\lt> '/- vi '*■%- ■■.;;• . .. V^IH !^R '\, ' , ' 'i Boston Medical Library in the Francis A.Countway Library of Mediane -Boston Angiectasie ein Beitrag zur rationellen Cur und Erkenntnifs der Gefäfs ausd ehnun gen Carl Ferdinand Graefe der Arzenei u. W. A. Dr. u. Herzog 1. Bernb. Hofrat hu. Leibarzt. i -. fc brate ' . '- Leipzig, bei K. F. Kohle r i 8 o 3. • fe 'Es $£ tk %'s^xtx vxtTtjfitotrx, dci Vff^xrut Seg Kit titelt Is xxgißsixv xoxrtffTXi. lirjroxgKrss, ('V OCT I D e in Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Herrn Alexius Friedrich Christian regierendem Herzoge zu Anhalt etc. etc. etc. Dem erhabenen Beförderer des Wohls seiner Unterthanen. Digitized by the Internet Archive in 2011 with funding from Open Knowledge Commons and Harvard Medical School http://www.arehive.org/details/angiectasieeinbeOOgrae Durchlauchtigster Herzog Gnädigster Fürst und Herr. JliW. Durchlaucht haben mich mit Beweisen des hohen Vertrauens zu beglücken geruhet, mir ist die Sorge für Höchst Dero Gesundheit anvertraut , Sie haben mich durch Banden der Ehrfurcht und Dankbarkeit gefesselt. ■ — Erlauben Ew. Durchlaucht gnädigst, dafs ich dies geringe Opfer der ehrerbietigsten Erkenntlichkeit Ihnen darbringe. Ich preise die Vorsehung, die mich des Glückes theil- haft machte, unter einem Fürsten zu leben, der Vater sei- nes Volkes ist. Ich segne das treue Volk, weil es die Wohl- thaten zu fühlen weifs , die ihm die Vorsehung durch seinen erhabenen Fürsten erzeigt y und ich schätze mich glücklich, fortan zu denen zu gehören, die zum Werkzeuge der Wohl- thätigkeit eines so geliebten Herrschers dienen. • — -. Mit war- mer Liebe und dem beharrlichsten Eifer empfing ich die Oberaufsicht der milden Anstalt, die das Elend hülfsbe- dürftiger Kranker durch Ew. Durchlaucht Freigebigkeit er- leichtert. Vergönnt sey es mir auch, bei dieser Gelegenheit für den fernem Schutz und die Beförderung einer Stiftung zu bitten, die eben so den schönsten Beweis Ihrer Wohl- thätigkeit an den Tag legt, als sie mir die meiste Gele- genheit darbietet, das feierliche Gelübde zu lösen , was ich meinem besten Fürsten so gern ablege : mich fortan dessen Dienste ganz zu weihen, damit ich des höchsten Ver- trauens immer würdiger erscheine und so die innige Ehr- furcht und Dankbarkeit immer mehr beweise, womit ich Zeitlebens bin Durchlauchtigster Herzog Gnädigster Fürst und Herr Ew. Durchlaucht allergetreuester Graefe. V o r r e d e. JLJie Beobachtung einer eigentümlichen Krankheitsart, genauere Un- tersuchung derselben, und der Mangel ihrer richtigen Exposition, ja ihrer Erwähnung in den ärztlichen Schriften, veranlasste mich, Fälle derselben zu sammeln. Und da diese Affection die Lippen vorzugsweise ergreift, da sie an denselben verkannt, von mehrern für Lippenkrebs gehalten ward, so beschlofs ich, sie an diesem Theile mit der gröfsten Treue und möglichsten Ausführlichkeit zu schildern- und machte mir die Mittheilung ihrer Erkenntnifs, verbunden mit erleichterter und ge- wisserer Heilung durch verbesserte Bandagen, zur angenehmsten Pflicht. Interessanter und überzeugender glaubte ich jene Fälle meinem Leser darbieten zu können, wenn ich das Allgemeine der Gefäfsausdelmungen, zu denen sie als Spielart gehören, pathologisch und therapeutisch auf- zufassen suchte, da die Krankheiten der Gefäfse, insofern sie Anlafs zur Ueberschreitung des Normal durchmessers geben, trotz ihres öftern Daseyns, ohnehin blofs zerstreut und ohne Einheit in den Lehrbüchern aufzufinden sind. Vereinigung einer allgemeinen Ansicht der Gefäfsaus- delmungen, und jener besondern Krankheitsart, die von denselben, wie die Art vom Geschlechte abhängig ist, war der Plan, den ich vor mir hatte. — So entstand meine academische Probeschrift*). — Die Zufrie- *) De notione et cura Aogiectaseos labiorum, ratione habita communis vasorum morbosae extensionis, specimen. Auctoüt. Grat. Med. Ord. p. summis in Med. et Chirurg, honoribus rite capess. pub], defend. auctor C. F. Graefe. Lips. d. 21. Apr. i£o7« VIII denheit, welche mehrere sachkundige Männer über dieselbe bezeugten? die günstige Ankündigung derselben im 22ten Stück des Leipziger In- telligenz-Blattes, und das Lob, welches ihr der Recensent in der all- gemeinen Litteratur - Zeitung (No. 191. p. 287.) ertheilte, flöfste mir einiges Vertrauen zu meiner Arbeit ein, so dafs ich mit Freuden der Aufforderung des nachsichtsvollen Recensenten folgte, und eine deutsche Ausgabe besorgte, die theils durch den Rath mehrerer meiner Lehrer und Freunde, theils durch eigene nochmalige Durchsicht, manche Aenderung erlitt, durch die sie, wie durch die hinzugekommenen Rupfer, merklich gewonnen haben mag. So biete ich dem ärztlichen Publico meine Arbeit in einem viel-1 leicht vortheilhafteren Gewände dar, und wünsche ihr die nämliche gün- stige Aufnahme, deren sich ihre Mutter erfreuete — mir hingegen die fer- nere Nachsicht und wohlwollende Zurechtweisung sachkundiger Männer. Der Verfasser. n t. Erst e r Abschnitt. .Anatomisch-physiologische Betrachtung der Gefäfshäute, in Bezug auf ihre Contiactiv- und Expansivkraft. §. i. Contra ctilität prädominirt in der Muskaihaut , Expansion in der Zellhaut. §. 2. Verhältnifs derselben in den Blutadern und $. 3. in den Lymphgefäfsen. . . . . , Pag. Zweiter Ab s c h n i t t. Dynamische Abweichungen der Contraction und Expansion der G e- fäfse, /sichtbar im verletzten Normal durch messer derselben. §. i. Beide Kräfte können. gleichzeitig und auf eine Art leiden. Erhöhung und Herabstimmune derselben im sthenischen uud asthenischen Pulse, i. 2. Oder es 4 ; kann blos eine beider Kräfte von ihrer Norm abweichen , ohne dafs die andere verletzt sey. Erhöhung der Reizbarkeit im erethischen und veimehrte Expansion im plethorischen Pulse. . . . . . . , . - Dritter Abschnitt. Organische Abweichungen der Gefäfse vom Norrrialdurchmes ser. 6. i. Uebergang des Thätigen in das Leideride , erläutert durch Ausartung activer Congestionen in passive. §. 2. Organische Verengerung der Gefäfsdurchmesser. §. 3. Erweiterung desselben; beide entgegengesetzte Zustände entstehen von ent- gegengesetzten Ursachen, ........ Vierter Abschnitt. Diagnose der Gef äfsaus dehn ungen. $. i. Wie leicht sie verkannt werden, und Nothwendigkeit einer geläuterten Zeichenlehre. $. 2. Anders wirken die Ek- tasien der äufsersten Oberfläche des Körpers auf unsre Sinne, anders die unter der Haut liegenden, und noch anders die in den Holen verborgenen. $. 3. Er- kenntnifs der oberflächlichsten Angifictasien. $. 4. der tiefer liegenden. §. 5. der in den Holen des Körpers eingeschlossenen. $. 6. Diagnose innerer Anevrismen. §. 7. innerer Varicen. §. 8. Cirsen. .,,.*, Tag. 11 Fünfter Abschnitt- Differenzen der Gefafsausdehnungen. §. r. Ihr Verhältnfs zur Ectasie als mögliche Krankheit aller Organe, §. 2. Wesentliche Differenzen der Gefafsaus- dehnung, Anevrismen, Varicen und Cirsen als Genera. §. 3. Ihr örtliches Er» scheinen als künstliche, aber dennoch "nothwendige Art. $. 4. Zufällige Differen- zen j) wahre, 2) falsche, 3) gemischte, 4) circumscripta , 5) diffuse, 6) totale, 7) partielle, 8) solitaire , g) aggregirte Ectasien. 10) Der Varix. aneurismatosus. 11) Exsudirende Gefafsausdehnungen und durch sie gebildete Blutgeschwülste. 12) Telangiectasie, ihr Wesen, ihr -wichtiger Unterschied als Spielart und ihre Etymologie. .' . • .- : « « . . « . """ '9 Sechster Abschnitt» Tabelle vorgekommener An giectasien. §. 1. Ihr Zweck. §. 2. Angiectasien des Kopfes, Telangiectasie der Conjunctiva, als Nachlafs heftiger Entzündungen und Congestionen. — Telangiectasie der Hornhaut als eine Art des Traubenauges. — Telangiectasie der Sclerotica ist das von Richtern durch Vorfall der Choroidea erklärte Staphyloma Scleiotieae. Scarpa's Staphyl. Scler. ist von jenem ganz verschieden. Ursache, warum mit ersterem sich meistens Blindheit verbindet. — Anevrism der Central- Arterie und Telangiectasie der Retina, als Ursachen des schwarzen Staares. — Aneviismen d "'\ i ' um, und schälet vorsichtig' die Faserhaut ohne Verletzung der ' cellulösen ab, so bleibt der Cyliuder so offen wie, vorher. Leicht geräth die Umstülp ung mit kür- zeren Stücken. Wir finden nach dem Tode die Arterien offen, indem der Widersland, den 1 •■ " ■'. ■ . • ■ -' •■:,[ - , ;) ->ii'. ■■ ■, . , . ■ ... ... im Leben die Faserhaut durch ihre Contractililät der Expansiv- Kraft der Zell- haut entgegen s! eilte, gehoben ist, und diese nun ungestört die Oberhand be- hauptet. Wird hingegen im todten aber noch warmen Körper jene durch irgend einen heftigen Reiz, z. B. durch Galvanism, wieder belebet, erhält ß'w also einiger- rriafseh, was ihr genommen ist, zurück, so bemächtiget .sie sich auch ihres ehe- maligen Rechtes, und überwindet bei jedem ochlu'sj^ der Kette durch Zusammen,-: ziehüng die Kraft der "Zellhaut. Im ■ ^Kreisläufe1 Wirkt der Antagonism beider Häute ähnlich, die Zellhaut be- herrscht die Contraction der ungereizten Faserhaut, die sie daher mit ausge- dehnt erhält, tritt aber die Blntwelle in das Lumen, so ziehet sich die gereizte Faserhaut so stark zusammen, dafs sie die Expansion überwindet, bis die Blut— welle entfernt ist, • Wo dann die Reizung aufhöret, die Zellhaut ihr Vorrecht be- hauptet, und der neu eindringenden Welle den Weg bahnt. So wiederholet sich mit jedem Pulssßlilaige der Antagonism beider Häute; rft Undeutlicher verhalteh sich diese Kräfte in den Blutadern. Die Zellhaut ist we- niger elastisch, '-nachgiebiger, und mehr zähe, die Querfasern der Muskelhaut feh- len ganz und statt der länglichen sieht man in den gröfsern Venen weifste,' sehnigte, feine, netzförmig und ästig zusammen gewebte Faserm Durch diesen Bau scheinen Contraction und Expansion so gleichförmig ent- gegengesetzt zu seyn, dafs sie ungestört in einem beständigen Gleichgewichte bleiben, aus welchem sie aber durch jede hinzukommende Kraft uni desto leichter gebracht werden können. Da ihre Elästicität weit geringer, als die der Schlagadern ist, so geben sie nach dem Tode dem Drucke der benachbarten Theile sogleich nach und fallen — 5 » theils durch diese, theils durch die Schwere ihrer Wandungen zusammen, wenn angehäuftes Blut si§ nicht ausgedehnt erhält; Selbst mäfsig wirkende Ursachen be- stimmen ihr Lumen. Wird eine Blutader gedrückt, so erscheint sie über dem Drucke ganz klein, unter demselben aber vergröfsert, und dies fast ganz nachMafs- gab'e des einströmenden Blutes. Unterbindet man hingegen eine Pulsader, so wird das Blut weit eher gezwungen, sich in die Seitenäste zu verbreiten, weil die festern Häute dem Andränge nicht so leicht nachgeben. Wesen ihrer geringern Selbst- ständigkeit, ihres mehr leidenden Verhaltens gegen äufsere Kräfte, entstehen da- her Krankheiten durch Abweichung vom Normaldurchmesser weit leichter und öfter in ihnen, als in den Arterien. . | £ Die Lymphgefäfse scheinen den Mittelweg zu halten. Wir entdecken zwar keine deutlichen Fasern selbst in ihrem gröfs teil Stamme (Autenrieth) dem Brustgange, wozu freilich die Durchsichtigkeit ihrer Häute, und bei genommener Pellucidität die Gleichförmigkeit der Farbe viel beitragen mögen, indessen können wir aus ihren mit den beiden erstem Gefäfsen analogen Verrichtungen sclrliefsen, dafs sie auch eine ihnen analoge Structur haben mögen; eine Art reizbarer Faser mufs in ihren Wandungen,, seyn, anders mufs sie aber seyn, als die Muskelfaser der Arterien, weil sie eine andere Empfänglichkeit bedarf, um von der Flüssigkeit, die sie führet, von der Lymphe gereizet zu werden. Betupft man in einem frisch geschlachteten Thiere ein Lymphgefäfs, oder berühret es mit chemischen Reizen , so ziehet es sich plötzlich auf eine beträcht- liche Strecke zusammen ; Galvanism bewirket dasselbe, er erreget die lür andere Reize unempfänglich gewordene Faser selbst im gestorbenen Thiere noch, und läfst sie ihre elastische Zeilhaut überwinden. Dafs die Zusammenziehbarkeit auch hier eine von den belebten Kräften, und die Ausdehnbarkeit es nicht sey, dürfen wir behaupten , da mit dein Leben die Contractilität erlischt, Expansion aber noch, so lange Fäulnifs die Structur nicht verletzt hat, fortdauert, ja sogar durch Vernichtung ihres Gegensatzes über- hand nimmt Die Enden der Saugadern füllen sich daher bei Menschen und Thieren noch lange nach dem Tode mit schon vorhandenen oder in den Körper gespritzten A 2 Flüssigkeiten (todte Einsaugungskraft); so„strotzen z. B. die der Leber nahe ge- legenen Saugadern fast immer von Galle bei einem schon eine Zeitlang todten rThiere, nie aber bei einem lebend geöffneten T). Dafs die letzten Enden der Lymphgefäfse in diesem Falle blos nach dem Ge- setze der Haarröhrchen wirken, ist mir unwahrscheinlich, sonst müfsten sie im Leben und gleich nach dem Tode eben auch gefüllt angetroffen werden , da sie durch den Tod nicht erst eine besondere Structur gewinnen können. Wahr- scheinlicher ist es mir, dafs die Füllung dieser Gefäfse durch Erweiterung noth- wendig wird. Mit dem Leben ist die Lebenskraft der Faserhaut aufgehoben, die elastische Zellhaut wird freier, dehnet die Gefäfse mehr aus, die in denselben ent- haltene Luft wird im erweiterten Räume verdünnter, und unvermögend, dem Druck der Atmosphäre das Gleichgewicht zu halten, läfst sie diesen eben so die benachbarten Flüssigkeiten in die Gefäfse hereindrängen , wie er das Wasser in die erhitzte mit dem pneumatischen Apparate verbundene Retorte leitet, wenn die Lampe erlischt und die in der Retorte verdünnte Luft dem äufsern Luftdrucke nicht mehr Widerstand leisten kann. Schon aus dem Angeführten fällt die Aehnlichkeit auf, die die Lymphgefäfse durch ihre Contraction und Expansion mit den Pulsadern haben, ja es scheint so- gar, dafs sie ihnen verwandter als die Blutadern seyn mögen. i) Autcn rieth' s Physiologie. Tom. II. $. 667. pag. n8. Tübing. 1802. Zweiter Abschnitt. Dynamische Abweichungen der Contraction und Expan- sion der Gefäfse, sichtbar im verletzten Normaldurch- messer derselben. JL/le mannigfaltigen Veränderungen, denen -die Kräfte der Gefäfse unterworfen sind, bedingen sowohl die Gröfse ihrer Durchmesser, als auch die Art, durch welche ihre Actionen zu Stande kommen; in so fern sie ersteres bewirken, gehö- ret eine kurze Betrachtung derselben hierher. «u Beide Kräfte können auf gleiche Art leiden. a) Erhöhung beider Kräfte. Im sthenisch -inflammatorischen Fieber wird die reizbarere Muskelfaser vom oxydirteren Blute stärker zusammen gezogen, zugleich ist aber die Elastici- tät der Zellhaut , vermöge der Coagulations-. und Condensations - Tendenz, die der Organism vielleicht durchs Üebermafs der gerinnbaren Lymphe in stheni- schen Entzündungen bekommt, so beträchtlich geworden, dafs sie der Contrac- tion mächtig widerstrebet, ehe sie ihr endlich folget. Durch diese Spannung er- halten wir das Gefühl eines harten Pulses, der Orgasmus des Blutes verbunden mit der vollkommenen Diastole erzeugt die Fülle und Vergröfserung des Gefafses und beides zusammengenommen gibt die Symptome eines athenischen Pulses. ß) Beide Kräfte können uns herabgestimmt erscheinen. Nach beträchtlich verminderter Quantität der Blutmasse, möge es durch Consumtion vermöge krankhafter Lebens- und Vegetationprozesse, oder durch Verletzung eines wichtigen Gefäfsstammes geschehen, fühlen wir oft den Puls ganz klein und w e i c h. Gleichförmiger Wechsel des Stoffes ist mit der Gesundheit gegeben, hier wird aber durch mangelndes Blut nicht so viel ersetzt, als verloren gegangen. Daher ist die Zusammenziehung geringer , denn mit dem Blute fehlt es auch an Oxygen und das wenigere vermag die Faserhaut, deren Erregbarkeit ohnedem, gemindert seyn kann, nicht so stark zu reizen, dafs eine beträchtliche Zusammen- ziehung bewirkt würde. Zugleich wird aber auch, durch Mangel an Nahrun gsstoff, der Zellhaut nicht genug Materie zugeführet , ihre Consistenz durch verminderte Aggregation gerin- ger, und ihre Structur auf diese Art so verändert, dafs sie an Federkraft verlieret, der Contractilität nicht so kräftig entgegen wirket, und die zusammengezogene Ader nicht so vollkommen wieder ausdehnet; nothwendig werden auf diese, Art Spannung und Fülle gemindert und wir finden den Puls klein und matt als Symp- tom einer iVsthenie eigener Art, derjenigen nämlich, wo mit der Energie auch die Reizbarkeit zugleich gesunken ist. Es kann auch blos eine beider Kräfte von ihrer Norm abweichen, ohne dafs die andere verletzt sey. «) Erhöhte Reizbarkeit der Faserhaut. In krampfigten Krankheiten ist die Oontraction zuweilen durch Einwirkung der Nerven auf die Faserhaut gesteigert, die unveränderte ihr nicht gleich stehende Elasticität ist nun Ursache, dafs das Gefäfs ^ich nicht bis zum Normaldiameter aus- dehnen kann, und daher kleiner erscheint; zugleich liegt aber in der beständig zusammengezogen erhaltenen Zellhaut das Bestreben sich auszudehnen, und wenn sie gleich die in diesem Falle mächtiger gewordene Faserhaut nicht überwindet, so verursacht sie durch ihr Gegenwirken dennoch eine Spannung, die das Gefäfs hart anfühlen läfst. Beides, Kleinheit und Härte, machen den Charakter des krampfhaften Pulses aus. ß) Oder die Expansion ist "durch vermehrte Elasticitat vorschla- gend und die Reizbarkeit ist nicht verhältnifsmäfsig erhöhet. Die Plethora ist ein Zustand des Körpers, wo ein Uebermafs von festem glutinösen Blute die Gefäfse erfüllt. Dies versiehe.t die Zellhaut mit hinreichender Masse, ihre Structur wird fester, ,ihre Elasticitat wohl unterstützt. Hierbei ist aber die Reizbarkeit der Faserhaut nicht verhältnifsmäfsig gesteigert, Diastole und Systole folgen einander langsam, und wir finden einen vollen, aber weichen Puls.x Die mit der Energie nicht verhältnifsmäfsig -erhöhte Reizbarkeit unterschei- det diesen Zustand vom sthenisch- inflammatorischen, wo das Blut durch seinen gleichzeitig gröfsern Gehalt an Oxygen die Faserhaut mit potentiirt und schnellere Contractionen bewirkt. Diese können nun zur Erzeugung der Härte des Pulses sehr viel beitragen, weil die Blutwelle durch die schnelle Zusammenziehung der Wände im ersten Moment gleichsam eingeklemmt wird. Anders ists in der Ple- thora; hier, wo die Reizbarkeit nicht erhöhet ist, geschieht die Contra ction nur langsam, das in der Ader enthaltene Blut kann besser ausweichen , bei gleicher Fülle fehlet die Härte des splenischen Pulses /, wodurch wir beide zu unterschei- den im Stande sind. Ä'ehnlich werden auch die andern beiden Gefäfsarten verändert, wenn uns gleich ihr Affect durch die Verschiedenheit ihrer Structur nicht so deutlich vor Augen lieget, als bei den Arterien, bei welchen wir durch die alternativen Ak- tionen ? die Verletzungen weit leichter wahrnehmen können. — 8 Dritter Abschnitt. Organische Abweichungen der Gefäfse vom Nor m al durch- nies s er. V i. enes wären einige Beispiele, die auf pathologische Zustände der Gefäfshäute hin- deuteten, welche noch im dynamischen Cyclus erscheinen. Wird aber Mischung und Structur durch lang anhaltende oder mächtig wirkende Ursachen im höherii. Grade verletzet, so werden nach Verhältnifs die Kräfte der Gefäfse entweder so geschwächt, dafs sie den. Einwirkungen fremder Theile nur geringen Widerstand leisten, oder sie werden ganz vernichtet und unterliegen jenen vollkommen, wo sie denn als Fehler der Form erscheinen, die sich mehr oder weniger im Gebiete des Chronischen verlieren. Am deutlichsten erblicken wir den stufenweisen Uebergang des Thätigen in das Leidende beim Verlaufe und den Folgen der Congestionen 2). Sind sie heftig, kehren sie oft wieder, so wird durch die Anstrengung, welche die über- mäßigen Actionen veranlassen, die Kraft der Gefäfse gemindert, endlich ganz erschöpft und die Ueberfiillung, die erst Folge schnellerer Oscillationen, also er- höhter Thätigkeit war, wird zuletzt durch erloschene Kraft veranlafst; die ge- lähmten Wandungen können nämlich der Thätigkeit der gesunden Gefäfse nicht widerstehen, müssen dem Andränge des Bluts nachgeben und werden von diesem immer mehr und mehr ausgedehnet. So verwandeln sich active Congestionen in passive, und beharren letztere anhaltend, so können sie durch immer mehr über- hand nehmende An füll im g zu Puls- und Blutadergeschwülwten werden. Durch eine scharfe Gränzlinie, das Thälige vom Leidenden zu trennen, gehöret wegen 2) Reifs Fieberlelire Vol. 3. png. g. Halle, i8o5. der unmerklichen Abstufungen zu den schwierigsten Aufgaben, so leicht die Differenz auch in beiden Extremen vor Augen lieget. Ich will nun meinem Zwecke näher zu kommen suchen , und die chroni- schen Abweichungen vom Normaldurchmesser der Gefäfse selbst betrachten. Bei diesen finden wir eben auch bald Zusammenziehimg, bald Ausdehnung über- wiegend, aber nicht als Product der eigenen Kraft .'der Gefäfshäute, sondern als Symptom ihrer erloschenen Kraft, als Wirkung fremder Kräfte. Diese können mm zweifach seyn, nämlich Vergröfserung und Verkleinerung des Durchmessers. Verengerungen des L u m i n i s. Verengerung des Lumen kann durch Verstopfung, Zusammendriickung irgend eines Theils des Gefäfses oder durch Diversion des Kreislaufes, überhaupt durch alles , was Mangel am zufliefsenden Fluido in einem einzelnen Zweige zur Folge hat, bewirkt weiden. Der Stoff wird hier in beiden Häuten nicht genug reproducirt, der Faserliaut fehlet das Oxygen, der zelligten ihr nothwendiger Gehalt an nährender Lymphe. Mit der Mischung der Gefäfshäute gehen noth- wendig Ihre eigentümlichen Kräfte, ihre Selbstständigkeit, verloren, daher folgen sie denn dem Drucke der sie umgebenden Theile, fallen zusammen , ihr Lumen wird kleiner, kann mit der Zeit aucli ganz verschwinden, ihre Wandun- gen können zusammenwachsen und das Gefäfs sich in ein Band verwandeln. Ferner können Verengerungen des Luminis durch Verdickung der Häute (Stenochorie), Absatz des phosphorsauern Kalkes u. s. w. erzeugt werden, ja die Verdickung kann so beträchtlich seyn, dafs das Lumen ganz verschlossen wird. In diesem Falle wird der Totaldurchmesser des Gefäfses zuweilen vergrößert, aber der des Luminis verkleinert, je nachdem der Ansatz nach aufsen oder innen erfolget. Die Lehre der fehlerhaften Absonderung und Reproduction gibt uns nähern Aufsehlufs hierüber. An Beispielen von Verengerungen mangelt es in der Erfahrung nicht. Morgagni 3) fand bei einer Frau , welche in der Jugend den Schenkelhals ge- brochen hatte, nach dem Tode die Venen des kranken Schenkels um | enger als an den gesunden. Derivationen des Kreislaufs sind gewifs eben so oft Ursache der Verengerungen, als es Verstopfungen, Druck und Stenochorien sind. Wir beob- 3) ßeli's Chirurgie 5ter Theil 2te Abtheil, pag, 16g. Leipzig, 1.788. B «— io a eilten dies an den Umbilical - Arterien und Venen. Ist der Nabelstrang imteu- bunden, so bekommt die Vene kein Blut mehr, und das, was sonst in den Arte- rien flofs, wird nun zu den Unterextremitäten geleitet; so verkleinert sicli nun das Lumen, bis es ganz verschwindet und die Gefäfse im späten Lebensalter in Bänder verwandelt werden. Ganz auf dieselbe Art entstehet, wenn nach der Ge- burt das Blut seinen Weg durch die Pulmonalarterie nimmt, Verwachsung des Ductus, arteriosus Botalli und des eiförmigen Loches. Seltene Fälle zeigen, dafs die Arteria pulmonalis verwächst, wenn diese den Blutstrom erhielten und ollen bleiben. Bei der blauen Krankheil sah Hunter 4) die Pulmonalarterie verschlos- sen, in eine feste Substanz ohne Canal verwandelt, der Ductus arteriosus war offen und endigte sich in den linken Ast der Lungenarterie. Voigtel 5) fuhrt mehrere solche Erfahrungen von Puls- Blut- und Saugadern an 6), Wrisberg sagt, er -konnte oft die großen Saugadergefleclite im Becken nicht entdecken, Halle fand bei einem an Atrophie gestorbenen Frauenzimmer fast keine Spur von Milchgefäfsen im Unterleibe. In der Leistengegend zeigten sich trockne matlweifse, ziemlich feste Fäden, welche Nerven glichen, und hie und da nach Art der Ner- venhäute aufgelaufen waren. Bei näherer Untersuchung fand es sich, dafs es die lymphatischen Drüsen mit ihren Lymphgefäfsen waren. Wassers Lichten, endet er, mögen oft von einem, durch Verengerung verursachten,, fündernifs des freien Durchlaufs der Lymphe entstehen, §• 5. Erweiterungen des L u m i n 1 s. Wie sie in Hinsicht ihres Wesens der Gegensatz der Verengerungen sind, so scheinen sie es auch in Rücksicht ihrer Ursachen zu seyn. Jene entstehen durch Mangel an zuströmendem Fluido, und diese werden durch den zu starken An- drang desselben befördert. Wenn gleich dieser Andrang erst Folge einer Be- schaffenheit der Wandungen seyn kann, so wird doch durch ihn allein die Aus- dehnung des Gefäfses bewirkt und alle übrige Ursachen scheinen blose Vorarbeiter zu seyn, indem sie dergestalt die Wandungen verändern, dafs der Andrang der Flüssigkeiten ausdehnend auf sie wirken kann, ohne welchen sonst nie eine Er- weiterung zu Staude kommen könnte. 4) Hunter medical ObserV. und Iiiquir. Vol. IV. pag. 33o. 5) Voigtel Handb. d. palh. Anat. ister Bd. Halle, 1804. P'ag-44*' et 478. 63 Ibid jiag. 5 nun deutlich welche fließen. Seltener 25; Ibid. p. 17. 26) 1. c. Vol. 1. P. 468. 21 als die Ausdehnungen der Stämme sind die der Gefäfsenden, weil ihre Häute im Verhältnifs zum Contento stärker sind zl), kommen aber auch oft genug vor, um einen Platz m der Pathologie zu verdienen. Bei genauerer Untersuchung ge- währen sie den überraschendsten Anblick, den ich kenne. Man hält es gar nicht für möglich, dafs der Körper so reich an Gefäfsen sey, man erblickt sie in zahl- loser Menge an Orten, wo man nie welche sah, sie sind oft so häufig, dafs sie ein ganzes Organ in eine Gefäfsmasse verwandeln, und den Beobachter verleiten können, den ganzen Organism für eine belebte hydrostatische Maschine zuhal- ten, deren verborgenster Mechanism durch diese Krankheit erst «nthüllet würde. Bei der Ruhr findet man , nach Sömmering 28), die Gefäfse der Gedärme sehr stark angeschwollen, so dafs ihre kleinsten und sonst nie sichtbaren Zweige alsdann zu sehen sind. Geläfslos scheint die innere Haut der Gefäfse zu seyn, bei gewaltsamen Einspritzungen entdecken wir aber mehrere Gefäfse in ihr und bei der Gefäfsentzündung, wo die Vasa vasorum ausgedehnt sind, bilden sie so zahlreiche Netze., dafs die innere Haut nach Hunter's29), Osiand er 's 3o) und Abernetty's 3i) Beobachtungen ganz roth gefärbt ward. Reil 32) Und Frank 33) sahen bei inflammatorischen Gefäfsfiebern nicht blos das Herz und die Arterien, sondern selbst die Venen, auf ihrer innern Fläche ganz roth von aus- gedehnten Gefäfsen. Das Weifse im Auge ist in seinem normalen Zustande blen- dend weifs, von deinem noch so kleinen Gefäfschen getrübt und wo bleibt uns in der vollkommenen Cirsophthalmie (vid. Absch. 6. No. 11) ein Ort übrig, den wir durch die Luppe nicht als ein Gefäfs erkennen? Dafs an Orten, wo man nie Gefäfse sah, welche erscheinen können, be- weisen die angeführten Fälle. Nun einige Worte über ihr Entstehen : Mehrere Aerzte hegen die Meinung, dafs die Röthe der Entzündungen durch Gefäfschen entstünde, die nie da waren, sondern erst jetzt sich erzeugten j das Nämliche 2*7) A u ten riet h 1. c. Tom. 1. p. 160. 28) Sömmering de morb. vasori absorb. $. XVIII. p. 36. 29) H unter Transact. of a Soc. for the improv of. Med. and Chir. Knowl. Lond. 1798. Vol. I. Med. and phil. Comm. Lond. 1774« Vol. III. p. 465. 3o") Oslander neue Denkw. B. 1. 'S. 27. 5i) Abemetty chirurg. und physiol. Vers, übers. >v. Brandis, Leipz. 1795. S. 178. 02) Pteil 1. c. tom. II. p. 35. 53) Jos. Frank Erläuter. der Erregungstheorie. Heilbronn, i8o3. T. 1. p. 187. — 535 — könnte man auf den chronischen Zustand übertragen; allein wozu eine erkünstelte Erklärungsart? Weit natürlicher ist sie, wenn wir Erweiterung jener -zartesten Organe annehmen, deren Existenz wir auf so deutliche Art im gesunden Zustande erweisen können. Wer wird an exhalirenden Gefäfsen zweifeln? wer an serösen, wenn nach dem Tode durch gewaltige Einspritzungen sie gefüllt unserm Auge deutlich erscheinen? Und dafs sie Product neuer Organisation auch nach dem Leben seyn, wird wohl niemand behaupten. Ich hatte öftere Gelegenheit Ausdehnungen der Gefäfsenden zu beobachten und sah, dafs im höhern Grade nie eine Art allein, sondern stets Arterien- Ve- nen- und Lymphgefäfse zugleich extendirt waren, und glaubte daher, dafs wahr- scheinlich entweder die entfernte Ursache so wirkte , dafs alle Gefafse am gege- benen Orte erkrankten, oder dafs die Aflection der einen Art die der andern nach sich zöge; zwar war bald diese bald jene Art die vorschlagende, doch nie eine ganz allein erkrankt. Diese Ausdehnungen der Enden aller drei Arten von Gefäfsen sind genau an einem Orte, nehmen ein ganzes Organ, oder einen Theil desselben ein , sie er- scheinen als eine verworrene Verschlingung einer unnennbaren Zahl von Gefäfsen, man sieht nichts weiter als Gefafse und alle eigenthümliche Merkmale des Organs sind verschwunden. Haut ist nicht mehr Haut, Muskel nicht Muskel, Knochen nicht Knochen, sondern ein Conglomerat zahlloser Gefafse aller Art, die, indem sie durch ihre Extension sichtbar werden, das Wesen des Organs zerstören, das sie unsichtbar sonst bildeten. > Bei dieser Ausdehnung aller kleinsten Theile eines Ganzen mufs freilich auch das Ganze beträchtlich an Umfang zunehmen, daher die aificirten Theile an- geschwollen und unförmlich vergrößert gefunden werden ; wir sehen sie drei, sechs und mehmal gröfser. Wie fein müssen aber die Röhrchen gewesen seyn, die, um so vieles vergrößert, erst mit bewaffnetem Auge entdeckt werden , und diesem noch so zart erscheinen. Dieser Zustand kann Mos die Fläche eines Organs betreffen, so bei der Cir- sophthalmie; er kann ein- Glied zum Theil einehmen, wie aus der Lippenkrank- heit «'hellet, die ich im zehnten Abschnitte beschreibe, ja er kann auch ein ganzes Organ afficiren, wie bei der Cirsocele der JLioden. Nicht immer ist diese Ano- malie ganz rein, öfterer wird sie von Anevrism, Varicen und Cirsen gröfserer Gefafse begleitet, die verschiedentlich mit ihr vermischt sind, wie mau schon aus D — 26 — der zweiten Figur der zweiten Kupfertafel sehen kann ; zuweilen gesellen sicli ihr auch Entzündungen, Verhärtungen u. s. w. hinzu, wo wir dann hier, wie hei je- der Coraplication , den Namen des gegebenen Falles a potiori bestimmen müssen. Von den übrigen Gefäfsausdehnungen ist diese nicht specifisch unterschie- den, sie besitzt alle wesentliche Merkmale jener, hängt von denselben Gesetzen ab, ist also als Spielart zu betrachten, indem sie sich blos dadurch unterscheidet, dafs bei derselben nicht einzelne Gefäfsstämme eines Theiles , sondern alle Gefäfs- enden desselben, ausgedehnet sind, so dafs dadurch das Wesen des Organs völlig zerstöret wird; endlich, dafs nicht blos ein Glied, sondern die ganze Trias des Gefafssystems leidet. Da nun in dieser Gruppe alle drei Arten vereint sind, so passen die Namen nicht, die die einzelnen bezeichnen, ich wähle daher einen, und glaube, das ganze Wesen dieser Spielart mit dem Worte Telangiectasie ^4) aus- gedrückt zu haben. In den folgenden Paragraphen werde ich es also für einen Krankheitszustand gebrauchen, den ich hier zur Gnüge erläutert zu haben glaube. 34) Aus «Aof das Ende, »y/aov oder ecyytv das Gefäfs , und cxr#;»$ Ausdehnung. — s7 — Sechster Abschnitt. Tabelle vorgekommener Angiectasien. I §. i. cli würde sogleich zur Aetiologie der Gefäfsausdehnung übergehen, wenn ich es nicht für nöthig hielte, die mir bekannt gewordenen Fälle hier aufzuzeichnen. TheiLs ersehen wir durch den Umfang der Krankheit, wie mannigfaltige Ursachen sie erzeugen können; theils macht die Erfahrung, dafs an diesen oder jenen Theilen Ectasien schon beobachtet wurden, bei vorkommenden Fällen den Arzt aufmerksamer, und endlich gibt diese Anreihung Gelegenheit, manche verkannte und mit unpassenden Namen bezeichnete Krankheiten zu berichtigen. Vollkom- men kann sie nicht seyn, da die Gefäfsausdeimungen nur zumTkeil mit Genauigkeit beobachtet, zum Theil auch ganz vernachlässiget, und endlich in mehrern Fällen schwer zu entdecken sind. Angiectasien des Kopfes. i) Varices plexus choroidei sah Lieutaud35) bei einem jungen Menschennach anhaltenden, anstrengen den Kopfarbeiten beträchtlich grofs werden, und den Tod veranlassen. Sömmering~6) sagt, dafs die Gefä'fse des Aderge- flechts bei Erfrornen und am Schlagilufs gestorbenen, immer sehr ausgedehnt ge- funden worden. 2) Cirsi*) plexus choroidei circumscripti sah Lieutaud nebst vielen andern unter Form der Hydatiden. 55) 1. c. Llb. III. Observ. 164. etc. 36) In Bajllie Anat. d. krank. Baues v. Sümmering übers. Berl. I7Q4- Pag. 261. Anmerk. 558. *) Mehrere Aerzle halten d5e Hydatiden für Producte eigenartiger "Würmer , andeie haben hingegen auch nicht die mindesten Spuren yon Thieren an ihnen entdecken können. D 2 — . a8 — « 5) Varices cerebri 48). Eine blödsinnig gewordene Frau starb wenige Monate nach entstandener Krankheit; die Venen des Kopfes fand man nach dem Tode sehr ausgedehnt und mit Blut überfüllt. Lettsom 3y), C ruiks h a n k 33) und Söramerlng 3g) sehen sie für Cirsen an. Bi dl oo 40") glaubt, dafs alle Hydatiden durch Ausartung der Lymphgefäfse entstün- den , wenn nämlich der zwischen zwei Valveln gelegene Raum ausgedehnet wütde. Von den Hydatiden, die mehrere enthalten, nimmt Voigtel4i) Veits 42) Meinung an , dafs sie nämlich Producte neuer Organisationskraft wären. Nicht zu bezweifeln ist es, dafs sie zuweilen durch Würmer entstehen, wenn man die Erfahrungen von Fischer 43), Treutier 44), Brera45) u. a. m. vergleichet. Da so achtungs- werthe Männer in der Untersuchung eines Gegenstandes nicht so leicht irren können, so glaube ich, beide Fälle als möglich annehmen zu müssen. "Wie werden wir aber beide unterscheiden können? — Rudolph! 46) sagt, dafs die einfachen Hydatiden Erzeugnisse ausgedehnter Lymphgefäfse seyn , die bewohnten aber zu den Wurmarten gehörten. Die wesentlichen Merkmale der Taenia Hydatigena gehören nicht hierher, sondern in die Helmintholgie. Sollte aber,, da die Diflerenz in der Form oft schwer zu finden seyn wird, nicht der Inhalt jener Bläschen, chemisch untersucht, einige Criterien hergeben? Das Contentum der Cirsen mufs dem der Lymphgefäfse gleich, also reich an Eiweifsstoff-seyn. Ein einzigesmal sah ich eine einfache Hydatide, die, als ich sie zur AufbeAvahrung in Weingeist legte, in kurzer Zeit alle ihre Durchsichtigkeit veilor, zusammen schiumpfte und ganz milch weifs ward. Anders verhält sich die Erfahrung Richters 4-7). Er untersuchte die Flüssigkeit be- wohnter Hydatiden , die den Tod eines Mannes veranlagst hatten ; aber weder Alrohol noch Hitze konnten die mindeste Gerinnung hervorbringen; Rudolph i's Meinung wurde also durch -diese Untersuchung auch auf chemischem Wege bestätiget, man kann nämlich annehmen, dafs letzteres der Inhalt der Taenia hydatigena, erster.es aber der eines umschriebenen Cirsen gewesen sey. Oft genug mögen sie bei der grofsen An- zahl von Saugadern und ihren so mannigfaltigen Krankheiten" entstehen , und deswe« gen glaubte ich mich berechtigt, ihnen in jener Aureihung einen Platz anzuweisen. Wie sie blos als Spielarten der Cirsen anzusehen sind , habe ich im 5ten Abschnitte unter No. 4 gesagt. 57) Memoirs of the med. Soc. of Lond. Vol. II. Lond. 178g. pag. 32. 38) Geschichte und Beschreibung der einsaug. Gef. übers, v. Ludwig. Leipz. 178c). p. 83. 3g) De inorb. vasor. absorb. corp. hum. Traj.- ad. Moen. I7g5. §. XLVHI. pag. 1Z2. 40) Exercitat. anat. chirurg. Lugd. Bat. 1708. E.\. II. pag. 10 — 16. 41) L. c. pag. 5o5. 42) In R ei l's Archiv. B. 2. S. 486 — 4g6. 43) Disseit. Leipz. 178g. 44) Dissert. Leipz. i7g3. — 45) Voiles, über Eingeweidewürmer übers, von Weber. Leipz. i8o3. pag. i4> etc. 46) Anat. physiol. Abhd. Berlin , 1802. pag. ig3. 47) In Loder's Journal d. Chir. etc. B. I. p. 4x5 — 429* Jena, 1797. 48) Lieutaud L. c. üb. III. Obs. 60 et 61. — 29 — 4) Ein umschriebener Cirsus von der Gröfse eines Hiinereies veranlafste den Tod 49). 5) Die Oberfläche des Hirns eines an Kopfschmerz und Convulsionen ge- storbenen Jünglinges war mit Hydatiden bedeckt 5o). 6) Varices piae matris machten ein. sechsjähriges Mädchen dumm, ver- gefslich und tödteten sie durch Apoplexie 5i). 7) Anevrismen der harten Hirnhaut beobachtete Mala c am e 52) in meh- rern Zweigen der Arteria spinosa; sie waren theils diffus, theils circumscript und von der Gröfse eines Taubeneies. 8) Anevrismen beider innern Carotiden, zur Seite der sella turcica, be- schreibt Blane53)j das gröfste glich einer Kirsche, das andere war um et- was kleiner. 9) Telangiectasie im Gesichte findet man durch Manget, Fax und meh- rere aufgezeichnet, deren Beobachtungen im eilften Abschnitte vorkommen. 10) Telangiectasie der Augenlieder beschreibt Aetius 5-j); auch ich hatte Gelegenheit, sie einigemal zu beobachten. 11) Telangiectasie der Conjunctiva sah ich öfterer. Die ganze Conjunc^ tiva war nämlich in Gefäfse aufgelöset. Was Richter 55) als Ursache der Cirsophthalmie an einigen Gefäfsen sah, das fand ich bei allen. Es ist dies keine Entzündung mehr, sehr oft aber eine Folge übermässiger Anstrengung sämmt- licher Gefäfse der Conjunctiva, deren Procefs erlöschend die Kräfte der Geläfse lähmet, die dann dem Andränge der Säfte nicht mehr Widerstand leisten können, und also beträchtlich, ausgedehnt werden. Wenig oder gar keine Gefäfse sehen wir in der gesunden Conjunctiva; hier entdecken wir keinen Ort, wo nicht ein be- trächtlich ausgedehntes Gefäfsstämmchen läge. In der Entzündung sind zwar die Gefäfse um etwas ausgedehnet, doch nicht in dem Grade; denn wir unterscheiden in der Taraxis die einzelnen Gefäfschen als die subtilsten Ramificationen, die so 4g) Ibid. Obs. 194 et ig5. 5o) Ibid. Obs. !68. 5i) Ibid. Obs. 411. 52) Malacarne Encefalotomia nuova universale, Toiino , 1780. p. G8. 55) Abhandl. z. Gebr. f. pract. Aerzte. Vol. [I. S. 563. 54) Synops. medic. Tetr. II. Serm. 3. cap. 84. 55) Rieht ejf'a Wundarzneikunst, Tom. 3. {. 46. fein sind, dafs wir ihnen fast alle Stärke abzusprechen geneigt wären; in der Chemosis hingegen sehen wir einen Fleischklumpen, ohne Ramificationen unter- scheiden zu können ; bei der Telangiektasie ist zwar auch ein bald rötherer, bald dunklerer Klumpen zwischen den Augenliedern, aliein wir unterscheiden deutliche Gefäfsausdehnungen auf denselben und zwar dicht neben und unter einander. Als ich die Conjunctiva in diesem Zustand aufmerksam durch die Lupe untersuchte, fand ich sie gleichsam in einen, aus hellrothen und violet- ten Fäden gewebten Teppich verwandelt, der, als ich ihn durchschnitt, un- gefähr auf eine bis anderthalb Linien stark war. Hatte diese Anomalie noch nicht lange gedauert und ihren höchsten Grad noch nicht erreicht, so heilte ich sie einigemal durch Incisionen, Ausleerungen des angehäuften Blutes, durch stärkende und zusammenziehende Mittel , anhal- tend angewandt. Ganz auf dieselbe Art heilt Richter 56) che Varicen des Fuises, da das Wesen beider Zustände fast dasselbe ist. 12) Hydatiden der Conjunctiva sah Sömmering 57) und Voigtel58). i5) Varicen und Anevrismen der Cornea begleiten öfters die pterygia, nephelia und ulcera der Hornhaut, wo man ihnen die Namen der vasorum nutrientium gibt. i4) Telangiectasie der Hornhaut. In Halle operirte ich die siebenjährige Tochter des Soldaten Berger, an einem nach der Aussage der Aeltern ange- bornen Staphylom, das zu der Gröfse herangewachsen war, dafs die Au- genlieder nicht mehr geschlossen werden konnten, wodurch die kleine Patien- tin vielen Beschwerden ausgesetzt war. Die vordere Augenkammer war nicht ausgedehnt und das Staphylom also Anschwellung der Hornhaut; ich schnitt so viel davon weg als nöthig war, um die Augenlieder schliefsen zu können, wodurch die Beschwerden gehoben und die Entstellung gemindert wurde. Durch den Gebrauch der Spiesglanzbutter gab ich -dieser Hülfsleistung Dauer, und erreichte meinen Zweck so weit vollkommen, denn an Wiederherstellung des Gesichts war bei der völligen Desorganisation der Hornhaut nicht zu denken. Das abgeschnittene Stück der Hornhaut untersuchte ich genau und fand es auf eine bewundernswürdige Art ganz aus kleinen, in sich verwebten Gefäfschen 56) S. Rieht. ' ]. c. Tom. 3. §. 46. tu Tom. 1. $. 566 et 567. 57) So tniiie ring de morb. vai. abs. I. 5g. p. 42. 53) Voigt el 1. c. p. 5oi. zusammengesetzt, doch, war die Anzahl der LymphgeFäfse "bei weiten vorherr- schend, die Lymphe war in ihnen geronnen, und sie bildeten milchweifse Rarai- ficationen. Mit der Lupe sah man alles dies sehr deutlich. Nach der Zeit beob- achtete ich öfterer Staphylome, und- fand sie meistens von dieser Art, aufser einem, wo die Cornea ganz weifs war 5 wahrscheinlich mögen diese ein höherer Grad von Leucoin seyn, und ihre Entstehung einer Ausschwitzung von Lymphe zwischen den Lamellen der Cornea verdanken; zwar erheben sie sich auch hügel- förmig, ja sogar in einen spitzen Winkel, sie werden aber nie so grofs und trau- benförmig, wie erstere. Beide gehören, nach der gewöhnlichen Definition des Staphyloms, zu demselben', ihr Wesen aber ist,, wie aus dem Gesagten erhel- let, ganz verschieden. i5) Telangiectasie der Sclerotica. Die unter dem Namen Staphyloma Scle- roticae von Scarpa59) beschriebene Krankheit ist in einer Verdünnung der Häute des Auges begründet 3 sie wurde von ihm zweimal, aber blos au der hintern Fläche des Augapfels neben dem nervo optico, beobachtet; der Fleck war etwas erhaben. Wenn man das ausgeschnittene Auge so wandte, dafs die Lichtstrahlen durch die Pupille auf denselben fielen, so erschien er durchsichtig. An der innern Fläche fehlte auf dem Flecke die Retina und Choroidea, und die Sclerotica war dünner wie das feinste Papier. -Richter 6o) beschreibt unter demselben Namen kleine dunkelblaue oder schwärzliche Erhabenheiten, die am äußern oder innern Winkel im Weifs en des Auges entstehen, weich sind, und zurückgedrückt werden können, indem er es für wahrscheinlich hält, dafs es Vorfälle der Choroidea wären, die durch Spal- tungen der .Sclerotica entstünden. Aus den angeführten Merkmalen folgt, dafs die Krankheit, welche Searpa Staphyloma Scleroticae nennt, von der ganz verschieden sey, welcher Richter denselben Namen ertheilet. Letztere beob- achtete ich einigemal im chirurgischen Clinico zu Halle. Der G. R. Lo der, dessen Namen ich mit Dankgefühl nenne, übertrug mir die Behandlung eines Kranken, der nach vorhergegangener Ophthalmitis seii mehrern Jahren am schwarzen Staare litt. Im äufsern Winkel des rechten Auges war in dem Weifsen desselben eine Erhabenheit, von der Gröfse einer kleinen Linse; man konnte sie zurückdrücken, ihre Farbe war violett und die Oberfläche 59) Sfcarpa t:aite pratique des mal .dies des yeux, trad. par Leveillie3 aPar. X. T. 2. p. i33 et 18g. 60) Richter 's Wuudarzn. Tom. 3. §. 154. Götr. 1795. — 32 — ß mit einem äufserst zarten Häutchen (wahrscheinlich conjunctiva) überzogen, des- sen Durchsichtigkeit die Untersuchung der Krankheit sehr erleichterte. Man ent- deckte schon mit bloßem Auge, noch besser aber durch die Lupe, dafs das Ganze in seiner Peripherie durch kleine Ramificationen aus der Sclerotica entstand, und in seiner Mitte sich in ein Bündel der zartesten Gefäfschen verwandelte, unter welchen dunkel gefärbte Blutäderchen am zahlreichsten waren. Mit gelinder Kraft konnte man den kleinen Hügel in das Innere des Auges drücken, wodurch die Feuchtigkeiten desBulbi die Iris an dieCornea drängten. Ich hatte Gelegenheit, nachher noch mehreremal diese Krankheit zu beobachten, fand aber nie weder eine Spalte der Sclerotica, noch irgend eine Aehnlichkeit mit einem Vorfalle der Choroidea, immer sah ich deutlich das Conglomerat von Gefäfschen und dessen Uebergang in die Sclerotica, durch zarte Zerästelungen. Nothwendig verliert die Sclerotica und Choroidea , durch die topische Auflösung in Gefäfse, ihre wesent- lichen Eigenschaften, ihre Festigkeit und ihre sehnige Bauart; sie hält daher am erkrankten Orte die Augenfeuchtigkeiten nicht genug zurück, wird durch sie hervorgedrängt, und theils hierdurch, theils durch die Ectasien der einzelnen Ge- fäfschen wird sie in eine hügelförmige Geschwulst verwandelt. Richter und Scarpa halten diese Anomalie für eine sehr bösartige Krankheit. In den Fällen , die ich beobachtete , ging ihr unheilbare Blindheit entweder vor, oder folgte derselben bald eher, bald später. Von den Krankheiten sichtbarer Theile dürfen wir zuweilen auf ähnliche AiFectioiien innerer Theile schliefsen. Daher glaube ich, dafs in diesen Fällen zugleich die edlern Theile des Auges, z. B. die Retina u. s. w. auf ähnliche Art, nämlich durch Gefäfsausdehnung, verletzt seyn mögen; dafs aber Degenerationen jener Organe nothwendig Amaurose zur Folge haben, lehrt die Erfahrung. So mag wahrscheinlich Telangiectasie der Sclerotica als ein Symptom innerer Telan- giectasien des Auges an den Tag kommen. 16) Anevrismen der Centralarterie. Im Herbste des vorigen Jahres starb im. Jacobs -Hospitale zu Leipzig eine Frau an scirrhöser Verhärtung des Gehirns. Einige Monafe vor ihrem Tode lilt .sie an einer äufserst heftigen Photophobie, die von einem stark pochenden Gefühle in der Tiefe der Orbita begleitet wurde, und mit Verminderung des Schmerzes in Amaurose überging. Der Primair- Arzt des clinischcn Instituts, D. Reinhold, mein würdiger Lehrer, hatte die Güte, mir bei Eröffnung des Leichnams ein Geschenk mit den Augen jener Person zu — 35 — machen. Als ich das Fett vom Bulbo getrennt hatte, sali ich bald längliche, bald runde Hügel, von der Gröfse einer kleinen Linse, im ganzen Umfange der Scle- rotica durch dieselbe schimmern, die von unterliegenden Venen entstanden. Als ich den optischen Nerven quer durchschnitt, lag die Centralarterie in dessen Achse bis zur Stärke eines Strohhalms ausgedehnt. Bei Zergliederung der Häute traf ich auf 17) Varicen der Choroidea. Mehrere Gefäfse derselben und vorzüglich die Vasa verticillala, waren ausgedehnt und vom Blute strotzend j sie bildeten die schon erwähnten Hügel. Endlich zeigte sich auch 18) Telangiectasie der Retina. Sie war nämlich in ein sehr schönes, hoch- rothes Netzwerk verwandelt, wobei ihre Normal -Farbe und Gestalt so aufgeho- ben war , dafs man auch nicht das mindeste markige Wesen mehr entdeckte. Als ich dieses Frühjahr bei meinem kurzen Aufenthalte in Dresden aufge- fordert ward , nebst andern Aerzten meine Meinung über die Augenkrankheit des allgemein geschätzten Königl. Sachs. Ministers Zedtwitz zu äufsern, so fand ich bei der Untersuchung der Augen eine Menge varicöser Gefäfse auf der Conjunc- tiva und entdeckte sogar Gefäfsausdehnung über und unter der Linse , die deutlich von scharfen Augen gesehen werden konnten. Aus der Krankheitsgeschichte er- gab es sich, dafs die vorhandene Amavrose und Cataracte Folgen aufserordent- licher Congestion waren, die in ihrem Anfange von heftigem Klojjfen in der Tiefe der Orbita begleitet wurden. Ich bin überzeugt, dafs auch in diesem Falle Telan- giectasie der R.etina und Anevrism der Centralarterie vorhanden ist , da diese Augenkrankheit so viel Aehnlichkeit mit der erstem' hat, und Ectasien der Art öftere Ursachen der Amavrose seyn mögen, denn auch Ploucquetöi) und P o r- tal62) fanden die Retina bei Amavrosen durch Gefäfsausdehnungen entartet. 19) Anevrismen des Ohres sah Portal 63) als Ursache der Taubheit. • 20) Telangiectasie der Nase (vid. Absch. 11. §. 2.) 21) Telangiectasie der Ober- und Unterlippe (vid. Abschn. 10.) 22) Colomb 64) beobachtete ein Anevrism der Zunge von der Gröfse einer Haselnufs. 61) Ploucquet diss. de amauros. Tübing. 1789. {. 11. 62) Portal Cours d'anatomie medicale, tom. 5. 63) Ibid. 64) Oeuvres med. chir. p. 45 1. E 25) Anevrismala alveolaria. In mehrern Zähnen, die icli ausnahm, waren die Alveolar -Aesle der Maxillararterien stark ausgedehnet. Leicht zu entdecken ist dies, wenn man die Wurzeln der Länge nach spaltet, oder sie quer mit einer Zange abkneipt. Die Personen, von denen sie waren, litten die heftigsten Schmerzen, die keinem Mittel wichen. Die Kronen der Zähne hatten meistens ein gesundes Ansehen, durchschnitt man aber den Zahn, so war die Zahnhöle xmd die Kanäle der Wurzeln carios durch die Eotäsie ihrer Gefäfschen. Letztere veranlagten beim Ausnehmen starke Blutungen, wenn ihre Ausdehnung sich bis in die alveola erstreckte. 24} Hydatis alveolaris. Einem kleinen Mädchen mufste ich wegen unaus- stehlicher Schmerzen einen Backzahn ausnehmen, dessen drei Wurzeln unge- wöhnlich grofs waren. Zwischen denselben lag ein rundes, durchsichtiges, mit Lymphe gefülltes Bläschen, etwas gröfser als eine gewöhnliche Erbse. Durch, ihren Druck hatte sie die Flächen der Wurzeln, an denen sie gelegen hatte, gleich- sam ausgeholt, so dafs sie bis auf ihren Kanal resorbiret waren ; eben so war sie durch den Hals des Zahnes fast bis in die Hole desselben gedrungen, mit der sie durch ein dünnes Fädchen^ zusammen zu hängen seinen. Die Lymphe derselben geronn durch Alcohol zu festem Eiweifsstoffe. Angiec tasien des Rumpfes. 1) Anevrismen des Rückenmarks beobachtete Malacarne 65) j die Medul- Jararterien waren zur Gröfse einer Erbse ausgedehnet. 2) Pohj66) sah, dafs Varicen des Schlundes Dysphagie, und 3) Varicen des Kehlkopfs 67) erschwertes Athemholen veranlafsten. 4) Ein durch einen Pistolenschufs entstandenes Anevrism der innern Carotis heilte Acrel 68). 65)Malacarn e I. 9. et Holtorf casus anevrismaiis in Capite pueri 11. annorum. urgent. 1722. 66) Pohl über die innern Blutaderknoten a. tL Lat. in der neuesten Samml. auserlesener Abb. für Clür. Leipz. 1763. St. 6. S. 35. 67) Ibid. p. 36. 68) Acrel chir. Vorfalle, übers, v. Murray. Gott. 1777. Tom. 5. p. s5S. 5) Auevrisnien beider Carotiden sah Morgagni 69). 6) Eine Telangiectasie des Schulterblatts beobachtete Dr. Reinhold, der mir folgende Krankheitsgeschichte mitzutheilen die Güte halte: Es starb nach einer langwierigen Krankheit ein Mädchen, die von ihren Aeltern durch Schläge auf den Rücken roifshandelt worden war. Bei der Leichenöffnung fand man den •untern Theil des Schulterblattes ganz pulpös, den obern hingegen in ein Couglo- inerat zahlloser Gefäfse verwandelt; die meisten von ihnen waren dunkelgefärbt: ob alle drei Gefäfsarten ausgedehnt waren, bemerkte man nicht. Mir ist es wahr- scheinlich, denn werden die Gefäfse in solcher Menge und in dem Grade ausge- dehnt, dafs dabei das Wesen des Theiles ganz unigeschaffen wird, so leiden sie meistens alle; dafs bald diese bald jene Art vorschlagen könne, habe ich oben erwähnt, und die angeführten Fälle haben meine Behauptung bestätiget. Anevris- men praedominirten in der Telangiectasie der Retina, Varices-in der Telangiec- tasie der Sclerotica, und Cirsen in der Telangiectasie der Hornhaut. 7) Varices der Brüste entstehen leicht in der Schwangerschaft 70). 8) Diffuse Cirsen der Brüste werden oft durch Brustkrebs veraulafst 7*). 9) Anevrism der Arteria subclavia war mit Dyspnoe verbunden 72). 10) Anevrism der Aorta kommt oft vor und ist von vielen Schriftstellern beschrieben. 11) Anevrism des Herzens, a) Total: Guattani fand das Herz drei- bis viermal gröfser 73). b) P a r t i e 1 1 kommt es öfterer vor : Walther sali au einem Herzen den linken Ventrickel in einen Sack ausgedehnt 74) und liefs dasselbe in natürlicher Gröfse abbilden. Van Swieten75) fand die hintere Herzkammer dreimal gröfser als die vordere. Bei der blauen Krankheit, meint Voigtel-6), soll der Umfang des Herzens immer vergröfsert seyn, und mit der Krankheit in gleichem Schritte überhand nehmen. 60) Morgagni I. c. episr. 17. $. 28. — et Journal de Medec. Tom. s5. p. 4,5i. 70) Richter dissert. de varic. gravidarum. Lips. 1781. p. 11. 71) Voigt e! 1. c. p. 49g. 72) Ibid. p. 466. "fj) Guattani de anevrismat. ext. etc. Rom. 1772. p. 9t. 74) J. G. Walt her sur les maladies du Coeur. In Memoires de TAcad. de sciens. a Berlin, i785. tab. IV. fig. 1. b. b. b. 75) Van Swieten Comment. in Boerhav. Aphor. tom. I. p. 292. 76) Voigtel 1. c. p. 384. E 2 — 56 ~ 12) Anevrismen und Varicen der Kranzgefä'fse des Herzens beobachtete Sandifort li). i3) Hydatiden des Herzens und des Herzbeutels entdeckte Heuermann 78). i4) Anevrism der Pulmonalarterie mit gleichzeitiger Ausdehnung der Aorta beschreibt uns Baader 79). Aehnliche Fälle sah Blaucard 80). Eisen- schmidt 81) beobachtete beim Anevrism der Lungenschlagader heftige Kurz- athmigkeit. i5) Varices venarum pulmonalium sind von Morgagni 82) aufgezeichnet. 16) Varices der Lungen veranlassen nach Pohl 83) Haemoptysis und dar- auf folgende Schwindsucht. 17) Diffuse Cirsen der Lungen beobachtete Mascagni84) genau. Cir- cumscripte mit Asthma und Orthopnoe verbunden, führt Lieutaud 85) an. 18) Ein Varix der obern Hohlader , welcher durch seinen Druck auf den Oesophagus Dysphagie veranlafste, wird von Bleuland 86) beschrieben. 19) Varix. der untern Hohlader nahe am Herzen. B o erhave 87) fand bei einem melancholischen Manne alle Gefäfse ausgedehnt, mit Blut überfüllt, vor- züglich erweitert aber die Hohlader am bezeichneten Orte. 20) Baillie88) erwähnt einen Fall , wo die Vena azygos so stark ausge- dehnet war, dafs sie allein das ganze Blut des Unterleibes nach dem Herzen führte ^ weil die untere Hohlader verschlossen wTar. 77) Sandifort obs* anat. patliol. Lib. I., c, 1. p. 27«. 78) Heuer mann 's. Physiologie 176-1. tom. I. p. 202. 7g), Baader observ. med. incis. cadaverum anatom. illustrat. Friburg. 1765. p. 555. 80) Blancard. anatomia pract. rat. Cent. n. obs. 74. p. 2,86. 81) In Schmucker's -verm. Schriften. Vol. 2. p. 241. 8,2) Morgagni 1. c. Epist. 64. §. 7. 83) Pohl 1. c. p. 36. 84) Siehe: dessen Werkj Vasorum Lymphaticorum histöxia et ichnögraphia, Senis, 1787, tah. 20 et 21.. 85) Lieutaud 1. c. lib. 2.. obs. 842 — 844* 86) Dessen Specimen de difTicil. alimentorum. depulsione. Vol. I. 178a in Samml. auserl. Ab* handl. für pract. Aerzte ,. Bd. IX. p. 73i. ' 87) Samml. auserlesener Abb. für pract. Aerzte. Bd. XIX.. S. 5i2. aa> Baillie 1. c»p. 57.. - 37 - 21) Einen diffusen Cirsus des Brustgangs von der Stärke der Subclavia sah Cruikshank 8y). 22) Andere 90) fanden das Receptaculum pequetianum bei scrophulösen Menschen sehr augeschwollen. 25) Varices venarum gastro-epiploicarumg1) sind im Blutbrechen vorhanden. 24) Anevrismen und Varicen der kurzen Gefäfse beobachtete Lieutaud 92) beim Blutbrechen 5 ein Gefäfs derselben hatte die Stärke des kleinen Fingers erlangt. 25) Anevrismen der Kranzscjilagader des Magens 9^), 26) Hydatiden des Magens beschreibt Baillie94). 27) Einen durch den Nabel hervorgedrungenen Varix nennt Gorterg5) Varicem palus. 28) Ein Anevrism der Milzarterie liefs Morgagni abbilden 96). 29) Varices der Milz erregen sehr oft, eben so wie 30) Varices der Leber, Biutbrechen. Reil fand diese Organe sehr oft an- geschwollen, weich, elastisch und von schwarzem Blute strotzend. Dabei war eins von beiden meistens verkleinert 5 es scheint, sagt er 97),. „als dringe das Blut desto stärker in die übrigen Aeste der Arteriae coeliacae „und schwelle die ihnen angehörigen Eingeweide auf, wenn der Einflufs „desselben in einen ihrer Aeste, der zu einen kleinen und zarten Eingeweide „ gehet, gellindert ist. Im Kapitel 98), wo er die Polycholie so belehrend ab- handelt, führt er viele Schriftsteller an, die in dieser Krankheit und im „ schwarzgallichten Fieber am Senegal die Leber sehr angeschwollen und „ihre Gefäfs e vom Blute strotzend fanden. 89) Cruiksbank über die Saugadern.. 2te Ausg. p. 207. dessen Abbild, tab. 5. go) Lieutaud I. c. üb. 2. obs, 7. 91) Reil 1. c. T. III. $. 65. p. i53. ga) Lieutaud 1. c, lib. 1. obs. 47 et 4g- 90) Reil 1. c. gj) B aillie 1. c. p. 84. g5} Gorteri cbLurgia repurgata 1. r2. c. 5. n. i553. p. 36o.. 96) Mo tg. Ep. 3. $. 2. 97) Reil 1. c. §. 65. p. i5l. 98) Ibid. 170. p. 440. 5i) Hydstiden der Milz 99). 5.2) Hydatiden der Leber iocj). 55) Varicen der Eingeweide. Stahl *oi) meint, äufsere Haemorrhoiden entstünden durch Ausdehnung der äufseren Haemorrhoidal- Venen, die sich in der Vena hypogastrica und von da in die Uiaca und Caya öffnen. Die innern sind Krankheiten der innern Haemorrhoidal- Venen, die sich entweder {in den Stamm der Pfortader, oder in die Netzvenen ergießen; daher, sagt er, sind die innern Haemorrhoiden mit Passionibus hypochondriaco-hystericis, die ä'ufsera mit affectibus spasmodico - dolorificis und ischiadico-podagricis verbunden. Va- ricen der ganzen Gedärme, ihrer ä'ufsera und innern Fläche, so wie des Zwerch- felles sah Pohl 102); 54) Hydatiden des Mesenteriums sah Baillie io3)} diffuse Cirsen Wris- bergI04) am Gekröse und andern Organen, zuweilen in einer Länge von zwei bis drei Zoll in grofse Blasen ausgedehnt. 55) Diffuse Cirsen der dünnen Därme. Sömmering *o5) fand die Saug- adern in Vorgetriebenen Stücken des dünnen Darmes über die Mafse ausgedehnt. Das allerschönste Stück sah er in Monro's Sammlung zu Edinbürg. Oefters waren sie mit einer dicken, gelblich weifsen Materie so stark ausgefüllet, dafs sie eine Perlenschnur vorstellten. Walt her *o6) hat einen solchen Fall sehr schön abgebildet. 56) Anevrisma aortae abdominalis. Einmal verrieth es sich durch eine starke Pulsation über dem Nabel l0l), in einem andern "Fall drang es zwischen der 7. und 12. Rippe nach aufsen *o8), 57) Varix diffusus der obern und untern Hohlader 109). gg) Baillie 1. c. p. i55. 100) Sömmering in Baillie pag. i3g. i6ma adnotat. ioi) In Alberti traetat. de haemorrhoid. Halle, 1722. Pars. I, p. 68. 102) Pohl 1. c. . , ; io3) Baillie 1. c. p. 116. 10 f) De System, vas. absorbentium in Comment. soc. Gott. 178g. Vol. g. p. 168. io'j) In Baillie 1. c. p. 120. notatio 11 et 12. 106) Walther sur la resorption in Mem. de l'Acad. de Sc. a Berlin pour l'an 1807. p. 2.1. 107; Lieutaud 1. c. Vol. III. Goth. 1802. p. 25g. 108) Baillie 1. c. p. i5. Sömmeringii additam. 3o. 10g) Ilufeland Journ. der prakt. Heilk. B. 5. p. 820. - 39 - 38) Anevrism der Nierenschlagader veranlafste Haernäturie "o). 59) Hydatiden der Nieren beobachtete Baillie i") im Parenchyma und an der Oberfläche. 4o) Ein Anevrism der iliaca interna erzeugte das heftigste Hüftweh und ward für eine Ischias nervosa gehalten *IZ). 4i) Varicen der Harnblase werden gewöhnlich Blasen - Haemorrhoiden ge- nannt, und haben zuweilen Blutharnen zur Folge "3). 42) Varicen des Uteri sah Paraeus»4), des Multerhalses Heunius II5) und Pohl Il&) beobachtete sie bei Frauenzimmern, deren Reinigung ; in Unord- nung gerathen war. 43) Von Varicen der Scheide und der Schamlefzen spricht Heunius am Angeführten Orte, Dionis "7) in seinem Werke, und Siebold II8), der durch ihre Vergröfserung grofse Beschwerden entstehen sah. 44) Anevrisma arteriae sperm.aticae "9). 45) Win ekler 120) beschreibt einen Varix der Samenvene, welcher an Stärke der Hohlader gleich kam. 46) Telangiectasie der Hoden. Most121) beobachtete sie. Richter122) hält sie für eine Ausdehnung der Venen und Samengefafse des Testikels. Ich sah sie einigemal in ihrer höchsten Vollkommenheit, und konnte durchs Gefühl leicht unterscheiden, wie der ganze Hode in Gefäfse aufgelöset war 5 er fühlte sich gleich einem Bündel Regenwürmer an, und seine Oberfläche hatte alle regelmäfsige Ge- stalt verloren , man konnte ihn auch formen wie man wollte. . Erhitzte sich der 110) Ephemer, nat. cur. Cent. 9. obs. 5g. in) Baillie 1. c. p. 164. 112} Sandifort jun., tab. anat. Lugd. Bat, 1801. Faseicul. I. tab. ? et gf n3) Haller. diss. pract. Vol. VII. 114) Paraeus lib. 12. c. 10. n5) Heunius ad Aphorismos Hipp. Lib. 6. A. 21,. n6, Pohl 1. c. 117) Dionis couvs d'operations chir. Demonst. 4« ii3) In Loder's Journal der Chir. etc. Vol. II. S. 55. 119) Journal de. Medec, 1760. Tom. i5. p. 35g. 120) Win ekler Diss. de vasorum. lithiasi , I. §. 6. not. 1. 121) Most Dissert. de Ciisocele seu hernia varicosa. Halle, 179& 122) Richter 1. c. tom. 6. p. l65. Kranke und untersuchte man alsdann aufmerksam den Hoden , so fühlte man fast an allen Orten desselben kleine Pulsationen. 47) Hydatiden des Testikels beobachtete S ö m m e r i n g 123 ) vorzüglich oft bei Greisen. i; 48) Hydatiden des Ovarii sah Baillie 124). Sie entstehen zuweilen durch Ausdehnung der Zellen des Eierstocks, oft aber auch durch Ectasien der Lymph- gefäfse, deren die Ovaria so viele haben. 49) Bonnet i25) sah zwei Venen von den iliacis entstehen. Sie waren daumenstark angeschwollen und gekrümmt wanden sie sich wie zwei Schlangen am Unterleibe zum Nabel heran. $. 4. Angiectasien der Glied mafsem 1) Anevrism der Achselschlagader 126). 2) Anevrism der Armschlagader. 5) Anevrism der Radialarterie l27). 4) Diffuse Cirsen des Armes. Im Jacobs - Hospitale zu Leipzig bekamen Unter mehrern scabiösen "Weibern zwei, fast zu einer und derselben Zeit, ohne anzugebende Ursache, Cirsen am Arm 3 die LymphgefäTse stiegen von der Hand- wurzel, gleich gespannten Bindfäden, bis zur Achseihöle heran.. 5) Guattani I28) beobachtete «in Anevrism der Schenkelschlagader gleich an ihrem Ursprünge. 6) Anevrisina Arteriae popliteae ist mit Flajani r29) und Guattani von vielen andern beobachtet worden. 7) Sah man auch am obern Theile der Wade Pulsadergeschwülste ??a), 123) Baillie 1. c. p. 2o3. Anmerk. 404. 124) Ibid. p. 228. 125) Bonneti anat. pract. libr. IV. 3. 1 126) Neue Sammlung der auserlesensten^ und neuesten Abhandl. für practische Aerzte. 7. Stück., u. Bader observ. med. pag. i5. 127) Museum der Heilkunde von der Helv. Gesellschaft. Tom. 2. p. 276. Zürich, 1794. 128) Guattani 1. c. p. 45. 129) Flajani nuovo metodo di medicare alcune malattie. Roma.' 1787. p. 33. et Guattani 1. c. p. r. i3o) Ibid. pag. 74. — 4i — 8) Varices Femoris. Severinus l30 fand den Schenkelknoclien eines jungen Mannes ganz von varicösen Geflechten umlagert. 9) Varices der Füfse kommen alltäglich unter verschiedenen Verhältnissen vor und werden zuweilen sehr grofs. Hildan l32) sali einen Varix am Schien- bein zu der Gröfse herangewachsen, dafs er einer derben Faust gleich kam. 10) Cirsen der Füfse. Reil^3) hat oft, besonders an den Unterextremitäten, die Lymphe in den Saugadern geronnen, und die Saugadern, wie knotige Stricke, von der Fufsspitze bis zu dem Weichen angeschwollen gese'lm. Da mehrere Fälle mir gewifs unbekannt geblieben, so kann diese Tabelle nicht vollkommen seyn, sie wird aber zureichen, die Extensität der Krankheit zu zeigen, und gibt einen Beweis, dafs kein Gefäfs vor Verletzungen dieser Art sicher sey. So umfassend die Krankheit ist, eben so zahlreich sind die Ursachen, die sie erzeugen. Siebenter Abschnitt. Aetiologie der Gefäfsausdehnungen. V erletzung der Mischung und Structur weist uns die pathologische Anatomie bei allen Gefäfsausdehnungen deutlich au£ Man sah die Häute dünn wie das fein- ste Papier, durchsichtig, leicht zerreifsbar, mürbe, verdickt, verknorpelt, ver-r knöchert, ja sogar versteinert. Voigtel &t) bemerkt, dafs Verknöcherungen derGefäfse nie ohne gleichzeitige und verhäitnifsmäfsige Erweiterung beobachtet worden wären. Zwischen den Häuten findet man phosphorsauren Kalk abge- setzt, coagulable Lymphe etc. ergossen. i5i") Se-verinus de recondita absecssuum natura p. 227. i!»2) Richter Diss. 1. c. p. It. * i53) Heil 1. c. Tom. IL p. 200. lü-O Voigtel 1. c p. 45o. F . Die Häute der Lymphgefäße weichen auf dieselbe Art von ihrem Normal- zustand ab, man findet -sie undurchsichtig, milchweiß , welk, verknorpelt, und Weither l35) hat die versteinerten, die er sah, abbilden lassen. Von der Normalmischung und Structur hängen die Kräfte, 'und von diesen das Lumen der Gefäße ab. Jede Verletzung der Structur und. Mi- se h u n g in den W andungen, die eine Ausdehnung derselben zur unmittelbaren Folge hat, könnte also als nächste Urs a che der Angiectasie aufgestellt werden. Sie läßt nun, nach Maßgabe ihrer In- tensität, die Krankheit in dem einen Fall dynamisch, im andern organisch er- scheinen, (vid. Abschn. 5. §. 1.) und wird durch Verhältnisse veranlagst, die wir die entfernte Ursache nennen. Sie wirken vorbereitend , gelegentlich, allgemein und örtlich, sind fremde Dinge und Theile des Körpers, befinden sich in oder aufser demselben. Ihre Exposition im Detail soll nim folgen. Die vorbereitenden Ursachen sind nicht hinlänglich bekannt. Bei Diathesen, wo Angiectasien an mehrern Orten zugleich sind, wo sie ohne alle, oder wenig- stens bei ganz unbedeutenden äußern Veranlassungen entstehen, wo eine durch die Ausrottung einer andern zu Wege gebracht wird, hat man die sämmtlichen Gefafse des Körpers mürbe gefunden. Alles- was Schwächung der Gefäfse bewirkt, ihre Vitalität verletzt, kann zur Erzeugung einer Diathese beitragen. Ein vorwaltendes Mißverhältniß zwischen der Quantität der gesammten Blutmasse und den Kräften der Gefäße (Plethora) unterdrückt die Kraft der Wandungen immer mehr und kann sie zu Ectasien prädisponirenj dasselbe er- zeugt eine allgemeine krankhaft erhöhte Reizbarkeit der Faserhaut durch die be- ständig schnellem Oscillationen, die sie bewirkt. Bei den Blutgefäßen veranlaßt sie oft der Scorbut, eine Krankheit, in der wir ein aufgelöstes, wässriges, desoxydirtes Blut antreffen, welches freilich die Gefäßwandungen, in denen es Hießt, nicht normal reproduciren kann. Aelmlich verhält sich die Wirkung narkotischer ^6) Gifte; sie lähmen die Gefäße plötzlich, oder schwächen sie, in kleinen Dosen angewandt, wo sie näm- i35) Mem. de l'Acad. de scienc. a Berlin, 1787. p. 21. l36) Reil 1. c. Tom. 3. p. 9, Kell das BItit auflösen, wie wir beim anhaltenden Gebrauch derselben sehen. Der iibermäfsige Gemifs des Weines, Brantweines, der Gewürze etc. hat eben auch Schwächung des Gefäfssystems zur Folge. x\uch die Lustseuche soll zu Diathesen Gelegenheit geben. Guattani's meiste Krauken, die Anevrismen ohne äufsere Veranlassung halten, waren vor- her syphilitisch gewesen; dafs aber in jenen Fällen der zur Cur der Krankheit an- gewandte Mercur mehr dazu beigetragen habe, als Syphilis selbst, dies la'fst sich fast vermulhen, wenn man auf die auflösende Kraft des Quecksilbers und auf die Art seiner Anwendung in damaligen Zeiten Rücksicht nimmt. Ferner können sie auch schädliche, giftige Dämpfe, feuchte Luft und Man- gel an Lichistoff bewirken. Daher Bergleute öfterer als andere mit Gefäfsaus- dehnungen behaftet werden. Meistens sieht man bei ihnen Ectasien an den Ar- men, die durchs Hämmern und Seigerfahren vorzüglich angestrengt werden • doch sind sie gewöhnlich mit Diathesen verbunden, und ein Subject hat oft mehrere Anevrismen zugleich. So können auch , topische oder allgemeine, warme Bäder- schädlich werden; sie erschlaffen, schwächen und dehnen die Gefäfse .aus, wenn sie zu oft angewandt werden. Endlich sollen auch noch Gicht und Scrophel- krankheit zur Erzeugung von Diathesen beigetragen haben. Dennoch scheint es, als wenn ein Zusammentreffen mehrerer günstiger Um- stände zur Erzeugung einer allgemeinen Anlage nothwendig wären , denn sie kommt doch nicht so sehr häufig vor. An Beispielen, die uns von ihrer Möglich- keit überzeugen, fehlt es in defs nicht. Joseph Nenei1^) fand die Milzschlag- ader ausgedehnt und geborsten, zugleich war aber auch ein Theil der aorta de- scendens, die arteria coeliaca und eine Nierenpulsader anevrismatisch ausgedehnt. Dr. Merk l3°) beobachtete bei einer Frau ein Anevrism der rechten Armschlag- ader, in Gesellschaft mit einem der Axillararterie und einer dritten unter den fal- schen Ribben der linken Seite. Wilson l39) behandelte in London ein Anevrism der Arteria poplitea, das die Gröfse eines ausgewachsenen Menschenkopfes er- langt hatte; zugleich waren am andern Fufse mehrere Anevrismen der Cruralar- terie, und unterm Zwerchfell befürchtete man eine ähnliche Krankheit. Eben so i3-;) Vo igtet 1. c p. 465. \ i38) Magazin für technische Heilkunde, öfltentl. Arzn. etc. von Dr. Gottlieb Erhard d. jungem. Tom. I. p. i36. i3y") In den allgem. medic. Annal. des igten Jahrhunderts i3ü6. November p. 1024« F 2 — . 44 — kann die Anlage auch die Venen betreffen. Pohl *4o) erzählt die - Krankheits- ■ gesclnclite eines Knaben', der, nebst Epistaxis und Hasmoptysis, eine Menge Blut durch den After verlor und dessen Hirnhäute, Lungen, Zwerchfell ,. Magen nnd übrigen Eingeweide voller Varicen waren: Boerhave (vid. Abschn. 6. §. 5. No. 19.) fand bei einem melancholischen Manne alle Blutadern übermäfsig aus- gedehnt. Die Dialhese kann aber auch örtlich und erblich seyn. Wir beobachten dies bei Hämorrhoiden. Kinder bekommen sie nicht selten von den Aeltern. Lancisius I4I) sah Erweiterungen des Herzens durch vier Generationen fort- geerbt. Diathesen zu Cirsen kommen weit öfterer vor. Scropheln x42), Rachi- tis x43), Syphilis *44), Wassersüchten >45) scheinen Affecte der Lymphgefäfse zu seyn, die sehr oft zu Cirsen Anlafs geben. In der Scrophelkraukheit findet man die Lymphgefäfse oft ausgedehnt und mit einer weifsen, käsigten Masse gefüllt. Reil1-^) meint, dafs Scrophalkrankheit in einer Schwäche der Lymphgefäfs- wandungen begründet seyy die Ausdehnung zur Folge habe; dafs Cirsen öfters Begleiter der Wassersuchten sind, zeigen uns die Leichenöffnungen. Ich sah einigemal im Hydrothorax die Lymphgefäfse der Pleura, und im Kindbettfieber die des Peritonei zu der Stärke eines Strohhalms ausgedehnt und netzförmig unter einander verschlungen. In der Lustseuche fand Söin nie ring x47) die Lymph- gefäfse oft ausgedehnt und mit einer übelriechenden Masse erfüllt. Die Lymphe soll in dieser Krankheit nach Schwediauer *4.3) und Girtanner *49) immer entweder verdorben oder geronnen seyn. In der Ptachitis beobachtete Heu- 340) Pohl l.'c. p. 37. 541) Lancisius de motu cordis et aneurismaiihüs Part. II. cap. 5. p. 281. 142) So in niering de morb. vas. abs. §. XXXVÜ. p. 87. 1433 Sömmering de in. V. §. 38. p. 9,2. 144) Cruikshank 1. c. p. i3i. »45) Sömmering 1. c. 5. 22. p. 42. 146) Reil 1. e. Tom. II. p. 23o. 147") Sömmering de morb.. v. abs. $. 36. p. 71. 148) Schwsdiauer praktische Beobachtungen über venerische Uebel. Wien, 1786. S. 24. Anmeik. *4S0 Curla nn er über die vener.. Krankh. Gott. 1797. S. 73. • — 45 — nius x5o) häufig Cirsen. Die Ursachen aller dieser Krankheiten wirken schwä- chend aufs Lymphsyslem, und werden einzeln in der Aetiologie der Scropheln, der Rachitis , der Lustseuche und Wassersucht abgehandelt. §•5. Ich komme nun zu den Gelegenheitsursachen, die Angiectasie nach sich ziehen können, und werde die vorzüglichsten aufzählen. Gefäfsausdehnungen entstehen durch Congestionen in den Gefäfsen, durch Hindernisse des Kreislau fs, mechanische Anstrengungen des Körpers, wenn sie plötzlich und heftig geschehen, Gewalttätigkeiten, ver- letzte Continuität der Wandungen, Form der Gefafse, Lage des Körpers, durch Fehler der Urbildung. §• 4. l) C o n g e s t i o n e n i5r ) sind Krankheiten der Lehenskraft einzelner Zweige der Blutgefäfse, die eine abnorme Anhäufung des Blutes in den Gefäfsen selbst zur Folge haben, und die normale Ausübung der Functionen des Körpers stören. a) Congestionen rein als solche: Sie können durch erhöhte Reiz- barkeit eines Zweiges oder einer Gruppe kleiner Gefafse entstehen. Die Folge davon ist lebhaftere Oscillation der kranken Sehlagadern , und eine dadurch ver- anlagte Ueberfiillung derselben mit Blut. JDiese activen Congestionen können durch zu grofse Anstrengung die Gefafse schwächen, sie lähmen und so in passive übergehen, die nun der Thätigkeit der gesunden Gefafse nicht das Gleichgewicht halten können, und desto mehr überfüllet werden, je beträchtlicher ihre Kräfte sinken, bis sie in offenbare Anevrismen und Varicen übergehen. Sie können Folge von Leidenschaften: als Zorn, Schreck, Furcht, Angst, Neid u. a. m. seyn und werden durch die verschiedenen Ursachen veranlafst, die Congestionen feewiiken. (siehe R eil a. a. O.) Die durch sie veranlafste Lähmung in den Gefäfsen kann aber auch nur eine, oder auch beide Häute betreffen. Durch anhaltende Vegetation« -Processe kann die Faserllaut überreizt und gelähmt werden, das Gefäfs- zieht sich nicht mehr öv io "), H eunü diss. de vasorum absorbeiitium ad iacbiüdem proereandam jioteiilia , Gült, 1.79; i5i) lieil 1. €. tom. III. p. 3. — 46 — zusammen, indem die Elasticität der Zeilhaut allein wirkend zurückbleibt und das Gefäfs in bestimmten Schranken erweitert hält (passive Congestion?). — Oder die Anstrengung war. so stark, dafs sie der Zellhaut ihre Eigenschaft, einen be- stimmten Raum zu behaupten, oder mit andern Worten, die Elasticität raubte. Nun sind beide Kräfte der Gefäfse vernichtet, (Ectasie?) — die Wandungen dem eindringenden Blute völlig Preis gegeben, welches sie bis zum Zerplatzen ausdehnen kann. V So hinterlassen active Congestionen durch ihren Uebergang in passive, An- giectasien. Keil sagt *52): heftige anhaltende oft wiederkehrende habituell, ge- wordene Congestionen verstimmen die Vitalität des Organs, in welchem sie vor- handen sind, und veranlassen Anevrismen und Varicen. Aber auch Cirsen können auf gleiche Art durch Congestionen in denLymph- gefäfsen entstehen. R e i 1 *53 ) führet Krankheiten ihrer erhöhten und geschwäch- ten Reizbarkeit und ihrer Lähmung im Kapitel vom Saugaderfieber an, und er- weiset auf diese Art in ihnen die nämlichen Verhältnisse, die den Biutgefäfsen eigen sind. b) Congestionen als nothwendiges Bedingnifs bei erhöhten Vegetationsprocessen. Jede erhöhte Thätigkeit eines Organs ist mit einer starkem Vegetation .und diese mit Congestionen verbunden, welche nach Maßgabe der erstem zu sehrüberhand nehmen und Gefäfsausdehnungen zurücklassen können. Lieutaud sah einen jungen Menschen (Abschn. 6. §. 2. No. l.) an Varicen im Gehirn sterben, die er sich durch anstrengende Kopfarbeiten zugezogen hatte. Eben so entstehen Angiectasien , wo durch erhöhte Vegetation mehr Stoff abgelagert wird. Soll an irgend einem Orte mehr, als im normalen Zustande ab- gesetzt werden, so wird dazu ein stärkerer Zuflufs des Bluts erfordert, der mit der Zeit die Gefäfse erweitert, bis er sie endlich krankhaft ausdehnet. Dalier sind Sack- und Balggeschwülste *54), wenn sie nur einigermafsen beträchtlich werden, fast immer von ausgedehnten Gefafsen umlagert ; aus derselben Ursache fand Acrel *55) im Umfange der ungeheuren Lipome, die er ausrottete, so be- 162) R eil l. c. p. 7. x55) L. c. T. II. p. 226. i5|) Richter 1. c. Tom. t. p. 4g5. i55) A.crel 1. c. Tom. IL p. 357 — 4*6. träehtliche Angtectasien , und Voigtel ^G), bei serösen Anhäufungen, Cirsen. Im Hydrocephalo externo sali ich einigemal die Lymphgefäfse der Spinueweben- hant zur Stärke eines Strohhalms ausgedehnt, und schöner als sie wohl durch die gelungenste Injectfon dargestellt werden können. 2) Mechanische Anstrengungen des Körpers, vorzüglich wenn sie plötzlich und schnell geschehen, können durch Dehnung der Gefäfse., oder durch Ueberfüüung derselben mit Blut, Ectasien bewirken. Hierher gehöret das Schreien, Laufen, Reiten, Tanzen, Springen, das heftige Strecken der Glieder, die Verrenkung derselben, das Tragen schwerer Lasten, die Geburtsarbeit u. s. w. Ein vierzigjähriger, stark gebauter Mann wurde im Walde Fäjola plötzlich Von Räubern überfallen, auf Nebenwegen von der Hauptstrafse fortgeschleppt, geplündert, und an einem Baum festgebunden; trotz aller Anstrengung, die er zu seiner Befreiung anwandte, war es ihm dennoch unmöglich, sieh los zu machen, bis endlich nach sechs Stunden ein Jäger aufsein Gebrüll hinzu kam, der der Stimme nachgegangen war;, ihn befreie te und auf die Heerstrafse zurückführte. In Veiitra ruhte der Mann aus, und reiste dann nach Neapel, wo er wegen seines Uebelbefiudens bei Aerzten Hülfe suchen -nmfste; er besserte sich um etwas, ver- schlimmerte sich aber bald wieder, bis er nach acht Jahren in das Krankenhaus di San Spirito gebracht wurde, wo man die Krankheit als ein Aneurisma Aortae erkannte. Nach einigen Tagen starb er, und die Leichenöffnung bestätigte die Diagnose l$l). Wedel i58) sah Varices palpebrarum durch anstrengende Ge- buitsarbeilen entstehen. Lieutaud *5g) erzählt folgende Geschichte eines Mäd- chens : Beim Tragen einer schweren Last auf dem Kopfe glaubte sie das Gefühl zu haben, als wenn etwas in dem Schädel geplatzet wäre, es blieb ein spannendes, drückendes Gefühl an dem Orte zurück, Schwindel stellte sich ein und sie starb nach einiger Zeit. Als der Kopf geöffnet ward, fand man im Gehirn einen Cir- sen von der Giöfse eines Hühnereies, der mit einer trüben Lymphe erfüllet war. Beispiele von Menschen, die sich durch anhaltende und anstrengende Rei- sen zu Fufs und zu Pferde Anevrismen zuzogen ? sind nicht selten. Lanci— i56) Voigtel 1. c p. 499. 157) Guattani 1. c. p. 35. Histor. 25. i58) Wedelii diss. de vaiicibus. len. 1690. p. 10. 159) L. c. lab. III. Obs. 191. — 48 — sius I^°) sah das Herz eines Läufers so grofs als ein Kuhherz, es wog drittehalb Pfund. Icli behandelte einen jungen Mann, der bei sehr heißem und schwülen Welter in einem Tage zehn Meilen geritten war; als er Abends anlangte, konnte ich ihn nur durch wiederhoIte-AderJässe und das strengste antiphlogistische Re- gime von der äufs ersten Beklommenheit der Brust und dem heftigsten Herzklopfen befreien, was so beträchtlich war, dafs es ohne die Anwendung jener wirksamen Mittel nothwendig Anevrismen zurückgelassen hätte. 3) Ferner gehören hierher mechanische Hindernisse des Kreis- laufs. ' a) Synizes^en der Gefäfse. (Ihre Entstehung vid. Abschn. 5.) Astley Cooper1^1) sah den Brustgang verwachsen. Baillie *Ö2 ) erzählet einen Fall, wo ein beträchtlicher Theil der untern Hohlader ganz verschlossen war. Als Folge davon, sagt er, waren die gewöhnliche unpaarige Vene und eine andere ungewöhnliche an der linken Seite so stark ausgedehnt, dafs sin die einzigen Ka- näle bildeten, durch welche das Blut bei seinem Kreislaufe zum Herzen zurück- kehren konnte. Sehr wünschenswerth ist uns diese Folge der Gefäfssynizesen bei Unterbindung der Anevrismen an tlauptarterien. Geschieht sie, dehnen sich die Lateralgefäfse aus und versorgen den Theil mit hinreichendem Blute, so erfreuen wir uns eines glücklichen Erfolges. b) Krankheiten der Valveln. Sie können anschwellen, verknor- peln, verknöchern, zwei gegenüberliegende zusammenwachsen , und auf diese Art das Lumen verringern und das Durchströmen des Blutes zum Theil oder ganz hindern. Man sieht die Hindernisse, die sie auf diese Art dem Kreislaufe in den Weg legen, alltäglich bei den Varicen der Unterextremiläten, wo die Yenen mei- stens von einer Valvel zur andern knotenförmig ausgedehnet sind. Reil sah (a. a. O.) dasselbe von den Lymphgefäfsen; : sie waren von der Fufsspitze bis zu den Weichen gleich einem knotigen Stricke angeschwollen, und Sömmering beobachtete sie am Gekröse vollkommen einer Perlenschnur ähnlich l&2). c) Ferner gibt Gerinnung des Contenti Veranlassung zur Verschlie- fsung des Luminis. So wirken z. B. die Polypen. Als Ursache einer Zerrei- 160) Lancisius de -variis improvisae mortis gcneribus. Vol. II. p. i3o. ibi) Astley Coopcr med. records and researches, Lond. 1798. yoL I. p. 144» 162) Bidloo's Meinung, vid. Abschn. 6. in der Anmerk. fsung des Herzens findet man einen Polypen angegeben »63), Polypose Con- cretionen in den Gefäfsen sind öfters Ursache, dafs blos die Operation Hülfe lei- sten kann. d) Fremde Körper in den Gefäfsen. Walther 164) fand einmal bei einem Manne, der an Lithiasie litt, in den Venen der Harnblase fünf kleine Steine, deren Durchmesser eine bis zwei Linien betrug, und in einem andern Falle sah er drei von derselben Gröfse in den Venen der Muttterscheide *65). Treutier 1^6) entdeckte einen Wurm ( Hexathyridium venarum) in der vor- dem Tibialvene. e) Geschwulst und Auswüchse der Gefäfswände. Stenzel^) er_ zählt die Geschichte eines Mannes, der Herzklopfen, Angstund Kurzathmigkeit hatte. Man fand bei ihm zwei Speckgeschwülste von der Gröfse eines Hüner- eies in dem Bogen, und andere kleinere in dem absteigenden Theile der Aorta. Brebitz 108) hat Fälle von Cirsen und Fieischge wüchsen der Gefafs wandungeil gesammelt. Endlich f; Druck auf die Gefäfse. Er kann von Geschwulst benachbarter Theile des Körpers, oder von absolut aufsein Dingen geschehen. Zusam- menpressimg der Carotiden durch Kröpfe sah Haller ^9). So erscheinen die Varices gravidarum durch Druck der Gebärmutter auf die Iliacalvene. Ectasien im Umfang eines Krebses mögen wohl zum Theil durch Druck seiner scirrhösen Basis auf die benachbarten Venen entstehen. Als Beispiel eines Drucks von absolut äufsern Dingen, dienet der Gebrauch von Strumpfbändern, die oft genug, wenn sie sehr fest angelegt und beständig getragen werden, Varicen der Unterextremi- täten veranlassen. 4) Ge waltthätigkeiten. Verschiedene absolut äufsere mechanische Potenzen können so mächtig auf die Structur der Gefäfse wirken , dafs sie die Wandungen derselben lähmen , dadurch dem Blute freien Einlafs verstatten und i63) Seh reger und Hartes Ann. der ne.uest. engl, und franz. Clür. Toni. II. p. 123. 164) Walt Ii er observ. anar. p. 44. i65) Ejusdem anat. mus. Vol. I. p. 161. Hb. 325. 166) üissert. citata p. 25. 16-?) Stenzel de ateatotn. in ptlncipio arteriae aortae repertis, .Vitemb. 1723. p. 8. i6ö) Brebitz diss. praesid. Faselio, Ien. 1757. p. 39. 16^) IIa 11 er opusc. pathol. Obs. 6. — el JSov. Act. nat. cur. Tom. V. p. 64. G — 5o — Angiectasien zur Folge haben. So wirken Quetschung, Fall, Sto& , Schlag und besonders Commotion. Einige Krankheitsfälle mögen das Gesagte erläutern. Ein Mädchen bekam einen Schlag auf den Kopf, e s erfolgten starker Kopfschmerz, Irrereden, Fieber und nach dem sechsten Monate der Tod. In jeder Hirnhöle fand man einen umschriebenen Cirsen I7°) von der Gröfse einer Haselnufs'. F ahn er xll) sah durch den Schlag eines Pferdes auf die Brust ein Anevrism der Aorta veranlafst. Um zu beweisen, dafs von äufsern Ur- sachen auch innere Anevrismen herrühren können, erwähnet Sömmering diesen Falb Acrel ll2) sah durch einen Pistolenschufs , der gleich neben der Carotis durch den Hals gegangen war, ein Anevrism derselben entstehen. Zu Arvid Fax (vid. Abschn. 11. §. 7.) kam ein Mädchen mit einer angebornen Telangiectasie des Gesichts. Nach genauer Prüfung ergab es sich, dafs die Mutter, als sie noch mit dem Mädchen schwanger ging, so gefallen war, dafs ihr Leib mit aller Gewalt auf den Stock eines abgesägten Baumes aufstiefs; nolhwendig wurde das Kind hierdurch mit verletzt. 5) Verletzte Continuität der Wandungen, als entfernte Ursa- chen der Angiectasien. — Sie entstellt entweder durch äufsere Dinge, durch Schnitt, Stich, Hieb, oder durch verletzende Theile des Körpers, z.B. durch Splitter eines zerbrochenen Knochens , oder endlich durch Krankheiten des Körpers, z. B. Vereiterungen. Dabei werden nun blos eine, oder auch beide Häute zugleich verletzt. Im ersten Fall erfolgt, da eine Membran allein dem Andränge des Bluts zu widerstehen-, unvermögend Ist, die Art von Ectasie, die man die gemischte nennt $ sie kommt meistens bei Phlebotomien vor, wo die Zellhaut der Arterie mit getroiTen wird, das Instrument aber nicht bis in die Hole derselben drang. Im andern Fall, wo beide Häute zugleich getrennt sind, können sie durch Natur oder Kunst zusammen heilen und zu spätem Angiec- tasien Ankfs geben. Fischer zu Rynach *#) theilt im Museum der Heil- kunde einen hierher gehörigen Fall mit. Die Arteria radialis war drei Zoll hinter dem Flandgelenke mit einem Messer verletzt worden, die Blutung war sehr beträchtlich, wurde durch starkes Binden gestillt, und die Wunde der 170) Lieutaud 1. c. lib. 3. obs. 108. 171) Baillie 1. c. p. i3. aimot. 54. / 172) Acrel 1. c. 17J) .Fischer im Museum der Heilkunde 1. e. \ Öl Schlagader vollkommen vernarbt. Allein nach einiger Zeit fing die Arterie an sich auszudehnen , bis sie nach zwei Monaten die Gröfse eines mäfsigen Borsdor- ferapfels erreicht hatte, und ausgerottet ward. Endlich können die Häute auch noch auf andere Art in ihrer Continuität ver- letzt werden, nämlich sowohl durch eigene, als benachbarter Theile Krankheiten, wie Entzündung, Eiterung I74), Brandt) ihrer eigenen Wände, oder anlie- gender Organe; so sah Cruikshank I7^), dafs bei der Vereiterung einer vene- rischen Leistendrüse die unterliegende Arterie durch das Eiter durchfressen wur- de, und eine tödtiiche Blutung veranlagte. Paletta »77 ) glaubt, dafs alle anevrismatöse Geschwülste durch kleinere oder gröfsere Löcher, oder durch schwielige Risse der innern Haut entstünden. 6) Die Gestalt des Gefäfses kann auch zur Entstehung einer Ectasie mehr oder weniger beitragen. a) Erstens geschieht dies, wenn das Gefäfs in so einem Winkel gebogen ist, dafs die aus einem Schenkel desselben kommende Blutwelle mit ganzer Gewalt an die gegenüber liegende Wand des andern Schenkels anstöfst. Dies ist der Fall beim Bogen der Aorta; er empfängt in seiner Flexur den ganzen Stofs des mit Kraft aus dem Herzen gespritzten Blutes, und ist daher vor allen übrigen grofsen Arterien zu Ectasien geneigt. b) Oder zweitens, wenn gleich grofse Gefäfse sich so verbinden, dafs ihre Stämme in entgegengesetzter Richtung sich vereinigen und einander gleichsam entgegenwirken; der Kreislauf wird hier nothwendig erschwert, indem nach phy- sischen Gesetzen zwei entgegengesetzt wirkende Kräfte sich gegenseitig aufheben, und er müfste ganz aufgehoben werden, wenn das Blut nicht durch Seitenäste entwei- chen könnte. So entstehen zwar im normalen Zustande keine Ectasien, bei der mindesten hinzukommenden Veranlassung aber um desto leichter an Orten, wo diese auf Gestalt begründete Anlage zugegen ist. Am deutlichsten sieht man dies ' an den runden OelYnungen des Körpers, wo die Gefäfse sich im Kreise theils be- gegnen, theils vereinigen; und hierin mag wohl die Ursache liegen, wenn nach 174) Ibid. p. 33. 170) Brebitz I. c. p. 37. 176^ Cruikshank Geschichte der einsaugenden Gefäfse, v. D. Ludwig. S. n3. 177) Taletta in "Wcigel's ital. med. chir. Bibliothek. B. 4. St. 1. S. 7. G 2 02 Reil r73) die Einrichtung der Gefäfse an. den runden Oeffuungen des Körpers Angiectasie begünstiget, und wenn am Pförtner, dem Muttermunde, dem Schlie- fser, der Scheide, dem Elasenhalse, dem After, an den Augenliedern, und am Munde so leicht Gefäfsausdehnungen entstehen. 7) Stellung des ganzen Körpers fördert auf mancherlei Art die Ge- ■ fa'fs-Ectasien. Vieles und anhaltendes Stehen gibt Anlafs zu Varicen der Unter- extremitäten, wie ich oft bei Schriftsetzern zu beobachten Gelegenheit hatte. Die beim Sitzen nothwendige Beugung des Körpers stört theils durch die Zusammen- pressung des Unterleibes den Kreislauf in demselben, theils häuft sie das Blut im Mastdarme durch den Druck der Gedärme auf denselben, und erzeugt auf diese Art Hcemorrhoiden. 8) Endlich sind Gefäfsausdehnungen mit Feldern der Urbild ung gege- ben. Michaelis *79) sah einen Mann, der von seiner frühesten Jugend an neun wahre Anevrismen am linken Arme hatte 5 sie veränderten sich nicht, wurden weder kleiner noch gröfser. L entin *8o) sagt: in einer fehlerhaften Bildung des Herzens und der grofsen Gefäfse hat ein unheilbares Uebel, die blaue Krank- heit, ihren Grund. Zahlreiche Beispiele derselben hat Voigt el i^1) gesammlet. Mang et l8~) sah eine schwangere Frau, die besonderes Verlangen nach einer Hasenlunge hatte; sie wurde ihr zum Essen bereitet,, und von ihr mit ungewöhn- lichem Appetite verzehret. Als sie niederkam, hatte das Kind an der Lippe eine Geschwulst, die ganz den Lungenflügeln eines Hasens glich und ihrem Wesen nach eine vollkommene Angiectasie war (vid. Absclm. 11. §. 4.). 178) Reil 1. c. tom. III. p. 209 et 210. 17g") In Loder's Journal B. 2. p. 665. ,180} L entin 's Beitrage etc. Leipzig, 1798. Vol. II. p. 6g. iui) Voigtel 1. c. p. 38o. 182) Mang et bibliotlieca chhurgica Genevae 1721. tom. IV. Lib. 17. p. 94. cap. 3o. — 53 — Achter Abschnitt. Cur der Angiectasie im Allgemeinen. §. i. V 011 der Cur darf ich blos das Generelle aufstellen, die Grundsätze ordnen, nach denen wir im speciellen Fall handeln; wie diese aber jeder individuellen Krankheit angepafst werden müssen, dies lehrt die specielle Therapie, die, so weit sie durch den gegenwärtigen Zustand der Heilkunde vervollkommnet worden, durch die Schriften mehrerer Aerzte, eines Guattani, Flajani, Frank, Pott, Hunter, Bell, Richter, Callisen, im einzelnen gegeben ist. Die Cur richtet sich nach der Einfachheit und Complication der Krankheit. Sind andere Krankheiten, als Entzündung, Verhärtung, Eiterung, Caries etc. mit vorhanden : so müssen sie nach ihrer Art behandelt werden ; sie haben ihre eigene Tndicationen und die Priorität belehret uns meistens über die ursächliche Verbindung, sie zeigt uns, welche Krankheit Ursache der andern ist, und welche daher erst zu beseitigen sej. Entfernte Ursache E. Noch vorhandene entfernte Ursachen müssen gehoben werden, wenn ihre Beseitigung möglich ist; Congestionen werden abgeleitet, und nach den übri- gen Grundsätzen geheilt, die Reil, im Kapitel von ihnen, bestimmt hat. Ver- härtete Drüsen , die auf die Gefafse drücken , müssen zertheilt, Beingürtel gelöset, Krebse ausgerottet, fremde Körper ausgezogen und Wunden der Gefälle per primam intentionem geheilet werden. Ist die entfernte Ursache nicht gehoben, so kommt keine Radical- Cur zu Stande, denn gesetzt auch, die eine Ectasie würde geheilet, so entstehet Ausdeh- — 54 — nung an andern benachbarten Orten. Ist die entfernte Ursache aber "beseitigt , so wird die Heilung möglich, ja erfolgt zuweilen von selbst. Htemorrhoiden , die durch Druck und Schwäche in den Gedärmen entstanden, verschwinden, wenn jene gehoben sind. Chsen, die durch ein Krebsgeschwür veranlafst worden , hei- len, wenn das Krebsgeschwür geheilet ist. Varices. gravidarum vergehen nach der Niederkunft, wenn der Druck der Gebärmutter auf die Iliacalgefäfse aufhöret. S- 5. Cur der Diathese. Die Diathese, wenn sie vorhanden ist, wird nach ihren verschiedenen Ver- hältnissen gehoben. Ist sie ein Erzeugnifs von Scorbut, Scropheln, Syphilis, Arthritis, so werden diese durch die gegen sie angezeigten Mittel geheilt. Oft ist ein Mifsverhältnifs der Quantität der Blutmasse zu den Ki äffen der Gefäfse als Diathese zu betrachten. Wir mindern hier die Menge des vorhande- nen Blutes , stärken die Gefäfswanduugen und stellen dadurch das Normalvei hält- nifs wieder her. Die erste Indication erfüllen wir durch Blutausleerungen , nach denen in der Regel die Anevrismen sich sogleich verkleinern *83), durch gelind abführende Mittel, als Weinsteinrahm, Salpeter etc. und durch verminderte Erzeugung des Blutes; zu dem Behufe geben wir vegetabilische, wenig nährende Kost und lassen viel Wasser trinken. i Der zweiten Indication ist schwieriger Genüge zu leisten. Wir sollen die Ge- fäfse stärken , und geben daher vegetabilische und mineralische Säuren, Adstrin- gentia und den Alaun, empfehlen dem Kranken einen kühlen Aufenthalt und wo möglich kalte Bäder. Doch dürfen letztere Mos dann angewandt werden, wenn ihre Kälte bis auf das Anevrism wirken kann, dasselbe also nicht zu tief liegt, sonst vermehren sie es durch die Anhäufung des Bluts nach innen , die der Zu- sammenziehung der Gefäfse an der Oberfläche folgt. Ferner müssen von den stärkenden Mitteln nur solche ausgewählt werden, die durch ihre Nebenwirkung weder die Blutmasse vermehren, noch den Körper erhitzen, weil sie sonst mehr schädlich als nützlich sind, daher Sauren und Alaun das meiste leisten. Dr. Merk *H*) i!]j) Vid. Loder Journal Vol. I. p. 228. x&i) Vid. f, 6. — 55 — heilte die Diathese seiner Kranken, die örtlichen Mittel nicht gerechnet, durch den Gebrauch der Schwefelsäure mid gelinder abführender Mittel. Zuweilen ist durch die Einwirkung der Nerven auf die Faserhaut eine besondere Reizbarkeit mit vorhanden, deren häufigere Oscillationen leicht zu An- häufungen des Fluidi Anlafs geben können. Hier passen beruhigende Mittel, das Extract des Bilsenkrauts allein, zu mehrern Granen, mit Zucker abgerieben in Pulverform , oder mit Mohnsaft ( doch mufs man sich vor dessen Congestionen hüten) in Pillen form. Rp. Extr. Hyoscyami Opii puri aa 3J M. F. pilulae pond. gr. ij Consperg. pulv. Lycopod. D. S. Abends eine Pille zu nehmen. . ; Nach einiger Zeit auch früh eine, bis man nach und nach die Dose vermeh- ret. Verträgt sie der Kranke, so habe ich von dieser Mischung weit mehr Wir- kung gesehen, als wenn die Mittel einzeln gegeben wurden. Vorzüglich passend sind auch die Contrastimulantia der Italienischen Aerzte ; sie mindernden Herz- schlag, machen den Puls seltener, besänftigen das Gefäfssystem. Man gibt das Kirschlorbeerwasser von zehn bis seehszig Tropfen täglich zwei und mehrere Male ; ferner den rolhen Fingerhut in Extract. von drei bis zehn Granen , in Tin- ctur zu 6 — 10 und nach und nach bis 6o Tropfen, alle 3 Stunden, besser aber die Blatter, entweder im Pulver von einem bis sechs Granen, oder im Infus: Rp. Folior. digital, purpur. 3j -ij infunde s. q. aquae fervid. ad Colat. IV. adde syrup. Diacod. ?}. D. S. Efblöftelweise zu nehmen. Ich habe einige Mal sehr vortheilhafle Wirkungen von diesen Mitteln gese- hen. Auch kann man mit ihnen die angezeigte stärkende Curmethode verbinden wenn bei erhöhter Reizbarkeit die Energie gemindert seyn sollte. Und in Fällen, wo alle Hülfe vergebens war, brachten sie noch die meiste Erleichterung zu \yege. §. 4. Die Diathese der Lymphgefäfse zu Cirsen kommt sehr oft vor, ist aber mei- stens von andern Krankheiten, von Scropheln, Syphilis, Rachitis, Cachexien ab- — 5ß — hängig und wird dann meistens durch Mittel, welche jene Krankheiten heilen, ge- hoben. Doch scheint auch hier zuweilen ein Mifsverhältnifs zwischen der Quan- tilät der Lymphe und den Kräften der Saugadern vorhanden zuseyn, und bey* hvdropischen uud pituitösen Anlagen i85) Cirsen hervor zu bringen; wir leeren alsdann die Lymphe durch die Haut, den Mastdarm und die Nieren aus, geben Diaphoretica, Drastica und Diuretica und stärken zuletzt die Gefäfse durch Fär- berröthe, China , Eisen. - Wäre das Zellgewebe blos eine Verschlingung der feinsten exhalirenden und resoi birenden Gefäfse (vid. Bichat und Autenrieth), so würde ihre Ectasie Wassersüchten begründen. Ist die Diathese zu Angiectasie nicht gehoben, so bleibt die örtliche Hülfe unzureichend; gesetzt sie gelänge, so folgen Ausdehnungen an andern Orten. Wesv. egen auch Hunters Methode, der die Arterie fern von ihrer Ausdehnung unterbindet, bei allgemeinen Diathesen unzulänglich ist, obgleich, wenn die Ver- derbnifs nur einen Stamm betrifft, niemand ihre Zweckmäfsigkeit bestreiten wird. §•5. Unmittelbare Cur der Angiectasie. Die Cur der Gefäfsausdehnunge, selbst richtet sich nach ihrem Grade. 1) Ist die Ectasie m'ä£sig, was man nach dem Grade ihrer Abweichung vom Normaldurchmesser bcurtheilen kann, ist sie erst vor Kurzem entstanden, noch weich , und ohne beträchtliche Degeneration, kann sie durch Compression des zu- führenden Gefäfses und durch auf sie angebrachten Druck., oder durch gelindes Streichen entleeret werden, so kann der Arzt noch Heilung derselben hoffen. In diesem Zustande sind alle Mittel hülfreich, die den Zuflufs des Blutes hindern, die Gefäfshäute zusammenziehen und stärken. Die vorzüglichsten sind folgende; a) Adstringentia aller Art. Man bedeckt die Ectasien mit Thedeuschem Schufs wassei'7 Schmuckerschen Fomentationen, mit Abkochungen der Eichen- rinde, der Tormentille , Bistorta, der Galläpfel, mit Auflösung des Alauns oder gequetschtem Hauslauche. Diese Mittel sucht man dem speciellen Falle, der Con- stitution des Kranken und den leidenden Organen anzupassen. Mehr leisten sie in schicklicher Verbindung mit angebrachtem itf3) Vid. Abscim. 4. Die Diagnose innerer Angieclasien. b) Drucke, einem Mittel, auf welches Guattani zuerst aufmerksamer macht, und dem wir so viele Heilungen der äufsern Angiectasien zu verdanken haben. Man comprimirt das Gefäfs örtlich mit Bleiplatten, graduirten Compres- sen, oder dazu geeigneten Compressorien. Aber es entstehet mancher Nachtheil dadurch, Schmerz, Geschwulst, Oedem unter dem Bande, so dafs es dem Kran- ken unleidlich wird. T h e d e lr half diesem Uebel ab, er empfohl die gleichzeitige Einwickelung des ganzen Gliedes und machte dadurch ein Mittel anwendbarer, von dem wir die meiste Hülfe erwarten können. Der Andrang des Blutes wird durch die allmählige Compression gemindert, die Gefäfswände genähert, ihre Kraft un- terstützt, durch roborantia erhöht, und die Ectasie oft genug geheilet. Wir wen- den den Druck so lange an, bis die Herstellung vollkommen ist, nur Schade, dafs wir ihn nicht bei Gefäfsausdehnungen aller Orte benutzen können ; denn bringen Wir auf innere Ectasien, die bis an die Oberfläche des Körpers vorgedrungen sind, den Druck an, so drücken wir sie nicht zusammen, sondern pressen sie in die Hole zurück. Anwendbar ist also die Compression blos an äufsern Gefäfsen des Kopfes, zuweilen auch des Halses. Acrel heilte (vid. Abscbn. 6. §. 5. No. 4.) ein Anevrism der äufsern Carotis durch Compression. Am passendsten ist sie aber an den Extremitäten , nur selten bei Ectasien des Rumpfes und zwar blos dann, wenn sie oberflächlich über einem Knochen gelegen sind, der zum Gegendrucke tüchtig ist. Schade, sage ich, dafs dies wichtige Mittel, in den gefahrvollem an- nern Ectasien, die in den Holen des Körpers vorkommen, uns verläfst. Doch scheint bei ihnen dessen Stelle c) die Kälte einzunehmen. Wo weder äufsere Adstringentia noch Druck hingelangen, wirkt sie durch ihre physische Derivation; sie vermindert den An- draug des Blutes, ziehet die Faser zusammen und stärket sie, will aber anhaltend und im höhern Grade gebraucht werden, wenn sie ihre Wirksamkeit an den Tag legen soll. Kalte Umschläge, die Schmuckerschen Fomentationen, sind selten zu- reichend, Schnee und Eis hingegen erfüllen oft den Zweck, den man von ihnen hoffte. Brückner «86) hält das Eis für das vorzüglichste Heilmittel in Gefäfs- ausdehnungen. Merck heilte seine Kranke (a. a. O.) nebst den innern Mitteln durch Application der Eiszapfen auf die einzelnen Anevrismen. Vielleicht dafs der höhere Grad von Kälte, den wir durch Kunst hervorbringen, noch mehr lei- 186) In Loder's Journal Tom. I. pag. 288. H — 58 — sten sollte; man könnte zu dem Behufe. abwechselnd gestofsenes Eis mit Küchen- salz, Salmiak oder Salpetersäure gemischt 187) auflegen. Können wir durch Beseitigung der entfernten Ursache durch die angezeigten innern und durch die Vereinigung der drei angeführten Mittel keine Besserung, keine Heilung bewirken, so bleibt uns noch der letzte Ausweg übrig, die folgende Curmethode» .. , 2) Ist das erstere Heilverfahren unzureichend, das Gefäfs sehr erweitert, der Tumor hart, seinContentum geronnen und auf keine Art zu entleeren, hat die Krankheit schon lange gedauert, sind die Gefäfswände degenerirt, verdickt, ver- knorpelt, verknöchert, so bringt man den degenerirten Theil nicht zur Norm zurück und mufs ihn auf die schicklichste Art aus der Reihe der Lebenswerkzeuge auszustreichen suchen; dies geschiehet auf zweierlei Weise: a) Man bewirkt Zusammenwachsung der Wände durch allmähliche, aber anhaltend. fortgesetzte und endlich vollkommne Compression dann, wenn der Tu- mor sich noch einigermafsen entleeren läfst. Wird das Letztere aber durch das coagulirte Contentum verhindert, so kann mau bei kleinern Gefäfsen und weniger bedeutender Degeneration ihrer Wände , einen Einschnitt machen, das Coagulum ausleeren und dann durch Compression heilen. b) Ist aber das Gefäfs gröfser , die Degeneration der Wände sehr beträcht- lich, so ist die Zusammenwachsung wegen letzterer unmöglich. Hier legt man ein Tourniquet an, unterbindet das Gefäfs oben und unterhalb der Ectasie und schält es nach den Regein der Kunst aus.- Ist die Gefäfsausdebnung der Art, dafs man sie für ganz örtlich halten kann, so unterbindet mau nicht sehr weit vom Tumor im gesunden Theile des Gefäßes» Hat man aber Verdacht, dafs der Ge- fäfsstamin weiter erkrankt sey, so macht sich die Ligatur entfernter vom Tumor nöthig. So. unterbindet Hunt er beim Anevrism der Poplitea die Cruralarterie eine Handbreit über dem Knie, und läfst diese einzige Ligatur liegen, bis der Tu- mor verschwindet. Soll die Unterbindung nützlich seyn, so mufs sie im gesunden Theile der Ader geschehen, in jedem andern Fall ist sie unnütz. Die Ausrottung der Geschwulst selbst hängt dann davon ab, ob allmahlige Verkleinerung und Entleerung nach einiger Zeit folgt, und ob die Degeneration der Wände beträcht- lich ist.. Wie sie geschehe, lehret die specielle Chirurgie (vid. Bell, Richter etc.) 187) Beim. Gebrauch dieser Mischungen wäre es nothwemLg , den Theil mit einer dünnen, mit Oel getränkten Blase zu bedecken, um ihn gegen Corrosionen zu schützen. Nach der vollkoramnen Verschliefsung des GefäTses oder dessen Ausscha- lung, legt man Thedens Einwickelang an, befeuchtet anfangs das Glied mit dessen Schufswasser, sucht aber, so bald als möglich, das Blut in die Lateralge- fäfse zu leiten, um die Nutrition desselben wieder herzustellen; man befeuchtet zu diesem Behuf die Gegend, nach der man das Blut leiten will, z. B. den Vorder- arm beim Anevrisma brachiali, mit aromatischen und geistigen Mitteln und wendet die ElectVicität an demselben an. Dieses Mittel heilt freilich das Uebel am gewissesten, ist aber blos nach ge- heilter Diathese oder bei örtlichen Ectasien anwendbar, und wird durch die Digni- tät des Organs bedingt. Je wichtiger dies ist, desto schwankender ist auch die Hoffnung zur Genesung; gehöret das Organ endlich zu den Hauptfaktoren des Lebens, so ist die Operation unmöglich, weil sie den Tod nach sich zöge. Den Fortschritten der neuern Chirurgie haben wir es zu verdanken, dafs sie weit siche- rer geschehen kann. §.6. Ganz nach denselben Grundsätzen werden die Telangiectasien behandelt. Haben sie erst kurze Zeit gedauert, keinen hohen Grad erlangt, so können viel- leicht noch zusammenziehende, stärkende Mittel was leisten. So geben wir z. B. bei Gefäfsausdehnungen des Darmkanals, die Hsmiatemesis und Heemorrhoe be- wirken, Alaun, Säuren und Campeschenholz nicht selten mit Erfolg. Haben Telangiectasien äufserer Theile schon einen höhern Grad erlangt, so schneiden wir sie auf, leeren das Blut aus und versuchen dann Adstringentia, Druck und Kälte. Haben sie aber das ganze Organ zerstöret, so bleibet allein die Ausrottung übrig. Alle Mittel, die ich bei einem Fall (vid. Abschn. 10.) anwandte, um ohne dieselbe zum Zwecke zu kommen, blieben fruchtlos; vielleicht hatte die verhalt- nifsmäfsig aufserordenlliche Ausdehnung, die wir in der Telangiectasie beobachten, einen solchen Grad von Degeneration bewirkt, dafs die Gefäfs wände aller ihrer eigenthiimlichen Kraft beraubt, nicht mehr zur Norm zurückgeführt werden konn- ten, denn in allen den Fällen, die ich beobachtete, waren sie so dünn, dafs mau die Farbe des in ihnen fliefsenden Blutes deutlich unterscheiden konnte. Es bliebe also die Ausrottung oder Zerstörung des degenerirten Theiles als einziges Mittel übrig, so die Castration bei der Telangiectasie des Geilen, der Hasenscharten- schnilt bei der Telangiectasie der Lippen. So werden ferner die kleinen Büschel II 2 ausgedehnter Gefäfse auf der Oberfläche der Hornhaut durch Salzsäure zer- störet. Mit dem Höllenstein heilte ich einige Male anfangende ganz kleine Telau- giectasie des Gesichtes. §. 7- Regime und Diät. Regime und Diät lassen sich im Allgemeinen nicht gut bestimmen, sie rich- ten sich nach der jedesmaligen Anlage des Körpers. Anders sind sie im Scorbut, als in der Plethora, anders in der Arthritis, als in Scropheln. Gemeiniglich sind alle zufallige Reize, alle Dinge, die die Circulation beschleunigen, bei beträcht- lichem Ectasien zu vermeiden, daher Guattani von anhaltender Ruhe im Bette so viel erwartet; der Kranke mufs alle heftige Bewegungen, erhitzende Getränke und Speisen meiden , sich in einem kühlen Zimmer aufhalten , der Ruhe pflegen, vorzüglich aber sich vor Anstrengungen des afficirten Theils selbst hüten, vor lautem und vielen Sprechen, Singen, Treppensteigen beim Anevrism eines gro- fsen Gefäfses in der Brust; vor zu vielen groben Speisen, umiöthigen Clystiren und Laxänzen beiHaemorrhoiden. Doch erleidet alles dies mit Rücksichtnahme auf Anlage und entfernte Ursachen manngifaltige Einschränkungen. Die Cirsen erfordern ihr eigenes Regime nach Mafsgabe der Krankheiten, von denen sie entstehen« Neunter Abschnitt. Prognose bei Angiectasien. I §. 1. m Ganzen sind Ectasien böse Krankheiten. — Die Vorhersagung bei ihnen hängt von der Dignität des afficirten Organs ab; gefährlicher ist ein Anevrism der Arteria meningea, als ein solches der Radialarterie; schlimmer sind Varices der Leber als die der Fiifse, nachtheiliger ist ein diffuser Cirse des Brustganges, als einer am Arme. — Ferner von dem Grad des Uebels. Leicht ist eineEctasie, die den Normaldurchmesser um die Hälfte übertrifft, und ohne sichtbare Dege- neration ist, als eine andere, die ihn sechsmal überschreitet und mit Verhärtun- gen verbunden ist. — Von der entfernten Ursache: Kann diese gehoben werben, so ist ein glücklicher Erfolg eher zu hoffen. Varicen, die durch den schwangern Uterus entstehen, verschwinden von selbst. Unheilbar ist hingegen ein Varix der Veua azyg'os, welcher von einer Synizese der untern Hohlader entsteht. — Selten kommt Heilung bei mitvorhandener allgemeinen Anlage zu Stande. — Genesung erfolgt öfterer bei Angiectasien , die Folge,absolut äufserer Ursachen sind. — Hat das Uebel erst kurze Zeit gewähret, so wird es leichter geheilet, als wenn es durch seinen längern Aufenthalt das Bürgerrecht im Organism erhalten hat. — Einfache Ectasien sind besser als mit Entzündung , Eiterung, Brand, Beinfrafs etc. zusam- mengesetzte. — Besser solche, bei denen man das Heilverfahren in seinem gan- zen Umfange anwenden kann, daher die Gefahr bei innern Ectasien, weil bei ihnen weder Druck noch Ausschälung anwendbar sind. — - Endlich hängt die Vor- hersagung noch von der Wirkung der Cur ab 5 bessert sich der Zustand nicht, so bleibt alles zu befürchten übrig. Die Folgen und Ausgänge der Krankheit sind mannigfaltig. — '* Bei der Telangiectasie greift die Krankheit immer weiter um sich , breitet ihre Gränzen weiter aus und nimmt einen gröfsern Theil ein, weil das im afficirten Theile ange- füllte Blut in die benachbarten Gefäfschen einzudringen sucht, auch sie überfüllt, mit der Zeit krankhaft ausdehnet, und eben so verletzt, wie die erstem. So kann Telangiectasie weiter kriechen , Organe augreifen, deren Verlust uns sehr schwer ankommt, oder gar tödtlich ist. Bei einzelnen Ectasien wächst die Krankheit nicht so sehr durch Ansteckung benachbarter Theile, aber desto mehr in dem afficirten Aste , er wird mehr und mehr ausgedehnet und im höhern Grad degenerirt, die Ectasie erlangt eine enor- me Gröfse, zerstört durch ihren Druck die benachbarten Theile, bewirkt Läh- mung, Tabes durch Druck auf die Nerven der Glieclmafsen, Caries durch Druck auf die Knochen, Entzündung, Eiterung^ Brand durch ihre Einwirkung auf die weichen Theile ? und veranlagt endlich den Tod. — 6s — . In beiden Fällen, sowohl in der Telangiectasie als in der Ausdehnung ein- zelner Gefäfsstämme, wachst die Krankheit unauf geh alten ihrer Intensität. und Extensität nach und wir müssen alle Augenblicke den traurigen Ausgang dersel- ben erwarten. Der Mensch stirbt .durch den Druck, den sie auf benachbarte Theile bewirkt, wenn letztere edel sind , z. 3o. h ervorragen de Geschwulst, von der' -Größe eines ErdschildkrÖtencies; sie war weich, elastisch, an der Oberfläche uneben und sab dunkelblau aus, das Kind konnte nicht saugen, und bekam seine Nahrung blofs dadurch, dafs die Amme durch Zusammenpressen der Brust ihm etwas Milch einflöfsle. Nachdem alles, fährt er fort, was der Sitte gemäfs erfordert wird, vorbe- reitet war , zerstörte ich den krankhaften Theil mit goldenen glühenden Messern. Es entstand eine heftige Blutung, die mit Mühe gestillet ward, nach einiger Zeit fiel der Brandschorf ab, und der Theil heilte durch Eiterung. 2) Ein anderes Mädchen sah er im Jahr i642. Es war ungefähr sechs Mo- nat alt, und hatte eine Unterlippe, die den merkwürdigsten Anblick gewährte; sie ähnelte den Flügeln einer Hasenlunge vollkommen , war zu der Gröfse ange- schwollen, dafs sie der Faust des Kindes glich; sowohl nach innen als außen von der natürlichsten Gestalt ab w eichend , war sie im Ganzen violett und nur hie und da etwas heller gefärbt; unzählige, Adern bildeten auf ihrer Fläche mannigfaltige Furchen (sulcos), übrigens fühlte sich der Tumor elastisch, wie das Parenchym der Lunge, an. Die Mutter halte während der Schwangerschaft auf ihr dringendes Verlangen eine Hasenlunge zur Speise bekommen, und Manget glaubt, dafs eine lebhafte Phantasie während der Schwangerschaft Einflufs auf die Erzeugung der Krankheit des Kindes gehabt habe. 5) Aehnliche Krankheiten beobachtete derselbe Schriftsteller auch an altern Personen. Ein erwachsenes Mädchen *<ß) hatte eine sehr geschwollene Oberlippe, deren Farbe einer halbreifen Maulbeere glich, übrigens war die Geschwulst ganz varicös und fühlte sich elastisch an, wie die Lungensubstanz. Manget vermu- thet, dafs die Geschwulst durch einen kleinen Varix entstanden sey, der durch den Zuflufs der Safe vergröfsert worden und sich endlich so ausgebreitet hätte, dafs er der Kranken am Sprechen und Kauen, wegen der gestörten Bewegung des Mundes, sehr hinderlich ward. i 5. Telangiectasie der in 11 er n Fläche der Lippe. Ein Mädchen aus Noricke, 7 bis 8 Jahr alt, sagt Acrel l$\), wurde 1760 im Hospital aufgenommen; sie war mit einer verunstalteten Lippe geboren, die Farbe nß) Ibid. Lib. XV i. c. g. p. 8*3. 19 \~) Acrel 1. c. Lib. I. p. 6". — 79 — der aufsein Haut war weiß und natürlich, aber ihre innere , gegen den Mund ge- kehrte, Seite bläulich und erhaben. Wenn sie den Mund zum Reden oder Essen öffnete, fiel die Lippe über das Kinn herab; um dieselbe wieder hinauf zu ziehen, mußte sie den Kopf eilig zurück, das Kinn gleichsam vorwärts werfen, und die Lippe zu gleicher Zeit durchs Athmen aufwärts in den Mund saugen. Der krankhafte Theil ward ausgerottet und das Mädchen geheilt. §. 6. Die Leopoldinisc he Lippe. Vielleicht hat sie Aehnlichkeit mit der vorhergegangenen gehabt. Die Ge- schichte erwähnt, dafs der römische Kaiser Leopold uß) von seiner Geburt an, eine ungewöhnlich grofse niederhangende Lippe gehabt habe, die, so oft er in Zorn gerieth, auf das Kinn herab fiel. Congestionen des Blutes nach dem Kopfe sind beständige Begleiter dieser Leidenschaft,, dem Andränge des Blutes war die Lippe durch ihren krankhaften Bau vorzüglich Preis gegeben, die Erfüllung derselben mit mehrerem Blute maßte ihre Schwere vermehren und ihr Herabfallen zur Folge haben. §• 7- Telangiect'asie der Stirn. Der schwedische Arzt D. Arvid Faxe I^ß) sandte die Beschreibung einer merkwürdigen Geschwulst der Stirn der König], schwed. Aeademic der Wissen- schaften zu. - Er sagt: Die Witwe eines Kauffartheibootsmanns brachte ihre vierjährige Tochter, deren Stirn - Gewüchs unfehlbar von einem Fall der Mutter entstanden war. Sie glitt nämlich im fünften Monate ihrer Schwangerschaft, gleich nachdem sie das Kind sich regen gefühlt hatte, aus, und fiel vorwärts mit dem Unterleibe auf einen in der Erde stehenden Stock eines abgehauenen Baumes; daraufhatte sie einige schmerzhafte Empfindungen im Unterleibe, gebar aber- das Kind zur rechten Zeit, welches dann das Gewüchs an der Stirn mit zur Welt brachte. Dieses war an- fangs klein, mit der Zeit aber immer größer geworden. »o5). MqP rioye-9 en or et en aigent rjui rotnposent u'ne de difförentes paities du Cabinut de S. M. L'Ktnp-'.reur. Bu deux. Voll. Fol. a Viemie, i~>56 — l7'->9- '!1 diesem Wevk'ö sind mehrere Abdrücke von Gold- und Siltietnuii./.t n dts Kaiseis Leopold mit einer }»»{-- deili ii Rundet) Lippe, sagt Acrel's Uebeiseizer. D. Marray a. ,. O.. iqG) De: Konigl Schwed. Acad. der Wiss. Abhandl. a. d. NauukLse 1778. a. d, Schwed. vau Kästner, Vol. .(O. iL p. 174. Jetzt fing die Basis des Gewüchses an der Kronnath an, von welcher es quer herunter über das rechte Auge ging, und von wo aus es dem levator proprius labii superioris längshin folgte, sich dann quer zur Nase hinbog, und an dem Rücken derselben hinanstieg, so dafs der rechte Nasenknochen nicht zu fühlen und der linke seitwärts gedrückt war. Es setzte sich nun an der Linea longitudinalis über der Stirn bis zum Blättchen fort, wo es mit dem gewöhnlichen Haarwuchse be- deckt war. Die Breite des Gewüchses vom linken Auge bis an die Mitte des rechten, dessen Hälfte es bedeckte, betrug vier Zoll; seine Stärke vor dem letzt genannten Auge drei und sieben Achtel Zoll; es. war meist kugelförmig, gewölbt, schmerz- los; mit beiden Händen gefafst fühlte es sich wie mit Feuchtigkeit erfüllt an, war weich, elastisch und an mehrern Orten polsirend; drückte man den Tumor ge- gen den Kopf, so empfand das Mädchen Brausen vor den Ohren, welches mit dem Drucke zunahm und Geneigtheit zum Schlaf erweckte, sonst beantwortete das Mädchen alle Fragen, ihrem Alter gemäfs, vernünftig, sprach fertig, war leb- haft, und hatte, aufs er einem Zerren und den häufigen kleinen Pulsationen, in der Geschwulst keine Beschwerden. Da das Stirnbein , aufsei- dem noch fühlbaren arcus superciliaris , ganz auf- gelöst war, so hielt es Faxe für einen durch Trennung der Knochen entstandenen Hirnvorfall, was mir aber unwahrscheinlich ist. Seiner Beschreibung zufolge entstanden Zufälle eines gedrückten Gehirns, blofs wenn der Tumor gegen den Kopf, aber nicht dann, wenn er selbst zwischen zwei Händen gedrückt wurde, was nothwendig hätte geschehen müssen, wenn er einen Theil des Hirns enthalten hätte , und dafs nicht bei jedem mangelnden Kno- chenstücke Hirnvorfälle entstehen , lehrt vorzüglich die Feldwnndarzneikunde. — Wahrscheinlicher ists mir, dafs es eine durch Fall entstandene Telangiectasie der genannten Theile gewesen sey, da kein wesentliches Merkmal derselben fehlte ; der Tumor war schmerzlos, weich, elastisch, schwappernd, an allen Orten pulsirend und auf der Abbildung *97), die übrigens nicht ganz befriedigend ist, sah man viele Gefäfse über den Tumor hinweg laufen , die gleichartige -Verletzung der Haut anzeigen. Das Stirnbein mochte vermuthlich auf dieselbe Art in Ge- fäfse aufgelöst seyn, wie das von Reinhold 198.) beobachtete Schulterblatt, es 197") L. c. Tab. V. Fig. i u, 2. 198) Vid. §. 6. j\ro. 3o. ist also leicht zu erklären, wie das seines Schutzes berauhte Gehirn gedrückt wer- den mufste, wenn der Tumor gegen dasselbe geprefst wurde, und wie hierauf Ohrenklingen und Schlafsucht entstanden. Einen noch hierher gehörigen Fall, wo das ganze Gesicht mit Ungeheuern Geschwülsten bedeckt war, die gröfstentheils Telangiectasien seyn mochten, beob- achtete James Parson x99) im Bartholomäus -Hospital zu London. Aus der Uebersicht dieser Zusammenstellung folgt, dafs Telangiectasien oft genug vorkommen, mit der Zeit sich sehr ausbreiten, und selbst dem Leben dro- hende Gefahr bringen; dafs sie ferner unerkannt, in ihrem Laufe nicht gehemmt, immer weiter um sich greifen und endlich Theile verletzen können, wo der Arzt, unvermögend zu helfen , die Rolle des Zuschauers übernimmt. Zwölfter Abschnitt. Bandagen. Ausdehnende Binde des Mundes. jLixx diesem Behufe nahm ich zwei Stücken festes Zwirnband, wovon jedes so lang war, dafs es vom Mundwinkel, bis einen halben Zoll hinter dem hintern Rand der Unterkinnlade reichte, spaltete das eine Ende jedes Stückes durch einen Ein- schnitt einen halben Zoll lang und liefs an dem andern Ende drei weibliche Hefte nähen. Jedes Stück wurde nun auf der einen Fläche mit stark klebendem Heft- pflaster bestrichen, und folgendermafsen angelegt. An jeden Mundwinkel kam ein gespaltenes Ende so zu liegen, dafs dessen oberer Schenkel auf die Oberlippe, dessen unterer an die Unterlippe befestiget ward, und beide Schenkel am Mundwinkel sich in das Band vereinigten, welches ich nun bis zum hintern Rand der Unterkinnlade führte, wo auf jeder Seite das mit Heften besetzte Ende zu liegen kam. Hieraufdrückte ich das Ganze fest an, T99) Philosophical Tdiif.actions reprinted according to the London Edition. Wittenberg, 1771. for the Year 1757. Volume L. Part I. nebst einein» interessanten Kupfer. — 82 — damit es in allen seinen Punkten genau schlösse, brachte schmales Zwirnband durch die weiblichen Hefte und schnürte sie so über den Nacken, dafs, je näher ich die beiden hintersten Enden einander brachte, ich um eben so viel die Mund- winkel von einander entfernte- Macht man die Binden länger, so dafs sie bis in den Nacken reichen, so wirkt ihre Kraft mehr auf die Haut des Halses, als die des Backens. Reiben die Schnuren der Bändchen irgend wo, so müssen kleine Longuetten von weicher Leinwand untergelegt werden.. Verliert das Heftpflaster nach einiger Zeit seine Kraft, oder zieht sich die Binde um etwas, so mufs der Verband erneuert wer- den. Folgende Mischung klebte am besten, nur mufs sie nicht zu dick aufge- strichen werden , sonst verschiebt sich die Binde , wenn sie erwärmt ist. Rp. Picis burgundic. 3ij EmpL diachylon. simpl. 5 **. lern calore liquefacta misceantur. Uie nähere Anwendung dieses Verbandstücks, siehe im zehnten Abschnitt zu Ende des sechsten Paragraph«* |, 2. Vereinigende Binde der Lippen. Eine Kritik der gebräuchlichsten Biuden , der Richter sehen 2o°) , K o eh- ringschen 201), Wiedeburgschen 202^ Stückelbergs chen, Eck- holdischen 2°3), hier zu liefern, verbietet der Raum; dafs eine mehr, die an- dere weniger, aber keine vollkommen ihren Zweck erreicht, wird man durch Vergleich ung ihrer respectivenStructur mit den aufzustellenden Grundsätzen leicht ersehen.. So drückt z. B. die Richters che zu sehr auf den Vereinigungs- ort, und lieget. nicht genug fest;, so passen, ihre übrigen Fehler abgerechnet, die. Ko.ehringischen und Wiedeburgi sehen blofs für ein Subject diesem sehr selten genau und belästigen dadurch , dafs sie den ganzen Kopf bedecken. Die nothwendigen Erfordernisse einer guten vereinigenden Binde der Lip- pen; sind:: 200) Dessen Chirurg. B. T. p. 56*. Abbild. Tab. I. Fig. 2- sox) Viel- Bern stein' s Kupfei tafeln, zur Verbandlehre. Jena, 1802. p. 32. 202) Ibid. p. 34„ 2.0.3'y L. c. Ueber eine cornplicirte Hasenscharte etc. p.. 19. 3. a) Sie mufs fest anliegen, sich unter keiner Bedingung verrücken. b) Jedem vorkommenden Fall leicht anzupassen und dem Kranken so erträglich als möglich seyn. c) Soll man durch dieselbe die Lippentheile nach Belieben nähern können. d) Dürfen die Wundlefzen selbst nicht bedeckt werden, damit, wenn man ohne Nadeln vereinigt, gesehen werden könne, ob die Synthese vollkommen geschehen, und wenn Nadeln angelegt werden müssen, damit diese unge- drückt , ganz hohl unter der Binde liegen. Widrigenfalls sie grofse Schmer- zen , Entzündung, Eiterung und Brand veranlassen können. Die Binde, welche Stückelberg von einem herumziehenden Wundärzte sah und im Museo der Heilkunde 2<>4) beschrieb, ist, ihre Mängel abgerechnet, eine der einfachsten, lieget fest, und die Nadeln können unverletzt unter ihrem Schlosse ruhen; von ihr entlehnte ich die Idee zu der meinigen, die im Ganzen mit derselben übereinstimmt, in ihren einzelnen Theilen aber ganz von derselben abweicht. 1) Die Wangenbänder (Tab. 1TI. Fig. 1. b. c.) der Stückelbergi- schen sind aus einem Stück gefertigt, und bilden, indem sie angelegt werden, im Nacken eine Falte, die Druck und Schmerz verursacht. Schneidet man aber in ihrer Mitte ein dreieckiges Stück heraus , nähet dann die beiden schiefen Enden so zusammen, dafs die Backenlheile b. und c. in d. einen stumpfen Winkel bilden, und legt sie nun so an, dafs die Spitze des Winkels in den Nacken zu liegen kommt, die beiden Schenkel desselben aber etwas schief nach dem Mundwinkel herunter gehen, so liegt das Ganze an, und die Falte wird vermieden. Die Nath mufs (angestofsen) ohne Saum seyn, damit sie nicht drückt. 2) Das Schlofs hatvor allen andern den Vorzug, dafs die Nadeln ungerührt unter demselben ruhen, und von den vereinigenden Fäden nicht gedrückt werden, hat aber zugleich den Nachtheil, dafs die horizontalen Theile der Bleche (Tab. III. Fig. 3. d.e.) zu grofs sind, daher zumTheil auf den Backenknochen, zumTheil auf dem Processu alveolar! ruhen, und dadurch eine unstäte wankende Lage bekom- men; will man diesem Fehler durch Unterlage beikommen, so wird es umständ- lich und die Anlage bleibt ungewifs. Ich lasse daher den horizontalen Theil der Platten, wie man in der Abbil- dung sieht, blofs ^ Pariser Zoll (d. bis e.) lang, und ~ Zoll breit (f. e.) machen, 204J Museum der Heilkunde. Helv. Arz. 1794. Tom. 2. p. 272. L 2 _ 84 — wodurch er blofs auf dem Frocessu alveolari zu ruhen kommt, auf demselben eiae- gleiehe Lage hat und auch nicht im mindesten wanken kann. Durch diese Gröfse der Platten wird die Binde sogleich für Kinder und Erwachsene anwendbar. Bei erstem fafst sie die ganze Breite- der Lippen, bei letztern bleibt über und unter den Rändern der Platte ein Stückchen Lippe unbedeckt, welches aber der Zusam- menziehung des mittlem Theils auf das genaueste folget. Der perpendiculaire Theil d. c. b. ist ganz dem S tu ckelb ergischen gleich, aufser dafs derselbe bei d. mit dem horizontalen einen spitzen Winkel bil- det, der deswegen nöthig ist, weil bei der Zusammenziehung des Schlosses die horizontale Platte sich bei e. f. um etwas in die Höhe gibt; dadurch stemmt sich der Winkel d. gegen die Lippentheile und verhindert ihr Zurückweichen von der Vereinigungsstelle; ist nun die Platte c. d. in einen spitzen Winkel gebogen, so bekommt sie während der Anlage eine aufrechte Stellung, da sie sich gegen die Vereinigung neigen würde, wenn sie bei d. einen rechten Winkel bildete. Um dem Schlosse ein besseres Ansehn zu geben, lasse ich die 4 oder 5 Knöpfchen aufa. b. nicht so grofs wie die Stückelbergischen machen: sie verrichten, niedlich gearbeitet, die nämlichen Dienste; den Theil des Gurtes, aufweichen die Platte genäht ist, lasse ich mit obigem Heftpflaster an seiner untern Fläche be- streichen, wodurch das Schlofs an die Lippen gelegt, ein besseres Point d'appui erhält. 5) Dem Urtheile Bernsteins 2o5) über S tu ckelb er gs Binde „will man die Absicht vollkommen erreichen, so müfste man für jeden Kopf eine besondere Binde haben " füge ich noch hinzu, dafs sie selbst für einen Kopf schwer so zu ferti- gen sey, dafs sie für denselben vor und nach der Operation immer vollkommen passe. Diesen so wichtigen Nachlheil suchte ich dadurch zu beseitigen , dafs in der Mitte jedes Riemens (vid. Fig. i.e. f. g. und Fig. 2. a. b. c.) Schnallen ange- bracht wurden, durch welche man den Stirn- und die Wangenriemen nach Be- lieben verkürzen und erweitern kann. Hierdurch wird die Binde für jeden Kopf anwendbar, ist für jeden Fall, und seine verschiedenen Stadien zu gebrauchen, und kann so genau angepafst werden, dafs sie ganz anliegt, und dafs man füglich die von D. Eckhold 2°6) angebrachte Circulair- Binde, die er zur sicherem Befestigung anwendet, entbehren kann. Ich habe sie öfterer, selbst bei unruhigen 205) Systematische Darstellung des Verbandes. Jena, 179S. p. 201, 206) L. e. — 85 — Kindern, angelegt; immer behauptete sie ilire Lage. Dafs es ganz unmöglich ist, dafs sie bei genauer Anlage dieselbe verändere, kann man theils aus Fig. 4. er- sehen, theils daraus schliefseil, dafs sich ihrer Verrückung nach allen vier Ge- genden Hindernisse entgegen stellen, denn nach unten kann sie'wegen der Stirn- riemen nicht ausgleiten, nach oben stöfst ihr die Nase entgegen, und rechts oder links stofsen theils die zur Stirn geführten Schnuren an die Nase , theils hindert die Verrückung des einen Wangenbandes das demselben gegenüber liegende. 4) Die seidenen Schnürchen Fig. l. m. n. lasse ich deswegen zwischen dem horizontalen Theile des Schlosses und den darunter liegenden Theilen des Gurtes befestigen, dafs man sie gleich bei der Anlegung durch die weiblichen Hefte des Stirnriemens (vid. Fig. 4.) ziehen , und so dem Schlosse schon eine sicherere La- ge geben kann , ehe das Zusammenschnüren desselben vorgenommen wird, wel- ches man Fig. 4. deutlich siehet. An der Stückelbe rgschen fehlen diese Schnürchen ganz, er schnüret erst das Sehlofs von unten herauf, und ziehet dann die übrig gebliebenen Enden des Seidenfadens durch die Hefte des Stirnriemens, wodurch die Anlegung nicht so ganz bequem und behende geschehen kann, als auf erstere Art, weil sich während der Schnürung das Sehlofs zu leicht nach unten bewegt. Die Anlegung der Binde ist leicht; ich bringe den Vereinigungspunkt (Fig. l. d.) der drei Riemen a. b. c. in den Nacken, führe dann die beiden Wangenbänder nach den Mundwinkeln zu, und den Stirnriemen über den Schädel weg nach der Stirne (vid. Fig. 4.). Hierauf ziehe ich die beiden Seidenschnuren des Schlosses durch die an den Stirnriemen befestigten weiblichen Hefte, binde sie mit einer Schleife (Fig. 4.) und schnüre nun mit einem starken Seidenfaden, den ich um die Knöpfchen des Schlosses lege, die beiden Hälften desselben so stark, als es die LTmstände erfordern. Fehlet es dennoch irgendwo, so kann man sich durch die Schnallen und Schnüre an den weiblichen Heften leicht helfen. Ich lasse die Binde aus pommeranzfarbenem seidenen Gurte fertigen, da diese Farbe durch Waschen nicht verlieret, und nicht so leicht schmuzet als die weifse. Durch die angeführte Einrichtung hat die Binde mir in den so häufig vor- kommenden Krankheiten der Lippen immer vollkommen Genüge geleistet, und ich freue mich, dafs Aerzte und Wundärzte, die ihre Mittheilung von mir ver- langten , eben so zufrieden mit derselben sind , als ich es bim — 86 — Erklärung der Kupfertafeln. - Vignette. Oie stellt die Vereinigung des rechten Lippentheiles mit dem linken Backen dar. Unter der Nase sieht man die Unterbindungsfäden der Arteria coronaria sinistra heraushangen, die beiden andern Fäden sind zur Knopfnath bestimmt, durch welche der ausgeschnittene Mundwinkel vereint wird. Die Unterlippe erscheinet durch die starke Zusammenziehung der obern Theile stark gefaltet, und auf das Kinn herabgebeugt (vid. Abschn. 10. in der Mitte des 5teu §.). Erste Tafel. Der Kopf ist scizzirt und blofs die kranke Oherlippe vollkommen ausgear- beitet, deren Beschreibung der 2te §. des zehnten Abschnittes darbietet. Zwei t e Tafel. Fig. r. Zeiget den durch die Ausrottung der Oberlippe, des Mundwinkels und eines Theils der Unterlippe entstandenen Schnitt. Wo er unter der Nase meinen Win- kel zusammentrifft, sieht man den rauhen Ort, an welchem das degenerirte fre- nulum breit angesessen halte. In der Substanz des Backens ist die Arteria coro- naria dextra mit ihrer Unterbindung zu sehen (vid. Abschn. 10. Ende des 5ten §.). F i g. 2. Ist die Abbildung des abgelösten Theiles. Die äufsere Lage der Gefäfse ist weggenommen, und man sieht das Parenchym als ein Gewebe von Gefäfschen, in welchen mehrere kleine Anevrismen, Varicen und Cirsen liegen, deren Durch- schnitte bei der Trennung des ganzen Tumors in zwei Theile sichtbar wurden; in der Seitenfläche des einen Theils erblickt man die durchschnittene Kranzschlag- ader nach ihrer natürlichen Erweiterung (Abschn. 10. §. 7.). Fig. 5. Ist das Portrait des geheilten Knaben; dem linken Theile der Oberlippe feh- let die rothe Substanz. Man entdeckt kleine regellose Punkte, welche die nach der Heilung zurückgebliebenen noch etwas sichtbaren Narben der Nadelstiche vor- stellen (vid. Abschn. 10. Ende des 6ten §.). Fig. 4. Ist das erste Entstehen der Telangiectasie. Man bemerkt unter dem Auge einen platten, kleinen, runden, aus Gefäfschen gewebten Fleck, der roth von Farbe war (Abschn. 11. §. 3.). - 87 - Fig. 5. Eine weiter gelangte Telangiectasie an der Nase; sie ist zwar klein, aber nicht mehr platt, wie jene, sondern schon erhaben (ibid.). Dritte Tafel. Fig. i. Die Vereinigungsbinde der Lippen in ihren ganzen Tlieilen. Denkt man sich dieselbe angelegt, so ist die Fläche der Binde, die hier zu sehen ist, nicht die anliegende, sondern die äufsere des ganzen Verbandstücks , welches aus dem Nackenkreuze, zwei Wangen- und einen Stirnbande zusammengesetzt ist. 1) Das Nackenkreuz bestehet aus drei Bändern, die in d. zusammentreffen; die Theile d. f. und d. e. sind jeder vier Pariser Zoll lang, aber das dritte d. g. beträgt sechs Zoll. Die beiden Riemen , an welchen die Backenschnallen e. f. befestiget sind, werden in d. so zusammengenäht,, dafs sie einen stumpfen Winkel bilden (viel. Abschn. 12. §. 2. No. 1.). Jedes Ende des Nackenkreu- zes e. f. g. hat eine Schnalle, einen Pariser Zoll von derselben ein kleines Quer- bändchen, welches bei der Schnalle e. und f. frei liegt, bei g. aber ist der Stirnriemen durch dasselbe (vid. 1.) gezogen. 2) Die Wangen band er c. i. und b. h. sind jedes sechs Zolllang, sie werden an ihrem einen Ende i. und h..umstocheny an jedem entgegengesetzten b. und c. wird ein 8 Zoll langes seidenes Schnürchen genähet, so dafs es über den obern Rand des Bandes hinaus gehet , wie n. m. und zwischen das Blech und den Gurt zu liegen kommt, wenn auf die beiden Enden c. und b. die horizontalen Platten des Schlosses aufgenäbet werden. 5) Das Stirnband a. k. ist 10 Pariser Zoll lang, bei dem Ende k. umstochen, bei a. sind aber zwei weibliche Hefte , die am besten mit Seide umwunden werden, befestiget; durch diese werden bei Anlegung die Schnürchen m. und n. gesteckt, und in eine Schleife gebunden, wie in Fig. 4. zu sehen ist. F i g. 2„ Erkläret genau die Befesligung der Schnallen. Das abgerissene Ende bis b. ist ein Theil der grofsen Riemen. Auf denselben wird die an einen Zoll langen Riemen a. c. genähte Schnalle in der Entfernung von b. befestiget, dafs, wenn die Schnalle angezogen wird, sie nicht über b.. wegreichen könne. So dienen die gro- fsen Riemen ihren Schnallen zu Polstern , und erstere können nie Druck auf ir- aexid einen Theil des Gesichts bewirken. Dort wo die Schnalle mit ihren Stück- chen Riemen an das Band genähet ist, a. wird das Querbändchen d. befestiget, wodurch die Nat.h bedeckt wird. Das Querbändchen dienet dazu, dafs man die Backen- und Stirnbänder durchziehen könne, damit sie nicht herum hängen 7 wie- es Fig. 1. bei 1. zu scheu ist. F i g. 5. Stellet die beiden auf den Gurt genähten Theile des Schlosses in natürlicher Gröfse und fast richtigem Verhältnisse vor; beide Bleche sind einander vollkom- men gleich, deswegen beschreibe ich blos eins. Sie können aus stark legirtem Sil- ber oder übersilbertem Messing. etc. gefertiget werden, damit sie beim Schnüren sieh nicht biegen. jj Die horizontale Platte soll von d. bis e. f Pariser Zoll lang und von e. bis f. gleich dem Gurte | Zoll breit seyn; längs ihren Rändern und dem Winkel, den sie bei d. mit der senkrechten Platte bildet, sind kleine Löcher geschlagen und durch eine gemeinschaftliche Furche verbunden, ersteres, um sie an den unten liegenden Gurt befestigen zu können, letzteres, um den Fäden eine feste Lage zu geben. 2) Die perpendiculaire Platte ist von d. bis c. £ Pariser Zoll hoch, und bildet bei d. mit der wagerechten Platte einen etwas spitzen Winkel, doch inufs dieser abgerundet seyn, damit er nicht in dieLippentheile einschneide. Von c. bis b, ist sie TTa Zoll breit und wird mit dem aufsteigenden Theile in einen rechten Winkel d. c. b. gebogen ; auf diesem Rande sind kleine Knöpfchen gelöthet ; man braucht deren auf jeder Seite blofs vier. Am obern Rande der Platten ist ein Stück der Seidenschnuren zu sehen. Fi g. 4. Zeiget die Anlage der Binde. Bei b. c. sieht man die Wangen-, und bei a. die Stirnschnalle liegen. Durch die beiden Hefte des Stirnriemens sind die am Schlosse befestigten Schnürchen gezogen und in eine Schleife gebunden. Das Schlofs ist mit einem starken Seidenfaden geschnüret, dessen Enden am letzten Knöpfchen in eine Schleife zusammen kommen. Fig. 5. Das im zehnten Abschnitte §. 5. erwähnte Exstirpatorium ist ein lanzetten- formiges zweischneidiges Messer, welches in. seiner Fläche gebogen ist, wie man Fig. 6. in der Profilzeichnung deutlich siehet. Zweischneidig und so breit, wie es dargestellt ist, brauche ich es sehr bequem bei Ausrottungen grofser Theile, z. B. Brustscirrhen , um dieselben aus dem Grunde herauszuholen. Man kann, ver- möge der Beugung, leichter zur Basis des Scirrhen, als mit jedem andern Messer» Einschneidig, und kaum halb so breit, bediene ich mich desselben bei kleinern Operationen, z. B. bei der Exstirpation der Balggeschwülste an den Augenliedern, nachdem der Hautschnitt mit einem geraden Messer geschehen ist. Endlich ist es in allen Fällen anwendbar, wo die Cowp ersehe Scheere sonst nothwendig war, die es nicht allein ersetzt, sondern vielmehr ganz entbehrlich macht, da man eben so behend damit verfahren kann und dasselbe weniger Schmerz und gar keine Quetschung verursacht, die beim Gebrauch der Scheere unvermeidlich ist. Nur Schade, dafs dessen Verfertigung sehr wenig Künstlern gelingt, da das Schleifen bei dieser Krümmung mühsam und künstlich ist. Herr Instrumentmacher Kund e in Dresden arbeitet es vortrefflich. ».J C^üz . / ^aAjj:. y 2. £/?£& . ■/■ . &fy. 3 . ■*■ ■ * J fQ. JK mo. 6 I 6fy.3.- % ß 1 tJ*ttf- 4* a Q >* if ■i HIB \;k C c7" {fracsfe.