HARVARD UNIVERSITY.
LIBRARY
OF THE
MUSEUM OF COMPARATIVE ZOÖLOGY.
DE BERNER
ZUR
PALAONTOLOGIE uno GEOLOGIE
ÖSTERREICH-UNGARNS uno bes ORIENTS.
MITTHEILUNGEN
DES PALAONTOLOGISCHEN UND GEOLOGISCHEN INSTITUTES DER UNIVERSITAT WIEN HERAUSGEGEBEN MIT UNTERSTÜTZUNG DES HOHEN K.K. MINISTERIUMS FÜR CULTUS UND UNTERRICHT von
VICTOR UHLIG,
PROF. DER GEOLOGIE UND
G. von ARTHABER,
PRIVATDOC. DER PALÄONTOLOGIE.
BAND XIV.
MIT XX TAFELN UND 48 TEXTILLUSTRATIONEN.
WIEN un LEIPZIG. WILHELM BRAUMÜLLER K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÄTS-BUCHHÄNDLER.
1902.
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DEC 17 1902
PNEIAEIF
Heft I und II.
Eduard Suess: Abschiedsvorlesung beim Rücktritte vom Lehramt CHR Rich. Joh. Schubert: Neue und interessante Foraminiferen aus dem sadtiroler Alttertiär (Taf. n Fritz Frech: Ueber devonische Ammoneen (Taf. II—V)
Adalbert Liebus und V. Uhlig: Ueber einige Fossilien aus der karpathischen Kreide und
stratigraphische Bemerkungen hiezu (Taf. VI)
Heft III und IV.
Wilhelm Petraschek: Die Ammoniten der sächsischen Kreideformation (Taf. VII—XII)
Prof. H. Engelhardt: Tertiärpflanzen von Stranitzen, Schega und Radeldorf in Steiermark . (Der 2 TR san: Er
Franz Baron Nopcsa jun. her Binden e eines eo eeuden (Tat. vn
Dr. Mauric RemeS$: Nachträge zur Fauna von Stramberg I. Nesselsdorfer Schichten (Taf.XVIII—XX)
Reden und Ansprachen bei der, zu Ehren von Professor Eduard Suess aus Anlass der Errichtung der Eduard Suess-Stiftung, abgehaltenen Feier
Die Autoren sind allein für Form und Inhalt der Aufsätze verantwortlich.
ı—S 9—26 27-112 113 —130 131— 162 163— 184 185 — 194 195— 217 218— 229
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BELILÄGE
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PALÄONTOLOGIE uno GEOLOGIE
-ÖSTERREICH-UNGARNS und des ORIENTS.
MITTHEILUNGEN DES PALAONTOLOGISCHEN UND GEOLOGISCHEN INSTITUTES DER UNIVERSITAT WIEN HERAUSGEGEBEN MIT UNTERSTÜTZUNG DES HOHEN K. K. MINISTERIUMS FÜR CULTUS UND UNTERRICHT voN
VICTOR UHLIG,
PROF. DER GEOLOGIE
UND
G. von ARTHABER,
PRIVATDOC, DER PALÄONTOLOGIE,
BAND XIV.
HEFT I UND I. — MIT TAFEL I-VI UND 35 TEXTILLUSTRATIONEN.
WIEN unp LEIPZIG. WILHELM BRAUMÜLLER K. U. K. HÖF- UND UNIVERSITÄTS-BUCHHÄNDLER,
1902.
DPQg og 1902
Ab Ch IEDS VOREESUNG
PROFESSOR EDUARD SUESS
BEI SEINEM RÜCKTRITTE VOM LEHRAMTE.'))
In der letzten Vorlesung haben wir uns mit dem Baue von Südamerika beschäftigt. Wir haben dabeı gesehen, dass die jüngeren vulcanischen Vorkommnisse zwar ganz auf die Cordillere der Anden beschränkt sind, dass jedoch die Linie ıhres Auftretens lange Un- terbrechungen zeigt.
Hiemit waren wır an dem Schlusse unseres flüchtigen Ueberblickes über dıe ganze Erdoberfläche angelangt und meine Aufgabe wäre heute, dıe Einzelheiten nochmals zusam- menzufassen, welche im Laufe dieser beiden Semester angeführt worden sind.
Diese heutige Vorlesung schliesst aber zugleich meine Thätigkeit als Professor ab und ich stehe am Ende einer Lehrthätigkeit, welche mir an dieser Universität durch 88 Se- mester auszuüben vergönnt gewesen ist. Ich glaube, dass es schicklich ist, dass, bevor ıch an diese kurze Zusammenfassung schreite, auch einige Worte über die Veränderungen gesagt werden, welche im Laufe dieser langen Zeit unsere Wissenschaft selbst erfahren hat.
Meine Collegien wurden als Vorlesungen über allgemeine Paläontologie am 7. Oc- tober 1857 eröffnet, das ıst noch zwei Jahre vor dem Erscheinen von Darwıin’s Buch über die Entstehung der Art.
Es ıst ja bekannt, dass im XVII. Jahrhundert hervorragende Denker, wie Leibnitz, Herder und Andere, den Zusammenhang: und die Einheit alles organischen Lebens bereits richtig erkannt hatten. Alsaber Cuvier am Beginne des XIX. Jahrhunderts, und zwar haupt- sächlich an Resten aus dem Gyps des Montmartre, mit Bestimmtheit den überraschenden Nachweis führen konnte, dass auf der Erde in früheren Zeiten andere, heute gänzlich er- loschene Thiergattungen gelebt haben, und dass ein wiederholter Wechsel in der Thier- welt eingetreten sei, und als er hieraus auf wiederholte Revolutionen schloss, deren Schau- platz die Erde gewesen seı, schloss sich ihm die übergrosse Anzahl der Forscher an und zu jener Zeit, im Jahre 1857, stand man ganz unter dem Einflusse Cuvier’scher Anschauungen.
Auf mich persönlich hatte eine Schrift vonEdward Forbes über den Einfluss der Eiszeit auf Migrationen einen tiefen Einfluss ausgeübt; sie verdient auch heute noch gelesen zu werden.
Nachdem Dar win’s Buch erschienen war, erfolgte ein grosser und allgemeiner Um- schwung der Ansichten auf dem ganzen Gebiete der Biologie. In der That lässt sich ausser den grossen Entdeckungen von Kopernikus und Galileı kein zweites Beispiel eines so tiefen Einflusses auf die alleemeinen Anschauungen des Naturforschers anführen. Er ist nicht der erste gewesen, der die Einheit alles Lebens begriff und aussprach, dass er aber im Stande war, strengere Beweise zu bringen und die Wendung der Geister zu erzielen, bildet seinen unsterblichen Ruhm.
1) Gehalten am I3 Juli I901 im geologischen Hörsaale der Wiener Universität; nach einem Stenogramm des Herrn stud. phil. H. Beck.
Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns, Bd. XIV. I
Abschiedsvorlesung des Professor Eduard Suess. 2]
D
Auf dem Gebiete der Paläontologie vollzog sich diese Wendung allerdings nicht in so einfacher und, wenigstens bei uns, nicht in einer den besonderen Ansichten Dar wın’s so ganz und gar entsprechenden Weise, als man sıch das vorzustellen pflegt. Darwin stützte seine Meinung: von der Variabilität der Species vor Allem auf Zuchtwahl und ver- wandte Erscheinungen. Aber die Paläontologie lehrt Anderes. Sie lehrt, dass die Termino- logie für die einzelnen, durch ihre Fossilreste bezeichneten Abtheilungen der geschichteten. Gebirge Anwendung findet über den ganzen Erdball. Es müssen daher von Zeit zu Zeit irgendwelche allgemeine, den ganzen Planeten umfassende Veränderungen der äusseren physischen Verhältnisse eingetreten sein. Man sieht auch nicht eine stetige und ununter- brochene Abänderung: der organischen Wesen, wie sie etwa aus einer stetigen Einwirkung der Zuchtwahl hervorgehen möchte. Es sind im Gegentheile ganze Gruppen von Thier- formen, welche erscheinen und verschwinden. Darwin suchte diesen Umstand durch Lücken unserer Kenntniss zu erklären, aber heute sieht man deutlich, dass diese angeb- lichen Lücken eine viel zu grosse horizontale Erstreckung besitzen.
Es drängt sich somit der Gedanke auf, dass den Veränderungen der äusseren Lebens- verhältnisse ein grösserer Einfluss zufällt. Ich darf hinzufügen, dass über diese Frage eın Briefwechsel zwischen Dar win und unserem vielbetrauerten Neumayr stattgefunden hat und dass Darwin diesen Einwendungen gegenüber eine keineswegs ganz ablehnende Haltung einnahm. Aber es ist auch für die ganze Sachlage bemerkenswerth, dass auf einen so hochstehenden Geist wie Darwin, die grossen und allgemeinen Erfahrungen der Palä- ontologie, welche ich soeben angedeutet habe, weniger Eindruck hervorgebracht zu haben scheinen, als die kleinen Variationsreihen, welche man bei gewissen fossilen Süsswasser- schnecken, z. B. bei Valvata oder Paludina wahrnimmt.
Da und dort treten Umstände zusammen, welche einen etwas näheren Einblick ın den Sachverhalt gestatten. Das ist z. B. in der Aufeinanderfolge der tertiären Landfaunen Europas und insbesondere Wiens der Fall. Hier erkennt man das Folgende. Die lebenden Wesen sind auf der einen Seite von gewissen äusseren, physischen Umständen, wie Klima, Feuchtigkeit u. s. w. abhängig. Auf der anderen Seite stehen sie aber auch in einer gegen- seitigren, socialen Abhängigkeit von einander. Jedes belebte Gebiet oder, wıe man sıch aus- zudrücken pflegt, jede zoologische Provinz bildet gleichsam eine ökonomische Einheit, ın welcher zur Ernährung: von so viel Fleischfressern so viel pflanzenfressende Futterthiere, von so viel Planzenfressern soviel Futterpflanzen nöthig sind; honigsaugende Zeprdopteren setzen den Blumenkelch, insectenfressende Singvögel eine gewisse Summe kleiner Insecten voraus u. s. w., und die Störung eines Gliedes dieser Einheit kann möglicher Weise das Gleichgewicht der Gesammtheit stören.
Solche Störungen sind allem Anscheine nach bei diesen Landfaunen von Zeit zu Zeit eingetreten und sie mögen von ganz verschiedener Art gewesen sein. Dann sieht man eine ganze Fauna über ganz Europa oder über einen noch viel grösseren Raum hin verschwin- den, und eine neue Fauna tritt an ihre Stelle. Diese neue Fauna steht jedoch immer in mehr oder minder strengem, vicarirendem, das ist stellvertretendem Verhältnisse zu ıhrer Vor- gängerin; sie ist deutlich aus einer Abänderung der ersteren, wahrscheinlich hauptsäch- lich aus einer Anpassung an die geänderten Verhältnisse hervorgegangen, und auch wenn die Lagerungsfolge der Schichten ganz unbekannt wäre, könnte man leicht erkennen, welches die erste, die zweite, dıe dritte Fauna gewesen ist.
Ausserdem zeigen die zahlreichen phylogenetischen Fäden, welche dıe meisten der grossen Gruppen fossiler Thiere verbinden, oder die Einheit in der Entwicklungsart einzelner Organe, wie der Extremitäten, oder die allgemeine Aufeinanderfolge von Kiemen und Lunge, dann die Reihe auffallender Uebereinstimmungen, welche zwischen der Entwicklung ge- wisser Thiergruppen und der Entwicklung des einzelnen Individuums dieser Gruppe erkenn-
[3] Abschiedsvorlesung des Professor Eduard Suess. 3
bar sind, in unzweifelhafter Weise die Richtigkeit des Darwin’schen Grundgedankens, nämlich dıe Einheit des Lebens.
Die stratigraphische Geologie und die Paläontologie weisen darauf hin, dass die Ent- wicklung des organıschen Lebens wahrscheimlich niemals völlig unterbrochen worden ıst, dass sie aber sich nicht in gleichförmiger Weise vollzogen hat. Es sind Störungen eingetreten. Die natürliche Zuchtwahl besteht, aber sie tritt in die zweite Linie. Einzelne ganz alte Typen, wıe Hatteria (Sphenodon), haben sıch mit geringer Abänderung bisin unsere Tage erhalten.
Lassen Sie mich nun von einigen tektonischen Fragen sprechen.
Als ich meine Collegia begann, herrschte namentlich in Deutschland die Meinung, dass die Gebirgsketten symmetrisch gebaut seien, eine Gruppe ältester Gesteine bilde die geho- bene oder hebende Axe, und zu beiden Seiten seien jüngere Gesteine zu parallelen Zonen geordnet. So finden Sıe noch in meimer eigenen Schrift über den Boden von Wien vom Jahre 1862 dıe Alpen als ein symmetrisches Gebirge geschildert.
Freilich blieb diese Meinung nicht ganz ohne Widerspruch; fast auf jeder Versamm- lung: deutscher Naturforscher erhob sich damals der alte Bergrath Dücker, um Einsprache zu erheben. Man hörte ıhn nicht an. Achnlich erging esSchimper. Die Autorität Leopold von Buch's, welche sich für den symmetrischen Bau aussprach, blieb unerschüttert. Dann starb Leopold von Buch. In den maassgebendsten Lehrbüchern der damaligen Zeit, wie z. B. in Lyell’s mit Recht berühmten Prineipien der Geologie, finden Sie über diese Haupt- frage der modernen Geologie, über die Frage der Entstehung der Gebirge, gar keine Auf- klärung.
Kein Theil Europas war zur Erörterung: dieser Frage günstiger gelegen, wie Oester- reich. In ausserordentlicher Mannigfaltigkeit liegt vor uns das Land. Kaum irgendwo in Europa treten so deutlich die tektonischen Gegensätze hervor, der Gegensatz zwischen der böhmischen Masse und den Alpen, zwischen dem Stücke russischen Tafellandes unter der galizischen Ebene und den Karpathen, dann der eigenthümliche Zusammenhang von Alpen und Karpathen, dann das Hereintreten der turkestanischen Niederungen über den Aralsee in die Niederungen der Donau und bis gegen Wien und Vieles andere.
Damals, ım Jahre 1857, wurde noch vielfach die Ansicht vertreten, dass die in den östlichen Alpen angetroffenen Formationen überhaupt ausserhalb der Alpen nicht auftreten. So gross waren die Schwierigkeiten, welche sich der Anwendung: der in England und Süd- deutschland gewonnenen stratigraphischen Eimtheilung auf die fremdartigen Vorkommnisse der Alpen entgegenstellten.
Bald erkannte man aber, dass auf der böhmischen Masse in der That die Schichtfolge viel lückenhafter sei, als ın den benachbarten Theilen der Alpen, und dass insbesondere in Böhmen eine ausserordentlich grosse, bis zur mittleren Kreide heraufreichende Unterbre- chung der Meeresbildungen nachweisbar ist, während in den Alpen alle diese grossen Zeit- räume durch marine Ablagerungen vertreten sind. Dieses selbe Uebergreifen der mittleren und oberen Kreide zeigt sich aber auch in Galizien, dann weithin ın Russland, auf der anderen Seite auf dem französischen Centralplateau, auf der spanischen Meseta, in grossen Theilen der Sahara, im Thale des Mississippi und nordwärts über dasselbe hinaus bis in die Nähe des Eismeeres, in Brasilien, dann an den Küsten des mittleren und südlichen Afrika, Östindiens und mit einem Worte über so ausserordentlich weite Räume hin, dass es unmöglich wurde, solche Transgressionen der Meere nach der älteren Lyell’schen Ansicht durch ein Erheben oder Senken der Festländer zu erklären.
Durch diese und ähnliche Erfahrungen ist die Ansicht neuerdings in den Vordergrund getreten, dass irgend welche allgemeine Veränderungen, sei es in der Gestalt der Hydro- sphäre, sei es in ihrem Gesammtvolumen eingetreten sein mögen. Auch sah man, dass die
etwaige Bildung einer neuen oceanischen Tiefe durch Senkung, indem eine gewisse Quote 1*
4 Abschiedsvorlesung des Professor Eduard Suess. [4]
der Hydrosphäre in die neue Senkung aufgenommen wird, zugleich von selbst das Bild einer allgemeinen Erhebung, oder richtiger ein allgemeines Sinken der Strandlinie herbeiführen müsse. So hat die ältere Ansicht von dem häufigen Schwanken der Festländer mehr und mehr der Lehre von den marinen Transgressionen Raum gegeben und ist durch die Ausschaltung der continentalen Bewegungen eine genauere Prüfung der eigentlichen Gebirgsbewegungen möglich geworden.
Wenn man behaupten wollte, dass die Alpen gefaltet seien, die böhmische Masse aber nicht, und dass hieraus Stauung erzeugt worden seı, so würde diese Behauptung: nicht &enau sein. Auch die böhmische Masse ist gefaltet, und man kennt bis heute keinen Theil der Erdoberfläche, an dem nicht wenigstens dıe archaische Unterlage, so weit sie sichtbar wird, gefaltet ist. Der Unterschied besteht aber darin, dass dıe Faltung an bestimmten Orten früh geendet, an anderen bıs in eine spätere oder sehr späte Zeit, vielleicht auch unter Aenderung: des Grundplanes, angedauert hat.
Das mittlere Europa zeigtin dıeser Beziehung: eine ganz eigenthümliche Anordnung. Die älteste Faltung ist in dem Gneis der westlichen Hebriden sichtbar. Jünger, und zwar von vordevonischem Alter, sind dıe caledonischen Falten, welche bis Irland herab verfolgt werden können. An diese reihen sıch weıter ım Süden die armorıcanıschen und die varıs- cischen Falten, welche das südwestliche England, die Normandie und Bretagne, das Central- plateau, die Gebirge am Rhein und die böhmische Masse sammt den Sudeten umfassen. Ihre hauptsächliche Faltung erfolgte vor dem Schlusse der Carbonzeit, doch sind geringere 3ewegungen verschiedener Art nachgefolgt. Die Alpen und dıe Karpathen endlich haben noch im Miocän starke Faltung erfahren. Jedes dieser Glieder ıst nordwärts gegen das Vorhergehende, oder gegen die Horste bewegt worden, ın welche das vorhergehende Glied durch Senkungen aufgelöst war und so ıst bei rückschreitender Faltenbildung das mittlere Europa entstanden.
Unterdessen wurde auch mehr und mehr Licht erlangt in Betreff der fremdartigen Entwicklung, welche gewisse mesozoische Ablagerungen, und insbesondere die Trıas, ın den Alpen ım Gegensatze zu dennördlich gelegenen Ländereien, wıe Württemberg oder Franken, zeigen. Die Untersuchungen in den asıatıschen Hochgebirgen und namentlich ım Hımälaya lehrten, dass diese Art der Entwicklung der Trias gegen Osten eine sehr weıte Verbreitung besitze, und es wurde sogar möglich, nachzuweisen, dass quer durch das heutige Asıen, vom heutigen europäischen Mittelmeere bis zu den Sunda-Inseln sich einst ein zusammenhän- sendes Meer erstreckt hat. Dieses Meer hat, wie Sie wissen, den Namen Tethys erhalten. Das alte Festland an seimer Südseite wurde Gondwänaland geheissen und jenes an seiner Nordseite Angaraland. Unser heutiges Mittelmeer ıst ein Rest der Tethys.
Dieses Mittelmeer besteht aber aus einer Reihe von Gebieten verschiedener Beschaf- tfenheit und wir haben Gelegenheit gehabt, uns davon zu überzeugen, dass seit der mittleren Tertiärzeit bald ein Stück abgetrennt wurde, wıe z. B. die Donau-Ebenen, bald ein Stück hinzugefügt, wıe z. B. das Aegäische Meer.
Die Fortschritte der beobachtenden Geologie sind aber während der letzten Jahr- zehnte so ausserordentlich gross gewesen, dass ein viel weiter ausgreifender Blick über die Meere möglıch geworden ıst.
Die Meere sind von verschiedener Art. Wir betrachten die Weltkarte und suchen dabei, entsprechend einer hier oft ausgesprochenen Warnung, uns zu hüten vor den Täu- schungen, welche dıe Verzerrung durch Mercator’s Projection so leicht herbeiführt. Wir sehen, dass mit Ausnahme der beiden chinesischen Ströme Yang-tse-kiang und Hoang-ho kaum noch irgend ein grosser Strom seinen Weg; zum Pacifischen Oceannimmt. Alle Wässer der Festländer wenden sıch zum Atlantischen und zum Indischen Ocean. Vor einer Reihe von Jahren hat der russische General von Tıllo die Wasserscheide der Erde auf einem
[5] Abschiedsvorlesung des Professor Eduard Suess. 5 Kärtchen verzeichnet und gezeigt, wie überraschend gering der Zulauf an süssem Wasser ist, den das stille Weltmeer empfängt.
Diese beiden oceanischen Gebiete unterscheiden sıch aber auch durch eın viel tiefer liegendes Merkmal.
Schon beı dem Beginne dieser Vorlesungen habe ıch auf dıe auffallende Thatsache hingewiesen, dass von den Mündungen des Ganges gegen Ost bis zum Cap Hoorn die Fest- länder gegen den Ocean hin von langen bogenförmigen Gebirgsketten umgeben sind, welche alle gegen den Pacifischen Ocean bewegt zu sein scheinen. Wenn man dagegen die Küsten von den Gangesmündungen gegen West wieder bis Cap Hoorn verfolgt, trıfft man auf ganz andere Verhältnisse. Abgesehen von der Beugung des Gebirges beı Gibraltar und der Umbeugung, welche die amerikanische Cordillere in den Antillen erfährt, an welchen beiden Stellen, wie Sie wissen, gefaltete Gebirgsketten zwar an das atlantische Gebiet herantreten, aber sich zurückkrümmen, als würden sie durch irgend eine geheimnisvolle Kraft zurückgehalten —sıeht man rings um den Atlantischen und den Indischen Ocean nur gleichsam amorphe Küstenlinien, nämlich solche, die ın keiner Weise durch die Struktur des Landes vorgezeichnet sind. Darum haben wir einen pacifischen Typus der Küsten und einen atlantıschen Typus unterschieden.
Wir können noch weiter gehen.
Wo ımmer man vom Lande her sich dem Pacıfıschen Ocean nähert, sieht man eine Vervollständigung der marinen Serie sich vollziehen. Geht man von den weıten archaischen Gebieten des südlichen Amerika, auf welchen horizontale paläozoische Sedimente liegen, gegen West, so trifft man in den Anden auf marine Schichten der Trias, des Jura, der unteren Kreide, auch der mittleren und oberen Kreide. Dasselbe ıst der Fall, wenn man von der alten laurentischen Masse ın Canada gegen West zum Meere geht. Dasselbe ıst in Japan der Fall u.s. w. Hieraus dürfen wir schliessen, dass der Pacifische Ocean eine sehr alte Anlage ist und dass an seiner Stelle seit ausserordentlich langer Zeit ein Ocean besteht.
Beı den anderen Weltmeeren ist es anders. Wenn man dem Indischen Ocean sich nähert, sieht man horizontal gelagerte, nicht wie im Pacıfischen Gebiete gefaltete Meeres- schichten, welche aber nichtmit der Trias, sondern in Ostafrika wie im westlichen Australien erst mıt dem mittleren Jura beginnen, auf Madagaskar mit dem mittleren Lıas. In gleicher Weise treffen wir an den Küsten des Atlantischen Oceans horizontale, nicht gefaltete Schichten, aber diese beginnen in Westafrika wie in Nordamerika und Brasilien erst mit der mittleren oder oberen Kreide.
Daraus entnehmen wir, dass der Pacificische Oceanälter, der Indische Ocean jünger und der Atlantische Ocean in seiner Hauptsache noch jünger ist.
Ich habe noch einen anderen Ocean, die Tethys, erwähnt, welcher zur mesozoischen Zeıt quer über dem heutigen Asıen lag und dessen Rest unser Mittelmeer ıst. Das ganze Gebiet der Tethys ist in Falten gelegt, dl zwar sind diese Falten vom Pacifischen Ocean bıs zum Kaukasus durchwegs gegen Süd bewegt, ihre Ränder sınd ım Süden überschoben ; das ganze Meeresgebiet ist von Norden her zerdrückt und sogar Stücke des alten südlichen Vorlandes, des Gondwänalandes, oder der indischen Peninsula, sind von dieser Faltung ergriffen worden. Sie haben gehört, dass Kinchinjunga und seine Nachbarn, dıe höchsten Gipfel der Erde, obwohl innerhalb der Falten des Himälaya, dennoch, so weıtman sıe kennt, d.ı.ınıhren Vorbergen, die Gesteinsfolge des Gondwänalandes zeigen.
Nun wollen wir einen Blick auf die Vertheilung: der Faltenzüge auf der Erdoberfläche werfen.
In der Gegend des Baikalsees liegt eine ausgebreitete, etwa halbmondförmig an- geordnete Masse, von uralten archaischen Felsarten. Sie ist gefaltet, etwa mit NO- Streichen im Osten und NW-Streichen im Westen und die Falten sind von vorcambrischem
6 Abschiedsvorlesung des Professor Eduard Suess. [6]
Alter. Dieser alte Scheitel umfasst Sabaikalıen, die nördliche Mongolei und den Ost-Sajan. Im Nordwesten von demselben entwickeltsich ein zweiter, jüngerer Scheitel oder ein zweiter Ausgangspunkt der Faltung, der Altai. Von diesem zweiten, jüngeren Scheitel gehtnun ein ausserordentlich grosses System von bogenförmigen Falten aus, welches in kaum begreif- licher Weise fast die ganze nördliche Hemisphäre umfasst. Die Altaiden umgeben den alten Scheitel und ihre Bogen wiederholen sich im Osten bis Japan und Kamtschatka und bis zu den Bonin-Inseln. Gegen West bilden sıe die weite Virgation des Tian-shan und Bei-shan. Ihre südöstlichsten Zweige treten in den burmanıschen Bogen. Vorihnen liegen im Süden der Randbogen des Himälaya, der ıranısche und weiterhin der taurisch-dinarische Bogen. Sie dringen über den Kaukasus nach Europa und bilden hier zwei von den bereits erwähnten Faltenzügen.
Diese beiden Faltenzüge verhalten sıch in verschiedener Art.
Der eine, ältere, dıe varıscischen und die armoricanischen Falten umfassend, wird erst in Mähren sichtbar. Er erreicht ım südwestlichen Irland und in der Bretagne das Atlantische Meer und versinkt als Riasküste. Aber schon vor Jahren hat Marcel Bertrand darauf aufmerksam gemacht, dass ein so breites und mächtiges Gebirgssystem -— es ist hier an der atlantischen Küste so breit, wie der Bogen des Hımälaya — unmöglich hier plötzlich enden könne, sondern dass nach aller Wahrscheinlichkeit seine Fortsetzung jenseits des Oceans in der Riasküste von Neu-Fundland liege. Marcel Bertrand zog demnach, wie Sie gehört haben, die armorıcanische Leitlinie quer über den Ocean zu den Appalachien.
Von den Appalachien hat man aber in den letzten Jahren gelernt, dass sıe weit länger seien, als man früher dachte. Sie bilden einen Bogen, welcher nicht wie die asiatischen und europäischen Ketten gegen die convexe, sondern gegen die concave Seite, hier gegen West, dann gegen Nord, gefaltet ıst und bis indie Washitaberge, westlich vom Mississippi, reicht.
Die zweite, jüngere Art der Altaiden streicht unter heftigen Krümmungen, beengt durch ältere Horste, vom Balkan zu den Karpathen und den Alpen, und diese letzteren fügen sich in den bei Gibraltar völlig zurückgebeugten Bogen des westlichen Mittelmeeres.
Kehren wır aber nach Nordamerika zurück.
Wie wir gehört haben, bezeichnen die Amerikaner das weite archaische Gebiet, welches die Gegend um die Hudson’s Bay, die Mitte von Canada und einen Theil der Mitte der Vereinigten Staaten einnimmt, mıt dem Namen Laurentia.
Die Appalachien im Osten und Süden von dieser Masse sind, wie wir sahen, bei con- cavem Streichen ın der Richtung gegen Laurentia gefaltet und laufen in den Washita- bergen aus.
Im Westen von Laurentia ıst es aber ähnlich. Es konnte hier gezeigt werden, dass die grosse Cordillere, deren Verbindung mit dem nördlichen Asien allerdings noch nicht ganz festgestellt ist, n Canada an ıhrer Ostseite gegen Ost, das ist gleichfalls gegen Laurentia gefaltet ist. Dann beugt auch sie sich im Süden mehr und mehr zu concavem Streichen; durch Mexico zieht sıe herab, hier gegen Nordost gefaltet und ein Theilihrer Falten wendet sich endlich gegen Cuba und ın die Beugung: der Antillen.
So wird Nordamerika von beiden Seiten her von concav streichenden Faltenzügen umfangen. |
Es ist, als würde ein Abfliessen der Falten von Asıen und ein Zufliessen gegen Lau- rentia stattfinden. Man könnte das ganze grosse Phänomen durch einen Vergleich versinn- lichen. Bei der Eruption des Krakatao wurden die Oceane bewegt; lange Wellen gingen von der Stelle der Eruption aus, reisten um die ganze Erde und trafen sich auf der anderen Seite des Erdballes.
Das ıst aber nur ein Vergleich und nıcht eine Erklärung.
In der südlichen Hemisphäre ist die Sachlage eine ganz andere.
[7] Abschiedsvorlesung des Professor Eduard Suess. 7
Man hat vor längerer Zeit erkannt, dass in der permischen und Triaszeit in Ostindien und Südafrıka übereinstimmende Landfloren gelebt haben, die Gondwänafloren; man schloss hieraus auf den einstigen Zusammenhang; dieser beiden Festlandstheile und nannte das Gebiet Gondwänaland. Später fand man solche Floren auch in Australien, dann in der argentinischen Republik. So breiteten sie sich um den Süden. Aber die daraus gezogene Schlussfolgerung von dem Zusammenhange eines so grossen Festlandes wurde erschüttert durch den Umstand, dass nıcht nur dıe bezeichnendsten Pflanzen von Unter-Gondwäna, sondeın auch den südafrikanıschen Vorkommnissen nahe verwandte Thiere ın den permischen Ablagerungen von Perm ın Nordrussland entdeckt wurden.
Was sıch ergibt, ıst eine überaus gleichförmige Verbreitung der Landpflanzen und Landthiere zur damalıgen Zeit und sehr viel Festland ım Süden, aber es entfällt der unmittel- bare Nachweis für den Zusammenhang.
Man sieht in der That, dass nur an den pacifischen Rändern dieses vermeintlichen oder wirklich zusammenhängenden Continentes Faltung eingetreten ist, und zwar im Östen von Australien und ım Westen von Südamerika, während dıe zwischenliegenden atlantıschen und indischen Küsten ohne jüngere Faltung sind. Es ist wahr, dass man in letzter Zeit in Südafrika Faltung aus carbonischer Zeıt beschrieben hat, aber ım Grossen erscheint alles Gebiet zwischen der südamerikanischen Cordillere im Westen, und der australischen Cordillere im Osten wie todt und unbeweslich, im Gegeensatze zu der grossen Mannigfaltig- keit an Bewegungen ın der nördlichen Hemisphäre.
Dieses sind im Grossen dıe Züge, welche wır ım Laufe dieser beiden Semester im Einzelnen zu verfolgen gesucht haben. Die Versuche einer geometrischen Anordnung der Gebirgsketten, welche in neuerer Zeit von sehr hervorragenden Fachmännern neuerdings unternommen worden sind, finden, fürchte ich, ın den thatsächlichen Erfahrungen nur wenig; Begründung. Die tektonischen Linien, denen man ın der Natur begegnet, pflegen überhaupt höchstens ın Sprüngen oder Brüchen die gerade Linie zu verfolgen. Die Faltungen aber verhalten sich mehr wıe lange Wellen und sıe weichen den älteren Horsten aus. Das sieht man am deutlichsten bei dem jüngsten, nach Europa eingetretenen Zweige der Altaiden, den Alpen; Aehnliches zeigt auch der Bogen der Banda-Inseln.
Nun möchte ich noch ein kurzes Wort sagen über die Lebensverhältnisse auf der Erde. Wır haben bereits von der weiten Verbreitung der Landfauna und Landflora von Unter- Gondwäna gesprochen. Die Typen der carbonischen Landflora haben schon früher aus den arktischen Gegenden bıs Südafrıka sich ausgebreitet. Die Culmflora ıst aus Europa, der Mongolei und Australien bekannt. Noch bemerkenswerther ist dıe Thatsache, dass den Basaltströmen des westlichen Grönland pflanzenführende Lagen eingeschaltet sind, welche der unteren Kreide, der mittleren Kreide und der Tertiärzeit angehören, und dass ın allen diesen Zeitläufen erst Farren, dann Laubhölzer in diesen arktischen Gegenden gelebt haben. Mit einem Worte, man sieht in Westgrönland Vorkommnisse aus verschiedenen Zeiten, welche sıch mit den seıt der Glacıalzeit und auch heute noch herrschenden klimatischen Ver- hältnıssen durchaus nicht ın Einklang bringen lassen, und diese ganze jüngere Zeit erscheint vielmehr als eine Ausnahme. Man gewinnt den Eindruck, als obnicht zu allen Zeiten dıe heutige Mannigfaltigkeit der Klimate bestanden habe und als ob auch die Mannigfaltig- keit der Lebensformen nicht zu allen Zeiten eine so grosse gewesen sei. Die grosse indische Landfauna von heute, mitihren Tıgern und Elephanten, kann als eine selbstständige Einheit angesehen werden, aber da und dort ist sie von älteren malayischen Resten begleitet, welche die Mannigfaltigkeit erhöhen.
Meine Herren! Wie Sie sehen, kann ich in diesem Versuche eines Ueberblickes eben nur einige der mannigfaltigen Richtungen andeuten, nach welchen die Studien weiter geführt werden könnten, und es stehen so viele Hunderte und Hunderte von Fragen often, dass
8 Abschiedsvorlesung des Professor Eduard Suess. [8]
jeder, auch der kühnste Ehrgeiz dıe Pforten offen findet und Befriedigung hoffen darf. Neue Entdeckungen stehen jedem gewissenhaften Forscher ın Aussicht.
Ich habe Manches in dem langen Laufe der Jahre gesehen und erlebt. Anfangs, da muss man sich redlich bemühen und Eifer und eine gewisse Strenge gegen sich selbst daran setzen, um die Einzelheiten kennen zu lernen und manchmal bleicht sich das Haar, bevor man ım Stande ist, einen Ueberblick zu gewinnen und einen ersten synthetischen Versuch zu wagen. Dieser erste Schritt zur Synthese ıst aber der entscheidende Schrittin dem Leben des Forschers. Bald bemerkt er, dass sein Urtheil unter den Fachgenossen mehr Beachtung: findet; er wird vorsichtiger und zurückhaltender mit demselben, und endlich kommt die Stunde heran, in welcher seine Seele erfüllt wird von der hohen Befriedigung, irgend eine neue Anschauung oder eine neue Thatsache eingefügt zu haben der Summe menschlicher Erkenntnis — eine Empfindung, welcher gegenüber selbstverständlich Alles verschwindet, was dıe Aussenwelt an Anerkennung zu zollen ım Stande ist.
Lytton Bulwer sagtın einem seiner Romane: » Wenn jemand in hohem Alter von Kindern umgeben ist, dann sieht er am Ende semer Tage nicht einen Schlusspunkt, sondern nur einen Beistrich«. Das gilt in gleichem Maasse von dem Forscher und seinen Schülern. Das ist das grosse Glück, welches mir heute zutheil wird.
Viele sind von uns gegangen. Die stummen T’afeln in unserer Sammlung nennen ihre Namen und unsere Pflicht ist es, ihrer heute dankbar zu gedenken. Stoliczka fand sein Ende am Kara-Korum, Lend am Kılima-ndjaro, Foullon auf Guadalcanar; Rodler hat sıch den Todeskeim in den Bachtyari-Bergen geholt; wir alle denken mit Bewunderuug: an Oskar Baumann. |
Ich freue mich heute von ganzem Herzen, nicht eine Reihe von Schülern, sondern eine Reihe von Generationen von Schülern an dieser Stelle begrüssen zu können, von den ruhmvoll ergrauten Mitgliedern der kaiserlichen Akademie bis zu den jungen Finken mit den frıschen Augen.
Diesen jüngeren unter Ihnen möchte ich in diesem Augenblicke noch ein Wort sagen Die Alten wissen es ohnehin. Im Laufe dieser 44 Jahre hat sich Vieles auf der Erde zugetragen, aber nichts ıst so durchgreifend, nichts für die gesammte Cultur des Menschen- geschlechtes so entscheidend gewesen, wie die Fortschritte der Naturwissenschaften in dieser Zeit. In jedes Gebiet des menschlichen Lebens und Schaffens sind sie eingedrungen ; sie beeinflussen und verändern unsere gesellschaftlichen Verhältnisse, unsere philosophischen Auffassungen, die wirthschaftliche Politik, die Machtstellung: der Staaten, Alles. Wer aber genauer zusehen will, kann wahrnehmen, dass neben der Naturforschung auch der Natur- forscher mehr und mehr in den Vordergrund tritt, dass seine sociale Bedeutung anerkannt wird und der Werth seiner Studien immer mehr geschätzt wird.
Hieraus erwächst der heranwachsenden Generation von Forschern eine hohe Pflicht. Diese Pflicht besteht darin, dass sie an die Ethik ihrer eigenen persönlichen Lebensführung einen immer strengeren Maasstab anzulegen hat, damit bei der steigenden Einwirkung der Naturforschung auf alles gesellschaftliche und staatliche Leben auch der Naturforscher selbst sich mehr und mehr würdig fühle, theilzunehmen an der Führung; der geistgen Menschheit. :
Und jetzt bin ıch bei dem Beistriche angelangt. Als ich Lehrer geworden war, habe ich nicht aufgehört, ein Lernender zu bleiben, und jetzt, da ich aufhöre ein Lehrer zu sein, möchte ich auch nicht aufhören ein Lernender zu sein, so lang meine Augen sehen, meine Ohren hören und meine Hände greifen können. Mit diesem Wunsche trete ich nicht ab, sondern trete ich zurück in meine frühere Stellung.
Und nun danke ich Ihnen Allen aus tiefstem Herzen für Ihr Erscheinen und bitte Sie, mir ein freundliches Andenken zu bewahren.
1
NEUE UND INTERESSANTE FORAMINIFEREN AUS DEM SUD- TIROLER ALTTERTIÄR
von
Rich. Joh. Schubert.
(Mit I Tafel.)
Aus dem Oligocän sind wie auch aus dem übrigen Tertiär Foraminiferen-Faunen in grosser Zahl bekannt. Doch stammen diese zumeist aus Ablagerungen, die auf Grund der Absatztiefe sowie der sonstigen physikalischen Bedingungen vorwiegend kalkschalige Formen eingeschlossen enthalten. Sehr gering ist die Zahl der bisher bekannten tertiären (oder überhaupt jüngeren fossilen) Faunen, in denen die kieselig- agglutinirenden Formen die Hauptrolle spielen oder doch auch nur einen grösseren Formenreichthum aufweisen. Ausser einer Anzahl von Foraminiferen-Listen, die Professor Rzehak aus dem mährischen Oligocän gab,!) sind es besonders die Arbeiten von Grzybowski, der im galizischen Alttertiär eine reiche Tiefseefauna feststellte, sie beschrieb und durch Abbildungen erläuterte. Besonders ist in dieser Beziehung die Fauna der rothen Thone (von Wadowice untersucht) und der naphtaführenden Schichten der Umgebung von Krosno anzuführen; letztere zum Beispiel besteht nach Grzybowski aus 80 kieselschaligen und sandigen Arten, von denen die Hälfte als neu betrachtet wurde,
Eine mit dieser verwandte Fauna beherbergen, wie ich bereits in den Verhandl. der k. k. geol. R.-A. 1900, pag. 370 mittheilte, gewisse Mergel aus der Gegend von Riva am Gardasee.
Ich konnte zwei Handstücke eines bläulichgrauen Mergels aus dieser Gegend untersuchen. Das eine stammte von Bolognano, südöstlich Arco; dieses wurde mir von Herrn Chefgeologen M. Vacek zur Untersuchung auf eine Mikrofauna übergeben. Für die freundliche Ueberlassung des Materiales sei hiemit aufs Verbindlichste gedankt. Die zweite Probe brachte ich selbst im August 1899 von Gologna, nord- östlich Riva mit, woselbst ich sie am Südausgange der Ortschaft der Wand eines Hohlweges entnahm.
Eine Anzahl der im Schlämmrückstande dieser Mergel enthaltenen Arten ist von grösserem paläon- tologischen Interesse, weshalb ich diesen im Folgenden eine ausführliche Besprechung widme. Zunächst führe ich jedoch der Uebersicht wegen alle in diesen Proben von mir aufgefundenen und im bestimmbaren Erhaltungszustand befindlichen Formen an:
Astrorhiza granulosa Brady; Bolognano. Hyperammina pellucida n. sp., Cologna. Dendrophrya excelsa Grzyb.; Bolognano. s (Girvanella) vagans Brady; Co- Rhabdammina abyssorum M. Sars; Cologna, logna.
Bolognano. Reophax difflugiformis Brady; Cologna. Rhabdammina discreta Brady; Cologna, Bolognano. = Grzybowskü m.;, Cologna.
Bathysiphon taurinensis Sacco, Cologna. pilulifera Brady; Cologna.
sp. forma scalaria Grzyb.; Cologna.
”
Hyperammina elongata Brady; Cologna. a
1) Bes. Verh. d. k. k. Geol. R.-A., 18SS7 pag. S7—89, 1SS7 pag. 133—135, 1SSS pag. 190-192.
D
Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns, Bd. XIV.
10 Rich. Joh. Schubert. ‚ [2]
Ammodiscus polygyrus Reuss; Cologna, Bolognano. Glomospira charoides J. u. P.; Cologna. Psammosphaera fusca Schulze; Cologna, Bo-
lognano. Haplostiche Soldanit J. u. P.; Bolognano. Haplophragmium aff. lobsannense Andr.;, Cologna. Trochammina sguamata J. u. P., Cologna.
A nucleolus Grzyb.; Cologna.
Cyclammina busilla Brady; Cologna.
a fontinensis Terqu.; Cologna.
a Uhligi n. sp.; Cologna. 4 (2) sp. nov.
R sp., Cologna.
. .; Cologna.
Pavonina agglutinans n. sp., Bolognano. Ammofrondicularia angusta n. sp., Bolognano. Spiroloculina cf. limbata Born., Cologna. Nubecularia tibia J. u. P.; Cologna. Lagena elongata Ehrenb.; Cologna.
n apiculata Reuss; Cologna.
Nodosaria resupinata Gümb ; Bolognano.
Cristellaria Kochi Reuss; Cologna.
5 cumulicosta Gümb.; var. spinata m.; Cologna.
Cristellaria rotulata Lam.; Cologna, Bolognano. ® acutimargo Reuss; Bolognano. arcuwata d’Orb.; Bolognano.
Bolivina Vaceki n. sp., Cologna.
a Beyrichi Reuss; Bolognano. m semistriata Hantk.; Cologna. r aenariensis Costa; Cologna.
Textularia folium J. u. P.; Bolognano.
cf. inconspicua Brady, Bolognano.
Bigenerina digitata d’Orb.; Cologna.
Trigenerina haeringensis Gümb., Bolognano.
Bulimina truncana Gümb.; Cologna, Bolognano.
Uvigerina angulosa Will.; Bolognano.
n pygmaea d’Orb.; Bolognano, Cologna. . = gracılis Reuss; Cologna.
Clavulina budensis Hantk.; Bolognano.
Rotalia soldanii d’Orb.; Bolognano.
N Beyrichi Neug.; Bolognano. Truncatulina praecincta Karr., Bolognano. costata Hantk.; Cologna. dutemplei d’Orb.;, Cologna.
ungeriana d’Orb.; Bolognano.
» sp.; Bolognano. (Dentalina) spinescens Reuss;, Cologna.
mucronata Neug.; Cologna. >
” ”
acuticauda Reuss; Cologna. Globigerina bulloides var. triloba Reuss; Cologna
soluta Reuss; Cologna. Bolognano. he „ semilaevis Hantk.;, Bolognano. Spiroloculina cf. limbata Born. Cologna.
Marginulina Behmi Reuss; Bolognano, Cologna.
Zunächst erhellt aus vorstehender Uebersicht die verhältnismässig grosse Anzahl kieselig-sandiger Formen, inBolognano der dritte Theil, inCologna die Hälfte. Dieser Umstand spricht für eine grössere Absatztiefe der in Rede stehenden Proben gegenüber den sonst aus Südtirol, Oberitalien, den nordalpinen Gegenden und Ungarn angeführten unteroligocänen » Clavulina Szaböi«-Schichten. Dadurch wird auch das Fehlen von Clavulina Szaboi, der Nummuhten und Orthophragminen erklärt. Auffallend ist das Verhältnis der Faunen von Bolognano und Cologna zu der durch Gümbel-Egger bekannten Fauna vom Monte Brione bei Riva,!) die auf eine entschieden geringere Absatztiefe hindeutet, was auch durch die petro- graphische Beschaffenheit bestätigt wird. Die Proben von den erstgenannten Orten stammen eben aus tieferen Partien der unteroligocänen Absätze, während die von Brione dem Absatze des bereits seichteren Meeres entnommen wurde, wie auch die Lagerung des letzteren unmittelbar unter dem Lithotamnien- kalk beweist.
Gleichwohl findet sich im Schlämmrückstande eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Arten, welche für den » Clavulina Szabdi»-Horizont oder die gleichaltrigen Gebilde charakteristisch sind, so vornehmlich Bolivina semistriata Hantk., Bolivina Beyrichi Reuss, Dentalina semilaevis Hantk., Criszellaria arcuata d’Orb.; Marginulina Behmi Reuss, Clavulina budensis Hantk., Bulimina truncana Gümb.; Uvigerina gracılis Reuss, Truncatulina costata Hantk. u. a.
Von den kieselig-sandigen Formen ist die Hälfte auch aus den gleichaltrigen galizischen Gebilden bekannt, einige wie Dendrophrya excelsa Grzyb. und Trochammina nucleolus Grzyb. wurden sonst noch
nirgends aufgefunden.
1) Sitzungsberichte kgl. bayr. Akad. Wiss. München, math.-nat. Cl. 1896, pag. 589.
[3] Neue und interessante Foraminiferen aus dem südtiroler Alttertiär. II
Auffällig ist das Fehlen einiger in Galizien reichlich vertretener interessanter Typen, so der dort nicht seltenen Reussinen, obgleich die kalkschaligen Parallelformen, die Globigerinen, ab und zu sich finden. Es scheint dies ein Beweis, dass die Abgrenzung der kieselig-sandigen, nach dem Globigerinen- Typus gebauten Formen, die Grzybowski unter dem Namen KReussina vornahm, berechtigt ist.
Unter den neuen Typen, die ich in Südtirol fand, sind zu beachten eine Pavonina mit völlig kieselig agglutinirter Schale, also ein Vertreter dieser bisher nur so selten und als perforat bekannten Familie, ferner eine agglutinirte Form, deren Kammern nach dem Frondicularia-Typus angeordnet sind, die ich mit dem Namen Ammofrondicularia belegte.
Aus WadowiceundKrosno führt Grzybowski eine Keramosphaera irregularis Grzyb. an; diese recent von Brady aus der Tiefsee bekannte imperforate Gattung soll n Galizien nach Grzybowski’s Angabe gleichfalls agglutinirt vorkommen. Für diese Gattung gebührt der Priorität nach der 1877 von Stache gegebene Name Bradya. An Exemplaren aus der liburnischen Stufe von Krain, die mir Herr Dr. Kossmat freundlichst überliess, konnte ich die Identität von Bradya Stache und Keramosphaera Brady feststellen. Die erstere ist durch Bradya tergestina in der liburnischen Stufe Kreide — Tertiär stellenweise reich vertreten in grossen, bis ca. I cm im Durchmesser enthaltenden Exemplaren inmitten einer ausgesprochenen Küstenfauna, wird dann offenbar durch die an Formen- und Individuenreichthum anschwellenden Gattungen der Nummuliten, Orthophragminen, Operculinen, Alveolinen etc. aus ihrem Wohngebiet gedrängt. Im Jungtertiär ist Bradya bisher trotz der sonst so überaus reichen Fauna noch nicht nachgewiesen. In der Gegenwart ist sie auf die Tiefsee beschränkt und auch da nur sehr selten, Im Eocän oder Oligocän muss sich also ihre Wanderung in die tiefere See vollzogen haben. Es wäre sehr interessant, wenn die Zugehörigkeit von Keramosphaera irregularis Grzyb. zu Bradya sich bestätigen würde, es wäre damit einerseits bewiesen, dass Bradya bereits im Oligocän in die Tiefsee zurückgedrängt war und ferner, dass auch hoch organisirte porzellane Formen gelegentlich in kieselig-sandiger Ausbildung auftreten können. Im südtiroler Oligocän fand ich bisher Vertreter von Bradya nicht.
Unter den kieseligen Arten ist auch die verhältnismässig gute Vertretung hochstehender Formen, Cyclamminen, bemerkenswerth.
Was die kalkschaligen Arten betrifft, so konnte ich ausser einer neuen Art, Bolivina Vaccki m. und einer gezackten Varietät von Cristellaria cumulicosta Gümb. einige fürs Alttertiär neue Formen constatiren, u. a. Bolivina aenariensis Costa, Truncatulina praecincta Karr., Textularia folium J. u. P.
Die inBolognano aufgefundenen Exemplare von Venilina haeringensis Gümb., die später zu Schizo- ‚phora Reuss, von Brady zu Bigenerina gestellt und mit Bigenerina capreolus d’Orb. identificirt wurde, liessen, angeschliffen und in Glycerin eingebettet, mich ganz deutlich erkennen, dass die Anfangskammern durchaus nicht textularienartig angeordnet sind, sondern eine planospirale Einrollung zeigen, wie dies beim Genus Spiroplecta der Fall ist.
Typen, welche zuerst planospirale, dann zweizeilig angeordnete Kammern und zum Schluss einige Lingulinen-Kammern daran schliessen, also Spiroplecta - Lingulina, um es kurz auszudrücken, fasse ich als Trigenerina n. nom. zusammen.
Bevor ich indessen auf eine eingehende Besprechung der interessanten Formen eingehe, möchte ich zunächst, anschliessend an das soeben gesagte, meine Ansichten über die Deutung und Bedeutung der Mischgenera darlegen. Allerdings muss ich mich zur Zeit mangels gar mancher einschlägiger Literatur auf eine Darlegung der Grundzüge beschränken.
Unter Mischformen oder Mischtypen verstehe ich in Uebereinstimmung mit früheren Autoren alle jene Formen, deren Kammern nach mehr als einem Gesetze angeordnet sind, also dieselben, welche auch als bi-, triform (Rhumbler) und dimorph bezeichnet wurden.!) Dass ich mich in Folgendem an diesen Aus- druck halte, hat seinen Grund in dem Streben nach Eindeutigkeit.
Von den älteren Autoren wurden diese Mischformen zumeist als selbstständige Genera aufgefasst, ihre Deutung wurde erst in neuerer Zeit versucht.
1) Verschieden von dieser gesetzmässigen »Mischung« sind die blossen Missbildungen wie Verwachsung zweier gleicher oder verschiedener Individuen u. s. w.
12 Rich. Joh. Schubert. [4]
So veranlassten sie bekanntlich L. Rhumbler!) zu der Annahme, das biogenetische Grundgesetz habe bei den Foraminiferen im umgekehrten Sinne Geltung. Eimer?) dagegen deutete die Mischformen so, dass an den Embryonalkammern zuerst die höhere Kammeranordnungsweise aufträte (l. c. pag. 555, 556, 559), im Grunde nicht viel verschieden, obgleich Eimer die Annahme Rhumbler’s lebhaft bekämpft (s. pag. 582) und an einer anderen Stelle derselben Arbeit diese Eigenschaft der Mischtypen als eine Folge einer »Umkehr der Entwicklungsrichtung« Epistrephogenesis bezeichnet.
Rhumbler zieht auch in Erwägung, dass es sich um eine Rückbildung handeln könne, ist auch geneigt, dies gelegentlich gelten zu lassen (s. pag. 63, 64), die überwiegende Mehrzahl der Fälle dagegen deutet ihm auf eine Giltigkeit des biogenetischen Grundgesetzes in umgekehrtem Sinne.
Auf die Unhaltbarkeit dieser Ansicht wurde u. a. bereits von Eimer hingewiesen, da das bio- genetische Grundgesetz eine Vererbung von Eigenschaften der Vorfahren in der individuellen Entwicklung bedeute und nicht in entgegengesetztem Sinne gelten könne. Dass jedoch auch dessen Ansicht keine den Thatsachen entsprechende ist, erhellt aus Folgendem (pag. 556): »So gibt es nicht Uebergänge von zwei- zeiliger Anordnung der Kammern zu einer solchen, bei welcher nur die allerersten Zellen zweizeilig ange- ordnet sind, sondern es ist umgekehrt: Es besteht eine Entwicklungsrichtung, welche dahin führt, dass einzeilig angeordnete Kammern hinten zuerst zweizeilig werden und dass diese Zweizeiligkeit sich bei anderen weiter und weiter nach vorn erstreckt, während bei dritten hinten Dreizeiligkeit eintreten kann ete.«
Um meinen Gegensatz zu Eimer kurz darzulegen, besteht, bei obigem Beispiele, meiner Ansicht nach eine Entwicklungsrichtung, welche dahin führt, dass zweizeilig angeordnete Kammern im Laufe der individuellen Entwicklung in einreihig angeordnete übergehen, dass sich diese neue Eigenschaft, die natürlich an den jüngsten, also vorderen Theilen zuerst auftritt, über einen grösseren Theil des Gehäuses verbreiten
kann, so dass die ursprüngliche, die zweizeilige Kammeranordnung auf die Embryonalkammern beschränkt ist.
Es ist sonderbar, dass Eimer bei der Erörterung der Frage, »ob neue Eigenschaften am hinteren oder vorderen, an alten oder an jungen Theilen des Thierganzen zuerst auftreten«, darauf hinweist, dass bei den Ammoniten die neuen Eigenschaften an den jüngsten Kammern auftreten, dass auch im Cornu- spiren-Stamm der Foraminiferen die Umbildung an den jüngsten Kammern stattfinde und dennoch durch den Hinweis auf die von ihm gezeigte Thatsache, dass bei höheren Thieren (Sauriern, Vögeln, Säugern, Schmetterlingen) die Zeichnung betreffende Eigenschaften hinten zuerst auftreten, während der Stammes- entwicklung nach vorn über den Körper wandern und sich vorn am längsten erhalten, bestimmt wird, auch für die Foraminiferen das Auftreten neuer Eigenschaften an den hinteren Kammern anzunehmen, wo doch das Wort »hinten« in beiden Fällen ganz Verschiedenes bedeutet.
Dass Eimer’s Arbeitsgenosse, Dr. Fieckert, seine Anschauungen nicht ganz theilte, erhellt aus einigen gemachten Bemerkungen Eimer’s. So gibt (pag. 569) Fickert die Möglichkeit zu, dass es sich bei obigem Falle ähnlich wie bei sich aufrollenden Zaplophragmien um einen Rückschlag, und zwar auf Nodosarien handle.
Ich erblicke in den Mischtypen Uebergangsformen, und zwar Formen, die ge- wisse Entwicklungsrichtungen bei den Foraminiferen zum Ausdrucke bringen und dies in der Weise, dass entsprechend dem biogenetischen Grundgesetze die Embryo- nalkammern auf dieAnordnungsweise der Ahnenform, die jüngeren Kammern dagegen auf die in Bildung begriffene Form hinweisen. Diese Entwicklungsrichtungen können von nieder zu höher organisirten Formen führen, doch kann ebenso auch das Entgegen- gesetzte der Fall sein. Bisweilen wird es schwer zu entscheiden sein, welche Anord- nungsweise als höher, welche als niedriger zu bezeichnen sei.
Gegen die Rhumbler’sche Annahme (pag. 53), »dass die Anfangswindungen derselben (sc. der
biformen Gruppen) einen höheren, d. h. festeren Bauplan verfolgen, als die Endwindungen«, spricht die Uebersicht folgender, bisher benannter Mischformen.
1) Entwurf eines natürl. Syst. d. Thalamophoren. Nachr. kgl. Ges. Wiss. Göttingen 1895, Heft 1. ®) Eimer u, Fickert, Artbild. und Verw, b. d, Foram. Tübinger zool. Arb. Leipzig 1899,
[5] Neue und interessante Foraminiferen aus dem südtiroler Alttertiär.
Perforata:
Amphicoryne Schlumb. — Cristellaria -—- Nodosaria. Lingulopsis Reuss — Cristellaria — Lingulina. Amphimorphina Neug. — Frondicularia —+- Nodosaria. Dentalinopsis Reuss — Rhabdogonium — Dentalina. Flabellina d’Orb. — Cristellaria — Frondicularia. Flabellinella Schub.) = Vaginulina —- Frondicularia. Dimorphina d’Orb. — Polymorphina -- Nodosaria. Sagrina J. u. P. = Uvigerina —- Nodosaria. Bigenerina d’Orb. — Textularia —- Nodosaria. Schizophora Reuss — Textularia —+ Lingulina. . Pavonina d’Orb. — Textularia, dann breit, einreihig. Spiroplecta Ehrbg. — planospiral —+ Textularia. Gaudryina d’Orb. — Vernewilina —- Textularia. Clavulina d’Orb. —= Valvulina (Tritaxia) + Nodosaria. Bifarina J. u. P. = Bulimina (Virg. od. Boliv.) + Nodosaria.
Imperforata:
Articulina
I
miliolidenartig, dann gestreckt. Miliolina —- planospiral —- gestreckt. Ophthalmidium == Cornuspira — Miliolina.
Hauerina — Miliolina, dann planospiral. Massilina Schlumb. — Miliolina + Spiroloculina.
Vertebralina
I
Aus der Zusammenstellung der perforirten Typen erhellt zunächst, dass die Endkammern der Misch- formen trotz der Mannigfaltigkeit der Anfangskammern nur einige wenige Anordnungsformen erkennen lassen, so die der Nodosariden, Frondicularien, Textularien. Sodann, dass diese Gattungen offenbar nicht einheitlich sind, sondern sich aus verschiedenen anderen Typen entwickelt haben. So besteht das Genus Nodosaria aus Arten, die sich ursprünglich aus Zagenen entwickelten, ferner aus Abkömmlingen von Nodosinellen, von Cristellarien, Rhabdogonien, Frondicularien, Polymorphinen, Uvigerinen, Textularien, Buliminen u. s. w.
Wodurch die neuen Entwicklungsrichtungen angebahnt wurden, ist schwer zu sagen. Jedenfalls kommt die Beschaffenheit des Meerwassers, der Nahrung, des Bodens u. s. w. in Betracht.
Bei Betrachtung der Mischformen fällt auf, dass meist der Uebergang der beiden (oder mehreren) Anordnungsarten plötzlich erfolgt. Im Gegensatz dazu stehen Formen, bei denen ein solcher Wechsel ver- schiedener Anordnungsarten auch vorliegt, aber mehr allmälig erfolgt, z. B. bei Schizophora Reuss (etwa capreolus) legt sich eine breite, mit langem Schlitz versehene Kammer plötzlich über die Textularien- Kammern, während z. B. bei Bolivina porrecta Brady oder Bolivina nobilis Hantk, die alternirenden Kammern diese Eigenschaft allmälig verlieren, bis die Endkammern nodosarienartig angereiht sind (Typen, die neuerdings von Millett?) bereits zu Bifarina gestellt wurden); ähnliche Verhältnisse herrschen bei Pleurostomella subnodosa Reuss, auch von Flabellinen sind sie bekannt, z. B. Flabellina navicularis Montf., Cristellaria caxis F. u. M.,?) Flabellina simplex Reuss u. a.
Mir scheint es nun, dass solche Formen, wie die letzterwähnten, den Beginn der Entstehung der
Mischformen darstellen. Auch von andern Gattungen ist mir eine derartige oder analoge abnorme Lage von Endkammern bekannt, z. B. von Polymorphina.
1) Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges., 1900, Heft 3. 2) Journ. R. Micr. Soc. 1900, pag. 539, 540. ») A. Silvestri, Mem. dell. accad pont. dei nuovi Lincei, Vol. XV, Taf. III, pag. 6-10.
14 Rich. Joh. Schubert. [6]
Hatte sich diese neue Eigenthümlichkeit im Laufe von Generationen gefestigt, so ging: der alte Typus in den neuen unvermittelt über. Die grosse Anzahl von Fällen, in denen der Wechsel der beiden Kammeranordnungsarten rasch erfolgt, scheint mir dafür zu sprechen, dass sich die neue Eigenschaft erst nach der Festigung allmälig auf das Embryonalende der Schale beschränkte. Doch wäre der umgekehrte Vorgang ebenso gut denkbar.
Dass die an den Endkammern zuerst aufgetretenen Eigenschaften sich an den Nachkommen der- artiger Formen wiederholten und ausbreiteten, ist leicht erklärlich, da das Plasma der letzten jüngsten, grössten Kammern offenbar genügend activ bei der Bildung der Keime der neuen Generation war.
Diese Tendenz, die Kammern nach einem neuen Modus anzuordnen, konnte sich nun im Laufe von Generationen verstärken, so dass z. B. eine Texfularia bereits nach vier textularienartig angeordneten Kammern die weiteren einreihig anordnete, während dies früher etwa erst nach zwölf zweireihigen der Fall gewesen war. Andererseits können die nach dem älteren Modus aneinandergereihten Kammern kleiner gebildet werden, kurz es werden Formen entstehen, deren Ahnenrest, wie ich das Ueberbleibsel der früheren Form, aus der sich die neue entwickelte, nennen will, nur mehr mit bewaffnetem Auge und schliesslich auch m’t diesem nicht mehr auflösbar ist. Durch Resorption kann daraus eine einfache grosse Kammer entstehen, die dann auch in der individuellen Entwicklung an Stelle des Ahnenrestes erscheint, Das Ergebnis wäre dann eine Nodosaria mit grosser Embryonalkammer, mit sogenannter »aufgeblasener« Embryonalkammer. Nun ist es auffallend, dass bei den Perforaten grosse Embryonalkammern vorzugsweise bei Nodosariden und Frondicularien vorkommen, also bei zweien von den drei Typen, aus welchen die Endkammern der Mischtypen bestehen. Frondicularien, deren Ahnenrest noch deutlich erkennbar ist, d. i. Flabellinen, Flabellinellen etc., besitzen auch keine derartige Embryonalkammer. Dass diese bei der dritten Gruppe, bei den Texztulariden, weniger bekannt sind, mag vielleicht damit zusammenhängen, dass gerade diese Neigung zur Bildung triformer Mischtypen besitzen, sowohl Spiroplecten als auch Gaudryinen einreihig angeordnete Endkammern erzeugen können, wovon ich die ersteren zum Theile unter dem Namen Trigenerina zu- sammenfasste.
Eine andere Erklärung einer der zweiten Kammer gegenüber auffallend aufgeblasenen Embryonal- kammer ist auch in der That schwierig, da ja sonst bei den Kammern eine ganz regelmässige mehr oder minder stark ausgesprochene Grössenzunahme vorhanden ist. Es gibt freilich Arien, deren Endkammer auf- fällig an Grösse der vorletzten nachsteht. Derartige Formen sind meines Erachtens pathologische oder senile Bildungen.
Formen wie manche Nodosarien, z. B. Nodosaria resupinata Gümb. oder Hyperammina friabilis, wo auch eine grosse, runde Anfangskammer vorliegt, kommen hier nicht in Betracht, da die darauffolgenden Kammern zwar schmal, aber dafür umso länger sind. :
Aehnliche Verhältnisse liegen auch bei den Porcellaneen vor. Man sehe nur z. B. Articulina funalis an (oder conzcoarticulata) und wird finden, dass hier bei manchen Exemplaren noch deutlich der milioliden- artige »Ahnenrest« trennbar ist, bei anderen dagegen das sonst ganz gestreckte Gehäuse mit einer blossen Anschwellung beginnt. Diese letzteren veranlassten bekanntlich Rhumbler in seinem »Eutwurfe« (pag. 87), Articulina funalis zu seiner Gattung Nodobacularia, deren Typus Nubecularia tibia J. u.P. ist, zu stellen.
Wie Articulina verhält sich auch Vertebralina. Bei Hauerina, deren Anfangskammern milioliden- artig aufgewunden sind, d. h. eine jede Kammer den halben Umfang einnimmt, tritt später die Unfähigkeit gewissermaassen ein, eine so lange Kammer zu bilden, sie ist kürzer, die nächste desgleichen, und wir haben als Endglied eine planospiral angeordnete Form vor uns, wie sie auch durch Einrollung einer segmental eingeschnürten Röhre entstehen konnte. Analog entwickeln sich einzelne Fabularien weiter, z. B. einzelne Exemplare von Fabularia Zitteli Schwag,
Schön wird durch die Annahme, dass auffallend grosse Embryonalkammern in Folge Resorption eines Ahnenrestes entstanden seien, der »Dimorphismus« der Foraminiferen, besonders der Miliolideen erklärt. Mehrfache Deutungen wurden dieser Erscheinung gegeben. Nach obiger Annahme stellen die B-Formen das ursprüngliche Stadium dar, einen Mischtypus, dessen Endkammern bereits auf die in Bildung: begriffene Form hindeuten. Die Embryonalkammern werden nun stets undeutlicher — gleich den spiralangeordneten
[7] Neue und interessante Foraminiferen aus dem südtiroler Alttertiär., 15
bei Clavulina — bis schliesslich anstatt des Restes der Ahnenform eine einzige grosse Kammer entsteht, welche dem Ahnenreste gleichwerthig ist, vielmehr ihn ersetzt. Die von Rhumbler betonten Grössen-
schwankungen der Embryonalkammern sprechen gleichfalls für einen derartigen Vorgang,
Ich stimme mit Rhumbler völlig überein, dass sich die Dimorphismusverhältnisse bei den Miliolideen analog denjenigen bei den Mischtypen, z. B. bei den Nodosarien verhalten; doch muss ich natürlich betonen, dass ich auch hier gerade entgegengesetzter Ansicht bin, dass eine Biloculina, deren Embryonalkammern quinqueloculinär angeordnet sind, eben noch im Begriffe ist, sich zur völligen Biloculina zu entwickeln. Das Ouingueloculina-Stadium ist für diese Gruppe der Biloculinen das Ahnenstadium, das biogenetische Grundgesetz gilt also völlig unverändert.
Rhumbler betrachtet die B-Formen Schlumberger’s »theils als gelegentliche Varietäten der uniformen A-Formen, theils als bereits selbstständige Arten, die, einerlei ob Varietäten oder Arten, im Begriffe stehen, sich in Arten von höherem Aufwindungsmodus umzuwandeln«; die biformen Arten anderer Familien fasst er genau ebenso auf (pag. 67).
Dass sich nicht die B-Formen aus den A-Formen gebildet haben, wie von den Entdeckern des Dimorphismus eine Zeit lang angenommen wurde, ist leicht ersichtlich. Dass die Centralkammern der A-Formen
für den Ahnenrest der B-Formen ausreichen, ist abermals eine Bestätigung meiner Annahme.
Jedenfalls erscheint es mir im Gegensatz zu früheren Anschauungen sicher, dass die A-Formen die späteren sind, gleich Nodobacularia funalis.
Den Dimorphismus der Mrliolideen deutete Rhumbler entsprechend seiner Annahme von der um- gekehrten Geltung des biogenetischen Grundgesetzes im Milioliden-Stamme auf ein allgemeines Streben nach dem Typus Ouinqueloculina hin. Biloculinen suchen sich durch Triloculinen-Stadien in Ouingueloculinen umzuwandeln, ‚Spiroloculinen desgleichen, ja selbst Nubecularien streben nach diesem Ziel.
Nach meiner, wie ich hoffe, der Sachlage entsprechenden Annahme, entwickelten und entwickeln sich in diesem Falle aus quinqueloculinenartigen Formen Triloculinen, Biloculinen, Spiroloculinen, ja selbst einfach gestreckte. Es herrschen eben auch hier bestimmte Entwicklungsrichtungen vor und nicht ein Streben
nach dem Typus Owinqueloculina.
Auch dimorphe Nummuliten wurden in den letzten Jahrzehnten mehrfach beschrieben. Eine mit einer Megalosphaere versehene kleine Form und eine mit grösserem Gehäuse, aber winzig kleiner Embryonal- kammer von sonst gleicher Beschaffenheit — finden sich zumeist miteinander vergesellschaftet. Und hier wurde keine Biformität, keine »Mischung« von Anordnungsarten constatirt. Zwei extreme Fälle sind hier zunächst zu unterscheiden, nämlich Formen, wo die Grössenunterschiede bedeutend sind, z. B. Zucasana — perforata, Tehihatcheffi — complanata, Lamarcki — laevigata, und andererseits solche, wo dieser Unter- schied äusserlich schwieriger wahrzunehmen ist, z. B. spira — subspira, Murchisoni — Heeri.
An Deutungsversuchen dieser interessanten Thatsache hat es nicht gefehlt. Am plausibelsten scheint unter den bisher gegebenen Erklärungen die von delaHarpe und Hantken, dass es sich hier um geschlecht- liche Unterschiede handle, wogegen allerdings der Umstand zu sprechen scheint, dass geschlechtliche Differenzirungen bisher bei den Foraminiferen nicht nachweisbar waren.
Dass mit der Megalosphaere die geringe Gehäusegrösse, die geringere Anzahl an Umgängen, sowie der Umstand, dass die Umgänge dieser megalosphären Formen im Alter entweder gar nicht oder nur wenig näherrücken, während dies bei den entsprechenden mikrosphärischen Begleitformen fast stets der Fall ist, zusammenhängt, ist eine feste Thatsache. Wenn man nun auch annehmen wollte, das Plasma und somit auch das ausgeschiedene Gehäuse der megalosphärischen Begleitformen hätte eine etwas andere Beschaffen- heit gehabt, wodurch eine Resorption der Anfangskammern ermöglicht worden sei, und dass damit eine Art von Zurückbleiben in der Entwicklung zusammenhänge, so kommt man doch wieder auf eine wesentliche Verschiedenheit bei sonst naher Verwandtschaft, und der Gedanke an sexuelle Verschiedenheiten drängt sich
unwillkürlich zur Erklärung dieser Eigenthümlichkeiten auf.
Auch bei Orbitoiden s. lat. finden sich grosse Embryonalkammern. Diese stehen hier offenbar ganz
oder theilweise an Stelle der spiral-angeordneten Anfangskammern.
16 Rich. Joh Schubert. [s]
Die Cephalopoden zeigen in mehreren Punkten Aechnlichkeiten mit den Foraminiferen, um ein bereits von Eimer gebrauchtes Beispiel anzuknüpfen. Die cretaceischen »Nebenformen« der Zytoceratiden, wie Hamulina, Ptychoceras, Baculites sind doch gewiss aus spiralen Formen hervorgegangen, desgleichen die triassischen, wie Rhabdoceras. Und gleichwohl fiele niemandem ein, deswegen eine Umkehr des bioge- netischen Grundgesetzes anzunehmen. Hier ermöglichten es vorzüglich die Loben, sowie das Alter, diese rückgebildeten Formen von anfänglichen nicht eingerollten Typen mit Sicherheit zu unterscheiden. Beide Kriterien sind bei den Foraminiferen nicht anwendbar. An einer Nodosaria lässt es sich nicht erkennen, ob sie ursprünglich oder rückgebildet ist. Einen Anhaltspunkt gewähren uns nur solche Formen, dann aber meines Erachtens einen sicheren, wenn sich noch in den Embryonalkammern ein früheres Stadium erkennen lässt. Uebrigens scheint die Anzahl der inhomogenen Gattungen keine grosse zu sein. Vor Allem wären in dieser Beziehung Nodosaria, Frondicularia, Textularia, Nubecularia (Nodobacularia Rhumbl.), Spirolo- culina u. s. w. zu nennen i
Welche systematische Stellung kommt nun den Mischformen zu, wenn sie thatsächlich eine solche Bedeutung besitzen? Sie als Untergattungen im gewöhnlichen Sinne anzuführen, widerspricht allen bisher erwähnten Thatsachen. Es erübrigt also nur, sie, wie es bisher geschah, als selbstständige Genera aufzufassen, oder, was mir zweckmässiger erscheint, ihre Eigenschaft als Uebergangsformen verschiedener Genera dadurch zum Ausdrucke zu bringen, dass wir die Mischform trotz ihres geringeren oder grösseren Ahnenrestes bereits zu der im Entstehen begriffenen Form stellen.
Um dies durch einige Beispiele zu erläutern, gehörten zu
Frondieularia s. lat.
r—_—ä_
Frondicularia s. str. Flabellina Flabellinella Spirofrondicularia m. (urspr. Formen) (Crist. Frondie.) (Vagin. Frondie.) (Polym. od. Bulim. Frondic.) Lingulina s. lat. Lingulina s. str. Lingulinopsis Schizophora Trigenerina m. (Crist. Ling.) (Textul. Ling.) (Crist. Text. Ling.)
Nodosaria s. lat.
Nodosaria s. str. Amphicoryne Amphimorphina Dimorphina Sagrina Bigenerina P. Clavulina ne (wobei die aus (Crist. Nod.) (Frond. Nod.) (Polym. Nod.) (Uvig. Nod.) (Text. Nod.) (Spironod.)(Bul. Nod.) Lag. od. .‚Nodo- sinellen hervorg. geschieden wer-
den müssten.)
Es wäre somit die Bedeutung der »Mischgenera« insoferne geändert, als damit nicht die Mischformen an sich bezeichnet würden, sondern diejenigen Untergattungen, welche durch die »Mischung«, d. h. durch die Weiterentwicklung aus anderen Gattungen entstanden, wobei natürlich das Vorhandensein eines grösseren oder geringeren Ahnenrestes das hauptsächlichste Kriterium zur Bestimmung der Verwandtschaftsverhältnisse bleibt. So gehören zu Dimorphina alle jene Nodosarien, die aus Polymorphinen sich entwickelten und nicht die Mischformen als solche, zu Massilina alle Spiroloculinen, deren Entwicklung aus Mikiolinen nach- weisbar ist. Natürlich können jedoch auch dazu diejenigen Spiroloculinen gestellt werden, deren Anfangs- kammern noch miliolinenartig angeordnet sind, da ja die Endkammern bereits völlig spiroloculinär gebaut sind. In gleicher Weise fasse ich alle übrigen Formen auf.
Allerdings ist es gegenwärtig nicht möglich, alle bisher beschriebene Arten den Untergattungen
zuzutheilen, da ja die Mehrzahl der bekannten Arten »reinen« Gattungen (d. i. ohne Ahnenrest) angehört.
[9] Neue und interessante Foraminiferen aus dem südtiroler Alttertiär. 17
Es müssen daher wohl alle diese Formen gegenwärtig noch zur Hauptgattung gestellt werden, bis paläon-
tologische Funde, beziehungsweise eingehender Vergleich ein begründetes Urtheil über die Herkunft gestatten.
In Folgendem bespreche ich lediglich diejenigen Arten, an welche sich ein grösseres paläontolo- gisches Interesse knüpft. Literaturhinweise fügte ich nur im nothwendigsten Ausmaasse bei, nur insoweit, als ich es trotz der Sammelwerke von Sherborn!) und Tutkowski?) für nöthig erachte,
Häufiger wurden bei vorliegender Arbeit nebst Brady’s Challenger Report zwei Arbeiten von Grzybowski über die Fauna des rothen Thones von Wadowice, und der naphthaführenden Schichten in der Gegend von Krosno (Rozprawy akademii umie mat. przyr. Ser. II, Tom. X, 1896, und Tom. XIII, 1898) gebraucht und citirt.
Die der Arbeit beigefügten Tafeln wurden von mir grösstentheils mittelst Camera lucida gezeichnet. Die Grössenausmaasse sind der Beschreibung der einzelnen Arten beigefügt.
Astrorhiza Sandahl.
Astrorhiza granulosa Brady. . Taf. I, Fie. 2.
Das etwas über I mm lange und in der Mitte etwa 1/, mm breite Gehäuse ist zum Theil gröber agglutinirt, als es die recenten zu sein pflegen. In der Mitte gebaucht, verschmälert es sich gegen die Enden. Der Hohlraum ist jedoch von nahezu gleichem, aber im Verhältnis zur Gehäusedicke geringem Durchmesser.
Diese Art fand ich bloss in Bolognano in einem einzigen Stücke. Recent ist diese Form sehr selten. Brady vermuthet, sie sei nur eine locale Abart von Astrorhiza crassatina Brady, doch glaube ich, vorläufig an ihrer artlichen Selbstständigkeit festhalten zu sollen. Die von Häusler aus dem schweizer Jura abgebildete Form rechtfertigt das beigefügte Fragezeichen vollkommen. Sonst wurde Asztrorhiza granulosa
noch nirgends gefunden. Dendrophrya Str. Wright.
Dendrophrya excelsa Grzybowski. Taf. I, Fig. 16—19. Rozprawy akad. umiej. mat. przyr., Ser. II, Tome XIII, 1598, Kraköw, pag. 272, Taf. X, 1—4.
Bloss in Bolognano, daselbst in einigen Bruchstücken, deren längstes 3°5 mm lang ist, bei einer Breite von I—-1'5 mm. Die ursprünglich im Querschnitt offenbar rundlich bis elliptischen Stücke sind völlig abgeplattet, aus Schlamm und Kieselkörnchen agglutinirt. Spongiennadeln fehlen. Der Hohlraum hebt sich im Querbruche nicht gut ab, offenbar in Folge diagenetischer Vorgänge, wie es ähnlich Sacco von seinem Bathysiphon taurinensis beschrieb. (Bull. soc. g&ol. de France, XXI. Bd., 1893, pag. 168.) Verästelung war bei dieser Art nicht selten.
Die von Grzybowski in der gleichen Arbeit als Dendrophrya robusta und latissima (Fig. 7, 8) beschriebenen scheinen mir durchaus nicht specifisch trennbar zu sein, da die Wand- und Gehäusedicke durchaus nicht constant ist.
Rhabdammina M. Sars.
Rhabdammina abyssorum M. Sars. Taf. I, Fig. 5—9.
In Bolognano sehr selten, um so häufiger in Cologna, meist jedoch in Armbruchstücken. Bisweilen finden sich auch die Centralkammern (Taf. I, Fig. 7), von denen beim abgebildeten Exemplar drei Arme ausgehen, die jedoch abgebrochen sind. Das Gehäuse ist aus meist groben (Juarzkörnern gebildet, die durch Cement fest verbunden sind. Die Oberfläche ist rauh, die innere Wand der Hohlräume dagegen glatt. Dieser wechselt im Durchmesser, zeigt ganz unregelmässig schwache Aufblähungen, weshalb auch die Oberfläche
uch: D. Sherborn. An index to the genera and species of the Foram. Washington, Smiths. misc. coll. 1893, 1896. Ch. D. Sherborn: A Bibliography of the Foram. rec. and fossil from 1565—1888. London 1888. 2, P. Tutkowski. Index bibliogr. de la litt. sur les Foram. viv. et foss., 13S8S—1898, Kiew 1898 (russ.)
Beiträge zur Paliontologie Oesterreich-Ungarns Bd. XIV. 3
18 Rich. Joh. Schubert. [ro]
unregelmässig gestaltet ist. Bisweilen zeigen sich Spuren von Verästelung (Taf. I, Fig. 6), ohne dass eine Erweiterung des Hohlraumes stattfände, also Verhältnisse, die Carpenter 1869 (siehe Proc. roy. soc. XVIII, pag. 60) veranlassten, solche Formen mit dem Namen Rhabdammina üirregularis zu belegen. Von Brady wurden diese Typen jedoch (Chall. report., pag. 267, 8, Taf. XXI, Fig. 9) zu abyssorum M. Sars. gezogen. Es ist auch in der That schwer, namentlich bei so fragmentarischem Material, beide Typen ab- zugrenzen. Ist doch die Schalenzusammensetzung bei beiden völlig die gleiche und die Gestalt namentlich bei diesen niedrigen Formen so variabel. Fig. 8, Taf. I, habe ich ein Exemplar abgebildet, wie es auch von Brady erwähnt wird, gleichsam eine Uebergangsform zwischen den regelmässig gestrahlten und den nur unregelmässig verzweigten, dem zrregularis Carp. Von einem gemeinsamen Hohlraume gehen nämlich drei Arme ab, zwei davon nahezu in einer geraden Linie gelegen, der dritte unter einem spitzen Winkel von dem einen der beiden abgehend. Etwas unterhalb dieser Abzweigungsstelle findet sich abermals eine schwache Erweiterung des Gehäuses,
Grzybowski führt aus dem galizischen Oligocän auch die Art an (Rozprawy akad. mat. przyr. XXX, VII, 1—4), fand jedoch auch nur Bruchstücke von Armen. Unter Anderem bildet er auch eine Ver- ästelungsstelle (irregularis Carp.) ab. Die von ihm (ibidem VII, 7) dargestellte Rhabdammina linearis Brady scheint mir jedoch gleichfalls zu Rhabdammina abyssorum zu gehören, da die für linearis charak- teristische Centralkammer nicht erhalten ist und die südtiroler Stücke nicht unerheblich in den Dimensionen variiren. Durchmesser — 0'2—0'6 mm.
Inwieweit RAhabdammina cornuta Brady von Rhabdammina abyssorum zu trennen ist, vermag ich
bei dem fragmentarischen Zustande meines Materiales nicht zu entscheiden
Rhabdammina discreta Brady. Taf. I, Fig. 4, 10.
In CGologna wie auch Bolognano fand ich einzelne Stücke einer Rhabdammina, deren Lumen stellenweise verengt ist. Dieser Einschnürung entspricht auch eine mehr oder minder deutlich markirte Segmentirung an der Oberfläche. Die südtiroler Exemplare stimmen allerdings nicht ganz mit den bisher bekannten recenten Formen überein, doch halte ich für das wesentliche Merkmal von Rhabdammina discreta Brady in Uebereinstimmung mit der davon gegebenen Diagnose die innen und äusserlich erfolgte Ein- schnürung, wobei die Gestalt der Röhre, wie dies ja auch bei anderen Arten von Rhabdammina vorkommt, eine gewisse Mannigfaltigkeit besitzen kann. Mir scheint also eine Abtrennung von Formen, wie sie Grzybowski (Rozprawy XXX, Taf. VIII, Fig. 5, 6) als subdiscreta Rzehak abbildet, nicht angezeigt. Rzehak führt zuerst aus dem Oligocän von Nikoltschitz (Verh. k. k. Geol. R.-A., 1887, pag. 87) ohne weitere Bemerkung eine Rhabdammina subdiscreta m. an. Aus der von Grzybowski (l. c. pag. 275) gegebenen Beschreibung »Skorupka zwykle wezsza od poprzedzajacej, zreszta podobna ale z widocznemi przewiezistosciami w nieregularnych odstepach« erhellt, dass ein wesentlicher Unterschied hier auch gar nicht vorliegt.
Länge der mir vorliegenden Stücke höchstens I nm.
Bathysiphon M. Sars.
Bathysiphon tauriuensis Sacco. a, I le, zu 16, Bull. de la soc. g&ol. de France, IIf. Ser, XXI, 1893, pag. 168, Fig 2.
Im Schlämmrückstande von Cologna fallen Bruchstücke einer grossen kieselig-sandigen Form auf, die allen Merkmalen nach zum Genus Bathysiphon M.Sars. gehören. Das I mm ungefähr im Durchmesser enthaltene Gehäuse bildete ursprünglich eine lange Röhre, deren Wände aus Kieselkörnchen und spärlich darin enthaltenen Spongiennädelchen aufgebaut sind. Die Röhre zeigt aussen mehrfach Einschnürungen und ist bei sämmtlichen Stücken an der Oberfläche schwarz gefärbt. Dies fällt umsomehr auf, als dies letztere bei keiner einzigen anderen Form der Fall ist. An den Bruchflächen lässt die Schale eine sehr feinkörnige
Structur erkennen, ist gelblich. Im Querschnitt ursprünglich offenbar rund, lassen gegenwärtig nur mehr
[r1] Neue und interessante Foraminiferen aus dem südtiroler Alttertiär. 19
wenige Stückchen dies erkennen. Meist sind die Röhrchen zusammengedrückt, wobei sie in der Medianlinie geknickt sind.
Bathysiphon ist gegenwärtig recent und fossil bekannt, letzteres aus der Kreide von Bayern durch Egger, aus der Liguriens von Sacco; ich fand ihn auch kürzlich in den gleichfalls cretaceischen rothen Puchover Mergeln der Karpathen. (Fundort: Benyo-Lehota, Ober-Ungarn.) Im Tertiär fand er sich bisher in oligo- und miocänen Gebilden an mehreren Punkten. Die ersten Nachrichten über das fossile Vorkommen von Bathysiphon verdanken wir A. Andreae (Verh. d. nat. Ver. Heidelberg, N. F., V. Bd., 2. Heft, 1893) und Sacco (l. c. pag. 165— 169).
Während Andreae seine Exemplare aus dem Flysch Liguriens und von der Superga bei Turin mit dem recenten Bathysiphon filiformis M. Sars. zu identificiren geneigt ist (auch Egger!) führt seine oberbayrische cretaceische Form als Bathysiphon jiliformis an), stellt Sacco zwei neue Arten: Bathysiphon apenninicus und faurinensis, die erstere für die cretaceischen, die letztere für die oligocänen Exemplare auf. Doch ist aus den Sacco’schen Beschreibungen dieser beiden Formen nicht leicht der specifische Unter- schied und der Unterschied von dem recenten Bathysiphon filiformis ersichtlich,
Ausser Bathysiphon filiformis wurde vom Marquis de Folin ein Anzahl anderer recenter Formen beschrieben, was von den genannten Forschern ganz unberücksichtigt gelassen und nicht erwähnt wird. Es sind dies: Bathysiphon capbritonensis, capillare, echinatum, flavidum, major, nitens, rufum, rusticum, strictum, subvitreum, die zumeist wohlbegründet erscheinen. (s. Actes soc Linndene de Bordeaux, Vol XL, IV. Ser., Tome X, 1886, pag. 271, Taf. V—-VIII.) Aus Folin’s Untersuchung erhellt, dass gerade bei dieser Gattung die Farbenunterschiede eine Rolle spielen.
‚Die intensive Schwarzfärbung der südtiroler Exemplare habe ich bereits erwähnt. Interessant ist nun, dass sowohl Andreae als auch Sacco von den tertiären Formen das Gleiche erwähnen. So sagt Sacco (l. c. pag. 168) von seinen aquitanischen, langhischen und helvetischen Stücken, sie seien »noirätre a la surface et gris-blanchätre dans l’interieur du tube«. Andreae schreibt von seinen Exemplaren von der Superga, die Röhrchen »zeigen auf der Bruchfläche die bezeichnende, feinkörnige, weisse Schalensubstanz und sind äusserlich von einem dünnen, sehr widerstandsfähigen, schwarzen Ueberzuge bedeckt«. Auch die mediane Knickung wird von beiden Forschern erwähnt, die bei einer gewissen Elasticität doch für eine grössere Wandfestigkeit spricht. Doch dürfte diesem Merkmale keine grössere Bedeutung beigemessen werden, da es sich auch an ein und demselben Stücke nur stellenweise findet.
Besonders die erstere Eigenthümlichkeit fehlt den karpathischen cretaceischen völlig, obwohl deren sonstige Merkmale die recht zahlreichen Stücke zweifellos als zu Bathysiphon M. Sars. gehörig erkennen lassen. Auch von seinem apenninicus schreibt Sacco, er sei »gris-brun« an der Oberfläche, und Egger bezeichnet die oberbayrischen cretaceischen Bathysiphonen graubraun an der Oberfläche, an der Bruchfläche weiss, so dass ich glaube, mit Recht die schwarze Oberflächenfärbung als für die oligo-miocäne Art, Bathysiphon taurinensis Sacco charakteristisch aufgefasst zu haben.
Länge des abgebildeten Stückchens 3'5 mn.
Hyperammina Brady.
Hyperammina elongata Brady. Taf. T, Fig. Ta, b. Nebst einigen zweifelhaften Bruchstückchen gehört zu dieser Art das Taf. I, Fig. 1a,b abgebildete Stück. Das Gehäuse ist am Anfang geschlossen, breit, gerundet, verschmälert sich nach oben zu, wechselt im äusseren Umriss. Die Wandung ist aus mässig groben Quarzkörnern agglutimirt. Besonders die ge- schlossene Anfangskammer ist für Hyperammina Brady charakteristisch und gegenüber Rhabdammina be-
merkenswerth. Das abgebildete Stück ist bei einem Durchmesser von 0'3—0'7 mm ı5 mm lang, etwas zu-
sammengedrückt.
7) Abhandl. math.-phys. Classe d. bayr. Akad. Wiss. 1899, XXI. Bd., ı. Heft, pag. 16. Rz
20 Rich. Joh. Schubert. [12]
Für Hyperamminen vom elongata-Typus wurde von Eimer u. Fickert (Abbildung u. s. w. pag. 601) die Gattung Bactrammina vorgeschlagen, doch halte ich eine generische Abtrennung von den Hyperam- minen mit beginnender, wenn auch meist bloss angedeuteter Kammerung, für unzweckmässig.
Hyperammina pellucida m. Ataın Ib Ber 8%
Das an einem Ende geschlossene, am anderen offene, agglutinirte Gehäuse beweist die Zugehörig- keit dieser Art zu Hyperammina. Die Anfangskammer, vielmehr der erste Hohlraum ist unten gerundet, verschmälert sich sodann, um sich nach einer kurzen Strecke, während dessen er in einem Bogen nach aufwärts verläuft, abermals etwas zu erweitern. Sodann verengt er sich abermals, um schräg aufwärts steigend ein zweites Mal und zwar beträchtlicher sich zu erweitern. Der dritte Hohlraum steht nahezu senkrecht zur Längserstreckung des Gehäuses. Im weitern Verlaufe nimmt die Röhre allmälig gegen das Ende an Weite zu wie bei Jaculella.
Die Wandung ist dick, grob aus Quarzkörnchen agglutinirt. Das Gehäuse ist entweder stark zusammengedrückt oder von Natur aus von einer geringen Dicke, da die obenerwähnten Verhältnisse ohne Schliff am blossen Glycerinpräparat sichtbar sind.
Das einzige in Cologna gefundene Stück ist I mm lang, halb so breit. Für die Art erachte ich charakteristisch, dass sich der Hohlraum mehrfach erweitert, ohne dadurch aussen eine Segmentirung zu bedingen, weshalb ich diese Form von Ayperammina subnodosa Brady trennen zu müssen glaubte, ferner die grosse Wandbreite, vielleicht auch die geringe Gehäusedicke.
Hyperammina (Girvanella) vagans Brady. Taf. I, Fig. ITa, b.
Nur im kleinen Bruchstückchen in Cologna, die sich doch mit einiger Sicherheit zu dieser Art zuweisen lassen. Sie waren wohl meist festgewachsen. Ayperammina nodata Grzyb. aus dem galizischen Oligocän kann wohl specifisch kaum getrennt werden, da die scheinbare Segmentirung, wie sie Rozpraw. akad. um. mat, przyr. XXX, Taf. VIII, 16 aufweist und wohl auch bei einem südtiroler Exemplar (Fig. 2) angedeutet ist, ja nicht selten bei vagans Brady vorkommt.
Der Durchmesser der südtiroler Stücke ist gering 0'I—0'2 mm.
Von Rhumbler wurde (Entwurf, pag. 83) für diese Art die neue Gattung Tolypammina auf- gestellt, da sich F/yperammina vagans durch ihre Aufknäuelungsweise als höher stehende Form kundgäbe. Eimer u. Fickert schlugen dafür (l. c. pag. 602) den Namen Serpulella vor.
Wenn aber, wie es auch mir naturgemäss scheint, Ayperammina vagans Brady von den übrigen Hyperamminen abgetrennt werden muss, sei es nun als Genus oder Subgenus, gebührt die Priorität dem Namen Girvanella Nich. u. Eth. Dass Girvanella bisher nur aus dem Silur citirt wurde, ist kein Grund, eine Verschiedenheit von Görvanella und Ayperammina vagans anzunehmen, da sie ja u. a. auch im Mesozoicum vorhanden und daraus beschrieben ist.
Reophax Montt.
Reophax difflugiformis Brady. Abeuz I, Jene) 102, 1%
In Cologna in zwei verschiedenen Typen vorhanden; der erste (Taf. I, Fig. 12) mit gerundetem aboralem Ende, grob agglutinirt, verschmälert sich allmälig gegen die Mündung, der zweite (Taf. I, Fig. 13) ent- spricht den unter Reophax difflugiformis von Grzybowskiaus dem galizischen Oligocän abgebildeten Formen ; das feinkörnige Gehäuse ist fast kreisförmig im Umrisse, die Mündung auf einem rasch abgesetzten Halse.
Mit dem ersteren Typus besitzt die von Grzybowski als Reophax ovulum bezeichnete Art grosse Aehnlichkeit, die Stücke vom zweiten Typus sind mehrfach eingedrückt, was für eine grössere Elasticität der Schalenwand spricht als beim ersten. Formen vom ersten Typus bildet auch Häusler (Neues Jahrbuch für Min, u. Geol,, Beil, Bd. IV, 1886, II, 1.) aus dem schweizer Jura ab,
[13] Neue und interessante Foraminiferen aus dem südtiroler Alttertiär. 21
Da die Form und Beschaffenheit beider Typen immerhin eine gewisse Verschiedenheit erkennen lässt, scheint es nur zweckmässiger, Formen, wie die von Grzybowski als Reophax difflugiformis abgebildete, von difflugiformis getrennt zu halten, ich möchte dafür den Namen Keophax Grzybowskii vorschlagen.
Rhumbler („Entwurf“, pag. 82 u. 85) trennte die einkammrigen Reophax-Arten von den mehrkamm- rigen, für die er das Genus Nodulina aufstellte. Diese Trennung halte ich für sehr zweckmässig, da Lagenen ja auch von Nodosarien getrennt werden, doch sind es gerade mehrkammrige Formen, auf welche die Gattung Reophax errichtet wurde. Es müsste also für die einkammrigen Reophax-Arten ein neuer Name gewählt werden.
Reophax sp. ind. forma scalaria Grzyb. (als Reophax guttifera var. scalaria Grzyb. Rozpr. ak. um. Kraköw XXX, 277, VIII, 26.)
Als charakteristisches Merkmal gab Grzybowski für seine var. scalaria die eigenthümliche treppenförmige, besonders in der Seitenansicht bemerkbare Anlagerung der Kammern an. Die ursprünglich mit grosser Wahrscheinlichkeit als rund, kugelig anzunehmenden Kammern sind durch den Druck flach schlüsselförmig (auch unregelmässig verbogen) geworden und aufeinander geschoben.
Mein diesbezügliches südtiroler Material ist nur sehr spärlich, doch bin ich überzeugt, dass diese Aufeinanderschiebung der Kammern erst nach der Einbettung der Schälchen erfolgte, so dass ihm keinerlei systematische Bedeutung zukommt.
Zu welcher Art das galizische Exemplar sowie meine südtiroler Stücke gehören, ist derzeit mangels eines reichlicheren Materials nicht zu entscheiden. Eines meiner südtiroler Gehäuse nähert sich durch das Vorhandensein deutlicher Zwischenstücke zwischen den Kammern an KReophax guttifera Brady, das galizische dürfte jedoch ebenso wie spärliche südtiroler Exemplare nicht zu dieser Art gehören. Uebrigens legt die Bezeichnung als Reophax guitifera var. scalaria einer offenbar durch den Erhaltungszustand be- dingten Beschaffenheit einen systematischen Werth zu, der ihr nicht zukommt.
Länge eines dreikammrigen Stückes aus Cologna 1'2 mm, ein zweikammriges besitzt etwas ge- ringere Dimensionen.
Reophax pilulifera Brady. Tat. I, Fig. 2T.
Von Brady fast nur für eine Localvarietät von Reophax scorpiurus gehalten, scheint sie dennoch eine selbstständige weitere Verbreitung zu besitzen. Das mir vorliegende, aus Cologna stammende Stück ist viel kleiner, als die recent bisher bekannten. Das zweikammrige erreicht kaum eine Länge von 0'5 mm. Die Schalenwandung ist aussen und innen rauh, an der Grenze der beiden Kammern stark eingeschnürt. Zu bemerken ist die Mündung, die ganz regelmässig halsartig vorgezogen ist, jedoch, vielleicht in Folge des groben Materiales, eine eigenthümliche Aussackung zeigt (Taf. I, Fig. 21). Die ganz schwach ange- deutete Dentalien-Krümmung, sowie die geringe Grösse besitzt zum Theil auch die galizische Form (s. Grzyb. Lk & 2995 Nik, WAL 1 27% 2)
Haplostiche Reuss. Haplostiche Soldanii J. u. P.
1:25 mm lang, durch die labyrinthischen Kammern und sonstigen Merkmale zu dieser Art gehörig eylind risch, Ende zugespitzt, Anfangskammer breit, gerundet). Die Oberfläche ist rauh, immerhin ist die Schale so fein agglutinirt, dass die Kammereinschnürungen erkennbar sind. Die Mündung ist einfach. Haplostiche Soldanii ist recent aus verschiedenen Tiefen bekannt, fossil aus dem Jungtertiär und der Kreide.
Haplophragmium Reuss.
Haplophragmium aff. lobsannense Andreae. Taf. I, Fig. 23. Ein Bruchstück, den involuten Theil eines Haplophragmium darstellend, der aus sechs einfachen Kam- mern besteht. Das Glycerinpräparat (Taf I, Fig. 23) lässt einige Verwandtschaft mit Exemplaren von Haplo- phragmium lobsannense Andreae erkennen, und zwar mit gleichfalls in Glycerin bei durchfallendem Lichte
D DL
Rich. Joh. Schubert. [14]
betrachteten. Die Lobsanner (oligocänen) Vergleichsexemplare verdanke ich der Liebenswürdigkeit des Herrn Professors Andreae in Hildesheim, wofür ich ihm auch an dieser Stelle meinen wärmsten Dank sage. Bei Haplophragmium lobsannense sind die Kammern ‚etwas dichter angeordnet, indem auf einen gleich grossen Theil acht Kammern kommen. Eine genaue Bestimmung ist bei dem fragmentaren Zustand des in
Cologna aufgefundenen Stückes unthunlich.
Trochammina P. u. J. Trochammina squamata ]J. u. P.
Ein einziges, etwas ungünstig erhaltenes Exemplar, stark zusammengedrückt, die Embryonalwindungen sind nicht gut ausnehmbar. Durchmesser des abgebildeten Stückes 0'006 mm. Trochammina squamata ist vom Jura bis in die Gegenwart bekannt, doch stets sehr selten.
Cyelammina Brady 1876.
Schale frei, eingerollt, bisweilen der letzte Umgang etwas abstehend, analog der Gattung Aaplo- phragmium, davon jedoch durch die Canäle unterschieden, welche die dicke Gehäusewandung durchbohren, Die Kammern sind meist zahlreich, das Gehäuse bilateral symmetrisch. Schalenzusammensetzung kieselig- sandig, Obertläche glatt bis rauh. Mündung eine gekrümmte Spalte, oft jedoch von einer Anzahl von Poren begleitet, ja auch durch sie ersetzt, welche den die Kammerhöhlung bisweilen übertreffenden Wand- canälen entsprechen.
Von Brady wurden unter dem Gattungsnamen Cyclammina nur völlig involute Formen zusammen- gefasst, ganz oder theilweise evolute wurden nicht beschrieben. Wenn jedoch die als Haplophragmium fontinensis Terqu. abgebildeten Formen gleich den südtiroler zu Oyclammina Brady gehören, so ist zweifellos, dass sich die hohe Organisation der Oyclamminen auch bei evoluten Formen findet. Und eine fundamentale Trennung völlig involuter und evoluter Formen wäre hier ebenso naturwidrig als bei F/aplo- bhragmium oder Cristellaria.
Cyclammina pusilla Brady. Kata aB1032; (= Cyclammina amplectens Grzyb. Rozprawy XXXIII, Taf. XII, Fig. 2, 3.)
Ein in Glycerin eingebettetes Exemplar aus Cologna lässt das von Grzybowski an einem galizischen Stücke (Balsampräparat) beobachtete Bild (l. c. Fig. 3) erkennen. Die Wandkanäle besitzen wie dort eine beträchtliche Ausdehnung.
Cyclammina amplectens Grzyb. ist von Cyclammina pusilla Brady im Aeusseren sowie den Grössen- verhältnissen nicht unterschieden und die von Grzybowski erwähnte grosse Embryonalkammer, die den wesentlichen Unterschied bildet, ist, wenn nicht erst beim Schleifen entstanden, vielleicht auf eine Resorption zurückzuführen.
Cyclammina Uhligi n. sp. Taf. I, Fig. 27. h
Diese Art ist vor allem durch die geringe Gehäusedicke bemerkenswerth, so dass das etwa 1), mm lange Gehäuse im durchfallenden Lichte, zumal da es in Glycerin eingeschlossen ist, mit grösster Klarheit den inneren Bau erkennen lässt. Es besteht aus 21), Umgängen, deren letzter die übrigen nicht ganz übergreift. Die Kammern senden Canäle in die Wandungen aus, die immer complieirter werden, je jünger sie sind, so dass die I2. und I3. Kammer eigentlich durch eine Anzahl von Canälen vertreten erscheint, Die Kammern des ersten und zweiten Umganges stehen durch Canäle auch miteinander in Verbindung.
Das ausserordentlich dünne Gehäuse erinnert in dieser Beziehung an Haplophragmium foliaceum Brady. Auch bei diesem ist der innere Bau im Balsampräparate völlig ersichtlich. Die im Challenger- Report (XXXIH, 24) gegebene Abbildung scheint auch in den letzten Kammern von der 20. an Clycamminen- Eigenschaften zu besitzen. Doch bezeichnet Brady die Mündung dieser in der Hauptmasse der Kammern gestreckten Form als emfach terminal, während die sehr schmale letzte Septalwand von Uhligi von einzelnen, von einander getrennten Poren durchbohrt ist.
Das Material des Gehäuses ist äusserst feinkörnig, völlig kieselig. Sehr selten in Cologna.
[15] Neue und interessante Foraminiferen aus dem südtiroler Alttertiär.
D [957
Cyclammina fontinensis Terqu. sp. Taf. I, Fig. 28. (= Haplophragmium fontinense Terquem bei Terquem, Brady, Häusler, Grzybowski etc.).
Taf. I, Fig. 28 stellt die bisher zu Haplophragmium gestellte Art dar, der sie den äusseren Merk- malen nach auch entspricht. Der innere Bau dagegen, der bei Glycerinpräparaten im durchfallenden Lichte ersichtlich ist, weist diese Art zu Cyclammina. Ob alle bisher als Haplophragmium fontinense Tergu. be- schriebenen Formen einen derartigen Bau zeigen, vermag ich natürlich nicht zu sagen, vor Allem wäre die Untersuchung an den Terquem’schen Originalstücken wichtig; doch war mir dies bisher unthunlich.
Die Wandcanäle sind bei dieser Art noch weniger ausgebildet als bei der vorhergehenden, ja bei den ersten Kammern sind sie noch kurz und spärlich.
Cyclammina sp. Taf. I, Fig. 26.
Klein (0'7 mm im Durchmesser) gedrungen, grob agglutinirt. Der letzte Umgang besteht aus sechs Kammern, von denen die letzte helmartig vorgewulstet ist. In der Ansicht von vorne breit gerundet, desgleichen am Rücken; die letzte Kammer jedoch ist fast etwas gekielt. Die Septalfläche der letzten Kammer scheint von mehreren Poren durchbohrt, so dass ich auf eine Cyclamminen-Structur der Schale schliessen zu dürfen glaubte. Die Schale selbst liess sich auf keinerlei Weise aufhellen und die einzigen zwei wohlerhaltenen Stücke wollte ich nicht zu Dünnschliffen verwenden. Der Umriss des Gehäuses ist etwas gewinkelt. Der in der Vorderansicht (Taf. I, Fig. 26) sichtbare Mangel an Symmetrie scheint mir durch den Erhaltungszustand bedingt. Namentlich in der Vorderänsicht ist der Unterschied von Trochammina nucleolus Grzyb. (vergl. Taf. I, Fig. 22) augenfällig, wie auch die Oberansicht die wesentlichen Unterschiede beider Formen klarlegt. Von „Haplophragmium“ latidorsatum, das nach Rzehak gleichfalls zu Cyclam- mina gehört, ist diese COyclammina durch die Beschaffenheit der Endkammern vornehmlich verschieden.
Ueber das fossile Vorkommen von Cyclammina wurde zusanımenfassend in einer Studie von A. Silvestri berichtet (Atti e Rendiconti dell’ Acc. di Scienze Lettere e Arti dei Zelanti P. P. d. Studio di Acireale VI, 1894, pag. 45 u. fl).
Cyclammina sp. Taf. I, Fig. 24.
Eine kleine Form, die dem Haplophragmium aff lobsannense Andr. ähnelt, jedoch, wie Taf. I, Fig. 24 zeigt, im durchfallenden Lichte in Glycerin sich durch ihre von den Kammern in die Wand verlaufenden Canäle als zu Cyclammina gehörig erweist. Die Anfangskammern sind beträchtlich grösser als die von Cyclammina fontinensis Tergqu.
Pavonina d’Orb.
Pavonina agglutinans n. sp. Bat.l, Rıor 3ı.
Ein sehr kleines Exemplar (etwa 0'5 mm), dem Bau nach wohl unzweifelhaft zu Pavonina d’Orb. gehörig. In Glycerin liess es in durchfallendem Lichte einen textularienartigen Embryonaltheil erkennen, durch Einbettung in Canadabalsam verlor das Object etwas an Deutlichkeit, so dass die Anfangskammern nicht recht unterscheidbar sind; darauf folgen zwei bis drei bogenförmig gekrümmte breite Kammern. Die dunklen Partien in Taf. i, Fig. 31, entsprechen dem ausgefüllten Hohlraum, die hellen den durchscheinenden Wandungen. Das Gehäuse selbst ist aus Quarzkörnern ziemlich grob agglutinirt, völlig kalkfrei. Die Mündungsverhältnisse konnte ich nicht mit Sicherheit feststellen, doch scheint die letzte Septalwand durch eine Reihe von Poren durchbrochen zu sein, wie ja auch die beiden letzten Kammern durch mehrere Oeffinungen in Verbindung stehen.
Obgleich der Erhaltungszustand des einzigen in Bolognano aufgefundenen Exemplares manches zu wünschen übrig lässt, glaubte ich doch, es nicht unberücksichtigt lassen zu dürfen, da die sehr wenigen bekannten Vertreter dieser Gattung kalkig sind. Ich unterliess es jedoch, die kieselig-agglutinirten Vertreter von Pavonina d’Orb. generisch abzugrenzen, da ja bei den Textularıideen öfter innerhalb derselben Gattung, z. B. bei Textularia, Kalk- und Sandschaler mit Recht vereint werden.
Der Gattungsname Pavonina d’Orb. muss daher auch auf agglutinirte Formen ausgedehnt werden.
24 Rich. Joh Schubert. [16]
Ammofrondicularia n. gen.
Mit diesem Namen bezeichne ich die sandigen Parallelformen zum Genus Frondicularia, von dem trotz seines Artenreichthums fast lediglich kalkig-perforate Formen bekannt sind. Es ist zwar kein ganzes Stück, auf das hin ich eine neue Gattung und Art errichte. Doch sind die erforderlichen Merkmale hin- reichend deutlich und unzweifelhaft, und das Interesse, welches diese Form besitzt, rechtfertigt wohl mein Vorgehen.
Die Gattungsmerkmale sind kurz anzugeben: Frondicularien-Bau — jedoch kieselig-sandig.
Ammofrondicularia angusta m. Taf. I, Fig. 30.
Wie diese Form nach ihrer Gestalt heissen mag, ist charakterisirt durch ihre nur wenig an Breite zunehmenden Kammern, welche eine im Verhältnis zur Breite grosse Höhe aufweisen. Die Anfangskammern, sowie auch die Endkammer ist leider bei dem einzigen in Bolognano gefundenen Stücke nicht vorhanden, sie mögen vielleicht wie bei Frondicularıa spathulata Brady, der unsere Form in der Bildung der Mittel- kammern nahesteht, beschaffen gewesen sein. Die Schalenwandung ist aus groben Quarzkörnern gebildet und dies Merkmal ist für die systematische Stellung der Form ausschlaggebend. Das Gehäuse ist von vorn nach hinten zu platt, die Kammern reiten aufeinander, fünf derselben sind erhalten.
Grösse des abgebildeten Stückes 0°5 mm.
Ammofrondicularia angusta ist ausser ihrer kieseligen Beschaffenheit auch durch ihre Gestalt interessant, indem sie im Bau an Frondicularia spathulata Brady und verwandte aus dem Jura und Tertiär bekannte Arten erinnert, die zu den niedrigen Frondicularien gehören, so dass sich auch hier das Gesetz
bestätigt findet, dass die Sandschaler vorwiegend den niederen Typen unter den Kalkschalern entsprechen.
Nodosaria Lam.
Nodosaria sp. Taf. I, Fig. 25.
Eine kleine, nicht ganz I mm lange Form, aus vier glatten Kammern bestehend, wovon die erste (Embryonalkammer) am breitesten ist. Breite, zum Theil sehr breite hyaline Nahtscheiben scheiden die Kammern. Die letzte Kammer geht in eine ungestrahlte Spitze aus.
Das mir aus Bolognano vorliegende Stück gleicht völlig einem, das ich im nordmährischen Miocän von Mitterdorf fand. In meiner Arbeit über dieses Gebiet (»Lotos« Igoo, Prag, Heft 3, pag. 46 des Separatabdr. »Ueber die For. u. Verbr. des nordmähr. Miocäntegels«) erwähnte ich diese Form als n.sp. ind., da sie mir während des Zeichnens zerbrach. Die Embryonalkammer des südtiroler Stückes besitzt eine kleine excentrisch gelegene Spitze. Es wäre nicht unmöglich, dass diese Form bloss ein Jugendstadium irgend einer bereits bekannten Art darstellt, z. B. von pauperata d’Orb.
Cristellaria Lam.
Cristellaria cumulicosta Gümb. var. spinata m. Taf. I, Fig. 34.
Die vorliegende Abart unterscheidet sich vom Typus, wie ihn Gümbel in seinen Beiträgen z. K. d. nordalp. Eocängebilde!) darstellte, ausser durch die geringe Grösse (2 mm lang, gegen 3'4 der typischen Form) bei gleicher Kammerzahl, 10—12, durch den in Spitzen ausgezogenen Kielsaum, der sich bei sämmt- lichen vorgefundenen Stücken in gleicher Weise findet. Sonst entsprechen die südtiroler Exemplare, nament- lich in der Eigenart der Rippen, in der Mitte markant hervorzutreten und nach den Seiten hin zu ver- schwinden, ganz dem Typus.
Ob Cristellaria cumulicosta Gümb. von Cristellaria gladius Phil. und ähnlichen Formen getrennt gehalten werden kann, muss Untersuchungen an reichlicherem Material vorbehalten bleiben.
1) Abh. d. Kgl. bayr. Akad. d. Wiss., 1868, II. Cl., X. Bd., II. Abth, pag. 638, Taf. I., 67a u. b.
[17] Neue und interessante Foraminiferen aus dem südtiroler Alttertiär.
D> [01
Bolivina d’Orh.
Bolivina Vaceki n. sp. Taf. I, Fig. 29.
Eine zierliche Art, die von den bisher bekannten und ihr an Gestalt ähnelnden durch die feine Strichelung abweicht, welche das Gehäuse bedeckt.
Bei einer Länge von ca. °/, mm besteht es aus 25—26 Kammern, deren Nähte stark nach abwärts gekrümmt sind. Die Breite wechselt; das Taf. I, Fig. 29, abgebildete ist eines der breiteren. Die Kammern sind »punktirt« und auf der ganzen Oberfläche mit sehr feinen Leistchen bedeckt. Die Mündung ist eine typische Bolivinen-Mündung.
In der äusseren Form nähert sie sich Bolivina Beyrichi Reuss, von der sie jedoch die Schalen-
sculptur unterscheidet. Das Gehäuse ist in der Mitte schwach, am Rande scharf gekielt, ohne jedoch einen Saum zu besitzen.
In Cologna nicht selten.
Bolivina aenariensis Costa. Taf. I, Fig. 33. Dat-alsEro.239: Breiter und gedrungener als die typische Form. Der Stachel fehlt, wie bei var. valdecostata Mariani. Aus dem Alttärtiär war Bolivina aenariensis bisher nicht bekannt, sondern nur aus der Gegenwart und
dem Jungtertiär. Aus letzterem wurde sie neuerdings wieder von A. Silvestri (Mem. Pont. acc. nuov. Line. XVII, pag. 282) beschrieben.
Sehr selten in Cologna. Bigenerina d’Orb. Bigenerina digitata d’Orb. Rextiownranub,Bierz2. Ich habe die südtiroler Exemplare (nicht selten in Cologna) nur mit einigem Bedenken zu dieser Art gestellt. Es ist zweifellos nach der von Grzybowski (Rozpr. XXX; IX, 20, 21) gegebenen Abbildung
und der derselben beigefügten Beschreibung dieselbe Art, die aus dem mährischen und galizischen Oligocän unter dem Namen Bigenerina fallax Rzehak angeführt wurde.
Fig. Ib. Fig. 3.
Es sind kleine, walzenförmige, meist unregelmässig gekrümmte Gebilde von ca. I mm Länge, die von aussen nur sehr undeutlich die Kammeranordnung erkennen lassen. Bei in Glycerin oder Canadabalsam eingebetteten Exemplaren sieht man im durchfallenden Lichte, dass die Anfangskammern dischist angeordnet sind, die darauffolgenden jedoch scheinen in einer Reihe aufeinander zu folgen. Die Wandungen sind völlig kieselig, von feinem Korne. Aeusserlich ist die Grenze der Textularien- und Nodosarien-Kammern nicht
Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns, Bd. XIV, 4
26 Rich. Joh. Schubert. [18]
deutlich wahrnehmbar. Es sind dies also sämmtlich Verhältnisse, wie sie Bigenerina digitata d’Orb. charakterisiren. Die letzten Kammern sind jedoch nicht ganz so regelmässig, sondern schief angeordnet. Auch die galizischen Stücke zeigen diese Eigenschaft, wenigstens nach den Abbildungen von Grzybowski (l. ec. IX, 20, 21). In der Beschreibung erwähnt er, pag. 288, nur: komory poczatkowe drobne, w dwu rzedach do wysokoseci !/, calej skorupki, nastepnie w jednym rzedzie (4) nad sobqa ustawione. Auch sind die galizischen etwas kleiner (06 mm). Die Mündung liegt terminal, bisweilen jedoch (Textf. 2) etwas nach einer Seite geneigt, wie dies auch bei den recenten Exemplaren von Bigenerina dıigitata vor- kommt, was bekanntlich d’Orbigny veranlasste, eine eigene Untergattung Gemmulina für diese Form zu errichten.
Bisweilen ist die letzte Kammer äusserlich etwas abgeschnürt.
Textr. Ia u. b, stellt ein Exemplar dar, an welchem der Verlauf der Kammern besonders gut
ersichtlich ist, meist ist dies in geringerem Maasse der Fall.
Bigenerina digitata wurde bisher aus der Gegenwart und dem Jungtertiär angeführt, Bigenerina
fallax aus dem Oligocän, doch ist aus Vorstehendem ihre Zusammengehörigkeit wohl zweifellos.
Trigenerina m. Textfig. 3.
Die auch im südtiroler Oligocän vorkommende Schizophora (Venilina Gümb.) haeringensis Gümb. lässt, sobald das Gehäuse mit Glycerin aufgebellt wird, im durchfallenden Lichte eine deutlich spirale Ein- rollung der Anfangskammern erkennen. Erst an diese Kammern schliessen sich biserial angeordnete. Die bisher über diese Form vorhandenen Abbildungen und Beschreibungen lassen zwar nicht vermuthen, dass diese Form in anderen Gebieten die gleiche Eigenschaft aufweist, doch ist es bei der recenten » Bigenerina« bennatula Batsch. der Fall; bei den ungarischen, mährischen, oberitalienischen Exemplaren wurde es wohl vermuthlich nur übersehen.
Mir scheint nun diese Eigenthümlichkeit gar wohl bemerkenswerth, zumal es sich, wie Textfigur 2 darstellt, nicht bloss um eine Krümmung zweireihig angeordneter Kammern handelt, sondern um eine Cristellarien ähnliche Anordnung der Anfangskammern. An solchen Formen traten später Textularien- Kammern aut, so dass Spiroplecten ähnliche Mischformen entstanden, wie Spiroplecta americana Ehrenbg. Spiroplecta brevis Grzyb., Spiroplecta spectabilis Grzyb. Die eingerollten Anfangskammern sind eigen- thümlich, erinnern in mancher Hinsicht an Rotalina gyrata Terquem.
An diese schliessen sich Zingulinen-Kammern auf, so dass diese Form eine triforme Mischform darstellt, worauf der Name Trigenerina hindeuten soll, den ich für derartige Typen vorschlagen möchte.
Schizophora (Bigenerina) capreolus d’Orb. besitzt von Anfang an zweizeilig angereihte Kammern.
In Südtirol ist diese Form in Bolognano nicht selten.
ÜBER DEVONISCHE AMMONEEN
von
Fritz Frech. (Breslau.) (Mit 4 Tafeln und zahlreichen Textbildern.)
Einieitung.
Die bisher bei verschiedenen Gelegenheiten, zuletzt in der Lethaea palaeozoica von mir veröffentlichten Untersuchungen über paläozoische Ammoneen sind stets von geologischen Gesichtspunkten ausgegangen. Eine Reihe der allmälig angesammelten Beobachtungen beansprucht jedoch auch paläontolo- gisches Interesse und zwar nicht nur in systematischer Hinsicht (Prolecanitinen und Clymenien), sondern vor Allem auch in entwicklungsgeschichtlicher Beziehung:
I. An geologische Studien knüpfen die Betrachtungen über die Lebensweise devonischer Ammoneen an, insofern den allgemein verbreiteten Leit-Goniatiten (z. B. Gephyroceras intumescens) pela- gische Lebensweise, den Localformen (Triainoceras costatum) benthonische zugeschrieben wird.
Fast ausschliesslich zoologische Gesichtspunkte berühren die Fragen der
II. Parallelen Entwicklungsreihen bei nahe verwandten Gattungen (z. B. Clymenia und Oxyclymenia) und der Convergenzerscheinungen, d.h. das Auftreten übereinstimmender Schalenformen und ähnlicher Suturen bei Arten von ganz verschiedener Abkunft: Scheibenform und Vermehrung der Zahl der Lobenelemente treten gleichzeitig auf bei Beloceras, Gonioclymenia maxima, Medlicottia und Pinacoceras.
III. Ueber Stammesgeschichte der Goniatiten sind in neuerer Zeit mehrfach wichtige Mit- theilungen (E. Haug, Perrin Smith, Holzapfel, Clarke) veröffentlicht worden. Die fast gleich- zeitig in der Lethaea palaeozoica von mir veröffentlichten provisorischen Gonzatiten-Stammbäume erheischen eine Vergleichung mit diesen auf Grund anderen Materiales aufgestellten Entwürfen.
Eine Revision der verschiedenen grösseren und kleineren systematischen Gruppen bildet die Grund- lage der obigen Betrachtungen und ergibt — selbst bei wiederholt und eingehend studirten Familien, wie bei den Clymenien — eine Reihe nicht unwichtiger Neuerungen. In diesen systematischen Studien wurde das höhere Oberdevon, der Clymenien-Kalk in erster Linie berücksichtigt, da die älteren Goniatiten-Faunen in den letzten Jahren besonders von Holzapfelund Clarke eingehend und erfolgreich untersucht worden sind.
Ich bin von dem Studium des in Südfrankreich, Westdeutschland, den Alpen etc. gesammelten Materiales ausgegangen und habe nächstdem die Originalexemplare des Grafen Münster, Leopold von Buch’s, der Gebrüder Sandberger, Ferdinand Römer’ und Ernst Beyrich’s berücksichtigt.
Das Material für diese Quellenforschungen wurde mir von den Museumsdirectoren, den Herren Geheimräthen v. Branco, Freiherrn v. Fritsch, v. Zittel und Schmeisser in zuvorkommendster Weise zur Verfügung gestellt. Ausserdem bin ich für Ueberlassung von Material und mannigfache Förderung der Arbeit zu aufrichtigem Danke verpflichtet den Herren Professor Dr. Wilhem Dames (7), Geh. Rath
4*
28 Fritz Frech. [2]
Dr. von Könen, Professor Dr. Beushausen, Dr. Denckmann, Professor Dr. Gürich, Dr. H. Lotz, Dr. Pompeckj und Dr. F. Solger. Eine erste Anregung zu der vorliegenden Arbeit geht auf den un- vergesslichen Herausgeber dieser Abhandlungen, auf M. Neumayr, zurück, der mir wenige Monate vor seinem Tode eine zusammenfassende Bearbeitung aller paläozoischen Ammoneen als wichtige Aufgabe vor Augen stellte. Ich habe versucht, die Entwicklungen der carbonischen und dyadischen Formen in den betreffenden Abschnitten der Lethaea palaeozoica ausführlicher zu behandeln, während die Besprechung
der devonischen Ammoneen in dem erwähnten Werke zu kurz ausgefallen ist.
A. Systematischer Theil. I. Clymeniae (Intrasiphoniata).
Diagnose der Familie: intern gelegener, oft von langer Siphonaldute geschützter Sipho und kugelige Anfangsblase sind die gemeinsamen Kennzeichen dieser in Sutur (geradlinig oder ein Seitenlobus oder Externlobus mit zwei Seiten- und Adventivloben), Wohnkammerlänge (,—ı Umgang), Sculptur und Schalen- form vielgestaltigen Gruppe. Oberdevon, besonders an der oberen Grenze mannigfach entwickelt.
Das vergleichende Studium des von mir besonders am Enkeberg, bei Ebersdorf, Cabrieres und in den karnischen Alpen gesammelten Materiales ergab eine Reihe neuer Aufschlüsse über Stammes- geschichte und Organisation (Wohnkammer) der Clymenten.
Auch für die Abgrenzung der Arten hat die zum Theil schon vor Jahren erfolgte Untersuchung der in den Museen zu München und Berlin befindlichen Originale Münster’s und Gümbel's einige nicht unerhebliche Aenderungen ergeben.
Ueber die Mündungsform von Oxyclymenia und Clymenia. Taf. I und IV.
Mündungssaum und Wohnkammer sind bei Clymenien bisher noch seltener als bei den Goniatiten beobachtet worden; nur Sandberger erwähnt von Clymenia laevigata Einschnürungen der Schale als Spuren alter Mundränder!) und Zittel gibt die Wohnkammerlängen auf ®/, eines Umganges an.
Ich kenne unter den Hunderten von Clymenien, die mir durch die Hände gegangen sind, nur wenige Exemplare, bei denen diese wichtigen Merkmale erhalten sind: 1. Clymenia arietina (ein Exemplar, Taf. I, Fig 9), vom Enkeberg, 2. und 3. zwei Exemplare von Oxyelymenia undulata vom Schübelhammer (Fichtel- gebirge) und dem Klein-Pal,?) 4. ein Exemplar von Oxyclymenia striata von Ebersdorf, 5. ein Exemplar von Oxyclymenia bisulcata von Ebersdorf, 6. ein Exemplar von C/ymenia laevigata (Taf. IV, Fig. ı und 2).
Ciymenia flexuosa (Textbild 2) zeigt einen fast geradlinigen, aussen nur wenig vorgebogenen Mündungssaum, der auf den Flanken und auf der Aussenseite eine deutliche Einbuchtung besitzt. Jede Verdickung fehlt,?) der Mündungssaum ist ein genaues Abbild der Oberflächensculptur.
Bei Oxyelymenia undulata, bisulcata und striata ist die Schale auf den Seitenflächen der Mündung innerlich stark verdickt, und zwar an der Anwachsstelle am stärksten; auf der Externseite ist die Dicke der Schale wenig verändert. Sculpturund Mündungsrand sind nicht genau parallel, vielmehr biegt sich auf der Innenseite die Mündung etwas vor, während die Anwachsstreifen genau senkrecht verlaufen. Auch die Ohren wölben sich etwas weiter vor, als es der Krümmung der Anwachsstreifen entsprechen würde.*) Taf. II, Fig. 12.
Die Clymenien ähneln also auch in den geringeren Verschiedenheiten von Sculptur und Mündungs-
saum den Goniatiten.
1) Eine Beobachtung, die ich bestätigen kann (siehe d. Abbildung der genannten Art auf Taf. IV, Fig. 2.).
2) Von mir gesammelt.
3) An ca. 200 Exemplaren der Clvmenia laevigata, die ich auf dem Klein-Pal in den karnischen Alpen sam- melte, war nirgends ein Rest des Mündungsrandes wahrzunehmen. Wahrscheinlich war die Schale dünn und zerbrechlich und zersetzte sich (durch Einwirkung der Kohlensäure) zuerst an der Mündung.
*) In dieser Hinsicht stimmen Oxyclymenia striata und Gephyroceras uchtaense durchaus überein.
[3] Ueber devonische Ammoneen. 29
2
Die Länge der Wohnkammern unterliegt einigen Schwankungen. Ein Exemplar von Oxy- clymenia undulata (Lethaea palaeozoica, Taf. 32a, Fig. Ic) zeigt genau !), Umgang, ein zweites etwas weniger, Oxyclymenia bisulcata (Taf. II, Fig. 124) etwas mehr, ohne die Länge von ?/, zuerreichen.!) Jedenfalls entspricht der Mittelwerth einer halben Wohnkammerlänge am besten dem Durchschnitte der bisher beobachteten Clymenien und Oxyclymenien, während die Wohnkammer der Gonioclymenien zweifellos wesentlich länger war. Das Taf. I, Fig. 2b abgebildete Exemplar von Gonioclymenia speciosa besitzt eine Wohnkammer von %/, Umgang, trotzdem die Mündung nicht erhalten ist.
Clymenia s. str. — Cyrtoclymenia Gümb. et auct. (+ Platyclymenia Hyatt — Acanthoclymenia Hyatt; letztere Gattung als Subgenus.) Schale evolut oder involut, stets genabelt, Sutur geradlinig oder nur mit gerundetem Seitenlobus und der Andeutung eines Externlobus. Sculptur aus Anwachsstreifen oder aus Rippen bestehend, seltener durch Knoten complieirt. Wohnkammer — !/, Umgang. Unteres bis oberes Oberdevon, besonders in der letzteren Stufe.
a) Clymenia Dunkeri Mstr. Ob. Clymenienkalk, LaSerre bei Cabrieres. Vom Verfasser gesammelt und präparirt. a, Querschnitt, a, Sutur eines ausgewachsenen Exemplares. az, a,, a, Suturentwickelung eines kleineren Exemplares (ef Cl. Wysogorskii) a3!/;, ds a */ı- — D) Clymenia binodosa, Mstr. Ebendaher. leg. Frech. Vollständige abgewickelte Sutur. — c) Clymenia intracostata n. sp. Ebendaher. Coll. Frech. (3 Suturen, von denen die beiden oberen etwas abgewittert sind, während die untere bessere Erhaltung zeigt). c,. Drei abgewickelte Kammerscheidewände, c, Median- schnitt. E Externseite. S Siphonalduten. — d) Clymenia (Acanthoclymenia) neapolitana Clarke, Jugendstadium, Unteres Oberdevon, Naples beds, Staat New-York. Copie. — Sämmtliche Abbildungen, bei denen nichts Anderes angegeben ist, sind in Y/, ausgeführt.
Bei der ersten Beschreibung von Clymenia (1839) hat Grat Münster die 1832 als Planulites bezeichnete C/ymenia laevigata als Typus der Gattung vorangestell. Wenn man im Sinne der neueren Nomenclatur die schon von Gümbel 1865 aufgestellten Namen Oxyclymenia und Gonioclymenia als
1) Auch das abgebildete Exemplar von Oxyclymenia striata besitzt eine Wohnkammerlänge von etwas mehr als einem halben Umgang.
30 Fritz Frech. [4]
Gattungen unterscheidet, so liegt doch kein Grund vor, den Namen Clymenia aus der Liste der Gattungen zu tilgen.!) Ich behalte ihn für Cyrtoclymenia Gümb. + Platyclymenia Hyatt bei.
Eine Uebersicht der Arten von Clymenia und Oxyclymenia enthält die folgende Tabelle:
Clymenia s. str. (Cyrtoclymenia) Oxyelymenia ) mit sculpturirter (meist c) glatt, mit a) mit glatter Schale | gerippter) Schale etwas differenzirter Nebenform ı @Platyclymenia«) Sutur [ 5. Clymenia aegoce- RS 10 Si (& %)) 6. Olymenia annulata\ 12. Clymenia W»yso- x Oxyelymenia Mstr. mit geraden ‚gorskii £ linearis : 2 1. Clymenia | a 3 ganz Se 7. Cl. annulata var. 9) ö laevigata \ = 5 332. Oxycelymenia evolut Mitr densicosta mit EN = Mstr. = : = undulata schrägen Rippen 2 S. Clymenia cingu- = 3. Oxyelymenia lata Mstr. mit kra- 4 bisulcata mit | genförmigen Ver- | vorgewölbter | dickungen Aussenseite 2. Clymenia | 9. Clymenia intraco-|\3- Clymena Dunkeri etwas Rlexuosa stata Frech, äussere Oberfläche glatt, evolut Mstr. em. Umgänge glatt, Sutur mit flachem innere gerippt Externlobus und \ Aa : 9.4 ; en Seitenlobus, dessen a etwas 3. Clymenia \10. Clymenia arietina 2er 4 . Oxyely ; f ee i > 2 allmälige Ausprä- 0 ) involut Humboldti Sdb.Umgänge flach F ornata t R Be gung in dem Text- mit einem (weiter Zeuschn. sämmtlich stark En a2 : b a,— a, darge- Aas Nabel) gerippt It = 2) = ı kleinen ? 5 N E stellt ist. a allen 4. Clymenia \11. Clymenia plicata?) 5. Oxyelymenia Nahtlobus u : 3 (dee angustisep- Mstr. Umgänge ge- striata nger : = . = fata?) wölbt, Rippen we- Nabel) R i nigerstark alsbei 10
Weitere Nebengruppen von Clymenia s. str. sind:
d) Mit scharfem Kiel, hochmündig::
14. Clymenia subflexuosa Mstr. em. Frech.
e) Mit Stacheln und etwas differenzirter Sutur:;
15. Clymenia binodosa Mstr.
f) Untergattung Acanthoclymenia: Mit Stacheln Extern-, Seiten- und Nahtlobus:
16. Clymenia (Acanthoclymenia) neapolitana Clarke.
') Wenn ich dem Gattungsnamen »Goniatites de Haan« gegenüber abweichend verfahre, so liegt der Grund in der verschiedenen Ausdehnung, welche die betreffenden Begriffe erfahren haben: Den vier Gattungen und 3I Arten der Familie der Clymenien stehen etwa zehnmal soviel »Goniatiten« gegenüber.
°) Die inneren und die äusseren Umgänge sind lediglich mit feinen Anwachsstreifen bedeckt. Wegen der schlechten Erhaltung dürfte CZymenia plicata meist nicht von Clymenia angustiseptata unterschieden werden können. Das einzige mir bekannte Exemplar von Cl/ymenia plicata, das den Gegensatz gut erkennen lässt, ist das aus dem Fichtelgebirge stammende Originalexemplar Münsters im Museum für Naturkunde zu Berlin.
®) Die Art ist ziemlich verbreitet: Fichtelgebirge, Karnische Alpen, Cabrieres. Die meisten der in obiger Tabelle kurz gekennzeichneten Arten erheischen eine kurze Beschreibung; für die übrigen (Clymenia angustiseptata undulata, striata) sei auf Gümbel’s Monographie verwiesen.
[5] Ueber devonische Ammoneen. 3ı
Clymenia laevigata Mstr. Taf. IV, Fig. 2, Textbild 4b.
Eine der häufigsten und überall verbreiteten Arten, die von Gümbel (l. c. pag. 137) zutreffend dargestellt und begrenzt wurde. Als Nachtrag sei nur erwähnt, dass ein in Steinkernerhaltung vorliegendes Exemplar des Berliner Museum auf der Externseite der Wohnkammer in geringem Abstande zwei innere Labialwülste zeigt. Dies auf der Tafel IV, Fig. 2 dargestellte, als Steinkern erhaltene Stück stammt von Warberg bei Arnsberg; »das Exemplar ist die erste im Rheinischen Schiefergebirge durch Amelung entdeckte und bestimmte, an Leopold von Buch gesandte Clymenia« (scripsit Beyrich).
COlymenia laevigata kommt vom unteren Olymenien-Kalk an vor, erreicht aber erst an der Ober-
grenze desselben grössere Häufigkeit und bedeutendere Grösse.
Clymenia Humboldti Pusch sp. Taf. IV, Fig. 5.
Cyrtoclymenia Humboldti G. Gürich, Poln. Mittelgebirge, pag. 329.
Die systematische Stellung der bisher meist als Goniatit bezeichneten Form ist von Gürich (Poln. Mittelgebirge, pag. 329, siehe dort die Literatur) richtig erkannt worden. Die kleinen als Pyritkerne vorkommenden Exemplare sind wenig deutlich. Sie ähneln in der Schalenform Clymenia flexuosa, unter- scheiden sich aber sicher durch Ausbildung eines kleinen runden Seitenlobus (ähnlich Chezloceras Verneuili!) und wahrscheinlich durch eine glattere Schalenoberfläche. Vorkommen: Mittleres Oberdevon des Polnischen
Mittelgebirges zwischen Psiarnia und Kadzielnia.
Clymenia aegoceras n. Sp. Taf. I, Fig. 5a, b.
Die Berippung der neuen Art stimmt mit Clymenia annulata var. densicosta (s. unten) überein, das Wachsthum der flachen Windungen erfolgt jedoch viel langsamer, so dass die Mitte der Schale kaum ver- tieft erscheint.
Zwar ist die Sutur der am Klein-Pal(Karnische Alpen) ziemlich seltenen Art noch nicht freigelegt worden. Aber die Uebereinstimmung der Sculptur und der Schalenform lässt über die Bestimmung kaum einen Zweifel bestehen. Der Name soll an die Aehnlichkeit der Sculptur und Schale mit manchen Aegoceren
(Gruppe Platypleuroceras) erinnern.
Clymenia annulata Mstr.
Taf. I, Fig. 6a—c.
Clymenia annulata, Grf. Münster: Beitr. I, 1839, pag. 14, V, pag. 123, Taf. XII, Fig. 1. Goniatites annulatus, Grf. Münster: Goniatiten und Planuliten (1832), pag. 32, Taf. Il, Fig. 6. Clymenia annulata, Gümbel: Paläontogr. XI, pag. 130, Taf. XV, Fig. IT—13. cet. excl
Die älteste Abbildung Münster’s (Goniatiten, 1832) gibt die gerippte Oberfläche der zwischen Clymenia flexuosa und der noch evoluteren C/ymenia aegoceras stehenden Art ziemlich richtig wieder. Eine Wiederholung der Abbildung ist trotzdem nicht überflüssig, da die Gümbel’schen Figuren durchweg wenig gut ausgefallen sind. Eines der wenigen ausgewachsenen Exemplare,?) das ich kenne, zeigt auf dem äusseren Umgang eine Auflösung der kräftigen Rippen zu fadenförmigen Gebilden. (Taf. I, Fig. 6.c.)
Neben der Form mit entfernter stehenden Rippen findet sich am Enkeberg und wahrscheinlich auch im Fichtelgebirge (Gümbel, I. c., Taf. XV, Fig. 15) eine Varietät mit viel enger gestellten Rippen, die ich als var. densicosta abtrenne (Taf. I, Fig. 7).
Das Vorkommen der typischen Art im Fichtelgebirge (Schübelhammer und Geysen) sowie am Enkeberge (hier in einer besonderen Zone) ist sicher, bei Ebersdorf wahrscheinlich.
!) Dessen Schalenform jedoch durchaus abweichend ist. ?) Am Beringshausener Tunnel unweit Brilon gesammelt und bestimmt von Herrn Dr. Denckmann,
Clymenia flexuosa Gümbel: (ex parte) l. c., pag. 126, Taf. RIVAREISESSKO eetzexcl. (Literatur excl. Olymenia subflexuosa.)
Die bei Gümbel auf Taf. XV, Fig. 8, 9 abgebildeten Originale von Clymenia falei- fera Mstr. und costulata Mstr. sind ident mit dem in Berlin befindlichen Original der Cly- menia flexuosa (von Geysen bei Hof); für diese Formen ist der Name Clymenia flexuosa beizubehalten.
Clymenia flexuosa ist die etwas involutere Ausbil- dung von Clymenia laevigata und besitzt auf den inneren ‚deutlichere An- wachsstreifen als auf der bei-
Umgängen nahe glatten Wohnkammer; die Länge der letzteren beträgt /; Umgang. Die Form der Schale ist genau dieselbe wie bei Clymenia Dunkeri, doch
Fritz Frech.
Clymenia flexuosa Mstr. em. Textbild 2.
Clymenia flexuosa Mstr. em. Unterer Clymenienkalk Planitz, Königreich Sachsen, Museum zu Dresden !/,. Die Wohnkammer, deren Länge einen halben Umgang beträgt, ist durch einen auf der Externseite wohlerhaltenen Mün- dungssaum begrenzt, auf den Seiten- flächen dagegen etwas zerbrochen und ergänzt. Die inneren Umgänge des etwas zerdrückten Exemplars wurden nach einem Exemplare von Cabrieres (Coll. Frech) ergänzt.
besitzt diese Art einen deut- lichen Seitensattel. Das ganze Gehäuse ist flacher als das von Clymenia intracostata, deren innere Umgänge mit Rip- pen bedeckt sind. Der nicht ganz unvollständig erhaltene Mündungssaum zeigt eine Aus- buchtung auf der Externseite und eine Vorbiegung an der Naht.
Vorkommen: Unterer Clymenien-Kalk, und zwar be- sonders in Sachsen (Planitz, Museum Dresden), ausserdem in Thüringen (Bohlen, dem Fichtelgebirge (Geysen) und Cabri£res (selten).
Clymenia arietina Sdb. Taf. I, Fig. 9. Clymenia arietina, Sandberger: Verh. Naturw. Vereins Rhein- land und Westfalen 1853, Bd. X, pag. 182, Taf. VII, Fig. Sa—b.
Die Art ist ebenso involut wie Clymenia angustiseptata, unterscheidet sich aber von dieser durch
flachere Umgänge und von Clymenia plicata durch kräftigere Ausbildung der Rippen. Das kleine abgebildete, mit deutlichem Mündungsrand erhaltene Exemplar unterscheidet sich von dem verglichenen Original Sand- berger’s (Geol. Landesanstalt, Berlin) durch treppenförmige Begrenzung des äusseren Umganges. Doch beruht diese Verschiedenheit auf der Erhaltung: der äussere Umgang von Fig. 9 ist gut erhalten und mit der Schale bedeckt, der zweite Umgang stark verwittert.
Clymenia arietina, die man auch als involutere Nebenform von Clymenia annulata auffassen kann, ist im tieferen Theile des Clymenien-Kalkes am Enkeberg häufig.
Clymenia intracostata!) nov. sp. Taf. I, Fig. 8 und Textbild ıc.
Die glatte Oberfläche der äusseren, von gerundeten Kanten begrenzten Umgänge erinnert an Clymenia laevigata, die Rippen der inneren Umgänge an Clymenia annulata,?) welch’ letztere Art jedoch auf dem letzten Umgang eine Auflösung der Rippen zeigt. In Bezug auf die Involution stimmt die neue Art genau mit Clymenia flexuosa überein, zeigt jedoch — abgesehen von den Sculpturunterschieden — eine bedeutendere
1) Clymenia nodosa var. binodosa Mstr., Beitr. I, pag. 16, Gümbel, Paläontogr. X], Taf. XVIII, Fig. IL, pag. 131 (hier zu Olymenia annulata gestellt), ist vielleicht mit unserer Art ident. In diesem Falle wäre die neue Bezeichnung durch nodosa zu ersetzen. Allerdings ist das Gehäuse auf der Abbildung Gümbel’s abweichend ge- zeichnet, vielleicht nur verzeichnet.
2) Im Sinne der Hyatt’schen »Gattungen« gehören also die äusseren Umgänge zu Cyrtoclymenia (Typus: Clymenia laevigata), die inneren zu Platyclymenia (Typus: C/ymenia annulata). Si
[7] Ueber devonische Ammoneen.
{09} [997
'Wölbung des letzten Umganges. Die inneren Umgänge liegen also bei C/ymenia intracostata erheblich, bei Clymenia flexuosa nur wenig vertieft.
Die bogenförmige Sutur erinnert an Clymenia annulata; doch stehen die Kammerwände dichter und die Siphonalduten greifen daher trichterförmig ineinander. Die selten bei Kirschhofen unweit Wetzlar, vor Allem aber bei Cabrieres (La Serre, Pic de Cabrieres) vorkommende Art ist dort die häufigste C/ymenia und erreicht bedeutende Grösse. Ein Wohnkammerbruchstück weist darauf, dass vollständige Exemplare 1—1'!/, Fuss Durchmesser besessen haben.
Clymenia plicata Mstr. Clymenia plicata Mstr.: Beitr. I, Taf. XVI, Fig. 4. 5 angustiseptata Gümbel ex parte l. c., pag. 122, Taf. XV, Fig. 2.
Das im Berliner Museum befindliche Original der Münster’schen Art zeigt so kräftige Rippen — während Clymenia angustiseptata nur unter dem Vergrösserungsglas feine Anwachsstreifen erkennen lässt — dass eine Wiederabtrennung angezeigt sein dürfte. Das involute, eng genabelte Gehäuse und die Kammer- wände sind bei beiden Formen gleich, so dass eine Unterscheidung der im Ciymenien-Kalke so häufigen Steinkerne kaum möglich ist.
Vorkommen von Cliymenia plicata im Fichtelgebirge und am Enkeberg im unteren Clymenien-Kalke. Clymenia angustiseptata scheint verbreiteter zu sein; mit Sicherheit kenne ich die Art aus dem Fichtelgebirge, von Ebersdorf und Cabrieres.
Clymenia Wysogorskii nov. sp.
Als Beweis dafür, dass durch = zu Clymenia Dunkeri, wie Clymenia ig. 3. ’
die bisher beschriebenen Arten der laevigata zu Clymenia flexuosa und ist
Formenreichthum von Clymenia s. str. die schlankste Art der Gattung. noch nicht erschöpft ist, dient eine neue Das einzige, mir bekannt ge-
Art von Ebersdorf, die einen deutlich wordene Exemplar (Zone der Gonio-
abgesetzten Seitensattel -— wie Clyme- clymenien) liegt im Breslauer Museum nia Dunkeri — zeigt.!) und stammt aus dem obersten Clymenien- Das Gehäuse ist noch etwas Kalk von Ebersdorf.
evoluter als das von Clymenia laevigata ; Clymenia Wyso jedoch sind die Umgänge schmal und gorskilunJjep: Clymenia binodosa Mstr. etwas kantig begrenzt wie bei der viel Sssreiuron dr TARITVE Rio nesthildenE
kalk. Breslauer >>: : ; involuter gestalteten Clymenia Dunkert. MOSE deu (Literatur siehe Gümbel, 1 c. Paläont. XI, Clymenia Wysogorskii verhält sich also pag. 134.)
Die Sculptur der Art erinnert an die Aegoceras-Gruppe Platypleuroceras (Aegoceras brevispina Sow., natrix Ziet.), das vorliegende Material von la Serre zeigt insofern eine Erweiterung bisheriger Beobach- tungen, als auf dem äusseren Umgange eines grossen Exemplares die Rippen wesentlich dichter stehen, als auf den inneren Windungen. Während die Art in der Sculptur durchaus die Entwicklungshöhe der Gonioclymenien erreicht hat, bildet sie in Hinsicht auf die Suturentwicklung den Uebergang zu diesen: Die Ausprägung eines gerundeten Seitenlobus, die Andeutung eines Nahtlobus und eines — allerdings nur auf Gümbel’s Figur sichtbaren, ganz flachen Externlobus?) stellt zwar keinen directen Uebergang zu
den Gonioclymenien, wohl aber zu der amerikanischen Clymenia neapolitana Clarke dar.°)
1) Das Vorhandensein dieses Sattels auf der Seitenfläche ist wohl auf die geringe Breite des Umganges zurück- zuführen; auch C/ymenia laevigata und intracostata besitzen Seitensättel, die jedoch auf oder unterhalb der Naht liegen. Genau derselbe Unterschied besteht zwischen Pinacites fugleri und Pinacites discoides; bei den sehr schmalen Um- gängen der ersteren Art liegt der spitzigere Seitensattel ausserhalb, bei dem dickeren Pinacites discoides auf oder unterhalb der Naht.
2) Das von mir abgebildete Exemplar von la Serre ist auf der Aussenseite so angewittert, dass eine sichere Feststellung ausgeschlossen ist. (Textbild Tb.) 3) Am. Journ. Science, Vol. 43, Jan. 1892, pag. 57 und besonders ders. The Naples Fauna pag. 231 (Lobenentwicklung).
Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. Bd. XIV. 5
4 Fritz Frech. . [s]
U>
Clymenia subflexuosa Mstr. em. Frech. Taf. IV, Fig. 4. Textbild, 4a.
Clymenia subflexuosa Mstr.: Ausbildung des abgebildeten Beitr zuns Betrers il, Fig. 4. pag. 93.
Goniatites faleifer Münster: ibid. Taf. XVI, Fie. 7, pag. 106.)
grossen, mit zugeschärfter Aussenseite versehenen Exem- plares von Cabrieres er- hebt die Annahme der Selbst- Clymenia flexuosa Gümbel non ständigkeit dieser Form zur Mstr.: Paläont. XI, Fig, 7, 10, cet. excl.
Gewissheit. Von der Identi- tät des Originals der oben Clymenia flexuosa Kayser:
Zeitschr. Deutsch. geol.
eitirten Fig. 7 und Io bei
Gümbel habe ich mich in
Ges. Taf. XX, Fie. 1.2) SUROHLIERND Nena Ai = a Clymenia subflexuosa Mstr. em. Frech unenen WSSPZEUgEN KOTMEN. Die von Münster b, Clymenia laevigata Mstr. Ein vollstän- Die interne (bisher nicht abgebildete Form unter- diges an der Aussenseite nicht abgewit- nicht bekannte) Sutur von scheidet sich durch den tertes, b, eine etwas abgewitterte Sutur- Olymenia subflexuosa stimmt linie desselben Exemplars. — c (punktirte
scharfen, vom Autor als insofern gut mit Clymenia
Linie) Clymenia Dunkeri Mstr. Alle drei
2 a: ; 5 5 : intr ü i i Suturlinien sind gleich — mit dem internen acostata überein, als die
wichtig: hervorgehobenen Kiel
so deutlich von Clymenia Sipho in der Mitte — orientirt und nach ziemlich gedrängt stehenden flexuosa, dass die An- Exemplaren aus dem oberen Clymenien- Scheidewände trichterförmig nahme Gümbel's, es läge kalke von Cabrieres (La Serre) in '/, nat. in einander greifen. Doch ist
Grösse gezeichnet. Gesammelt vom Ver-
eine bloss zufällige Bildung in Folge der grösseren Höhe
vor, nicht recht erklärlich er- a ng der Umgänge der Abstand scheint. Die eigenthümliche zwischen diesem Siphonaltrich- ter und der Nabelkante viel grösser. Die Schalenoberfläche von Clymenia subflexuosa ist nur mit feinen Anwachsstreifen bedeckt. Oxyclymenia Gümb. non Hyatt. Laterallobus auf der Aussenseite und am Ende winkelig begrenzt, bei den evoluten Arten allein vorhanden, bei den involuten Formen von einem kleinen Nahtlobus begleitet. Wohnkammer — !/, Umgang.
Oberstes Devon. Oxyclymenia linearis Mstr.
Ian a, le, 13, wurde von Gümbel (l. c. pag. 140 bis pag. 142) eingezogen, lässt sich aber durch die evolute, mit Clysnenia laevigata übereinstimmende Form von Clymenia undulata unterscheiden. Die Wachsthumszunahme ist lang- samer als bei C/ymenia undulata und die Windungen üben daher kaum Eindrücke auf einander aus. Ob man diese bei Ebersdorf häufige, bei Cabrieres seltene Form als Varietät oder Art auffassen will,
unterliest dem persönlichen Ermessen. Unterscheidbar ist dieselbe jedenfalls. Nur im oberen Ciymenien-Kalk.
Oxyclymenia bisulcata Mstr. (Von Gümbel zu COlymenia undulata gerechnet.)
Nat, Eie- 12: Im Gegensatz zu der mannigfachen Entwicklung von Clymenia s. str. ist bei den Oxyelymenien nur eine Nebenform vorhanden: Bei Oxyelymenia bisulcata, die sonst vollkommen mit Oxyelymenia undulata
!) Das von mir untersuchte Original des Goniatites falcifer Münster ist zweifellos eine C/ymenia, die Anwendung des Namens für einen Gomiatiten (E. Kayser, Zeitschr. d. geol. Ges. 1873, pag. 627) also unmöglich. Jedoch erledigt sich die systematische Frage einfach dadurch, dass Goniatites falcifer E. Kays. die abgewitterten Exemplare von Tornoceras planidorsatum umfasst. Die beiden Arten verhalten sich also zu einander wie Spirifer officinalis E. Kays. zu Spirifer Verneuili.
®) Die ganz charakteristisch gezeichnete Abbildung stellt ein Exemplar der scharfrückigen C/ymenia subflexuosa dar, ausserdem kommt am Enkeberg auch die rundrückige C/ymenia flexuosa vor. E. Kayser schliesst sich ohne weiteres der von Giimbel vorgeschlagenen Vermengung der beiden scharf getrennten Species an.
[9] Ueber devonische Ammoneen.
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übereinstimmt, wölbt sich der zwischen den Ohren der Sculptur gelegene Externtheil vor; ferner ist der Querschnitt der Windungen — bei gleicher Einrollung — höher als der von Oxyelymenia undulata. Oxyclymenia bisulcata begleitet die Hauptform fast überall bei Ebersdorf, im Fichtelgebirge und in Südfrankreich. Oxyclymenia ornata Mstr. Mara Eisankasb: unter Chhmenia striata bei Gümbel: Taf. I, Fig. II. a, b, ]. c. pag. 144 und 146;
wurde von Gümbel ebenfalls zu der nächstverwandten Art, Clymenia striata, gezogen. Die Schalenform hält fast genau die Mitte der Involution zwischen Ciymenia undulata und striata, das Vorhandensein eines kleinen Nahtlobus erinnert mehr an Clymenia striata (Taf. li, Fig. 10a, b).
Für die Auffassung als Art oder Varietät gilt das bei Oxyclymenia linearis Bemerkte. Die Ueberein- stimmung der äusseren Form mit Clymenia flexuosa, Clymenia Humboldti und Tornoceras (Pseudoclymenia) Sandbergeri ist bemerkenswerth.
Erwähnenswerth ist die Seltenheit dieser Form, welche zwischen zwei sehr verbreiteten Arten die Mitte hält. Während mir von Oxyelymenia undulata über 100, von Oxyclymenia striata Dutzende von Exemplaren durch die Finger gegangen sind, kenne ich von Oxycelymenia ornata nur sechs Stücke; auch Gümbel erwähnt nur zwei Exemplare aus dem Fichtelgebirge; jedoch ist die Art weit verbreitet: Ebers- dorf, Fichtelgebirge und Cabrieres
Sellaclymenia Gümb. (Gümbel l. c. pag. 149, Taf. XIX, Fig. 2, 3.) Textfigur 5, 3. mit den beiden Arten oder Varietäten Sellaclymenia angulosa — Goniatites bicompressus L. v. B. (l. c. Fig. 2) und sSellaclymenia semicostata (Fig. 3) gehört zu den seltensten Clymenien-Gruppen, deren nähere Verwandtschaft mit den Gonzoclymenien von Gümbel zutreffend hervorgehoben ist. Doch ver- bietet sich eine unmittelbare Zusammenstellung weniger durch die gerundete Form der Loben als vielmehr durch das Vorhandensein eines ziemlich deutlichen Externsattels bei ausgewachsenen Exemplaren. Gontocly- menia besitzt an Stelle desselben einen Externlobus.
Die Lobenentwicklung von Sellaclymenia semicostata (siehe Textfigur 5, 3) geht auf Formen zurück, die an Clymenia Dunkeri erinnern. Die Entwicklung ist also selbstständig und divergent von Gonioclymenia. Die Siphonaldute habe ich nur im Durchschnitt des kleinsten Lobus beobachtet. Hiernach ist die Dute nicht so lang wie bei Gonioclymenia.
Sellaclymenia semicostata Mstr. unterscheidet sich von Sellaclymenia angulosa Mstr. durch evolutere Form, deutliche Ausprägung des Externsattels und nach vorwärts geschwungene, auf der Aussenseite verdickte Rippen, die nur auf den mittleren Windungen vorhanden sind (bei Sellaclymenia angulosa aber ganz fehlen). Das junge Exemplar aus dem Fichtelgebirge, welches der Beschreibung Münster’s (Beitr. I, Taf. XVI, Fig. 2, pag. ı3 [der I. Aufl.]) zu Grunde lag, lässt die erwähnten Unterschiede nicht sehr deutlich hervortreten.
Clymenia bilobata Mstr. unterscheidet sich durch gerundete Form der involuten Umgänge von den beiden vorgenannten Arten, stimmt aber in der Ausbildung der Sutur mit ihnen überein. Wenn man die übrigens sehr seltene Art als Vertreterin einer besonderen Gruppe ansieht (Cymaclymenia Gümb.) so liegt doch jedenfalls keine Veranlassung vor, diese Gruppe zur Gattung zu erheben. Ebenso wenig ist die Ver- einigung von Oxyelymenia striata und Sellaclymenia bilobata zu einer Gattung (Hyatt) empfehlens- werth. Der Externsattel von Clymenia bilobata fehlt bei Clymenia striata, der erste Seiten- lobus von Clymenia striata ist (ebenso wie bei Clymenia undulata) winkelig begrenzt, bei Ciymenia bilobata allseitig gerundet. Der zweite Seitenlobus ist bei Clymenia striata klein und unter der Naht verborgen, bei Clymenia bilobata gross und auf der Aussenseite gelegen. Jedenfalls durfte die von Gümbel zutreffend neben Oxyclymenia undulata gestellte Clymenia striata von Hyatt nicht zum Typus der Cymaclymenien erhoben werden. Nach der Lobenform von Sellaclymenia semicostata kann diese Gruppe nicht von Oxyclymenia abgeleitet werden, sondern ist direct an C/ymenia s. str. (Cyrloclymenia) anzuschliessen.
5:
Evolute, meist stark seulpturirte Gehäuse mit langen Siphonalduten ; Externlobus, zwei Seiten- loben und meistein Adven- tivlobus. Loben und Sättel spitz. Wohnkammer von der Länge eines Umgangs. Oberstes Devon.
Die Gruppe ge- hört mit Beloceras und Prolecanites zu den höchstentwickelten Asrn- moneen des Devon; Ent- wicklung, Blüthe und Ver- schwinden vollzieht sich im Bereich einer wenig mächtigen Zone.
Die Formenent- wicklung der trotz der kurzen Entwicklungszeit wohl begrenzten Arten der Gattung Gomiocly- wmenia lässt sich tabel- larisch wie folgt veran-
schaulichen::
Fritz Frech.
Gonioclymenia Gümb.
1, 2 Gonioclymenia speciosa Ob. Clymenienkalk, Ebersdorf. Medianschnitt und Lobenentwicklung. Fig. ı ist ein in dreifacher Grösse dargestelltes Originalexemplar des Goniatites biimpressus L. v.B. (Eco STE BEr Berliner Museum) Nesıstzder Medianschnitt mit den Siphonalduten und convexen Kammerwänden, Ib die Entwicklung der Lobenlinie, deren Stadien durch griechische Buchstaben («—y) versinnbildlicht sind. Auf Fig. 2 ist an einem etwas schnellwüchsigeren Breslauer Exemplar (vom gleichen Fundort) ebenfalls die Lobenentwicklung (B—5) dar- gestellt, bei der noch ein weiteres Stadium (2) er- reicht wird. — 3. Sellaclymenia angulata Mstr. sp. Clymenienkalk, Fichtelgebirge, Berliner Mstr. Y.. Stimmt mit 2. überein, besitzt jedoch keinen Externlobus.
A. Schwächere Berippung, spitzer wer- dende Loben bei den weniger evoluten Arten: Ganz evolut, mit flachen, kantig begrenzten Um-
gängen: 1. Gonioclymenia
‚pessoides L. v. B. sp.
Weniger evolut mit etwas dickeren Umgängen: 2. Gontoclymenia speciosa Mstr. sp.
Noch weniger evolut als 2: 3. Gonioclymenia plana Mstr. em. Frech und 4. Goniochymenia plana var intermedia Mstr. (non Gümb.).
I. Kmeıteı®® Berippung, Loben weniger verlängert als bei A:
5. Gonioclymenia subar- mata Mstr.
€. Rippen und kräftige Knoten auf der Aussenseite, Externlobus sehr stark verlängert.
E. Isolirte Gruppe (zunächst an 3 anschliessend) Schale scheibenförmig,
6. Gontoclymenia Uhligi n. sp.
aussen zugeschärft, auf
dem letzten Umgange glatt, vier Loben auf der Seitenfläche (zwei Adventiv- 4 zwei Lateralloben), Siphonal-
dute aussen eingeschnürt, nach innen erweitert:
7. Gonioclymenia maxıima Mstr. sp. em. Frech.
Die Entwicklung der Sutur bei Gonioclymenia, welche auf der obenstehenden Zeichnung wiedergegeben ist, geht bei allen sieben Arten auf einen einheitlichen Ursprung zurück und .zeigt erst in späteren Entwicklungsstadien deutliche Divergenzen. Die ersten Suturen konnten allerdings nur einmal bei einem 1'5 mm hohen Umgang von Gonioclymenia speciosa beobachtet werden. Seitenloben fehlen gänzlich ; wir haben das Bild vor uns, das die endgiltigen Kammerscheidewände von Clymenia intracostata gewähren. (Textbild 5, 7b, o)
Die Ausbildung des grossen Laterallobus und Externsattels ist das nächste Stadium (1 d, $).!) Kurz darauf ist die Abgliederung: der Sellaclymenien anzusetzen, die sich von Gonioclymenia wesentlich durch
das Fehlen des Externlobus unterscheiden (Fig. 5, 3).
1) Die Anwendung der— zum Theil auch philologisch unmöglichen — Ausdrücke nepionie, ephibic ete. erscheint mir deshalb nicht empfehlenswerth, weil dieselben bei verschiedenen Thiergruppen ganz verschiedene ontogenetische Stadien bezeichnen. '
7
199}
[11] Ueber devonische Ammoneen.
Erst mit dem Stadium y, das bei fast allen Arten (Gonioclymenia speciosa, pessoides, plana, subar- mata und Uhligi) bei gleicher Grösse in gleicher Ausbildung bekannt ist, erreicht man die für Gonio- clymenia bezeichnende Suturform. Wir haben einen tiefen ersten Laterallobus, einen kleinen zweiten Lateral-, einen schwach angedeuteten Adventiv- und einen deutlichen Externlobus.!)
Erst nach der Erreichung dieser, einer Umgangshöhe von 4—5 mm entsprechenden gemeinsamen Suturentwicklung erfolgt die Differenzirung der den einzelnen Arten eigenthümlichen Loben.
Hingegen geht die Ausbildung der verschiedenartigen Sculptur schon früher vor sich. Vor Allem entwickeln sich die äusseren Stacheln bei Gonzoclymenia subarmata schon auf den ersten Embryonal- umgängen, während die Innenwindungen der übrigen Arten glatt sind.
Bemerkenswerth ist die deutliche Convexität, die schon die inneren Kammerscheide- wände von Gonioclymenta zeigen im Gegensate zu der Concavität bei ClymeniaundOxyclymenia.
Die Siphonaldute erwachsener Gonzoclymenien ist, wie die Textbilder zeigen, wesentlich länger, als man bisher annahm. Bei grossen Ebersdorfer Exemplaren von Gonioclymenia speciosa und subarmata erreicht die Dute das Anderthalbfache der Länge eines Kammerraumes.
Die naheliegende Annahme, dass die Anfänge der Gonioclymenien bei Clymenia und Acantho- elymenia zu suchen sind, lässt sich etwa folgendermaassen begründen:
Wie der Vergleich der Sutur zeigt, lässt sich die junge C/ymenia neapolitana (2); Umgänge) ungezwungen als differenzirteres Entwicklungsstadium von Clymenia binodosa (beziehungsweise der glatten Clymenia Dunkeri) deuten. An die erwachsene Clymenia neapolitana knüpfen aber wieder die Gonioclymenien (Gonioclymenia speciosa, subarmata) an. (Die betreffenden Suturen der amerikanischen Art sind neben die verwandten deutschen Formen gestellt pag. 29.)
Selbstverständlich können Clymenia binodosa und Dunkeri nicht als Ausgangspunkt von Clymenia neapolitana angesehen werden, da Clymenia neapolitana älter als die Arten des obersten europäischen Devon ist. Man muss vielmehr annehmen, dass C/ymenia binodosa von einer Form abstammt, aus der andererseits Clymenia ncapolitana hervorgegangen ist. Die Thatsache, dass Clymenia binodosa in erwach- senem Zustande die meiste Aehnlichkeit mit den inneren Umgängen von Clymenia neapolitana zeigt, ist für diese Annahme beweisend. Andererseits können wir in einer Form aus der nächsten Verwandt- schaft von Clymenia neapolitana die directen Vorgänger der Gonioclymenien sehen. Wir verstehen nun, warum directe Uebergänge zwischen Cliymenia s. str. (oder Oxyclymenia) auf der einen und Gonio-
clymenia auf der anderen Seite fehlen. Der Stammbaum ist etwa der folgende:
Oberstes Devon Gonioclymenia Clymenia biuodosa und Dunkeri
N / IN / N /
N
N
IS Olymenia ncapolitana
Unteres Oberdevon (und Verwandte)
>
Mitteldevon Unbekannte Urform.
Das Auftreten der Gonioclymenien in Europa in dem gleichnamigen Kalke an der Oberkante des Devon beruht auf Wanderungen. Aber die im unteren Oberdevon Amerikas gefundene Clymenia neapolitana
‘) Um den Einfluss der Abreibung auf die Form der Sutur zu zeigen, habe ich die Entwicklung der Loben eines etwas abgeriebenen Exemplars (2) neben die des frischen Stückes (1) gesetzt. Die entsprechenden Entwick- lungsstadien sind mit denselben griechischen Lettern versehen. Die Vergrösserung ist, um die Vergleichung zu erleich- tern, */, (statt °/,). Man sieht, dass die abgeriebene Sutur des Stadiums y ungefähr dem vorangehenden frischen Stadium ß, die abgeriebene Entwicklungsform 3 fast genau dem vorangehenden y entspricht. Bei dem meist wenig erfreulichen Erhaltungszustand der devonischen Ammoneen ist eine gelegentliche Feststellung der Fehlerquellen, welche die exacte Beobachtung behindern, nicht unwichtig.
38 Fritz Frech. [12]
schliesst sich nicht den einfach organisirten Formen Europas an, sondern deutet aut eine in das Mitteldevon
zurückreichende Entwicklungsreihe hin, deren Glieder uns bisher unbekannt sind.
1. Gonioclymenia pessoides L. v. Buch sp. Taf. I, Fig. 14 a—I. Goniatites pessoides L. v. Buch: »Ueber Goniatiten und Clymenien in Schlesien; Abhdl. kgl. Akad. d. Wissenschaften Berlin 1839 (gelesen I. März 1838). Fig. I, pag. 4 Die stark evolute Form, der rechtwinkelige Querschnitt und die geringe Dicke der Umgänge, das Fehlen der Querrippen und die kleinen, auf die Aussenseite der inneren Umgänge beschränkten Knoten machen die Unterscheidung der Art von Gonioclymenia speciosa leicht. Auch die im Ganzen ähnlichen
Loben sind etwas abweichend: Bei gleich grossen Exemplaren ist der Externlobus von Gonzioclymenia
Fig. 6.
Suturen von Gonioclymenia (und dem Subgenus Acanthoclymenia, c)
N
a1,» Gonioclymenia speciosa Mstr. Zwei Suturen eines grossen Exemplars (Ebersdorf, Breslauer Mus.) b,—, Gonio- clymenia plana, Mstr. Lobenentwickelung Ob. Clymenienkalk. b, Orig. von Gonioclymenia Presli Mstr., Schübelhammer Mus. Berlin ?/ı- Ds, s La Serre, Cabrieres Col. Frech, 5 °/,, c!; D, Gonioclymenia Presli, Schübelhammer !/,, äussere Windung von b,. b, Ausgewachsenes Exemplar (dasselbe wie Fig. 465), Ebersdorf, Mus. Breslau. e Gonioclymenia Uhligi nov. sp. Ob. Clymen.-K. Ebersdorf, Berl. Museum (Vergl. Taf. I, Fig. ı). Der Doppelstrich über ‚S (dem Sipho) deutet eine auf der Innenseite der Wohnkammer befindliche Rinne an. c Clymenia (Acanthoclymenia) neapolitana Clarke Unt. Oberdevon (Naples leds) Vollständig. Sutur N.Clarke. d Gonioclymenia plana var. intermedia Mstr. em. Frech. Ob. Clymenienkalk, Schübelhammer. Die auf dem Originalexemplare von Graf Münster (Münchner paläontol. Museum) deutlich sichtbaren Suturen sind nach dem neu präparirten Originalexemplare unmittelbar durchgepaust.
13] Ueber devonische Ammoneen. 39
‚pessoides breiter, der erste Seitenlobus kürzer, der Adventiv- und zweite Seitenlobus weniger entwickelt. Die Wohnkammerlänge beträgt, wie das etwas zerbrochene Originalexemplar I. v. Buch’s zeigt, mindestens 3/, Umgang, wahrscheinlich aber mehr.
Auf die Unterscheidung der »gar nicht involuten« Gonioclymenıa pessoides von den Arten des Fichtel- gebirges hat L. von Buch selbst mit Nachdruck hingewiesen.
Von Ebersdorf!) stammen ausser dem in Berlin befindlichen Originalexemplar mehrere Stücke (im Breslauer und Berliner Museum für Naturkunde). Die Art war zweifellos die kleinste alier Gonzoclymenien ; vier Exemplare, deren grösstes nur 7'4 cm Höhe besitzt (Fig. 45), zeigen sämmtlich ein mehr oder weniger grosses Stück der Wohnkammer.
2. Gonioclymenia speciosa Mstr. sp. Tat. 1, Eior 2:
Goniatites spesiosus Mstr. 1832 Goniatiten und Planuliten, pag. 27, Taf. VI, Fig. 1.
Die weitere Synonymik siehe bei Gümbel: Paläontogr. XI, pag. 150, 151 (wo die Synonyma von Gonioclymenia plana mit verzeichnet stehen).
Nach den Berliner Originalexemplaren gehören hierher:
Goniatites arquatus, Gıf. Münster: Beitr. I, Taf XVIII, Fig. 4, sowie ferner Goniatites bicompressus L. v. Buch (Ebersdorf) und Goniatites angustus Mstr. Beitr. I, pag. 28 (vonGüm bel unter den Synonymen von C/ymenia intermedia aufgeführt).
Die Gestalt der Schale, die Berippung und Suturentwicklung ausgewachsener Stücke hält genau die Mitte zwischen der evoluteren, mit kürzeren Loben und kaum angedeuteten Rippen versehenen Gonzo- clymenia pessoides auf der einen und Gonioclymenia plana auf der anderen Seite. Jüngere Exemplare von Gontoclymenia speciosa — so das Original von Goniatites bicompressus L. v. Bach und Goniatites Cottai Münster — sind vollkommen berippt, bei älteren sind die Rippen nur noch angedeutet. Die Sutur- entwicklung ist oben geschildert worden.
Die Art ist auf die deutschen und ostalpinen Fundorte (Kl. Pal) beschränkt und fehlt in Südfrankreich.
3. Gonioclymenia plana Mstr. sp. Taf. I, Fig. 4. 1832. Goniatites planus, Graf Münster: Planuliten und Goniatiten, Taf. VI, Fig. 4, pag. 30 (non Planulites plamus)
ibid. Taf. III, Fig. 5, pag. 14.
Das im Berliner Museum für Naturkunde befindliche Originalexemplar des Goniatites planus?) ist zwar nicht sonderlich gut abgebildet, aber bestimmt zu der hochmündigen Art zu rechnen. Da Münster ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal von Gonioclymenia speciosa — die verhältnismässig gleiche Grösse der drei Lateralloben — bestimmt hervorhebt, ist der älteste Name wieder einzuführen. Eine Verwechselung mit Planulites (Clymenıa) plana ist nicht zu befürchten, da die Identität dieser Form mit Oxyelymenia striata feststeht.
Ausserdem gehören zu der hochmündigen involuten Art:
Goniatites Presli Graf Münster: Beitr. z. Petrefactenkunde (1839), I. Aufl., pag. 24, ex parte (das Berliner von Graf Münster so bezeichnete, aber nicht abgebildete Exemplar); das l. c. Taf. XVII, Fig. 3 abgebildete Münchener Stück gehört zu Gonioclymenia speciosa.
Goniatites canalifer, id. ibid. pag. 26, Taf. XVIII, Fig. 2 (Berliner Museum).
5 subcarinatus, id. ibid. pag. 25, Taf. XVIII, Fig. ı. Die involute Gestalt und die kräftigere Berippung tritt auch auf der Gümbel’schen Abbildung des Originalexemplares (Paläont. XI, Taf. XX, Fig. I) deutlich hervor.
) An eine Identification der Gonioclymenia pessoides mit Clymenia intermedia, die Tietze (Paläontogr. XIX, pag. 135) vorgeschlagen hat, ist wegen der durchaus heterogenen Beschaffenheit der zu dieser »Species« gerechneten Stücke nicht zu denken.
®) Von Gümbel wurde dieses Stück wie alle Originale der Berliner Sammlung nicht nachuntersucht.
40 Fritz Frech. 14]
Goniatites Roemeri Graf Münster: Beitr. I, Taf. XVIII, Fig. 3 (nach Untersuchung des Berliner Exemplars).
Goniatites intermedius Graf Münster: Beitr. I, pag. 28, ex parte. Nicht die von Graf Münster und Gümbel abgebildeten Exemplare (s. unten), sondern ein drittes Stück von Schübel- hammer, das sich von den beiden anderen durch stärkere Involubilität unterscheidet, dürfte zu Gonioclymenia plana s. str. gehören. Allerdings sind von den Loben nur Reste erhalten; aber die Form des Gehäuses,
>
des grössten bekannten Exemplares der Art, ist bezeichnend. Das vorliegende Bruchstück lässt auf eine
Schale von mehr als 20 cm Durchmesser schliessen.
Fig. 6. Querschnitte der Windungen von verschiedenen Gonioclymenien.
[72 b e en
ion
a Gopioclymenia pessoides L. v. B. nat. Gr. (leg. L. v. B. Museum, Berlin); b Gonioclymenia plana Mstr.; c Gonioclymenia speciosa Mstr.; d Gonioclymenia subarmata Mstr. « -d oberer Clymenienkalk von Ebersdorf; b—-d Mus. Breslau.
>
Durch die mehr involute Gestalt, die stärker verlängerten und zugespitzten Loben, deren Charakter schon bei Jugendexemplaren ausgeprägt ist, unterscheidet sich Gonzoclymenia plana bestimmt von Gonio- clymenia speciosa, unter welchem Namen Gümbel beide vereinigt hat. Die Berippung ist ähnlich wie bei Gonioclymenia speciosa, jedoch kräftiger ausgebildet.
Von den die Synonymik bildenden Namen entspricht Clymenia subcarinata den .ausgewachsenen, 20 cm und mehr im Durchmesser erreichenden Formen, die übrigen sind mittelgross (Presli) oder Jugend- exemplare (canalifer). Die Aushöhlung des Rückens ist nur bei guter Erhaltung sichtbar und kommt auch bei Gonioclymenia speciosa vor.
Die grössere Windungshöhe und die starke Verlängerung der Sättel und Loben sind Merkmale, die sich gegenseitig bedingen: auf den höheren Seitenflächen war naturgemäss mehr Raum zur Längsentwicklung der Sutur vorhanden. Die Function der stark verlängerten Elemente, ein hochmündiges und schmales Gehäuse innerlich zu stützen, tritt somit deutlich hervor.
Die Art ist von allen Gonioclymenien am weitesten verbreitet und findet sich bei Ebersdorf
(ein grosses schönes Exemplar im Breslauer Museum), im Fichtelgebirge und bei Cabrieres.!)
4. Gonioclymenia plana v. Mstr. var. intermedia (Mstr.) em. Frech [non Gümbel]. Goniatites intermedius, Grf. Mstr.: Beiträge I, Taf. XVIII, Fig. 7. pag. 29. Die nur in dem einen Originalexemplare des Grafen Münster bekannte Form ist von Gümbel auf Taf. XXI, Fig. 3 a—d (non Clymenia intermedia, ibid. Fig. 4) ganz gut wieder abgebildet worden.
!) Die in meiner früheren, der Nomenclatur Gümbel’s folgenden Liste der dort vorkommenden Arten auf geführte Gonioclymenia speciosa gehört zu dieser Art.
[15] Ueber devonische Ammoneen. 41
Der alte Name ist passend gewählt, denn die Berippung und äussere Form stimmt mit Goniocly- menia speciosa, die Entwicklung der Loben — abgesehen von einem kleinen Unterschied — mit Goniocly- menia plana überein. Dieser Unterschied besteht darin, dass sich zwischen dem Externlobus und der nächsten als Adventivlobus zu deutenden Spitze ein eckig begrenzter Externsattel befindet, der bei Gonzoclymenia plana s. str. gerundet und schmäler ist.
Das einzige Exemplar stammt aus dem grauen C/ymenien-Kalk von Schübelhammer. Die von Gümbel befürwortete Vereinigung des Gonioclymenia maxima mit der in Rede stehenden Form ist nicht aufrecht zu erhalten.
5. Gonioclymenia subarmata Mstr. sp. Taf. I. Fig. 3a, 3b. Gonioclymenia subarmata, Gümbel:]. c., pag. 155, Taf. XXI, Fig. I, 2 (Litteratur).
Aeusserlich durch gleichmässig kräftige, alternirende Rippen gekennzeichnet. Die Flächenansicht der convexen Kammer eines ziemlich ausgewachsenen Exemplars von Gonioclymenia subarmata ist auf Taf. I, Fig. 35 zur Darstellung gebracht. Man erkennt hier deutlich das Kreuz, das von den tief einschneidenden Siphonal-, Antisiphonal- und den grossen (1.) Lateralloben gebildet wird. Der Adventiv- und zweite Laterallobus sind kaum angedeutet und brechen an allen nicht tadellos erhaltenen Stücken vollkommen aus.
Als weiterer Nachtrag zu der im übrigen erschöpfenden Beschreibung Gümbel’s werden auf Taf. I, Fig. 3a die Embryonalwindungen dargestellt — als Combinationsigur zweier Exemplare von Ebersdorf; das eine (Museum Breslau, vom Verfasser präparirt) enthält die ersten vier Windungen mit der Anfangsblase, ein Berliner Exemplar nur die fünfte Windung mit der ersten deutlichen, schon alle Merkmale zeigenden Sufur. Bemerkenswerth ist die Entwicklung der aussenständigen Stacheln auf den ersten Umgängen. Die fünfte und sechste Windung zeigt die Sculptur und den Querschnitt eines mittelgrossen Aspidoceras perar- matum; man bemerkt ausser den externen Stacheln eine innere Reihe kleiner Knoten, die mit jenen durch schwache Rippen verbunden sind. Erst später formen sich die definitiven, alternirenden, aussen verdickten Rippen. Die Knoten sind vollkommen verschwunden.
Vorkommen: an fast sämmtlichen ost- und westdeutschen Fundorten, sowie bei Petherwyn, Cornwall. In den Alpen und in Südfrankreich fehlt die charakteristische Art.
6. Gonioclymenia Uhligi nov. sp. Taf. I, Fig. 1. 1863. Clymenia subarmata, Gümbel (non Münster) ex parte: Paläontogr. XI, Taf. XXI, Fig. 2,!) cet. excl.
Die Form der Einrollung stimmt fast vollkommen mit Gonioclymenia speciosa überein; auch die Loben sind auf der Seite sehr ähnlich. Doch wird der Externlobus ausserordentlich lang — fast so lang wie der erste Seitenlobus — während der Adventivlobus weniger entwickelt ist. Auch der Siphonallobus scheint noch länger gestreckt zu sein als bei Gonzoclymenia speciosa.
Die nach vorn geschwungenen Rippen sind ähnlich wie bei der den Ausgangspunkt der aberranten Form bildenden Gonioclymenia speciosa angedeutet. Aber auf der Aussenseite sind kräftige, rückwärts sewandte Knoten ausgebildet. Diese Rückwärtsbiegung entspricht dem deutlichen Externsinus der Sculptur, die zuweilen tiefere Einschnürungen erkennen lässt.
Das einzige vorliegende, von Ebersdorf stammende Exemplar unterscheidet sich durch die Länge des Antisiphonallobus und die Ausbildung der Knoten auf den ersten Blick von allen verwandten Formen. Das Stück ist fast bis zum Ende gekammert: Der Beginn der Wohnkammer ist gerade noch sichtbar und zeigt auf der Innenseite eine deutliche Furche, die wohl der Fortsetzung des Siphos in die Wohnkammer entspricht. Museum für Naturkunde, Berlin.
2) Das ]. c. abgebildete Stück wird von Gümbel als Jugendform von Gonioclymenia subarmata gedeutet, unter- scheidet sich jedoch von den mir vorliegenden Jugendexemplaren der Gonioclymenia subarmata durch die oben hervor- gehobenen Merkmale. Ein von Gümbel (l. c. pag. 156) erwähnter Manuscriptname C/ymenia spinosa Braun ist für die Art nicht verwendbar, da dieselbe keine Stacheln sondern Knoten besitzt und der Name Clymenia spinosa schon von Graf Münster vergeben war.
Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. Bd. XIV. 6
42 Fritz Frech. [16]
{. Gonioclymenia maxima Mstr. sp.
1832. Goniatites maximus, Graf Münster: Planuliten und Goniatiten, pag. 29, Taf. VI, Fig. 3. 1839. 3 n Id. Beitr. I, Taf. XVII, Fig. 8 (unser abgebildetes Exemplar). 1863. Clymenia intermedia, Gümbel non Mstr.: Paläontogr. XI, Taf. XXI, Fig. 3.
Während Gümbel die in Schalenform und Lobenentwicklung recht abweichende Art mit Gonio- clymenia intermedia vereinigt, läge andererseits der Gedanke nahe, die durch zugeschärfte Aussen- seite und Entwicklung eines ventivloben gedeutet werden zweiten Adventivlobus müssen.
Die stark verkleinerte Abbildung Gümbel’s gibt —
trotz der ziemlich richtigen
ausgezeichnete Form als Ver- treterineiner besonderen Gattung aufzufassen. Beide Eigenthüm- lichkeiten, scheibenförmige Ge- Ausführung — keinen rechten stalt und Entwicklung neuer Begriff von der Riesenform und Aussenelemente der Sutur, be- ihren I--2 mm dicken Kam- dingen sich gegenseitig: Die merwänden. Nur bei einer der flache Schale bedurfte der in- natürlichen Grösse nahekom- neren Versteifung. mender Ausführung lässt sich Die beiden Merkmale z. B. die Eigenthümlichkeit zum würden für hinlänglich bedeut- Ausdruck bringen, dass die sam zu halten sein, wenn — Aussenseite der Sättel spitz, die wie bei der Entwicklung von Innenseite derselben aber rund Medlicottia und Prosageceras!) ist. Diese Zuspitzung entspricht aus Pronorites — die Schei- einer dünnen Schalenschicht benform den Ausgangspunkt und verschwindet leicht, wie die einer Reihe eigenartiger Formen naturgetreu dargestellten Late- bildete. Hier haben wir jedoch ralsättel zeigen.
nur den missglückten Versuch Die Präparation des
vor uns, aus dem Clymenien- einzigen, in München befind-
Gonioclymenia maxima Mstr. sp. Origi-
[2 Stamm etwas Neues zu bilden. x nal Münsters und Gümbels. a Loben-
lichen Originalexemplares er-
In Folge dessen mag die ver- gab das Vorhandensein eines
linie 2/,, Scl.übelhammer. Die obere ge- einzelte Art neben Gonmzocly- strichene Linie bezeichnet die Nabel flachen Nahtlobus sowie (ab- menia plana stehen bleiben, der kante. E L Externlobus, A, A, Erster weichend von Gümbel’s Zeich- sie sich jedenfalls nahe an- und zweiter Adventivlobus. /, /, Erster nung) die ei&enthümlich nach
schliesst. Aus dem Vergleich an zyrelien Letsrallelsie: SD Silo, Der innen zu erweiterte Ausbildung Querschnitt ähnelt Clymenia subflexuosa
ven der Siphonallduie, 65, ergibt sich auch, dass die Die Convergenz der
mit Gonioclymenia plana Fig.
beiden Aussenelemente als Ad- Art mit Beloceras, welcher ebenfalls spitze Sättel und Loben, mehrere Adventivelemente sowie die Gestalt einer aussen zugeschärften Scheibe besitzt, ist bemerkenswerth.
Vorkommen: Grauer Clymenien-Kalk bei Schübelhammer.
Nicht zu Gonioclymenia und überhaupt nicht zu Clymenia gehören (wie ich nach Untersuchung der Originale Münster’s und Gümbel’s feststellen konnte):
1. Clymenia planorbiformis Mstr. ist ein Goniatit (Phenacoceras nov. gen.) aus der Gruppe der Prolecanitinen (siehe unten).
2. Clymenia : Beaumonti (Gümb. 1. c. Taf. XX, Fig. 5. Münster: Beitr. I, pag. 23, Il. Aufl., pag. 48, 49; Cryptoclymenia Hyatt) ist, wie die Lobenlinie deutlich zeigt, eine flachere Form von Sforado-
ceras Münsteri, in die ein Umgang unrichtig hineingemeisselt worden ist.
1) — Propinacoceras + Sicamites.
17] Ueber devonische Ammoneen. 43
3. Clymenia Haueri, Paläont. XI, Taf. XXI, Fig. 5 ist — Goniatites cucullatus von Buch 1839 = Goniafites hercynicus Gümb. N. ]J. 1862, pag. 323, Taf. V, Fig. 34, (Discoclymenia!). Der von Gümbel auf Taf. XXI, Fig. 5 b gezeichnete interne Sipho ist die Schlagmarke eines Meissels im Gestein. Die weit verbreitete Art ist somit als Sporadoceras cucullatum von Buch sp. zu bezeichnen.
Mit der Einziehung der genannten Arten fallen auch die beiden Gattungen Hyatt’s Crypfoclymenia (Cryptoclymenia Beaumonti) und Discoclymenia (Discoclymenia Hauerı) in die Synonymik von Sporadoceras; beide Gattungen waren lediglich auf je eine Art begründet worden.
Bemerkenswerth bleibt aber immerhin die convergente Ausbildung der Loben von Gonioclymenia speciosa und Sporadoceras cucullatum. In beiden Fällen haben wir einen Adventivlobus, einen längeren äusseren und einen kürzeren inneren Seitenlobus. Im Gegensatz zu Oxyclymenia ornata und Pseudoclymenia Sandbergeri betrifft die Convergenz hier nur ein Merkmal. Schalenform, Wohnkammerlängen, Sculptur (und der hiervon abhängige Mündungsrand) sind bei Sporadoceras und Gonioclymenia gänzlich verschieden,
„Cyeloclymenia“ Hyatt. Taf. II (m), Fig. 4a, b.
Während Cryptoclymenia und Discoclymenia sicher hinfällig sind, ist Cycloclymenia (Typus: Goniatites solarioides L. v. B.) in die Reihe der zweifelhaften Formen zu stellen.
Die Präparation des in Berlin befindlichen, von Ebersdorf stammenden Buch’schen?) Original- exemplars ergab eine von der alten Zeichnung durchaus abweichende Form des Gehäuses. Dasselbe bildet nicht schmale Windungen, sondern ist ziemlich dick, weit genabelt und auf der Aussenseite mit einem runden, seitlich durch tiefe Furchen begrenzten Kiel versehen (der vollkommen im Gestein vergraben lag). Die alte Abbildung stellt nur das eine seitliche, durch die Furche begrenzte Drittel der Schale dar. Wahrscheinlich gehört die Art in die Verwandtschaft von C/ymenia annulata, was von Kammerscheidewänden sichtbar ist, zeigt einfachen bogenförmigen Verlauf. Auch die rippenförmige Sculptur stimmt vollkommen mit Clymenia annulata überein. Wir hätten unter dieser Voraussetzung eine Nebenform von Clymenia annulata, die sich zu dieser verhält wie Oxycelymenia bisulcata zu Oxyclymenia undulata. Nur sind bei Clymenia solarioides Kiel und Furchen ausserordentlich scharf ausgeprägt. Ausser den zwei Originalen L. von Buch’s ist mir kein Exemplar der seltenen Form bekannt geworden.
Ueber die Stammesgeschichte der Clymenien.
Als mitteldevonischer (oder älterer) Ausgangspunkt der Clymenien kann nur die Gattung Gyroceras (= Mimoceras) oder eine nah verwandte Form in Betracht kommen. Die Sutur von Mimoceras ist noch primitiver als bei Ciymenia laevigata, die Sculptur und Länge der Wohnkammer (!/, Umgang) sowie die Anfangsblase und Anfangssutur bei Clymenia und Mimoceras durchaus übereinstimmend; denn auch bei ersterer beginnt der Sipho auf der Aussenseite.
Es dürfte selten ein Fall vorkommen, wo aus dem Vergleich der Organisation — trotz des Fehlens thatsächlich nachgewiesener Zwischenglieder — der Gang der Entwicklung so sicher erschlossen werden kann wie bei den Clymenien.
Am wenigsten klar ist die Ableitung der Oxyclymenien: Da von älteren Formen Acanthoclymenia nicht in Frage kommt, ist der Gedanke am naheliegendsten, dieselben mit Clymenia Humboldti oder einer nah verwandten, mit Seitenloben versehenen Form in Verbindung zu bringen.
II. Ammoneen mit äusserem Sipho. 2. Familie Aphyllitidae Frech.
Seulptur und Mündungsrand mit einem tiefen, von Ohren begrenzten Externausschnitte. Die Sutur entwickelt sich von der einfachen geradlinigen Form bis zur Ausbildung eines deutlichen Seiten- und Anti-
!) Vergleiche Beyrich, Bemerkungen zu Goniatites cucullatus in der Abhandlung L. von Buch’s: Ueber Goniatiten und Clymenien in Schlesien 1839. Das Zusammenfallen des Goniatites hereynicus s. Gümb. und der Clymenia Haueri Mstr. bei Gümbel nimmt E. Beyrich |. c. als wahrscheinlich an. Zeitschr. d. geol. Ges. 1884, pag. 218.
°)L. v. Buch: Ueber Goniatiten und Clymenien in Schlesien, Fig. 5.
44 Fritz Frech. 18]
siphonallobus; seltener finden sich ein Adventivlobus oder ein Seitensattel. Wohnkammerlänge selbst bei
nahe verwandten Arten schwankend.
A. Bactritinae (Mimoceratinae prius).
Sutur geradlinie, Gehäuse stabförmig oder mit lose berührenden Umgängen eingerollt: Bactrites, Gyroceras H. v. Meyer (— Mimoceras Hyatt aust.). Oberes Unterdevon bis unteres Oberdevon. Ueber die primitive Beschaffenheit der wahrscheinlich auf Nautileen zurückzuführenden Gruppe vergleiche man den
Schlussabschnitt über Stammesgeschichte.
B. Aphyllitinae.
Schale mehr oder weniger involut, Sutur von geradliniger Ausbildung bis zu winkeligen Formen des Laterallobus complicirt. Unterdevon bis Oberdevon. Die mitteldevonischen Gattungen Anarcestes, Aphyllites, Pinacites, Maeneceras sind neuerdings besonders von Holzapfel eingehend und erschöpfend dargestellt
worden ;!) im Folgenden werden nur einige von Cabrieres stammende Arten kurz beschrieben.
Aphyllites Mojs. Scheibenförmig, Wohnkammer kurz, ein die ganze Seitenfläche einnehmender flacher Laterallobus;
Antisiphonallobus fehlt. Unter- und Mitteldevon.
Gruppe des AphyllitesevexusL. v. Buch. — Aphyllites inconstans Phill. beiHolzapfel.
Fig. 8.
Zwei nur unvollkommen erhaltene Aphylliten kommen in dem rothen Eisen- kalk (oberstes Mitteldevon) am Pic de Cabrieres vor:
Aphyllites evexus v. Buch var. crassa Holzapfel, (Erwähnt Lethaea palaeozoica Bd.2, pag. 174
Anm., wo eine frühere unrichtige?) Bestimmung berichtigt wurde.)
Agoniatites inconstans var. crassa Holz- apfel: Schichten mit Maeneceras terebratum, Taf. VII, Fig. 16.
Die bezeichnende Varietät ist durch ein Bruchstück mit emigen gut erhaltenen Loben vertreten. Der Querschnitt scheint — soweit derselbe sichtbar ist — dem der eitirten Varietät zu entsprechen, die
Loben stimmen ungefähr mit denen der a Aphyllites Barroisi n. sp. Querschnitt und Lobenlinie am Beginn
der Wohnkammer in nat. Grösse. b Aulaylliies evexus v. Duchgan v.B. € Acomiatites inconstams Phil crassa Holzapfel Loben in !J;.. Beide aus dem braunrothen Eisen- h 2 kaiken des obersten Mitteldevon vom Südabhang des Pic de Ca- Soinlolsemiels le 1er, Die 1) brieres. Ges. vom Verf. NB. Die geringen Verschiedenheiten überein, grösser ist die Uebereinstimmung zwischen den Loben von b beruhen auf der Abwitterung. mit Aphyllites Dannenbergi Beyr.
Formenreihe des Aphyllites evexus
!) Die Fauna der Schichten mit Maeneceras terebratum. °) Zeitschr. Deutsch. geol. Ges. 1887, pag. 440.
[19] Ueber devonische Ammoneen. 45
Aphyllites Barroisi n. sp. (= Goniatites subundulatus var. major, Frech: Zeitschr. Deutsch. geol. Ges. 1887, pag. 465.)
Der Querschnitt erinnert am meisten an die oben. citirte- Abbildung: Holzapfel’, ist jedoch noch etwas breiter. Die auf dem Rücken stark eingebuchteten Anwachsstreifen erinnern hier an Aphyllites Dan- nenbergi Beyr., sind aber auf den Seiten weniger kräftig entwickelt als bei dieser Art. (Fig. 8a,.)
Die Sutur weicht von allen bekannten Aphylliten ab und zeigt einen deutlichen breiten Externsattel, sowie einen sehr breiten Seitenlobus ähnlich wie bei Tornoceras. Da jedoch ein Seitensattel gänzlich fehlt, ist die weitgenabelte Form besser bei Aphyllites unterzubringen.
Tornoceras (Hyatt) em.
Mit rundem, verschieden ausgeprägtem Seitenlobus. Aussenseite meist nur mit Anwachsstreifen, bei einer Gruppe stärker sculpturirt. Formen mit langer (1—1!/, Umgang) und kurzer Wohnkammer (!/, Um- gang) sind, wie es scheint, nicht scharf geschieden. Oberes Unterdevon bis Oberdevon.
Der Mittelpunkt der einen wichtigsten Gruppe, die sich in ihrer weiteren Entwicklung mannig- fach difterenzirt, ist das schon im Mitteldevon auftretende Tornoceras simplex. Die äussere Form ist — mit wenigen Ausnahmen — gänzlich involut, die Sculptur besteht aus feinen, am Rücken schwach zurückgebogenen Linien, Labialwülste fehlen. Die Gestalt der Kammerscheidewände unterliegt besonders hinsichtlich der Form des Laterallobus mannigfachen Schwankungen. Bei Tornoceras simplex - und einigen verwandten Formen besitzt derselbe glockenförmige Gestalt. (Taf. V [IV], Fig. 8.)
Eine zweite oberdevonische, zu Tornoceras gehörige Gruppe geht von Goniatites auris An. (= pauci- striatus Arch. Vern.) aus und erstreckt sich bis in den Clymenien-Kalk. Die Gruppe unterscheidet sich von der Gruppe des Tornoceras simplex, mit der sie ursprünglich nahe verwandt war, durch die fast immer vorhan- dene Sichtbarkeit der inneren Windungen und ferner durch die stark ausgeprägte Oberflächensculptur, die aus sichelförmig gekrümmten Streifen und Rippen besteht. Der Rücken ist nicht rund, sondern meist durch zwei unmittelbar neben demselben ausgebildete Furchen kantig begrenzt. Die Lobenlinie stimmt meist mit der des Tornoceras simplex überein; nur bei den jüngeren Formen verbreitert sich die glockenförmige Gestalt des Laterallobus allmälig. Die Gruppe des Tornoceras auris geht im unteren Oberdevon wahr- scheinlich aus der mitteldevonischen Gruppe des Anarcestes vittiger Sdb. sp. (— vittatus Kays.) hervor, die in allen den genannten Merkmalen mit Tornoceras auris übereinstimmt; nur die Lobenlinie ist ab- weichend: der Laterallobus von Tornoceras ist bei Anarcestes vittiger kaum angedeutet und die Länge der Wohnkammer bedeutender. Als Zwischenform von Tornoceras simplex und auris ist Tornoceras undulatum Sandb. aufzufassen, das noch involut ist, aber bereits einen kantigen Rücken und eine kräftiger ausgeprägte Oberflächenseulptur besitzt.
Sehen wir von diesen in geschlossener Entwicklung vom Mitteldevon bis an die Carbongrenze ver- folgbaren beiden Gruppen ab,!) so zeigen andere übrig bleibende mitteldevonische, als Tornoceras bezeichnete Formen eine Wohnkammer von durchaus verschiedener Länge (I—ı'/), Umgänge nach E. Holzapfe]),?) während alle sonstigen Merkmale übereinstimmen.
Bei den abgebildeten Arten Tornoceras Bertrandi und Tornoceras Verae stimmen Sculptur und Schalenform vollständig, die Sutur von Tornoceras Verae vollkommen, die von Tornoceras Bertrandi im Wesentlichen mit Tornoceras simplex s. str. überein; dagegen misst die Wohnkammer bei der letzteren Art !/,, bei den beiden ersteren mehr als einen Umgang. Irgend eine ältere Art von Anarcestes, auf die Tornoceras Bertrandi bezogen werden könnte, ist nicht bekannt. Es erscheint denkbar, dass das Merkmal und die physiologische Wichtigkeit der langen und kurzen. Wohnkammern bei der primitiven Familie der Aphyllitiden noch nicht fixirt war.
1) Für diese Gruppen würde also die Annahme Holzapfel’s zutreffen, dass Tornoceras zum Theil auf Anarcestes, zum Theil auf Aphyilites zurückzuführen sei. °) Fauna der Schichten mit Maeneceras terebratum, pag. 84.
46
Fritz Frech.
[20]
Da meine eigenen Beobachtungen über die mitteldevonischen Tornoceren lange nicht so ausgedehnt
sind wie diejenigen Holzapfel’s, der (l. c.) weitere Beobachtungen abwartet, möchte ich ebenfalls kein
abschliessendes Urtheil wagen.
Einen Hinweis auf die Abstammung der involuten Tornoceren mit langer Wohnkammer gibt
die Taf, IV abgebildete interessante Zwischenform:
Tornoceras (?) Holzapfeli n. sp.
Taf. V (iv), Fig. 7, 6c.
Die ziemlich kräftige Sculp- tur der Aussenseite und die den Rücken säumenden (auf einem Exem- plar im Berliner Museum noch deut- licheren) Seitenkanten weisen auf
Tornoceras angulato-striatum C. Koch sp.!) als Art hin.
Jedoch ist unsere in den be-
nächstverwandte
kannten Greifensteiner Kalken (oberes Unterdevon) vorkommende Art etwas dicker und die Seitensutur ist so wenig gebogen, dass man zweifeln muss, ob die Stücke noch als Anar-
Fig. 9.
a Tornoceras circumflexiferum Sdb. Schwarze Kalke der Ense b. Wildungen (Oberes Mittel- devon). N. Holzapfel, pag. 85, Taf. VIL,Fig. 7.!);. 5 Tornoceras Verae Frech. Ob. Unterdevon. 1. Weisser Kalk des Pic de Cabrieres.
cestes oder als Tornoceras zu be-
zeichnen wären. Ein Stück
lung des Verfassers, ein ande-
in der Samm-
res im Museum für Natur-
kunde, Berlin.
A. Typische Tornoceras-Arten mit langen Wohnkammern. 1. Tornoceras Verae n. Sp.
Taf. V (iv), Fig. 6, 6a.
Weder
zeigen
noch Sutur Unter-
schiede von Tornoceras simplex, hin-
Schalenform wesentliche
gegen ist die Wohnkammer lang, d. h. sie misst I—ı!/, Umgang und verweist die Artsomitin die Verwandt-
schaft von Tornoceras circumflexiferum.?) Von dieser Art ist Tornoceras Verae wiederum durch vorge-
wölbtere Gestalt des Seitenlobus und flacheres Gehäuse unterschieden.
Vorkommen: Ich fand die den Be welche die be-
Art schneeweissen Kalken de Cabrieres,
zeichnende Fauna von Mnenian
nicht eben selten in
des
und Greifenstein (oberes Unter- devon)’) enthalten.
2. Tornoceras Bertrandi nov. sp. (= Tornoceras simplex var. Frech:
Lethaea palaeozoica, pag.
174, Anm.) Die typischen
neue Art steht dem flachen Tornoceras simplex (dessen Abbildung auf Taf. V, Fig. S wiederholt wurde) Die Unterschiede be-
stehen — abgesehen von der er-
recht nahe.
heblicheren Grösse der neuen Art
Fig. Io
Tornoceras Bertrandi nov. sp. !/,. Oberstes Mitteldevon. Eisen- kalk des Pic de Cabrieres. Ges. vom Verf. NB. Der äussere Ast des Seitenlobus ist ein wenig stärker zurückgebogen als auf der Abbildg. dargestellt wurde; die oberen Suturensindziemlich richtig, die unteren hingegen verzeichnet.
(Vergl. Taf. V, Fig. 65.) — in der Länge der Wohnkam- mer?) und der ganz ungewöhnlich tiefen Einsenkung des Astes des Laterallobus. Während bei Tornoceras simplex der äussere Ast des Laterallobus Lateralsattel der nächsten Sutur steht, äussere Ast mit dem Lateralsattel
inneren
über dem
correspondirt hier der
der drittnächsten Kammer. In Folge dessen erinnert das Bild der inneren Umgänge an eine Irisblende; offenbar wird durch diese Vorrichtung die Festigkeit des flachen scheibenförmigen Ge- häuses erhöht.
Zusammen Barr.,?)
Aphyllites evexus v. B. var. crassa
Vorkommen: mit Phacops breviceps
) E. Holzapfel: Schichten mit Maeneceras terebratum, pag. 94, Taf. 4, Fig. 18.
°) Versteinerungen des rheinischen Schichtensystems in Nassau, Taf. XI, Fig. 8.
®) Mit Spirifer indifferens, Phacops fecundus major, Rhynchonella velox und princeps var. gibba, Merist«a basser, Leptaena tenuwissima, Harpes Montagnei und Proetus crassirhachis.
*) Da das Exemplar nicht vollständig ist, dürfte die Länge der Wohnkammer nicht weniger als I Umgang betragen haben. Bei Tornoceras simplex ist die Wohnkammer nur !/, Umgang. In der Mitte dieser kurzen Wohnkanımer findet sich auf beiden Seiten der Eindruck einer angelegten, aber noch nicht ausgebildeten Kammerscheidewand.
°) — Phacops fecundus mut. supradevonica Frech: Zeitschr. Deutsch. geol. Ges. 1837, pag. 469.
[21] Ueber devonische Ammoneen. 47
Holzapfel, Aphyllites Barroisi n. sp. in den braunrothen Eisenkalken in dislocirter Stellung am Südabhang
des Pic de Cabrieres.
B. Gruppe des Tornoceras simplex L. v. B.
Die im höheren Mitteldevon und tieferen Oberdevon vorkommenden Arten dieser Gruppe sind neuerdings von Holzapfel in den Arbeiten über die Schichten mit Maeneceras terebratum und den Domanik des Petschora-Landes in eingehender und sorgfältiger Weise dargestellt worden.
Indem ich auf diese Beschreibungen verweise, hole ich hier nur einige Einzelheiten nach, welche auf das Vorkommen bei Cabri@res und auf das höhere Oberdevon Bezug haben.
Von Tornoceras simplex L. v. B. mut. ovata (Mstr.) Holzapf.!) wird — zum Vergleich — Quer- schnitt und Lobenlinie auf Taf. II, Fig. 21a, 215 abgebildet. Tornoceras simplex-Typus ist auf Taf. IV
neben Tornoceras Verae gestellt.
Tornoceras acutum n. sp. Taf. II, Fig. 17. —= Goniatites acutus E. Kayser non Münster nec Sandberger: Deutsch. geol. Ges. 1873, pag. 622.
Die von E. Kayser beschriebenen scheiben- bis linsenförmigen Goniatiten »mit zarten, schwach zurücklaufenden Anwachsstreifen« scheinen nur zu Tornoceras zu gehören,?) obwohl die convergente Cheiloceras-Art ebenfalls bei Nehden vorkommt. Die involute Form und die Feinheit der Anwachsstreifen erinnert an Tornoceras simplex, die Gestalt der Lobenlinie mehr an Tornoceras subundulatum. Die Unterscheidung von allen anderen Arten wird durch die »galeate« Form, d. h. die zugeschärfte Aussen- seite erleichtert.
Die Abbildungen Sandberger'’s beziehen sich ausschliesslich auf Chezloceras acutum (siehe unten), die Beschreibung Münster’s wahrscheinlich auf dieselbe Art. Da eine Einziehung der Gattung Cheiloceras nicht zu erwarten steht, kann der gleiche Artname auch dem Tornoceras verbleiben; was den Autornamen anlangt, so könnte man in Zweifel sein, ob die beschriebene Art als nov. sp. oder als E. Kays. sp. zu bezeichnen ist.
Vorkommen: Selten im mittleren Oberdevon von Nehden.
Tornoceras Haugi n. sp. Taf. II, Fig. 20 a, b.
Den Uebergang zu dem abseits stehenden Tornoceras Escoti des Clymenien-Kalkes bildet eine seltene Form des mittleren Oberdevon von Nehden.?) Der hakenförmige Verlauf des Laterallobus stimmt mit der jüngeren Art überein; jedoch fehlt der Lateralsattel-und der Nahtlobus von Tornoceras Escoti; die Lobenlinie ist also wesentlich einfacher und stimmt — abgesehen von der Hakenform des Laterallobus — mit Tornoceras simplex überein. Zum Vergleich ist die Lobenlinie und der Querschnitt eines Tornoceras simplex neben Tornoceras Haugi gestellt, damit diese allerdings geringen Unterschiede besser hervortreten. Ferner ist die Sculptur der jüngeren Form stärker undulirt. E. Holzapfel?) scheint geneigt zu sein, die
1) Die mit Münsters Originaletikette »Goniatites ovatus« versehenen Formen, die im Berliner und im Breslauer Museum liegen, gehören sämmtlich zu Cheiloceras, sind aber nicht näher bestimmbar; ich behalte die Bezeichnung »mut. ovata« vorläufig mit verändertem Autornamen bei.
2) Vergl. auch Gürich: N. Jahrb. Beil. Bd. XIII (1900), pag. 349. Die Originale E. Kayser’s befinden sich in der geologischen Landesanstalt zu Berlin.
3) Die ich nach meinem um die Erforschung der Goniatiten hochverdienten Freunde Prof. Emile Haug benenne.
*) Holzapfel gibt die verticale Verbreitung von »Zornoceras simplex« bis zur Oberkante des Oberdevon an. Ohne die Möglichkeit einer so langen Lebensdauer bestreiten zu wollen, möchte ich doch hervorheben, dass mir aus dem Clymenien-Kalke niemals eine Tornoceras simplex ähnelnde Form vor Augen gekommen ist. Die in der Litteratur, z. B. E. Kayser, E. Tietze, vorkommenden Angaben über das Vorkommen von »Goniatites retrorsus< im Clymenien- Kalke beziehen sich auf abgeriebene (E. Kayser) oder junge Stücke von Aganides sulcatus oder Aganides Güricht (wie ich durch Untersuchung der Originalexemplare feststellen konnte).
48 Fritz Frech. [22]
in Rede stehende Art noch zu Tornoceras simplex zu stellen. Ich halte die genannten Unterschiede für hinreichend zur Unterscheidung.
Die vollkommene Uebereinstimmung der Lobenlinie mit dem gleichalten, ebenfalls bei Nehden vor- kommenden Tornoceras Loeschmanni Frech ist bemerkenswerth. Jedoch fehlen bei Tornoceras Haugi die bezeichnenden Labialwülste von Tornoceras Loeschmanni.
Vier Exemplare von Nehden im Museum für Naturkunde, Berlin.
Die Parallelität der Formenentwicklung ist also auch hier ebenso ausgeprägt wie bei den Clymenien:
[ oberes Tornoc. Escoti T. planidorsatum Pseudoclymenia Ober- | mittleres n Haugi „ ‚planidorsatum T. Loeschmanni (guestfalicum) devon N unteres N simplex „ undulatum T. constrictum
( (mut. ovata)
Tornoceras Escoti Frech. Taf. II, Fig. 19, Textbild 135,.
Das grösste, bis ans Ende gekammerte Exemplar besitzt 35 cm Durchmesser, Die Schale ähnelt Cheiloceras curvispina, sie ist flach, aber nicht gleichmässig scheibenförmig, sondern in der Mitte erhöht und auf der Externseite verschmälert. Labialwülste scheinen zu fehlen.
Der Lateralsattel erscheint auch nach der Innenseite zu deutlich bogenförmig begrenzt, so zwar, dass sich an dem Nabel die Andeutung eines zweiten Laterallobus ausgeprägt findet. .
Der wesentlichste Unterschied von Tornoceras (Pseudoclymenia) Sandbergeri, an das sich die neue Art nahe anschliesst, besteht in der äusseren Form. Hingegen ist die Uebereinstimmung der Sculptur, Sutur und Wohnkammerlänge für die nahe Verwandtschaft beweisend. Eine gewisse Convergenz der Lobenlinie und besonders der äusseren Form weist auf Chezloceras curvispina hin.
Ich sammelte zwei vollständig erhaltene Exemplare und das Bruchstück eines dritten in den oberen Clymenien-Kalken von La Serre, wo die Art sehr selten vorzukommen scheint. Ein viertes Exemplar be- findet sich in dem Berliner Museum für Naturkunde.
C. Gruppe des Tornoceras auris Qu.
Mit kKinakıziwozet des weitverbreiteten Torno- Sculptur, meist mitLabi- Fie. I1. ceras auris. alwülsten. Vorwiegend un-
teres Oberdevon.!) Tornoceras Tornoceras ausavense auris Quens. (— paucistriatum Stein. SP-
Arch. Vern.) mit seinen zahl- En ; Be, ; ; Goniatites ausavensis, Steinin- reichen Labialwülsten ist hin-
ger: Geogn. Beschrei- reichend bekannt.
bung der Eifel, Trier 1855, Den Uebergang zu der rain 1, Die ©, 7
involuten Gruppe des Torno- In der Jugend gerundet,
ceras simplex bilden zwei gut im Alter scheibenförmig, rasch
unterscheidbare, aber schlecht an Grösse zunehmend mit 5—6 abgebildete Zwergformen von Labialwülsten auf einem Um- Büdesheim in der Eifel, die a, d Tornoceras ansavense Stein. sp. gang. Laterallobus breit, ein beide eine geringere Zahl von a, d ®ı. b, c Tornoceras constric- Ansatz zur Bildung eines Naht- Labialwülsten als Tornoceras Sn Selling, m: D 0 @ Tas Ua, Oben lobus ist wahrnehmbar. Anti-
devon (Goniatitenmergel, Zone des Ge- phyroceras intumescens) Büdesheim in der Eifel. Die Seitenansichten und Bei Büdesheim lich involuter ist als das Querschnitte. Ges. vom Verf. ziemlich häufig.
auris und ein Gehäuse be- siphonallobus deutlich sichtbar.
sitzen, dessen Form wesent-
!) Nur zwei Formen aus der Untergruppe des Tornoceras undulatum gehen höher hinauf.
[23] Ueber devonische Ammoneen. 49
Tornoceras constrietum. Stein. sp. Goniatites, Steininger: ]. c. Taf. ı, Fig. 9. Das Gehäuse bleibt kugelig und zeigt auf einem Umgang nur 3—4 Labialwülste, sowie zwei sehr deutliche Rückenfurchen. Laterallobus schmäler als bei Tornoceras ausavense. Ein Nahtlobus ist nicht angedeutet.
Die bei Büdesheim etwas seltener vorkommende Art ist zweifellos die kleinste Form der dortigen Pygmaeen-Fauna. Das grösste von IO Exemplaren besitzt einen Durchmesser von $'5 mm, zeigt aber ebenso wie die beiden abgebildeten Stücke eine Wohnkammer von 1/—?/), Umgang Länge. Das Stück war also annähernd vollständig. Das sind Grössenverhältnisse, welche noch weit unter Cassianer Ammoneen hinab- gehen, von denen ja meist nur die inneren Windungen vorliegen. Tornoceras Loeschmanni, der bei Nehden vorkommende Nachkomme, unterscheidet sich nur durch etwas engeren Nabel und hakenförmig gekrümmten Seitenlobus von der älteren Art.
Tornoceras Loeschmanni nov. nom. Taf. IV (v), Fig. 9a—c.
Non Tornoceras westfalicum Holzapfel 1895!) — Tornoceras guestfalicum Frech: Lethaea palaeozoica, Taf. XXXIla,
Fig. S (veröffentlicht ohne Beschreibung) 1897.
Die Sutur der neuen Art hat am meisten Aehnlichkeit mit der von Goniatites curvispina. Die Seiten der ziemlich dicken Schale sind flach. Der Rücken ist durch zwei parallele Furchen begrenzt und besitzt daher einen stumpfkantigen Umriss, ähnlich wie bei Goniatites auris. Man zählt auf einem Umgang drei Labialwülste, die einen etwas eigenthümlichen Verlauf besitzen. Auf den Seiten sind dieselben ein wenig gekrümmt, an der den Rücken begrenzenden Furche biegen sie plötzlich spitzwinkelig nach hinten um und bilden auf dem Rücken eine tiefe Einbuchtung. Der Laterallobus ist tief, der Lateralsattel erheblich kürzer als der Seitensattel. Die die Schalenform evoluter, Labialwülste Art bleibt klein; denn bei zwei ca. I cm fehlen. grossen Exemplaren ist noch die Wohn- Die zuerst von Büdesheim
kammer in der Länge eines halben Um- beschriebene Art ist an den deutschen
ganges erhalten. Fundorten der kalkigen Entwicklung
Vorkommen: Mittleres Oberdevon der Zone des Gephyroceras intumescens
von Nehden. ziemlich selten und findet sich ausser-
dem häufig in den schwarzen Knollen-
Tornoceras undulatum Sandb. b kalken des gleichen Horizontes im Val Goniatites undulatus, Sandb.: Versteine- N @Isarne bei Cabriceres. rung d. oberen Schichtensystems in DE j SEN . N Nassau Tarxı Big. 17.19 3 Tornoceras cinctum Reys. 2) SE > z n . . ai . - - 1897. Tornoceras Sandbergeri nov. nom. Tornoceras undu- (— eifeliensis Steining.) ist nach Crick and Foord:?) Cat. Foss. latum Sandb. Unt. Holzapfel(Cephalopoden der Domanik, Ceph. Brit. Mus. III, pag. 112. On en age 16, TaranSy ish 2:6), dicker j } f tenmergel. *?/. Bü- 22 Die Sutur stimmt mit Torno- desheim, Eifel. und ungenabelt. Die ältere Angabe, dass ceras simplex mut. ovata überein, die Nach Sandberger. diese Art eine lange Wohnkammer be- Sculptur ist kräftiger ausgeprägt und sässe, ist 1. c. berichtigt.
1) Ich bemerke, dass der Name Tornoceras guestfalicum von E. Holzapfel bereits 1895 (mit etwas anderer Orthographie) für eine mitteldevonische Art vergeben war (Fauna der Schichten mit Maeneceras terebratum, Tat. IV, Fig. 11, 12, pag. 102). Ich benenne die oberdevonische Art daher neu und zwar zu Ehren der hervorragenden zeich- nerischen Verdienste des Herrn Dr. E. Löschmann.
2) Der neue Name war aufgestellt, um die von Brown schon vergebene Bezeichnung Goniatites undulatus zu ersetzen; da aber Crick und Foord den offenbar obsoleten Namen Brown’s gar nicht weiter erwähnen oder näher fixiren, verfällt auch die neue Bezeichnung der Synonymik, umsomehr als schon ein Tornoceras (Pseudoclymenia) Sandbergeri, Beyr. 1863, benannt ist.
Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. Bd. XIV. 7
50 Fritz Frech. [24]
Tornoceras subundulatum Frech. Taf. II, Rige: 15. 1887. Tornoceras subundulatum, Frech: Geol. Beschreibung von Cabrieres. Zeitschr. d geol. Ges., pag. 371, 388, 464: 1897. e a CGrick and Foord. Cat. Foss. Ceph. IH, pag. 114.
Das nicht sonderlich gut abgebildete Original obiger Art wird hier zum zweiten Male dargestellt und zeigt deutlich die Abstammung von Tornoceras subundulatum: Schalenform und Sculptur sind die gleichen; jedoch wird die Aussenseite der Schale zweikantig und der glockenförmige Seitenlobus der älteren Art erhält eine flachere bogenförmige Gestalt. Mittleres Oberdevon. La Serre bei Cabrieres. Hier findet sich häufiger als die Hauptform die durch gedrungenere Gestalt und Ausbildung von Seitenrippen (statt der Anwachsstreifen) gekennzeichnete var. folcata Frech. Die kantige Begrenzung der Aussenseite und die abwechselnde Entwicklung des Aussenlobus prägt sich bei der folgenden Art mehr aus, die ausserdem noch Labialwülste besitzt.
Der phylogenetische Zusammenhang entspricht also der folgenden Uebersicht:
Oberes Oberdevon: Tornoceras planidorsatum Mittleres 5 Tornoceras subundulatum — Tornoceras planidorsatum Unteres = Tornoceras undulatum.
Tornoceras planidorsatum Mstr. sp. Tat. I, Fig. 16. 1839. Goniatites Planidorsatus, förmig gekrümmten Ein-
Münster: Beiträge I,
Fie. 13 drücke Labialwülsten ent- Der >, Me HdR Sr
sprechen. Bei den franzö-
Fig. 7. 1852. ne b Shen Exemplaren stehen Reinitm da: N A dieselben etwas weiter von wackenformation N A einander entfernt, so dass Sachsens, pag. 309, Bu ihre wahre Natur besser Ta A, Pia % B erkannt werden kann. Die
1862. Goniatites planidorsatus a 5) 2 5 } c : 3 2, al- ae u m 9 Eindrücke sind in derselben
buch, pag. 319, Taf, V; Weise wie die Anwachs-
Fig. 19. % RN AR a, streifen gebogen und auf den
1873. Gontatites planidorsatus,
! S b inneren Theil des Crehäuses Kayser: Zeitschrift EI nt) EIN beschränkt. Die Entwicklung der deutschen geolo- 2 fi a] 1 7
der Sutur, des flach ausge-
le iv 02 buchteten Laterallobus und d. 25, pag. 627, Taf. 7 R ae : a nen eines wenig tief eingesenkten 1873. Gomiatites falcifer, E. Externlobus zu ausgepräg- Kayser non Mün- a Tornoceras planidorsatum Mstr. sp. a, Mittl. teren Formen wird durch die ster: ibid. pag. 627, Oberdevon Nehden, Originalexemplar E. Kay- Figuren veranschaulicht; die
Taf. XIX F ie. 8. ser’ 1 lg, lg i 3 fl ch I b en prechen
’ D> „ Ss (Berliner Mus.), a „a Lobenent Ww cklu g a en oben tspr Die ausführliche Be ii i Tornoc eras ubı ndulatum y grösserung ( Jı» 3h). Unt. Clymenienkalk Enke- : ITS 2
schreibung Kayser'’s (l. c.) berg bei Brilon. Breslauer Museum. b,,— bz mit der ausgeprägteren umfasst die durch Verwitte- Tornoceras (Pseudoclymenia) Sandbergeri Glockenform kehrt die Art rung und Präparation abge- Beyr. sp. Unt. Cliymenienkalk. Enkebereg. gewissermaassen zu ihrem riebenen Exemplare von Breslauer Museum. D1, b, Lobenentwicklung Ausgangspunkte (Torno-
desselben Exemplars vergr. b, Etwas ab- =
; . 3 A ceras undulatum) zurück, weichende Sutur eines zweiten Stückes. b, Di La ä
. © -
f Ear,yet } Tornoceras Escoti Frech. (Involute Parallel- = nSe er Wohn
ginale ergab; ihr ist hinzu- form von Pseudoclymenia.) Ob. Clymenien- kammer beträgt ca. °/, Um-
zufügen, dass die sichel- kalk. La Serre b. Cabrieres. Ges vom Verf. gang.
Tornoceras planidorsatum,
wie der Vergleich der Ori-
25] Ueber devonische Ammoneen.
[071 „
Die Art gehört im mittleren Oberdevon von La Serre zu den Seltenheiten; die wenigen Exemplare befinden sich zum Theil in Göttingen, zum Theil in meiner Sammlung. Tornoceras planidorsatum findet sich ausserdem beiNehden (ebenfalls selten), sowie im Clymenien-Kalk vom Enkeberg bei Brilon (häufig), Geysen im Fichtelgebirge und am Klein-Pal in den karnischen Alpen.
Subgenus: Pseudoclymenia Frech 1897.
Die äussere Form der Schale und die Lobenlinie stimmt mit Oxyclymenia ornata!) überein, jedoch liegt der Sipho extern.
Einzige Art: Goniatites Sandbergeri Beyr. (non Crick and Foord), Clymenien-Kalk.
Tornoceras (Pseudoclymenia) Sandbergeri. Tat. II, Fig. 18. Clymenia pseudogoniatites Sandb.: Verh. naturh. Ver. f. Rheinland u. Westphalen X, Tat. VII, Fig. 2, 3, 9, 10,
Taf. VIII, Fig. 4.
Goniatites Sandbergeri, Beyr. bei Gümbel: N. ]J. 1862, pag. 320, Taf. V, Fig. 32. 5 Kayser: Zeitschr. d. geol. Ges. 1873, pag. 611, Taf. XIX, Fig. 7.
Die ziemlich kräftige Sculptur der Aussenseite und die evolute Form weist auf Arten der Gruppe des Tornoceras auris — vielleicht auf Tornoceras undulatum — als den Ursprung der interessanten Con- vergenzform hin. Junge Exemplare zeigen einen breiten, bereits hakenförmig gekrümmten Seitenlobus; derselbe wird bei der weiteren Entwicklung schmäler und gibt Raum für die Ausbildung eines Nahtlobus.
Die einzige zuerst von Sandberger als Clymenia gedeutete Art findet sich nuram Enkeberge
bei Brilon, und zwar verhältnismässig; selten.
Epitornoceras nov. subgen.
Scheibenförmige, involute Gehäuse, deren Sutur sich von Tornoceras s. str. durch spitze Endigung des Externsattels und Länge des Externlobus unterscheidet. Unterdevon bis unteres Oberdevon. Typus: Epitornoceras mithracoides Frech.
Die Einfachheit der Organisation oder mit anderen Worten der Mangel an Merkmalen machte die Bestimmung der als Tornoceras bezeichneten Gehäuse äusserst schwierig.
E. Holzapfel hat unter vorläufiger Trennung der Formen mit langer (I—ı!/, Umgänge) und derjenigen mit kurzer Wohnkammer die einen auf Anarcestes, die anderen auf Aphyllites zurückzuführen gesucht, und ich habe oben auf die bemerkenswerthe Uebereinstimmung des mitteldevonischen Anarcestes vittiger mit der oberdevonischen Gruppe des Tornoceras auris hingewiesen, deren Wohnkammerlänge allerdings nicht übereinstimmt.
Die Tornoceras-Arten mit spitzem Aussensattel nehmen insofern eine Sonderstellung ein, als ihre Entstehung nicht in mitteldevonischer, sondern in vordevonischer Zeit erfolgt sein muss.
1. Tornoceras Stachei Frech (Zeitschr. d. geol. Ges. 1887, Taf. XXVII, Fig. 11) kommt noch in Gesellschaft von silurischen Cephalopoden und im Liegenden einer Schicht von silurischen Brachiopoden (Rhynchornella Megaera), also an der unteren Grenze des Devon vor.?)
2. Tornoceras mithrax Hall gehört der oberen Heldenberg-Gruppe, d. h. der Grenze des europäischen Unter- und Mitteldevon an und stimmt mit
1) Die Aechnlichkeit mit Oxyclymenia undulata (Leth. pal., pag. 127) ist natürlich auch gross.
2) Die genauere systematische Stellung von Tornoceras (?) inexpectatum Frech 1. c. mit seiner an Chei- loceras oxyacantha und globosum erinnernden Sutur bleibt wegen Mangels an besser erhaltenem Material vorläufig noch unbestimmt.
7
Fritz Frech. [26]
[a7 D
3. Tornoceras mithracoides Frech!) in allen wesentlichen Punkten überein, der dem tiefsten Oberdevon angehört und dessen Lobenlinien hier neben diejenigen der unterdevonischen Art gestellt werden,
Wir haben es also hier mit einer zwar selten und vereinzelt auftretenden, geologisch aber geschlos- senen Formenreihe zu thun, die stammesgeschichtlich älter ist als die übrigen bekannten zu Tornoceras gestellten Arten. Von diesem phylogenetischen Gesichtspunkt fasse ich trotz der Geringfügigkeit des gemeinsamen Merkmals?) (spitzer Aussensattel) die Gruppe als Untergattung auf. Allerdings kommt dazu,
Fig. 14. Epitornoceras und Pinacites.
a Tornoceras (Epitornoceras) Stachei Frech. Unterstes Devon. Zone des Tornoceras inexpectatum. Wolayer Thörl (Valentin-Thörl), karnische Alpen. Copie n. Frech. Z. deutsche geol. Ges. 1887, Taf. XXVIIL, Fig. ı1. b,, „ Tornoceras (Epitornoceras,) mithracoides Frech. Unterstes Oberdevon (Zone des Gephy- roceras Hoeninghausi u. Prolecanites lunulicosta). Eisenstein d. Grube Eibach b. Oberscheld. Copie n. Frech. c Pinacites (?) discoides Waldschm. sp. Oberstes Mitteldevon, Ense bei Wildungen. 1. Copie ». Waldschmidt, Zeitschr. deutsche geol. Ges. 1885, Taf. XXXIX, Fig. 3, pag. 920. 2. Vollständige Sutur eines etwas grösseren vom Verf. gesammelten Exemplars. d Pinacites Jugleri Fr. A. Römer sp. Mittel- devonischer Orthocerasschiefer v. Wissenbach im Reg.-Bez. Wiesbaden. Aeussere Sutur nach E. Kayser, auf der Innenseite der Nabelkante (N) bis zu dem Antisiphonalpol (A) ergänzt nach einem von Rupbach stammenden Exemplar des Breslauer Museums. e Tornoceras (Epitornoceras) irideum n. sp. Mitteldevonischer Orthocerasschiefer Wissenbach, Mus. Breslau (leg. C. Koch). Die Art scheint einen Uebergang von Epitornoceras zu Pinacites (d) anzudeuten.
') Geologie der Umgegend von Haiger (Dillenburg), Berlin 1887, Paleont. Anh. page. 30, Taf. II, Fig. ı. Hall Illustrations of Devonian Fossils. Albany 1876, Taf. LXIX, Fig. 7, Taf. LXXIV, Fig. 14. Diese Fig. 14 dargestellte Sutur stimmt zum Verwechseln mit der Fig. 145, dargestellten Lobenlinie von Epitornoceras mithracoides.
°) Die Unterschiede zwischen Tornoceras Escoti und Tornoceras simplex sind zweifellos ebenso gross, wie zwischen Tornoceras s. str. und Epitornoceras; in dem einen Falle handelt es sich aber um eine geologisch langlebige Gruppe, im anderen Falle um einen vereinzelten Ausläufer von kurzer Lebensdauer.
[27] Ueber devonische Ammoneen. 53
dass bei den mitteldevonischen Zornoceren nicht nur der Aussensattel besonders abgerundet, sondern auch
der Aussenlobus stets sehr kurz ist.
Epitornoceras irideum n. sp.
Die überaus flache Gestalt der Schale erinnert an Pinacites Jugleri, das an eine Irisblende erinnernde Ineinandergreifen der Lateralloben an Tornoceras Bertrandi, der spitze Aussensattel weist der Art ihren Platz neben Fpitornoceras müthracoides an. Die letztgenannte jüngere, in derselben Gegend vorkommende Art ist bauchiger und die Loben stehen in grösserer Entfernung von einander als bei Epitornoceras irideum.
Die neue Art, von der nur ein bis ans Ende gekammerter Pyritkern sich in der Breslauer Samm- lung befindet,!) stellt die geologische Verbindung der unterdevonischen Formen (Devon—Silurgrenze und Ober-Heldenberg) und der oberdevonischen Art her; Epitornoceras irideum stammt von Wissenbach und nach der Gesteinsbeschaffenheit wahrscheinlich aus der Zone des Aphyllites occultus.
Pinacites Mojs. em. Frech.
Scheibenförmig, genabelt oder ungenabelt. Ein breiter bogenförmiger Laterallobus wird aussen und innen von ziemlich spitzen Sätteln begrenzt. Der innere Sattel liegt bei der ungenabelten scheibenförmigen Art auf der Seitenfläche, bei der genabelten Art wenig unterhalb der Nabelkante; die letztere Art besitzt einen Antisiphonallobus, der der ersteren fehlt. Oberes Unterdevon und Mitteldevon.
Pinacites Jugleri A. Roem. Goniatites Jugleri, Kayser: Orthocerasschiefer, Jahrb. G. L.-A. für 1883, pag. 44, Taf. V, Fig. I—7 (Literaturangabe).
Die Beschreibung E. Kayser’s ist —- abgesehen von der Ergänzung der Lobenlinie bis zum anti- siphonalen Pol —- nicht hinzuzufügen.
Den Vergleich der Lobenlinie mit der vollständigen Sutur von Pinacites discoides zeigt als einzige Abweichung die Ausbildung eines Antisiphonallobus bei Pinacites discoides. Die verschiedene Lage des spitzen Seitensattels erklärt sich aus der Abflachung des Gehäuses von Pinacites Jugleri, dem eine Nabelkante fehlt. In Folge dessen rückt der bei Pinacites discoides unter der Kante liegende Seitensattel auf die Aussenfläche.
Vorkommen: Untere mitteldevonische Zone des Anarcestes subnauftilimus, Orthocerenschiefer und -Kalke von Westdeutschland und Böhmen, oberes Unterdevon, Greifenstein und Mnenian.
Eine directe Vergleichung von Originalexemplaren dieser verschiedenen Fundorte ist noch nicht ausgeführt; es handelt sich also vielleicht um verschiedene Arten, die das obere Unterdevon und das Mittel-
devon kennzeichnen.
Pinacites discoides Waldschm. sp.
1885. Goniatites discoides, Waldschm.: Z. d. geol. Ges., pag. 920, Taf. XXXIX, Fig. 3. 1855. ? Agoniatites discoides, Holzapfel: Schichten mit Maeneceras terebratum, pag. 67, Taf. IV, Fig. 13.
Die aus dem obersten Mitteldevon stammende, auch von E. Holzapfel als zweifelhaft bezeichnete Art gehört jedenfalls in die Verwandtschaft von Pinacites oder ist besser zu dieser Gattung selbst zu stellen. Der Laterallobus nimmt allerdings — wie bei Aphyllites |= Agoniatites) — die ganze Seitenfläche ein, wird aber, wie auch E. Holzapfel hervorhebt, von einem spitzen Nahtsattel begrenzt, was auf »generische Verschiedenheit« von Aphyllites hindeute. Die Präparation eines von mir gesammelten Exemplars ergab ferner unterhalb des schon bekannten Nahtsattels einen Antisiphonallobus.
Die Uebereinstimmung der Hauptmerkmale der Sutur mit Pinacites Jugleri unterliegt keinem Zweifel. Das bestimmt beobachtete Fehlen des Antisiphonallobus bei der älteren Art beruht darauf, dass die sehr
schmale Innensutur keinen Raum für Entwicklung von Complicationen bietet.
!) leg. C. Koch.
54 Fritz Frech. [28]
Pinacites discoides findet sich in den rothen Kalken an der Oberkante des Mitteldevon an der Ense bei Wildungen, wo ich drei Exemplare sammelte.
Maeneceras (Hyatt nom.) Holzapfel em.
Involute Formen mit langer Wohnkammer, einem winkelig begrenzten Laterallobus und einem breiten, meist durch einen Adventivlobus getheilten Externsattel. Oberes Unterdevon und Mitteldevon. Die von Hyatt auf heterogene Arten basirte Gattung ist erst von E. Holzapfel genau erforscht und begrenzt worden.
Maeneceras Koeneni n. sp. af. EV, Bier 10.
In den weissen und grauen unterdevonischen Kalken des Pic de Cabrieres findet sich — als häufigster Goniatit — ein Maeneceras, das im Vergleich mit den Arten des höheren Mitteldevon (Maeneceras terebratum) auf einer niedrigen Stufe der ART Die Vergleichung der Lobenlinie Lobenentwicklung verblieben ist. Die Be- iS mit den drei letzten Entwicklungsstadien erenzung des Extern- und Seitenlobus ist we von Maeneceras terebratum zeigt, das winkelig, aber ein Adventivlobus ist nicht n Maeneceras Koeneni nicht als directer zur Ausbildung gelangt und andererseits Nr Vorläufer von NMaeneceras terebratum ist der Externlobus stärker verlängert. Dass FRA anzusehen ist. Die Abzweigung müsste
\
ein typisches Maeneceras vorliegt, beweist vielmehr, wenn man einen gemeinsamen
u. a. die Innensutur, welche aus einem Maeneceras tere- Ursprung annimmt, noch vor der Ausbil- bratum Sandb.
Ob. Mitteldevon.
Suturentwicklung kugelig beginnt und bei erwachsenen nach Holzapfel. plieirte Suturentwicklung auf ein hohes
Exemplaren scheibenförmig wird. geologisches Alter der Gattung hin, was
mit der Beschaffenheit der im unterdevonischen Kalke des Pic de Cabrieres vorkommenden Brachio-
breiten Innenlobus und ebensolchen Seiten- dung; des ältesten dargestellten Stadiums
loben besteht, und die Schalenform, welche erfolgt sein. Jedenfalls deutet diese com-
poden gut übereinstimmt.
3. Familie: Gephyroceratidae Frech!) umfasst Formen von complicirter, sehr verschiedener Lobenentwicklung, denen sämmtlich
1. kurze Wohnkammer (1/,—°/, Umgang), 2. tiefe Rückenausbuchtung des Mündungssaums und der Sculptur, 3. Anlage eines tiefen Externlobus in den ersten Entwicklungsstadien gemeinsam ist.
Während die beiden ersten Merkmale in allen Altersstadien beobachtet werden, erfolgt später bei den verschiedenen Zweigen des Stammes eine Differenzirung zu
4A) einer Lobenlinie mit einem breiten, fast die ganze Seitenfläche einnehmenden Lateralsattel und zwei Seitenloben, sowie zuweilen einem Auxiliarlobus:
Unterfamilie: Primordialinae Beyr. (Hyatt). B) einer aus zahlreichen Adventiv- und Auxiliarloben, sowie spitzen Satteln bestehenden Entwicklung
mit scheibenförmiger Schale: Unterfamilie: Beloceratinae Frech em.
C) einer aus zwei zugespitzten Seitenloben und gleichartigen Sätteln, sowie meist zahlreichen Auxiliar- loben bestehenden Entwicklung ; Schale meist evolut, zuweilen kräftig sculpturirt:
Unterfamilie: Prolecanitinae (A. Hyatt) em. Frech.
!) Der Name soll gleichzeitig an die am einfachsten organisirte Gattung und an die Uebergänge (yzybpz erinnern, die im Jugendstadium zwischen den später stark divergirenden Zweigen bestehen.
[29] Ueber devonische Ammoneen. 55
a Gephyroceras s. str.) gerolsteiniense Steining. sp. Museum Breslau. b Gephyroceras intumescens mut. orbiculus Beyr. (Manticoceras) Museum Breslau. c Gephyroceras complanatum Sdb. sp. (Manti- coceras) Coll. Frech. a—c Goniatitenmergel, Z. d. Gephyroceras intumescens Büdesheim, Eifel. !/. d,—d, Timanites acutus Keys. Unt. Oberdevon, Petschoraland. Lobenentwicklung nach Holzapfel. d, vergr. d,, d;, Y'ı. e Gephyroceras Hoeninghausi L. v. B. (= lamellosum Sdb.) Tiefstes Ober- devon, Goniatitenmergel des Japhethügels b. Cabrieres. Sutur eines erwachsenen Exemplares (!/,), die dem Stadium d, bei Timanites entspricht. f Timanites (Probeloceras) Iynx Clarke. Unt. Oberdevon (Naples beds) Staat New-York A. Clarke. !/;. g Timanites (Probeloceras) ex. aff. Probeloceras Iynx Clarke. Unt. Oberdevon (Goniatitenmergel) Büdesheim e, gleg. Frech. '/,. ı Timanites (Probeloceras) multiseptatus L. v. Buch sp. Original L. v. Buch’s. Fundort unbekannt (? Büdesheim) N. Holzapfel, Schichten mit Maeneceras terebratum, pag. IIS. !/;; 2 Dimorphoceras (Anthracoceras) discus Frech. Sudetische Stufe (Unt. Obercarbon), Carolinengrube, Oberschlesien N. Leth. palaeoz. Taf. 46b, Fig. 6b; Innensutur nach einem zweiten Exemplar.
d) Wie c, aber der bei c einfache Externlobus ist stets dreispitzig und der erste Laterallobus meist gezackt. Pronorites (Uebergangsgattung).!)
Das geologische Alter der drei Unterfamilien reicht ziemlich weit zurück; das älteste Beloceras ist aus dem Unterdevon, die ältesten Arten von Prolecanites und Gephyroceras aus dem Mitteldevon bekannt (während Pronorites — Ibergiceras auct. sich erst im Carbon von Prolecanites abzweigt). Eine directe Ableitung aus einer geologisch älteren Wurzel ist also bei den ersten drei Gruppen bisher nicht bekannt. In den meisten Uebersichten (so auch von mir Lethaea palaeozoica, pag. 126) wurden die drei Unterfamilien somit als selbstständige Familien aufgefasst. Ich glaube jedoch jetzt nach Feststellung einer Lobenform als
des gemeinsamen Ausgangspunktes, dass die Zusammenfassung zu einer Einheit den natürlichen Verhältnissen
besser entspricht.
') Pronorites selbst gliedert sich wohl am besten den Prolecanitinae ein und besitzt wie diese in den ersten Stadien einen tiefen Externlobus, lässt aber, wie bekannt, in der Dyas einen durchaus selbstständigen Zweig der Medlicottiidae mit Medlicottia, Parapronorites, Prosageceras, (= Propinacoceras + Sicanites) Daraelites, Pseudosageceras, in der Trias mit Sageceras hervorgehen. Diese letzteren bilden jedenfalls wieder eine selbstständige systematische Einheit, die man in Anlehnung an die gebräuchliche Nomenclatur als Familie oder mit E. Haug als Phylum bezeichnen kann. Für den Verfasser sind beide Namen gleichbedeutend. Auf der Taf. LIXD, Fig. ıı der Lethaea palaeozoica ist Daraelites in Folge eines Druckfehlers als Subgenus von Prosageceras bezeichnet worden; es soll Pronorites heissen.
56 Fritz Frech. [30]
Im Gegensatz zu der Ausbildung eines tiefen Externlobus zeigen die in Seulptur, Mündungsform und Wohnkammerlänge übereinstimmenden Aphyllitiden zuerst die Tendenz zur Ausbildung eines Lateral- lobus. Die Cherloceratidae weichen in Wohnkammerlänge (mehr als ein Umgang), Sculptur und Mündungs- form von Gephyroceratiden und Aphxllitiden erheblich ab.
a b N e > Ei a a An u N
= NH
Tr
Embryonale Suturentwicklung vonPrimordialinen (a,b) und Prolecanitinen (c,d,e). Gephyro- ceras (a) und Timanites (b). N. Holzapfel, Beide unt. Oberdevon. c) Pseudarietites silesiacus n. g. n. sp. Ob. Clymenienkalk Ebersdorf. (Vergl. Textb. 22.) '/,. Endgiltige Sutur, übereinstimmend mit den Embryonalsuturen der älteren Formen: d) Triainoceras costatum. Unt Oberdevon. !/,. Dillenburg. e) Prolecanites tridens Sandb. Unterstes Oberdevon. ®,. Dillenburg. (Vergl. Textb. 21.)
I. Unterfamilie Primordialinae. Gephyroceras (Hyatt) Holzapfel und
Manticoceras (Hyatt) Holzapfel. Vergl. Holzapfel: Cephalopoden der Domanik, pag. 17—21 und pag. 27.
In einer Revision der beiden unhaltbaren oben genannten Hyatt’schen Namen hat E. Holzapfel in durchaus zutreffender Weise auf einen Unterschied hingewiesen, der auf den obenstehenden Lobenlinien von oberdevonischen Goniatiten erläutert wird.
Die Sutur ist auf der Aussenseite bei beiden Gruppen gleich, auf der Innenseite besitzt Gephyroceras Holzapfel non Hyatt (Fig. 16a) einen Antisiphonallobus, Manticoceras Holzapfel non Hyatt (Fig. 1656,c) einen Antisiphonal- und zwei Seitenloben.
Die Unterschiede lassen sich auch bei Büdesheimer Zwergformen nachweisen, dürften aber wohl nur den systematischen Werth von Gruppen oder Untergattungen bedingen. Ein Vergleich mit Gephyro- ceras Hoeninghausi zeigt z. B., dass diese Art trotz einer mit Gephyroceras complanatum übereinstim- menden Schalenform einen schmäleren Seitensattel, aber viel tiefere und breitere Seitenloben, sowie die An- deutung eines Nahtlobus besitzt. Das wäre also eine dritte, auf die Lobenform zu begründende Formenreihe innerhalb von Gephyroceras in weiterem Sinne (Fig. 16e).
Der Name Gephyroceras (Hyatt) Holzapfel ist am besten für die Gesammtheit beizubehalten,
weil die am wenigsten complieirte Schalenform den natürlichen Ausgangspunkt bildet.
1. Gephyroceras (mit einem Antisiphonallobus) im engeren Sinne, das in Amerika gänzlich fehlt, ist in Deutschland selten und wird hier in dem tiefsten Oberdevon durch Gephyroceras aequabile Beyr. und planorbis Sandb. vertreten; wahrscheinlich gehört auch Gephyroceras forcipifer Sandb. hierher. Ein typischer Vertreter der Gruppe ist endlich Gephyroceras gerolsteiniense Steining.,!) die einzige in die
!) Steininger: Eifel 1853. Taf. I, Fig. S, pag. 43. Die ganze Seitenfläche wird von dem ziemlich runden Seitensattel eingenommen
[32] Ueber devonische Ammoneen. 57
Zone des Gephyroceras intumescens hinaufreichende Art. Dieselbe ist in den Büdesheimer Gontatiten- Mergel ausserordentlich selten, und unterscheidet sich durch breitere Umgänge von den evoluten, aber schmalen älteren Arten. (Taf. II, Fig. 8.)
Die Hauptentwicklung der Gruppe im Domanik-Horizont des Petschoralandes (12 Arten!) hat E. Holzapfel eingehend beschrieben. Ein durch besonders schöne Entwicklung der stark verlängerten Ohren ausgezeichnetes Stück von Gephyroceras uchtense wurde hier auf Taf. II, Fig. 7 abgebildet.
2. Manticoceras Holzapfel (non Hyatt) mit zwei inneren Seitenloben ist als Untergattungs- oder
Gruppenname!) beizubehalten und zerfällt:
a) in die Untergruppe des Gephyroceras intumescens mit grossem und breitem Seitensattel
und kleinen Seitenloben ;
b) in die sehr wenig zahlreiche Untergruppe des Gephyroceras Hoeninghausi mit kleinerem Seitensattel, grösseren Seitenloben und Andeutung eines Nahtlobus. (Uebergang zu Timanites (s. unten) ?)
Der Formenreichthum der so gut wie ausschliesslich?) in der deutschen und südfranzösischen Zone des Gephyroceras intumescens (Manticoceras) angehäuften Arten lässt sich tabellarisch wie folgt (auf Seite [32], 58) versinnbildlichen.
Für die Bestimmung der im Vorstehenden aufgeführten Arten sind vor Allem die Tafeln 6—-9 in den Versteinerungen Nassaus der Gebrüder Sandberger sowie die Untersuchungen von E. Holzapfel) in Betracht zu ziehen.
Nur die Abbildung von Gephyroceras prumiense Steining. (Taf. II, Fig. 6), einer am Martenberg, bei Adorf und bei Büdesheim ausserordentlich selten vorkommenden Art, möge beigefügt werden. Dieselbe ist zuerst bei Steininger, Geogn. Beschreibung der Eifel, Taf. I, Fig. 5, nicht sonderlich deutlich abgebildet worden und ist offenbar die durch starke Sculptirirung der Aussenseite gekennzeichnete (»trachyostrake«) Nebenform von: Gephyroceras intumescens.
Was dieHäufigkeit der Formen anlangt, so sind in den westdeutschen und französischen (mir fast durchweg aus eigenen Aufsammlungen bekannten) Fundorten Gephyroceras complanatum (2) und intu- mescens (3) am verbreitetsten und häufigsten; auch Gephyroceras affine und calculiforme finden sich ziemlich überall. Die Formen der drei von der Hauptreihe abzweigenden Nebenreihen sind ebenso wie das extrem ausgebildete Gephyroceras acutum viel weniger verbreitet und an den Fundorten selten. (Gephyroceras prumiense). Das Vorkommen von Gephyroceras in den verschiedensten Facies weist auf pelagische, freischwimmende Lebensweise hin. Gephyroceras, dem an Verbreitung kaum Tornoceras gleichkommt, findet sich ı. in rothen Goniatiten-Kalken, 2. in grauen Goniatiten-Kalken (Domanik des Timan und Naples beds, N.-York), 3. in schwarzen bituminösen Gonzatiten-Kalken, 4. in Kramenzel-(Knollen-)Kalken (Chudleigh, Devonshire), 5. in Goniatiten-Mergeln (grau mit verkiesten Kernen: Typus Büdesheim; roth ohne Pyrit: Typus Saltern Cove bei Torquay), 6. in grauen, Brachiopoden und Korallen führenden Mergel- kalken Belgiens (»Frasnien« von Nismes), 7. in reinen weissen Korallenrifikalken (Iberg bei Grund im Harz).
Die carbonischen Nachkommen der Gephyroceratiden sind Nomismoceras und Dimorphoceras, beziehungsweise Thalassoceras. Bei Nomismoceras (Lethaea palaeozoica, Taf. XLVIa, Fig. 8 a—f) stimmen Sculptur, Wohnkammerlänge und Mündungsrand sowie die Sutur so vollkommen mit Gephyroceras (Mantico- ceras) überein, dass ein Zweifel über den Zusammenhang nicht möglich ist. Gleichzeitig und unabhängig
1) Im Sinne früherer Ausführungen (Lethaea palaeozoica, Dyas, pag. 482, Anm.) in Klammern hinter dem Species- namen beizufügen: Gephyroceras intumescens Beyr. (Manticoceras).
2) Wollte man auf Grund des zweifellos vorhandenen Unterschiedes Manticoceras intumescens und Verwandte als Gattung von Gephyroceras s. str. trennen, so müsste folgerichtig auch I. Gephyroceras Hoeninghausi, 2. Aganides praecursor (ohne die inneren Seitenloben von Aganides sulcatus), 3. Cheiloceras oxyacantha (mit Antisiphonallobus, der bei Cheiloceras subpartitum fehlt) ete. etc. als Gattung unterschieden werden.
3) Vereinzelte, nicht sicher bestimmbare Exemplare liegen in den Cubodes-Kalken bei Büdesheim; ein Gephy- roceras (Manticoceras) ist bei Nehden gefunden worden.
4% Die Goniatiten-Kalke in Adorf (Paläontogr. 28, pag. 15—22 mit Nachträgen). Ueber die Namengebung von Gephyroceras intumescensBeyr. = primordialis, 1. c. pag. 27), siehe Cephalopoden der Domanik im südlichen Timan, pag. 17. b)
Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns, Bd. XIV,
Fritz Frech.
58
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[33] Ueber devonische Ammoneen. 59
von dem Verfasser hat Fig. 18. seits erkennen: Aller-
E. Haug dieselbe An- Querschnitte der Umgänge von Gephyroceras (Manticoceras) dings sind die ein’
schauung begründet. aus der Zone des Gephyroceras intumescens {Unt. spitzigen Bohenendr: 2 ie
Hingegen glaube ich gungen von Gephyro-
nicht, dass sich, wie 4 ceras bei den jüngeren derselbe Forscher an- Formen zwei- und drei- deutet, ein genetischer spitzig geworden. Viel Zusammenhang von grösser ist dagegen die Dimorphoceras und Uebereinstimmung von Tornoceras nachwei- Anthracoceras aus der sen lässt. Gerade unteren oberschlesi- zwischen den hoch- differenzirten — bisher wenig bekannten — Tornoceratiden, (Tor- noceras Escoti und
schen Steinkohlenfor-
mation, dessen Sutur oben in ergänzter Form
©
neu gezeichnet ist. Hier ist die Sutur von Ge- phyroceras im Ganzen fast unverändert ge- blieben ; nur ein kleiner Nahtlobus ist hinzu- gekommen. Extern- und Internseite, sowie
a Gephyroceras acutum Sandb. (sehr seltene, nur in West- deutschland vorkommende Art). N. Sandberger. b Ge- phyroceras complanatum Sandb. (= Gephyroceras intu-
Pseudoclymenia) einer- seits und Dimorpho- ceras andererseits be- steht keinerlei Aehn- lichkeit.
Hingegen lässt sich ein Zusammen- der grosse Seitensattel
hang zwischen Dimor- sind übereinstimmend
bhoceras (beziehungs- mescens F. Roem et auct. Orig. zu Lethaea geognostica. gebaut; noch näher weise Thalassoceras) 3. Aufl. Taf. I, Fig. 15). Korallenkalk des Ibergs bei steht die Art Timani- discrepans u. Looneyi, Grund (Mus. Breslau). Häufigste Art. c Gephyroceras tes, das nur einen Naht-
intumescens E. Beyr. s. str. (= Gephyroceras primor- e 5 dialis auct.) N. Sandberger. Ebenso verbreitet aber weniger Taf. ul b, iz: > häufig als c. d Gephyroceras affine Steining. Pic de und 11) einerseits und Cabrieres leg. F. Frech. (Selten, aber verbreitet). Gephyroceras anderer- so gross (mittleres
Oberdevon bis Unteres Obercarbon), so könnte man versucht sein, Anthracoceras als Subgenus zu Tima-
lobus mehr besitzt. Wäre der geologische
Lethaea palaeozoica,
Zeitunterschied nicht
nites zu rechnen. Timanites (Mojs.) em. Holzapfel — Hoeninghausia Gürich. (Lobenzeichnung oben, pag. 55, Taf. II, Fig. 2, 3.) Scheibenförmig, meist scharfkantig. Sutur von Gephyroceras (insbesondere Gephyroceras Hoening- hausi) durch Ausbildung eines Auxiliar- und eines Nahtlobus verschieden. Wohnkammer = 2 Umgang.
Tiefstes Oberdevon. Typus: Timanites acutus Keys.
Subgenus: Probeloceras Clarke em. Wie Timanites, aber Sättel spitz; der zweite (nicht wie bei der Hauptgattung der erste) Lateralsattel ist am grössten; ein Adventivlobus. Unteres Oberdevon. Typus: Probeloceras Lutheri Clarke.
Timanites Hoeninghausi Arch. Vern. sp. Taf. II, Fig. 9.
Goniatites Hoeninghausi, Archiac et de Verneuil: Description of fossil Mollusca bei Sedgwick and Murchison, Distribution and classification of the Palaeozoic deposits of the North of Germany etc. Transactions Geol. soc. of London, 2. ser, Vol. VI, Taf. 25, Fig. 7 (non Goniatites Hoeninghausi L. v. Buch, Bronn’s Lethaea geogn. 3. Aufl. Taf. Lf, pag. 515. Vergl. Frech: Lethaea palaeozoica 2, pag. 165, wo die Zugehörigkeit dieser Art zu Gephy- roceras nachgewiesen wird), 8*
60 Fritz Frech. [34]
Die Aehnlichkeit der in demselben tiefsten Horizonte des Oberdevon vorkommenden, oben citirten Arten 1. Timanites Hoeninghausi Arch. Vern. sp. und 2. Gephyroceras Hoeninghausi L. v. Buch sp. hat die Erkennung der letztgenannten wichtigen Form erschwert. Z. B. ist das Taf. II abgebildete Stück in der Sammlung der geologischen Landesanstalt von E. Kayser als Gephyroceras sublamellosum Sandb. bezeichnet worden. Auch E. Haug (Etudes, pag. 45) rechnet die beiden Arten zu derselben Gattung.!)
Doch zeigt ein Blick auf die obenstehenden Lobendiagramme, dass Gephyroceras Hoeninghausi (— lamellosum Sandb.) unmittelbar neben die Gruppe des Gephyroceras intumescens Beyr. (Manti- coceras) gehört.
Die Speciesunterschiede von Timanites acutus Keys.’) und Hoeninghausi beruhen sowohl in der abweichenden Lobenform, wie in der mehr evoluten Gestalt der westeuropäischen Art. Auch das abge- bildete Stück unterscheidet sich durch spitzere Sättel von dem Original Archiac’s und Verneuils. Doch scheint letzteres etwas abgerieben zu sein, während unser Exemplar ein natürlicher Steinkern ist, an
dem die Loben und Sättel somit eine ungewöhnlich gute Erhaltung zeigen.
Ein Exemplar des von Holzapfel eingehend beschriebenen Timanites acutus Keys. aus dem Petschoraland habe ich Taf. II, Fig 3 abbilden lassen, da der Mündungssaum besser erhalten ist als auf irgend einem anderen bisher bekannten Vertreter der Gattung. Der Steinkern der Wohnkammer zeigt Eindrücke der Anwachsstreifen, welche dem Mündungssaum durchaus parallel verlaufen, sowie spirale Furchen
von unbeständigerer Form.
Die Bedeutung des abgebildeten Stückes von Timanites Hoeninghausi liegt nicht auf der paläontolo- gischen Seite, die durch Holzapfel’s Beobachtungen (Gephalopoden der Domanik, pag. 43) vollkommen geklärt ist, sondern in dem geologischen Auftreten: Timanites kennzeichnet überall die tiefste Zone des Ober-
devon im Liegenden der Zone mit Gephyroceras intumescens s. str. und Beloceras multilobatum.
Man darf somit auch den Schluss ziehen, dass das Zusammenvorkommen von Timanites mit Gephyroceras s. str. (Gephyroceras uchtense, bisulcatum, Tschernyschewi, regale) am Timan darauf hindeutet, dass hier vornehmlich der tiefste Horizont des Oberdevon entwickelt ist, ohne dass die höhere Zone des Gephyroceras (Manticoceras) intumescens fehlt.
Auch in den Dillenburger Eisensteinen kommen neben Timanites vornehmlich Arten der Gattung Gephyroceras s. str.: Gephyroceras aequabile und planorbis vor.
Probeloceras Clarke. (Lobenzeichnung oben, pag. 55.)
Die Gattung Probeloceras, deren Beschreibung durch J. M. Clarke fast gleichzeitig mit der ein- gehenderen Darstellung von Timanites veröffentlicht wurde, steht Timanites Hoeninghausi so nahe, dass die Bezeichnung als Untergattung von Timanites die verwandtschaftlichen Beziehungen wohl am besten ausdrücken würde. Den einzigen wesentlichen Unterschied bildet das Vorhandensein eines ziemlich grossen Adventivlobus bei Probeloceras, der Timanites fehlt.
Das Vorkommen eier ausserordentlich seltenen, mit dem New-Yorker Probeloceras Iynx Clarke nahe verwandten Form in den Goniatiten-Schiefern von Büdesheim sei hier kurz erwähnt, Das Stück lag als unbestimmbar seit langer Zeit in meiner Sammlung, bis sich durch Vergleich mit den Abbildungen Clarke’s die nahe Beziehung ergab. Leider liegt nur dies Bruckstück eines scheibenförmigen Goniatiten aus der Eifel vor, dessen genauere Bestimmung unthunlich ist. Hierher &ehört wahrscheinlich auch der vier- bis fünfmal so grosse Goniatites multiseptatus L. v. B., dessen Lobenzeichnung (nach Holzapfel)
‘) Haug ist dadurch natürlich zu einer Aenderung des Artnamens (Timanites Archiaci Gürich, wie bei Gürich: Poln. Mittelgebirge, pag. 348) veranlasst worden, — Aeltere Angaben Hyatt’s über die schwer zu deutende Art haben die Sachlage nicht geklärt. Vergl. auch Beyrich: Zeitschr. D. geol. G. 1884, pag. 211.
°) Das von Gürich aus dem polnischen Mittelgebirge (l. c.) erwähnte, nicht ganz sicher bestimmbare Bruch- stück steht jedenfalls dem russischen Timanites acutus näher als der westeuropäischen Form,
[35] Ueber devonische Ammoneen. 61
beigefügt wird. Die Art ist zwar mit Probeloceras Iynx nicht ident, aber doch verwandt und das Vorkommen im Oberdevon somit wahrscheinlich.!)
2. Unterfamilie: Beloceratinae Frech.
Scheibenförmig, mit spitzen Satteln und zahlreichen Adventiv- und Auxiliarloben (pag. 5—6). Devon:
Eine Ableitung des nach den bisherigen Erfahrungen älteren Beloceras von Probeloceras ist nicht nachweisbar.
Beloceras Hyatt. Beloceras praecursor n. sp. Taf. IV, Fig. ı1.
Von den gleich grossen Exemplaren des Beloceras multilobatum unterscheidet sich die geologisch viel ältere, aus dem tiefsten Unterdevon der karnischen Alpen stammende Art durch unerhebliche Unterschiede:
1. Die Adventivloben XXXIla, Fig. 9) abgebildeten sind weniger spitz als bei Belo- Fig. 19 Exemplares (dessen Lobenzeich- ceras multilobatum. nung dort nicht ganz correct
2. Die Auxiliarloben war) ist zur Vergleichung im
N
sind grösser als bei Beloceras Texte wiederholt worden und
multilobatum. Beloceras multilobatum Beyr. Unt, lässt die Geringfügigkeit de Oberdevon (Z.d. Gephyroceras intu- mescens). Rother Kalk des Pic de Cabrieres. Eine schwarz ausgetuschte Kammer eines erwachsenen Exem-
3. Die gesammte Zahl Unterschiede klar hervortreten.
der Suturelemente (Io) ist etwas Wenn auch bei Brachio-
geringer als bei Beloceras mul- poden einzelne Arten durch eine
tilobatum (etwa 13). plares. Gesammelt vom Verf. Verel. noch grössere Schichtenmächtig- Die Sutur des in der Taf. IV, Fig. 11. keit (Untersilur bis Oberdevon?) Lethaea palaeozoica (Taf. oder Untercarbon)°) unverändert
hindurchgehen, so steht doch wohl die lange Lebensdauer eines verhältnismässig complicirten Typus wie Beloceras unter den Ammoneen einzig da.
Ich würde das Vorkommen von Beloceras praecursor an der Basis des Devon durch tektonische Verschiebungen erklären, wenn nicht das deutliche Profil des Wolayer Thörls (aus dem Beloceras praecursor stammt) als die normale Schichtenfolge in den karnischen Alpen allgemein anerkannt wäre. Das graue Gestein, in dem das von mir aus dem Anstehenden herausgeschlagene Exemplar liegt, enthält ferner Anar- cestes, Aphyllites und das obersilurische Cyrfoceras miles Bam. (E,)*) sowie zwei Tornoceras-Arten. Die Mischung jüngerer und älterer Typen kennzeichnet also die ganze Fauna.
Die einzige Möglichkeit, die lange Lebensdauer von Beloceras zu verstehen, beruht wohl in der Annahme, dass benthonisch lebende Formen längere Lebensdauer besitzen als pelagische Schwimmer.
Alle sonst zu Beloceras gehörenden Formen: Beloceras multilobatum Beyr. und das evoluter gebaute Beloceras Kayseri Holzapfel gehören dem unteren Oberdevon an.
Der zuweilen als Beloceras bezeichnete Goniatites multiseptatus L. v. Buch gehört zu Timanites, bezw. Probeloceras (s. 0.).
3. Unterfamilie Prolecanitinae Frech.
Wohnkammer kürzer als ein Umgang, Sculptur und Mündung mit Seitenohren und tiefem Rücken- ausschnitt. Sutur mit tiefem Extern- und Antisiphonallobus, meist mit zahlreichen äusseren und inneren Seiten- und Auxiliarloben.
‘) Der Fundort des grossen in Pyrit verwandelten Bruchstückes ist unbekannt. 2) Atrypa reticularis.
®) Leptaena depressa, bezw. Leptaena analoga.
*), Frech, Karnische Alpen, pag. 247.
A. Externlobus einspitzig.
1. Prolecanites Mojs. (+ Phar- ciceras Hyatt + Schistoceras Hyatt). Sculptur nur aus Anwachsstreifen bestehend. Externlobus weniger tief als bei den übrigen Gattungen. Auf der Aussenseite stets mehr als zwei (bis zu 5) Hilfsloben,!) deren Zahl mit der Zunahme der Involution wächst. Auch die Innenseite zeigt neben dem tiefen und spitzen Antisiphonallobus je
ı—2 Seitenloben. Öberstes Mittel-
devon bis Carbon.
2. Phenacoceras nov. gen. (= Cycloclymenia Gümbel). Extern- lobus und erster Seitenlobus sehr tief, zweiter Seitenlobus kleiner, ein tiefer Nahtlobus vorhanden.?) Ganz evolut, Windungen breit, nur berüh- rend. Sculptur aus feinen scharfen Streifen auf der Seite und einem
1) Nur bei dem ganz evoluten Prolecanites Lyoni liegt zwischen den zwei Seitenloben und dem Antisiphonal ein einziger Nahtlobus. Hingegen zeigt Prolecanites clavilobus (ganz involut, Taf. II, Fig. 10) 5 Hilfsloben, Prolecanites lumulicosta 3, Prolecanites Becheri (Taf. ]I, Fig. 12) 2—3 (je nach der Grösse), Prole- canites applanatus ı—2 und nur Prole- canites Lyoni 1 Hilfs- (bezw. Naht-)lobus. Wer auf diese Zahlenverhältnisse und den Grad der Involution systematischen Werth legt, darf nicht 3 Gattungen (Prolecanites, Schistoceras, Pharciceras), sondern muss 10 unterscheiden: Auf der einen Seite steht Prolecanites Lyoni mit einem, aur der anderen Seite Prolecanites clavilobus mit 5 äusseren + ca. 3 inneren (= 8) Suturelementen zwischen Antisiphonal- und äusseren Seitenloben. Prolecanites lunulicosta besitzt 3 + 2, Prolecanites tridens 2 -- 2, Prolecanites applanatus ı + I Lobus in derselben Lage. Aller- dings würde ein Theil dieser »Gattungen« nur durch Wachsthumsstadien verkörpert werden. Denn wie ein Blick auf die Loben- entwicklungen zeigt, erfolgt die Ein- schiebung neuer Innen- und Hilfsloben Schritt für Schritt mit dem Wachsthum des betreffenden Exemplars.
2) Innensutur unbekannt.
Fritz Frech.
Loben von: a Pseudarie- tites silesiacus nov. gen. nov. sp. (= Goniatites tuberculoso-costatus Tietze non auct.). Neu präparirtes Original- exemplar Tietze’s. Cly- menienkalk, Ebersdorf. Mus. Breslau. Sutur eines ausgewachsenen Exemplars, entsprechend den Anfangswindungen von Triainoceras und Prolecanites. b Phenaco- cerasplanorbiformeMstr. sp. (Clymenia bezw. Cycloclymenia planorbi- formis Mstr. bez. Gümb.) Clymenienkalk, Gatten- dorf. Originalexemplar Gümbel’s; neu präparirt. c Triainoceras costatum Arch. Vern. em. Unterstes Oberdevon, Dillenburg. Mus. Berlin. Entwick- lungsformen eines Exem- plars. c, Aufgewickelte vollständige Sutur einer Anfangswindung. c, In- nensutur des auf c, fol- genden Umgangs. c; Aussensutur desletzten Umgangs. c, Querschnitt des auf c, dargestellten Umgangs. d Pronorites mixolobus Sandb. Unter- carbon (Posidonienschie- fer) Nassau. Nach Sand- berger. Sämmtliche Sutu- ren sind in natürlicher Grösse gezeichnet. .
[36]
flacheren Rückensinus bestehend. Cly- menien-Kalk, ı (oder 2) Arten.
3. Pseudarietites nov. gen. (Sutur s. 20a). Schalenform und Sculptur Arietites ähnlich, d. h. evo- lut, kräftig gerippt mit einem dem Sceulptursinus entsprechenden Kiel auf der Aussenseite. Sutur?) aus einem tiefen Externlobus und einem breiten, Seitenlobus bestehend. ı (oder 2) Arten im Clymenien-K alk.
Die Sutur entspricht, wie ein Blick auf die
zeigt, dem Embryonalzustand von
winkeligen
Lobenentwicklungen
Triainoceras und Frolecanites. Die Sculptur der Aussenseite steht hin- gegen auf einem Stadium weitgehender Differenzirung.
B. Externlobus dreispitzig.
4. Triainoceras Hyatt em. Frech —- Sandbergeroceras Hyatt‘) (Sutur s. oben). Schale evolut mit kräftigen Seitenrippen und zwei Furchen auf der Aussenseite (dem Externsinus entsprechend). Der dreizackige Sipho- nal- und erste Laterallobus tief; die drei übrigen tragen den Charakter von Hilfsloben. Internseite mit einem Sipho- nal- und zwei, beinahe gleich langen Seitenloben. Nur eine Art aus dem tiefsten Oberdevon bekannt.
5. Pronorites (Mojs.) em. Aussenseite gestreift, Externlobus drei- spitzig, wenig tief eingesenkt (Pro- norites mixolobus). Seitenloben theils wie bei Prolecanites, theils durch Zweispitzigkeit der Lateralloben com- plieirt. Carbon.
») Nur Aussenseite bekannt.
*, Auf die Identität der beiden Gattungen hat Holzapfel in zutreffen- der Weise hingewiesen. »Triainoceras« costatum Arch. Vern. (Fig. 3c) entspricht der ausgewachsenen Art, »,Sandberger- oceras« tuberculoso-costatum Sandb. ist ein wahrscheinlich etwas ungenau ge- zeichnetes, zwischen c, und ©, stehendes Entwicklungsstadium.
[37] Ueber devonische Ammoneen. 62
Systematische Einzelheiten: a) Phenacoceras.') Phenacoceras planorbiforme Mstr. sp.
Clymenia planorbiformis Mstr. sp. (Sutur s. oben): Litteratur und eingehende Beschreibung bei Gümbel:
Clymenien des Fichtelgebirges, pag. 166, Taf. XXI, Fig. 6. (Cycloclymenia).
Auch mir liegen nur die beiden von Gümbel gut abgebildeten Originale des Grafen Münster vor (Paläont. Museum München, aus grauem Clymenien-Kalk von Gattendorf). Da die Gümbel’sche — an sich durchaus correcte — Lobenzeichnung von einer stark abgeschabten und angeätzten Stelle stammt, so versuchte ich mit grösster Vorsicht die Sutur an einem anderen, weniger mitgenommenen Theile der Aussen- windung freizulegen und fand hier vier offene Externloben hintereinander, so dass ein Zweifel an der Zu- gehörigkeit der Form zu den Goniatiten ausgeschlossen ist. Die Sutur tritt in dem grauen Kalke im Allgemeinen nicht sehr deutlich hervor und Gümbel hatte daher den Umgang so weit abgeschabt, bis der offene Siphonallobus sich wieder geschlossen hatte. Die Beobachtung Gümbel’s, der einen internen Sipho — allerdings nur im Querschnitt — abbildete, bezieht sich auf den Antisiphonallobus.
Phenacoceras ? paradoxum Tietze (non Mstr.) sp. Taf. I, Fig. 5.
Die Originale der dreieckigen, ganz eigenthümlichen Clymenia paradoxa Mstr. (vergl. auch die Copie in Lethaea palaeozoica Taf. XXXVI, Fig. 5) waren weder in dem Paläontologischen Museum in München, noch im Museum für Naturkunde in Berlin wieder aufzufinden. Die genauere generische Bestimmung der eigen- artigen Form muss also zweifelhaft bleiben.
Hingegen liegen mir zwei Ebersdorfer Stücke aus dem letztgenannten Museum vor, die Tietze wegen kleiner Unregelmässigkeiten, die das innere Gewinde zeigt, als Clymenia paradoxa beschrieben, jedoch nicht abgebildet hat. Da jedoch die äusseren Windungen vollkommen rund sind, wird man dieselben jeden- falls von Clymenia paradoxa Mstr. abtrennen müssen. An der nahen Verwandtschaft dieser Stücke mit Phena- coceras planorbiforme Mstr. sp. ist nicht zu zweifeln, obwohl die Sutur nicht erhalten ist. Phenacoceras ? baradoxum Tietze sp., wie ich die Art vorläufig bezeichne, besitzt dieselben feinen Anwachsstreifen, die- selben evoluten, breit niedergedrückten Windungen wie Phenacoceras planorbiforme und unterscheidet sich
nur durch die Unregelmässigkeit der inneren Umgänge.
b) Pseudarietites.
Pseudarietites silesiacus nov. gen. n. sp. Taf IE Rior2. Goniatites tuberculoso-costatus Tietze non Sandberger: Paläontogr. 19 (1869) pag. 130, Taf. XVI, Fig. 6.
Die Aehnlichkeit des bei Ebersdorf selten vorkommenden (in zwei Exemplaren im Breslauer Museum liegenden) Goniatiten mit Triainoceras costatum hat E. Tietze richtig erkannt. Die Präparation der Loben, welche nur an dem einen Stück nach ziemlicher Mühe gelang, ergab jedoch eine vollkommene Verschiedenheit von der rheinischen, in viel älteren Schichten auftretenden Art. Da die ältere Figur wenig; deutlich ist, wurde eine neue Abbildung des kleineren, vollständig erhaltenen Exemplares und des grösseren Bruchstückes gegeben.
c) Arten von Prolecanites.
Ueber die Entwicklung und Artenabgrenzung der im tiefsten Oberdevon vorkommenden Prolecaniten habe ich wenig nachzutragen.?) Von dem ganz involuten Prolecanites clavilobus Sandb. (Taf. II, Fig. 10)
1) oevas — Betrüger. Die Bezeichnung Cveloclymenia kann für einen echten Goniatiten nicht beibehalten werden. ®) F. Frech, Geologie der Umgegend von Haigen bei Dillenburg, Berlin 1887, Paläont. Anhang.
64
Fritz Frech.
bis zu den immer evoluter werdenden Formen Prolecanites Becheri L. v. B.
Sandb. leitet die Entwicklung allmälig zu Prolecanites lumulicosta hinüber.
Die auf den Textfiguren stellte lung erheischt ebenso Erläute-
rung, wie die zum Ver-
darge-
Lobenentwick- wenig eine
gleich mit den nach- stehend beschriebenen Arten copirten Querschnitte (Atas NE, Aero. 12, 113.)
Ueber das geo-
französischen
logische Alter (tiefstes Oberdevon) der beiden südfranzösischen Arten ist im geologischen Theile das Wichtigste
bemerkt.
Prolecanites Kiliani n. Sp. Taf. II, Fig. 14 a—f. Der bisher nur am Südabhang des Di@ de (GAbrieres (Herault) gefundene Goniatit steht Prole- canites lumulicosta ausserordentlich nahe. Die Sutur
etwas schräger als bei
verläuft
der deutschen Art, stimmt aber sonst voll- kommen mit ihr über- ein, denn das Fehlen eines dritten, an der Naht liegenden Auxi- liarlobus beruht auf un- Erhal-
tung. Jedoch ist die
vollkommener
Windungszunahme ab- weichend: a) die in- neren (5—6) Umgänge des ziemlich evoluten Gehäuses wachsen langsamerals bei Prole-
canites lunullcosta
Fig. 21.
Loben- und Suturentwicklung von Prolecanites.
a Prolecanites tridens Sdb. Embryonalloben vom Original FE. Frech (Abh. Geol. L. A. VIIl. H.4, Taf. I, Fig. 2), Grube Anna bei Oberscheld, unterstes Oberdevon. a,,, Jugendliche Entwicklungsstadien stark vergrössert. (Der Massstab gibt die natürliche Grösse an.) a, Aussenseite stark vergrössert (I! bezeichnet die Breite des Originals). @, Innenseite mit ergänzter Aussenseite. — a, Vollständige Lobenlinie eines erwachsenen Exemplars !/,. b,,, Prolecanites compressus Sow.em.(= ceratitoides HolzapfelnonL. v. Buch). Innenloben von zwei verschiedenen Entwicklungsstadien. Unterstes Carbon. Erdbach bei Breitscheid; n. Holzapfel. ce Prolecanites Lyoni Hall. Unterstes Carbon, Rockford, Ind. Vollständig abgewickelte Sutur, wenig vergrössert. d, Prolecanites lunulicosta. Unterstes Oberdevon. Vollständige Sutur eines embryonalen Umganges von 4 mm Breite. Gr.-Constanze bei Langenaubach; leg. Frech, d, Desgl. erwachsenes Exem- plar !/. Copie n. Frech. e Prolecanites Becheri. Unterstes Oberdevon, Lobenlinie erwachsener Exemplare, Copie n. Frech. Die Embryonalanfänge der Suturen (a,, a,, dı) sind vom Verfasser neu präparirt und gezeichnet.
[38]
und Prolecanites tridens
und stimmen — abge- sehen von der etwas geringeren Dicke — mit der Form des Gephyro- ceras calculiforme überein; 5) dann be- schleunigt sich das Wachsthum
unvermittelt und die
ziemlich vorliegenden ausge- wachsenen, 6-7 cm im Durchmesser hal- tenden Exemplare sind flach scheibenförmig;; gleichzeitig erhält der auf den inneren Um- gängen runde Rücken zwei deutliche Kanten. Bei Prolecanites lunu- licosta erfolgt im Gegensatz hierzu die Grössenzunahme vom Anfang bis zum Ende gleichmässig. Prolecanites Kiliani ist als süd- französische Localform des westdeutschen Pro- lecanites lunulicosta anzusehen, und gehört dem &leichen, hier wie dort durch Gephyro- ceras Hoeninghausı v. B. gekennzeichneten tiefsten Horizont des Oberdevon an.
Der graurothe, an Kalkspathadern reiche Kalk enthält ausser den genannten zwei Arten Cladocho- mus nov. sp., Penta- merus afj. globus Bronn und Gephyroceras retrorsum L. v. Buch em. Beyrich (Taf. II, Fig. 1a, 1b) Aeussere
[39] Ueber devonische Ammoneen. 65
Form und Sculptur der Goniatiten sind gut erhalten, die Suturen sind fast immer zerstört, und wurden
unter den circa 40 vorliegenden Exemplaren von Prolecanites Kiliani nur einmal beobachtet.
Prolecanites lateseptatus n. sp. Taf. II, Fig. ıı a-c.
Die äussere Form des Gehäuses stimmt so vollkommen mit den Anarcesten aus der Gruppe des Anarcestes lateseptatus überein, dass ich den obigen Speciesnamen zur Kennzeichnung dieser Convergenz- erscheinung gewählt habe. Speciell stimmt die südfranzösische Art in Bezug auf Grösse, Sculptur, Wölbungs- verhältnisse und Querschnitt mit Anarcestes praecursor von Mnenian überein. Da diese Art auch in einem übereinstimmenden Gestein vorkommt, beruht die Unterscheidung nur auf der Sutur und — wahrscheinlich — auf der Länge der Wohnkammer.')
Die Sculptur lässt einen besonders tiefen, von ziemlich spitzen Ohren begrenzten Rückensinus er- kennen. Die äussere Sutur besteht aus vier runden Loben, von denen die beiden mittleren bei weitem am grössten sind; eine gewisse Aehnlichkeit mit dem dreispitzigen Externlobus von Triainoceras ist unverkennbar.
Es sind nur drei Exemplare der interessanten Convergenzform in dem graurothen Gestein des Pic de Cabrieres zusammen mit dem häufigen Prolecanites Kiliani gefunden worden: Ein Abdruck, das Fig. ııc dargestellte grössere Exemplar und das kleine bis ans Ende gekammerte, vorzüglich erhaltene Bruchstück (Fig. Irau. b). Letzteres zeigt auf der Aussenseite die Runzelschicht, während die Anwachsstreifen
nur durchschimmern.
Die untercarbonischen Arten erfordern in nomenclatorischer Hinsicht eine Revision, da die vor langen Jahren von L. v. Buch und Sowerby beschriebenen Formen so undeutlich abgebildet waren, dass eine Wiedererkennung ohne Hilfe der Originalexemplare unmöglich ist. In dem mitteleuropäischen Untercarbon sind die folgenden drei Arten von Prolecanites zu unterscheiden:
Prolecanites ceratitoides L. v, Buch (über Goniatiten und Clymenien in Schlesien, Abh. d. Kgl. Akad. d. Wissenschaften, Berlin 1839, Fig. 5) ist weit flacher (nicht gewölbte Seiten) als abgebildet und daher von Holzapfel auf eine mit dieser Figur übereinstimmende Nassauer Art bezogen worden. Nun ergab aber der Ausguss der Abdrücke, welche das Originalexemplar L. v. Buch’s bilden, eine Form mit gewölbten Seiten, die mit dem später von Crick und Foord?°) beschriebenen Frolecanites discoides ident ist.
Nach Crick und Foord besitzt nur das Original des Ellipsolites compressus Sow. thatsächlich die flachen Seiten und die evolute Form, welche L. v. Buch’s Art nach der Abbildung zu besitzen schien. Holzapfel’s Prolecanites ceratitoides (non L. v. Buch) ist daher mit der englischen Art ident und ein von mir?) vorgeschlagener Name Prolecanites applanatus (= Prolecanites ceratitoides Holzapfel non L. v. Buch) verfällt somit der Synonymik.
Der durch involute Form vom vorangehenden unterschiedene Prolecanites aus dem tiefsten Carbon von Erdbach wurde von Holzapfel auf Grund der Abbildung (Sowerby, Min. Conch., Taf. CCLII) mit Ellipsolites Henslowi Sow. identifieirt. Nun sind aber nach Crick und Foord (l. c. pag. 252) die Originale von Ellipsolites compressus und Henslowi ident, die Abbildung Sowerby’s aber so ungenau, dass die Bestimmung Holzapfel’s gerechtfertigt erschien:
Der Erdbacher Goniatit muss also neu benannt werden und es ergibt sich die folgende Synonymik:
1. Prolecanites ceratitoides L. v. Buch (non Holzapfel), Leth. pal., Taf. XLVla, Fig. 10.
— Prolecanites discoides Crick and Foord, Catalogue Brit. Mus. Ill, pag. 256, mit gewölbten Seitenflächen. Oberes Untercarbon oder Stufe des Productus giganteus.
1) Vor der mühsamen Präparation der Loben hatte ich die Stücke für Anarcestes gehalten, umsomehr als eine zweifellose Art dieser Gattung (Anarcestes Rouvillei v. Koenen) in dem grauen, unterdevonischen Kalk des Pic de
Cabrieres vorkommt. 2) Catal. Foss. Cephalop. Brit. Mus. III, pag. 256 (Abb.). ®) Gleichzeitig mit dem Erscheinen des dritten Theiles des Cephalopoden-Katalogs.
Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns, Bd. XIV. O)
66 Fritz Frech. [40]
2. Prolecanites compressus Sow. em. (Sowerby: Mineral Conch., Tat. XXXVII), Crick et Foord, Catalog. Fossil Cephalopoda III, pag. 252.
— Ellipsolites Henslowi Sow. 1. c. Taf. CCLXII.
— Prolecanıtes ceratitoides Holzapfel non L. v. B.: Carbonkalke von Erdbach, Taf. IV, Fig. ı, 3, 6, Ataın JD0E, Joe 13, Sy, Main Wo
— Prolecanites applanatus Frech, Lethaea palaeozoica, Taf. XLVIa, Fig. 9a, 9b.
Evolut mit flachen Seitenflächen. Unterstes Carbon. Stufe des Spirifer tornacensis.
3. Prolecanites Holzapfeli nov. nom.
— Prolecanites Henslowi Holzapfel non Sow. Holzapfel: Carbonkalke von Erdbach, Taf. IV, Fig. 2, 4, 7.
Seitenflächen flach, Gehäuse viel involuter als ı und 2. Unterstes Carbon.
Wollte man für die auf weitverbreitete Brachiopoden begründete Stufenbezeichnung des Untercarbon Ammoneen-Namen einführen, so wäre das tiefere Untercarbon als Stufe des G/yphioceras princeps und Prolecanites compressus, das höhere Untercarbon als Stufe des Glyphioceras sphaericum zu
bezeichnen. 4. Familie: Cheiloceratidae Frech 1897: Taf. III.
Cheiloceras, Aganides (mit Prolobites). Sporadoceras und Paralytoceras.
Gerade oder nur wenig nach vorn gebogene Anwachsstreifen, Mündungsrand von übereinstimmender Form, lange (I—1', Umgänge umfassende) Wohnkammer, Labialwülste und eine mit dem geologischen Alter allmälig complieirter werdende Sutur sind die Kennzeichen dieser im höheren Oberdevon auf- tretenden, natürlich begrenzten Gruppe.!) Die Glyphioceratinae des Carbon schliessen sich ohne scharfe Grenze an.
Ueber die anatomisch-physiologische Bedeutung des Mündungsrandes, der ein Abbild des Thier- körpers gibt, ist ein Zweifel nicht möglich; bei der Eintheilung der mesozoischen Ammoneen ist das Merkmal stets voll berücksichtigt worden. Tornoceras, dessen Wohnkammerlänge und Sutur bei einigen Arten mit Cheiloceras übereinstimmt (Cheiloceras circumflexum — Tornoceras Bertrandi), zeigt in Bezug auf Sculptur und Mündungsrand niemals irgendwelche Uebergänge zu Cheiloceras und muss daher einem andern, früher abgezweigten Stamme (beziehungsweise Familie) zugerechnet werden. Erst im Obercarbon entwickelt sich eine Art aus der Familie der Cheiloceratiden, deren Sculptur mit den schon im Devon erloschenen Aphylii- tiden convergirt, während die Sutur durchaus mit G/yphioceras übereinstimmt. (Glyphioceras reticulatum Lethaea palaeozoica, Taf. XLVI2, Fig. 7.)
Die älteste bekannte Gattung (Cheiloceras) zeigt in der Sutur:
I. einen Seitenlobus von verschiedener Form, und bei der ersten Gruppe gerade Innensutur, bei der zweiten weiter entwickelten Formenreihe einen Antisiphonallobus.
2. Aganıdes besitzt je einen langen zugespitzten Seitenlobus und einen ebensolchen Aussenlobus, auf der Innenseite einen Antisiphonal- und meist zwei Seitenloben. Hieher gehört das Subgenus Prolobites.
3. Sporadoceras weist zwei zugespitzte äussere Seitenloben auf, während die Innensutur mit Aganides übereinstimmt. Hieher das Subgenus oder Genus Paralytoceras.
Uebergänge zwischen den drei Gruppen sind nachgewiesen (I, 2) oder angedeutet (@e3)).
Von den Untergattungen entspricht Paralyfoceras wahrscheinlich einer einseitigen Weiterbildung von Sporadoceras, während Prolobites mit seiner wenig gebogenen Lobenlinie auf den Seitenflächen eine an Cheiloceras erinnernde Rückschlagsform darstellt.
Aus der devonischen Gattung Sporadoceras entwickelt sich im Carbon Glyphıoceras und weiter Gastrioceras und Agathiceras; aus den letzteren Gruppe in der Dyas Popanoceras und Cyclolobus, die wieder in die triadischen Arcestiden und Phylloceratiden auslaufen.
‘) Im Gegensatz zu den meisten, einseitig Sutur und Schalenform berücksichtigten Gruppirungen devonischer Ammoneen habe ich für die Abgrenzung dieser und anderer Familien den Hauptwerth auf die Sculptur und den der- selben genau entsprechenden Mündungsrand gelegt.
[41] Ueber devonische Ammoneen. 67
Im Gegensatz zu den rascher oder langsamer aussterbenden Gruppen der Clymenien, Aphyllitiden, Gephyroceratinen und Beloceratinen sind demnach die Cheiloceratiden die einzige langlebige Ammoneen-Familie (= Stamm, beziehungsweise Phylum Haug’s) des Devon. Auch die von Prole- canites und Pronorites ausgehenden dyadischen Medlicottiiden entsenden nur noch vereinzelte Ausläufer (Sageceras) in die Trias,
Cheiloceras Frech (= Parodiceras Hyatt ex parte).
Parodiceras (oder sprachlich richtiger Parodoceras) Hyatt (Genera pag. 319) ist eine durchaus ungenügend begründete Gattung. Der Typus derselben, Goniatites discoideus Hall ist ein normales Tornoceras, und zwar noch dazu ein Synonym zu Tornoceras uniangulare.!) — Ebenso ist die Diagnose wenig glücklich: Dass der halbmondförmige Mündungsquerschnitt im Gegensatz zu den compri- mirten von Tornoceras bedeutungslos ist, braucht nicht hervorgehoben zu werden; die Loben sind im vorliegenden Falle so variabel, dass sie bei der Aufstellung einer Diagnose nur in zweiter Linie in Betracht kommen.
Ein buntes Gemisch bilden die von Hyatt (l. c. pag. 319) zu Parodoceras gerechneten Arten:
1. Der Typus der Gattung gehört zu Tornoceras.
2. Goniatites oxyacantha, planilobus, supartitus, amblylobus bilden eine natürliche Gruppe (Cheilo- ceras Frech).
3. Goniatites sublinearis Mstr. ist ein Synonym von Aganides sulcatus Mstr.
Es bedarf keines Beweises, dass eine so begründete Gattung nicht existenzberechtigt ist. Wenn für eines der drei heterogenen Elemente eine Gattung mit neuer Diagnose aufgestellt wird, so gebührt derselben ein neuer Name. Von dem Mündungsrand, der ersten Wohnkammer und der Form der Anwachsstreifen ist in der Beschreibung Hyatt’s?) überhaupt nicht die Rede.
Die Diagnose lautet: Anwachsstreifen und Mündungsrand geradlinig oder schwach gebogen, Extern- sinus fehlt stets. Die Wohnkammerlänge beträgt ı1!/),—ı!/, Umgänge. Aeussere Lobenlinie zwischen einem fast geradlinigen Verlauf und einem spitzzackigen Seitenlobus variirend; Innensutur geradlinig oder zu einem bogenförmigen Antisiphonallobus ausgebuchtet. Mittleres und höheres Oberdevon.
Schwieriger als die Abgrenzung ist die Gruppirung der ungemein zahlreichen Arten. Man könnte ausscheiden:
a) eine Gruppe des Cheiloceras subpartitum mit gerundetem oder winkeligem Seitenlobus, gerader Innensutur und einer Art mit fast geradliniger Lobenlinie (Chezloceras planilobum). Hierher Cheiloceras amblylobum, Verneuili, circumflexum, subpartitum ;
b) eine Gruppe des Cheiloceras curvispina mit spitzem Seitenlobus und bogenförmigem Antisiphonal- lobus. Hierher Cherloceras oxyacantha, globosum, umbilicatum und lagowiense Gür.
a) Gruppe des Cheiloceras subpartitum Mstr.
1. Cheiloceras planilobum Sandb. Taf. IV, Fie. 12a, b.
1855. Goniatites retrorsus planilobus, Sandberger: Versteinerungen des Rheinischen Schichtensystems in Nassau.
Taf. XIV, Fig. 6—7a, Taf. Xa Lobenlinie Nr. 14, I5, 16; Taf. XD, Fig. 27. 1873. Goniatites Verneuili, Kayser ex parte (non Münster): Zeitschrift der deutschen geol. Gesellschaft, pag. 623.
Die äussere Form, die relative Dicke der Umgänge und die Gestalt der Labialwülste stimmt durchaus mit Cheiloceras subpartitum überein. Jedoch ist die Lobenlinie so einfach, dass die Aufrechterhaltung einer gesonderten Bezeichnung wohl gerechtfertigt ist. Der Externlobus ist kurz aber deutlich, die Spitze des Seitenlobus verschwindet jedoch allmälig soweit, dass die ganze äussere Sutur beinahe eine grade Linie
1) Clarke, Naples Fauna, pag. Iıı, Taf. VIII, Fig. 15-18.
®) Selbst der Name enthält — nach neuerer Auffassung — einen Widersinn: x4poöos heisst Uebergang; Cheilo-
ceras (Parodoceras p. p.) bildet aber den Ausgangspunkt eines grossen, weitverzweigten Stammbaums, der sich fast lückenlos bis zu den Arcestiden sowie Phylloceratiden der Trias verfolgen lässt.
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[42]
Fritz Frech.
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[43] Ueber devonische Ammoneen 69
bildet. Bei anderen Exemplaren, die bisher nur bei Nehden gefunden sind, schliesst sich die Sutur mehr an diejenige von Cheiloceras Verneuili an. So bemerkt man auf der diese Form darstellenden Figur 27, Taf. Xdb bei Sandberger eine bogenförmige Vorbiegung der Lobeniinie an dem Nabel, während eine Andeutung des spitzen Laterallobus fehlt. Die Vereinigung solcher Exemplare mit Cheiloceras Verneuili würde sich auf Grund der Lobenlinie vielleicht rechtfertigen lassen. Jedoch sind, wie oben erwähnt, bei dieser Art die Labialwülste auf den äusseren Theil des Rückens beschränkt, während bei der angeführten Abbildung Sandberger's die Wülste vollständig wie bei Cheiloceras subpartitum entwickelt sind.
Auf der Innenseite verläuft die Sutur wie bei Tornoceras subpartitum als vollkommen gerade Linie.
Tornoceras planilobum findet sich überall als Seltenheit im mittleren Oberdevon von la Serre und Nehden, sowie im rothen C/ymenien-Kalk des Pic de Cabritres. Ich kenne ca. 10 Exemplare.
(Berliner Museum für Naturkunde, Breslauer Museum, Sammlung des Verfassers.)
2. Cheiloceras subpartitum Mstr. em. Frech. Taf. III, Fig. Ta—c.
1839. = Goniatites subpar- der Lobenlinie und Labial- titus, Mstr.:Beitr. 1, Fig. 22. wülste, welche die An- ei u Das yon ; wachsstreifen fast stets
ee a a diagonal schneiden und mende Original h 2 % a liegt zum Ver- zu in ihrem Verlauf zwischen gleiche vor, stimmt & Nabel- und Aussenkante vollkommen mit vielfach Unregelmässig- nom aß Garen y keiten zeigen, machen Sn a > die Art leicht kenntlich. ster bezeichneten, 2 ussenachsn9 Stücke Taf. III, Fig. 1a von Nehden (Fig. Ia, c) abgebildeten Gat- erreichen 3— 31, cm tendoxier Stück Durchmesser und sind von re er der mehr kugeligen var. Berne va > amblyloba leicht zu tren- partebeiCrick and nen. Bei jungen Exem- Foord, Cat. Foss. 9 plaren ist der lediglich auf Ceph. Brit. Mus.IIl, > der Form der ausgewach- pag. 99. Hier voll- Gheilogeras subparbitum Aulstn sp. Mittl. Oberdevon "h. SSuen Sei amade ständige Lituratur- a nes enstein sen mit nes eluS sinn Labial- chiednnachnnieht angabe. — Gonia- wülsten (a,) von Nehden. «a,, a, Ein Exemplar mit nur ö h les veiröreusän- zwei Labialwülsten von zwei Seiten. Berliner Museum. wahrnehmbar. Die Art ist blylobus, Sandb. ex b Cheilocaras subpartitum var. amblyloba Sandb. Drei sehr häufig im mittle- parte, Taf. Xb, Ansichten zweier bis zur Mündung vollständig erhaltener ren Oberdevon von Neh- Fig 2.) Bremplars: b, SONWEIZEN Kalk des Val d’Isarne bei den, fehlt jedoch bei Ca- Flache, im Alter Gabun et De. Era a un Seammel brieres und ist vereinzeltim fast scheibenförmige Ge- a Clymenien-Kalk (Gatten- stalt, winkeliger Verlauf dorf) gefunden worden.
3. Cheiloceras subpartitum (Mstr.) var. amblyloba Sdb. em. Frech. Taf. IV, Fig. 16. 1855. Goniatites amblylobus und biarcuatus, Sandberger: Versteinerungen des Rheinischen Schichtensystems in Nassau, pag. 108, Taf. X, Fig. 5, 8, Taf. Xa (Lobenlinie), Fig. ı1. (Das im Berliner Museum für Naturkunde auf-
bewahrte Originalexemplar von Taf. X, Fig. 8 liegt zum Vergleich vor.) 1873. Guniatites subpartitus, Kayser: ]. c. pag. 626.
1) Auf Grund der Uebereinstimmung mit dieser Figur hatte ich den vieldeutigen Namen amblylobus für die vorliegende Art beibehalten zu müssen geglaubt (Gürich: N. ]J. Beitr. B. XII, Taf. 14, Fig. 8, 9). Nach Untersuchung der in Berlin befindlichen Originalexemplare Münster’s ist die Bezeichnung zu ändern.
70 Fritz Frech. [44]
Die Varietät unterscheidet sich durch geringere Grösse und gerundete bis kugelige Schalenform von Cheiloceras subpartitum-Typus. Die meisten, mit Wohnkammer erhaltenen Exemplare schwanken im Durchmesser zwischen 1'5 und 2 cm; Stücke von 2'5 cm Durchmesser sind selten.
Die Anwachsstreifen, deren Eindrücke man auch zuweilen auf dem Steinkerne noch wahrnimmt (Fig. b,, d,), sind fein und in derselben Richtung wie die Labialwülste gekrümmt. Die letzteren sind entweder gleichmässig in ihrem ganzen Verlauf (zwischen Aussen- und Innenseite) gebogen oder zeigen in der Nähe
des Nabels eine winkelige Knickung.
Die Zahl der Labialwülste beträgt meist 3—4; ausnahmsweise wie bei dem Taf. IV, Fig. 16 dargestellten Exemplar 7—8. Bei vollständig erhaltenen Exemplaren wird der Mündungssaum meist durch einen La- bialwulst gebildet. Jeder Wulst bezeichnet also wie bei jüngeren Ammoniten eine Ruhepause im Wachsthum und die relative Entfernung ist von äusseren, besonders Ernährungsverhältnissen abhängig. Die Länge der Wohnkammer beträgt etwas mehr als einen Umgang.
Die Sutur verläuft im Allgemeinen geradlinig, die drei Zacken des Extern- und der beiden Lateral- loben treten verhältnismässig wenig hervor. Doch finden sich hier mannigfache Abweichungen, insbesondere ist der Lateralsattel zuweilen stark gekrümmt, wie bei Tornoceras oxyacantha und in der Zuspitzung der Lateralloben finden sich alle Uebergänge zwischen Cheiloceras planilobum und sacculus. Auch bei kleinen, 4—5 mm im Durchmesser haltenden Exemplaren sind die Extern- und Lateralloben noch verhältnismässig deutlich sichtbar. Die Suturlinie verläuft auf der Innenseite der Umgänge vollständig geradlinig, ohne Spur von Antisiphonal- oder inneren Seitenloben.
Cheiloceras subpartitum v. amblyloba ist die häufigste Versteinerung des mittleren Oberdevon bei Cabrieres; ich selbst sammelte dort über 100 Exemplare und die gesammte Zahl der untersuchten Stücke übersteigt 300°. Am massenhaftesten erscheint die Art als Erzkern in den Dolomiten von la Serre; ferner in den schwarzen, bituminösen Plattenkalken des Val d’Isarne undam Nordabhang des Pic deCabrieres in ähnlichen Gesteinen. Hier und bei Ja Touriere findet sich die Art ausserdem in rothem, marmor- artigem Kalk.
Bei Nehden ist die Varietät minder häufig; das Vorkommen derselben (nach Kayser) in den Clyme- nien-Schichten von Warstein, Oberscheld, Bohlen, Gattendorf, Schübelhammer und Pether- wyn bezieht sich wahrscheinlich auf Cheiloceras subpartitum s. str.
4. Cheiloceras Verneuili Mstr. sp. Taf. IN, Fıg. 7, Taf. IV, Fig. 13, 14.
Goniatites Verneuili, Mstr.: Beitr. ı, Taf. III, Fig. 9, pag. 17 (1839).
— Goniatites retrorsus amblylobus, Sandb. ex parte: l. c. Taf. Xb, Fig. 3, 4, 2I, 23, 25.
== 5 Verneuili, Kayser (non Mstr.) ex parte: ]. c. pag. 623.!)
= Tornoceras Verneuili, Mstr. bei Crick und Foord:?) Cat. Foss. Ceph. Brit. Mus. III, pag. 97 (Literaturangabe). Gerundete, nur in der Jugend kugelige Form der Schale, winkelige Gestalt der Lobenlinie, regel-
mässiger Verlauf der Labialwülste sind dieKennzeichen der Art. Die Labialwülste sind stets auf die Aussenseite
beschränkt, zum Theil (bei grösseren Exemplaren) nicht sehr deutlich und verlaufen im Gegensatz zu Cheiloceras
subpartitum in gleicher Richtung wie die Anwachsstreifen.
Bei Nehden und in den kalkigen Facies des mittleren Oberdevon von La Touriere bei Gabrieres häufig und hier ziemlich gross werdend (5—6 cm Durchmesser). Vereinzelt im Clymenien-Kalk des Fich- telgebirges, Enkeberges und bei Cabrieres (la Serre).
Ein einziges Mal wurde auf einem Steinkerne ein System geradliniger Längs- oder Spiralstreifen beobachtet. (Taf. IV, Fig. 15.)
1) Kayser. cc. pag. 615.
?) Auch die sehr sorgfältig zusammengestellte Synonymik bei Grick und Foord, Cat. Cephal. Brit. Mus, III, pag. 97 fasst die Art zu weit.
[45] Ueber devonische Ammoneen. "1
5. Cheiloceras eircumflexum Sandb. Taf. III, Fig. 10a, b.
1855. Goniatites retrorsus circumflexus, Sandberger: Versteinerungen des Rheinischen Schichtensystems in Nassau,
Taf. X, Fig. 9—-9d, Taf. Xa, Fig. 9, Lobenlinie Nr. 25, 26 (?) 27 (2). (Von Taf. XVIb, Fig. 26.) 1873. Goniatites Verneuili, Kayser ex parte: Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft, Bd. 25, pag. 623.
Kayser hat in seiner in Einzelheiten recht revisionsbedürftigen Arbeit über Nehden und den Enkeberg diese Art mit den schon besprochenen Arten Cheiloceras Verneuili s. str., subpartitum var. amblyloba und planilobum!) vereinigt. Cheiloceras circumflexum besitzt schmale, vollständige Labialwülste und die kaum bemerkbare Andeutung eines Antisiphonallobus (Fig. 10a). Formen von Cabrieres, die dieses Merkmal deutlicher zeigen und einen schmäleren Laterallobus besitzen, habe ich früher zu Cheiloceras "eircumflexum gerechnet, dieselben sind aber besser zu Cheiloceras curvispina zu stellen. Cheiloceras circumflexum s. str. findet sich nur im mittleren Oberdevon von Nehden.
6. Cheiloceras acutum Mstr. em. Sandberger. Taf. III, Fig. 6. Goniatites acutus, Sandberger: 1. c. Taf. X, Fig. Io, Taf. Xa,