag nach Trinitatis (9, Juni) an den Kur- fürsten schreibt, sich dessen beschwert hat, ist dpinoch Maximilian bei seiner Ant-
25i0Oft geblieben und hat ihm erklärt, er könne ihn nicht eher abfertigen^ als bis er sieh mit Mainz und Brandenburg unterredet habe, — Orig, Weimar, Beg. C.
*) Nun ist, schreibt Berlepsch, d. d, Mencz, am suntag nach unsers herm lich- namB tag (14, Juni), kai. Mt. gestern sonabend gegen Frankfurt komen und ist der bischoff von Meincz hat von hinnen zu ir Mt. geritten und vorsehen mich,
30 markgraff Jocheim werdt murgen oder des andern tags auch zu ir Mt. reissen. Deshalb wollen sie morgen früh auch zum Kaiser aufbrechen. Sonst ist noch nie^ mand von Fürsten und Ständen hier, und es wird im geheimen geredet, daß der reichstag sül zu Frankfurt gehalten werden. Und wiewol ich zum nesten zu mark- graff Jocheym vorstanden, das s. chf. g. befelch hat, die corfursten alle von wegen kei.
35 Mt. zum reichstag zu fürdem, so hait mir doch huet s. g. gesagt, das s. g. allein befelch gehabt, die corfursten am Ryn zu furdern. — Orig. Weimar, Beg, C,
^ Berlepsch an Friedrich, d, d, Frankfurt , sonnabent nach sand Marcustag (Jufd 20) 1517: Heut hat mir kai. Mt in aigner person ain abschid geben, den ich, wil got, e. chf. g. kurz selbs berichtn wil; und wiewol kai. Mt., auch ire Mt.
40rete, sich vor zwaien tagen, auch noch gestern, haben vememen lassen, das der reichstag nit für sich gehn sol, so hat es sich doch heut aber geendert und hat mir ir Mt. mein abfertigung, das er für sich gehn sol, geben, hat auch di chur- fiiTstn Coln und Trier wider gefordert. Und kan nit achten, was es für ain gc- stalt haben mug, es wer dan sach, das di zwen churfnrsten Mentz und Branden-
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16 Einleitung.
fürstlichen Herrn mitbekam, bezogen sich nicht allein auf die Beschickung und eventuell auf den persönlichen Besuch des Mainzer Reidistages, sondern auch auf Absendung Pfeffingers an den Kaiser von Seiten Frie- drichs *).
Wie Wichtiges man mit Pf ef finget zu verhandeln gedachte, deutet 5 Renner in einem gleichzeitigen Briefe dem Kurfürsten geheimnisvoll an^). Nach Wochen t9*af denn auch Pfeffinger am kaiserlichen Hof- lager ein. Am 9. August zeigte Ma^ximüian dem Kurfürsten eigenhän- dig an, daß er den Abgesagten in Audienz empfangen habe, ihn aber erst nach Erledigufig wichtiger Angelegenheiten mit gründlichem Bescheid lo wieder abfertigen werde *). Gleichzeitig bemühte sich Renner in einem
barg in dem ansuchn, ainen Romischn konig betreffend, etwas gewilligt betten: dan es hat kai. Mt. itzt etlicb tag in aigner person, auch darch etlich unter- bendler, marggraff Casimirus und andere, ganz frolich mit iren chf. g. gebandelt und bandeln lassen, ain tail mit gute, dan mit trauen gesucbt. Nu wird kai. Mt. 15 in kurz albie yerruken; so versibe leb micb, marggraf Joacbim werd aucb anbaim reiten und etlich seiner g. rete auf dem reicbstag lassen; so wil ich nach ainen tag oder zwen verharren , ob ich erfaren kont, wie es mit der verwilligung des Romischen konigs ain gstalt gewin, und mich dan ufs furderlicbist zu eum chf. g. fuegen und der sachn weiter, dan sich itzt wil schreiben lassen , underricht 20 tun. — Orig. Weimar, Beg. C.
') In dem Schreiben an Friedrich (aus Frankfurt vom 20. Juni), das der Kaiser dem Berlepsch am 21. Juni mit auf den Weg gab, heißt es bloß, er habe ihm befohlen etwas von nnsem wegen beruerend den reicbstag an dein lieb zu bringen. Näher spricht sich über diesen Punkt Berlepsch aus, indem er die Ant-2b wort und Abfertigung, die ihm der Kaiser* am 21. Juni (uf sontag nach sanct Marcustag) erteiUe, niederschrieb: Zum andern sei irer Mt. begem, das sein chf. g. einen mit fullem gewalt uf den reicbstag gegen Mentz furderlicb Yororden und schicken wolde, und das sich sein chf. gnade darzu schicken und richtn woU, wann ir Mt. sein gnade in eigener personen zu solcbm reicbstag 30 fordern werdt, das sein g. dem aucb in ansehung merklicher gescheft und sacben, ir Maiestat und dem heiligen reich daran gelegen, nicht aussenpleibn und persön- lich erscheinen: dan ir Mt. wolt sein chf. g. nicht ehr erfordern, dan wan ir Maies tat auch in eigner person do weren. — Ein anderes Begehren des Kaisers bildete die Absendung Pfeffingers. — Cop, Weimar, Beg. G. 35
') Ich bab, so schreibt er aus Frankfurt am 21. Juni, mit kai. Mt. geredt des Pfeffingers halb, und ist seiner Mt. begem, das e. f. g. in von stund zu irer Mt. fertige, dann sein Mt. vil mit im zu bandlen bab, das sich sunst nit schreiben laß; got wolte^ das ich ainmal bei e. f. g. sein mocht; ich wolte e. f. g. allerlai anzaigen, das der feder nit zu vertrauen ist: es sein warlicb seltzam hendl in der 40 weit; ich hoff, es solle sich noch schicken, das ich zu e. f. g. komme. — Orig. Weimar, Beg. E.
') Maximilian an Friedrich (dat. auf den 9. tag augusti 1517): Er habe den Pfeffinger geluirt: und nachdem wier jetzt in aller bandlung sten des von Wierten-
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1. Maximilian I. und Heinrich YIII. 17
Briefe an Friedrich den üblen Eindruck zu verwischen , den auf den Kurfürsten die scharfen Worte gemacht hoMen, ivelche die frühere Qe- sandtscJiafl aus Maximilians Munde hatte vernehmen müssen. Retifier fand es gut, solche ungnädige Woiir des Kaistrs geradezu abzuleugnen bund sie ais leichtfertige Anschuldigungen zu bezeichnen. Er wünschte, dctß Friedrich einmal hören möge, wie J^erzlivh der Kaiser von ihm spreche; hoffentlich icerde er, lienner, eitw Zusammenkunft Friedrichs und des Kaisers twch erleben ^).
Am 1. September wird endlich der sächsische Gesandte zu SacJisen-
\ohurg bei Enns von dem Kaiser abgefertigt, und Renner rühmt sich, er habe s^ich bemüht, daß die Abfeiiigung „ganz gnädiglich und wohl ge- scheh/f in aUen Sachen", die der Abgesandte an den Kaiser gebracht habe, Kai. Mt hat ihm daneben, fährt lienner fort*), von des reichstags wegen und ander sachen halb bevelli getan, wie e. f. g.
lasolhs alles von im veraemen wirdet. ... Ich wolt hundert guldin geben, das ich ain stund bei e. f. g. were umb allerlai Sachen willen, die sich nit schreiben lassen, aber dannocht hab ich dem Pfeffinger ain grossen gehaimen handl angezaigt, allain den e. f. g. zu erofnen. Friedrieh möge die Sache wohl bedenken; „mich bedünkt ^ es möchte viel
20 Gutes daraus kommen."
Glücklicherweise ist uns die Denkschrift erhaÜen, die Pfeffinger bei seifier Abreise mitgegeben wurde '). Der Kaiser betont darin zunächst, daß er das Beich mit schweren Kosten und großer Mühe regiert hohe und stets darauf bedacht geivesen sei, es nicht in fremde Hände ge-
2b langen zu lassen, wie denn die Franzosen mehrmals den Versuch ge- macht hättefi, das Reich in ihre Gewalt zu bekommen. Nun ist er dber
berg, der uns an onderlass hoch pelaedigt, und des Seckingers halb, auch von hegen der reichsstend zu Mencz, künden wier denselbigen Pheffinger so eilentz nicht abvertigen und haben im deshalb etlich tag zu seinem weih zu reiten und
30 darnach wider zu uns zu kumen erlaubt. Mittler Zeit hofft er die obengenannten Angelegenheiten zu erledigen, dann tcül er ihn mit gruntlichem peschaed ab- fertigen und Friedrich durch ihn etwas ginintlichs zuentpieten lassen. — Orig. eigenh. Weimar, Beg. C.
') Eenner an Kur f. Friedrich, dat. Augsburg, 11. Aug. 1517. Orig. Weimar,
'doBeg. E.
*) Benner an Kur f. Friedrief i, d. d. Enns, am 1. tag septembris anno 17. Orig. Weimar, Beg. E.
') Die Denkschrift (Orig. Dresden, Wahlsachen nr. 1) trägt den Vermerk : Kaiser Maxlmih'ans bedenken des heiligen Romischen reichs wolfart betreffend. Ist dem
40 chorfnrsten zu Sachsen, herzog Fridrichen seligen, bei dem Pfeffinger zugeschickt, und darauf sein chf. g. bedenken begcrt worden.
Reichstsgaakten a. R.-Z. BJ. I. 2
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18 Eiüleituu{^.
ZU alt, tiful dir R/fgieti^ng ihm zu schwer, daher will er hei Zeitim rfei- /)'//• Sonja tragen, d(ifi das Reich und das Haiis Österreich in Zu/cunft von ihren (regnern nicht angefocht^'n mrdrn. Österreich ist ringsum Vi/n mächtigen Feindet umge}>en, eine YrrnicIäHng desselben alter be- deiäet das Verderben Deutschlands. S/fifie Erben sind indeß zu jung f) m^l besitzen viele Königreiche, mit denefi sie genug zu thun haben; ein ausreichender Schutz ist also von ihnen für Österreich nicM zu ericar- ten, DesJuilh wilnscht Maximilian, daß jetzt Heinrich VIII. zum römi- schen König crniihU ivird; derselbe ist jung, rermöglieh und von guter Vernunft; zudem stammt er aus deutschefu Blut und zwar aus sächsi-io sch'm Geschlecht; er ist ein Freund und Verbütiddcr des österreichi- schen Hafises tmd infolgedessen ein gelforenrr Feind Frankreiclis und besitzt Mittel uwl Macht genug, das Reich mul Österreich vor alten Feindfm zu schützen. Ist Heinrich zum rötnischen König erfväldt, so kann er (Maa.J aucJi desto besser die Kaiserkrone empfangen. Unter ir> den jetzigen deutscheti Fürsten dagegen ist keiner, „der eines Kötiigs Staml unterhalten, geschweige das heditje Reich und desselben Verwandte uml Unterthanen vor solchen großen Gewalten beschirfnen möchte'- *). Friedrieh möge dies edles Itedenken und ofe ein Kurfürst des Reichs seiw^ Zustimmung zu der Wahl Heinrichs gel)en, durch Pfefßnger aber in,) ihm, dem Kaiser, schriftlich oder mündlich sein Gutbedünken mitteilefi
Obgleich der Kaiser Pfeffinger auch noch ein eigenhändiges, höchst fretindlich gehaltefies Schreiben an den Kurfürsten mitgab *), mtf/lte er doch nahezu zwei Monate auf Antwort warten, und als Friedrich end-25 lieh sein Schueigefi brach und für Pfcffingers AbfeHigung dankte, ließ er sidh mit keifhem Worte Ober die Wahla^igelegenheit aus *). Dem Kaiser konnte dies nur angenehm sein, da er mittlerweile das Projekt. Heinrich VIII. die deutsche Königskrone zu verschaffen, wieder aufge- geben hatte. Als er am 28. Novetnber, Friedrichs Brief vom 4. d. Jfeffe.30 beantwortend, die Bitte aussprach, tviedo'um Pfeffinger zu ihm zu senden,
^) Wo anders, dan wk obstet, gehandelt, so würde das haus Osterreich und Burgundi nach kai. Mt. abgang zerstöret und den mehrer tail vertrieben, das dan des heiligen reichs und der Teutschen nacion ein schild ist, wie vorstellet, und deB- halben dasselbig reich und gemein Teutsche nacion auch zurtrennct; das alles 35 wol zu bedenken ist.
*) Maximilian an Kurf. JbViedrich, d. d. Saxeuburg, mit aigener hant, prima septembris 1517. Cop. Weimar, Reg. C.
*) Kurf. Friedridi an Maximilian, d. d, Ältenburg, d.Novb. 1517. Cop. Wei- mar, Reg. C. 40
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1. Maximilian I. und Heinrich VIII. 19
weil er detn Kwfursten etliche Dinge mitzuteilen Juihe, „du* das heilige Beich, detäsche Nation und gemeine ChristenJieit merMich betreffet^** *), \€ar es, wie wir sehen werden, die Wahl seines Enkels Karl, die er mit allen Mitteln zu betreiben beflissen war. Da aber die Anstrengungen b Maximilians zu Gunst^m Karls von Spanien sich mit den schon früher begonnenen Machinaäonen Franz' L von Frankreich, der als der gefähr- lichste Rivale des habsburgischen Hauses auch in dieser Angelegenheit auftrat, vielfach kreuzen, mögen zuerst die französischen Wahliniriguen ins Auge gefaßt werden.
IL Franz I. und die deutschen Fürsten.
10 Es ist schon von anderer Seite mit Recht betont worden, Franz I. an eine Wahl nur nach detn Ableben des Kaisers derJcen konnte *). Daher kafn es für ihn in erster Linie darauf an, die Kur- fürsten von einer bei Lebzeiten Maximilians von diesem selbst betriebenen KaiseruHjM abzuhaUen, sodann darauf, von den einzelnen Kurfürsten
15 oder doch der Majorität derselben sich das schriftlich flanierte Verzechen zu t^erschaffen, nach Erledigung des Thrones ihre Stimme dem Könige von Frankreich geben zu wollen. Französischerseits wurden die ersten auf die Erwerbung der Kaiserkrone zielenden Schritte schon im Herbst des Jahres 1516 unternommen, nachdem im Latife des Sommers ge-
'^sehäßige Agenten die deutschen Kurfürsten bereUs im Interesse des Königs Franz L bearbeitet und ihre Gesinnung Frankreich günstig gc" funden hatten ').
^) Vgl. das später zu erwähnende Schreiben des Kaisera an Kurf. Friedrich, *) Uhnann, Maximilian L II 694.
25 *) Es handelte sich dabei freilich noch nicht um eine künftige Königswahl, sondern, soviel wir erkennen, darum, die deutschen Fürsten abzuhalten, d<j^ sie dem Kaiser in dem noch fortdauernden Kriege gegen Frankreich Hülfe leisteten. Auf der Pariser Nationalbibliothek befindet sich der Brief Suffolks (über ihn i. unUn S. 55), aus Metz vom 16. Juli 1516 (Orig. F. fr. 3897), an den Groß-
3u »visier Boisay, mit welchem derselbe zugleich die Antworten der Ktirfürsten von Sachsen^ Brandenburg wnd Pfalz auf ein Schreiben Franf I. sendet. Der Erz- bische f von Maine hat einen gleichen Bescheid gegeben ^ wie die andern geistlichen Kurfürsten. Leicht wird es sein, so meint S., den Kurfürsten von Sachsen — der nur die Liebe des Königs begehrt — in einer Frankreich freundlichen Gesinnung
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20 Einleitung.
Sickingen. Unter den Kurfürsten war e^ der Erzbischof Richard von Trier,
den Franz L zu diesem Zwecke vor andern ins Auge faßte. Aber ehe noch die Unterhandlungen mit ihm eröffnet wurden, oder ungefähr in den Tagen, in welchen sie begannen, schei^it der durch seine Memoiren bekannte Seigneur de Flewraiige, ein Sohn Roberts von dftr Mark, des 5 Herrn von Sedfin, und eifriger Parteigänger Frankreichs, auch schon au/ierhalb der kurfürsiliehen Kreise sich nach passejulen Werkzeugen für die Verwirklichung der ehrgeizigen Pläne seifies kmiglicJien JugeruU gefährten und Waffengenoss(m umgesehen zu hiben. Insbesondere hatte er Franz von Sickingen, der mit Robert und dessoi Bruder Eberhard, W dem Bischof von Lüttich, eng verbündet war, ak geeignet erkannt, Franz L bei der Bewerbung ww die deutsche Krone gute IHoiste zu leisten. Mit Gemhmigung Franz L tourde SicJüngen aufgefordert, an dem Hofe zu Atnboise zu erscheinen. Er folgte dieser Einladung um so lieber, als er, vom Kaiser mit Acht mul Bann bedroht, französischen M^ Schutzes wohl bedurfte. Er trat denn auch gegen e/oie hohe Pension in die Dienste der Krone Frankreich *). Wenn aber Fleurange erzählt, daß der König Sickingen zu dessen unverkennbarer Enttäuschung nicht in die Pläne, die er in Beziehung auf Deutschland liegte, eingefveiht habe, so scJdießt das nicht a^is, daß zwischen den Staatsmännern Franz' L*)iH^ und Sickingen von d^r Kaiserwahl die Rede gewesen ist, und daß Sickifigen versprochen Itat, sich auch darin als Diener des Königs zu bewähren •). In Wnhrhrit hat freilich Sickingen, als die Zeit der Ent-
zu erhaU'en^ denn er haßt den Kaisei' tödlich, mehr ah irgend einen andern Menschen, da er gern selbst römischer König werden möchte, ioas der Kaiser nicht 20 mü. Wenn der König es toünscht, so kann Suffoüc leicht mit einigen der Per- sonen, die den Kurfürsten beherrschen, gel^eime Beziehungen unterhalten; Sachsen und sein Anhang werden jede vom Kaiser etwa gewmtschte ünternekmu^ des Reiches gegen Frankreich zu falle bringen. — Wenn Kurfürst Friedrich nach französischer Meinung damals selbst nach d^r Krone trachtete und doch Frank- 30 reich so gute Dienste zu leisten vermochte, so kann es sich bei diesen Bemühungen Frans' I. natürlich fwch nicht um die Königswahl geJiandelt haben.
*) Die Angaben über die Größe der Pension schwanken zwischen 2(X)0 und (k)00 Frafüca (ülmann, Sickingen 55,).
') Ai4ch die Brandenburger Gesandten verpflichteten sich wegen der Wahl zu- 35 nächst dem Kanzler gegenüber, S. unten S. 37.
^) Es heißt in der TiandscfiriftL Gesch. Franz L von dem Sekretär des Kanz- lers Du Prat (Paris Bibl. not. F. fr. 17523): Durant ce tcmp» (es geht ein Brief vom ö. Nov. 1516 voraus) k Amboise arriva devers Ic roy le comte Franciscus de Se- linghen (sie!) du paia d'Alemagne et estim^ homme de credit pour lever geus de 40 guerre audit pajs. Lequel promis audit sr. de le servir euvers tous et contre tou8, ezceptä contre messire Robert de la Mark, flon grand amy et contre quel-
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2. Franz I. und die deutBcheii Fürsten. 21
Scheidung kam, seinen Einfluß für Karl i^on Spanien geltend gemacht^ nachdem er das Verhältnis zu Franz L nach einjährigem Bestände schon icieder gelöst. Aber es spricht für die französische Staatshunst, daß ihr nidit die Bedeutung entging, die für die Kaiserwahl trotz der
^Kurfürsten der einfache Reichsritter getvinnen konnte.
Kurze Zeit darauf, vielleicht noch vor Ende November, erschien am Trier. Hofe des Königs auch der Kanzler von Trier, Heinrich Dungin von Wiäich *). Er kam im Äußrage des Erzbischofs Richard und in Er- wideruitg einer Mission, die bei diesem im Namen des französischen
10 Königs Claudius de Baudoche, Herr von Mclinis, vollzogen hatte*).
Das ist eigentlich alles, was wir über den ersten im geheimen zwischen König Franz und dem Kurfürsten Richard vor sich gegangenen Gedankenaustausch Über die Kaisenvahl teissen. Zwar liegt uns auch noch eine Art Instruktion für den Trierer Kanzler vor •), aber sie ist
lo undatiert tmd paßt, uetm sie gleich auf ein frühes Stadium der Ver- handlungen hindeuM, doch nicht in die ersten Anfänge *). Könnten wir
qu*autre prince d'Alemagne, et ayder de tout sod pouvoir, que ledit sr. seroit cbIbu empereur, la vacation de Tempire advenant. Et k ce faire s^obligea solemnelle- ment, moyennant ce iceluy sr. luy promis donner grosse pension pour chacun
20 an. - Vgl hierzu Mem. de Fleur. (Novelle Cdl. des Mim. ed. Michaud V) 60 f., tco in Gegensatz zu obiger Nachricht angegeben xoird, daß Sickingen mir das Haus de la Mark ausgetwmintn habe. Die NachricM des Sekretärs verdient hier aber gewiß Glauben, da sie augensclieinlich auf einer Kenntnis der Urkunde beruht.
25 ') Utisere handschriftliche Quelle giebt die Zeit niclU genau an, sie sagt nur: ebenso kommt der Ka/nzler von Trier, der gegen große Pension Triers Stimme ver- spricht. Da gleich darauf die Ankunft Huttens im Auftrage des Erzbischofs von Mains erwähnt wird, dieser aber erst Ende 1517 am französischen Hofe gewesen ist, so kannte auch der Triei'er Kanzler lange nach Sickingen angekommen sein.
3C> Abar wir haben ein zuverlässiges auf den November 1516 hintveisendes Zeugnis in seiner Beglaubigufig und Vollmacht vom 18. jetves Moftuts.
*) Bichard ernennt für die Verliandlwngen mit Franz 1, honorabilem et iide- lem nobie dilectum magistrum Henricum Dungin de Witlich, juris utriusque doc- torera, cancellarium nostrum, zu seinem Bevollmächtigten und wird alles, was er
^thut, gutheißen. Actum in arce nostra Erembreitstein a. d. 1516, die rero decima octava mensis novembris. Orig. Paris Arch. nät. Gart. J. 995 A nr. 7. — Eben- dort mit gleichem Datum: Richard an Franz: Beglaubigung für seinen Kanzler, eni ea, quae ad rem, quam nobis admodum dilectus Claudius de Baudoche, domi- nus de Molinis, vestrae serenitatis nomine secrete fideliterque retulit, spectant, re-
'^^^ ferenda perfitiendaque commisimus.
*) ('Op. Paris Arch. not. Gart. J. 952 nr. 58; s.d., in verso: Toucbant l'arce- vesque de Tr^ves ^lecteur et son chanceliier.
*) Item adbuc est premetaudum, quam intime iste epiftC02)Us fccit hanc cau-
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22 Einleitung.
jenes kurze Memoire — dieser Atisdrtick ist vielleicht besser als das Wort Instruktion — in dieselbe Zeit mit der Vollmacht vom 18, November setzen, so tvürde sich mit Rücksicht auf den zweiten darin erörterten Punkt ergeben y daß die erste Anregung zu den Verhandlungen des französischen Hofes mit Trier von dem Erzbischof ausgegangen wäre, der 5 noch vor der Anwesenheit des Herrn von Baudoche am kurfürstlichen Hofe seinen Kanzler an Franz I. geschicid hätte. Aber die hier in Rede stehenden Worte lussen sich auch erklären, wenn man das Akten- stück einer Mission zuweist, die den Kanzler zum zweiten Male an den französischen Hof führte, als es sich darum handelte, die Bedingungen 10 des vorbereiteten Abkommens im einzelnen zu beraten und in die Form eines Vertrages zu bringen. Und selbst angenommen, die Initiative zu formlichen Verhandlungen wäre von Erzbischof Richard ausge- gangen, so würde dies noch nicht ausschulen, dqfi er dazu indirekt vom französischen Hofe veranlafit worden wäre. Es konnte Fra/nz L 15 darum zu thun sein, die Sache so einzufädeln, dqfi der deutsche Kur- fürst und nicht er, der König, als der Urheber des Planes sich hin- stellen ließ. Immerhin steht aber fest, dqfi es der Erzbischof von Trier war, der das Projekt der Wahl des französischen Königs mit besonderer Lebhaftigkeit ergriff und durch seinen Kanzler eifrig betreiben ließ. 20
Dungin von Witlich hatte, als er sich zum zweiten Mal zum Könige begab, feigende Punkte zur Erwägung und Beratung zu stellen:
1) Die hohe Wichtigkeit der Sache und die Größe des Vorteils, der dem Könige aus der Angelegenheit erwachse, indem er damit die Herrschaft über die ganze Christenheit und vermittele der letzteren ^b die Unterwerfung aller Ungläubigen und deren Bekehrung zum Christ- liehen Glauben erreichen werde,
2) Das Verdienst, das sich der Bischof dadurch erworben, dafi er vor aVen andern Fürsten die Angelegenheit dem Könige von Frank- reich vorstellen ließ und seine Erhebung zu so großer Ehre mehr ab 30 jeder andere beireibt *).
sam proponere regi Francie pre ceteris omnibus principibus, qui hanc causam etiam tractant, et quam magno honori regem prenominatum pre ceteris prosequitur, heißt es ctn zweiter Stelle in dieser InstrtdcHon. Aber kann im November 1516 der ErMschof wn andern Fürsten sprechen^ qui hanc causam etiam tractant , da 35 wir aus jener Zeit noch keine Spur von solchen Verhandlungen kennen? Hätten aber trotzdem damals auch schon andere mit Franz L über denselben Gegenstand verhandelt, so hätte der Erzbischof von Trier sich nicht rühmen können y daß er vor allen andern die Sache dem Könige habe vortragen lassen, und daß er dessen Erhebung mehr als jeder andere betrid)en habe, 40
*) Siehe die lateinische Fassung in der vorhei^gehenden Note.
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2. Franz I. und die deatschen Ftirsten. 28
3) Den Fleiß und die Treue, womit der Kanzler zur Ehre des Königs und seines ganzen Ijindes die Sache in Scene gesetzt hat ').
4J Wird der Wunsch ausgesprochen, daß die Geldsumme, die Franz
dieser so wichtigen Sache wegen jährlich dem Erzbischof zahlen wird,
5 6000 Franken oder 3000 Kronen französischer Münze und nicht weniger
betragen soll, und dafi diese Summe „fnanebit fixa super regem preno-
minatum" (d. h. solafige der König lebt),
5) Da der Erzbischof gegenwärtig wegen der herrschenden FeMen des Geldes sehr bedarf, so bittet derselbe, daß ihm in diesem eisten
W Jahre die ganze Summe für die drei folgenden Jahre zusammen ent- richtet werde, später sollen dann, solange Franz L und der Erzbischof am Leben sind, die Zahlungen von Jahr zu Jahr erfolgen.
6) Dem Kanzler soll der König, solange beide leben, jährlich 300 Franken wegen seiner großen Mühe und sei'ner treuen Dienste
\b geben, Wiü aber der König statt einer jährlichen Zahlung den Kanzler lieber durch eine einmalige zufrieden stellen, so soll dieselbe 1200 Gold- krönen betragen.
Diese Bedingungen, heißt es am Schhß, sollen nicht so vorgebracht und nicht so aufgefoßt werden, als ob der Erzbischof die Angelegenheit
"20 nur des Geldes wegen betreibe, „sed ex bono zelo et propter totam ckristianitatem et iüi (Franz) inserviendo", wie denn atwh der König ihm volles Vertrauen schenken möge.
Franz L scheint die Erbietungen und Forderungen des Trierer angenommen und einen definitiven Vertrag mit ihm abgeschlossen zu
'/b haben. Wenigstens hören wir bis zur zweiten Hälfte des Jahres 1518 nichts von weitem Verhandlungen ztvischen beiden Fürsten, und über- dies ist es einf; bekannte Thatsache, daß der Erzbischof bis zum Wahl- inge hin immer an Franz L festgehalten hat.
Früh finden sich auch schon Sjmren von Verhandlungen zwi^hen^ß^-
^.} Frankreich und dem Kurfürsten Ludwig ron der Pfalz, welcher ^ am französischen Hofe erzogen, von Haus aus Franz L zuneigte. Zwar war sein Vater in detn für das j^fälzlsche Haus so unglücklichen bairisch- pfälzischfm Erbfolgekriege von Ludwig XII, im Stich gelassen, utut ein ron Karl VIII. ihm verliehenes Jahrgeld wieder eingezogen worden,
'So aber diese Enttäuschung, so groß sie sein mochte, bedeutete doch wenig gegenüber der Selbstsucht und Gehässigkeit, mit welcher Maximilian die Notlage der Pfalz in jenem Kriege ausgebeutet hatte. Man weiß, wie er der
^) Item est etiam cogitandum, quam diligenter et fideliter cancellarius hanc causam apportavit ad honorem Christian issimi regis et tocius ipsius patrie.
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24 Einleitung.
PfaU die Landvogteien Hagenau und Ortenau entriß. Hartnäckig versagte er auch dem Kurfürsten Ludwig die Belehnung. Daß dann dieser sich dem Herzoge Ulrich von Württemberg anschloß y verschärfte gerade damals noch die zwischen dem habsburgischen und dem pfälzischen Hause herrschende Spannung '). 5
Das erste Sckrißstück, das uns über die Unterhandlungen zwischen Frankreich und Pfalz vorliegt, aber nicht auf die Kaiserwahly sondern nur auf ein dem Kurfürsten angebotenes Bündnis ausdrücklich Bezug nimmt, ist ein Brief Franz' L vom 19. Februar 1517 *). Wir erfahren daraus , daß der König schon vor Ende des Jahres 1516 Balduin 10 de Bazoges an den Heidelberger Hof gesandt. Ludung aber da^s ihm angetragene Bündnis damals abgelehnt hatte, weil er von Majcimilian deshalb mit Krieg überzogen zu werden fürchtete *). Darauf schreibt nun der König: Ludwig werde wohl erfahren haben, daß seit der Ab- reise Basoges' der Frieden zunscken ihm und Maanmüian beschtvoren'^^ sei^); er habe nun nichts mehr zu fürchten, wenn er vorsichtig genug sei. Sollte der Kaiser ihn dennoch bekriegen, so möge er Franz 6e- nachrichtigen, „et tum qperam dabimus, ut finem beUo imponamus et controversias vestras sqpiamtis". Die Stadt, über welche Ludwig mit Bazoges gesprochen^), werde er (Franz) ihm Überliefern, sobald er m20 deren Besitz gekommen sei Das Geld, welches der König denjenigen Personen, die Bazoges ihm genannt hcU, zahlen soU, kann er jetzt nicht entrichten, da ihm die Kriegstruppen, wie der Friede mit Maximilian und den Schweizern zu große Ausgaben verursacht haben, doch hofft er bald ddusu im stände zu sein. Auch wird er über die durch Ludwig ^^ mit Bazoges besprochene Heirat Nachricht geben ^).
Den Brief des Königs beanttvortete Ludwig auffälliger Weise erst am 9, Oktober 1517, also 7mch Ablauf van beinahe 8 Monaten, und wahrscheinlich au>ch dann nur auf* die Mahnung des französischcfi
») Häusser, GeschichU der rhein. Pfalz 1 463 ff.; Boeakr, Wahl KarU V. 28 f,^
') D. d. PariaiuB, die 19. februarii, Conc. Paris Arch. nat Cart J. 952.
*) Diese Gesandtschaft Balduins von Bazoges, Herrn von Champagne, der
später noch öfter als Gesandter Franz' I. auftritt, ist gegen Ende 1516 anzu-
setzen,
^) Damit ist jedenfalls der Vertrag zu Brüssel vom 3, Decb. 1516 gemeint. ^^ ^) WahrscJieinlich Hagenau, dessen Verlt*st Ludwig nicht verschmerzen konnte.
Vgl die spätem Verhandlungen.
®) Was mit den beiden letzten Punkten gemeint sei, ist nicht redU klar. In
Beziehung auf die Heirat besteht die Möglichkeit, daß Franz I. etwa dem Bruder
des Kurfürsten eine französische Prinzessin anbieten li^ , ähnlich wie er dies bei 40
Brandenburg, Sachsen, Polen und Lüneburg getJian Iiat.
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2. Franz I. und die deutschen Fürsten. 25
Agenten Peter Buisson, durch den er den vorliegenden Brief dem Könige überreichen ließ ^). Ludwig entschuldigt dcLs lange Schweigen mit seiner fast vier Monate langen Anwesenheit auf dem Reichstage zu Maina, versichert aber zugleich, daß er während dieser Zeit die Angelegenheit
b keineswegs aus den Augen verloren, sondern si<k vielmehr unablässig für den König bemüht habe *). Für den Fall, daß er, wie er alle Tage furcJUen muß, von dem Kaiser angegriffen werden scUte, hofft er, von Frankreich Hilfe bu erhoMen, uml verspricht dagegen, im gegebenen Falle dem Könige gleichfalls Beistand zu leisten. In dunkel gehaltenen
10 Worten red^t Ludung dann von einem Freundschaftsbunde, den der König mit einigen geschlossen habe, und weist auf andere hin, die für ein geringes Geldopfer mit Ntäzen zu demselben Zwecke gewontien wer- den kannten. Daran knüpft er die dringende Bitte, daß ihm Franz die Summe von 4 — 5000 Kronen übersenden möge, um diejenigen, deren
\b Mithülfe man zu dem beumßten Werke dringend bedarf, bei guier Ge- sinnung zu erhalten; endlich möge der König ihn sobald ivie möglich benaehrichtigen, ob er auch mit anderen, die ihm unentbehrlich zu sein dünken f über die Sache verhandeln soU. Denn auch manche andere wären, wie Ludwig nicht verhehlen wiU, sehr bereit, ohne Unterlaß für
20 die Verfolgung der Angelegenheit zu arbeiten. Das Nähere über die Sachlage wird Peter Buisson mündlich auseinandersdzen. Unter ivie- derhoUen Versicherungen, daß er in treuer Gesinnung und mit höchster Anstrengung die Sache verfolge und den Dank des Königs zu verdienen suche, bittet er noch einmal, mit der Übersetulung der unentbehrlichen
2b und doch mäßigen Summe, die aufs beste verioendet werden soä, nicht zu säumen, den vorliegenden Brief aber, sölrnld er ihn gelesen, zu zer- reißen oder ins Feuer zu werfen *).
') Ober Peter Buisson heißt es in den Memoiren von Flewrange, nachdem von Gesandtschaften Franst I. die Rede gewesen ist: et entre aultres allans et venans 30aiiz AUemaignes, j avoit an gentilbomme audict Advantureux (Fleurange), lequel 8*appeile Pierre Baissen, mareschal - des - logis de sa bände, et estoit proven^al, gen- tilbomme sage, et parloit aussi bien allemand que fran^ois. Nouv. coli, des m4m. ed. Miehaud V 59. — An derselben Stelle erzählt Fleurange, daß er und sein Vater, Robert von der Mark, in jener Zeit die Hauptunterhändler Franz* I. bei den ^Kurfürsten gewesen seien.
*) Interim tarnen in negocio Maiestati vestre optime cognito sine intercape-
dine laborayimas et ut optatam sorciator eflfectum omnia adbibebimus diligenciam.
*) Kur f. Ludwig an Franz L, dat. ex ci vi täte nostra Heidelbergensi, anno
1517 nona die mensis octobris. Orig. Paris Arch. nat. Cart. J. 995 A nr. 10. Es
iO heißt in dem Schreiben wörtlich: Et quamvis Maiestafem vestram sciamas, eam
aliquibos bonam amiciciam et spem contraxisse, sunt tarnen nounuUi all:, proat ex
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26 Einleitong.
Baß die grt^e und zitgleich gefährliche Angelegenheit y worüber hier der Pfalzgraf mit Frafikreich kotispirierf, die Wahl des künftigeti römi- schen Königs bildet, ist kunm zu hejsiceifeln. Anders könnte auch schwerlich dt^r Brief gedeutet werden, den Ludwig an den König richtete, nachdem er die so dringfmd higehrte Geldsumme durch Gesandte, 5 deren Namen wir nicht kcnmm, empfangen hatte und zugleich durch ein uns nicht erhultoies königliches Schreiben aufgefordert worden war, eine genau formulierte Verschreibung (litteras securitatis sub certu forma) auszustellen *). Der Pfalzgraf - Kurfürst versichert in dem Schreiben vom 14, Januar 1518 nochmals seine Bereitwilligkeit, Franz zu die- 10 tien und seifte Pläne fmch Möglichkeit zu fördern, er drückt seine Freude darüber aus, daß Frafiz L, wie er ihm geschrieben, "noch einige andere deutsche Fürsten auf seiner Seite habe. Zwar fehlt es, wie er in seinem vorigen Brief gemeldet, nield an Leiden, welche diese Angelegenheit unaufhörlich mit tvacJisamen Augen verfolgen 15 und mit größtem Eifer zu hemmen suchen; aber der Pfalzgraf wird seiner früher schon eröffneten Gesinnung treu bleiben, an gewissen für die Sache wichtigen Stellen im Namen des Königs Versprechungen machen und auch, wenn erforderlich, das zur Verfügung stehende Geld austeilen *). Gegen die begehrte Verschreibung h/it er das Bedenken, 20
Petro Buison, harum genilo, intelligere poterit, qnos ad eandem amiciciam cum exili pecuniarum erogacione trahere celsitudini vestre multum conduceret Qua propter l*egiain vestram Maiestatem summopere rogitamus, quod nobis aliquos nummos aureos ad summam quatuor aut quinque milium scutorum, ut bii, quorum opera et favore ad hanc rem consequendam opus est, in bona voluntate conservcn- 25 tur, et bincinde nos tanto felicius desiderii nostri sorciamur effectum, transmittat nosque quam primum cerciores reddat, utrum cum aliis, nobis eciam neceflsariis, bac de re tractare debeamus. Non enim volo celsitudinem vestram ignorare eciam alios plures pro ea re consequenda sine raora laborare, insistere ac propositos esse, et propter egritudinem negocium ita se baberc, ut Petrus Buison, barum lator, seit HO laciusque coram signiiicabit. Ceterum fideü animo omni conatu ad boc consequen- dum insudabimus remque gratam Maiestati vestre facerc cupimus; propterea eam modicam pecuniarum summam^ quam bene impendemus, nobis transmittere non differet Et bas litteras postquam legerit, ue ex eis nobis apud alios preiudicium aut grande aliquod dispeudinm oriatur, rogito dilaccrari, vulcano seu igni tradi, in 85 quo regia vestra Maiestas rem nobis faciet admodum gratam ac necessariam, erga eam pro viribus promerendam
') Dat. ex Heidelberga die 14. mensis januarii anno 1518. Aus Pari» Bibl fuU. CoU. Colbert 385. Cop. des 17. Jahrh. Mignet (Rivaliti de Francis L et de CharleS'Quint 1 167 J hat diesen Brief fälschlich in das Jahr 1519 gesetzt. 40
') Faciemusque pollicitationem nomine Maiestatis vestrac, uti desiderat, ad certa loca buic rei necessarla, atque si opus fuerit promptam elargiri |)ecuniam^ mutuo dabimus eandem.
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2. Franz I. und die deutschen Fürsten. 27
dßffi sie ihm, wenn öffentlich besprochen, schwere Gefahren, Unter- gang und unwiederbringlichen Schadsn verursachen würde, hegt aber das Vertraueft, dciß ihn der König im Falle der Xot nicht ver- lassen wird, und bittet, daß auch Frans, wie billig, ihm eine schriß- 5 liehe Versicherung über jene Punkte geben möge, auf die es ihm , wenn das Untetnehnien glücMieh zu Ende geführt werde, ankomme. Wenn der König noch dieselbe Gcsinmiwj hege, möge er ihm sobald als mög- lich davon Kenntnis geben, er werde dann seifui (resandten mit voller Gewalt und allem Erforderlichcpi sehickeft, auf daß sie in seinem Xa- lOmen handeln und abschließen. Int übrigen dankt Ludwig herzlich für das Erbieten, ihm zur Beilegung der in seinem früheren Schreiben er- wähnten Zwtstigkeitcn behiilflich sein zu ivollen; gegenwärtig aber halt er es für nutzlos, in dieser Angelegenheit etwas zu untcrtyhmcn *). Falls es notig, loird er jedoch des . Königs Hilfe anrufm. 15 Was Franz I. auf das Schreiben antwortete, tvissen wir nicht, wie
uns denn überhaupt über die pfälzisch-französischen Beziehungen in der ersten Hälfte des Jahres 1518 keine Nachrichten vorliegen. Aber was wir aus der Zeit des beginnenden Augsburger lieichstages, der defi Kur^ fürsten lAidwig wider ErieaHen zum Kaiser hini\bfrfiihren sollte, ver- '20nehmfn, läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß bis dahin zwischen Frankreich und der Pfalz, wahrscheinlich infolge des ängstlichen Zau- derns auf Seiten Ludwigs, zicar ein vertragsmäßiges Abkommen über die Kaisenvahl noch' flieht abgcschlosscfi , das Einvernehmen aber ein rollständiges war und sich auch auf den Bru/der lAulwigs, den früher 2Drib>i habsburgischen Hause ergebcfien Pfalzgrafen Friedrieh, erstreckte: Kurz zuvor, ehe dieser sich wieder ganz vom Kaiser geieinnen ließ und auch seinen kurfürstlichen Bruder zum Besuche des Reichstages zu be- wegen verstand, war er mit Fleurange in Verbindung getreten und so- gar willens, sich in eigetier Person zum Könige von Frafikreich zu be- igeben ^), Ludimg selbst aber ordnete, wahrscheifüich nur wenige Tage vor seiner Abreise nach Augsburg *), eifie Gesandtschaft nach Frankreich mit den bedetdsamst^m Atdfträgen ab *). Diese Gesandten nämlich, die
^) VidleidU ist die Spannung zwischen Pfalz und dem schwabischen Butide gemeint, die aus der Beraubung einiger unter pfälziscJiem Geleit stehenden Kauf- Sbleute durch Sickingen entstand. Ulmann, Sickingen 67,
*") ülmann, Sickingen 89 1, nach einem Briefe Friedrichs «n Sickingen vom fH, Oktober 1518.
'*) Er traf am 25. Juli in Äugtbwrg ein. Frankf. Beichseotr. II 970. *) Nach Leodius S. 69 darf man annehmen, daß Ludwig sich zu dieser Sen- 40 düng infolge der weitgehenden Erbietungen entschloß, die ihm Fram I. durch
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28 Einleitung.
den König eu Nantes antrafen, leisteten einen \Eid auf Ärtikd, von denen wir, ohne sie genmier eu kennen, wissen, daß sie den Kurfürsten Ludwig verpflichtet haben, im Falle der Erledigung des Reiches Frans L Im der Wahl zum romischen König zu unterstützen, gegen das d>enfaUs eidliche Versprechen des letzteten, jene Artikel nur denjenigen Personen zu zeigen und auszuhändigen , die hei dem Schwüre zugegen gewesen *). Es ist begreiflich, daß der König Franz seiner Genugthuung über die Hingebung des Kurfürsten in überschwänglicher Weise in einem an ihn gerichteten Briefe Ausdruck gab *), Als dies Schreiben in die
zwei vertraute pfälzisclie Bäte, die aus Frankreich vor kurzem zurückgekehrt \0 toaren, hatte machen lassen. Rediere ex Gallia, läßt der Geschichtsschreiber den Kurfürsten zu seinem Bruder in dem vertraulichen Zwiegespräche sagen, unter dessen Eindruck er sich zur Reise nach Augsburg entschied, intra paucos dies doc- tor Lucas Hugonis, mihi a consiliis, et protonotarius meus Joannes 'Castnenu pleni magnts promissis et amicitiis, si eas cum rege inire velim. Et quod plurimi facien- 15 dam foret, offert rex non solum reparaturum ea, quae res Ludovicns non seryatis parenti nostro pactis neglexerat, verum et damna ita resarciturom promittit, ut non Sit in posterum, de quo conqueri possimus. Haec tibi uni, frater, dico. Nemo enim de hac re vcrbum vel ex intimis eousiliariis, praeter eos duos, quos modo no- minari, novit. Ist dtr Bericht des Leodius richtig, so ergeben sich daraus tugUich 2() zwei überraschende, aber bei der zweideutigen Haltung, die Ludwig auch fernerhin hecbachtete, nicht miglauhwurdige Thatsachen, einmal tiämlich, daß er die neue, in Rede stehefhde Mission hinter dem Rücken seines Bruders rorthahm, zweitens, daß er sich für den Besuch des ReicJtstages in der AhsicJU erklärte, zwar die ilun vom Kaiser dargd>otene Hand nicht ron vorneherein zurückzutoeisen, aber gleichzeitig das 25 Bündnis mit Frankreich zu vollziehen. Die naJieliegende Vermutung, daß Ludwig auch zu der neuen Setidung die von Leodius genannten, in alle Geheimnisse einge- loeihten Räte gewählt hohen werde, wird bis zu einem gewissen Grade dadurch bestätigt, daß der in der Note 2 abgedruckte Brief des Königs vom 13. August von einem Doktor redet, was auf den Doktor Lucas Hugo passen würde. 30
') Wir erfcüiren das aus der Listruktiofi Franz' L für seine Gesandten Cordier und de la Mothe vom Ende Januar 1519 (ürk. nr. 17). Die eidhche Versichen4ng, die sich der Pfalzgraf von dem Könige geben ließ, beleuchtet (reifend die Situation, toorin er sich befand.
*) Franz L an Kurfürst Ludwig, dat. Nanneti, die 13. mensis augusti. Cofic. 35 Paris Arch. nat. Cart. J. 952 nr. 24. Der Doktor JuU d<is Schreiben des Kur- fürsten überreicht und die Aufh'äge, die er in Ludwigs Namen in ihrer beider An- gelegenheit empfangen, ausgerichtet. Ex quibus (magno animi gaudio leticiaque affecti sumus) ingente8(que) gratias agimus, praesertim quod evidenter et luce clarius indicant singularem quandam in nos vestram fidem , devotionem , benivo- 40 lentiam. Nos quoque, ut interim aliquid de nobis vere dicamus, etsi pridem in- gens fuit erga vos amicicia nostra, tum a maioribus nostris jure sanguinis accepta, tum mutnis inter nos officils feliciter conscrvata ; nunc tamen cognita voluntate et affeetione erga uos vestra, quam utique maximam nobis gratificandi et in rem
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2. Franz I. und die deutschen Fürsten. 29
Hände Ludwigs kam, war er schon in das hahfiturgiscke Lager über- gegangen.
Einer jener deutschen FürsUm, auf dtren Freumischaf't sich Franz L Branden- schon Ende 1517 dem Kurfür ste^i Ludwig von der Pfalz gegenüber "'^'
5 etwas zu gute thun konnte, war Kurfürst Joachim L nm Brandenbfirg, Sein Ehrgeiz und sein Eifer für die Erhöhung seines Hauses, seine Habsucht und Geldgier boten Anhmpfumjspnnktr , die sich die franzö- sische J)iphin(Uie früh zu nutze tnachte. Es war Joachim Moltzan, ein deutscher Edelmann in französiscluni IHemten '), welcher im Frühjahr
101517 die Verhandlungen mit Joachim eröffnet^', als sich dieser nach den Niederlanden zu Kaiser Ma^rimilian und König Karl von Spanien begaben wollte. Vor seitur Abreise traf mit ihm in Köln an
Doatram egregie incumbendi vos habere pcrspeximus, mirabilem in modum excre- rit, aperamosque in pOBtcrum nos eam bonam menteni vestram gratissimo effectu
15 et liberalitate compenaatura ire, quamvis ipsa quoque secum mercedem suana pro- ferre rideatur, que in utilitatem commodumque utriusque noetruin pereque cessura est. (Das Eifigeklammerte ist getilgt)
') Joachim Moltzan (Lisch , Joachim Maltsan, der erste Freiherr seines Ge- schlechts, eine hiographiscke Skizze: Jahrbücher d. Ver. f. meklenhurg. Geschichte,
2(iJahrg, 20 [1855] Iff.j, geboren im Jahre 1492, entstammte einem alten Mecklen- burger AdelsgesckUehte. Nach Beendigung seiner Universitätsstudien und Voü- endung seiner Bildung an einem fürstlichen Hofe hat er zuerst unter Georg von Drundsberg, dann drei Jahre lang im unmittelbaren Dienste bei dem Herzoge Maximilian Sforza das Kriegshandwerk gelernt und geübt und sich namenüich in
2b den Schlachten von Novara (1513) und Marignano (1515) ausgezeichnet, WoM im Jahre 1516 trat er in den Dienst Franz' L, der ihn als Gegner kennen und ach* ten geUmt hatte. Seine deutsche Abstammung, seine Bildung und Kenntnisse, seine Thatkraft und Gewandtheit befähigten ihn, dem Könige von Frankreich in dem Kampfe um die römische Königskrone die wichtigsten Dienste zu leisten, und wir
'^werden sehen, wie unermüdlich thätig Moltzan in den Jahren 1517—1519 für seinen königlichen Herren gewirkt hat. Die Urkunden zu der Geschichte seines Ldtens hat Lisch (Urkunden-Sammlung zur Geschichte des Geschlechts von Moltzan, Bd. 5, 1853) mit unermüdlichem Fleiß gesammelt; fwr uns ist in diesem Werke besonders wertvoU der Anhang von Briefen des französischen Hofes an ihn (von
^1517—1519), deren Originale das WolfenbiUÜer Archiv aufbewahrt. Sie wurden im Mai des Jahres 1519, während der Hildesheimer Stiftsfehde, von Beitern der Herzöge Heinrich und Erich von Braunschweig einem Diener MoUzans abgenam- mefi und trotz vielfacher Bitten und Klagen später nicht zurückgege^n (Lisch V 173 ff, und 348 ff.), während die Briefe des Kurfürsten Joachim, die sich dabei
^befanden, einige Jahre später (1526) ihm ausgehändigt wurden (Lisch V361), aber jetzt in den Berliner Archiven nicht mehr zu finden sind. Wir sivul in der glück- lichen Lage jene Briefe an den Bitter durch eigenhändige Briefe von ihm aus den Archiven von Berlin, Weimar und Paris ergänsen zu können.
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10 Einleitung.
der Spree ^) der französische Unterhändler zusammen; ihre damalige Unterredung bildet den Ausgangspunkt der Beziehungen, die spazier zu eipier so engeti Verbindung Brandenburgs mit Frankreich führen soüten. In einem Concepte, das sich auf diese Zusammenkunft be- zieht^), dankt der Kurfürst für das freundlicJie Erbieten des französi- 5 sehen Königs und giebt seiner guten Ge^nnung gegen ihn Ausdruck. Die Einung, in welche nach der Werbung MoUzans der König sich gern mit ihm begeben möchte, und die dem Kaiser und dem Beicfie nicht entgegen sein soU, will Joachim nicJU ausschlagen, ebensowenig ivie die jährliche Verehrung, mit der ihn Franz L seinem Erbieten nach 10 versorgen mß*). In Bezug auf die Wahl aber heißt es wörÜich: Was da aber belangt die election, daruf geben wir disse antwurt: das diss thun als ein groBser wichtiger handel uns vast kurz ankommet, des- halben wir aus grosse desselben handeis uns so kurz nicht entsinnen mögen. Dieweil wir aber von dir in geheim vermerkt, als solt ko. 15 w. bei andern churfursten auch dermassen einen trostlichen und gne- digen verstaut haben und weiter machen werden, derhalben sein ko. w. ganzer Zuversicht were, das diß seiner ko. w. ansuchen und fiur- nemen villeicht swerlich und mit lüchte ir entsteen möge, daruf sagen wir also : Wann es zu dem fall kommen wirt, das gott lang gnediglich 20
*) In MoUzans Brief an Kurf. Joachim vom 23. April (s. u,) heißt es: et quod feduB fiet, sicuti e. t. et ego Colonie simul loquebamur. Moitzan ist aber Mitte März 1517 nachweidich in Schtoerin gewesen (Lisch V 26); er war woM bereits vorher in Berlin hei dem Kurfürsten, Wegen der Anwesenheit MoUzans in Schwerin kann man mit Sicherheit behattpteti, daß es sich in dem 2h obigen Briefe nicht etwa um eine Zusammenkunft in Köln am Bhein während der Reist des Kurfürsten nach den Niederlanden handeU.
') Berlin H. A. Eep. XXX. Das Concept nimmt Bezug auf eine persönliche Verhandlung des Kurfürsten mit Moltzan: Uf das antragen, so da Joachim Moltsan au uns gethan von wegen ko. w. etc. daruf geben wir dir volgende antwort {getilgt 30 ist: des wir dann einen kurzen bedacht genomen). Die fragliehe Zusammenkunft kann doch nur dieselbe sein, der in dem Briefe MoUzans vom 23. April gedacht wird, also die Berliner; eine andere hat nachweislich bis August 1617 nicht statt- gefunden; dem Stande der Verhandlungen im August 1517 aber ent^mcht das Aktenstück nicht mehr. 35
') Es heißt in dem Concept: In Bezug auf die einung und verstentnus geben wir disse antwort: das wir solchs von unser person in angezaigter maB nicht ab- siahen, sunder wol gnaigt sein; dan wüsten wir ko. w. ausserhalb unser pflicht fruntlich und willig unsers vermugens zu dienen, wem wir das zu thun wol gneigt und wollen uns daruf zu ko. w. widerumb aller fruntschaft und guts versehen. 40 Wolt nue derhalben ko. w. irer erbietung nach uns mit einer jerlichen verernng versorgen, wüsten wir seinen ko. w. zu eren nicht abzuslaen.
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2. Franz I. uud die deutschen Fürgtcn. 31
verhüten woll, und wir neben andern cliurfni'Hten , unser fnintliehen lieben oliemen, frundeu und brudeni, zur stet dei' eleetion versanmielt sein werden und ^-ir in den stimen der election befinden werden, da« irer ko. w. in dem etwa^ zu jifut uud er<»n erspriöseu und begegnen
fisolt, wollen wir solehs, das also von unser ohemen, frundeu und bru- dem, den churfursten, vor gut uud nutz augesehn wirt, auch niclit ver- hindern, sunder mehr gneigt «ein, dasselb so vil an uns ist zu beför- dern.
Die vorsk'Itenden IWhandUüujfti, icori\her MtfUzan (in Franz I. und
xodessefi Kanzler hmchtete ^) , müssm sich auch über dir Hriratsverah- redtmg zwischen der Schwägerin des Königs, Renata, und Joachim dem Jüngeren erstreckt haben. Nach dem Antwortschreiben des Kanzlers, das uns erhalten ist, hinigte (hr König lebhaft den Phui der Vennählung, soweit er nicht etwa mit dem Vertrage von Not/on kollidierte *). Die
15 Heirat würde, es awJi mikjlich machrn , ohne Itei den anderen gleich- stehendim^ deutschefi Fürstm, denm man sonst nur 8000 Libr. Turon. zu geben pflegte, Mißstimmung zu erregen, dem Kurfürsten eine MJiere Pension zu zahlen. Namentlich aber hat detn Kimig, so schreibt Du Prot, die Antwort des Kurfürsien in Bezug auf das Hauptgeschäft (die
20 Wahl) gefallen; doch seil MoUzan zusehen, wdche Sicherheit mun dabei hat »).
Indem MoUzan im Auftrmje des Königs dem Kurfürsten hiervon
') Wie sich das aus der gleich zu erwähnenden Antwort des Kanzlers er- t
25 *) Nach dem Vertrage ron Noyon (13. August 1516) soll Karl von Spanien (oder, wenn er früher stirbt, Ferdinand) die Tochter Franz' L, Luise, heiraten, stirbt diese vorher, so tritt Renata von Valois, die tSchwägerin Franz' L, an ihre * SteUe. Du Moni IV 22iff,, Mon. Habs, II, 27 f. — Auch Kurfürst Joachim war durch Karl in den Vertrag aufgenommen. Eine Urkunde, durch die er diese Ehre
^dankend annimmt: Berlin St. A. Bep. 131 K 161.
^ Du Brat an MoUzan, Paris, Apr. 13, Gedruckt bei Lisch V 335 f., irrtüm- lich zum Jahre 1619 gesetzt, aber wie aus dem Briefe selbst hervorgeht, einem seJir frühen Stadium der Verhandlungen angehörig. Dc^ es hierher zu setzen ist, be- weist das Schreiben Molizans an den Kurfürsten; aucfi war der König weder 1518
35 nodi 1619 Mitte April in Paris, sondern nur 1517 (vgl. Catal, des actes de Fran- Qoi» L, Bd. I), er muß aber damals, wie aus dem Briefe hervorgeht, an demselben Orte tßie der Kanzler gewesen sein. — In Bezug auf den Text sind bei Lisch fol- gende unchiigere Stellen zu berichtigen: S.335Z.7 fehlt hinter ut: diu lu illo per- severet cum minore in eum ardeat amore nt — S. 336 Z. 3 librarum statt libro-
40 ruro. — Z. 3 — 5 contracto . . . habet {richtiger babetis) am Bande nachgetragen. — Z. 6 principale statt principaliter. — Z. 10 placuerint statt placuerit. — Z. 12 potestate statt proprietate. Orig. Wolfenbüttel, Acta publ. Henr. jun. 343.
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82 Eisleitang.
Mitteilung tnachi, drückt er die auf die Wald bezügliche Forderung Frankreichs präciser aus. Man wünschte eine schriftliche Fijcierung dessen, wozu sich Joachim in Köln bereits geneigt erklärt Jiatte. Zu deni 2^ecke forderte Mdtzan den Kurfürsten auf eine Gesandtschaft an den König zu schicken uml sie zu bevollmächtigen, über das Weitere zu ver- 5 handeln, Ei' riet nach bestem Wissen, wie alles einzurichten wäre, da- mit die SacJie für den Kwiürsten den mögliclist größten Gewinn oi- würfe, Frankreich bezeichnete MoUzan als die Quelle der Ehre und des Meichtunis, zu der er den Kurfürsten führen wUl, damit er seinen Durst völlig löscJien kann ^). 10
^) MoUzan (m Kurf. Joachim, ad manus proprlas. Cito ! Dat : ilico mana pro- pria die Jovis etc.^ d. i. Donnerstag, der 23. Aprü, da MoUzan bereits das Schrei- ben des Kanzlers vom 13, April in Händen hatte, und da die Antwort des Kur- fursten bereits vom 1. Mai ist, Orig. Bei'lin H. A, Eep, XXX. — Moltzan spricht dem Kurfürsten den Dank des Königs aus, von dem er (ebenso wie von demKanz' 15 ler) Antwort auf aUe Punkte htibey und der Joachim bitten läßt, in seiner guten Gesinnung zu verharren. Ähnlich wie in dem ertoähnten Briefe des Kanzlers schreibt Moltzan über die Heirat. Die Pension will der König unter dem Schein der Heirat in [der Höhe betoilligen, wie Joachim wünscht, obgleich er andern dem Kurfürsien gleichstehenden Personen nur 4000 Scuta giebt. Et qaod fedos fiat20 eodem modo ucuti excellentia vestra et ego Colonie simul loquebamur ac litteris sigillatis confinnetur — Quantum vero ad electionem Mtas. sua contenta, ut fiat manu stipulata, sed ita breviter, quando e. v. in vocibus aliorum intelliget, qaod Yox e. V. prodesse possit, ne e. y. impediat, sed augeat. — Ego fideliter consulo, ut e. V. oratores magnifice cum 14 vel 16 equis, quia rez ita desiderat ac eo0 25 optime tractabit, tunc ego ratione alterius negocii cum ipsis oratoribus e. v. rever- tar ad e. v. et spero, quod pro dono (sicut e. v. et ego simul locuti sumus) per- feram. Mecum, consulerem, duo docti viri, scilicet doctor Zcebitz ac Didericus de Harenbark, mittantur; si deinde e. v. placet, ex quo nunc e. v. consiliarius sum, ego libenter interero ac tractabo pro e. v., sicuti alii pre£ati etc. Ita tamen quod prefati 30 oratores e. v. habeant omnem auctoritatem de singulis articulis ut supra condudendi. Nam oportet eis hec confid^re. Item ipsa sponsa babebit maximam dotem, aicuti oratores e. y. intelligent. £. y. maneat fortiter nobiscum et non moyeatur proposito suo, quia hie est fons et honoris et diyiciaruro, in quem e. y. ducam, ut bene sitim expellere possit etc. — Item quod oratores yeniant cito ad magnam ciyitatem, seil. Parisium, 3f) quia ibi nunc rex est ac manebit, et quod presens ilico ad me remittatur, quoniam ego oratoribus e. y. yeniam obyiam. — Item consulo, quod oratores e. y. restibus aureis, catenis ac gemmis excellenter sint expediti, quitquid non habent, potest eis e. y. mutuare, quoniam erit et honor et utilitas e. y. non parya. — Item e. y. pre* sentem cum dono unius auree catene de 60 yel 70 flor. expediat, quia donum et 40 pro e. y. et suis oratoribus tanto melius erit. — Item non est missus ad me ali- quis secretarins, hoc est yero, quia plus de me quam de nullo secretario confidet rex mens. — Der Kanzler umnscht ein gutes Boß zu haben, Moltzan rät dem Kur- fürsten, demselben ein Geschenk damit zu machen y excellentia yestra non perdet in hoc aliquid. 45
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2. Franz T. und «iio «leutschen Fürsten. 83
Der Kurfürst folgte detn Rate MoUzans und beschloß y noch vor seiner Abreise mis den Niederlanden eine Gesandtschaft an König Franz abjsufertigen '). MoUzan soll dabei als dritter Gesandter, neben Melchior PfiM, Bürgermeister von Zossen, und Doctor Bernhard von Zedwitz, den b Kurfürsten vertreten. Die Gesandten werden bei)oUmächtigt in Bezug auf die Heirat und den Äbschlii/i des Bündnisses. Für das letztere be- kommen sie eignen besonderen Entwurf mit. Hinsichtlich der Wahl ihieti eine schriftliche Erklärung mitzugeben, hiett der Kurfürst jedoch für aäzu gefahrlich und wollte diese hinausschieben, bis Moltzan persmlich. zu \Oihm gesandt uferde*); indeß müssen die Gesandten, wie aus dem Spä-
^) Kurfürst Joac^him an Moltzan, dat, Mechel, am tag Philipp! und Jacobi apostolomm (1. Mai) 1517. Cop. (die Stichworte in Chi/fem) Berlin H, Ä, Eep, XXX. Der Kurfürst versichert, daß er gern, wenn er füglicher Weise könne, dem Könige diene. Was da aber belangt den heirat, wollen wir zum schirstn,
]5ehr wir das Nyderlant reumen, ein botschaft zu deinem hem derhalben mit not- torftigem gewalt nnd bevelh abfertigen, auch so stattlich wir in disser eil und also unversehentlich mögen, wiewol unser nottorft wol erfordert hett, vor die gelegen- heit der midgift zu wissen. Woe es aber nicht de faturo, sunder entlich hett mögen beslossen werden, wer uns vast lieb gewest. Und sollen neben dir unser
220 geschickten erscheinen: doctor Bemhart von Zebitz und Melchior Pfull ans be- weglichen nnd notturftigen Ursachen, wie du von uns hemachmals wol vememen werdest etc. ; dieselben sollen zu Pariß einkomen. — Der pension halben sollen sie unser abrede nach bevelh haben, volzihung zu thun; doch wollest vleis thun, da- mit solchs uf unser lebenlang möge gestalt werden etc. — Was da aber die
25eleetjon belangt, können wir überlaut unsem reten nicht vertrauen, noch bevelhen; sunder wann du mit inen personlich wider zu uns komest, sol es de manu stipu- lata nlt mangel haben, at (sie!) condicionem illam, ut scribis etc. — Und woe du bei uns mit der vererung deins hern erscheinen wurdest, so vil die statlicher sein Wirt, so vil soll dein teil auch deste besser sein; und wann wir die botschaft ab-
30 fertigen, wollen wir dir auch weiter und notturftiger doruber schreiben. — Zeiger diB brives haben wir mit einer ketten deinem anzeigen nach vereret, wie du von im vememen werdest, imd wollen uns bevleissigen, dem canzler, wie du schreibst, ein zeltner mitzuschicken, so wir den bekomen mögen.
') Am Sonntag Gantate (10, Mai) schrieb Joachim aus Breda in Brabant an
Sb Moltzan: Lieber getreuer. Ich gebe dir zu erkennen, das ich gegenwertige meine rete und diener hirmit schicke mit nottorftigem bevelh und. gewalt, der heirat und ander sachen halben neben dir zu handeln und zu beslissen; darumb thue vleis, sovil dir muglich, das die heirat itzt mocht entlich beslossen werden oder zum wenigsten nach laut der Instruction gehandelt und volzogen werden, und sunder-
40 lieh der vermeelung und widerstattung halben; dann ich wil mich gegen dir, den canzler nnd gran-meister auch richtig halten. — Was da aber die concordia be- langt, haben mein rete ein nottel bei sich, dar wollest neben in uf handeln, damit es also volzogen möge werden. — Dritten artickel belangen, wie du weist, hab ich dir jungst mein meinung geschriben, des wil ich mich, wann du komest, also
45 eigentlich halten. Wolt man aber an deiner person allein nicht zufriden sein,
BeichBtagsakten (1. R.-Z. Bd. 1 . 3
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84 Einleitung.
tem hervorgeht^ hierüber von dem Kurfürsten mündlichen Bescheid mit- bekommen haben.
Die Botschaft wurde am 10. Mai abgesandt; ihre Instruktion *) enfhaU Folgendes: Die Gesandten sollen dem französischen Könige ncuih Überreichung ihrer Kredenz atizeigen, wie der Kurfürst gehofft habe, bei 5 der geplanten Zusammenkunft ztvischen Maximilian uml Franz *) den letzteren setieti mid sprechen zu können, und wie er darum um so be- reitwilliger der Aufförderuttg Maximilians, in die Niederlamk zu kom- men, gefolgt sei. Er fretä sicJi, daß „der Widenvill uml die Aufruhr**, die eine Zeit lang zwischen dem Kaiser wid dem Köfiige geherrscht, aufge- 10 hoben siiid, und sendet nunmehr auf Grrund der Werbung, die Franz durch Moltzan an ihn gethan, seine Gesandten ab. Ist der König be- reit, ihr Anbringen zu hören, so soU zunäcJist Moltzan erzählen, was er wegen der zwei Punkte, des Biifidnisses utid der Heirat, bei dem Kurfürsten a^igesucM habe. Dann mögen die Gesandten hinsichtlich des 15 ersten Punktes der BereittviUigkeit des Kurfürsten Ausdruck geben, un- beschadet der Pflichteti, mit denen er dem Papste und der Kirche, dem Kaiser, dem Reiche und deutscher Nation verwandt ist, mit Franz ein Bündnis abzuschließen. Der König möge darum „des ein leidliche Nottel stellen und aufrichten und die Zeit und Statt zu Überantwor- 20 tung der acM tausend Gulden jährlich zu Andorf ausdrücken lassen."
mag ich leiden, das man dir einen vertraaeten secretarien zugebe, solchs ron mir anzunehmen, als du weist; wie dich Melchior Pfui weiter berichten wirt. — Und wann du körnest, wil ich dir vil wunderlichs dings, das dir seltzam sein sol, anzeigen. Und hab rleis, umb ein par hubscher geretten (zugerittener) braun oder weis und umb 25 etlich maulesel, die allein zu den soum dienen, mitzubringen. — Ob auch mein rete ein vererung dem freulein zu thun von notten, so biB in beholfen darzu, des sol ich dir zu deiner zukunft schadlos halten und benemen. — Dem canzler schick ich hirmit deinem anzeigen nach den zeltner, als gut er ist : er hat aber nort ein äuge, darumb sol er zu deinem rath steen, was zu thun sei; er geht aber sunstSO gewiB und wol. — Nachdem auch die (Yehd\ so zwischen k. Mt. und den Vene- digem sich helt, noch nit vertragen, hab ich M. Pfull etlich mein bedenk und meinung dir anzuzeigen bevolhn, wie du von im vernemen werdest; gütlich an dich sinnende, wollest darin auch das best thun; dann es soll one deinen schaden zugan. — Und wann du komest, so laß michs vor wissen etlich tag, so wil ich 35 dir schreiben, wohin du zu mir komen solt. — Conc. Berlin H. A. Rep, XXX (mit der irrtümlichen Jahresbezeichnung 1515).
0 Fertigung der rete an ko. w. zu Frankreich, nemlich Joachim Moltzan, doctor Bemdt von Zebitz, Melchior Pfull. Berlin H. A. Rep. XXX Conc.
>) Vgl den Brief Casimirs an Joachim, d. d. Samstag vor Lätare (21, März)^ 1517 y in welchem crsterer mitteüt, daß diese Zfisammenhmft Ostern oder in der darauf folgenden Woche stattfinden werde. Berlin St. A. Rep. 131 K. 161.
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2. Franz I. und die dputst^hen Fürsten. 8&
Wenn die frangösiscketi Vorschläge mit deni Enttourfe, der den Ge- sandten mitgegeben ist, übereinstimmen oder „sofist leidlich" sind, so sollen die Gesandten sie „annehmen und wiederum Revers dargegen mu- tatis mutandis aufrichten". Doch hohen sie darauf zu achten, „daß bdie Summe der acht tausend Gulden bleibe", und „der Artikel des Atisnehmens (nämlich des Papstes, des Kaisers etc.) halben klar aus- gedrückt werde; item daß die erste Frist angehe auf Ostern schierst kern- mend". — BezügUch des zweiten Punktes, der Ueirai der Benata mit Joachim d. J., sollen die Gesandten gleichfalls des Kurfürsten Geneigt-
10 heit erklären, sich aber erst in fernere Handlung begeben, nachdem man ih'er Bitte, das Fräulein zu sehen, staägegd>en, und sie dasselbe gesund befunden haben *). Dann mögen sie sich erkundigen, wie es mit der Mit- gifi und allen anderen Punkten des Ueiratsvertrages gehalten werden soU, und dagegen vmi Joachims Forderungen und Zugeständnissen Mit-
15 teilung machen ^). Werden die Gesandten auf diese Artikel hin mit
^) Wollet vor aller handlang das freaichen sehen, und so ir befindt, das sie gesonds leihs und gemuts ist, anch kein anhengende krankheit hat, sunder an glidmassen gesunt und volkomen ist, alsdann ach in ferrer handlung geben.
•) Es heißt hierüber in der Instruktion: Und zum ersten bitten, uch zu er^
20offiien, wie man das freuichen aussteum woll mit heiratgelt, cleidungen, cleinoten and gesmacken, wie eins konigs tochter zimet. Wann ir des eins seit, als nemlich soll sie von irm reterlichen erbe jerlichen 20000 gülden ufhebens haben, das die- selben, wann sie unserm son yertrauet und yerantwort wirt, seiner lieb Yolgen, und darzu zwe mall hundert tausent gülden Rhein, heiratgelt ufs wenigst mit über-
25 geben werden sollen. Daruf wollet entlich mhn und one das nicht besliessen, sonder, wo es weniger sein solt, uf ein anbringen annehmen. — Item nachdem das freuichen im aibenden jar ires alters sein soll, wann sie zwelf jar alt ist, das alsdann ko. w. za Frankreich oder ir erben sie uns und unserm son mit dem heiratgelt und aller ausfertigung gein Coln am Rein uf seiner ko. w. eigen costen antwerten soll, daselbs wir
^Mj and unser son sie annehmen und in unser churfurstenthumb füren wollen, sie auch also mit aller notturft, wie eins konigs tochter und churfursten son gemahel eigent und zimei, versorgen und versehen. — Item wann ko. w. zu Frankreich oder ir erben uns und unserm son das freuichen zu Coln mit dem heiratgnt uberantwort (haben) werden, wollen wir widerumb und dargegen von stund von unser und unsers sons wegen zu widerstat-
35tung irs einbrengens sie verleipgedingen von tausent virzig oder fünfzig gülden gewisser nutzung und rent uf slos und stett im churfurstnthumb zu Brandenburg, darvon sie gnugsam so vil nutzung und zins, als sich ir einbringen erstreckt, haben soll, auch mit briff und sigeln nach nottorft versorgen und zu Coln übergeben. Unter den slossen soll sie auch eins haben zu irer fürstlichen wonung, also wann
40 unser son, marggraff Joachim, ehr dann sie nach irm elichen beilager verstirbt mit oder one leibserben , soll sie onverhindert die fürstlich wonung , darzu dieselben nutzung, zins und rente die zeit ires lebens als ir leipgeding besitzen und gebrau- chen vor uns, unser erben und idermeniglich unverhindert und unbekümmert, dar- bei sie auch von misern erben und nachkonien soll gehanthabt, geschützt und
3*
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86 Eiuleitung.
Franz einig, so sollen sie mit ihm abschließen, sich darüber eine Ur- kunde ausstellen lassen und kraft ihrer Vollmacht einen Bevers dem Könige geben.
Die brandenburgisdmi Gesandten trafen den König zu Amiens ^); die weitern Verhandlungen, zu denen Franz L den Kanzler Du Prot bevollmäch' 5 tigte, fandeyi dann auf Grund dieser Instruktion wohl zu Aljhetdlle *) statt; sie erreichten ihren Abschluß in den vorläufigen Festsetzungen vom 26. und 27. Juni 1517. Eine völlige Einigung wurde danach erzielt über das Bimd- nis und die Pensioyi. Der König sicherte dem Kurfürsten eine Pension von 8000, seinem Sohne von 4000 Libr. Turon. zu und wies seine \0 Beamten an, die regelmäßigen Zahlungen zu leisten. Dagegen versprachen die Gesandten, daß der Kurfürst und sein Sohn den Nutzen und die Ehre des Königs befördern und ihn mit einer ihren Kräften entsprechoi- den Truppenzahl in seinen Kriegen untersti'dzen werden gegen jeder- mann, ausgenommen den Papst, die Kirche, das Reich und die deut-lb
beschirmet werden. — Wo sich auch ir lieb ward verandem und verheiraten sollen irer lieben solch jerlich nutzung, zins und rent von den slossen und stetten* die wir auch in der verschreibung wollen namhaffcig machen lassen, frei und un- verhindert volgen. Wann aber ir lieb tods halben abgeet, soll ir leibgeding widerumb ledig und un verhindert an das haus zu Brandenburg fallen, und so un> 20 ser son und sie erben miteinander betten, alsdann die 20000 gülden ires veterlichcn erbs bei ir beider erben bleiben. — Auch soll und will unser son, marggraff Joachim, nach der ersten nacht, so er sie beslaffen hat, sie fürstlich und erheben bemorgen- gaben, das doch zu seiner lieb gefallen steen soll, wie in Deutscher nacion gewonlich ist — Wurd sich aber begeben, das das freuichen nach dem elichcn beilager one 25 erben versterben werde ehr dann unser son Joachim, bewilligen wir, das die 20000 gülden ires veterlichen erbs jerlicher zins und nutzung wider zurück an ir nechste erben fallen sollen ; aber das ander heiratgcld und alle ander cleinot, cleider und gesmuck soll unser son behalten gegen der widerstattung, so er irer lieben mit dem leipgeding gethan hat. 30
M Dort war der König nachweislich am 7. Juni (vgl Catal. des actes de Fran- gois I. I 119). — In der erwähnten handschriftl Geschichte Franz L heißt es: Pareillement vindreut audict Heu d* Amiens devers le roy Bernard Azubitz, vichan- celier (sie!) du marquis de Brandebourg, Melchior Pisul, gouverneur de la cit^ et province de Prusse, et Joachin de Moltzain, gentilhomme allemand, ambassadeurs 35 du marquis de Brandebourg, <^lecteur de Tempire, lesquelz expos^rent le bon vouloir que ledict marquis avoit d*avoir alliance et conf^^ration avcc ledict sr. et de luy ayder de sa voiz, le cas de la vacacion de Tempire advenant. I^sdicts ambassa- deurs furent bien receus et furent receus k part, sans quMl y eut grande com- paignie. 40
*) Nach der erwähnten Geschichte Franz L begab sich der König von Amiens nach Montreuil, dort sollen die Verhandlungen mit den Brandenburger Gesandten geführt worden sein; wie sich aus den Akten ergiebt, ist dies nicht richtig; auch der Mialt der Verhandlungen ist nicht genau wiedergegeben.
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2. Franz I. und die deutschen Fürsten. 37
scJwn Fürsten ^). Außerdem verpflichteten sich Melchior Pfuhl und Joachim MoUean noch in besondere)^ Urkunde dem Kanzler gegenüber, daß ihr Herr im Falle der Erledigung des Reiches Franz seine Stimme gehen werde, sobald er erkenne, dofi sie dem Könige niUzen könne 2). 5 Über die Heirat war man nicht in aüen Punkten einig. Dir
zwischen Antonius Du Prot und den drei Vertretern des Kurfürsten entworfene, der Genehmigung der beiderseitigen Herren vorbehaltene Ur- kunde besagte im wesentlichen Folgendes: Der Könuj verspricht dem Sohne des Kurfürsten seine Schwägerin Menata, vorbeJialtlich der Be-
\{) Stimmungen des Vertrages von Noyon, zur Ehe und giebt ihr eine Mit- giß von 150000 Sonnenkronen; davon soUen 100000 „in die solemnia- donis jam didi matrimonii", die übrigen 50000 m Raten von je 10000 in den 5 darauf folgenden Jahren bezahlt werden. Atißerdem giebt ihr der König ihrem Stande gemäß „vestes et omamenta miiliebria*\ „Me-
\bdio consHttUionis dotis". sollen Renate und Joachim auf die Erbansprüche in Frankreich verzichten. Am Tage der Hochzeit wird Joachim seiner Gattin der Sitte gemäß „jocalia et otnamenta muliebria" geben. Die Miigifl soU nach luösung der Ehe an Renaia und ihre Erben zurück- fallen, ebetiso die übrigen Gegenstände ihrer Aussteuer. Es bildete dies
^) einen der Hauptstreitjmnkte , über den eitie grundsätzliche Einigimg nicht erzieU wurde ^). Die französischen Gesandten wünschtest, daß
^) Et ulterios quociens reqaiBiti faeriut hello nomine nostro suscepto suppe- ticias nobis dare tenebuntur cum eo numero cquituin peditumque, qui eis juxta vires suas designatas fuerit .... Expensis tarnen nostris. Beitätigtmgsurkunde
2b des Königs, dat. Bononie, die secuuda mensis julii 1517 et regni nostri tercio. Bef' Un H. Ä. B^. XXJC Cop. von franz. Hand.
') Nos Melchior Pisul ... et Joachimos de Molsen . . . promittimus magnifico Francie cancellario stipulante {so korrigiert aus : promittimus pro et nomine dlcti do- mioi marchionis insequendo speciale mandatum super eo nobis ab illo datum et sub ho-
30 nore sao et fide), quod adyeniente vacatione imperii ipse dominus marchio eliget et vocem suam dabit christianissimo regi, si cognoverit ex vocibus et votis aliorum coelec- torum suorum vocem suam aliquomodo dicto christianissimo regi prodesse ad idem imperium obtinendum, procurabitque dictus dominus marchio viribus suis nee non &vebit, ut dicto christianissimo regi imperium pervcniat. (Am Bande ist tH>n
*66 anderer Hand zugefugt: quam quidem promissiouem sub honore et fide nostra promictimus, quod dictus dominus marchio ratificabit et gratum habebit.) Dat. Abbatisville, die 27. mensis junii 1517. Conc. Paris Arch. nat. Cart. J. 952 nr. 1. — Beinschrift ibid. Cart. J. 995^ nr. 6 mit der Bemei'kung: sicut supra fatemur nos dixisse, salvo ut de federe fiat concordacio. — Zur Kritik der luindschriftl. Gesch.
40 Franjs' L ist es bezeichnend, daß die obige verderbte Form des Namens von Pfuhl sich auch dort findet; wahrscheinlich hat also dem Vf. das Aktenstück vorgelegen. «) Vgl Biedel, Cod. diplom. Brand. Abt. 3 IIl 265.
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88 Einleitung.
dem Brauche ihres Landes gemäß verfahren werde, die Brandenburger wollten von dem ihrigen nicht abgehen. Von Brandenburgs Seite sollen der Benaia 2 Schlösser und 17000 Gulden Einkünfte angewiesen wer- den. Sobald sie 12 Jahre alt ist, wird sie in Köln am Bhein dem Kur- fürsten übergeben, wo die EJie „per verba de praesenti^' geschlossen, und 5 die Verschreibungen aufgerichtet werden sollen. Von dort soll si^ auf Kosten des Kurfürsten nach Brandenburg gebracM, und hier die Hoch- zeit gefeiert werden. Für die Verzichtleistung Renalens auf ihre Erb- ansprüche wird eine gewisse Summe festgesetzt werden. Man konnte sicfi jedoch hierüber nicht einigen; der französische Bevollmächtigte bestand lO auf der VerzichÜeistung, und die Brandenburger Gesandten wolUen nur unter jener Bedingung in dieselbe willigen ^).
Zur weiteren Verhandlung und zmn AbscUufi der Angelegenheit ivurden der Herr von Marigny *) und Joachim von MoUzan votn Könige nach Brandenburg gesandt. Sie sollen dem Kurfürsten das Versprechen 15 des Königs bezüglich der Pensionen überbringen *) und seine Gegenurhmde über das Büfhdnis in Empfang nehmen. Der König erklärt seir^ Zu- stimmung zu den Verhandlungen über die Heirat und ermächtigt seine Gesandten, wenn Joachim ihnen die Ratifikation übergiebt, zu versprechen, daß auch der König die seinige ausfertigen werde. In beireff der streitigen 20 Funkte erklärt sich der König bereit, noch .50000 Thaler über die ver- einbarten Summen zu zahlen, und zwar nach Ablauf der für die erste Zahlung festgesetzten 5 Jahre in den weitern 5 Jahren je 10000. Da- für sollen Renata und ihr Gatte in der bestmöglichen Form zu Gunsten
^) Acta fuenmt hec apud Abbaiis yillam, die 26. mensis junii 1517: Berlin 2b H. Ä. Eep. XXX, Cop, des 18, Jahrh.
') Am 10. August (Aldenburg, montags Laurencii 17) schrieb Kur f. Friedrich an Veit Warheck: Wir werden durch unsem cansleischreiber Hansen Feihel, welcher an negst vergangen domstag (6. Aug.) zu Wittenberg gewest, bericht, wie des konigs von Frankreich botschaft, Johann de Marine genant, denselben domstag 30 zu Witenberg einkomen und des andern tags nach der Mark gereiset sei. Warheck soll bei Marignys Bückkehr zu erfahren suchen, was er in der Mark ausgerichtet lutt. Conc. Weimar, Beg. C.
^) Eine besondere Urkunde tvar darüber wohl noch nicfU avsgesteüt, denn nach einem hierherzusetzenden Concept: Artickel daruf die verschreibung der pension 35 soll gestalt werden von k. w. zu Frankreich botschaft verlangte Joachim die Aus- stdlung eines vom Könige unterschriebenen und ratificierten Beibriefes, der folgende Punkte enthalten soH: 1) Die Pension für Joachim und seinen Sohn soll betragen 6000 Sonnenkronen in Gold; 2) sie soll bezahlt voerden, solange der König und der Kurfürst und sein Sohn ld)en; 3) sie soÜ jährlich im Monat Juli durch den 40 general zu Paris den Abgesandten des Kurfürsten ohne Verzögerung überantwortet wer- den und zwar zum ersten Male im näcJtsten Jahre, 1518. (Jone. Berlin St. A. Bep. XXX.
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2. Franz I. und die deutschen Fürsten. 89
des Königs verzichten ä toute future succession coUaterale et de ne revenir aux biens d^laissdz par ses pfere et m^re au d^faiilt de la royne sa seur et des descendans d'elle ^).
Auf Grund dieser Instruktion fanden dann Mitte August zu Köln
r, an der Spree weitere Verhandlungen statt, und am 17. Äugtest ratifi- cierte der Kurfürst die Bündnisurkunde; er versprach für si4^h und seinen Sohn lebenslang daran festzuhalten und dem Könige Truppen zu liefern, falls er sie brauche, doch auf Kosten des Königs. Aufier den schon oben angeführten Personen werden noch die Könige von Ungarn,
10 Böhmen und Dänemark ausgenommen *).
Am gleichen Tage stellte Joachim auch die Urkunde aus, durch die er sich verpflichtete, für den Fall des Todes von Maximilian die Wahl des Königs Franz zu fordern ').
') Instructions k Jehan de Sains, sr. de Marignj, conseiller du roy et bailly
15 de Senlia, et Joachim Molsen, lesquek le roy eniroye prdsentement ses ambassadeurs par devers . . . le marquis de Brandeboorg. Fait k Boulongne sur la mer, le deuxi^me jour de juillet l'an mil cinq cens dix sept. — Orig, Paris Ar eh. nat. Cart. J. 995 A nr. 9.
•) Orig, mit Siegel, Paris Ärch. tiat, Cart J. 952 nr. 2, Bat. ex castro nostro
20Coln prope Spreivam, die 17. mensis augusti a. d. 1517. — Mn deutsches Conc. mit verschiedenen kleinen Abweichungen in Berlin H, A. JRep, XXX. Dort auch mehrere Copien, von denen die eine eigenhändig von Joachim uniergeichnet ist.
') Orig. Paris Arch. nat. Cart. 952 nr. 3. Dat. CJoln prope Sprewam, 17. mensis augusti 1517, s. Mignet, Bivalite I 126 f. Der Hauptteil der Urkunde ?Mt nach
25 dem 2. Conc. in Berlin H. A. Rep. XXX folgenden Wortlaut (A : die wichtigern Abweichungen des mit eigenhändigen Zusätzen Joachims versehenen 1. Conceptes ibid.); Joachim bekewnt: quod singulari cognata amicitia amore et favore, quo ... FraDciscum, Francorum regem etc., ex virtuosa sna fama et humanitate, qua per totum imperium pollet, amplectimur atque singularibus tractatibus per oratores
30 6UO8 ad nos ob id delegatos diligenter requisiti et commoti, pro laude cuncti- potentis dei atque Christiane fidei nee non catholice ecclesie ac tocius Romani imperii honore commodo et restauracione promisimus et per presentes sub bona fide promittimus: quod cum per obitum serenissimi et invitissimi imperatoris nostri et domini, domini Maximiliani, quem deus per gratiam suam longeve avertat, Romanum
35 imperium vacayerit et nos unacum . . . principibus electoribus in loco ordinario nostre libere electionis congregati fuerimus et tunc ex vocibus electionis tantorum principum electorum intelligere et concipere poterimus, quod vox nostra (in A fügte Joachim dem ursprünglichen quod vota sua eigenhändig JUmu: et vox nostra) prefato christianissimo domino Francisco, Francorum rege, prodesse ad electionem
40 imperii poterit (in A getilgt: quodcunque sie per eos pro ntilitate honore atque angmentacione sacri imperii ac pro bono tocius cristianitatis concluditur atque deierminabitur) hoc nos minime eciam impediremus immo pro viribus nostris magis ad utilitatem honorem (in A getilgt: sacri Romani imperii^ nee non pro bene- placito regie Francorum celsitudinis promovebimus et voce nostra augebimus (et
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40 Kinloitun^.
Ä7i dem Entwurf des Heiratsvertrages wurden auf des Kurfürsten Verlangen noch Änderungen vorgefiommen. I>ie Bezahlung des letzten Teiles der Mitgift wurde auf drei, statt auf fünf Jahre verteilt, Joachim sj)rach die Hoffnwng aw5, daß lienata vom Könige auch noch „argen- team supellectüem et aliqua joc(dia " erhalten werde. In Bezug auf den 5 liikkfcdl der Mitgift bei Auflösung der Ehe einigte man sich dahin, daß zwei Drittel an Renata und ihre Ki}tder oder, wenn keifte vorJuin- dm, an den König von Frankreich faUen, ein Drittel dem Markgrafen und seinen Erben verbleiben soUte. Die Bestimnvwngen über die Heirat wurden genaue präcisierL Die angebotenen 50000 Kronen für die Ver- 10 zichtleistung genügten Joa^chim nicht, die Summe wurde daher von den Gesandten auf 75000 Sonnetikronen erJiöht, deren Zahlung auf 7 Jahre verteilt werden sollte. Die Gesandten verpflicJUeten sich für den König, daß er alle Bestimmungen genau erfüUen werde, und versprachen die Rati- fikation der Urkunde durdi Franz I, baldmöglichst auszuwirken *). 15
Wie sehr Joa^ihim mit aUen diesen Abnuwhungen zufrieden war, geht daraus he}*vor, daß er am 17. August Joachim MoUzan 5000 Kronen von den 50000, die ihm „zu Verehrung von königlicher Würde zu Frankreich gefallen" und 3334 Gulden von dem Ehegelde zusicJierte ^), 20
Auf die Raiifikation des Ileiratsvertrages durch Franz I. aber fuitte der Kurfürst von Brandetiburg noch geraume Zeit zu warten. Als die französischen Gesandten, Meltzan und Marigny, im August nach Frankreich zurückkehrten und mit ihnen, oder kurze Zeit darauf, der Sekretär des Kurfürsten, Thomas Merckel genannt Vogelbolz, befand sich 25 König Franz in der Normandie uml reiste dann zum Herzoge von Bourbon ^),
voce nostra augebimuB in A eigenfiändig von Joctchim zugefügt). Es folgt dann noch in A : Hec rata et firma sint, si et in quaotum matrimooium inter illuBtrissi- inam dominam lienatam ... et primogeuitum nostrum sorcitur effectum.
*) Die endgültige Ausfertigung der Urkunde ist abgedruckt hei Riedel, Cbd 30 dipl, Brand, Abt 3 III 264^269. Das Datum die solis 15. mensis augasti ist falsch, der Sonntag war am 16. August. In Berlin H. A. Bep. XXX befindet sich ein undatierter Entwurf dieses Stückes mit einzelnen Abweichungen; ebenso ein undatiertes Aktenstück, in dem zunächst die Verpflichtung des Königs über die ihn angehenden PiMikte enthalten ist, und dcmn die Verpflichtung Joachims für So seiften Sohn über das, was BencUa zu leisten ist, folgt. Der Inhalt ist im wesent- lichen derselbe.
^) Orig. (dttrch einen Schmitt ungültig gemacht) Berlin H. A. Bep. XXX. MoÜzan soll die Gelder im Kurfürstentutne Brandenburg in Mannlehen anlegen. Die Verpflichtung Moltzans hierüber ibid. 40
=') Moltzan an Kurfürst Joachim, d. d. Turst, in vigilia sti. Nicolai (5. December)
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2. Frauz I. uixl die deutschen Fürsteu. 41
um dessen Kind aus der Taufe zu heben, Ende November erst kam er nach Tours ^), wo sich auch die (resandten befanden.
So verzögerte sieh denn die Angelegenheit bis Anfang December. Am 4. Decefnber betnchtetc der Sekretär seinem Herrtl (gegen den Willen bMoltzans, der vor seiner Rikkkehr nach Brandenburg nichts davon gesagt wissen woUte) über das, was sie bislter ausgeriehiei hatten. In der ihm mitgegebenen „Nottel" werden, wie er schreibt, einige Artikel, aber nicht zum Nachteil des Kurfürsten verändert werden *). In tvenigen Tagen denkt er die Heimreise aiüreten zu können ^), und MoUzan seihst 10 hoffte, vor oder kurz nach Fastnacht in Brandenburg zu sein ^).
a. 17. Orig. ad manus proprias. Berlin H. Ä. Rep. XXX, in versa: einkomen freitag nach Pauli (30. Januar) im 18.
') Vgl Catal. des actes de Frangois L Bd. 1,
*) Fram I. rühmte sich nicht aüein in dem sogUieh gu erwähnenden Schreiben
15 an den Kurfürsien vom 21. December, daß er seinen Wunsch erfülU und den Ver- tragsartikel ratificiert habe, sondern erinnerte auch spater noch (Instruktion Mdtizans, s. u.) daran, daß er, nachdem Joachim ultra id quod in coutractu matrimonii domine Senate conventum esset, certam pecuniarum summam abbreviationemque termi- nonim solucionis faciende postularet . . . liberaliter illi concessit et donarit. — Die
"^„Nottd^', die der Sekr. erwähnt, kennen wir nicht.
*) Thomas Merckl, sonst Vogdbolz, an Kwrf. Joachim, dat. Torß am tag Barbare virg. im 17. jar. Orig. Berlin H.A. Bep.XXX. Der Sekretär berichUt: £. kf. g. (thu ich) erofihen, das die geschickten und ich, got hab lob, gesuntMn Frankreich komen etc., und ich inen die lang nottl e. kf. g. beyelh nach über-
25 antwort hab. Aber es hat in der sach biB hieher, aus Ursachen das der hof nicht bei einander gewesen ist, nichts entlichs ausgericht werden mögen. Als wir aber hieher gein Torß gekomen, hab ich her Joachim Moltzan umb furderung der sach gebeten, der auch keinen flclB gespart, sondern vil muhe und arbeit in dem thuu gehabt, und sovil bericht von im empfangen, das er verordent sei, widerumb derhalb
30zu e. kf. g. und sunst an ander ort zu reiten, wie si aus seinem schreiben ver- nehmen wirt. £s werden auch in der nottl etlich artigkl meins Versehens e. kf. g. nicht entgegen verändert, und die ratification, bewilligung und bestettigung dem verlafi nach ufgerlcht, welichs alles her Joachim und ich e. kf. g zum furder- Uchsten bringen wellen. Dann ich versehe mich des ufbruchs ungeverlich in zweien
35 tagen. Der epte halben hab ich oftmals erinnerung gethan, sagt her Joachim, er wol es heut Jauch ferdem und zu wegen bringen. (Es handelte sich hierbei um eine Fürspradie bei dem Papste, damit das von den Cisterciensoräbten erlassene Verbot des Besuches der üniversiiät Frankfurt a. 0. aufgehoben werde; auch 1519 kommt die Angelegenheit wieder vor.) So wirt meins verhoffens her Joachim
40Molzan, wie er mir zum teil entworfen, macht haben, die tagsatzung mit e. kf. g. zu thun und anzunehmen, oder vielleicht die ufrichtigung der veränderten nottl oue weiter tagleistung zu volbringen. — In der Nachschrift berichtet er über die gegenseitige Ordensverleihung der Könige von Spanieti und Frankreich. Die »panische Botschaft war damals gerade in Tours.
45 ') Moltzan an Kurf. Joachim (5. December): Quam statim eius Maiestas, do-
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42 Einleitung.
Am 21, December unterzeichnet Fram L 0u Amboise die Rati- fikation des Heiratsvertrages ^) , und am gleichen Tage richtete er ein Schreiben an den Kurfürstefi, tvodurch er ihn hiervon in Kenntnis setzte. Er habe mit einigen Meinen Änderungen die Forderungen des Kur- fürsten erfuUt, obwohl seine Gesandten ihre VoUma^cht überschritten hat- 5 ten *). Er spricht die Hoffnung aus, daß aus aUem diesen maxinium amplificationis et decorationis familianiiu nostranim ciuuulum proven- turum, qiii non solum in privatum utriusque nostrum commodum, sed etiam totius christianitatis cedere potent, wie dies Mdtzan dem Kur- fürsten weiter auseinandersetzen wird^). 10
Joachim, längst ungeduldig darüber, daß sein Diener Vogelbolz samt dem andern so lange ausblieb, bai MdUzan am 9. Januar, ihn zu ver- ständigen, „wie es darum eine Gestalt hahe^'. Er berichtete zugleich, dofi der Kaiser mit den Kurfürsten „mit besonderem Ernst und Fleiß handeU, Karcium ihrer Mt. Sohn zu unserm Könige zu machen*'. \b Das soll er Franz melden und um seine sofortige Abfertigung bitten, „dann ich euch zu berichten, das der Feder nit vertraut mag wer- den. Glaubt mir in Wahrheit, es ist Icein Stund darin zu feiern**^).
minas cancellarius et magntts magister convenissent, dominus consocius maus et ego ipsis singula a nobis acta et conclusa latissime significavimus. Es wurde beschlossen, 20 postquam eciam ob aliud qnodam negocium ad eas partes essem reversurus, ut per me talis radificacio e. v. presentaretur. -Annuente altissimo ante festum carnis- privii magni vel omnimodo paulo post apud illustrissima e. v. adero; spero me e. V. occasionem bene contentandi daturum. Der Sekretär wird mit ihm zurUck- hehren. 25
^) Erwähnt: Catal. des actes de Frangois L I nr. 760. Cop. Paris Ärch, nat. CaH. J. 995^ nr. 10^.
*) Que etsi ultra ea, que in mandatis prefatis oratoribus nostris dederamns, facta fuerint) attamen cum maiorem in modum morem vobis gerere cupiamus neque voluntati vestre adversari quovis modo velimus, predicta capitula rata et firma 30 habuimuB cum quibusdam tarnen modificationibus, quas de mente vestra certo esse scimus, super quibus literas nostras manu nostra signatas et sigillo nostro sigil- latas per Joachimum de Molsan, presentium latorem, vobis destinamus.
") Franz L an Kurf. Joachim. Dat. Ambasie, die Ticesima prima mensis decembris (s. a.). Orig. Perg. Berlin H. A. Bep. XXX. 35
*) Kurfürst Joachim an Moltzan, d. d. Coln an der Sprew, dominica post trium regum 1518. Conc. BerUn H. A. Bep. XXX. Zum großen Teil in Chiffem ge- schrieben, deren Auflosung jedoch mit Hülfe einzelner Worte in anderfi Briefen gdwngen ist. Nur eine Stelle ist nicht ganz sicher, aber wahrscheinlich lautet sie: Auch also (soll die Abfertigung Moltzans geschehen), das ir der fünfzig tausent40 krönen halben ein entliche fülle macht (habt), aus Ursachen das der weg ferr. — Wir werden auf den Brief, der besonders wichtig für die Verhandlungen Joachims mit Albrecht von Mainz ist, zurückkommen.
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2. Franz I. und die deatfichen FüreteD. 48
Als MolUan dies Schreiben des Kurfürsten erhielt, war er schon auf dem Wege nach Deutschland.
Ann H. Januar kam er mit Vogelbolz in St. Mihe in Lothringen an, wo sie den Herzog von Lothringen und seinen Bruder, den
b Bischof von Metg, trafen. Der großem Sicherheit wegen wollten sie mit lothringiseheni Geleit über Trier weiter reisen *). Unterwegs ge- dachte MoUgan, während er den Sekretär nach Berlin vomnissandie, mit dem Kurfürsten von Sachsen zu FastnadU zusammen zu treffen und bald darauf in Berlin zu sein. So schrieb er detn Kurfürsten
10 Joachim von Grotha aus, indem er zugleich müteiUe, daß er „radi- ficacionem, ein gestalte Copia und das FretUin abkonterfeit'' mit sich bringe. Die Zusammenkunft mit dem Kurfürsten von Sachsen kam je- doch damals nicht zu stände. Am 19. Februar befand sich MoUzan in Berlin^).
15 Über die hier gepflogenen Verhandlungen ist nichts (Genaueres be-
kannt^). Wir wissen nur, daß Joachim noch immer mit dem Ent- gegenkommen Frankreichs nicht ganz zufrieden war, sondern wünschte, daß bei dem Heiratsvertrage zu seinen^ Vorteile noch „additlones" und „detractiones" gemcuJit würden^). Der König Franz aber war Ut*g
20 0 VogdböUi an Kwrf. JoaMm, dat. in eil k san Myh^ in Lottringen, am mitwoch octavas trium regum (13. Jan.) im 18. jar. Orig. in seiner chf. g. band, Berlin H. A. B^. XXX. Der Sekretär schreibt: Es hat sich seltzam hernmb getriben, aber beslieaslich ist die ratification aufgericht und versiglt, die her Joachim sampt einer Terandening der langen notti mitbringen wirt.
25 *) MoUzan an Kurf. Joachim, d. d. manu propria die lune in Kothe etc. (ohne Zweifel 8. Febr., da wir wissen, daß er sich noch am 13. Febr. in Zeitz au/TueU, s. u. S. 50). Berlin H. A. Orig,
*) Vgl Joachims Brief an Markgraf Casimir vom 19. Febr. (s. u. S. 66 f.). Darin heißt es: E. 1. wil ich auch nit verhalten, das izt mit meinem diener, den
3<)ich zu Frankreich gehabt, ein stattliche botschaft von k. Mt. abermals zu mir kernen, und bringt mit sich besigelte ratification aller vorigen beslossen hendel der heirath halben etc.
*) Joachim sidiert am 25. Febr. dem MoUzan auf 5 Jahre je 300 Cfulden Dienst- geld zu, wofür t7im derselbe jedesmal die Pension aus Frankreich auf seine Gefahr
3b zu liefern verspricM^ d. d. Coln an der Sprew, am domstag nach Mathie apostoli {25 Febr.) 1518. Durch Schnitte ungültig gemachtes Orig. Berlin U. A. Rep. XXX. —■ Eine Quittung über die Pension de anno prozimo iam eMuxo, d. d. Coln, die mercurii tercia mensis marcii a. 1518. Conc. Berlin ibid.
*) Es heifit in MdUzans Insi^ruktion vom 23. Oktober 1518 (s. u.): Novissime
iOeom dictns Joachimus a marchione ad christianissimum regem revertisset dixis- setqne ipsnm marchionem velle, ut aliqua in parte contractus matrimonii quidpiani adderetur et alia in parte detraheretur, additionesque et detractiones huiusmodl in commodam dicti marchionis evidenter cederent, in eis tarnen christianissimus rex
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44 Einleitung.
genug, dagegen Iceinen offenen Widerspruch zu einer Zeit zu erheben, wo der Kaiser sich bemiüite, den Kurfürsten zum persönlichen Besuche des nach Augsburg ausgeschriebenen Reichstags zu bewegen, Mainz. In engster Verbindung mit dem Kurfürsten von Brandenburg stand sein Bruder, der Erzbischof ÄlbrecM von Mainz. Joachim konnte sich 5 eines großen Einflusses auf ihn rühmen, und es geschah sicJier nicht ohne seilte Mitwirkung, wenn der Kurfürst von Mainz sich anfangs von Frankreich gewinnen ließ.
Vielleicht war es einer der von Brandenburg nach Frankreich zur rikkk^hrenden französischen Gesandten, der am 21. August 1517 in ge- 10 heimer Werbung, wie inan sagte, bei dem Erzbischofe in Mainz weiUe *) wul die erste Verbindung zwisdien ihm und Franz I. anbahnte.
Am 17. September verpflichtete sich ÄJbrecht mit dem Könige von Frankreich, da dieser „quadam nos amica et familiär i a/fectione com- plecti coepit" und Renata mit seinem Neffen verlebt JuU, für ihrer heider IC) Lebzeiten ein Bümlnis zu schließen. Die Bedingungen sind dem des Brandenburger Vertrages ähnlich, auch U)erden dieselben Parteien aus- genommen ^).
Am 20. September fertigte der Erzbischof seinen Bat Ulridi von HuUen an den König ab, um die Ratifikation jenes Vertrages zu er- 20 wirken und die Verhandlung über einige andere Dinge zum Abschluß zu bringen, „ que Uli prderea ibidem pera^enda finienda concltuienda 04^ in conventiotiem et concordiam perducenda commisimus" ').
voluntati eins penitus obsequi et complacere volait. (Bezieht sieh etwa hierauf die dunkle Äußerung des Kanzlers in seinem Briefe vom 6. Juli 1518 bei Lisch 25 V, 342?) — In einem Dankschreiben an den Kanzler vom 26. Februar bittet der Kurfürst, er möge die Heiratsangelegenheit und alles andere beim Könige be- günstigen und zu einem glücklichen Ende bringen helfen. Conc. Berlin H. A. Rep, XXX.
*) Frankfurts Beichscorr. II 955 Anm. 30
*) Er verspricht : dum uterque vivat, foedus futurum amicitiam et societatem ; convenitque inter nos, ut ubiubi quacumque re aut occasione quocunque consilio uterque alterius honori dignitati rebus usui ac necessitati prodesse aut subvenire poterit, Studium suum, opem operam et anzilium interponat. Tum si contigerit praefatum serenissimum et christianissimum regem bellum gerere ac uostro ibi suc- 35 cursu uti volet, promittimus equites ac pedites ex principatibus nostris illi missuros, ita tamen, ut ipsius regis ac domini et amici uostri impensis ac stipendio militent. Qttod si bellum Turcis aut aliis infidelibus serenitas sua intulerit, tum et nostro aliquo impendio auxilia praestituros. Dat. in oppido nostro Stcynbejm, 15. cal. octobres a. 1517. Orig. mit Siegelspiiren , ohne Unterschrift. Paris Arch. nat 40 Cart. J. 995 A nr. 13.
«) Gedruckt a. d. Orig. (Paris Arch. nat. Gart. J. 995 ^ nr. 11) hei Böeking Hutt.
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2. Franz I. und die deutschen Fürsten. 45
Hütten übergab Franz L in Albrechts Namen das schriftliche Ver- sprechet, ihn für den FaU der Vakanz des Reiches bei der Wahl zum römischen Köwige unterstützen zu wollen ^). Der Köfiig dagegen ge- u?ährte dem Kurfürsten eine Pension in der van ihm begehrten Höhe *).
5 Vofn Kanzler Du Prat empfing Hütten außerdetn in Gegenwart MoUzans die Zusicherung, detß Albreckt auf sein Ersuchen zu jeder Zeit die Ver- pßicktungsurkunden zurückerhalten könne ^).
Aber noch während sein Gesandter in Frankreich tceilte, muß der Erzbischof seine Gesinnung wieder geändert haben. Vidleicht war das
10 die Folge einer Einwirkung des Kaisers selbst, die zwar nicht urkund- lich zu belegen ist, aber aller Wahrscheinlichkeit nach stattgefundeft hat, da ja Maximilian auch mit anderen Kurfürsten gerade in die^r Zeit über die Wahl Karls verhandelte. Schon am 9. Januar schrieb Kur- fürst Joachim an MoUzan: Auch laß ich uch auf genommen unserm
15ab8chid wissen, das ich mit Mainz gehandelt hab, in Sachen uch bewust, ich hab aber bisher noch kein entlich antwort erlangt; das hat mich auch verursacht, das ich mit dissem schreiben so lang verzogen hab, dann ich gern was entlichs von mir het schreiben wollen, es ist aber (von?) im nichts abgeslagen imd ruhet also allein uf unserm person-
20 liehen zusamenkomen , des ich mich nue nicht zu kurzen tagen ver- sehe ^). Es scheini jedoch nickt, als ob eine solche Zusammenkunft damals stattgefunden hat. Am 11. März, also nachdem MoUzan schon Berlin wieder xjerlassen, hoMe Joachim die Antwort seines Bru-
opp. V507. Dat. Steinheim, 12. kal octabr. 1517. Statt 12. kal octobr. hat Mignet
'2b (1 127) 12. Oct gelesen.
*) Handschriftl. Gesch. Franz I. — Vgl. unten die Instruktion für MoUzan vom 23. Oct. 1518. Der hier genannte Sekretär kann niemand anders gewesen sein als Butten. Die Verhandlungen haben wohl erst nach der Reise des Königs (vielleicht auch in Tours) stattgefunden, das scheint aus der Äntoesenheit MoUzans bei den-
30 selben sich zu ergeben. — Vgl. auch Budaetts an Erasmus vom 26. December 1517, Böckmg 1 162.
*) Die Höhe der Pension ist nicht angegeben. Nach der Instruktion für MoUzan scheint sie verhäünismäßig gering gewesen zu sein. In dem gleich anzuführenden Briefe HtUtens ist von 9000 Ol. die Rede, während Kurf. Joachim nur von 6000 Gl.
35 weiß (Urkunde nr. 2).
^ Nosti enim, sagt Hütten in Erinnerung an diese Äbmadiungen, que ali- quando tibi mihique coram constitatis poUicitus est idem canccllarias, ea Gallos esse magnanimitate I ut qnoqao velit tempore princeps recepturus sit signa ac literas. An MoUzan, 13. Aug. 1519, Lisch V 324.
40 *) Vgl. den oben (S. 42 Anm. 4) erwähnten Brief Joachims an MoUzan vom 9. Jan. Für Mainz ist in diesen sowie in andern Briefen eine Chiffer angewandt, deren Auflösung jedoch zweifellos richtig ist.
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44 Einleitung.
ders in Hätiden, aber sie war durchaus nicht zu seiner Zufriedefiheit ausgefaüaij denn Älbrecht schlug das von ihm Geforderte rundiveg ab. So blieb denn deni Kurfürsten nichts weiter tibrig, als wenigstens um die Geheimhaltung dessen zu bitten, tca^ er ihm brüderlich anvertraut hatte >). 5
Auch Mdtzan wünschte persönlich mit dem Erzbischofe von Mainz ziisammetmitreffen *), aber Albrecht lehnte dies im HinbUck auf das be- vorstellende Osterfest ab und forderte ihn auf, sein Begehren schriftlich mitzuteilen '). Da sich MoÜzan aber hierauf nicht einkissen wollte, rich- tete er an Kurfürst Joachim die Bitte ^), seinen Bruder, wenn er beixu einer Utderredung mit ihm erkenne, daß er durchaus nicht zu gewinnest
^) Joachim an Älbrecht von Maine, d. d. Coln an der Sprew, am donenitag nach oculi (11. März) anno etc. 18. Cop. Berlin St. A. Bep, 131. K 161. K.ß. Bas Schrei- ben lautet: Ich han jüngste e. 1. antwert auf meine gehabte handlung und manich- faltige Schrift vermerkt und hette mich solchs stumpfen und unfrnntlichen abslahes 15 zu e. 1. gar nit versehen, doch stelle ich solichs zu e. 1. selbst willen und ge- fallen. Ich wolle aber das diejennen, so e. 1. zu dieser sache geratten, es wol verstanden und e. l. nit mit weniger treu dan ich' meinten etc. Aber hirumb wil ich fruntlich gebeten haben, e. 1. wolle dasjenne, so ich ir bruderlich vertreuet und vermeldt han, auch also in brüderlichem gehaim, gelauben und treuen bei2() sich behalten und bleiben lassen, wie ich mich dann sonsten gar kein anders ver- sehen noch vertrösten will. Und nachdem uns itzt alle kai. Mt. zu einem reichs- tag gegen Augspurg verschriben und gefordert hat, bitt ich e. 1. fruntlich, sie wollen mich vertreulich verstendigen , ob sie entlich beslossen oder bedacht sein, solchen reichstag personlich zu besuchen , damit ich mich deste bas auch in mein 25 Sache wisse zu schicken. Solchs wil ich fruntlich umb e. 1. verdienen, der ich sonst auch in aller freuntlichen und bruderlichen willfarung geneigt bin.
') Der Kurfürst hielt sich damals wahrscheinlich in Halle auf, vgl. Strauß, Hütten I 288.
*) Mdttzan an Kur f. Joachim, dat, ilico, in Nigenburg, die palmarum (28. März) 3<) anno etc. 18. Orig. m. ppr. Berlin H. A. Bep. XXX. V. ill. e. cerciorem reddo, me a fra- tre ezcellentie vestre habuisse nuUum aliud, nisi quod hoc sanctum tempus pati non posse, ut ipsius reverenciam conveniam, sed ut sibi singula litteris significare velim ; ego breviter respondebam similia negocia nequaquam per litteras rationc periculi tractari posse, nee me post pascale festum ipsüm convenire posse; nam me in die 35 lune pascalis recessurum, bonis verbis me ad eins servicia et bene placita oiferendo.
*) Moltzan cm Kur f. Joachim, dat. ilico^ die lune pacatum manu propria in Cellis a. 18 (April 5). — Orig. Berlin H. A. Bep. XXX. Das Schreiben Joachims, auf das sich M. hier bezieht , findet sich nicM. M. schreibt: mihi consultum (vide- tur), cum v. e. Maguntino de hoc negocio loquetur et videbit enm nuUo pacto vellc, 4() ut e. V. saltem promissionem ab eo habere possit velle impedire, sicuti alii sue con- dicionis pares sibi, ne aliquis novus eligatur vivente imperatore modemo, quoniam in aliis locis non modo paribns, sed etiam inferioribus eciam ita provisum est etc. ; prudenti pauca scribenda sunt; nam cum hoc idem sustinebitur, omnia ibunt ad opta- tum fincin. Elcctor Saxonie misit jam oratoi*em suum ad imperatorem et facit se excu- 4.')
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2. Franz I. und die deutschen Fürsten. 47
sei, wenigstens zu reratilussen, nicht in eine Wahl bei Lebzeiten Maxi- milians zu willigen utid dahin seitie Gesandten zum Reichstage zu in- struieren ^).
Es ist defn Kurfürsten Joachim nicht gelungen, seinen Bruder um-
b zustimmen; schon vor dem Augsburger Beichstage stafui derselbe zweifel- los auf Seiten der Habsburger, während der Brandenburger selbst, wie wir noch sehen werden, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkte, wo Maximilian in Augsburg persönlich mit ihm unterhandelte, die Partei Franz' L nicht verlassen hat
At^ Kursachsen war die Aufmerks(mikeit der französiscJ^en Dijjlo- Sachsen.
10 matie schon gerichtet, ehe Franz I. um die Stimmeti der Kurfürsten zu werben begann. Man glaubte schon deshalb i^m Friedrich das Best^. fi'tr Frankreich erwarten zu dürfen, weil, wie schon oben bemerkt, franzö- sische AgefUen van der Feindschaft des Kurfürsten gegen den Kaiser nicht genug zu bericMen tvußten*),
15 Sobald es sich um die künftige Kaisenvdhl handelte, suchte die französisdie Staaiskunst auch aus dem Familieninteresse, sotvie aus j)er- sönlichen Liebhahetxien Friedrichs Nutzen zu ziehen. Der Kurfürst, be- kanntlich unvermähU, liatte einen natürlichen Sohn, der noch in jugend- lichem AUer stand *). Kaum hatte ein französiscJier Gesandter von einem
20 sächsischen Kämmerer erfahren, daß der Kurfürst nicht abgeneigt sei, den Sohn zu seiner Ausbildung uml ^namentlich zur Erlernung der fran- zösischen Sprache nach Frankreich zu senden, als Franz L sich mit Freuden und in der e^itgegenkommendsten Weise bereit erklärte, ihn an den Hof zu nehmen, Friedrich trug jedoch Bedenken, darauf einzu-
'2b gehen. Er konstatierte, daß die Anregmtg nicht von ihm selbst ausge- gangen, und daß es nicht seine Absicht gewesen sei, ihn gerade an den
sare, ut personaliter venire non possit. £. v. cum Maguntino bene prudentcr am- bulabit, ut e. v. oratores ac Maguntini legati in dieta concordent in articulo ut supra.
•^) *) MoUzan scJieint damals bestimmt angenommen zu haben, daß sowohl Joachim ak ottcA AWreclit nicht persönlich zum Reichstage gingen. Am 11. März Imtte Kurf. Joachim deswegen bei seinem Bruder angefragt. S. S, 46 Anm. 1. *) Ä oben S. 19 Anm. 3. ') Er begegnet uns, ohne mit Namen genannt gu sein, auch bei der Wahl
^^ Karls V., und zwar unter den kurfürstlichen Dienern, so zu Frankfurt ge- wösen und von dannen, sobald die election geschehen ist, bis gen Hoest zu den herm conunissarien eilends komen und postirt sein und inen die neuen zeitung der election verkündt haben. Die Liste eröffnet: Herzog Fridrichen von Sachsen chorfursten ledigen sun vor allen andern geschenkt in gold 400 fl 8. Greiff in
^^Jahresber. des histor. Vereins für Schwaben und Neuburg: Jahrg. 34 (1868) 34,
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48 EinlcituD^.
französischen Hof zu senden, und ließ dem Könige durch einen Ge- sandten erMären, daß er, falls er überhaupt seinen Sohn nach Frank- reich schicke, von dem Erbieten des Königs dankbar Gebrauch machen tvürde. Vorläufig tvurde die Sache tvegen der um'uhigen Zeiten aufge- schoben ^). 5
So zurückhaltend sich hier der Kurfürst benahm, so tvenig trug er Bedenken, Franz L mit der Bitte anzugehen, den Beliquienschatz seiner neuerbatäen ÄUerheiligenkirche zu vermehre}!, und auch in diese^n Falle beeilte sich der König, in der verbindlichsten Form sein Entgegenkommen zu beweisen. Da aber, so schrieb er an Friedrich, die Reliquien in 10 seinem Schlosse Amboise aufbewahrt würden, habe er mit der Absen- dung derselben bis zu seiner Ankunft daselbst warten müssen. Nun habe er Joachim MoUzan Befehl gegeben, dieselben in einem 'BehäUnis verwahrt Friedrich zu überbringen *).
für MoUza/n aber, der damals auf dem Wege nach Brandenburg 15 eine Begegnung mit dem Kurfürsten zu erreichen suchen soUte, bot sich noch ein anderer AnJcnüpfungspunkt dar, Friedrich hatte schon vor Jahren ein warmes Interesse für die Vermählung eines seiner Lüneburger Enkel, der Söhne des Frankreich treu ergebenen Herzogs Heinrich, mit einer französischen Prinzessin an den Tag gelegt. Durch Vermittlung des 20 Kurfürsten waren darüber schon zwischen Ludwig XIL und den Lüne- burger Herzögen Verlmndlungen gefüJirt ivorden. Im Jahre 1517 wur- den sie lüneburgischerseits von nettem eröffnet, Herzog Heinrich rich- tete an MoUzan die Bitte, dofi er seinem ältesten Sohne in Frank- reich eine „gute Heirat'* und dem ziveiten, Ernst, bei Franz I „einen 26 guten Dienst möchte zu Wege bringen'*. Das gab dem Könige die erwünschte Gelegenheit, MoUzan neben der Überbringuftg der Reli- quien ') auch die Verhandlungen über die Heiratsangelegenheit anzuver- trauen.
Um so sicherer hoffte der französisdie Agent Zutritt zu dcfn JTwr-BO
*) Franz I. an Kurfürst Friedrich, 15. August 1516, Orig, — Imtruktion für Veit Warheck, 1. Oktober 1516, Cop. — Franz L an Friedrich, 28. Noveniber 1516, Orig. Weimar, Reg. C.
*) Franz I. an Kurfürst Friedrich, dat. Turonis, die secunda meiisis decem- bris, Orig. Weimar, Reg. C. — Der Schluß des Briefes lautet: et si que pretereatif) res alie apud nos sunt, que commodum vobis aut Tolaptatem afficere queant, si modo id ipsum per literas indicaveritis^ votum desideriumque vestram implere co- nabimur.
^) Kredenz vom 2. December aus Tours, Weimar, Reg. G. (Daselbst auch zwei Übersetzungen von Spalatins Hand.) 40
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2. Franz I. und die doiitschen FürsU^n. 49
fürsten zu erlangen. Am 13. Jamuir küfidigt er ihm von St Mike in Ijothringen aus seine baldige Durchreise durch Thüringen an; er bittet, am Dienstag oder Mitttvoch vor Fastnacht durch eitten Boten na^h Erfurt XackriclU gelangen zti hissen, wo er ihn treffen könnte, da er gern mit bihm, am liebsten in (resellscluift des Herzogs JoJtann, Fastnacht feiern möchte. Er will ihm im Auftrage des Königs „etliche Heiligtümer, als ein Stück von Sant Merten, ein Stück ron Santa Maria Magdalena und andere mehr", die der König „sämtlich luit laßen fassen in ein Bdiguiarium , gemacht von lauterem Golde, zu einer Verehrung" über-
lobringen und sähe es gern, wenn der gemeinschaftlichen Fastmichtsfeier auch der Herzog Heinrich von Lüneburg beiwohnen könnte, da er im Interesse der Söhne desselben vielversprechende Heiratspläfie verfolge, bei denen der Kurfürst seinen Neffen große Dienste leisten könnte % MoUean gi^t diesem Wunsche nicht allein in dem Schreiben an Fried-
ibrich, sondern auch in einem Briefe an Herzog Heinrich von Lüneburg sdbst ld)haflen Ausdruck ').
Kein WoH sagt MoUzan in dem an Kurfürst Friedrieh gerichteten Schreiben vo»i der Königswahl, um die es sich doch bei seiner Mission vor allem andern handelte. Der Diplomat haltte allerdings guten Grutid
•2^)£u fürchten, daß er von Friedrich gar nicht empfangen werden ivürdc, wenn er mit diesem Auftrage sich ankündigte; denn ein paar Motzte
*) McHtzan an Kurfürst Friednch, duL zu sant Mibe in dem Lutringer lande, anno etc. 18 octavo die epipfanie, Ch'ig, Weimar, Reg. C. Er schreibt darin unter anderm : Und gebe e. kf. g. zarkennen, nachdem vorgenanter m. g. h , der herzöge
25 von Lonenburg, so grossen gnedigen zuvursicbt und nicht weniger vurtreuent (sie!) uf mich gesatzt, habe ich anfenklicb m. g. h., herzöge Ernste, ein dienst zu wege brocht und habe itzunt in empfelch, s. f. g. in der widderreise mit zu brengen in ko. Mt. hoff; darselbest wird s. f. g. mit guter besoldunge und sunst wol und erlich gehalten werden, dameben habe ich erkundet vinf freulin, die alle
oUmanbar und von kunniglichem stamme sint, von weihen eine itzigem kunninge zu Frankreich in dem anderen glite, und die anderen vier in dem dritten gilt ange- bomer freintschaft halben vurwant sint, werden auch ein guten brautschatz mit- krigen; bin in hoffnunge, welle derselben eine erstlich m. g. h. herzöge Otten (reihen, darnach der anderen eine mit der zeit m. g. herrn, herzöge Ernste, auch
^15 erlangen; es stat daruf, das mit der menunge, wie obstat, das haus von Lunen- burck nicht wenig widder zu vom kummet. £s dunkt aber mir der Sachen nutzen und furderlich sein, so ich sulcher f reihe halben mit meinen g. h. von Luneuburg werde handclen, das es geschehe in beiweseu e. kf. gnaden und euer kf. g freintlichem bruder, m. g. h. herzöge Hanßen, wurde sulcher handelunge durch
40mangerlei Ursachen wiUen fast besseren, in sunderheit den brautschatz, wie ich e. kf. g. personlich werde eröffnen.
-) Moltzan an Hein/rieh, d. d. am achten tag trium regum (13. Januar) etc. Weimar, Eeg. C. Copie,
BetGhstagisakten d. B.-Z. Bd. I. ^
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50 Einleitung.
früher hatte ein anderer französischer Agefif mit dent Wahlprcjekie keine guie Aufnahme hei dem Kurfürsten gefunden '). Eben deshalb versicherte MoÜzan in einer Nachschrift zu dem Briefe vom IS. Januar dem Kur- fürsten Friedrich sogar, daß er um keiner anderen Verhandlungen iviUeu, als der in seifiem Schreibet^ namhaft gemachten, von seinem Kimige ab- 5 gefertigt sei. Freilich konnte er es detm doch nicht unterlassen, anzu- deuten, daß er mit dem Kurfiirsteti Dinge zu verhandln luxbe, die ihm höchst atigeftehm sein würden *).
Kurfürst Friedrich aber lehnte zwiächst eitie Ztisammenkunft zu Fastnacht, icie sie McHizan getcilnscJit, ab, und ebepisowenig fanden sicJi 10 Herzog Heinrich uml seine Söhne trotz des hohen Gewinnes, den ihnen Mdtzan in Aussicht gestellt, in Thüringen ein. Tis ist nicht unwahr- scheitdich, daß Friedrich selbst, schon um Aufsehen zu vermeidefi, sich den Besuch der Lüneburger verbeten hat '). Dagegen sandte er zwei Bäte zu MoUzan nach Zeitz, um mit ihm Ober eine spätere Begegnung zu^'^ unterhandeln. Man kam ülferein, daß Mdtzan sich vorerst nach Berlin begeben und dort 14 Tage warten sollte, bis Friedrich ihn benachrich- tigen würde, uh) sie mit einander zusammenkommen mödttef^^}.
Dem Kurfürsten verhehlte Mdtzan nicht, wie leid es ihm that, daß er auf die Begegnung, an der ihm so vid lag, vorläufig hatte verzichten '^0 müssen, uml gab deutlich genug zu erkennen, daß es die Frage von der Wahl war, tvoridfer er sich mit Friedrich vertraidich zu wUerreden tvünschte. Wäre er bei depn Kurfürsten ersdiienen, so hätte er ihm seinen Auftrag 7iäher erklären können, auch würde Friedrich den rechten Grund der früiieren Smulung von Fleurange etfahreti haben *). '-^5
^) S. unten Anm. 5.
') Ich faofie, HO bemerkt er in der NacJischrift zu dem Briefe rom 13. Januar, e. kf. g. Wirt ex solita sua prudencia wol bedenken , das es uf die menunge wirt geschickt sein, wie ich in kegenwertigen briffe gesriben habe, das iderman nicht gedenke , das durch andere handelange willen mich der kanig za e. kurf. gn. ge- ^ schickt habe, wiewol ich hoffe, dennassen mit e. kf. g. in kuntschaft und hande- lunge zu kämmen, das e. kf. g. mit meinem hem, dem kunnig, auch mit mir baß wirt znfriden, den ken ander kurfursten (sie!).
■) Es erschien dafür wahrscheinUch der herzogliche Bat Doctor Ludwig Förster, welcher am 6. Februar 1518 an Herzog Johann abgeordnet wurde, Kredenz- *^o brief f'ür denselben in Weimar, Reg. D, Orig. d. d. Luncborg, mit meiner hant, am tage Dorothee virginis anno etc 18.
*) Vgl. die Verabredungen zwischen Moltzan und den beiden sächsischen Ab- gesandten, act. Bunabent nach sante Apolonia (Febr. 13) anno 18. Conc. Weimar, Reg. C. Der Name des einen Gesandten war Fabian von Feilitzsch, der des an-^ dem ist %ms nicht bekannt.
*) So ich itzunder pci e. kf. g. erschinen wer, liette e. kf. g. in dem gründe
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2. Franz I. und <Iie (ieutßrlicn Fürsten. 51
So gerhigen Wert Friedrich auf sMie FraMereien legen mochte, so kannte er doch nicht der in Atcssicht genommenen Begegnung mit MoÜzan gans ausweichen. Am 22. Febrtuir lud er ihn ein, falls er fwch urillens sei zu kommen, am Dotmerstage nach Re^niniscere (4, März) bin Jüterhogk zu erscheinen „und folgenden Tags den Weg nach Schtvei- niiz zu nehmen''; dorthin will ihm Friedrich eineti Boten schicken und ihn fimhr zu sich hingen lassen *).
MoUzan beeilte sieh seine bevorstehende Ankunft anzukündigen *). Am 5. März wird er bei dem Kurfürsten, welcher sich in Lochau be-
Wfand, eingetroffen sein. Am folgenden Tage hatte er scJum die mitge- brachten Beliquien übergeben und die ihm von Franz L in der Ange- legenheit der Königswahl erteilten Aufträge ausgerichtet. Die Antwort aber, die ihm zu teil wurde, und zwar nicht durch Friedrich selbst, sondern durch einen seiner Räte, ist für den geradsinnigen Fürsten
\h charakteristisch. Friedrich läßt zunächst auf die Freundschaft hin- weisen, die er mit den früheren Königen Karl und Ludwig von Frank- reich, obwohl er mit ihnen i^rsönlich nicht bekannt getvesen, so viel „nach Gelegenheit der Zeit seinen f G. hat gebühren und geziemen w6Uen'% unterhalten hat; auch von dem jetzigen Könige könne er „aus
20 freundiicher Erzeigung und Schriften, auch aus der Verehrung des hoch- würdigen Heiligtums", so wie aus MoUzans Erbieten nichts anderes denn günstigen und geneigten Willen vermerken. Deshalb zweifelt er nicht, wenn der König bedenken weide, „wie es mit Wahl eines römi- schen Königs gestellt, und wie die geschehen muß, seine königliche Würde
25 werde das, so seinen kuif, Gnaden für verkehrt oder beschwerlich möcht aufgelegt werden, nicht suchen"^).
mngen TOTDemen, das mich mein allergnädigstcr her, der koiiig, nicht umsunst hette abgefertigt, pei e. kf. g. uf vastnacht zu erscheinen etc.; den des handeis halben, so s. ko. w. durch her Rubrccht von Arburges elter sun an e. kf g. gelangt etc.,
3U het e. kf. g. von mir ein rechten gmnt vurnumen. Ich hoffte auch also zu handelen^ das e. kf. g. bruders, m. g. h. herzogen Hanßen, sun mit einer von 11 ader 12 jaren besorget wurde, dergleichen vileichte reichtums und gebluttes halben itzunder wenig in der cristenheit erfunden mugen werden; doch hoffe ich noch weiter mit e. kf. g. in handelunge zu treten. MoUean an JBfiedrich, 8, d., Orig, m. pjpr.,
il5 Weimar, Reg. C. — Der ältere Sohn Rupi-echts von Arburg (d. h. Bober ts von der Mark) war der bekannte Memoirenschreiber Fhwrange; derselbe berichtet kurz über seine ITtätigkeit in Deutschland in Kap. 57 seines Werkes.
^) Kur f. Friedrich an Möltzan, d. d. Ald[enburg], am montag nach invocavit a. d. 1518. W^mar, Reg. C. Conc.
40 ^ MoÜzan an Friedrich, d. d. Berlin, am freitage post festum sancti Mathie anno etc 18 (26. Febr.). Weimar, Reg. C. Orig. vi. ppr.
^) Anttcort Friedrichs auf die Weibung MoUzans. Actum zur Lochau, am
4*
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52 Einleitung.
Der Kurfürst wies damit das Ansinnen, dem Könige van Frank- reich seine Stimme zuzusicJiem, ohne alie Umschweife zurück. Die Mission Mdtzans war gescheitert. Gleichwohl glaubte der französische Agent, oder gab sich wenigstens den Anschein, als glaubte er es, dc^ er nicht umsonst in Sachsen gewesen sei. Er veHraiUe tiämlich dem Kur- ö fürsten von Brafulenburg , indem er die Auftiahme rühmte, die er bei Friedrich gefunden, an: der sächsische Kurfürst tcoUe dazu helfen, daß, solatige der Kaiser lebe, kein römischer König gewählt werde, „Ich halte auch'', fähfi MoUzan forty „daß er nicht wird auf den Reiclistag reiten." Er setzt a&cr hinzu, daß ihm Friedrich vor Ostern noch lo „eigentlich*' schreiben wolle, ob er den Reichstag besuchen werde *). Wir dürfen annehmen, daß ihm der sächsische Kurfürst auch das erstere, dq/i er nämlich bei Lebzeiten des Kaisers einen römischen König nicht wähhn helfen werde, nicht förmlich versprochen hat. Er wird nur im allgemeinen, ohne sich dadurch Frankreich gegenüber die Hände bindetil^ zu ivollen, kein Held daraus gemacht haben, daß er gegen jede Wahl bei Lebzeiten Maximilians sei *).
Wie nötig es MoUzan noch immer fand, kein Mittel beiseite zu
sambstHg nach reminiscere (6, März) a. d. 1518. Cotic. Weimar, Reg, C. ~ Ibid, ein zweites atisführlicheres (Jone. Obwohl das erstere offenbar die definitive Fassung''^ der Antwort Friedriclis enthält, so verdient doch die entscheidende Stelle auch in der weiteren Fassung hier aufgenommen zu werden. Sie lautet: Sein chf. g. setzt auch in kein zweivel, königlicher wirde gemut und meinung soi nit, etwas bei 8. chf. g. zu suchen, daz s. chf. g. für verkerlich oder beswerlich mocht aufgelegt werden. Dieweil es dan mit (der) walh eins Rooaischen konigs die^o gestalt hat, wau ein Romischer konig sol erweit werden, daz solchs durch die kurfursten bei hoer Verpflichtung, wie sich aigent und geburt, eintrechtiglich oder durch den merer teil gescheen muß, so haben sein königlich wirde wol zu be- denken, wie mein gnediger herre sich diser zeit in etwas bewilligen oder begeben mögen; wan es aber dohin kombt, daz die walh eins Romischen konigs nachUO geburlicher Ordnung und in zeit s. chf. g. furgenomen und bescheeu sol, was dan der heiligen Romischen kirchen und dem reich für nutzlich und gut betracht und angesehen wirdet, darinnen werde sich vermittelst gotlicher gnad s. chf. g. unge* zweivelt mit den andern churfursten freuntlich und wol vereinigen; und ist s chf. g. genedigs gesinnen und begeren, ir wellet solchs königlicher wirde anzeigen und 35 bitten, das nit anders dan freuntlich zu vermerken.
*) Moltzan an Joachim, d. d. ilend, Zelle im sloße, manu propria, die jovis post letare anno etc. 18 (März 18). Orig. zum Teil chiffriert. Berlin H. A. Rep. XXX. Wenn FViedrich nicht reitet, rät MoUzan dem Kurfürsten Joachim treulich, das e. g. auch nicht hinkumme durch viler Ursachen etc.; doch bit ich, e. g. halte es 40 ie stille, das ich dlß e. g. screibe. Er hat mir auch 2 gute drinkgeschir zu einer vorerunge gethan etc.
"*) Mehrergiebt sich auch «»« der Instruktion für MoUzan vom ^3. Oct. 1518 nicht.
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2. Franz I. und die deutschen Fftraten. 5^
lassen, wodurch der Kurßrst Frankreich näher gebracht werden könnte, '' erheßt daraus, daß er Friedrich von nettem mit dem Interesse, das er an der Vennählung und Versorgung seiner Neffen nahm, zu ködetm suchte und zwar, tcie es scheint, nicht allein durdi das Projekt, den
h Prinzen OUo von Tjüneburg, sondern auch den Kurprinzen Johann Friedrich mit einer reichen französischen Prinzessin zu verhdraten ').
So wenig sich Friedrich durch Moltzan aus der Zurüekhattung, die Lüneburg. er Fratikreich gegenüber beobachtete, herauslocken ließ, ebenso vergeblich war es, wenn Heinrich ron Lüneburg auf seinen Schwager im franzö-
U^sischen Interesse einzuunrken suchte. Es ist bezeichnend, daß der Herzog es nicht einmal wagte, dem Kurfürsten direkt Vorstellungen in der WahUingelegenheit zu machen , sondern daß er dafür die Vermittejung des Herzogs Johann in Anspruch nwhniy und seihst dies ohie die sichere Hoffnung, daß der Schweigsame und Verschlossene dein eigenen Bruder
\i} gegenüber mit der Sjyrache oder auch nur mit den Mienen verraten werde, wie er im stillen denke. Nachdem in der uns erhaltenen eigenhändigen Korrespondenz, die Herzog Heinrich mit JoJiann in jenen Tagen fühie, schon wiederholt der Kaiser wohl gedacht worden, setzt der erstere am 31, Mai in einem längern Schreiben, das er aus gutem Gninde durdi
20 den Empfänger ins Feuer geworfen tvissen wollte, noch einmal alles atis- einander^ wets er an den Kurfürsten Friedrich gehrwM zu stehen wwiscJite ^).
') So glauben wir den Brief auslegen zu sollen, den MoUzan am 16. März ron CeUe aus an Friedrich richtete (dat. ilico, nuiiia propria, in CelliR, die inartis poat letare anno etc. 18. Orig. Weimar, Reg. C): Ich gebe e. kf g. untertenig-
25 liehen sarkennen, das ich mit m. g. h. von Lünen barg herssoge Ernstes dinet be- treffend beslossen, das wir uf schirst kämmende mentage in den osteren (5. April) werden von hinnc scheiden, hoffen uf dem vinftcn suntage nach osteren (9. Mai) zu Parisi za erscheinen in einer herberge, genant: zum Hirsen, nicht weit von aant Dionisias thor. Wen es muglich wer, sege ich gerne, das ich alsdenne
"M^tMivrsurt von e. kf. g. hette des articals halben, wie e. kf g. weis, darmit ich mich esiter gefaglicher bei zeit in der handelunge wüste zu schicken : wu aber das nicht, hoflfen wir uf pfingesten (ii3, Mai) pei ko. w. zu erscheinen, das ich alsdanne e^entlich botschaf von e. kf g. haben muge; ich halte, so die (wie wir meinen: Johann Friedrichs) und disse heareth mit herzöge Otten vur sich ginge, wurde
3» nicht ein deine urs&che geben , das Saxen , Brandenburg , Brunswick treu- lich zosammen treten, von weihen sich andere disses quartirs umbstendige fursten swerlich wurden trennen lassen ; mochte wol nicht wenig einickheit und nutz brengeo.
*) HeinHch an Johann, dat. Zelle, mit meiner hant, am montag nach dem
4()sontage trinitatis (31. Mai) anno etc. 16 (sie!). Orig. Dresden, Wahlsachen nr. 1 (während die übrige Korrespondenz Heinrichs mit JoJuinn sich in Weimar befindet). Wie aus dem ganzen Inhalt, namentlich aber dem Schlüsse, wo vofi der gläcl'lichen
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64 Einleitung.
Wenn der Kaiser ^ wie .tu furchtest, auf (hm bevorstehenden lieickstage — Heinrich weiß noch nicht, ob ehr Kurfürst ihn besuchen wird, son- d/rn möchte es erst erfahren — die Wahl durchsetzen will, so thun die }veisen Kurfilrsten am besten, wenn sie die Sach* rerz(')gern, damit mmi nicht lange vor dtr Zeit einen wählt, den man 'tWrchher lieher nieht ge- fi wählt hätte. Heinrich setzt dann auseifiandt^' , wie er, wenn er an Jo- hanm Stelle tväre, mit dem Kurfürsten reden würde, um seine Mei- nung, sei es atwh nur aus Mienen, völlig kennen zu lem(m. Er soll ihm vorstellen, wie man stets das Haus Österreich erhöht und d/is Reich geschwächt; wie man die Fürsten mißa^chtd und das Beich durch Schreiber 10 und untüchtige Leute regiert habe; wie man ferner immer nur auf das Geld gesehen, die geringen Leute erhoben und Fürst^en und Adel unter- drüekt liabe. Das Recht, fährt er fort, wird niedergelegt, niemand weiß Zuftficht zu dem obersten Haujyte zu haben; nur auf das (ield wird dal)ei gesehen, und der Kaiser braucht jene IjCiUe, die ihm Gehl wr-l."« schaff ni. Wie cd)er soll das Reich es ertragen, wenn dies nach dem TihIc des Kaisers meder so gehen wird! Wie viel Anschläge im Beiche „sind doch in dem Namen, darin sie angesetzt, rerthan? fib-wahr wenige *\ Wie soll es werden, wenn der Kaiser mit der Wahl seinen Willen durchsetzt? — So möge er reden. Und wenn Heinrich an der Stelle 'ü) Johanns wäre, so würde er die Ansicht des Kurfürsten erl'ennen, seihst wenn er ihm keine klare Antwort gäl>e *).
Wenn es in den Ausführungen des Herzogs Heinrieh etwas gab, was hei Friedrich Anklang find(m konnte, so war es die scharfe Kritik, die der Lüneburger an der Politik des Hauses Österreich übte, und d<r Rat, 25 die Wahl wenigstens hinaus zu schieben. Indeß bedurfte Friedrich bei seiner uns bekannten Gesinnung gerade dieses Rates nicht VöUig unzugäng- lich war dagegen der sächsisclm Kurfürst für die weitgehenden Kombi- nfttionen, in denen sieh sein heißblütiger Schwager zu CeUe mit MoUzan im französischen Interesse erging. Nicht allein zwisclien Sachsen, Bran- 30 denburg und Lüneburg dachte er ein festes antikuiserliches Bihulnis herbeizuführen, sondern auch mx^h andere heranzuziehen.
In einem gewissen Zusammenham/e mit dienern Plane steht eine
Ankunft Herzog Emsts in Frankreich die Rede ist, sich ergieht, kann dm Schreibeii mir in das Jahr 1518 gehören. 35
^) Ich wolt auch nit vorgessen, heißt es weiter, sunder ime sagen, er sage, das der marggravc Mentz und Brandenborg zwo stimmen gewis hette; wer wüste, ob er Coln oder Trier dozu in seinem contracte hette? Darum wöre not mit Branden- borg zu concordiren, oder eine part«i dokegen zu machen. Hilt es dofur, seine liebe als ein weiser korfurst betten bereit wol darzu getrachtet. 40
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2. Franz I. und die deutsehen Fti raten. 66
andere Angelegenheit, die, so wenig greifbar sie auch nach den uns darviber erhaUenen dürftigen Nachrichien erscheint, doch erwähnt zu werden verdient. Schon zu Anfang des Jahres 1517 ließ Richard de la Pole, Herzog von SuffoOc (genannt „weiße Rose'y *), welcher, aus ^England verbannt, seinen Attf enthalt zu Metz genommen und von hier aus gelegenäich im französischen Interesse an deutscJten Höfen thätig war *), zugleich aber den Plan verfolgte, mit Hufe Frankreichs und ftr> freundeter deutscher Fürsien sein angebUcJies Erbrecht auf den englischen Thron geltend zu machen, durch MoUzan einen HilfsveHra>g mit den
\Q Herzögen i^on Mecklenburg abschließen, wancwh er, sobald er wieder in seine Erblande käme, den Herzögen eine jährliehe Rente zahlen woUte, wenn sie ihm und den Seinigen wider seine Feinde Zuflucht in ihren Landen und Ausfüh^-ung von Leiden zu Roß «nrf Ftiß, auch von Pro- liant und andern Bedürfnissen gewähren tmrden *). Einen ähnlichen
15 Vertrag ging auf Veranlassung Mcitzans jetzt auch der Kurfiirst von Brandenburg mit Suffolk ein^).
Nichts natiirlidur, als daß sich für den Suffblkschen Handel auch der Herzog von Lüneburg begeistern ließ, „Er hat", meldete MoUzan dem Kurfürsten Joachim, „ivunder große Lust dar zu und sagt, er woUr es
20 gern neben e, G, helfen tapferlich angreifen und hinausführen; nieint auch, es möchte große Ehre und Nutz daraus entstehen.*'
Aber Heimzog Heinrich hält, wie MoUzan weiter berichtet, für gut, daß vorher ein „hartes Verbündnis" gemacht werde zwische^i Sachsen, Brandenburg, lAmehurg und andern benachbarten Fürsten, Er meot,
25 es were e. g., auch im sunderlieh von noteii, oratlich das in euer zweier abweßen die andern treulich ufsent hetten; vur das ander, der- weil e. g. mit dem konig von Frankreich befnmdt, und hoft't, es sulle im auch widderfaren, mochte dem kaiser zuwidderen sein, so er einen wolde überfallen, das den alle treulich zusamen hilten; es mtiste
30 aber des e. g. helfen ein anfang machen, so weide er vile bei Saxen schaffen; Mekelburg ^) und Pomem stunden denne leichtlich darin zu
») Vgl. Bretoer II Preface 36 und sonst Bd. I u. IL
•) Er igt uns oben 8, 19 als Verfasser eines Briefes an den Großmeister- Boissy über deutsclie Angelegenheiten begegnet. 35 ») Ööcf- de^i Vertrag vom 14. März 1517 s. Lisch V 26f
*) Die Verpflichtung Joachims ist wm Tage M4xUhiae apost. (24. Febr.) 1518, Conc. Berlin H. A. Rep. XXX; ehendort ein Conc. (s. d.), wonach Suffolk dem Kurfürsten nach Erlangung seiner erblichen OeredUigkeiien des KönigreicJis Eng- land eifu Pension von 4000 Gl. zusichert. 40 ') Herzog Heinrich von Mecklenburg knüpfte damals bereits mit MoUzan an.
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56 Einleitung.
brengon, Bninswick wurde allene nicht darauß bleiben. Mir gefalt — so fährt Moü/san fort — sein rath wol. Er mcnt auch, das e. g. und er fußknechte aus dissen landen sowol Ketten als reisigen und der lans- kneeht zehen tausent.
Endlich häU es MoÜmn für gut, daß der Kurfiirst und der Her- 5 zog in persönlicher Zusammenkunft sieh gründlich von dem Hand^d unterredeten *). ObwoM Joachim sich dazu bereit erklärte, kam es ror- läufig zu der Begegnufig mit Heinrich nicht Denn MoUzan selbst fand es bedenklich, in der Suffolkschn Angelegenheit weiter zu gehen, ehe man tvisse, wie der König von Frankreich darüber denke ^). Zu rfewio geheimere Aufträgen aber, die Kurfürst Joachim ihm bei seiner Rück- kehr nach Frankreich erteilte, gehörten auch die „negotia ducis Suf- fuldensis " ').
Weiteres erfahren wir darüber nicht. Auch eine festere Verbin- dung zwischen Brandenlmrg und Lilnelmrg kam no('h nicht zu stände. 15 aber für die Zuhmß sollte es nicht ohne Bedeutung sein, wenn MoUzan beide Fürsten bei jeder Gelegenheit mahnte, treu zusammen su halten *).
Daß die französische Staatskunst im stiüen schon mit allen Mit- fsln darauf hinarbeitete, den Wahlkampf, wenn nötig, in einem großen Kriege zum Austrat zu bringen, darauf weisen auch die weitreichenden, 20 auf militärische Unterstützung berechneten VerUndungen hin, die um diese Zeit angeknüpß wurden. So kam, vieWncht auch mit Moltzans Zu- fhun, ein Bündnis zwischen Frankreich und dem Herzoge Friedrich von Holstein zu stände, worin sich letzterer verpflichtete, dem Könige im Falle eines Krieges mit England oder irgend einer andern Macht Schiffe und 25 Trujypen zu liefern. Ihm ivurde dafür eine Pension von 4000 Lirres zugesicl^rt ^), Wichtige^' war die Verstärkung, welclie die Partei Frank- er tüünschte, seinen Bruder Alhrecht (tele MoUzan meint aus Furcht, daß er mit ihm die Herrschaft werde teilen wollen) in französischen Dicfisten zu sehen, und hat MoUzan, sich bei Franz L dafür zu vertvenden. Moltzan an Kurf. Joachim,^ Nigefiburg, 28. März 1518.
*) MoUzan an Joachim, d. d. Celle, 18. März (s. S. 52 Anm. 1).
') Moltzan an Joachim, dat. ilico die lune pacatum (5. April), manu propria, in Cellis anno etc. 18. Orig. Berlin H. A, Rep. XXX.
^ Joachims Beglaubigung für Moltzan bei Franz I. Conc. (s. d.) Berlin ii^i H. A. Rep. XXX.
*) Nam tempus (ut spero) veniet, ut quisque alteri prodesse possit: in dem oben erwähnten Schreiben vom 5. April.
*) Catal. des actes de Frangois I. nr. 832, Die Ratifikation ist vom 19. Mai 1518. Vgl, auch Mignet 1 129. Die hier ermihnten Verträge Frafiz' I. mit den 40 Grafen von Isenburg und Reiferscheid gehören jedoch erst in das Jahr 1519.
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2. Franz I. und die deutschen Ftinten. 57
reichs um jene Zeit dadurch erfuhr, daß es unter französischer Ver- mitÜung — und auch hier dürfen wir mit großer Wahrscheinlichkeit die Hand MoUeans venntäen *) — zu einem EhebiJindnisse zwischen Karl von Geldern und Elisabeth, der Tochter Heinrichs von Lüneburg, kam ^).
5 Denn nicht allein, daß dadurch Geldern in seiner überlieferten Feind- Schaft gegen die Habsburger, welche vergebens ein besseres Verhältnis aneubahnen suchten^), nur noch mehr befestigt tvurde, sondern auch das lüneburgische Haus fühlte sich Frankreich für die anscheinend glänzende Versorgung der jungen Herzogin nickt minder verpflichtet^),
lOaZs für die hohen Chmstbezeugungen, die dem Prinzen Ernst am fran- zösischen Hofe, wohin ihn MoÜzan mitgenommen ^), zu teil tvurden, Voü
*) Am 7, Sept 1518 kehrte Molizcm atM Arnheim mit Aufträgen Karls von Geldern zu Franz zurück. Karl an Franz (Arnheim, 7. Sept). Orig. m. j^pr. Wolfenbüiid, Acta puhl Hein. jun. 343.
15 ^ In dem Heiratsicertrage (geschlossen zu Celle am 18. August 1618: Nijho/f, Oedenkwaardigheden uit de geschiedenis van Gelderland FI, 615 ff. und Hasselt, Geldersche Oudheden 1 17 4 ff.) wird ausdrücklich der Vermittlung Franz L gedacfit. Der König selbst teilte den Abschluß dem päpstlichen Legaten mit (Lett. di princ. I 32 f.), — Geldern und Lüneburg verpflichteten sich in dem Vertrage au^h zu
20 gegenseitigem Schutze. — Über die Vorverhandlungen s. Hasselt 167 ff. — Möltzan irar im August toieder in Lüneburg, vgl. den gleich anzuführenden Brief Heinridis vom 18. August.
^) S. den Brief CourteviUes vom 27. Mai (S. 78 Anm. 5). — Maximilian hatte auch hier das beliebte Mittel einer Heirat vorgeschlagen. Wenn SpineUy reclit benchtet
25 (Bretoer II nr. 4244), hatte sich auch Chievres eifrig bemüht, Karl ran Geldern zu gewinnen. Aber ohne Erfolg; man mußte froh sein, daß er den unter französi- scher Vermittlung mit Spanien (am 17. Sept. 1517) geschlossenen tmd am 11. Mcvrz 1518 (bis zum 17, März 1519) verlängerten Waffenstillstand wegen Friesland inne hielt (vgl. Nijhoff a. a. 0. 576 und Mon. Habsbg. II ^ 67). — Franz I. rersp^ach
IMifür die Aufrechterhaltung desselben Sorge tragen zu wollen (Nijhoff 595 u. 599 ff., vgl. Le Glay, Neg. entre la France et VAutriche II 142). — Vgl auch Gachard, Bibl not. de Paris II 59,
*) Erfreut schrieb Heinrich am 20, Juli (Gel, am dinstag nach Alezii anno etc. 18. Orig. m. ppr. Weimar, Beg, D) an Herzog Johann von Sachsen: Der kunig von
'io Frangreich, die hersoge Lotringen und Borbun sein ire (seiner Tochter) vormundt; «rerden ir alle sunderliche vorscrcibung geben, darzu ich, ire bruder, und wen wir mehe von unsem f runden vormogen in irer sach, sie zu hanthaben, mit voi*mundt sein; hoflfe, e. 1. wollen auch einer sein; sie ist noch weiter vorsichert, den über w^ zu screiben; e. 1. wollen dise Unterricht fruntlicher zuvorsicht vorstehen und
4(>in geheim halten: got hat dise sach selbst geschickt!
^) Kurz nach Ostern toar MoUzan zusammen mit Herzog Ernst von Celle aufgdyroehen. Vom 17.— 21. April weüten sie in Cleve. Auch hier fand er die Stimmung für FSrankreich gümstig. Junior dux de Cleva, ex consilio senioris, patris eius, inclinatus est esse in amicida favore et gracia Francisci et me de hoc
4örogavit, nt procurarem; id quod libenter audivi. Möltzan an Kur f. Joachim, daf.
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58 Einleitung.
Frewle wußte Herzog Heinrich seinem Schwager y deni Herzoge Johann, am 18, August 1518 zu melden, dafi sein Sohn, wie er ihm geschrieen, einen gar gnädigen König habe, der ihm für die Zeit seines Lebens jährlich 4000 Kronen (5333 Gulden) und attßerdem für jedes Jahr noch eine besondere Verehrwng zugesich/^ habe. Es hat Ernst, mein son, 5 setzt er nicht ohne Stolz hinzu, in Frangreich den obersten stand über alle regirende fursten negst dem Delfin, die reiten und gehen auch neben einander, es sei dan, das fremde botschaften do sein, die das mittel zwischen dem Delfin und Ernste nemen '). — Der König von Frankreich konnte sicher sein, daß er in dem Herzoge Heinrich den treuesten, zu 10 jedem Dienst bereiten Anhänger hcUte. Köln. Während so die französische Propaganda mit der Gewinnung des
amen. jji^^^f.g^y Hauses erfolgreich über die kurfürstlichen Kreise hinaus- schritt, scheint Franz L von den Kurfürsten selbst nur die fünf bisher genannten in seine Berechnungen gezogen und um die beiden übrij^enU) Stimmen sich kaum ernstlich bemüht zu haben. So hören mr, so lange Maximilian lebte, von keinen Verhandlungen Frankreichs mit detn Erz- bischofe von Köln *). Wahrscheinlich hielt man jede Anknüpfung für niäzlos, da Hermann von Wied in dem Rufe stand, „quil estoit mat^ vais Frani^ois^^ ^), 2()
Auch um die böhmische Kurstimme dürfte sich Franz L vor dem Tode des Kaisers nicht beworben haben. Das tväre auch schon deshalb völlig aussichtslos gewesen, weil neben König Sigismutid von Polen Ma- ximilian selbst als Mitvormund König lAulwigs für Böhmen zu wählen
' hatte. So deutet denn auch nichts darauf hin, daß der französische 2,^
König mit Sigismund wegen der Wahl anzuknüpfen i^ersuchi hohe,
Württem- Dagegen stand Franhreich, wie im Norden Deutschlands, so auch
^^^V' im Süden die Hilfe befreundeter Fürsten, die nicht zu den Wahlfürsten
zählten, zu geböte. Von dem Herzoge von Lothringen, dessen Land nach
ilico, manu propria, in Cleva , die martis post dorn, misericordie (20. April) 8. a, 30 Orig. Berlin H, A, Bep. XXX. — Ein Herzog Adolf von Cleve hegleitete König Karl ncuih Spanien s. Henne II 207 j.
') Heinrich von L&nehurg an Johann von Sachsen, d. d. Celle, mit meiner hant, am mitwochen nach assumpcionis Marie anno etc. 18. Orig. Weimar, Beg. C (praea. mitwochs nach Bartholomei 1518 = 25. Aug.). 35
') Wenn ülmann Maoßimilia/n II 701 angiebt, daß Joachim von Brandenburg den Erzbischof auf französische Seite habe ziehen woüen, so benifU das auf einem Irrtume, da die angeführte Instruktiofi für Dietrich von Hardenberg erst in das Jahr 1519 faUt. (8. unten: Urkunde nr. 64).
^) Hatidschnftl. Gesch. Franz' L 40
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2. Franz I. und die deutschen Fürsten. {S9
dem To(k Maximilians das Hauptquarti/r der in Detäsehland ihatigen frangösischen Diplomatie werden soUte, ist es sicher^ daß er awih schon in den vorhergehenden Jahren auf seilen Frankreichs stand.
Wie iceit Franz L in jener Zeit auch die Markgrafen von Baden
r» und den Bischof von Strasburg um seine Fahne geschcuirt und für seinr kündige Erhdmng gewonnen hat, vermögen unr nicht eu sagen *).
unhaltbar dagegen ist die von einem namhaften Historiker fioeh in unseren Teigen verfochtene Meinung, daß in der Zeit des Wahlkampfes SU den von Frankreich durch Geld erka^iflen Fürsten auch Ulrich von
U> Württemberg gehört habe *). Allerdings hai d/r Herzog schon im Jahre 1516 sieh mit Franz L in Verhandlungen Ober eine Kriegslye^tallung eingelassen; sie gerieten aber ins Stocken, weil Ulrich eitlen größeren JahresgehaU verlangte, als der König bewiUigen wollte, und führten aus detnselben (rrunde auch im folgenden Jahre, trotz der von dem Herzoge
ir>m Anspruch genommenen Vrrmittlwig der Schweizer Eidgenossen, nicht zu einem AbsctUtiß *). Er glaubte entweder in seiner Phfnrhebung, Frank- reichs Beistand nicht zu bedürfen, oder er fand es, was wahrscheinlicher, klug, dem Kaiser, so lange noch Vermittlungsversuche im (ränge warfn, krinf' neue Waffe in die Hand zu gelmi. Dankbar begrilßte er sogar
'20 die Verwendung, welche die Ttegentin der Niederlande, Margareta, zu seinen Gunsten beim Kaiser zu thun versprach *).
') Mignet I 129 bleibt den Beweis dafür schuldig, ivenn ei' nagt, daß diene beiden Fürsten nicht fern duvcm gewesen wären, sich Franz zur Verfügumj zu stellen.
25 *) Ulmann, Fünf Jahre Würtembergischer Gesch. 134 ff. (1867); in späteren Werken des Verfassers, so viel uns bekannt, nicht zurückgenommen.
*; Heyd, Ulrich II 127, noch besser r. Stalin, Wmi. Gesch. /T' 149 165. Damach hat König Franz dem Herzoge am 28. Juli 1516 von Moulinssur-Alliei' am für jährlichen Kriegsdienst 8000 Pfwnd angeboten. Ulrich aber verlangte (nach
^Heyd) eine Petision von 22000 Franken, worauf Franz I. erklärte, er würde ihm seine Wünsclie gern erfüllen, wenn er nicht die gleiche Summe, die er Ulrich ge- boten, jährlich als Pensiwi anderen deutsclien Fürsten gäbe, die dann eifie Er- höhung seiner Pension mißdeuten möchten. Der Herzog lehnte aber am 5. No- rember 1516 die geringere Summe ab, mit der Bitte, die verneinende Antwort
iS^f nicht bösem Willen zuschfreiben zu wollen. Bald darauf jedoch (Januar 1517) nahm er die Vermittlung der Schweizej' in Ansj^ruch, die ihm gei'n gewährt wurde. Aber Eberhard von Beischach, der an den französischen Hof abging, brachte auch jetzt ein Bündnis nicht zum Abschluß, toie fr nachher voi' kaiserlichen Bäten zur Verteidigung seines Heim auf einer Tagsatzung zu Luzei-n glaübicürdig rer-
40 sichert hat.
*) Ulrich schreibt aus Stuttgart (vendredy apres Marie Magdalenne [2^. Juli] 1518) an Margarete, daß er von Grammfmt ihre gute Gesinnung gegen ihn er-
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60 Einleitung.
Nach dem Tode Maximilians L und der diesem Ereignisse bald folgenden Eroberung Reutlingens durch den übemiiitigen Herzog ist es dfinn seltsamerweise dahin gekommen, daß Frane /., so lange der Wahl- kämpf schwebte^ aus Rücksicht auf die öffenHiche Meinung in Deutschland es sorgfältig mied, die Dienste des jetzt in (dien und natnenflich auch 5 in städtischen Kreisen aufs ärgste verschrieenen Würitembergers anzu- nehmeti, und daß dennoch die weitt^erbreitete und von der österreichischen Partei geflissentlich genährte Überzeugung von der zwischen beiden be- stellenden Verbindung für die WaJUbewerhung des Königs von Frank- reich von großem Nachteil gewesen ist ^). 10
GleichwoU gehörte es zu den Anklagen, die Maximilian gegen den ihm tödlich verhaßten Herzog immer von neuem erhob, daß er mit Frank- reich gegen Kaiser und Reich kon^iriere *). Es kann aber kein Zweifel darüber bestehen, daß Ulrich atich im Jahre 1518, als Franz L, jetzt offenlxir in dem Wunsche, den kampflustigen Herzog in dem Wahlstreite \r^ auf seiner Seite zu haben, sich um seine Freundschaft und sein Bünd- nis bewarb, nicht darauf einging, obwohl er, zu Augsburg während des Reichstags vom Kaiser zum zweitenmal geächt-ct, sich in unverkennlHirer Gefahr befand^),
fahren habe etc, — Am 15, September (17. kal. octobres 1618) dankt er von Stutt-'2i) gart atts der Statthalterin Margarete, daß sie Orammonis Aussage zufolge ver- sprochen habe, crga ces. Majestatem cauaain uostram promoveudam. E^' sendet ihr Copieen seiner Briefe an den Kaiser und die Fürsten, in quibus nos offerimus ac submittimus equitati et discreiioni ces, Majestatis, und hofft, daß Margarete alle Streitigkeiten beilegen wird. — Beide Briefe befinden sich im Archiv von Lille, 25 Portf 38.
*) Im Februar 1519 ließ Franz L durch die schweizerische Eidgenossenschaft dem Herzog 10000 Kronen zahlen, die Frank/reich ihm und seinen Reisigen vom Jahre 1513 Jier schuldete. Diese Zahlu/ng wurde sofort von dem Gerücht in eint ungeheure Unterstützung zu kriegerischen Zwecken verwandelt (s. v. Stalin IV 165). — • 30 Über die Frankreich ungünstige Wirkung des nach der Eroberung Reutlingens travestierten Vaterunsei' s. Heyd II 129, Ulmann 134, Stalin IV 164. — Wie vortrefflich das alles die österreichischen »Staatsmänner zu benutzen verstanden, als es ihnen darauf ankam, den Herzog zu vernichten, zeigen unsere Akten aus den ersten Monaten d€s Jahres 1519. 35
») Heyd I 495 ff.
*) Als Ulrich nach seiner Vertreibung durch den schwäbischen Bimd sicfi in seiner Not Hülfe sucliend tiach Paris warnte, mußte e>' sich vom Könige die ab- lehnende Haltung aus dem Jahre 1518 vorhalten lassen. Sattler, Gesch. d. HztJis. Würt. II 92. 40
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3. MaximiliaD, Karl von Spanien m. d. Kurflirsien bis z. Augsburger ReichBtage. 61
III.
Maximilian, Karl von Spanien und die Kurfiirsten bis zum Augsburger Reichstage.
Es ist oben (S. 11) schon der Botschafl gedacht worden, die Karl, Karl nachdem er sich zur Bewerbung um die Kmigshrane nach langer Über- 3/^*^.,-. legung entschhss&n hatte, unmittelbar vor seiner Reise nach Spanien an milian. den Kaiser richtde. BaJi er gleichzeitig für das Innsbrucker Regiment
j> und über die Leistung der Huldigung, faUs der Kaiser vor seiner Rück- kehr sterben soßte, Bestimmungen traf'^), läßt erkennen, dafi ihm und seinen Ratgebern, wenn auch erst spät, die Größe der Interessen zum Bewtißisein gekommen war, die bei dem weit entfernten Ziele seifier Reise, sowie bei dem Alter Maximilians auf dem Spiele standen,
10 Was Karl durch Villinger seinem Großvater in der Angelegetiheit
der KaiserwaM mitteilen ließ, latäete dahin, dotfi er nach reiflicher und vielfältiger Erwägung und im Einvernehmen mit seinen vertratäesten Räten nunmehr fest entschlossen sei, mit allen Mitteln sich die Nachfolge im Reichs zu sichern. Er habe erkannt, wie wichtig der Besitz des Reiches
15 ßir ihn sei, und welche Gefahr es ihm und seinen Ixinden bringen würde, wenn ein anderer die römische Krone erlange, nach der ja einige der mächtigsten chridlicJien Fürsten durch große Umtriebe trachteten. Des- halb hai er Villinger beauftragt, in Gemeifischaft mit defi kaiser- lichen Räten (dem Hofmeister Ribaupierre, dem Statthcdter Michael
20 Wolkenstein, dem Kanzler Oyprian van Somtein utid Hans Renner) *), aber stets mit Wissefh Ufid Willen des Kaisers, ohne den Karl nicMs in dieser Sache thun will, die Kurfürsten und andere Fürsten durch gute Gründe, Geschenke, Versjn-echung von Pensionen und auf andere Weise zu gewinne}^. Zu diesem Zwecke will er 100000 Ggl Rhdn,
"^o verwenden , die nach smier Wahl und der Übergabe des Wahldekrets
*) Vgl. die beiden Instruktionen für Villinger: (Wiener) Jahrbh, f. Litt. CXI 186-189.
*) Instructions doun^s k monseigneur . . . Jaques Villiugher touchans T^lection du roy catholicque en roy des Romains. Jahrbh. f. Litt. a. a. 0. 180—193. Die 'äO IngtrukUon tat undatiert, da aber der König sagt, er sei pass^ k six sepmaiues n<ich Seeland gekommen pour acbever son voyaige d'Espaigne, so muß dieselbe zwischen den 15. u. 20, August fallen, denn Karl kam am 4. Juli nach Middel- bürg (Gachard, Coli, des voyages des souverains des Pays • Bas. II 21).
*) Eine Voümaeht für die Genannten, in diesen Sachen zu handeln, dat. 35 Middelbourg, le — jour d'aoust 1517, erwähnt Chmel, Jahrbb. a. a. 0, 193 Anm.
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62 Eitiloitung.
zahlbar sein sollen und zwar durch das Anüverjtctter Geschäft der Fugger , denen er sogleich Sicherheitshriefe für die BiickzaJdung übergeben wird; die Verteilung d/r Summe soll den VersTyrechnngen gemäß erfdgenj welche die obengenannten Jläte unter Zustimmung des Kaisers machest werden. Der König ist damit eint erstanden , den drei geistlichen Kurfürsten jähr- 5 lieh HOOO GgL aus ihm zustehenden Benefizien '), dem Bischof von Strqßburg 1000 Ggl, *), einem der Dietier (parens) des Bischofs von Würzburg 500 GgL und jedem weltlidien Kurfürsten 2000 GgL Pension zu versprecJien. Ebenso soll man auch im geheimen die Tta^tgeher der Fürsten und afidere, welche zur Förderung der SacJie dienen können, lu auf Karls Seite zu ziehen suchen, damit sie in diesem Sinne auf ihre Herren einwirken. Über die Summen (xler Pensionen, die man nach Meinung der Bäte unter sie verteilen muß, sollen sie berichten, damit der König darüber entscheiden kann; ebenso über Besoldung hervoiragen- der Persönlichkeiten y welche die bewußte Angelegenheit als Truppen- ^b führer fordern könmm. Die vereinbarten Pensionen wird der König mich (erfolgter Wald und Empfang des Dekrets jährlich zu Frank- furt a, M. unter Aufsicht von Villinger zahlen lassefi *). Die Räte sollen im geheimen zu erfahren suchen, ob dem Kwfürsten Friedrich von Sa^chsen, dem Hnzoge Wilhelm von Baiern und dem Markgrafen'^ Casimir die Aufnahme in den Orden des goldenen Vließes angenehm sein iviirde, und darüber berichten, damit dieselben etwa bei dem reichsten Ordetiskaintel gewählt werden können.
Dem freitvilligen Anerbieten einiger Kurfürsten und Fürsten, seifte Wähl zum römischen Könige fördern zu helfen *), Imt Karl kein Gehör 25 gehen wollen, ohne den Willen des Kaisers zu kennen. Wenn dieser die Afigelegenheit allein in die Hand nehmen will, wird der König davon mit andern iveder reden, noch darüber utüerhandeln. Villinger soll ihn daher von der Absicht Maximilians benachrichtigen, damit rr sich da- nach richten kann, — Sei^iem urkundlichen Vtrspreclien gemäß willi^o Karl flach seiner Ankunft in Spanien den Kaiser mit allen Kräften unterstützen, „pour fnectre ordre et bon police es affaires de Vempire et
') Udc reservc de trois mil florens d*or par an, sur les dignitez et buueficefi de soll patroniiaige eii ses royaulmes d'Espaigne, quant ilz vacqueroiit.
') Une rdserve de mil floriDs d'or. «^o
^) Aber mit der Einschränkung: pourveu que icelies peosioDs, mesmeinent Celles qui seront accord^es aux princes et seigneurs teinporelz, se pourront rap- peller au bon plaisir du roy selon la mani^re et costume de pardeca.
*) Hierüber ist uns nichts bekannt
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3. Maximilian, Karl von 8{Mnien u. d. Kiirflirsien bis t. Augsburger Reirhstage. 63
ä reduire les prkices et oMtres dudit emjnre ä vraye et deue obeissapwe" ; das soll Viüinger dem Kaiser erklären.
AUe Briefe und Verschreibungen über die in dieser Instruktion er- wählten Pensionef^, Geschenke u. s. w. sollen Viüinger und die Räte
betitwerfen und dem Könige zur Prüfung und Bestätigung i'd^ersenden. Das für Gesandtschaften u. dgL fiach dem Beschluß der Räte erforder- liche Geld soll Viüinger zahlen; der König wird edle ordnungstnäßig gemachten Auslagen ihm erstatten ^).
Mit dieser Instruktion, die bereits das Programm für die ganzen
10 späteren Verhandlutigen enthält, reiste ViUinger wohl noch im August aus den Niederlanden ab, er tvird si)ätest€ns Mitte September am Hofe Maximilians angekommen sein. Es scheint nur dieser bestimmten Er- klärung Karls bedurft zu haben, um den Kaiser zu veranlassen, jetzt mit aJler Energie für die Wahl seines Enkels einzutreten; gerade in den
15 Herbstmonatefi des Jahres 1517 läßt er den englischen Plan fallen *). Wiewol derselb konig von Engelant, so sagt er selbst *), uns einmal die Sachen abgeslagen hat, so sein wir doch fiir und für bis uf discn tag mit im in handlung und arbeit gestanden, in zu bewegen, solichs anzu- nehmen, aber izt hat er uns ein ganze entliche abschlegige antwort ge-
20 geben, also das kein hoflnung weiter an demselben ort ist. Wie weit diese Aussage richtig ist, vermögen wir nicht zu efttscJieiden; der Eifer aber, mit dem der Kaiser von nun an unentwegt die AngelegenJieit Karls zu der seinigen machte, zeigt, daß der Wechsel ihm nicht sehr zu Herzen gegangen ist,
25 Am 20. Noi:ember beaußragte Maximilian den Markgrafen Casi- Maxi- mir. bei seinem Vetter, dem Kurfürsten von Brandenburg, für Karl zu J^ wirken *). ZuHir wtißte der Kaiser von Joachim selbst , daß er mit Branden- Franz L in Verbindung stand. Der Kurfürst erzählt in seinem oben " ^* erivahniefi Rechtfertigungsschreiben, er habe schon vor dem Fri'dijahr
30 *) Hierüber wird Vülinger ein Schadlosbrief atisgesteUt Jh/rbb. a. a. 0. 193 Anm. (8. d.).
^ Eine letzte Spur findet sich in einem (allerdings undatierten) Schreiben von Peux, der am Anfang October schreibt: The emperor promises the king the im- perial crown as formerly and wishes to retarn in Flandres for that purpose. 35 Brewer H nr. 3724.
*) In der gleich anzuführenden Instruktion für Casimir vom iiO. Not^ember.
*) Die Instruktion des Kaisers fiir Casimir, d, d. Neuenstadt, 20. November
1517. Berlin St. A. Rep. XII. nr. A. 1. Doppelt in Gopie vorhanden, von denen
das eine Sxemplar merkwürdiger Weise von Joachim eigenhändig unterzeichnet ist.
*-> ^^Kndort findet sich auch das Orig. der Beglaubigung für Markgraf Casimir vom
gleichen Tage.
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64 Einleitung.
1517 Maximilian gebeteti, seinem Sohne Karls Schwester Katharina zur Gemahlin zu gehen; damals aber sei er „mit gnädiger Antwort und Vertröstung aufgelwUen'' word<m. Später, hei seiner Anwesenheit in den Niederlanden, habe er wiederum mit alletn Fleiß wegen dieser Heirat angehalten, aber nichts „Endlichs oder Zuverlässigst* erlmigen 5 können; deshalb sei er veranlaßt, an anderer Stelle für seinen Sohn ei}ie jKissende Gemahlin zu suchen und bei Franz L um RefuUa zu werben. Er habe jedoch ohne Wissen und Witten des Kaisers nicMs unternehmen wollen und diesen daher hiervon in Kemünis gesetzt Maximilian hohe dumals bereittvillig seifte Zustimmwig erteilt undl^i dies auch sjßäter noch, auf dem Reichstage zu Augsburg, vor seinen Räten Ziegler und Renner offen erklärt.
Um sich aber des „getwmmenen Abschieds zu Frankfurt und kais, Majestät gnädigen WiUetts gehorsandich*' zu haitefi, machte Joachim am 30, August Maximilian auch davon MiUeilung , daß seine 15 nach Frankreich gesandten Räte die Heirat abgeschlosseti , und daß durch die mit ihnen herausziehende französische Botschaft Renata sei- tmn Sohne „per verba de futuro desjnmsiert" und zugesagt unyrden sei. Er spraf^h dabei die Hoffnung au^, der Kaiser iverde dem Hause Brandenburg diese „ Wohlfahrt'' gern gönnen; und fügte endlich hinzu .-'^i „ßs soUen auch e, kais, Mt, geioiss sein, daß ich darüber mit kön. Würde zu Frankreich nichts weiters geliandeU, noch beschlossen habe, dann dasjenige, so ich e, kais. Mt. jüngst zu Frankfurt vertreulich selbst angezeigt habe'' ^).
T>ies letztere wird mau bezweifeln dürfen, ohne dem Kurfürsten '^^y Unrecht zu thun; wir wissen ja, daß er damals schon tief in deti UfUer- handlungen mit König Franz über die römische KönigswaM steckte.
Der Kaiser sandte also, wie erwähnt, den Markgrafen Casimir zu Joachim, um ihn von dem Scheitern des zu Frankfurt besprochenen eng- lischen Planes in Kenntnis zu setzen uml ihm zu erkläreyi: er wisse *^ nunmehr keinen Fürsten, der besser zum römischen Könige pa^se, cds seinen Enkel Karl*), der jung, mächtig, geschickt und vernünftig sei.
0 Joachim an Maximilian, Coln an der Sprew, suntag nach Bartolomci (30. Aug.) anno etc 17. CJofic. Bei'lin St, A, Rep. 12. (Der Text Imt in'tümlich Frankreich statt Frankfurt.) •5'>
*) In dem encähnten Beditfertigungssdireiben van 1520 erzäldt Joadtim, Casimir habe ihm mitgeteilt: das ir Mt. sich wol zu erinnern wüst des genomcn abescheids und gehabter handlung zu Frankfurt am Main, aber ir Mt. werc von irem sonn konig Karin, itzt unserm gnedigsten herrn und konig, midier zeit seiner kf. g. abescheids ersucht und gebeten worden , sein ko. Mt. zu der wirde eins 40
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3. Maximilian, Karl vun Spanien u. d. KurHirRten big z. Auj^sbiirger Reichstage. 05
Aber nicht als Erzherzog ron Österreich , somlern als König vofi Spa- nien soll derselbe gewählt werden, „denn wir wissen wohl, daß Irin Erz- herzog zu Österreich gut dar zu ist, so hat auch sonst kein Fürst in deutschen landen das Vermögen darzu**, Übrigens ist ja a^wh Karl bals geborener Erzherzog ron Österreich uml Herzog zu Brahaytt ein detäschcr Fürst, Dem Kaiser und dem Reiche zu Gefallen möge daher Joftchim in snne Wahl willigen und seine Zusage durch Casimir über- senden, M(unfnilian will sich dafür dankbar erzeigen und Karl veran- lassen, ihm eine Verehrung zukommen zu lassen, mit der er zufrieden
lOsein wird. Auch einigen Räten Joachims darf Casimir ein Geschenk zusichern. Die Kurfürsten sollen baldigst zur Vornahme der Wahl zu- sammenger74fen werden. Mit Hecht sprach Joachim *) dem Vetter sein Befremden darüber aus, daß der Kaiser seit der Frankfurter Unter- redung seine Gesinnung so vollständig geändert hübe; er erinnerte an
ibden Ratschlag, den er und sein Bruder damals gegeben, und erklärte: es woHe sich nicht wohl fügen noch gebühren in dieser sach, so die waol eines Romischen koniges belangt, so eilendes und unbedacht hinter den andern meinen brudern und ohemen, den churfursten, etwas ent- lichs zu bewilligen, wie ir Mt. selbs abzunehmen. Wo aber ir kai. Mt.
20 mich sampt den anderen churfurstcn samptlich an gelegen und gewonliche malstatt bescheiden werde, will ich kai. Mt. zu undertenigem gefallen und gehorsam, so ferne mich leibes not und gott« gewalt nicht ver- hindert, gerne personlich erscheinen und alles dasjennig, das die andern chiufursten daselbs samptlich oder der mehrer tail kai. Mt. begem
25 nach vor nutz und gut dem heiligen reich achten und ansehen werden, das wil ich gar nicht verhindern, sunder nach meinem vermögen treu- lich und mit allem vleis, kai. Mt. und irem son zu eren und guten, fordern helfen. Noch vil weniger wil mir gebum in betrachtunge meins eides, den ich als chiurfurst zu der wael thun muß, einiche ver-
3Uerung oder anders umb meiner stim oder wael \\allen von kai. Mt., irem son oder imands anders anzunemen; wolt aber ausserhalb des ko. w. zu Hispanien mir, als irem verwanten und angebornen freimd, aus fruntlichen vdllen und meiner dinst halben jerlich mein leben lang ein pension oder solt verschreiben und geben lassen, solchs wüst ich
35 Romischen konigs bei allen kurfursten zu befordern. Daß diese Angaben von Casimir seiner Zeit gemacht sind, ist sehr wahrscheinlich; sie entsprechen völlig den thatsächlichen Verhältnissen.
*) Antwort meins gnedigston hera, des churfursten Ton Brandenburg, uf wer- bnng meine gnedigen hem, marggraff Casimirs zu Brandenburg. Cop. s. d. Berlin
40 St. A. Eep. Xn nr. A. 1. Von Casimir unterschrieben,
ReiehitagiAkten d. K.-Z. Bd. I. 5
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66 Eiuleitun^;.
irer ko. w. nicht abzuslaen und wil doch dasselb in irer ko. w. willen und wolgefallen gcstalt halben; underteniger imd trostlicher Zuversicht, kai. Mt. werd disser meiner gutwilligen antwort gnediglich gesetiget sein und in alle weg, wie bisher mildiglich gescheen^ mein guedigster kaiser und herr sein und bleiben. 5
Maximilian entnahm zwar aus dieser AfUwart Joachitns de^i „gtäeti Willen, so er zu wis und demselben unsenn Sohne trägt"; er umnschte aber eine bifidefide Erklärung des Kurfiirsteti für Karl und ließ ihm, „damit sein Lieb des gtUen WiUens Ergötzliehkeit etnpfaiige", einige Zeit später durch Casimir eine jährliche Pension von 8000 GL anbieten, 10 wefin er seine Stimme Karl geben woUe, und dieser gewäJdt werde, Falls etwa der König rofi Frankreich die zwischen dem Sohle Joachims und Renata abgeredete Heirat flicht halten unU, so sichert er ihm zu: „daß wir in dem Fall demselben seinem Sohne unsere liebe Tochier, Frau Katharina, Erzherzogin zu Österreich, verheiraten wollen" *). 15
Casimir rät dem Kurfürsten dringend auf dem Reichstage zu er- scheinen; der Kaiser, der heute oder morgen nach Augsburg komme, werde denselben sofort ausschreiben und ihn persönli4ih besuchen. Et- waige weitere Verhandlungen möge er heimlieh durch einen Vertrauten führen lassen '). Joachim ließ es vorläufig hei seiner letzten Ant- 20 wort bewenden und erklärte: er denke nieht anders, als immer gut kaiserlich zu sein, „ Wenn aber dieser Handel zu Werk genommen und geführt wird, alsdann werde ich ohne Zweifel mein Notdurft mit kais, Mt, zu handeln persönlich nicht unterlassen haben." Des Reichsta^gs wegen blieb er bei der früher dem Markgrafefi Casimir gegebenen Er- 2b Märung, hielt es aber nicht für notig, persönlich ruich Augsburg zu kommen, weil dort doch keine Wahl geschehen könnte, „ Wollt aber es kais, Mt, je von mir haben, wann ich alsdann mit dem versorgt werde von irer ML, das darzu gehört, wie ich e. L. jüngst selbst berichtet habe,
') Milximiliim an Casimir, Dat. Muldorf, am 22. tag januarii anno etc. 18, 30 unsers reichs im 32. jare. Mit eigenhändiger Nachschrift Maximilians: Freuntlicher lieber ohaem, euer lieb waerd in dem frei unser purg. Orig. Berlin St Ä. Rep, XII nr. Ä 1. Vgl Le Glay 11 129. — Die Eechtfertigungsschriß von 1520 erwähnt diesen Brief nicht, gieht aber an, daß Casimir schon hei seiner Werbung dies Anerbieten gemacht, für Katharina eine Mitgift von 300000 Grulden und ainfier- 35 dtim noch vieles andere sugesichert habe. Der KurfUrsi sei aber bei seiner frühem Ansicht geblieben.
*) Casimir an Joachim. Sendet zugleich hiermit das obige kaiserliche Seihreiben. Dat. Lembdlingen, amb montag nach Sebastiani (Jan. 25). Orig. m. ppr. Berlin St. A, Rep. XII nr. AI. 40
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3. Maximilian, Karl von Spanien u. d. Kurftirston bis z. Augsburger Reichstage. 67
SO wM ich mich abemmls als der GeJuyrsame halten; detin ohie das icoüt es mir nicht gelegen sein" *).
In derselben Zeit, in der Maximilian mit Brandefiburg über die Maxi- WaM seines Enkels zu verhandeln begann, trat er atidi mit Sadisen ""ü^** 5 deswegen in Verbindung. Er forderte am 28. November 1517 deii Kur- Sachsen. fürsten Friedrich auf, seinen Rat Degenhnrd Tfeffinger wieder zu ihm zu senden, da er ihm etliche Sachen mitzuteilet% habe, die das heilige Reich, deutsche Nation und die gemeine Christetiheit merklieh beträfen *). Warum es sich handelte, ergiebt sich attö einem Schreiben, das der kaiser^
10 liehe Bai Renner am gleichen Tage an den Kurfilrsten- ricJUete '). Er machte darin mit ähnlicher Motivierung, wie dies Brandenburg gegen- über geschehen war, dem Kurfürsten die Mitteilung, daß der Kaiser Heinrich VIIL als Thronkandidaten aufgegeben habe und nun die Wahl Karls wünsche *). Ich hab demnach, so schrieb Renner, sein Mt.
15 bewegt, das ir Mt. den Pfeflfinger ervordert, und wirdet sein Mt. im solhs, wie obstet, anzaigen, das furter e. f. g. zu erofnen; das ist die ursach derselben seiner ervordrung. Und nachdem ich e. f. g. vormals bei demselben Pfeffinger angezaigt hab, was nutz dem hailigen reich und Teutscher nation auf dieser handlung stee und sonderlich, was
20guts e. f. g. irem vetter, dem jungen von Lunenbui^, damit schaffen mog % bitt ich e. £ g. underteniglich, e. g. welle den handl zu herzen
^) Joachim an Casimir, dat. Coln a. d. Sprew, freitag nach cinerum {19. Febr.) 1518. Conc. Berlin 8t A. Bep. XII nr. A. 1 (Erwähnt bei ülmawi II 701^.) Mit dem Aussehreiben zum Reichstage hatte Maximilian am 10. Februar wieder einen
25 seiner Räte zu JoaMm „ mit dergleichen brief." abgefertigt; über dessen ünterhand' lung mit dem Kurfürsten wissen wir aber nichts. (Max, an Joach., d. d. Augsburg, 10. Febr., Berlin ibid.)
*) Maximilian an Kurf. Friedrich, d. d. Melck, am 28. tag novembris a. 17. Orig. Dresden, Wahlsachen wr. 1.
30 ») Benner an Kurf Friedrich, Mekk, 28. Noi: 1517. Orig. Dresden, WdMsachennr.l.
*) Aiush hier wiederholte er: da Heinrich letz am letsten gar und entlieh
abgeslagen hat, also das an demselben ort weiter kain hofnung ist, hat ir Mt. den
Sachen weiter nachgedacht; also dieweil konig Carl von Hispani, seiner Mt sun,
auch jung, mechtig, geschickt und vernünftig und jetz in seine konigreich komen
35 und als ein geporner erzherzog zu Ostereich und herzog zu Brabant ain Teutscher fürst sei, und sein Mt. auf disem tag kain waist, der dem haiigen reich, Teutscher nacion und gemainer cristenhait mer nutz und guts tun mog dan er, das sein Mt. auf mein vleissig solh'citieren und aus den ohgemelten Ursachen denselben konig Carl zu Romischen konig nit als ain erzherzog zu Osterreich, sonder als ain
40 konig von Hispani furdem welle; dan sein Mt. vermaint ie, das kain erzherzog allain als ein erzherzog zu Osterreich darzu gut sei, so hah auch sust kain fürst in Teutschen landen das vermögen darzu.
^) Vgl das oben erwähnte Schreiben Benners an Kurf. Friedrich vom 1. Sep-
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68 Einleitung.
nemen und iren >villen dem gemelten Pfeffinger anzaigen; so sag ich e. f. g. hiemit zu, das konig Carl solhs gegen e. f. g., es sei mit ainer vererung oder dem von Lunenburg, in aller finmtschaft und dennassen erkennen sol, das e. f. g. darob zufriden sein ^^drdet. Ich schreib auch solhen handl mit wissen und aus bevelh k. Mt., darnach mag 5 sich e. f. g. dest bas richten.
Kurfürst Friedrick aber wdUe sich atigefischeinlich auf derartige Verhandlungeth nicht einlassen. Am 26. Dez. 1517 schlug er deni Kaiser die Sendung Pfeffingers, angeblich der ,, sterbenden Laufte'* wegen, ab und bai, damit warten zu dürfen, bis Maximilian nach Augsburg 10 oder Innsbruck Mme *). Als nun der Kaiser Ende Januar in Augs- burg eintraf, lüiederhdte er sogleich die Bitte um Absendung Pfeffingers *), und Refvner ') drängte ebenfalls dazu , indem er Friedrich zugleich ron der Absicht des Kaisers benachrichtigte, die Kurfürsten persönlich zu erfordern und in eignet' Person die Angelegenheit „auszuwaten".lb Der Kaiser habe mit Friedrich mel zu reden, und da er (Renner) und Pfeffinger stets erklärt hauen, der Kurfürst würde nach Augsburg persönlich kommen, so sei nur mit Rücksicht auf ihn der Reichstag nach dort ausgeschrieben. Nun möge er aber auch auf Begehren des Kaisers sich dort einfinden; „denn mir zweifelt nicht, wenn ihr beiden^) Herren bei einander seid, ihr werdet gemeiner Christenheit, dem heiligen Reiche und gemeiner deutschen Nation viel Nutzen schaffen"^).
Barauf meldete Kurfürst Friedrich am 11. Februar an Renner, daß er Pfeffinger absenden werde; gleichzeitig aber lehnte er sein per- sönliches Erscheinen auf dem Reichstage ab; er wollte sich durch eine 2b Gesandtschaft vertreten lassen % Dies kam Renner sehr ungelegen; er bestürmte daher (am 26. Febr.) den Kurfürsten wiederum mit Bitten, persönlich zu erscheinen; auf dem Reichstage werden, me er schreibt, gerade die Gegenstände verhandelt, deretwegen jetzt PfeffTinger zum Kaiser
tember 1517 (S. 17 Änm. 2). Datnah handelte es «tcÄ jedenfalls noch um die Wahl 30 Heinrichs VIII.
*) Kur f. Friedrich an Maximilian, d. d. Altenburg, am st. Steffistnetage 1518; vom gleichen Tage und mit gleichem Inhalt an Renner. Conc. Dresden ibid.
•) Maximilian an Kurf. Friedrich, d. d. Augthu/rg, 28. Jan. 1518. Orig. ibid.
•) Renner an Kur f. Friedrich, d. d. Augspurg, am 29 tag januarii a. etc. 18.35 Orig. ibid.
*) In einer Nachschriß zu diesem Briefe sagt Renner: Es ist nit not, kain potscbaft auf den reichstag zu schicken, bis. auf weiter beschaid.
^) Dies Schreiben ist uns nicht erhalten; Inhalt und Datum (Altenburg, Donnerstag nach Dorotheas) ergeben sich aus Renners Brief an Friedrich, d. d. 40 Augspurg, am 26 tag februarii anno etc. 18. Orig. ibid.
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3. Maximilian, Karl von Spanien ii. d. Kurfürsten bis z. Au|^burger Roichstage. 9^
reitet; er hofft, Friedrichs Erscheinen werde „dermassen erkennt und angesehen werden, daß es e. /. G. eu Nutz und Ehren kommen solle*'.
Wann Pfeffinger nach Augsburg gekommen, ist nicht genau festzu- stellen; es wird im Anfang März gewesen sein, denn nach defn eben 5 erwähnten Briefe Renners erwartete man ihn täglich. Friedrich hatte Seinern Rate ganz bestimmte Instruktionen mitgegeben. Er soU sich, ehe er zu dem AufenihaÜsorte des Kaisers kommt, bei dem Kämmerer Jörg BdUnrer^) schriftlich erkundigen, „wo er zu kais, Mt. kommen, und ob er erstlich zu ihrer Mt. kommen soU, oder in eifie Herberge reiten ", und
loer sott darauf bedacht sein, früher zum Kaiser als zu Renner zu ge- langen*). Wenn dünn Maximilian von dem die bewirte Angelegen- heit berührenden Schreiben Renners zu reden beginnt, so soü ihm Pfef- finger erklären, der Kurfürst habe ihm keinen anderen Auftrag erteilen können, cds den: anzuhören, was der Kaiser wünsche, und ihm dies
15 wieder zu melden; denn aus Renners Schreiben gehe gar nicht hervor, was der Kaiser in dieser Sache vom Kurfürsten gethan haben wolle. Da er (Pfeffinger) auch „ron wenig Merken und Behalten ist", so bittet er, daß der Kaiser seine Meinung durch einen Vertrauten schriftlieh aufzeichnen lasse, deimnt er sie seitdem Herrn zusenden könne, zu dem
20 er doch nicht so bald zurückkehre, da er vorJetufig Urlmib erhalten habe. Ohne Zweifel werde der Kurfürst dann „sich unterthäniger ArUwort vernehmen lassen^'.
Der Kurfürst, so heißt es in der Instruktion weiter, kann auch Renvhers Schreiben nicht fnit dem in Einklatvg bringen, was ihm früher
2b von Seiten des Kaisers angezeigt worden sei, duß Maximilian nämlich „nicht bedaeht, einen, den e. Mt lieb hätte, zum römisclien König zu machen"; daher müsse sich Pfeffinger damals des Kaisers Worte nicht recht gemerkt haben, und das sei ja auch wohl möglich. Die etwaige dringende Forderung, daß Friedrich sich für Karl erklären möge, soll
30 Pfeffinger ausweichend beantworten und seinerseits auf einer schrift- lichen Erklärung des Kaisers beharren '\
') Vgl. %iber ihn Fontes rer. Austr. 1 442 und Pauli, Aufnätze zur engl Gench. 56 (nach Brewer II nr. 1447).
*) Dies aus der Instruktion Peffmgers (von Kurfürst Friedrich) zur Verhand- 35 lung mit Hans Benner. Cop. s. d. Dresden, Wahlsachen nr. 1. Das Folgende aus Pfeffingers Instruktion zur Verhandlung mit dem Kaiser. Cop. s. d. ibid.
") Wan aber darauf gedrungen wurdt, daz wir (Friedrich) willigen soltcn,
kai. Mt. son, kanig Karl, unser stim zu geben, oder bei Pfeffinger gefragt wurdt,
waz unser neigung darzu were, sol Pfeffinger sagen, daz er des nit wisse, und
40 dabei anzeigen, weil mein g. h. aus Renners schreiben nit verstet, wie und welcher
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70 Einleitung.
Rennet' gegenüber soll Pßfßnger offen der Verumnderung des Kur- fürsien über den Widerspruch Ausdruck gelten, der zwischen den frühern Äußerungen des Kaisers und seiner jetzigen Absicht j d^n König Karl wählen zu lassen, bestehe, wobei Friedrich noch hervorheben läßt, dqfi Maximilian, so oft er auch mit ihm über viele geheime Sachen geredet, 5 davon nie ein Wort gesagt habe. Pfeffinger soU dann des weitem aus- führen, daß sich sein Herr auf nichts einlassen könne, was nicht der Ordnung gemäß sei, und daß außerdem seine eine Stimme bei der Wahl ivenig ausmache. Endlich möge Rethfier auch seinerseits dafür sorgen, daß die Antwort des Kaisers schriftlich erteilt werde. Darauf sollio Pfeffinger bestehen, auf keinen FaU aber darf er „Zusage oder Ver- tröstung darin thun " ^).
Aus den vorstehenden Instruktionen erkennt man klar und deutlich, daß Friedrich sich volle Freiheit bewahren und nicht einmal den Schein
gestalt solchs sol furgenomen werden, und waz kai. Mt. entlieh mit der sach wellen 15 gemeint haben, so habe sein f. g. den dingen meins Versehens nit so weit nach- gedacht. Und Pfeffinger sol entlich darauf steen, daz uns, was kai. Mt. gemut und meinung in den dingen sei, und waz kei. Mt. von uns wil getan haben, uns in Schriften angezeigt werde, und er sol in dem kein Vertröstung thun.
*) In der oben erwähnten Instruktion für Pfeffinger an Benner heißt es : Meinem 20 guedigsten heru ist seltzam zu hören gewest, das ir sein f g. geschriben, daz Ro. kai. Mt. furgenomen, konig Karl von Hispanien zu einem Ro. konig ze furdem; dann ich (Pfeffinger) hab sein f. g. zuvor bericht, daz sich ir Mt. het vernemen lassen, daz ir Mt. irer son kein, oder dem ir Mt. guts gönnet, darzu raten wolt etc., wie dann Pfeffinger dise wort weiß etc. Als ir dann in eurm schreiben, 25 so ir meinem gnedigsten heren getan, auch angezeigt, daz ir Mt. solchs nie willen gehabt, und wiewol mein gnedigster herr oftmals bei kei. Mt. gewest, und ir Mt. vil geheimer sachen mit sein f. g. gnediglichen geredt, aber des nie gedacht; weil aber kai. Mt. nu des willens, konig Karl darinnen zu furderen, und ir in eurem schreiben meinem gnedigsten hem nit angezeigt habt, wie solche furdrung bescheen, 30 oder welcher gestalt der handel sol furgenomen werden, dann ir wist ungezweivelt die Ordnung, welcher gestalt ein Ro. konig sol geweit werden, und wu m. g. herre willigen wurdt , solchs ander gestalt zu bescheen : so wurd ir ungezweivelt sein chf. gnad dest leichtfertiger achten. Bin aber ungezweivelt, kai. Mt. gemut und meinung sei, die ding nach rechter Ordnung furzunemen, und wann daz beschicht, 35 so werd mein gnediger herre dazjene, so ime zimbt, auch nit erwinden lassen. Daz aber mein gnediger herre in dem Vertröstungen tun solt, habt ir zu achten, daz solchs wenig austreglich; dan sein gnad ist nit mer, dann ein person und hat eine stim. Wu nu die andern churfursten ir stim einem andern geben, so hilft doch nichts , daz mein gnediger herre sein stim konig Karl gebe ; wu auch die anderen 40 churfursten ir stimmen herzog Karl geben, und mein gnediger her die seine einem anderm , so schadet es auch nit. Darurab ist in dem wenig an meins gnedigsten hem Vertröstung gelegen. Daz wil ich also mit euch, als dem mein gnediger herre vertrauet, geredt haben treulicher guter meinung.
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3. MaximüiaD, Karl von Spanien n. d. Kurfürsten bis z. Augsburger Reichstage. 71
irgendwelcher Versprechungen aufkommen lassen wdUe *). Ijeider wissen wir nicht, mit wdcher Antwort der Kaiser am 19. März Pfeffinger zurüeksafidte, damit er dem Kurfürsten Bericht erstatte „der Ursachen, warum wir ihn (Pfeffinger) erfordert haben''. Einen schriftlichen Be- bscheid scheint man ihm doch nicht erteüt zu hai)en. Bringend aber hat Maximilian in dem eigenhändigen Schreiben, das er Pfeffinger mitgab, Friedrich möge „auf das baldigste'' persönlich zum Reichstage nach Aug^ntrg kommen und sich durch nichts davon abhalten hissen. Er u?oUe ihn nicht lange dort aufhauen, bedürfe aber nottvendig in diesen
10 ihn und das Reich betreffenden Angelegenheiten *) den Rat des Kur- fürsten, zu dem er besonderes Vertrauen habe.
Ob und in une weit der Kaiser in jener Zeit auch mit den andern Kurfürsten über die Wahl Karls verhandelte, darüber liegen uns keine Nachrichten vor. Mit dem Könige von Polen, der zusammen mit Maxi-
Ibmilian die Stimme für den unmündigen König Ludwig von Böhmen abzugd)en hatte, trat er, wie wir sehen werden, einige Monate später als mit Brandenburg und Sachsen in Verbindung.
Die persönlichen Beziehungen zwischen Maximilian und seinem Maxi- Enkel hatten sich inzivischen in folgender Weise gestaltet, ^und^
'20 Karl hatte sich am 7, September 1517 in Vliessingen eingeschifft Karl und ivar am 19, desselben Monats in Spanien gelamlet ^), Im Anfang November machte er dem Kaiser Mitteilung von dem, was er in Spanien zunächst unternommen hatte. Er sprach in seinem Briefe ausführlicher über sein Verhältnis zu Frankreich und forderte bei dieser Gelegenheit
*2b seinen Grqßva^ noch einmal auf, dafür zu wirken, daß das Reich nach seinem Tode nicht in die Hände der Franzosen falle, sondern daß man ihn zum römischen Könige wähle ^),
*) Nach eifiem Briefe Friedrichs ( Wittenberg, 22. März) an Herzog Georg von Sachsen (der erklärt halte, der Bitte des Kaisers folgen und, wenn es seine Ge-
dOsundheit erlaube, ncuik Augsburg kommen zu woUen) hatt^ Pfeffinger auch den Auftrag, den Kaiser zu erstachen, dem Kurfürsten die Reise zum Reichstage zu erlassen; wiü dieser aber nicht darauf eingehen, so verspricht der Kurfürst, wenn es ihm seiner Gesundheit toegen möglich ist, zu kommen, r. Langenn, Züge aus dem FamHienJeben der Herzogin Sidonie 109 f.
35 *) Maximilian an Kur f. Friedrich, d. d. des 19. tags marcy 1518. Weimar, Reg. E. Orig. m. ppr. — Aus einem ebendaselbst befindlichen Schreiben Friedrichs an Herzog Georg von Sachsen geht hervor, daß Pfeffinger am Sonntage Misericordias Domini (IS. April) nach Wittenberg zurückkam.
') Itineraire de Charles-Qtiint bei Gachard, CoU. des voyages II 21.
40 *) Karl an Maximilian (in 3 Abteilungen, davon zwei besonders ron Karl und Hannart unterschrieben, in Chiffem mit gleichzeitiger Dechiffrierung). Orig.
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72 Einleitung.
Baß der Kaiser am 11. Januar seinen Enkel von allen in seinem Interesse gemachten Anstrengungen, sowie auch von detn Aus- schreiben de^ Ileichstages in Kenntnis setzte, wissen wir nur aus deni Briefe Karls vom 14. Februar. Hocherfreut sprach der König für alles seinen Dank aus und bat jetzt noch dringender, die Angelegenheit wegen r» der Umtriebe der Franzosen möglichst zu bescJdeunigen *).
Eine Antwort des Kaisers liegt uns nicht vor, awcÄ ist es frag- lieh, ob eine solche erteilt umrde. Dagegen besitzen wir interessante Nachrichten über die Beziehungen Karls zu den kaiserlichen Räten Viüinger und Renner. Diese hatten, wahrscheinlich im Anfang Februar, 10 dem Könige ein Memoire zugesandt, worin sie Über den Stand der gayizen Angelegenheit berichteten und ganz besonders sich über die Höhe und Verteilung der Geldsummen, die Ihnen zur Gewinnung der Fürsten uf^rläßlich schienen, verbreiteten. In der von Villinger mit inter-
s. d. Marburg, Akten der hau. Kanzlei Von ülmann II 697 ^ aus Moniades er- 15 wähnt, aha vom NovenibeTl2. — 13. (ItinSraire 22). — Es heißt darin: Sur toutes choses est besoing que Tempereur prend soigneusement garde que apr^s bou trespas l'empire ne tumbe en la main du roy de France, car si ainsi advenoit, que dicu ne veulle, et dont les Franchois se tiennent bien asseurez avec la puis- sance que le roy de France a d^s maintenant, il se feroit si grant et si puissaut 20 es Allemaignes et en Ytalie, qu'il affolleroit et pourroit grandeinent nuyre k la maison d^Autrice et aux pays et seigneuries d'icelle. Pour k ce rem^ier semble que l'empereur doit k diligence par tous moyens procurer et solliciter que le roy soit esleu roy des Romains et asseur^ dudit empire apres luy et que, pour k ce parvenir , Tempereur ne doit espargoier dons, ne promesses de pensions, de bdn^- 25 fices et que d'autres choses, telles que l'empereur cognoist mieulx que nul aultre estre n^cessaire.,
*) Karl an Maximilian, d. d. Valadoly, le 14. jour de f^vrier 18. (Erw. ülmann II 698). Es heißt in dem Briefe: (Je vous suppUe), mons., d'entier ceur et affectiou que vostre plaisir soit c^l^rer cest afFaire, comme par voz magnanimit^z et prudence 30 accoustum^es savez bien faire, vous advisaut que en la tardance ne sauroit bien advenir; car je suis bien adverty que le roy de France praticque et content tr^s- fort, parvenir pour luy mehmes (sie !) et vous oster ceste haulte et digne auctorit^ et couronne, que de si long temps a est^ en la louable maison d'Autrice et dont si ainsi advenoit que dieu ne veuUe , seroit totale destruction d*icelle maison. 35 Parquoy, mons., it^rat^meut vous suplie d^m^ner prestement ce bien pour Yostre post^.rit^ et lignye, car consid^rant Tavancement de vostre eaige, les grandz peynes, traveil et labenrs que avez prins et prendez encoires joumellement pour me faire grand m'abstraint (sie!) vous dire que vous vouldroye bien veoir support^ et soulaigi^ de telles labeurs pour la prolongacion de vostre santö et vye et employer 40 mon josne eaige au secoure de vostre viellesse, affin que peussiez si longuemcnt venir que parensemble et (par) vostre bon conseil et aide faissious cboses si grandes et ezalt^s m^moires pour nostre sainte foy catholiqne que noz ames en feussent par nostre bon angele de mieulx guid^es au trosne de paradis.
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3. Maximilian, Karl von Spanien ii. d. Kurßirstcn bis z. Aiigsburger Reichstage. 78
essanien Randbemerkungen versehenen Antwort versprach Karl, binnen Jcurzeni seinen Kämmerer Johann von Courteville „arec une gra^ieuse despesche dargent" nach Deutschland absenden zu wolleti. Villinger und Renner sollen diese Sache eifrigst fordern; denn je mehr sie ver- b zögert toird, um so mehr giebt man dem Könige von Frankreich Zeit, die Fürsten des Reichs durch große Anerbietungen zu bearbeiten. Aller- dings brauchen sie, auch wenn Siie es gehört haben, nicht zu glauben, daß Franz L schon jetzt große Summen baaren Geldes aufwende und Pensionen austeile, noch dctß er die Prinzessin Renate dem Sohne
\{) Joachims zur Ehe geben wolle; das sind aües Täuschungen ^). Nament- lich war es dem Könige unangenehm, dcß ihm zugemutet wurde, im voraus größere Summen auszugd>en. Als Enkel und Erbe des Kaisers, wegen seiner deutschen Abstammung und als rechtmäßiger Thronfolger glaubte er, dc^ Reich nicht so teuer kaufen zu müssen wie ein fran-
l^zösischer König und ei' meinte, daß die deutschen Fürsten sein legi- times Recht höher schätzen würden, als das beuire Geld Franz' L Zwar ist er bereit, den Fürsten, die ihn ufUerstützen , Pensionen und Ge- schenke zu geben, aber er fühlt sich außer stände, größere (reldsummen jetzt im voraus zu liefern, zumal er vom Reiche, so lange der Kaiser lebt,
20 keinen Nutzen zu haben glaubt *). Gewiß war bei dieser ablehnenden
0 Hierzu bemerkt Viüinger am Bande: Le mariaige est d^jk faict. — Wir wolten UDgeru unwarheit schreiben — Mau gibt aucb jetzo pensionen. Sollte viel- leicht Karl dainah nicht damit einverstanden gewesen sein, daß mafi seine Schwester Katharina dem Kurprinzen Joachim zur Ehe angeboten hatte?
25 *) Karl an Viüinger und Benner, d. d. Valadoly, ce 8. jour de mars. Orig, (fast ganz in Chiffem, mit gleichzeitige^'^ Dechiffrierung) Marburg, Akten der kais. Kanzlei, (Zugleich sandte er einen Brief an Markgraf Casimir, in dem er diesetn für seine Bemühungen dankte und ihn darin fortzufahren bat.) — In dem Schrei- ben Karls an Villinger und Benner heißt es: D'autre part noas treuvons fort
3()de8rai9onnable, excessif et pesant, ce que nous mectez en avant, desbourser si grosse somme d*argent et qu*il noas faubist acheter l'empire aatant que feroit uug roj de France, considerö qae avons ung p^re empereur duquel principallcment cest aflßeiire dopend. Pareillement Taffinit^ et proximit^ de lignaige dont nous atiengnent lesdits princes d'AIlemaigne (hierzu bemerkt Villinger: Teutsch nit wol
35 gehalten, non par le roj) et la succession qu'il (sie!) nous doibt venir apr^s luy eo la Germanie, et ne faisons nulle doubte que rentiere nation d'AUemaigne ne soit plus encline envers nous que audit roy de France pour peichoir faire du bien et bon traictement tellement audits princes de Tempire et ne doibvent autant esp^rer de Boos que de nul aultre prince. Parquoi nous semble, toutes choses bien consid^r^s
40 et entendues, que ne le debvons si chier acheter que feroit ung aultre. (Viüinger bemerkt hierzu: er kauft doch nit gar theur.) Ce non obstant ne voulons estre ingrat envers les princes qui eu ce nous serviront, que ne le veuUous recognoistrc
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74 Einleitung.
Haltung Karls wesentlich die Befürchtung maßgehend, daS die etwa gesandten Baarsummen bei der beständigen Geldnot des Kaisers nicht ihrer Bestimmung gemäß verwandt werden mirden *). Aber Villinger und Renner werden ebenso wenig wie Maximilian über diese Zurückweisung ihrer Forderungen erfreut gewesen sein. Freilich hatte ja Karl in 5 seiner Instruktion für Villinger vom August 1517 ausdrücklich betont, daß die versprochenen Pensionen, Geschenke etc. erst nach erfolgter Wahl ausgezahlt werden sollten, aber seit dem Sommer 1517 hoMen sich die Verhältnisse in Deutschland bedeutend geändert. Franz L hatte einige Kurfürsten gewonnen und zahlte ihnen, wie auch Villinger wußte, 10 große Pensionen. Mit bloßen Versprechungen jene Fürsten auf Karls Seite ziehen zu können, durfte man nicht hoffen.
Man ist denn auch in Spanien bald anderer Ansicht geworden. Die Nachrichten, die über die Umtriebe Franz^ I. dort einliefen, seine enge Verbindung mit dem Papste, der, tvie Chievres schrieb, mehr als er- 15 kiuht, zu großem Naehteü des Kaisers und Königs die Franzosen be- günstigte, werden dazu das Ihrige beigetragen halben *). Der Kaiser
de raisonnables pensions, dons d'argent et autres gratuit^z. (ViÜinger bemerkt dabei: der glaub wil nit da sein; daz macht, wie die Teutschen im Niderland ge- halten worden sein.) En oultre faut k regarder que vivant l'empereur nous ne2() prouffiteroDs riens dudit empire (Hierzu Villinger: aber ander seine iand sein dest sicherer, und er mag derselben geniessen; dan das reich hat sonst on das nit vill aaskomens; man wirdet Yersteen, waz kai. Mt. bisher ausgeben hat), et que ce nous seroit une grande Charge de pr^sentement entrer en payement de si grosses pensions et dons que nous mectez en avant; car avant que ayons la puissance et 25 administraicion d'iceluy empire, impossible seroit nous 7 fumir et satisfaire et doit aussi Tempereur taicher contendre k le nous faire avoir k moindre coustange, que faire se pourra, car ce faisant sera son honneur et nostre prouffit, qui est le sien propre. — Man vergleiche hierzu das, was die spanischen Gesandten dem Könige txm Frank- reich über Karls Bemühungen um die Krone sagen sauten. Instrukt. f. PhilihertSO Natureüi und Paupet de la Chauie von Mai 1518 (Man. Habsb. II i 61).
0 Vgl. hierzu den Brief Spinellys an Heinrich VIII. vom 4. Mai 1518 (Brewer II nr. 4146). — Auch der Plan der Sendung des Juan de la Nuca (die übrigens nicht ausgeführt wurde: Brewer nr. 4178) entsprang nur aus Mißtrauen gegen d^n Kaiser, da man fürchtete, daß er sich einen Teil der ungarischen Sf^ Mitgift aneignen werde. — Der von Spinelly erwähnte Brief des Kaisers, der am 3. Mai in Spanien ankam, ist nidU bekannt.
') Ein langer Brief, den Karl am 15. April (das DcUum ergiebt sich a^$s dem gleich anzuführenden Briefe Chievres^ und einer Bemerkung des Ent- chifferers) an Maximilian richtete (Orig. 20 S. , meist in Chiffem mit gleichzei- 40 iiger Dechiffrieru/ng, Marburg, Akten d. kais. Kanzlei), verbreitet sich ausführlich über die Stellung des Königs zu Frankreich und kämmt auch auf die Besiehungen des Papstes zu Franz I (worüber später). Karl hält den tnit Frankreich geplan-
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3. Maximilian, Karl von Spanien u. d. Kurfürsten bis z. Augsbiirger Reichstage. 75
müsse daher, (hs betonte Chiet^^-es ViUinger und Renner gegenüber, mit (dien Kräften die Wahl Karls durchjsusetzen suchen. Und da, wie sif' meifien, der Erfolg vom Gdde abhängt, so will der König durch Courte- viOe so vid senden, tote ihm möglich ist *), trotzdem er nicht so reich
bist, wie man wohl meint, denn er hat hei/m Antritt der Begierung viele Verpflichttsngen vorgef%mden, die erfiidU werden müssen; er wird an den durch sie zugesicherten Pensionen festhalten, wenn die SacJie zu stände kommt; halt es aber nicht für thunlich, ihrer Forderung nach die Pensionsverschreibungen schon vorJier zu senden, ehe man wisse, für wen
10 ihm/ wie vid^y
Diesem Schreiben entsprechend war dann auch die uns nicht er- haUene Instruktion ausgestellt, mit weicher der königlicJie Kämmerer Jo- hann von Courteville etwa Mitte Mai am Hofe des Kaisers